Beiträge von der Lullist

    leider gibts die CD's nicht mehr, Cover sind auch nicht zu finden, bzw. nur in Briefmarkengröße:



    Deutsche Barock Kantaten ( Vol. 1 - 10 )
    Ricercar Consort



    Querbeet durch die Kollektion, interessante Werke mal abseits von J.S. Bach (der aber auch vertreten ist)



    Eigentlich schade, dass diese Serie verschwunden ist, es sind wirklich herrliche Aufnahmen.
    Die Werke stammen von Buxtehude, Thunder, Schein, Schütz, Weckmann und vielen anderen.

    Wie ich eigentlich schon immer dazu sage, es ist meine ganz persönliche Meinung.
    Ich kann mit seinen Interpretationen wenig anfangen – egal aus welcher Zeit sie stammen, ich mag da nicht weiter drauf eingehen, weil es einfach auch etwas ist, was mich persönlich nicht interessiert – ich hab da eigentlich schon genug geschrieben.
    Da dass nun auch noch als „Bashing“ ausgelegt wird, werde ich erst recht nichts mehr dazu schreiben.


    Aber Dein Beitrag zeigt, dass Du zwischen Kritik an Harnoncourts Interpretationen und einem persönlichen Angriff Dir gegenüber nicht unterscheiden kannst oder willst.
    Warum sonst ist Dein Statement in solche Entrüstung getaucht.
    Da ich das jetzt weiß, werde ich mich hüten in Zukunft noch mal ein Wort über Harnoncourt zu schreiben.


    Ich habe weder etwas gegen Harnoncourt als Person noch etwas gegen Dich als Mensch – wie käme ich dazu ? So etwas würde ich mir niemals herausnehmen.


    Ich habe auch kein Problem damit, Dir Deinen Geschmack zu lassen – ich wüsste nicht, wo ich jemals etwas derartiges geschrieben hätte.


    So kann ich auch damit leben, dass Ulli die Aufnahmen von Rene Jacobs furchtbar findet, Geschmäcker sind halt verschieden – warum soll ich da, wie Du es beständig tust – widersprechen ?
    Ich mag auch Allan Curtis nicht, seinen Hausgott.
    Woher nehme ich mir das Recht heraus jemanden anderen zu sagen, dass er sich in seinem ästhetischen Empfinden irrt ? Das mache ich zum Spaß in den Regie Theater Threads – aber im Grunde ist mir so eine Denke einfach fremd.
    Und genau das ist der Grund warum es hier so überkocht.
    Die Kritik, ob angemessen oder nicht, ob sachlich richtig oder nicht, wird nicht zugelassen. Stattdessen muss man sich rechtfertigen und wird korrigiert.


    Ich hab damit kein Problem, wenn jemand die Musik die ich höre, die Kunst und Karikaturen die ich mache oder mich als Person einfach Scheiße findet – mir ist das egal.
    Mir passiert das zum Glück nicht so oft, aber wenn, dann weiß ich meistens wie ich reagieren muss – und ich reagiere darauf nämlich gar nicht.


    Ich wüsste auch nicht, dass ich in irgendeiner Form gehässig war, eventuell die Karikatur (aber das ist eben der Sinn einer solchen).
    Der Angriff gegen Dich, war nichts anderes als eine Retourkutsche dafür, dass Du Dir herausnimmst mein ästhetisches Empfinden als Unsinn abzukanzeln.
    Ich hab das zwar nicht so ernst genommen, wie Du das anscheinend tust, daher sprach ich ja auch von Gott und Opfer ...


    Aber sollte ich damit den Bogen überspannt haben, so entschuldige ich mich, und ich werde mich wie schon versprochen zum Thema Harnoncourt nicht mehr äußern.

    Zitat

    Es ist IMO keine Kunst sich so etwas zu getrauen - und es spricht auch nicht dagegeb.
    Die Frage ist nur: Wo und Wann.
    Sicher nicht anlässlich eines Geburtstags, da gratuliere oder schweige ich.


    eben, ein deutliches Statement der Forianer.



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    Ich bin ob der erstaunlichen Courage beeindruckt.
    Immerhin hast Du unabsichtlich zugegeben, dass er berühmt ist.


    ich denke es muss erlaubt sein, zu sagen, wenn einem was nicht schmeckt.


    Und zum Berühmtsein gehört nicht viel - wenn es danach ginge, dann ist in Deutschland jemand ganz anderes die große Ikone....über Qualität sagt die Medienpräsenz gar nichts aus - in der Kunst schon mal drei mal nicht.



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    ( mit Nebenkampfplatz" Harnoncourt pro und vor allem contra" - gegen den sind sie fast alle, HIP-Freunde und Gegner, ich find`s grausig!)


    Tja aber mit so was muss man sich abfinden, wenn die Interpretationen mehrheitlich nicht gefallen - ist das für gewöhnlich das Resultat.
    Sicher jeder hat mal einen guten Tag.
    Aber ich für meinen Teil kann mit dem Interpretationsansatz von Harnoncourt nichts anfangen, ebenso kann ich auf Aufnahmen von Clemencic verzichten oder Nicol Matt.



    Zitat

    original von Glockenton
    Harnoncourt ist deshalb DIE HIP-Ikone überhaupt, weil er in seiner Arbeit und in seinen Aufführungen Forscherdrang und Pioniergeist mit brennender Musikalität, interpretatorische Genialität und Feuer wie kein anderer verbunden hat.
    ALLES staubtrocken und buchstabiert?


    UNSINN - nur die ganz frühen Aufnahmen aus den 50ern klingen noch vorsichtig tastend. Hogwood z.B. bietet gegenüber Harnoncourt soliden Standard. Mittreissend ist das allerdings nicht.


    gut dann ist mein ästhetisches Empfinden eben Unsinn, so etwas würde ich mir persönlich nicht herausnehmen von anderen zu sagen nur weil es meinem Weltbild widerspricht.


    Die frühen Aufnahmen von Harnoncourt sind ein Krampf ohne Gleichen, die Aufnahme "Musik am Wiener Hof" für die Serie "Musik in alten Städten und Residenzen, ist der Tiefpunkt der gesamten Collection - vollkommen unerträglich.
    Das ist ein gequietsche und gejaule – so was hab ich noch nie erlebt.


    Seine LP "Musik am Hofe von Versailles" - da hat er das Ballett de Xerxes von Lully aufgenommen - das kann man nicht mal als Interpretation bezeichnen, das ist eine Hinrichtung. Ich tat mich schwer die einzelnen Sätze überhaupt noch zu erkennen.
    Das ist ein Ballet verdammt – da konnte man nicht mal mehr die Tänze erkennen.


