Beiträge von Amdir

    Ich habe heute Nachmittag eine neue jpc-Großbestellung getätigt, diesmal fast ausschließlich Neuland für mich. Besonders freue ich mich auf die Volbach-Scheibe, die Livekonzerte 2019 habe ich leider wegen anderer Termine verpasst, so kann ich sie zumindest teilweise nachholen.

    Ein paar Thielemann-CDs, die im Angebot sind, habe ich nach reiflicher Überlegung im Vorfeld aus der Bestellung wieder entfernt (Schönbergs Gurre-Lieder sowie Bruckner 7&8), das Budget musste eingehalten werden und gerade bei Bruckner bin ich doch schon recht gesättigt ;)







    Hallo zusammen,

    kennt zufällig jemand den Swarowsky-Ring (1968)?

    Den gibt es bei jpc gerade für einen schmalen Taler im Angebot, ist der zu empfehlen? Ich bin kein Opernhörer (außer der Zauberflöte und Wagners Parsifal, Tristan und Lohengrin), deshalb habe ich den Ring bisher auch nur im Rahmen einer Billig-Wagneroperngesamtausgabe dirigiert von Günter Neuhold (keine Sorge, der Solti-Ring soll auch noch irgendwann bei mir Einzug finden). Für einen Zehner kann man da wahrscheinlich wenig falsch machen, oder? ^^

    Das ist eine gute Frage, lieber Amdir. Etwas Recherche förderte Konzertauftritte bis mindestens 2019 zutage. Seit Beginn der Pandemie finde ich nichts, allerdings auch nirgends einen Beleg, dass er sich offiziell als Dirigent zurückgezogen hätte. Mit 84 Jahren wäre das indes nicht undenkbar, da er gesundheitlich wohl auch nicht mehr voll auf der Höhe sein soll, wie hier im Forum von Besuchern seiner Konzerte in jüngster Zeit gemutmaßt wurde.

    Ich habe vor meinem Beitrag nach "Neeme Järvi 2021" gesucht, da fand ich immerhin einen abgesagten Termin aus dem März diesen Jahres sowie einen geplanten Konzerttermin für April 2022 (jeweils mit dem Bruckner-Orchester Linz).

    Puh, ich finde es sehr schwer, eine passende Liste zusammenzustellen. Für mich ist es insbesondere schwer, dabei auch auf meine persönlichen Präferenzen Rücksicht zu nehmen bzw. diese nicht zu sehr mitschwingen zu lassen. Ich versuche es trotzdem mal:


    1. Paavo Järvi (5)

    2. Herbert Blomstedt (4)

    3. Neeme Järvi (3)

    4. Daniel Barenboim (2)

    5. Hannu Lintu (1)


    Paavo Järvi ist für mich die klare Nummer 1. Extrem aktiv, tolle Mischung aus "Mainstream"- und Nischenrepertoire und fast immer spannende Interpretationen.


    Herbert Blomstedt ist für mich ein Wunder - in dem Alter noch so aktiv zu sein - unglaublich! Ihn live zu erleben ist echt ein Erlebnis, wenn er vom Alter gebeugt auf die Bühne tapst und trotz spärlicher Bewegungen eine ungeheure Freude an der Musik ausstrahlt (was sich auf die Orchester überträgt). Gefühlt schränkt Blomstedt sein Repertoire in den letzten Jahren etwas ein, unter Rücksicht auf sein hohes Alter will ich ihm das nicht verübeln. Trotzdem hat er immer noch eine schöne Repertoiremischung aus (nordischer) Nische und Mainstream.


    Neeme Järvi, der König des Randrepertoirs. Ich persönlich kriege nicht mehr viel von ihm mit, aktiv ist er aber wohl noch. Seine Leistungen im Bereich der CD-Aufnahmen (insbesondere in unbekannten Gewässern) sind legendär, wie viele Komponisten habe ich nur durch ihn kennengelernt... Das rechtfertigt mMn den dritten Platz.


    Daniel Barenboim ist zwar menschlich und interpretatorisch nicht (oder nicht immer) mein Fall, trotzdem halte ich es für objektiv richtig, ihn hier aufzuführen. Barenboim ist mMn eher ein Mainstreamrepertoire-Dirigent, das ist ja hier aber auch gefordert.


    Hannu Lintu gehört wahrscheinlich nicht unbedingt in diese Liste, als einen meiner persönlichen Lieblingsdirigenten wollte ich ihn aber zumindest auf dem letzten Platz aufzählen. Interpretatorisch liefert er wie Paavo Järvi fast immer Hochspannendes ab, sein Repertoire ist dafür nicht so groß (hauptsächlich nordische Romantik und Moderne).


    Nicht dabei sind Gestalten wie Thielemann (gefühlt nur Bruckner, Wagner und Strauss immer, immer und immer wieder zu dirigieren - bei quasi gleichbleibender Interpretation - reicht mMn nicht, auch wenn ich seinen Wagner mag), Nelsons (liegt mir interpretatorisch leider gar nicht), Kirill Petrenko (gefühlt 0 Aufnahmen) oder Muti (hätte auf den 5. Platz gekonnt, ist aufgrund persönlicher Vorliebe aber rausgeflogen).

    Nachdem Klassikfan1 und Rolo schon vorgelegt haben, breche ich auch endlich mal die Fujioka-Sibelius-Box an:


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    Jean Sibelius


    Sinfonie Nr. 1 e-Moll, Op. 39

    Violinkonzert d-Moll, Op. 47


    Aufgenommen am 21. Juni 2018 bzw. 17. Juli 2020






    Eine wirklich gute Aufnahme der 1. Sinfonie. Schöne Pauken, insbesondere in den beiden Steigerungspassagen im 1. Satz (ca. 4 Minuten nach Satzbeginn - kurz vor Buchstabe G in der Partitur, sowie kurz vor Satzende - Buchstabe X in der Partitur). In den allermeisten Aufnahmen sind in diesen Stellen die Pauken in den Gesamtklang eingebettet (Ausnahme: Bernstein/Wiener PO, beide Segerstam-Aufnahmen), Fujioka wählt den Mittelweg, die Pauken sind etwas exponiert, wenn auch nicht so sehr quasi-solistisch wie in Bernsteins Wiener Aufnahme (Mein All-Time-Favourite für diese Sinfonie).

