Beiträge von salisburgensis

    Zitat

    Ich habr den geheimen Verdacht, daß Du meinen Einführunsbeitrag nicht gelesen, oder zumindest nur flüchtig überflogen hast:


    OHO! Dem muß ich entschieden widersprechen! Ich begreife nur nicht, was das eine (meine Unkenntnis) nun mit dem anderen (Friscays Ausscheiden bei DG, bzw. Verdrängung durch HvK) zu tun hat?


    Thomas

    Warum habe ich, bis ich in verschiedenen Foren darüber gelesen haben, den Namen Fricsay nicht gekannt? Ok, ich bin Barockspezialist, aber wie ich schon in meiner Vorstellung schrieb, durch aus auch großer Symphonik zugeneigt. Fricsays Aufnahmen werden überall in den Himmel gehoben, allerdings scheint man z.B. im Radio nichts davon zu wissen. Ich höre sehr viel dieses Medium, habe während des Studiums (als ich noch Zeit dafür hatte :D ) ein ARD-Nachtkonzert nach dem anderen aufgenommen. Und trotzdem kannte ich Fricsay bis vor kurzem nicht. Woran liegt das?


    Thomas

    Ob das tatsächlich stimmt mit den SÄMTLICHEN WERKEN? Ich bezweifle, ob die rund 150 Stücke des Beckerpsalters es wert sind, auf CD gebannt zu werden. Lassen wir uns überraschen.


    Thomas

    @BBB
    Dass die Einspielung der Psalmen Davids auf Brilliant lohnenswert wird, kann ich mir kaum vorstellen. Ich hab mir eine der bisher erschienen Boxen (mit Symphoniae Sacrae I & II sowie Weihnachtshistoria) gekauft und war sehr enttäuscht. Ich möchte hier meine Einschätzung, die ich anderswo schon gegeben habe, in leicht modifizierter Form wiederholen.


    Vor allem die Sänger enttäuschen mich sehr. Nicht nur dass die meistens Probleme haben mit der korrekten Aussprache (Latein (symph. Sacrae I bzw. Deutsch (der Rest) mit allzu deutlichem Einschlag der Muttersprache der Sänger), einige scheinen mir auch technisch nicht ganz auf der Höhe zu sein. So zum Beispiel im dritten Stück der Symphoniae Sacrae I (In te, domine, speravi). Da ist der Tenor nicht der Höhe gewachsen, die das Stück verlangt. Es kingt einfach jämmerlich. Selbst der von mir hoch geschätzte Harry van der Kamp zeigt ungewohnte Schwächen (Symph. Sacrae I, Nummer VI: Jubilate Deo omnis terra).


    Ein weiterer Kritikpunkt, was mir besonders bei der Weihnachtshistoria aufgefallen ist, ist die viel zu laute Orgel, die ja als Continuo-Instrument eigentlich nur harmonische Stütze sein sollte. Manchmal kam mir das aber vor, als wäre das ein Stück für Orgel und noch ein paar andere Musikschaffende. Mich hatte anfangs schon gewundert, weshalb im booklet so ausführlich auf die verwendete Orgel eingegangen wird; jetzt weiß ich´s...


    Was Einspielungen der Psalmen Davids bisher angeht, so kann man doch schon relativ zufrieden sein. Die beiden mit Bernius und Junghänel sind schon ziemlich gut. Ich sehe da nicht unbedingt eine Notwendigkeit, den Zyklus nochmal aufzunehmen. Da gibt es ganz andere Sachen aus der Zeit, die mal einer Auffrischung bedürfen. Als Beispiel seien nur mal genannt: Das Kantatenwerk von Weckmann und Buhns. Von beiden gibt es Gesamtaufnahmen, jeweils mit dem Ricercar Consort, beide heute nicht mehr erhältlich. Beide schon nicht schlecht, aber verbesserungswürdig.


    Thomas

    Hallo Miteinander!


