Beiträge von Karl

    Hallo,


    von Asahina habe ich die letzten Aufnahmen, siehe


    Asahina


    Er dirigiert das Werk klassisch kraftvoll, aber die Lebendigkeit der folgenden Einspielungen erreicht er nicht:


    Wiener Philharmoniker, Leonard Bernstein, 1978



    Bernstein glänzt mit Esprit und Schwung, es wogt hin und her, Emotionen pur.


    Die Deutsche Grammophon mit Hans Weber hat hier eine Sternstunde bei der Aufnahme, könnte vielleicht daran liegen, daß sich der Dirigent nicht eingemischt hat.;)


    Die 2te sehr gelungene CD hat mich doch etwas überrascht, es ist Günter Wand. Den habe ich bisher eher bei Bruckner im Blick.


    Günter Wand


    Ebenfalls sehr lebendig und zudem ein Klanggenuss.


    Es grüßt


    Karl

    Hallo,


    bei den Aufnahmen aus den 50iger Jahren sind zunächst die beiden "Platzhirsche" Furtwängler und Klemperer zu nennen.


    Das sind "must have" für jeden Sammler und Genießer der 3.Sinfonie, immer anhörbar und als Grundlage für Bewertungen anderer Einspielungen immer zu gebrauchen.


    Hat man - wie ich - die für den 1.Satz angesprochene emotionale Ausdrucksweise Beethovens im besonderen Blick-/Hörfeld, ist man bei Konwitschny und Reiner noch besser aufgehoben.


    Kallis Empfehlung kann ich nur weitergeben. Eine solche Lebendigkeit im musikalischen Ausdruck von Gefühlen allein mit dem Taktstock aus einem Orchester herauszuholen, setzt tiefstes Verständnis und Hingabe an das Werk vorraus. Ähnliche Begeisterung empfinde ich bei Fritz Reiner, der hier ebenfalls das Feuer entfachen kann.


    Allein die damals noch nicht voll ausgereizte Aufnahmetechnik führt dazu, daß in späteren Jahren zwei andere Dirigenten noch nachlegen können.


    Es grüßt


    Karl

    Hallo Holger,


    wenn man weiß, wie behutsam Karajan das Orchester als Begleiter eines Solisten einsetzt ...


    Eine abgeschwächte Version zu Karajan, welche sich gut zum Vergleich eignet, bietet Cluytens.


    Energiegeladen und flott geht es los, eine Überpräsenz des Orchester ist in einzelnen Passagen zwar noch da, gleichwohl schon erkennbar abgemildert.


    Eine durchaus ernstzunehmende Alternative für Liebhaber des Karajanstils.


    Es grüßt



    Karl

    Zitat

    Etwas so allgemeines wie "Ständegesellschaft", "Revolution", "Aufklärung" ist m.E. unbelegbar und viel zu unspezifisch, um es konkret in der Musik wiederzufinden. Woran genau würde man das festmachen?

    Das dürfte nicht umsetzbar sein. Stimmt.


    Aber hier geht es um Emotionen, die ein stolzer und freiheitsliebender Mensch, der zudem einen persönlichen Neubeginn wagt, in Musik ausdrückt.


    Das Hin- und Herwogende mit freudiger Erwartung auf das Neue wird für mich bisher bei zwei Dirigaten erlebbar.

    Hallo,


    der rege Gedankenaustausch zwischen Glockenton und Holger über die 3.Sinfonie Beethovens war Auslöser für mich, alle meine vorhandenen Einspielungen durchzuhören (Konwitschny und Furtwängler kamen noch dazu).


    Konzentriert habe ich mich dabei auf den 1.Satz, der uns einen seltenen direkten Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt Beethovens erlaubt.


    Wer schafft es, diesem energiegeladenen Werk das innewohnende Leben einzuhauchen und dem Zuhörer nahezubringen?


    Denkbar wäre Karajan mit den Berlinern aus dem Jahre 1963, für mich in akustischer Wirkung und Präzision kaum zu übertreffen.


    Wem sonst gelingen diese langen Spannungsbögen und dieses kontrastreiche, strahlende wie mächtige Klangbild?


    Der Dirigent und sein Orchester zeigen dem Hörer auf, was handwerklich wie technisch machbar ist.


    Könnte mir gut vorstellen, wie berauscht mancher den Konzertsaal nach einer solchen Vorstellung verlassen hat.


    Aber zuhause ist das anders. Da ist man distanzierter und neutraler gegenüber der musikalischen Darbietung.


