Beiträge von AcomA02

    Hallo,


    Sonate für Klavier und Violine (Violinsonate) Nr.6 A-Dur Op.30 Nr.1


    Beethoven komponierte die Sonaten-Trias Op.30 1802, veröffentlichte sie 1803 und widmete sie Zar Alexander I.. Ähnlich wie in den Op.31 wird eine Moll-Sonate von zwei Dur-Werken umrahmt. Ich persönlich mag diese Sonaten sehr. Diese erste, Op.30 Nr.1, überzeugt mich in allen 3 Sätzen gleichermaßen. Am meisten nimmt mich jedesmal das Finale, ein toller Variationssatz, gefangen. Ich empfinde diese wie auch die anderen Op.30 als sehr konzertante Werke.


    Mir standen 5 Aufnahmen auf CD zur Verfügung, Oistrach/Oborin, Stern/Istomin, Kavakos/Pace und Schmid/Perl. Nach 3 Hörrunden konnte ich mich für 2 Lieblingsaufnahmen entscheiden, wobei alle Darstellungen den Werken absolut gerecht werden.


    Benjamin Schmid, v

    Alfredo Perl, p


    (Oehms, DDD, 2003)


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    Für mich sind das Duo Benjamin Schmid und Alfredo Perl ideale Interpreten. Benjamin Schmid hat einen vollen Geigenton mit sparsamen Vibrato-Einsatz. Alfredo Perl bringt hier seine ganze Erfahrung aus den Klaviersonaten ins Spiel. Schade, dass die beiden nicht alle Violinsonaten aufnahmen. Wieso, weiß ich nicht.


    Isaac Stern, v

    Eugene Istomin, p


    (CBS/Sony, DDD, 1983)


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    Wiedermal überzeugt mich Isaac Stern mit seiner Art des feinen Formulierens und konzertanter Virtuosität in den Steigerungen. Istomin ist ein kongenialer Pianist, der auch solistisch rege tätig war. Aufnahmetechnisch ist es exzellent. Ich habe wegen des Pianisten diese Aufnahme Kavakos/Pace vorgezogen, da Enrico Pace hier IMO zu trocken spielt, d.h. kaum bis gar kein Pedalgebrauch.


    LG Siamak

    Hallo,


    Sonate für Klavier und Violine (Violinsonate) Nr.5 F-Dur Op.24 ‚Frühlingssonate‘


    Diese Sonate ist quasi ein Gegenentwurf zur Op.23. Beethoven komponierte sie etwa zeitgleich zur eben erwähnten und widmete sie ebenfalls dem Bankier und Freund Moritz von Fries. Die beiden Ecksätze haben eine erwachende und stimmungserhellende Stimmung mit lyrischer Erhabenheit. Auch hier findet man immer wieder kontrapunktische Verdichtungen. Das Trio des Scherzos ist so witzig-virtuos und kurz. Ich kenne kaum ein anderes Werk Beethovens, welches so in zarten Figurationen quasi chopinesk formuliert wie im 2. Satz dieser Sonate. Ich persönlich bevorzuge bei dieser Sonate ein eher kammermusikalisch verhaltenes Darstellen.


    Erstmalig hörte ich diese Sonate auf MC mit Menuhin/Kempff und habe diese Aufnahme als äußerst musikalisch und erhaben in Erinnerung. Nun konnte ich auf meine 3 GA, einen Live-Mitschnitt mit Kogan/Gilels und eine Studio-Aufnahme mit Szeryng/Rubinstein auf CD zurückgreifen. Nach etwa 4 Hörrunden musste ich mich auf 2 Lieblingsaufnahmen beschränken.


    David Oistrach, v

    Lev Oborin, p


    (Philips, ADD, 1962)



    Diese beim ersten Hören eher ‚trocken‘ klingende Aufnahme nahm mich zunehmend gefangen. Zum Einen ist dieses gespann extrem gut aufeinander abgestimmt und zum Anderen überzeugt mich die unvirtuos-zarte Formulierung. Oistrachs Intonation ist wie immer lupenrein und die Artikulationen setzen sehr präzise die Vorgaben um. Trotzdem atmet die Musik ganz natürlich.


