Beiträge von Mme. Cortese

    Tosca, 2. Oktober 1961


    Gastspiel des Teatro dell´opera Roma in der Städtischen Oper Berlin

    Chor und Orchester der Römischen Oper

    Dirigent Oliviero de Fabritiis


    Tosca: Floriana Cavalli


    Cavaradossi: Giuseppe di Stefano


    Scarpia: Anselmo Colzani


    Ich war 15 Jahre alt, schon seit einiger Zeit opernbegeistert - meine Eltern hatten mich gelegentlich in die Oper mitgenommen - und hatte einige Zeit zuvor im Radio die Stimme von Giuseppe di Stefano gehört, der in der Folge für einige Jahre für mich der Tenor war. So war ich natürlich überglücklich, als ich hörte, dass er beim Gastspiel der Römischen Oper mitwirken würde. Das karge Taschengeld reichte für eine Karte im dritten Rang, und so genoss ich den ersten Akt in vollen Zügen. Von dort ober bemerkten meine Sitznachbarin und ich, dass ganz vorne im Parkett noch zwei Plätze frei waren, und so zogen wir in der Pause um, und glücklicherweise kam auch niemand, der die Sitze beanspruchte. Wie selig ich war, die nächsten zwei Akte von dort aus verfolgen zu können, kann sich, glaube ich, jeder vorstellen, der weiß, wie 15-jährige Teenager ticken. Da ich die großen Duette Tosca/Cavaradossi bereits von der Schallplatte (natürlich Callas/di Stefano) kannte, machte es mir auch keine große Mühe, dem ganzen trotz der italienischen Sprache zu folgen. Und so ist mir diese Vorstellung natürlich unvergesslich. Möglicherweise hätte ich heute andere Präferenzen (es gab auch noch den "Trovatore" mit Parutto, Barbieri, Corelli und Bastianini), aber das Geld reichte halt nur für eine Karte, und da musste es eben di Stefano sein.


    Es grüßt Mme. Cortese


    Dass Culshaw die Flagstad haben wollte, wusste ich nicht. Deshlab danke ich Dir, lieber Rüdiger, für diese Information. Hätte mich interessiert, ob die Norwegerin so "etepetete" war, ob sie es also für unter der Würde ansah, in der Operette mitzuwirken


    :hello:

    Das kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Schließlich hat sie ja ihre Karriere mit Operetten begonnen. Ich hätte es sehr interessant gefunden, sie mal in diesem Repertoire zu hören.

    Der zweite Akt von Reinhard Keisers Oper "Croesus" wird mit einer ländlichen Idylle eingeleitet:



    Die Szene beginnt bei 1.07,20


    Der Text lautet:


    Kleine Vöglein, die ihr springet,

    zwitschert, singet

    auf den Sträuchen hie und da,

    fliehet für des Voglers Pfeifen,

    euch zu greifen,

    zu beschleichen

    ist er nah.


    Zarte Hinden die ihr graset,

    scherzet, raset in den Gründen hie und da,

    flieht, der Jäger, euch zu hetzen,

    ist mit Netzen,

    Strick und Winden gar zu nah.

    Hallo La Roche,

    ich kann mich erinnern, dass vor längerer Zeit, als die Wahl der Ballettdirektoren bevorstand, im Internet sogar eine Petition lief, mit der die Mitglieder des Staatsballetts unter der Überschrift "Rettet das Berliner Staatsballett" erreichen wollten, dass ihr Status als vornehmliches klassisches Ballett erhalten blieb. Scheint nicht viel gebracht zu haben. Wen wundert´s? Alles, was irgendwie schön ist, wie beispielsweise das klassische Ballett, muss anscheinend heute abgeschafft werden. Statt dessen bekommt man heute fast überall unter dem Begriff "Tanztheater" mehr oder weniger "bedeutungsschweres" Gehopse zu sehen., zumindest meiner Meinung nach.

    Es grüßt Mme. Cortese

    Oswald von Wolkenstein brachte mich auf dieses Lied. Der Text geht ja wohl auf Walter von der Vogelweide zurück.


