Beiträge von Damiro

    Zur Ergänzung von Holger`s ## 25 und 30- Beiträgen habe ich i.R. meiner Demus- Recherchen (bzgl. dessen Interpretation des Schumann`schen Carnavals) aus einer Ausgabe der "Neuen Südtiroler Tageszeitung " von 2015 ein Interview mit dem Verstorbenen archiviert, wo er von zwei Sommerkursen bei ABM berichtet, einer davon in Bozen.


    Doch ist natürlich schon ein tieferer Zusammenhang Demus`mit der Klaviermusik von Debussy vorhanden, hatte er doch von 1951 bis 1953 bei Yves Nat in Paris studiert und vorausgehend oder anschliessend auch bei Walter Gieseking in Saarbrücken.

    Heute abend ist Sokolow mit frühem Beethoven und spätem Brahms in der Liederhalle-. s`gibt noch ein paar Karten. Bin verhindert....


    Aber ihr seid ja alle soooo weit nördlich. :hello:


    (aber wenn ich schon mächtig off topic bin: am So. abds. ist er in Freiburg/ Brsg., am Mo. abd. in Friedrichshafen/ Bodensee.

    Ich habe zuletzt noch einige Stücke aus dem Carnaval aus der obigen CD ( in Schnipseln) angehört. Sehr bemerkenswert, viel besser als mein vorher genanntes YT- Material, nicht nur technisch, sondern auch bei der Interpretation. Die Interpretation trägt der geister- bzw. maskenhaften Komponente des Carnaval Rechnung. Ich würde mich sehr freuen, wenn ein begeisterter FK dazu einige Sätze schreiben könnte.

    Ja, da ist ein erheblicher Klangunterschied: schon die Streamingquelle YT hat übern Rechner und Logitechböxchen mit Subwoofer (3 Kanal) im Bereich des Mitten- Höhenübergangs einen langen metallischen Beiklang, ausserdem regelmässige Vorechos sowie inkonstantes Rauschen. Das haben die Amazon- Download Hörschnipsel (übern Rechner und das gleiche Lautsprecherset) eindeutig nicht.


    Hast du das nun, so wie ich, als Schnipsel gehört ? Oder die Downloads einzeln oder als Paket gekauft ?


    Hab sowas bislang nicht praktiziert. Aber...^^


    Danke für den wertvollen Hinweis, lieber Christian B.


    MlG

    D.

    Youri Egorow (1954 Kasan UdSSR - 1988 Amsterdam) wurde oder wird in gleichem Atemzug wie Dinu Lipatti genannt, es liegen auch eine ganze Reihe von Tonaufnahmen vor. Er ist anfangs der 70er Jahre aus der Sowjetunion emigriert. Bei der hier zitierten Aufnahme handelt es sich um den folgenden Link:



    Die Gesamtabspielzeit ist mit 27`30 im schnelleren Drittel aller Versionen. Meine Äusserungen in # 109 möchte ich etwas relativieren insofern, als dass an klanglichen Unschärfen weniger Egorows Legatospiel schuld ist, eher aber Klang und Technik dieser deutschen TV- Produktion. Ich möchte Egorow hier vor allem nochmals bringen, weil er den Carnaval- Zyklus einerseits stilistisch sehr geschlossen spielt (es ist bei mir mit zunehmenden "Hören und Denken" eine von mir bevorzugte Interpretationsweise, je älter ich werde), andererseits aber auch eine unspektakuläre, solide, "verlässliche", gelegentlich irgendwie gleichförmige (?) Darbietung, v.a. im Verlaufe des Zyklus gegen das Ende hin. Ich meine, dass er sich da auch tempomässig unter Druck setzt. Seine Spieltechnik sucht ihresgleichen, produziert höchstens ab und an angedeutete Unsauberkeiten. Auffällig aber die sehr gut eingesetzte Agogik der musikalischen Linienführungen. Leider kann von Klangmagie, gar -zauber kaum eine Rede sein. Auch dafür scheinen mir gewisse aufnahmetechnische Grenzen verantwortlich zu sein.


    Eine schöne Bereicherung des Zyklusrepertoires.



    MlG

    D.

    Es war richtig, einige Wochen keinen Carnaval gehört zu haben. Es macht jetzt wieder Spass, die verbleibenden Versionen herzuholen, zu hören und darüber zu lesen. Es geht jetzt zuallererst (nochmals ) um Youri Egorow (habe ich damals als Egerow geschrieben, Aufnahme von 1978, eingestellt unter YT, siehe mein Beitrag # 109 hier im Thread. )


    Ich möchte also Youri Egorow nochmals erwähnen und auch den passenden Link dazutun. Ich habe ihn heute abend nochmals gehört, zusammen mit den beiden Carnaval- Versionen von Vladimir Sofronitsky aus 1951 und 1959.

