Beiträge von helmutandres

    Hallo,


    es gibt hier offenbar noch keinen Kommentar. Was ich gelesen habe, soll es - so interpretiere ich es - eine allgemeinverträgliche Regie von Bechtolf geben (aber schon besser als in Walküre und Siegfried) und ein glänzendes Dirigat von Franz Welser-Möst. Christoph Irrgeher schreibt in der Wiener Zeitung von durchwachsenen Sängerleistungen, Wolfgang Schreiber in der SZ, die Wiener Philharmoniker seien hochgefahren. Was ich im Radio gehört habe (einen Ausschnitt aus dem Trauermarsch) bestätigt mir das (trotz aller Einschränkung beim Radioklang). Es gab geradezu 'strettahafte' Momente in dem kurzen Ausschnitt. Wer dabei war oder noch sein wird, möchte doch mal was dazu schreiben.


    :hello:

    Hallo, am vergangenen Sonntag (9.11.) war Latry wie fast in jedem Jahr einmal an der fortgebauten Oberlinger-Orgel an St. Joseph in Bonn-Beuel zu hören, ein Instrument, an das er regelmäßig zurückkehrt. Ihm, dem 'Weltstar' (jedenfalls unter den Orgelspielern), scheint es nichts auszumachen, an einem verdrießlichen Novemberabend an einem etwas abseitigen Ort vor vielleicht 200 Zuhörern seine immensen künstlerischen Fähigkeiten vorzuführen. Auf dem Programm stand - als naturgemäß einziges Werk - Livre du Saint Sacrement von Olivier Messiaen. Sein Spiel wurde für die Besucher auf Leinwand übertragen, sodaß sich der trotz aller Farbigkeit und Dynamik ungeheuer kontemplative Eindruck des Werks infolge seiner völlig unspektakulären Spielweise für die Besucher noch verstärkte. Im übrigen lohnt sich ein Besuch der verdienstvollen Orgelreihe an St. Joseph für den Orgel-Enthusiasten immer. Das nächste Konzert ist am kommenden Sonntag (16.11., 19 Uhr). Vincent Dubois, Soissons, spielt u. a. die 3. Sinfonie von Vierne.


    Viele Grüße

    also dann:


    I.
    Die Dritte. Sie erscheint mir als die universellste Mahler-Sinfonie, und das schier endlose Verströmen zum Schluß nach dem vorausgegangenen schier endlosen Erkunden möchte mir nie aufhören. War von Anfang an meine Nr. 1.


    II.
    Die Neunte. Erschütternd, keine Worte.


    III.
    Die Achte. Seit Chaillys Deutung als Monument der (vergeblichen) Liebe eines großen Mannes zu einer großartigen Frau hat sie in meinem Ranking mächtig aufgeholt.


    IV.
    Die Sechste. Erschütternd, dem Schicksal in den Rachen gegriffen und dabei umgekommen. Beim ersten Hören, in Wien mit dem jungen Abbado, hat's mich zerfetzt. Das war keine Option fürs Leben.


    V.
    Die Vierte. Mahler macht deutlich: so ist es nicht, aber manchmal ist uns danach. Ruhe- und doch machtvolll empfunden: der Aufschwung im Adagio.


    VI.
    Die Siebte. Hat (wie die Achte) lange bei mir unter dem Verdikt Adornos gelitten. Sie gehört zu den Mahlersinfonien, die ich lieber an einem warmen Sommerabend im Konzert als im Winter in den vier Wänden zu Hause höre.


    VII.
    Die Erste. Ganz großes Kino, Riesenräder drehen sich mit Getöse, Aus- und Durchbrüche speien Feuer, Scheiterhaufen lodern in den Himmel, daß es einen schauert. Dazu ernste Gesänge.


    VIII.
    Die Fünfte. Fällt mir nichts zu ein.


    IX.
    Die Zweite. Mit der London-Klemperer, war meine erste Mahleraufnahme. Später lernte ich die aus München kennen und fand die besser. Das Chorfinale, gewiß. Dort warte ich - wie bei der Achten - auf den orchestralen Schlußpunkt.


