Beiträge von helmutandres

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    Original von Tamiflu...Leider sind unsere Orgeln in RLP alle irgendwie von Oblinger "vernichtet" worden...also Oblinger is schon en großer Orgelbauer...aber ALLES macht er grad nicht richtig...


    Ich bin kein Orgelfachmann. Aber wenn du Oberlinger meinst... in Bonn-Beuel steht 'mein' Lieblingsinstrument, und das ist eine aus der Schweiz reimportierte Kuhn-Orgel, z. T. mit Klais-Registern, die von Oberlinger auf den heutigen Stand gebracht wurde.


    Und dieser Stand ist so, daß französischeTitularorganisten von Latry bis zu den 'jungen Wilden' wie etwa Dubois sich hier sozusagen die Tasten in die Hand geben... mit der Begründung, wer eine 'echte' Cavaillé-Coll hören bzw. spielen wolle, der müsse an den Rhein fahren...


    Weitere 'Lieblingsorgeln' von mir:


    Schorn-Orgel der Dorfkirche St. Nikolaus in Euskirchen-Kuchenheim
    Riepp-Orgel der Basilika Ottobeuren
    Holzhay-Orgel der Abteikirche zu Neresheim
    König-Orgel der Basilika Kloster Steinfeld/Eifel
    König-Orgel der Pfarrkirche St. Leodegar in Niederehe/Eifel


    :hello:

    Zitat

    Original von Johannes Roehl


    ...der junge Maazel war häufig der bessere Karajan! ;)...


    ... und wollte das wohl insgeheim auch unbedingt sein... oder werden... was ihm m. E. dann zum Verhängnis geworden ist - indem er mehr und mehr bei seiner Karriere eher das Publikum und die Medien im Auge hatte als die Musik.


    Als die Berliner ihm Abbado vorzogen, soll er doch auch geschmollt haben nie mehr die Berliner...


    http://www.tamino-klassikforum….php?postid=9684#post9684


    Lorin Maazel - Eine Hommage zum 75sten


    :D :D :D


    Viele Grüße

    Wurde auch höchste Zeit, daß der Name Maazel hier fällt :D


    Ist etwas schwierig, die Frage. Die üblichen Verdächtigen sind zweifellos schon benannt. Objektiv kann man feststellen: ja, das sind sie, die Polarisierer. Daran schlösse sich an die subjektive Sicht: wie hält man es selbst mit ihnen? Und wer sonst noch?


    Ich nenn' mal einen Kandidaten, um den es nach meinem Eindruck nach seinem Tod allerdings merklich ruhig geworden ist: Sir Georg Solti.


    Ach so, warum: dieses immerwährende, ewig 'temperamentvolle' bei Solti ging/geht mir gewaltig gegen den Strich :untertauch:

    Hab mich beim Hersteller erkundigt - für den Kundigen ist es sowieso eine etwas uninformierte Frage. Warum es dafür allerdings keine Schnittstelle gibt, ist aber nur schwer nachvollziehbar.


    Das Problem ist: ziemlich schnell sind 160 GB auf der Digi-Festplatte voll. Gerade dann will man etwas äußerst Interessantes aufnehmen. Dafür müßte man dann etwas anderes äußerst Interessantes (welches noch nicht auf DVD gebrannt oder in VHS gespeichert ist) löschen. Oder man hat das Problem der ungenauen Timer-Funktion beim programmierten Direkt-Brennen.


    Natürlich hat das Problem mit Faulheit bzw. Bequemlichkeit, aber eben auch mit Zeitaufwand zu tun. Denn das Brennen funktioniert nun mal nur 1:1.


    :rolleyes:

    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Hallo Alfred,
    Du hast prinzipiell recht - nur nicht einem Punkt: Dieses Finale ist genial, aber auf eine andere Weise als erwartet.
    Erwartet wird ein absolut überwältigendes Klangerlebnis, der Himmel in Tönen, die totale Ekstase. Und so hat's der PJM mit seinen unzulänglichen Mitteln auch zu komponieren versucht.


