Beiträge von fuchsbuhl

    Horowitz war meiner Meinung nach das größte Phänomen der Klavierwelt. Auf einer Stufe mit ihm siedele ich nur noch Friedrich Gulda und Glenn Gould an. Mit Einschränkungen gehört auch Michelangeli in diese höchste Kategorie. Alle anderen von Rubinstein über Arrau, Kempff, bis hin zu den Barenboim, Pollinis und Ashekazys, selbst die hervorragenden Schiff und Perahia sind ihm nicht ebenbürtig.


    Das liegt daran das Horowitz neben seiner gigantischen Karriere im Musikalischen auch ein biografisch überwältigendes Leben hatte. Bei ihm schließt sich ein Kreis und wird ein Traum war. Das ist vergleichbar mit Leuten wie Lady Di oder Mozart, die bleiben auch Phänomene, Lichtgestalten eben.


    Wenn man Horowitz' Biografen, Harold C. Schonberg, dem Chefkritiker der NY-Times, glauben schenken darf, kam der Pianist aus dem schmutzigsten Kaff nahe Kiew - Berditschew. Ich zitiere: "Die herablassende Bezeichnung "ein Jude aus Berditschew" bedeutete im Russischen einen Juden der letzten Kategorie. Kein Jude, der von dort herauskam, wollte je an seinen Geburtsort erinner werden." Horowitz selbst verleugnete ihn. Er gab Kiew als Geburtsort an. Ich räume ein hier für alle Zweifler, die es sicher wieder geben wird: Die Sache ist nicht abschließend geklärt...


    Er geht bereits als Kind zum Konservatorium. Er studiert in Kiew. 1920 - mit 17 also - gibt er sein 1. öffentliches Konzert. Er lernt Nathan Milstein kennen. Kommt nach St. Petersburg... feiert Erfolge. Er emigriert nach Deutschland. Feiert Erfolge in Berlin + Hamburg (nachdem er Einspringt). Erobert Deutschland im Sturm. Geht nach Paris, das gleiche. Erobert Europa. Danach Amerika, wieder ein tolles Debut mit Thomas Beecham. Sagenumwoben.


    Dann der 1.Rückzug. Comeback. 2. Rückzug Comeback Und dann das Alter. Rückkehr nach Russland. Es ist irgendwie ein Märchen, deshalb ist er so beliebt. Sein Spiel ist manchmal nicht 100% ig, aber man verzeiht es ihm. Brendel würde man es nicht verzeihen. Seine Mine, die einer meiner Vorredner entdeckt haben will, kann ich nur bestätigen. Wenn er falsch spielt, wird er nicht mehr eingeladen werden. Punkt. Horowitz legte mit seiner "Last Recording" -Aufnahme ein Vermächtnis vor...


    Herzliche Grüße aus dem verschneiten Süden Deutschlands!

    Ich werde morgen hierzu Stellung nehmen. Pablo Casals mit Serkin ist mein Favorit, weil er so tiefsinnig spielt, nicht am saubersten, nicht am schnellsten aber am ehrlichsten. Rostropowitsch finde ich hier nicht ganz so gut. Schiff/Perenyi und Bendel/Brendel liegen gerade frisch auf meinem Tisch. Da werde ich morgen reinhören...Barenboim/DuPre ist auch ganz hervorragend. Kenne ich aus dem Radio! Sehr intellektuell ist Pieter Wispelwey



    , der die späten Sonaten so hervorragend in Bonn live gegeben hat. Schon Anfang der 1990er Jahre war das. Karine Georgian hab ich mal im Fernsehen gesehen, sie hat es auch sehr drauf gehabt. Tortelier sowieso! Gibt es Janos Starker auf CD? Maria Kliegel (Naxos)



    mit Nina Tichmann ist auch nicht schlecht!

    lieber Thorsten,


    leider hast du Recht, Toscanini ist mehr vom Reden her ein Begriff, als vom Hören, zumindest bei mir und sonst auch in Deutschland. Er war ein Wunderkind, wie ich in Harvey Sachs' toller Biografie (Piper 1978 ) gelesen habe. Vor Jahren. Ich will sie jetzt noch einmal lesen. Ich habe auch noch Howard Taubman: Toscanini, das Leben des Maestro. (1951) Horowitz (von Harold C. Schonberg), dessen Biografie ich gerade lese, arbeitete gerne mit ihm zusammen. Hielt ihn für die höchste Autorität. Er heiratete ja Toscaninis Tochter. Ich glaub, das gab Horowitz noch einmal einen Karriereschub! Ja Toscaninis Aufnahmen kenne ich zu wenig. Eine beschämende Lücke!

