Beiträge von Mme. Cortese

    grundsätzlich finde ich es gut, wenn der Regisseur seine Inszenierung so werkgetreu wie möglich abliefert, was heutzutage eben keine Mode ist, sondern so gut wie gar nicht mehr vorkommt, weil sich in Originalität und Spitzfindigkeiten alle übertreffen wollen.

    :hello:

    Ich habe schon lange den Eindruck, dass es den Regisseuren weniger um eine Interpretation geht, sondern um "Originalität"- nach dem Motto: "was hatten wir denn bis jetzt noch nicht?"

    Solche Kommentare sind völlig fehl am Platze. :(

    Warum???


    Im übrigen finde ich den Begriff "RT-Phobe" reichlich daneben. Eine Phobie bezeichnet etwas, das man fürchtet. Wenn mir Hamburger nicht schmecken, dann habe ich noch lange keine "Hamburger-Phobie". Ich mag sie einfach nicht. Genau so wenig mag ich das RT. Deswegen muss ich es doch noch lange nicht fürchten!

    Auch meinen Dank für deinen höchst interessanten Bericht. Sehr wichtige Fragen an Verdis Opern. Da kommt der Eindruck von höchst spannendem Theater rüber.

    Leider ist die sehr beeindruckende Produktion von La forza del destino (Klingele/Hilbrich) des Niedersächsischen Staatstheaters nicht mehr auf dem Spielplan.


    Ist doch sehr okay, dass RT-Phobe weiterhin verbal vom Leder ziehn.:yes::yes:

    Diese "tolle" Inszenierung war einer der Gründe, weshalb ich mein Abo an der Staatsoper Hannover nach drei versuchsweisen Spielzeiten wieder gekündigt habe. Andere "Untaten": Fledermaus und Rusalka!

    Die Kostüme entsprachen der Mode am Ende des 19 Jahrhunderts, in dem die Originalhandlung angesiedelt ist.

    Lieber Gerhard,

    hier muss ich dich leider berichtigen. Die Originalhandlung spielt am Ende der 18. Jahrhunderts. Der Regisseur hat also "Manon" in die Entstehungszeit der Oper verlegt, wie das ja so häufig offenbar Mode ist. Das tut der Oper in diesem Fall zwar nicht weh, ich frage mich in solchen Fällen aber immer, welchen zusätzlichen Erkenntnisgewinn das bringen soll.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Hallo zusammen,


    wusstet ihr eigentlich schon, dass Scarpia ein Geistlicher war, der versucht, das Kindheitstrauma eines Missbrauchs zu verarbeiten.? Ein investigativer Regisseur hat das jetzt in Hannover herausgefunden:

    https://onlinemerker.com/hannover-staatsoper-tosca-premiere/

    Hier noch eine Rezension:

    https://www.haz.de/Nachrichten…n-der-Staatsoper-Hannover


    Eine Bilderstrecke findet man auf der Website der Staatsoper Hannover. Einen Kommentar erspare ich mir...


    Es grüßt Mme. Cortese

    Und nochmals Danke, liebe Mme. Nun kann es mehrere Tage regnen, für Abwechslung ist gesorgt.

    Etwas traurig finde ich nur, daß von der vermeintlich großartigsten Othello-Besetzung der Scala mit Tebaldi ind Monaco wohl keine Bilder (Gesamtaufnahme) existieren.

    Vielleicht weißt Du auch hier mehr?


    Herzlichst La Roche

    Lieber La Roche,


    da habe ich leider nichts gefunden, zumal es ja hier um Filme und nicht um gefilmte Aufführungen geht.


    Dafür habe ich noch ein anderes Schmankerl gefunden. Es wundert mich, dass ein Sänger noch nicht genannt wurde, der ja auch reichlich Filme gedreht hat, nämlich Rudolf Schock. Seine Spielfilme lasse ich mal außen vor, bei YT findet man reichlich Material dazu. Hier aber eine Verfilmung von Donizettis "Elisir":



    Nochmals viel Vergnügen!


    Mme. Cortese

    Nun möchte ich fortsetzen mit zwei Verfilmungen das Bajazzo.


    1948 gab es eine Verfilmung des Stoffes mit Gina Lollobridgida als Nedda. In diesem Film spielte und sang auch Tito Gobbi mit, natürlich als Tonio. Weitere Darsteller kann ich nicht finden, den Film hatte ich mal aufgenommen, wegen schlechter Bildqualität aber wieder gelöscht. Weiß jemand mehr?

    Lieber La Roche,


    diesen Film kannst du hier sehen:


    Dazu hätte ich dann ein echtes Kuriosum beizutragen.


