Beiträge von Bernd Schulz

    Cellokonzerte aus dem 20. Jahrhundert? Da habe ich bislang nur zwei Favoriten:


    - Pfitzner, Cellokonzert G-Dur op.42


    - Martinu, 2. Cellokonzert (1944/45)


    Das Konzert von Miaskowski kenne ich gar nicht, davon werde ich mir wohl mal eine Aufnahme zulegen müssen. Gibt es da Auswahl? Falls ja, welche Einspielung ist besonders empfehlenswert?


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    Picus, die wirklich empfehlenswerte und zum Schleuderpreis erhältliche Strauss-Box besitze ich auch. Höre dir mal das Oboenkonzert mit dem Solisten Manfred Clement an - die musikalische Gestaltung finde ich nicht allzu mitreißend, aber tonschöner und wärmer kann man auf der Oboe nicht spielen!


    Viele Grüße


    Bernd

    Die Karamasows habe ich erst zweimal verschlungen, aber der dritte - diesmal etwas bedächtigere - Durchgang ist bald fällig.


    Mir persönlich gefallen die Rahsin-Übersetzungen sehr gut; allerdings sollte man, wenn man sich für Dostojewski begeistert, unbedingt versuchen, die kongeniale Bergengruensche Übertragung von "Schuld und Sühne" aufzutreiben. Dazu muß man allerdings ein Antiquariat bemühen.


    Allen, denen die russische Literatur am Herzen liegt, sei noch der tiefschürfende Essay "Tolstoi und Dostojewski" von Dimitri Mereschkowski ans Herz gelegt.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    dieser Thread ruft nach einer Fortsetzung bzw. nach Kommentaren....


    Zu BWV 1053 R: Das ist kein originales Oboenkonzert, sondern in der Fassung für Oboe und Streicher eine "Rekonstruktion" nach dem entsprechenden Cembalokonzert.


    J. Fiala: Konzert für Englischhorn und Orchester Es-dur (ehrlichgesagt das einzige Werk für Englischhorn solo, das ich je gehört habe)


    Das Concertino von Donizetti ist hier schon aufgetaucht. Allerdings wurde es ursprünglich statt für Englischhorn in f für ein Oboeninstrument, das einen Ton höher (also in g) gestimmt war, geschrieben. Auf dem Englischhorn ist es zwar gut spielbar, aber die durchweg hohe Lage führt zu einer für meine Ohren nicht so befriedigenden Klangfarbe. Außerdem beeindruckt mich die musikalische Substanz des Stückes -wie so häufig bei Donizetti, den ich offengestanden auch in seinen Opern grottenöde finde - nur mäßig.
    Viel besser gefällt mir das Konzert für Englischhorn, Streicher und 2 Hörner op. 34 von Ermanno-Wolf-Ferrari (ein wirklicher Geheimtipp).


    Insgesamt fällt auf, daß im Thread außer den Hornkonzerten von Strauss (das zweite finde ich übrigens viel subtiler und spannender als das erste!) nur wenig (spät)romantische Bläserkonzerte genannt wurden. Ich freue mich, daß überhaupt jemand eine CD mit Oboenkonzerten ins Spiel gebracht hat, aber die betreffende CD mit dem Ausnahmeoboisten Heinz Holliger müßte für meinen Geschmack eher den Titel "Langweilige Oboenkonzerte" :D tragen. Neben verschiedenen Konzerten der Barockzeit (Marcello, Telemann, Händel) sowie Mozarts KV 314 würde ich mit der Überschrift "Große Oboenkonzerte" die drei Meisterwerke von Vaughan-Williams, Strauss und Martinu verbinden wollen. Vor allem letzteres ist unter Nichtoboisten viel zu wenig bekannt geworden....


    Fortsetzung folgt!


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    hier kommt noch einmal der Hinweis auf Yrjö Kilpinen (ich habe ihn schon in einem eigenen Thread kurz vorgestellt).
    Die "Lieder um den Tod" op.62 nach Gedichten von Christian Morgenstern gehören fraglos zu den besten Kompositionen Kilpinens.


    Wenn ich richtig informiert bin, ist momentan nur eine historische Aufnahme mit Gerhard Hüsch (und Margarethe Kilpinen am Klavier) erhältlich. Ich mag Hüschs Stimme, aber kenne auch eine ganze Reihe von Leuten, die behaupten, er würde ordentlich knödeln.