    Schade Alfred, man darf Beiträge nur 180 Minuten nach der Ersteingabe ändern. Sonst hätte ich meine 50-Cellisten-Liste noch verfeinert und verbessert...An soetwas muss man ständig arbeiten...Ich werde jetzt wieder mehr Cello üben! Z.Zt bin ich nämlich auf einer Cellowolke, glaube ich, höre nur noch Cellosonaten und Konzerte...

    5 Cellisten ist schwierig, 10 wäre besser, 20 ist sehr gut. Bei 40 Namen, fallen schon die wichtigsten!. Ich glaube, es gibt mehr als 5 hervorragende! Meine 5 liebsten markiere ich mal rot!


    Probier ich's mal und stelle 45 zur Diskussion. Jedes Mal fallen mir mehr und auch wichtige ein!


    1. Casals (ein sagenhafter Beethoven, dafür sterbe ich) (E)
    2. Rostropowitsch (sein Schumann gefällt manchen nicht, mir sehr)(RUS/USA)
    3. Du Pré (GB) (ihr Elgar ist berühmt, aber fast alles von ihr ist sagenhaft: Brahms, Dvorak, Haydn)
    4. Janos Starker (ein toller Brahms)
    5. Paul Tortelier (F)
    6. André Navarra (F)
    7. Boris Pergamentschikoff (RUS/D)
    8. Emanuel Feuermann (A/USA)
    9. Enrico Mainardi (I)
    10. Gregor Piatigorsky (RUS/USA)


    Bis auf Rostropowitsch - der kaum noch Cello spielt - sind sie alle tot, deshalb gibt es jetzt die "Lebendenliste":


    11. Heinrich Schiff (A/CH/D) (jetzt ist er schon nicht mehr so gut, seit dem er dirigiert!) Mit ihm hörte ich Gouldas Cellokonzert! Wow)
    12. Mischa Maisky (LET/ISR/F) (der Mann für's Brutale: Dvorak,... )
    13. Maria Kliegel (D) (feine Dame)
    14. Yo-Yo Ma (USA)
    15. Wolfgang Boettcher (D) (Der Workeholiker, kennt jedes Stück, ein Grübler)
    16. Anner Bylsmer (NL)
    17. Lynn Harrell (USA)
    18. Ivan Monhigeti(RUS) (Sagenhaft+technisch einzigartig)
    19. Daniel Shafran(RUS) (ein super Brahms)
    20. Karine Georgian(RUS/D) (temperamentvoll)
    21. David Geringas (LIT/D)
    22. Natalia Gutman (RUS/D)
    23. Jens Peter Maintz (D)
    24. Julius Berger (D) (ein Intellektueller, Denker, toller Brahms F-Dur live!))
    25. Young-Chang Cho (KOR/D)
    26. Ralph Kirshbaum (USA)
    27. Siegfried Palm(D) (bester Pädagoge)
    28. Martin Ostertag (D)
    29. Zara Nelsova (USA) (sagenumwobene New Yorker First Lady)
    30. Manuel Fischer Diskau (D)
    31. Thomas Demenga (CH) (ein toller Brahms)
    32. Georg Faust (D) (ein super Solocellist BPhO)
    33. Gustav Rivinius (D) (ein Haydn D, wie ihn live keiner konnte!)
    34. Wen-Sin Yang (JAP/D) (sehr gediegen)
    35. Bernard Greenhouse (USA) (Urgestein)
    36. Christof Henkel


    Jetzt gibt es noch eine Reihe von Newcomern und jungen Leuten, die sehr hervorragend spielen:


    37. Clemens Hagen (D)
    38. Daniel Müller-Schott (D) (Entdeckung!)
    39. Matt Heimovitz (USA)
    40. Gautier Capucon (F) (größtes Talent)
    41. Johannes Moser (D) (Cellistisch hochbegabt)
    42. Sebastian Klinger (D)
    43. Xavier Phillips (F)
    44. Jan Vogler (Wunderkind)
    45. Steven Isserlis hab ich natürlich vergessen in der Mitte, aber er hat Schwächen, wie sich bei seinem Brahms (e-Moll) Live/Elmau zeigte. Mendelssohn kann er gut!
    46. Peter Wispelwey hab ich auch vergessen! (Ein Beethoven-Könner!)
    47. Adrian Brendel (tourt momentan sehr erfolgreich mit dem Papa Alfred)




