Beiträge von AcomA02

    Lieber Wolfgang,


    herzlichen Dank für Deine 'Liste'.


    jetzt:


    Klaviersonate Nr.15 D-Dur Op.28 'Pastorale'


    Der Beiname wurde vom Erstverleger des Werkes genannt. Insgesamt ist er durchaus passend, da die Sonate dominiert wird von einer inneren Gelöstheit und Ruhe, trotz aller Akzente und dynamischen Entwicklungen. Die Interpreten entscheiden, wie stark das melodiöse und/oder die bordunesken Basskomponenten betont werden. Mir standen 6 Aufnahmen auf CD zur Verfügung. Wiederum sind alle Interpretationen sehr gelungen. Oppitz stellt das Melodiöse in den Vordergrund, Moravec scheint bei der Live-Aufnahme vielleicht etwas nervös. Buchbinder spielt für seine Verhältnisse mit lyrischem Grundton, ist im Scherzo aggressiv. Hier nun die IMO 3 Herausragenden:


    Alfredo Perl, p

    (ArteNova, DDD, 1996)


    Beethoven: Complete Piano Sonatas


    Alfredo Perl kommt diese Sonate sehr entgegen. Sein wundervoller sonorer Ton und sein grundverständnis für organische Entwicklung entwickeln die Sonate behutsam mit einer leicht mwehmütigen Nuance. Trotzdem werden alle Vorschriften des Textes befolgt. Das Trio im Scherzo ist umwerfend schön.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Bei Levit erfährt man Anschlagskunst der feinsten Art. Er schafft die Balance zwischen ruhiger Entwicklung, setzen von Akzenten und Präsenz des Borduns sehr souverän.


    Maurizio Pollini, p

    (DG, DDD, 1988)



    Pollini setzt die Vorschriften am präzisesten um. Eine sehr luzide und stimmige Interpretation.


    LG Siamak

    Hallo


    JS Bach

    Klavierkonzert Nr.1 d-moll BWV 1052


    LvBeethoven

    Klavierkonzert Nr.5 Es-Dur Op.73


    A Schönberg

    Klavierkonzert Op.42


    Glenn Gould, p


    Dimitri Mitropoulos, cond

    Concertgebouw Orchestra Amsterdam (Bach)

    New York Philharmonic (Schönberg)


    Josef Krips, cond

    Buffalo Philharmonic Orchestra (Beethoven)


    (Sony, AAD, live, 1958/1960)



    Tolles Dokument !

    LG Siamak

    Hallo


    Klaviersonate Nr.13 Es-Dur Op.27 Nr.1 'Sonata quasi una fantasia'


    Dies ist der erste der Op.27-Zwillinge (der zweite ist die 'Mondschein'-Sonate). Es handelt sich hierbei ebenfalls um eine von mir sehr geliebte Sonate. Ich hörte sie erstmalig auf MC mit der Einspielung Emil Gilels für die DG. Die zweite Begegnung mit dieser Sonate war Mitte der 80er im Essener Saalbau mit Josef Bulva. Umso mehr war ich erfreut, dass Bulva sie dann auch auf seinem eigenen Label aufnahm und veröffentlichte. Eine unglaublich transparent und fein abgestimmte Darstellung. Wie Joachim Kaiser schon formulierte, kommt es bei dieser Sonate auf die Hörbarmachung des Fantasiecharakters an. Claudio Arrau mochte diese Sonate ebenfalls sehr und spielte sie häufig in seinen Recitals. Eine sehr intensive und dramartugisch intelligente sowie emotional befreiende Darstellung gelang ihm in dem Live-Mitschnitt 1971 in Ascona (Ermitage). Ich hörte nun in mehrfachen Durchgängen 7 Aufnahmen auf CD. Alle Interpretationen finde ich hervorragend, der souverän-übersichtliche Oppitz mit rundem sonoren Ton, Alfredo Perl mit empfindsamen Andante-Beginn, der pianistisch phänomenale Levit, welcher im Scherzo und Finale IMO zu schnell unterwegs ist, und der luzide technisch eherne Pollini. IMO doch noch herausragender sind 3 Pianisten, welche alle auf ihre Weise den Fantasia-Charakter in den Vordergrund rücken.


