Beiträge von Amadé Rosenkranz

    Hallo, es gibt eine neue Einspielung aller fünf Beethovenscher Klavierkonzerte durch Evgeny Kissin.


    Ich habe im Radio bei einer Vorstellung Ausschnitte gehört. Kissin spielt diese Werke außerordentlich dynamisch, virtuos und schnell, weit ab von jener langweiligen, retrospektiven Vortragsweise anderer Interpreten. Gefällt mir sehr gut. Was haltet Ihr davon?


    Gruß von Amadé

    Einen recht schönen guten Sonntagmorgen.


    Habe den ersten Sch... hinter mir und somit Zeit für ein paar Zeilen hier im erlauchten Kreis der Forumsteilnehmer.


    Milos's Film hat m.E. unseren geliebten Mozart endgültig und für alle einleuchtend aus dem makellosen Genius-Himmel zurück auf die Erde geholt. Sein Bild von Mozart ist natürlich in vielen Details dramaturgisch angepasst und historisch zurecht gebogen. Trotzdem glaube ich, dass keine "Biographie" dem Habitus und dem Charakter des Wolferl näher kommt als diese Schilderung des übermütig-quirligen, manchmal oberflächlichen und lasterhaften, meist ernsthaft aber auch schelmisch musizierenden, etwas naiv-verrückten, nie ganz erwachsen gewordenen kleinen Mannes aus Salzburg. Eigentlich aus Augschburg. Also in Wirklichkeit ein Schwabe.... wie ich?


    Darüber habt Ihr aber sicher hier bereits ausführlich und wie immer fundiert-sachkundig diskutiert. Bin eben neu hier.


    Wenn ich zum Fenster raus schaue: Typisch Salzburger Schnürlregen. Um den langweiligen, sonntäglichen Familienspaziergang mit dem verehrten Herrn Papa, der guten Frau Mama und meiner ach so hässlichen und heißgeliebten Schwester in den Mirabellgarten werde ich trotzdem nicht herum kommen.


    Euer Amadé Rosenkrantz

    ...sich geirrt".


    Lieber Ulli, könntest Du mir das mal erklären, bitte.
    Vielleicht hast Du es andernorts schon getan. Allein,
    ich hab es nicht gelesen.


    Ich muss da an Mozarts Antwort an den Kaiser denken:
    "Aber Majestät, keine Note zu viel und keine zu wenig!"
    Wie kann er sich irren?


    Gute Nacht, sch.... ins Beet, dass es kracht,
    Euer Rosenkrantz

    Natürlich Mozärtliches.
    Auf Empfehlung von Ulli-Mozartfan Klavierkonzert Nr. 22 mit Buchbinder / Wiener. Mir fällt auf, dass im schnellen 3. Satz, der übrigens im Kinoklassiker AMADEUS unterlegt ist, als Wolferl mal wieder mit seinem eigenen Pianoforte auf dem Pritschenwagen optimistisch wohlgelaunt auf Tour geht, im ruhigen Zwischenteil eine Violinsolostimme neben dem Klavier aufweist. So war das wohl von Amadé nicht vorgesehen. Macht sich aber gut.
    Grüße Euer Amadé Rosenkrantz.

    Allerwertester Ulli,


    die Empfehlung Buchbinder / Wiener ist wirklich ein sehr guter Tipp. Ich habe den ganzen Packen CDs heute bekommen. Zudem noch 20% billiger, da OSIANDER heute und morgen Nachlass auf alles gibt. Es hat nämlich eine neue Buchhandlung in unserer Stadt aufgemacht. Jetzt müssen sie sich anstrengen.


    Während ich hier schreibe, läuft KV 488, 2. Satz. Du hast Buchbinders Spielweise treffend beschrieben. Dieses "Retardieren" (nennt man das so?) fast nach Chopinscher Art ist gewöhnungsbedürftig. Die "leere Stelle" ergänzt er zweimal durch einen schnellen Lauf die Tonleiter hinauf (auch das kann ich leider nicht fachmännischer beschreiben). Das finde ich nicht besonders einfallsreich, auf keinen Fall "grandios". Du entschuldigst bitte.


    Auf jeden Fall wunderbare Einspielungen. Ich werde mir Zeit lassen, alle zu genießen.


    Mit untertänigstem Dank grüßt Dich mit einer tiefen Verbeugung meiner ganzen 1 Meter 55 großen Gestalt als einer der größten Compositeure aller Zeiten Dein
    Amadé Rosenkrantz

    Hallo Ihr Experten,


    habt Ihr denn überhaupt noch Freude am spontanen Musikhören,
    ganz unvorbelastet von "oberhalb doppelt punktierte halben Noten"?


    Für mich ist Mozarts letztes Klarinettenkonzert mit das Schönste, was er geschaffen hat. Vor allem der zweite Satz.


    Ich habe diesen in meinem Film "Ich hatte eine Farm in Afrika" sozusagen als Leitmelodie verwendet. Es geht darin um das Leben der KAREN BLIXEN, vor allem um ihre Zeit in Afrika. Natürlich in Anlehnung an den Kino-Klassiker "Out of Africa".


    Es ist schon merkwürdig, wie diese Musik zur emotionalen Identifikationskulisse einer Szenerie werden kann, die in einem gänzlich anderen Erdteil spielt. Bezeichnend ja auch die Szene, in der neugierige Affen den Mozartklängen aus Denys Grammophon lauschen. Spricht das für die überirdische Universalität Mozartscher Musik?