    Fantastisch im letzten Satz Buchstabe O, nur Karajan lässt die Pauken ähnlich in den Vordergrund treten (und Bernstein - mit Abstrichen)!

    Alles in allem eine tolle Aufnahme, auf jeden Fall teletontauglich ;)


    Das Violinkonzert kann mMn nicht mit der Flut an Vergleichsaufnahmen mithalten, Konzertmeister und Solist Sukeyuki Iwatani leistet sich gegen Ende des 1. und 3. Satzes leider einige Unsauberheiten und -ungenauigkeiten, generell hatte ich manchmal das Gefühl, dass das Zusammenspiel zwischen Orchester und Solist nicht perfekt harmoniert. Trotzdem ordentlich musiziert und eine willkommene Beigabe, mein Fokus lag aber ohnehin von vornherein auf den Sinfonien, daher bin ich gespannt, was die übrigen Sinfonien zu bieten haben :)


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Ein Sibelius Zyklus, die in keiner Sammlung fehlen darf. :)

    Na, dann bin ich mal gespannt auf die Aufnahmen ;)


    Eins noch, wie bist du auf die Aufnahmen gekommen?

    Folgende Seite wird regelmäßig aktualisiert:


    https://sibeliusone.com/recordings/


    Etwas runterscrollen zu "Listing of new or reissued recordings of music by Sibelius". Achtung: Die CD "Nordic Love - Selected Songs by Jean Sibelius" steht immer ganz oben in der Liste, weil es sich um eine CD handelt, die von SibeliusOne selber vertrieben wird. Dementsprechend ist der zweite Eintrag immer der neueste ;) Hier bin ich auf den Fujioka-Zyklus gestoßen.


    Bei der im Oktober erscheinenden Rosbaud-Doppel-CD war SibeliusOne etwas langsam, beim verbotenen Urwaldfluss hatte ich die CDs schon etwa eine Woche vor der Auflistung bei SibeliusOne entdeckt (Hier hilft immer eine Suche in der Musik-CD-Kategorie mit dem Suchwort "Sibelius" und dem Filter "Erscheinungstermin").


    Auch die Diskographie im Excel-Format ist sehr zu empfehlen, wenn auch schwer zu überblicken (und zumindest im Falle der 5. Sinfonie nicht komplett vollständig).


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Bei mir kamen heute folgende Sibelius-CDs aus dem fernen Nippon an:

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    Obwohl das Cover als reines Bild im Internet mMn eher billig aufgemacht wirkt, bietet das reale Produkt einen komplett anderen Eindruck: Ein sehr hochwertiger, dicker Schuber mit silberner Schriftprägung, in welchem vier Jewelcases für die CDs sowie ein Booklet (Japanisch und Englisch) stecken. Bei der edlen Aufmachung schmerzt der hohe Preis direkt etwas weniger. Ich bin gespannt auf die Interpretationen!


    In derselben Lieferung ist im Rahmen meiner Sibelius 5. Sinfonie-Komplettierungsmission nachstehende Seltenheit angekommen:


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    (Akeo Watanabe - Bruch Violinkonzert Nr. 1, Sibelius 5, Schwan von Tuonela)


    Alles über tower records bestellt, leider mit ca. 125€ recht teuer (Insg. ca. 76€ für die CDs, Versandgebühren innerhalb Japans und Gebühren des externen Versanddienstleisters, dazu kamen knapp 30€ internationale Versand- und Bearbeitungsgebühren, schließlich noch 18,50€ für den Zoll bzw. Zollauslagegebühren von DHL).


    Das Konto weint, das Sibelius-Herz jubelt :) Der seltene Zyklus von Tadaaki Otaka und dem Sapporo Symphony Orchestra kam mich außerdem noch teurer (und da war keine zusätzliche CD dabei), insofern ist die Ausgabe zu verschmerzen, Bestellungen aus Asien bleiben auch hoffentlich seltene Ausnahmen. Mal schauen, was die Aufnahmen bereithalten (ich hoffe, das finanzielle Selbstmordattentat hat sich gelohnt).


    Vielen Dank an Klassikfan1 für die Hilfe bei der Kaufabwicklung :)

    Lieber Accuphan, beim Lesen deines Beitrages (und unter Berücksichtigung des Kultstatus, den Wands Zyklus besitzt) musste ich unwillkürlich sofort an Bachs Choralbearbeitung "Weg mit allen Schätzen" aus der berühmten Motette "Jesu meine Freude" denken, die ich selber auch schon einige Male als Tenor singen durfte:



    "Weg mit allen Schätzen [...]!"

    "Weg, ihr eitlen Ehren, ich mag euch nicht hören, bleibt mir unbewusst!" :hahahaha:


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Lieber Amdir,

    hast du dir den neuen Sibelius Zyklus schon bestellt?

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    Lieber Klassikfan,

    ja, den Zyklus habe ich gestern bestellt. Trotz des mMn wenig ansprechenden Covers (vielleicht sieht es besser aus, wenn man die Box in Händen hält) konnte ich nicht widerstehen. Mal schauen, wie lange die CDs aus Japan brauchen (und welche Größe das Loch hat, dass sie letztendlich inkl. aller Gebühren und Abgaben in mein Portemonnaie reißen ;().


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Da pflichte ich Dir vollkommen bei, lieber Apollon. Die NAXOS-Aufnahmen finde ich nicht schlecht, aber wie so oft ist das Bessere des Guten Feind. Die DG-Aufnahme der Schmidt-Symphonien ist deutlich überlegen.