    Edvard Grieg: "Die verschwiegene Nachtigall"






    DIE VERSCHWIEGENE NACHTIGALL

    Karl Joseph Simrock


    Unter den Linden,
    An der Haide,
    Wo ich mit meinem Trauten saß,
    Da mögt ihr finden,
    Wie wir beide
    Die Blumen brachen und das Gras.
    Vor dem Wald mit süßem Schall,
    Tandaradei!
    Sang im Tal die Nachtigall.

    Ich kam gegangen
    Zu der Aue,
    Mein Liebster kam vor mir dahin.
    Ich ward empfangen
    Als hehre Fraue,
    Daß ich noch immer selig bin.
    Ob er mir auch Küsse bot?
    Tandaradei!
    Seht, wie ist mein Mund so rot!

    Wie ich da ruhte,
    Wüßt’ es einer,
    Behüte Gott, ich schämte mich.
    Wie mich der Gute
    Herzte, keiner
    Erfahre das als er und ich—
    Und ein kleines Vögelein,
    Tandaradei!
    Das wird wohl verschwiegen sein-

    Johannes Brahms "Lerchengesang"



    Lerchengesang

    Karl August Candidus


    Ätherische ferne Stimmen,
    Der Lerchen himmlische Grüße,
    Wie regt ihr mir so süße
    Die Brust, ihr lieblichen Stimmen!

    Ich schließe leis mein Auge,
    Da ziehn Erinnerungen
    In sanften Dämmerungen,
    Durchweht vom Frühlingshauche.

    Vom "Heidedichter" Hermann Löns stammt das Gedicht "Horch wie der Tauber ruft",


    vom Tauber selbst gesungen!




    Horch, wie der Tauber ruft

    O du, du, du

    Und seine Taube hört

    Ihm freundlich zu

    Was wohl der Tauber will,

    O du, du, du

    Denk mal darüber nach

    Und hör ihm zu.


    Horch, wie mein Herze schlägt

    O du, du, du

    Was sagt dein Herze denn

    Dazu, dazu?

    Was wohl mein Herze will

    O du, du, du,

    Denk nicht darüber nach

    Und gib ihm Ruh.


    Der Tauber ruft nicht mehr

    O du, du, du

    Und seine Taube hört

    Ihm nicht mehr zu

    O du, du, du

    Wozu sind wir im Mai

    Wozu, wozu?

    Von Puccini gibt es eine Oper mit dem schönen Titel "La rondine" (die Schwalbe).

    Obwohl darin Schwalben keine sonderliche Rolle spielen, hier das bekannteste Stück daraus:



    Chi il bel sogno di Doretta

    Chi il bel sogno di Doretta
    potè indovinar?
    Il suo mister come mai
    come mai fini


    Ahimè! un giorno uno studente
    in bocca la baciò
    e fu quel bacio
    rivelazione:
    fu la passione!


    Folle amore!
    Folle ebbrezza!
    Chi la sottil carezza
    d'un bacio così ardente
    mai ridir potrà?


    Ah! mio sogno!
    Ah! mia vita!
    Che importa la ricchezza
    se alfine è rifiorita
    la felicità!
    O sogno d'or
    poter amar così!

    https://lyricstranslate.com

    Und nochmal Mahler: Das Lied von der Erde: "Der Trunkene im Frühling"






    • Der Trunkene im Frühling (1908)

    Der Trunkene im Frühling

    Li Tai-Po , translated by Hans Bethge

    Wenn nur ein Traum das Leben ist,
    Warum denn Müh und Plag?
    Ich trinke, bis ich nicht mehr kann,
    Den ganzen lieben Tag.

    Und wenn ich nicht mehr trinken kann,
    Weil Kehle und Seele voll,
    So tauml ich bis zu meiner Tür
    Und schlafe wundervoll!

    Was hör' ich beim Erwachen? Horch!
    Ein Vogel singt im Baum.
    Ich frag ihn, ob schon Frühling sei, -
    Mir ist als wie im Traum.

    Der Vogel zwitschert: ja, der Lenz
    Ist da, sei kommen über Nacht, - Aus tiefstem Schauen lauscht' ich auf,
    Der Vogel singt und lacht!

    Ich fülle mir den Becher neu
    Und leer ihn bis zum Grund
    Und singe, bis der Mond erglänzt
    Am schwarzen Firmament.

    Und wenn ich nicht mehr singen kann,
    So schlaf ich wieder ein,

    Was geht mich denn der Frühling an?

