Beiträge von salisburgensis

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    Original von Hildebrandt


    In einer Besprechung auf WDR3 habe ich zwar nur ein paar Ausschnitte gehört, aber das unerträgliche Sopranvibrato macht die Aufnahme für mich
    total inakzeptabel.


    Erstmal der Übersicht halber die Ergänzung, um welche Aufnahme es geht:


    Ensemble La Venexiana
    Claudio Cavina



    Ich weiß gar nicht, was du wieder zu meckern hast. In dieser Aufnahme wird nicht mehr vibriert als in Konkurrenzprodukten. Von "unerträglich" kann überhaupt keine Rede sein. Das Vibrato wird von den SängerInnen angemessen als Stilmittel eingesetzt - lediglich die Sängerin der Speranza fällt ein wenig heraus. Aber wieviel hat die zu singen!? Ein paar Minuten am Anfang des dritten Akten, bevor Orfeo den Caronte einlullt. Kein Grund zu übermäßiger Aufregung.


    Außerdem: meinst du nicht auch, dass ein Kommentar auf der Basis von ein paar im Radio gehörte Schnipseln auf einer ziemlich dünnen Basis steht?


    :hello:
    Thomas

    Ich hab auch einen Telemann, aber für den 2. Advent. Und zwar die Kantate Der jüngste Tag wird bald sein Ziel erreichen. Gibt's auf dieser CD:



    Georg Philipp Telemann: Weihnachtskantaten


    Greta de Reyghere, Joanette Zomer, Steve Dugardin, Mikael Stenbaek, Huub Claessens
    Il Fondamento
    Paul Dombrecht



    Von Buxtehude dürfte es auch einiges für den Advent geben, waren doch die berühmten Abendmusiken eine Veranstaltung an den letzten Sonntagen vor Weihnachten. Buxtehude hat einige Oratorien dafür komponiert, die z.T. auch mehrteilig waren. Allerdings ist etliches davon wohl verloren gegangen, bzw. die Zuordnung von einigen seiner Werke zu diesen Veranstaltungen ist unsicher. Koopman meint beispielsweise, dass etliche der größer besetzten Kantaten vielleicht Teile dieser Abendmusiken gewesen sein könnten.



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Aktuell bei jpc für jeweils 9,99:




    Claudio Monteverdi: Vespro della beata vergine


    Kiehr, Borden, Scholl, Bowen, Torres
    Nederlands Kamerkoor, Concerto Vocale
    René Jacobs





    Johann Sebastian Bach: Messe h-moll BWV 232


    Cantus Cölln
    Konrad Junghänel





    Leonard Bernstein: Mass


    Jerry Hadley
    Rundfunkchor Berlin, Staats- & Domchor Berlin, Pacific Mozart Ensemble
    Deutsches SO Berlin
    Kent Nagano




    :hello:
    Thomas

    Servus,


    ich hab mich ja schon im anderen Thread zu dem Thema, den Pius gestartet hat, als mollophil geoutet. Daran hat sich nichts geändert.


    Besonders gern mag ich d-Moll, was meiner Leidenschaft für Requien sehr entgegenkommt... :-) Aber auch c-Moll steht weit oben in meiner Gunst.


    :hello:
    Thomas

    Volle Zustimmung meinerseits zu meinen Vorschreibern: das FBO ist ein Spitzenorchester, aber ganz allein auf dem Musengipfel sind die mit Sicherheit nicht. Allein von der deutschen Konkurrenz stehen Concerto Köln und die Akademie für Alte Musik Berlin gleichauf.


    Trotzdem schließe ich mich Talentis Empfehlung, das FBO zu hören und zu erleben, gerne an.



    herzliche Grüße,
    Thomas

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    Original von Klawirr


    Empfehlen kann ich auch den Fux. Das ist schöne Sakralmusik des Hochbarock. Nicht so verinnerlicht und zerknirscht wie bei den norddeutschen Protestanten, sondern eben eher sinnlich katholisch. Die ausführenden Musiker sind über jeden Zweifel erhaben.


    Ganz herzlich,
    Medard



    Gleiches gilt auch für die andere Fux-CD auf der Liste.


    Sehr empfehlen kann ich auch die Sinfonien von Wagenseil (siehe meine Unverzichtbaren).


