Beiträge von Ulli

    Da gäbe es übrigens auch die:



    Maria Bader-Kubizek, Leopold Mozarts Violine
    Richard Fuller, Hammerflügel Stein 1794


    Fast schon gemein, daß Werke des Sohnes darauf gespielt werden ... 8-)

    Man meint immer, mit dem Erwerb von Gesamtaufnahmen kauft man zugleich die Verpflichtung, auch alles hören zu müssen: da überfordert man sich schnell und leicht. Es sei denn, man ist dem Klang des Baryton s komplett verfallen. Bei den Barytontrios reicht es, gelegentlich mal das eine oder andere bewusst zu hören - oder sie einfach nebenbei laufen zu lassen, bis das Ohr Signale setzt und Aufmerksamkeit gebietet. Ich habe die alle mal gehört: nicht eins ist wirklich dermaßen hängen geblieben, daß ich es jetzt konkret benennen könnte - wohl aber die Erfahrung, daß das ein oder andere sehr hörenswert ist. In meinem Hörtagebuch ist dann vermerkt, welches (damit ich es später schnell finden kann; sicher irgend eines der seltenen in moll).


    Haydn, Joseph: Kammermusik mit Baryton


    Bei den Bachkantaten würde ich, wenn es mich denn interessieren täte, ähnlich vorgehen. Da könnte man aber auch, wie hier im Forum bereits geübt, jede Woche eine passende spielen lassen. Das wäre für mich allerdings so, wie damals jede Woche in den Gottesdienst gehen zu müssen ... komischer Weise war ich da sehr häufig krank.


    *ägy*

    Die Es-Dur-Sinfonie ist offenbar eine Hommage an Mozarts Es-Dur KV 543

    Ja, das klingt für mich auch so - zumindest im Kopfsatz:




    Kölner Akademie

    Michael Alexander Willens


    IMSLP


    Das Menuett (c-moll) ist kanonisch (etwa wie KV 550 oder 388), erinnert aber eher an Haydns „Hexenmenuett“. Der Finalsatz hingegen ist kaum einordenbar: zum Teil kontrapunktische Verwicklungen á la „Jupiter“, die aber leider unausgearbeitet bleiben, gemischt mit verschrobener Chromatik.

    Die Ouvertüre zur verschwundenen Oper „Los Esclavos felices“ ist ein hinreißendes Einzelstück:




    Il Fondamento

    Paul Dombrecht


    Vielleich gar besser gelungen, als die beiden schubertschen Ouvertüren im italienischen Stil? Jedenfalls ist der Allegroteil sehr rossinesk ... (L'Italiana in Algeri? Il Signor Bruschino? Otello?).


    :thumbup:

    Bei mir war es so, daß mir irgendwann die bekannten Sachen über waren. Da kam es mir gelegen, daß relativ plötzlich die Nebenkriegsschauplätze aufgemacht wurden und es gab dann mehr „Beethovenkonzerte“, mehr „Mozartsinfonien“ usw. - ein eigentlich spannendes Unterfangen, daß meine Sicht auf die berühmten Werke - ohne an deren Wert zu kratzen - deutlich verändert wurde: sie erschienen in anderem - im historischen - Kontext. vielleicht wurden sie dadurch manchmal sogar noch bedeutender. Aber ich habe auch viele Nischenwerke kennengelernt, die ich heute nicht mehr missen möchte. Manche Komponisten, z.B. Edelmann und Ries, hatten dann mittelbar mit meinem eigenen Leben zu tun (Wohn- und Wirkungsort). Das hat die Sache noch spannender gemacht.


    Ein Patentrezept gibt es aber natürlich nicht - ich habe mich einfach von meiner Neugier leiten lassen. Die Big Five werden es Dir sicher nicht verübeln, wenn Du mal fremdhörst. Nach ausgedehnten Ausflügen kann man dann auch gespannt und neugierig mit neuem Interesse und vielen Erfahrungen zu den großen Meistern zurückkommen - und hört sie dann anders, um nicht zu sagen: ganz neu.


