Beiträge von AcomA02

    Hallo


    Klaviersonate Nr.24 Fis-Dur Op.78 'Thérese'


    Dies ist ebenfalls eine Sonate, welche ich sehr mag. Die beiden Sätze kontrastieren stark. Die ersten Takte mit einer sanften Deklamation werden von den Pianisten diskret unterschiedlich betont. Während der erste Satz eher eine lyrische Grundstimmung präsentiert, ist der zweite Satz 'Allegro vivace' geradezu euphorisch und pianistisch ein 'Leckerbissen'. Zwischen der 'Appassionata' und dieser nächsten Sonate liegen 5 Jahre in Beethovens Schaffen. Diese Sonate wird in die 'frühe' Spätphase des Komponisten eingeordnet.

    Mir standen 8 Aufnahmen auf CD zur Verfügung. Ich benötigte etwa 4 Durchgänge, um drei Aufnahmen herauszustellen. Nicht in der Dreiergruppe sind z.B. Pogorelich, welcher teilweise IMO dann doch etwas maniriert aufspielt. Trotzdem mag ich diese Aufnahme, bin halt ein 'Pogo-Fan'. Alfredo Perl spielt herrlich in beiden Sätzen. Aber nun zu den Dreien:


    Andras Schiff, p

    (ECM, DDD, live, 2006)



    Andras Schiff gefällt mir außerordentlich, da er die polyphonen Komponenten herausarbeitet und der emotionale Gehalt trotzdem nicht verloren geht. Bei ihm hört man die Mittelstimmen am besten heraus. Außerdem kommt seine Anschlagsrafinesse dem Stück sehr entgegen.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Wieder Mal hat es Levit in die Auswahl geschafft. Die Kontraste zwischen den beiden Sätzen werden von ihm IMO am stärksten geschaffen. Dabei überzeugt er mit pianistischer Delikatesse. Die alternierenden Sekundfiguren im zweiten Satz kommen bei ihm so übermütig witzig pointiert wie bei keinem anderen, welchen ich hörte.


    Walter Gieseking, p

    (Andromeda, AAD, 30er)


    Piano Sonata No. 24 in F-Sharp Major, Op. 78 "À Thérèse": II. Allegro vivace


    Die lyrische Grundhaltung im ersten und die Anschlagsrafinessen im zweiten Satz kommen Gieseking absolut entgegen. Er spielt so delikat, dass die akustischen Einschränkungen der Aufnahmekonditionen keine Rolle mehr spielen. Akzeptabel finde ich, dass Gieseking in der jeweiligen Anfangsgruppe des zweiten Satzes das Tempo leicht verzögert. Bei Pogorelich ist diese vom Komponisten nicht vorgeschriebene Verzögerung dann doch zu extrem.


    LG Siamak

    Hallo


    GF Händel

    Klaviersuite Nr.1 B-Dur HWV 434


    J Brahms

    Variationen und Fuge über ein Thema von Händel B-Dur Op.24


    M Reger

    Variationen und Fuge über ein Thema von JS Bach Op.81


    András Schiff, p


    (Decca, DDD, live, 1994)


    Toller Live-Mitschnitt aus Amsterdam


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr.23 f-moll Op.57 'Appassionata'


    Ich hatte schon relativ zu Beginn dieses Threads zwei Aufnahmen, live-Aufnahmen des späten Rubinstein und Arrau, nominiert. Also konnte ich noch eine weitere Aufnahme benennen. Ich musste insgesamt 27 Aufnahmen auf CD in mehreren Durchgängen hören. Außergewöhnlich in ihrer Differenziertheit und Anschlagsraffinesse sind sicherlich Josef Bulva und Andras Schiff. In ihrer technischen Meisterschaft und formalen Übersichtlichkeit ragen IMO Lazar Berman und Igor Levit heraus.

    'Appassionata' im Sinne einer leidenschaftlichen Interpretation mit intensiver pianistischer Verausgabung in den Ecksätzen und sanghaften Variationen im Mittelsatz mit Herausarbeiten einer Mehrstimmigkeit: das waren die Fixsterne meiner Auswahl:

    Richter, Cliburn, Gieseking und Barenboim 2005. Letztlich entschied ich mich für Van Cliburns Live-Mitschnitt aus Salzburg.


    Van Cliburn, p


    (Orfeo, ADD, live, 1964)


    Intermezzo a-Mall Op. 118 Nr 1.Ballade by Van Cliburn (2011-10-25)


    Was Cliburn an diesem Abend in Salzburg präsentiert, ist IMO so erhaben und mit Verve gespielt. Sein Gespür für die dramatische Entwicklung, sein sonorer Anschlag, das rauschhafte Finale. Ich könnte auch Sviatoslav Richter nennen, wollte aber hiermit diesem außergewöhnlichen Pianisten, welcher allzu früh sich zurückzog und dem Starrummel entfloh, ein denkmal setzen.