    Nur eine kleine Korrektur: die DG-Aufnahme mit dem hr-sinfonieorchester wird von Paavo Järvi dirigiert, nicht von N. Järvi, wie Du schreibst. Vater Neeme hat die Schmidt-Symphonien für CHANDOS ja schon vor Jahrzehnten eingespielt - und nicht schlecht, wie ich finde!:thumbup: Aber Sohn Paavo kriegt es besser hin. Für mich ist die Paavo-Järvi-Einspielung die beste Gesamtaufnahme, die derzeit am Markt ist.


    Grüße

    Garaguly

    Da muss ich mal einhaken ^^

    Ich stimme zu, die Naxos-Aufnahmen sind gut, werden aber von den Järvis überschattet.

    Allerdings finde ich Paavo nicht durchweg besser als Neeme. Die Sinfonien 1 und 2 gefallen mir bei Neeme besser, das schärfere Blech der amerikanischen Orchester gibt hier (insbesondere in den Schlusschorälen der Sinfonien) mMn den deutlichen Ausschlag zugunsten des Vaters. Bei Paavo klingt mir das Blech oft zu wenig in Vordergrund und klingt leicht wattig. Dennoch sind die Einspielungen von Paavo wirklich sehr, sehr gut, ich setze deshalb beide Einspielungen gleichberechtigt auf den Thron, sie ergänzen sich hervorragend!


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Lustig, die Doppel-CD habe ich gestern morgen gehört, gefiel mir gut! Eine schöne Zusammenstellung, auch wenn mir nicht bei allen Stücken der Halloween/Monster-Bezug klar geworden ist, aber was soll's!

    Normalerweise mag ich solche Sampler nicht wirklich, die Zusammenstellung der Stücke hat mir auf dem Papier aber schon zugesagt und nachdem jpc die Doppel-CD neulich für 1,99€ im Ausverkauf hatte, habe ich sie einfach mal mitbestellt. Hat sich für mich schon alleine für den Ersteindruck der Stokowski-Version der Nacht auf dem kahlen Berge sowie für weitere Interpretationen des verzauberten Sees, Zauberlehrlings und Danse macabre gelohnt.


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Erscheint am 17.09. und könnte im Vergleich hochinteressant sein:

    Anton Bruckner (1824-1896): Symphonie Nr.4 (Die 3 Versionen), 4 CDs (Rückseite)


    Kein Haas, kein Nowak mehr. Nach Korstvedt hatte auch schon Welser-Möst 2012 die 1888-Version eingespielt

    Das scheint eine sehr interessante Einspielung zu werden, leider erfährt man noch nicht wirklich, was außer dem Volksfest-Finale (das ich trotz seiner offensichtlichen Schwächen sehr schätze) auf der vierten Disc enthalten sein wird... Naja, vielleicht folgen da noch Infos.

    So eine Vergleichseinspielung gab es m.W. auch schon einmal für die Dritte (?)

    Sehr richtig, lieber patebino, eine solche Vergleichseinspielung der dritten Sinfonie hat Johannes Wildner auf drei CDs mit der Neuen Philharmonie Westfalen für das Label SonArte aufgenommen. Sie liegt mir vor, enthalten sind die Nowak-Fassungen von 1873, 1877 und 1889, zusätzlich ein alternatives Adagio aus dem Jahr 1876. Eine sehr empfehlenswerte Box zum Vergleichshören!



    Liebe Grüße,

    Amdir

    Alle Sinfonien auf bluray in Bild und Ton und zusätzlich als CD-Version.

    Lieber Johannes, ich fürchte, da ist dir ein Fehler unterlaufen. Die von dir verlinkte Box für 45€ beinhaltet die Sinfonien "nur" auf SACD, die von dir beschriebene Box mit den Aufnahmen auf CDs (Achtung, NICHT auf SACDs) sowie Blurays (Video+Audio) ist diese hier (fast doppelt so teuer):















    Die teure Box erschien schon vor einiger Zeit, die abgespeckte Box (mit SACDs statt CDs) erst letzten Monat. Warum die Berliner so vorgehen (auch schon z.B. bei der Rattle-Sibelius-Box passiert), kann ich mir nur mit Profithintergedanken erklären... Dann doch lieber in der teuren Box die CDs direkt durch SACDs ersetzen.


    Liebe Grüße,

    Amdir


    Edit.: Fiesco war schneller ;)

    Lieber Rheingold, die Aufnahme werde ich mir wahrscheinlich holen. :)

    Lieber Klassikfan1,

    du bestellst ja anscheinend recht häufig bei tower.jp, ich habe gesehen, dass am 7. September in Japan ein neuer Live-Zyklus der Sibelius-Sinfonien unter Sachio Fujioka erscheint und würde den gerne zusammen mit einer weiteren CD (vor-)bestellen. Ich verzweifle aber ein wenig am Bestellvorgang (mangelnde Japanischkenntnisse und ich wüsste gerne, welche Kosten zu erwarten sind bzw. wie ich am Schlauesten bestelle), kannst du mir da evtl. weiterhelfen (gerne auch per Mail)?

    Liebe Grüße,

    Amdir

    Hallo lieber Amdir, die Winterreise mit Joyce DiDonato* ist aber so gänzlich anders als die mit Frau Fassbaender, die mir leider nicht so wahnsinnig gut gefällt. :(

    *Der Hammer!!:thumbup:

    Zu empfehlen wäre Nathalie Stutzmann! Top!

    Danke für deine Empfehlungen, lieber Fiesco! Dann werde ich mir wohl DiDinato/Nezet-Seguin tatsächlich demnächst zulegen müssen ;) Stutzmann hatte ich noch nicht so auf dem Schirm, ich höre mal rein!


    Was sagt dir denn an Fassbaenders Winterreise nicht so zu? Ich habe gerade noch mal ein wenig reingehört, die Dramatik und Expressivität der Aufnahme sowie das teils kalte, harte Klavierspiel von Reimann gefallen mir sehr, neben dem Vibrato sind mir aber noch ein paar Freiheiten im Notentext unangenehm aufgefallen. In meinem Lieblingslied der Winterreise - den Nebensonnen - wird z.B. eine ungeheure Dramatik erzeugt, klasse! Da kann ich auch über die nicht immer exakten Punktierungen hinwegsehen.