    X.
    Die Zehnte. Mit den vervollständigten Fassungen muß ich mich noch befassen.


    XI.
    Das Lied von der Erde. Stand mal an Nr. 2. Hat wie die Zweite für mich an Strahlkraft verloren. Ich hasse es, wenn die Dirigenten in der Orchesterpassage des 'Abschieds' meinen, zurücknehmen zu müssen. Und das tun die meisten (weil's vermutlich richtig ist).


    So, genauso gut könnte ich jetzt das ganze umkehren. Fast.


    :hello:

    aufrecht, die Repertoire-Dirigenten. Ohne sie wären die Stars - auch 'nur' Repertoire-Dirigenten.


    Aus Elberfeld war bekanntlich auch Hans Knappertsbusch, und das ist schon so ziemlich alles, was die beiden miteinander verbunden hat.


    Ich erinnere mich an einen ganz normalen Wiener Abo-Tristan Ende der 60er mit der Nilsson, und wenn ich nicht gewußt hätte, daß da unten im Orchestergraben 'bloß' der Horst Stein dirigierte, hätte ich es glatt für eine Sternstunde der Tristan-Interpretation gehalten :O


    :hello:

    kann ich die Frage mal stellen: ist Hilde Zadek auch als Liedsängerin hervorgetreten? Ich meine mich an einen Abend bei den Wiener Festwochen 1967 oder 1968 zu erinnern, wo sie in Begleitung der Symphoniker unter Bruno Maderna die Rückert-Lieder von Mahler gesungen hat. Das war allerdings nicht ihr Fach...


    :hello:

    Hallo Ulli,


    nachdem er sich diese Aufnahme



    von mir mal ausgeliehen hatte, hat sich ein Freund (selbst Orchestermusiker) vor etlichen Jahren seinen Lebenstraum erfüllt und einen Bösi ins Haus geholt.


    War nicht so einfach, das Wohnzimmerfenster mußte erst mal vergrößert werden...


    :hello:


    PS: Angaben zum Instrument im Booklet (jedenfalls bei meiner CD)

    sind m. E. die beiden Sinfonien, weil sie wohl doch ein ziemlich verschiedenes Epochenbewußtsein zum Hintergrund haben. Aber vielleicht auch einen ganz verschiedenen psychologischen persönlichen Ansatz? Riccardo Chailly hat zu Mahlers 8. mal geäußert, daß er sie als ein einziges Liebesbekenntnis Mahlers zu Alma verstehe (seine Amsterdamer Aufführung von 1995 war die intensivste Interpretation, die ich je gehört habe). Der Ausdruck des Verzehrenden durchzieht in meiner Empfindung das ganze Werk, und insofern kann ich Chailly gut folgen.


    Um dem allzu Schwärmerischen aber gleich wieder einen Dämpfer zu verpassen, sei nochmal Hans Pfitzner zitiert, von dem das bekannte Bonmot zum Veni creator stammt und wenn er nun nicht kommt...


    :hello:

    Zitat

    Original von Harald Kral
    Morgen, 28. Mai 2008 in der Reihe: "Das Tischgespräch" in WDR 5 ist Edda Moser zu Gast.


    Sendung vom 28.05.2008, 20:05 bis 21:00 Uhr


    Volker Schaeffer im Gespräch mit der Sopranistin Edda Moser


    Interessante Sendung, ich habe sie zufällig Sonntagmorgen gehört. Sie ist auch als Podcast von der HP des WDR downloadbar. Edda Moser äußert sich selten unverblümt über lebende Zeitgenossen (besonders einen) und nennt ohne Scheu Roß und Reiter. Lohnt sich anzuhören (aber nicht hauptsächlich deswegen).


    Gruß


    helmutandres

    er 'entlastet' MT und HT der anderen Lautsprecher. Und da er in der Regel aktiv ist, kommt man im Verhältnis zu großen Standboxen normal auch mit geringerer (= preiswerterer oder hochwertigerer oder beides) Verstärkerleistung aus. Beim Betrieb mit Standboxen kann er selbst bei größeren Exemplaren 'ganz unten' schon noch etwas machen. Das physikalisch angeblich nicht begründbare Phänomen des Zugewinns an Räumlichkeit trifft zu und macht den Sub auch für reine Klassikhörer interessant (zeitgenössische 'E-Musik' kann auch mit dem klassischen Orchester Baßorgien veranstalten - Poul Ruders 'Gong'!) Große Boxen braucht es dann eigentlich nicht mehr, ein Stereo-Set kann so unter dem Strich klanglich an die Flaggschiffe herankommen und ist oft die preislich günstigere Lösung.


