Beiträge von Edmund

    Anlässlich eines Ausbildungslehrganges für Blasmusik Kapellmeister (1963) wurde uns eine wunderbare Probenarbeit mit Ferenc Fricsay als Lehrbeispiel präsentiert, nämlich Smetanas Moldau.


    Ich finde dieses Werk als eines der besten Stücke, und dazu die einzigartigen Erklärungen der einzelnen Abschnitte. Am Ende der “Probenarbeit” dann die Ausführung.
    Wenn man derart eingeweiht das Werk von anderen Dirigenten hört, sehen diese dagegen blass aus. So wird z. B. die Bauernhochzeit bei Karajan klanglich zu einem ballettähnlichen Tanz, wogegen bei Fricsay Bauern mit ihren derben Schuhen auf einem Holzpodium tanzen.
    Diese Aufnahme ist für mich eines der besten Beispiele für das Erlernen der Klangwirkung für die Jungmusiker Ausbildung.
    Leider hört man diese Fricsay-Moldau nie!


    Liebe Grüße


    Edmund

    Weiß wer was, bzw. mehr . . . über William Russo (1928- 2003)?


    Nur durch einen Zufall kam ich hinter ein Stück von ihm, als ich mir vor Jahren eine CD mit Teilen der Westside Story, auch Gershwin ist dabei, zulegte und dieses (ca.) halbstündige Werk angefügt ist. Es heißt: “Street Music - A Blues Concerto”
    Das originelle daran ist, dass als Soloinstrument zum San Francisco Symphony Orchester (Seji Ozawa) eine Mundharmonika spielt, großartig virtuos beherrscht, und das Stück kaum einmal in einer Konzertübertragung zu hören ist.
    Mir gefällt es ausgesprochen gut, da es Stimmungsbilder wiedergibt (Geschehen auf der Straße, dunkle Gassen ect.), die zu vielerlei Phantasien anregen. Ich höre u. a. das nächtliche, vergeblich suchende, “Miauen” einer streunenden Katze heraus, aber Spaß beiseite, jeder wird etwas anderes entdecken. Auf jeden Fall sehr gekonnte Stimmungsbilder.


    Liebe Grüße
    Edmund

    Anlässlich eines Musikseminares brachte einer unserer Referenten einen Bandmitschnitt als Studienmitte zum Unterrichtl. Es war Smetanas Moldau, mit einer Probe unter Ferenc Fricsay, samt den ganzen musikalischen Erläuterungen und schließlich die Aufführung.
    Ich weiß leider nicht, ob es dieses Werk in der genannten Form heute (evtl. auf CD) gibt. Aber eines hat mein musikalisches Verständnis bis zum heutig“en Tag geprägt, und das war Fricsay, der z. B. die Szene mit der Bauernhochzeit auf einem Tanzboden” stampfend vorbrachte, während man bei Karajan glaubt, Smetana hätte es für ein Ballett geschrieben.
    Für angehende Musiker kann ich diese Probe nur wärmstens empfehlen.


    Liebe Grüße
    Edmund

    Für Einsteiger aber auch Fortgeschrittene hätte ich einen interessanten Tipp: Eine Orchesterprobe, mit den dazugehörigen Kommentaren des Dirigenten, anhand eines leicht verständlichen Werkes. Es geht um keinen geringeren Dirigenten als (dem leider viel zu früh verstorbenen) Ferenc Fricsay +1964, mit Smetanas “Moldau” und dem Rias Sinfonieorchester. Entstehung ca. 1960.
    Anlässlich eines Musik-Seminars brachte der Kursleiter dieses Band als Lehrbehelf mit, eine wahre Fundgrube für die aussergewöhnliche Auffassung eines der tollsten Dirigenten seiner Zeit.
    Wie er die Einleitung mit den 2 Flöten erklärt, die kleinen Bächlein als Ursprung der Moldau die sich nach der Einleitung vereinigen, weiterfließen . . . es folgt die Bauernhochzeit - wo die Leute “hörbar” mit Holzschuhen auf dem Podium stampfend tanzten und das Orchester entsprechend rhythmisch zu spielen hat, (Karajan bringt - o jeh - diese Stelle leichfüßig, als wären Balletttänzer unterwegs) die Jagd, bei welcher er plausibel erklärt, wie wichtig “ihm” die Rolle des 3. Hornes erscheint, Mondaufgang, Elfernreigen, die Stromschnellen, usw, Nach Abschluss der Probe erfolgt die Aufführung dieser sinfonischen Dichtung. Fricsay erklärt auf eine so einfache, aber überaus überzeugende Weise dieses Werk, dass ich jedem, der haranwachsende musikalische Kinder hat, oder auch für den Selbstgebrauch nur empfehlen kann, sich dieses Werk anzuschaffen. Man lernt absolut “neu” zu hören.
    Es müsste aufgrund seines hohen musikalischen Wertes als (CD) Neuauflage im Handel zu bekommen sein.