    Claudio Arrau, p

    (Ermitage, ADD, live, 1971)


    Beethoven: Piano Sonata, Op. 27 No. 1 / Liszt: Piano Sonata / Chopin: Ballade No. 4; Nocturne, Op. 62 No. 1; Scherzo No. 1 (Piano Recital)


    Arrau entwickelt diese Sonate aus einem Guss. Sein glasklarer Zugriff im Finale vermittelt eine außerordentliche Vitalität und Freude. Arrau geht hier einige Male für ihn nicht so üblich aus sich heraus.


    Josef Bulva, p

    (Mediaphon, DDD, 80er)


    Beethoven: Piano Sonatas Ops. 27 & 57


    Josef Bulva bringt hier ganz neue klangliche Wirkungen zu Gehör. Wie er die Linien und feinste Klangfinessen für die interpretatorische Idee verwirklicht, ist eine echte Entdeckung.


    Rudolf Buchbinder, p

    (RCA, DDD, live, 2011)


    Beethoven - The Sonata Legacy


    Rudolf Buchbinder ist IMO ein Künstler, der sehr spontan interpretiert und wo die Tagesform bei Live-Auftritten eine Rolle spielt. Bei dieser Sonate war er in Dresden top drauf. Wie zart er das Eingangsandante spinnt und die Vitalität und der Impetus im Finale sind überrumpelnd. Eine Art 100000 Volt-Mann wie damals im Chanson Gilbert Bécaud.


    LG Siamak

    Lieber Rolo,


    und warum geht Dir das Coverbild mit Seiji Ozawa langsam auf die Nerven? Das ist doch ein gutes Foto aus guten Zeiten dieses Mannes.
    Übrigens hörte ich ihn als Dirigenten erstmals mit einer Philips-Aufnahme Dvoraks Neunter mit dem San Francisco Symphony Orchestra auf MC.


    LG Siamak

    Hallo


    Es folgen nun die beiden weiteren Lieblingsaufnahmen der von mir sehr verehrten Klaviersonate Nr.12 As-Dur Op.26 ‚mit dem Trauermarsch‘:


    Rudolf Buchbinder, p

    (RCA, DDD, live, 2011)



    Die Abbildung entspricht der späteren Live-Aufzeichnung der GA mit Buchbinder in Salzburg 2014. Ich hörte die Live-Aufnahme aus Dresden 2011. JPC hat den Dresdner Zyklus leider nicht im Programm.

    Buchbinder spielt die Sonate hochmotiviert und emotional. Die 2. Variation gelingt toll mit der Melodieführung in der rechten Hand, mit geringem und überzeugendem Rubato. Die 3. Variation wird wie eine Variation der vorherigen dargeboten, niemand sonst spielt es so. Das Scherzo kommt mit irrwitzigen Tempo und Attacke. Im Trauermarsch gibt es einen Triller in der linken Hand, dieser kommt herrlich nervös.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Hier überzeugt Levit mit sehr filigranen Anschlagsvarianten, einem ebenfalls irrwitzigen Scherzo und viel brio im Schlussatz.


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr.12 As-Dur Op.26


    Diesmal standen mir 7 Aufnahmen zur Verfügung. Darunter 2 Live-Mitschnitte mit Arturo Benedetti Michelangeli. Ich benötigte gute 5 Durchläufe, um mich für 3 Aufnahmen zu entscheiden. Alle Interpretationen sind hervorragend und so bedauere ich diejenigen, welche ich nicht ausgewählt habe.