    Henryk Szeryng, v

    Artur Rubinstein, p


    (RCA, ADD, 1962)


    HENRYK SZERYNG Beethoven:Violinsonaten 5,8,9


    Hier erlebt man eine ‚konzertante‘ virtuose Darstellung. Die tempi sind etwas zügiger gehalten. Dies dürfte die erste Platte mit diesem Duo sein, nachdem Rubinstein seinen Landsmann Szeryng in Mexico entdeckte. Ein absolutes Hörerlebnis ist die sonore und freie Darbietung Rubinsteins. Selbstverständlich hätte man auch Stern/Istomin oder die aufnahmetechnisch übersteuerte Live-Darbietung von Kogan/Gilels wählen können.


    LG Siamak

    Hallo,


    Sonate für Klavier und Violine (Violinsonate) Nr.4 a-moll Op.23


    Es handelt sich hier um eine hochdramatische und emotionale Komposition mit virtuosem Anspruch beider Instrumente. Es gibt wohl Hinweise, dass Beethoven diese Sonate zusammen mit der fast zeitgleich (1800/1801) geschriebenen Violinsonate Nr.5 F-Dur (‚Frühlingssonate‘) als Op.23 Nr.1 und 2 veröffentlichen lassen wollte. Warum sie dann als Op.23 und Op.24 veröffentlicht wurden, weiß ich nicht. Beide Sonaten widmete Beethoven dem Mäzen und Kunstfreund Moritz von Fries (Bankier).

    Die beiden ‚überhitzten‘ Ecksätze werden durch ein beruhigendes Andante scherzoso verbunden. Innerhalb des Mittelsatzes erscheint ein auflockernder Kanon.


    Erstmalig hörte ich diese Sonate auf MC mit Oleg Kagan und Sviatoslav Richter (EMI) und habe diese Aufnahme sehr gut in Erinnerung. Nun standen mir 4 Aufnahmen auf CD zur Verfügung: Oistrach/Oborin, Stern/Istomin, Kavakos/Pace und Sepec/Staier. nach 3 Hörrunden konnte ich 2 Lieblingsaufnahmen benennen:


    Leonidas Kavakos, v

    Enrico Pace, p


    (DECCA, DDD, 2013)


    Die Kompletten Violinsonaten


    Beide Musiker spielen virtuos und doch klassisch gezügelt. Pace benutzt das Pedal dezent und Kavakos spielt mit präziser Intonation und sehr variierendem Strich. Man könnte sogar behaupten, dass beide Musiker auf ‚modernen‘ Instrumenten HIP-Elemente einfließen lassen.


    Isaac Stern, v

    Eugene Istomin, p


    (CBS/Sony, DDD, 1983)


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    Hier präsentieren bestens aufeinander abgestimmte HIP-Solisten diese emotionale Sonate mit viel Dynamik und leicht romantischem Ansatz. Isaac Stern und Eugene Istomin zeigen in jeder Hinsicht ein perfektes Musizieren im Konzertanten Stil.


    LG Siamak

    Liebe Mozart-Freunde,


    eine IMO vorzügliche Aufnahme ist die mit dem Salomon Quartet und Simon Whistler an der 2. Bratsche. Die Musiker spielen auf Instrumenten mit HIP-Besaitung und Stimmung. Simon Standage dürfte ja bekannt sein ! Gerade in diesen kontrapunktisch-verdichteten Kompositionen ist es IMO wichtig, dass alle Stimmen gleichberechtigt zu hören sind. Und keine Sorge, HIP bedeutet hier nicht Effekthascherei, es sind sehr lyrisch-sanghafte Interpretationen. Dargeboten werden die vier 'originären' Streichquintette KV 515, 516, 593 und 614.


