Beiträge von Swjatoslaw

    Ich höre gerade Swjatoslaw Richters allerletzten Konzertauftritt mit einem Orchester. Er spielte die Mozart-Klavierkonzerte Nr. 1 F-dur KV 37, Nr. 5 D-dur KV 175 und Nr. 18 B-dur KV 456, begleitet vom Japan Shinsei Symphony Orchestra, dirigiert von Rudolf Barshai

    Zum Niederknien schön. In geradezu unvorstellbarer Weise vollendet. Wenn es irgendeines Beweises bedurfte, dass Gott existiert, dann...
    Nein, ich höre ab sofort auf zu schreiben. Allein Richter möge durch seine herrlichen, unvergleichlichen Tondokumente sprechen. Ich werde fortan schweigen, kein einziges Wort mehr bei Tamino schreiben.
    Beste Grüße an Euch and keep the memories alive!
    God bless y'all!
    Euer Swjatoslaw

    Die 1000 Beiträge hättest Du wenigstens "vollmachen" können. :P Und an wem kann man sich nun reiben?
    Schade!
    Hans


    Du meine Güte, lieber Hans. Das hätte ich von Dir nun wirklich nicht gedacht. Absolut klasse, Deine Reaktion auf meinen Tamino-Austritt! Ich habe Deine Musikkompetenz immer sehr, sehr geschätzt. Dass Du absolut Ahnung von der Materie hast, habe ich nie bezweifelt. Letztlich habe ich alle Reibereien mit Dir irgendwie doch genossen. Und ich vermisse sie schon jetzt, sogar sehr. Nur zwangen mich einige Äußerungen von Thomas Pape über mich, die hier in den letzten Tagen erfolgten, zum Tamino-Austritt. Ich konnte mein Gesicht, nachdem ich so mit Schmutz beworfen wurde, nur noch mit meinem Rückzug wahren.
    Herzliche Grüße von Hamburg nach Kiel! Bleib' so, wie Du bist! Und lass' Du Dich nicht auch noch unterkriegen!
    Tschüß!
    Dein Swjatoslaw

    Lieber moderato,
    ich kann Dir wirklich alle CDs von Walt Weiskopf empfehlen, die auf CrissCross erschienen sind - er ist ein hervorragender Musiker, der glücklicherweise durch seine Zusammenarbeit mit Steely Dan auch über den Jazzsektor hinaus bekannt geworden ist. Eric Alexander ist wie gewohnt sehr konservativ in seiner Jazzauffassung, was nicht so ganz mein Fall ist. Zu Ralph Bowens CD "Keep the change" habe ich ja schon Lobendes geäußert. Aber meine allererste Empfehlung unter den von mir oben abgebildeten CDs lautet Walt Weiskopf.


    Dies ist mein allerletztes Posting bei Tamino. Dieser Schritt fällt mir sehr schwer, aber er ist einfach unvermeidlich. Ich wünsche allen Jazzfans, namentlich Dir und romeo&julia und Accuphan, alles, alles Gute und haltet die Jazz-Fahne weiter hoch!!!


    Herzliche Grüße and good bye Euch allen!
    Euer Swjatoslaw

    Die Gemeinsamkeit mit Furtwängler besteht vielleicht in der Leidenschaftlichkeit, aber mir scheint Mitropoulos dennoch ein deutlich modernerer, analytischerer Musiker zu sein.

    Furtwängler und Mitropoulos überschnitten sich in ihren Repertoireinteressen kaum. Bachs Brandenburgisches Konzert Nr. 5 fiele mir ein (bei welchem Furtwängler und Mitropoulos jeweils vom Klavier aus dirigierten), Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 sowie Schumanns Klavierkonzert. Diese Werke gibt es sowohl von dem einen als auch von dem anderen auf CD zu kaufen. Aber sonst? Es ist überliefert, dass Furtwängler in den 20er Jahren Mahlers Erste dirigierte, von welcher es allerdings keine Aufnahme mit ihm gibt (im Gegensatz zu Mitropoulos, von dem ein Mitschnitt des Werks aus Minneapolis aus dem Jahr 1940 vorliegt). Schönbergs Variationen für Orchester wurden von Furtwängler am 2. Dezember 1928 in der Berliner Philharmonie uraufgeführt, aber auch hier gibt es keine Aufnahme des Werks von ihm. Wohl aber von Mitropoulos (live Salzburg 1960).


    Ich meine, dass Furtwängler und Mitropoulos kaum miteinander zu vergleichen sind, aber beide in ihren jeweiligen Repertoirebereichen absolute Jahrhundertdirigenten waren. Bei Mitropoulos kommt hinzu, dass er zusätzlich noch ein geradezu atemberaubend virtuoser Pianist war, der es bewerkstelligen konnte, das irrwitzig schwierige Klavierkonzert Nr. 3 von Prokofiew vom Klavier aus (!!!) zu dirigieren.