    Etwas verzögert hat sich mein Bericht eines kürzlichen Orchester- und Solistenkonzertes im grossen "Harmonie"- Saal in Heilbronn (Th.- Heuss- Saal)

    Heilbronner Sinfonie Orchester - Konzertreihe 2018/2019

    5. Konzert | Konzertreihe 2018/2019

    Sonntag, 24. März 2019

    TAUSENDUNDEINE NACHT


    Konzert- und Kongresszentrum Harmonie Heilbronn

    Theodor-Heuss-Saal

    Beginn: 19:30 Uhr

    Dirigent: Alois Seidlmeier

    Solist: Friedemann Eichhorn, Violine


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    Operus hat mich gebeten, ein paar Zeilen darüber zu schreiben, was ich gerne tun will. Zunächst, freie Plätze waren so gut wie keine mehr vorhanden. Das Orchester macht einen recht jungen, konzentrierten und engagierten Eindruck, unter der Stabführung seines inzwischen sehr geschätzten und beliebten Dirigenten A. Seidelmeier.


    Es wurden folgende Werke gespielt:


    - Sheherazade (Ouverture de feerie) (1898) von Maurice Ravel 1875 - 1937


    -1001 Nights in the harem -- Violinkonzert op. 25 (2007) von Fazil Say (* 1970), Solist: Friedemann Eichhorn, Violine


    - Sheherazade -- sinfonische Dichtung op. 35 (1888) von Nikolai Rimski- Korsakow (1844 - 1908)



    Das erste Werk, von Ravel als 23 Jährigem komponiert, zeigt schon die fast unverwechselbare Klangwelt dieses Komponisten, bleibt aber deutlich zurück hinter den bekannteren und teils enorm eindrucksvollen oder aber vielschichtig bis in äusserste Differnzierung hineinentwickelte Harmonik, besser gesagt Klanglichkeit und Rhythmik.


    Das nun folgende Violinkonzert Fazil Say`s, den wir mehr als türkischen Pianisten mit konkreten politischen Ansagen und weltweitem Auftreten denn als Komponisten kennen, ist eine ziemlich inhomogene, grosse Komposition, der man mit ungeduldiger Erwartung und Interesse begegnet. Und die wurden keineswegs enttäuscht. Gleich zu Beginn stellen sich die zurückhaltend agierenden türkischen Trommeln mindestens drei verschiedener Bauarten vor. Wenn Streicher und Holzbläser dazukommen, bekommen wir ein ausgewogenes Hörbild mit - wie ich meine - attraktiven Ausschlägen nach oben und unten. Es entwickeln sich nun teils ungewohnte melodiöse Linien, die sehr sang- und summbar sein können, aber nicht müssen. Das melodische Material scheint plausibel, poppig, vielleicht sogar trivial im einem musikästetischen und/oder stilistischen Sinne. Häufig sind Klangteppiche seitens der Streicher und Holz und Blechbläser, häufig ist aber auch der Verzicht auf rhythmische Betonung des orchestralen Apparats, der quasi im Untergrund das Ganze sachte und wie selbstverständlich vorwärts treibt.

    Vielleicht darf oder soll Musik aus (für uns) unbekannten Ecken dieser pluralen Welt sich so anhören, wie wir`s eben nicht gewohnt sind. Sie darf uns gerne überraschen, interessieren und Antworten schuldig bleiben. All die vorangegangenen Tage seit dem Konzert hat mich umgetrieben, wie der Solist Friedemann Eichhorn (* 1971 in Münster) sich wohl in dieses Violinkonzert einbringen konnte. Sein Part und Spiel erschien mir sowas wie Neuland, Entdeckungsreise, Lust an seinem Instrument, Lust am Ausprobieren, natürlich auch am Risiko, Interesse an Resonanz und Meinungen.


    Schliesslich, nach der Pause, erklang das Hauptwerk des Abends, die Scheherazade von Rimski- Korsakow. Bereits als junger Student habe ich es wenige Male gehört und "abgeurteilt", kam gleich nach "Les Preludes" von Liszt. Scheinbar hörte man auch eine abgekürzte Fassung im Radio, ich glaube auch auf einer DGG- Mono- LP war das Stück nicht komplett. Jetzt war ich gut beraten, mal konzentriert im Konzert zuzuhören. Natürlich war das viel, viel besser als ich in der Erinnerung behalten hatte.

