Beiträge von Holger Sambale

    Hallo!


    Da ich mich wegen meines bald beginnenden Studiums von nun an (fast) täglich in Bielefeld aufhalte, habe ich heute die Gelegenheit genutzt, in den dortigen jpc-Laden hereinzuschauen. Kein schlechtes Sortiment, durchaus einige "ausgefallenere" Sachen. Mir fiel auf, dass besonders englische Musik bemerkenswert gut vertreten ist. Eigentlich hatte ich mich schon für zwei CDs entschieden (eine CPO mit Sinfonien von Sinding und eine mit Musik des gerade letzten Samstag im Alter von 84 Jahren verstorbenen Malcolm Arnold) und stöberte gerade noch nach einer interessanten (und preiswerten) Naxos-CD, als mir dies hier in die Hände fiel, woraufhin ich den Kauf der beiden anderen CDs verschoben habe:



    Ich hatte diese neu herausgekommene 7 CD-Box kürzlich schon mal erwähnt, die letzte CD (Sinfonie Nr.11, Nielsen-Variationen) habe ich schon, trotzdem habe ich mit dem Kauf ein gutes Geschäft gemacht: statt 6 Einzel-CDs à 18,99 Euro habe ich jetzt alle CDs zusammen für nur 49,99 Euro gekauft. Habe schon reingehört, die Investition scheint sich wirklich sehr gelohnt zu haben.


    Viele Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von Hans Sachs
    Hallo. Falls Dir der Sampler gefallen hat: Gestern ist Teil 2 erschienen:



    Hallo Hans Sachs,


    danke für den Hinweis. Ich denke, bei meiner nächsten Bestellung ist Teil 2 dabei. Ich finde die Idee dieses Projektes wirklich sehr gut. Ich hatte ja auch schon angedeutet, dass ich die ein oder andere Hörprobe schon angehört habe und mich bereits für das ein oder andere Stück "erwärmen" konnte.


    Viele Grüße
    Holger

    Zweiter Versuch, nachdem eben, als ich fast schon fertig war, der Laptop abgestürzt ist: gestern habe ich eine Lieferung von jpc erhalten.



    Ernst Toch (1887-1964), Cellokonzert und Tanzsuite, CPO (Susanne Müller-Hornbach, Cello / Ensemble Mutare / Gerhard Müller-Hornbach). Ich kannte Toch bisher nicht (d.h. nur dem Namen nach, diese CD ist als Versuch gedacht, mich seinem Schaffen anzunähern. (CPO hat ja noch einiges mehr im Sortiment.)



    Jean Sibelius (1865-1957): Sämtliche Klavierquartette. Eine CD aus der BIS-Sibelius-Edition, die einmal mehr frühe Kammermusik des großen Finnen vorstellt. Interpreten sind die "üblichen Verdächtigen", also Jaakko Kuusisto, Folke Gräsbeck etc. Was man hier nicht erwarten darf, sind reife Werke. Diese Stücke dokumentieren vielmehr Sibelius' Anfänge, seine Experimente und stilistischen Entwicklungen. Das ganze wird in einem detaillierten Beiheft kompetent kommentiert. Interessant sind z.B. die sehr ungewöhnlichen Besetzungen: Violine, Cello, Klavier und Harmonium, oder Violine, Violoncello und Klavier zu 4 Händen.



    [tip]4942184[/tip]


    Kurt Schwaen (*1909): Klaviertrios Nr.3-5, Stücke für Violine bzw. Cello mit Klavier. Trio Vistèl spielt, Label ist kreuzberg records. Diese CD hat insgesamt 30 (!) Einzeltitel zwischen 39 Sekunden und 5:28 Minuten. Schwaen fasst sich immer sehr kurz (z.B. das 5. Klaviertrio von 1987 "en miniature" besteht aus 10 aphoristischen Sätzen). Die meisten Werke auf dieser CD stammen aus den 1980ern. Schwaen, in der DDR eine Instanz v.a. in Sachen pädagogischer Musik, ist mit Sicherheit kein Avantgardist. Die Musik zeigt u.a. Einflüsse von Strawinski, Bartók oder auch Hanns Eisler, beruht auf einer (z.T. aber stark erweiterten) tonalen Basis.



    Diese Doppel-CD "MoMu (Moderne Music). Meisterwerke des 20. Jahrhunderts" habe ich mir auf Empfehlung von jemandem gekauft, der offenbar mit den Initiatoren des Projektes in Kontakt steht. Für 7,99 Euro erhält man eine schöne Übersicht. Gut ist, dass v.a. eher unbekannte Komponisten fokussiert werden, deren Musik vielleicht nicht unbedingt im Zeichen radikaler Erneuerung steht. Bezeichnend ist auch, dass etwa von Schönberg ein Ausschnitt aus seiner Suite für Streichorchester G-Dur präsentiert wird. Das Ganze ist recht liebevoll gemacht, natürlich alles nur kurze Ausschnitte, mit CD-Empfehlungen. Man kann diese Edition nutzen, um sich einfach ein wenig umzuhören, um neugierig auf das ein oder andere zu werden. Ein paar Sachen haben bei mir auch gleich einen positiven Eindruck hinterlassen. Also allgemein eine sehr gute Möglichkeit, sich moderner Musik anzunähern.


    Viele Grüße
    Holger


    P.S. Alfred, diesmal habe ich es leider noch versäumt, meine Bestellung über dieses Forum einzuleiten. Ich versuche aber, beim nächsten Mal daran zu denken.

    Hallo,


    ich muss zugeben, dass ich mich mit britischer Musik (nicht nur des 20. Jahrhunderts) noch nicht so intensiv auseinandergesetzt habe. Irgendwie habe ich zu dieser Musik im allgemeinen noch nicht den rechten Zugang gefunden, warum auch immer. Meine Affinität zu sowjetischer oder skandinavischer Musik ist jedenfalls deutlich stärker ausgeprägt... Dennoch habe ich das eine oder andere britische Werk in meinen Beständen, auch wenn diese Kultursphäre bei mir insgesamt doch reichlich unterrepräsentiert ist.


    Sehr schön finde ich die Orchestermusik von Granville Bantock (obwohl der ja noch mehr oder weniger zur Romantik zählt). Ich verweise hier mal auf die folgende CD, die ich mir gekauft habe, nachdem ich die Celtic Symphony im Radio gehört hatte:



    Ich meine, sie ist für den Einstieg in Bantocks Schaffen ausgezeichnet geeignet. Sehr klangschöne, von Naturbildern stark beeinflusste opulent orchestrierte Musik. Bei Hyperion gibt es auch noch mehr CDs mit Orchesterwerken von Bantock, von denen ich einige habe.