    Also:


    Arturo Benedetti Michelangeli, p

    (BBC Legends, ADD, live, 1982)


    Michelangeli Spielt Beethoven


    ABM ist ein exzellenter Schumann-Spieler und dies kommt ihm bei dieser Sonate, die ich sehr mag, entgegen. Der Variationssatz wird mit überzeugenden Tempi elegant und doch mit den notierten Akzenten dargeboten. Für mich ist es sehr wichtig, dass die vom Bass zu den höheren Lagen wandernde Melodiestimme bei der 2. Variation herausgearbeitet wird. Diese Variation erinnert mich sehr an die Davidsbündler Tänze, als hätte Beethoven sie geahnt.


    Die zwei weiteren Empfehlungen folgen noch.


    LG Siamak

    Hallo


    JS Bach


    Goldberg Variationen BWV 988


    Lang Lang, p


    (DG, DDD, 2020)



    Ich habe mir die Studio-Aufnahme jetzt 3x angehört. Da ist LL IMO ein wirklich großer Wurf gelungen !!! Was mir schon bei seiner Liszt-Platte vor Jahren auffiel, ist sein wunderbar sonorer Anschlag. Er hat sich auch in der Vorbereitungsphase von Andreas Staier beraten lassen.


    LG Siamak

    Hallo,


    nun geht es um eine 'echte Lieblingssonate' aus meiner Sicht:


    Klaviersonate Nr.11 B-Dur Op.22


    Beethoven mochte dieses Werk wohl außerordentlich und meinte, diese Sonate 'habe sich gewaschen'. Dererste Satz ist ein Allegro con brio, der 2. Satz ein sangliches Adagio molt' espressivo, der 3. Satz ein Menuett und das Finale ein bejahendes Allegretto. Mir standen 9 Aufnahmen auf CD zur Verfügung. Hier habe ich mich wirklich sehr schwer getan, drei Aufnahmen als Lieblingsaufnahmen herauszufiltern. 6-7 Durchgänge brauchte ich, um dann Alfredo Perl und Gerhard Oppitz schweren Herzens auszusortieren ! Auch Pollini und Buchbinder sind großartig.


    Arturo Benedetti Michelangeli, p

    (Aura, DDD, live, 1988)


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    Wenn man berücksichtigt, dass es sich um einen Live-Mitschnitt des späten ABM handelt, ist das eine enorm faszinierende Interpretation. Es gelingt ihm, durchaus schroffe Akzente zu verwirklichen, aber dabei den sonoren Klang des Flügels nicht zu vernachlässigen. Die Musik atmet und dramatische Entwicklungen werden umgesetzt mit einem am Ende lebensbejahenden Kehraus.


    Sviatolslav Richter, p

    (LC, DDD, live, 1994)




    Eine tolle musikalisch absolut überzeugende und auch akustisch hervorragend eingefangene Sicht auf diese Sonate ebenfalls live. Im Gegensatz zu ABM schnörkellos geradlinig.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Keine der anderen Aufnahmen zeigt eine derart filigrane Beherrschung des Anschlages. Tatsächlich entfaltet diese Sonate unter Levit neue klangliche Aspekte.


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr.10 G-Dur Op.14 Nr.2


    Dies ist die Zwillingssonate zur Op.14 Nr.1. IMO gibt es auch verwandtschaftliches, eine gewisse Empfindsamkeit und Eleganz. Die Op.14 Nr.2 erscheint doch noch behutsamer und hier herrscht ein feiner Konversationston. Die Interpretationen unterscheiden sich am geringsten im Mittelsatz, den Variationen. Das Rondo-Scherzo (3. Satz) wird in der Grundhaltung ebenfalls ziemlich einheitlich verstanden. Die größten Unterschiede höre ich im ersten Satz (Allegro). Richter spielt sehr schnell con brio. Pianistisch eben typischer Sviatoslav Richter und packend. Dabei geht der gesamte Konversationston 'flöten'. Auch Pollini spielt rasch. Während Op.14 Nr.1 ihm sehr entgegen kam, ist es hier im Kopfsatz eher ein hinweghuschen und pedalisieren. Andor Foldes und Jan Panenka interessieren, da es selten zu hörende Musiker sind. Aber Anschlagstechnik und Pedalgebrauch sind doch nicht top of the top.

