Beiträge von klaus

    Das gibt mir doch glatt Gelegenheit zur Werbung:





    BrucknerTage St. Florian 2008 unter dem Motto
    „Brahms und Bruckner“
    17.-23. August 2008


    Die BrucknerTage 2008 widmen sich in konzertanter und musiktheoretischer Gegenüberstellung der Musik von Anton Bruckner und Johannes Brahms sowie deren musikgeschichtlich überlieferter „Rivalität“ bzw. zeitgenössisch postulierter „Unvereinbarkeit“. Eine heftige zum Teil sehr polemische geführte musikästhetische Debatte hatte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu einer Polarisierung dieser damals in Wien lebenden und wirkenden Komponisten geführt, wobei sich die beiden Künstler selbst an dieser Auseinandersetzung zu keinem Zeitpunkt verbal aktiv beteiligten. Hauptgrund für die „antipodenhafte“ Darstellung und Instrumentalisierung der beiden Meister war Bruckners angeblich allzu große Nähe zu Richard Wagner bzw. zur Neudeutschen Schule. Damit konnte der als „wagnerhaft“ etikettierte Sinfoniker Bruckner gegen den Sinfoniker Brahms ausgespielt werden, welcher im Sinne konservativer Wiener Musikästheten wie Eduard Hanslick als der eigentlich berufene Wahrer der Kunst galt. Die publizistisch daraus resultierenden persönlichen Verletzungen und Verunsicherungen Bruckners sind biographisch hinlänglich bekannt.
    Die BrucknerTage 2008 versuchen allerdings den Zugang zu diesem Thema nicht aus einer ästhetischen Sichtweise, sondern streben eine neutrale rein musikalische sowie geisteswissenschaftlich-musikanalytische Annäherung an Gemeinsamkeiten und Unterschiede beider Komponisten an. So soll in den Konzerten die Musik beider Komponisten genauso nebeneinander Platz und Geltung finden, wie diese auch zur gleichen Zeit in derselben Stadt lebten.


    Als Hauptwerk steht im Jahr 2008 Bruckners große Messe in f-Moll am Freitag, 22. 8. 2008 auf dem Programm. Sie wird in Kooperation zwischen dem StiftsChor St. Florian und dem Domchor Linz zusammen mit drei der großen Motetten Bruckners unter der Leitung von Stiftskapellmeister Matthias Giesen aufgeführt werden. Damit wird die Besetzung von Chor und Orchester auf sinfonisches Ausmaß erweitert (ca. 130 Mitwirkende). Diesem Werk wird am folgenden Abend das große kirchenmusikalische Pendant von Brahms – Ein deutsches Requiem – gegenüber gestellt, welches in der Urfassung mit vierhändigem Klavier, gesungen vom Ad-libitum-Chor unter Heinz Ferlesch im Marmorsaal erklingen wird (musica-sacra-Konzert).
    Das mittlerweile programmatisch fix verankerte Jazz-Konzert der BrucknerTage will am 21.8.2008 - dem Vorabend dieser zentralen Aufführung - eine Annäherung an Bruckners f-Moll-Messe aus der Perspektive heutiger kompositorischer Klangsprache in einer Fassung für Jazz-Ensemble des amerikanischen Komponisten und Arrangeurs Ohad Talmor eröffnen.
    Am 18.8.2008 sollen durch Solisten der Wiener Philharmoniker zwei jeweilige zentrale Kammermusikwerke - Bruckners F-Dur-Streichquintett und das B-Dur-Streichsextett von Brahms - einander unmittelbar gegenübergestellt werden.
    Das Orgelkonzert des Schweizer Komponisten Daniel Glaus am 19.8.2008 wird auf das Verhältnis beider Komponisten zur Orgel eingehen: Für Brahms ein Rückzugsgebiet zu kontrapunktischen Studien, bei Bruckner das Instrument improvisatorischer Entfaltungskraft.
    Der Klavierabend am 20.8.2008 mit den Haydn-Variationen von Brahms und einigen Ausschnitten aus Opern Richard Wagners beabsichtigt einen Beitrag zur im 19. Jahrhundert üblichen Musizier- und Vermittlungspraxis sinfonischer Werke auf zwei Klavieren. Grosse Orchesterwerke beider Komponisten (u. a. sowohl das Te Deum als auch das Deutsche Requiem) wurden im zeitgenössischen Wien im Klaviersalon Ehrbar (Brahms) resp. im Akademischen Richard-Wagner-Verein (Bruckner) in diesen Bearbeitungen uraufgeführt.
    Auch 2008 werden die Wiener Streichersolisten (Mitglieder der Wiener Philharmoniker) wieder zu Gast in St. Florian sein, u. a. mit dem Adagio aus dem Streichquintett Bruckners in chorischer Fassung und einem Mozart-Klavierkonzert. Im traditionellen Eröffnungskonzert werden sie wieder gemeinsam mit den langjährigen Solisten der BrucknerTage Thomas Staudinger und Klaus Laczika auftreten.


