Beiträge von Amdir

    jpc, wieso tut ihr mir das an...

    Ich habe tatsächlich auch schon vorgestern bestellt, nachdem leider schon drei meiner ausgewählten CDs nicht mehr zum reduzierten Preis vorhanden waren (Madetoja Sinf. 1&3, Klami-Orchesterwerke sowie Hornkonzerte dir. v. Sakari Oramo) und deshalb kurzerhand aus der Bestellung flogen:



    Da mir Böhms Dirigat so gut gefällt habe ich recherchiert und herausgefunden, dass es zwei weitere Live-Aufnahme von ihm gibt, einmal aus Berlin:


    Ich kenne die Aufnahmen leider nicht, alleine das Cover der Testament-Aufnahme würde mich aber davon abhalten, sie kaufen zu wollen. Was haben sich die Verantwortlichen da nur gedacht, Böhm als Grinsekatze auf das Cover zu packen? :no:


    Ein echtes Horror-Cover!

    Ich muss gestehen, was Franz Welser-Möst angeht, bin ich leider schon vor dem ersten Eindruck etwas vorbelastet gewesen:

    Seinen unrühmlichen Spitznamen kannte ich schon, zudem hatte mein Dozent für Orchesterdirigieren einmal erwähnt, dass er von W.-M. wenig halte (seine Worte waren mehr oder weniger "langweiliges Dirigat und langweilige Interpretationen, zum Einschlafen"). Insofern war ich von Anfang an etwas negativ eingestellt.


    Ich habe auch nur eine Aufnahme von ihm in meiner Sammlung, es handelt sich um die EMI-Aufnahme von Bruckners 7. Sinfonie. Diese habe ich vor einigen Jahren gebraucht gekauft und war überrascht, die Aufnahme ist mMn wirklich gut gelungen, wenn auch nicht überragend.

    Ich habe daraufhin noch weitere seiner Aufnahmen gehört, die ich ebenfalls alle als solide bis sehr gut beurteilen würde. Bruckners 5. gefällt mir wohl mit am besten.


    Da ich vor zwei Jahren Bruckners Te Deum dirigieren durfte, habe ich im Vorfeld alle möglichen Aufnahmen gehört, die Aufnahme von Welser-Möst gefiel mir im Hinblick auf die Temporelationen mit am besten, wenn auch auf Kosten der Dynamik und Feinarbeit. Auch seine Aufnahmen von Werken von Franz Schmidt sagen mir wirklich zu. Da muss ich CD-technisch also mal wieder nachlegen ;)


    Live habe ich ihn noch nicht erlebt, allerdings gibt es auch auf auf Youtube einige Mitschnitte. Negativ ist mir dabei leider ein Mitschnitt der Lemminkäinen-Suite von Sibelius in Erinnerung geblieben, vor allem "Lemminkäinens Rückkehr" ist leider wirklich langweilig geraten (man höre nur die weichgezeichneten Einsätze der Fagotti und der Klarinette zu Beginn).


    Allgemein habe ich bei F. W.-M. Interpretationen oft ein Gefühl der "Mittelmäßigkeit", meistens solide bis gut, aber selten erste Liga, Tendenz zur Langeweile. Vielleicht spielen da meine anfänglichen Vorurteile noch mit hinein, vielleicht schlummern ja aber auch noch Schätze in den von mir ungehörten Aufnahmen.


    Die beiden Schmidt-Aufnahmen sowie Bruckner 5 und vielleicht das Te Deum (die 8. evtl. auch, die habe ich mit ihm noch nicht gehört) möchte ich mir aber noch mit ihm zulegen, die haben mich bisher überzeugt!

    Gerade gehört:





    Hans Rott

    Sinfonie Nr. 1


    Mozarteumorchester Salzburg

    Constantin Trinks


    Aufgenommen live am 8.11.2015






    Ich kenne Rotts Sinfonie bereits durch die Einspielung von Paavo Järvi, ich wollte aber gerne eine Vergleichseinspielung haben. Da kam mir der jpc-Sonderpreis sehr zugute (Edit.: Der Preis liegt mittlerweile leider wieder bei 14,99€, ich habe vor einer Woche noch 3,99€ - 10% bezahlt), zumal die beiden neuesten Rott-CDs des Gürzenich-Orchesters noch recht teuer sind.


    Ich habe die Järvi-Aufnahme schon lange nicht mehr gehört (schade eigentlich), ich war hier beim Hören aber wirklich beeindruckt! Eine wuchtige Einspielung, die dem Werk mMn sehr gerecht wird. Eine klare Empfehlung von meiner Seite aus.