    Insgesamt standen mir 8 Aufnahmen auf CD zur Verfügung. Ich wählte wiederum nach mehreren Durchgängen drei aus.


    Alfredo Perl, p

    (ArteNova, DDD, 1995)


    Beethoven: Complete Piano Sonatas


    Wiedermal überzeugt Perl mit natürlichem Spielfluss, Sonorität und toller Dynamik. Die Akustik ist überragend.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Igor Levit spielt von den Dreien am zügigsten den Kopfsatz. Dennoch gehen die Zwischentöne und der Dialogcharakter nicht verloren wie bei Richter. Das Andante wird mit sehr abwechslungsreichem Anschlag dargeboten.


    Rudolf Buchbinder, p

    (RCA, DDD, live, 2011)


    Beethoven - The Sonata Legacy


    Buchbinder spielt am freiesten von allen. Der Improvisationscharakter kommt bei ihm am besten heraus. Außerdem scheint er an diesem Tag live in Dresden richtig motiviert zu sein und behutsam die dynamische Bandbreite auszuspielen.


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr.9 E-Dur Op.14 Nr.1


    Ich konnte in mehreren Durchgängen insgesamt 9 Aufnahmen auf CD durchhören und vergleichen. Ich finde, dass alle diese Aufnahmen in der Lage sind, diese eher feinsinnige und kapriziös-lyrische Sonate zu erklären. Pianistisch etwas schwächer sind IMO Andor Foldes und Jan Panenka. Pianistisch sehr stark sind auf jeden Fall Igor Levit und Rudolf Buchbinder. Sie spielen die Sonate IMO zu drängend und energetisch.


    Hier nun meine 3 Favoriten:


    Alfredo Perl, p

    (ArteNova, DDD, 1995)


    Beethoven: Complete Piano Sonatas


    Wieder mal gelingt Alfredo Perl eine ungemein differenzierte und doch akzentuierte Darstellung. Die Tempi lehnen ideal an die Vorschriften an. Sein sonorer und obertonreicher Anschlag sind ein Wunder. Hinzu kommt die exzellente Akustik.


    Maurizio Pollini, p

    (DG, DDD, 2012)



    Der reife Maurizio Pollini überzeugt mit einem luziden nervösen Spiel, obertonreich. Er nimmt insgesamt ein etwas rascheres tempo in allen Sätzen, lässt dabei aber das elegant-filigrane nicht missen.


    Walter Gieseking, p

    (Andromeda, AAD, 1949)


    Beethoven: Piano Sonatas, Vol. 1 Product Image


    Diese Sonate liegt dem Anschlagsgenie und erfahrenen debussy/Ravel-Spieler außerordentlich gut in den Händen. Duftig und delikat werden alle drei und insbesondere der letzte Satz dargeboten.


    LG Siamak

    Hallo, jetzt


    Klaviersonate Nr.7 D-Dur Op.10 Nr.3. Die Dritte aus der Sonatentrias Op.10.


    Der erste Satz sollte 'presto' gespielt sein. Bei einigen der Interpreten klingt er eher Allegro moderato. Außerdem klingt die Sektion des Hauptthemas bei etlichen sehr kompakt-schwerfällig. Ich konnte aus 12 Aufnahmen auf CD wählen. Um es vorab zu nennen: die Aufnahmen von Vladimir Horowitz und Claudio Arrau aus Ende der 50er finde ich faszinierend, und doch habe ich sie nicht in die Dreierauswahl genommen.


    Alfredo Perl, p

    (ArteNova, DDD, 1994)


    Beethoven: Complete Piano Sonatas


    Perl gelingt es, die Akzente zu setzen und trotzdem klanglich elegant und klassisch-vornehm zu spielen. Wie er mit seinem betörend schönen Anschlag den Schwung im ersten Satz aufrechterhält, ist absolut top.