    Hallo teleton,


    eben wollte ich die “Sinfonie mit der Glocke” im Forum erwähnen, da entdecke ich Ihren vorhandenen Eintrag. Es ist eine wunderschöne Sinfonie, die gleich zu Beginn das Glockenmotiv im moll-Dreiklang von der Dominante absteigend bringt. Leider ist diese Sinfonie (fast?) nie zu hören. Auch einige Berufsmusiker die ich dahingehend um eine Auskunft ansprach, kannten das Werk nicht. Ich hatte das Glück, vor gut 35 Jahren die Ansage im Radio zu hören, und ließ auf gut Glück meine Tonbandmaschine mitlaufen. Es spielten die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Aram Katschaturian, so gesehen sicher eine Rarität. Dieses Werk kann ich jedem Musikfreund nur wärmstens empfehlen, leider habe ich keine Tonträgerverzeichnisse studiert, um die verschiedenen Einspielungen zu kennen, die gegenwärtig am Markt sind.
    Mit lieben Grüßen


    Edi

    Betrifft Furtwängler, . . . Erinnerungsvermögen . . .
    Da sind in höchsten Musikkreisen aber auch andere Sachen passiert. Vor mindestens 25 Jahren wurde eine Probe zur großen C-Dur Sinfonie von Schubert im Radio übertragen. Ich konnte es fast nich fassen, der Dirigent sang zum Orchester dazu, aber dermaßen falsch, dass es einem die Schuhe “auszog”. Um mir diesen Genuss nicht voll entgehen zu lassen, ließ ich mein Tonbandgerät mitlaufen, und muß heute noch beinahe genüsslich lachen, wenn ich das Band abspiele . . .
    Der Dirigent war kein geringerer als Karl Böhm, aber so ganz perfekt schien seine “Stimmgfabe” nicht gewesen zu sein.

    Hallo Ulli,


    möchte hiermit einen kleinen Beitrag zu den teilweise schwülstigen deuschen Texten in den liturgischen Gesängen leisten. Ich liebe lateinische Texte allein schon aus dem Grund, weil ich nicht so schnell einen Bezug zur deutschen Sprache herstellen kann und deshalb befreiter singe. Z. B. beim AVE MARIA von niederlänischen Meister Arcadelt, weil es mir aufgrund der Melodieführung sehr gefällt. (Bin seit vielen Jahren Chorsänger) Wie schrecklich ist doch der deutsche Text beim “Magnificat” von Heinrich Schütz! “Die Mächtigen stürzet er vom Thron” - - - “die Hungrigen füllet er” und wasgottnoch für schwülstigem Zeug, was erwiesenermaßen nicht stattfindet.
    Da singe ich von Herzen gerne lateinische Texte, die man unvoreingenommener erklingen lassen kann, weil sie schlicht und einfach gesagt Meisterwerke der Tonkunst sind.


    Liebe Grüße
    Edi : :pfeif:

    Lieber Christian,


    danke für die prompte Antwort auf meine Anfrage. Somit fühle ich mich, aufgrund meiner “nicht akademischen” Ausbildung, bestätigt, dass es der klang-ästethischen Auffassung zuwiderläuft, diese Stelle zerhackt zu interpretieren.


    Danke,
    Edi :jubel:

    Hallo Caesar,
    darf ich bezüglich der Choraufführungen - Bruckner Motetten - eine Frage an Sie richten. Es geht um “Locus iste” welches vor Jahren von einem excellent ausgebildeten Chorleiter an der Stelle: irreprehensibilis est . . . . in vollen Notenwerten, also 4 Viertelnoten im ersten Takt, wechselnd auf punktierte /8 mit angehängter /16, zwei /4 Noten und 1/4 Pause, weiterführend um einen Halbton tiefer, bei gleicher Notation, dann wieder 1/2ton tiefer . . . ., erst die 4 Wiederholung ändert die Notenlänge geringfügig. Ich weiss, es ist schwierig ohne Notenpapier die Stelle zu beschreiben, aber ein Spezialist wie Sie, hat die Stelle auswendig im Kopf. Es klang vornehm, getragen, lyrisch, einfach gesagt wunder schön.
    Nun spießt sich bei mir etwas, ein anderer Chrleiter verlangt diese Stelle mit extrem abgehackten Notenwerten (unästhetisch kurzen Wortfetzen) und den dabei zwangsläufig entstehenden Pausen, mit denen ich gefühlsmäßig schon gar nichts anfangen kann. Jetzt meine Frage, wie macht Herrewhege diese Stelle?
    Ich wede das Gefühl nicht los, dass Anton Bruckner die Pausen im “irreprehensibilis est” geschrieben hätte, wenn diese Vortragsart sein Wunsch gewesen wäre.
    Bitte wer liegt da richtig?