    Die CDs, die ich von Mitropoulos habe, kann ich allesamt rundum empfehlen. Mit vielleicht einer gewissen Betonung auf Mitropoulos' Mahler (insbesondere die 6.), ferner seinen Aufnahmen in Personalunion als Pianist und Dirigent (Bach, Krenek, Prokofiew), dem Violinkonzert von Berg (mit einem ganz ausgezeichneten Joseph Szigeti) sowie seinen Live-Mitschnitten mit Glenn Gould, William Kapell, Josef Hofmann, Rudolf Serkin und Artur Rubinstein. Hier meine komplette Mitropoulos-Sammlungsauflistung, die gleichzeitig auch eine vorbehaltlose Empfehlungsliste ist (mit der einzigen Ausnahme des Werks "Chopiniana", welches ich nicht sonderlich mag):


    - Bach/arr. Mitropoulos Fantasie und Fuge g-moll BWV 542 (rec. 6.4.1942)
    - Bach Brandenburgisches Konzert Nr. 5 (Mitropoulos auch am Klavier, live 1945)
    - Bach Klavierkonzert Nr. 1 (+ Glenn Gould, live Salzburg 1958 )
    - Beethoven Klavierkonzert Nr. 4 (+ Josef Hofmann, live New York City 1943)
    - Berg Violinkonzert (+ Joseph Szigeti, rec. live New York City 30.12.1945)
    - Berlioz Romeo et Juliette op. 17 [Auszüge] (rec. New York City 27.10.1952)
    - Borodin Sinfonie Nr. 2 (rec. 7.12.1941)
    - Borodin In den Steppen Zentralasiens (live New York City 19.4.1953)
    - Brahms Klavierkonzert Nr. 1 (+ William Kapell, live New York City 12.4.1953)
    - Chausson Sinfonie op. 20 (rec. 1939)
    - Chopin/arr. Rogal-Levitzky Chopiniana (rec. 21.9.1945)
    - Debussy La Mer (rec. New York City 27.11.1950)
    - Debussy Iberia aus “Images pour orchestre” (live New York City 7.2.1954)
    - Franck Sinfonie d-moll (rec. 1945)
    - Franck Sinfonische Variationen (+ Artur Rubinstein, live New York City 19.4.1953)
    - Krenek Klavierkonzert Nr. 3 (Mitropoulos auch am Klavier, live 1945)
    - Mahler Sinfonie Nr. 1 (rec. Minneapolis 1940)
    - Mahler Sinfonie Nr. 6 (rec. Köln 31.8.1959)
    - Mahler Sinfonie Nr. 8 (live Salzburg 1960)
    - Mozart Klavierkonzert Nr. 16 KV 451 (+ Rudolf Serkin, live New York City 23.10.1955)
    - Mozart Klavierkonzert Nr. 25 KV 503 (+ Rudolf Serkin, live New York City 23.10.1955)
    - Prokofiew Klavierkonzert Nr. 3 (Mitropoulos auch am Klavier, live 1945)
    - Rachmaninow Die Toteninsel op. 29 (rec. 2.3.1945)
    - Ravel Le Tombeau de Couperin (rec. 6. + 7.12.1941)
    - Saint-Saens Klavierkonzert Nr. 2 (+ Artur Rubinstein, live New York City 19.4.1953)
    - Schönberg Klavierkonzert (+ Glenn Gould, live New York City 1958 )
    - Schönberg Variationen für Orchester (live Salzburg 1960)
    - Schönberg Violinkonzert (+ Louis Krasner, Köln 1954)
    - Schostakowitsch Sinfonie Nr. 10 (rec. live Athen 1.+2.10.1955)
    - Schumann Klavierkonzert (+ Arturo Benedetti Michelangeli, rec. New York City 21.11.1948 )
    - Scriabin Le Poème de l’ Extase op. 54 (live New York City 19.4.1953)
    - Skalkotas Vier Griechische Tänze (rec. live Athen 1.+2.10.1955)
    - R. Strauss Elektra (Gesamtaufnahme mit Inge Borkh, live Wien 1957)
    - R. Strauss Tanz der sieben Schleier aus “Salome” (rec. New York City 3.11.1956)
    - Verdi Ouvertüre zu “Die Macht des Schicksals” (rec. live Athen 1.+2.10.1955)

    ich bin sehr dankbar hier auf S. Richter aufmerksam gemacht zu worden und habe nach der suche bei amazon (hohe preise und wenig informationen ) jetzt bei JPC die salzburger aufnahme bestellt - gerade bei dieser sonate kann es mir nicht langsam genug gehen.


    ganz herzlichen dank für diesen tip !


    Lieber kalli,
    Du wirst diese Wahl nicht bereuen. Freue Dich auf DV 958 und DV 960 in wahrlich sprachlos machenden Interpretationen!
    Beste Grüße
    Dein Swjatoslaw

    Etwas weiter oben habe ich ja schon meine große Wertschätzung für die verdienstvollen Veröffentlichungen des holländischen Jazz-Labels CrissCross zum Ausdruck gebracht. Heute höre ich schon den ganzen Tag mit Begeisterung ein paar CrissCross-CDs durch, nämlich diese hier:




    Im Moment bin ich gerade bei der 2003 eingespielten CD "Keep the change" von Ralph Bowen (ts, ss) angelangt, welche mit Ryan Kisor (tp), Orrin Evans (p), Reuben Rogers (b) und Gregory Hutchinson (dr, perc) als Begleitmusikern aufwartet. Hochvirtuoser Bop vom Feinsten, bei welchem vor allem die beiden Bläser und der Schlagzeuger keine Wünsche offenlassen.
    Herzliche Grüße an alle Jazz-Fans! Keep swingin'!
    Swjatoslaw

    Dein Hinweis auf den Link von trovar.com ist Gold wert und ist bei der Kaufentscheidung sehr wertvoll, denn ich ärgere mich jedes Mal, wenn ich eine Aufnahme doppelt erwerbe, weil die discographischen Angaben nicht eindeutig sind.

    Das geht mir genauso, lieber moderato. Ich werde schon sehr ärgerlich, wenn ich mir eine vermeintlich noch nicht bei mir vorhandene Aufnahme kaufe und dann bei einem Hörvergleich feststelle, dass es ja wohl kaum ein Zufall sein kann, dass in beiden Aufnahmen exakt an denselben Stellen vom Publikum gehustet wird. Man hat mir also etwas mit veränderten diskografischen Daten ein zweites Mal verkauft - und ich bin darauf hereingefallen.