    Ich habe viele nicht genannt, außerdem spielt der lokale Bezug immer eine große Rolle. In Russland gibt es noch unzählige Cellisten von Weltrang, von denen hier niemand weiß. Japaner, Koreaner, Briten, Amerikaner fehlen fast völlig

    Allain Paris ist für mich auch unverzichtbar. Ich besitze auch die Reclam-Konzertführer (komplett inkl. Gesang, Oper, Orgel, Kammermusik, Klavierführer), die finde ich auch sehr hilfreich. Seit einiger Zeit habe ich die Harenberg-Reihe. Die finde ich etwas problematisch. Sehr informativ, aber etwas gefärbt, wegen der Referenzeinspielungs-Empfehlungen. Da vermisse ich manchmel herausragende Aufnahmen. D e r Opernführer schlechthin, neben 20 anderen, die ich auch besitze, ist von Ulrich Schreiber. Etwas für Kenner eben. Das MGG auf CD rom ist unverzichtbar, ich liebe außerdem mein zweibändiges DDR-Seeger-Musiklexikon von 1966. Sicher nicht mehr auf der Höhe der Zeit, doch schöne Beiträge und kunstvoll geschrieben, dazu kompakt! Natürlich habe ich auch Propyläen: Welt der Musik. Das Handbuch der Klaviermusik von Peter Hollfelder (zweitausendeins) ist super und führt (fast) alle Klavierkompositionen auf, die es gibt. Spezialliteratur zu Geigern, Pianisten (Kaiser, Schonberg) ist immer willkommen. Mehr und mehr nutze ich das Internet zur Recherche. Zu Mozart habe ich 3 lfd. Meter Nachschlagewerke. Der Musikallmanach von Bosse/Bärenreiter klärt über das Deutsch/Schweizer/Österreichische Musikleben auf. Attila Csampais Konzertführer ist auch gut. So, das ist mal was für's erste!

    @ rocco


    Sicher eine tolle Aufnahme. Habe ich schon mal gespielt. Das ist noch besser!


    Heute gekauft:


    Die Aufnahmen von Daishin Kashimoto (Violine), den ich letzte Woche in Lindau wiedertraf (nach vielen Jahren). Er ist inzwischen bei Sonyclassical.




    Zitat

    Auf mich wirkt solch ein Forum immer "kaufmotivierend"



    Auf Alfreds These kann ich nur sagen. Ich kaufe mir, seit dem ich in Tamino online bin, am laufenden Band neue CDs. Wohin wird das führen? Manche sind gar nicht mehr erhältlich (schwierig dann!) oder extrem teuer. Z.B. habe ich mir auf Anregung durch den Brahms-Violinsonaten-Thread die Fassung Szeryng/Rubinstein gekauft und meine alte Liebe "Mutter/Weißenberg" nochmals, da sie "verschollen" war. Ich muss sagen: Die A.S.M Aufnahme ist wirklich 1 A, viel besser als die ältere Szeryng/R. Sehr weltabgewand introvertiert, morbide ist Sebök/Grumiaux. Für Selbstmöder ideal.


    Hier im Forum lernte ich wirklich die abgefahrensten Aufnahmen kennen. Das schätze ich sehr. Leider finde ich den Kaufrausch auch ein bisschen gefährlich... Schließlich bin ich kein Millionär. Aber dafür gibt's ja amazon, dort kann ich - und jeder andere auch - vieles wieder in Bares verwandeln...Das hat etwas praktisches, was es früher nicht gab. Danke Internet!
    Leider habe ich manchmal ein Problem, meine Aufnahmen mit den gerade diskutierten Werken zu finden, was mir meine Unordnung vor Augen führt. Es ist schwierig. Hefte ich Perahias Chopin nun zu Chopin oder zu Perahia. Was meint ihr, liebe Forianer? Manche CDs sind Portraits von Künstlern, manche von Komponisten, ich steig manchmal aus dabei...
    Orgelmusik ist bei Orgelmusik aber dann finde ich nicht, was ich alles von Bach habe...usw.

