Beiträge von nemorino

    Ich denke diese Bernstein-CD mit der Linzer und dem Kk Nr.15 von Decca werde ich mir als Bernstein-Fan noch gelegentlich zulegen müssen.

    Lieber Wolfgang,


    das solltest Du wirklich machen, Du wirst es nicht bereuen, zumal die von mir gezeigte Ausgabe z.Zt. bei Amazon spottbillig ist!

    Ich habe die spätere Ausgabe aus der "Legends"-Serie:

      B00000428G.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpg

    die ist zwar neu remastered, aber dafür muß man immerhin 16 € + Porto hinblättern, während die andere aus der Reihe "The Classic Sound" gebraucht fast nichts kostet. Der Inhalt ist der gleiche.

    Im Moment weiß ich gar nicht ob ich das KK Nr.15 überhaupt kenne …

    Wenn Du auch kein ausgesprochener Mozart-Freak bist, das Kennenlernen lohnt. Es ist IMO eines der schönsten KK von Mozart.


    LG nach Bonn,

    Nemorino

    Lieber Wolfgang,


    ich wollte auch nur den Mitschnitt ins Gespräch bringen. Natürlich kann ich verstehen, daß Dir drei Karajan-Nr. 5 genügen, ich habe sogar vier! Nämlich die Londoner, die DGG aus den 60ern und die späte von EMI. Letztere gefällt mir am wenigsten, zu hart und zu brutal kommen mir da manche Stellen vor. Alterswildheit? Man wird weiter rätseln müssen ….


    Grundsätzlich mag ich Sibelius sehr, aber er nimmt bei mir wahrscheinlich nicht ganz den Stellenwert ein wie bei Dir. Doch die Sinfonien Nr. 2, 4 & 5 sind bei mir mehrfach vorhanden, und natürlich auch das Violinkonzert. Da ragt die Francescatti-Aufnahme heraus, mit Bernstein am Pult!


    Noch ein Wort zu Bernstein: Mein Repertoire seiner Aufnahmen ist schmal, ich konnte mich - von Ausnahmen abgesehen - nie so recht für ihn erwärmen. Warum kann ich gar nicht erklären. Er kam mir im Fernsehen immer sehr sympathisch herüber, aber bis auf wenige Ausnahmen haben seine meisten Aufnahmen bei mir keine große Resonanz gefunden:untertauch:. Eine CD habe ich aber auf Deine Empfehlung gekauft: Beethoven Nr. 1 & 3 (CBS). Und die Fünfte aus der Reihe habe ich schon lange.

    Wenn ich meine allerliebste Bernstein-Aufnahme nennen sollte, so würde die Wahl höchstwahrscheinlich auf diese fallen:

    Das Klavierkonzert Nr. 15, das er als Pianist und Dirigent aufführt, ist reinste Imagination. So zauberhaft habe ich es sonst nirgends gehört. Es liegt m.E. daran, daß Bernstein Mozarts Vorschrift "Andante" für den 2. Satz mißachtet und daraus quasi ein Adagio macht, aber was für eins! Das ist eine Aufnahme für besinnliche Stunden am Kamin, wenn draußen der Wind um die Ecken fegt. Und die "Linzer" ist auch nicht zu verachten! Als "Sahnehäubchen" kommt noch eine glänzende Klangtechnik dazu.


    LG Nemorino




    ihr habt nichts verpasst.

    Lieber Rüdiger,


    danke für Deine Einschätzung, ich habe nichts anderes erwartet!

    Rudolf Schock gehört zu der Sängerfraktion, die nicht aufhören wollte oder konnte, selbst als die Reste der Stimme nur noch mit Mühe zusammenzuhalten waren. Damit hat er seinen Ruf - zumindest bei den Klassikfreunden - restlos ruiniert. Vor allem seine späten Dauerauftritte im TV waren peinlich.

    "Mein Herz, ich will dich fragen", lautet einer der von ihm gesungenen Loewe-Titel. Diesen Rat hätte er vor dieser Aufnahme beherzigen sollen ….:D!


    LG Nemorino

    Anders verhält es sich beim Holländer.

    Lieber Joseph II.,


    Karajans "Lohengrin" ist nicht in meiner Sammlung, ich habe Kempe (mit Traumbesetzung), das genügt mir!

    Auch von seinem "Holländer" habe ich mir nur einen Querschnitt angeschafft, und ich bin heute noch froh, nicht die GA gekauft zu haben. Einmal wegen der Sänger (nur Kurt Moll ist wirklich großartig), und zweitens wegen der Klangqualität. Daß Karajan ein fantastischer Wagner-Dirigent war, steht außer Frage, aber hier sind zu viele Komponenten, die negativ ins Gewicht fallen. Bei den Sängern hatte er jedenfalls hier keine sehr glückliche Hand.