    Die von Paul Geffen, also einem Privatmann, betriebene Seite trovar.com ist für einen Richter-Sammler absolut unverzichtbar (die Website ist zum einen den LP- und CD-Veröffentlichungen des Münchener Labels ECM Records und zum anderen dem Gedenken an Swjatoslaw Richter gewidmet: mit einer kompletten Diskografie, einer Bibliografie, Essays, einer Biografie und sogar einer großangelegten Auflistung der Cover von Richter-LPs und -CDs). Es freut mich, dass dieser Link für Dich hilfreich war!
    Herzliche Grüße und einen schönen Sonntag!
    Swjatoslaw

    Da hast du Recht, lieber Swjatoslaw, da kann man sich auch drauf freuen, jedoch habe ich diese Aufnahme bereits, nämlich in der nebenstehenden Box


    Hallo Willi,
    in der EMI-Box hast Du die Aufnahme der Sonate KV 379 aus Tours, welche im Juli 1974 entstand. Auf der Regis-CD hingegen findest Du den Mitschnitt aus Moskau vom Dezember 1982. Es handelt sich nicht um eine Doublette! Ich finde, der Moskauer Mitschnitt zieht einem förmlich die Schuhe aus!
    Herzliche Grüße und schönes Wochenende!
    Dein Joachim

    Hallo, lieber Willi,
    die von Dir abgebildete Regis-CD enthält, was man dem Cover nicht ansieht, außer den Diabelli-Variationen op. 120 noch eine der besten Kammermusik-Aufnahmen überhaupt mit Richter: nämlich die Sonate für Violine und Klavier KV 379 von Mozart mit Oleg Kagan. Da ich die Philips-Version der Diabelli-Variationen mit Richter

    bereits besaß, als ich mir diese Regis-CD kaufte, war der Erwerb dieser CD für mich eher ein Kauf "aus Vollständigkeitsgründen" (beide Aufnahmen unterscheiden sich nicht allzu sehr). Umso begeisterter sprang ich auf, als ich die ersten Takte der Mozart-Sonate vernahm! Es ist wirklich grandios, was Kagan und Richter dort im Zusammenspiel vollbracht haben. Freu' Dich drauf!
    Herzliche Grüße
    Dein Swjatoslaw

    Dem Dank an Willi für diese sehr, sehr lesenswerte Rezension schließe ich mich gern an! Mal sehen, ob ich heute abend in der Berliner Philharmonie ähnlich Großartiges erlebe. Es spielen die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Claudio Abbado. Solisten sind Maurizio Pollini (Klavier) und Anna Prohaska (Sopran). Das Programm:


    Mozart: »Vorrei spiegarvi, oh Dio« - »Ah conte, partite«, Arie für Sopran und Orchester KV 418
    Berg: Sinfonische Stücke aus "Lulu"
    Mozart: Klavierkonzert Nr. 17 G-Dur KV 453
    Mahler/Cooke: Adagio aus der Sinfonie Nr. 10 Fis-Dur


    Herzliche Grüße
    Swjatoslaw

    Lieber moderato,
    einen verlässlichen Überblick über sämtliche Schubert-Aufnahmen von Richter mit Aufschlüsselung der zahlreichen Doppelt-, Dreifach- und teilweise sogar Vierfachüberschneidungen mit anderen Editionen der CD-Industrie findest Du hier:
    http://www.trovar.com/str/discs/schubert.html
    Bei der CD, die Du im Auge hast, handelt es sich Wiederveröffentlichungen der Studioaufnahmen der Sonaten DV 958 (aufgenommen im Schloss Klesheim, Salzburg, am 12. und 13. August 1972) und DV 960 (aufgenommen im Schloss Anif, Salzburg, am 6. August und 9. November 1972), welche bei Melodya/Eurodisc auf LP erstveröffentlicht wurden und welche ich immer noch als LPs besitze. Die Spielzeiten der Sonate DV 960 sind auf der LP-Hülle wie folgt angegeben: 24:28 / 10:01 / 3:51 / 7:50 min. Nimmt man mal Vladimir Horowitz als Vergleich dazu (Live-Aufnahme Carnegie Hall New York 25. Februar 1953), zeigt sich die ungeheure Langsamkeit Richters im Kopfsatz. Horowitz' Spielzeiten lauten wie folgt: 12:42 / 8:12 / 3:48 / 6:53 min.


    Wenn Du einen preiswerten Einstieg in Richters Schubert suchst, könnte ich Dir vielleicht diese 5 CD-Box nahelegen, welche für 12,99 Euro zu haben ist und auf den CDs 4 und 5 Moskauer Live-Mitschnitte der Sonaten DV 566, 575, 894 und 960 (plus das Allegretto DV 915) aus den Jahren 1961, 1965 und 1978 enthält, welche nirgends sonst greifbar sind

    Live war Richter bei der Sonate DV 960 am 13. November 1961 nur einen Hauch schneller unterwegs als elf Jahre später in Salzburg im Studio: 24:16 / 9:20 / 3:24 / 6:54 min.


    Im Vergleich der beiden DV 960-Versionen würde ich allerdings doch zur von Dir verlinkten Salzburger Version von 1972 raten: sie klingt besser und Du musst Dich nicht an dem bisweilen heftig hustenden Publikum stören.


