Beiträge von helmutandres

    a) Das Werk hat mir beim ersten Hören direkt voll zugesagt und sich wie ein Ohrwurm in meinem Kopf festgesetzt.
    Na ja, jedenfalls so ähnlich :):


    Beethoven 3. Sinfonie
    Bruckner 9. Sinfonie
    Brahms 4. Sinfonie
    Wagner Tristan
    Debussy Prélude à l'Après-midi d'un faune :no:
    Janacek Sinfonietta
    Berg Violinkonzert
    Beethoven op. 131
    Strawinski Sacre


    b) Das Werk, man könnte fast sagen, ging bei mir in einem Ohr rein und am anderen wieder raus. Der Zugang erschien mir aber nicht so schwer, und behalten habe ich auch was :)


    Strauss Tod und Verklärung


    c) Ich weiß, daß es gute bis große Musik ist, habe aber bisher nicht so den Zugang dazu


    Dvorak 7. Sinfonie
    Sibelius 4. Sinfonie
    Nielsen 6. Sinfonie
    Schönberg Fünf Klavierstücke op. 23


    Der Rest ist Schweigen bzw. Enthaltung - bin halt nicht so der Kammermusiker.


    Gruß


    PS: Mit der Einstufung der Werke verbinde ich nicht deren Bedeutung absolut noch die, die sie für mich haben. So haben Beethovens Dritte und Bruckners Neunte für mich in letzter Konsequenz eine größere Bedeutung als Wagners Tristan, Brahms' Vierte, Mahlers Neunte - oder Debussys Prélude :beatnik:


    Edit: möchte lieber sagen eine andere Bedeutung als... usw.


    Edit: hmm, hier lassen aber einige ganz schön die Hosen runter :D

    Wenn man Zündstoff aus 'ner Diskussion rausnehmen will, redet man schon mal gern von Mißverständnissen. Aber vielleicht bin ich auch nur allzu gründlich richtig verstanden worden :D. Von Erlebnissen beim Bruckner-Hören i. S. von 'Hallus' möchte ich wie Thomas Pape nicht reden. Ausdrücklich nicht. Das ganze Celi-Gedöns geht mir absolut gegen den Strich, von den Bruckner-Erscheinungen eines seiner Jünger (sic!) ganz zu schweigen.


    Bruckners Biographie als ausschlaggebende Grundlage seiner Deutung: das lehne ich ab. Da wären wir schnell am Ende. Andererseits braucht man ihn nicht zu säkularisieren: er mag auch dem Katholizismus geben, was dieser bei ihm findet. Eine Interpretation aus dessen Geist heraus ist nicht zwangsläufig falsch. An anderer Stelle habe ich schon geschrieben, daß seine Sinfonien in den Konzertsaal gehören. Und daß die Orgeltranskriptionen in der Tat ein Mißverständnis sind: sie reduzieren zu sehr, in jeder Hinsicht. Bei Bruckner gibt es nach meiner Meinung weniger als bei anderen Komponisten die richtige 'Deutung'. Ich behaupte, daß wir sie noch nicht erfaßt haben. Das mag vieles von dem Unbehagen ausmachen, das auch mir bei Bruckner nicht fremd ist.


    Bärendienst? Es geht doch nicht darum, irgendwen – auch Carola nicht :D - zu missionieren. Andererseits muß die 'trockene' Fraktion zur Kenntnis nehmen, was Goethe so schön auf den Punkt gebracht hat: daß es mehr Dinge usw. Ein Aspekt der Aufklärung ist die nüchterne ('rationale') Befassung des abendländischen Menschen mit der Wirklichkeit, wie sie sich nun mal physikalisch darbietet (und erklären läßt). Was an Unerklärtem in der materiellen Welt übrig bleibt, daran wird halt weitergeforscht. Parallel dazu überbieten sich allerdings gestandene Physiker mit den wildesten Hypothesen über die Beschaffenheit des Seins. Und machen dabei keinen Bogen um das, was man nicht vor sich auf den Tisch legen kann: den gesunden Menschenverstand (Einstein).