    Aber es gibt natürlich auch Gegenargumente. Die Abstimmung scheint schwierig, selbst bei Sets vom selben Hersteller. Ich habe jahrelang gebraucht, es ging immer noch bißchen besser, und dann stand die Mk II in den Prospekten :angry:. Verstecken sollte man den Sub entgegen manchmal geäußerter Ansicht übrigens nach meiner Erfahrung nicht. Hinter Vorhängen und unter Sofas ist sein Lieblingsplatz nicht.


    :hello:

    Zitat

    Original von Frank1970
    Hallo Christian,


    auch ich würde sagen, dass er in der Schubert-Sonate kein ppp mehr gespielt hat. Trotz dieses "Pauschalisierens" gefiel mir die Schubert-Sonate immer noch sehr gut.


    Hallo Frank,


    die Schubert-Sonate spielt er aber immer noch ohne die Wiederholungen im ersten Satz, oder?


    Gruß


    helmutandres

    Zitat

    Original von Andrew...Ansonsten ist das Thema eher unterbelichtet. Das gilt nicht (Anm.) nur für die Allgemeinheit (die Startseite von Google weist den heutigen Tag als Muttertag aus), sondern auch für Kirche und Theologie, die das Pfingstfest nicht so etablieren konnten wie Weihnachten und Ostern...


    Dabei ist der theologische 'Stellenwert' von Pfingsten der entscheidende: Geburt und Auferstehung sind zwar seine Voraussetzung, aber die heilsgeschichtliche Vollendung ist Pfingsten.


    Mit Pfingsten beginnt die lange Reise in die Unendlichkeit, im Kirchenjahr fast symbolhaft ihren Ausdruck findend in der schier nicht enden wollenden Reihe der 'Sonntage nach Pfingsten' ;).


    Noch eine Pfingstmusik von beeindruckender Klangmächtigkeit: Charles Tournemire, L'orgue Mystique, Le Cycle de Pâques op. 56, Pentecôte (Office n° 25).


    Gruß


    helmutandres

    Die Pfingstgeschichte nach Lukas
    für Tenor, sechsstimmigen Chor, Instrumentalisten und Orgel


    Uraufführung
    07.05.1964
    Düsseldorf, Johanneskirche


    Hans-Ulrich Mielsch, Tenor
    Michael Schneider, Orgel
    Wolfram Gehring, Orgel
    Kölner Rundfunkchor
    Mitglieder des Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchesters


    Leitung: Wolfgang Fortner


    Aufnahme bei Wergo WER 60035 im Mai 1967 in der Uraufführungs-Besetzung. Leider sieht es nicht danach aus, als ob diese Aufnahme (außer antiquarisch) noch verfügbar wäre noch in überschaubarer Zeit wieder verfügbar würde.


    Gruß


    helmutandres

    'Darf' man Britten in diesem Fall auch einmal einfach nur 'schön' nehmen?


    Klaus vom Bruchs Video-Installation 'Coventry War Requiem' auf der documenta 8, unterlegt mit der Musik Benjamin Brittens, hat mich seinerzeit sehr beeindruckt. Die damalige Referenzaufnahme mit der Vishnevskaya, Pears und Fischer-Dieskau unter der Leitung des Komponisten war anschließend ein Pflichterwerb. So recht weitergegangen ist es bei mir dann allerdings mit Britten nicht. 'Zufällig' bin ich vor einiger Zeit an eine Aufnahme von Brittens op. 31 gelangt, einen privaten Mitschnitt von der Bremer Dom Musik 2004. Natürlich hat dieses Stück einen ganz anderen Duktus als das Requiem, aber die Tonsprache ist unverkennbar. Im Dom-Nachhall verschwimmt die überraschend gut gelungene Aufnahme zu einem eigenartigen Stimmungsbild. Ich weiß nicht, ob das die richtige Deutung ist: Musik ohne Anstrengung, unangestrengt musiziert, ernst, aber nicht schwer, elegisch, aber nicht sentimental, fremd, aber nicht unzugänglich. Auf dem Konzertprogramm standen noch Edward Elgars Serenade op. 20, Brittens Simple Symphony op. 4 und Gustav Holst' St. Paul's Suite op. 29/2. Ich könnte mir gut vorstellen, wie sich an einem frühen Septemberabend im Dom der Hansestadt Bremen eine 'very british' entspannte Atmosphäre einstellte. Musik zum Genießen, einfach mal nur schön - geht das? Benjamin-Gunnar Cohrs zeichnete verantwortlich für Programm und Dirigat.