    Eine andere schöne Schubert-CD mit Richter (von den vielen, vielen, die zu nennen wären) möchte ich noch anführen, da sie gerade preisreduziert bei jpc zu erwerben ist:

    Die Sonaten DV 575, 625 und 664 plus das Moment musical DV 780 Nr. 1 (als Zugabe), live mitgeschnitten in der Royal Festival London am 31. März 1979.
    Herzliche Grüße
    Dein Swjatoslaw

    Ich habe mir diesen Schubert-Klaviersonaten-Thread durchgelesen, einen Namen der besprochenen Interpreten habe ich vermisst: Svjatoslaw Richter. Es gab eine Zeit, da waren die Fürsprecher in Sachen Schubert-Klaviersonaten wenige. Richter war einer von ihnen und spielte die Sonaten in seinen Rezitals, als man ihre Qualität als zweitrangig ansah. Das hat sich geändert.
    Ich bin kein Richter-Spezialist, besitze drei seiner Einspielungen mit Schubert Werken, die allerdings teilweise nicht mehr im Katalog sind. Mein Wunsch ist es, meine Sammlung mit Schubert Aufnahmen des Russen zu erweitern. Welche seiner Interpretationen der Schubert-Klaviersonaten sind zu empfehlen?


    Alle, lieber moderato. Wirklich alle. Swjatoslaw Richter war ein großartiger, geradezu einzigartiger Schubert-Interpret. Die allerersten Töne, die ich jemals live von ihm gehört habe (und ich habe ihn unzählige Male live erlebt) waren von Schubert: er spielte bei seinem Hamburg-Debüt 1979 zunächst die Schubert-Sonate Nr. 15 C-Dur DV 840, die "Reliquie". Was auch immer Du von seinen Schubert-Interpretationen in die Hände bekommst: greif' zu.
    Herzliche Grüße
    Dein Swjatoslaw


    P.S.: Die Ironie des Schicksals will es, dass dieser Beitrag hier von der Tamino-EDV als mein Beitrag Nr. 960 gezählt wird. Das veranlasst mich nun endgültig, Dir die Schubert-Sonate DV 960 in der geradezu unvorstellbar langsamen Richter-Deutung zu empfehlen. Es ist wirklich sagenhaft, welche Spannungsbögen Richter bei diesem Tempo gehalten hat.

    Es gibt noch eine Super-Aufnahme von Pini und Fontane di Roma, die ich als meine Erstaufnahme auf einer RCA-LP hatte und bei günstiger Gelegenheit tatsächlich noch als CD kaufen würde - Reiner / Chicago SO (RCA) ! Und die rauscht trotz 1960 kein bisschen ...


    Lieber Wolfgang,
    die Fritz Reiner-Aufnahmen sind gerade bei Urania in einer Doppel-CD neu erschienen

    Die ursprüngliche Living Stereo-Koppelung mit Debussys "La mer" gibt es aber immer noch auf CD zu kaufen

    und sie ist inzwischen auch als SACD zu bekommen


    Ich danke Dir für Deinen Hinweis auf Reiner: ich habe mir soeben die Living Stereo-CD bestellt und bin gespannt auf seine Sicht der Respighi-Dinge. Seine Interpretation der "Fetes" aus den "Nocturnes" von Debussy, die ich in meiner Sammlung habe,

    lässt im Übrigen auch bei Debussys "La mer" Vorfreude aufkommen.
    Herzliche Grüße
    Dein Swjatoslaw

    Lieber Wolfgang,
    ein echter Knaller der Respighi-Diskografie ist mir kürzlich geliefert worden: "Pini di Roma" mit Leopold Stokowski

    Ich weiß nicht, ob Du ein deutliches Grundrauschen bei einer lupenreinen Stereo-Aufnahme aus der Frühzeit der Stereophonie akzeptieren kannst. Falls ja, rate ich Dir sehr zu dieser absolut faszinierenden Stokowski-Deutung in einer sehr, sehr preisgünstigen EMI-Box! Zumal Dich die Kombination auf der CD 9 dieser Box mit der Sinfonie Nr. 2 von Khatchaturian absolut überzeugen dürfte!
    Herzliche Grüße
    Dein Swjatoslaw

    Hallo Swjatoslaw,


    nachdem Du die Mackerras-Aufnahme mit den WPO (Decca) nun im April erstanden hast, würde ich gerne Deine Eindrücke dazu lesen.


    Lieber teleton,
    weil ich sehr, sehr große Hochachtung vor Dir habe, mache ich das - trotz aller Vorkommnisse der letzten Tage - sehr gern, denn Du hast mich direkt angesprochen. Sonst hätte ich eigentlich eher geschwiegen. Bevor sich hier wieder irgendwelche Klassik-Hooligans (wie Willi sie neulich zu Recht genannt hat) in die Diskussion einmischen.


    Mackerras ist mit den Wiener Philharmonikern in den Ecksätzen grandios: Blechbläser und Pauken höchst präsent. In den Binnensätzen hingegen befriedigt mich das Orchesterspiel nicht allzu sehr. Die Streicher sind alles andere als sauber. Wie gut sie vergleichsweise mit anderen Orchestern sind, bescheinigt mir allerdings eine ebenfalls jüngst erworbene Live-Einspielung mit Rudolf Kempe und dem BBC Symphony Orchestra: dort hört man ein Orchesterspiel weit unter dem Niveau der Wiener Philharmoniker. Das ist wirklich gar nichts im Vergleich zu Mackerras. Mackerras ist wirklich höchst respektabel. Trotzdem ist Mackerras immer noch nicht das, was ich mir als optimum vorstelle. Ich bin also weiterhin auf der Suche nach der optimalen Aufnahme.
    Herzliche Grüße
    Dein Swjatoslaw

    Hallo Swjatoslaw,
    ohne es zu ahnen, hast Du mich mit Deiner Frage nach meiner Lieblingsaufnahme in eine schwere musikalische Krise gestürzt ;( Seit Tagen höre ich nun die beiden mir zur Verfügung stehenden Einspielungen (Concertgebouw unter Haitink zum einen und Barshai mit dem SO des WDR) rauf und runter, hin und her, vorwärts und rückwärts und ich kann mich nicht entscheiden!