    In Wahrheit besteht die Genialität dieses Finales aber in der Zurücknahme, in der Kargheit, im Offenlegen von Brüchen. Es macht mitunter den Eindruck, als würde sich eine Erschöpfung gerade noch in den Glauben (Choralthema) retten. Wir haben es nicht mit einer Über-Musik zu tun, sondern mit einem herben, oft bitteren Abschied, von dem ich gerne wüßte, was Bruckner wirklich für die Coda geplant hat.


    :hello:


    Bruckners Musik ist m. E. frei von jeder Affirmation. Auch nicht das Te Deum hat affirmativen Charakter, weil es sich nicht selbst, sondern 'Gott anbetet'. Es wäre in meinen Augen ein absolutes Mißverständnis, die Finale Bruckners als 'Übermusik' anzulegen, mit der sozusagen das Bestehende und mit ihm die Musik sich selbst feiert und bestätigt.


    Allerdings legt Bruckners Musik - immer nur in meinem Empfinden - auch keine Brüche offen oder verleitete zu solchen Assoziationen (ganz im Gegensatz zu Mahler, dessen Musik solche Topoi spätestens seit und mit Adorno zugeschrieben werden). Vielmehr gibt seine Musik eine Ahnung davon, 'was nach den Brüchen kommt bzw. was über die Brüche hinaus ist'.


    Und in dieser Hinsicht empfinde ich eine starke Neugier auf das Finale der Neunten. Ohne das mangels Zugang wie Ben C. 'wissenschaftlich' nachvollziehen und begründen zu können, halte ich die Neunte für eine vom Komponisten selbst innerlich fertiggestellte, zu Ende 'gedachte' Sinfonie. Daß diese Sinfonie nach drei Sätzen zu Ende sein solle, hat mir schon immer 'Schmerzen' bereitet, als ich von der Existenz des umfangreichen Materials zum Finalsatz noch nicht die geringste Ahnung hatte.


    Viele Grüße

    Zitat

    Soll die Neunte weiterhin – entgegen Bruckners bekundeter Absicht – als dreisätziger Torso aufgeführt werden?


    Das ist die grundsätzliche Frage. Nachdem ich in den 80ern erstmals die Fragmente (nach damaliger Verfügbarkeit und ohne Ergänzungen) gehört hatte, war ich tief beeindruckt. Fortan war für mich völlig klar, daß diese Sinfonie eben kein Torso ist: es gab die Gestalt von diesem Finalsatz und also der viersätzigen Sinfonie bei Bruckner, und man konnte die Idee davon hörbar machen. Über diesen formalen Aspekt hinaus kam und kommt mir das Material dieses Finalsatzes sozusagen im Wortsinn unerhört vor - es erweitert die Dimension und Bedeutung der Sinfonie entscheidend und schließt sie gleichzeitig erst wirklich ab. Also ein klares Nein - es ist sehr zu hoffen und zu wünschen, daß sich - sobald die Arbeit daran vollendet ist - die Neunte in ihrer viersätzigen Gestalt im Konzertsaal durchsetzt.


    Zitat

    Soll sie – wie Bruckner bekundet wünschte – mit dem Te Deum als "Notfinale" zum Abschluß gebracht werden?


    Ein genauso klares NEIN. Nach meinem Eindruck wird das Te Deum in seiner - allerdings beeindruckenden - Eindimensionalität der Komplexheit der Sinfonie als Abschluß nicht gerecht.


    Zitat

    Soll sie mit einer vervollständigten Aufführungsfassung des Finale-Fragments beendet werden?


    Ja - siehe oben.


    Zitat

    In welchem Rahmen sollten Werke zeitgenössischer Komponisten, die sich in Eigen-Kompositionen mit dem Material zum Finale (oder der Neunten als Ganzes) auseinandersetzen, zu Gehör gebracht werden?


    Wenn sich die viersätzige Neunte durchgesetzt haben sollte, könnte ich mir vorstellen, daß solche Kompositionen im Rahmen z. B. von Bruckner-Zyklen einen Platz hätten. Zusätzlich zu einer Aufführung der Neunten wären sie m. E. weder wünschenswert noch notwendig. Bruckner-Kommentierungen in dieser Form empfände ich als störend.