    Vielen Dank, lieber Apollon :) Ich habe zwar noch nicht alles gehört (ich höre mich gerade fleißig durch die Järvi-Box), auch sind die Martinů-Sinfonien und die Oramo-BluRay noch auf dem Postweg, bislang ist aber viel Erfreuliches dabei.

    Interessant auch die Winterreise von einer Frau gesungen. Zugegeben habe ich diese Einspielung noch nie gehört, sollte ich mal machen...

    Das war auch (neben dem günstigen Preis) mein Kaufgrund für diese Winterreise ;) Ich habe sehr viele positive Stimmen über die kürzlich erschienene Winterreise von Joyce DiDinato und Yannick Nezet-Seguin gehört und gelesen, die habe ich mir aber noch nicht zugelegt, wollte aber schon einmal einen Eindruck bekommen, wie die Winterreise gesungen von einer Frau wohl so klingen mag. Ich habe die CD vor ca. zwei Wochen gehört, sie hat mir gut gefallen, wenn ich mich richtig zurückerinnere, sang mir Frau Fassbaender nur mit etwas zuviel Vibrato.


    Sehr empfehlen kann ich aber bereits die Pinnock-CD mit Kammerarrangements, die sechs Zemlinsky-Lieder (als Erstbegegnung) finde ich in Christopher Austins Arrangement wirklich betörend!


    Liebe Grüße,

    Amdir

    Neben einer grausam kontoattackierenden jpc-Großbestellung vor einigen Wochen gab es bei mir in den letzten Monaten auch kleinere Einzelbestellungen, diesmal hauptsächlich zum Zwecke der Repertoireerweiterung (Saint-Saens, Toch, Martinů, Schönberg, Irgens Jensen & von Herzogenberg).




    jpc, wieso tut ihr mir das an...

    Ich habe tatsächlich auch schon vorgestern bestellt, nachdem leider schon drei meiner ausgewählten CDs nicht mehr zum reduzierten Preis vorhanden waren (Madetoja Sinf. 1&3, Klami-Orchesterwerke sowie Hornkonzerte dir. v. Sakari Oramo) und deshalb kurzerhand aus der Bestellung flogen:



    Da mir Böhms Dirigat so gut gefällt habe ich recherchiert und herausgefunden, dass es zwei weitere Live-Aufnahme von ihm gibt, einmal aus Berlin:


    Ich kenne die Aufnahmen leider nicht, alleine das Cover der Testament-Aufnahme würde mich aber davon abhalten, sie kaufen zu wollen. Was haben sich die Verantwortlichen da nur gedacht, Böhm als Grinsekatze auf das Cover zu packen? :no:


    Ein echtes Horror-Cover!

    Ich muss gestehen, was Franz Welser-Möst angeht, bin ich leider schon vor dem ersten Eindruck etwas vorbelastet gewesen:

    Seinen unrühmlichen Spitznamen kannte ich schon, zudem hatte mein Dozent für Orchesterdirigieren einmal erwähnt, dass er von W.-M. wenig halte (seine Worte waren mehr oder weniger "langweiliges Dirigat und langweilige Interpretationen, zum Einschlafen"). Insofern war ich von Anfang an etwas negativ eingestellt.


    Ich habe auch nur eine Aufnahme von ihm in meiner Sammlung, es handelt sich um die EMI-Aufnahme von Bruckners 7. Sinfonie. Diese habe ich vor einigen Jahren gebraucht gekauft und war überrascht, die Aufnahme ist mMn wirklich gut gelungen, wenn auch nicht überragend.

    Ich habe daraufhin noch weitere seiner Aufnahmen gehört, die ich ebenfalls alle als solide bis sehr gut beurteilen würde. Bruckners 5. gefällt mir wohl mit am besten.


    Da ich vor zwei Jahren Bruckners Te Deum dirigieren durfte, habe ich im Vorfeld alle möglichen Aufnahmen gehört, die Aufnahme von Welser-Möst gefiel mir im Hinblick auf die Temporelationen mit am besten, wenn auch auf Kosten der Dynamik und Feinarbeit. Auch seine Aufnahmen von Werken von Franz Schmidt sagen mir wirklich zu. Da muss ich CD-technisch also mal wieder nachlegen ;)


    Live habe ich ihn noch nicht erlebt, allerdings gibt es auch auf auf Youtube einige Mitschnitte. Negativ ist mir dabei leider ein Mitschnitt der Lemminkäinen-Suite von Sibelius in Erinnerung geblieben, vor allem "Lemminkäinens Rückkehr" ist leider wirklich langweilig geraten (man höre nur die weichgezeichneten Einsätze der Fagotti und der Klarinette zu Beginn).


    Allgemein habe ich bei F. W.-M. Interpretationen oft ein Gefühl der "Mittelmäßigkeit", meistens solide bis gut, aber selten erste Liga, Tendenz zur Langeweile. Vielleicht spielen da meine anfänglichen Vorurteile noch mit hinein, vielleicht schlummern ja aber auch noch Schätze in den von mir ungehörten Aufnahmen.


    Die beiden Schmidt-Aufnahmen sowie Bruckner 5 und vielleicht das Te Deum (die 8. evtl. auch, die habe ich mit ihm noch nicht gehört) möchte ich mir aber noch mit ihm zulegen, die haben mich bisher überzeugt!

    Gerade gehört:





    Hans Rott

    Sinfonie Nr. 1


    Mozarteumorchester Salzburg

    Constantin Trinks


    Aufgenommen live am 8.11.2015






    Ich kenne Rotts Sinfonie bereits durch die Einspielung von Paavo Järvi, ich wollte aber gerne eine Vergleichseinspielung haben. Da kam mir der jpc-Sonderpreis sehr zugute (Edit.: Der Preis liegt mittlerweile leider wieder bei 14,99€, ich habe vor einer Woche noch 3,99€ - 10% bezahlt), zumal die beiden neuesten Rott-CDs des Gürzenich-Orchesters noch recht teuer sind.