    Von den schon genannten Komponisten besitze ich natürlich u.a. Musik von Britten. Im Falle der Cellosinfonie hat bei mir übrigens auch der Finalsatz den stärksten Eindruck hinterlassen. Maxwell Davies' Orkney Wedding habe ich mal im Radio gehört, ich fand es ganz amüsant. Eine Bax-CD besitze ich auch, habe ich schon lange nicht gehört. Gleiches gilt auch für eine Chandos-CD mit Klavierkonzerten von Howells. Zum Thema Gustav Holst muss ich ich gestehen, dass ich mich mit seinen sehr bekannten Planeten noch nicht ernsthaft auseinandersetzt habe. Aber eine Naxos-CD mit Orchesterwerken wie Beni Mora fand ich sehr hörenswert. Ich habe auch eine Aufnahme von einem sehr schönen Cellkonzert von Moeran. Außerdem zwei CDs mit Orchesterwerken von Walton, sowie das Cellokonzert mit Piatigorsky (hat mich aber auch nicht so stark beeindruckt). Das letzte, was ich mir in Sachen britischer Musik angeschafft habe, ist folgendes:



    Robert Simpson, 11. Sinfonie, Nielsen-Variationen. Von diesen beiden Werken hat mir die 1990 komponierte Elfte besser gefallen. Das Stück ist zweisätzig (langsam - schnell), wobei die beiden Sätze thematisch miteinander verknüft sind. Dieses Stück finde ich wirklich sehr gut und habe es mir mehrfach angehört. Edwin erwähnte Simpsons Nähe zu Bruckner, an Hand dieser beiden Werke meine ich zu erkennen, dass auch Nielsen (und zwar nicht nur in den Variationen) seine Spuren hinterlassen hat. Jetzt kürzlich sind alle Sinfonien Simpsons zu einer 7 CD-Box zusammengefasst herausgekommen, Preis 50 Euro. Ich überlege, ob ich mir die Edition kaufe. Kann jemand näheres sagen, sind die anderen 10 Sinfonien stilistisch mit der Elften vergleichbar?


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo,


    ich kenne eine ganze Menge Musik von Rubinstein. Ich habe die 6 Marco Polo-CDs mit den Sinfonien und sonstigen sinfonischen Werken, außerdem 4 Marco Polo-CDs mit Werken für Klavier und Orchester, das Violinkonzert, die beiden Cellokonzerte, die zwei Cellosonaten. Alfred, ich muss dich hinsichtlich dieser Passage ein wenig korrigieren:



    Die Beinamen, die du den Werken gibst, sind teilweise falsch. Iwan der Schreckliche ist eine Sinfonische Dichtung, die mit auf der entsprechenden CD ist. Gleiches gilt für "Eroica". Nur zur Information, die erste Sinfonie steht in F-Dur und hat die Opuszahl 40, ein Versäumnis von Marco Polo, dies nicht auf der CD erwähnt zu haben. Zur Ergänzung hier die fehlenden Angaben zu den beiden letzten Sinfonien:


    Sinfonie Nr.5 g-moll op.107 (1880)
    Sinfonie Nr.6 a-moll op.111 (1886)


    Es ist schon eine ganze Weile her, dass ich mich intensiv mit Rubinsteins Musik auseinandergesetzt habe. Detaillierte Angaben zu einzelnen Werken kann ich derzeit nicht machen, wenn aber noch der Wunsch besteht, höre ich mir gerne mal wieder das Violinkonzert an und gebe eine Einschätzung dazu ab. Was Alfred über Rubinsteins Stil sagt, stimmt zumindest im Falle der früheren Werke. Gerade in den beiden letzten Sinfonien (und in Ansätzen auch bereits in der Vierten) verwendet Rubinstein dann eben doch auch russische Einflüsse (Finale der Sechsten z.B.). Ein Werk wie die Dritte ist allerdings in der Tat nicht sonderlich "russisch". Meiner Meinung nach lohnen sich von seinen Sinfonien die beiden letzten in besonderem Maße. Zwar sind nicht alle von Rubinsteins Werken gleich gut. Seine besten Werke (zu denen ich auch zum Beispiel das schon erwähnte Vierte Klavierkonzert zählen würde) sind aber allemal sehr hörenswerte Kompositionen. Was die von Peter geschätzte Zweite Sinfonie betrifft: Rubinstein hat sie ja im Laufe der Jahre immer stärker erweitert, ursprünglich hatte sie nur vier Sätze. Die finale Version mit sieben Sätzen und einer Dauer von 73 Minuten ist für meinen Geschmack schon ein wenig lang geraten. Die erste Cellosonate habe ich mal angefangen zu spielen, ein sehr klangvolles, romantisches Stück. Gab es mal mit Steven Isserlis am Cello. Früher war Rubinsteins "Melodie in F" ein sehr bekanntes Stück, die Popularität dieses Werkes scheint aber nachgelassen zu haben. Wie auch immer, mir gefällt seine Musik gut. (Ob ein Komponist nun "erstklassig" oder "zweitklassig" ist, interessiert mich ohnehin nur begrenzt.)


    Viele Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von Edmund
    Ich hatte das Glück, vor gut 35 Jahren die Ansage im Radio zu hören, und ließ auf gut Glück meine Tonbandmaschine mitlaufen. Es spielten die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Aram Katschaturian, so gesehen sicher eine Rarität. Dieses Werk kann ich jedem Musikfreund nur wärmstens empfehlen, leider habe ich keine Tonträgerverzeichnisse studiert, um die verschiedenen Einspielungen zu kennen, die gegenwärtig am Markt sind.


    Hallo Edmund,
    die Aufnahme, die Wolfgang oben erwähnt, ist derzeit für 4,99 Euro bei jpc zu haben. Aram Chatschaturjan dirigiert die Wiener Philharmoniker, vielleicht ist das genau die Aufnahme, die du im Radio mitgeschnitten hast. Hier der Link auf die Artikelseite:



    Kann dir im übrigen nur zustimmen, die Sinfonie ist wirklich ein ganz ausgezeichnetes Werk.


    Viele Grüße
    Holger



    Hallo Holger
    Der Befehlt [tip] ist veraltet
    Er wurde durch den Befehlt [jpc]
    ersetzt, der (wie man sieht) mehr kann.
    Ansonst wird er genauso benutzt.Ich habe es geändert
    mfg MOD 001 Alfred

    Hallo!


