Beiträge von Ulli

    Ben Mendels 4te (eigentlich 3tte) war zwar mein Erstkontakt mit der Musik dieses Komponisten, richtig begeistern konnte mich dieses - so drückte ich es damals aus - „abgenudelte Stück“ jedenfalls nie. Und als „italienisch“ empfand ich sie auch nie ... Das hat sich spontan mit der Einspielung durch Bruno Weil mit seinem Tafelmusik-Baroque-Orchester geändert:



    Die Live-Aufnahme aus 2012 begeistert mich: sehr schöne Celli und Clarinetten sind zu hören, auch „das Land, wo die Citronen blüh'n“ sehe ich inzwischen hörender Weise von meinem inneren Auge. Die Sinfonie ist gekoppelt mit einer ebenso exquisiten Einspielung der „Eroica“ Ludwig van Beethovens (das war, muß ich zugeben, der Kaufimpuls). In beiden Werken atmet in dieser Interpretation m. E. derselbe Geist: die anheimelnde Lyrik und die feurige grenzenlose Freude, aber auch Melancholie und Wehmut.


    Das würde dann für das bis heute sehr umstrittene Edlinger-Porträt sprechen. Ich finde aber dass man diese Rundlichkeit bei der Silberstiftzeichnung von Dora Stock aus dem Jahr 1789 nicht unbedingt erschließen kann.

    Es war eher als Scherz gedacht und auf die Entwicklung meines Schulkollegen bezogen. 8-)

    Das ist mir aber interessanterweise erst nach diesem Satz von Ulli so richtig bewusst geworden obwohl sich die Umstellung ja schleichend seit längerem vollzogen hat.

    Ich hatte so eine Ahnung bzw. geheime Hoffnung, daß jemand das aufgreifen würde (fühle mich ein wenig geehrt *shame*).


    Mahler würde ich aber noch nicht pauschal als zu pessimitisch empfinden. Es gibt einige Sätze und Stellen die mich vom generellen Gefühl sogar eher an Lebensfreude erinnern, auch wenn diese dann mitunter durchaus nachdenklichere Passagen haben können (spontan fällt mir dazu das Scherzo der 5. ein, einige Teile der 4., Finale der 7.,...).

    D'accord - allerdings sehe und höre ich Werke immer nur im Zusammenhang und niemals nur einzelne Sätze. Das Warten auf das Finale der Sieben wäre mir dann im Moment zu lang. Die Vierte empfinde ich insgesamt als locker-flockig, könnte ich also theoretisch momentan hören.

    Ich finde solche Stellen in überschaubarem Ausmaß und als Kontrast durchaus noch sehr spannend und interessant, aber ich brauche keine Requien mehr oder solche Werke wie die Metamorphosen für 23 Solostreicher von Strauss (wenn ich auch finde dass es zu seinen besten Werken gehört), das Finale von Tschaikowskys 6. Sinfonie und alles was sonst noch so mit Tod, Trauer, Verlust in Musik gegossen zu tun hat.


    das hat sicher auch ein wenig melancholischen Pathos aber die Musik wirkt hier nur wenn man sich darauf einlassen kann und dazu bin ich nicht immer in der Stimmung. Aber umgekehrt sind mir einige Dur-Werke von Barock bis Spätromantik heute emotional näher wie damals. Sie passen mehr zu mir als Mensch wie ich jetzt bin.


    Genau so ergeht es mir zur Zeit. Dies hat aber - wie schon erwähnt - bei mir nichts mit dem Einfluß des Forums zu tun; bei Dir sicher auch eher nicht.


    Vielleicht ist das ja so ein menschliches Tool: wenn man jung ist, befasst man sich verstärkt mit dem Tod; je älter man wird und je näher der unvermeidbare Tag rückt, desto interessanter wird das Leben. :/

    Soweit ich weiß, hat Mozart diese Konzerte aus verschiedenen Sonaten von diversen Komponisten zusammengestellt und orchestriert.

    Zitat von KV2024

    LM hat die aus den jeweiligen Vorlagen übernommenen Werkteile, die als Soloabschnitte der Konzerte dienen sollten, kopiert, wohingegen WAM im Wesentlichen die Orchesterritornelle neu komponierte und Begleitpartien in den Soloabschnitten notierte. Die Partie ist im Autograph als „Cembalo“ bezeichnet.

    :hello:

    Man könnte sie als (Vor-) Übungen oder Studien betrachten, zumal WAM einen langsamen eigenen Satz beisteuerte; Stufe 2 sind die drei Konzerte nach Sonaten Johann Christian Bachs Sonaten (vormals KV 107), die ich oben erwähnte. Ich schlage daher vor, diese in den Threadtitel zu integrieren, da sich ein eigener Thread vermutlich nicht lohnen wird. Ich finde die alle sehr unterhaltsam. Interessant ist es auch, sie mal mit den Originalen Sonaten zu vergleichen. Einspielungen davon gibt es m. W. (inzwischen zumindest teilweise).