    Zitat

    Sollte man Bruckners eigenes Material zum Finale bedenkenlos über Bord werfen und stattdessen ein völlig neues Finale aus zweiter Hand komponieren?


    Suggestiv-Frage ;) - Suggestiv-Antwort: absurde Vorstellung ?(


    Zitat

    Wie beurteilt Ihr die Möglichkeit einer aufführbaren Darstellung des Fragmentes ohne Auskomposition der Lücken?


    Käme m. E. ebenfalls im Rahmen von Bruckner-Zyklen in Betracht. Aber nicht mehr als 'Anhängsel' an eine Aufführung der drei ersten Sätze, sobald die Auskomposition 'vollendet' ist.


    Zitat

    Sollte es Bearbeitungen des Finales für Klavier, zwei Klavier oder Orgel geben? (Hierbei entfiele immerhin der Aspekt der Ergänzung fehlender Instrumentierungsarbeiten Bruckners)


    Kann es von mir aus geben - aber für erforderlich erachte ich sie nicht. Bruckner hat eben keine Orgelsinfonien geschrieben. So imposant die Rogg-Einspielung der Achten auch sein mag - zwangsläufig stellt eine Orgelfassung immer eine Einschränkung des sinfonischen Duktus dar, auch und gerade bei Bruckner.


    Vielen Dank, Ben, für die interessanten Fragestellungen. Der Thread unterstreicht die immer noch größere Bedeutung Bruckners, hier und heute.


    Viele Grüße


    helmutandres

    Eine perfekte Datei wäre schon etwas, wovon ich auch träume. CD in den PC einlegen, einlesen und fertig :D


    Ich habs mal mit Excel versucht und schnell wieder drangegeben. Der Nutzen war und ist mir im Verhältnis zum Aufwand zu gering.


    Also sortiere ich nach Komponisten und dem auf der CD enthaltenen Hauptwerk. Beigaben sind natürlich schwer, manchmal erst nach längerem Suchen, manchmal gar nicht zu finden. Bei zwei und mehr Komponisten oder zwei und mehr Hauptwerken nach der persönlichen Präferenz. Beispiel:



    Diese CD stände bei mir unter Reubke.


    Viele Grüße

    Regietheater, wenn es stimmt, daß Musik Kunst ist und Kunst sich auf dem Zeitpfeil nicht im Krebsgang bewegt. Wenn Kunst das Unerklärte unserer Existenz zum Gegenstand hat, darf, nein muß auch die (überkommene) Kunst jeweils neu bedacht und gedeutet werden. Ganz grob gesprochen ;)


    So gesehen ergibt die Umfrage bei allen Einschränkungen und Vorbehalten, die schon gemacht wurden, einen Sinn. Und Alfred hat natürlich vollkommen recht, wenn er dem Forum ein intellektuelles Niveau unterstellt, das sich in einem 'Sieg' für das Regietheater niederschlagen MUSS: der Mensch strebt nun mal nach immer mehr Erkenntnis :]


    Viele Grüße


    helmutandres

    Aufgefallen ist er mir erstmals mit dem 'Ring' in Bayreuth. Seine 8. Bruckner sowie seine 9. Schubert sind für mich Referenz. Und seine Mozart-Sinfonien werden auch einmal die Zeiten und Moden überdauern.


    Gruß

    Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    weshalb offenbar die überwältigenden Empfindungen nicht zur Kunstdefinition taugen.


    Sag ich doch...


    Zitat

    Die unübersehbare Diskrepanz zwischen der physikalischen Welt und dem geistig-geistlichen Erleben des Menschen eben dieser Welt schreit geradezu nach der 'großen Vereinigungstheorie'.


    Zitat

    Wieso schreit das nach einer Vereinigungstheorie? Es schreit eher nach gar keiner Theorie oder danach, gefälligst zu akzeptieren, dass wir die "Welt" nicht erklären oder erleben können in einem umfassenden Sinne.


    Na, möglicherweise würden wir mit der Einstellung immer noch auf den Bäumen hocken...