    Es war ja nun nicht so, daß die Meister völlig abgeschirmt im dunklen Kämmerlein ihre Meisterwerke schufen (vielleicht abgesehen von Haydn, wobei ich meine, daß die Darstellung leicht übertrieben ist); vielmehr waren gerade sie häufig unterwegs, auf Reisen, um die Neuheiten, den Geschmack usw. zu studieren, sich inspirieren zu lassen ... und dies kann man gut nachempfinden, meiner Meinung nach, wenn man sich mit den unbekannteren Komponisten, die teils zu deren Wirkungszeiten echte Konkurrenten waren, ernsthaft befasst. Das Musikhören wird für mich dadurch viel farbiger und abwechslungsreicher.


    Monolithen stehen auch nicht unbedingt einsam in der Wüste: sie sind umgeben von marmoriertem Geröll und detailreichen Pflanzen, manche davon sind lebensnotwendig.

    weil sich hier ein führender Musikkritiker der Gegenwart in einer ebensolchen Publikation in einer Weise äussert, die von unserer Sichtweise kaum abweicht.

    Hm. Im Grundtenor gebe ich Dir Recht. Zunächst, was mich freut, geht er ebenfalls auf die Abbildung von Ries persönlichen Umständen in der Musik ein - das hatte ich ähnlich vermutet und beschrieben. Im Detail aber wird er zu oberflächlich, erwähnt Schubert bloß flüchtig am Rande, wo er doch im 2. Satz präsenter ist als im Finale. Den 2. Satz verbindet er eher mit der Eroica, was nicht grundsätzlich falsch , aber eben doch nicht so richtig richtig ist.


    Viele Stellwerkseinstellungen sind heute vergessen, weil sie im Grunde für die jetzige Wirkung des Endprodukts nicht wirklich relevant sind; das stellt sich immer „wie aus einem Guss“ dar, was aber faktisch nicht so ist: ich finde es aber eben hochinteressant, wie sich die Komponisten gegenseitig inspirierten und „hochschaukelten“ - der ein oder andere ist bei dem Prozess halt von der Leiter gefallen.

    Gaiggs Schubert klingt rau, uncharmant. Vielleicht ist "billig" tatsächlich das richtige Adjektiv. Schade.

    Es gibt doch noch Immerseel und Minkowski, Goodman und Anaconda (8-)), allerdings ohne die fraglichen Mente. Bei Keinklingelton mit den LCPs ist mir gerade nicht präsent, ob der je integral war/ist ... wäre aber seltsam, wenn nicht ...

    Nun, das ist in etwas so als schreibe man, Wagners „Rheingold“ gehe auf Mendelssohn zurück wegen der Ähnlichkeit eines Themas mit dessen „Melusine“

    Mag ja sein. Was wäre daran falsch, wenn es so wäre? Leider bin ich bei Ben Mendel und erst reicht bei Wagener raus.

    Und diesen Rang sehe ich durch die wenigen Anklänge in keiner Weise geschmälert.

    Das hat ja auch niemand. Es ist keine Wertung, sondern lediglich eine objektive Feststellung. Man kann auch Ries erhöhen, ohne Schubert herabzusetzen: wir Bilanzieren ja nicht.


    Im Gegenteil hat eben für mich Ries' Erste an Bedeutung gewonnen.

    Kurios ist eine Spielanweisung im Mittelteil des 2. Satzes zunächst für die Viola und dann 2. Violine: „Solo, quasi Tromba“ (zu spielen für die Bratsche auf der C-, für die Violine auf der G-Saite) - ein Dreiklangmotiv, daß einer Trompetenfanfare ähneln soll. Auch das sollte m. E. hörbar gemacht werden.

    Ich wünschte mir das natürlich so, wie es das Kölner Streichsextett mit Michael Gotthart Fischers (1773-1829) Sextettbearbeitung der Beethoven'schen Pastorale umgesetzt hat: im „Lustigen Zusammensein der Landleute“ erklingt die Trompetenfanfare dort sehr plastisch, sehr wohl ohne Hilfsmittel umgesetzt (ich vermute mal: scharfes, ordinäres, Nonvibrato oder so).