    Lasst mich betrunken sein!

    Lieber Greghauser,


    deine Ansichten zu Verdis Tenorarien haben mich einigermaßen überrascht. Wenn du die alle langweilig findest, kannst du sie eigentlich nur von langweiligen Tenören gehört haben. Was braucht denn ein Tenor für "Di quella pira"? Eigentlich nur ein verlässliches hohes "c", das Verdi übrigens gar nicht geschrieben hat. Was braucht er für beispielsweise das "langweilige" "Ah si, ben mio"? Phrasierungskunst und Ausdrucksvermögen. Insofern sehe ich die Langeweile genau im umgekehrten Verhältnis. Meiner Meinung nach hat Verdi gerade in den langsameren Arien viel Charaktisierungskunst verlangt, während er diese bei den Cabaletten eher vernachlässigt hat - und die Stretta ist ja nichts weiter als eine Cabaletta.


    Es würde mich auch interessieren, welche Tenorarien du bei den von dir aufgeführten Komponisten aufregend findest - zumindest bei Catalani bin ich völlig ratlos.


    Was die idealen Verdi-Tenöre angeht, schließe ich mich im wesentlichen meinen Vorrednern an - Bergonzi, Björling, evtl. Pavarotti aus der jüngeren Vergangenheit, wobei man ja auch die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Rolle in Betracht ziehen muss - ein Tenore di grazia kann nun mal keinen "Otello" singen. Was nun Flaviano Labò angeht, den halte ich bestenfalls für brauchbar...


    Es grüßt Mme. Cortese

    Aber es ist schon bekannt, dass Ariodante ein Mann ist?


    Warum sollte die Sängerin des Ariodante dann nicht auch wie ein Mann aussehen? Verkleidung gehört dazu. Bart kann, muß aber nicht sein.

    Lieber Orfeo,


    da Ariodante zu meinen Lieblingsopern gehört, ist mir das durchaus bekannt. Allerdings mutiert dieser Ariodante im Verlauf dieser Aufführung immer mehr zur Frau. (Die gesamte Inszenierung ist übrigens auf YT zu sehen.) Auch dass Bartoli in ihren Alben auf die Problematik des Kastratentums aufmerksam macht, ist durchaus löblich. Meine Kritik an dem Cover gründet sich vor allem darauf, das Kastraten eben natürlicherweise keine Bärte hatten und sich bei Aufführungen, soweit ich weiß, auch keine anklebten. Daher finde ich das Foto auf einem Farinelli gewidmeten Album etwas schlecht gewählt.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Frau Bartoli dafür verantwortlich ist. Einen solch obskuren Geschmack traue ich ihr echt nicht zu.

    O doch, lieber Nemorino! Genau so ist sie in Salzburg als Ariodante aufgetreten!


    Noch mehr Gefiedertes von Gustav Mahler:



    5. Lob des hohen Verstandes


    5. Lob des hohen Verstandes

    Einstmals in einem tiefen Tal

    Kukuk und Nachtigall

    täten ein’ Wett’ anschlagen.

    Zu singen um das Meisterstück,

    gewinn’ es Kunst, gewinn’ es Glück!

    Dank soll er davon tragen.

    Der Kukuk sprach: „So dir’s gefällt,

    hab’ ich den Richter wählt,“

    und tät gleich den Esel ernennen.

    „Denn weil er hat zwei Ohren groß,

    so kann er hören desto bos,

    und, was recht ist, kennen!“

    Sie fl ogen vor den Richter bald.

    Wie dem die Sache ward erzählt,

    schuf er, sie sollten singen!

    Die Nachtigall sang lieblich aus!

    Der Esel sprach: „Du machst mir’s kraus!

    Du machst mir’s kraus! Ija! Ija!

    Ich kann’s in Kopf nicht bringen!“

    Der Kukuk drauf fing an geschwind

    sein Sang durch Terz und Quart und Quint.

    Dem Esel g’fi els, er sprach nur:

    „Wart! Wart! Wart!

    Dein Urteil will ich sprechen,

    ja sprechen.

    Wohl sungen hast du, Nachtigall!

    Aber Kukuk, singst gut Choral!

    Und hältst den Takt fein innen!