    Zitat

    In dem Sinne sind wir möglicherweise - hoffentlich! - durch die Kunst wie durch die empirische Wissenschaft auf dem Weg zu diesem Einssein.


    Zitat

    Und hier sind wir in unserem Denken wieder so weit voneinander entfernt, dass ich nur sagen kann: Wie kommt man zu solchen kuriosen Gedankenkonstruktionen?


    Weiß ich nicht, daher Gegenfrage: wenn wir die Welt nicht in einem umfassenden Sinne erklären oder erleben können, erscheint sie uns doch genauso kurios, oder?


    Zitat

    PS: Wir sind jetzt schon SEHR nahe der Tabuzone.


    Aber ER hat es noch nicht gemerkt... :D

    Zitat

    Original von Kurzstueckmeister


    Dem ersten Teil stehe ich ziemlich ratlos gegenüber (wieso soll es denn das sein?!), den zweiten Teil verstehe ich schon eher, aber eher als Gottesdefinition einer Funktion der Kunst als Religionsersatz (im Gegensatz zu Religion als Kunstersatz?), die hier nicht gemeint ist.


    Letzteres darf hier aber nicht diskutiert werden.
    :P


    Die Natur vermag in uns Menschen überwältigende Empfindungen auszulösen. Gleichwohl sind ihre Schönheit und Erhabenheit, ihre ehrfurchterregenden oder angsteinflößenden Erscheinungen etc. nur Reflexionen unseres Bewußtseins, unserer Wahrnehmung von ihr. So sehr uns ihre Muster auch inspirieren mögen, Kunst stellen sie indessen nicht dar. Als Kunst verstehen wir nur das, was der Mensch geschaffen hat - bis hin zur Erklärung des Menschenlebens und all seiner Artefakte selbst als Kunst (ich bin ein Kunstwerk ;)). Was ist in Warhols 'Trash' nicht alles Kunst!


    Vielleicht ist das alles aber falsch gedacht. Die unübersehbare Diskrepanz zwischen der physikalischen Welt und dem geistig-geistlichen Erleben des Menschen eben dieser Welt schreit geradezu nach der 'großen Vereinigungstheorie'. Dieses 'Einssein mit der Schöpfung' schimmert in fast allen Religionen in den verschiedensten Metaphern durch.


    In dem Sinne sind wir möglicherweise - hoffentlich! - durch die Kunst wie durch die empirische Wissenschaft auf dem Weg zu diesem Einssein. Bruckner hat ihn im Finale seiner V. Symphonie bis ins Ziel beschritten.


    Viele Grüße


    was es mit ihm auf sich hat. Das herauszubekommen ist der Grund seiner Existenz - dieses Paradoxon ist sozusagen der Sinn seines Lebens. Deshalb ist der Verweis auf die (empirische) Wissenschaft grundrichtig und überhaupt nicht kontraintuitiv. Bei genauerem Hinsehen beruhten zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse zunächst auf einem intuitiven Ansatz. Ich bin überzeugt, daß Kunst und Wissenschaft letztlich dasselbe Objekt 'untersuchen'. Kunst versucht denselben blinden Fleck unserer Existenz aufzuklären, dessen sich Wissenschaft, Religion, Magie, Mystik & Co. mit ihrer jeweils eigenen Nomenklatur zu bemächtigen bemühen. Esoterik hin oder her =)


    Viele Grüße

    Eine schlechte Aufnahme macht auch die beste Kette nicht wett, im Gegentum.


    Und die Qualität einer Kette über KH beurteilen - ich weiß nicht...


    Wenn ich davon ausgehen darf, daß die Qualität auch im Low-Price-Sektor gegenüber 'früher' zugenommen hat (von Henkelware aus dem Supermarkt und vom Billigst-Discounter vielleicht mal abgesehen), dann kommt es IMO auf die 'richtige' Zusammenstellung nicht mehr gar so an... sondern mehr auf gute Lautsprecher und vor allem deren richtige Aufstellung in einigermaßen geeigneten Räumlichkeiten...

    Zitat

    Original von Blackadder
    Kunst ist für mich der Versuch einer authentischen Aneignung der Welt. ...