    Diejenigen, die etwas Neues kennenlernen möchten und sich für diese Lieder interessieren, können sich vertrauensvoll an mich wenden, denn ich verfüge noch über eine 1991 produzierte CD mit dem finnischen Bariton Jorma Hynninen, der Kilpinens Lieder mit einer etwas "moderneren" Gesangstechnik interpretiert. Diese Einspielung würde ich gegebenenfalls verleihen (Kontakt bitte per Email, da ich zu der PM-Funktion noch keinen Zugang habe).


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    daß die Königskinder so selten aufgeführt werden, liegt meines Erachtens kaum an der fehlenden Publikumsakzeptanz. Jeden, der einigermaßen Zugang zur Oper der deutschen Spätromantik hat, beeindruckt dieses Meisterwerk musikalisch enorm.
    Das Problem hängt wohl eher mit dem gegenwärtigen Kulturbetrieb zusammen. Werke wie die Königskinder (oder Pfitzners Rose vom Liebesgarten oder Wolf-Ferraris Himmelskleid) sind für diejenigen, die an den Schalthebeln sitzen, nicht attraktiv, ihre Komponisten gelten als antiquiert und rückständig.


    Zur Frage der Inszenierung: Was genau spricht gegen einen "schönen Wald"? Warum reicht es nicht, diese Oper in etwa so zu zeigen, wie sie von ihren Schöpfern gdacht war? In der Aufführung, die ich damals gesehen habe, wurde, wie gesagt, auf alle modernen Regietheatermätzchen verzichtet, ohne daß das Stück seine Wirkung aufs Publikum verfehlt hätte. Man mußte sich frühzeitig um Karten kümmern, die Vorstellungen waren fast alle ausverkauft.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    naturgemäß bin ich von Telemanns Oboenkonzerten ganz besonders begeistert. Das schönste von ihnen ist für meine Begriffe das Konzert in e-moll. Dazu heißt es auf einem alten Plattencover: "....daß hingegen die beiden Konzerte c-moll und e-moll deutlich weniger dem Vivaldischen Einfluß verpflichtet sind, verrät schon die viersätzige Anlage, die bei Vivaldi eine relativ untergeordnete Rolle spielt. Mehr aber noch entzieht sich hier die Binnenstruktur dem vivaldischen Vorbild. Der systematische Ritornell-Solo-Wechsel bei Vivalid macht einer diffizilen, vom Affekt bestimmten Gestaltungsweise Platz....die Satzgestaltug zielt nicht so sehr auf eine planmäßige, sinnerfüllte Struktur, sondern mehr auf ein Ensemble von Affektbereichen. Diese schöpferische Zerstörung der vivaldischen Satzstruktur, wie sie Telemann neben Bach und anderen deutschen Komponisten in seinen Konzerten vollzieht, sollte sich als ein musikgeschichtlich progressiver Prozess erweisen..."
    Die 1978 auf der dazugehörigen Platte festgehaltene Interpretation (auf modernen Instrumenten) durch den Oboisten Burkhard Glaetzner und das Kammerorchester Berlin unter Hartmut Haenchen gefällt mir wegen ihrer Ausdrucksintensität besonders gut.


    Einer meiner weiteren Favoriten ist das Tripelkonzert E-Dur für Flöte, Oboe d´amore, Viola d´amore und Streicher. Ich habe letztes Jahr bei einer Aufführung dieses Stücks im Rahmen einer Museumskonzertreihe mitgewirkt, und das hat überdurchschnittlich viel Freude gemacht. Alleine der erste Satz mit seinem schwebenden Beginn gehört sicherlich zu Telemanns besten Eingebungen.
    Eine ausgezeichnete Aufnahme (diesmal mit barockem Instrumentarium) dieses Stücks liegt mit dem Ensemble "Il Gardellino" und Marcel Ponseele vor. Auf der gleichen CD findet man noch das ebenfalls sehr reizvolle Konzert für Oboe d´amore und Streicher in A-Dur.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    in einem anderen Thread habe ich kurz einen Konzertbesuch in der Kölner Philharmonie geschildert und gefragt, ob die Enttäuschung, die dieses Konzert in mir hervorgerufen hat, mit Christian Thielemann zusammenhängen könnte. Leider gab es keine Antwort - deshalb versuche ich es hier noch mal:


