Beiträge von Mme. Cortese

    Liebe Ramona,

    ohne hier speziell auf Elena Abraszova einzugehen - da müsste ich auch erst mal wieder reinhören-, würde ich doch Sängerinnen wie Callas, Tebaldi oder Milanov nicht unbedingt als "dünnes helles Sopranchen" bezeichnen.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Mit etwas zeitlichem Abstand möchte nun auch ich meine Eindrücke vom Bayreuther "Tannhäuser" schildern. Wie allgemein bekannt ist, gehöre ich nicht unbedingt zu den Verfechtern des RT, aber um an einer Diskussion teilzunehmen, muss man sich das fragliche Stück ja erst einmal ansehen. Das Stück in die heutige Zeit zu verlegen ist ja ein probates und gern geübtes Mittel, aber der Gegensatz "reine" gegen sexuelle Liebe spielt ja nun heute keine große Rolle mehr, ein Problem, das wohl jeden "Tannhäuser"-Regisseur hat. Aber egal. Den ersten Akt fand ich nicht gerade gelungen, nicht so sehr wegen der Verlegung der Zeit, sondern weil der Herr Kratzer wie so viele seiner Kollegen den Text völlig vernachlässigt hat. Da fahren die vier durch die herrlichen Thüringer Wälder, und Tannhäuser jammert er habe so lange kein Grün mehr gesehen bzw. keinen Vogel mehr singen gehört. Warum es wieder mal ein Clown sein musste, hat sich mir auch nicht erschlossen - haben die Leute, wenn sie unterwegs sind, keine Zivilklamotten? Grenzwertig fand ich auch die Szene, in der der radfahrende "Hirte" auf den zusammengebrochenen Tannhäuser trifft und ihm, anstatt zu fragen, ob er helfen kann, mitteilt, der Mai sei gekommen...


    Von dort an nahm die Inszenierung für mich Fahrt auf. Die Idee, die Pilger ins Festspielhaus marschieren zu lassen, fand ich witzig - bei weit über 30 Grad Außentemperatur kann man vermutlich dort mehr als eine Sünde abbüßen.


    Auch den zweiten Akt fand ich gelungen. Die Idee, Venus und ihre Entourage ins Festspielhaus eindringen zu lassen und Tannhäuser dort direkt zu konfrontieren, brachte Leben ins Spiel, wenn auch manches übertrieben war. Die Videoeinspielungen lockerten vor allem das endlose Finale des Aktes auf - für einen Nicht-Wagnerianer wie mich durchaus willkommen.


    Auch den dritten Akt fand ich gelungen. Ob er nun auf einer Müllhalde spielte oder irgendwo im Wald unter der Wartburg, sehe ich als nicht so wichtig an. Die ganze Szene ist ja voll Tristesse, trotz Elisabeths Gebet und des Liedes an den Abendstern. Ob das Quickie zwischen Wolfram und Elisabeth unbedingt sein musste, sei dahingestellt. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass zwar nicht alles gelungen war, ich aber schon weitaus fragwürdigere RT-Inszenierungen gesehen habe.


    Was die Leistungen der Sänger angeht: Lise Davidsen fand ich sehr gut, der Wolfram war für mich o.k., aber nicht mehr, dem Landgrafen fehlte meiner Meinung nach etwas des Basses Grundgewalt, um seine Autorität zu untermalen, und den Tannhäuser könnte ich mir sicherlich etwas schönstimmiger vorstellen, aber er meisterte seine Riesenpartie durchaus beachtlich.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Ich habe mir diesen Bregenzer "Rigoletto" zur Gänze angesehen. Die Zirkus-Atmosphäre fand ich für den Stoff weder zwingend noch ansprechend. Dass es dem Publikum gefallen hat - am Beifall zu erkennen -, spricht m.E. nicht für eine gelungene Regiearbeit, eher lässt sich feststellen, dass die Zuschauer an dem Spektakel interessiert waren, nicht an einer Opernaufführung.