    Hier zum Beispiel Original und Bearbeitung der Bach-Sonaten:



    Ines Moreno Uncilla (Cembalo)
    Minue Ensemble


    Das Andantino (Mozart: Andante) aus Eckards op. I Nr. 4



    Arthur Schoonderwoerd

    Gardiner und Bilson spielen sie leider nicht

    Nach dem neuen KV2024 sind sie endlich auch offiziell keine mehr (was sie nie waren), wobei die Anzahl vier ohnehin schon immer falsch war; es wären sieben, jetzt:


    KV Anh. A 7 (qd 1) Konzert in F (Pasticcio) nach Raupach und Honauer (2. Satz von WAM)

    KV Anh. A 8 (qd 2) Konzert in B (Pasticcio) nach Raupach und Schobert

    KV Anh. A 9 (qd 3) Konzert in D (Pasticcio) nach Honauer, Eckard und CPE Bach

    KV Anh. A 16 (qd 4) Konzert in G (Pasticcio) nach Honauer und Raupach


    Bearbeitungen (keine Pasticci!) der Claviersonaten op. 5 Nrn. 2-4 von JC Bach:


    KV Anh. A 29 Nr. 1 (qd nicht gezählt) Konzert in D nach JC Bach

    KV Anh. A 29 Nr. 2 (qd nicht gezählt) Konzert in G nach JC Bach

    KV Anh. A 29 Nr. 3 (qd nicht gezählt) Konzert in Es nach JC Bach


    Das erste (vollständig eigene) ist und bleibt KV 175 (qd Nr. 5).


    :cheers:

    Ich empfehle als nicht ganz leicht verdauliche Lektüre:


    Fritz Rothschild: Vergessene Traditionen in der Musik (zur Aufführungspraxis von Bach bis Beethoven), ATLANTIS Verlag 1964


    Nur mehr antiquarisch (also HIP) zu erhalten.


    Es handelt sich um eine vom Autor selbst besorgte Übersetzung und Neufassung der beiden Bände


    The lost tradition in music, rhythm and tempo in Bach's time (1953)
    Musical performance in the times of Mozart and Beethoven. The lost tradition in music II (1961)

    DIE ZEIT berichtet:


    Zitat

    Nachdem US-Präsident Donald Trump das renommierte Kennedy Center in Washington unter seine Kontrolle gebracht hat, hat der weltberühmte Komponist Philip Glass die Premiere seiner neuen Symphonie dort abgesagt. Die Kultureinrichtung hatte den 88-Jährigen mit der Komposition eines Stückes über den früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln (1809-1865) beauftragt, das im Juni dort uraufgeführt werden sollte. Die jetzigen Werte des Kennedy Centers stünden aber in Konflikt mit seiner «Symphony No. 15», schrieb Glass in einem Brief, den er auch via Online-Plattform X veröffentlichte. Deswegen werde er das Werk dort nicht aufführen lassen.

    Trumpolinspringen im Glass-Haus oder so ... :/

    Ich versteh' gerade gar nix mehr ... das Werk müsste mindestens so berühmt sein wie Händels Messiah:



    William Hayes (1706-1777)

    The Passions (1750)


    Evelyn Tubb, Ulrike Hofbauer, Sumihito Uesugi

    Schola Cantorum Basiliensis


    La Cetra Barockorchester Basel

    Anthony Rooley



    Wie konnte sowas Jahrunderte lang untergehen? Da muß man sich ja fremdschämen. *shame*


    Selten sowas tolles gehört! :hail::hail::hail:


    Evelyn Tubb, Ulrike Hofbauer, Sumihito Uesugi

    Schola Cantorum Basiliensis


    La Cetra Barockorchester Basel

    Anthony Rooley



    Eine ganz wunderbare Entdeckung! Sehr lebhaft musiziert. Händel würde vor Neid grün werden.

    Gibt es bei den Programmen spezielle "Kenntnisse" oder sind alle Sparten Klassik gleich?

    Was meinst Du damit? :/


    Das hier (wahllos reingeklickt) erkennt die Sau der Hund nicht und kommentiert dies pittoresk mit einem Hundehäufchen.

    Ich weiß nicht, woher der Spürhund seine Informationen bezieht, vermutlich eher von publizierten Einspielungen auf Tonträgern bzw. zum Download. Reine YT-Videos scheint er nicht zu kennen (oder zu durchforsten), das zeigt mein obiges Beispiel.

    Ich kenne das nur als FussyApp ... der PC müsste dann ggfs. über ein Mikro verfügen ... das wäre bei mir schon das K.O.-Kriterium ...


    BTW: Eine App ist ein Programm ...

    Aber Hirnschmalz ist meistens die bessere Lösung

    Wenn man die Musik kennt, ja. Aber auch nicht immer. Du kannst auch in das Teil Ohrwurmmeldodien reinflöten, die Du erst loswirst, wenn Du den Titel/Komponisten weißt.


    Das hier (wahllos reingeklickt) erkennt die Sau der Hund nicht und kommentiert dies pittoresk mit einem Hundehäufchen.