    Thielemann dirigierte vor etwa anderthalb Monaten in Köln die Wiener Philharmoniker, geboten wurden Beethovens Pastorale und Schumanns Frühlingssinfonie. Während des ganzen Abends wollte nur selten richtige Spannung aufkommen, teilweise war es richtig schwierig, sich auf die müde wirkende Interpreation der Werke zu konzentrieren. Und während die Streicher technisch perfekt und sehr klangschön spielten, machte das Holz überhaupt keine gute Figur. Daß ich die Wiener Oboen nicht mag, ist wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks, aber daß der Klarinettist streckenweise intonationsmäßig regelrecht absoff, habe ich ansonsten bei einem Orchester von Weltruf noch nicht erlebt. Auch das Solo-Fagott wirkte reichlich mager.


    Insgesamt habe ich mich jedenfalls darüber geärgert, für diese Veranstaltung mehr als 40 Euro ausgegeben zu haben, und meinen Freunden, die mit dabei waren, erging es kaum anders.


    Kommen die Wiener mit Thielemann nicht zurecht? Hatten sie eventuell deswegen keine rechte Lust?


    Es wäre nett, wenn jemand, der sich mit den Wienern gut auskennt und sich intensiver als ich um Thielemann gekümmert hat, etwas dazu sagen könnte.


    Herzliche Grüße


    Bernd

    Mein letzter, von mir sehr geschätzter Lehrer hat mal gesagt: "In der Musik gibt es kein richtig und falsch, richtig ist, was dem Zuhörer gefällt!"


    Darüber, wie Barockmusik zu Bachs Zeiten gespielt wurde, weiß man heute unendlich viel mehr als vor 70 Jahren. Trotzdem spricht Edwin Fischers Interpretation des Wohltemperierten Klaviers eindringlicher zu mir als alle bislang gehörten Cembalo-Einspielungen mit Leuten aus der Alte-Musik-Szene. Letzere sind im wissenschaftlich-musealen Sinne sicherlich "richtiger", aber das bringt mich persönlich im Hinblick auf den eigentlichen "Sinn" von Bachs Musik nur sehr bedingt weiter.


    Zitat

    Heutige Interpreten verfälschen Werke genauso stark wie einst HvK


    Ja, natürlich. Interpretation von Musik ist in gewissem Maße immer Verfälschung, das liegt in der Natur der Sache. Und da die emotionale Komponente beim Interpreten und beim Hörer nie komplett auszuschalten ist, kann eine noch so sehr um Objektivität oder "Authentizität" bemühte Wiedergabe trotzdem auf verschiedene Hörer "verfälschender" wirken als eine andere, bei der sich der Künstler nur wenig um die scheinbar "richtige" Stilistik kümmert.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    das, was mich so enorm an Elisbeth Schwarzkopf stört (und nicht nur in ihrer Hugo-Wolf-Interpretation), ist aber mit Sicherheit nichts Zeitgebundenes. Ich besitze viele Aufnahmen aus den 50ger und 60ger Jahren, die ich mit großer Begeisterung höre.


    Und was Karajan angeht: Sicherlich war er medial enorm präsent und breiten Massen ein fester Begriff. Aber als ich anfing, mich richtig für Musik zu interessieren (Mitte bis Ende der 70ger Jahre) und Instrumentalunterricht zu nehmen, bin ich auf viele Berufsmusiker gestoßen, die seine Interpretationen scharf ablehnten. Anlässlich einer Einspielung von preußischen Märschen mit den Bläsern der Berliner Philharmoniker sagte mein erster Oboenlehrer damals bitter: "Noch nicht mal Märsche kann der dirigieren!".
    Insofern habe ich meine Zweifel daran, daß sein Stil für die Zeit wirklich prägend war. Er war ein Meister der Selbstinszenierung und wurde mit Blick auf das breite Publikum hervorragend vermarktet, aber genug Insider mochten ihn schon damals nicht.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    Paul, natürlich akzeptiere ich deine ausführliche Erklärung. Danke für die Mühe!