    Was gar nicht geht, ist hier die Vejzovic. Eine uncharmantere Senta kann man sich kaum erdenken. Das könnte allenfalls Sentas böse ältliche Tante sein.

    Besser kann man das gar nicht auf den Punkt bringen! Und auch Peter Hofmann ist schon weit über seinen (kurzen, aber intensiven) Zenit hinaus. Und was van Dam betrifft, so sind wir völlig konform - der ist ein Belgier:D, jedenfalls alles andere als ein "Holländer"!


    Außer der alten Fricsay-Aufnahme des "Holländer" (DGG, mono) habe ich drei, die, jede für sich, meinen Vorstellungen nahekommen: Dorati (Decca), Klemperer (EMI) und Konwitschny (EMI/Berlin Classics). Den IMO besten Holländer hat Dorati mit George London zur Verfügung!


    LG Nemorino

    Im genannten Salzburger Don Carlo unter Karajan von 1986 ist José Carreras als Titelfigur 39 Jahre alt, Ferruccio Furlanetto als König hingegen erst 36 und Fiamma Izzo d'Amico als Königin gar erst 21!

    Lieber Joseph II.,


    da ich kein DVD-Sammler bin, kenne ich die Salzburger Aufführung leider nicht. Mir scheint ein 39jähriger Carlos und eine 21jährige Elisabetta durchaus glaubwürdig zu sein, denn beide werden im Libretto als junge Menschen vorgestellt. Ein 36jähriger Philipp ist natürlich schon recht problematisch, es sei denn, er versteht es, sowohl stimmlich als auch darstellerisch eine glaubwürdige Verwandlung zu vollziehen. Furlanetto als König habe ich nicht erlebt. Von Fiamma Izzo d'Amico kann ich mir gar keine Vorstellung machen, ich kenne nur den Namen.

    komme ich doch bis heute mit der französischen Fassung trotz meiner Liebe für die französische Oper kaum zurecht und ist Karajans Lesart für mich so etwas wie die Referenz. Das mag man problematisch nennen, es ist nun aber mal so.

    Das geht mir ganz genauso, lieber Joseph! Da kann man hundertmal betonen, daß Verdi ursprünglich die französische Fassung vertont hat, ich kann mich damit nicht anfreunden. Dann lieber noch eine deutsche Übersetzung, das aber nur der leichteren Verständlichkeit wegen. Es gibt da eine sängerisch wunderbare Szenenfolge aus dem Jahr 1973, die ich immer wieder gerne höre:

    Gedda und Fi-Di als Carlos und Posa sind gut aufeinander abgestimmt, auch Brigitte Faßbaender (Eboli) und Edda Moser (Elisabeth) erfreuen durch überzeugende Darstellungen, doch Star dieses Querschnitts ist für mich unangefochten Kurt Moll als Philipp (der auf dem Cover unbegreiflicherweise gar nicht genannt ist). Auch er ein verhältnismäßig junger, aber überzeugender König. Unverzeihlich sind einige Auslassungen: Ebolis "Lied an den Schleier" und vor allem die große Szene Philipp/Großinquisitor, ein zentraler Mittelpunkt dieser Oper. Doch es war damals wohl nicht möglich, diese Szenen ebenfalls auf einer LP unterzubringen. DON CARLOS ist so umfangreich und reich an Höhepunkten, daß Kompromisse unumgänglich waren. Trotzdem schade, denn auch orchestral ist die Aufnahme eine Ohrenweide: Giuseppe Patané dirigiert das Radio-Symphonie-Orchester Berlin und bringt die nötige Italienità ein.

    Großartig ist Matti Salminen in Salzburg als Großinquisitor.

    Das glaube ich ungehört!

    ist Karajans Lesart für mich so etwas wie die Referenz. Das mag man problematisch nennen, es ist nun aber mal so.

    Das finde ich überhaupt nicht problematisch, lieber Joseph, sondern ganz folgerichtig. Das erste Kennenlernen eines Werks ist oft prägend für das ganze Leben. Karajans Lesart ist ohnehin über alles großartig, mich hat der ungeheure orchestrale Glanz seiner Studioaufnahme auch beim ersten Hören total überwältigt. Beim Wiederhören kamen dann die von mir angeführten Vorbehalte, die aber (von der vieraktigen Fassung abgesehen) nicht Karajan dirigentische Leistung an sich, sondern weit mehr die IMO unausgeglichene Balance zwischen Sängern und Orchester betreffen. Und eine in allen Teilen vollkommene Besetzung zusammenzubringen, ist wohl gerade bei dieser Oper eine schier unlösbare Aufgabe.