    Brahms Sinfonie Nr.1 c-moll op.68 (1876)


    Es gibt von Brahms Sinfonie Nr.1 noch zwei ganz herausragende Karajan - Aufführungen, die nur schwer auf CD greifbar sind und als beste der Brahms 1 gelten (dazu ggf in einem späteren Beitrag die YT-Datei).

    An der Stelle hake ich mich mal direkt ein, denn meine absolute Lieblingsaufnahme der 1. Sinfonie ist die Live-Aufnahme von Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern vom 5. Oktober 1988 in der Royal Festival Hall in London (wahrscheinlich meintest du u.a. diese Aufnahme):



    Es handelt sich dabei laut Booklet um Karajans letzte Aufführung der 1. Sinfonie von Brahms. Gekoppelt ist das Werk mit Arnold Schönbergs "Verklärter Nacht", da dies meine bisher einzige Aufnahme des Werks ist und ich es nicht wirklich kenne, schreibe ich dazu nichts.


    Brahms 1. Sinfonie ist aber wirklich gewaltig interpretiert. Das Tonbild ist zwar etwas hallig, rauschig und z.T. undifferenziert (ich denke beim Hören immer etwas an alte russische Aufnahmen mit schneidendem Blech und donnernden Pauken, auch wenn das hier nicht komplett zutrifft), dafür besticht die Aufnahme durch unglaubliche emotionale Wucht. Die Berliner spielen nicht perfekt, kurioserweise führt aber ausgerechnet eine der kleinen Ungenauigkeiten dazu, dass ich diese Aufnahme so sehr liebe:


    Wenn im 4. Satz in den letzten Minuten der vorher auftauchende Choral in triumphaler Manier wieder erscheint, erlaubt sich die Pauke bei den letzten beiden Akkorden des Chorals (C des F-Dur-Akkords in T. 414 und G des G-Dur-Akkords in T. 416) den kleinen Fehler, minimal zu früh einzusetzen, also eine Millisekunde vor dem Rest des Orchesters. Auch wenn dies nicht so in der Partitur steht, gefiel mir diese Stelle beim ersten Hören der Aufnahme sofort, denn die Wirkung ist eine ganz enorme und der Choral klingt so völlig anders als in allen anderen Aufnahmen, die ich kenne. Die letzten 2-3 Minuten der Sinfonie sind ein beeindruckendes Spektakel.


    Dazu kommt, dass sich die Berliner förmlich die Seele aus dem Leib spielen. Auch im wundervollen 2. Satz können sie bestechen, hier weniger über rohe Kraft als stattdessen über Zartheit und liebliches Spiel (trotz der Aufnahmequalität) - eine tolle Aufnahme, wenn man bereit ist, das Klangbild und die Ungenauigkeiten zu verzeihen oder wie ich sogar lieben zu lernen! Victor Carr Jr. von classicstoday vergibt übrigens 8 Punkte für die Interpretation und 6 für den Klang.


    P.S.: Die Pauken haben übrigens teleton-Qualität ;)

    Hallo liebe Taminos,

    ich möchte euch ein mMn wirklich großartiges Ensemble vorstellen, den zur Zeit 11-köpfigen Chor "Voctave".


    Genau genommen passt das Oberthema "KLASSIK allgemein" hierzu nicht wirklich, den Voctave singt eigentlich keine klassischen Werke, sondern quasi fast ausschließlich eigene Arrangements von Disney-Songs, Musicaltiteln, Weihnachtsliedern, etc.

    Warum ich diesen Chor dennoch hier vorstelle ist ganz einfach: Überschneidungen mit anderen Chören wie z.B. Pentatonix sind zwar gegeben, das Repertoire, die Arrangements und auch die Videos von Voctave gehen deutlich stärker in die "klassische" Richtung. Ebenso hat es dieser Chor mMn wirklich verdient, noch bekannter zu werden.


    Voctave gibt es erst seit Winter 2015, seine 11 Sänger und Sängerinnen haben alle eine klassische oder Musical-Vorbildung. Die Mitglieder sind (von mir grob nach Stimmen eingeteilt, die Übergänge sind fließend und teilweise wechseln die Sängerinnen und Sänger auch):