    Da ich ja in der glücklichen Lage bin, während meiner Arbeit immer wieder Musik hören zu können, habe ich eben versucht, der Schwarzkopf mit Hiugo Wolf noch einmal eine Chance zu geben. Nach 5 Minuten mußte ich den Versuch abbrechen, weil ich es einfach nicht mehr ausgehalten habe - es kamen Assoziationen in mir hoch, die ich hier aus Respekt vor einer fraglos höchstqualifizierten Künstlerin lieber verschweige.
    Ich weiß nicht, warum es mir gerade und ausschließlich im Falle Schwarzkopf so geht. Normalerweise habe ich nur wenig Probleme mit einem bis zur Überfeinerung und zum Gesuchten gehenden Ausdruckswillen.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    Philhellene, "edelmetallisch" paßt, wobei ich angesichts einiger Aufnahmen mit Elisabeth Schwarzkopf fast versucht bin, die Buchstaben e,d und l vor dem "metallisch" zu streichen. Auf mich wirkt das Timbre der Stimme kühl und gleichzeitig gewollt.
    Daß wir hier über subjektive Wahrnehmungen reden, dürfte klar sein....


    Ansonsten fand ich die Art der Diskussionsführung in den letzten Beiträgen sehr interessant. Der "Neuling" mit seiner nicht der eigenen Sichtweise entsprechenden Stellungnahme wird kurz abgeledert, und danach klopft man sich noch mal gegenseitig anerkennend auf die Schultern:


    "Hallo Paul,
    Du hast mal wieder recht"


    "Hallo Herbert,
    Danke."



    Abgesehen von einem sehr netten Kontakt kann ich nicht behaupten, daß ich mich hier bislang besonders wohlgefühlt hätte. Aber schaun mer mal weiter...


    Zahlreiche Grüße


    Bernd

    Noch mal kurz zurück zum Doppelkonzert von Bruch - meine recht empfehlenswerte und preisgünstige Aufnahme ist bei Apex erschienen:


    "Konzert f. Klarinette & Viola op. 88
    +Romanze für Viola & Orchester op. 85;8 Stücke
    für Viola, Klarinette & Klavier op. 83
    Causse, P. Meyer, Duchable, Lyon Opera Orchestra,
    Nagano"


    Ein ebenfalls viel zu selten in den Konzertsälen zu hörendes Lieblingsstück von mir ist das Duett-Concertino für Klarinette, Fagott und Streicher von Richard Strauss. Die wunderbar gelöste Einleitung zählt für mich zu den glücklichsten Eingebungen des Komponisten, und gleiches gilt für den langsamen Mittelteil (langes Fagottsolo). Hier gefällt mir die alte Aufnahme, in der Rudolf Kempe die Staatskapelle Dresden mit den Solisten Dietrich Weise und Wolfgang Liebscher dirigiert, recht gut. Das "deutsche" Timbre der beiden Bläser paßt ausgezeichnet zu dieser spätromantischen Musik.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    Paul, gut , diese Kritik nehme ich an. Man muß wohl doch versuchen, den menschlichen Eindruck, den ein Künstler einem vermittelt, beim eigenen Urteil über seine künstlerischen Leitungen außen vor zu lassen. Leider fällt mir das manchmal sehr schwer.


    Herbert, den Begriff "manieriert (übrigens doch mit zweimal ie geschrieben) habe ich nicht als erster in diese Diskussion eingebracht.
    Gerade in Bezug auf Fischer-Dieskau hört man ihn halt ziemlich häufig. Selbstverständlich hat er mit "schöner Stimme" nichts und mit "viel Ausdruck" nur wenig zu tun. Bei Wikipedia heißt es: "....Dafür werden der Ausdruck 'Manier' und vor allem das abgeleitete Adjektiv manieriert heute oft abwertend im Sinne von „gesuchte Eigenart“, „Künstelei“ bzw. „verkünstelt“, „geziert“ verwendet."


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    ich denke, man muß hier zwei Dinge voneinander trennen, nämlich den allgemeinen künstlerischen Stellenwert und die Frage des persönlichen Geschmacks.


    Die Schwarzkopf war zweifelsohne eine Künstlerin von herausragender Qualität und Bedeutung. Das läßt sich in keinster Weise leugnen.