    Es fehlt der Spirit des Livekonzertes, das Eintauchen in die Menge von Menschen und der zündende Funke der Interaktion zwischen Orchester und Zuhörer.


    So habe ich mir emotional recht neutral den 1.Satz der 3.Sinfonie in seiner ganzen Bandbreite des künstlerischen Ausdrucks über einen längeren Zeitraum angehört und die bestehende Auswahl Stück für Stück reduzieren können.


    Bei Karajan fiel mir bald auf, das ich auf Grund des massiven akustischen Eindrucks anfing zu ermüden. Seine erkennbare Vorliebe für große Spannungsbögen, was er meisterhaft mit den Berlinern beherrscht wie kein anderer, dieses Herausarbeiten von Klangkontrasten in allen Schattierungen, sind mir einfach zu viel des Guten.


    Kurz gesagt: Hier zeigt mir ein Dirigent mit seinem Spitzenorchester, was sie können. Ich erfahre ein Klangerlebnis in höchster Perfektion und Güte. Die Botschaft des Werkes geht darüber aber Stück für Stück verloren.


    Beethoven verschwindet immer mehr, das Können der Ausführenden tritt in den Mittelpunkt.


    Es grüßt


    Karl

    Hallo Kalli,


    gerne, bin selber gespannt, was man zu hören bekommt.


    Die EMI Aufnahme aus dem Wiener Musikvereinssaal von 1952 mit Furtwängler ist ebenfalls schon auf dem Postweg.


    Karl

    Zitat

    Nur einen Kampf "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" versus "Ständegesellschaft" mag ich da lieber nicht heraushören wollen wie auch Beethoven selbst wahrscheinlich eher nicht als Anhänger eines tobenden Mobs und verbrecherischen Revolutionsregimes gelten möchte.

    Beethoven hat die bestehende Ständegesellschaft angewidert, er hat diese "Ungleichheit ab der Geburt" zutiefst als Unrecht empfunden


    (Wer kennt nicht die Geschichte über den Spaziergang mit Goethe, als man dabei auf die kaiserliche Familie trifft?).


    Die französische Revolution hat deshalb Hoffnung auf Änderung der politischen und sozialen Verhältnisse in Deutschland gegeben, die sich bei Beethoven emotional in Musik ausgedrückt aus.


    Gleiches gilt für sein persönliches Schicksal mit der früh einsetzenden Taubheit, die ihn fast in den Selbstmord getrieben hätte.


    Er hat diese schwere Depression überwunden, dieser außergewöhnliche Kraftakt ist die zweite Grundlage seiner neuenstandenen Schaffenskraft.

    Hallo Lustein,


    Zitat

    ...am besten gelungen sind sicher die Eroica-Aufnahmen unter Wilhelm Furtwängler und Franz Konwitschny.

    Konwitschny ist im Zulauf, zu Furtwängler wären noch genauere Angaben sehr hilfreich.


    Nette Grüße


    Karl

    Hallo Holger,


    Zitat

    Ich glaube, dass die "Eroica" weder Programmmusik im engeren Sinne ist noch "absolute Musik".


    stimme dir zu, diese Musik kommt aus seinem innersten Gefühlsleben und macht sich Platz.


    Kein Wunder, daß sie eine so starke Wirkung entfalten kann, wenn man ein Ohr dafür oder etwas Ähnliches wie Beethoven durchlebt hat.


    Es grüßt


    Karl

    Zitat

    Aber in welchen Takten/Themen hörst Du denn, dass von Brüderlichkeit bzw. Ständegesellschaft etc. "gesprochen" wird?

    Eigentlich bleibt mir nur übrig zu fragen, ob du diese innewohnende Unruhe, diese Aufbruchstimmung und das Schauen und Suchen nach Neuem im Wesen des 1.Satzes nicht hörst? Es bestimmt ihn von Anfang bis Ende.

    Hallo,


    der 1.Satz der Eroica beinhaltet zwei grundlegende Themen aus Beethovens Gedankenwelt:


    1. Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit unter den Menschen anstatt der Ständegesellschaft

    2. Überwinden einer schweren Depression und dadurch Aufbruchstimmung und Beginn eines neuen Lebensabschnitts


    Diese Empfindungen hat er in Musik umgesetzt gleich einem Sturmerlebnis auf einem Schiff.


    In welcher der vielen vorliegenden Einspielungen kann ich das tatsächlich nachempfinden?