    Was ich nun hörte, war eine unglaubliche Entfaltung einer von Anfang gleichermassen einfach klingenden wie im Verlauf immer komplexer variierenden Akkord- bzw. Harmoniefolge , mit zunächst sparsamen, dann immer reichhaltigeren Nebenlinien (Rimski- Korsakow hatte einige Jahre lang eine Professur für Komposition und Instrumentierung am Moskauer Konservatorium:; und in ganz kurzer Zeit eine Reihe von Schülern, aus heutiger Sicht ein Who is Who der damaligen russischen Musikszene). Ich bin froh, heute gegenüber den 1970er Jahren eine gewisse Reife erlangt zu haben, fähig genug diese Musik differenziert - um Konzentration bemüht- zu hören, ihre reale Entwicklung zu geniessen, aber auch weitere mögliche Entwicklungen zu erahnen.


    Die vier Sätze beschreiben in anschaulichen Worten die wichtigen Episoden des Werks.

    "Das Meer und Sindbads Schiff" "Die Geschichte vom Prinzen Kalender" "Der junge Prinz und die junge Prinzessin" "Fest in Bagdad - Das Meer - Das Schiff zerschellt am Magnetberg".


    Während andere Programmmusik deutscher oder ähnlicher Provenienz ab dem 19. Jh. das literarische Programm eher zu verbergen und abstrahieren sucht, ist man hier von programmatischen Begriffen und Assoziationen nur so umgeben und animiert, eine Entwickung der letzten Jahrzehnte zu spüren und hinzunehmen oder anzuerkennen. Es habe etwas mit "fallenlassen" zu tun... (stammt von meiner besseren Hälfte)


    Wunderbare Musik. Ja, zum Träumen ....


    (dass es grausig ausgeht, ist bei Tausendundeiner Nacht und ähnlichen orientalischen Stoffen das offensichtliche Faktum). Das Schöne ist auch, dass bei aller thematischer Undeutlichkeit des Konzertabends das "Feeling" sehr ausgeprägt" schien.


    Zuallerletzt und bedeutungsvoll ist, dass Alexia Eichhorn heute als neue Satzführerein bei den Violinen des HSO agiert hat. In der obigen Scheherazade

    spielte sie den Part der Solovioline im vierten Satz: grossartig !!!



    MlG

    D.

    Ich wollte diese beiden Damen, Yuya Wang und Katja Buniatishvili, lediglich als Beispiele ähnlicher Marketingkonzepte nennen, ohne ihr Klavierspiel miteinander vergleichen zu wollen. Diese äusseren Ähnlichkeiten/ Möglichkeiten können nur dann in die Wagschale geworfen werden, wenn die Damen dieses überzeugend wollen, ist doch klar. Mein Post stellte nur meine Rezeption dar, einmal Rach 2 mit K.B. audiovisuell/ live und einmal mit S. Richter audiophil, von meinem Vinyl herüber.


    An dieser Stelle, lieber m- mueller, darf ich anmerken, dass diese genannte LP bereits von hervorragender Klangqualität ist, oder nicht ? ;)


    (Und ganz sicher werde ich in absehbarer Zukunft K. B. mal live hören wollen, klar doch. Y.W. habe ich vor guten acht Monaten in der Philharmonie Essen mit Prokoview KK 5 und Strauss Sinf. domest. erlebt)


    MlG

    D.

    Um die im ersten Beitrag gestellte Frage zu beantworten, warum es über sie noch keinen Thread gibt:


    um sie zu sehen und zu hören, braucht es zunächst mal überhaupt keinen Thread !


    Sie ist schon etwas Besonderes und damit steht sie z.B. Yuya Wang in nichts nach. Beide (ich denke, das betrifft noch einige weitere Künstler in Konzertsälen und auf Opernbühnen) haben genügend Selbstbewusstsein, um das Marketingkonzept ihrer jeweiligen Managements und Plattenfirmen bzw. "Verwertungs"gesellschaften mit der Fussnote (?): Sex sells mehr oder weniger ausführlich zu praktizieren.