    Ich persönlich versuche jedoch inzwischen, so gut es geht, den Kauf von Aufnahmen, an denen sie beteiligt ist, zu vermeiden, da mir ihre Interpretationen nicht nur "manieriert", sondern auch affektiert, d.h. im hohen Maße aufgesetzt vorkommen. Bei Fischer-Dieskau ist das für mich überhaupt nicht der Fall, seine übersensible und sicherlich oft an die Grenzen des emotional Erträglichen gehende Gesangskunst hat IMHO immer das Gepräge des zwar Grenzwertigen, aber trotzdem Notwendigen, und das ist für meine Ohren bei Elisabeth Schwarzkopf nicht der Fall. Ich besitze eine CD, auf der sie Lieder von Hugo Wolf singt, und da schüttelt es mich beim Hören regelrecht, weil mir das alles so unecht erscheint.


    Hinzu kommt das persönlich wirklich abstoßende Auftreten beim Unterrichten. Ich habe Aufnahmen mit Ausschnitten aus ihren Meisterkursen gesehen, und da wurde mir wirklich ganz anders.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    eines der schönsten Doppelkonzerte ist für mich das Konzert für Klarinette, Viola und Orchester von Max Bruch, das leider unverdientermaßen selten gespielt wird. Ich hatte mal das Vergnügen, bei einer Aufführung in Bonn im begleitenden Orchester zu sitzen - das hat enorm viel Spaß gemacht!
    Es gibt auch eine ganz passable CD-Aufnahme (die ich alter Schlamper leider gerade nicht finde). Genaueres über diese Einspielung liefere ich ebenso nach wie die Opuszahl des Stücks.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    ich habe Thielemann bislang immer nur live erlebt und war in zwei von drei Fällen froh und glücklich, dem von ihm dirigierten Werk ("Palestrina") überhaupt auf der Bühne zu begegnen .


    Zuletzt allerdings (es ist gerade mal zwe Monate her) habe ich ein Konzert mit ihm und den Wiener Philharmonikern in der Kölner Philharmonie besucht und war schwer enttäuscht. Das Orchester spielte teilweise sehr mäßig (die Holzbläser fand ich schwächer als die Aachener!), und ingesamt hatte man Mühe, bei Beethovens Pastorale und Schumanns Frühlingssinfonie nicht einzuschlafen. Die 45 Euro Eintrittsgeld hätte ich wirklich genussvoller verbraten können.


    Frage an die Experten: Kann das an Thielemann gelegen haben? Gibt es auch gute CD-Einspielungen mit ihm?


    Ach so, ein paar Aufnahmen, die ich mir nie wieder anhören werde, habe ich natürlich auch. Dazu zählen z.b. die Brandenburgischen Konzerte mit den Berlinern unter Karajan...


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo zusammen,


    gerade habe ich den Namen "Kilpinen" in die Suchfunktion eingegeben und mit einigem Erstaunen festgestellt, daß der "finnische Schubert" hier offenbar mit noch keinem Wort erwähnt wurde.


    Nun ja, mit Schubert kann man Kilpinen sicherlich nur bedingt vergleichen, aber daß er ein bedeutender Liederkomponist war, steht für mich außer Frage. Hier einige Informationen zu ihm:


    Yrjö Kilpinen wurde am 4. Februar 1892 in Helsinki geboren.


    1908 begann er dort als Pianist sein Musikstudium, das er 1910 in Wien bei R. Heuberger und J. Hoffmann fortsetzte, allerdings dann schon mit dem Hauptfach Komposition. 1913-1914 war er in Berlin Schüler bei O. Taubmann und P. Juon.
    Kilpinen verdiente sich nach dem Studium seinen Lebensunterhalt als Klavierlehrer, Begleiter, Korrepetitor und Kritiker. Bald fanden seine Kompositionen in Finnland große Beachtung. Seit 1925 erhielt Kilpinen ein Staatsstipendium, welches 1935 in eine lebenslange Pension umgewandelt wurde.


    Seit 1948 war Kilpinen Mitglied der finnischen Akademie und 1952 wurde er vom Tonkünstlerverband und der Komponistenvereinigung Finnlands zum Ehrenmitglied ernannt. 1959 verstarb er im Alter von 67 Jahren.
    Neben einigen Instrumentalkompositionen hat Kilpinen etwa 700 Lieder geschrieben. Oft handelt es sich um Zyklen nach Gedichten finnischer, schwedischer und deutscher Lyriker. Unter den deutschen Dichtern ist besonders Christian Morgenstern hervorzuheben, von dem Kilpinen 74 Gedichte vertont hat.