    A I D A gespielt von Sophia Loren, gesungen von, man kann es kaum glauben, Renata Tebaldi und die Amneris gesungen von Ebe Stignani



    Sophia Loren hat nicht nur die Aida gespielt, sondern auch die Leonora in Donizettis "Favorita", allerdings ist die Sängerriege sehr viel weniger prominent. Und wie die "Aida" ist auch die "Favorita" brutal gekürzt. Übrigens tritt Sophia Loren hier noch unter ihrem ersten Künstlernamen Sophia Lazzaro auf.


    Lieber Gerhard,,

    der Satz, der mich nachdenklich gemacht hat, fand sich gar nicht in der Beschreibung der Handlung, so wie sie von Kratzer dargestellt wurde und die auch ich als durchaus nicht sonderlich gelungen fand, sondern in der Einleitung:


    Zitat:

    Unter der Regenbogenfahne versammelt sich der inzwischen mächtigste Männerbund und beherrscht die Theater mit absoluter Befehlsgewalt


    Das erinnert wirklich an abstruse Verschwörungstheorien. Kleine Frage: Gehörte etwa Zefirelli auch dazu?? Jedenfalls wird für mich der Verfasser dieser Zeilen - sagen wir mal - sehr fragwürdig.


    Es grüßt


    Mme. Cortese

    Thomas Pappe

    Ja, unser Thomas ist eben nicht von Pappe

    Lieber Marcel,

    mal Spaß beiseite. Wie du weißt, mag ich das RT auch nicht sonderlich. Allerdings muss ich sagen, dass der fraglichen Artikel einige Passagen enthielt, die wirklich absolut daneben waren, um es mal milde auszudrücken, insbesondere in der Einleitung. Von daher hätte auch Gerhard es sich überlegen sollen, ob man den Artikel so ungekürzt einstellen sollte. Sorry, wenn ich euch damit möglicherweise auf die Füße trete, aber solche homophoben Unterstellungen haben hier wirklich nichts zu suchen.


    Viele Grüße

    Mme. Cortese

    Hallo Greghauser,


    in Rossinis Oper "Ermione" gibt es ein Duett für zwei Tenöre (Rollen Oreste und Pilade):



    Ein weiteres Tenorduett gibt es in "Otello", ebenfalls von Rossini:



    Ich persönlich bevorzuge aber Duette für unterschiedliche Stimmlagen...


    Es grüßt Mme. Cortese

    Liebe Ramona,

    ohne hier speziell auf Elena Abraszova einzugehen - da müsste ich auch erst mal wieder reinhören-, würde ich doch Sängerinnen wie Callas, Tebaldi oder Milanov nicht unbedingt als "dünnes helles Sopranchen" bezeichnen.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Mit etwas zeitlichem Abstand möchte nun auch ich meine Eindrücke vom Bayreuther "Tannhäuser" schildern. Wie allgemein bekannt ist, gehöre ich nicht unbedingt zu den Verfechtern des RT, aber um an einer Diskussion teilzunehmen, muss man sich das fragliche Stück ja erst einmal ansehen. Das Stück in die heutige Zeit zu verlegen ist ja ein probates und gern geübtes Mittel, aber der Gegensatz "reine" gegen sexuelle Liebe spielt ja nun heute keine große Rolle mehr, ein Problem, das wohl jeden "Tannhäuser"-Regisseur hat. Aber egal. Den ersten Akt fand ich nicht gerade gelungen, nicht so sehr wegen der Verlegung der Zeit, sondern weil der Herr Kratzer wie so viele seiner Kollegen den Text völlig vernachlässigt hat. Da fahren die vier durch die herrlichen Thüringer Wälder, und Tannhäuser jammert er habe so lange kein Grün mehr gesehen bzw. keinen Vogel mehr singen gehört. Warum es wieder mal ein Clown sein musste, hat sich mir auch nicht erschlossen - haben die Leute, wenn sie unterwegs sind, keine Zivilklamotten? Grenzwertig fand ich auch die Szene, in der der radfahrende "Hirte" auf den zusammengebrochenen Tannhäuser trifft und ihm, anstatt zu fragen, ob er helfen kann, mitteilt, der Mai sei gekommen...


    Von dort an nahm die Inszenierung für mich Fahrt auf. Die Idee, die Pilger ins Festspielhaus marschieren zu lassen, fand ich witzig - bei weit über 30 Grad Außentemperatur kann man vermutlich dort mehr als eine Sünde abbüßen.


    Auch den zweiten Akt fand ich gelungen. Die Idee, Venus und ihre Entourage ins Festspielhaus eindringen zu lassen und Tannhäuser dort direkt zu konfrontieren, brachte Leben ins Spiel, wenn auch manches übertrieben war. Die Videoeinspielungen lockerten vor allem das endlose Finale des Aktes auf - für einen Nicht-Wagnerianer wie mich durchaus willkommen.