    Harnoncourt hatte überhaupt kein Gefühl für frz. Musik, kein Stück.



    Zitat

    Ach ja, wenn es um Elegance und französische Barockmusik geht: So schwingend wie Harnoncourt spielt keiner die Gavottes und so hebend ( der Ausdruck kommt von Quantz) und wirklich elegant wie er und der Concentus spielt m.E. niemand ein Menuet. Da vergleiche man nur die Menuets der Orchestersuiten Bachs ( zweite Aufnahme 80er-Jahre) mit irgendwelchen anderen HIP-Aufnahmen, z.B. Goebel.


    Tja das Problem ist nur, das französische Musik nicht nur aus ein paar Gavottes und Menuettes besteht.
    Die Aufnahme von Castor und Pollux ist unter aller Kanone - da war selbst Leppard mit seinem Dardanus besser - überhaupt war Leppart mit seinen Interpretationen - oder Paillard viel näher an der Musik, als Harnoncourt.
    Die verstanden worauf es bei der Gestaltung der Musik ankam, ihre Aufnahmen können sogar noch nach fast 40 Jahren immer noch neben modernen Aufnahmen bestehen – ganz einfach weil sie geschmackvoll und voller Esprit sind.


    Bevor man sich da Interpretationen von Harnoncourt besorgt hätte, wäre man mit konventionellen Aufnahmen aus Frankreich besser bedient gewesen – die Aufnahmen von Desormiere aus den 30er und 40er zeigen das ganz deutlich – hier wurde mit Sachverstand, Liebe zur Musik und Geschmack gespielt, wäre die Tonqualität der damaligen Zeit nicht so grausam, so hätten diese Aufnahmen auch Heute noch einen Platz.


    Und egal was du gegen Hogwood sagts, seine Aufnahmen frz. Musik bzw. frz. gearteter Musik (Rebel & Destouches / Muffat) sind eindeutig besser gelungen – mag sein das Hogwood damit nur Standard erreicht hat – aber zumindest hat er ihn erreicht.


    Ich finde die Aufnahmen in Bezug aufs Aufnahmedatum allerdings phänomenal - ohne dabei ein glühender Anhänger von Hogwood zu sein.
    Aber von Hogwood hätte Harnoncourt lernen können was "Eleganz" bedeutet.



    Und ich schließe mich an - die Bach Aufnahmen von Karl Richter wären mir auch wesentlich lieber. Allein schon die Brandenburgischen Konzerte.




    Das Problem ist, das Du Harnoncourt als Gott verehrst, warum auch immer.
    Etwas gegen ihn zu sagen, so begründet es auch sein mag, und wenn es nur der eigene Geschmack ist, hat hier kein Gewicht - es ist einfach Blasphemie und wird nicht gelten gelassen.
    Ich verstehe persönlich nicht, wie man so zum fanatischen Anhänger werden kann und alles goutiert.
    Ich denke das ist auch der Grund warum Du hier so Gegenwind bekommst, Dein Fanatismus ist kontrapoduktiv.
    Aber jeder Künstler greift nun mal daneben - und nicht jeder mag den speziellen Ansatz von XY.
    Ich bevorzuge Rene Jacobs, William Christie und Jordi Savall – aber auch sie haben ab und zu mal eine miese Aufnahme vorgelegt die mir nicht zusagt – na und ? So ist das Leben, es sind eben Menschen.
    Dann such ich mir halt eine Aufnahme des Werkes von jemand anderen – was soll’s.


    Du wirfst den Kritikern pauschale Aussagen vor (von Dir kommt übrigens nichts anderes) wenn es dann konkretisiert wird, dann verstehst du die Kritik nicht und widerlegst auf Biegen und Brechen.
    Das hat was von Inquisitionstribunal – und ich für meinen Teil muss mir so was nicht geben.
    Huldige Deinem Gott, opfere ihm – aber bei mir fliegt der Kram aus meiner Sammlung.
    Und wenn Du das nicht ertragen kannst, dass es Menschen mit anderem Geschmack gibt, dann tut es mir leid.


    Seltsamerweise ist die Ablehnung der Interpretationen von Harnoncourt aber doch recht verbreitet, das rechtfertigt nichts, zeigt aber einen eindeutigen Trend.


    Als Theoretiker sind seine Verdienste unbestritten, aber dabei hätte er es belassen sollen.

    ich denke ich stehe auch ganz klar auf der Seite, dass man soviele Werke wie möglich kennen lernen sollte.
    Ich habe einfach daran viel größere Freude, als zum x-ten Male das gleiche Werk zu hören, das sich durch die Interpretation vielleicht nur durch Nuancen unterscheidet.


    Aber bei manchen Werken finde ich dass dann doch wieder sehr spannend, vor allem bei solchen Werken, wo es mehrere Fassungen gibt und daher jede Aufnahme ohnehin schon anders ist.
    Von Mozarts Idomeneo habe ich 6 verschiedene Einspielungen, aber das ist ein Ausnahme, von den Wiener Klassikern meist die Hauptwerke konventionell und dann nochmal richtig :D


    Aber wenn ich daran denke, was ich schon alles entdeckt habe, und immer noch soviel auf mich wartet, kann ich gar nicht anders, als mich ständig in völlig unbekannte Musik zu stürzen.


    In meine Fall ist es ohnehin so, dass es meist nur eine Aufnahme eines Werkes gibt, daher stellt sich die Frage fast nicht.
    Aber schon bei Mozart geht es los, irgendwann habe ich jene Dirigenten und Ensembles, bzw. Stilgruppe (in dem Fall HIP) ausfindig gemacht und weiß an wen ich mich wenden muss um Beethoven oder Mozart so serviert zu bekommen, wie ich mir das wünsche. ;)

    also es gibt ein Metier wo Karajan wirklich verblüffend gut war, und zwar Musik der beginnenden Moderne, zweite Wiener Schule.


    Die CD die bei DGG heraus kam ist ein absolutes Highlight.
    Davon hätte er er mehr machen sollen.



    Übrigens gibt es schon ganz tolle Aufnahmen mit Barockmusik vor 1940, z.B. durch Roger Desormiere, oder aus den 50er Jahren durch Berhard Wahl, Jean Louis Petit oder Roland Douatte.
    Das zeigt mir eigentlich, dass es ausschließlich etwas mit dem Verständnis für diese Musik zu tun hatte, und das hatte Karajan im Gegensatz zu den Franzosen absolut gar nicht - er hatte weder das Herz noch Geschmack bei der Umsetzung.