    Ohne mich bzgl. der Beurteilung der Interpretation von Rach 2 auf nährere Betrachtungen festlegen zu wollen/ können, herrscht bei mir die Empfindung vor: hoffentlich schafft sie ihre Tempi, ihre anvisierte Dynamik- auf jeden Fall wollen wir ihr alle unsere Daumen drücken. Wir reagieren wie Väter, Mütter, virtuelle Liebhaber, Bewunderer und Musikfreunde und was weiss ich. Ja, sie schaffts mit knapper Not, nein natürlich triumphal ! Es wird alles gut !!!. Der Beifalll ist unendlich !!! Niemand kann sich diesem tollen Gefühl dabei und danach entziehen.


    Nachdem der letzte Ton verklungen ist, und noch weit danach, erinnern wir uns allmählich z.B. an die alte Referenzaufnahme der DGG mit S. Richter, oder auch an andere herausragende Interpretationen- und derer gibt es einige- und daran, was bei jenen anders ist !? K.B. (und ihr Dirigent/ Orchester) spielen mit vollem Risiko (wozu eigentlich ?), vorwärtsdrängend, schnell, laut, teilweise aggressiv. Und im zweiten Satz gelingt es nicht, eine romantische Grundstimmung zu entwickeln, die schönen kunstvollen Linienführungen zu verdichten bei gleichzeitiger Zurückhaltung in der Dynamik. Die Musik klingt dann - hölzern ? gelähmt ? Dritter Satz erinnert an den ersten, nur dass jetzt noch mehr Fieber im Spiel ist. Die Musiker kennen kein Halten mehr, zu gross ist er Druck, eine ausserordentliche Performance zu erzielen.


    Woanders, aber ebenfalls im Netz, habe ich K.B. mit "La valse" von Ravel in der Ein- Klavier- Fassung gehört. Ja, so ein paar technische Unzulänglichkeiten sind natürlich (oder doch nicht- das habe ich z.B. bei den transcendenten Liszt- Etüden von Boris Giltburg NICHT gehört).


    Bei Katja B. ein Rausch von Klavierspiel ! Ich war nur noch beeindruckt......, sagen wir lieber geflasht !;)

    Da hast du eine wunderbare Musiksession wiedergefunden !

    Die Location ist m.E. das Büro eines Schallplattenverlags in NYC, wo auch eine ganze Reihe von Aufnahmen gemacht worden sind. Am Anfang sind sie vorsichtig, scheinen etwas ausser Übung zu sein. Später groovt die Musi dann richtig... :)


    MlG

    D.

    Ach je, lieber m- mueller,


    was da so alles geschrieben wird, was alles nicht falsch ist, aber auch dadurch nicht richtig wird. Ich habe das Gefühl, dass das nur auf der praktischen Ebene diskutiert gehört...


    Und erinnere daran, was ich kürzlich mal geschrieben habe (sinngemäss):


    Kategorien sind häufig auch für Leute, die Musik in jedweder Form verkaufen. Und von deren Aktivitäten profitieren wir alle mannigfaltig.



    MlG

    D. ;)

    ...anlässlich eines Semesterkonzerts (Klasse Prof. Peter Nagy) der Musikhochschule Stuttgart am Sonntag, 13.01.2019.


    Die 22- jährige junge Dame von zurückhaltender Erscheinung setzte sich an den Flügel, liess lange Sekunden verstreichen, ehe sie ganz ruhig, aber sofort entschieden präsent und nicht zu laut dieses anspruchsvolle Werk begann. Bereits nach weniger als einer Minute signalisierte das Publikum mit leisen Bewegungsgeräuschen, dass eine besondere Darbietung erwartet wurde. Der Klang war von Anfang an weich, rund und raumfüllend. Nein, das war nicht die Lautstärke des Steinway C Flügels, sondern der Zugriff der jungen Dame auf die Tastatur, welcher alle Register der verschiedenen Lagen des Klaviers polyphon erklingen liess, die Stimmenführung, parallel, zusammen- und auseinandergehend und wieder zueinander. Ja, das waren offensichtlich SYMPHONISCHE Etüden, abgestufte Vielstimmigkeit unter der Vorherrschaft bestimmter melodisch- harmonischer Prinzipien. Trotzdem war der Pedalgebrauch eher sparsam.


    Neben manchen klanglichen Aspekten versteht es die Pianistin, den Lauf der Musik mit seinen Rhythmen, deren Wiederholungen und Abwandlungen, äusserst variabel, besser gesagt lebendig und atmend zu gestalten. Man hört dann minimale oder deutlichere Verzögerungen und Beschleunigungen des Tempos (am besten kann man das als Klavierschüler lernen, wenn der Lehrer das Metronom zeitweise mitlaufen lässt !) Hinzu kommt ein Gestaltungswille, der die physischen, körperlichen Möglichkeiten sichtbar und spürbar werden lässt. Ja, sie hat richtig Pranke - nicht zum Donnern benutzt, sondern eher etwas nachdrücklich auszuspielen, ohne zu ermüden.