    Womit wir ziemlich nah beieinander wären. Eigentlich identisch.


    Zitat

    Original von helmutandres
    Kunst ist der Weg zur Erkenntnis über die Natur des Menschen und die Beschaffenheit der Welt.

    Wenn ich trotzdem versuchen müßte, einen Generalnenner zu finden, dann würde er im Moment ungefähr so lauten:


    Kunst ist der Weg zur Erkenntnis über die Natur des Menschen und die Beschaffenheit der Welt. Oder: Kunst ist der Gottesbeweis.


    Bin aber mit Sicherheit weder der erste noch der einzige, der das so oder so ähnlich formuliert hat.

    füge ich an der Stelle einen Link ein, der die Thematik von Edwins Thread berührt:


    Kresniks Ring-Projekt (forumsinterner Link ;))


    Kresnik versucht - wie andere vor ihm auch - dem 'Ring' die Perspektiven abzugewinnen, die uns heute betreffen. Oder, andersherum, dessen zeitlos oder doch für eine lange Zeit der Evolution gültige Dramaturgie des Menschengeschlechts zu erhellen.


    Ich bin gespannt auf den zweiten Teil (Siegfried/Götterdämmerung), um zu sehen, ob er über die Deutung hinaus auch eine Lösung anbietet.


    Viele Grüße

    Keilberth * Philharmonisches Staatsorchester Hamburg
    Markevitch * Orchester Lamoureux
    Levine Chicago Symphony Orchestra
    Suitner * Staatskapelle Berlin
    Abbado LSO
    Walter * Columbia-Symphony-Orchestra
    Schuricht SWR-SO Baden-Baden
    Wand * NDR-SO Hamburg
    Gielen SWR-SO Baden-Baden
    Schuricht * BRSO München (Grand Prix du Disque)
    Herbig * Berliner Sinfonie-Orchester
    Swarowsky Bamberger Sinfoniker
    Kleiber Wiener Philharmoniker (1981)
    Skrowaczewski Halle Orchestra


    Die mit einem * versehenen Aufnahmen sind meine Favoriten. Habe soeben die Wand-Aufnahme von 1985 gehört, sehr souverän, absolut klangschön, Feuer unter Eis. Bei den älteren Aufnahmen muß man eben - ihr Alter in Rechnung stellen. Skrowaczewski wurde seinerzeit sehr gelobt, aber an allen vieren von ihm kann ich mich nicht erwärmen.

    IMO ein schillernder Begriff, der nicht eindeutig festzumachen ist. Kult kann alles mögliche sein: eine Automarke wie Alfa Romeo mit der 'legendären' Giulia, eine Radio/TV-Sendung wie 'Domian', ein Fußballverein wie Schalke 04, Apple ist Kult, Ikea ist Kult, Stefan Raab und Bushido sind Kult. Kult ist die Antike (Griechenland - Hölderlin), und in Stonehenge geht es auch kultig zu. Prinzessin Diana - ein Kult. Harry Potter, die DDR-Nostalgie - Kult. Klamotten, Verhaltensweisen, Jugendkultur, Coolness - alles und jedes kann unverhofft Kultstatus erlangen. Es gibt einen flüchtigen und einen lang anhaltenden Kult.


    So, und Tamino ist dank Alfred auch schon Kult ;)


    Bei der sogenannten E-Musik kultet es etwas dezenter. Zweifellos haben Bayreuth und Salzburg oder auch Tanglewood Kult-Status. Zweifellos ist aber ein gewisser Bruckner-Messias dabei, mit seiner Gemeinde einen etwas undezenteren Bruckner-Kult zu zelebrieren und damit zu etablieren :no:.


    Alfred hatte aber m. E. DEN nicht im Sinn mit seiner Frage, sondern die doch beträchtlich ausgeweitete Bruckner-Rezeption eben seit der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts (Ersterer mag eine Folge, kann aber ja nicht Ursache von Letzterem sein). Insofern wäre der Begriff 'Bruckner-Kult' nicht richtig. Bruckner ist - wie in einigen Beiträgen schon vermerkt - immer noch nicht in der 'Liga' Mozart - Beethoven - Brahms, aber er ist auch nach meinem Eindruck dabei, dahin aufzusteigen. Gibt es eigentlich eine Statistik, aus der man so etwas auch ganz konkret ablesen könnte?