    Sopran: Kate Lott, Tiffany Coburn & Ashley Espinoza

    Alt: Sarah Whittemore & Chrystal Johnson

    Tenor: E.J. Cardona, Drew Ochoa & James "Jamey" Ray

    Bass: Kurt von Schmittou, Aaron Stratton & Karl Hudson

    sowie ehemals: Tony De Rosa & J.C. Fullerton


    Die Besonderheit dieses Ensembles liegt einerseits in einem unfassbaren Tonumfang. Die Bässe kommen je nach Arrangement wirklich in tiefste Tiefen, während vor allem Kate Lott im Sopran für extrem hohe Noten (teilweise bis zum dreigestrichenen ges) bekannt ist, und diese dabei auch noch schön klingen lassen. Das führt direkt zur zweiten Besonderheit, nämlich einer unglaublichen Flexibilität zwischen solistischem Singen und einem chorischen Gesamtklang. Die Stimmen verschmelzen wunderbar, die jeweiligen Besonderheiten (z.B. Kate Lotts und auch Tiffany Coburns hohe Töne, E.J. Cardonas Fähigkeit, hohe Bruststimmtöne über einen sehr langen Zeitraum zu halten oder die gewaltige Tiefe der Bässe) werden durch die eigenen Arrangements, für die James "Jamey" Ray verantwortlich ist, großartig in Szene gesetzt. Weiterhin übernehmen einzelne Mitglieder in vielen der Arrangements solistische Parts.



    Dies alles lässt den Eindruck eines wirklich hochqualifizierten und absolut beeindruckenden Ensembles erwecken, die Verbindung zwischen solistischem Singen und Chorgesamtklang gelingt wunderbar, dennoch bleiben auch in den nicht solistischen Teilen die jeweiligen Besonderheiten jeder Stimme deutlich wahrnehmbar.


    Die Eigenarrangements von Ray sind deutlich von klassischen Stücken inspiriert. Die jeweiligen Steigerungspunkte der Stücke kulminieren häufig in sehr dissonanten Akkorden, die die Auflösung dieser umso befriedigender werden lassen. An ausgewählten Stellen kommen zudem einfache Kadenzen und Vorhalte mit großer Wirkung zustande. Gerade in solistischen Stücken werden die hohen Töne von Kate Lott oftmals für himmlische Umspielungen und Verzierungen genutzt.


    Nun einmal ein paar Klangbeispiele. Ich selber bin über die Disney-Medleys per Youtube auf dieses Ensemble gestoßen, weshalb ich vor allem von diesen einige imposante Beispiele vorstellen möchte (aufgrund des hohen Tonumfangs bitte über Kopfhörer hören):


    1. Disney Love Medley

    Dieses Medley war mein Einstieg und vereint die Stücke "I See The Light" (Aus: Tangled/Rapunzel neu verföhnt, 2010), "You'll Be In My Heart" (Aus: Tarzan, 1999) und "Go The Distance" (Aus: Hercules, 1997), als solistische Gäste sind die Pentatonix-Sängerin Kirstin Maldonado und ihr damaliger Verlobter Jeremy Michael Lewis mit dabei.


    Das Medley ist zumindest auf Youtube das bekannteste Video der Gruppe. Hier wird Rays klassischer Ansatz besonders deutlich, in den Solostimmen werden ab You'll Be In My Heart immer wieder Rückbezüge auf Melodien der jeweils vorherigen Songs gemacht, die große Steigerung gegen Ende beginnt zudem mit einer Passage, die sehr ähnlich zu einer solchen im Choral in der Finalcoda von Bruckners 5. Sinfonie ist (Minute 4:40). In den letzten Takten schwingt sich Kate Lott bis zu dem oben erwähnten ges''' auf - großartig! Maldonado und Lewis sind immer wieder sichtlich beeindruckt und fassungslos von der Qualität des Ensembles.


    2. Disney Showstoppers Medley

    Dies ist eines der kürzeren Medleys, bestehend aus "Under The Sea" (Aus: Arielle, 1989), "I Just Can't Wait To Be King" (Aus: The Lion King/Der König der Löwen, 1994) und "Be Our Guest" (Aus: Beauty and the Beast/Die Schöne und das Biest, 1991).


    Die solistischen Parts werden hierbei von Jamey Ray, E.J. Cardona und Kurt von Schmittou übernommen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Songs sind hier unglaublich geschickt gemacht, einmal melodisch durch Überschneidungen in den Begleitungsmotiven und einmal wirklich einfallsreich über den Text und eine große Steigerung. Ansonsten ist dieses Medley deutlich verspielter und mehr an Musical angelehnt, der Spaß der Truppe lässt sich jedoch förmlich spüren.


    3. Disney Princess Medley

    Das hier ist wohl mein liebstes Medley des Ensembles, bestehend aus "Someday My Prince Will Come" (Aus: Snow White/Schneewittchen. 1937), "Once Upon A Dream" (Aus: Sleeping Beauty/Dornröschen, 1959), "Part Of Your World" (Aus: Arielle, 1989), "Reflection" (Aus: Mulan, 1998) und "Colors Of The Wind" (Aus: Pocahontas, 1995).