    Der jung verstorbene russische Komponist Wassili Kalinnikow hat ein Sinfonisches Bild komponiert mit dem Titel "Die Zeder und die Palme". Es reflektiert ein Gedicht von Heinrich Heine ("Ein Fichtenbaum steht einsam..."). Grob gesagt geht es um eine Zeder bzw. Fichte, die im eisigen Norden steht und von einer Palme im heißen Süden träumt. Kalinnikows Sinfonisches Bild beginnt mit einer Schilderung des Nordens in düsteren, "kalten" Orchesterfarben. Nach einiger Zeit hellt sich die Musik durch Harfenarpeggien allmählich auf und wendet sich nach Dur. Der Traum der Zeder wird durch eine ausdrucksvolle, "warme" Melodie dargestellt, die immer mehr gesteigert wird. Nach einem Kulminationspunkt kehrt die Musik wieder zur "Zeder" zurück. Kurz vor Schluss gibt es in der Klarinette noch einmal eine kurze Reminiszenz an den Süden, die sich aber nicht "durchsetzen" kann. Ein Stück, dass vor allem von seinen opulenten Orchesterfarben und eingängigen Melodien lebt.


    Eine kurze Miniatur für Violinenensemble und Klavier mit dem Titel "Birkenstamm" hat Tichon Chrennikow komponiert. Es handelt sich um eine liedhafte, sehr melancholische und tief russische Weise. Es würde mich nicht wundern, wenn das Stück auf einem Volkslied basieren würde, genaueres weiß ich aber nicht. Ich habe auch ein Orchesterwerk von Arnold Bax mit dem Titel "The Tale the Pine-Trees knew" auf CD, habe ich aber seit Jahren nicht mehr gehört und kann deshalb keine Aussage über das Stück treffen. Falls Werke, die den Wald behandeln, auch hier Erwähnung finden sollen, weise ich daraufhin, dass zum Beispiel Alexander Glasunow oder Mikalojus Konstantinas Ciurlionis Sinfonische Dichtungen mit dem Titel "Der Wald" komponiert haben.


    Viele Grüße
    Holger

    Da ich gestern eine Lieferung erhalten habe (hatte ich vor einiger Zeit schon in Heute neu gekauft angekündigt), habe ich heute morgen erst mal zwei Werke von diesen neuen CDs gehört.


    Zunächst Georgi Swiridows "Der Schneesturm. Musikalische Illustrationen nach Puschkins Novelle" gespielt vom Großes RSO der UdSSR unter Fedossejew. Swiridow hatte ursprünglich Musik zum Film "Der Schneesturm" komponiert, 1975 benutzte er seine Filmmusik, um diese Suite zusammenzustellen. Die Aufnahme war mal im Internet als mp3s erhältlich, daher kenne ich das Werk, wollte es aber doch auch als reguläre CD haben. Musikalisch ist das Ganze völlig anachronistisch, aber höchst melodisch. Teilweise bewegt sich Swiridow hart an der Grenze zum Kitsch (etwa, wenn in der Romanze die Trompete mit heftigem Vibrato das Thema übernimmt, begleitet von Klavier, Streichorchester und Becken). Die Musik ist ungeheuer einprägsam, die Suite besteht eigentlich nur aus "Ohrwürmern". Der Walzer wird ab und an mal im Radio gespielt. Das ist unterhaltsame Musik, die auch denjenigen keine Schwierigkeit bereiten wird, die zu moderner Musik eigentlich überhaupt keine Beziehung haben.


    Danach wurde es aber deutlich avantgardistischer: das zweite Cellokonzert von Boris Tischtschenko (aus dem Jahre 1969). Ich hatte schon mal auf die ungewöhnliche (vom Komponisten rückblickend als "polemisch" bezeichnete) Besetzung (Solocello, 48 Celli, 12 Kontrabässe und Schlagzeug) hingewiesen. Das ergibt natürlich einen ganz ungewohnten Klang. Das kurze, aber informative Beiheft (der Solist Iwan Monighetti, der Dirigent Mstislaw Rostropowitsch sowie Tischtschenko selbst haben die Beiträge verfasst) sagt, dass das Stück in dieser Besetzung erst 1997 uraufgeführt wurde. Die Aufnahme entstand ein Jahr später übrigens unter Anwesenheit des Komponisten. Das Konzert ist im von Tischtschenko eine Zeit lang kultivierten "stile robusto" geschrieben, also ein besonders kraftvoller, energischer, ja derber Stil. Die Ecksätze des ausgedehnten Dreisätzers sind auch sehr kantig, der Mittelsatz als Kontrast intim und melancholisch. Die Tonsprache ist recht herb, in den Ecksätzen setzt Tischtschenko offenbar an den Kulminationspunkten aleatorische Prinzipien ein. Der Komponist geht ja in all seinen Werken immer von einfachen, scheinbar belanglosen Motiven aus, die in der Folge intensiviert und dramatisch gesteigert werden. Schwere Kost, recht sperrig, aber schon sehr interessant und hörenswert.


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo!


    Da Uwe oben schon Tubakonzerte erwähnte: der armenische Komponist Alexander Arutjunjan (*1920) hat 1992 ein Konzert für Tuba und Orchester komponiert, das auch auf CD erschienen ist. Allerdings ist die Aufnahme nicht ganz einfach zu bekommen, ich habe sie letztlich über einen Blechbläserspezialversand erhalten. Das Stück selbst ist ein typischer Arutjunjan: knapp gehalten (weniger als 15 Minuten), traditionell dreisätzig, Neoklassizismus mischt sich mit einem armenischen Tonfall, musikzierfreudig und elegant. Mir gefällt das Stück gut.


    Es gibt auch Konzerte für Schlagzeug und Orchester, ich glaube, ich habe irgendetwas aus der Klassik für acht Pauken auf CD, ungefähr aus der gleichen Zeit lief kürzlich ein anderes Werk im Radio. In der Moderne wurde diese Gattung natürlich noch viel stärker beachtet. Vielleicht ist das Konzert für Schlagzeug und Orchester von Bertold Hummel (1925-2002) am bekanntesten. Ich habe es mal im Konzert gehört (mit Peter Sadlo). Es war schon ein Erlebnis, ohne dass ich danach das Bedürfnis hatte, mir eine CD-Einspielung zulegen zu müssen. Wen's interessiert:



    Vom Deutschen Rundfunkarchiv habe ich eine Einspielung des Capriciettos für 4 Pauken und Streichorchester von Ottmar Gerster (1897-1969), ein kurzes (und auch kurzweiliges) Werk. Interessant ist hier, wie das "Soloinstrument" seinen konzertanten Auftritt mit tatsächlich nur 4 verschiedenen Tönen bestreitet (die Pauken werden zwischendurch nicht umgestimmt), aus denen Gerster kleine melodische Floskeln zusammenstellt.