    Viele Grüße
    helmutandres

    Der Autor wurde verschiedentlich bei Tamino schon genannt. Auf der Site musikmph.de/rare_music/work_introduction/a_e/bruckner/4.html?nr=4 (zum Aufrufen bitte Webadresse ergänzen ;)) gibt es einen interessanten Einführungstext zur 8. Bruckner (und weiterer Bruckner-Sinfonien). Darin sind schon mal ein paar Grundlagen zum Warum von Bruckners stetem 'Aufstieg' enthalten.


    Demnach ist es auch schlicht die Qualität seiner Musik. Aber das erklärt weder deren 'gravitational force' noch den ungeheuren Trost noch die ungeheure Zärtlichkeit, mit der sie den aufgeschlossenen Hörer zuzudecken vermag. Und ganz gewiß vermag sie ihn auch zu ängstigen. Brucknerhören fordert aufs Äußerste.

    Die Tatsache, daß auf Alfreds Frage bisher keine Reaktionen vorliegen, obgleich Tamino schon als 'brucknerlastiges' Forum bezeichnet wurde, mag die Schwierigkeiten einer leichten Beantwortung beleuchten. Jedenfalls ist es offensichtlich nicht so, daß den Taminos Antworten auf Anhieb und zuhauf einfielen.


    Ich denke, daß sich diese Frage im Rahmen eines Forenbeitrags und ohne gründliche Befassung mit dem Thema auch kaum schlüssig beantworten läßt, wenn überhaupt. Da ich angesprochen bin, will ich zumindest episodische Hinweise versuchen, die ich z. T. schon in anderen Threads 'gestreut' habe. Der Gefahr, mich als Nicht-Musiker schwer zu überheben, blicke ich dabei tapfer ins Auge :].


    Einfach könnte man es sich mit der Behauptung machen, daß Bruckners Zeit nun endlich gekommen sei. Die Frage nach dem Warum wäre damit natürlich nicht beantwortet. Aber an der Sache mit der Zeit ist schon was dran. Wenn man ein kollektives Unterbewußtsein unterstellen kann, also etwas, was unter dem Mainstream des Zeitgeistes (Zitat Alfred: 'spannende und spritzige Interpretationen') waltet, dann dürften die Schlüssel zum Verständnis von Bruckners Aktualität am ehesten hier zu finden sein.


    Wie ich an anderer Stelle schon schrieb, mutet (mich) Bruckners Musik auf eigentümliche Weise völlig fremdartig an ('wie von anders her'), auch wenn sie sich des instrumentatorischen und kompositorischen Rüstzeugs ihrer Zeit bedienen mag (beides dabei fortentwickelnd). Die Fremdartigkeit könnte der Widerhall des Verlassenseins sein, dem sich der heutige Mensch immer stärker ausgesetzt fühlt. In vielen Zeitaltern hat es Endzeitstimmungen gegeben, jede zuende gehende Epoche ist zwangsläufig davon erfaßt. Das Zusammenwachsen der Welt ('Globalisierung') bedeutet zunächst einmal und unentrinnbar auch den Verlust von Heimat, besser der Heimat der Gefühle – ob in Religion, Arbeitswelt oder Familie und 'Sippe'. Darüber können auch all die hippen neuen Verbünde und Lebenswelten nicht hinwegtäuschen. Der Einzelne ist einsamer denn je. Und abhängiger von Prozessen, die er nicht mehr durchschaut, mag er noch so gebildet oder trainiert sein – unsere Politiker sind das allfällige Musterbeispiel dafür.


    Wie komme ich dann auf die Idee, daß ausgerechnet eine 'fremdartig' wirkende Musik diesem Prozeß der Entfremdung Heilung bringen könnte? Nun, es ist die Sehnsucht, von der die Menschen erfaßt sind; desto stärker, je einsamer sie sich fühlen. Wohlgemerkt, ich spreche immer noch von ihrem Unterbewußtsein, nicht von irgendeiner an den Tag gelegten Euphorie anläßlich eines Fußballsieges.


