Hallo Michael,
ZitatOriginal von Michael Schlechtriem
Im Falle von Wlassow finde ich Rostropowitschs Erinnerungen eigentlich als ziemlich gemein.
Soooo nett war der gute Rostro, Slawa, oder wie man Ihn immer nennt, nun doch nicht.
ich denke, es ist nachvollziehbar, wie Rostropowitsch zu der Kurkonzert-Aussage kommt - eben durch die Popularmusik-Anspielungen Wlassows, die aber im Rahmen eines doch deutlich ambitionierteren Werkes stehen. Wenn Rostropowitsch sagen würde: "stellenweise könnte man an einer Kurhauskonzert denken", würde ich ihm schon eher recht geben. Insgesamt betrachtet ist das Cellokonzert allerdings deutlich anpruchsvoller. Dass die Passage danach, in welcher er berichtet, wie Wlassow ihn dazu gedrängt habe, ein Stück von sich zu spielen, irgendwie recht despektierlich ist, finde ich auch.
Ich habe es ja schon oben angedeutet - auf mich hinterlässt das Buch einen insgesamt zwiespältigen Eindruck. Auch, wenn man Rostropowitschs Lebensumstände berücksichtigt, sind manche seiner Aussagen schon ziemlich erstaunlich, um es positiv zu formulieren. Als "nett" würde ich das auch nicht bezeichnen.
Vor allem ist das Bild der sowjetischen Musikszene, das er zeichnet, irgendwie nicht ganz kompatibel mit dem, was ich bisher an Musik kennenlernen konnte. Ich kann das jetzt nicht so lang ausführen, auch, weil ich mich dann erst wieder einlesen müsste, aber insgesamt ist das alles viel zu undifferenziert. Es gab eben keinen durchgängigen Einheitsstil in der UdSSR - ich kenne etliches bereits aus den 1960ern, das dagegen spricht. Insofern beinhaltet Rostropowitschs Buch auch Teile, die ich für sehr bedenklich halte. Aber wie gesagt, ich sehe mich gerade außer Stande, das wirklich fundiert auszuführen.
Kurz, bevor ich's abschicken wollte, sehe ich noch dein zweites Posting: nein, das Wlassow-Konzert habe ich auf einer Russian Disc vorliegen, zusammen mit dem ersten Cellokonzert von Tichon Chrennikow, Wlassows Improvisation und Tschaikowskis Pezzo capriccioso. Der Klang ist eigentlich sehr gut! Ist 1993 erschienen, aber natürlich nicht mehr erhältlich.
Viele Grüße
Holger
Edit: Das mit dem Cellokonzert Nr.1 steht allerdings nicht auf der CD, wie ich gerade herausgefunden habe. Ich meine, ich hätte diese Information damals von der Website von Onno van Rijen übernommen - was nicht unbedingt bedeutet, dass sie korrekt ist, auch dort findet man immer wieder Fehler.