    Harnoncourt wird immer als die HIP Ikone herangezogen - warum ?
    Ich kenne so viele Liebhaber der alten Musik, die einen weiten Bogen um seine Aufnahmen machen, weil das einfach alles nur buchstabiert und trocken ist.
    Bei mir fliegen seine Aufnahmen nach und nach aus meiner Sammlung, sobald ich alternativen habe.
    Hört euch lieber mal Jacobs, Christie, Savall, Minkowsky, Reyne, Rousset, Duftschmid oder Hogwood an - das ist ne ganz andere Liga.


    Von Leonhardt mag ich auch nur seine Cembaloplatten.
    Die sind meistens dann aber auch atemberaubend - obwohl es da auch Fehlgriffe gibt (Froberger z.B.)


    Zitat

    weil HIP bei manchen Werken eben nicht jeden Aspekt desselbigen zur Gänze erfasst. Achtung: Bei manchen Werken! Wobei das aber nicht heißen soll, dass HIP das nicht könnte, sondern nur, dass es bis dato nicht gemacht ist.


    das sehe ich z.B. anders, ich denke dass man mit Hip an jeden Komponisten heran gehen sollte, selbst schon bei Schönberg.



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    implizit behauptet. Daß die Erde keine Scheibe ist, ist eine beweisbare Wahrheit, daß die Wiedergabe mit Originalinstrumenten der Entstehuingszeit, die einzig mögliche Wiedergabemöglichkeit ist, ist eine These oder besser gesagt eine unbewiesen Behauptung, besser noch : eine bereit widerlegte Behauptung - widerlegt durch die Aufführungspraxis der letztn 100 (und mehr) Jahre.


    Ich finde genau das Gegenteil wurde bewiesen, eben dass man Lautenwerke mit einer umgebauten Gitarre eben nicht angemessen spielen kann - weil es einfach ein völlig anderer Klang ist.


    Klar kann man Stockowsky Bach Instrumentationen hören, aber die Klarheit und Erhabenheit einer barocken Orgel hat man damit wohl kaum. So wird ein Orgelstück, dass vielleicht in einen chrictlichen Kontext verwendet wurde, aufeinmal zu einem großsymphonischen Ereignis - nun ja....ich glaube dadurch ändert sich noch mehr als nur der Klang.
    Man höre nur mal in die beiden Cavalli Aufnahmen rein, damit ist doch schon der Beweis erbracht, und das gleiche Ergebnis wird man mit allen Beispielen dieser Art haben.


    Widerlegt ist daher nur eines, eben das man mit einem Standard Ensemble alles in gleicher Qualität spielen könnte.


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    Die Nachfolger von Bach und Kollegen haben ja die "modernen" Instrumente nicht etwa benutzt um die Werke zu entstellen - man erwartete sich eine Verbesserung dadurch.


    ja vor allem in Bereich Lautstärke (wegen der immer größeren Säle) und des Spielkomforts - was auf der Strecke blieb ist der Klang.
    Weil die vielen Klangnuancen in größeren Räumen kaum noch zu hören sind.



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    Wie stolz war man als vor ca 40 Jahren Bach auf einem Moog Synthesizer gespielt wurde. "Switched on Bach" hiess die Platte damals - und man verkündete stolz, Bach sei unzerstörbar, durch die Wiedergabe via Elektroniksynthesizer ginge nichts von der Substanz des Werks verloren.....


    Das kann man mit allen eingängigen Melodien machen - dass das zufällig von Bach ist, spielt da wohl kaum eine Rolle.


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    Nun ist aber ein gewisser nostalgischer Trend, eine Mode, die die Wiedergabe über historisches Instumentarium fordert.
    Einverstanden - gefällt mit im allgemeinen gut.


    also ich glaube nicht dass es darum geht, ganz sicher nicht.
    Wie ich schon sagte, für manche Werke fehlt ganz einfach das Instrumentarium - das geht gar nicht anders.
    Es verschwanden einige Instrumente, weil sie einfach aus der Mode kamen - das CMBV hat letztes Jahr drei neue Streichinstrumente rekonstruieren lassen um die verlorenen Mittelstimmen im frz. Orchester des 17. Jahrunderts wieder aufleben zu lassen.
    Das Ergebnis ist phänomenal !


    die künftigen Aufnahmen mit frz. Musik werden eine völlig neue Klangerfahrung sein.


    Oder anderes Beispiel:
    Die Werke von Sainte Colombe sind für 7 Saitige Viola da Gamba geschrieben, sowas kann man nicht auf einem Violonchello spielen - schon mal gar nicht, wenn man weiß wie die Franzosen zur damaligen Zeit zu diesem Instrument standen.


    Das hat nichts mit Nostalgie zu tun, sondern vielmehr Werke von größtem musikalischen Wert wieder spielbar zu machen.

    ich hätte da direkt ein Beispiel:


    [am='B00000IO60'][/am]


    eigentlich fast schon ein Paradebeispiel, dass es nicht funktioniert. Die Rezitative wirken in diesem orchestralen Sound wie Fremdkörper.
    Zudem sind die auch völlig langweilig begleitet - muss man nicht unbedingt haben.



    anderes Beispiel, es gibt ja immer noch Leute die meinen die HIP Erkenntnisse wären allesamt für den Kamin und meinen es wirklich besser zu wissen, wie Herr Zedda z.B. (das Booklett und sein Geseierer ist der absolute Hammer....)




    besser als mit diesem Machwerk kann man sich selbst eigentlich kaum widerlegen.


    Zum Glück hat Gabriel Garrido kurze Zeit die gleiche Oper auch aufgenommen und gezeigt wie man soetwas auch machen kann:




    das ist übrigens eine wunderbare Gelegenheit HIP und die konsequente Ablehnung desselben an einer Oper aus dem 17. Jh. zu vergleichen, mal Abseits von Bach und Händel.


    Ich empfehle nur mal die Soundsamples zu vergleichen, das sagt eigentlich schon alles.

    Das Problem ist immer wieder das gleiche, ab 1700 kann man eigentlich auch den modernen Orchesterapparat benutzen, weil grundsätzlich das Orchester recht ähnlich aufgebaut ist.
    Für das Continuo braucht man eben Cembalo und nach Bedarf andere Continuoinstrumente – je nachdem.



    Aber was ist mit der Zeit davor ?


    Die Instrumente die da den Ensembleklang ausmachen, oder eben auch in der Kammermusik Verwendung fanden sind zum größten Teil verschwunden.