    Ich habe die Järvi-Aufnahme schon lange nicht mehr gehört (schade eigentlich), ich war hier beim Hören aber wirklich beeindruckt! Eine wuchtige Einspielung, die dem Werk mMn sehr gerecht wird. Eine klare Empfehlung von meiner Seite aus.

    Brahms Sinfonie Nr.1 c-moll op.68 (1876)


    Es gibt von Brahms Sinfonie Nr.1 noch zwei ganz herausragende Karajan - Aufführungen, die nur schwer auf CD greifbar sind und als beste der Brahms 1 gelten (dazu ggf in einem späteren Beitrag die YT-Datei).

    An der Stelle hake ich mich mal direkt ein, denn meine absolute Lieblingsaufnahme der 1. Sinfonie ist die Live-Aufnahme von Herbert von Karajan mit den Berliner Philharmonikern vom 5. Oktober 1988 in der Royal Festival Hall in London (wahrscheinlich meintest du u.a. diese Aufnahme):



    Es handelt sich dabei laut Booklet um Karajans letzte Aufführung der 1. Sinfonie von Brahms. Gekoppelt ist das Werk mit Arnold Schönbergs "Verklärter Nacht", da dies meine bisher einzige Aufnahme des Werks ist und ich es nicht wirklich kenne, schreibe ich dazu nichts.


    Brahms 1. Sinfonie ist aber wirklich gewaltig interpretiert. Das Tonbild ist zwar etwas hallig, rauschig und z.T. undifferenziert (ich denke beim Hören immer etwas an alte russische Aufnahmen mit schneidendem Blech und donnernden Pauken, auch wenn das hier nicht komplett zutrifft), dafür besticht die Aufnahme durch unglaubliche emotionale Wucht. Die Berliner spielen nicht perfekt, kurioserweise führt aber ausgerechnet eine der kleinen Ungenauigkeiten dazu, dass ich diese Aufnahme so sehr liebe:


    Wenn im 4. Satz in den letzten Minuten der vorher auftauchende Choral in triumphaler Manier wieder erscheint, erlaubt sich die Pauke bei den letzten beiden Akkorden des Chorals (C des F-Dur-Akkords in T. 414 und G des G-Dur-Akkords in T. 416) den kleinen Fehler, minimal zu früh einzusetzen, also eine Millisekunde vor dem Rest des Orchesters. Auch wenn dies nicht so in der Partitur steht, gefiel mir diese Stelle beim ersten Hören der Aufnahme sofort, denn die Wirkung ist eine ganz enorme und der Choral klingt so völlig anders als in allen anderen Aufnahmen, die ich kenne. Die letzten 2-3 Minuten der Sinfonie sind ein beeindruckendes Spektakel.


    Dazu kommt, dass sich die Berliner förmlich die Seele aus dem Leib spielen. Auch im wundervollen 2. Satz können sie bestechen, hier weniger über rohe Kraft als stattdessen über Zartheit und liebliches Spiel (trotz der Aufnahmequalität) - eine tolle Aufnahme, wenn man bereit ist, das Klangbild und die Ungenauigkeiten zu verzeihen oder wie ich sogar lieben zu lernen! Victor Carr Jr. von classicstoday vergibt übrigens 8 Punkte für die Interpretation und 6 für den Klang.


    P.S.: Die Pauken haben übrigens teleton-Qualität ;)

    Hallo liebe Taminos,

    ich möchte euch ein mMn wirklich großartiges Ensemble vorstellen, den zur Zeit 11-köpfigen Chor "Voctave".


    Genau genommen passt das Oberthema "KLASSIK allgemein" hierzu nicht wirklich, den Voctave singt eigentlich keine klassischen Werke, sondern quasi fast ausschließlich eigene Arrangements von Disney-Songs, Musicaltiteln, Weihnachtsliedern, etc.

    Warum ich diesen Chor dennoch hier vorstelle ist ganz einfach: Überschneidungen mit anderen Chören wie z.B. Pentatonix sind zwar gegeben, das Repertoire, die Arrangements und auch die Videos von Voctave gehen deutlich stärker in die "klassische" Richtung. Ebenso hat es dieser Chor mMn wirklich verdient, noch bekannter zu werden.


    Voctave gibt es erst seit Winter 2015, seine 11 Sänger und Sängerinnen haben alle eine klassische oder Musical-Vorbildung. Die Mitglieder sind (von mir grob nach Stimmen eingeteilt, die Übergänge sind fließend und teilweise wechseln die Sängerinnen und Sänger auch):


    Sopran: Kate Lott, Tiffany Coburn & Ashley Espinoza

    Alt: Sarah Whittemore & Chrystal Johnson

    Tenor: E.J. Cardona, Drew Ochoa & James "Jamey" Ray

    Bass: Kurt von Schmittou, Aaron Stratton & Karl Hudson

    sowie ehemals: Tony De Rosa & J.C. Fullerton


    Die Besonderheit dieses Ensembles liegt einerseits in einem unfassbaren Tonumfang. Die Bässe kommen je nach Arrangement wirklich in tiefste Tiefen, während vor allem Kate Lott im Sopran für extrem hohe Noten (teilweise bis zum dreigestrichenen ges) bekannt ist, und diese dabei auch noch schön klingen lassen. Das führt direkt zur zweiten Besonderheit, nämlich einer unglaublichen Flexibilität zwischen solistischem Singen und einem chorischen Gesamtklang. Die Stimmen verschmelzen wunderbar, die jeweiligen Besonderheiten (z.B. Kate Lotts und auch Tiffany Coburns hohe Töne, E.J. Cardonas Fähigkeit, hohe Bruststimmtöne über einen sehr langen Zeitraum zu halten oder die gewaltige Tiefe der Bässe) werden durch die eigenen Arrangements, für die James "Jamey" Ray verantwortlich ist, großartig in Szene gesetzt. Weiterhin übernehmen einzelne Mitglieder in vielen der Arrangements solistische Parts.