    Simon Standage, v

    Micaela Comberti, v

    Trevor Jones, viola

    Jennifer Ward Clarke, v'cello

    Simon Whistler, viola


    (Hyperion, DDD, 1990)


    Mozart: String Quintets by Salomon Quartet, Simon Whistler (2000) Audio CD

    LG Siamak

    Hallo,


    1. Hinrich Alpers, ich werde mir auf jeden Fall seine Einspielung der Liszt-Transkriptionen der Beethoven-Sinfonien besorgen.


    2. Peter Rösel, ich habe ihn noch nicht gehört und überlege mir, ob ich seine GA der Beethoven-Sonaten besorgen soll.


    3. Martin Helmchen, vielleicht besorge ich mir irgendwann, wenn es vollendet ist, die GA der Beethoven Violinsonaten zusammen mit Frank-Peter Zimmermann.


    4. Wilhelm Kempff, für seine bedeutung habe ich vielleicht zu wenig Aufnahmen mit ihm, z.B. keine Beethoven-Sonaten.


    LG Siamak

    Hallo,


    Sonate für Klavier und Violine (Violinsonate) Nr.3 Es-Dur Op.12 Nr.3


    Diese dritte Sonate aus dem Salieri gewidmetem Dreierpack steht in Es-Dur, einer von Beethoven häufig angewandten (alleine 4 der Klaviersonaten, die Eroica und das Emperor Concerto). Schon sehr ausladend und expressiv ist der Mittelsatz.

    Für mich ist ein Highlight dieses Werkes das Rondo-Finale. Das Hauptthema ist in der Art eines Kontratanzes, äußerst brilliant und beweglich. Faszinierend finde ich vor dem Ende im Sinne einer Kadenz eine Art Fugato mit Veränderung des Themas als kompositorische Verdichtung und Höhepunkt. Hier ziehe ich rückhaltlose Brillianz vor.


    Hier standen mir neben den 3 Gesamtaufnahmen mit Oistrach, Stern und Kavakos noch Live-Mitschnitte mit den Duos Zukerman/Barenboim und Kogan/Gilels sowie als HIP-Variante Mullova/Bezuidenhout zur Verfügung (alle auf CD). Nach gut drei Hörrunden knnte ich mich für 3 Lieblingsaufnahmen entscheiden.


    Leonidas Kavakos, v

    Enrico Pace, p


    (DECCA, DDD, 2012)


    Die Kompletten Violinsonaten


    Leonidas Kavakos spielt mit einer sehr präzisen Intonation und beherrscht eine sehr breite Palette an Stricharten, benutzt kaum Vibrato. Enrico Pace ist ein mehrjähriger Duo-Partner Kavakos’ als auch Frank-Peter Zimmermanns. Er ist ein bravuröser Liszt-Interpret aber überzeugt auch als Kammermusiker. Kennzeichen ist bei ihm auch ein sparsamer Einsatz des Pedals. Überhaupt kann ich diese GA sehr empfehlen.


    Leonid Kogan, v

    Emil Gilels, p


    (Doremi, ADD, live, 1964)


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    Hier haben wir IMO ein eindrucksvolles Dokument einer hochkonzertanten Live-Darstellung dieses Werkes. Die beiden Schwager spielen hier in 'Leningrad' mit vollem Einsatz der technischen und virtuosen Mittel und verfolgen einen fast romantischen Ansatz. Es ist wohl die einzige Aufnahme eines Duo-Spiels der Beiden.


    Viktoria Mullova, v

    Kristian Bezuidenhout, fp


    (Onyx, DDD, 2009)



    Viktoria Mullova und Kristian Bezuidenhout überzeugen hier mit einem HIP-Ansatz und verstehen sich blindlings. Hier wird mit einer reichen Phrasierungspalette Beethovens Sturm- und Drang auf historischen Instrumenten vollbracht.


