Wenn man die gerade von mir gehörten Sonaten als Vorlage nimmt, kommt man kaum darum herum, ihnen Virtuosität zuzugestehen. Ich denke, dass sie Mozarts Sonaten da um einiges übertreffen.
Es ist schwer zu Musik, die ich so selten höre, etwas Substanzielles zu sagen. Zuerst war ich an einigen Stellen überrascht, was für großartige Einfälle sowohl melodiöser, als auch harmonischer Art der Mann hat. (Zweiter Satz von Op. 40/1 oder bei der h-moll Sonate in allen Sätzen)
Was mir das Hören manchmal erschwert, sind vielleicht zwei Punkte:
1. Manche Melodien sind einfach (ziemlich) banal. Während Mozart (selbst der junge) aber dann den Dreh schafft und einen Ausblick auf und einen Einblick in das Nicht-Gesagte vermitteln kann, bleibt Clementi gerne bei stetig reicher werdenden Verzierung. Ich könnte mir vorstellen, dass das mit Mozarts Äußerung vom "Mechanikus" gemeint sein kann.
2. Vieles, gerade bei Op. 40/2, erinnert an oder verweist auf Beethoven. Aber, während schon der frühe Beethoven extrem stark in der Verarbeitung von Themen ist, scheint das bei Clementi nicht so eine starke Ausprägung zu haben. Clementi lässt es gerne bei der (Erst-)Wirkung. Das ist gerade bei dem Schlussatz der h-Moll Sonate sehr schade, die mit ungeheurer Wirkung anfängt, aber in einem gewissen Leerlauf endet.
Also mein erster Eindruck: Sehr wirkungsvolle, aber vielleicht nicht ganz so substanzreiche Musik wie Mozart oder Beethoven jeweils auf ihre Art. Clementi sitzt ein wenig zwischen den Stühlen ohne einen eigenen Halt zu finden 