    Kontrabasskonzerte sind gar nicht so selten, wie man meint. Ich habe zum Beispiel eins von dem später als Dirigent sehr berühmt gewordenen Sergei Kussewizki. Das von Paul Kurzbach (1902-1997) dürfte wegen seiner "Orchesterbesetzung" aber einen besonderen Status haben: es ist für Solo-Kontrabass, Bläserquintett, Cembalo und Schlagzeug geschrieben (und somit eher ein Kammerkonzert). Ich bin mir nicht ganz sicher, wann es komponiert wurde, wohl in den 1980ern (evt. um 1985). Diese Instrumentenkombination klingt aber gar nicht übel. Der Kontrabass nimmt hier einen sehr gesanglichen Part ein (das Werk ist ohnehin eher lyrisch und im Übrigen für seine Entstehungszeit auch nicht besonders modern).


    Die beiden Cellokonzerte von Boris Tischtschenko (*1939) dürfen auch wegen ihrer Orchesterbesetzung hier Aufnahme finden: Das erste (op.23, 1963) ist für Cello, 17 Bläser, Schlagzeug und Orgel, das zweite (op.44, 1969) für Cello, 48 Celli, 12 Kontrabässe und Schlagzeug. Beide wurden allerdings auch für traditionellere Besetzungen bearbeitet, das zweite vom Komponisten, das erste von seinem Lehrer Dmitri Schostakowitsch. Das erste wurde z.B. von Rostropowitsch eingespielt:



    Das zweite ist manchmal bei ebay auf CD zu haben. Da der Name Tischtschenko gefallen ist und oben auch Harfenkonzerte Erwähnung fanden, sei hier darauf hingewiesen, dass Tischtschenko auch ein sehr interessantes Harfenkonzert (mit einer Dauer von 45 Minuten) komponiert hat.


    Konzerte für folkloristische Instrumente kenne ich auch ein paar:


    Für Balalaika und Orchester hat der Russe Sergei Wassilenko (1872-1956) ein sehr schönes Konzert (C-Dur op.63, 1929) komponiert. Es hat die traditionellen drei Sätze (im ersten Satz sogar eine Kadenz) und setzt ganz massiv russisches Volksliedgut ein. Außerdem habe ich ein Konzertpoem für Balalaika, Klarinette und Volksorchester von Nikolai Peiko (1916-1995), einsätzig und abwechslungsreich, moderner als Wassilenkos noch in der Spätromantik verwurzeltes Werk (eher Richtung Schostakowitsch). Das Konzert für Hackbrett und Orchester Nr.1 von Dmitri Smolski (*1937) hat Tobias schon erwähnt, ein charmantes Werk, dessen Modernität doch eher mäßig ist (spätere Werke von Smolski sind viel avancierter). Im traditionell-folkloristen Stil sind einige Kompositionen von Nikolai Budaschkin (1910-1988 ), etwa das Konzert für Domra und Volksorchester oder die Konzertvariationen für Balalaika und Volksorchester:
    [tip]8358461[/tip]


    Aus Norwegen kenne ich auch noch die zwei ausgezeicheten Konzerte für Harganderfidel und Orchester von Geirr Tveitt (1908-1981). Natürlich wird auch hier (wie immer bei Tveitt) Folklore verwendet, doch sehr kunstvoll, mit exquisiten Orchesterfarben, in Richtung Impressionismus. Das zweite Konzert zum Beispiel heißt "Drei Fjorde" (op.252, 1965). Wie der Titel schon sagt, werden drei norwegische Fjorde musikalisch porträtiert, und zwar ziemlich plastisch (z.B. im zweiten Satz die schroffen Berghöhen). Unbedingt empfehlenswert:
    [tip]4787718[/tip]


    Zum Thema ungewöhnliche: das erste Konzert für Orchester "Concerto grosso" von Andrei Eschpai (*1925) verwendet die Soloinstrumente Trompete, Klavier, Vibraphon und Kontrabass, ein nervöses, jazz-inspiriertes Werk. Im übrigen hat Eschpai für fast jedes Instrument ein Konzert geschrieben (auch für Tuba, für Sopransaxophon etc.). Von Jaan Rääts (*1932) kenne ich neben einem Konzert für Flöte, Gitarre und Orchester eines für Gitarre und Streichorchester mit präpariertem Klavier. Rääts verwendet teilweise minimalistische Techniken, mich überzeugen diese Werke (von 2000 bzw. 1992) nicht so sehr. Eine konventionellere Kombination bietet die Konzertante Musik für Flöte, Bratsche und Orchester vom Dresdner Otto Reinhold (1899-1965). Hübsches, melodisches Stück in drei Sätzen.


    Viele Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von Bernd Schulz
    Schön ist auch das Oboenkonzert von August Klughardt, wobei ich noch nicht nach einer Aufnahme gesucht habe.


    Hallo Bernd,


    diese hier ist derzeit auf dem Markt:



    Das Konzertstück für Oboe und Orchester F-Dur op.18 wird gespielt von Rolf Julius Koch begleitet vom WDR Rundfunkorchester Köln unter Curt Cremer. Es handelt bei dieser CD sich wohl um alte Rundfunkaufnahmen. Neben einer Ouvertüre und einer Orchestersuite ist auch noch Klughardts sehr schönes Cellokonzert eingespielt (habe ich mal selbst gespielt), allerdings ist die Interpretation von diesem Werk im speziellen nicht so berauschend.


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo Ben,


    vielen Dank für deine Erläuterungen zum möglichen Finalsatz der "Unvollendeten". Die genauen Zusammenhänge zwischen diesem Stück und den anderen drei Sätzen waren mir bis dato noch nicht so geläufig. Als ich etwa 13, 14 Jahre alt war, habe ich mich ziemlich intensiv mit Schuberts diversen Fragmenten (Sinfonien, Streichquartette, Klaviersonaten) auseinandergesetzt, einfach weil mich genau das Fragmentarische, Unvollendete reizte. In diesem Zusammenhang habe ich mir damals auch die Gesamteinspielung der Sinfonien mit Marriner gekauft, wo u.a. Newboulds Ergänzung der h-moll-Sinfonie zu hören ist. Ich fand diese Version sehr reizvoll, habe gar nicht das Gefühl, dass die beiden letzten Sätze qualitativ abfallen. Mittlerweile muss ich sogar sagen, dass ich es als ein wenig unbefriedigend empfinde, "nur" die beiden ersten Sätze zu hören (im Radio etwa, oder im Konzert). Natürlich wollte Schubert die Sinfonie nicht mit einem langsamen Satz und auch noch in E-Dur beenden. Bei den Klaviersonaten gibt es ja eine ähnliche Situation (D 840), wo ebenfalls die ersten beiden Sätze vollendet sind und für den 3. und 4. Satz mehr oder weniger umfangreiche Fragmente existieren. Wie schon gesagt wurde, das Problem dieser Rekonstruktionen ist der Unwille vieler Hörer, sich darauf einzulassen. (Das gilt natürlich nicht nur für Schuberts h-moll-Sinfonie.)