    LG Siamak

    Hallo


    Sonate für Klavier und Violine (Violinsonate) Nr.2 A-Dur Op.12 Nr.2


    Der Kopfsatz erinnert mit seinem Hauptthema, den tropfenartig in Sekundbewegungen herabsteigenden Tönen etwas an die Klaviersonaten Nr.2 A-Dur Op.2 Nr.2 und Nr.6 F-Dur Op.10 Nr.2. Interessanterweise sind dies ebenfalls die mittleren Sonaten einer Trias !


    Im Gegensatz zu den ‚äußeren‘ Sonaten der Trias finde ich hier eine leichtere Artikulation und einen sparsamen Pedalgebrauch vorteilhaft. Wiederum konnte ich auf meine drei Gesamtaufnahmen mit Oistrach/Oborin, Stern/Istomin und Kavakos/Pace zurückgreifen und zusätzlich einen Live-Mitschnitt mit Zukerman/Barenboim aus der Schweiz.


    Nach gut drei Hörrunden habe ich mich für das Duo Oistrach/Oborin entschieden.


    David Oistrach, v

    Lev Oborin, p


    (Philips, ADD, 1962)



    David Oistrach nahmen die Violinsonaten 1962 in Paris auf. Die Aufnahmetechnik ist ohne jeglichen Hall und die beiden Instrumente sind räumlich gut differenziert. Oistrach spielt mit blitzsauberer Intonation und leichterem Strich. Seine Sforzati und Staccati sind gut hörbar und doch fein gesetzt. Oborin spielt so gut wie ohne Pedaleinsatz. Genau dieser Ansatz kommt der 2. Sonate sehr entgegen. Lev Oborin war der über Jahrzehnte enge Kammermusikpartner David Oistrachs. Übrigens war Oborin der erste gewinner des Warschauer Chopin-Wettbewerbs (1927), ihm widmete Khatchaturian sein Klavierkonzert. Oborin war der Lehrer Ashkenazys und Rösels.


    LG Siamak

    Hallo,


    Sonate für Klavier und Violine (Violinsonate) Nr.1 D-Dur Op.12 Nr.1


    Beethoven schrieb die Sonaten-Trias Op.12 für Klavier und Violine 1797/98 und widmete sie Antonio Salieri. Im Gegensatz zu Mozart entwickelt hier die Geige eine absolut gleichberechtigte Entfaltung in der Bearbeitung des Materials und im Dialog. Die Präsentation dieser ersten Violinsonaten Beethovens ‚schockierte‘ das Publikum wohl ob der Kühnheiten in Dynamik, Phrasierung und Themenverarbeitung.


    Schon die erste Sonate beginnt wie ein ‚tusch‘ orchestralen Ausmasses. Wunderbar der Variationssatz in der Mitte und dann energetisch das Rondo.


    Die Sonaten Op.12 Nr.1-2 werden in der Regel im Rahmen einer Gesamteinspielung präsentiert. Ich konnte auf 3 GA auf CD zurückgreifen: Oistrach/Oborin, Stern/Istomin und Kavakos/Pace, allesamt exzellent. Nach einigen Hörrunden musste ich mich für eine Lieblingsaufnahme entscheiden:


    Isaac Stern, v

    Eugene Istomin, p


    (CBS/Sony, DDD, 1986)


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    Schon der ‚Tusch‘ kommt klanglich überragend. Istomin war ein Meisterpianist, welcher sich auf die Duo-Arbeit mit Stern fokussierte, nachdem Sterns Begleiter Alexander Zakin verstarb. Isaac Stern hatte einen sehr modulationsfähigen goldenen Ton und phrasierte, als rede er zu uns in feinen Schattierungen. Das Zusammenspiel beider ist blindlings. Die Akustik ist vom Feinsten.


