Beiträge von Ulli

    Er lebte allerdings auf großem Fuß, fast wie ein Adeliger

    Als Ritter vom Goldenen Sporn hätte er sich wie Gluck (Ritter von Gluck) auch Ritter von Mozart nennen dürfen.


    er verlangte für seine Opern den doppelten Preis gegenüber vergleichbaren Konkurrenten.

    Verlangen ist das eine, bekommen das andere:


    „Entführung aus dem Serail“ - 450 Fl. (Quelle: O. E. Deutsch: Mozart - Dokumente seines Lebens, S. 127: 100 Dukaten)

    „Der Schauspieldirektor“ - 225 Fl. (Quelle: Joseph II. an F. X. Wolf Graf Rosenberg-Orsini 7.02.1786 = 50 Dukaten)*
    „Le Nozze di Figaro“ - 450 Fl. (Quelle: Hoftheater-Rechnungsbuch 1786/87 nach OED S. 142)

    „Don Giovanni“ - 450 Fl. (Quelle: Joseph Heinz Eibl: Wolfgang Amadeus Mozart - Chronik eines Lebens, S. 72 = 100 Dukaten)


    *Selbiges erhielt Kollege Salieri für seine „Prima la musica e poi le Kohle“.


    Der Preis von 450 Gulden für eine Oper war für jeden Komponisten fix; wer den Auftrag ergatterte, bekam die Kohle. Verhandlungsbasis beendet. 450 Gulden betrug im Übrigen die Jahresmiete für Mozarts damalige Wohnung (hinzu kam das Jahresgehalt von 800 Fl. ab Dezember 1787 sowie sonstige Einnahmen). Ein mittlerer Beamter verdiente bis zu 600 Fl. jährlich, ein Universitätsprofesser dito, ein Oberwundwarzt bis zu 800 Gulden ... die „Zauberflöte“ als Privatveranstaltung zählt da noch extra, dito das Requiem mit 225 Gulden ...


    Da war Mozart ganz schön arm dran ... :*

    Zweifellos gibt es die Hörpsychologie und hier wäre psychologisch der HALO-Effekt passend, der besagt, dass ein einzelnes Merkmal (in dem Falle Name des Komponisten) auf die anderen Merkmale einer Sache abfärbt (in dem Fall musikalische Substanz) obwohl man noch keine Kenntnisse von ihnen besitzt.

    Das ist ein interessanter psychologischer Aspekt. Der Interpret könnte nämlich das Werk eines völlig unbekannten Zeitgenossen spielen, sich aber selbst suggerieren, es handele sich um ein reifes Mozartwerk. Das wandelt sich dann in so eine Art Respekt vor dem Werk oder Komponisten - und gleich klingt das Werk auch völlig anders, nämlich ernst genommen und nicht fremd und kalt heruntergedudelt.

    Boccherini hat auch viele Streichquartette geschrieben, aber, Hand aufs Herz, wer hat wirklich Lust sich diese Menge durchaus reizender Gleichartigkeit anzuhören (ich bin nicht über 5 Quartette hinausgekommen!)

    Na ich! Die einzelnen Opi (8o) sind durchaus recht unterschiedlich, auch in ihrer Wirkung. Ich könnte - und: das habe ich sogar - sie tagelang rauf und runter gehört: da ist von „himmelhochjauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ alles dabei; natürlich auch ein paar Banalitäten (die gibt's aber bei Haydn und Mozart auch). Mich hat beispielweise op. 33 Nr. V (Finale) ziemlich angefixt:



    Kontrastierend:


    Empfehlenswert? oder eher Angie Zhang?

    Dr. Zhang gibt's ja leider nicht auf CD ... aber die - bzw. deren Instrument - würde ich in jedem Fall bevorzugen, wenn es das gäbe - wobei Clementiintrumente grundsätzlich der logischere/richtigere Ansatz ist; sie müss(t)en aber auch zeitlich zum Werk passen, was bei Mastroprimiano zeitlich doch manchmal weit auseinanderklafft.