    Viele Grüße
    Holger

    Zitat

    Original von petemonova
    macht er die Sendung das ganze Jahr über oder nur jetzt in den Semesterferien? Oder ist das schon eine ältere Produktion?


    Hallo Peter,


    Brettingham Smith gehört zum festen Moderatorenteam vom Klassikforum, es gibt eine für diese Sendung ganze Menge Moderatoren, die sich abwechseln. Jeder, auch Brettingham Smith, kommt alle ein bis zwei Monate dran und moderiert jeweils zwei Tage lang die Sendung von 9 Uhr bis kurz vor 12 (B. S. in der Regel montags und dienstags). Live ist sie auf jeden Fall, ich erinnere mich an eine Sendung, in der Brettingham Smith gerade die Nachricht vom Tode des Cellisten Siegfried Palm erhielt (für den er auch ein Cellokonzert komponiert hat) und daraufhin spontan sein Programm änderte.


    Viele Grüße
    Holger

    Bei mir lief den Vormittag über das Radio: WDR3 Klassik Forum. Moderator war Jolyon Brettingham Smith, es gab ein buntes Programm mit Werken wie Beethovens 4. Klavierkonzert, Berlioz' König Lear Ouvertüre, Wagners Faust-Ouvertüre. Ich mag diesen Moderator sehr, er spricht mit einem gewissen englischen Akzent, ist übrigens auch Komponist, ein sehr kompetenter Mann, der es versteht, seine Auswahl zwar höchst informativ, aber doch verschmitzt, mit einem Augenzwinkern und mit diversen kleinen Anekdoten versehen zu präsentieren.


    Viele Grüße
    Holger

    Gerade lief bei mir: Wolfgang Hohensee (*1927): Konzertstück für Klavier und Orchester (1963) mit Günter Kootz, Klavier / RSO Leipzig / Adolf Fritz Guhl. Ein Ost-Berliner Komponist, über den ich nicht viel weiß, mir ist sein Schaffen und Biographisches bis ca. 1970 bekannt. Offensichtlich lebt er noch, ist heute aber nicht mehr so gefragt. Das Konzertstück ist ein einsätziges, knapp 27-minütiges Werk, das ich auf einer Eterna-LP (mono) vorliegen habe. Es ist in vier Abschnitte gegliedert: der erste beginnt mit einer kurzen langsamen Einleitung mit einem feierlichen akkordischen Thema, auf die ein schneller, teils burlesker Sonatensatz folgt. Als zweiter Abschnitt schließt sich ein Scherzo an mit einem widerborstigen, ein wenig an Pfitzner erinnernden Haupt- und einem liedhaften Seitenthema, im Mittelteil sorgen Quinten in den Bässen für eine folkloristische Note. Der dritte Teil ist langsam, recht herb und rezitativisch. Der vierte Teil ist wieder lebhaft mit einem regelrechten Ohrwurm als Seitenthema. Besonders effektvoll der Schluss, wenn als Krönung das akkordische Thema der langsamen Einleitung in den Blechbläsern kraftvoll erklingt. Das Konzertstück ist stilistisch für 1963 alles andere als modern, es ist klar tonal (G-Dur), melodisch, brillant-effektvoll, in den schnellen Teilen rhythmisch markant. Die Harmonik weist lediglich gelegentliche Schärfen auf. Insgesamt orientiert sich Hohensee unüberhörbar an der Musik des 19. Jahrhunderts, ohne allerdings eine Stilkopie abzuliefern (man käme nicht auf den Gedanken, ein Werk von 1890 o.ä. zu hören). Ein wenig Neoklassizismus ist auch dabei, allerdings ist das Stück klanglich recht opulent. Ein unterhaltsames Stück, mit viel Schwung und Elan.


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo,


    Wladimir Aschkenasis Orchestrierung der Bilder einer Ausstellung soll sehr gut sein, zumindest habe ich schon viel positives darüber gelesen. Ich kenne sie allerdings bis jetzt nicht (ebenso wenig wie die Aufnahme, die Paul hier präsentiert hat). Interessant ist aber Edwins Hinweis auf die Originalfassung von Mussorgskis Nacht auf dem Kahlen Berge. Ich kannte lange Zeit nur Rimski-Korsakows Bearbeitung, bis ich folgende CD erhalten habe:


    Dort ist ebenfalls die Orginalfassung zu hören, und seit ich diese kenne, interessiert mich die (viel bekanntere) Rimski-Korsakow-Version nicht mehr großartig. Ein fabelhaftes Werk, sehr kühn und schroff, "hässlicher" und "unkultivierter", zum Beispiel beendet Mussorgski das Stück bezeichnenderweise nicht wie Rimski-Korsakow leise und friedlich, sondern quasi mitten im Getümmel. Unbedingt empfehlenswert!

    Viele Grüße
    Holger

    Hallo,


    Cellokonzerte interessieren mich als Amateurcellisten natürlich auch immer sehr. Natürlich ist das bereits erwähnte Cellokonzert von Mjaskowski ein ganz ausgezeichnetes Werk. Mir gefällt auch das Cellokonzert c-moll op.43 von Mieczyslaw Weinberg (1919-1996) ganz ausgezeichnet. Das Stück hat vier Sätze, von denen jeweils der erste und zweite sowie der dritte und vierte nahtlos ineinander übergehen. Der erste Satz ist ein wundervoll elegisches Adagio, vom Charakter her dem ersten Satz des Mjaskowski-Konzertes gar nicht mal so unähnlich. Es folgen zwei Scherzi von sehr unterschiedlichem Charakter: das erste eher gedämpft, anmutig, das zweite kraftvoll und fröhlich, mit einem sehr markanten Unisono-Thema. Auf eine Kadenz folgt der Finalsatz, ein zunächst locker bewegtes, doch eher melancholisches Allegro, in dessen Verlauf das Hauptthema des ersten Satzes wiederkehrt. So schließt das Konzert leise im Adagio-Tempo. Ein ausdrucksstarkes Werk, das ich sehr gerne mag. Hier ist ebenfalls die Aufnahme mit Rostropowitsch zu empfehlen.


    Da einige Cellovirtuosen auch schon angesprochen wurden: die CD mit den Klengel-Konzerten habe ich mir kürzlich gekauft, ich finde besonders das Vierte Konzert sehr hörenswert. Poppers erstes Cellokonzert habe ich auch auf CD, das ist schon sehr auf die Präsentation von Virtuosität zugeschnitten, doch man kann auch dies gut hören, sehr melodisch und effektvoll. Von Dawidow habe ich eine Olympia-CD mir den Konzerten Nr.1 und 2. Diese habe ich allerdings schon lange nicht mehr gehört, so kann ich derzeit kein Urteil darüber abgeben.