    @Thorsten Müller


    Deine "Weltblatt-Sprache" ist entwaffnend! Auf diesem Niveau mit Dir zu kommunizieren habe ich keine Lust mehr. Du bist ein frecher Klug........ und beleidigst ander Forumsmitglöieder wie mich z.B.. Sicher kann man einen Flügel intonieren, d.h. die Hämmer härter oder weicher einstellen (stechen per Nadel) , sicher kann man eine Orgel stimmen, aber den Orgelklang einer Pfeife kann man - soweit ich weiß, die Orgelbauer bitte ich, mir beizuspringen - nicht verändern, da die Orgel (keine Elektroorgel) ein mit Luft betriebenes Instrument ist. Die Luftsäule wird hier zum Schwingen gebracht. Beim Klavier wird per Hammer die Saite angeschlagen. Insofern ist beim Klavierspiel der Anschlag wirklich entscheidend, seine Geschwindigkeit, der Impuls. Bei der Orgel? Wohl nicht so entscheidend. Möglicherweise spielt die Anschlagsgeschwindigkeit eine Rolle. Also, mir "saubere Intonitation" bei der Orgel mit Verweis auf das Klavier zu erklären, ist ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen, da Klavier und Orgel zwar beide Tasteninstrumente sind, aber nicht die gleiche Mechanik besitzen! Nach dem Begriff "sauberer Intonitation" in Bezug auf Orgel hatte ich gefragt. Das kannst du wohl selber nicht erklären.

    Das Thema finde ich etwas feindlich formuliert. Ich war, bin und werde ein großer Verehrer von ASM bleiben. Sie hat das Violinspiel revolutioniert. Sie ist eine großartige, leidenschaftliche Interpretin. Ich besitze nahezu alle ihre Aufnahmen und sie dienen mir häufig als Referenz. Natürlich in erster Linie die großen Konzerte Bruch - Beethoven (beide) und Brahms (auch Doppelkonzert) - Sibelius - Stravinsky aber auch die Sonaten von Beethoven, die Streichtrios, die Brahms Violinsonaten (mit A. Weissenberg) sind vom Feinsten. Ich weiß, das sie nicht alle mögen, selbst Tibor Varga stand ihr skeptisch gegenüber - doch sie ist mein Geschmack. Sie ist auch locker drauf. Sie saß neulich in einem Konzert im Münchner Herkulessaal zwei Reihen hinter mir mit ihren beiden Kindern... Völlig normal und attraktiv zugleich!

    peet


    Glaubst du etwa , einer, der sich mit seinen Vorgesetzten schon zerstritten hatte (vgl. Akte A. Joh. Sebastian Bach Geck S. 60. Dort wurde ihm gar nahegelegt, den Arbeitgeber zu wechseln " Da ers nicht thuen wolte, solte ers nur categorice von sich sagen, damit andere gestalt gemachet vnd iemand der dießes [sein Figural & Choral mit den Schülern spielen] thäte, bestellet werden könnte) deutlicher gehts doch gar nicht!), läuft tagelang zu Fuß von Arnstadt in Thüringen nach Lübeck, nur um ein paar musikalische Sachen sich abzuschauen und den Abendmusiken Buxtehudes zu lauschen? Du kannst wohl nicht 1 und 1 zusammenaddieren, wenn du behauptest, Bach hätte keine Ambitionen auf Buxtehudes Stelle gehabt! Das halte ich für naiv. Er wollte lieber heute als morgen weg aus Arnstadt!!!!!!!

    Lieber peet,


    ließ mal Martin Geck: BACH / Leben & Werk S. 61


    "Er (Bach) scheint zu wissen, wo es eine neue Stelle für ihn gibt...Hat er die lange (Fuß-)reise nach Lübeck bereits in der Absicht angetreten, den berühmten Buxtehude nicht nur zu "behorchen", wie es im Nekrolog heißt, sondern möglicherweise hernach zu beerben? usw.... er hatte allerdings nicht die geringste Lust auch eine "Heiraths-Bedingung" einzugehen." (Buxtehude hatte eine häßlicheTochter!!). Es gibt ein nettes Büchlein von Hans Franck: Die Pilgerfahrt nach Lübeck. Da ist alles schön beschrieben. Ein Buch zum Schmunzeln!

    Ein Kriterium für geistige Durchdringung ist z.B., dass der Mensch, der spielt, ein reifer Mensch sein muss. Dazu gehört z.B. auch eine gewisse Lebenserfahrung, vielleicht ein Studium Generale, zumindest eine "gute Ausbildung" (auch das ist in weiten Teilen subjektiv und wird es bleiben!) , ein Abstand zum Werk. Ich sage nicht (im Gegensatz zu Celibidache, der das tat), dass es nur eine mögliche Interpretation eines Werkes gibt. Wenn der Interpret mich überzeugt (und das bleibt immer subjektiv, da kannst du mir von Kriterien brabbeln, was du willst!), dann hat er es geschafft. Wenn nicht, wird die Aufnahme verworfen. Bei mehrmaligen Fehltritten, wird der Interpret verworfen... So ist das.