    Ob Du es glaubst oder nicht, lieber Michael: das kann ich gut nachvollziehen. Von Schostakowitsch Nr. 5 gibt es so dermaßen verdammt gute Aufnahmen, dass die Wahl der Lieblingsaufnahme ziemlich schwer fällt. Bernstein Tokyo 1979 ist eine allererste Adresse in dieser Diskussion (und Bernstein New York 1959 um Längen vorzuziehen!). Haitink ist klasse, da hast Du völlig Recht, Maazel ist es auch und Mrawinsky sowieso. Aber weißt Du, wer mich seit kurzem völlig umhaut? Stokowski. Hör Dir die Pauken im 4. Satz an. Wahnsinn pur: das ist Musik!!!

    Aus der schönsten Stadt der Welt grüßt Dich herzlich
    Dein Swjatoslaw

    Aus demselben Jahr 1952 gibt es einen Live-Mitschnitt mit Kathleen Ferrier, der für mich ebenfalls zu den Glanzpunkten der LvdE-Diskografie gehört:

    Das Hallé Orchestra Manchester wird geleitet von Sir John Barbirolli, neben Kathleen Ferrier singt Richard Lewis. Der Mitschnitt entstand in Manchester am 2.4.1952, also etwa sechs Wochen vor der Decca-Einspielung mit Bruno Walter und den Wiener Philharmonikern vom 18.5.1952

    Noch ein Hinweis: die Ferrier-/Walter-Aufnahme ist inzwischen auch für sehr wenig Geld in dieser 2 CD-Box

    zu bekommen.

    Hallo, liebe Jazzfreunde,
    "L' ascenseur pour l' échafaud" ist ein so dermaßen guter Film, dass es kaum zu glauben ist, dass dies der allererste Versuch von Louis Malle in diesem Genre war. Die Filmmusik wurde im Studio beim Betrachten des bereits fertigen Filmmaterials improvisiert: eine unglaubliche Leistung, die Miles ein Jahr später mit seiner "regulären" Band bei den Aufnahmesessions zu "Kind of blue" weitgehend wiederholen sollte. Auch bei "Kind of blue" hatte sich Miles zuvor nur fragmentarisch mit Bill Evans auf ein bestimmtes Ausgangsmaterial geeinigt, der Rest entstand spontan.

    Zitat

    Übrigens war die Musik, wenn man dem Tontechniker Marcel Romano glauben schenken darf, in vier Stunden im Kasten.

    Bei Wiki ist ein etwas größerer Zeitraum erwähnt: "In nur einer Nacht, zwischen zehn Uhr abends und fünf Uhr morgens, spielte Davis den Soundtrack in einem Studio an den Champs-Élysées komplett improvisiert ein."
    Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Fahrstuhl_zum_Schafott
    Ist ja aber auch völlig egal, wie lang es gedauert hat: jedenfalls kann die Leistung dieser von Miles Davis geleiteten Band gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, passt die Musik doch so unglaublich gut zu den Filmszenen. Im Booklet der von moderato abgebildeten CD ist übrigens erwähnt, dass Jeanne Moreau bei der nächtlichen Aufnahmesession im Pariser Studio anwesend war. Ich gehe jede Wette ein, dass Miles Davis - bekanntlich ein Frauenheld - dies zusätzlich beflügelt hat. Der Chansonsängerin Juliette Gréco soll er ja damals in Paris auch nicht gerade abgeneigt gewesen sein :D


    Bei mir läuft gerade in meiner Mittagspause eine bei den von Norman Granz organisierten "Jazz at the Philharmonic"-Konzerten mitgeschnittene Kostbarkeit: Stan Getz und J.J. Johnson gemeinsam mit dem Oscar Peterson Quartet live im Civic Opera House in Chicago am 29. September 1957

    Die CD wird ergänzt durch sechs weitere Titel aus "The Shrine" in Los Angeles in derselben Besetzung (aufgenommen am 7. Oktober 1957).
    Herzliche Grüße
    Swjatoslaw

    Leinsdorf (ein völlig unterschätzter Dirigent; Aida!!!)


    Hallo, lieber novecento,
    Erich Leinsdorf war der allererste Dirigent, den ich im Konzert live erlebt habe. Du hast Recht: ein großartiger Musiker!


    Bei mir ist Wagner auf dem Kopfhörer: also der zweite Teil meiner frisch erworbenen BBC Legends-CD mit Sir John Barbirolli

    Zu dieser CD muss ich noch ergänzen, dass "live" zwar stimmt - jedoch war kein Publikum anwesend. Ausweislich des Booklets der CD wurden sowohl Bruckner Nr. 3 als auch Wagner im Konzertsaal des Hallé Orchestra Manchester ohne Zuhörer aufgeführt und live im Rundfunk übertragen. Das erklärt vielleicht manches...
    Herzliche Grüße
    Swjatoslaw

    Zunächst etwas zu Barenboim: Sein kultur-politisches Wirken, zum einen das Konzert in Gaza, dann das West-Eastern -Divan-Orchestra, setzt Signale, die weit über die Musik hinausgehen. Diese Arbeit, teilweise unter Morddrohungen, erfordert Mut und Charakter.


    Das mag ja alles sein, aber das politische Engagement von Pianisten ist ein ganz anderes Thema als das, über das wir hier im Moment reden.

    Manchmal ist der "eigene Weg" nur eine Ausrede für Faulheit (oder Angst vor übermächtigen Alten), sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen


    Volle Zustimmung, lieber Wolfram.