    Beim Buffonistenstreit im Frankreich Mitte des 18. Jahrhunderts ging es darum, welcher Musik wohl der Vorzug zu geben sei, der französischen oder der italienischen. Dabei wurden diesen beiden Stilen bestimmte Eigenschaften unterstellt. Dem Französischen wurde nachgesagt, schwer und erst zu sein, man zweifelte, ob sich die französische Sprache überhaupt für die Oper eigne. Das Italienische wurde als eingängig und leicht bewertet. (Über diese Zuordnung ließe sich auch streiten, ich hoffe jedenfalls darauf.) Die Befürworter der französischen opéra tragique wurden als die Coin du Roi, die Freunde der opera buffa als Coin de la Reine bezeichnet.


    Zum offenen Ausbruch kam es 1752, als eine italienische Opernkompanie Pergolesis La serva padrona in Paris mit großem Erfolg gab (ein paar Jahre vorher fiel dieses Werk bei den Franzosen noch durch). Der berühmte Philosoph und Musikliebhaber Jean-Jacques Rousseau veröffentlichte seinen Lettre sur la musique française, in dem er u.a. Rameaus Werke der französischen Seite zuordnete. Das klingt erstmal widersprüchlich, jedoch wurde Rameau lange von beiden Seiten immer wieder in die Schlacht geworfen. Er komponierte zwar formal im Stile Lullys, jedoch verwendete er ungewohnte Klänge und Klangmalereien.


    Rousseau komponierte auch selbst und brachte in jenem Jahr, 1752, seine Oper Le devin du village (Der Dorfwahrsager) zur Aufführung. In diesem Werk versuchte er eine Synthese der französischen Sprache und der italienischen Musik. (Nebenbei, das Singspiel Bastien und Bastienne des 12-jährigen Mozart hat sehr starke Bezüge zur Handlung in Rousseaus Kurzoper.) Der Erfolg war so groß, dass er über mehrere Jahre von den Einnahmen leben konnte, Rousseaus bescheidene Lebensführung relativiert die Summe allerdings. Eine vom König angebotene Pension schlug er jedoch aus, weil er sich nicht in Abhängigkeiten begeben wollte. Aber zurück zu eigentlichen Thema.


    Meine Frage nun, die ich zur Diskussion stelle; wie ist wohl die Meinung zu diesem Disput am heutigen Tage? Welches sind die Vorzüge oder Nachteile beider Stile?


    Thomas

    Wieso sollte Humor eine weniger wertvolle Emotion als Liebesschmerz oder Sehnsucht, Leidenschaft oder Wut, Rachedurst oder religiöse Andacht sein? All diese Dinge sind Schlüsselemotionen in vielen Werken, nicht nur im Barock. Mich erinnert diese Aussage an den alten, verknöchterten Bibliothekswärter aus Der Name der Rose. Und wenn was typisch deutsch an den Zitat ist, dann dies:

    Zitat

    Musik aber muß ernst sein


    Thomas

    Auch hier möchte ich ein Empfehlung noch hinzufügen: Tomas de Torrejon y Velasco (1644-1728 ): La Purpura de la Rosa. Eine der frühen Opern, die in der Neuen Welt enstanden sind, inklusive Enschlägen der Musik der Indios. Ein sehr beschwingte bunte Musik, bei der oftmals die Beine nicht stillhalten wollen. :] Hervorragend musiziert vom Harp Consort unter Andrew Lawrence-King.


    Thomas

    In der Iphigenie En Tauride gibt es ein Stück, welches ich als einen großen Geniestreich von Gluck ansehe: Le Calme Rentre Dans Mon Coeur. Oreste belügt sich aber damit selbst und das malt Gluck in einer hypernervösen, von synkopen gezeichneten Streicherbegleitung. Diese Zerissenheit gibt Gardiner viel besser wieder, als Minkowski in seiner neueren Einspielung.


    Thomas

    Guten Morgen,


    von Kozeluh (Leopold Antonin (1747-1818 )) gibt´s schon ne ganze Menge Aufnahmen, Klaviertrios, Bläserstücke, Sinfonien, ein bissel Klaviermusik und ein Oratorium (Moses in Ägypten) Schlecht sieht es dagegen bei seinem Onkel? Jan Evangelista Antonin Kozeluh (1738 - 1814) aus mit Aufnahmen.


