Beiträge von Cosima

    Hallo,


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    Original von Ulli
    ich denke, dass gerade diese freiwillige Gefangenschaft Haydns den Großteil seiner von den Arbeiten anderer Komponisten losgelösten Neuerungen ausmacht



    Ich denke, dass mehrere Komponenten zusammenkommen musste, um aus Haydn den „Vater der Sinfonie“ werden zu lassen:
    Erstens: das großzügige und dem fortschrittlichen Geist gegenüber wohlgesonnene Umfeld, in dem er lebte. Zweitens: seine selbstgewählte Abgesondertheit von der Welt, in der er relativ unbeeinflusst von den vorherrschenden Strömungen blieb und die ihn auf sich selber und seine Ideen zurückwarf. Und drittens: sein ganz eigener optimistisch-heiterer Charakter, der ihn zu allerlei scherzhaften Ideen (Paukenschlag, Abschiedssymphonie usw.) bewog.
    Dies alles – gepaart mit Haydns genialem Talent – ebnete m.E. den Weg für seine originellen Neuerungen.


    Zitat

    Hätte Haydn als freischaffender Künstler im Strudel Wiens (Sturm und Drang, also vor 1780) solche Sinfonien entwickeln können?


    Seine erste Sinfonie komponierte Haydn ja bereits 1759, in der „Sturm und Drang“-Periode (ab ca. 1770?) entstanden seine Sinfonien ab der 35. Insofern verstehe ich diese Frage nicht so recht, muss aber einräumen, dass ich in Sachen Musikgeschichte noch recht am Anfang bin.



    Gruß, Cosima

    Joseph Haydns Leben verlief ja recht unspektakulär: Er war zufrieden in den Diensten der Familie Esterházy, verließ die Zurückgezogenheit seines schönen Heims nur selten. Ein heiteres und liebenswürdiges Temperament wird ihm nachgesagt (sicherlich gewann er noch an Heiterkeit, nachdem er sich von seiner zänkischen Frau Apollonia getrennt hatte :yes: ).


    All dies findet sich in seiner Musik wieder: sie ist heiter und unbekümmert, sehr originell und verspielt. Genau das schätze ich an Haydn.


    Da ich prinzipiell keine Gesamtaufnahmen kaufe, habe ich mir nach und nach einige seiner beliebtesten Sinfonien zugelegt. Ich kann sie allesamt empfehlen.


    Gruß, Cosima




    (Symph. 44, 45, 49: Amsterdam Baroque Orchestra, Koopman)




    (Symph. 82-87: Orchestra of the Age of Enlightenment, S. Kuijken)




    (Symph. 99 & 101: Concertgebouw Orchestra, Harnoncourt)




    (Symph. 94, 100, 101: Philharmonia Hungarica, Dorati)

    Wenn schon Vergleichshören, dann eventuell auch diese Aufnahme mit einbeziehen (?). (Zumal sie derzeit bei jpc für sehr kleines Geld zu erhalten ist, nämlich für 3,99 Euro.) Obgleich ich bei der 5. Symphonie keinerlei Vergleichsmöglichkeit habe, gefällt mir diese Einspielung wirklich gut.


    Gruß, Cosima




    (RSO Saarbrücken, Skrowaczewski)

    Gerade freut es mich, dass ich die meisten der vorgestellten „Essentials“ bereits kenne, teilweise auch in den vorgeschlagenen Einspielungen. Hier also noch ein paar Tipps von meiner Seite für Einsteiger-Werke:


    Die Bruckner-Symphonien würde ich allesamt empfehlen, entscheide mich jedoch für die 7., weil mein persönlicher Favorit.
    Rachmaninoff darf natürlich nicht fehlen; hier schlage ich das 3. Klavierkonzert vor (das 2. sollte man aber auch unbedingt hören).
    Haydn mit seiner verspielten, humorvollen Art ist ganz wunderbar für Einsteiger. Spontan fielen mir ein paar seiner Symphonien ein – empfehlen möchte ich jedoch seine „Sonnenquartette“, die einen schönen Einstieg in die Kammermusik bedeuten könnten.
    Hat eigentlich schon jemand Paganini genannt? Die „24 Capricen“ gehören m.M. nach zu den essentiellen Aufnahmen. Frank-Peter Zimmermann hat sie sehr ordentlich eingespielt – es gibt aber sicherlich bessere Aufnahmen.