    Ich habe es auch durchgestanden und gebe Musikwanderer vollinhaltlich Recht. Seit Jahren scheint ja bei diesen Festspielen das Wichtigste zu sein, was für ein spektakuläres Bühnenbild auf die Seebühne gewuchtet wird, um so mehr, seit eins dieser Bühnenbilder durch einen "Auftritt" in irgendeinem James-Bond-Film "geadelt" wurde. Dass bei dem diesjährigen Bühnenbild eine sinnvolle Personenregie praktisch gar nicht stattfinden konnte, kann eigentlich nicht überraschen. Ebenso wenig überrascht es, dass die Sänger bestenfalls mittelmäßig waren. Hier scheint es wichtiger zu sein, dass die Darsteller tauchen können oder nicht wasserscheu sein dürfen (Carmen im vorigen Jahr) oder dass sie trittsicher und schwindelfrei sind. Ob die Zuschauer in diesem Ambiente der Handlung folgen konnten, scheint mir sehr fraglich. Gibt es dort übrigens - vielleicht in den Sitzlehnen - Untertitel? Falls nicht, befürchte ich sehr, dass viele Zuschauer fortan der festen Überzeugung sind, dass "Rigoletto" in einem Zirkus spielt, welcher einen Direktor hat, der "Herzog" heißt. Wir haben ja hier oft über Regiekonzepte diskutiert - hier kann man IMO schlicht und einfach feststellen, dass es keins gab, außer möglichst viel "Äkschen" auf die Bühne zu bringen. Aus diesen Gründen kann ich das Ganze nicht als ernstzunehmnde Opernregie werten - dagegen gibt es ja in Verona geradezu hohe Kunst. :hello: Aus diesem Grunde kann ich mich auch über dieses Spetakel nicht ärgern Wie gesagt, man kann es einfach nicht ernst nehmen. Übrigens: Ärgern würde ich mich eher über die diesjährige Inszenierun im Festspielhaus von Massenets "Don Quichotte" - ein Ritter von der traurigen Gestalt, der statt gegen Windmühlen mit Klodeckel und -bürste gegen einen Ventilator kämpft, wäre wirklich nicht "mein Ding".)


    Es grüßt Mme. Cortese

    "Mein Liebchen, wir saßen beisammen" (Heinrich Heine)


    Dieses Gedicht ist mehrfach vertont worden. Ich habe hier eine eher unbekannte Version von Edward MacDowell herausgesucht:



    Mein Liebchen, wir saßen beisammen,

    Traulich im leichten Kahn.

    Die Nacht war still, und wir schwammen

    Auf weiter Wasserbahn.

    Die Geisterinsel, die schöne,

    Lag dämmrig im Mondenglanz;

    Dort klangen liebe Töne,

    Und wogte der Nebeltanz.

    Dort klang es lieb und lieber,

    Und wogt' es hin und her;

    Wir aber schwammen vorüber,

    Trostlos auf weitem Meer.

    Ich vermute sogar, dass diejenigen Opern-Nerds, die sich ganz (quasi zefirelli-like ^^ ) auf das Kulinarische versteifen, letztlich nicht völlig daran kleben bleiben; egal ob sie wollen oder nicht. Der Hörer wird gleichsam zwangläufig mit weiteren Schichten konfrontiert

    Na das ist doch prima! Wozu brauche ich dann einen Regisseur, der mir quasi nur (s)eine S(ch)icht aufdrängt?

    "Mainacht" von Johannes Brahms:



    Die Mainacht.


    Wann der silberne Mond durch die Gesträuche blinkt,

    Und sein schlummerndes Licht über den Rasen streut,

    Und die Nachtigall flötet,

    Wandl' ich traurig von Busch zu Busch.


    Selig preis' ich dich dann, flötende Nachtigall,

    Weil dein Weibchen mit dir wohnet in einem Nest,

    Ihrem singenden Gatten

    Tausend trauliche Küsse gibt.


    Ueberhüllet von Laub, girret ein Taubenpaar

    Sein Entzücken mir vor; aber ich wende mich,

    Suche dunklere Schatten,

    Und die einsame Träne rinnt.


    Wann, o lächelndes Bild, welches wie Morgenrot

    Durch die Seele mir strahlt, find' ich auf Erden dich?

    Und die einsame Träne

    Bebt mir heißer die Wang' herab.

    Wie ich schon im Parallelthread schrieb, fand auch ich die Personenregie reichlich dürftig. Insbesondere "Herr Netrebko" erwies sich als höchst unbegabter Schauspieler. Die einzigen, die ihre Partien mit Leben erfüllen konnten, waren Leonora und Luna. Hinzu kommt, dass Eyvazov über ein in meinen Ohren höchst unangenehmes Timbre verfügt und außer seinen Spitzentönen der Rolle ausdrucksmäßig fast alles schuldig bleibt. Dolora Zajick hat schon bessere Tage gesehen - schließlich ist sie nicht mehr die Jüngste. Gut fand ich den Sänger des Ferrando.