    Ein wichtiger noch bisher unerwähnter Aspekt ist, wie stand Mozart der Kirche gegenüber? Es gibt vermutungen, dass er in seiner Wiener Zeit eher kirchenferner sich verhielt. Ob er regelmäßig den kath. Gottesdienst besuchte? Die Sakaramente empfing? Ich weiß aus der Beschäftigung mit der C-Moll Messe, die ihm sein Vater abgerungen hat (besser gesagt dessen Tod, einige Mühe bereitete, und zwar ideeller Art, weil er Probleme hatte, mit den Idealen der Kirche zu sympathisieren. Ähnlich wie Schubert übrigens auch. Dessen Es-Dur Messe lässt einige Passagen des Messtextes aus. Mozarts Messe blieb bekanntlich ein Torso! Also, er hatte ein idelles Problem, was ihn vielleicht auch von Orgel-Musik, die seinerzeit lediglich in der Kirche erklang, abhielt. Denn eine Orgel in Konzertsälen gab es meineswissens damals noch nicht. Da könnte mal jemand recherchieren, seit wann Orgeln eigentlich in Konzertsälen eingebaut werden. Ich habe noch heute ein ungutes Gefühl, Orgelmusik in Konzertsälen anzuhören (Luzerns KKL, Gasteig München etc.) Eine Orgel ist für mich immer noch ein durch und durch sakrales Instrument. Für jemanden, der mit der Kirche nicht im reinen war, wie ich es Mozart jetzt einmal unterstelle, blieb nichts anderes übrig, als die Orgelmusik auszusparen. Deshalb auch sein Werk "für eine Walze in eine kl. Orgel", wie Ulli zu Recht schreibt. Ich glaube, das Thema ist hinreichend diskutiert jetzt.

    In technischer Hinsicht


    1. Klavier-Etüden von Ligeti
    2. Messiaen: Klavierwerke
    3. Boulez Klaviersonaten


    Strauss-Orchesterwerke


    Goulda-Cellokonzert


    Jongen-Orgelkonzert


    Musikalisch gebe ich jubal Recht: Mozart bleibt da bei Geigern (Violinkonzerte) und Pianisten (Klaviersonaten). Auch die Violin-Solosonaten von Bach und die Beethoven-Violinsonaten offenbaren sofort Mängel jeglicher Art. Nicht umsonst werden diese Sachen bei Wettbewerben und Probespielen fürs Orchester (Mozart-A-dur-Violinkonzert & Haydn D-Dur Violoncellokonzert) stets gefordert. Das Beethoven-Violinkonzert, wofür eigentlich ein eigener Thread eröffnet werden müsste (!), zählt für mich zu den schwierigsten Violinkonzerten überhaupt. Die Palette der Aufnahmen zeigt auch die unterschiedlichsten Interpretationsansätze. Wunderlich!

    Du bist ziemlich einsilbig und lässt andere wohl nicht gern in Deine Karten schauen. Ich kenne Kaisers Auffassung auch. Die ist halt etwas angestaubt, er liebt Kempff, Pollini, Brendel und Solomon. Mit seinem ostpreußischen Akzent klingt das wirklich bezaubernd :D. Erzähl doch mal von seinen Vorlesungen...

    Ich verlasse mich da, wie du hoffentlich auch auf mein Hören und meinen Geschmack. Musik ist nicht immer bis ins Detail mit Kriterien aufzuschlüsseln. Als gutes Beispiel kann ich hier einmal anfügen, was Anne Sophie Mutter über die Wiederholung der Exposition einer klassischen Sonate gesagt hat. Diese soll nicht den Text wortwörtlich wiederholen sondern darüber hinausgehen; das verlangt aber mehr, als nur das Herunterdrücken von Tasten, wie die von mir aufgezählten Tastendrücker es eben nachweislich (wenn man deren CDs genau anhört oder die gelegentlichen Live-Konzerte besucht) tun. Varga tat das nicht. Er hat solche Menschen verabscheut, bloßgestellt im Unterricht: "Warum wollen Sie Geiger werden?" - fragte er in mancher Stunde. "Sie sind doch gut in der Schule, werden sie doch etwas anderes.", wenn die geistige Durchdringung fehlte. Leider gibt es viel zu wenig solche Top-Lehrer heute, wie Varga einer war. Vielleicht Rosa Fain in Düsseldorf. Gestern habe ich Julius Berger /Celloprof. aus Augsburg gemeinsam mit Oliver Kern (Klavier) beim Festival in Hopferau/Füssen mit Brahms F-Dur Sonate op.99 erlebt. Da war die geistige Durchdringung zu spüren. Man merkt, dass Du ein sehr rationaler Mensch, eben ein Mann - bist. Es gibt ein tolles Buch von Camilla Paglia: Sexualität & Gewalt oder Natur und Kunst (dtv). Da entlarvt die Autorin Dein Denkschema. Ich glaube, du musst fühlen lernen, dann weißt Du, was ich mit geistiger Durchdringung meine.