    Hier treten alle Frauen des Ensembles solistisch auf, jeder einzelne Teil ist ein Ereignis. Viel "disneymäßiger" als Kate Lott kann man den Einstieg wohl kaum singen, Sarah Whittemore klingt wie die originale Arielle und die Umformung dieses Songs hin zu einer eindrucksvollen Steigerung mit toller Chromatik in den Bässen. "Reflection" ist mein absoluter Lieblings-Disney-Song und Ashley Espinoza singt ihn fantastisch. Die zweite Hälfte des Refrains (4:26) klingt absolut himmlisch mit Kate Lotts gehaltenem Ton, der über allem anderen schwebt. Einzig bei "Colors Of The Wind" scheint mir Chrystal Johnsons Stimme und Aussprache nicht hundertprozentig zum Stück zu passen, das Ergebnis ist aber trotzdem klasse. Entgegen dem üblichen gewaltigen Ende gibt es hier einen leisen Schlussabschnitt, der einzelne Melodieteile der vorherigen Stücke verschmelzen lässt.


    4. Disney Heroes and Villains Medley

    Dieses Medley stammt vom Ende letzten Jahres erschienenen Album "The Corner of Broadway & Main Street Vol. 2". Die Konzeption dieses Medleys besteht darin, immer abwechselnd einen Schurken-Song und einen Helden-Song der Disneyfilme zu behandeln. Im Gegensatz zum Princess-Medley treten hier nur die Herren solistisch auf. Das Medley bearbeitet: "Friends On The Other Side" (Aus: The Princess and the Frog/Küss den Frosch, 2009), "Go The Distance" (Aus: Hercules, 1997), "The Mob Song" (Aus: Beauty and the Beast/Die Schöne und das Biest, 1991), "A Whole New World" (Aus: Aladdin, 1992), "Be Prepared" (Aus: The Lion King/Der König der Löwen, 1994) und "Out There" (Aus: The Hunchback of Notre Dame/Der Glöckner von Notre Dame, 1996).


    Dr. Facilier ("Friends On The Other Side", gesungen von Karl Hudson) und Scar ("Be Prepared", gesungen von Kurt von Schmittou) klingen herrlich böse und bestechen durch enorme Tiefe (Hudson) und beängstigenden Wahnsinn (von Schmittou). Ray singt "Go The Distance" im Vergleich zu Maldonado/Lewis aus dem Disney Love Medley erstaunlich schlicht, dennoch mit eigenem Charme, was dem Stück wirklich gut tut. Das abschließende "Out There", gesungen von E.J. Cardona ist schlicht überwältigend, auch hier tritt wieder einmal eine Bruckner-Kadenz gegen Ende auf. Cardona hält seinen letzten Ton knapp 20 Sekunden lang - Wahnsinn!


    5. O Come, All Ye Faithful

    Um noch einen anderen Blick auf dieses Ensemble abseits der Disney-Medleys zu bieten, hier einmal ihre Adaption des altbekannten "Adeste fideles". Diese Version ist nichts für Traditionalisten, bietet aber klangliche Opulenz allererster Güte. E.J. Cardona übernimmt eine Wechselrolle aus Solist und Chorsänger und liefert einen der gewaltigsten Schlüsse eines Stückes, die ich je gehört habe (ab 3:55). Gegen Ende singt er knapp 25 Sekunden lang auf einen einzigen Atemzug - mit integriertem Tonsprung!


    Natürlich sind alle diese Beispiele sehr auf große Wirkung aus, keine Frage. Dennoch sind die Leistungen absolut überragend, seit ich dieses Ensemble entdeckt habe, höre ich sie immer wieder mit großem Genuss, auch wenn die Gefahr des "Satthörens" gegeben ist.


    Mehr Informationen und sämtliche CDs des Ensembles sind auf ihrer Website zu finden, mehr zu hören gibt es dagegen auch auf dem Youtube-Kanal von Voctave. Von den CDs kann ich insbesondere The Corner of Broadway & Main Street Vol. 1 & 2 empfehlen, ebenso die Weihnachts-CDs. Die Orchester-CDs halte ich dagegen für weniger gut gelungen, die a cappella-Fassungen gefallen mir besser, zudem sind hier die Spielzeiten sehr kurz.


    Ich hoffe, ich konnte trotz des nicht klassischen Repertoires dieses Ensemble dem ein oder anderen hier schmackhaft machen ;)


    Viel Spaß beim Hören und Entdecken!


    Liebe Grüße,

    Amdir

    CD Nr. 5 als mein Einstieg in diese Box:




    Richard Strauss

    Tod und Verklärung, op.24


    Richard Wagner

    Siegfried-Idyll


    San Francisco Symphony Orchestra

    Pierre Monteux


    Aufgenommen am 23. & 24. Januar 1960




    Zwei tolle Aufnahmen dieser Werke! Vor allem Tod und Verklärung hinterlässt einen bleibenden Eindruck, die großen Steigerungen sind hier absolut gewaltig in Szene gesetzt.