    Gruß


    helmutandres


    So ist es. Die Antiquitiertheit der Gegenwart ist unterschwellig bewußter denn je. Das sogenannte Regietheater drückt nichts anderes als das aus, indem es die Antiquitiertheit der Vergangenheit mit den Mitteln der Gegenwart offenlegt und sie für diese zu retten sucht. So stehen dann am Ende der 'modernen' Inszenierungen die (ver)störenden Fragezeichen.


    Es ist der nämliche faustische Zwiespalt: Verweile doch, du bist so schön..., der festhalten will, was niemals festzuhalten ist.


    Viele Grüße


    helmutandres

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    Original von Klawirr...Schau mal, hab' ich grade eingebaut...


    Wo du gerade beim Einbauen bist:


    Wenn Stockhausen, Nono, Boulez, Rihm, Schnebel (bitte noch die Dahlemer Messe) und Lachenmann - dann bitte auch noch


    Poul Ruders: Solar Trilogy


    Heinz Holliger: Scardanelli-Zyklus


    Wilhelm Killmayer: Hölderlin-Lieder


    Wolfgang von Schweinitz: Messe op. 21


    Ach ich weiß, das läßt sich weiter fortsetzen... Hans Zender, Peter Ruzicka, Michael Denhoff, Heinz Winbeck, Franz Hummel, Klaus Huber, Michael Obst... um nur mal die Deutschen zu nennen.


    Viele Grüße


    helmutandres


    ERGÄNZUNGEN VON MIR IN SCHWARZ/FETT


    Viele Grüße


    helmutandres

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    Original von Zwielicht
    ...Bei Aufnahmen aus den 50ern mit dem "Vienna State Opera Orchestra" bzw. "Wiener Staatsopernorchester" (z.B. auch die Beethoven-Einspielungen Scherchens) spielt anscheinend auch nicht das eigentliche Staatsopernorchester (also die Vorfeldorganisation der Philharmoniker), sondern in der Regel das Orchester der Volksoper, die seinerzeit wohl institutionell eng mit der Staatsoper verknüpft war. ... Vielleicht kann ja ein musikinstitutionell bewanderter Wiener Ordnung in dieses Kuddelmuddel bringen...


    Es gibt da eine Aufnahme der 4. Bruckner mit Heinz Wallberg. Auf der deutschsprachigen Plattenhülle von Concert Hall lautet die Orchesterbezeichnung 'N. O. Symphonie-Orchester, Wien'. Dagegen heißt es auf dem Plattencover selbst 'The Vienna State Symphony Orchestra'. Der inzwischen verstorbene Heinz Wallberg erklärte anläßlich eines Dirigiergastspiels in Bonn auf meine Frage, daß es sich um das 'Niederöstereichische Tonkünstlerorchester' (heute offiziell 'Tonkünstler-Orchester Niederösterreich') gehandelt habe - 'Vienna State Symphony' sei eine reine Marketingbezeichnung für den internationalen Markt gewesen.


    Gruß


    helmutandres

    Vielen Dank für die aufklärenden Hinweise.


    Ich empfinde die Wunderhorn-Lieder wie auch die anderen Orchesterlieder Mahlers als eine wunderbare Ergänzung und in gewisser Hinsicht Kommentierung zu seinem sinfonischen Werk. Dies ob der Sujet-Nähe zumal zu den Wunderhorn-Sinfonien natürlich nicht im Text-Sinn, sondern eher als 'schlichterer' innerer Begleitton zu der ungeheuren Anstrengung, Mühe und Not, die in den Sinfonie-Kompositionen (auch) zum Ausdruck kommen mag.


    Für die Gattung des Orchesterlieds einschließlich seiner Varianten (z. B. Frank Martins Cornet) habe ich im übrigen ein Faible. Schade, daß sie relativ selten im Konzert vorkommen.