    Alternativ könnte man den letzten Kassenbon vom Penny oder Netto zwischen die Saiten klemmen und so die barocke Spielweise „in Tromba marina“ erzeugen, wie z. B. hier:


    VIVALDI Antonio: Concerto per molti strumenti


    Ich bin noch auf der Suche nach einer entsprechend klingenden Einspielung des Smetana-Quartetts.

    Ich möchte hier keine Diskussion vom Zaun brechen sondern nur mal in den Raum stellen ob es tatsächlich genügte früh zu versterben und "verkannt" zu sein.

    Liebe/r âme,


    das war natürlich von mir wenig subtil und sehr stark vereinfacht, vielleicht auch blöd dahergesagt. Schubert war natürlich durch seine Lieder bereits überaus bekannt, sicher auch durch einige Clavierwerke, wenn auch nicht im Besonderen durch die Claviersonaten. Die von Dir genannten früh Verstobenen sind natürlich gute Beispiele: Arriaga hält sich aber durchaus seit längerem tapfer mit seinen leider nur drei Quartetten (angelegentlich auch mit seiner Sinfonie) über Wasser. Jadin, ok - ist eine Nische. Kraus hatte ein ziemlich bombiges Revival vor ca 10-15 Jahren; ist jetzt eingeschlafen, aber sicher nicht ganz weg vom Fleck.


    Schließlich hätte man sich auch damals schon für Ries seine Musik ebenso einsetzen können, indem man seine Sinfonien öfters auf Konzertprogramme setzt.

    Dafür hätte Ries selbst sorgen können, er lebte ja noch. Immerhin liest man in der von Ro­bert Schu­mann her­aus­ge­ge­be­nen „Neu­en Zeit­schrift für Mu­sik" von einem Kri­ti­ker kurz nach sei­nem To­de: „Sei­ne Sym­pho­ni­en …wer­den … im­mer zu dem Bes­ten ge­hö­ren, was die neue­re und neu­es­te Zeit in die­sem Gen­re zu Ta­ge ge­för­dert hat".


    Allerdings - was mir neu ist:


    Im Ju­li 1824 kehr­te Fer­di­nand Ries mit sei­ner nun fünf­köp­fi­gen Fa­mi­lie ins Rhein­land zu­rück. Er er­warb das vom Va­ter er­bau­te Haus ne­ben der Re­dou­te im ele­gan­ten Ba­de­ort Go­des­berg (heu­te Stadt Bonn) und be­gann ei­ne in­ten­si­ve Kom­po­si­ti­ons­tä­tig­keit.

    Die Redoute in Bad Godesberg steht noch, das Haus daneben: Fragezeichen ??? Im Park erinnert eine Büste von Beethoven (seltsamer Weise nicht von Haydn) an dessen Begegnung mit Haydn (1792). Mein Schulweg führte früher täglich daran vorbei. Vielleicht stehen da heute Bäume oder eben nichts und ich bin täglich unwissend, wie immer, durchgelaufen? Da müsste man mal in Archiven kramen, wo genau das gewesen sein soll? Die dort verbliebenen restlichen Quantenteilchen von Haydn, Beethoven und Ries haben mich vermutlich dann das stilsichere Komponieren gelehrt. 8-) Eine Ries-Büste hab ich nie gesehen ... sollte man vielleicht mal anregen.


    Möglich auch, daß er ab und zu mal Gast im unweit gelegenen Gasthof „Ännchen“ (damals wohl „zum Godesberg“) war?


    Ries' Erste jedenfalls hat für mich deutlich an Bedeutung gewonnen:


    Da bedient sich ein Schubert großzügig daraus für seine „Große“, aus der sich wiederum später an anderen Teilen ein Schumann bedient. Also hätte es Schumanns Erste in der Form ohne Ries nie gegeben. Gleiches für Beethoven: zunächst schraubt Ries Beethoven in seine Erste rein, später kauft Beethoven für seine Siebte dort ein ... und so weiter.

    mit viel zu kleinen Orchestern den vollen Klang zu erreichen

    Etwa so?