    Bei der Erscheinungsgeschwindigkeit könnte der Currentzis/Beethoven-Zyklus bis 2030 vollendet sein. Vielleicht kommt als nächstes die "Leonoren"-Ouvertüre Nr. 3 auf einer Einzel-CD heraus.

    Wenn wir ganz großes Glück haben vielleicht ja aber auch stattdessen ein unbekannteres Werk, wie der von mir sehr geschätzte Kanon "Im Arm der Liebe ruht sich's wohl" (WoO 159): Eine Einzel-CD von musicAeterna unter der Leitung von Currentzis mit nur diesem Stück (Spielzeit je nach Wiederholungsanzahl 1-2 min) :love:

    Hallo liebe Taminos,


    seit einigen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Sinfonien Anton Bruckners und bin dabei auf ein rätselhaftes "Problem" gestoßen, das ich hier vorstellen und diskutieren möchte.


    Mein Bruckner-Einstieg war die 6. Sinfonie in A-Dur und obwohl diese lange Zeit die einzige Bruckner-Sinfonie war, der ich etwas abgewinnen konnte (die durchschnittlich längere Dauer der übrigen "großen" Sinfonien schreckte mich ab), hinterließ jedoch ein Punkt, der an dieser Sinfonie ohnehin oft kritisiert wird, einen unangenehmen Beigeschmack: Der Finalsatz.


    Der Finalsatz dieser Sinfonie ist vergleichsweise kurz und auch die Coda mit dem erneuten Auftreten des Hauptthemas des 1. Satzes ist schnell vorbei. Ich erwischte mich beim Hören dieser Sinfonie immer wieder dabei, hauptsächlich den Kopfsatz und hier besonders die Coda wiederholt zu hören. Im Gegensatz zum Finalsatz bereitet Bruckner die Coda des Kopfsatzes (Buchstabe W) wirklich vor und erschafft einen langsamen Aufbau mit wahnsinniger Sogwirkung, während er das Anfangsmotiv immer lauter werdend einmal rund um den Quintenzirkel jagt. Der "Marschrhythmus", den den ganzen Satz beherrscht, tritt auch hier immerwährend auf, bis in die großen Steigerungen hinein. Meiner Meinung nach ist diese Coda eine der besten Stellen, die Bruckner je geschrieben hat.


    Für mich bestand daher immer das Problem, dass ich die Coda des Kopfsatzes um ein Vielfaches lieber mochte als die des Finalsatzes.


    Als ich die weiteren Sinfonien nach und nach kennenlernte, bin ich nach Empfehlungen von Bekannten vorgegangen, sodass ich nach der 6. Sinfonie die 7. Sinfonie in E-Dur kennenlernte. Hier bot sich mir ein bekanntes Bild - das Finale ist im Vergleich zum Kopfsatz kurz geraten und auch hier übersteigt die Gewaltigkeit der Kopfsatzcoda die der Finalsatzcoda mMn bei Weitem, wenn auch nicht so eklatant wie bei der 6. Sinfonie. Die Schlusscoda der Sinfonie wird hier immerhin durch die vorangehende Steigerungswelle mit abschließender Blechbläserkadenz gut vorbereitet, die Coda beginnt leise und baut sich nach und nach auf - jedoch auch über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum.


    Die Coda des Kopfsatzes (Buchstabe X) hingegen lässt sich länger Zeit. Dies gibt der Steigerung mehr Raum und Atem, sodass die Sogwirkung eine deutlich größere ist. Auch die abschließende graduelle Diminution der E-Dur-Fanfare in den Trompeten (Ab Buchstabe Z zunächst alle zwei Takte, dann jeden Takt, dann zwei Takte lang auf Schlag 1 und 2 und abschließend zwei Takte lang durchgehend in Vierteln) sorgen für diese Wirkung, die sich in der Finalcoda, so klasse sie auch ist, nicht einstellen mag.


    Obwohl in dieser Sinfonie die beiden Codas nicht von so gewaltig unterschiedlicher Qualität/Wirkung sind wie in der 6. Sinfonie, stellt sich ein ähnlicher Eindruck ein. In der 7. Sinfonie liegt dies mMn insbesondere an der Passage VOR der Kopfsatzcoda (Buchstabe W - Sehr feierlich). Hier kommt es polyphonen Verschränkungen des Mollteils des Hauptmotives über einem immerwährenden Orgelpunkt. Innerhalb dieser Passage kommt es zu einer großen dynamischen Steigerung mit anschließendem Abfall, der die eigentliche Coda vorbereitet. Da der Orgelpunkt jedoch ab Buchstabe W über die Coda (Buchstabe X) bis zum Ende der Sinfonie permanent liegen bleibt, werden beide Passagen aneinandergeheftet und miteinander verbunden, sodass hier eine weitaus stärkere Wirkung erzielt wird. Auch hier - mMn eine der besten Brucknerpassagen überhaupt!