    In der Abfolge der Stücke (wobei sie die fünf nachgelassenen Etüden nicht gespielt hat) lässt sie in ihrer gestalterischen Kraft nicht nach. Sie vermag es, sich völlig zu konzentrieren. Lediglich zum Ende des Spiels führen unbändiger und ernsthafter Wille und muskuläre Überbeanspruchung zu einem kurzen, aber gründlichen Verspieler, den sie durch professionellen, geplanten Einsatzpunkt kompensiert.


    Fast habe ich vergessen zu sagen, dass ihre Technik sehr komplett und makellos ist. Vielleicht höre ich Türkü mal mit Liszt oder nochmals Rachmaninow. Bach spielt sie unter dem Link unten !


    Türkü (übersetzt: der Liederreigen, die Liedersammlung) wurde in der Millionenstadt Denizli, zwischen Izmir und Antalya geboren und wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf, sie ist die erste Musikerin in der Familie, konnte im Gymnasium eine Klasse überspringen. Seit sieben Jahren hat sie nun ernsthaften Klavierunterricht und studierte zuletzt am Konservatorium der Hacettepe Universität in Ankara, wo sie ihr Bachelor Studium beendet hat. Seit 2017 hat sie den Weg nach Deutschland gefunden, über Detmold nun nach Stuttgart , wo sie ihr Masterstudium fortsetzen und beenden will. Auf meine Frage hin, ob sie Konzertpianistin werden wolle, hat sie mit "ich hoffe sehr" geantwortet.



    Hier nun der Link zum vorher erwähnten Bach (auch wunderbarer Albeniz, dagegen scheint ihr der Rachmaninow noch etwas fremd zu sein):




    MlG

    D.

    Wert genug, gleich zu reagieren zu so frischer Morgenstund.


    Neben Coltrane fallen mir noch Archie Shepp und Pharoah Sanders ein, ausserdem der hierzulande unterschätzte Phil Woods. Albert Mangelsdorff wartet auf schriftliche Wertschätzung, an erster Stelle vor einer ganzen Reihe von Deutschen und Österreichern, z.B. die Gruppe Voices mit Günther Sauer, die Kühn Brüder, Hans Koller, Attila Zoller, Joe Zawinul, Volker Kriegel, Erwin Lehn.


    Bestimmt handelt das nächste Post von etwas, was ich hier gar nicht erwähnt habe. Alfred hat ja gemeint, wir sollten uns nicht allzusehr spezialisieren im Jazz Keller, sondern eher irgendwo entlang hangeln. Ich hab für solcherlei Sport vorerst eh keine Zeit, muss mich um den Carnaval, Rach Die erste Klaviersonate, Miles den Trompeter und Schubert, Klaviersonate A- Dur, op. 120 kümmern. :yes::thumbup:


    MlG

    D.



    (hatte ich heute früh schon geschrieben und dann noch was rescherschiehrt...:untertauch:)

    Ja, das Kind liegt jetzt im Brunnen und keiner weiss gerade, wann und wie es gerettet wird. Jedoch wird z.B. die Lage des magnetischen Nordpols durch die Diskussion um unser Problem kein Jota beeinflusst. Und dass Astor Piazollas Tangos mit Jazz aber auch gar nichts zu tun haben, ist einfach eine Tatsache. Nahezu überall nachzulesen. Dazu braucht es keine "Idee" meinerseits, lieber m-mueller. Vom ersten Moment des Lesens an, also seit ca. 1/2018, hat mich die Zuordnung zum Jazzkeller gestört.

    Ich melde mich hier nur deshalb noch einmal, weil du meinen Namen ausdrücklich genannt hattest.


    Ich habe A gesagt, meine deshalb auch B. Und bin eindeutig auf der Roehl- Linie ! :yes::yes::yes:

    Nun geht es weiter mit dem zweiten Stück meiner Betrachtung dieser bekannten und bahnbrechenden Kompositionen. Es folgen verschiedene Interpretationen von "Round About Midnight". Hier geht es darum, zum einen aufzuzeigen (erstes Hörbeispiel), welchen Weg diese Komposition überhaupt genommen hat, um in das Bewusstsein der Zuhörer und Tänzer zu gelangen, zum zweiten den Anteil/ Einfluss des Aussenseiterpianisten Thelonius Monk auf die (schwarze) New Yorker Musikszene, speziell auf die hier besprochene Komposition zu beleuchten (zweites Hörbeispiel), schliesslich herauszufinden, was Miles Davis mit diesem Stück anzufangen wusste (im zweiten und dritten Hörbeispiel).