    Neben sechs Kantaten: die Ode „Orpheus and Euridice“: An ode, being part of an exercise perform'd for a Bachelor's degree in musick. […] composed by William Hayes […]



    Evelyn Tubb, Mirjam Berli,

    Ulrike Hofbauer, Daniel Cabena


    The SCB Hayes Players

    Anthony Rooley


    Die „d-moll-Sinfonie“ mit dem wunderbaren Oboensolo im langsamen Satz wurde a.a.O. auch bereits erwähnt: sie ist die Ouvertüre zum Oratorium (Ode) „The Fall of Jericho“:



    Channa Malkin [sopraan]
    Zachary Wilder [tenor]
    Andreas Wolf [bas]


    Holland Baroque
    Cappella Amsterdam


    Alexander Weimann


    Auch hier händelt es mächtig - auch ein wenig Zelenka?


    „Hayes’ musikalischer Stil orientiert sich stark an dem Georg Friedrich Händels“ so wird es in einigen einschlägigen Lexika formuliert. Das ist sicher nicht grundsätzlich falsch, aber es kann leicht zu Missverständnissen führen. Das „Typische“ an Händels Musik war zum größten Teil eine dem damaligen musikalischen Geschmack angepasste Art des Komponierens, die auch von William Hayes aufgenommen wurde. Wenn man das berücksichtigt, beinhaltet Hayes' Musik nur vordergründig Gemeinsamkeiten mit der Händels. Vielmehr ist William Hayes ein Kind seiner Zeit und den musikalischen Neuerungen des Spätbarock und der Vorklassik durchaus nicht unaufgeschlossen. In seinen Werken findet sich barocke, polyphone Schreibweise direkt neben Sätzen, die eher an den empfindsamen Stil erinnern.


    Das scheint mir ein ernstzunehmender Händelkonkurrent zu sein. *kiss*


    Tolles Ensemble und beeindruckend, was Messiah-like ab 35:47 abgeht ...

    Noch gibt es wohl keinen Thread zum William Hayes? Einigen Wenigen hier im Forum scheint er schonmal begegnet zu sein, meint die SuFu.

    Am bekanntesten wurde Avison durch die Veröffentlichung eines Traktats über den musikalischen Ausdruck unter dem Titel An Essay on Musical Expression[1] (1752, überarbeitete Fassung 1757, deutsche Übersetzung 1775), in dem er die Musik des in England sehr populären Georg Friedrich Händel im direkten Vergleich mit der Musik Geminianis und der Benedetto Marcellos kritisierte. 1753 wurde er deswegen von William Hayes (1708–1777) scharf angegriffen.

    Hayes Nähe zu Händel scheint mir aber sehr offensichtlich:



    Corelli Orchestra

    Warwick Cole, conductor and harpsichord


    I - Allegro

    II - Adagio

    III - Menuetto


    IMSLP


    Das dürfte eines der frühesten „Clavier“-Konzerte sein. Ein wunderbares Konzert, besonders schätze ich den melancholischen Mittelsatz (e-moll).

    Schaut meiner Vorstellung durchaus sehr ähnlich. Tiptop!


    Ich hatte mal einen Mitschüler, der ziemlich exakt so aussah (anstelle der Pockennarben jedoch Sommersprossen), auch die Frisur, allerdings ohne Pferdeschwanz, aber so nach hinten gestylt. Heute schaut er eher dem ollen Händel ähnlich ... zuviel Amerika in seinem Leben (offenbar). Wäre natürlich vorstellbar, daß Mozart sich mit zunehmendem Alter auch der Optik eines Sitzsackes genähert hätte ...

    Aber - vermutlich deutlicher als je zuvor ist mir der Qualitätsunterschied zwischen seinem angeblichen rivalen Mozart aufgefallen, etwas das âme in seinen Beitägen weiter oben klar ausgesprochen hat - und ich vorsichtig angedeutet habe.

    Ich weiß nicht, ob ich Dich richtig verstehe? Umgekehrt wird m. E. ein Schuh daraus - man hat früher, bevor die Kleinmeister das große Revival erlebten, eben diese auch „klein“ (mitunter langweilig, Herausstellen von Trivialitäten) gespielt, um den „Titel“ zu rechtfertigen - so ist jedenfalls meine Hörerfahrung. vielleicht war das auch keine Absicht, sondern Intuition i.S. einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Wenn man die jetzt normal und angemessen spielt, verschwimmt die Grenze immer mehr, was ich für richtig halte. Wenn man solche Werke nur lieblos runterrotzt („... ist ja bloß ein Kleinmeister ...“), wird das natürlich unüberhörbar auch als zweitklassig empfangen.

    Die Ähnlichkeit ist aber schon erstaunlich, finde ich ... als ich das Originalcover zum ersten Mal erblickte, dachte ich: was hat TBBT damit zu tun?


    Ich hatte damals, wie unschwer zu erkennen, wenig Lust (als die Geduld verteilt wurde, hat mir das zu lang gedauert ...) - das ging sicher hübscher und heute ist es erst recht kein Problem mehr.