    Im Jazzbereich ist die große Bewunderung z.B. von John Coltrane (der 1967 starb) oder von Miles Davis (gestorben 1991) für aktuelle Jazzmusiker eine Selbstverständlichkeit. Soli, die diese Heroen geblasen haben, werden heutzutage von den verfügbaren Tonträgern transkribiert und von jungen Musikern in ihrer Ausbildung nachgespielt. Das begreift niemand als "einengend", sondern dies verschafft die Basis für das eigene Wirken. Man begreift doch überhaupt erst, was Jazz bedeutet und was im Jazz möglich ist, wenn man den ganzen Weg durch Charlie Parker, Duke Ellington, Coleman Hawkins, Bill Evans, John Coltrane, Miles Davis, Thelonious Monk, Charles Mingus, Ornette Coleman usw. gegangen ist. Warum sollte das in anderen Musikrichtungen anders sein?

    @Swjato: Gnade mit Sir John. Die BBC-Aufnahmen der Serie sind oftmals nicht die -technisch- besten. Streckenweise ist das wirklich ein liebloses Ausschlachten der Rundfunkbänder, die im Übrigen ja auch nur in Rundfunk-Qualität vorliegen, und die war bis zu beginnder 1970er Jahre mono (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Andere Sender veröffentlichen erheblich besseres Material (WDR, NDR, BR z.B.), hatten teilweise sogar schon die Vision, bestimme Werke könnten als LP veröffentlicht werden und habe sie luxuriös in stereo aufgenommen. Die BBC-Serie ist -soweit ich das überblicke- eher was für (leidensfähige) Fans (in meinem Falle Horenstein).


    Lieber Thomas,
    ich würde mich durchaus als Barbirolli-Fan bezeichnen. Diese Bruckner-/Wagner-CD war allerdings ein echter Fehlkauf (zumal mich der nach der Bruckner-Sinfonie gespielte Wagner sowieso nicht interessiert). Ich kann aber nicht sagen, dass ich generell mit BBC Legends unzufrieden bin. In dieser Reihe sind tolle Aufnahmen erschienen, auch von Barbirolli. Meine Kritik war also nur auf dieses Bruckner-Desaster bezogen (für welches Sir John vielleicht auch gar nichts konnte: möglicherweise war das Orchester einfach nur indisponiert oder unausgeschlafen bzw. möglicherweise mussten krankheitsbedingt Aushilfsmusiker einspringen, die nicht vernünftig geprobt hatten - es kann zig Gründe geben), ohne der BBC generell einen Vorwurf machen zu wollen. Und als Sammler ist es mir ohnehin lieber, es kommen ein paar Live-Mitschnitte der großen Altvorderen zuviel heraus, als dass auch nur ein einziger wichtiger Live-Mitschnitt aufgrund einer zu vorsichtigen Veröffentlichungspolitik der Rechteinhaber zurückgehalten wird.
    Herzliche Grüße
    Swjatoslaw

    im Konzert hat man nun als Lebender gewisse Vorteile gegenüber den verklärten Olympiern.

    Die verfügbaren Tonträger mit Aufnahmen ab ca. 1920 wirken doch gerade der "Verklärung" bestimmter Dirigenten, Sänger, Pianisten, Geiger etc. massiv entgegen. Jeder kann heutzutage hören, wie Fritz Kreisler oder Art Tatum oder Miles Davis oder Dennis Brain oder Myra Hess oder Pablo Casals gespielt haben: also wird ihr Spiel nicht "verklärt", sondern nachvollzogen und messerscharf beurteilt. Bei den früheren Generationen ist das anders: dort lässt die Nichtverfügbarkeit von Aufnahmen nur Spekulationen zu, ob Paganini wirklich so verteufelt gut gespielt oder Felix Mendelssohn-Bartholdy wirklich so herausragend dirigiert hat.


    Man mag ja von mir aus gern behaupten, dass Zimerman die Brahms-Klavierkonzerte besser spiele als Rubinstein, Katchen oder Serkin. Aber das Argument, dass die letztgenannten ja nur "verklärt" sein, während man den erstgenannten ja im Konzert erleben könne, ist ein schlechtes Argument.


    Ein weiterer Parameter ist nicht ausser acht zu lassen, daß nämlich im Gegensatz zu früher - 40 Jahre alte Aufnahmen (benahe) ebenso frisch Klingen wie heutige - und man ein stück "unwiederbringliche Vergangenheit" mit nach Hause nehmen kann (oder es sich zumindest einbildet) wenn man solche Aufnahmen kauft.

    Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Wenn ich mir "Living Stereo"-Aufnahmen von RCA Victor aus den späten 50er- und frühen 60er-Jahren anhöre oder Decca-Aufnahmen derselben Zeit, dann klingen die manchmal sogar besser, jedenfalls aber nicht nennenswert schlechter als heutige Produktionen. Warum soll ich mir dann also Brahms von Oppitz kaufen, wenn ich ihn auch von Gilels oder Katchen in jedenfalls annähernd so guter Tonqualität kriegen kann? Nur weil Oppitz noch lebt? Sicherlich nicht. Das alleinige Argument für einen Oppitz-CD-Kauf kann seine Interpretation des betreffenden Brahms-Werks sein, welche mich bei einem Vergleichshören ebenso oder vielleicht sogar mehr überzeugen müsste als Gilels oder Katchen.