    Und es tut mir leid, es funktioniert einfach nicht, diesen Klang irgendwie zu simulieren - da gab es bisher nichts was da überzeugend gewesen wäre - es sei man benutzt eben die entsprechenden Instrumente etc.


    Man kann den Klang von Gamben, Zinken, Lauten, den ganzen Blockflöten, den ganzen französischen Mittelstimmen, den tiefen Bläsern wie Serpent und Cromorne usw. nicht imitieren - allein deswegen ist HIP sogar ein Muss !
    Von der entsprechenden Gestaltung, der speziellen Deklamation der Rezitative rede ich gar nicht.


    Es ist ein Muss, wenn man die Opern und die geistliche Musik des 17. Jh. angemessen aufführen bzw. hören möchte – falls es jemand besser weiß, dann bitte.

    Zitat

    Künstler waren in allen Zeiten geschätzt. "Narrenfreiheit" haben sie sich allerdings im 20 Jahrhundert selbst zugestanden - und sie musste dafür auch bitte bezahlen. Der Begriff des "verkannten" Künstlers entstand, und irgendwann begann man Kunst die kauim jemand wollte aus öffentlichen Mitteln zu fördern, man nahm das Geld (vorzugsweise) von jenen, die man eigentlich verachtete und entmündigte sie. Eigenartigerweise geschah das, während man andrerseits immer wieder das Wort "Demokratie" im Munde führte - und vor allen DURCH jene die dies taten.



    ... na ja dass das nicht mit der tatsächlichen Geschichte übereinstimmt, wirst Du doch selbst zugeben müssen ;)


    sogenannte verkannte Künstler gab es zu jeder Zeit.
    Sowohl unter Musikern, wie bildenden Künstlern.
    Allein aus dem Barock fällt mir eine ganze Palette ein, aus allen Sparten.


    Und wovon wurde Kunst, die nur einer kleinen Oberschicht vorbehalten war, finanziert ? Aus Steuern des gemeinen Volkes - gerade in deutschssprachigen Gebiet, indem in vielen Kleinstaaten zwar barocke Herrlichkeit abgefeiert wurde, der Lebensstandard aber mittelalterlich war für breite Bevölkerungsschichten.
    Ich kann mir nicht vorstellen, dass die schwer arbeitende Landbevölkerung es bejubelte, dass diese oder jener Landesherr Unsummen für die Aufführung einer Oper ausgab.


    Allenfalls die freien Städte leisteten sich Theater und Opernhäuser, ebenfalls aus öffentlichen Mitteln und Spenden finanziert.
    Und das waren komischerweise immer Orte die zumindest teilweise schon demokratisch waren :pfeif:



    Übrigens finde ich es abartig die Kulturausgaben, die wahrhaftig einen verschwindend geringen Bruchteil des gesamten Haushalts in Anspruch zu nehmen mit "Entmündigung des Volkes" in Verbindung zu bringen.


    Ich sage es nochmal, tut euch zusammen, eine Opernproduktion kostet zwischen 15.000 und 100.000 Euro, Konzerte und kleinere Konzertereignisse kann man schon ab 1000 Euro auf die Beine stellen.


    Macht es besser - geht in offene Konkurrenz.


    Aber da kann man viel erzählen, bevor jemand 2000 Euro für ein selbst organisiertes Konzert aufbringt, wird lieber mit der Abwrackprämie ein neues Auto für 20.000 Euro gekauft.


    Zitat

    Kunst kann nie aus sich selbst entstehen, ein Künstler, der den Anspruch erhebt, einer zu sein, muß Werke schaffen die IRGENDJEMANDEM gefallen - nicht nur sich selbst und ein paar Freunden.
    Man mag einwenden, daß gewisse Künstler erst nach ihrem Tod Anerkennung fanden - aber, da Regie eine Sparte ist, die zeigenössiche Anerkennung verlangt, ist dieses Argument in diesem Zusammenhang wohl nicht angebracht.


    komisch auf den Akademien wird genau das Gegenteil gelehrt :pfeif:


    Nö wieso, wieso muss ich als Künstler Werke schaffen die irgendwem etwas geben oder gar gefallen ?
    Ich lebe nicht davon, aber dafür - und mir ist es herzlich egal was ein mögliches Publikum darüber denkt.
    Für mich spielt das eigentlich gar keine Rolle, allerdings ist es im Moment noch so, dass der größte Teil des Publikums meine Sachen ganz gut findet.
    Es gibt mittlerweile so eine unglaubliche Vielfalt an Kunst, die sogar bis zum Künstler ohne Werk hingeht - das einzige was man der bildenden Kunst vorwerfen kann ist, dass Heute die Philosophie wesentlich wichtiger ist als der Gegenstand der dann Kunst sein soll.
    Ich bin z.B. davon überzeugt, dass Künstler, Kunstwerk und Publikum in ein und der selben Person zu vereinigen möglich ist.



    Und die Inszenierungen funktionieren doch, ihr regt euch auf bis zum Stehkragen - sowas zu schaffen ist schon nicht übel - die Inszenierungen treffen euch, würden sie euch nicht berühren, dann wär es euch egal und ihr würdet nicht so einen Laden aufmachen.
    Aber Kunst kann eben auch negative Gefühle verursachen, nicht nur schöne.





    Übrigens gibt es zwei neue Opernproduktionen auf DVD, die ich persönlich genial finde:


    F. Cavalli: Ercole amante
    Inszenierung von David Alden
    (Video Sample momentan nur bei youtube zu finden: wähwähwäh.youtube.com/watch?v=6AVTlkFHI3g )


    und Purcells King Arthur :



    zu Purcell gibt es auch schon Video Samples
    ( Track 25 :D )


    Hier gibt es negatives, wie positives zu erleben - schade das sowas im Vorfeld schon abgelehnt wird...


    Und wenn sowas in Zukunft verboten sein soll, dann weiß ich auch nicht weiter.... Schade.

    bei mir meine erste eingetroffene CD mit Werken von Orlando di Lasso





    und die CD läuft auch bei mir auf dem PC, trotz Kopierschutz der das eigentlich verhindern soll.... ohnehin Blödsinnig, ich glaube kaum, dass der Kreis der Leute, die solche Musik schätzen so riesig ist, dass man zu solchen Mitteln greifen muss.
    Für mich war es jedenfalls lange ein Grund gewesen die CD nicht zu kaufen, denn ich höre meine Musik fast immer über den PC - weil es bequemer ist.