    Die gänzlich undoktrinäre, aber nicht leidenschaftslose Herangehensweise von Ben Cohrs imponiert mir sehr – halte sie für den richtigen Weg, die Wiederherstellung des Finalsatzes der Neunten zu bewerkstelligen.


    Ich bin ein Bankmensch (nicht Portier, nichts gegen Portiers). Im Finanzsektor gibt es zwei Grundcharaktere: die Spekulanten und die Chartisten. Die Welt der einen ist immer mal wieder voller Katzenjammer, die der anderen auch. Nur merken die letzteren nichts davon. Ich gebe zu, da ist sie wieder, diese Hybris (= Dummheit).


    Freundschaft ;)

    Zitat

    Original von honigschlecker


    Weil Bruckners Sinfonik eben keine christliche "Programmmusik" ist. Es ist absolute Musik, ...


    Der deutsche Mystiker Willigis Jäger, der einen transkonfessionellen Religionsbegriff 'pflegt', wäre vielleicht eine Plattform für diese Sicht auf Bruckner.


    Wer seinen Zugang zu Bruckner aber als dem Kirchenmusiker und 'katholischen Gottesmann' hat, muß deshalb keinem eingeschränkten Bruckner-Verständnis unterliegen.


    An der Stelle stellt sich die Frage nach der Spiritualität jedweder Art. Wem bei dem Begriff schon unbehaglich ist und erst recht bei seinen falschen Propheten, wird wohl vieles an 'Sekundärerfahrungen' beim Bruckner-Hören ablehnen. Beim Hören von Musik überhaupt?


    Viele Grüße

    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Ich halte es für einen Bärendienst, Bruckners Musik als "jenseitig", "Lösung der Welträtsel" bzw. unverständliches Mysterium, Gottesoffenbarung oder was weiß ich zu apostrophieren. Wenn man das richtige Zeug vorher raucht, funktioniert sowas mit praktisch jeder Musik. :beatnik:
    ...
    Es kommt nur noch mächtiger, drohender, wieder zurück.


    Was muß ich denn bei Brahms vorher rauchen, um die von ihm auskomponierte "Anti-Utopie" herauszuhören... und was kommt da nur noch mächtiger und drohender wieder zurück :D


    Im Ernst, solche Polemiken führen im Rahmen kurzer Foren-Statements natürlich zu nichts, außer vielleicht zu Katzenjammer. Es ist aber trotzdem gut, daß Bruckner ganz offenkundig im Jahr 2007 immer noch oder wieder so heftige Aversionen, Antagonismen und Dispute auslöst (ganz im Gegensatz zum musealen Brahms :stumm: ). Das zeigt doch, daß wir noch Arbeit mit ihm haben.


    Zitat

    Bruckner fällt auch keineswegs so aus seiner Zeit heraus, wie hier immer wieder behauptet wird.


    Nun, ich will mir jetzt nicht die Mühe machen, die Zitate einiger bedeutender Bruckner-Dirigenten herauszusuchen, die gerade das so oder so ähnlich von sich gegeben haben.


    Freundliche Grüße

    Jedenfalls nach meiner Meinung nicht. Was bei ihm kompositorisch der Fall ist, seinen ganzen 'Apparat', das alles mag man vergleichend mit anderen Komponisten untersuchen, darstellen und auch bewerten können. Der Kerngehalt von Bruckners Musik, so wie ich ihn empfinde, erschließt sich dabei nicht zwangsläufig.


    Brahms' Verdikt vom 'Schwindel' rührt hellsichtig an etwas völlig Richtiges. Sein Werk könnte einem in der Tat als einziger bombastischer Schwindel vorkommen. Ein solcher Eindruck wird nicht zuletzt verstärkt durch Projekte wie 'Bruckner Reloaded'... :D. Auf dieser Ebene spielen dann auch viele Vergleiche, in denen eine instinktive Abneigung gegenüber Bruckners Musik zum Ausdruck kommt.