    Gerhard Oppitz, p

    (Hänssler, DDD, 2004)



    Oppitz spielt technisch überragend und spielt mit großer Übersicht. Der Flügel hätte etwas direkter aufgenommen werden können. Im Prinzip setzt er die 'Deutsche Tradition' mit klassischer Strenge und großen Phrasierungsbögen fort.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Levit spielt die Ecksätze, insbesondere den Kopfsatz am schnellsten. Trotzdem bringt er die Akzente und es klingt nicht gehetzt, sondern adäquat, eben presto. Faszinierend ist das bei diesem Tempo blitzsaubere Spiel. Der 2. Satz, das Largo, wird sehr getragen und dunkel gespielt. Also eine Interpretation, die auf Extreme setzt.


    LG Siamak

    Da wohl kaum jemand in diesen thread schaut, hat es keiner bemerkt. Es ist natürlich die Sonate Op.10 Nr.2 !!!


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr.7 F-Dur Op.10 Nr.3


    Elegantes Allegro im ersten Satz, ein leicht düster gestimmtes Allegretto und ein keck-witziges Prestissimo-Finale mit fugierten Effekten.

    Auch hier wählte ich 2 aus 5 CD-Aufnahmen. Die Beiden überzeugen mit filigraner Anschlagstechnik und Umsetzung aller Vortragsvorschriften.


    Alfredo Perl, p

    (ArteNova, DDD, 1995)


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    Endlich konnte ich mal Perls Darstellung als Lieblingsaufnahme wählen. Perl spielt wunderbar sonor. Sein runder Anschlag ist betörend schön. In dieser Sonate entsprechen seine Tempi den Vorgaben.


    Gerhard Oppitz, p

    (Hänssler, DDD, 2004)



    Gerhard Oppitz ist ein grundtiefer und sehr erfahrener Beethovenspieler. Seine Tempi sind stets adäquat. Er bleibt sehr nah am Text. Und was mich besonders freut: im gegensatz zu den anderen Interpreten wiederholt er den 2. Teil im Finale, dieser Mischung aus Witz und Wut. Klaviertechnisch ahnt man die Waldsteinsonate voraus.


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr. 5 c-moll Op. 10 Nr. 1


    Diese Sonate fusst auf Extremen: Allegro molto e con brio, Adagio und Prestissimo.

    Mir standen auf CD 5 Aufnahmen zur Verfügung. Daher habe ich mich beschränkt, nur 2 als Lieblingsaufnahmen zu deklarieren. Bei Artur Schnabel war ich mir sofort sicher. Ich benötigte dann gute 7 Durchgänge, um mich für Gerhard Oppitz und gegen Igor Levit zu entscheiden. Bei levit sind die Ecksätze drängend beeindruckend und mit feiner Artikulation umgesetzt, jedoch fand ich den 2. Satz zu wenig geatmet, ja fast zu langsam. Alfredo Perl hat einen wundervoll runden und sonoren Anschlag und ein tiefes Beethoven-Feeling. Aber gerade der 1. Satz kommt zu langsam, eher als Allegro moderato.


    Artur Schnabel, p

    (Naxos Historical/HMV, AAD, 1933-35)



    Artur Schnabel erfasst das jugendlich Wilde gepaart mit motorischem Drive in den Ecksätzen und das Adagio ist ein Traum in puncto rhythmischer Beherrschtheit und Kantilenenkunst.


    Gerhard Oppitz, p

    (Hänssler, DDD, 2004)



    Beim ersten Durchhören erschien mir Gerhard Oppitz etwas kühl. Ich meine aber, dass dies eher mit der halligen und auf Distanz ausgelegten Akustik zusammenhängt. Er erfüllt die Tempo-Bezeichnungen in den Ecksätzen absolut und die Virtuosität ist frappierend. Das Adagio wird zwar nicht ganz so betörend gesungen wie bei Schnabel, aber es geht doch in diese Richtung.