    Dies alles lässt den Eindruck eines wirklich hochqualifizierten und absolut beeindruckenden Ensembles erwecken, die Verbindung zwischen solistischem Singen und Chorgesamtklang gelingt wunderbar, dennoch bleiben auch in den nicht solistischen Teilen die jeweiligen Besonderheiten jeder Stimme deutlich wahrnehmbar.


    Die Eigenarrangements von Ray sind deutlich von klassischen Stücken inspiriert. Die jeweiligen Steigerungspunkte der Stücke kulminieren häufig in sehr dissonanten Akkorden, die die Auflösung dieser umso befriedigender werden lassen. An ausgewählten Stellen kommen zudem einfache Kadenzen und Vorhalte mit großer Wirkung zustande. Gerade in solistischen Stücken werden die hohen Töne von Kate Lott oftmals für himmlische Umspielungen und Verzierungen genutzt.


    Nun einmal ein paar Klangbeispiele. Ich selber bin über die Disney-Medleys per Youtube auf dieses Ensemble gestoßen, weshalb ich vor allem von diesen einige imposante Beispiele vorstellen möchte (aufgrund des hohen Tonumfangs bitte über Kopfhörer hören):


    1. Disney Love Medley

    Dieses Medley war mein Einstieg und vereint die Stücke "I See The Light" (Aus: Tangled/Rapunzel neu verföhnt, 2010), "You'll Be In My Heart" (Aus: Tarzan, 1999) und "Go The Distance" (Aus: Hercules, 1997), als solistische Gäste sind die Pentatonix-Sängerin Kirstin Maldonado und ihr damaliger Verlobter Jeremy Michael Lewis mit dabei.


    Das Medley ist zumindest auf Youtube das bekannteste Video der Gruppe. Hier wird Rays klassischer Ansatz besonders deutlich, in den Solostimmen werden ab You'll Be In My Heart immer wieder Rückbezüge auf Melodien der jeweils vorherigen Songs gemacht, die große Steigerung gegen Ende beginnt zudem mit einer Passage, die sehr ähnlich zu einer solchen im Choral in der Finalcoda von Bruckners 5. Sinfonie ist (Minute 4:40). In den letzten Takten schwingt sich Kate Lott bis zu dem oben erwähnten ges''' auf - großartig! Maldonado und Lewis sind immer wieder sichtlich beeindruckt und fassungslos von der Qualität des Ensembles.


    2. Disney Showstoppers Medley

    Dies ist eines der kürzeren Medleys, bestehend aus "Under The Sea" (Aus: Arielle, 1989), "I Just Can't Wait To Be King" (Aus: The Lion King/Der König der Löwen, 1994) und "Be Our Guest" (Aus: Beauty and the Beast/Die Schöne und das Biest, 1991).


    Die solistischen Parts werden hierbei von Jamey Ray, E.J. Cardona und Kurt von Schmittou übernommen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Songs sind hier unglaublich geschickt gemacht, einmal melodisch durch Überschneidungen in den Begleitungsmotiven und einmal wirklich einfallsreich über den Text und eine große Steigerung. Ansonsten ist dieses Medley deutlich verspielter und mehr an Musical angelehnt, der Spaß der Truppe lässt sich jedoch förmlich spüren.


    3. Disney Princess Medley

    Das hier ist wohl mein liebstes Medley des Ensembles, bestehend aus "Someday My Prince Will Come" (Aus: Snow White/Schneewittchen. 1937), "Once Upon A Dream" (Aus: Sleeping Beauty/Dornröschen, 1959), "Part Of Your World" (Aus: Arielle, 1989), "Reflection" (Aus: Mulan, 1998) und "Colors Of The Wind" (Aus: Pocahontas, 1995).


    Hier treten alle Frauen des Ensembles solistisch auf, jeder einzelne Teil ist ein Ereignis. Viel "disneymäßiger" als Kate Lott kann man den Einstieg wohl kaum singen, Sarah Whittemore klingt wie die originale Arielle und die Umformung dieses Songs hin zu einer eindrucksvollen Steigerung mit toller Chromatik in den Bässen. "Reflection" ist mein absoluter Lieblings-Disney-Song und Ashley Espinoza singt ihn fantastisch. Die zweite Hälfte des Refrains (4:26) klingt absolut himmlisch mit Kate Lotts gehaltenem Ton, der über allem anderen schwebt. Einzig bei "Colors Of The Wind" scheint mir Chrystal Johnsons Stimme und Aussprache nicht hundertprozentig zum Stück zu passen, das Ergebnis ist aber trotzdem klasse. Entgegen dem üblichen gewaltigen Ende gibt es hier einen leisen Schlussabschnitt, der einzelne Melodieteile der vorherigen Stücke verschmelzen lässt.


    4. Disney Heroes and Villains Medley

    Dieses Medley stammt vom Ende letzten Jahres erschienenen Album "The Corner of Broadway & Main Street Vol. 2". Die Konzeption dieses Medleys besteht darin, immer abwechselnd einen Schurken-Song und einen Helden-Song der Disneyfilme zu behandeln. Im Gegensatz zum Princess-Medley treten hier nur die Herren solistisch auf. Das Medley bearbeitet: "Friends On The Other Side" (Aus: The Princess and the Frog/Küss den Frosch, 2009), "Go The Distance" (Aus: Hercules, 1997), "The Mob Song" (Aus: Beauty and the Beast/Die Schöne und das Biest, 1991), "A Whole New World" (Aus: Aladdin, 1992), "Be Prepared" (Aus: The Lion King/Der König der Löwen, 1994) und "Out There" (Aus: The Hunchback of Notre Dame/Der Glöckner von Notre Dame, 1996).