    Hallo Holger,


    ich bin froh zu hören, daß es bei Pollini der Aufnahmetechnik geschuldet ist.


    Hat mich auch stark gewundert, da ich ihn sehr sehr schätze und mir nicht klar war, warum es so seltsam dünn klingt.


    Aber damit ist diese Aufnahme schlicht und einfach nicht wettbewerbsfähig gegenüber den anderen.


    Schade drum.


    Es grüßt


    Karl

    Zuerst habe ich die 3 Aufnahmen untereinander verglichen, danach mit den bisherigen CDs.


    Durch das viele Hören hat sich am Schluß sogar meine Rangfolge etwas verschoben.


    Idil Biret setzt bei Chopin wohl gerne das rechte Pedal ein, mir ist das aber zuviel an Klanggeschehen.


    Wem diese Ausführung des anvertrauten Werkes gefällt, wird an der sonst makellosen Darbietung seine Freude haben.


    Gilels Spiel bringt Chopin oft in einer unvergleichlichen Zartheit, wo es bei Rubinstein eher die Eleganz ist, die so bestechend wirken kann. Beide CDs sind wahre Perlen für Chopinfreunde.


    Weissenberg ist und bleibt eine echte Überraschung für mich. Was er veranstaltet, hat niichts mehr mit einer der üblichen Interpretationen von Chopins dritter Sonate zu tun, das steht abseits für sich.


    Aber es ist schlüssig in seiner Gesamtheit, ein Muss für jeden, der sich mit dem Werk befasst. Ich kann ihn nur für seinen Mut und das ureigenste Verständnis dieser Musik gratulieren. Das verblüfft, das fordert, das regt das Denken an.


    Und nach dem langen Hörzyklus der 3. Sonate ist zwischenzeitlich meine Nummer eins Miao Huang geworden.


    Sie hat die genau richtige Intonation des Instrumentes (bei Pollini ist der Ton einfach viel zu schlank) und spielt die Sonate so erfrischend und lebhaft ohne die bei Chopin so wichtigen Tonattribute Eleganz und Zartheit aus den Augen zu verlieren.


    Es grüßt


    Karl

    Hallo,


    die 3 CDs sind schon vor einigen Tagen eingetroffen, für die Beurteilung habe ich mir Zeit gelassen.


    Die Aufnahme von Weissenberg ist aus 1972, die von Gilels aus 1978, Birets von 1990.


    chopinsonate318kgi.jpg

    Hallo Holger,


    Zitat

    Die 3. Sonate hat auch den Charakter eines brillanten Virtuosenstücks - weit mehr noch als die Trauermarschsonate. Dieses Stück darf man deshalb auch virtuos spielen.


    stimme dir da gerne zu.


    Wo das endet, merkt man dann beim Vergleich mit Rubinstein.


    Ein Lehrbeispiel, wie unterschiedlich das gleiche Werk selbst bei Pianisten von Weltrang ausfallen kann.


    Es grüßt


    Karl


    PS: Chopin verabschiedet sich für mich hier in dem Moment, wo die Akkorde gezielt als Wirkungsmittel eingesetzt werden.

    Hallo,


    auf Grund der ausgesprochenen Empfehlungen habe ich mir noch:


    1. Martha Argerich - The Legendary 1965 Recording

    2. Pollini

    3. Rubinstein RCA Red Seal


    besorgt.


    Argerich hat ja 1965 den Internationalen Chopin-Wettbewerb von Warschau gewonnen, der Produzent Suvi Raj Grubb schwärmte noch 1986 von der späteren CD-Aufnahme in den Abbey Road Studio No.1 im Jahre 1965.


    Mein Eindruck: eine Art Klangflut bestimmt hier das Spiel dieser technisch perfekten Pianistin, ein Akkordrausch, der die Virtuosin und ihr Können demonstriert. Chopin selbst geht dabei unter, so könnte manche Machtdemonstration in den Salons gewirkt haben.


    Pollini ist da ganz anders, er nimmt sich hinter dem Werk zurück, Melodie und Akkorde entfalten sich entspannter und unspektakulärer. Allerdings erreicht mich hier sein gezeigtes Spiel nicht wirklich, der poetische Ausdruck des Werkes bleibt seltsam im Nebel.


    Zuletzt die Aufnahme mit Rubinstein aus dem Jahre 1961, 1986 digital aufwändig remastered.