    Was wäre aber dann der Kerngehalt von Bruckner? Wenn ich das wüßte, hätte ich des Welträtsels Lösung. Es ist insofern eine vorläufig unsinnige Frage wie die nach der Existenz Gottes oder nach dem Ende der Zeit. Aber ich 'fühle', daß Bruckners Musik mit diesen Fragen zu tun hat (bin aber keinem böse, der dieses Gefühl nun ganz und gar nicht hat :D).


    Freundliche Grüße


    PS: Es ist ein Glücks- und kein Zufall, daß die 9. Sinfonie jetzt in der weitestgehend authentisch rekonstruierten viersätzigen Fassung vorliegt. 'Wir' hier im Forum sollten alles tun, um dieser Aufführungsversion zum Durchbruch in den Konzertsälen und Studios zu verhelfen, auch als Nicht-Brucknerianer. Es ist unabhängig von eigenen Vorlieben eine Frage der musikhistorischen Wahrheit und des Respekts vor einem großen Komponisten.


    Herbert Kegel gehört zu meinen Lieblingsdirigenten. Seine 'Carmina burana' ist sicher nicht seine wichtigste Einspielung, aber das erste, mit dem er mir auffiel und mich begeisterte.


    Gibt es auf Fragen nach seinem Freitod Antworten? Ist etwas über mögliche konkrete Ursachen seiner Depressionen bekannt? War er ein politischer Mensch? Hatte sein Freitod etwas mit den Umständen jener Zeit zu tun? Hatte er ein Verhältnis zu seinem Leipziger Kollegen Kurt Masur? Wenn ja, welcher Art? Was hatte es mit der zitierten Todesanzeige auf sich?


    Vielleicht weiß hier jemand Näheres?


    Viele Grüße


    helmutandres


    Danke, Maggie, das ist ein sehr schönes Bild und sehr viel dichterischer als meine bisherige heimliche Vermutung: daß nämlich das Wörtchen 'Wipfel' als solches dem FH einfach komisch vorkam. Gipfel hört sich entschieden erhabener an, dagegen könnte man 'Wipfel' eine leicht fatale Nähe zu Zipfel anhängen.


    Andererseits: aus meiner Jugend sind mir zwei Zeilen eines Liedes in Erinnerung, in denen 'Wipfel' durchaus nicht lächerlich wirkt:


    ....
    Wipfel der Wälder bewegen sich träger
    steigen zum Nachtlager Herden herab
    ...


    Hier wäre Gipfel sicherlich fehl am Platz, obwohl auch hier schon bald Nacht ist.


    Na, genug der ipfeleien. Vom Erhabenen zum Lächerlichen ist es bekanntlich oft nur ein kleiner Schritt, in dem Fall vom hohen Ton FH's zu meinen unmaßgeblichen Mutmaßungen... :O


    Freundliche Grüße


    helmutandres


    PS: Weiß jemand, aus welchem Text/Gedicht die beiden zitierten Verse stammen?

    Ich möchte noch einmal die erste Strophe von Hölderlins 'Brot und Wein' hier zitieren und eine Frage stellen, die mich seit frühester Jugend 'bewegt' - man mag darüber lächeln oder nicht. Und auf die ich bis heute keine schlüssige Antwort gefunden habe.


    Also: warum heißt es bei ihm 'Gipfel' und nicht 'Wipfel'? Wo doch Wipfel die Spitzen der Bäume (des Hains) sind und Gipfel die der Berge? Und 'Wipfel' so schön nach 'Wehn' angelautet hätte...


    Also, wer erklärt mir Hölderlin?


    Viele Grüße




    Ich habe mir gerade mal den ganzen Thread durchgelesen (bzw. teilweise überflogen ;)). Die beiden 'Hauptprotagonisten' (pro Brahms, pro Bruckner) haben natürlich beide in ihrer jeweiligen Wahrnehmung recht.