    Gruß, Cosima



    Bruckner, 7. Symphonie (Berliner PO /Günter Wand)




    Rachmaninoff, 3. Klavierkonzert (Horowitz / New York PO / Ormandy)




    Haydn, Streichquartette Nr. 31-36 (op. 20 Nr. 1-6) – (Quatuor Mosaiques)




    Paganini, Capricen op. 1 Nr. 1-24 (Frank-Peter Zimmermann)


    Dank dieses Threads weiß ich nun wieder, wann mein Interesse an klassischer Musik begann, nämlich ungefähr 1997. Alles fing mit zwei Zufällen an: Erstens sah ich nämlich damals den Film „Shine“, der sich um das Leben des psychisch kranken Pianisten David Helfgott rankt. Der Film war recht anrührend; vor allem war ich jedoch begeistert von Helfgotts Liebe zu Rachmaninov und der Verbissenheit, mit welcher er das „Elefantenkonzert“ (3. Klavierkonzert) einstudierte. Die Musik begeisterte mich sofort. (Helfgotts Einspielung auf CD ist aber keinesfalls empfehlenswert.)


    Meine erste CD war also die „Rach3“ mit Vladimir Horowitz / Eugen Ormandy. Unter den mir bekannten Aufnahmen rangiert m.E. eben diese noch heute weit vor Argerich, Pletnev, Ashkenazy und Volodos. Ich bedauere sehr, dass Sviatoslav Richter es anscheinend nie einspielte, weil sein 2. Klavierkonzert für mich unübertrefflich ist.


    Zweitens erhielt ich ganz kurze Zeit darauf eine Einladung zur „Carmina Burana“, Open-air aufgeführt. Ohne jegliche Erwartungen saß ich damals im Publikum. Als dann die ersten Klänge von „O Fortuna“ zu hören waren, war ich nur noch stumm und ergriffen.


    Meine zweite CD war also die „Carmina Burana“ unter Herbert Kegel. Sie gefällt mir auch heute noch sehr gut.


    Meine dritte CD? Hier bin ich unsicher, weil sie nicht mehr an ein bestimmtes Ereignis geknüpft ist. Aber es könnten die „Ungarischen Tänze“ von Brahms gewesen sein.


    Gruß, Cosima

    Nicht heute, aber gestern per Post erhalten (ein echtes Schnäppchen: statt Euro 29,99 bei jpc für Euro 10,00 gebraucht, aber absolut neuwertig bei amazon… das freut das Sammlerherz). Leider konnte ich sie noch nicht hören, bin aber sehr gespannt, ob sie mir besser gefällt als meine 7. Symphonie mit den Berliner Philharmonikern unter Günter Wand.


    Gruß, Cosima


    Hallo Alfred, hallo liebe Forenteilnehmer,


    beim zwanglosen Blättern auf diesen Seiten stieß ich eben auf diesen Thread. Die Einspielung mit Vengerov besitze ich auch – ich schätze sie sehr! Diese CD gehört zu den meistgehörten in meiner (zugegebenermaßen noch nicht allzu riesigen) Sammlung, wobei ich mich nach wie nicht entscheiden kann, welchem der beiden Violinkonzerte ich den Vorzug gebe.