    Danke im Voraus für Ihre Stellungnahme,


    Edi :hello:

    Eine teffende Überschrift in der Tiroler Tageszeitung lieferte der Kritiker B.A. zur 9. Bruuckner vor 3 Wochen: “Viel Marthé - wenig Bruckner”. Der Endkommentar lautete gekürzt: “ein unvergesslicher Musikvergleich” (anstelle “Musikgenuss” - was man sich in Anbetracht eines schönen Konzertabends wohl gewünscht hätte. :-)


    Herzlichen Gruß
    Edi

    Eine teffende Überschrift in der Tiroler Tageszeitung lieferte der Kritiker B.A. zur 9. Bruuckner vor 3 Wochen: “Viel Marthé - wenig Bruckner”. Der Endkommentar lautete gekürzt: “ein unvergesslicher Musikvergleich” (anstelle “Musikgenuss” - was man sich in Anbetracht eines schönen Konzertabends wohl gewünscht hätte. :-)


    Herzlichen Gruß
    Edi

    Hallo Ihr Lieben,


    möchte gerne auch meinen Beitrag zu Gottlob Frick leisten, den ich als phantastischen Bass sehr schätzte. Ich hatte altersmäßig das Glück, ihn in den späten 50iger und frühen 60iger Jahren, sicher zu seiner Glanzzeit, oft bei Opernsendungen im Radio zu hören. Sein schwarzer Bass war unverkennbar!, für mich bie heute “fast” - wenn nicht ganz - unerreicht.
    Grüße aus Tirol
    Edi

    Hallo Ben,


    schon vor Tagen habe ich mir Ihre Erklärungen bzw. Studien zu Anton Bruckners IX, Sinfonie angesehen. Erst jetzt komme ich dazu auf die Thematik etwas einzugehen, und hätte dazu einige grundlegende Fragen.
    Dass es in der Absicht, aus den Fragmenten des 4. Satzes Bruckners IX. zu vorvollständigen, große Auffassungsunterschiede gibt, ist auch bei uns in Tirol nicht verborgen geblieben.
    Da gibt es neuerdings eine fast professionell gestaltete Kampagne, und es sollte wohl der Weisheit letzter Schluss sein, dass mit dem Dirigenten Peter Jan Marthé der große Durchbruch geschehen sein sollte. Die 30 minütige Verlängerung wirdvon gewissen Kreisen auf's höchste gepriesen. Sogar bei den “Bruckner Wochen” in St. Florian - Bruckners Urheimat - spielte das “European Philharmonic Orchestra” unter seiner Leitung, somit schien es, zumindest dort, keine - oder nur wenige - Zweifel an der Kompetenz gegeben zu haben.


    Und dies, 110 Jahre nach Bruckners Tod, obwohl große internationale Musik-Experten aus Respekt vor diesem großen Meister bzw. seinem Werk immer klein beigaben und keine Kompromisse einzugehen bereit waren.
    Ich erinnere mich an ein großartiges Bruckner Konzert (etwa vor 10 - 12 Jahren im TV) mit dem von mir sehr geschätzten - leider inzwischen verstorbenen - Dirigenten Günther Wand, der sich im begleitenden Künstlergespräch so äusserte, “dass er erst im Alter “über” 40 Jahren (!) den Versuch machte sich an Bruckner zu wagen”, aus Respekt vor diesen großen Meister.
    Auch in Tirol ist Marthé mit dem Orchester unterwegs, ich besuchte die ersten zwei Bruckner Aufführungen (Freiluftkonzerte auf der Alm - als “Klangdom”), und die anfängliche Begeisterung flaute ab. Für die Aufführung der IX. d-moll vor 14 Tagen habe ich mich nicht durchgerungen, da meinerseits große Zweifel an einem echten Konzertgenuss aufkamen und die übertriebene “Selbstdarstellung” beim Dirigieren eine eigene Sache ist.
    Jetzt die Frage an “Ben”, “kennen Sie diese Bearbeitung?”


    Für eine gelegentliche Beantwortung, die sicher andere Forumsteilnehmer auch interessiert, bedanke ich mich im Voraus, und
    verbleibe ich mit freundlichen Grüßen aus Tirol
    Ihr
    Edmund Crepaz


    :hello:

    Da gibt es ja genau genommen 2 Arten von Vorschlägen, normal (kurz) notierte und die durchgestrichenen, wie es im Finale die Achtelnoten sind. Bei der Tempoangabe 69 Halbe sind es dann immerhin 138 Viertelnoten, bei denen ein kurzer Vorschlag schon sehr kurz zu spielen ist.
    Das wäre meine bescheidene Auffassung, Edi :jubel:

    Hi Ulli,
    bitte was sind das für Ohrwascheln?


    Vor geraumer Zeit spielte unsere Grganistin am ende der Messe irdend ein Stück, das im Akkordaufbau nicht ganz sauber war. Ich fragte sie, ob der Schluss in d-moll war. Sie musste noch einmal in die Noten schauen und war erstaunt, weil ich es richtig hörte. Dann kam meine weitere Frage, nämlich dass das F in irgend einem verwendeten Register zu hoch klang. Sie testete die Register durch und entdeckte, dass ein erklungenes F wirklich nicht stimmte.


    Relatives Gehör?
    Gruß Edi