    Und mit der Sehnsucht bin ich mitten drin im Bruckner-Satz.


    So, damit die Sache fürs erste nicht gleich lang wird und Raum für welche anknüpfenden Überlegungen auch immer bleibt, Schluß hier.


    Viele Grüße
    helmutandres

    Das Problem der 'richtigen' Wahrnehmung haftet dem Menschen an, seit der denkt. Es ist bekanntlich unlösbar :D. Intuition allein schafft es nicht, die verläßlichste Annäherung ergibt sich vermutlich im Verbund mit 'wissenschaftlichen' Methoden. Auch insofern finde ich die Hinweise von Ben Cohrs auf musikwissenschaftliche Bezüge bei Bruckner sehr interessant.


    Von der Wahrnehmungsfrage zu trennen wäre überdies das Interesse. So ist der Mensch nun mal: er hat Interessen. Noch ein Beispiel aus der Politik (da sind die Interessen nun mal in ihren katastrophischen Auswirkungen am deutlichsten): die jüngst bekannt gewordenen Äußerungen des RAF-Häftlings Christian Klar hatten den Regisseur Claus Peymann zu seiner Metapher von den fünf Milliarden verleitet, die diesen Äußerungen wohl kaum widersprechen wollten. Ein äußerst sensibles Thema, und doch für bestimmte Politiker offensichtlich geeignet, vermutete mehrheitliche Instinkte unverzüglich zu bedienen.


    Zurück zu Bruckner. Warum hat sich seine Musik in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts – ähnlich wie die Mahlers – so durchgesetzt? Und ist sie dabei auch 'richtig' wahrgenommen worden? Zweifel seien erlaubt. Man wird dem kaum widersprechen können, daß es im wesentlichen die abendländische Zivilisation war, die das Gesicht der Kulturen, ja der Erde, verändert hat. Mit ihr ging auch der Siegeszug der abendländischen Musik einher (wobei die popkulturelle Szene noch einmal einer besonderen Betrachtung bedarf). Von der Faszination des abendländischen Symphonieorchesters sind aber jedenfalls fremde Kulturen, insbesondere die östlichen, geradezu 'befallen'. Wenn der abendländische Mensch vor seinen Schöpfer tritt, sollte er wie weiland Hector Berlioz seine Notenbibliotheken vorzeigen :D. Wenn dieses Bild stimmen sollte, hätte er in seinem Gepäck auch die Sinfonien Anton Bruckners, die ihn dann vor der Hölle retten würden. Doch dieses Bild stimmt so nicht. Die Musik Bruckners hat noch eine andere, bedeutendere Dimension als die des Ablasses. Wenn wir Glück haben mit ihr, 'tunnelt' sie uns in die Singularität alles Bestehenden wie Gedachten wie noch nicht Gedachten ?(;)


    Gruß
    helmutandres


    PS.: Lese gerade, wie die 'Streitkultur' in Sachen PJM wieder aufgeflammt ist. Der Fall ist doch klar. Es ist einfach nicht korrekt, was er macht. Kein Mensch würde sich aufregen, wenn er seine Komposition nicht als Bruckner ausgeben würde. Er bedient sich beim toten Bruckner, und das ist schändlich. Sowas tut man einfach nicht. Da mag er ansonsten noch so ernsthaft oder sympathisch sein.

    Vielen Dank für den Beitrag.


    Hinter all dem scheint die alte Frage nach der Authentizität eines Kunstwerks auf, die Frage nach dem Original. Es wäre müßig, diesen Diskurs hier erneut zu beginnen. Es ist auch dies eine Frage der Wahrnehmung - aber nicht der Beliebigkeit. Eine 'Fälschung' bleibt eine Fälschung, auch wenn sie noch so gut gelungen ist (das Urteil, wie gut oder schlecht, wäre dann wieder eine Frage der Wahrnehmung :D).


    Gruß
    helmutandres