    LG Siamak

    Hallo


    WA Mozart


    Klavierkonzert Nr.9 Es-Dur KV 271 'Jeunehomme'

    Rondo für Klavier und Orchester A-Dur KV 386

    Konzertarie für Mezzosopran, Klavier und Orchester 'Ch'io mio scordi di te KV 505


    J Haydn


    Klavierkonzert Nr.11 D-Dur Hob. XVIII: 11


    Alexandre Tharaud, p

    Joyce DiDonato, Mezzosopran

    Bernard Labadie, cond

    Les Violons du Roy


    (Virgin, DDD, 2013)



    Eine extrem gut zusammengestellte Soirée, Musizierfreude, Innigkeit, alles was man braucht.


    LG Siamak

    Lieber Garaguly,


    ich habe mir diese neue Aufnahme diese Woche besorgt und zweimal durchgehört.


    Absolut fein.


    LG Siamak

    Hallo


    LvBeethoven


    Klaviersonaten Nr.19-32


    Daniel Barenboim, p


    (Decca, DDD, live, 2005)



    Ich habe heute den Rest dieser zyklischen Aufführung durch Barenboim im Auto gehört (Ingolstadt-Tübingen-Ingolstadt). Ich bin begeistert von diesen Live-Aufnahmen ! Die Akustik ist hervorragend. Barenboim spielt wirklich sehr intensiv. Atemberaubend, wie er Energien auf- und abbaut. Er spielt orchestral. In der Appassionata bleibt einem in der Kadenz des Kopfsatzes der Atem stecken: Barenboim hält plötzlich inne, man befürchtet das Schlimmste, und er erinnert sich dann doch und bringt es wunderbar zu Ende. Unglaublich.


    LG und gute Nacht


    Siamak

    Hallo


    LvBeethoven


    Klaviersonaten Nr.1-3 Op.2 Nr.1-3


    Daniel Barenboim, p


    (Decca, DDD, live, 2005)


    Ich habe mir die ‚vorletzte GA‘ der Klaviersonaten Barenboims angeschafft. Es sind die Live-Mitschnitte einer zyklischen Aufführung im Berliner Opernhaus. Der erste Eindruck ist wunderbar. Einfach musikantisch. Gute Akustik. Nicht so hart und direkt wie bei Buchbinder.


    LG Siamak

    Lieber Axel,


    Du hast Recht, dass Pollini im ersten Satz der Op.31 Nr.2 kontinuierlich das Haltepedal einsetzt. Dies tuen aber die Anderen auch, häufig dezenter ('unmerklicher'). Lediglich Clara Haskil benutzt hörbar das Pedal im 1. Satz nur an den drei Stellen, wo Beethoven in seinem Autograph es notiert hat, bei den Arpeggien und den Rezitativen. Ich abe jedoch eine Druckversion im Internet gefunden, wo durchweg Pedalisierungen vorgeschlagen werden. Übrigens benutzt Pollini in seiner früheren Aufnahme von 1988 das Pedal unauffälliger.


    Letztlich bleibt es eine Geschmackssache. Haskil finde ich zu trocken.


    LG Siamak

    Ich hatte eigentlich nicht vor, zu Beethovens Klaviersonaten noch etwas zu posten mit Ausnahme von op. 111. Die geschätzte Arbeit unseres Mitglieds AcomA02/Siamak zwingt mich nun doch dazu, einfach um einen etwas anderen Standpunkt darzustellen. Es ist selbstverständlich sehr persönlich und sollte bitte auch keinen verletzen, nur weil der Standpunkt ein anderer ist.


    Das Gewicht, was hier die Einspielungen von Pollini in der Beethoveninterpretation zu bekommen drohen, ist zumindest in meinen Augen nicht verhältnismäßig. Nicht alles ist so schlecht gespielt wie op 31/2, aber sehr häufig arbeitet er doch etwas undifferenziert mit dem Pedal und der in meinen Augen zu meißelnde und schmeichelnde Klavierklang bekommt etwas Beliebiges und klanglich Langweiliges. Dies scheint mir auch in der Interpretation der Waldstein Sonate vorzuliegen. Mir sind selbstverständlich seine Verdienste um die Chopininterpretation klar. Seine 1972 eingespielten Chopin Etuden sind für mich immer noch das Maß aller Dinge in dieser Sache.