    Die CD mit Musik aus Opern von Johann Philipp Krieger ist auch wirklich prima musiziert, aber die meisten Texte dieser Stücke sind aus heutiger Sicht meist ziemlich dümmlich bis peinlich. Wenn man das Ganze aber aus der Entstehungszeit heraus betrachtet, ist das schon ok. Die Seelewig von Sigmund Theophil Staden kennst du ja schon, das ist so ähnlich wie die Sachen von Krieger, obwohl letzterer zwei Generationen später ist.




    :hello:
    Thomas

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    Original von Rideamus


    Hallo Thomas,


    meinst Du den Film Barroco von 1989? Wo hast Du den sehen können?


    Ja, Barroco müßte der Originaltitel sein. Gesehen hab ich ihn bei einem Freund, der den Film irgendwann einmal, als er im TV gesendet wurde, auf Videokassette mitgeschnitten hat.


    :hello:
    Thomas

    Servus,


    Telemanns "Der geduldige Sokrates" ist in der Tat ein ziemlich langes Stück, was vor allem gegen Ende hin unglaubliche Längen hat. Dieses ewig hin und her und welche der beiden Prinzessinnen nun den schönen Melito bekommen wird, das zieht sich doch arg. Es ist sicher unheimlich schwer, das irgendwie zu kaschieren und mit Leben zu füllen.


    Aber das Gezerre und Gekeife von Sokrates' beiden Frauen Xantippe und Amitta untereinander und mit Sokrates selbst, das ist einfach köstlich. Und dann noch die Schüler von Sokrates, die lieber saufen als lernen...


    Leider habe ich die Radio-Übertragung der Produktion aus Innsbruck verpasst...


    herzliche Grüße,
    Thomas

    Servus,


    kennt jemand den Film Barockkonzert von Paul Leduc nach dem gleichnamigen Buch von Alejo Carpentier?


    Frühes 18. Jh.: der gebildete Mexikaner El Amo und sein schwarzer Diener Filomeno reisen während der Karnevalszeit nach Venedig. Die beiden treffen dort auf Händel, Scarlatti und Vivaldi. Es ergibt sich im Ospedale della Pietà, einem Kloster für Waisenmädchen und Vivaldis Dienstort, eine zünftige Party inklusive gemeinsamem Konzert. Am nächsten Morgen finden man sich mit schwerem Schädel am Grab von Strawinsky wider und diskutiert über die neuesten Strömungen in der Musik. Und schließlich erleben sie noch die Überführung von Wagners Leichnam nach Bayreuth.


    Ein köstlicher Streifen! :D



    herzliche Grüße,
    Thomas

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    Original von pbrixius
    Das einzige Problem ist sicherlich, dass man sich auf seinen Stil, auf seine Epoche einlassen muss. Denn für einen Nicht-Barockliebhaber klingt am Ende alles aus dem Barock irgendwie ähnlich ...


    ...selbst für einen Barockliebhaber wie mich. :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:


    Aber ich gebe gerne und offen zu, dass mir ganz generell der italienische Hochbarock vor allem bei den Instrumentalwerken nicht so liegt.


    :hello:
    Thomas

    Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    Aber das ist natürlich meine persönliche Wortwahl. So mag man Vivaldi als originellen Komponisten seines persönlichen Einheitsbreis bezeichnen, Telemann als den originellen Komponisten wiederum seines Einheitsbreis (wieviel Millionen Kantaten hat der geschrieben?) und Bach hinwiederum als Originalgenie des Bach-Einheitsbreis.


    Ja. Deswegen hab ich auch kein Bedürfnis, alle Kantaten oder Instrumentalwerke Telemanns hören oder gar auf CD besitzen zu müssen. Bei Bach sind's Gott sei Dank nur 200 Kantaten...


    Nur, bei Vivaldis Concerti empfinde ich die Variationsbreite seiner an sich originellen Art zu komponieren als geringer als beispielsweise bei Telemanns Instrumentalschaffen. Seltsamerweise habe ich diesen Eindruck bei den Vokalwerken von Vivaldi weniger.

    Wieso off-topic? Ich hab Alfreds erste Frage beantwortet... halt etwas ausführlicher. Deins ist off-topicer :baeh01:


    Ich stimme dir zu, dass Vivaldi sehr Originelles hinterlassen hat. Deshalb präzisiere ich: verwechseln mit Concerti von anderen nicht so sehr, aber die 5xx (oder wieviele es nun sind) von Vivaldi untereinander. Oder kannst du die weit über 200 Violinkonzerte oder die fast 40 Fagottkonzerte auseinander halten?