    LG Siamak

    Lieber JLang,


    ich hatte vor einigen Monaten einen Hör/Interpretationsvergleich der Etudes d’execution transcendantes von Liszt vorgenommen: Trifonov, Arrau, Perl, Katz und Berman. Die Mischung aus Poesie, Klangempfinden und Virtuosität kommt bei Trifonov IMO am beeindruckendsten heraus. Und dabei sind die anderen absolut top !


    LG Siamak

    Hallo,


    6 Bagatellen Op.126


    Beethoven komponierte diese 6 Stücke zwischen 1823 und 1824 und damit schon unterscheiden sie sich von den Bagatellen Op.33 und 119, nämlich dass sie nicht im Nachhinein zusammengelegt und veröffentlicht wurden. Die Bagatellen Op.126 sind Beethovens letztes Klavierwerk und sind nach der 9. Symphonie und der Missa solemnis entstanden. Sie sind als echter Zyklus angelegt. Die Tonarten der 6 Stücke ordnen sich in Großterzenfolge an. Ruhig-inniger Grundcharakter wechselt mit lebhaftem Charakter in den Stücken 1-5 ab, die letzte Bagatelle vereint beide Grundarten. Beethoven selbst bezeichnete die Bagatellen Op.126 als die besten ihrer Art, welche er schrieb.


    Mir standen 7 Aufnahmen auf CD zur verfügung, dabei 2x mit Andras Schiff auf einem Hammerflügel (Broadwood versus Brodmann). Nach gut 6 Hörrunden musste ich mich für 3 Aufnahmen entscheiden.


    Glenn Gould, p


    (CBS/Sony, ADD, 1974)



    Diesen echten Spätwerken auf kleinstem kompositorischen Raum kommt die Art des Zerfaserns und die radikale Artikulationsart IMO sehr entgegen. Auch Afanassiev spielt in diese Richtung, aber Gould spielt mit sehr wenig Pedal und hier kommen die kontrapunktischen Bewegungen besser heraus.


    Alfred Brendel, p


    (Philips, DDD, 1996)



    Alfred Brendel trifft den späten Beethoven wunderbar. Es gibt spitze als auch elegante Formulierungen. Das Erhabene kommt bei Brendel am besten heraus. Leider ‚hackt‘ der eigentlich sensitive Kempff im Live-Mitschnitt aus Salzburg durch die Stücke und langt häufig daneben.


    Herbert Schuch, p


    (CAvi, DDD, 2017)



    Herbert Schuch spielt in der Grundaussage ähnlich Alfred Brendel. Der natürliche Fluss kommt wunderbar heraus. Er spielt aus einer jugendlicheren Perspektive.


    Damit wären die Solo-Klavierwerke für ich abgeschlossen. Nun kann ich mich der Kammermusik zu wenden.



    LG Siamak

    Lieber Axel,


    ich danke Dir sehr für Deinen Beitrag. Von diesem japanischen Pianisten hatte ich noch nichts gehört, sehr interessant. Ja, die Pletnev-Doppel-CD, ein Hammer. Jetzt kommt sie bei mir auch aufs Treppchen :).


    11 Bagatellen Op.119


    Dieser erst im Nachhinein zusammengestellte Zyklus von kleinstformatigen Stücken wurde 1823 und 1824 bei insgesamt 3 verschiedenen Verlegern veröffentlicht. Bei etlichen Stücken dieser Sammlung wurde Material auf originalen Skizzen Beethovens gefunden, welche sich über einen Zeitraum von gut 25 Jahren erstrecken. Ich finde, dass dieser Zyklus in seiner Art sehr innovativ wirkt und als ein Vorreiter von zum Beispiel den Preludes von Chopin oder Scriabin oder den Intermezzi und Capriccios von Brahms oder den Kinderszenen u.a. von Schumann gelten kann.