    Ein dritter Punkt ist m. E. das Instrument, auf dem clementiert wird: bei modernen Instrumenten wird die gefühlte „Inhaltslosigkeit“ clementischer Werke durchaus noch unterstrichen; übertrieben formuliert: zum langweiligen Notentext kommt ein langweiliger Klang dazu. Ich empfinde das sehr anders, wenn auf einem historischen Instrument (oder entsprechendem Nachbau) gespielt wird, vgl. mein Beitrag #8 (Dr. Angie Zhang). Die Klangfarben der Instrumente bereichern das Werk ungemein - und so war es ja auch gedacht.

    Ich freue mich. Die mit dem Ensemble L'archibudelli sieht auch sehr interessant aus. Ich beginne jetzt aber hier. :)

    Gute Wahl, zumal hier ja Schuberts Vorbild auch gleich mit dabei ist. Allerdings hätte ich eher vermutet, daß Du Dich für den Vier+1-Pack entscheiden würdest. Kommt vielleicht dann noch ...?

    Ich käme nicht auf die Idee ein Boccherini Streichquartett mit einem von Haydn zu verwechseln (ab op. 17 :) )

    Das erinnert mich an ein Spiel, das wir damals spielten: erraten werden mussten in lustiger Runde langsame Sätze aus Streichquartetten (Mozart oder Haydn). Aufgelegt wurde (nur!) die Quartettfassung von Haydns „Sieben letzen Worten“ ... was ein Spaß (vorausgesetzt, die Mitspielenden kennen das Werk nicht).

    Hört man Musiker wie Ries, Onslow und Clementi oder auch Czerny werden einem Ähnlichkeiten bewusst, aber eben auch, wodurch sie die Großen abheben.

    Nur lässt sich das nur recht widerspenstig wirklich dingfest machen. Es spielen wohl eben auch die Umstände (zur richtigen Zeit am richtigen Ort) eine nicht unwichtige Rolle. Es gibt durchaus Werke der weniger berühmten Kollegen, die sehr ebenbürtig sind, von der Geschichte aber ignoriert wurden. Pech gehabt.


    Rombergs Messias kann natürlich (!?) nicht gegen Händels anstinken; könnte aber theoretisch, denn Rossinis Barbiere hat es (nicht ganz zu Unrecht, wie ich finde) gegen Paisiellos bis heute geschafft.

    Ich vermute und hänge mich ein wenig aus dem Fenster, dass der ehemalige Viel-Völker-Staat durch die diversen Einflüsse aller betroffenen Kulturen, ob nun gewollt oder nicht, diese kompositorische Energie entfalten konnte und damit Wien zu einem Welt-Zentrum für Musik machte.

    Was wäre denn, wenn Mozart in Salzburg, Beethoven in Bonn, Haydn in Rohrau (oder Osterhazy) geblieben und Schubert in Kleinkleckersdorf geboren worden und dort geblieben wäre?

    Es ist die "Sonata quasi Concerto" C-dur, Op. 33 Nr. 3

    Tatsächlich kann man das „quasi“ quasi streichen, denn sie war ursprünglich das Clavierkonzert op. 30:



    8-)


    Es ist leicht nachvollziehbar, daß Clementi zur Veröffentlichung seines op. 33 noch eine dritte Sonate benötigte und aus ökonomischen Gründen auf das Clavierkonzert zurückgriff, was im Titel der Sonate festgehalten wurde. Das „erklärt“ auch vielleicht die „Strahlendosis“ ...

    Beeindruckt hat mich op. 33 Nr. 2 in g-moll:



    Costantino Mastroprimiano (Hammerklavier)


    Schon die langsame Einleitung ist harmonisch höchst ungewöhnlich und interessant; es folgt ein Allegro con fuoco, daß an den ungestümen jungen Beethoven („Pathétique“ - 1798) herankommt und bereits impressionistische Züge hat.


    Eigentlich sollte man die Werke ja auf Clementi-Instrumenten spielen wie oben (Clementi 1828/29); der zeitlich werknähere (die Sonate entstand vor 1795) Broadwood von 1808 (nachfolgend) kommt meiner Klangvorstellung weit näher als das von Mastroprimiano bespielte Instrument - es klingt noch mehr nach Beethoven:



    Dr. Angie Zhang, Broadwood 1808

    Es liegt an den über 300 Opernführern von asopera, und Vivaldi ist mit keiner einzigen vertreten. Selbst von Haydn gibt es einen Band (Orlando paladino).