    (Frei nach Wikipedia, aber der Text dort stammt bis auf winzige Korrekturen auch von mir).


    Kilpinens Kompositionen stehen stets auf tonalem Boden, wobei der Komponist bewußt mit bestimmten "Primitivismen" wie gebrochenen Dreiklängen und harmonischen Rückungen arbeitet. Nicht wenige Lieder zeichnen sich durch eine eindringliche Melodik aus (daher wohl die Apostrophierung als "finnischer Schubert").


    Es gibt ein paar schöne CDs mit Liedern von Kilpinen. Besonders hervorheben möchte ich die Aufnahmen mit dem großen Bariton Gerhard Hüsch in der Reihe "Historische Vergangenheit". Die "Lieder um den Tod" nach Morgenstern beeindrucken mich allesamt immer wieder sehr, und auch die sonst nirgendwo auf Tonträger dokumentierten "Fjeldlieder" mit Orchesterbegleitung liebe ich ganz besonders.


    In der Hoffnung, bei dem einen oder anderen etwas Interesse geweckt zu haben, grüßt aus Aachen


    Bernd

    Hallo,


    hier meine Liste:


    1. Pfitzner: Palestrina
    2. Wagner: Tristan
    3. Wagner: Meistersinger
    4. Janacek: Katja Kabanowa
    5. Strauss: Rosenkavalier
    6. Humperdinck: Königskinder
    7. Beethoven: Fidelio
    8. Puccini: Turandot
    9. Mussorgskij: Boris Godunow
    10. Debussy: Pelles und Melisande
    11. Dvorak: Rusalka
    12. Purcell: Dido und Aeneas


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    Magische Momente in der Oper gibt es für mich viele, nicht wenige davon (z.b. bei Beethoven, Wagner, Strauss und Humperdinck) wurden hier bereits genannt. Ansonsten fällt mir noch der erste Auftritt der Katja in Janaceks "Katja Kabanowa" ein.
    Was da im Orchester passiert, ruft auch beim dreissigsten Hören eine Gänsehaut in mir hervor.


    Und nicht zu vergessen sind natürlich die letzten fünf Minuten von Pfitzners Palestrina, für mich einer der magischsten Momente in der Opernliteratur überhaupt.


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    noch etwa: Den Einfluss Wagners kann ich bei Pfitzner (vor allem natürlich in seinen Bühnenwerken) schon recht gut wahrnehmen.


    Ich würde so weit gehen, zu sagen, daß Pfitzner die Gegenpole Wagner - Schumann/Brahms in gewisser Weise zu einer längst überfälligen Synthese gebracht hat, und daß darin zumindestens ein kleiner Teil seiner Bedeutung besteht.


    Neben den schon genannten Stücken (wobei ich bei den Liedern den ganzen Zyklus op.9 herausragend finde), würde ich noch das "Christelflein" (nicht lachen!), das Klaviertrio op.8 und vor allem die erstaunlich "moderne", in den letzten Grenzbezirken der Tonalität angesiedelte cis-moll-Sinfonie op.36a zu den absoluten Meisterwerken zählen wollen.


    Das "Herz" habe ich leider noch nie live gesehen; ich kenne lediglich die bei Marco Polo erschienene Rudolstädter Aufnahme. Mich fasziniert die Oper - ob sie zu Pfitzners stärksten Werken zählt, ist eine andere Frage.


    Von der "Rose vom Liebesgarten" gibt es ja überhaupt keine gescheite offizielle Einspielung. Ich besitze lediglich einen von einer Tonbandaufnahme übertragenen Cassettenmitschnitt von miserabler Tonqualität. Wenn mir da jemand mit etwas Besserem helfen könnte, wäre ich ihm enorm dankbar!


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    BigBerlinBear, die "Metamorphosen" stellen sich im Hinblick auf den Zeitbezug nicht unproblematisch dar. Ich kenne durchaus Leute, die kritisieren, daß Strauss angesichts der ungeheuren Nazi-Verbrechen und des Völkermords an den Juden nichts Besseres zu tun hatte, als um das zerstörte München zu trauern.