    Ulli
    Die Berliner (und auch alle anderen großen Symphonieorchester) haben auch keine historischen Instrumente bei den Streichern. Wie schon erklärt, einige Mitglieder mögen zwar Instrumente haben, die 17-hundert-irgendwas gebaut wurden, allerdings kann sich kein Streicher eines großen Orchesters erlauben, mit so einem Instrument in seiner ursprünglichen, unveränderten Fassung im Orchester aufzutauchen. Alle diese Instrumente sind umgebaut worden und entsprechen im Großen und Ganzen nun modernen Instrumenten.


    Der Begriff des historischen Instrumentes wird hier nicht im Sinne eines hohen Alters verwendet, sondern ob ein Instrument die baulichen Eigenschaften einer bestimmten Epoche besitzt. In diesem Sinne sind auch Instrumente, die z.B. 1998 in der Art wie zur Barockzeit gebaut wurden, historische Instrumente.


    Thomas

    um das Thema nochmal ein bissel aufzuwärmen, auch wenn´s nicht ganz passt: Was haltet ihr von Philippe Delelis´ Buch "Die letzte Kantate"? Darin erzählt der Autor davon, dass Bach heimlich zum Katholizismus konvertiert ist und dies im Musikalischen Oper (MO) verschlüsselt hat. Das Geheimnis wurde immer an einen Auserwählen weitergegeben, angefangen beim jüngsten Bach-Sohn über Mozart, Beethoven, Wagner, Mahler bis zu Webern, wenn ich mich recht erinnere. Alle diese Komponisten sollen das Thema Regium aus dem MO in einem ihrer Werke eingebaut haben.


    Wie der Autor im Nachwort schreibt, ist alles seiner Phantasie entsprungen, aber interessant finde ich die Geschichte schon. Er hat viel mit der von Bach häufig verwendeten Zahlensymbolik gearbeitet und da auch eigene Berechnungen angestellt. Ein bissel gestelzt kommt die Beweiskette, die Delilis liefert, schon daher. Auch sprachlich finde ich das Buch etwas holprig, aber egal. Was haltet ihr von dieser Idee, Bach könnte Katholik gewesen sein?


    Thomas

    Was die Französische Fassung von Orphée et Eurydice angeht, so bin ich komplett anderer Meinung als MStrauch, grade in Minkowskis Einspielung. Ich finde diese Fassung der Wiener um Längen überlegen. Schon allein wegen des Air des Furies, welches die Musiciens du Louvre in einer Weise spielen, dass man tatsächlich die Fratzen und Furien wirbeln sieht. Auch schlüssig: statt eines Altus als Orpheus setzt Gluck in Paris einen Tenor ein. Ich habe nicht prinzipielles gegen einen Altus, aber in dieser Rolle gefällt mir der Tenor einfach besser.


    Thomas

    für alle, die interessiert, wie solche barocken Quellen aussehen können, seien hier als Beispiel Lully´s Opern gegeben. Wenn man auf die aufgeschlagenen Bücher oben klickt, bekommt man ein vielseitiges Faksimile-pdf auf seinen Rechner. Die Dateien sind allerdings sehr groß, bis über 40 MB, deshalb empfehle ich, Le triomphe de la Raison sur l'Amour zu wählen. Diese Datei hat nur 3,1 MB.


    Lullys Opern


    Thomas

    Zitat

    Man schaue sich nur mal die Daten der Celli von den Berliner Philharmonikern (also der Cellisten) an. Jedes Gerät ist da mindestens 150 Jahre alt, wenn nicht auch mal um das Doppelte älter.