    Es handelt sich um den Mitschnitt des Auftritts des Thelonius Monk Quartetts beim "Woodstock Jazz Festival" 1955, wo Thelonius Monk am Klavier sich plötzlich mit dem in das Scheinwerferlicht und in den Kreis der Mikrophone tretenden Miles Davis konfrontiert sieht und sie alsbald zusammen musizieren. Bis zu diesem Moment war Miles Davis lediglich ein Jazzmusiker wie jeder andere auch. Dieses Solo zeigte, wozu Miles gestalterisch und auch schon spielerisch fähig war und wie er sich traumwandelnd durch die ziemlich komplexen Harmoniewechsel des Stückes, die ja nun mal festgelegt waren (aber nur die Harmoniefolge !), findet. Auch Monk war so beeindruckt, dass er - ganz und gar im Dienst des gerade eben Erklungenen- ein ziemlich lyrisches Klaviersolo in die Tasten drückt, ganz im Gegensatz zu seinen üblichen klavieristischen Exaltismen.


    Das dritte Hörbeispiel soll verschiedene Grade der Abstraktion des thematischen Materials dieser Komposition "Round About Midnight" vorstellen. (Ich möchte hier noch erwähnen, dass "Round `bout Midnight" im Laufe der Jahre über 200 x durch verschiedene Bands aufgenommen und verkauft worden ist)





    Wir haben jetzt das Cootie Williams Orchestra mit der allerersten Aufnahme von R. a. M. gehört, aufgenommen zwischen 1941 und 44, eine Art historische Interpretation, wobei C. Williams die Trompete stets mit Vibrato spielt, damals der Normalfall. Ich denke, dass man diese Version als Liebes- und/oder Abschiedslied erfühlen konnte, denn in der Welt passierten nach und nach Pearl Harbour, die Invasion der Normandie und andere Schrecklichkeiten, wo die US- Jungs (und all die vielen "anderen" ihre Köpfe hinhalten mussten. Für mich wirkt die Interpretation auch etwas kitschig.



    ABER NUN

    folgt das berühmte Newport Solo von Miles Davis 1955 mit Thel. Monk am Klavier:




    Miles spielt diese Passagen teils mit, teils ohne Vibrato. Monk spielt, wie es sich für einen guten Begleiter gehört, relativ wenige, aber dafür die wesentlichen Töne.



    ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++


    Abschliessend für dieses Post noch zwei spätere Versionen von R.a.M., mit Miles Davis, einmal vom 4.11.1967, aufgen. beim Berliner Jazzfest, und noch einmal 1969, aufgen. im sommerheissen Juan- les- Pins, Südfrankreich.









    Im Anschluss an das langsame Solo von M.D. hören wir sehr schnelle, teils rasende Soli auf dem ts (Wayne Shorter) und p (Rhodes Piano)(Chick Corea) !!!





    Vorschläge und Anregungen willkommen, natürlich auch Hinweise auf Fehler jeglicher Art !!!:rolleyes:


    Bald soll`s weitergehen...




    MlG

    D.

    Dieser Film war ein grosser Gewinn für mich und ich gehe sehr zufrieden ins Bett.


    Das Leben der ehemals deutschen Gründer des Blue Note- Schallplattenlabels wurde kurzweilig und schlüssig - soweit möglich - nachgespielt von CAD- adaptierten Figuren (grafisch betrachtet waren die diversen Figuren scherenschnittartig gestaltet, doch haben sie beim Sprechen auch den Mund bewegt und Gefühle "gezeigt". Dieser animierte Ablauf war gut gemischt mit zeitnahen Interviews der Musiker, die mit BLUE NOTE gearbeitet und gelebt hatten, eine fantastische und nicht nur nostalgische Erinnerung an vergangene Zeiten. Dazu viel originale Musik aus 1946 bis ca. 1985 (Firmengründung 1939; bald wurde der eine Firmengründer Alfred Lion zur US- Army eingezogen und in El Paso an der mexikanischen Grenze stationiert)

    Insbesondere die Kommentare der Sängerin Sheila Jordan "...I was the only white face..." mit ihrem offenbar sehr guten Gedächtnis haben mich beeindruckt.


