Beiträge von isi014

    Lieber Helmut,


    danke ich für diesen wundervollen Beitrag. Ich beschäftige mich als aktiver Sänger natürlich recht intensiv mit den Fragen: "Was meine ich, will der Komponist, was der Textdichter vermitteln?" "Was empfinde ich selbst?" "Was will ich versuchen, dem Publikum zu vermitteln?" "Welche Möglichkeiten bieten sich mir durch Stimme, Sprache und Körper, das, was ich vermitteln möchte, auch umzusetzen?" - Es passiert sehr oft, dass ich mit meinem Lehrer oder meinem Korrepetitor genau diese Fragen und das dazu gehörende "Maß" diskutiere. - Ab wann wird es Effekthascherei? Ab wann ist es einfach "zu viel"? Wann muss oder darf ich mehr machen? Alles keine leicht zu beantwortenden Fragen.


    Einen für mich ganz wesentlichen Bestandteil habe ich aber gefunden: Je klarer ich weiß, um was es mir geht, je mehr ich mich "im Werk" finde, desto besser gelingt die Umsetzung, desto mehr von meinem Ziel der Vermittlung gelingt.

    Für mich eines der bekanntesten und schönsten barocken Liebeslieder.



    Zuerst von Philippe Jaroussky.



    Zum Vergleich Benjamino Gigli, der das Werk noch langsamer vorträgt, wenn er auch für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Glissando singt. - Das vermittelte Gefühl ist trotzdem ein Wahnsinn für mich.



    LG
    isi

    Ich kann nur aus Sicht des Sängers sprechen:
    Ich finde sehr viel Ansprechendes, Berührendes und Gefühlvolles in den Liedern. Leider war Beethoven aber ein viel größerer Pianist als Sänger. - Ich empfinde manche Lieder als nicht unbedingt "stimmfreundlich" komponiert: Lange Passagen in den unangenehmen Übergangslagen, viele Schraubbewegungen nach oben, etc. Ich denke mir dann auch oft: Vielleicht bin ich einfach technisch noch zu wenig versiert. - Jedenfalls empfinde ich viele dieser Lieder als technisch herausfordernd.


    Aber wegzudenken sind Werke wie An die ferne Geliebte, Zärtliche Liebe, Adelaide, Der Kuss, Sechs geistliche Lieder von Gellert für mich keinesfalls. Ich mag sie gerne, ich höre sie oft. Ich empfinde sie auch nicht als "Nebenprodukt". - Aber gut, neben der Brillanz der Symphonien mögen sie vielleicht nicht ganz so hell glänzen.
    LG
    isi


    Herzlichen Dank! Unter http://www.soundcloud.com/isi014 gibt es mehr davon.
    Allerdings nicht in der Qualität einer Studioaufnahme, wie bei der Misa Criolla. - Diese Aufahme findet sich auf einer CD unseres Chores und ist daher natürlich in besonders guter Qualität. Der Rest sind selbst gemachte Live Aufnahmen von Konzerten oder Proben. - Ich habe gelernt, dass die Aufnahmen von Konzerten meistens die besseren sind...



    Bitte mehr davon! :angel: :hail:

    Ich beschäftige mich ja momentan recht intensiv mit der Winterreise, so fern es mein Beruf und die Familie halt zulässt. Momentan gefallen mir von den Interpretationen, die ich auf youtube gefunden habe, zwei besonders gut:


    Peter Anders Aufnahme von 1948 mit Günther Weissenborn am Klavier
    https://www.youtube.com/watch?v=rDsjX8a8n1o
    Ich mag ganz besonders die schnörkellose, für mich ehrliche Art der Präsentation. Ehrlich aber trotzdem "serviert". - Ich denke, so kann jedermann Schubert verstehen.



    Peter Schreiers Aufnahme mit Sviatoslav Richter am Klavier
    https://www.youtube.com/watch?v=Aim56V_X3Zg
    Für mich die tiefgründigste Version, die ich bisher gehört habe. - Ich denke mir dazu aber auch: Für solches interpretatorisches Vermögen sollte ich die geplante Produktion von Ende 2018 auf Ende 2021 legen... Halte ich für meine Produktion nicht wirklich für realistisch, gefällt mir aber trotzdem sehr gut.

    Lieber Stimmenliebhaber, lieber orsini,


    ich habe eure postings mit großem Interesse gelesen und mir den youtube link angehört. Insgesamt empfinde ich das Tempo als recht langsam gewählt. Beim Lamento Teil empfand ich vordergründig ebenfalls Langeweile, doch entstand schnell ein anderer Eindruck, um den ich eure Diskussion noch erweitern möchte: Ich finde in der vorliegenden Interpretation sehr viel Selbstmitleid.
    Die Geschichte der "sternflammenden Königin" zeigt auch einen plausiblen Grund dafür: Die Macht, nach der sie verlangt, hätte ihrer Ansicht ja ihr gebührt und nicht Sarastro. Wäre ihr Mann doch nur nicht so blöd gewesen...


    LG
    Christian

    Mein letzter Opernbesuch war auch gleichzeitig mein erster an der Staatsoper.
    19.10.2017 Rusalka in der Bechtolf Inszenierung.


    Prinz: Dmytro Popov
    Fremde Fürstin: Elena Zhidkova
    Wassermann: Jongmin Park
    Russalka: Krassimira Stoyanova
    Jezibaba: Monika Bohinec
    Heger: Gabriel Bermúdez
    Küchenjunge: Stephanie Houtzeel
    1. Elfe: Ileana Tonca
    2. Elfe: Ulrike Helzel
    3. Elfe: Margaret Plummer
    Jäger: Rafael Fingerlos


    Mir hat die Inszenierung sehr gut gefallen. Ausgezeichnete Körpersprache und großteils hervorragende gesangliche Leistung. Dmytro Popov war mir persönlich ein bisschen zu leicht in der Rolle. Besonders in den Duetten mit Elena Zhidkova ging er ob der Stimmgewalt seiner Partnerin ein bisschen unter. - Aber die gesangliche Leistung war trotzdem hervorragend. Meine großen Favoriten waren Krassimira Stoyanova als Rusalka und Jongmin Park als Wassermann. Tolle Stimmen, tolles Spiel von beiden. Super auch Stephanie Houtzeel als Küchenjunge. Sehr unterhaltsam.


    Falls jemand diese Inszenierung nicht kennt, und moderne aber dennoch schöne Inszenierungen mag, kann ich diese Oper nur empfehlen.


    LG
    isi