    Das mag zwar richtig sein, aber keines der Instrumente ist mehr im orginalen Zustand. Da wurden Stahlsaiten aufgezogen, es wurden Veränderungen am Korpus vorgenommen usw. Die Holzsubstanz ist zwar alt, aber das war´s dann auch schon. Namhafte Solisten brüsten sich mit ihren Stradivaris und Amatis, aber dabei haben diese Instrumente nicht mehr viel mit den Orginalen zu tun. Viele dieser Umbauten wurden Anfang/Mitte des 19. Jahrhunderts gemacht, aus heutiger Sicht ein Unding. Aber damals war man eben noch nicht so konservativ den Kulturgütern vergangener Zeiten gegenüber eingestellt wie heute. Diese Umbauten wurden gemacht, um die Instrumente den Anforderungen der Zeit gemäß zu machen, sprich lauter zu spielen, um in Solokonzerten noch gegen das wachsende Orchester anzukommen. Oder um die stärkere Zugspannung der Saiten, die ja durch das immer höher werdende Kammer-a immer stärker gespannt wurden, auszuhalten. Das ist übrigens bei der Entwicklung der Tasteninstrumente ein entscheidendes Kriterium für die Einführung von Eisenrahmen. Ein Cembalo ist komplett aus Holz (bis auf die Saite, logischerweise), frühe Hammerklaviere (z.B. von Joseph Brodtmann aus Wien, gell Alfred, mit solch netten Spielereien wie Fagottzug oder Janitscharen-Tamtam) auch noch.


    Thomas

    unbedingt empfehlenswert für Musik aus diesem Zeitraum sind die Aufnahmen des Huelgas Ensembles.


    Als herrausragende Einspielung sehe ich die die Hochzeitsmusik für die Verbindung von Ferdinando de' Medici und Christine de Lorraine 1589 an, Titel: La Pellegrina. Dieses Fest ist in historischen Quellen bis ins kleinste Detail, angefangen von Berichten von Augenzeugen, die beredtes Zeugnis des Spektakels geben, bis hin zu Rechnungen für irgendwelche Bedienstete, dokumentiert worden. Die Musik stammt von vielen Großen der damaligen Zeit: Cristofano Malvezzi, der die Hauptarbeit hatte, Emilio de' Cavalieri (vielleicht bekannt duch sein Rappresentatione di Anima, manchmal als erste Oper tituliert), Luca Marenzio, Jacopo Peri, Giulio Caccini und anderen. Wer mehr dazu lesen möchte, klickt hier.


    Eine andere, sehr lohnenswerte Scheibe dieses Ensembles, ist eine namens Utopia triumphans mit vielstimmigen Werken, man muß eigentlich sagen massenstimmigen Werken. Highlight ist sicherlich das 40 stimmige Spem in alium von Thomas Tallis, dass auf dem ebenfalls 40 stimmigen Ecce beatam lucem von Alessandro Striggio basiert. Mehr dazu liest der Interessierte hier.


    Thomas

    Ich denke, dass diese unsäglichen Sampler, wie Bach zum Baden etc., die ja z.T. recht beachtliche Verkaufserfolge erzielen, jedenfalls im Vergleich zu "echten" Barockaufnahmen, nicht gerade anregend wirken, sich mit dieser Epoche zu beschäftigen. Zum einen, weil man darauf immer die selben 5 Stücke hört und zum Anderen weil das fast immer Aufnahmen sind, die der Musik nicht gerecht werden, sprich nicht "auf Alt" sind. Das verfälscht die barocke Musik manchmal bis zur Unkenntlichkeit. Mit sowas hätte ich auch keine Lust, mich zu beschäftigen.


    Ich bin auch der Meinung, die hier schon andere geäußert haben, dass viele nicht bereit sind, auf musikalische Entdeckungsreise zu gehen (das gilt sicher nicht nur für Barock). Entdeckungsreise meine ich in dem Sinne, andere Stücke kennenzulernen. Verschiedene Aufnahmen EINES Stückes sind ja auch interessant. Da kann man schön Vergleiche ziehen. Aber neues Repertoire zu erkunden heißt auch unter Umständen, nichts Gewohntes wiederzufinden, Überraschunen zu erleben. Man findet dabei immer wieder Perlen, muß allerdings auch eine Menge Muschelschalen ertragen. In diesem Sinne verstehe ich Strawinskys Vivaldispruch. Nach meiner Erfahrung gibt´s da tatsächlich vieles, was irgendwie gleich klingt, aber eben auch die unverwechselbaren Perlen.


    Thomas