    Abgesehen davon stellt sich die Frage, inwieweit sich Musik überhaupt mit dem aktuellen Weltgeschehen beschäftigen muss. Der zeitgenössische Komponist Ladislav Kupkovic hat mal in einem Interview gesagt, Musik sei nicht die Tagesschau, sondern solle vielmehr das immer Gültige ausdrücken. Ich sehe das etwas differenzierter - der Einfluss der Gegenwart auf die Kunst (beziehungsweise der Wechselbezug zwischen künstlerischen Äußerungen und Weltgeschehen) KANN sehr spannende Aspekte aufweisen.


    Trotzdem ist mir Kupkovics Aussage grundsätzlich nicht unsympathisch. Sind Beethovens späte Streichquartette oder Bachs Fugen in irgendeiner Form von den weltpolitichen Ereignissen geprägt?


    Pfitzners hat in seinem "Palestrina" ja eindringlich und ganz bewußt den GEGENSATZ zwischen Künstler und Welt thematisiert. Insofern ist die Weltfremdheit seiner späten Sinfonien nur eine konsequente Manifestation der eigenen philosophisch-ästhetischen Vorstellungen. Eine wirkliche Schwäche im künstlerischen Sinn vermag ich darin nicht zu erkennen.


    Der "Palestrina" ist übrigens eine Oper, die immer wieder aufgeführt wird (ich habe schon vier verschiedene Inszenierungen in Nürnberg, München, Berlin und Düsseldorf gesehen). Um seine Bühnenzukunft mache ich mir keine Sorgen.
    Den "Armen Heinrich" konnte ich in Dortmund erleben. Leider ist das Librettto über weite Strecken mehr als grenzwertig, und das gilt ebenso für die "Rose vom Liebesgarten". Aber wenn man andererseits bedenkt, welch gruselige Textvorlagen bei so manchen beliebten italienischen Opern ohne Wimpernzucken akzeptiert werden, ist es schon erstaunlich, daß man Werke mit einer so enormen musikalischen Substanz fast völlig in der Versenkung verschwinden lässt.....


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    mir liegt Hans Pfitzner mit seiner Musik besonders am Herzen (und ich würde demnächst gerne einen Thread über seine Opern eröffnen).


    Man sollte sich aber im darüber im Klaren sein, daß es sich bei ihm um eine ausgesprochen widersprüchliche, ja im wahrsten Sinne des Wortes "gebrochene" Persönlichkeit handelt, der man in wenigen Sätzen überhaupt nicht gerecht werden kann.


    Daß er sich von den Nazis "nicht vereinahmen und instrumentalisieren" ließ, läßt sich so pauschal nicht sagen. Zu Beginn des 3.Reichs hat er der "Bewegung" zumindestens in Teilaspekten einige Sympathien entgegengebracht, und bis zum bitteren Ende besaß er einen guten Draht zu dem als "Polenschlächter" berüchtigten Generalgouverneur von Krakau, Hans Frank, der 1946 als Kriegsverbrecher zum Tode verurteilt wurde und daraufhin von Pfitzner ein Trosttelegramm erhielt.


    Andererseits gab es von Pfitzners Seite verschiedene Aussagen gegen den Nationalsozialismus, und zudem kam es zu einer heftigen und für den Komponisten durchaus gefährlichen Auseinandersetzung mit Hermann Göring .
    Pfitzners Verhältnis zum Nationalsozialismus ist also durchaus als ambivalent und schwer analysierbar zu betrachten.


    Daß Pfitzners Instrumentalmusik vor allem in seinem Spätwerk zu epigonal sei, würde ich auch nicht bedingungslos unterschreiben wollen. Ein Werk wie die "kleine" G-Dur-Sinfonie op.44 evoziert nicht nur Haydn (wie man so oft lesen kann ), sondern es ist auch in einem unverkennbar eigenen, nicht wiederholenden, aber auch nicht wiederholbaren Tonfall gehalten (den langsamen Satz dieser Sinfonie zähle ich zu den schönsten, berührendsten Einfällen der Musikgeschichte überhaupt).
    Und auch die C-Dur Sinfonie op. 46 trägt in ihrem vermeintlichen Eklektizismus hinter der Oberfläche ein sehr individuelles Gepräge - jedenfalls für meine Ohren.


    Erfreulich finde ich, daß inzwischen ein sehr großer Teil von Pfitzners Schaffen auf käuflich zu erwerbenden Tonträgern hörbar geworden ist. Vor 25 Jahren, als meine Begeisterung für diesen "schwierigen" Komponisten begann, war das leider nicht so. Damals mußte ich viele Hebel in Bewegung setzten, um etwa an einen Tonbandmitschnitt vom "Armen Heinrich" zu gelangen...