    Brahms, das ist (auch für mich) große Sinfonik (Brahms' Erste hat mal einer - Hans von Bülow? - als die 'Zehnte' bezeichnet - gemeint war das als quasi Fortsetzung und Weiterführung der beethovenschen Sinfonik). Doch während bei Beethoven die (Menschheits-)Idee vor der Form steht, erscheint es mir bei Brahms so, als ob die Idee in der Vollendung der Form selbst bestünde. Daß er dabei das menschliche Spektrum so nebenbei, wenn auch in voller Ekstatik (Chaconne!) mit abbildet.


    Dem könnte man entgegenhalten, daß Bruckner kompositorisch erst recht die Form zur Ideologie erhoben habe. Komisch, daß dieser Vorwurf von den Experten hier noch nicht geäußert wurde. Er ginge allerdings auch insofern fehl, als die Gestalt der Bruckner-Sinfonie, wie sie dem Hörer entgegentritt, diesen am wenigsten noch an Formvollendung denken läßt.


    Vollendung: das wäre mein Stichwort, um den Unterschied zwischen den beiden Komponisten festzumachen. Brahms' Sinfonik steht für mich für Vollendung. Sie beschreibt in höchster Kunstfertigkeit und vollendetem Ausdruck das, was wir über uns wissen. Und setzt dahinter einen Punkt: fertig.


    Bruckner hingegen leitet den inneren Blick auf Künftiges. Er ist in einem weit höherem Maße 'Zeitgenosse der Zukunft', als es Kurt Blaukopf in seinem Mahler-Buch jenem zugeschrieben hatte. Bruckners Sinfonik könnte so etwas sein wie die 'Tunnelung' in Zustände, von denen wir bestenfalls eine Ahnung, aber noch keine Vorstellung haben. Übrigens, der Klang ist dabei von größter Bedeutung. Er wirkt auch heute immer noch befremdlich, seine Rolle unverstanden, wie an einigen Charakterisierungen ('Blechgedröne') auch hier wieder festzustellen ist. Die 'große' Bruckner-Deutung steht noch bevor. Diese Erkenntnis greift jedoch immer mehr um sich. Wie sich auch an den vielen Bruckner-Threads bei Tamino ablesen läßt :D.


    Viele Grüße von einem Brucknerianer, der die Frage 'Lieben Sie Brahms' mit einem problemlosen 'aber ja' beantwortet :D.


    zitiert aus der Freiburger Anthologie (Online-Anthologie)





    Marek Janowski hat sich in seiner Kölner Zeit mal zwischen alle Stühle gesetzt, indem er in einem Zeitungsinterview sinngemäß äußerte, daß er im Abo-Konzert am Ende mal gerade für drei, vier Leute musiziere. Egal, ob es sich um ein populäres Programm handele oder um was Exponiertes. Nun, die Soziologie des Konzertpublikums hat sicher noch ein paar Facetten mehr, und ich würde mich hüten, hier vorschnell in einen Dünkel zu verfallen. Bei Teilen des Abo-Publikums spielen aber sicherlich bürgerliche Traditionen immer noch eine Rolle, und hier 'gesellschaftskritisches Reflexionspotential' beim Konsum von Musik zu vermuten, wäre gewiß daneben.


    Vor einiger Zeit saß neben mir ein älteres, aber noch nicht altes Ehepaar, dem Habitus nach aus dem gehobenen Bürgertum. Es gab die Neunte von Bruckner, keine Rarität mehr in den Konzertprogrammen. Immerhin zuvor etwas 'Leichtes' vom Wolferl. Sie sei extra wegen dieser herrlichen Musik von Mozart mitgekommen, und nach dem ersten Satz der Brucknersinfonie: was für eine schreckliche Musik. Im Grunde hatte sie mit beiden Äußerungen recht, und Janowski befand sich ihr gegenüber im Irrtum.


    So ist das, wenn man eine Bewußtseinsschicht tiefer gräbt... :D


    Ich habe ihr dann gesagt, daß ich extra wegen dieser schrecklichen Musik von Bruckner gekommen sei.