    Lieber Astewes,


    danke für Deine Ausführungen und Deine Empfehlungen. Die DG-Studio-Einspielung mit Emil Gilels hatte ich damals auf MC. Die Op.53 war mit der Op.101 gekoppelt. Leider habe ich sie nicht auf CD (wohl aber den Live-Mitschnitt aus Seattle).
    Pollini kommt bei Dir nicht gut weg. Aber welche Einspielung der Waldstein-Sonate mit ihm kennst Du denn, die Studio-Aufnahme von 1988 oder den Live-Mitschnitt aus 1997 ? Übrigens schreibt hier Beethoven insbesondere im letzten Satz erheblichen Pedaleinsatz vor !


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr.21 C-Dur Op.53 'Waldstein'


    Diese Sonate wird als pianistischer Gipfelpunkt im Sonatenschaffen Beethovens erkannt in dem Sinne, dass technisch zu bewältigende Hürden und klassische Form in wunderbarer Art sich ergänzen. Dabei gewinnen die Ecksätze an reichtum und Aussage, wenn sie nicht 'maschiniert' aber auch nicht zu 'musikalisch' gespielt wird. Ich konnte 18 Aufnahmen auf CD in mehreren Durchgängen hören. Daraus dann 3 auszuwählen, war erwartungsgemäß nicht einfach. Daher möchte ich kurz die IMO wertvollen Aufnahmen erwähnen, welche nicht in den finalen 3 genannt werden.

    Von den historischen ragt IMO die Artur Schnabels aus den 30er Jahren weit heraus, da sie die dialektisch-klassische Form der Sonate mit mutigem Zugriff und herrlicher Sonorität präsentiert. Diese Aufnahme kann heute jeder anderen Interpretation standhalten. Die berühmte Oktav-Glissandi-Stelle im Prestissimo des Finales bringt er technisch ehrlich-gelungen, ohne den musikalischen verlauf zu stören.

    Vladimir Horowitz' Konzertmitschnitt aus der Carnegie-Hall aus den 50er ist spannend in der pianistischen Explosivität sowie Sonorität zugleich. Leider wiederholt er, wie andere auch, die Exposition im 1. Satz nicht. Zwar klingt der trocken-staccatoartige Zugriff der Akkordrepetitionen etwas nach Nähmaschine, es ist aber eben doch Horowitz. Die Oktav-Glissandi im Finale nimmt er lisztisch als Oktavketten.

    Emil Gilels' Live-Mitschnitt (nicht gute Aufnahmetechnik) 1964 in Seattle zeigt eine hoch-virtuos klassisch-beherrschte Interpretation. Die Sätze werden jeweils wie aus einem Atem entwickelt. Wegen der deutlich schlechteren Aufnahmetechnik habe ich Pollinis Live-Mitschnitt vorgezogen.

    Sensationell ist auch der Beginn des mitgeschnittenen letzten Klavierabends Wilhelm Backhaus aus Ossiach 1969. Die physische Überwindung ist enorm. Jeder einzelne Ton ist zu vernehmen, der Überblick über Form und Entwicklung immer noch großartig. Die Oktav-Glissandi kommen.

    Boris Giltburg hat für Naxos diese Sonate eingespielt. Leider wiederholt er auch nicht die Exposition im Kopfsatz. Er interpretiert die Sonate mehr im arrauschen Sinne. Dadurch verliert der Kopfsatz etwas an brio. Aber faszinierend ist seine Formulierungskunst und Pedaltechnik.

    Gerhard Oppitz liefert eine tadellose Interpretation ab, welche leider unter der halligen Aufnahmetechnik leidet.


    Nun zu den 3 herausragendsten (IMO):


    Maurizio Pollini, p

    (DG, DDD, live, 1997)


    Beethoven: Piano Sonatas Nos.11, 12 & 21 "Waldstein"


    Pollinis Duktus ähnelt Gilels durchaus. Dieser Live-Mitschnitt ist phänomenal. Es ist geradezu übermenschlich, wie Pollini in den Ecksätzen sich in das Werk hineinschmeißt. Die tempi sind ungeheuer. Es klingt trotz der Geschwindigkeit sehr musikalisch, eben expressionistisch.


    Alfredo Perl, p

    (ArteNova, DDD, 1997)


    Beethoven: Complete Piano Sonatas


    Ich würde sagen, diese Einspielung ist im Sinne der musikalischen und formalen Aussage des Werkes, der Texttreue, der Qualität des Anschlages sowie der Aufnahmetechnik 'perfekt'. Quasi Arraucher Ansatz, aber rhythmisch gespannter. Ich denke, Arrau hat für Perl (auch Chilene) eine Idolfunktion.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Levit präsentiert hier eine pianistisch ausgefeilte Aufnahme mit raschen tempi in den Ecksätzen. Man hört durchweg jede einzelne Note. Nichts klingt kantig oder brutal. Es bleibt klassisch. Der 2. Satz ist vielleicht etwas zu statisch. Tolle Akustik.


    LG Siamak