    Die Aufnahme ist im ersten Eindruck absolut phänomenal, obwohl ich sonst eher Knabenchöre meide, aber diese Interpretation rauscht über einen hinweg und reißt einen mit, wie eine gewaltige Musiklawine.
    Vor allem kommt die Begleitung durch das Instrumentalensemble außerordendlich gut - durch diese musikalische Gestaltung wird das schon fast in frühbarocke Nähe gerückt.


    oder um es kurz zu sagen: Boah ey - geilomat ! :faint:

    Zitat

    Ich glaube, daß Dirigenten speziell bei der Alten Musik "unwichtiger" sind. Die Pult-Diktatoren gibt es, wenn überhaupt noch, im klassischen und v. a. romantischen Bereich. Die Alte-Musik-Interpreten sind heute nahezu ausschließlich an einer besonders partiturgetreuen Wiedergabe interessiert, ohne Mätzchen sozusagen. Eigene Interpretationsansätze sind da irgendwie unerwünscht. Ein spezifischer Stil kann sich da schwerer ausbilden.



    Ich weiß nicht worauf Du Dein Statement begründest.


    Rene Jacobs bearbeitet z.B. alle Partituren selbst, vieles muss ja erstmal eingerichtet werden - und so gehen viele Alte Musik Dirigenten vor, denn meist sind es auch Musikwissenschaftler: das Resultat von jedem Dirigenten bekommt man ein völlig anderes Ergebnis.


    Vergleiche nur mal Mozarts Idomeneo zwischen Harnoncourt, Gardiner und Jacobs - oder die Bachkantaten.



    In der Alten Musik kann man überdies nicht an der Partitur hängen, diese ist nur eine Orientierung..
    Hast Du schonmal ein Opernmansukrip aus dem 17. Jahrhundert gesehen ?
    Mehr als Gesangslinie und Basstimme ist da nicht notiert, nicht nur die Verzierungen müssen erarbeitet werden, die gesamte Orchesterbegleitung muss neu geschrieben werden - würde man das so spielen, wie es notiert ist, käme da nichts gescheites raus - das Da Capo bei der Opera Seria wäre sinnlos usw. gerade die "Mäzchen" sind bei den Opern entscheidend.


    Jedes etablierte Ensemble für alte Musik hat seinen ganz eigenen persönlichen Klang und Stil.
    Das Freiburger Barockorchester unter Rene Jacob hört sich vollkommen anders an, als Le Concert des Nations unter Savall, oder Armonico Tributo Austria unter Duftschmid. Les Arts Florissants unter Christie hat auch einen ganz eigenen Stil, Il Giardino Armonico unter Antonini ebenfalls.


    In der Alten Musik gibt es immer einen der die künstlerische Leitung hat, selbst wenn ohne Dirigent gespielt wird - dann ist es eben der Konzertmeister - was es aber wohl weitaus weniger gibt sind die Star Allüren, die jenigen die ich bisher kennen gelernt habe, waren völlig normale Leute, mit Humor und große Freundlichkeit.

    Nun ja das ist so eine Sache.


    Das „gesunde Volksempfinden“ ...der „Volkszorn“ .... „Publikumsproteste“ ... komisch das nun von jener Seite die sich so gerne elitär sieht, nun der jaulende Plebs als Stütze – als Rechtfertigung herangezogen wird.


    Mir sind noch Signaturen wie „Alles für das Volk, nichts durch das Volk“ bekannt etc.


    Da hab ich wohl was nicht begriffen....



    Zitat

    Im großen und Ganzen bin ich doch sehr erstaunt über die Vorstellung, daß ein wie auch immer geartetes Publikum zu entscheiden hätte oder zu befragen sei: Henry Ford wurde seinerzeit gefragt, ob er seine potentiellen Käufer fragen würde, was sie gerne hätten. Die entwaffnende Antwort: "Hätte ich sie bei der Einführung des Autombils gefragt wäre die mehrheitliche Antwort gewesen: Pferdekutschen". Der Rest der Geschichte dürfte bekannt sein.



    Danke Thomas, das trifft es doch sehr schön.
    Der Leserbrief ist allerdings seit langem das dämlichste was ich gelesen hab...mir tut es jetzt schon leid um die verlorenen Minuten. Es war nicht mal amüsant.


    Das sogenannte Publikum und Kritiker – (gerade ihn Wien) haben fast grundsätzlich immer daneben gehauen.
    Gerade in Wien wurde Mozart niedergemacht, Beethoven ausgelacht und ihm geraten seine „Eroica“ zu kürzen und, und, und – ein Publikum mit einer solchen Tradition fällt mir persönlich schwer, es ernst zu nehmen, zumal sich das ja anscheinend bis Heute vorsetzt und nichts dazu gelernt wird.
    Ich hoffe mal, das die intellektuellen in Wien da bald mal gegen angehen, kein gutes Image für die Stadt. :beatnik:



    Und ich muss auch sagen, wenn ich jetzt die Wahl hätte mich entweder auf die Seite des marodierenden Plebs im Parkett zu stellen, oder auf die Seite der Künstler und Intellektuellen müsste ich nicht lange überlegen – ganz klar zu den Künstlern.
    Das hat dann aber nicht etwa etwas mit elitärem Gehabe zu tun, sondern mit gesundem Menschenverstand und der Wertschätzung von Kunst (was dem normalen Volke anscheinend irgendwie immer fehlt)


    Wundert mich etwas , dass gerade diejenigen, die sich so sehr der Elite zugehörig fühlen, nun Revolutionär spielen wollen und sich auf die Seite des gemeinen Volkes stellen...obwohl... :P

    meine Bestellung musste ich doch nochmal umstellen - da hatte ich noch aufeinmal so einen Gutschein :D



    der Orlando di Lasso mit der Marienkirche flog raus, dafür gabs noch diese:



    5 CD's für den Preis sind schon fast unschlagbar....dachte ich.


    dann hat man mir noch diesen Link gegeben:



    die Callas Edition auf 26 CD's für schlappe 15 Euro 8o - direkt eingepackt. :D :D :D :D :D :D :D


    denn die Kiste gibts nochmal - für 61,99 Euro:


    Zitat

    HIP ist ein überbegriff, der meiner Meinung nach gar nichts aussagt, dient er doch vielen, die nicht berufen sind, ihre verfremdenen Interpretationen zu bemänteln, dabei sind sie nichts als die Musikalisch Abart des sogenannten Regietheaters, eine Adaption alter Werke an unsere zum Kotzen hässliche Zeit.



    also da hätte ich doch ganz gerne mal ein paar Beispiele, welche Ensembles das sein sollen :D


    ich persönlich möchte mit keiner anderen Epoche tauschen, denn es war eben nur einem kleinen Teil der damaligen Bevölkerung vergönnt in prächtigen Palästen zu leben und sich diese Musik in ihren privaten Räumen vorspielen zu lassen. Und weder ein Herr Schmidt noch ein Herr Richter hätte da wohl die Gelegenehit dazu gehabt.