    Viele Grüße

    Zitat

    Original von Zwielicht
    Hm - im Prinzip tue ich mich schwer damit, Gustav Mahler oder Kunst/Musik überhaupt als Heilmittel für tatsächliche oder vermeintliche gesellschaftliche oder kulturelle Fehlentwicklungen in Anspruch zu nehmen, wie helmutandres das im letzten Beitrag getan hat. Auch auf Formulierungen von der "obsiegenden Macht der Liebe" o.ä. reagiere ich gemeinhin allergisch.


    Ist mir schon bewußt - solche Formulierungen erscheinen vernutzt, abgegriffen, unreflektiert, mit naiv-positivem Ausschließlichkeitsanspruch. Wir haben halt alles schon gesehen und fallen auf nichts mehr rein ;)


    Daß allerdings Kunst und Kultur nicht als 'Heilmittel' für tatsächliche (nicht: vermeintliche - ein neues Thema wäre das) gesellschaftliche Fehlentwicklungen in Anspruch zu nehmen wären - dem würde ich entschieden widersprechen. Kunst ist nicht nur ein Reflex auf das, was schief läuft, sondern durch sie definiert sich der Mensch, durch sie bewahrt er sein Menschtum. Unterscheidet er sich von der Natur (gerade das ein Aspekt, der bei Mahler konfliktreich ausgetragen wird).


    Wieder so eine allergieauslösende Behauptung :D


    :hello:

    Sie handelt von den Menschen, all ihren Sehnsüchten, der Vergeblichkeit ihrer Hoffnungen, von ihrer Traurigkeit. Von ihrem Scheitern. Die 'Ausbrüche' sind Zeugnisse der Verzweiflung, manchmal auch der Gewalttätigkeit, die 'schönen Stellen' gesättigt von Trauer.


    In Adornos Mahler-Buch findet sich eine Bestätigung:


    Zitat

    ... Darum sind seine Brüche die Schrift von Wahrheit... Die aus der Reihe gefallenen, Niedergetretenen allein... die ganz Unfreien verkörpern für Mahler die Freiheit. Ohne Verheißung sind seine Symphonien Balladen des Unterliegens, denn 'Nacht ist jetzt schon bald'.


    Doch das eigentliche Thema seiner Musik ist die Liebe. Im Finalsatz der dritten Symphonie kulminiert sein Bekenntnis zur Liebe wie später noch einmal in der Schlußapotheose der Achten. Das Ewig-Weibliche zieht uns hinan. Im Verkennen dieser Dimension der Liebe gerade in der Achten liegt dann auch das Mißverständnis Adornos, wenn er diese Symphonie als den 'repräsentativen Karton', die 'symbolische Riesenschwarte', die 'mißglückte, objektiv unmögliche Wiederbelebung des kultischen' bezeichnet. Da ist objektiv überall was dran, aber Riccardo Chailly hat das entscheidende, subjektivistische Moment in dieser Symphonie richtig und konkret als eine einzige Liebeserklärung an Alma Mahler gedeutet. Aus diesem Verständnis heraus musiziert, gewinnt Mahlers letztlich nur an der Oberfläche pessimistischer Grundton dann auch seine obsiegende Kraft: es ist einzig die Macht der Liebe, die den Menschen Erlösung verspricht. Wobei ja schon von manchen Apologeten des technisch-zivilisatorischen Fortschritts die Frage gestellt wird, von was der Mensch denn überhaupt einer Erlösung bedürfe... ;)


    Von solchem Verständnis, von solcher Wirkung, scheinen wir heute, im Zeitalter der ungebremsten Ökonomisierung aller und selbst der intimsten Verhältnisse, dann auch weit entfernt. Es gibt aber keinen anderen Weg, als sie wieder und wieder zu entdecken, meiner Meinung nach. Deshalb ist Mahler gerade heute wichtig.