    Dies sind mMn die einzigen beiden Sinfonien, in denen sich dieser Eindruck einstellt, seltsamerweise bei einer der vergleichsweise (leider) unbeliebteren Brucknersinfonien und bei der wohl beliebtesten. Problematisch ist dieser Eindruck meiner Meinung nach deswegen, weil die schiere Länge der Brucknersinfonien eigentlich eine Ausrichtung auf den Finalsatz erfordert (ähnlich Beethovens 9.).


    Ein (positives) Gegenbeispiel ist die 5. Sinfonie in B-Dur. Wer diese Sinfonie kennt, kennt auch die unermesslich gewaltige Schlusscoda, ein würdiger Abschluss von Bruckners wohl polyphonstem Schlusssatz und seiner wohl polyphonsten Sinfonie. Die Kopfsatzcoda kann sich dem nur unterordnen - dennoch ist sie trotz ihrer Kürze von einer Großartigkeit, die ihresgleichen sucht. Ähnlich gestaltet sich dies bei der 4. Sinfonie in Es-Dur (in der üblicherweise gespielten Zweitfassung). In der 8. Sinfonie treibt Bruckner den Gegensatz auf die Spitze - der gewaltigen Schlusscoda steht ein leises Ende des Kopfsatzes entgegen.


    Des "Rätsels Lösung" konnte ich 2018 in meiner Geburtsstadt Detmold erfahren. Das Orchester der HfM Detmold gab ein Konzert unter der Leitung von Florian Ludwig - auf dem Programm stand u.a. Bruckners 7. Sinfonie. Das Besondere war aber, dass am Vorabend des Konzertes ein Gesprächskonzert mit Benjamin-Gunnar Cohrs, dem bekannten Bruckner-Spezialisten, stattfand, der durch die 7. Sinfonie führte. Ein ungemein interessanter Abend, in dem Cohrs auch die Entstehungsgeschichte beleuchtete (chronologisch begann er deshalb mit Ausführungen und Klangbeispielen zum 3. Satz). In seinen Erläuterungen zum 1. Satz kam er genau auf obiges Problem zu sprechen, da sich bei ihm laut seinen Aussagen diese Eindrücke im Laufe der Zeit ebenfalls eingestellt hatten.


    Der Grund dieses Problems - so Cohrs - läge im Falle der 7. Sinfonie an der quasi nie konsequent bis zum Schluss durchgeführten Anweisung "Sehr ruhig, nach und nach etwas schneller" in der Coda des Kopfsatzes (Buchstabe X). Nur wenn diese Anweisung befolgt würde, könne dieser Coda noch etwas folgen. Und tatsächlich, Cohrs ließ die Coda mit fortwährendem accelerando spielen (auch Florian Ludwig tat dies am Folgeabend) und das Ergebnis war überwältigend! Vor allem am Folgetag habe ich die Sinfonie so geschlossen und aus einem Guss erlebt wie nie zuvor oder danach.

    Leider ging die konsequente Durchführung dieser Spielanweisung natürlich auf Kosten der Großartigkeit der Kopfsatzcoda (wenn man sie einzeln betrachtet), das Gesamtergebnis war aber fantastisch.


    Hier aber das Manko: In der Coda des Kopfsatzes der 6. Sinfonie gibt es kein solches accelerando. Wie hier das Problem zu lösen ist, weiß ich leider nicht (bedauerlicherweise habe ich Herrn Cohrs nicht darauf angesprochen).


    Wie sind eure Meinungen zu dem "Coda-Problem"? Habt ihr ähnliche Ansichten wie ich? Und kennt ihr vielleicht Aufnahmen, in denen versucht wird, dem entgegenzuwirken? Mir ist aktuell keine Aufnahme der 7. Sinfonie bekannt, die tatsächlich ein fortwährendes accelerando vollzieht.


    Ich freue mich auf anregende Diskussionen :)


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Hallo Garaguly,

    von Gunzenhauser gibt es gar keine Einspielung der 2. Sinfonie, oder täusche ich mich da? Ich habe ja neulich die Naxos-Ausgabe unter Keith Clark gehört, die meintest du wahrscheinlich. Ich habe nun mal auszugsweise auf Youtube in andere Aufnahmen reingehört, meine Eindrücke bestätigen sich. Die Clark-Aufnahme ist im Vergleich zu den anderen Aufnahmen zu Beginn deutlich langsamer und leiser, da hätte man mehr rausholen können/müssen! Ich werde mir also tatsächlich die Chandos-Box zulegen müssen...


