Beiträge von Hans Heukenkamp

    Norman Bailey höre ich häufig, da Georg Solti den Holländer und die Meistersinger mit ihm aufgenommen hat. Sein kerniges Timbre und die besondere Bitterkeit des Ausdrucks möchte ich nicht missen. Sie geben den Rollenporträts des Holländers und des Hans Sachs eine eigene und überzeugende Note.


    Bruce Duffie hat 1994 ein langes Interview mit Bailey geführt.

    Lieber Hans, herzlichen Dank für den Hinweis. Mir sind oft die ganz frühen Aufnahmen von Sängern die liebsten. Das gilt auch für Schock. Diese Londoner Arien sind vor einiger Zeit bei Hänssler unter dem Titel "Rudolf Schock - Die schönsten Opernarien" herausgekommen.


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    Inzwischen ist diese CD aber vergriffen. Restexemplare sind nur noch antiquarisch zu finden.

    Lieber Rheingold1876, nun ist es an mir, mich für den Hinweis auf die CD zu bedanken. Vielleicht fällt sie mir beim Stöbern in Antiquariatskatalogen mal in die Hände. Es grüßt Hans

    Premiere auf der Bühne des DT war im März 1986, wahrscheinlich am fünfundzwanzigsten.

    Die Berliner Schauspielschule veröffentlicht die damalige Rezension des Neuen Deutschlands.


    Ich habe die Inszenierung später, wahrscheinlich erst 1987, gesehen.

    Ich möchte Tamino Don Gaiferos zitieren, der Fr. Davidsens Gesang im Tannhäuser treffend beschrieben hat:


    Der diesjährige Tannhäuser ist auf Youtube in einer Aufnahme vom 27. Juli dokumentiert.



    Die Vorstellung vom 5. August - das muß Tannhäuser III gewesen sein - habe ich besucht. Die Inszenierung ist ein Publikumsrenner. Es gab großen Jubel schon bei den ersten beiden Akten, bei denen die Sänger nicht vor die Pausenvorhänge traten, der sicher der Regie und ihren Einfällen gegolten hat. Vor zwei Jahren hatte ich im Tamino-Forum von meinen Eindrücken nach der Kinoübertragung der Premiere berichtet und fand sie weitgehend bestätigt.


    Damals hatte Elena Zhidkova Venus gesungen. In diesem Jahr sang Ekaterina Gubanova. Die Videosequenzen mit Wartburg, Benzinklau und Polizistenmord waren neu gedreht worden, um diese Umbesetzung zu berücksichtigen. Ihre Bayreuther Venus sang sie mit deutlichem Vibrato. Die Stimme glitt oft in Schrille, Keifende ab. Ich schätze Fr. Gubanova sehr und habe bedauert, daß ihre Venus so wenig lockend und richtig giftig klang.

    Lise Davidsens Stimme ist im Saal noch viel beeindruckender als in allen Aufnahmen und Ausschnitten. Während ich mit ihrer Berliner Sieglinde im letzten Herbst nicht warm geworden bin, fand ich ihre Elisabeth hinreißend. Sehr herrisch, manchmal fast finster, dominiert sie den zweiten Akt und gibt ihrer Fürstin einen ganz eigentümlichen Charakter. Erwähnenswert auch, daß der Klamauk, den der Regisseur im zweiten Akt veranstalten läßt, sie kaum berührt. Hier bleibt sie spröde Tragödin. Die dritte Dame ist Katharina Konradi, die mit strahlendem Sopran den Hirten sang.

    Stephen Gould, den ich in Berlin oft in der Titelpartie gehört habe, klang im ersten Akt etwas säuerlich. Das Gefolge des Landgrafen war großartig besetzt! Bis auf Jorge Rodriguez-Norton (Heinrich d. Schreiber) habe ich alle Herren bereits anderswo auf der Bühne erlebt und mich insbesondere auf Olafur Sigurdarsons Reinmar gefreut, den er robust und kernig gab, bis ihn Tannhäuser vom Laufsteg schubst, und er sich für den Rest des Akts das lädierte Bein halten muß.

    Günther Groissböcks Landgraf solide, aber sorgenvoll. Markus Eiche sang den Wolfram souverän und verständlich, den Abendstern nicht ohne Bitterkeit. Mir hat das gefallen. Axel Kobers Dirigat wurde sehr gut aufgenommen.


    Der Bundespräsident wird die Vorstellung am nächsten Montag besuchen: "Ein besonderes Zeichen der Wertschätzung"

    Lieber Hans,

    Vielen Dank das du diesen Thread eröffnet hast Ich habe Marlies Petersen viele wunderbare Aufführungen an der Rheinoper zu verdanken. Ich hab sie dort als Norina, Sophie im Rosenkavalier, Susanna u.a. erlebt

    Einen kleinen Schnipsel von ihrer Susanna in New York habe ich gefunden.


    Ach!

    Die Ballade der Senta widersprach ihrer Gesamthaltung, in der ich keine Liebe und auch kein Mitleid zu dem „armen Mann“ entdecken konnte.