    :hello:
    Thomas

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    Original von Alfred_Schmidt
    Ja hier gibt es schon die erste Frage: Gibt es überhaupt jemanden, den Vivaldi "fasziniert" ? (Ich für mein Teil würde die Frage eindeutig mit JA benatworten)



    Ich finde, im Grunde hat Strawinsky schon Recht gehabt... :untertauch:


    Seine Instrumentalwerke sind mir - Ausnahmen gibt es natürlich - zu sehr Einheitsbrei. Zu meinen Ausnahmen zählen beispielsweise die größer besetzten Concerti, die er für die Dresdner Kapelle geschrieben hat, und auch die berühmte Vier Jahreszeiten schätze ich durchaus.


    Von den Opern kenne ich nicht allzu viele (Orlando furioso, Griselda und teilweise Tito Manlio), obwohl da ja inzwischen auch einiges auf dem Markt verfügbar ist. Das scheint mir aber lohnender zu sein.


    Ähnliches kann ich auch zu den Kirchenmusiken von ihm sagen, da gibt es einige echte Perlen, z.B. Nisi Dominus, RV 608 oder Nulla in mundo pax sincera, RV 630.



    herzliche Grüße,
    Thomas

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    Original von klingsor
    hallo, thomas,
    daß auch du zu denen gehörst, die meinen thread (bewußt) falsch verstehen (wollen), wundert mich. wie alfred schon schrieb - danke für den 'schutz' ;) - ist der titel überspitzt formuliert. auch haue ich nicht mit dem hammer auf die folgenden generationen und oute mich sogar später noch als hip-fan. ich denke, das kommt alles im text zum ausdruck - man muß nur mal genau nachlesen...



    Lieber klingsor,
    wie würdest du reagieren, wenn jemand schreibt:


    Die jungen Komponisten seit Beethoven sind blutleere Notenkleckser... davor aber, da gab's noch sagenhafte Künstler... ...naja, aber ein paar Ausnahmen mag's schon geben und eigentlich hab ich es ja gar nicht so gemeint.



    Du schlägst in deinem Eingangsbeitrag ein Loblied auf die Vergangenheit an, schreibst vom erschreckenden Abstieg in den letzten 30 Jahren und stellst die ziemlich rhetorisch formulierten Fragen, ob heutzutage Musiker kaum noch angemessen interpretieren und ob alles nur noch show und musizieren ohne gefühl und inhalt sei. Und am Ende kommt noch das PS, dass es zwar Ausnahme gebe, aber ganz allgemein wäre es schon so.


    Da verstehe ich nicht, weshalb du dich mißverstanden fühlst. Für mich ist das eine eindeutige Angelegenheit. Und ich bin mir trotz deiner inzwischen dritten oder vierten Klarstellung noch immer nicht im Klaren darüber, was du denn nun eigentlich gemeint hast.


    Außerdem: wer überspitzt formuliert, muß damit rechnen, ebenso überspitzte Antworten zu bekommen.



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Lieber Namensvetter,


    Zitat

    Original von Santoliquido
    Lieber Thomas,


    Deine Groll in allen Ehren, aber neben den Individuen -die es übrigens auch heute noch oder wieder gibt- gab es ja immer schon diejenigen, die sich um die Sache selbst bemühten. Einer Individualistin wie Elly Ney stand zeitgleich ein demütiger Analytiker wie Wilhelm Backhaus gegenüber, dem Rhapsoden Furtwängler -freilich auf seine Weise genial- extrem sensible Deuter wie Wand, Schuricht, Scherchen oder Ansermet oder Klemperer, allesamt nicht eben Exponenten eines Individualstils auf Kosten der Musik.


    Freilich lassen sich Gegenbeispiele für das Eine wie für das Andere finden. Aber um die Rosinen geht es hier ja nicht, wie klingsor ausdrücklich in seinem Eingangsbeitrag schrieb, Zitat: ... ich beziehe meine feststellung auf das 'allgemeine' ...



    Zitat

    Allerdings würde ich auch immer eine Lanze für Individualität und Verbindlichkeit in der Interpretation brechen wollen: schließlich waren die Komponisten ja auch keine Neutren ;) .