    Unwichtig zwar, aber zeigt dieser Filmausschnitt mit Sheila Jordan im letzten Filmdrittel nicht die Bühne von Onkel Pö`s Carnegie Hall in HH- Eppendorf ?????????


    Leicester,

    es ist noch heute so in den USA: wo ein Wille zum Erfolg ist, wirst du etwas erreichen. Das technische Know How hatten die von Rudy Van Gelder, das Geld von ihren Familien (?), waren ja bürgerliche Sprösslinge aus der Hauptstadt Berlin. Selbstverständlich gab es damals wie immer überdauernde Vermögenswerte, die man notfalls in der Brust- oder Hosentasche mitführen konnte. Auch durften die beiden Freunde relativ schnell die amerikanische Staatsbürgerschaft erwerben.


    MlG

    D.

    Ich finde Johannes Roehls Vorschlag deshalb besonders gut, weil er mit dem Namen Gershwin jemanden ins Spiel bringt, dessen Musik bzw. Rezeption eine grosse, mit Sicherheit sehr inhomogene Anhängerschaft (oder auch Zielgruppe) aufweist, ähnlich wie Piazolla. Er (Gershwin) hat neben konventioneller "ernster" Musik sogar reine Gebrauchs- bzw. Funktionsmusik geschrieben, berühmte Vorgänger diesethalben waren Mozart und Beethoven (z.B. Sextett) u.a..


    Und J. Roehl ist ausserdem einer unserer Moderatoren !

    Die nächsten Textabschnitte befassen sich mit den stilistisch fassbaren Zeiten des Bebop und des Cool Jazz, sollen eine Art Leseeinheit bilden. Um diese zeitliche Progression Swing ---> Bebop ---> Cool Jazz zu illustrieren habe ich zwei Stücke ausgewählt, die mein Jazzerleben nahezu geprägt haben, die ich jedenfalls gut kenne und immer noch liebe.


    Das erste Stück ist "A night in Tunesia", geschrieben vom Bebop Trompeter und Bandleader Dizzy Gillespie, in mehreren Versionen gespielt (Aufnahmen von 1946 und später). Das zweite Stück ist die Ballade "Round (about) Midnight", ein langsames Stück von Thelonius Monk und dem Bandleader Cootie Williams (Aufnahmen ab Anfang der 50er Jahre).


    Das teils gehetzt wirkende erste Stück bringt uns nahe, wie Miles Davis sich vom damals viel bekannteren Dizzy Gillespie unterschieden hat: Miles benutzte einen Dämpfer für seine Trompete und er spielte wesentlich weniger Töne als Gillespie und der spektakuläre kubanische Trompeter Arturo Sandoval, für die Zuhörer leicht zu bemerken und sich zu merken. Es gelingt Miles, sich vom ausdrucksstarken und virtuosen Charlie Parker (am Altsaxophon = as) abzugrenzen, auch vom Tenorsaxophonisten (ts) ohne "ein anderes Stück" zu spielen, sozusagen komplementär zum ersteren zu agieren... In diesem rasenden, lärmenden Stück ist Miles die Ruhe selbst, sogar mit poetischen Unterton. Bandleader war Miles damals noch nicht, das waren jeweils Charlie Parker und Dizzy G.


    Und nun die Hörbeispiele zu "A night in Tunesia", was die ganz einfache Struktur A A`B A C hat.







    (aufgenommen in 3/1946). Der Tenorsaxophonist ist Lucky Thompson. Miles spielt, gedämpft, das Thema und seine Wiederholung, Ch. Parker auf dem as den B- Teil, alle drei Bläser den C- Teil. Bis dann Ch. Parker den atemberaubenden Einstieg in den Improvisationsteil liefert und den ersten Durchgang derselben, später der T.saxofonist und der Gitarrist ihre Soli ausbreiten.


    Typisch und im Ggs. zur folgenden Version mit dem Komponisten D. Gillespie ist das relativ gemächliche Tempo des Stücks. Das "Original" des Stücks ist deutlich schneller aufgenommen.


    Im folgenden eine Version der "tunesischen Nacht" mit deren Komponisten D. Gillespie und Arturo Sandoval, einem sehr virtuosen, auch stark auf Wirkung bedachten kubanischen Trompeter (aufgen. live in Havanna). Sie spielen die A- und B- Teile auch eher gemässigt, in halbem, dann den C- Teil in doppelten Tempo. So geht es mit den Improvisationen weiter.