    ...oder solche wie Richter und Gilels, die noch eine halbe Generation jünger waren, wahrscheinlich in einer ähnlichen Situation wie unsere heutigen Pianisten jüngeren Alters wie Fellner, Lewis, Schuch oder mittleren Alters wie Korstick, Sokolov, Gawrilow und Bronfman, die zwar schon gewisse Erfolge aufzuweisen haben und bereits etabliert sind, aber sicher noch etwas im Schatten derer stehen, die ich vorher genannt habe.


    Zu Recht im Schatten von Richter und Gilels stehen, lieber Willi. Völlig zu Recht. Ich erinnere mich gut an ein Interview, welches Peter Cossé mit Vladimir Ashkenazy geführt hat und welches vor vielen Jahren im FonoForum abgedruckt wurde. Cossé war dem Pianisten auf seiner Deutschland-Tournee nachgereist und wunderte sich, warum Ashkenazy bei einer bestimmten Schubert-Sonate mal die Wiederholungen ausgeführt hat und mal nicht. Die Antwort war: das hing jeweils davon ab, wieviel Zeit ihm an dem betreffenden Abend noch blieb, um nach dem Konzert die Weiterreise anzutreten. Peter Cossé äußerte zu Recht die Meinung, dass man solch einen unglaublichen Satz niemals von einem Swjatoslaw Richter oder einem Arturo Benedetti Michelangeli hören würde. Diese Pianisten erachteten nämlich nach langem Ringen eine bestimmte Interpretation für richtig und führten diese dann unverrückbar aus. Wenn sie sich nicht dazu in der Lage sahen, dem Werk hundertprozentig gerecht zu werden, sagten sie das Konzert ab. Niemals aber wären sie auch nur einen Hauch von ihrem Ideal der Interpretation abgerückt, weil es irgendwelche äußeren Zwänge gab (Gleiches ließe sich über viele andere der "großen Alten" sagen). Im Gegensatz dazu stehen solche mit dem Jet herumfliegenden Pianisten der heutigen Zeit à la Daniel Barenboim, die sich auch noch dafür rühmen, mal eben im Flugzeug eine Partitur auswendig zu lernen und dann vor Publikum aufzuführen. Was dabei herauskommt, konnte ich bei einem Liszt-Abend in den 80er Jahren mit Barenboim in der Hamburger Musikhalle als Ohrenzeuge verfolge. Ein Kritiker schrieb anschließend, dass Barenboim so wirkte wie jemand, der durchaus die Fähigkeit hätte, die Werke herausragend zu spielen, wenn er sich denn nur mal die Zeit nähme zum Üben.


    Der von Dir genannte Andrej Gawrilow ist von mir an sich mal in den 80er Jahren hochgeschätzt gewesen: schließlich hat er grandiose Scriabin- und Rachmaninow-Aufnahmen bei EMI vorgelegt und sogar gemeinsam mit Swjatoslaw Richter in Frankreich die gesamten Suiten für Klavier von Händel vor Publikum aufgeführt (während der eine spielte, blätterte der andere die Noten um). Aber irgendwie verschwand er dann in der Versenkung. Am letzten Wochenende berichtete mir der Geigenlehrer unserer Tochter, dass er für ein von ihm mitorganisiertes kleines Festival in Deutschlands nördlichstem Bundesland Andrej Gawrilow für eine Abendgage von 30.000 Euro engagiert hatte. Gawrilow sollte die Goldberg-Variationen von Bach spielen. Es war eigens für ihn ein sehr, sehr guter Steinway-Flügel herbeigeschafft und von einem Steinway-Mitarbeiter professionell durchgestimmt worden. Auch das hat viel Geld gekostet. Was machte Gawrilow? Er erschien gegen jede Absprache erst um 19.44 Uhr - bei einem Konzertbeginn um 20.00 Uhr! Und verspielte sich buchstäblich bei jeder, bei wirklich jeder Variation. Es war völlig ohrenfällig, dass er sich nullkommanull vorbereitet, geschweige denn geübt hatte. Zurück blieb für den Veranstalter die Peinlichkeit, einen solchen "mal eben die Kohle mitnehmenden, aber nicht geübt habenden" Pianisten dem (stolze Eintrittspreise zahlenden!) Publikum präsentiert zu haben.


    Wie anders war das bei Swjatoslaw Richters Auftritten in demselben Bundesland! Ich war z.B. dabei, als Richter zum Dank für die Hotelangestellten des Hotels "Cap Polonio" in Pinneberg, in welchem er während seiner Engagements beim Schleswig-Holstein Musik Festivals sehr gern nächtigte, ein Privat-Konzert im dortigen Ballsaal gab. Alle Hotelbediensteten hatten freien Eintritt, im Übrigen wurde nur eine Handvoll von Karten frei verkauft. Richter spielte himmlisch, perfekt, einfach unbeschreiblich - und das vor vielleicht gerade einmal 100 Leuten.


    Diese großartigen Pianistengenerationen (Richter, Kempff, Horowitz, Gilels, Michelangeli, Arrau, Serkin, Kapell, Solomon, Haskil, Lipatti, Cherkassky, Rubinstein, Fischer, Gieseking, Nikolajewa, Yudina, Sofronitzky, Berman, um nur ein paar zu nennen) sind von uns gegangen. Was wir heute haben, sind teilweise sehr, sehr gute Pianisten (z.B. Maurizio Pollini, Martha Argerich, Christian Zacharias, Yefim Bronfman). Aber an die damaligen Pianistengenerationen reichen diese Musiker nicht einmal einen Hauch heran. Und irgendwelche Lang Langs, die heutzutage gehypet werden, obwohl sie Schaumschläger sind (danke für dieses treffende Wort, lieber jpsa), schon überhaupt gar nicht.