    Gruß


    helmutandres

    Zitat

    Original von Johannes Roehl


    :jubel: :jubel: :jubel:


    Wobei ich allerdings nicht ganz von der Prägung durch meine erste Aufnahme mit Evans/Baker/Morris loskomme. Die ist aber klanglich deutlich schlechter und die deutsche Diktion von Evans ist gewöhnungsbedürftig, seine Charakterisierung etwas derb. Und sie pflegen in drei oder vier Liedern den Wechselgesang.


    Na, da sind wir uns ja mal einig :)


    Die Klangqualität der offenbar 1963 entstandenen Prohaska-Einspielung ist m. E. wirklich erstaunlich. Die zunächst bei Amadeo erschienene Aufnahme ist 1991 im Backkatalog von Vanguard Classics wiederveröffentlicht worden, scheint aber derzeit nicht mehr erhältlich zu sein. Sie enthält als 'Zugabe' noch das 'Urlicht' aus der 2. Symphonie. Superb and lovingly performed by Miss Forrester and Mr. Refuss urteilte The New York Times laut CD-Cover. Das Verhauchen des Orchesters am Schluß des 'Urlichts' ist nicht weniger superb, wie überhaupt die Orchesterleistung grandios ist. Was sich hinter dem 'Wiener Festwochenorchester' verbirgt, habe ich allerdings auch nie rausbekommen. Übrigens gibt es eine weitere Aufnahme mit Felix Prohaska aus dem Jahre 1951, diesmal mit dem Wiener Staatsopernorchester, also den Philharmonikern, und Lorna Sydney (grausam) und Alfred Poell.


    Gruß


    helmutandres

    Hallo.


    Bei den Wunderhorn-Liedern fällt auf, daß in den verschiedenen Aufnahmen (und wahrscheinlich auch im Konzert - wenn sie denn da überhaupt mal zu hören sind) Besetzung und Reihenfolge unterschiedlich sind.


    Gibt es eigentlich eine 'Originalfassung', in der diese Fragen vom Komponisten mehr oder weniger verbindlich geregelt sind? Also,


    - in welcher Reihenfolge die Lieder zu singen sind
    - welche Singstimmen für welche Lieder vorgesehen sind
    und schließlich
    - ob die einzelnen Lieder jeweils von einem Interpreten zu singen sind
    - oder ob der in verschiedenen Aufnahmen zu hörende Wechselgesang 'richtig' ist.


    Für meinen Geschmack finde ich die Lieder mit 'klassischem' Alt/Bariton am schönsten besetzt. Obwohl es vom Text her begründbar wäre, finde ich Wechselgesang in den entsprechenden Liedern nicht gut. Es handelt sich ja nicht um eine Oper. Meine Lieblingsaufnahme ist die mit Forrester/Rehfuß/Wiener Festwochenorchester/Prohaska.


    Gruß


    helmutandres

    Ben Cohrs hat mich ermuntert, hierzu einen eigenen Thread aufzumachen…


    Bruckners Wagnerverehrung wird gemeinhin als die etwas beschränkte Sicht eines frömmelnden Kirchenmusikanten abgetan, der vom Klangrausch des Meisters überwältigt ein wenig die Fassung verloren hat, ohne in seinem eigenen Werk im geringsten dieser Obsession zu folgen, folgen zu können. Eugen Jochum hat das wie folgt beschrieben:


    Zitat

    Was die Instrumentation betrifft, ist Bruckner kaum romantisch zu nennen, sondern er basiert absolut auf dem barocken Klangideal und antizipiert dadurch Instrumentations-Tendenzen, die erst in der Moderne wieder lebendig geworden sind. Seine Gedanken aber reichen von der frühgotischen Mystik über die Welt Palestrinas bis hinein in die Naturverbundenheit des 19. Jahrhunderts, und nur in diesem letzten Punkt berührt er sich näher mit seinem Zeitgenossen Richard Wagner. Dessen großartiges Werk jedoch bringt die ganze nervöse Sensibilität seiner Zeit zum Ausdruck, ist erfüllt von einer glühenden Erotik und schrankenlosen Subjektivität, verbunden mit einer grandiosen Naturschau. Bruckner ist vollständig frei von dieser sensualistischen Erotik, aber dafür erfüllt von der Wärme und Lebendigkeit der österreichischen Landschaft und des österreichischen Volkstums; der Hintergrund indes all eines Musizierens ist eine Frömmigkeit und mystische Gottverbundenheit, wie sie in der europäischen Musik nur noch bei Bach zu finden ist.