    Stilistisch gibt es z.B. bei der Nr. 6 und 7 gewisse Bezüge zu den Fantasien und Rondos von C.P.E. Bach,mit kühnen Modulationen, Sechzehntel-Läufen und Zäsuren. Für mich stellen die Nr. 6 und 7 gewissermaßen die Achse des Zyklus dar. Der lange Triller der linken Hand in der Coda von Nr.7 mit den 16tel-Triolen der rechten Hand wirkt wie eine Ekstase und entspräche Beethovens Spätstil (siehe Op.109 und Op.110). Genial sind die ultra-Miniaturen Nr. 9 und 10 und als Finale die sehr innige Nr.11. Max Reger hat das Thema der Nr.11 für ein Variationswerk für 2 Klaviere aufgearbeitet.


    Mir standen 5 Aufnahmen auf CD zur Verfügung: Andras Schiff, Alfred Brendel (hat als einziger alle 3 Bagatell-Zyklen eingespielt), Mikhail Pletnev, Valery Afanassiev und Herbert Schuch. Alle diese Darstellungen finde ich äußerst gelungen. nach gut 5 Hörrunden musste ich mich für drei Aufnahmen entscheiden.


    Andras Schiff, fp


    (Hungaroton, ADD, 1976)


    Beethovens Broadwood Klavier im Ungarischen Nationalmuseum


    Andras Schiff antwortete in einem Interview, dass sein erster Kontakt mit einem Pianoforte bzw. Hammerflügel in der hier genannten Aufnahme dokumentiert wurde. Es wurde ihm damals von Hungaroton angeboten, auf dem restaurierten originalen Hammerflügel von Thomas Broadwood zu spielen, welcher dieser Beethoven als Geschenk 1817 zukommen lies. Seit geraumer Zeit befindet sich dieser im Ungarischen Nationalmuseum Budapest. Schiff war nicht glücklich mit diesem Experiment. Er spielte u.a. die Bagatellen op.119 und Op.126 auf dieser Aufnahme ein und erzählt, dass der Flügel in einem sehr schlechten Zustand war und er nicht wirklich gut darauf spielen konnte. IMO kommt der Charakter der Stücke hervorragend heraus und mir gefällt der sehr sonore leicht verstimmte aber obertonreiche Klang.

    Lustig: Ich habe diese CD in der HMV-Filiale in Toronto in der Nähe vom Eaton Center gekauft. Der sehr informierte und nette Angestellte in der Klassik- und Jazz-Abteilung kam ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass seine Eltern damals aus Ingolstadt nach Toronto auswanderten. Dann zeigte er auf eine CD von Einaudi, 'ein Audi' :).


    Mikhail Pletnev, p


    (DG, DDD, 1997)



    Obgleich Pletnev möglicherweise eigenmächtig bestimmte Entscheidungen in der Artikulation trifft (z.B. gleich in der Nr.1 im A-Teil fortwährend staccato spielt), ist seine Darstellung exceptionell. Diese Miniaturen mit Fantasie-Charakter kommen seinen Fähigkeiten absolut entgegen. Seine Anschlagsrafinesse und Phrasierung auf kleinstem Raum mit wenig Pedalgebrauch machen diese Stücke zu pianistischen Delikatessen. Ich verweise in diesem Zusammenhang auch auf Pletnevs berühmte C.P.E. Bach-Platte !


    Herbert Schuch, p


    (CAvi, DDD, 2017)



    Herbert Schuch ist ein Pianist, mit welchem ich mich erst seit kurzem näher beschäftige. Beim Vergleichshören habe ich als Playlist die 11 Bagatellen Op.119 chronologisch hintereinander sortiert. Auf seiner CD kombiniert Schuch diese bagatellen mit György Ligetis Musica ricercata, ebenfalls ein Zyklus von 11 kleinstformatigen Klavierstücken ! Er spielt jeweils erst Ligeti und dann Beethoven chronologisch Nr. nach Nr.. Dadurch ergibt sich eine neue Betrachtungsperspektive auf die Bagatellen. Man nimmt sie eher einzeln war und es ergibt sich gar nicht mal so eine Reibung mit Ligeti, sehr interessant. Schuch spielt irgendwie zwischen Brendel und Afanassiev. Die Artikulationsangaben werden sehr genau genommen.