    Hallo Michael,

    wie ich weiter oben schon geschrieben habe, decken sich deine Anmerkungen zur Personenführung durchaus mit den meinen. Personenführung scheint - im Gegensatz zur Ausstattung - wohl öfter ein Manko bei Zefirelli gewesen zu sein. Gegen ein wenig Stilisierung habe ich generell nichts einzuwenden, obwohl ich das Bühnenbild auch etwas gewöhnungsbedürftig fand. Und die Öffnung des Turms zum Altar fand ich reichlich kitschig. Allerdings muss ich auch sagen, dass trotz dieser Fragwürdigkeiten in dieser Inszenierung nichts gegen der Inhalt des Stücks gesprochen hat, was ich und andere RT-Kritiker eben bei vielen RT-Produktionen so sehr bedauern -z.B. Biogasanlage als Wartburg etc. oder Carmwn in der Psychiatrie.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Frage zu 2. Wer soll denn Garcia alias Manrico sein?

    Hallo Souffleur,

    Gerhard hat ja die Frage eigentlich weiter oben schon beantwortet. Ich habe auch erst gestern mitbekommen, dass Manrico in Wirklichkeit Garcia heißt, und zwar an Hand der Untertitel, die sich sehr eng an das Libretto hielten, im Gegensatz zu den gängigen deutschen Texten. Und da wird der Name gleich in der ersten Szene erwähnt. Als der Chor nämlich Ferrando auffordert, die Geschichte von von den zwei Brüdern zu erzählen, heißt es:

    " Dalle gravi palpebre

    il sonno a discacciar,

    la vera storia ci narra

    di Garzia, germano al nostro Conte"


    Um den Schlaf von unseren schweren Augenlidern zu vertreiben, erzähle uns die wahre Geschichte von Garzia, dem Bruder unseres Grafen.

    Im Italienischen muss der Aussprache wegen aus dem Garcia ein Garzia werden. Beließe man die originale Schreibweise, müsste der Chor nach einem "Gartschia" fragen.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Was ich wirklich nicht verstehe, ist diese offensichtliche Inkongruenz in der Bewertung, was als absurd und lächerlich empfunden wird: Niemand stört sich an der Lächerlichkeit, dass in der Oper die Geschichten singend und nicht redend erzählt werden, dass Menschenmassen in Form von Chören ebenfalls singend über die Bühne manövriert werden, dass zum Teil mehr oder weniger motivierte Balletteinlagen zum Besten gegeben werden.

    Lieber Michael

    das ist aber nun mal das Wesen der Oper. Wer das als absurd empfindet, sollte sich lieber auf das Sprechtheater beschränken.

    Lieber Gerhard,

    schau dir mal auf NDR Kultur den Bajazxo und die Cavalleria Rusticana aus Hannover an. Es ist zwar nur eine halbszenische Auffûhrung, aber dort findet mehr Personenregie statt als im Trovatore.

    Wie ich schon im Parallelthread schrieb, fand auch ich die Personenregie reichlich dürftig. Insbesondere "Herr Netrebko" erwies sich als höchst unbegabter Schauspieler. Die einzigen, die ihre Partien mit Leben erfüllen konnten, waren Leonora und Luna. Hinzu kommt, dass Eyvazov über ein in meinen Ohren höchst unangenehmes Timbre verfügt und außer seinen Spitzentönen der Rolle ausdrucksmäßig fast alles schuldig bleibt. Dolora Zajick hat schon bessere Tage gesehen - schließlich ist sie nicht mehr die Jüngste. Gut fand ich den Sänger des Ferrando.