    Ich empfehle Dir eine Woche Reenactement zu machen, am besten als ein zum Dienst gepresster Soldat um 1750, oder hart arbeitender Handwerker, Bauer oder was sonst unserem 3. Stand entsprechen würde - das reicht schon :pfeif:

    vielleicht wäre es passender wenn man sagen würde "Bach unter Richter, Karajan, Jochum und Co." denn der Anteil an anderer Musik aus dieser Zeit, den sie interpretiert haben, ist so verschwindend gering, dass es kaum lohnt darüber zu sprechen.



    Für mich hat das insofern gar keine Bedeutung, weil ich mich auch nicht für J.S. Bach interessiere - daher ....



    Aber sie waren ja nicht die einzigen Dirigenten die zu ihrer Zeit Barockmusik (wenn auch in ihrem Fall sehr einseitig) aufgenommen und interpretiert haben.
    Ich für meinen Teil liebe die Aufnahmen von Raymond Leppard mit dem English Chamber Orchestra oder Aufnahmen von Jean Francois Paillard mit seinem "Orchestre de Chambre".


    Sie haben Musik von Lully, Händel, Vivaldi, bis hin zu Cimarosa so geschmackvoll und gekonnt interpretiert, dass es (fast) völlig egal ist, ob das nun alte Instrumente sind oder nicht.
    Wobei es allerdings kritisch wird ist, sind Leppards Versuche mit Cavalli - sowas muss ich nicht unbedingt haben.
    Musik des 17. Jahrhunderts, also den Löwenteil der Barockmusik braucht einfach das historische Instrumentarium, da es zu diesen Klängen keine Alternativen im modernen Orchesterapparat gibt.
    Alle Versuche die ich bisher über mich habe ergehen lassen müssen, waren ausnahmslos ein Fiasko.
    Dennoch, gerade bei Lully und Händel wären Leppard und Paillard unschlagbar.


    Aber da steht ein Karajan, den ich auf anderen Gebieten durchaus schätze, Lichtjahre dahinter.
    Bachs h-moll Messe ist grausam - etwas undefinierbares mit Brucknerorchestration und einer Gesangskultur wie für eine Strauss Oper. Absolut entstellend - hätte ich nicht einige Jahre danach eine wunderbare HIP Einspielung bekommen (Ton Koopman) ich hätte mir nie wieder das Werk angehört, so entsetzt war ich davon.


    Anderes Beispiel, die 4 Jahreszeiten, ich glaube sogar noch mit der jungen Mutter, - das einzig gute an der Aufnahme ist das Cover.... mehr will ich dazu nicht sagen.


    Ganz schlimm auch die CD mit diversen Barockschnulzen – das ist eigentlich der Höhepunkt der Geschmacklosigkeit, Stücke die eigentlich locker leicht mit 3 Violinen und B.C. auskommen sollten und spritzig und leichtfüßig geschrieben sind (der Kanon von Pachelbel) wird hier monströs aufgeblasen, als ob Stockowsky selbst Hand angelegt hätte.
    Das völlig überdimensionierte Orchester walzt auch den letzten Ansatz von Sinnlichkeit platt und hinterlässt nur eine widerliche süßlich riechende Schleimspur.


    Mich persönlich kann man mit solchem Kram jagen, es gibt von dem Repertoire zig Aufnahmen die hundert Mal besser sind. Nur weil Karajan drauf steht, heißt das nicht, dass das automatisch gut sein muss, aber das hat mein Großvater auch nie akzeptiert.



    Solche Interpretationen sind wohl nur für solche Hörer, die entweder Spaß an Kuriositäten haben, oder aber eigentliche Barockmusik nicht hören wollen, aber weil Bach dann doch ganz nett ist, dann bitte so wie man ab 1930 Wagner gespielt hat.







    Vielleicht bin ich hier für manche ein Hip Dogmatiker, mir ist das relativ schnurz. Mich haben diese Ergebnisse die durch die Hip Bewegung entstanden sind einfach mehr überzeugt.
    Denn Hip ist ja nicht nur das Spielen auf Alten Instrumenten – die Aufnahmen von Harnoncourt empfinde ich als ähnlich grauslig.
    Es gehört einfach dazu, dass man nicht nur die Noten buchstabiert, sondern sich auch damit beschäftigt, was sind die Quellen für Verzierungen, Tempi und Besetzung.
    Warum hat das Brandenburgische Konzert No.3 nur 2 Sätze, wie schnell müssen die Menuette in No.1 gespielt werden, was für Instrumente brauch ich bei No.2 und so weiter. Hatte das höfische Zeremoniell Auswirkungen auf die Haltung der Instrumente etc.


    Fragen die sich weder Richter noch Karajan wohl ernsthaft gestellt haben, bzw. offen widersetzt haben.
    Und wie Alfred schon sagte, im Falle Karajans wurde ja mit voller Absicht alle Erkenntnisse der HIP Bewegung negiert und ausgeschlossen.
    Gab es von ihm nicht auch diesen Spruch „warum soll ich eine Kutsche benutzen, wenn ich einen Porsche fahren kann ?“


    Mag lustig sein, zeigt aber auch nur, dass er diese Bewegung weder ernst nahm noch verstanden hatte worum es eigentlich ging, noch das mehr dazu gehört als auf Darmsaiten und ausgedünntem Orchester zu spielen.





    Um zur Frage zurückzukehren:


    Zitat

    Die Frage, die in diesem Thread beantwortet werden soll, lautet: Sind diese Interpretationen von Barockmusik heute absolut unbrauchbar geworden? Macht man sich fast schon lächerlich, wenn man sich dieselben antut? Beweist man damit schlechten Geschmack? Bach, der wie Wagner oder Bruckner daherkommt, ist das nicht beinahe pervers?