    LG Siamak

    Hallo


    Klaviersonate Nr.4 Es-Dur Op.7 'Die Verliebte'


    Es ist die zweitlängste Klaviersonate Beethovens. Hier konnte ich aus 9 Aufnahmen auf CD wählen. In die engere Auswahl kamen zunächst 4: Levit, Pollini, Perl und Buchbinder. Bei der Entscheidung Perl versus Buchbinder tat ich mich sehr schwer. Ich brauchte insgesamt 4 Durchgänge.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Bei Levit war ich mir schon nach dem ersten Hören sicher. Keiner spielte den 1. Satz so rasch, rhythmisch gespannt 'Allegro molto e con brio'. Frappierend, wie er in dem Tempo doch die dynamischen und Artikulationsvorschriften verwirklicht. Das Largo kommt hier intensiv als nach innen gekehrte Meditation. IMO ist diese Aufnahme sensationell.


    Rudolf Buchbinder, p

    (RCA, DDD, live, 2011)


    The Sonata Legacy-Sämtliche Klaviersonaten


    Buchbinder besticht durch energetischen Zugriff im Kopfsatz und einer bei ihm bekannten Gelöstheit und Freiheit. Der 2. Satz kommt hier mit großer Übersicht. Akzente werden schroff gesetzt. Der 3. Satz kommt bei ihm als gelungenes Charakterstück. Im Finale ist er live den heiklen Griffen im Mittelteil bei rascher Geschwindigkeit absolut gewachsen.


    Maurizio Pollini, p

    (DG, DDD, 2012)


    Klaviersonaten Op.7,14,22


    Der nahezu 70-jährige Pollini spielt hier rauschhaft luzide und sonor. Er schont nicht rasche Tempi in den Ecksätzen, das Largo wird herrlich gesungen. Toll finde ich im ersten Satz in der Durchführung und Reprise die impressionistisch anmutende 'flirrende' Betonung der rechten Hand in der jeweiligen thematischen Schlussgruppe.


    LG Siamak

    Lieber Alfred, da mache ich gerne mit:


    Nathan Milstein



    Ich verehre Milstein seit meiner Schulzeit sehr. Der nicht zu dick aufgetragene Ton mit wenig Vibrato und die ökonomische Bogentechnik haben es mir angetan. Seine Einspielung der Bachschen Sonaten und Partiten per violino solo aus 1974 bei der DG, da war er schon 70 Jahre alt, sind für mich immer noch Referenz.


    LG Siamak

    Hallo

    A Reicha


    Sinfonia concertante E-Dur für 2 Violoncelli und Orchester


    Bruno Delepelaire, v’cello

    Stephan Koncz, v’cello

    Reinhard Goebel, cond

    Radio Philharmonie Saarbrücken Kaiserslautern


    (Sony, DDD, 2019)



    Auch die 2. CD der Reihe von Reinhard Goebel ‚Beethoven‘s World‘ ist delikat anzuhören.


    LG Siamak

    Hallo


    Klaviersonate Nr.1 f-moll Op.2 Nr.1


    Diese so genannte 'kleine' f-moll Sonate, die erste der Op.2 Trias, besticht durch perfekten Sonatenhauptsatz mit Sturm und Drang, einem träumerisch-innigen Adagio, einem Menuett, das schon Scherzo sein will und einem draufgängerischen Finale mit verweilenden B-Teil-Pausen. Mir standen hier nur 4 Aufnahmen auf CD zur Verfügung, deswegen wähle ich hieraus 2 aus.


    Rudolf Buchbinder, p

    (RCA, DDD, live, 2011)


    The Sonata Legacy-Sämtliche Klaviersonaten


    Buchbinder spielt insgesamt am freiesten und fesselt immer wieder mit Herausarbeiten der Bassstimmen. Das Menuett klingt bei Buchbinder richtig scherzando. Hinzu kommt noch eine zusätzliche Spontaneität in der Live-Situation. Dabei wird eng am Notentext gespielt trotz der Freiheiten.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Vielleicht benötigt die Sonate eines 25-jährigen drängenden und schwärmenden Komponisten ebenso einen jungen Pianisten. Levit war 31 Jahre alt zum Zeitpunkt der Einspielung. Er überzeugt in den Ecksätzen mit motorischem Drängen. das Menuett an der Grenze zum Scherzo kommt hier als Übergang deutlich. Das Adagio klingt schon wunderbar chopinesk.