    LG Siamak

    Hallo,


    7 Bagatellen Op.33


    Beethoven ist primär im Bewusstsein der Klavierfreunde durch seine großen Kompositionsformen: Sonaten und Variationswerke. Ich persönlich, ich gebe es zu, habe mich ausführlich mit den sog. Bagatellen erst im ‚Beethoven‘-Jahr ausführlicher beschäftigt, obgleich ich sie sporadisch in mehreren Einspielungen hörte.

    Die 7 Bagatellen Op.33 wurden 1803 veröffentlicht, Beethoven schrieb diese Kleinstwerke zwischen 1801 und 1802. Es handelt sich um kleine Formen, teilweise in ABA/Liedform. Durchaus mit virtuosem Anspruch sind IMO die Nr.5 mit reichlich Arpeggien und Sechzehntel-Triolen-Läufen beidhändig und die Nr.7, einem ‚spitzen‘ Presto. Man kommt zum Ergebnis, dass diese Miniaturwerke ebenfalls große kompositorische Meisterschaft widerspiegeln.

    Ich konnte hier auf drei Einspielungen (CD) zurückgreifen. Nach 4 Hörrunden musste ich mich für eine Einspielung als Lieblingsaufnahme entscheiden. Hier fand ich die ‚nachdenkliche‘ und etwas ‚zerfaserte‘ Interpretation Glenn Goulds nicht so passend für diese eher quirlig-duftigen Werke. Mikhail Pletnev überzeugt mit seiner immensen Anschlagskunst. Dennoch habe ich mich für eine andere Einspielung entschieden.


    Alfred Brendel, p


    (Philips, DDD, 1996)



    Alfred Brendel schafft es, alle Artikulations- und Dynamikvorschriften umzusetzen und hier mit rundem Klavierton und übersichtlicher Stimmführung die Charakterstücke herauszuarbeiten. Es klingt sehr ‚natürlich‘ und nicht manieriert. Brendel spielt IMO stets sowohl klanglich als auch anschlagstechnisch herausragend. Seine Darstellungen erklären die Struktur der Komposition aufs beste. Trotzdem schneidet er bei Interpretationsvergleichen bei mir häufig so ab, dass er nicht aufs ‚Treppchen‘ kommt. Vielleicht, weil er nicht spektakulär spielt.


    LG Siamak

    Hallo,


    33 Veränderungen über einen Walzer von A. Diabelli C-Dur Op.120


    Die sog. ‚Diabelli‘-Variationen stellen Beethovens letztes großformatiges Klavierwerk dar. Die Vorgeschichte zur Entstehung dieses Werkes ist ja hinlänglich bekannt. Ich verweise auch auf den Haupt-Thread in diesem Forum. Das Werk gilt im Allgemeinen ‚sperrig‘ und ein kompositorisches Fazit Beethovens. In diesem Werk kommt u.a. auch die Bewunderung Beethovens für J.S. Bach und W.A. Mozart zum Ausdruck.

    Das Werk auswendig im Kopf als Hörer zu haben, ist nicht einfach. Es gibt für mich Variationen, die wie Fix-Sterne oder navigationshilfen wirken: Var. 10, 13, 15, 16-17, 20, 22 (Mozart-Zitat), 24 (Fughetta), 28 und 30 (Fugato).

    Die Diabelli-Variationen gelten mit Bachs Goldberg-Variationen und Rzewskis Variationen über ‚People united never will be defeated‘ als reichste Variationswerke für Klavier (und überhaupt). Interessant in diesem Zusammenhang: Es gibt wenige Pianisten, welche regelmäßig im Repertoire sowohl die Goldberg- als auch Diabelli-Variationen halten und präsentieren., z.B. Andras Schiff, Andreas Staier und Igor Levit.