    Was Boccherini-Grützmachers B-Dur-Konzert betrifft: ich habe die Noten von beiden Versionen sowie einiger anderer Cellokonzerte. Der Mittelsatz findet sich im Konzert Nr.3 G-Dur G 480 wieder (Grützmacher hat allerdings auch diesen teilweise verändert.) Zum Teil sind auch in den beiden anderen Sätzen Zitate aus anderen Boccherini-Konzerten eingebaut (mir war eine Stelle im ersten Satz aufgefallen). Der Großteil der Musik basiert mehr oder weniger auf G 482. Natürlich hat Grützmacher das Stück romantisiert und "verfälscht", aber es spielt sich gut. Ich mag die Grützmacher-Version jedenfalls! Übrigens ist das noch gar nichts gegen ein gewisses Haydn-Konzert: David Popper hat dieses Stück angeblich "nach einer Skizze ausgeführt und herausgegeben". Meine ehemalige Cellolehrerin gab mir die Noten davon. Die Wahrheit ist, so weit ich weiß, dass Popper das ein oder andere Thema aus Werken Haydns verwendete und ein ganz eigenes Werk komponierte.


    Bisher nicht auf CD veröffentlicht ist das ausgezeichnete 2. Cellokonzert des Georgiers Sulchan Zinzadse, ein sehr eindringliches Stück. Es ist einsätzig. Zu Beginn stellt das Cello unbegleitet eine Tonfolge vor, die Basis des ersten Abschnitts ist. Diese wird in der Folge ausgiebig behandelt und dramatisch gesteigert. Dann folgt ein sehr wehmütiger langsamer Teil, eine innige Klage des Cellos. Eine Kadenz leitet zu einem rasenden, folkloristisch angehauchten Scherzo-Teil über. Die Musik beruhigt sich schnell wieder, und im Epilog dieses Konzertes werden die Themen der ersten beiden Abschnitte sehr ergreifend in Erinnerung gerufen.


    Da die drei Cellokonzerte von Pfitzner erwähnt wurden: ich kenne alle drei, habe die Noten von zweien (G-Dur und op.52). Mir gefällt das letzte sehr gut. Pfitzner zitiert sein Jugendwerk (wie er es formuliert "als Gruß an meine Jugend") gleich zwei Mal: im ersten Satz und kurz vor Schluss. Das Stück hat vier Sätze, wobei der zweite ein Scherzo und der dritte ein (kurzer, in den letzen Satz übergehender) langsamer Satz ist. Grundsätzlich ist die Stimmung dieses Konzertes schon eher rückblickend-melancholisch, im feierlichen dritten Satz zitiert er nicht umsonst ein weiteres eigenes Werk: das Lied "Es geht mit mir zu Ende". Aber im zweiten und vierten Satz gibt es auch viele schmissige, lebhafte Abschnitte. Interessant ist auch im ersten Satz die von Cello und Klarinette bestrittene Kadenz.


    Ich kenne noch etliche andere Cellokonzerte, die hier Erwähnung finden sollten, davon später mehr.


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo Michael,


    Zitat

    Original von Michael Schlechtriem
    Ich wußte bisher nur von einem Cellokonzert, wirklich schade, daß es leider noch nicht mal irgendwo eine obskure Melodija-Schallplatte von diesen Werken zu geben scheint.


    Es gibt zwei: eines von 1947 (d-moll), eines von 1977 (D-Dur).


    Zitat

    die Sinfonien, die Konzerte für Klavier( lassen wir den Mantel des Schweigens über diese eine unsägliche Aufnahme des 1.Klavierkonzertes, welche auf CD erhältlich ist, fallen) und jene für Violine.


    Beim ersten Klavierkonzert meinst du wohl die Cambria-Aufnahme mit den Koreanern, in der Tat eine sehr bescheidene Einspielung. Das ganze "Feuer", das in diesem Stück steckt, kommt überhaupt nicht zum Tragen. Eine absolut blutleere Aufnahme, an Hand derer man nur erahnen kann, was in dem Konzert wirklich steckt. Was die zweite Sinfonie betrifft, hatte ich dir ja schon geschrieben, dass in diesem Jahr eine CD-Einspielung davon veröffentlicht worden ist mit Swetlanow. Es handelt sich allerdings um ein russisches Label (nennt sich Russian Disc, hat aber wohl mit den Russian Discs, die früher erhältlich waren, nichts zu tun), glaube kaum, dass die CD z.B. mal bei jpc erhältlich sein wird. Bei georgian-music.com kann man übrigens auch CDs mit Musik von Taktakischwili erwerben, das sind aber offensichtlich nur Plattenüberspielungen. (Allerdings ist das vierte Klavierkonzert, das ich bisher nicht kannte, dabei!) Allerdings braucht man dazu eine Kreditkarte (habe ich nicht, weswegen ich die CDs nicht kenne).


    Tobias, du nennst vier Violinkonzerte - ich kenne nur drei: Das C-Dur-Concertino von 1956, das große f-moll-Konzert von 1976 (eines meiner Lieblingswerke) und das für Violine und Kammerorchester von 1987. Gibt es noch eins?


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo,


    zum einen gibt es natürlich eine ganze Reihe von Werken, die bisher nur auf LP veröffentlicht worden sind und eigentlich unbedingt mal auf CD erscheinen müssten (zumindest meiner Meinung nach). Doch es gibt auch eine ganze Reihe von Werken, welche - zumindest nach meinem Kenntnisstand - noch nie eingespielt worden sind, mich aber brennend interessieren würden. Hier einmal eine kleine Auswahl:


    Boris Tschaikowski (1925-1996): Sinfonie Nr.1 c-moll, Streichquartett Nr.1. Die erste Sinfonie ist zwar noch ein recht frühes Werk, würde mich aber sehr interessieren. Hier besteht vielleicht Hoffnung, denn es gibt eine ziemlich aktive Boris-Tschaikowski-Gesellschaft, die in letzter Zeit einige CD-Veröffentlichungen erreichen konnte.


    Mieczyslaw Weinberg (1919-1996): einige Sinfonien. Olympia hatte schon zahlreiche Sinfonien Weinbergs veröffentlicht (er hat insgesamt 26 Sinfonien - Kammersinfonien und Sinfonietten inklusive - komponiert), aber ein paar stehen noch aus. Chandos hat vor zwei Jahren mal eine Weinberg-Serie gestartet, die aber allem Anschein nach wieder eingeschlafen ist. Die Streichquartette sollen übrigens angeblich irgendwann bei cpo erscheinen.