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr.2 A-Dur Op.2 Nr.2


    Die 2. Sonate aus der Sonatentrias ist deutlich anders konzipiert. Wie ein Leitmotiv werden die Ecksätze und der 3.Satz von einer aufsteigenden Laufbewegung dominiert. Die Virtuosität tritt hier als jeux perle und in galanter Art auf. Der 2. Satz, Largo appassionato ist ruhig schreitend mit Ostinato-Elementen und dynamischen Steigerungen im Mittelteil bis zum orchestralen Volumen ausgestattet. Ich konnte auf 8 Aufnahmen mit 7 Pianisten auf CD zurückgreifen. Ich benötigte drei Durchläufe, um mich dann für 3 Aufnahmen zu entscheiden.


    Murray Perahia, p

    (Sony, DDD, 1995)


    Beethoven:Piano Sonatas Op.2.N


    Perahia spielt technisch so locker-perfekt und mit hellem sonoren Ton. Die Tempi empfinde ich stets als adäquat. Die Stimmführungen sind stets transparent hörbar und die Hände agieren wunderbar unabhängig. Hier war ich mir sofort sicher.


    Rafal Blechacz, p

    (DG, DDD, 2014)



    Rafal Blechacz ist ein wirklich hochrangiger Pianist mit einem sonoren warmen Anschlag. Der erste Satz (Allegro vivace) kommt mit äußerster Belebung und sehr exakt akzentuiert. Das Largo wird klangraumfüllend entwickelt. Ich habe mich hier gegen den exzellenten Levit und den eher behutsamen aber doch tollen Perl entschieden.


    Rudolf Buchbinder, p

    (RCA, DDD, live, 2011)


    The Sonata Legacy-Sämtliche Klaviersonaten


    Rudolf Buchbinder holt die quasi improvisatorischen Komponenten am freiesten heraus. Die Darstellung lebt von der reichhaltigen Beethoven-Erfahrung über Jahrzehnte und der Spontaneität dieses Künstlers. Er ist halt nicht der elegante Phrasierer wie manch anderer.


    Mit diesen drei Aufnahmen wird das gesamte Interpretationsspektrum dieser Sonate abgedeckt.


    LG Siamak

    Hallo


    FJ Clement


    Violinkonzerte Nr. 1 und 2


    Mirjam Contzen, v

    Reinhard Goebel, cond

    WDR Sinfonieorchester Köln


    (Sony, DDD, live (2. Konzert), 2019/2018)



    Ein wundebares Projekt mit echten Entdeckungen, sehr gut umgesetzt. Der Booklet-Text von Reinhard Goebel ist sehr informativ und köstlich geschrieben !


    LG Siamak

    Hallo,


    Klaviersonate Nr.3 C-Dur Op.2 Nr.3


    Die Dritte aus der Sonaten-Trias Op.2, welche gewissermaßen eine Art Visitenkarte Beethovens in seiner frühen Wiener Zeit darstellt, ist vielleicht soetwas wie ein 'Concert sans Orchestre' (ich habe mir diese Bezeichnung von Schumanns 3. Klaviersonate ausgeliehen). Sie ist in den Ecksätzen äusserst brillant und virtuos. Den 2. Satz (Adagio) könnte man als tiefsinnig-nachdenkliches Zentrum ansehen.


    Mir standen für diese Sonate 10 Aufnahmen auf CD zur Verfügung. Bei zwei Aufnahmen war ich sofort sicher, diese unter den 3 Lieblingsaufnahmen zu platzieren: Perahia und Levit. Für die Nr. 3 tat ich mich sehr schwer. Ich habe drei weitere Durchgänge benötigt, um mich dann für Rubinstein gegenüber Richter, Buchbinder und Perl zu entscheiden.


    Murray Perahia, p

    (Sony, DDD, 1995)


    Beethoven: Piano Sonatas, Op. 2


    Perahia spielt herrlich spritzig und mit differenzierter Anschlagskunst in den Ecksätzen und dem Scherzo sowie wunderbar singend das Adagio. Der Pedaleinsatz ist sparsam, dennoch klingt es nie trocken sondern sonor. Tolle Akustik.