    Ich weiß nicht einmal mehr, wie ich an diese Aufnahme geriet, kann mich aber noch gut an mein Erstaunen erinnern, als ich sie zum ersten Mal daheim in voller Klangschönheit hörte. Ich pflege in solchen Momenten zu denken: Das ist Musik, die nicht von dieser Welt ist.
    Und da ich in diesen Momenten auch denke: Das geht nicht mehr besser zu spielen… ich aber doch schon häufiger eines besseren belehrt wurde, habe ich mir eben noch schnell die von Alfred empfohlene Aufnahme mit Serkin/Stern/Ormandy (es gibt sie gottlob noch, inzwischen für 5,99 Euro und leider mit dem Sony-typischen neuen geschmacklosen Cover) auf meine Merkliste gesetzt.


    Was ich aber eigentlich sagen möchte: Mir fiel beim Herumstöbern im Forum auf, dass Du, Alfred, häufig genau die gleichen Aufnahmen lobend erwähnst, wie ich es täte (z.B. Carmignola und sein Vivaldi). Das macht mir ein wenig Mut. Mut insofern, als dass ich annehme, dass ich mit meinem Musikverständnis und meinem Musikgeschmack doch nicht so völlig daneben liege, wie es bei einem relativen Neuling zu befürchten wäre.


    Morgen suche ich dann nach einem Thread bezüglich des Bruch-Violinkonzertes…Und wenn ich mich in ca. 100 Jahren durch alle Beiträge hier gelesen habe, werde ich auch beginnen, hier und da etwas Gescheites beizusteuern… :]


    Gruß, Cosima

    Ich würde es anders formulieren: Süchtig bin ich nach dieser wundervollen, mich so unglaublich berührenden Musik. Und weil diese Leidenschaft zuweilen so allumfassend anmutet, sucht sie sich ein Ventil, um sich nach außen zu artikulieren. Dieses Ventil stellt für mich der Austausch mit anderen Menschen eben über meine Eindrücke und Erlebnisse dar. Und wo kann man sich besser darüber austauschen als in einem Forum, in dem Gleichgesinnte sich treffen?


    Gruß, Cosima

    Für mich ist dieses Klavierquintett das schönste und emotional aufwühlendste Kammermusikwerk, welches ich bislang kennenlernte. Hinweisen möchte ich auf die Einspielung mit Arthur Rubinstein. Ich kaufte sie seinerzeit aufgrund einer Empfehlung in einem Klassik-Führer und nachdem ich in einige Alternativen hineingehört hatte (wobei ich mich aber zu einem wirklichen endgültigen Urteil nicht in der Lage sehe).
    Brahms widmete diese Komposition ja der von ihm geliebten Clara Schumann (ich hoffe, ich verwechsele hier gerade nichts), und genau diese Zerrissenheit einer unglücklich-glücklichen Leidenschaft finde ich bei Rubinstein und dem Guarneri-Quartet wieder: Drängend und doch zart, streng und kühl-zurückhaltend, dann wieder zärtlich-umschmeichelnd. Vertonte Emotionen in ihrer reinsten Form, anders kann ich es nicht umschreiben.


    Gruß, Cosima



    Hallo,


    ich musste sehr schmunzeln, während ich diesen Thread verfolgte. Also lasst mich bitte einmal ein altes Klischee bedienen und dies auch gleich mit einem Beispiel untermauern: Während Männer ja eher auf direkte optische Reize zu reagieren scheinen, darf es für Frauen auch etwas subtiler zugehen.


    Ich kaufte mir vor einer Weile die unten abgebildete CD mit Giuliano Carmignola. Hierbei ließ ich meine Ohren entscheiden, nicht die Augen, denn ich halte diesen Virtuosen mit seiner Ausdruckskraft und Leidenschaftlichkeit für schier umwerfend. Bei näherer Betrachtung des Covers überlegte ich, warum mir dieser Mann in genau jener Pose so anziehend-männlich erscheint. Nun, jeder mag für sich entscheiden: Zufall oder gekonnte Image-Strategie?


    Viele Grüße,
    Cosima