    Das sprech’ ich nach mein’ hoh’n Verstand,

    und kost’ es gleich ein ganzes Land,

    so laß ich’s dich gewinnen, gewinnen!“

    Kukuk, kukuk! Ija!










    Und ich dachte schon, das sei Conchita Wurst. Mal im Ernst, dieses Foto ausgerechnet für ein Album mit Kastratenarien zu wählen, scheint mir doch ein erheblicher Missgriff.


    Zu dem Album selbst kann ich einstweilen noch nichts sagen. Bei ihren früheren Einspielungen gefallen mir meistens die lyrischen Stücke eher, während ihre schnellen Koloraturen in meinen Ohren tatsächlich oft an eine Nähmaschine erinnern. Da bevorzuge ich doch eher eine Joyce di Donato oder auch Ann Hallenberg.


    Es grüßt


    Mme. Corteese

    ICH GING MIT LUST DURCH EINEN GRÜNEN WALD (1887) NO.7

    Lieder und Gesänge aus der Jugendzeit

    Ich ging mit Lust durch einen grünen Wald

    Anon.

    Ich ging mit Lust durch einen grünen Wald,
    Ich hört die Vöglein singen;
    Sie sangen so jung, sie sangen so alt,
    Die kleinen Waldvögelein im grünen Wald!
    Wie gern hört ich sie singen!

    Nun sing, nun sing, Frau Nachtigall!
    Sing du's bei meinem Feinsliebchen:
    'Komm schier, komm schier, wenn's finster ist,
    Wenn niemand auf der Gasse ist,
    Dann komm zu mir, dann komm zu mir!
    Herein will ich dich lassen, ja lassen!'

    Der Tag verging, die Nacht brach an,
    Er kam zu Feinsliebchen gegangen.
    Er klopft so leis' wohl an den Ring,
    "Ei, schläfst du oder wachst, mein Kind?
    Ich hab so lang gestanden!"

    Es schaut der Mond durchs Fensterlein
    Zum holden, süßen Lieben,
    Die Nachtigall sang die ganze Nacht.
    Du schlafselig Mägdelein, nimm dich in Acht!
    Wo ist dein Herzliebster geblieben?


    Ludwig van Beethoven - Der Wachtelschlag

    By Samuel Friedrich Sauter (1766-1846)

    Ach! mir schallt's dorten so lieblich hervor:

    Fürchte Gott, fürchte Gott!

    Ruft mir die Wachtel ins Ohr.

    Sitzend im Grünen, von Halmen umhüllt,

    Mahnt sie dem Horcher am Saatengefild:

    Liebe Gott, liebe Gott!

    Er ist so gütig, so mild.

    Wieder bedeutet ihr hüpfender Schlag:

    Lobe Gott, lobe Gott!

    Der dich zu loben vermag.

    Siehst du die herrlichen Früchte im Feld?

    Nimm es zu Herzen, Bewohner der Welt:

    Danke Gott, danke Gott!

    Der dich ernährt und erhält.

    Schreckt dich im Wetter der Herz der Natur:

    Bitte Gott, bitte Gott!

    Ruft sie, er schonet die Flur.

    Machen Gefahren der Krieger dir bang:

    Traue Gott, traue Gott!

    Sieh', er verziehet nicht lang.






    Hallo Moderato,


    ich finde es gut dass du das Thema hier mal zur Diskussion stellst. In einem anderen Thread - es ging um den Sänger Leopold Simoneau - wurde dieser dafür gerügt, dass er die Rolle des Orpheus transponiert hatte, obwohl das Orchester natürlich in der heutigen Stimmung spielte.


    Als ausgesprochene Opernfreundin ist mir das Problem der höheren Orchesterstimmung natürlich schon länger bekannt, und meiner Meinung nach ist es ein Unding, das gewisse Orchester um des "brillianten" Klangs willen die Sänger an die Grenzen der Unsingbarkeit bringen, und dass Dirigenten dies dulden und Sängern dann sogar Transpositionen untersagen. Meinetwegen sollen die Orchester ihre "Brillianz" pflegen, so viel sie wollen, aber wenn menschliche Stimmen ins Spiel kommen, egal ob Chor oder Solisten, sollten sie sich an die zur Zeit des Komponisten übliche Stimmung halten.


    Wie stehen andere Taminos dazu

    fragt


    Mme. Cortese