    Als „führenden Beethoven-Dirigenten“ will ich Schoonderwoerd natürlich nicht bezeichnen wollen. Mir gefällt die Aufnahme, sie begeistert mich aber nicht und wie bei fast allen, die ich kenne (und das sind nicht gerade wenige), habe ich stets zu bemängeln:


    1. Crescendo im ersten Satz vor dem triumphalen Einsatz des Kopfthemas tutti immer viel zu schwach

    2. arhythmischer Takt im Scherzo: da muß man aufspringen können vor entzücken

    3. g-moll-Akkord im lgs. Teil des Finales ( = Höhepunkt des gesamten Werkes) stets viel zu lasch: das muß schreien und wehtun!

    4. Clarinettenläufe in den letzten Taken des Finales selten zu hören (gerade mal bei Dausgaard, soweit ich mich erinnere)

    Spielt ein Klavier mit, haben die Streicher sich anzupassen aufgrund der temperierten Stimmung des Tasteninstrumentes. Anders verhält es sich, wenn die Streicher eines Streichquartettes alleine agieren.


    Da kann man in einem Streichquartett eine Einstellung entwickeln, in der der "reine" Ton nicht die Bedeutung hat, die der Zuhörer mit seinem Masstab ansetzt.

    Klar; Streicher unter sicher entwickeln eine „Reinheit“, die mit dem „Störfaktor Clavier“ (auch, wenn es sich um ein Instrument von Nanette Streicher handeln sollte! :P) nicht erreicht werden kann, da das Clavier „fest“ gestimmt ist und sich nicht - wie Streicher und Holzbläser - spontan anpassen kann. Beispiel: fis/ges sind bei den Streichern eigentlich unterschiedliche Töne und werden im Quartett- (oder Trio- ...) Spiel anders klingen, als wenn ein Clavier dabei ist.


    Entsprechend erlebte ich, wie bei der Aufführung von Beethovens 5tem Clavierkonzert nach dem 2. Satz, der attacca in den Finalsatz mündet (ein Zwischenstimmen zwischen den Sätzen war also ausgeschlossen während des Livekonzerts), das (Hammer-) Clavier durch die Raumhitze bedingt immer weiter abrutschte ... die Streicher und Bläser konnten das spontan abfangen, aber auch nicht immer so punktgenau: es blieb also hörbar.

    Das schaffe ich leider nicht, dabei bin ich schon lange auf der 'Jagd' nach einer "Rusalka", die ich irgendwie immer verpasse

    Das ist typisch Meerjungfrau: glitschig ... und *flitsch* isse weg ... geht mir auch so.


    Ich hatte vor Jahren das Fairgnüngen, sie in München in einer kleinen Kammeroper (Pasinger Fabrik ohne volles Orchester) im Netz zu haben.

    Tja, unsere Wahrnehmung heute! 😄 Schubert als Symphoniker ist eine "posthume" und späte Entdeckung!

    Naja, Schubert hatte insofern „leichtes Spiel“: früh verstorben und verkannt. Seine Sinfonien gehören heute zum Konzertprogramm, mindestens die „Unvollendete“ und „Große“ sind nicht mehr wegzudenken, hin und wieder kommen auch die eins bis sechs zum Zuge, am ehesten noch die Fünfte. Gesamteinspielungen gibt es noch und nöcher. Das gleiche gilt für die Claviersonaten und Kammermusik und etwas weniger für die geistliche Musik. Die Lieder müssen nicht hervorgehoben werden.


    Ries aber haftet eben die Epigonie (und daran anknüpfende Werturteile) an und die ist nicht leicht loszuwerden. Selbst wenn es gelänge, das Gegenteil zu beweisen, so ist deren Brandstempel, einmal aufgedrückt, quasi für die Ewigkeit:


    Azubis empfiehlt man immer, das Unternehmen nach Abschluß der Ausbildung zu verlassen, damit sie nicht der „ewige Azubi“ bleiben. Dieser Ausstieg wurde Ries verwehrt: er gilt bis heute nur als der Beethoven-Schüler (was aber gerade deswegen allgemeine Aufmerksamkeit erregen sollte). Gespiegelt gilt das auch für Salieri: bekannt nur als Giftmischer im Kreise Mozarts und später - mit beinahe erzwungenem Goodwill - als Lehrer Beethovens (an)erkannt oder eher: geduldet.


    Beethoven ist also das saftige Rindfleisch-Patty im SalieRies-Burger.