    Lieber Gerhard, das habe ich auch so gesehen. Da treffen zwei liebelose Egomanen aufeinander, jeder im anderen ein Werkzeug zur Umsetzung der eigenen Pläne sehend. Das hat der Regisseur sicher so gewollt. Es grüßt Hans

    Wenn man etwas wagen will, kann man vielleicht sogar fragen, ob es der Inszenierung ab diesem Zeitpunkt wirklich noch um die Erlösung des Holländers, oder vielleicht mehr um die Erlösung Frau Marys geht. Welche Rolle spielt diese Frau? Ist sie mit Daland verheiratet? War sie dies schon, als er eine Affäre mit der Mutter des H. hatte? Ist sie vielleicht sogar Sentas Mutter? - Immerhin ist sie es, die H. am Ende erchießt und damit nicht nur den Holländer, sondern vielleicht auch sich selbst erlöst?! Und konsequenterweise ist Senta im Schlussbild nicht etwa entsetzt über die Tat am Holländer, sondern wendet sich der Täterin Mary zu und fängt diese auf.


    Wie schon weiter oben gesagt, alles sehr konsequent und auch sehr gut inszeniert - aber eigentlich eine vollkommen eigene Story.

    Die Rolle einer Amme hat Wagner immer interessiert. Frau Mary ist ja nicht die einzige, Magdalene und Mime wären zu nennen. So, wie ich es am letzten Sonntag gesehen habe, sind Mary und Daland ein Paar. Herr Holländer hatte bei einer seiner letzten Landungen - vielleicht just vor sieben Jahren - etwas mit Mary. Das ist ungeklärt, aber es muß einen Grund haben, daß sein Konterfei sich in Marys Handtasche befindet. Sie hat auf jeden Fall eine Rechnung offen mit Herrn Holländer.

    Eine Frage, die ich mir auch gestellt habe! - Was ginge verloren, wenn man die Traumatisierung des Herrn H. als Kind, i.e. Daland und "das Dorf" treiben dessen Mutter offenbar in den Selbstmord, nicht als Erklärung oder besser noch als Begründung dafür hätte, dass er in das Dorf zurückkehrt? Zwar würde dadurch der "Hinrichtung" einiger Dorfbewohner durch H. die Motivation fehlen, aber vielleicht ist auch diese "Hinrichtung" eigentlich verzichtbar. Alles andere würde sich weiterhin aus sich selbst heraus, d.h. aus dem Libretto zusammen mit der Inszenierung ergeben. Allerdings wäre zusätzlich wieder der Moment des Zufalls gegeben, d.h. der Holländer taucht letztlich, wie bei Wagner auch, zufällig auf und nicht, wie bei Tcherniakov, absichtlich bzw. aufgrund seiner Vorgeschichte. - Dieses Ersetzen des Zufalls durch die Zwangsläufigkeit bei der Einführung der Holländer-Figur empfinde ich vielleicht als die größte Schwäche der Inszenierung.


    Wenn ich Deine Bemerkung richtig lese, sehe ich das ganz ähnlich. Die Motivation der Handlung durch das Vorspiel ist nicht geglückt und auch nicht notwendig. Mich hat es an die Rückblenden im Leone-Western "Spiel mir das Lied vom Tod" erinnert, die Mundharmonikas Rache erklären.

    Allerdings ist Tschernjakows Vorgehen durchaus Wagner-haft: Alles Bühnengeschehen bedarf ausführlichster Begründung, die die Protagonisten auch liefern, monologisch wie Gurnemanz, oder im Dialog, wie Mime und der Wanderer bei der Wissenswette.


    Die Zwangsläufigkeit sehe ich eher auf Sentas Seite. Im großen Holländer-Monolog im ersten Akt ist die Erlösungsperspektive noch ganz undeutlich, eher schon äußerst pessimistisch negiert. Erst Senta verleiht ihr Gestalt im zweiten.

    Manche Regisseure haben den H. überhaupt als Sentas Kopfgeburt bzw. Wunschvorstellung gefaßt. Ich denke da an Kupfer-Inszenierung in Bayreuth oder an die Homoki-Inszenierung in Zürich, bei der zum Schluß der Holländer einfach verschwunden ist.

    Kann es sein, dass der Regisseur es versäumt hat, das Libretto zu lesen?

    Für mich beantworte ich die Frage mit einem klaren Nein. T. hat bestimmt genau gelesen, und er hat sich dafür entschieden, die Gewaltverhältnisse in dieser liebelosen Geschichte zu sezieren. Ob das Vorspiel während der Ouvertüre dazu nötig ist, mag man bezweifeln. Es ist aber nicht der erste Bayreuther Holländer, der Handlung während der Ouvertüre hat. In der Kupfer-Inszenierung fällt dabei das Bild des Holländers von der Wand, und Senta steigt die Treppe empor.

    Tschernjakow unterschätzt vielleicht das Publikum ein wenig und liefert zu viel Erklärung, inszeniert also das Programmheft - deshalb das Vorspiel.

    Sein analytisch-kalter Ansatz sagt mir aber immer zu. Senta und Holländer wird ebensowenig Sympathie des Regisseurs zuteil, wie Tristan und Isolde in seiner Berliner Inszenierung. Dafür verzichte ich auch auf Segel und Taue, Hummerkörbe und Fischbrötchen.