    Im Sinne einer ständigen Erweiterung des Spektrums der BrucknerTage wird 2008 ein begleitendes musiktheoretisches Symposion zu diesem Thema die Musik beider Meister aus analytischer und wissenschaftlicher Perspektive vergleichend untersuchen. Die jüngste musikanalytische Forschung hat hier seit einigen Jahren neue äußerst interessante und viel versprechende Ansätze ermöglicht. International renommierte Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland, Großbritannien und den USA, deren Forschungs-Schwerpunkte der Genius Loci Anton Bruckner und Johannes Brahms bilden, haben bereits freudig ihre Teilnahme in diesem speziellen spirituellen und architektonischen Ambiente sowie musikalischen Kontext zugesagt. Geplante Symposions-Themata für die Folgejahre der BrucknerTage sind u. a. das Werk Bruckners in seiner „Fassungs-Problematik“ oder besser „Bruckners kompositorische Entwicklung anhand der Fassungs-Entwicklung“ sowie dessen Wirkung aus MusikMedizinischer Sicht.



    Matthias Giesen & Klaus Laczika
    Künstlerische Leiter der BrucknerTage


    lg


    Klaus

    Karl Böhm hat diese Worte angeblich 1982 anlässlich des Eröffnungskonzertes der Wiener Festwochen gesagt. Böhm musste dann krankheithalber absagen, Erich Leinsdorf ist eingesprungen, dieser ORF-Mitschnitt von KV 466 ist für mich der aufregendste Mozart, den ich je gehört habe.

    Hallo Padre!
    Die DVD der "Linzer" mit VPO/Carlos Kleiber - v.a. das Finale - ist für mich etwas vom Vollendetsten, was je musiziert worden ist.

    Immerhin hat er in die Filmmusik zu "Der Profi - Le Professionel" auch das Thema B-A-C-H aufgenommen, und das nicht am Schlechtesten.

    Gratuliere zur Eröffnung des Morricone-Threads. Halte ihn für einen bedeutenden Komponisten, seine Musik muss man einfach lieben.

    Hallo Khampan!
    Mit Dir kann ich über "Töne" reden.
    Mozart KV 488, 2 Satz, 2. Takt, das tiefe Eis auf der 4.
    Das schockt mich auch immer.
    Harmonisch ist es mir klar, aber so weit unten und ganz alleine: Herausspielen oder nur unakzentuiert (obwohl schwerer Taktteil) hintergründig klingen lassen?
    Irgendwie ist es ja ein klanglich beklemmende Durchbrechung einer harmonisch völlig logischen Linie.


    Klaus

    Liebe Harmonielehre-Mitstreiter!
    Obwohl ich nur ein musikalischer Dilettant bin, hat mich Harmonielehre von jeher fasziniert. Sei es die Stufentheorie, sei es die Funktionstheorie, sei es die Jazz-Harmonik.
    Einstiegsdroge war für mich u.a. das Harmonielehrebuch von Dieter de la Motte.


    Wer aber eine völlig neue Welt entdecken will, dem empfehle ich:


    Berhnhard Haas: Die neue Tonalität von Schubert bis Webern. Hören und Analysieren nach Albert Simon.
    Verlag Florian Noetzel, Heinrichshofen-Bücher. 2004
    ISBN 3-7959-0834-5


    Nicht leicht zu lesen, aber überwältigend neues Weltbild.