    Ich würde meinen, Chopin könnte es kaum besser spielen. Hier ist alles im richtigen Verhältnis, nichts erscheint aufdringlich oder vordergründig, dabei hat es diese leichte Eleganz im Klang, die aber nie übertrieben romantisch oder fast süßlich wirkt.

    Man merkt, wie unvergleichlich tief dieser Pianist den Charakter des Werkes in sich aufgesogen und verstanden hat, es ist die Referenzaufnahme der Sonate No.3.


    Ungeachtet dieser schöpferischen Meisterleistung bleibt die Aufnahme mit Miao Huang meine Alternativeinspielung, wenn es etwas weniger Eleganz und Klangschönheit sein darf. Das gibt der Sonate eine leicht andere Richtung, es wirkt zarter und gelegentlich spröder, was seinen eigenen Reiz hat.


    Es grüßt


    Karl

    Hallo Holger,


    Zitat

    Es spricht viel dafür, dass das Klischeebild von Chopin in diesen Laienmusiker-Kreisen geschaffen wurde...


    in die aufgezeigte Richtung geht es wohl, da logisch nachvollziehbar.


    Es grüßt


    Karl

    Hallo Holger,


    Sinnlichkeit ist es eigentlich nicht, es ist diese Zartheit und Zerbrechlichkeit im Klangbild, die ich mit dem Begriff "Poesie" umschreiben möchte. Und das ist bei der für mich richtigen Ausführung des Werkes weder rührselig noch einlullend, was bei Chopin wegen der apruten Wechsel in der Gefühlslage auch unpassend wäre.


    Ich denke, daß man bei Salons "jener Zeit" und der dort stattfindenen musikalischen Umrahmung eine große Vielfalt vorgefunden hat.


    Natürlich gab es neben den rein gesellschaftlichen Treffen zum Zwecke des Vorstellens und Miteinander- Bekanntwerdens aus geschäftlichen oder privaten Absichten die rein kulturellen Zwecke, aber das war doch bunt durchgemischt.


    Und so durfte mancher Musikschaffende gegen lohnende Bezahlung den Rahmen für eine gut betuchte Gesellschaft abgeben, die ihre geschäftlichenTreffen mit bekannten Namen aus Kunst und Kultur schmückte.


    In letzter Konsequenz wurden Höhepunkte in der Klavierkunst mit Werken von Chopin oder Liszt sicherlich durch zweitklassige Interpreten genau in die Richtung gebracht, die man heute mit Salonmusik verbindet.


    Es grüßt


    Karl

    Hallo Wolfgang,


    unser Empfinden ist - was nicht verwundern sollte - doch sehr individuell.


    Chopins Schöpferkraft hat mMn ihren stärksten musikalischen Ausdruck in den Klangfarben, die bei ungeeigneter Intonation und Spielweise die Komposition in eine Richtung, die der gehobenen Unterhaltungsmusik, führen können.


    Es grüßt


    Karl

    Hallo,

    Zitat

    Man mag ja mit Chopin "seine Schwierigkeiten" haben, doch bei diesen Aufnahmen wird kein Mensch an "Salonmusik" denken.

    für mich liegt das Problem in der Ausführung der Werke.


    Das fängt gerade bei Chopin schon mit der Intonation des Instrumentes an, es reicht ein bißchen zu viel an Wärme und Rundheit im Klang, um die verkehrte Richtung einzuschlagen. Wenn der Pianist das mit seinem Spiel noch verstärkt, kommt es zu dieser ach so kraft- und bedeutungslosen aber gleichzeitig schönen Unterhaltungsmusik.

    Mit Chopin habe ich meine Schwiergkeiten.


    Bisher konnte ich mich mit dieser Musik nicht anfreunden, Klaviermusik für die Salons jener Zeit.


    Man unterhält sich, man amüsiert sich, gepflegte Atmosphäre für den Schöngeist.


    Durch Zufall - ich sammle Wettbewerbsaufnahmen von jungen Künstlern - kam mir diese CD unter:



    Eigentlich interessiert mich mehr der Gaspard, aber warum nicht mal beim Chopin reinhören?


    Schon nach kurzer Zeit weckt diese Interpretation meine Neugier.


    Warum?


    Die junge Dame spielt Chopin weder weichgespült noch übertrieben romantisch.


    Ihr schlankes und gleichzeitig so reizvolles Spiel läßt mich Chopin erstmalig in seiner poetischen und doch oft so melancholischen Art erblicken.


    Das ist Musik in ihrer eigentlichen Faszination und Wirkung.



    Karl