    Mein erster DON CARLOS auf LP war die Solti-Aufnahme, und sie ist bis heute - mit kleinen Einschränkungen - meine liebste geblieben. Da geht es mir ganz ähnlich wie Dir. Auf der Bühne habe ich das Werk leider nicht erlebt. Es gab mal (wohl in den 80ern) eine aufsehenerregende Inszenierung in Bonn, aber dafür waren keine Karten zu ergattern.


    LG Nemorino

    wenn es um Karajan geht, ist es seine erste Stereoaufnahme mit dem Philharmonia Orchestra bei EMI, 1960 aus Beitrag 7, die ich favorisiere !

    Lieber Wolfgang,


    ich bin nicht der ausgesprochene Sibelius-Kenner, aber Karajans frühe Londoner Aufnahmen, insbesondere Nr. 2 und Nr. 5 (bereits in Stereo), sind mir seit langem bekannt und vertraut, und ich finde sie sowohl klanglich als auch künstlerisch großartige, um nicht zu sagen perfekt.


    In dem Zusammenhang möchte ich aber jetzt eine Karajan-Version der Sibelius 5 vorstellen, die, soweit ich sehen kann, hier bisher keine Rolle gespielt hat:

    Es handelt sich um den Mitschnitt eines öffentlichen Konzerts vom 26. Mai 1957 in der Musikhochschule Berlin, als Karajan mit dem damals jungen kanadischen Pianisten Glenn Gould Beethovens 3. Klavierkonzert aufführte. Darüber wurde an anderer Stelle schon geschrieben.

    Karajan und die Berliner Philharmoniker führten aber im gleichen Konzert die Sinfonie Nr. 5 von Sibelius auf, die auf dieser CD enthalten ist. Da es eine Monoaufnahme ist, wirst Du sie wahrscheinlich entweder nicht kennen oder aber nicht interessant finden, obwohl sie klanglich durchaus anhörbar ist.

    Weshalb ich sie hier überhaupt vorstelle, hat einen ganz besonderen Grund. Glenn Gould, dieser exzentrische Künstler, war gemäß der Textbeilage bei den Proben und der Aufführung der Sinfonie zugegen. Im Booklet schreibt Michael Stegemann: "Es war Goulds erste Begegnung mit dem finnischen Komponisten und diesem Werk - eine Liebe auf den ersten Blick, respektive den ersten Ton, der er bis zu seiner späten, 1976/77 entstandenen Aufnahme der drei Sonatinen op. 67 und des Triptychons Kyllikki op. 41 treu blieb. Bereits im November 1959 erklärte er in einem CBC-Interview, er würde zu Hause für sich 'a great deal of Sibelius' spielen - 'music like this ....'"

    Die Berliner Aufführung hatte Gould so tief beeindruckt, daß er Karajans Studio-Produktion von 1967 als Schlußmusik seines 'Dokudramas' The Idea of North verwendete (….)

    Weiter heißt es dann: ".... noch 1974 klingen (bei Gould) die besonderen Umstände des Berliner Konzert-Erlebnisses .... nach: "Ich hatte mich in die Aufnahmekabine zurückgezogen, die von der Bühne durch eine Glasscheibe getrennt war. Von da aus konnte ich Karajans Gesicht sehen und so zwischen seinem ekstatischen Mienenspiel und dessen klanglichen Folgen eine Verbindung ziehen. Sie wissen ja, daß Karajan .... die Neigung hat, mit geschlossenen Augen zu dirigieren und der Gestik seines Taktstocks ungemein überzeugende choreographische Züge zu geben. Die Wirkung von alldem war für mich eine der tiefsten musikalischen und dramatischen Erfahrungen meines Lebens."

    Ich habe mir die CD seinerzeit wegen der einzigen Zusammenarbeit Karajans mit Gould gekauft, nicht wegen der Sibelius-Sinfonie. Klanglich ist diese natürlich der Londoner Studioaufnahme von 1960 unterlegen, aber weil sie auf Gould einen so nachhaltigen Eindruck gemacht hat, wollte ich sie hier zumindest zur Diskussion stellen. Vielleicht kennt der eine oder andere Sibelius-Freund diesen Mitschnitt und kann dazu etwas sagen.


    LG Nemorino

    Die RUDOLF SCHOCK-Aufnahme mit LOEWE-Balladen kenne ich nicht.

    Lieber wok,


    ich kenne sie auch nicht, aber ich glaube nicht, daß man sie kennen muß. Da sie lt. Cover bereits digital aufgenommen wurden, stammen sie aus seinen letzten Jahren. Schock war selbst in seiner besten Zeit (bis ca. 1960) kein beeindruckender Liedersänger, aber er glaubte ja, unbedingt alles singen zu können bzw. zu müssen, vom Lohengrin bis zum Mütterlein, das nicht traurig sein darf.