    @ Heinz


    Du machst dir die Sache ein bisschen einfach. Ich hätte schon gerne gewusst, warum du Kaisers Auswahl ablehnst und ob Du sie überhaupt angehört hast und was du denn so für Klaviermusik hörst anstelle von Kaisers Auswahl!

    @ reklov


    Du wiedersprichst Dir selbst, indem du richtig anführst das Sweelinck, Frescobaldi, Pachelbel, wir können auch noch Buxtehude, Telemann (HH) und Monteverdi (Domkapellmeister an San Marco Venedig) hinzuzählen, letzterer hatte allerdings mehr Ambitionen in Richtung Oper, wie Mozart!, an einer festen Stelle engagiert waren und von der Kirche(!) Ihr Gehalt bezogen. Monteverdi bekam 1616 z.B. 400 Dukaten Jahresgehalt! Bach wollte auf biegen und brechen Buxtehudes Stelle in Lübeck haben, wofür er sogar zu Fuß den Weg von Thüringen aus antrat! Nein, da muss ich wiedersprechen, als freier Orgelmusikkomponist hätte Mozart niemals überleben können. Er hätte eine gutbezahlte Organistenstelle antreten müssen, was er aber mit seinem geselligen, Bohemien-Lebensstil (Trinken bis tief in die Nacht, Billardspielen, Rauchen usw.) nicht vereinbaren konnte oder wollte. Wie hätte er morgens um 8 die Messe spielen sollen??? Mozart war ein Mann des Theaters, der Leidenschaft, der Liebe, des Dramatischen. Die hier oben genannten Herren Orgelmusik-Komponisten inkl. Bach waren exakt das Gegenteil. Das ist eine mentale Frage, die wir hier beantworten.

    Oh, du Phrasenschwein-Verdächtiger! :evil: Das kann ich Dir genau sagen, jede zweite Platte heute ist nicht geistig durchdacht, sondern abgeschmackt und mit einem Sexy-Frontcover in den Markt geworfen (daher kommt ja das Problem des übersättigten Marktes) : Beatrice Bertold, Sophie Mautner, Klavierduo Genuva/Dimitrov und wie sie alle heißen, Jenö Jando und Konsorten. Schau Dir die bunten Kataloge an, Naxos und Co (keine Sorge, das ist kein Pauschalurteil, es gibt auch hervorragende Naxos-Aufnahmen!). Will einer wirklich das Tschaikowsky-Violinkonzert mit Takako Nishizaki und dem Slovakischen PO auf Platte hören??? Ich nicht. Da nehme ich lieber Vargas- feurige, geistig durchdrungene Fassung!

    Lieblingspianisten - ich glaube so etwas gibt es bei mir nicht. Wenn ja, dann vielleicht Horrowitz oder Friedich Gulda oder Evgeny Kissin, Dinu Lipatti oder... Und da seht ihr es - liebe Forumteilnehmer. Es fällt mir schwer, denn ich kann locker noch 50 Namen aufzählen, die ich sehr gerne von Zeit zu Zeit (immer in Wellen begeistere ich mich für den einen oder anderen) höre: Argerich, Benedetti Michelangeli, Barenboim, Richter, Sokolov, Lupu, Schiff, Serkin, Brendel, Gilels, Rubinstein, Pogorelich, Pollini und auch damit ist es nicht zu Ende: Clif. Curson, Solomon, G. Gould, Moravec, Grimaud, Afanasiev, Arrau, Planes, Say, Backhaus, Anda, Gelber, Larrocha, Christian Zimerman, Plagge, Mantz, Banfield, Glemser, Helmchen, Stadtfeld, Lang Lang, Andsness, aber es gibt noch so viele Namenlose, so viele hervorragende Pianisten bei zahllosen Wettbewerben, die dort manchmal in der ersten Runde herausfallen. Warum frage ich mich manchmal... Setzt euch mal hinein in diese Klavuierwettbewerbe, Köln z.B. München ARD, Epinal (F) oder wer Zeit hat, fährt nach Italien, das Land der Klavierwettbewerbe. Da gibt es Erstaunliches zu hören. Dann fragt man nicht mehr nach Lieblingspianisten. Ich glaube, ich liebe die Klaviermusik und dafür ist mir kein Weg zu weit. Das Klavierfestival Ruhr oder das Luzerner Piano-Festival sind herausragende Termine.