    Zum größten Teil ist das für mich so, dazu eben im Gegensatz die Aufnahmen von Paillard und Leppard, die ich immer noch sehr schätze, weil diese Musiker einfach auch wirklich ein Herz für diese Musik hatten – und das würde ich Karajan ganz einfach mal absprechen, soweit lehne ich mich mal aus dem Fenster. :D


    Denn das was Leppard und Paillard im Gegensatz zu den deutschen Kumpanen hatten, war Geschmack in der Interpretation von barocker Musik, sie nahmen sich Zeit das Werk wirklich kennen zu lernen, sie versuchten die Ästhetik zu begreifen.
    Und da klingt nichts nach Bruckner oder Wagner (deren etablierte Klangvorstellung wohl auch eine Geburt des 20. Jahrhunderts ist).
    Paillard verbrachte z.B. 10 Jahre damit sich Lullys Te Deum in allen Feinheiten zu widmen, bevor er es aufgenommen, herausgekommen ist eine Aufnahme, die Heute noch allen anderen Aufnahmen überlegen ist, leider benutzte er keine historischen Instrumente, dann wäre es perfekt gewesen...


    Für mich eine Aufnahme von zeitloser Schönheit.

    unterscheidet sich in dem Fall aber in seiner Form von "Pirame e Tisbe" kaum, da es sich hierbei um ein tragisches Intermezzo handelt, das auf drei Stimmen reduziert wurde - Pirame ist daher auch eigentlich keine Opera Seria. :lips:

    ja doch vergleiche mal "Marc Antonio" (wohl alles andere als ein erster Gehversuch) mit "Pirame e Tisbe" (beide Werke hast Du ja zur Verfügung :D:pfeif: ) - das sind für mein Empfinden Welten die dazwischen liegen - stimmt ja auch, wohl um die 43 Jahre...

    Ich kenne halt auch mehr Opern von Hasse, und erstaunlich ist wie er mit fast jedem Werk moderner wurde.


    eines seiner ersten Werke (ich glaube noch in Italien entstanden) Marc Antonio e Cleopatra ist noch ganz im Stile des alten Scarlatti geschrieben. Er war ja dessen letzter Schüler..einen Monat lang oder so, bevor dieser ins Gras biss :hahahaha:


    Allein da glaubt man schon nicht, das Cleofide, Olimpiade, Artemisia etc. vom gleichen Komponisten stammen - dann mit Pirame e Tisbe ( 1768 ) folgt er dem neuen Ansatz vo Gluck unt entfernt sich nochmal komplett von seinem eigenem Resort.



    Und es stimmt schon, in Cleofide gibt es noch nicht so viele "böse" Arien, aber in vielen anderen Werken schon.
    Und ob Hasse in London war, ist eigentlich egal - seine Opern waren es, und wurden da gespielt - durchsetzt mit Arien von Brosci, Giacomelli und Porpora.
    Deshalb bin ich sa so scharf darauf diesen Londoner Artaserse mal auf CD zu bekommen, am besten mit Bartoli, Kermes, Karthäuser und in einer Nebenrolle Jarrousky :D
    Denn das muss wirklich gigantisch gewesen sein, viele Arien daraus hatten bis ins 20. Jh. den Ruf "unsingbar" zu sein.


    Was ich an Hasse so bewundere ist sein enormer Einfallsreichtum, seine wahnsinnig schönen Melodien und diese spezielle Eleganz, die man bei Bach auch nicht unbedingt findet.

    jupp, so würde ich das auch eher sehen, wenn man es mal ganz krass formulieren würde, Händel war zusammen mit J.S. Bach vom Stil her eigentlich hinter dem Mond, was die gängige Mode anbelangte.
    Seit 1720 war eigentlich die neapolitanische Schule im Aufstreben, ab 1730 bereits fest in Europa etabliert.


    Man richte da mal sein Augenmerk auf Telemann - er war neuen Einflüssen immer aufgeschlossen (man vergleich einfach mal eine Suite die er schrieb vor 1710 mit der "Grillen-Symphonie" - gleicher Personalstil, aber der gängigen Musikentwicklung angepasst - soetwas findet man bei Bach nicht.



    bis 1760 / 1770 hat sich im Grunde im Bereich Oper wirklich nicht mehr viel getan, selbst die frühen Opern von Gluck sind denen von Hasse mehr als ähnlich.
    Einen ähnlichen Umbruch hat in Frankreich fast zur gleichen Zeit mit dem Aktivwerden Rameaus.


    Wenn man als nach einer stilistischen Alternative zu Händels Opern sucht, dann an erster Stelle wohl Reinhard Keiser ( ..obwohl ... das meiste von Händel ist ja von Keiser :D ) und vielleicht noch Alessandro Scarlatti und Antonio Caldara, das würde eher passen.



    Ich denke auf diesem krassen Gegensatz zwischen Händel und Hasse beruht auch dieser Opernstreit in London.
    Und neben den Werken von Hasse, Porpora und Giacomelli wirkt Händel in der tat weniger modern, um es mal vorsichtig auszudrücken.

    eine besonders zeitlose und vor allem "atemberaubende" Szene ist jedesmal die Beschwörungszene in M.A. Charpentiers Medée.


    Eigentlich müsste diese Szene mindestens genauso berühmt sein, wie Didos Lament von Purcell.


    In der Szene ruft Medea die Geister und Dämonen der Hölle an um sich deren Hilfe für ihre Rache zu bemächtigen.


    Was Charpentier da komponiert hat, wird man weder davor noch danach finden - vielleicht erst wieder im 19. Jahrhundert.
    Mir sind natürlich die Dämonenszenen von Lully und seinen Zeitgenossen bekannt, auch später von Rameau oder Händel - nein sowas ist einfach einmalig (wie die ganze Oper überhaupt) in der Literatur der Barockoper.


    Ich glaube, ich würde soweit gehen, dass keine andere Oper dieser Zeit (Monsieur Lully möge mir verzeihen) eine solch mitreißende Emmotionalität mit sich bringt. Der Monolog aus Lullys Armide wäre vielleicht die einzige Szene...
    Es ist bedauerlich, dass Charpentier nicht noch weitere große Opern geschrieben hat, aber es wäre wahrscheinlich nur dann denkbar gewesen, wenn Louis XIV nicht Delalande sondern Charpentier zum Nachfolger Lullys bestimmt hätte.


    Aber auch dies mag vielleicht eine rein politische Entscheidung gewesen sein, weg von der Oper - hin zur großartigsten Kirchenmusik Europas, die Delalande zweifellos geschrieben hat.

    Zitat

    Für Cleofide gilt das noch nicht.


    ?( wieso nicht ?


    Zitat

    Merkwürdig dieser Gegensatz Gefühl - Oberflächlichkeit.
    Ich würde eher eine abstrakt-klassische Schönheit finden als Oberflächlichkeit.


    ich glaube Heute würde ich auch andere Worte finden wollen.
    Aber der damalige Eindruck, scheint sich bei vielen Leuten die diese Opern hören erstmal wiederholen.