    Nun Gillespie und Sandoval (der Saxophonist spielt ein Bariton- Saxophon) :






    Und noch ein Beispiel aus den 80er Jahren (aber bei YT eingestellt bzw. dafür freigegeben vor ca. 5 Jahren), wie man dieses Stück nicht spielen sollte, besser gesagt: der Beweis, dass man dieses Stück auch betanzen, beklatschen, bestampfen:baeh01: kann, oder auch: wie behäbig und arbeitsam man sich in seinen eigenen Tönen fühlen kann:




    "Round about Midnight" möchte ich jetzt doch erst im nächsten Beitrag besprechen.



    MlG

    D.

    Noch ein kurzer Bezug zum vorher geschriebenen (nach Durchhören der beiden CDs "Paraphernalia" und "Miles in the sky")


    Wenn man auf Google "Miles Davis, Paraphernalia" eingibt wird einem häufiger der Link auf die CD "Miles in the sky" ausgegeben und nicht auf die Original- CD, welche eine live- Aufnahme aus der Salle Pleyel vom 5. Nov. 1969 ist. Ohne zu mutmassen fällt auf, dass es sich hierbei eindeutig um Free Jazz handelt, den man nicht mehr strukturell und anderweitig verfolgen kann. Durchaus mit einem Klangbild, für das v.a. Chick Corea am klangmässig veränderten FENDER RHODES elektro- mechanischen Piano verantwortlich war, und natürlich auch der Meister himself, welcher die "Sprache" seiner Klangfetzen, besser ist es shouts zu sagen , hierbei verfeinert oder überhaupt erst formuliert hat, für mich als Melodie- Material- Fan von grossem Reiz. Trotzdem schreiben Biografen und Kommentatoren, dass Miles keinesfalls zum Free Jazz gelangen oder in diesen hineingeführt werden wollte.


    Ich spekuliere jetzt mal: bereits vier Jahre vorher war John Coltrane mit seiner Gruppe im Free Jazz angekommen, u.a. mit der LP "Live at the Village Vanguard again" und "Ascension" (wir erinnern uns, J. Coltrane war nur widerstrebend zu bewegen, 1959 die Miles Davis Group, in der er gerade noch mitspielte, eben nach Paris zu begleiten, bevor er mit seiner eigenen Band ziemlich schnell die Jazzwelt begann zu begeistern). Miles wollte keinesfalls "etwas zu spät" im Free Jazz ankommen und hat seine PR entsprechend ausgerichtet. Gleichzeitig hat man vielleicht das Pariser Publikum als am reifsten in Europa für diese sehr freie Musik eingeschätzt (ich konnte auf der CD keine Publikumsäusserungen zuordnen und interpretieren).


    Wenn man sich das dort spezifische Free Jazz Idiom mal interessehalber "geben" möchte, hier also das Original Konzert aus 11/1969 aus der Salle Pleyel in Paris (identisch mit der CD "Paraphernalia"



    (bitte auf das winzige Pünktchen klicken !)


    (ausserdem hat inzwischen jeder hier schon gemerkt, dass meine Affinität zum Free Jazz ziemlich begrenzt ist !)


    Last but not least:

    die andere CD, um die es hier geht,. "Miles in the Sky" (siehe mein Beitrag # 7 oben, mit dem CD Link, ist eine runde Sache, sehr schöner, feiner Jazz Rock, ungefähr gleichzeitig mit der tausend Mal zitierten Doppel- LP "Bitches Brew" aufgenommen, wie immer in mehreren Takes, teils ganz unterschiedlich veröffentlicht. Auf "Miles in the Sky" spielt Herbie Hancock zu Beginn das Fender Rhodes Piano, im zweiten Stück wechselt er zum mikrofonverstärkten Flügel, während auf der live- CD aus Paris "Paraphernalia" Chick Corea an den keyboards (= Tasteninstrumenten) zu hören ist.


    M.E. eine der besten Miles Davis- CD, weil sehr gut zusammengestellt ! Und eben kein Free Jazz !

    Genauso wie der Flamenco ist der Astor Piazolla- Tango weiterhin populär und nicht umzubringen. Sie haben nichts mit Jazz zu tun, obwohl sie dort immer wieder hineingepackt werden, so auch hier. Haben halt im Klassik- und Jazzlager noch ihre Fans. (ich bin auch ein langjähriger Flamenco Fan !) Die anderen Tangos fristen dagegen ein Nischendasein. Der passende Thread für Piazolla wäre "Nicht Klassik - nicht Jazz..."


    Nur so am Rande.


    MlG

    D.