    :hello:

    Zitat

    Original von Alexander_Kinsky
    Nachklang zum 31.8.2007: Am 25.8. in der Berliner Philharmonie (nach der Uraufführung „Seht die Sonne“ von Magnus Lindberg), am 27.8. in Salzburg, nun live in DRS 2 aus dem KKL Luzern: Sir Simon Rattle (der übrigens mit diesem Werk 1993 bei den Wiener Philharmonikern debütiert hat) und die Berliner Philharmoniker gastieren mit Gustav Mahlers Symphonie Nr. 9 D-Dur beim Lucerne Festival. (Von 25. bis 27.10. werden sie mit Lindberg und Mahlers Neunter wieder zu Hause in der Philharmonie sein.) Ich habe eineinhalb Stunden tourneegerechte Weltklasse gehört. Ein erlesen klangschön aufspielendes Orchester, ganz drin in Mahlers musikalischem Kosmos. Vielleicht schon zu souverän, manchmal von Rattle überdeutlich auf Effekt und Wirkung hin inszeniert, aber alles in allem bis zum ersterbenden Ende wieder einmal eine Mahler Neunte, die total unter die Haut ging.


    Herzlicher Gruß
    Alexander


    Hallo Alexander, ich habe zufällig in die Wiedergabe aus Luzern hineingehört, und zwar im 2. Satz ('etwas täppisch') - und habe nach einer kurzen Weile abgeschaltet, ohne daß ich wußte, wer da zu Werke ging. Später habe ich dann, wieder zufällig, mitbekommen, daß es Sir Simon war. Meine gedankliche Assoziation beim Ländler war: da nimmt aber einer Mahler beim Wort und macht auf spaßig. Etwa in der Art, wie Fischer-Dieskau den Liedgesang 'revolutioniert' hat... :untertauch:


    Ich weiß, daß das unqualifiziert ist und FiDi nicht gerecht wird - aber für mich hört sich bei den beiden vieles sehr maniriert an. Habe zum Vergleich dann die Aufnahmen von einem anderen Sir (John Barbirolli aus 1964, ebenfalls mit den Berlinern) und Michael Gielen gehört - das überzeugt mich deutlich mehr.


    :hello:

    Mit Klemperers Londoner Aufnahme der Zweiten (es gibt auch noch eine aus München) hat meine Mahler-Passion begonnen. Ich hielt ihn damals für die Fortsetzung Bruckners (das hat sich inzwischen eher umgekehrt, wenn man überhaupt in solchen Kategorien denken kann).


    Es folgten die Erste, dann bei den Wiener Festwochen 1967 Abbados Sechste mit den Symphonikern.


    Der Siebenten und Achten habe ich mich aufgrund von Adornos Verdikten erst spät mich angenähert.


    Bei Mahler eine 'Lieblingssymphonie' zu benennen, fällt mir ausgesprochen schwer. Es wechselt halt. Das Chorfinale der Zweiten ist im Laufe der Zeit bei mir am ehesten etwas verblaßt. Zur Zeit ist mal wieder die Dritte mein Favorit: die 'kosmische' Dauer und Dimension, das lange Ausatmen im Finale bringt mir alle Aufgeregtheit der Welt zum schweigenden Stillstand ;).


    Schöne Aufnahmen davon gab es schon im TV zu hören und zu sehen mit Järvi beim Rheingau-Musikfestival und Abbado in Luzern.


    :hello:

    Die Zeit wiederholt sich nicht. In der 'Wiederholung' innerhalb eines Musikstücks wiederholt sich nichts; es ist alles von Neuem. Genau wie in Wiederholungskonzerten, zum Beispiel.


    Wenn nun auf einem Tonträger copy paste zum Zuge kommt, ist dies in meinen Augen eindeutig Betrug - unter jedem Aspekt.


    :boese2:

    Zitat

    Original von Johannes Roehl


    Das ist kein Rätsel. Ich kenne keine nach 1750 entstandene Werkreihe, deren Exemplare einander so ähnlich klingen wie Bruckners Sinfonien. Es gibt ein paar Ausnahmen (besonders 5-7), aber gewisse Grundstrukturen werden praktisch immer eingehalten, häufig sind ganze Sätze nach sehr ähnlichen Schemata aufgebaut, die Motive ähneln ebenfalls einander usw. Der Brucknerianer, der alles in und auswendig weiß, merkt das vielleicht nicht mehr.