    Hallo, lieber Joseph,


    exakt das, was Du herausstellst, habe ich mir auch gedacht, nur nicht mehr in mein Posting hineingeschrieben. Ja, tatsächlich: Horenstein und Barbirolli haben wunderbare Studioaufnahmen vorgelegt (Barbirolli zugegebenermaßen auch sehr gute Live-Mitschnitte), während Tennstedt und Furtwängler live um ein Vielfaches besser waren als unter sterilen Studiobedingungen. Gleiches gilt meiner Meinung nach auch für den (für mich) großartigsten Pianisten überhaupt: Swjatoslaw Richter.


    Herzliche Grüße
    Dein Swjatoslaw

    Sir John Barbirolli war ein großer Dirigent - in manchen Repertoirebereichen (z.B. Mahler, Vaughan Williams oder Elgar) geradezu überragend. Ein großer Bruckner-Dirigent war er aber leider nicht. Die mir heute gelieferte BBC-Aufnahme mit Bruckners Dritter

    hätte besser unter Verschluss bleiben sollen. Miserabelste Tonqualität (und das trotz des Aufnahmejahrs 1964), ziemlich miserable Streicher, völlig miserable Bläser (denen kaum mal ein Einsatz sauber gelingt) - es ist ein Trauerspiel. Man könnte glauben, Jascha Horenstein zu hören, dem in seinen britischen Live-Mitschnitten ja auch in schöner Regelmäßigkeit das Orchesterspiel komplett aus den Fugen geriet (s. bummer hat mal treffender formuliert: "baden ging". Ich wollte jetzt aber nicht, ohne s. bummer korrekt zu zitieren, "gutteln"). Dass es Barbirolli ist, hört man aber unverkennbar an seinem deutlich auszumachenden Gegrunze.


    Der Gipfel der Schrecklichkeiten dieser Aufnahme ist im 4. Satz bei 4:08 min. erreicht, als für fünf Sekunden eine völlig verstimmte Solo-Violine zu hören ist, welche buchstäblich "irgendwas" spielt. Das klingt, als kratze ein blutiger Geigenanfänger wahllos auf einem fünftklassigen Instrument herum, welches er erstmals in den Händen hält. So etwas unglaublich Schlechtes habe ich selten gehört. Von einem Profimusiker jedenfalls noch nie.


    Meilenweit überlegen bei dieser Sinfonie ist Klaus Tennstedt

    dessen grandiosen Live-Mitschnitt man gar nicht genug rühmen kann.

    Hallo, lieber Michael,
    herzlichen Dank für Deinen ausführlichen Konzertbericht! Ich hatte an sich auch vor, mir diese beiden spannenden Werke in Conlons Interpretation nicht entgehen zu lassen. Da das Sinfonieorchester des NDR dieses Programm gegen alle Gepflogenheiten aber nur an diesem einen Abend in Hamburg gab (statt wie sonst das Programm zweimal hier zu spielen), wurde nichts draus: die Einladung eines sehr guten Freundes zum Essen hatte für mich Priorität.


    Brittens Violinkonzert in der Aufnahme des Komponisten mit Mark Lubotsky

    braucht nicht groß empfohlen zu werden: diese CD m u s s man besitzen. Wenn nicht wegen des Violinkonzerts mit Lubotsky, dann zumindest wegen des Klavierkonzerts mit Swjatoslaw Richter. Welches aber ist Deine Lieblingsaufnahme (unter den zahlreichen vorhandenen) der Sinfonie Nr. 5 von Schostakowitsch?
    Herzliche Grüße aus (ebenfalls) Hamburg
    Swjatoslaw

    Mit Glenn Gould in einem kürzlich veröffentlichten Live-Mitschnitt vom 13. Oktober 1960

    und mit Furtwängler als Pianist und Dirigent in Personalunion

    sowie - ebenfalls in Personalunion als Pianist und Dirigent - Dimitri Mitropoulos (eine Abbildung dieser CD, auf welcher auch noch das Prokofiew-Klavierkonzert Nr. 3 und das Klavierkonzert Nr. 3 von Ernst Krenek enthalten sind, sämtlich von Mitropoulos vom Flügel aus dirigiert, konnte ich leider nicht auftreiben).


    Alle drei Aufnahmen sind große Klasse!


    Ein schönes Wochenende wünscht
    Swjatoslaw


    Den Bach und 2x Prokofiev gäbe es in dieser Ausgabe:

    Vielen Dank, lieber Byron, für die schnelle Info! Ich fand das Stück sehr schön - für mich der musikalische Höhepunkt dieser in musikalischer Hinsicht ohnehin sehr gelungenen Zeremonie.
    Herzliche Grüße
    Swjatoslaw


    P.S.: Hier ist der Text dieser Chorkomposition:
    "THIS is the day which the Lord hath made: we will rejoice and be glad in it.
    O praise the Lord of heaven: praise him in the height.
    Praise him, all ye angels of his: praise him, all his host.
    Praise him, sun and moon: praise him, all ye stars and light.
    Let them praise the name of the Lord.
    For he shall give his angels charge over thee: to keep thee in all thy ways.
    The Lord himself is thy keeper: the Lord is thy defence upon thy right hand;
    so that the sun shall not burn thee by day: neither the moon by night.
    The Lord shall preserve thee from all evil: yea, it is even he that shall keep thy soul.
    The Lord shall preserve thy going out and thy coming in: from this time forth for evermore.
    He shall defend thee under his wings.
    Be strong, and he shall comfort thine heart, and put thou thy trust in the Lord."


    John Rutter (b 1945)
    commissioned by the Dean and Chapter of Westminster for this service


    Quelle: http://www.telegraph.co.uk/new…r-of-Service-in-full.html


    Unter diesem Link findet man auch das komplette Musikprogramm der Royal Wedding.