    Ich muss leider insofern passen, als das ich nicht dazu gekommen bin, rechtzeitig den Fernseher einzuschalten. Immerhin habe ich die Aufzeichnung heruntergeladen und hoffe, zeitnah die nötige Ruhe zu finden, sie mir anzuschauen. Allerdings erwarte ich von einer Diskussion der Inszenierung keine wirklichen Erkenntnisse. Nicht etwa, weil die Meinungen schon feststünden, sondern eher, weil derartige Inszenierungen bzw. allgemeiner konventionelle dazu neigen, in einem gewissen Sinne hermetisch zu sein. Das Werk wird "einfach" dargestellt, wie der Regisseur es anhand des Librettos vorfindet. Der Inhalt des Werkes, ein eventuell vorhandener Subtext oder verborgene Dimensionen werden explizit nicht interpretiert, dass Werk wird nicht "befragt". Natürlich, dass ist genau das, was von einigen so gewünscht wird und wenn der Regisseur sich für eine solche Herangehensweise entscheidet, ist das auch legitim. Es fehlt dann m.E. jedoch die Basis bzw. der Anlaß für eine Diskussion der Inszenierung, welche über ein "ganz hübsch" hinausgeht. Es bleibt das musikalische, aber darum geht es an dieser Stelle ehrlicherweise nur am Rande. Es ist schon, wie Holger schreibt: Eine solche Darstellung mag für Verona angemessen sein, geht aber eigentlich über das musicalhafte nicht hinaus, was es vermutlich aber auch garnicht soll. - Aber warumm soll ich es dann diskutieren!?

    Die Äußerung ist m.E. interessanter, als sie auf den ersten Blick scheint, da hier - wahrscheinlich unbemerkter Weise - mit zweierlei Maß gemessen wird: Es wird zugestanden, dass Zeffirellis Arbeiten durchaus übertrieben, überbordend, hypertroph oder einfach "zuviel des Guten" sind. Aber, wie an anderer Stelle oben bemerkt wird, ist diese Art der Hypertrophie für einen Ort, wie die Arena di Verona möglicherweise ja durchaus angemessen. Warum ist es dann aber nicht angemessen, die La Bohème in einem Hochhaus spielen zu lassen? Wohlgemerkt, der Kern ist hier nicht eine Inszenierung in der Art, wie sie oft Gegenstand unserer Streitereien ist, auch nicht ein Opernfilm im Stile der 70er oder 80er, sondern die Verlegung der Geschichte in ein soziales Milieu, in welchem sie sich heute eventuell genauso zutragen könnte. Wenn ich also einerseits sage: "Wenn Il trovatore in Verona, dann so!" Warum gilt dann nicht mit dem gleichen Recht: "Wenn La Bohème heute, dann so!" Ein solches Verständnis würde allerdings voraussetzen, dass man (wenigstens für einen Moment) bereit wäre, die Prämisse des "La Bohème heute" zumindest als conditio sine qua non einer inhaltlichen Diskussion zu akzeptieren.

    Hallo Michael,

    zur Trovatore-Inszenierung ist eigentlich alles gesagt. Ein Spektakel, zugeschnitten auf die Verhältnisse in der Arena, wobei ich immer noch der Meinung bin, etwas weniger wäre mehr gewesen. Der Vergleich mit dem Musical scheint mir nicht unangemessen, obwohl ich mancher Inszenierung in unseren Opernhäusern gelegentlich etwas mehr Musicalcharakter wünschen würde. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass Oper seinerzeit eher der Unterhaltung als der Belehrung diente. Absurdes und Lächerliches konnte ich in dieser Inszenierung nicht unbedingt finden, wenn ich auch der Meinung bin, dass etwas mehr Personenführung den Hauptpersonen gut getan hätte. Insbesondere "Herr Netrebko" erwies sich als bemerkenswert unbegabter Schauspieler.

    Mein Bezug auf die "La Boheme" im Hochhaus bezog sich auf die Aufführung, die heute Morgen auf 3Sat zu sehen war. Prinzipiell habe ich gegen eine Verlegung in ein solches Ambiente nichts einzuwenden, obwohl Hochhäuser heutzutage über Zentralheizungen verfügen und man auch nicht mit Kerzen durch dunkle Treppenhäuser schleichen muss. Als absurd und lächerlich empfand ich allerdings in der gezeigten Boheme schon den Anfang. Da steht Marcel in einem Vorgarten, der grünen Umgebung zufolge ist offenbar Hochsommer. Er geht dann ins Haus, trifft dort im Waschkeller auf Rodolfo, und die beiden frieren so sehr, dass sie ein Feuer in der Trommel einer Wäscheschleuder(!!!) entfachen. Gut, dass die anwesenden Hochhausbewohnerinnen vorgewarnt waren, sonst hätten sie wahrscheinlich Polizei, Feuerwehr und den psychiatrischen Notdienst gerufen. Anschließend sieht man das Apartment, in dem die Bohemiens wohnen. Es ist gut möbliert und verfügt über eine Einbauküche einschließlich Mikrowelle, und da kommt Mimi mit ihrer Kerze....


