Hallo!
Da Uwe oben schon Tubakonzerte erwähnte: der armenische Komponist Alexander Arutjunjan (*1920) hat 1992 ein Konzert für Tuba und Orchester komponiert, das auch auf CD erschienen ist. Allerdings ist die Aufnahme nicht ganz einfach zu bekommen, ich habe sie letztlich über einen Blechbläserspezialversand erhalten. Das Stück selbst ist ein typischer Arutjunjan: knapp gehalten (weniger als 15 Minuten), traditionell dreisätzig, Neoklassizismus mischt sich mit einem armenischen Tonfall, musikzierfreudig und elegant. Mir gefällt das Stück gut.
Es gibt auch Konzerte für Schlagzeug und Orchester, ich glaube, ich habe irgendetwas aus der Klassik für acht Pauken auf CD, ungefähr aus der gleichen Zeit lief kürzlich ein anderes Werk im Radio. In der Moderne wurde diese Gattung natürlich noch viel stärker beachtet. Vielleicht ist das Konzert für Schlagzeug und Orchester von Bertold Hummel (1925-2002) am bekanntesten. Ich habe es mal im Konzert gehört (mit Peter Sadlo). Es war schon ein Erlebnis, ohne dass ich danach das Bedürfnis hatte, mir eine CD-Einspielung zulegen zu müssen. Wen's interessiert:

Vom Deutschen Rundfunkarchiv habe ich eine Einspielung des Capriciettos für 4 Pauken und Streichorchester von Ottmar Gerster (1897-1969), ein kurzes (und auch kurzweiliges) Werk. Interessant ist hier, wie das "Soloinstrument" seinen konzertanten Auftritt mit tatsächlich nur 4 verschiedenen Tönen bestreitet (die Pauken werden zwischendurch nicht umgestimmt), aus denen Gerster kleine melodische Floskeln zusammenstellt.
Kontrabasskonzerte sind gar nicht so selten, wie man meint. Ich habe zum Beispiel eins von dem später als Dirigent sehr berühmt gewordenen Sergei Kussewizki. Das von Paul Kurzbach (1902-1997) dürfte wegen seiner "Orchesterbesetzung" aber einen besonderen Status haben: es ist für Solo-Kontrabass, Bläserquintett, Cembalo und Schlagzeug geschrieben (und somit eher ein Kammerkonzert). Ich bin mir nicht ganz sicher, wann es komponiert wurde, wohl in den 1980ern (evt. um 1985). Diese Instrumentenkombination klingt aber gar nicht übel. Der Kontrabass nimmt hier einen sehr gesanglichen Part ein (das Werk ist ohnehin eher lyrisch und im Übrigen für seine Entstehungszeit auch nicht besonders modern).
Die beiden Cellokonzerte von Boris Tischtschenko (*1939) dürfen auch wegen ihrer Orchesterbesetzung hier Aufnahme finden: Das erste (op.23, 1963) ist für Cello, 17 Bläser, Schlagzeug und Orgel, das zweite (op.44, 1969) für Cello, 48 Celli, 12 Kontrabässe und Schlagzeug. Beide wurden allerdings auch für traditionellere Besetzungen bearbeitet, das zweite vom Komponisten, das erste von seinem Lehrer Dmitri Schostakowitsch. Das erste wurde z.B. von Rostropowitsch eingespielt:

Das zweite ist manchmal bei ebay auf CD zu haben. Da der Name Tischtschenko gefallen ist und oben auch Harfenkonzerte Erwähnung fanden, sei hier darauf hingewiesen, dass Tischtschenko auch ein sehr interessantes Harfenkonzert (mit einer Dauer von 45 Minuten) komponiert hat.
Konzerte für folkloristische Instrumente kenne ich auch ein paar:
Für Balalaika und Orchester hat der Russe Sergei Wassilenko (1872-1956) ein sehr schönes Konzert (C-Dur op.63, 1929) komponiert. Es hat die traditionellen drei Sätze (im ersten Satz sogar eine Kadenz) und setzt ganz massiv russisches Volksliedgut ein. Außerdem habe ich ein Konzertpoem für Balalaika, Klarinette und Volksorchester von Nikolai Peiko (1916-1995), einsätzig und abwechslungsreich, moderner als Wassilenkos noch in der Spätromantik verwurzeltes Werk (eher Richtung Schostakowitsch). Das Konzert für Hackbrett und Orchester Nr.1 von Dmitri Smolski (*1937) hat Tobias schon erwähnt, ein charmantes Werk, dessen Modernität doch eher mäßig ist (spätere Werke von Smolski sind viel avancierter). Im traditionell-folkloristen Stil sind einige Kompositionen von Nikolai Budaschkin (1910-1988 ), etwa das Konzert für Domra und Volksorchester oder die Konzertvariationen für Balalaika und Volksorchester:
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Aus Norwegen kenne ich auch noch die zwei ausgezeicheten Konzerte für Harganderfidel und Orchester von Geirr Tveitt (1908-1981). Natürlich wird auch hier (wie immer bei Tveitt) Folklore verwendet, doch sehr kunstvoll, mit exquisiten Orchesterfarben, in Richtung Impressionismus. Das zweite Konzert zum Beispiel heißt "Drei Fjorde" (op.252, 1965). Wie der Titel schon sagt, werden drei norwegische Fjorde musikalisch porträtiert, und zwar ziemlich plastisch (z.B. im zweiten Satz die schroffen Berghöhen). Unbedingt empfehlenswert:
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Zum Thema ungewöhnliche: das erste Konzert für Orchester "Concerto grosso" von Andrei Eschpai (*1925) verwendet die Soloinstrumente Trompete, Klavier, Vibraphon und Kontrabass, ein nervöses, jazz-inspiriertes Werk. Im übrigen hat Eschpai für fast jedes Instrument ein Konzert geschrieben (auch für Tuba, für Sopransaxophon etc.). Von Jaan Rääts (*1932) kenne ich neben einem Konzert für Flöte, Gitarre und Orchester eines für Gitarre und Streichorchester mit präpariertem Klavier. Rääts verwendet teilweise minimalistische Techniken, mich überzeugen diese Werke (von 2000 bzw. 1992) nicht so sehr. Eine konventionellere Kombination bietet die Konzertante Musik für Flöte, Bratsche und Orchester vom Dresdner Otto Reinhold (1899-1965). Hübsches, melodisches Stück in drei Sätzen.
Viele Grüße
Holger