    Nikolai Peiko (1916-1995): Sinfonien Nr.1,2,3,9. Ein großartiger sowjetischer Komponist, den ich sehr schätze. Seine ersten drei Sinfonien sind niemals eingespielt worden. Was die Neunte betrifft, bin ich mir nicht ganz klar, ob dieses Werk wirklich existiert, in manchen Quellen wird die Zahl seiner Sinfonien mit 9 angeben, in anderen mit 8. Von den übrigen Sinfonien fehlt mir nur Nr.5 (gab es aber mal auf Platte). Eine ganze Reihe weiterer Orchesterwerke (Violinsuiten, Baschkirische Melodien für Cello und Orchester) würde mich ebenfalls interessieren.


    Otar Taktakischwili (1924-1989): Cellokonzerte - ein hervorragender georgischer Komponist, aber ausgerechnet seine zwei Cellokonzerte sind nie eingespielt worden. Wie schade!


    Sergei Wassilenko (1872-1956): Sinfonien Nr.1,2,4,5, Konzerte - von Wassilenkos Werken gibt es nur wenig Aufnahmen, das war ein Komponist, der in der nationalrussischen Tradition stand, stilistisch aber schon moderner als z.B. Glasunow. Er konnte sehr apart instrumentieren. Vielleicht wären diese Werke nicht die Wahnsinnsentdeckung schlechthin, interessieren würden sie mich aber doch sehr.


    Jewgeni Golubew (1910-1988 ): Sinfonien Nr.1,2,3,4,6, Kammermusik - ein russischer Komponist in der Nachfolge Mjaskowskis, verwendete auch impressionistische Anklänge. Seine Sinfonien Nr.5 und 7 finde ich sehr schön, da hätte ich gerne mehr von.


    Ottmar Gerster (1897-1969): Sinfonien Nr.1,3,4, Violinkonzert, Cellokonzert. Seine 2. Sinfonie "Die Thüringische" ist ein Werk, das mir sehr gut gefällt. Die Noten vom Cellokonzert habe ich auch, das hat insgesamt betrachtet eher Divertimento-Charakter (Ausnahme Mittelsatz). Würde ich mir jedenfalls auch sofort kaufen.


    Zum Schluss würde ich gerne mehr vom Norweger Geirr Tveitt (1908-1981) hören, was leider nur sehr beschränkt möglich ist: ein Großteil seiner Werke ging bei einem Brand seines Hauses anno 1970 in Flammen auf. Was für ein Verlust!


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo Alfred,


    unter den von dir genannten Komponisten befindet sich auch der Name Wassili Kalinnikow, auf den ich hier etwas näher eingehen möchte.



    Kalinnikow, Jahrgang 1866, war Sohn eines Polizisten und wuchs in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Seine musikalische Begabung war offensichtlich, er begann auch ein Studium am Moskauer Konservatorium, musste dieses jedoch aus Geldmangel abbrechen. Stattdessen studierte er unterstützt durch ein Stipendium an der Schule der Moskauer Philharmonischen Gesellschaft und arbeitete gleichzeitig als Notenkopist und Aushilfsmusiker in diversen Orchestern. 1892 erhielt er eine Stelle, die ihm Pjotr Tschaikowski vermittelte. Doch schon bald erkrankte Kalinnikow an Tuberkulose. Seine letzten Jahre verbrachte er auf der Krim. Rachmaninow schätzte seine Musik sehr und setzte sich für ihn ein. Zwei Tage vor seinem 35. Geburtstag starb Kalinnikow am 11. Januar 1901.


    Kalinnikows Oeuvre ist nicht besonders umfangreich. Das Zentrum seines Schaffens bilden die Orchesterwerke, die auch alle auf CD eingespielt worden sind (zur Zeit aber nicht alle erhältlich sind). Besonders bekannt geworden sind seine beiden Sinfonien (g-moll / A-Dur). Beide sind, was ein grundsätzliches Kennzeichen aller mehrsätzigen Werke Kalinnikows ist, stark zyklisch angelegt, die Finali fassen die Themen der vorangegangenen Sätze zusammen. Während sich die erste Sinfonie durch eine eher melancholische Grundhaltung auszeichnet, ist die zweite insgesamt ein helles, optimistisches Werk, sehr erstaunlich, wenn man bedenkt, dass sie von einem schwer kranken Menschen komponiert wurde. Besondere Erwähnung sollten die beiden herrlichen langsamen Sätze finden: der der ersten Sinfonie ist sehr lyrisch und einfach "schön", in der zweiten ist der langsame Satz der dunkelste Satz der Sinfonie und bildet einen stimmungsmäßigen Kontrast zu den drei anderen Sätzen. Ein weiteres bemerkenswertes Werk ist das Sinfonische Bild "Die Zeder und die Palme" nach einem Gedicht von Heinrich Heine. In den Eckteilen wird die kalte Atmosphäre des Nordens sehr plastisch dargestellt, wohingegen der fließende, "warme" Mittelteil den Traum der Zeder vom Süden und der Palme eindrucksvoll illustriert. Kalinnikows Stil stellt einen Kompromiss aus den Errungenschaften Tschaikowskis und dem Mächtigen Häuflein dar. Alle seinen Themen sind unglaublich einprägsam, man könnte sie fast ausnahmslos für russische Volkslieder halten. Die Instrumentierung ist voll und wohlklingend.


    Die Sinfonien sind mehrmals aufgenommen worden, ich besitze die Naxos-Aufnahmen. Im Falle der zweiten Sinfonie habe ich auch noch eine (nicht mehr erhältliche) Einspielung mit Swetlanow, die ich wegen ihrer Dynamik und Impulsivität vorziehe. Ich besitze Aufnahmen aller Orchesterwerke sowie seiner Klavierwerke (das sind nur 7 kleine Stücke). Meine Meinung: ein Komponist, der einfach sehr schön anzuhörende Musik schrieb. Kalinnikow war mit Sicherheit kein Innovator, aber ich höre seine Musik immer wieder gerne.


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo,


    obwohl ich das Zeitalter der Schallplatte eigentlich gar nicht mehr erlebt habe, greife ich in letzter Zeit recht oft auf Schallplatten zurück. Der Grund ist, wie Michael schon erwähnt hat, dass es einfach viele Werke gibt, die aus den verschiedensten Gründen bisher einfach nicht auf CD erschienen sind (und in absehbarer Zukunft wohl auch nicht erscheinen werden). Deshalb habe ich mir seit gut einem Jahr über Ebay, diverse Antiquariate und andere Versandhändler eine ganze Reihe von alten LPs (vorwiegend der Label Melodia und nova) zugelegt. Ich muss wirklich sagen: es lohnt sich. Viele der Werke, die ich mir so zugelegt habe, möchte ich nicht mehr missen. Allerdings habe ich keine Plattenwaschmaschine oder dergleichen. Meist verfahre ich so, dass ich mir die Platten nach und nach auf CD überspiele (und bis zu einem gewissen Grad Rauschen und Knacksen vermindere).