    Dr. Facilier ("Friends On The Other Side", gesungen von Karl Hudson) und Scar ("Be Prepared", gesungen von Kurt von Schmittou) klingen herrlich böse und bestechen durch enorme Tiefe (Hudson) und beängstigenden Wahnsinn (von Schmittou). Ray singt "Go The Distance" im Vergleich zu Maldonado/Lewis aus dem Disney Love Medley erstaunlich schlicht, dennoch mit eigenem Charme, was dem Stück wirklich gut tut. Das abschließende "Out There", gesungen von E.J. Cardona ist schlicht überwältigend, auch hier tritt wieder einmal eine Bruckner-Kadenz gegen Ende auf. Cardona hält seinen letzten Ton knapp 20 Sekunden lang - Wahnsinn!


    5. O Come, All Ye Faithful

    Um noch einen anderen Blick auf dieses Ensemble abseits der Disney-Medleys zu bieten, hier einmal ihre Adaption des altbekannten "Adeste fideles". Diese Version ist nichts für Traditionalisten, bietet aber klangliche Opulenz allererster Güte. E.J. Cardona übernimmt eine Wechselrolle aus Solist und Chorsänger und liefert einen der gewaltigsten Schlüsse eines Stückes, die ich je gehört habe (ab 3:55). Gegen Ende singt er knapp 25 Sekunden lang auf einen einzigen Atemzug - mit integriertem Tonsprung!


    Natürlich sind alle diese Beispiele sehr auf große Wirkung aus, keine Frage. Dennoch sind die Leistungen absolut überragend, seit ich dieses Ensemble entdeckt habe, höre ich sie immer wieder mit großem Genuss, auch wenn die Gefahr des "Satthörens" gegeben ist.


    Mehr Informationen und sämtliche CDs des Ensembles sind auf ihrer Website zu finden, mehr zu hören gibt es dagegen auch auf dem Youtube-Kanal von Voctave. Von den CDs kann ich insbesondere The Corner of Broadway & Main Street Vol. 1 & 2 empfehlen, ebenso die Weihnachts-CDs. Die Orchester-CDs halte ich dagegen für weniger gut gelungen, die a cappella-Fassungen gefallen mir besser, zudem sind hier die Spielzeiten sehr kurz.


    Ich hoffe, ich konnte trotz des nicht klassischen Repertoires dieses Ensemble dem ein oder anderen hier schmackhaft machen ;)


    Viel Spaß beim Hören und Entdecken!


    Liebe Grüße,

    Amdir

    CD Nr. 5 als mein Einstieg in diese Box:




    Richard Strauss

    Tod und Verklärung, op.24


    Richard Wagner

    Siegfried-Idyll


    San Francisco Symphony Orchestra

    Pierre Monteux


    Aufgenommen am 23. & 24. Januar 1960




    Zwei tolle Aufnahmen dieser Werke! Vor allem Tod und Verklärung hinterlässt einen bleibenden Eindruck, die großen Steigerungen sind hier absolut gewaltig in Szene gesetzt.

    Bei der Erscheinungsgeschwindigkeit könnte der Currentzis/Beethoven-Zyklus bis 2030 vollendet sein. Vielleicht kommt als nächstes die "Leonoren"-Ouvertüre Nr. 3 auf einer Einzel-CD heraus.

    Wenn wir ganz großes Glück haben vielleicht ja aber auch stattdessen ein unbekannteres Werk, wie der von mir sehr geschätzte Kanon "Im Arm der Liebe ruht sich's wohl" (WoO 159): Eine Einzel-CD von musicAeterna unter der Leitung von Currentzis mit nur diesem Stück (Spielzeit je nach Wiederholungsanzahl 1-2 min) :love:

    Hallo liebe Taminos,


    seit einigen Jahren beschäftige ich mich intensiv mit den Sinfonien Anton Bruckners und bin dabei auf ein rätselhaftes "Problem" gestoßen, das ich hier vorstellen und diskutieren möchte.


    Mein Bruckner-Einstieg war die 6. Sinfonie in A-Dur und obwohl diese lange Zeit die einzige Bruckner-Sinfonie war, der ich etwas abgewinnen konnte (die durchschnittlich längere Dauer der übrigen "großen" Sinfonien schreckte mich ab), hinterließ jedoch ein Punkt, der an dieser Sinfonie ohnehin oft kritisiert wird, einen unangenehmen Beigeschmack: Der Finalsatz.


    Der Finalsatz dieser Sinfonie ist vergleichsweise kurz und auch die Coda mit dem erneuten Auftreten des Hauptthemas des 1. Satzes ist schnell vorbei. Ich erwischte mich beim Hören dieser Sinfonie immer wieder dabei, hauptsächlich den Kopfsatz und hier besonders die Coda wiederholt zu hören. Im Gegensatz zum Finalsatz bereitet Bruckner die Coda des Kopfsatzes (Buchstabe W) wirklich vor und erschafft einen langsamen Aufbau mit wahnsinniger Sogwirkung, während er das Anfangsmotiv immer lauter werdend einmal rund um den Quintenzirkel jagt. Der "Marschrhythmus", den den ganzen Satz beherrscht, tritt auch hier immerwährend auf, bis in die großen Steigerungen hinein. Meiner Meinung nach ist diese Coda eine der besten Stellen, die Bruckner je geschrieben hat.


    Für mich bestand daher immer das Problem, dass ich die Coda des Kopfsatzes um ein Vielfaches lieber mochte als die des Finalsatzes.