    Viele Grüße


    Bernd Schulz


    P.S.: Die auf dem Markt erhältliche neuere CPO-Aufnahme von Pfitzners beiden späten Sinfonien unter Werner Andreas Albert krankt für meinen Geschmack leider vielfach an zu langsamen, fast statischen Tempi. Pfitzner hat sich zeitlebens dagegen gewehrt, daß seine Musik immer verschleppt wurde, aber die Kenntnis dieser Tatsache hat für die CPO-Einspielung mit den Bamberger Sinfonikern offensichtlich nichts gebracht. Wer die C-Dur-Sinfonie kennenlernen will, sollte zu der ungleich lebendigeren alten Furtwängler-Interpretation greifen!

    Hallo,


    mich freut es sehr, daß eine meiner absoluten Lieblingsopern hier bei einigen auf geößere Zustummung stößt.


    Ich hatte das Glück, gegen Ende meiner Schulzeit - vor über 25 Jahren - die Königskinder in einer sehr packenden und werkgerechten Inszenierung im Aachener Stadttheater erleben zu können. Damals war ich völlig hingerissen und habe bestimmt acht oder neun Vorstellungen besucht.
    Warum diese melodisch ungemein inspirierte und handwerklich meisterhaft gearbeitete Oper so selten auf der Bühne realisiert wird, ist mir bis heute ein Rätsel.
    Ich besitze die Aufnahmen unter Wallberg (damals direkt nach der Aachener Aufführung gekauft) und unter Kraus. Bei Wallberg gefällt mir das Dirigat und das Orchester nur mäßig gut (aber dafür finde ich Helen Donath als Gänsemagd fantastisch) die Kraus-Aufnahme (mit teilweise sehr guten Sängern) ist halt arg historisch und besonders in Hinsicht auf den Bläserklang gewöhnungsbedürftig.
    Aber bei der Oper gilt für mich viel stärker als bei anderen Gattungen, daß die Konserve das Live-Erlebnis nur sehr bedingt ersetzen kann.
    Ich warte also sehnsüchtig auf eine Neuinszenierung der Königskinder an einem Theater in meiner Nähe....


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    petemonova, mich freut es sehr, daß du die Oboe nennst, aber das mit dem Lernen würde ich mir noch mal gut überlegen. Der ständige Kampf mit dem Material (sprich den Rohren) kann einen an den Rand des Wahnsinns treiben - ich spreche da aus eigener Erfahrung...


    Mein Lieblingsinstrument ist das Englischhorn. Aber in meinem nächsten Leben werde ich Geiger, um die großen Kammermusikwerke von Beethoven, Schubert, Schumann und Brahms spielen zu können!


    Viele Grüße


    Bernd

    Hallo,


    auch ich bin ein großer Freund von Telemanns Musik - egal, ob ich sie nun höre oder selber spiele.


    Zu Telemanns besten Werken rechne ich die "Darmstädter Ouvertüre" TWV 55 C6 in C-Dur. Vor allem die "Sommeille" reicht weit über die Barockzeit hinaus. Auf einem alten LP-Cover finden sich dazu ein paar schöne Zeilen: "Dieser ergreifende Satz offenbart seelische Bereiche, denen die großen kontemplativen Arien der Passionen Bachs entstammen. Das c-moll dieses Satzes läßt von weitem Mozarts Maurerische Trauermusik vorausahnen" (Carl de Nys).


    Von den Darmstädter Ouvertüren gibt es eine Naxos-Einspielung, die mich ziemlich überzeugt. Das Kölner Kammerorchester unter Helmut Müller-Brühl spielt dort auf modernen Instrumentarium, aber mit recht "barocker" Artikulation.


    Im letzten Jahr konnte ich bei der Aufführung einer Johannespassion von Telemann mitwirken. Auch dieses weitgehend unbekannte Werk hat mich regelrecht mitgerissen, der Schwung des optimistischen Schlusschores ist absolut verblüffend (vor allen Dingen im Kontrast zu den Schlusschören der Bachschen Passionen). Eine CD-Aufnahme existiert, aber ich habe es bislang versäumt, sie mir zuzulegen. Etwas, was ich dringend nachholen muss....


    Viele Grüße


    Bernd