    Es ist halt die Frage, ob sich die Individualität des Komponisten mit der des Interpreten die Wage halten soll, oder ob eines davon das Andere dominiert. Beide Lesarten (bzw. alle drei) haben ihre Meriten und interessante Seiten, jedoch ist es nach meiner Ansicht nicht möglich, im Sinne von schlechter oder besser darüber zu urteilen.


    Zitat

    Auch geht den älteren Aufnahmen die Sterilität ab, aus hunderten von Schnitten zusammengebastelt zu sein. Ob Wolfgang Amadeus, Ludwig oder Johan Sebastian mit dergleichen zufrieden gewesen wären. Und war es nicht Klemperer, der das Schneiden in seinen späteren Jahren mitbekam, der angesichts einer solchen Platte schimpfte: Alles Lüge!?


    Die Produktion von Aufnahmen hat sich sozusagen verselbstständigt, ist zu einer eigenen Form der Musikrezeption geworden. Stand am Anfang das Nachstellen von Konzerten im Vordergrund, so hat eine Aufnahme von heute damit eigentlich nichts mehr zu tun. Da geht es um eine in erster Linie technisch perfekte Ausführung. Dass dabei die Spontaneität eines Konzertes in aller Regel nicht in gleichem Maße erreicht wird, liegt klar auf der Hand. Somit hat man auch hier wieder die Qual der Wahl zwischen technisch meist nicht optimaler Ausführung bei den frühen Aufnahmen (wobei ich nicht die Tonqualität der Aufnahme an sich meine) und dem oft fehlenden live-Gefühl bei aktuellen Produktionen. Wünschenswert ist es selbstredend, beides vereint zu haben...



    herzliche Grüße,
    Thomas

    Zitat

    Original von Santoliquido
    [...] in diesem Punkte unterscheiden sich viele heutige Aufnahmen von den älteren: der Künstler ist vom Subjekt zum Neutrum geworden, oder, wenn man so will, zum Medium.


    Gott sei dank! möchte ich erwidern. Nach einer Zeit, in der der Interpret im absoluten Vordergrund stand und alles weit weit dahinter zurückstehen mußte, kann man jetzt neben dem Interpreten auch Werk und Komponist erkennen. Freilich noch immer durch die Brille des Interpreten, was auch so seine Richtigkeit hat, aber der alles überragende und nichts anderes als sich selbst gelten lassende Pultstar, Gesangsvirtuose, Bogenakrobat, Tastenlöwe etc. ist passé.


    Dazu kann man nun stehen wie man will. Wer sich mehr für die Sichtweise eines Musikers auf ein Werk interessiert, der wird mit mit den Alten glücklicher werden. Wer auch etwas vom Werk selbst hören möchte, wohl eher nicht. Für mich sind das völlig unterschiedliche Dinge, die eigentlich nicht vergleichbar sind.


    Insofern ist meine Antwort auf die Themenüberschrift: Früher ist vieles anders gewesen, aber besser sicher nicht. Einfach nur anders. Ob das, was früher war und gemacht wurde, einem dann besser gefällt, ist eine völlig andere Frage. Dieses pauschale Abwatschen einer ganzen Generation (bzw. gleich mehrerer) ist deswegen totaler Unsinn, weil dabei persönliche Vorlieben als objektive Wahrheiten ausgegeben werden. Anstatt sich darüber zu freuen, dass es Aufnahmen von den Spitzenleistungen der Alten gibt und auf ansteckende Art und Weise das Feuer deiner Begeisterung weiterzutragen, haust du, lieber klingsor, mit dem gröbsten Hammer, den du finden konntest, alles andere zu Kleinholz. Du verlangst Respekt gegenüber den Alten und läßt sie hochleben, verweigerst aber gleichzeitig jeglichen Respekt gegenüber den Jungen.


    Dass in diesem Zusammenhang auch wieder dieses fürchterliche Wort "blutleer" fallen mußte, setzt dem Ganzen noch die Krone der Abscheulichkeit auf.



    Ich stimme severina in vollem Umfang zu, was sie über den Generationskonflikt geschrieben hat. Dieses gegenseitige Niedermachen, was ja nicht nur - wie hier geschehen - in eine Richtung geht, finde ich so überflüssig wie sonst nichts. Aber offenbar geht's nicht ohne... :wacky:



    herzliche Grüße,
    Thomas