    Nun, weiter habe ich erst einmal nicht geschaut, und ich will auch nicht zu weit o.T gehen. Subtexte im Troubadour dürften schwer zu finden sein, und auch eine Aktualisierung, wie schon gelegentlich versucht halte ich für schwierig. Schließlich werden Hexen heute üblicherweise nicht mehr verbrannt...


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Hallo Souffleur,

    auch wenn ich durchaus der Meinung bin, dass Zeffirelli in vielen seiner Inszenierungen des Guten(?) zu viel tut, bin ich doch der Ansicht, dass man den Ort des Geschehens- hier eben die Arena di Verona - in die Bewertung mit einbeziehen sollte. Ich denke, dass man bei diesem Spektakel - und das ist es ja, im Gegensatz zu einer Inszenierung in einem Opernhaus, - doch etwas andere Maßstäbe anlegen sollte. Diese Riesenbühne mit Krankenhausbetten auszustatten, die ja bei Verdi auch nirgends vorgeschrieben sind, wäre mindesten ebenso daneben. Auch die Bilder, die ich von romantisch-bunt gewandeten Zigeunern (darf man das Wort überhaupt noch verwenden?) gesehen habe, finde ich nicht angemessen. Ich meine, man kann den "Trovatore" durchaus im Stil der Zeit ansiedeln, ohne auf Gigantismus und Romantisierungen zurückzugreifen.


    Viele Grüße


    Mme. Cortse

    Lieber Bertarido,

    ich habe das Programmheft natürlich nicht gelesen und nur so ein paar Infos von dem Trailer und aus verschiedenen Rezensionen. Und den Pasolini-Film und andere, auf die das Programmheft wohl anspielt, kenne ich auch nicht. Und ich frage mich ernsthaft, wer wohl von den vielen Zuschauern auf dem Opernvorplatz diese Hintergrundinformationen hatte. Ich meine, dass die Salome für jemanden, der sich nicht schon länger mit Opern beschäftigt, kein leichtes Brot ist, auch musikalisch nicht. Da hat sich womöglich der eine oder andere mal im Opernführer schlau gemacht und bekommt dann diese verrätselte und überfrachtete Inszenierung serviert. Ob dieser Zuschauer dann wohl zum Opernfan wird...? Ich finde diese Idee "Oper für alle" ja sehr gut, aber vielleicht sollte man dann vielleicht doch etwas leichtere Kost bieten, vielleicht wie die halbszenischen Open Air Vorstellungen in Hannover.


    Was Pavol Breslik angeht: Ich fand ihn gut und hätte ihn als Salome diesem Propheten allemal vorgezogen. Und nochmal zu den Großaufnahmen: Auf der Riesenleinwand...lass mich schweigen. Aber vielleicht konnten sich viele Besucher, die nicht wissen, dass Salome eigentlich ein Teenager ist, mit der Titelfigur als Vamp anfreunden.


    Viele Grüße


    Mme. Cortese

    Hallo Cavaradossi


    Ich kann mich dunkel erinnern, Horst Hoffmann ungefähr Mitte der 60er Jahre in Hannover als Walter von Stolzing gesehen zu haben. Über seine gesangliche Leistung kann ich nicht viel sagen - es ist lange her und ich war gerade 19 oder 20 Jahre alt. zumindest ist mir an seinem Singen nichts Negatives aufgefallen, und optisch machte er damals am Anfang seiner Karriere eine gute Figur. Ob ich noch in einer anderen Rolle gesehen habe, weiß ich nicht mehr; er ging dann auch ziemlich bald weg. Gerüchteweise habe ich damals auch etwas von Australien läuten gehört.


    Übrigens ein seltsamer Zufall, dass du gerade jetzt nach ihm fragst. Ich hatte vor ein paar Wochen dieselbe Idee und wurde genau so wenig fündig wie du. Schade eigentlich!