    Das Feld Orgelmusik ist ein weites, um mit Fontane (Effi Briest) zu reden. Ich bin ein enzyklopädischer Hörer, will heißen, ich höre alles, was mir unter die Finger kommt. Am Besitzen von CDs habe ich nicht das erste Interesse, zum einen ist der Sport teuer, zum zweiten habe ich bald keinen Stellplatz mehr, da ich schon zu viele CDs besitze. Unter den Aufnahmen, die ich sehr begeistert aufgenommen habe, finden sich diejenigen von Olivier Latry (Widor 5e &6e Symphonies pour Orgue). Edgar Krapp Johann S. Bach, Johann Christian Kittel/ Joh. Philipp Kirnberger; Sweelinck - Der Organistenmacher (Leon Berben spiel vorzüglich). Mario Hospach-Martini: Barocke Orgelmusik aus Norddeutschland/ Mitteldeutschland (2CDs) und last but not least die Platten von Gereon Krahforst (Dom zu Minden). Jetzt ist er Domorganist in Paderborn.Günther Kaunzinger brauch ich in diesem Kreise wohl nicht extra zu erwähnen, ebenso nicht Pierre Pincemaille, der mich umhaut, aber unbekannter und dennoch unbedingt empfehlenswert ist Kalevi Kiviniemi (Die Kunst des Arrangements) CD erschienen bei Motette Düsseldorf 1997. Lokale Größen wie Christian Weiherer in memmingen oder Dominikus Trautner OSB (Münsterschwarzach) sind immer ein Ohr Wert. In diesem Sinne! Orgelmusik ist vor allem Reisetätigkeit. Man muss Orgeln, Orgeln, Orgeln kennenlernen. Französische, Schwäbische, Österreichische, Schweizer Orgeln, Norddeutsche, Dänemark (!) und man wird entzückt sein, was es alles gibt.

    Ich glaube, es ging Mozart wie mir. Zur Orgel muss man sich zwingen. Da hilft es nichts. Gespielt hat Mozart oft an Orgeln auf seinen Reisen. Wers nichts glaubt, sollte mal in J.H. Eibls: "Wolfgang A. Mozart, Chronik eines Lebens" blättern. Da steht immer wieder: Unterwegs an der Kirche XY die Orgel gespielt. Er konnte auch sagenhaft Improvisieren. Aber die Orgelmusik ist ein Spezialgebiet - bis heute geblieben. Ein Winkel der Musikliteratur, der immer wieder neu beleuchtet werden will und muss. Ich glaube, über seiner ganzen Arbeit an den Symphonien, Opern und Konzerten, bei denen er sich wesentlich mehr Außenwirkung versprach, zurecht wie ich meine, kam er einfach nicht mehr dazu, für die Königein der Instrumente mehr zu fixieren. Bestellt hat wohl auch niemand etwas, sonst hätte er bestimmt etwas komponiert, da bin ich mir sicher. Streichquartette sind bestellt worden, Violin-, später Klavierkonzerte komponierte er sich zum Eigengebrauch... Da blieb nichts mehr an Zeit übrig. Siehe auch den Thread: Mozart, kein Wunderkind. So war das mit der Orgelmusik und Mozart.

    @ reklov29


    Hallo reklov29


    Du sprichst mir aus der Seele. Endlich mal einer, der für Tibor Varga partei ergreift. Eigentlich hätte er es nicht nötig, denn ich finde, er war einer der größten seines Faches. Leider spiegelt sich das in der Diskografie unserer Highpreis-Labels nicht wieder. Varga nahm zwar in den 50ern mal für das Gelbetikett auf (Bartok-Violinkonzert mit den Berliner-Philharmonikern, die Aufnahme ist aber irgendwie in den Archiven versteckt und die von dir angeführten Bach-Konzerte) aber der ganze Rest ist irgendwie nicht gut greifbar. Es gibt eine Tibor-Varga- Edition mit 25 oder mehr CDs, die ich vor einem Jahr bei Beck in München erstanden habe für sehr viel Geld und da sind auch einige Schätze dabei, z.B. das Schubert Streichquintett, oder das Smetana-Klaviertrio. Alledings ist Tibor Varga auch häufig am Dirigentenpult und das ist nicht ganz so spektakulär, obwohl ich ihn auch of in Sion und in Detmold erlebt habe und seine Aufführungen - ich erinnere mich da an eine Jupiter Symphonie oder die 6 Brandenburgischen Konzerte von Bach - hatten immer eine Aura, die das jetzige Detmolder Kammerorchester- grade hat es sein Jubiläum mit Latica Honda-Rosenberg als Solistin eine seiner herausragendsten Schülerinnen die derzeit in Freiburg Violinprofessorin ist- begangen, nicht hinbekommt. Eckart Fischer ist da nicht so versiert wie Varga es war. Auch Fischers Vorgänger auf Vargas Professur hatte allesamt wenig Glück, ich erinnere mich da an Volker Worlitsch aus Hannover. Da war aber noch jemand.