    Viele Grüße
    Holger

    Gerade über Ebay gekauft:



    Schirwani Tschalajew (*1936) - Violinkonzert Nr.2, Cellokonzert Nr.1, Lieder. Tschalajew ist ein dagestanischer Komponist, der sich in erster Linie auf die Folklore seines Landes bezieht.



    Boris Tschaikowski (1925-1996): Cellokonzert E-Dur (1964), Boris Tischtschenko (*1939): Cellokonzert Nr.2 op.44 (1969) Iwan Monighetti spielt Cello, Rostropowitsch dirigiert das Russische SO. Tschaikowskis Cellokonzert ist mir bekannt, dagegen kannte ich das zweite von Tischtschenko bisher nicht. Letzteres ist ursprünglich für die kuriose Besetzung Solocello, 48 Celli, 12 Kontrabässe und Schlagzeug komponiert, die CD legt nahe, dass tatsächlich diese Version eingespielt ist (später stellte Tischtschenko noch eine "reguläre" Orchestrierung her mit Streichorchester und Schlagzeug).



    Sergei Prokofjew (1891-1953): Streichquartett Nr.2, Dmitri Schostakowitsch (1906-1975): Klaviertrio Nr.2 e-moll, German Galynin (1922-1966): Klaviertrio d-moll (1948 ) - hier kam es mir vor allem auf Galynins Trio an. Galynin war ein Schostakowitsch-Schüler, sehr begabt, leider jung verstorben (er litt an Schizophrenie). Sicher wird diese Melodia-CD bald auch bei jpc erhältlich sein, doch so lange wollte ich nicht warten.



    Georgi Swiridow (1915-1998 ): Der Schneesturm, Musikalische Illustrationen nach Puschkin (1975), Puschkins Liederkranz (Konzert für Chor). Swiridows Schneesturm ist ein Werk voller eingängiger Melodien. Diese Aufnahme konnte man mal im Internet als mp3-Dateien kostenlos herunterladen (mittlerweile nicht mehr möglich). Da die Qualität dadurch etwas gemindert wurde, habe ich mir jetzt diese recht preiswerte CD gekauft.


    Viele Grüße
    Holger


    Hallo Uwe,


    schön, dass es hier noch andere Moyzes-Fans gibt! Ich weiß, dass seine vier Streichquartette mal auf 2 CDs erhältlich waren. Leider habe ich die CDs nicht (genau wie die Olympia-CD mit seinen Klavierwerken). Ich finde sie auch nirgendwo, schaue immer mal bei ebay und Amazon, aber da ist wohl nichts zu machen... Immerhin konnte ich vor kurzem eine alte Schallplatte mit dem 4. Quartett ergattern! Du hast Recht, eigentlich ist alles von Moyzes weitgehend tonal. Am modernsten sind noch Werke wie die 8. und 9. Sinfonie, aber scheinbar war Moyzes von diesem Stil selbst nicht so überzeugt, da er Mitte der 1970er dann doch wieder zu traditionelleren Ausdrucksformen zurückkehrte. Besonders folkloristisch sind natürlich die Werke der 1950er Jahre, mit den sehr hübschen Tänzen aus dem Hron-Tal oder den Tänzen aus Gemer.


    Viele Grüße
    Holger

    Hallo,


    in alphabetischer Reihenfolge könnten es diese fünf sein:


    Ernst Hermann Meyer
    Nikolai Mjaskowski
    Otar Taktakischwili
    Boris Tschaikowski
    Geirr Tveitt


    Ich habe hier bewusst eher unbekannte Namen ausgewählt, alle diese Komponisten haben Werke geschrieben, die ich sehr schätze und die meiner Meinung nach erheblich größere Bekanntheit verdient hätten. Leider sind nicht von allen diesen Komponisten die Hauptwerke derzeit auf CD zu haben. Im übrigen ist diese Auflistung nicht als statisch zu betrachten, in ein paar Tagen kann ich schon wieder andere Favoriten haben. Es gibt einfach eine Unmenge hervorragender Musik!


    Viele Grüße
    Holger


    P.S. Den Namen Eberhard Werdin habe ich tatsächlich vorher schon einmal gehört, war im Rahmen meiner Arbeit bei der Wikipedia über ihn "gestolpert".

    Hallo!


    Ich habe mich für die klassische Moderne entschieden, da ich besonders gerne Musik aus dem 20. Jahrhundert höre. Die Romantik wäre für mich auch noch in Frage gekommen, auch hier gibt es viele schöne Werke, die ich schätze. Doch tendenziell höre ich mehr Musik aus dem 20. Jahrhundert als aus dem 19. "Moderne" habe ich nicht genommen, da ich zwar auch gerne Werke neueren Datums höre, aber eigentlich nichts Avantgardistisches. Daher würde ich mit diesem Votum meinen eigentlichen Musikgeschmack nicht zutreffend wiedergeben.


    Viele Grüße
    Holger

    Heute wäre der große slowakische Sinfoniker Alexander Moyzes (1906-1984) 100 Jahre alt geworden, deswegen heute gewissermaßen zu seinen Ehren:



    Sinfonie Nr.12 op.83 (1983), Marco Polo (Ladislav Slovak leitet das Slowakische Rundfunksinfonieorchester)


    Ein spätes Werk in drei Sätzen. Die Musiksprache ist für 1983 sehr konservativ, die Sinfonie ist tonal (e-moll / E-Dur). Auf eine geheimnisvolle, leicht melancholische langsame Einleitung folgt ein fast spielerisch bewegter erster Satz mit seltsam dahinhuschenden Bewegungen. Der zweite Satz beginnt mit einer klagenden Flötenweise, begleitet nur von den hohen Violinen. Der Mittelteil fällt durch beunruhigende Blechbläser-Fanfaren auf, bevor die gedrückte, schwebende Anfangsstimmung wiederkehrt. Das Finale nimmt den schon im ersten Satz angedeuteten marschartigen Gestus auf. Trotz einiger (klanglicher) Härten findet die Sinfonie letztlich zu einem optimistischen, hellen Schluss.


    Mir gefällt diese Musik außerordentlich, ich habe Aufnahmen aller Sinfonien und 2 CDs mit weiteren Orchesterwerken. Moyzes' letzte Werke sind nach meinem Ermessen seine besten, hier ist sein Stil sehr abgeklärt.


    Viele Grüße
    Holger