    Eigentlich wollte ich mich auch immer mit Heinrich Schenker beschäftigen, leider fehlt mir die Zeit.


    Sorry, falls ich jetzt den Waldstein-Thread überspannt habe, vielleicht gibts einmal einen Thread über knifflige Harmonien in klassischen Stücken.
    Kann ja schon mit dem "Tristan-Akkord" oder dem "Glasscherbenakkord" im Adagio der IX. Bruckner anfangen.



    auh

    Noch nie hab ich "Cosi" so subtil und leicht und doppelbödig gehört, wie ich sie mir erträume.
    Kann mir jemand helfen?
    Bei Figaro hab ich E. Kleiber, bei Don Giovanni viele (wobei ich zugebenermassen Furtwängler 1953/1954 liebe), Zauberflöte löse ich für mich selbst am Klavier, aber was mach ich mit "Cosi"?
    Hilfe!

    Eine mögliche Lösung für die Seitenthema-Tonart wäre die Theorie der Tonfelder nach Albert Simon (übrigens auch für DV 960):
    Es gibt ein Buch darüber, herausgegeben von Bernhard Haas, das unser gesamtes "Kadenzielles" Weltbild in Frage stellen kann.
    Wer es wagt, es zu studieren (sehr sperrig) ........

    Wie herrlich haben es wir Pianisten!
    Ein schöner Steinway (nicht Bösendorfer - Diskussion eröffnet!) und schon sind wir am Lebensziel , wenngleich auch mit Hilfe einer Bank und eines 10-Jahres-Kredites.


    Dennoch: Mein Steinway B, 211 cm, Bj. 1992 spielt und singt viel schöner als ich es mir je vorstellen konnte und ist im Vergleich zu einem Meister-Streichinstrument erschwinglich gewesen.

    Die I. war im Konzert unglaublich aufregend.
    Erstmals habe ich verstanden, warum Beethoven wie ein Komet bzw. "Erfinder der Rock-Musik" eingeschlagen hat und warum Papa Haydn (den ich vergöttere) nur milde den Kopf geschüttelt haben kann.


    Auf den Spagat zwischen Originalklang, Beethoven-Metronomisierungen, grosser Saal, grosse Besetzung, Jetztzeit, Wiener Philharmoniker etc. war ich neugierig und siehe da:
    Über das Tempo des ersten Satzes der IX. kann sich kein Furtwängler-Verehrer (zu denen ich mich zähle) beschweren, alles singend ausmusiziert, keine Spur von Beethovens Tempovorschlägen (die ja laut Zitat Beethoven bzw. Brahms ohnehin nur für die ersten Takte gelten). Gerade Beethoven soll beim Musizieren und Improvisieren rhythmisch sehr flexibel gewesen sein.


    Auch beim Trauermarsch der III. (fast doppelt so schnell wie meine Hausgötter musiziert) hat einem der Atem gestockt. Stillstand der Zeit.


    ABER: Ich habe mir sofort nach Erscheinen die CD-Box gekauft und kann nichts von meinen Erlebnissen nachvollziehen. Warum ist das so? Hat Celibidache doch recht?



    Gottseidank hat es zu Beethovens Zeiten noch keine Aufnahmetechnik gegeben, nur Notenpapier, sonst könnten wir hier nicht so herrlich und angeregt herum-exegieren und lebenslang fasziniert sein, wie es möglicherweise klingen sollte oder könnte. Nur so kann jeder von uns die Grossen anhand "lediglich" der Noten für sich entdecken und auslegen, es gibt keine Vorgabe, immer wird unsere aktive Beteiligung und Kritik mitspielen können und wir können unsere eigenen "Cover-Versionen" erstellen.