    LG Mme. Cortese

    Hallo Bertarido,


    Ich habe mir gestern Abend den Livestream angesehen und kann mich deiner Meinung nur anschließen. Da hat wieder einmal ein Regisseur ein "Konzept" gehabt und, wie ich gelesen habe, seitenlang im Programmheft vorgestellt, aber es ist ihm nicht gelungen, es auch nur annäherungsweise verständlich umzusetzen. Reihenweise Personen auf der Bühne, die man nicht einordnen konnte und die daher meiner Meinung nach entbehrlich waren, weil sie einfach nur ablenkten und man sich ständig fragen musste, was das sollte. Die Personenführung fand ich vor allem bei Narraboth und Salome mehr als übertrieben; vor allem Salome war ja nun keineswegs ein junges Mädchen, sondern wirkte wie eine in die Jahre gekommene Nymphomanin, die befürchtet, ihre Wirkung auf Männer zu verlieren. Dazu trugen auch die vielen Großaufnahmen bei. Vom Zuschauerraum aus war das vielleicht nicht so deutlich, aber mit dieser Kameraführung hat man Frau Petersen keinen Gefallen getan. Gesanglich fand ich sie o.k., dem Jochanaan hätte aber ein wenig mehr stimmliche Wucht gut getan. Dass der Text und die Vorgänge auf der Bühne nicht zusammenpassen, ist man beim RT ja schon gewohnt und ist immer wieder -zumindest für mich - erheiternd, wenn z.B. Narraboth freudig verkündet, dass die Prinzessin kommt, wo sie doch schon die ganze Zeit im Raum ist, oder wenn Herodes Salome die Hälfte seines Königreiches verspricht (welches denn?). Aber an solchen Kleinigkeiten stoßen sich Konzeptkünstler ja in der Regel nicht. Und weshalb am Ende alle Selbstmord begehen, hat sich mir auch nicht erschlossen - ein äußerer Anlass war ja nicht ersichtlich...


    Abschließend ein paar kleine Randbemerkungen:

    -Als Salome für ihren Tanz das Brautkleid anlegte, erinnerte sie mich fatal an Lucia di Lammermoor kurz vor der Wahnsinnsszene, wie sie vor ein paar Wochen bei einer Übertragung aus Wien zu sehen war.


    - Den Kopf des Jochanaan gab es tatsächlich zu sehen. Als die Darsteller nach dem Ende der Vorstellung vor das Opernhaus traten um sich auch vor den Zuschauern draußen zu zeigen, brachte Frau Petersen die Kiste mit und zeigte den Leuten das Objekt der Begierde - im Livestream kurz vor Schluss zu sehen.


    - Und schließlich: Warst du denn nun im Zuschauerraum zu sehen? Da checke doch nochmal schnell den Livestream, so lange er noch zu sehen ist. :hello:


    LG Mme. Cortese

    Hallo Gregor,

    Vielen Dank für deinen Bericht. Warst du live dabei? Ich habe das Konzert im Fernsehen verfolgt und bin da stellenweise zu etwas anderen Resultaten gekommen.

    Gar nicht gefallen hat mir beispielsweise Nina Stemmes Hallenarie, in der ich doch schon ziemliche stimmliche Abnutzungserscheinungen hörte. Und Furlanetto erschien mir doch schon total ausgesungen. Bei Bejamin Bernheim und Günther Groisböck hat bei der Übertragung der Tontechniker leider total versagt - Bernheim war fast überhaupt nicht zu hören, und bei Groisböck war nur die zweite Strophe seiner Arie richtig zu vernehmen; da hatte wohl endlich jemand den Fehler bemerkt. Daher meine Frage, ob du live dabei warst. Was die anderen Sänger angeht, schließe ich mich deiner Beurteilung an.


    Viele Sonntagsgrüße


    Mme. Cortese

    Teuerster Stimmenliebhaber, so lange in vielen RT-Inszenierungen auf der Bühne etwas völlig anderes gezeigt wird als das, was der Text vorgibt, ist es doch völlig egal, in welcher Sprache gesungen wird. Verwirrt ist das Publikum doch allemal. Also ist es doch vielleicht an besten, wenn das Publikum nichts versteht und sich sein eigenes Bild von den Vorgängen auf der Bühne machen kann. Ob dieses dann zu dem Werk passt, sei dahingestellt. Möglicherweise ist das sogar vom Regisseur beabsichtigt.

    Rollen wie Cherubino, Octavian und Komponist sind ja für Frauen komponiert worden - so wie die "Schöne Müllerin" und die "Winterreise" für einen Mann...

    Erstens gab es damals noch keine Countertenöre. Dennoch würde ich dir für diese pubertierenden Knaben durchaus recht geben. Wie steht es aber mit Heldenrollen wie Rossinis Arsace, Tancredi oder Malcolm? Rossini komponierte sie vor allem deswegen für Mezzos, weil das Zeitalter der Kastraten zu Ende ging.