    Wie ich relativ zu Beginn dieses Threads aufführte, erlebte ich vor wenigen Jahren live Andras Schiff in Salzburg, wo er an einem Abend beide Werke aufführte. Daher hatte ich ihn mit seinen Studio-Aufnahmen schon nominiert. Ich bleibe dabei und bevorzuge seine Aufnahme mit dem originalen Brodmann-Hammerflügel (etwa 1820) (ECM). Er spielte im Kammermusiksaal des Beethoven-Hauses Bonn. Andras Schiff gibt sehr profunde Ausführungen im Booklet. Man hört mit dem Hammerflügel die Bassführungen viel deutlicher als melodisches Element. Die Energie des Anschlages beim Fortissimo hört man als intensiven Mechanismus. Schiff hat dann das Werk ebenfalls 2012 auf einem Bechstein-Flügel des Jahrgangs 1921 aufgenommen.


    Unabhängig davon lernte ich das Werk während der Schulzeit mit Rudolf Serkin und Daniel Barenboim jeweils auf MC kennen. Nun standen mir auf CD 16 Aufnahmen zur Verfügung. Jeweils 2 Aufnahmen habe ich mit Stephen Kovacevich und Andras Schiff. Nach gut 3 Hörrunden gab es dann eine engere Auswahl von 4 Einspielungen: Andras Schiff (fp), Andreas Staier (fp), Sviatoslav Richter (live, 1988) und Stephen Kovacevich (2008).


    Ich habe dan weitere gut 4 Hörrunden absolvieren müssen, um mich für Richter oder Kovacevich zu entscheiden. Nach Schiff war mir schon klar, dass ich Andreas Staier nominieren würde.


    Andreas Staier, fp


    (HM, DDD, 2010)



    Staier ist immer für Außergewöhnliches und Überraschendes gut. In seinem Harmonia Mundi Projekt beginnt er mit einer Auswahl der 50 ‚anderen‘ Variationen für A. Diabelli. Hernach folgt eine quasi-improvisatorische Überleitungs-Komposition Staiers zum Beethoven-Werk in der Manier Beethovens. schon diese Überleitung ist IMO ein Hammer. Hiermit setzt Staier schon seine Vorgaben für die eigentlichen Variationen. Er spielt im Vergleich zu Schiff (ebenfalls Fortepiano) aggressiver in den schnellen variationen. Während in der 22. Variation beide den sog. Fagott-Zug/Pedal verwenden, überrascht Andreas Staier in der 23. variation mit dem Janitscharen-Zug/Pedal, übrigens wirklich sehr passend ! Beide, Andras Schiff und Andreas Staier studierten das Original-Autograph.


    Stephen Kovacevich, p


    (Onyx, DDD, 2008)



    Kovacevich überraschte die Musikwelt 1968 als sehr junger Pianist mit einer exzellenten Einspielung der Diabelli-Variationen für Philips. 2008 spielte er sie nochmals ein. Jetzt gesellen sich ein ausgereifteres Klangempfinden in den ruhigen Variationen und eine munterere Attacke in den schnellen Stücken hinzu. Eine beeindruckende Spätsicht mit der Virtuosität eines ‚Jung-Pianisten‘. Ich hätte genauso den Live-Mitschnitt des famosen Richter nehmen können.


    LG Siamak

    Lieber Rolo,


    herzlichen Dank für die fortführende Berichterstattung.


    LG Siamak

    Lieber Freunde, ich teile eure Trauer, doch weiß ich nicht, wer Elisabeth Freitag eigentlich ist. War sie Mitglied der Gottlob-Frick-Gesellschaft? Offenbar kanntest ihr sie gut von den regelmäßigen Treffen? Vielleicht will das jemand verdeutlichen, damit auch ich verstehen, warum ihr so bewegt seid. Danke.

    Liebe Taminos,


    es würde mich auch interessieren, mehr über Elisabeth Freitag zu erfahren. Es wird eine wundervolle Persönlichkeit gewesen sein.

    R.I.P.


    LG Siamak