    Kein Ahnung, was „asopera“ sein soll? Das liegt dann wohl an denen. Tamino hat jedenfalls 9 Einträge zu Vivaldi-Opern im TAMINO-Opernführer.

    Nebenbei bemerkt: Zur Kaufberatung ist eine KI jedem Forum turmhoch überlegen.

    Glaube ich auch nicht. Fragen, ob bestimmte (weniger bekannte) Ensembles „on period instruments“ spielen, sind - zumindest nach meinen Erfahrungen - sehr oft falsch und oft sehr falsch. Da muß man googeln, youtuben usw.


    Foren waren eigentlich von Anfang an zum Diskutieren gedacht.

    Eben. Mit einer KI will ich nicht diskutieren (müssen); das konterkariert sie nach meinem Verständnis: denn ich erwarte eine lexikalisch perfekte Antwort.

    Es ist Mozarts letztes Werk dieser Gattung, bei dem Blasinstrumente "ad libitum" eingesetzt werden können, also nicht zwingend vorgeschrieben sind.

    Das stimmt zum Glück nicht, denn für KV 537 ist das ebenfalls vorgesehen (Moz. Verz. „Ein klavier konzert D dur - à 2 violini, viola e Basso, 1 flauto, 2 oboe, 2 fagotti, 2 Corni, 2 clarini et timpany ad libitum“). Leider wurde der Menschheit bislang eine Einspielung dieser Fassung vorenthalten - außer mit herkömmlichen Geräten:



    Oliver Schnyder

    Camerata Bern
    Erich Höbarth


    So hört sich das „ridotto à quattro“ bei KV 449 an:



    Suren Barry, Franz Rausch fortepiano, 1841, Vienna

    Carla Moore & Liana Bérubé, violins

    Clio Tilton, viola

    Tanya Tomkins, cello


    Eine Aufnahme gibt's auch:



    Concerti Es-Dur KV 449, C-Dur KV 415 und A-Dur KV 414


    Pleyel Trio Wien mit
    Jörg Buschhaus, Fortepiano nach Anton Walter o.n.A.


    Wenn man da nun die Bläser wieder hinzufügt, hätte man die Schoonderwoerd-Version 8-) (aufgenommen wurde es bereits 2024 zusammen mit KV 450 und der Sinfonie KV 201).

    Für mich steht Händel schon ein wenig vor Vivaldi. Das sind in der Regel subjektive Gründe: Ich finde Händels Melodien oft schöner und besonders seine lyrischen Arien ergreifender. Auch gibt es bei Händel manchmal eine Art musikalische Figurenzeichnung, die über das Normalmaß der Opera seria hinausgeht, siehe z.B. Rodelinda. Oder so besondere Szenen, wie Bajazets Sterbeszene in Tamerlano. Nicht zuletzt gefallen mir auch viele der Bravurarien bei Händel besser, u.a. weil sie etwas weniger floskelhaft als bei Vivaldi sind.

    Da hast Du grundsätzlich Recht und dies gut beobachtet. Vielleicht - ganz vielleicht - steht bei Vivaldi das Vergnügen ein wenig mehr im Vordergrund als bei Händel, der die Personen mehr zeichnet (was aber eher ungewöhnlich für diese Zeit ist).


    Händel im Vergleich zu Bachs Sakralmusik ist Vivaldi im Vergleich zu Händels Opernschaffen (oder so). Nun haben wir von Bach keine Opern (dto. Zelenka), von Händel keine Messen - Vivaldi bedient beide Genres, zumindest kann man aus den Einzelteilen ganze Messen zusammenschrauben (was vermutlich nicht einmal unüblich war).

    So. Ich weiß jetzt zwar immer noch nicht, warum Vivaldi bei den Barockopern nur die 2. Geige spielt. Weiß aber, aber dass ich erst mal zum Gloria und/oder Stabat Mater greifen werde. Die nächste Barockoper wird aus der Gruppe "Charpentier, Händel, Lully, Monteverdi, Purcell, Rameau" kommen.

    Wie im parallelen Händel-Thread steht Deine Entscheidung bereits im Vorfeld fest.


