Durch das Buch von Jürgen Kesting auf Adelina Patti aufmerksam geworden, entstand bei mir der Wunsch, die Legende zu überprüfen. So kaufte ich mir die bei Symposium Records erschienene CD "Adelina Patti", Vol. 14 aus der Reihe "The Symposium Opera Collection".
Ich erinnere mich, dass in dem damals erhaltenen CD-Paket noch einige weitere CDs enthalten waren. Ich legte die Patti-CD in den Player und lauschte. Das Ergebnis war: Die Stimme Pattis nahm mich so sehr gefangen, dass ich zum Hören der anderen CDs erst einige Tage später kam. Immer wieder hörte ich einzelne Stellen, verglich ich die Art, wie Patti singt, mit der von heutigen Sängerinnen. Der Unterschied war frappierend. Hier bekam ich eine Ahnung davon, was Kesting meint, wenn er von der Technik des Belcanto schreibt. Ich hörte eine jederzeit kontrollierte Stimme, die ihre Kunst in positivem Sinne beherrscht vorträgt. Eine Art des Singens, die Gefühle nicht durch zur Schau gestellte Emotionen, sondern durch vokale Technik (Triller!)erzeugt. Was ich hörte, war eine unangestrenge Feinheit, die mich gefangen nahm.
Die Darbietung der mittlerweile 62-jährigen ist alles andere als makellos. In erster Linie genannt wird immer wieder die deutlich hörbare Kurzatmigkeit. Für eine 62-Jährige ist das Gebotene gleichwohl grandios. Zudem berichtet Kesting, die auf ihr Äußeres bedachte Frau Patti habe während der Aufnahme in einem Korsett gesteckt. Kein Wunder also.
Wer gleich mir Interesse daran hat, durch ein kleines Fenster in eine vergangene Sänger-Zeit zu schauen, sollte sich die CD kaufen. Es lohnt sich.
Gruß, Thomas