    Herzlichst, Euer Amadé Rosenkrantz

    Hallo Ulli,


    Dank für Deine offensichtlich außerordentlich sachkundige Antwort und die Hörbeispiele. Ich gestehe, in solchen Details nicht mithalten zu können. Bist Du beruflich damit befasst?


    Deine Erklärungen verdeutlichen mir so manches. Mozart soll ja seine Kompositionen schon weitgehend fertig im Kopf gehabt haben. Das Niederschreiben war für ihn dann wohl eine äußerst lästige Pflicht („hingeschmotzt noch vor dem ersten Schiss“). Durchaus möglich, dass er manchmal einfach zu faul war, alle Details aufzuschreiben. Vor allem, wenn er die Klavierkonzerte für seine eigenen Auftritte schrieb. Schließlich war er ein ausgesprochener Genussmensch. Da gab’s wohl so manches, was ihm mindestens eben so wichtig war wie seine Musik.


    Viele Irritationen entstehen eben auch durch jahrzehntelange Hörgewohnheiten. Ich kenne und liebe Mozarts Mittelsätze in seinen Klavierkonzerten seit eh und je in der „schlichten“ Form. Die heute modisch gewordenen, übertriebenen Ausschmückungen irritieren mich und reißen mich aus dem Stimmung.


    Hallo musicophil,
    schön, in Dir einen musikalisch gleichgesinnten Mozartianer gefunden zu haben. „Mozart hören heißt, das Leben lohnt sich“, hab ich mal gelesen.


    Mozärtliche Grüße
    Euer Amadé Rosenkranz

    Hallo,
    ich bin neu hier und möchte mich kurz vorstellen:


    Schon seit meiner Jugend (Gymnasiumszeit) bin ich begeisterter Hörer und (früher) auch musizierender Klassikfan. Dies verdanke ich vor allem meinen hervorragenden Musiklehrern, die es (in den Fünfzigerjahren) verstanden, nicht nur mich, sondern einen Großteil der Klasse an die Klassische Musik heran zu führen und uns wohl fürs Leben dafür zu begeistern.


    Ermutigt von meinem Lehrer, der mir „Musikalität“ bescheinigten, habe ich zwei Instrumente begonnen zu erlernen. Leider nur begonnen, denn wie das so ist, wurden dann andere „Jugendinteressen“ wichtiger und beanspruchten einen Großteil meiner Freizeit.


    Ein „konsumierender“ Klassikfan blieb ich trotzdem. Ich kann sagen,
    Klassische Musik begleitete mein Leben bis heute intensiv und hat mir viele schöne und unvergessene Stunden geschenkt.


    Als Knabe hatte ich wohl eine sehr gute Stimme, denn mein Musiklehrer setzte mich nicht nur mit einer Gruppe anderer Knaben in Haydns Schöpfung ein, um den „Oberstimmen den richtigen Glanz zu verleihen“, ich bekam auch Hauptrollen in Kinderopern. Mit dem Stimmbruch war dann meine „Karriere“ als Sänger vorbei.


    Meine Lieblingskomponisten?
    Nun, nach wie vor, von Anfang an und wohl noch an meinem Grab der Wolferl MOZART. Aber auch Beethoven, Schubert, Schumann, Mendelssohn, Chopin, Brahms. In neuerer Zeit habe ich Debussy, Rachmaninow, Schostakowitsch und Satie entdeckt.


    Natürlich möchte ich mich hier nicht nur vorstellen, ich will auch eine Frage zur Diskussion stellen:


    Unter MOZARTS Werken liebe ich seine 27 Klavierkonzerte mit am meisten. Insbesondere sein letztes in B-Dur, KV 595. Es ist für mich wie ein Abgesang an den letzten Frühling, den er noch erleben durfte. Oder KV 466 mit seinem so schlichten und doch himmlisch schönen 2. Satz. Dieser Satz erklingt übrigens am Ende des Kinoklassikers AMADEUS. Als ich ihn das letzte Mal sah (es war ein kleineres Studio), blieben alle Zuschauer bis zum letzten Ton sitzen, obwohl nichts weiter mehr zu sehen war als der Abspann. Oder der so traurige und doch auch wieder tröstliche 2. Satz aus KV 488.


    Unter anderem diese Sätze aus Mozarts Klavierkonzerten betrifft meine Frage: Ich beobachte in letzter Zeit immer mehr, dass auch etablierte Pianisten diesen Sätzen allerlei „Verzierungen“ und „Schnörkel“ hinzufügen, die so nicht in Mozarts Partituren stehen. Ich bin zutiefst überzeugt, dass Mozart diese Sätze bewusst ganz schlicht gehalten hat. Gerade der letzte Satz von KV 488 beweist ja, dass er’s auch virtuos kann. Mich stört und irritiert das zutiefst weil das m.E. die Grundstimmung dieser Sätze verhunzt und verfälscht. Weshalb ist das jetzt immer häufiger so „verunstaltet“ zu hören? Sind diese Sätze den Künstlern zu wenig virtuos?


    Natürlich kenne ich die Theorie, wonach Mozart seine Stücke z.T. nicht komplett auskomponiert hat, um es den „Raubkopierern“ schwer zu machen. Das scheint mir aber wenig plausibel, da er ja die folgenden Sätze in allen Details nieder geschrieben hat.


    Ich hätte gerne Eure Meinung hierzu gelesen.


    Mozärtliche Grüße,
    Euer Amadé Rosenkranz