    ...


    So muß es wohl sein. Die unbestreitbare (als nervend empfundene?) Kohärenz von Bruckners Werk einerseits und andererseits die im Unterbewußtsein nagende Frage, was es mit ihm auf sich haben könnte, könnten schon Abwehraggressionen hervorrufen. So habe ich übrigens Alfreds Fragestellung verstanden - und nicht, ob Bruckners Musik aggressiv sei.


    :hello:

    Aber was? Meine Frau reagiert ausgesprochen allergisch auf Bruckner (leider, obwohl sie sich größte Mühe gibt, es nicht zu tun ;). Sie kann die Schostakowitsch-Sinfonien auswendig, behauptet aber, keinen Satz Bruckners vom anderen unterscheiden, geschweige denn einer seiner Sinfonien zuordnen zu können.


    Ein Rätsel.

    Als ich diese Tage im Radio den Ring aus Bayreuth hörte, kam mir noch während der Schlußakkorde der Götterdämmerung unwillkürlich und noch ehe der Beifall losging der Beginn der Fünften Bruckners in den Sinn. Die Vorstellung von der Wirkung war ungeheuerlich.


    Wie das, frage ich mich immer noch selbst. Das Ende der Welt, der Menschen und ihrer Götter, ist nicht das Ende von allem? Vielleicht steht die Bruckner-Sinfonie für das, was danach ist?


    Der Ring, die Götterdämmerung als existenzielle Grenzerfahrung der Vergänglichkeit - und die Bruckner-Sinfonie in all der hereingebrochenen Dunkelheit als leuchtende Botschaft des Unvergänglichen.


    Doch, das würde ich mir antun :D

    Habe heute die Fortsetzung seines Beethoven-Zyklus mit den Sonaten No. 4, 9, 10 und 12 gehört, als erstes op. 7.


    Er gehört zweifellos zu den Pianisten, deren Spiel unschwer zu erkennen ist. Das allein ist natürlich kein Nachweis künstlerischer Qualität. Immerhin hebt es ihn ziemlich unverwechselbar aus der Masse von Beethoven-Einspielungen hervor.


    Wie könnte man denn nun sein Spiel bezeichnen? Als erstes kam mir die Bezeichnung 'kristallin' auch bei dieser Einspielung in den Sinn. Der Gestaltungswillen läßt einen alsbald aufhorchen: da versucht einer eine ziemlich radikale Sicht rüberzubringen. Besonders deutlich wird das wieder im langsamen Satz der 'Grande Sonate', der mit 10:23 extrem ausgedehnt erscheint. Umso hurtiger laufen die anderen Sätze ab. Dadurch wirkt der Kontrast noch stärker. Selbstzweck oder künstlerisches Konzept?


    Über die technische Perfektion Korsticks braucht man glaube ich keine Worte zu verlieren. Es fällt - mir jedenfalls - allerdings nicht leicht, sich seine äußerst eigenwillige Formgebung zu erschließen.


    Etwas ratlose Grüße


    helmutandres

    vielleicht die Müdigkeit - ich habe über Kopfhörer von einem billigen Weltempfänger den 3. Aufzug gehört und war - ergriffen. Brauchte ja dabei den viel gescholtenen Teil des Gesamtkunstwerks namens Regie nicht anzusehen.


    Mein Favorit war bislang Suitners Bayreuther Ring von 1966/67. Was immer über Thielemann spekuliert wird, was ich da vom Orchester gehört habe oder mir einbilde gehört zu haben, ich kann nur m.joho bestätigen: schlicht umwerfend.


    Leider hat mein Digi-Receiver schon zum Ende des 1. Aufzugs seinen Dienst aus unbekannten Gründen eingestellt (die anderen Teile des Rings hat er brav aufgezeichnet). Weiß jemand, ob noch weitere Aussendungen der diesjährigen Götterdämmerung über Satellit kommen?


    Oder kann jemand helfen...