    P.S. Don Juan mit Celibidache entlockt mir tausendmal mehr Gefühle und Erkenntnis als Don Juan mit Richard Strauss selbst.
    Rachmaninoffs Prelude Op. 23/5 ist mein pianistisches Lebensstück, aber eine langweiligere Aufnahme als die von Rachmaninoff selbst (kein Marschrhythmus mehr, nur mehr "triolisiert" angeglichen, keine Bögen) kenne ich nicht.
    Mahler spielt Mahler auf Welte Mignon ist auch ein bissl trocken.
    Was soll ich jetzt tun?
    Hilfe!

    War nicht Richter der Universellste?
    Was hat er je nicht gut gemacht?
    Wo hat er je seine Person in den Vordergrund gespielt?
    Wieviele Werke (Bach, Russen, Chopin, Beethoven, Schubert, Schumann, Brahms u.v.m - vor Mozart hat er selbst eingestanden Angst gehabt) sind bis heute mit seinem Namen verbunden?


    Klaus (dessen Abgott Gulda ist)

    Ist eine Streitfrage, die nach Flügelmechanik -Leichtigkeit, Handgrösse etc. kontroversiell diskutiert und gespielt wird.
    Angeblich schaffen es ja viele Pianisten, die Stelle in schnellen ausgespielten Oktaven zu lösen.


    Übrigens hat Rubinstein an Beethoven folgende Worte (sinngemäß, kann mich nicht genau an die genaue Stelle in seinen beiden Biographie-Bänden erinnern):"Maestro , ich küsse Ihre Füsse, aber am Schluss sind zuviele Triller, warum?"

    Passt das jetzt?
    In einem der legendärsten Jazzfilme "Jazz on a Summer`s Day" spielt im Morgenlicht ein Musiker am Balkon mit Zigarette im Mund das G-Dur-Präludium aus der 1. Suite.
    Gerade in diesem Ambiente - Newport - Jazz... erdet einen das Stück total. Für mich eine unvergessliche Dokumentarfilm-Szene, die alles über den Stellenwert Bachs heute sagt.

    Richter und Afanassiev sind meine Favoriten.
    Für "Richter-Aficionados" bzw. Langsamkeitsfanatiker:
    Von den vielen erhältlichen Mitschnitten Richters sind die aus Prag bzw. Schloß Klesheim die faszinierendsten.


    Interessant dia Aufnahme des damals 29-jährigen Friedrich Gulda:
    Der erste Satz Apassionata-haft, der zweite rhythmisch absolut unerbittlich, ein anderer Blickwinkel im Vergleich zu den "abgeklärten" Interpretationen.


    Rubinstein hat selbst gesagt, die Sonate hätte sich ihm nicht erschlossen.

    Passt das jetzt dazu: (?)


    Kennt jemand "Wagner in Venezia" ein "Kaffee-Haus-Arrangement" des jüdisch-amerikanischen u.a. Jazz-Musikers Uri Caine: am Markusplatz im Café: Live, Hintergrundgeräusche, Gläser- und Tassen-Klirren, Gesrprächsfetzen der Gäste, Taubengurren, Klarinette, Geige, Klavier, Cello, Akkordeon - alle orchestralen "Highlights" von Tannhäuser bis Tristan, völlig frei musiziert, der Ideologie und Geschichte entkleidet, weich, sinnlich, menschlich.


    Man kommt plötzlich drauf, dass Wagner - jenseits des historischen, politischen und dogmatischen Brimboriums - ein verdammt guter Tonsetzer war, es wirkt fünfstimmig faszinierend.


    Zurück zu Rattle: auch er hat für mich einen unbefangenen Zugang.
    Weiweit verzeihen ihm manche von uns nicht, dass er gegen die mittlerweile fast jahrhundertealten Hörerwartungen und Klischees ("Traditionen" - s. G. Mahler) verstösst? Müssen es immer grösstmögliche Spannungsbögen sein? s.a. die "Ent-Beethovenisierung von Anton Bruckner" - Zitat Erwin Horn.

    Celibidache hat das auch gemacht: Humaner, liebevoller, unprätentiöser weicher, vielfältiger, oft fast weiblicher (im liebevollsten und besten Wortsinn!!) Wagner -wäre das nicht ein kleines Überdenken wert?


    Klaus
    (kein Wagnerianer, aber Bewunderer des kompositorischen Könnens) )