Beiträge von Mme. Cortese

    Ich habe nie verstanden, was an Wagners Texten so lächerlich sein soll. Niemand Geringerer als Arthur Schopenhauer hat die Libretti des Rings des Nibelungen doch literarisch gelobt - und dieser kannte noch nicht einmal die Musik dazu. Die Texte können durchaus auch für sich allein genommen bestehen.

    Lieber Joseph,


    es gibt sicherlich viele durchaus gelungene Stellen, die Wagners Unzucht mit dem Stabreim zeugte, aber: mal abgesehen von dem notorischen "Wagalaweia" - wenn ich Zeilen lese oder höre wie "Als zullendes Kind zog ich dich auf" (Mime zu Siegfried) oder "Eine zierliche Fresse zeigst du mir da, lachende Zähne im Leckermaul" (Siegfried zum Drachen), dann kann ich mir einfach nicht helfen: der Länge nach liegend lache icch laut.


    Nichts für ungut!


    Mme. Cortese

    Lieber La Roche

    Du hast das punktgenau ausgedrückt, was ich in meiner Würdigung und Bewertung der "La Traviata" von 1953 meinte.


    Herzliche Grüße

    CHRISSY


    Wer in den 50-er Jahren auserkoren war, mit der Callas eine Aufnahme für die Ewigkeit zu machen, der steht außerhalb jeder Kritik.


    Herzlichst La Roche

    Lieber La Roche, lieber Chrissy,


    das halte ich doch für übertrieben. Wie weit die Callas gerade in den ersten Jahren ihrer Karriere darauf Einfluss nehmen konnte, wer neben ihr auf der Bühne oder im Plattenstudio stand, ist fraglich. Wenn eure Annahme stimmt, dann müsste auch Gianni Poggi, der den Enzo in der ersten Studioaufnahme der Callas von "La Gioconda" sang, ein Ausnahmesänger gewesen sein. Für mich ist er einer der gruseligsten Tenöre, die ich je zu hören das (Miss)vergnügen hatte. Auch Mario Filippeschi, der den Pollione in Callas´erster "Norma"-Einspielung sang, bietet kein ungetrübtes Hörvergnügen. Da wäre sicherlich Mario del Monaco, der ja auch in "Norma" häufiger mit ihr auf der Bühne stand, die bessere Wahl gewesen. Leider war der aber schon exclusiv an Decca gebunden. Will sagen, die Partner der Callas, sei es auf der Bühne oder auch im Studio, wurden teilweise schlicht nach Verfügbarkeit und weniger nach "Ewigkeitswert" ausgesucht. Bemerkenswert ist auch, dass beispielsweise Tito Gobbi, der ja ein kongenialer Pertner der Callas war, wesentlich seltener mit ihr auf der Bühne stand, als es den Anschein hat.. Gobbi war in erster Linie an der Römischen Oper engagiert, die Callas an der Scala. Bezeichnend ist die Tatsache, dass in der Scala- Premiere von Verdis "Maskenball" Ettore Bastianini den Renato sang. Die Plattenaufnahme der Oper machte Callas zusammen mit Gobbi. Bastianini war nämlich ebenfalls an Decca gebunden.


    Ich möchte noch hinzufügen ,dass ich persönlich nichts gegen Francesco Albanese habe. Er war sicherlich ein guter Tenor zu seiner Zeit. Ihn aber zu einem "Auserwählten" zu erheben, weil er öfter mit der Callas zusammen sang, erscheint mir doch etwas zu viel.


    Nichts für ungut!


    Mme. Cortese

    Als kleine Ergänzung möchte ich berichten, dass ich Felicia Weathers irgendwann um 1963 in Hannover als Salome gesehen habe. Es war meine erste Salome, und ich fand sie großartig. Auch die Inszenierung war sehr stimmungsvoll. Ich meine, sie im nächsten Jahr dann noch als Butterfly in Wien gesehen zu haben. Wir waren dort auf Klassenfahrt - man ermesse mein damaliges Alter...:)


    Es grüßt Mme. Cortese

    sich mit so etwas nicht den Abend zu verderben.

    Ich habe nun die Vorstellung gesehen und drei Schlüsse gezogen:


    1. Die Inszenierung fand ich absolut uninteressant, aber um einem den Abend zu verderben, war sie zu nichtssagend. Ich möchte nicht wissen, wie viel Geld man dem Herrn Waltz in den Rachen geworfen hat für eine "Inszenierung", die man genau so gut konzertant hätte durchziehen können.


    2. Beethoven hat sehr gut daran getan, seine Oper einer gründlichen Überarbeitung zu unterziehen. Ich fand es interessant, diese Version einmal zu hören, kann aber auf eine Wiederholung gut verzichten.