    Igor Levit, p

    (Sony, DDD, 2018)



    Die Tempi Levits im 1., 3. und 4. Satz sind sehr rasch ähnlich wie bei Gulda. Trotz des raschen tempos gelingt ihm durchweg ein transparentes und alle Akzente berücksichtigendes Spiel. Der 2. satz ist wunderbar gesungen. Die staccati in der Oberstimme der rechten Hand im 2. Satz werden unaufringlich klar formuliert. Tolle Akustik mit räumlicher Distanz.


    Artur Rubinstein, p

    (RCA, ADD, 1963)


    Rubinstein Collection, Vol. 55: Beethoven: Sonata, Op. 2/3; Schubert: Sonata, Op. posth.


    Den Ausschlag, diese Aufnahme zu nominieren, gab die Interpretation des Adagios. Keiner spielt so sonor und berücksichtigt gleichzeitig die Vortragsangaben Beethovens. Und zum Beispiel im Vergleich zu Alfredo Perl kommt hier das con brio im ersten Satz und das assai im letzten Satz viel besser zur Geltung.


    LG Siamak

    Hallo


    Klaviersonate Nr.14 cis-moll Op.27 Nr.2 'Mondschein'


    Diese Sonate gehört zu den populärsten Werken Beethovens und scheint teilweise 'abgegriffen'. Wie auch immer, sollte ich ja 3 Aufnahmen als Lieblingsaufnahmen aus 18 mir zur Verfügung stehenden aussuchen.


    Vladimir Horowitz, p

    (Sony, AAD, live, 1946)


    At Carnegie Hall: Private Collection - Haydn & Beethoven


    Es handelt sich hierbei um einen privaten Mitschnitt Horowitz' während eines Live-Recitals in der Carnegie-Hall. Das Adagio sostenuto wird mit deutlichen dynamischen Schwankungen und typischer Horowitzscher Sonorität und Belcanto vorgeführt. Mich fasziniert dabei die deutliche Linienführung im Sinne einer Dreistimmigkeit. Manchem wird es zu romantisierend vorkommen. Pianistisch ist es eine Wucht. Der dritte Satz wird scharf pointiert aber doch ausgleichend gespielt. Das Finale ist elektrisierend ! Die dynamischen Vorgaben und Akzente werden deutlich gemacht. Es wird hier ein 'Virtuosendrama' präsentiert, welches fast den klassischen geschmack sprengt. Aber eben nur fast.


    Josef Bulva, p

    (Mediaphon, DDD, etwa 1988)


    Beethoven: Piano Sonatas Ops. 27 & 57


    Josef Bulva erlebte ich mit dieser Sonate und auch der Op.27 Nr.1 live in Essen (es war so 1985). In allen drei Sätzen, insbesondere in den Ecksätzen, wird hier eine höchst subjektive und doch moderne packende Interpretation geboten. Im Adagio wird hier ebenfalls dreistimmig herausgearbeitet. Dabei betont er in der Triolenbewegung durchgehend leicht den ersten Ton. Das Finale besticht durch ein volles Ausspielen der Dynamik-Vorschriften, anders aber als Horowitz. Einige Rubati erscheinen dem Einen oder Anderen gewöhnungsbedürftig.


    Alfredo Perl, p

    (ArteNova/Oehms, DDD, 1994)



    Hier habe ich mich anstatt für Levit und Perahia ganz knapp für Perl entschieden. Er setzt sehr eng am Text um und hat ein sehr inniges Verständnis für Beethoven. Schön herausgearbeitet, aber nicht penetrant ist ein Bordunton im Trio des 2. Satzes, ähnlich wie bei Bulva. Die dynamischen Vorgaben werden im 3. Satz deutlicher befolgt als bei den anderen Beiden. Klanglich exquisit (wie Perahia auch). Außerdem wollte ich Levit nicht schon wieder nominieren.


    LG Siamak