    Liebe Grüße,

    Amdir





    Reinhold Moritzevitch Glière

    Sinfonie Nr. 3 "Il'ya Muromets" op. 42

    Czecho-Slovak Radio Symphony Orchestra Bratislava

    Donald Johanos


    Aufgenommen im Februar 1991






    Das hat mir doch direkt viel besser gefallen als die 2. Sinfonie und die Saporoger Kosaken! Wirklich ein gewaltiges Werk, klasse! Das Stück werde ich auf jeden Fall demnächst noch einmal hören.

    Hallo Apollon,

    danke für den Hinweis, die Chandos-Orchesterwerke-Box steht schon länger auf meiner Liste. Ich habe aber vor ein paar Monaten die von mir gehörte Naxos-CD zusammen mit der Naxos-Aufnahme der 3. Sinfonie (unter David Johanos) günstig gebraucht gekauft, deswegen werde ich mich heute oder morgen noch an die Johanos-Aufnahme machen. Mehr Glière-CDs besitze ich noch nicht, vielleicht dann ja aber mal die Chandos-Box.

    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt auf die 3. Sinfonie und erhoffe mir Besseres als das bisher Gehörte ;)


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Glières 3. wird hier im Forum ja recht geschätzt, deshalb versuche ich es mal mit seiner Musik als Erstbegegnung. Von Glière habe ich nämlich bisher leider noch nichts angehört. Vor "Il'ya Muromets" kommt hier aber:




    Reinhold Moritzevitch Glière

    Sinfonie Nr. 2 op. 25

    Die Saporoger Kosaken op. 64


    Czecho-Slovak Radio Symphony Orchestra Bratislava

    Keith Clark


    Aufgenommen im November 1987





    Hm. Für mich jetzt leider nicht so der Knaller. Mit den Russen habe ich es ohnehin nicht so, da haben mir Prokofiev oder Shostakovich aber trotzdem mehr zugesagt. Mir ist jetzt aber nach dem Hören keine Melodie etc. im Kopf geblieben, die Sinfonie ist auch mMn nicht so spannend interpretiert, wie es hätte sein können. Die "Kosaken" sind da schon flotter gespielt. Mal schauen, ob die 3. da ein besseres Bild abgibt.

    Vielen Dank, dass ich selber das Bild ändern kann, wusste ich nicht. Ich habe mich jetzt für nebenstehende Version entschieden, es ging mir auch nur um einen kleinen "Zoom-Out" und eine leichte Aufhellung. So bin ich jetzt auf jeden Fall zufrieden :thumbup:

    Danke für die Hilfe!

    Liebe Grüße,

    Amdir

    Hallo Alfred,

    vielen Dank, dass das klappt und von dir auch so schnell umgesetzt wurde! Das Profilbild ist mir jetzt noch ein bisschen zu dunkel, auch hatte ich eigentlich einen etwas größeren Gemäldeausschnitt vorgesehen. Wäre es in Ordnung für dich, wenn ich dir eine farblich aufgehellte Version mit angepasstem Gemäldeausschnitt per Mail schicke?


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Hallo Alfred,

    da ich mittlerweile über 25 Beiträge habe, würde ich mir auch gerne ein Avatarbild zulegen.

    Wünschen würde ich mir ein Bild meines Lieblingskomponisten, Jean Sibelius.

    Ich habe hierbei an eine farblich angepasste Version dieser Fotografie eines Gemäldes aus dem Jahr 1892 gedacht (Unter dem Link finden sich auch die Quellenangaben). Ist dies copyrightmäßig in Ordnung oder muss ich hierfür bei der Finnish National Gallery um Erlaubnis bitten? Auf der Seite der Galerie gibt es ein riesiges Archiv an Fotografien von Gemälden, zum Teil copyrightfrei, zum Teil nicht. Das angegebene Bild war aber leider nicht darunter.

    Wenn das Bild in Ordnung geht, würde ich dir dann eine 140x140 Pixel große, farblich angepasste Version zum Einstellen schicken.


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Heute höre ich diese Wagner-Zusammenstellung zu Ende:


    Richard Wagner


    Walkürenritt (mit Gesang)

    Berliner Philharmoniker

    Herbert von Karajan


    Vorspiel zu Tristan und Isolde

    Isoldes Liebestod (orchestral)

    Wiener Philharmoniker

    Karl Böhm


    Vorspiel zu Parsifal

    Karfreitagszauber

    Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

    Eugen Jochum


    Faust-Ouvertüre

    Bamberger Symphoniker

    Otto Gerdes


    Rienzi-Ouvertüre

    Wiener Philharmoniker

    Karl Böhm


    Aufgenommen zwischen 1958 und 1981


    Hilfe, ist das eine lange Liste. Die Zusammenstellung hat mir aber gut gefallen, einzig der Walkürenritt sagte mir nicht so zu (mag am Gesang liegen). Die Doppel-CD hat mir insgesamt großen Spaß gemacht, auch wenn ich Böhms Tristan-Stücke sowie Jochums Parsifal-Stücke schon anderweitig auf CD habe. Für den Rest hat sich der Kauf aber trotzdem gelohnt.