    Auch den dritten Akt fand ich gelungen. Ob er nun auf einer Müllhalde spielte oder irgendwo im Wald unter der Wartburg, sehe ich als nicht so wichtig an. Die ganze Szene ist ja voll Tristesse, trotz Elisabeths Gebet und des Liedes an den Abendstern. Ob das Quickie zwischen Wolfram und Elisabeth unbedingt sein musste, sei dahingestellt. Zusammenfassend möchte ich sagen, dass zwar nicht alles gelungen war, ich aber schon weitaus fragwürdigere RT-Inszenierungen gesehen habe.


    Was die Leistungen der Sänger angeht: Lise Davidsen fand ich sehr gut, der Wolfram war für mich o.k., aber nicht mehr, dem Landgrafen fehlte meiner Meinung nach etwas des Basses Grundgewalt, um seine Autorität zu untermalen, und den Tannhäuser könnte ich mir sicherlich etwas schönstimmiger vorstellen, aber er meisterte seine Riesenpartie durchaus beachtlich.


    Es grüßt Mme. Cortese

    Ich habe mir diesen Bregenzer "Rigoletto" zur Gänze angesehen. Die Zirkus-Atmosphäre fand ich für den Stoff weder zwingend noch ansprechend. Dass es dem Publikum gefallen hat - am Beifall zu erkennen -, spricht m.E. nicht für eine gelungene Regiearbeit, eher lässt sich feststellen, dass die Zuschauer an dem Spektakel interessiert waren, nicht an einer Opernaufführung.

    Ich habe es auch durchgestanden und gebe Musikwanderer vollinhaltlich Recht. Seit Jahren scheint ja bei diesen Festspielen das Wichtigste zu sein, was für ein spektakuläres Bühnenbild auf die Seebühne gewuchtet wird, um so mehr, seit eins dieser Bühnenbilder durch einen "Auftritt" in irgendeinem James-Bond-Film "geadelt" wurde. Dass bei dem diesjährigen Bühnenbild eine sinnvolle Personenregie praktisch gar nicht stattfinden konnte, kann eigentlich nicht überraschen. Ebenso wenig überrascht es, dass die Sänger bestenfalls mittelmäßig waren. Hier scheint es wichtiger zu sein, dass die Darsteller tauchen können oder nicht wasserscheu sein dürfen (Carmen im vorigen Jahr) oder dass sie trittsicher und schwindelfrei sind. Ob die Zuschauer in diesem Ambiente der Handlung folgen konnten, scheint mir sehr fraglich. Gibt es dort übrigens - vielleicht in den Sitzlehnen - Untertitel? Falls nicht, befürchte ich sehr, dass viele Zuschauer fortan der festen Überzeugung sind, dass "Rigoletto" in einem Zirkus spielt, welcher einen Direktor hat, der "Herzog" heißt. Wir haben ja hier oft über Regiekonzepte diskutiert - hier kann man IMO schlicht und einfach feststellen, dass es keins gab, außer möglichst viel "Äkschen" auf die Bühne zu bringen. Aus diesen Gründen kann ich das Ganze nicht als ernstzunehmnde Opernregie werten - dagegen gibt es ja in Verona geradezu hohe Kunst. :hello: Aus diesem Grunde kann ich mich auch über dieses Spetakel nicht ärgern Wie gesagt, man kann es einfach nicht ernst nehmen. Übrigens: Ärgern würde ich mich eher über die diesjährige Inszenierun im Festspielhaus von Massenets "Don Quichotte" - ein Ritter von der traurigen Gestalt, der statt gegen Windmühlen mit Klodeckel und -bürste gegen einen Ventilator kämpft, wäre wirklich nicht "mein Ding".)


    Es grüßt Mme. Cortese

    "Mein Liebchen, wir saßen beisammen" (Heinrich Heine)


    Dieses Gedicht ist mehrfach vertont worden. Ich habe hier eine eher unbekannte Version von Edward MacDowell herausgesucht:



    Mein Liebchen, wir saßen beisammen,

    Traulich im leichten Kahn.

    Die Nacht war still, und wir schwammen

    Auf weiter Wasserbahn.

    Die Geisterinsel, die schöne,

    Lag dämmrig im Mondenglanz;

    Dort klangen liebe Töne,

    Und wogte der Nebeltanz.

    Dort klang es lieb und lieber,

    Und wogt' es hin und her;

    Wir aber schwammen vorüber,

    Trostlos auf weitem Meer.