    Mittlerweile empfinde ich Hasses Opern nicht weniger stark emotional aufgeladen. Aber es ist eine etwas andere, unterschwelligere Emotion.
    Das aber für uns ganz klar erstmal die Stimmakrobatik im Vordergrund steht, würde ich jetzt nicht dementieren.

    Zitat

    Dss Bild IST ein Möbelstück - oder korrekter ausgedrückt ein Acessoire der Innenausstattung eines Gebäudes. Es war nie zur "Verwilrklichuing des Künstlers gedacht


    Und da beginnt gleich das Missverständnis.
    Natürlich war Rubens auch in seiner Zeit ein Künstler und seine Bilder wurden entsprechend inszeniert – nur funktionierte diese Inszenierung damals etwas anders.
    Es gibt Bilder, dafür wurden ganze Säle erst mal gebaut – z.B. das „Mal bei Simon“ ein Geschenkt der Republik von Venedig an Louis XIV, nur für dieses Bild wurde der Herkulessaal für Versailles entworfen !


    Ist das dann noch ein Möbelstück, ein Acessoirre des Raumes ? wohl kaum.


    Es kommt immer auf die Art von Malerei an, man kann niemals pauschal sagen, dass ein Bild generell ein Möbelstück war, das war damals nicht so, das ist Heute nicht so.


    Die Malerei wird Heute in einem Rahmen gezeigt, der unterstreicht, dass man diese Werke ernst nimmt und dass man die Möglichkeit ohne Ablenkung sich ganz auf das Bild zu konzentrieren.
    Mit einer Selbstverwirklichung des Künstlers hat das recht wenig zu tu, bzw. ich überhöre auch mal diesen Unterton, dass das künstlerische Selbstverständnis auch mal wieder eine Erfindung der 68er ist.


    Zitat

    Aus dem gleichen Grund, warum Konzerte in Beton-Glaskonstruktionen veranstaltet werden.
    Beide haben eines gemeinsam: Sie sind neutral und auf eigenartige Weise hässlich,


    und das ist rein subjektiv und auch pauschal. Ich habe genügend moderne Bauten gesehen die absolut phantastisch sind.
    Warum auch nicht ? Ist alles moderne gleich Mist ?


    Zitat

    Auch die Renovierung der Wiener Staatsoper nach dem 2 Weltkrieg, die unsere "Freunde", die Amerikaner in Schutt und Asche gelegt haben - ist ja nur teilweise gelungen.


    Hätte die ältere Generation 1933 was anderes gewählt, dann gäbe es das Problem erst gar nicht...nunja lassen wir das.
    Manchmal muss ich mich über bestimmte Äußerungen doch arg wundern....ein Schlag in den Magen ist nichts dagegen...
    In jedem Fall können wir darüber froh sein, das aus Amerika so viel Geld zum Wiederaufbau geflossen ist, dank dem Spinner aus Österreich mit seinen braunen Schergen haben wir so viele Kunst und Kulturschätze verloren, und nicht nur das, ohne diesen Geisteskranken wären wir vielleicht in der Zivilisation schon wesentlich weiter gewesen und hätten nicht die traurige Gewissheit zu welch abgrundtief perversen Handlungen der Mensch fähig ist.




    Zitat

    Irgendwann kann dann der Triumph des Hässlichen, als irgendjemand auf die Idee kam, alte Meisterwerke "umzufunktionieren" und seine politischen Überzeugungen in seine Inszenierungen zu verpacken.



    Und wieder ein Missverständnis.


    Es geht nicht darum seine eigene politische Meinung in der Öffentlichkeit breit zutreten, sondern die im Libretto ohnehin enthaltene Botschaft zu verdeutlichen und einen Bezug zu unserer jetzigen Welt herzustellen denn dadurch wird das Werk ein Teil unserers Lebens und nicht zu einem Museumsstück degradiert – den Oper ist kein Museum!


    Ich sehe eher, dass z.B. Klassikforen dazu missbraucht werden, um seine persönlichen Weltanschauungen und Parolen herauszuposaunen – und das alles unter dem Deckmantel der Kultur – das finde ich eigentlich verwerflich, denn dafür ist Kultur nicht (mehr) da.
    Das hat was von Hoolligans beim Fußball, die gehen auch nicht wegen des Spiels zu der Veranstaltung.... :untertauch::stumm:



    Die Gegenseite argumentiert grundsätzlich immer mit den extremsten Beispielen, natürlich gibt es Auswüchse, aber deswegen allen aktuellen Künstler das Können und die Berechtigung abzusprechen, finde ich schon stark.


    Dann habe ich folgenden Vorschlag, sammelt Geld, findet Investoren und bringt eine Oper nach euren Vorstellungen auf die Bühne.
    Dann können wir mal darüber diskutieren.
    Ich bin gespannt :pfeif:


    - - - - -


    Was ich persönlich nicht mag, mir eine Operninszenierung à la Ohnetalentelli ansehen zu müssen, wo versucht wird schlecht gemachte Renaissancekostüme mit der Musik des 19. Jahrhunderts in einen völlig überfüllten Rahmen zu quetschen.
    Das ist so als würde man in ein Restaurant gehen, sich alles was auf der Karte steht kommen lassen, durchpürieren um es sich dann in einem großen Kübel serviern zu lassen...moment irgendwo hab ich das schon gesehen :D (Monsieur vie’leischt noch eine kleine Pfefferminztäfelschän ? )


    Das passt einfach nicht – das ertrinkt in Lächerlichkeit. Ich habe das noch nicht ein einziges Mal gesehen, dass das funktioniert.
    Soetwas würde ich eher als Verfremdung ansehen.


    Schlimm ist, wenn sich das Theater dann noch so wichtig und erst nimmt und wenn dann noch solche halb faschistoiden Bauten wie bei Ohnetalentelli zu sehen sind, diese Festung die Basti gepostet hat sieht aus wie der Reichsparteitag in Nürnberg, nur noch kitschiger mit der Germania oben drauf :kotz:


    Soetwas passt auch irgendwie nicht mehr in unsere Zeit, ich denke es wird in der Zukunft zwei große Linien geben, das Regietheater wird natürlich weiterbestehen - weil es einfach die ganz natürliche Theaterentwicklung ist und die ist auch wichtig, damit die Oper lebendig bleibt.
    Hinzu kommt, parallel zur HIP Bewegung in der Musik, entsprechende HIP - Inszenierungen - aber die haben wohlgemerkt mit dem 60er Jahre Kram nichts zu tun, der wird garantiert bald vollkommen in der Mottenkiste verschwunden sein.


    :untertauch: :untertauch: :untertauch: