Lieber Alfred,
hier hast du aber die Büchse der Pandora aufgemacht. Dennoch möchte ich ein wenig dazu beitragen. Als Mitte 50 jähriger bestand meine erste Hifianlage unter anderem aus dem alten "Küchenradio" meiner Eltern, ein Löwe Opta Röhrengerät, das ich heute noch besitze. Damals wurden diese Kisten gerade durch Solid State Geräte verdrängt. Die neuen waren einfach kompakter, besser waren sie nicht.
Da ich nicht meine gesamte Vita der Geräte aufführen will, was vermutlich ermüdend sein würde, überspringe ich alles bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich eine komplette Accuphase Anlage gekauft hatte. Damit war ich dann fertig,- oder?
Nein, mir kam das alte "Küchenradio" wieder in den Kopf. Ich wollte es noch einmal wissen, verkaufte meinen Accuphase E-250 und es zog ein Leben CS300XS mit EL84 Endröhren (Pentode/Push Pull) ein. Der machte nicht alles besser als der Accuphase, aber eine Menge. Letztendlich fehlte ihm mit seinen 12-15 Watt etwas Kraft für meine Lautsprecher (91db/1,7 Watt).
Ersetzt wurde er durch die Rike Romy SE (2x20 Watt Triodenschaltung, Single Ended). Die Endröhren sind SRS551Sendepentoden. Das war ganz großes Kino, welches ich mit einem Accuphase C-2850 Vorverstärker mit einer A36 Endstufe (Class A) bei mir zu Hause verglichen habe. Die kleine Kiste war nur minimal "schlechter" als die fast 30.000 Euro teure Kombination von Accuphase. Dennoch, meine Lautsprecher verlangten noch etwas mehr Leistung.
Ehr zufällig bin ich dann zu einem Air Tight ATM-1S gekommen. Ein Push Pull Verstärker (Endverstärker/Vollverstärker) mit EL34 Endröhren und von außen (für nicht Techniker) einstellbarem BIAS. Das war es. Der hatte genug Leistung mit seinen 2x36 Watt um meine Lautsprecher auch für komplexe Musikstücke und große orchestrale Aufnahmen perfekt zu bedienen. Ich habe mir dann noch den Vorverstärker ATC-1 dazu angeschafft, weil ich wieder mein "altes" und auch neues Vinyl hören wollte. Hätte ich vorher gewusst, was diese Röhrenverstärker bewirken, dann hätte ich in den letzten 40 Jahren fiel Lehrgeld sparen können. Wir reden hier auch nicht von Nostalgie und wer meint es etwas wissenschaftlicher haben zu wollen, dem sei der nachfolgende Link empfohlen. Die TU Berlin ist sicher kein Eierladen.
http://www.jogis-roehrenbude.d…p_TU-Berlin/Black_Cat.htm
Röhren liefern grundsätzlich das homogenere Klangbild und abhängig von der Schaltung sowie den verwendeten Vor- und Endstufenröhren sowie der Leistung wird es schwer werden Transistoren zu finden, die soviel Gänsehaut verbreiten können. Dabei ist es auch völlig egal, ob das Hörvermögen bei "uns" älteren Semestern schon etwas gelitten hat. Allein der Gesamthöreindruck zählt. Ich bin mir sicher, dass die meisten von uns regelmäßig klassische Konzerte besuchen und insofern über geübte Ohren verfügen.
Die Kunst ist es, den richtigen Röhrenverstärker zu seinen Lautsprechern zu finden, was sicherlich anspruchsvoller ist als mit Transistoren. Hat man die perfekte Symbiose gefunde, wird es schwer das Ergebnis zu übertreffen. Ich brauche jedenfalls nichts mehr zu kaufen, da bin ich mir sicher.
So, jetzt werde ich mir noch ein wenig Klassik ins Wohnzimmer zaubern. Karajan, Finlandia/En Saga, bevor ich schlafen gehe.
Viele Grüße
André