    Vargas Violin-Ton war inspirierend und seine Interpretation war stets von geistiger Durchdringung geprägt. Er hatte immerhin Philosophie studiert, sprach locker 5 Sprachen. Seine Gemütlichkeit aber auch sein tiefer Ernst werden mir stets vor Augen sein.


    In Spenge, wo Du herkommst, kenne ich eigentlich nur Familie Riehm...kennst du die auch? Peter studierte bei Varga.

    @ ulli


    Übrigens habe ich "fuchsbuhl", nicht Alfred, die Bemerkung gemacht, dass es "Versuch einer gründlichen Violinschule" heißen muss, aber das nur am Rande.


    @Bettina & Wilfried

    Zitat

    Hätte er ihn sehr viel früher auch als Komponist und nicht ausschließlich als Wunderkind am Pianoforte präsentiert, hätte Wolfgang Mozarts Leben eventuell anders verlaufen können.


    Sicher wäre sein Leben dann anders verlaufen, nur wäre er dann nicht der geworden, der er geworden ist. Meiner Überzeugung nach prägte ihn und seine Komponierkunst das Reisen. Aus den Begegnungen mit Persönlichkeiten wie Kaiserin Maria Theresia 1762, Kurfürst Karl Theodor in Mannheim 1763, König Ludwig XV in Versailles 1764, oder befruchteneden Musikern wie Michael & Joseph Haydn, Padre Martini oder später C.Ph. E. Bach.


    M.a.W. wenn Mozart nicht dieses Leben als ausübender Künstler kennengelernt hätte, nicht diese Mühle der Reisen durchlaufen hätte, die ihm die internationale politische - & Musikwelt vor Augen geführt hat, wäre er vermutlich als Hofkapellmeister in Salzburg sang- und klanglos hängengeblieben. Der Aufbruch in die Welt ließ ihm als Konsequenz daraus seine Heimat zu eng werden und er wagte den Sprung in die Metropole Wien. Nur von dort aus und dort gelang ihm das Leben als freischaffender Komponist. Eine für damalige Zeit unerhörte Tatsache.


    @ ulli


    Zitat

    weil es "normal" geworden ist, dass 4 bis 6 Jährige auf der Bühne stehen und Paganini fideln


    Ich weiß, dass es nicht normal ist , dass 4-6 Jährige Paganini fideln. Ich stelle in der Gegenwart eine erhebliche Leistungsspanne zwischen dem "normalen" Musikschulniveau und den "Hochbegabten" fest. Während das Niveau in der Musikschule, nicht zuletzt wegen verfehlter Bildungspolitik unseres Staates, der Unterricht an Musikschulen kaum effizient gestaltet und schon gar nicht richtig finanziell unterstützt, da in Deutschland die Kommunen, die pleite sind, die Musikschulen betreiben, absinkt, steigt es bei Wettbewerben wie "Jugend musiziert" in den letzten zwei Jahrzehnen stetig an. Die Anforderungen werden ständig nach oben korrigiert, was dann zu dem Zwang führt, dass 10-Jährige Paganini oder Tschaikowsky spielen müssen, um einen vorderen Platz zu belegen. Die Reife bleibt in Deutschland völlig auf der Strecke. Das sieht man auch an dem Zwang, das Abi in 12 Jahren durchzupeitschen. Mit 17 ist eigentlich noch niemand Abi-reif. Außerdem bleibt für Musik wieder keine Zeit übrig in den Schulen. Alles muss schnell gehen heute... Bei Mozart ging es irgendwie mit großer Selbstverständlichkeit. Alledings war Mozart zu Kinderzeiten oft krank, mehrere Male nahe dem Tod. Und er wurde nur 35. Ein Indiz für Raubbau an seinem Körper, den er, wie Schiller oder manch anderer "Frühbegabter" nicht geschont hat,. Er hat aus sich herausgolt, was möglich war. Dann war es zu Ende. Davor stehen wir noch heute staunend.