    Nun, ich meine, daß diese Sicht auf Bruckner dann doch heute allzu simpel und eingeschränkt wirkt und wohl auch ist und dem Klischee entspricht, das lange von dem Menschen Bruckner aufgrund der Äußerlichkeiten seines Lebens gepflegt wurde und z. T. immer noch wird. Insofern wäre es in der Tat mal interessant zu diskutieren, ob es Anhaltspunkte dafür gibt, daß in der Musik der beiden Komponisten nicht doch untergründige Beziehungen bestehen, die über gewisse Klanganverwandschaften hinaus gehen und so auch das Bild von Bruckner als dem völlig aus der Zeit herausgefallenen 'standalone'-Künstler relativieren (dem ich auch zugeneigt habe).


    Bruckner hat z. B. ja auch die Neunte von Beethoven bereits zu einem Zeitpunkt hochgeachtet, als diese noch nicht als FFE-Hymne zu einer Marke entwürdigt war…


    Gruß


    helmutandres

    Zitat

    Original von ben cohrs
    das wäre für einen Respighi thread --- ich würde allerdings wirklich gern mal im Konzert Bruckner und Respighi kombinieren.
    Zum Beispiel:
    "Metamorphoseon" und Bruckners Fünfte
    "Concerto Gregoriano" und Bruckners Dritte
    "Vetrate di Chiesa" und Bruckners Sechste


    in der Tat mal eine 'innovative' Konzertzusammenstellung im Vergleich zum Üblichen (im Zweifel 'ne frühere oder mittlere Mozart-Sinfonie oder eine Uraufführung wie neulich in Düsseldorf, die dann gegen den Bruckner verdienter- oder unverdientermaßen gleich wieder verschwindet).


    :hello:

    Der Begriff kursiert in vielen Testberichten. Er drückt eigentlich etwas einfaches aus, ist aber schwer zu beschreiben. Wann wird er denn lästig? Nun, nach mehr oder weniger längerer Hörsitzung. Es stellt sich ein Gefühl des Unangenehmen ein, es fängt an zu nerven. Manchmal hat man das Gefühl, so klingt es nicht richtig, manchmal, daß etwas 'fehlt' - an Natürlichkeit des Instrumentenklangs, am 'Atem' der Klangerzeugung. Perfektion kann sehr eindimensional sein.


    Gruß


    helmutandres

    Was ist das eigentlich, die Moderne? Ich denke, es ist immer schlicht die Gegenwart.


    Übrigens, in meinem Sprachempfinden hat Moderne einen Geschmack von Avantgarde, modern hingegen tendiert so ein bißchen auch in Richtung modisch. Das gibts natürlich auch in der Musik der Moderne, und Qualitätsunterschiede - geschenkt. Das kann man im Detail in endlosen Variationen diskutieren. Aber es geht ja in dem Thread ums Grundsätzliche, um die Sackgassenfrage.


    Auf die Musik angewandt, genauer die E-Musik, löst der Begriff exakt die Gegensätze aus, wie sie in diesem Thread zutage treten. Und suggeriert Abgrenzungsmöglichkeiten, die es so kaum gibt. Um der Sache auf den Grund zu kommen, müßte man auch noch mal über die 'Funktion' von Musik überhaupt reden. Wie ist das mit dem Unterhaltungswert, dem Erbauungscharakter. Volksmusik. Mozart. Schlager, Jazz, Pop. Was Mozart zur Unterhaltung schrieb, meinetwegen, nein gewiß mit göttlichem Funken, konsumieren, nein verehren wir heute als 'absolute Musik'. Irgendwann gab es diese Trennung, diesen weitergehenden Anspruch der E-Musik. Wenn wir diesen Anspruch akzeptieren, dann müssen wir erstens auch akzeptieren, daß es weiter neue Musik geben wird und zweitens, daß sie in einer immer komplexeren Wirklichkeit nebst zugehörigem Bewußtsein nicht hinter Standards, Techniken und Ausdrucksweisen zurückfallen kann, die anderen Epochen angehören.


    Guter Thread, Alfred, wenn ich das sagen darf. Wenn man nicht so Bescheid weiß, gibts hier viel Gelehrtes zu erfahren :D


    Gruß


    helmutandres