    3. Sängerisch betrachtet, würde ich die Aufführung als bestenfalls mittelmäßig einstufen. Besonders störend fand ich, dass kaum Muttersprachler mitwirkten, was häufig überdeutlich zu hören war.


    Falls noch jemand die Aufführung gesehen hat, würde ich mich über ein Feedback freuen.


    LG

    Mme. Cortese

    Lieber Willi,


    glücklicherweise habe ich einen drehbaren Fernsehsessel, falls es mit der Inszenierung zu arg wird. Allerdings interssiert es mich schon, wie sich diese Fassung von der allgemein bekannten musikalisch unterscheidet.


    LG


    Mme. Cortese

    Die Tenor - Arie "Gott welch´Dunkel hier...", (ab 1.27) habe ich so musikalisch verändert noch nie gehört.

    Lieber Chrissy,


    gespielt wird eine der früheren Fassungen von "Fidelio". Beethoven hat ja bekanntlich mehrere Anläufe gebraucht, bis er die endgültige Fassung der Oper, so wie wir sie alle kennen, beendete. Unter diesem Aspekt bin ich doch recht neugierig, egal, wie die Inszenierung aussieht.


    LG


    Mme. Cortese

    Tosca, 2. Oktober 1961


    Gastspiel des Teatro dell´opera Roma in der Städtischen Oper Berlin

    Chor und Orchester der Römischen Oper

    Dirigent Oliviero de Fabritiis


    Tosca: Floriana Cavalli


    Cavaradossi: Giuseppe di Stefano


    Scarpia: Anselmo Colzani


    Ich war 15 Jahre alt, schon seit einiger Zeit opernbegeistert - meine Eltern hatten mich gelegentlich in die Oper mitgenommen - und hatte einige Zeit zuvor im Radio die Stimme von Giuseppe di Stefano gehört, der in der Folge für einige Jahre für mich der Tenor war. So war ich natürlich überglücklich, als ich hörte, dass er beim Gastspiel der Römischen Oper mitwirken würde. Das karge Taschengeld reichte für eine Karte im dritten Rang, und so genoss ich den ersten Akt in vollen Zügen. Von dort ober bemerkten meine Sitznachbarin und ich, dass ganz vorne im Parkett noch zwei Plätze frei waren, und so zogen wir in der Pause um, und glücklicherweise kam auch niemand, der die Sitze beanspruchte. Wie selig ich war, die nächsten zwei Akte von dort aus verfolgen zu können, kann sich, glaube ich, jeder vorstellen, der weiß, wie 15-jährige Teenager ticken. Da ich die großen Duette Tosca/Cavaradossi bereits von der Schallplatte (natürlich Callas/di Stefano) kannte, machte es mir auch keine große Mühe, dem ganzen trotz der italienischen Sprache zu folgen. Und so ist mir diese Vorstellung natürlich unvergesslich. Möglicherweise hätte ich heute andere Präferenzen (es gab auch noch den "Trovatore" mit Parutto, Barbieri, Corelli und Bastianini), aber das Geld reichte halt nur für eine Karte, und da musste es eben di Stefano sein.


    Es grüßt Mme. Cortese


    Dass Culshaw die Flagstad haben wollte, wusste ich nicht. Deshlab danke ich Dir, lieber Rüdiger, für diese Information. Hätte mich interessiert, ob die Norwegerin so "etepetete" war, ob sie es also für unter der Würde ansah, in der Operette mitzuwirken


    :hello:

    Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Schließlich hat sie ja ihre Karriere mit Operetten begonnen. Ich hätte es sehr interessant gefunden, sie mal in diesem Repertoire zu hören.

    Der zweite Akt von Reinhard Keisers Oper "Croesus" wird mit einer ländlichen Idylle eingeleitet:



    Die Szene beginnt bei 1.07,20


    Der Text lautet:


    Kleine Vöglein, die ihr springet,

    zwitschert, singet

    auf den Sträuchen hie und da,

    fliehet für des Voglers Pfeifen,

    euch zu greifen,

    zu beschleichen

    ist er nah.


    Zarte Hinden die ihr graset,

    scherzet, raset in den Gründen hie und da,

    flieht, der Jäger, euch zu hetzen,

    ist mit Netzen,

    Strick und Winden gar zu nah.

    Hallo La Roche,

    ich kann mich erinnern, dass vor längerer Zeit, als die Wahl der Ballettdirektoren bevorstand, im Internet sogar eine Petition lief, mit der die Mitglieder des Staatsballetts unter der Überschrift "Rettet das Berliner Staatsballett" erreichen wollten, dass ihr Status als vornehmliches klassisches Ballett erhalten blieb. Scheint nicht viel gebracht zu haben. Wen wundert´s? Alles, was irgendwie schön ist, wie beispielsweise das klassische Ballett, muss anscheinend heute abgeschafft werden. Statt dessen bekommt man heute fast überall unter dem Begriff "Tanztheater" mehr oder weniger "bedeutungsschweres" Gehopse zu sehen., zumindest meiner Meinung nach.

    Es grüßt Mme. Cortese

    Oswald von Wolkenstein brachte mich auf dieses Lied. Der Text geht ja wohl auf Walter von der Vogelweide zurück.


    Edvard Grieg: "Die verschwiegene Nachtigall"






    DIE VERSCHWIEGENE NACHTIGALL

    Karl Joseph Simrock


    Unter den Linden,
    An der Haide,
    Wo ich mit meinem Trauten saß,
    Da mögt ihr finden,
    Wie wir beide
    Die Blumen brachen und das Gras.
    Vor dem Wald mit süßem Schall,
    Tandaradei!
    Sang im Tal die Nachtigall.

    Ich kam gegangen
    Zu der Aue,
    Mein Liebster kam vor mir dahin.
    Ich ward empfangen
    Als hehre Fraue,
    Daß ich noch immer selig bin.
    Ob er mir auch Küsse bot?
    Tandaradei!
    Seht, wie ist mein Mund so rot!

    Wie ich da ruhte,
    Wüßt’ es einer,
    Behüte Gott, ich schämte mich.
    Wie mich der Gute
    Herzte, keiner
    Erfahre das als er und ich—
    Und ein kleines Vögelein,
    Tandaradei!
    Das wird wohl verschwiegen sein-

    Johannes Brahms "Lerchengesang"



    Lerchengesang

    Karl August Candidus


    Ätherische ferne Stimmen,
    Der Lerchen himmlische Grüße,
    Wie regt ihr mir so süße
    Die Brust, ihr lieblichen Stimmen!

    Ich schließe leis mein Auge,
    Da ziehn Erinnerungen
    In sanften Dämmerungen,
    Durchweht vom Frühlingshauche.

    Vom "Heidedichter" Hermann Löns stammt das Gedicht "Horch wie der Tauber ruft",


    vom Tauber selbst gesungen!




    Horch, wie der Tauber ruft

    O du, du, du

    Und seine Taube hört

    Ihm freundlich zu

    Was wohl der Tauber will,

    O du, du, du

    Denk mal darüber nach

    Und hör ihm zu.


    Horch, wie mein Herze schlägt

    O du, du, du

    Was sagt dein Herze denn

    Dazu, dazu?

    Was wohl mein Herze will

    O du, du, du,

    Denk nicht darüber nach

    Und gib ihm Ruh.


    Der Tauber ruft nicht mehr

    O du, du, du

    Und seine Taube hört

    Ihm nicht mehr zu

    O du, du, du

    Wozu sind wir im Mai

    Wozu, wozu?

    Von Puccini gibt es eine Oper mit dem schönen Titel "La rondine" (die Schwalbe).

    Obwohl darin Schwalben keine sonderliche Rolle spielen, hier das bekannteste Stück daraus:



    Chi il bel sogno di Doretta

    Chi il bel sogno di Doretta
    potè indovinar?
    Il suo mister come mai
    come mai fini


    Ahimè! un giorno uno studente
    in bocca la baciò
    e fu quel bacio
    rivelazione:
    fu la passione!


    Folle amore!
    Folle ebbrezza!
    Chi la sottil carezza
    d'un bacio così ardente
    mai ridir potrà?


    Ah! mio sogno!
    Ah! mia vita!
    Che importa la ricchezza
    se alfine è rifiorita
    la felicità!
    O sogno d'or
    poter amar così!

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    Und nochmal Mahler: Das Lied von der Erde: "Der Trunkene im Frühling"






    • Der Trunkene im Frühling (1908)

    Der Trunkene im Frühling

    Li Tai-Po , translated by Hans Bethge

    Wenn nur ein Traum das Leben ist,
    Warum denn Müh und Plag?
    Ich trinke, bis ich nicht mehr kann,
    Den ganzen lieben Tag.

    Und wenn ich nicht mehr trinken kann,
    Weil Kehle und Seele voll,
    So tauml ich bis zu meiner Tür
    Und schlafe wundervoll!

    Was hör' ich beim Erwachen? Horch!
    Ein Vogel singt im Baum.
    Ich frag ihn, ob schon Frühling sei, -
    Mir ist als wie im Traum.

    Der Vogel zwitschert: ja, der Lenz
    Ist da, sei kommen über Nacht, - Aus tiefstem Schauen lauscht' ich auf,
    Der Vogel singt und lacht!

    Ich fülle mir den Becher neu
    Und leer ihn bis zum Grund
    Und singe, bis der Mond erglänzt
    Am schwarzen Firmament.

    Und wenn ich nicht mehr singen kann,
    So schlaf ich wieder ein,

    Was geht mich denn der Frühling an?

    Lasst mich betrunken sein!