    Als ich die weiteren Sinfonien nach und nach kennenlernte, bin ich nach Empfehlungen von Bekannten vorgegangen, sodass ich nach der 6. Sinfonie die 7. Sinfonie in E-Dur kennenlernte. Hier bot sich mir ein bekanntes Bild - das Finale ist im Vergleich zum Kopfsatz kurz geraten und auch hier übersteigt die Gewaltigkeit der Kopfsatzcoda die der Finalsatzcoda mMn bei Weitem, wenn auch nicht so eklatant wie bei der 6. Sinfonie. Die Schlusscoda der Sinfonie wird hier immerhin durch die vorangehende Steigerungswelle mit abschließender Blechbläserkadenz gut vorbereitet, die Coda beginnt leise und baut sich nach und nach auf - jedoch auch über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum.


    Die Coda des Kopfsatzes (Buchstabe X) hingegen lässt sich länger Zeit. Dies gibt der Steigerung mehr Raum und Atem, sodass die Sogwirkung eine deutlich größere ist. Auch die abschließende graduelle Diminution der E-Dur-Fanfare in den Trompeten (Ab Buchstabe Z zunächst alle zwei Takte, dann jeden Takt, dann zwei Takte lang auf Schlag 1 und 2 und abschließend zwei Takte lang durchgehend in Vierteln) sorgen für diese Wirkung, die sich in der Finalcoda, so klasse sie auch ist, nicht einstellen mag.


    Obwohl in dieser Sinfonie die beiden Codas nicht von so gewaltig unterschiedlicher Qualität/Wirkung sind wie in der 6. Sinfonie, stellt sich ein ähnlicher Eindruck ein. In der 7. Sinfonie liegt dies mMn insbesondere an der Passage VOR der Kopfsatzcoda (Buchstabe W - Sehr feierlich). Hier kommt es polyphonen Verschränkungen des Mollteils des Hauptmotives über einem immerwährenden Orgelpunkt. Innerhalb dieser Passage kommt es zu einer großen dynamischen Steigerung mit anschließendem Abfall, der die eigentliche Coda vorbereitet. Da der Orgelpunkt jedoch ab Buchstabe W über die Coda (Buchstabe X) bis zum Ende der Sinfonie permanent liegen bleibt, werden beide Passagen aneinandergeheftet und miteinander verbunden, sodass hier eine weitaus stärkere Wirkung erzielt wird. Auch hier - mMn eine der besten Brucknerpassagen überhaupt!


    Dies sind mMn die einzigen beiden Sinfonien, in denen sich dieser Eindruck einstellt, seltsamerweise bei einer der vergleichsweise (leider) unbeliebteren Brucknersinfonien und bei der wohl beliebtesten. Problematisch ist dieser Eindruck meiner Meinung nach deswegen, weil die schiere Länge der Brucknersinfonien eigentlich eine Ausrichtung auf den Finalsatz erfordert (ähnlich Beethovens 9.).


    Ein (positives) Gegenbeispiel ist die 5. Sinfonie in B-Dur. Wer diese Sinfonie kennt, kennt auch die unermesslich gewaltige Schlusscoda, ein würdiger Abschluss von Bruckners wohl polyphonstem Schlusssatz und seiner wohl polyphonsten Sinfonie. Die Kopfsatzcoda kann sich dem nur unterordnen - dennoch ist sie trotz ihrer Kürze von einer Großartigkeit, die ihresgleichen sucht. Ähnlich gestaltet sich dies bei der 4. Sinfonie in Es-Dur (in der üblicherweise gespielten Zweitfassung). In der 8. Sinfonie treibt Bruckner den Gegensatz auf die Spitze - der gewaltigen Schlusscoda steht ein leises Ende des Kopfsatzes entgegen.


    Des "Rätsels Lösung" konnte ich 2018 in meiner Geburtsstadt Detmold erfahren. Das Orchester der HfM Detmold gab ein Konzert unter der Leitung von Florian Ludwig - auf dem Programm stand u.a. Bruckners 7. Sinfonie. Das Besondere war aber, dass am Vorabend des Konzertes ein Gesprächskonzert mit Benjamin-Gunnar Cohrs, dem bekannten Bruckner-Spezialisten, stattfand, der durch die 7. Sinfonie führte. Ein ungemein interessanter Abend, in dem Cohrs auch die Entstehungsgeschichte beleuchtete (chronologisch begann er deshalb mit Ausführungen und Klangbeispielen zum 3. Satz). In seinen Erläuterungen zum 1. Satz kam er genau auf obiges Problem zu sprechen, da sich bei ihm laut seinen Aussagen diese Eindrücke im Laufe der Zeit ebenfalls eingestellt hatten.


    Der Grund dieses Problems - so Cohrs - läge im Falle der 7. Sinfonie an der quasi nie konsequent bis zum Schluss durchgeführten Anweisung "Sehr ruhig, nach und nach etwas schneller" in der Coda des Kopfsatzes (Buchstabe X). Nur wenn diese Anweisung befolgt würde, könne dieser Coda noch etwas folgen. Und tatsächlich, Cohrs ließ die Coda mit fortwährendem accelerando spielen (auch Florian Ludwig tat dies am Folgeabend) und das Ergebnis war überwältigend! Vor allem am Folgetag habe ich die Sinfonie so geschlossen und aus einem Guss erlebt wie nie zuvor oder danach.

    Leider ging die konsequente Durchführung dieser Spielanweisung natürlich auf Kosten der Großartigkeit der Kopfsatzcoda (wenn man sie einzeln betrachtet), das Gesamtergebnis war aber fantastisch.


    Hier aber das Manko: In der Coda des Kopfsatzes der 6. Sinfonie gibt es kein solches accelerando. Wie hier das Problem zu lösen ist, weiß ich leider nicht (bedauerlicherweise habe ich Herrn Cohrs nicht darauf angesprochen).


    Wie sind eure Meinungen zu dem "Coda-Problem"? Habt ihr ähnliche Ansichten wie ich? Und kennt ihr vielleicht Aufnahmen, in denen versucht wird, dem entgegenzuwirken? Mir ist aktuell keine Aufnahme der 7. Sinfonie bekannt, die tatsächlich ein fortwährendes accelerando vollzieht.


    Ich freue mich auf anregende Diskussionen :)


    Liebe Grüße,

    Amdir