    Hilfe, ich höre spätabends freiwillig Wagner:


    Richard Wagner

    Ouvertüre zum Fliegenden Holländer

    Vorspiele zu den Akten I und III von Lohengrin

    Tannhäuser-Ouvertüre


    Karl Böhm

    Wiener Philharmoniker


    Siegfried-Idyll

    Meistersinger-Vorspiel


    Rafael Kubelik

    Berliner Philharmoniker


    Aufgenommen zwischen 1963 und 1981


    Ich bin allgemein so gar kein Opernhörer (außer vielleicht mal die Zauberflöte), aber Tristan, Lohengrin und Parsifal mag ich doch sehr gerne. Die Vorspiele sind für mich oftmals das Highlight, weshalb mir diese Zusammenstellung sehr gut gefällt. Dass zumindest auf der 1. Disc dieses Doppelalbums nicht gesungen wird, kommt mir zugute, rein Orchestrales liegt mir da eben doch mehr ;)


    Die 5. Sinfonie von diesem John Sodelius oder wie der heißt wollte ich immer schon mal hören. Deswegen mache ich das jetzt auch, als Beiwerk gibt es den Valse triste und Griegs Peer-Gynt-Suiten. Heute mal ohne Bild, da bei jpc nicht eingetragen (auch nicht unter den nicht erhältlichen Aufnahmen):


    Jean Sibelius

    Sinfonie Nr. 5, op. 82

    Valse triste, op. 44


    Edvard Grieg

    Peer-Gynt-Suite Nr. 1, op. 46

    Peer-Gynt-Suite Nr. 2, op. 55


    Andrew Schenck

    Ljubljana Symphony Orchestra


    Aufgenommen vermutlich 1989

    Hallo teleton,

    da hast du absolut Recht, im Gesamten haben mir die Interpretationen von Blomstedt sehr zugesagt. Beim mehrmaligen Hören des Schlusses der 4. empfand ich die Spielweise auch nicht mehr als ganz so überraschend zahm wie beim ersten Hören, ich konnte mich ein wenig daran gewöhnen. Ich kenne tatsächlich die Einspielungen von Martinon, Bernstein und Karajan, weshalb ich da "besseres" gewohnt bin. Sehr gerne schaue ich mir auch immer wieder das Youtube-Video von Paavo Järvi mit dem hr-Sinfonieorchester an, auch da wird einem Fabelhaftes geboten.

    Zum Thema Klang kann ich leider nicht so viel sagen, ich höre meistens über Lautsprecher. Hier in meiner kleinen Studentenbude habe ich auch nur eine günstige Billig-Anlage mit CD-Spieler, insofern kann ich das leider schlecht beurteilen. In meinem Elternhaus steht die alte, damals sehr teure HiFi-Anlage meines Vaters, die er mir vor ein paar Jahren geschenkt hat. Da muss ich wohl mal nachhören ;) Beim ersten Hören ist mir aber kein negatives Klangbild aufgefallen.


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Ein kleiner Nachtrag zu dieser Aufnahme gestern: Die 4. unter Blomstedt hat mich leider ein wenig enttäuscht zurückgelassen, was vor allem an der Coda liegt, die mir zu zahm bzw. leise ist. Der zweitletzte Paukeneinsatz ist weit von einem mf entfernt (eher p/pp), das letzte Anschwillen des Orchesters beginnt zu spät und startet aus einem gefühlten mp, nicht aus dem geforderten "poco f". Dadurch fällt der Schluss einer ansonsten guten bis sehr guten 4. leider ab. Die 5. ist dafür wieder besser getroffen, insgesamt gefielen mir aber die ersten drei Sinfonien in Blomstedts Lesart besser als die 4. und 5.


    Mal schauen, ob die 6. (mit der ich von Nielsens Sinfonien leider am wenigsten etwas anfangen kann) etwas daran ändert :





    Carl Nielsen



    Sinfonie Nr. 6 "Sinfonia semplice" op. 29

    Little Suite op. 1

    Hymnus amoris op. 12



    San Francisco Symphony

    Herbert Blomstedt (Sinfonie Nr. 6)



    The Danish National Radio Symphony Orchestra

    The Danish National Radio Choir & Copenhagen Boys Choir

    Barbara Bonney (S)

    John Mark Ainsley (T)

    Lars Pedersen (T)

    Michael W. Hansen (Bar.)

    Bo Anker Hansen (B)

    Ulf Schirmer (Dir.)


    Aufgenommen im September 1988 (Sinfonie Nr. 6) & August 1995