    Vivaldis Opernschaffen ist deutlich später als jenes von Händel wiederentdeckt und vor allem zur Wiederaufführung gebracht worden. Wiewohl er nach meinem Geschmack auf Augenhöhe mit Händel zu sehen resp. zu hören ist (sowohl bei Opern als auch bei geistlicher Musik), muß er sich den 2. Platz mit Kollegen wie den beiden Leonardos (Leo und da Vinci) und Riccardo Broschi und ein paar anderen teilen.


    Im Bereich der Instrumentalkonzerte hat Vivaldi deutlich mehr auf dem Kasten als der Kollege Händel (Fagottkonzerte!).


    Und natürlich sind geistliche Werke „einfacher“ aufzuführen als aufwändige Barockopern, weshalb erstgenannte wohl vergleichsweise überrepräsentiert sind; das ist aber kein für Vivaldi spezifisches Phänomen.


    Viva Vivaldi! :yes:

    (zumal Ulli gar nicht offtopic war)

    So ist es.


    Wenn aber

    Nebenbei bemerkt: Der Sinn von Vergleichen ist nicht herauszufinden, was "besser" ist.

    dann verstehe ich

    Händel HWV 442 (Chaconne-Variationen). Also gegenüber den Goldberg-Variationen wirkt das recht öde...

    nicht.


    Für mich wird umgekehrt ein Schuh draus: gegen die für mich sehr öden GBV wirken Händels 83 Variationen sehr erfrischend.

    Was mich immer mit Sogwirkung süchtig macht, sind Variationen - am besten totgenudelt.


    Trotz seiner Britenaffinität hat Händel aber m. w. „John come kiss me now“ nie angerührt. Dafür aber eine Chaconne:




    In summa schlappe 83 Variationen ist so das Minimum, was ich erwarte ...


    Da wäre ich natürlich gern dabei gewesen, aber der Film tut's auch:




    Allein die herrliche Sprache ... und dieser verachtende Ausdruck in Händels Gebaren ...

    Die meisten Werke Händels sind Opern in einem Stil, fast 200 Jahre lang als überholt galt, aber in den letzten ca. 40 Jahren wurden relativ viele davon relativ erfolgreich reaktiviert. Die nächstmeisten Werke Händels sind "Oratorien" und (weltliche) Kantaten in einem oft recht opernnahen Stil, der sich von dem der Kantaten Bachs ziemlich unterscheidet.

    Maßgebend ist wohl sicher auch die persönliche Präferenz; liegt die nicht bei Opern, ist Händel weitestgehend unten durch ... seine Kammermusik führt selbst bei einem Händelisten - wie ich einer zu sein glaube - ein Schattendasein. Dabei sind die Violinsonaten (mit Begleitung eines Tasteninstrumentes) doch recht ansprechend - aber stilistisch auch wieder völlig anders als Bach:




    Die sind aber auch - mehr noch als Bachs Pendants - eher zum Selbst(ver)spielen als für das große Konzertpodium gedacht.

    Ich stellte fest, dass ich aktuell 240 Werke von Bach, aber nur 15 (davon 5 Opern oder Oratorien) von Händel habe.

    Das Verhältnis ist bei mir genau umgekehrt.

    Fragte mich dann, ob dieses Verhältnis eine rationale Grundlage hat, [...]

    Der Grund dafür liegt bei mir darin, daß ich von Bach nur die MustHaves besitze (aber nicht mal höre), damit ich nicht ganz als Ignorant gelte. Mich macht Bach einfach nicht an. Bei Händel ist das ganz anders ...

    Das Besondere: Er fügt der Besetzung [...] noch 2 Flöten hinzu.

    Genau die stören mich im Gesamtklang, der eigentlich nur von Oboen, Clarinetten, Hörnern und Fagotten (nebst ggfs. Bassverstärkung durch Kontrabaß) geprägt ist. Für meinen Geschmack passt die Flöte einfach nicht dazu, er wandelt sich vom seriösen Klang der Harmonie zur Faschingskapelle ...

    Es gibt davon offenbar bisher aber unverständlicherweise keine Einspielung, daher muss dieses (erstaunlich überzeugende) computergenerierte Beispiel herhalten.

    Das ist doppelt seltsam, kursierte sie doch zuweilen als (Teil-) Werk Pavel Vranickys:


    Appendix

    Not by Wranitzky

    Symphony in C (P 3) - Two first movements from a Symphony by Rosetti (Murray A7). Third movement is the Overture to Oberon.