    Ich kenne seine Liederzyklen "Die schöne Müllerin" und "Winterreise", wobei erstere, begleitet von Gerald Moore (EMI), noch zu seinen besseren Taten zählt. Aber in der späten WINTERREISE mit Ivan Eröd (Eurodisc) klafft eine so riesige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, daß man besser den Mantel des Schweigens über sie breitet. Es ist in der Tat eine Winterreise im doppelten Sinn, einmal Schuberts Werk und zum zweiten der Schock, den der Sänger gleichen Namens dem Hörer damit bereitet.:D


    Ich bin mir nicht sicher, ob seine Loewe-LP überhaupt auf CD überspielt worden ist. Jedenfalls kann sie nur für hartgesottene Schock-Fans von Interesse sein.


    LG Nemorino

    Ist nicht überhaupt die Rolle des Carlos ein Schwächling, welcher sich neben seinem Vater nicht durchzusetzen vermag und sich dadurch auch nicht sehr diplomatisch verhält.

    So gesehen erlebe ich die Interpretation von Flaviano Labò als passend.

    Hallo kurt2,


    der historische Carlos steht auf einem anderen Blatt, aber Flaviano Labò singt ja eben nicht schwächlich, sondern ziemlich ungehobelt und vor allem laut. Soll das die ideale Darstellung eines Schwächlings sein? Und "undiplomatisch" singen, das kann ich mir eigentlich so gar nicht vorstellen.

    Außerdem ist die Oper nun mal ein Kunstwerk, in dem vieles möglich ist, was es im realen Leben nicht gibt. Ich denke an die vielen Sterbeszenen, von "Rigoletto" bis zur "Bohème", singen da die Darstellerinnen, als ob sie jeden Moment ihren letzten Atemzug tun? Oder bleiben wir beim "Don Carlos": Eigentlich müßte der Großinquisitor "auf dem letzten Loch pfeifen", denn er soll ja einen 90jährigen Greis glaubwürdig verkörpern! Besonders "daneben" finde ich in dieser Rolle Ruggero Raimondi bei Karajan, der wie ein kraftstrotzender, tatenlustiger Krieger auftritt.


    LG Nemorino

    In meiner LP-Sammlung befindet sich eine Zusammenstellung von Loewe-Balladen, die aber m.W. nie auf CD übertragen wurde:

    Loewe-Balladen [Vinyl LP] [Schallplatte]

    Auf Seite 1 singt der US-Amerikaner Barry McDaniel (Bariton), die Seite 2 wird von dem deutschen Bassisten Otto von Rohr bestritten.

    Mir erscheint vor allem die Seite 1 bedeutsam zu sein. Barry McDaniel singt die Balladen "Süßes Begräbnis", "Die Uhr", "Tom der Reimer", "Heinrich der Vogler" und "Kleiner Haushalt" in ausgezeichnetem Deutsch und einem ganz natürlichen Erzählton, ohne den Text interpretatorisch zu überfrachten, wie das Dietrich Fischer-Dieskau meinte tun zu müssen (zum Glück nicht immer). Barry McDaniel kam übrigens in den 1950er Jahren als US-Soldat nach Deutschland und hat hier sowohl seine Karriere gemacht als auch auf Dauer gelebt. Er starb 2018 in Berlin.

    Seite 2 mit Otto von Rohr ist weniger attraktiv, weil er das Pathos, das McDaniel bewußt vermeidet, für meine Begriffe überbetont und damit eine recht "altmodische" Interpretation bietet.


    LG Nemorino

    Warum Karajan diese Rumpffassung spielen lässt, habe ich nie verstanden.

    Lieber Rüdiger,


    dafür hatte Jürgen Kesting eine simple, aber sicher etwas boshafte Erklärung: ".... er (Karajan) meinte wohl, seinem Salzburger Publikum vor dem Abendessen im 'Goldenen Hirschen' keine exzessiv lange Oper zumuten zu können" und sah ferner darin ein "Zugeständnis an die lokale Gastronomie"^^. Ich persönlich denke aber, daß diese Deutung zu einfach und auch mehr Spott als Ernst ist.

    Mit dem Kloster anzufangen, ist gewiss attraktiver.

    Das erscheint mir weit einleuchtender.


    LG Nemorino

    Dankenswerterweise hatte das HAMBURGER ARCHIV FÜR GESANGSKUNST u. a. auch diese 11 LOEWE-Balladen mit TRAXEL und ERICH APPEL als CD neu aufgelegt, wobei ich allerdings nicht weiß, ob diese CD noch lieferbar ist.

    Lieber wok,


    sie ist wieder lieferbar, und zwar in einer 3 CD-Box unter dem Titel "Josef Traxel - Vol. 4". Wunderschöne Interpretationen, die ich bereits als COLOSSEUM-LP in meiner Sammlung hatte:

    Josef Traxel Edition - NEU 04 (3 CD)

    Für 24 € + Versandkosten kann man sie bestellen unter "www.vocal-classics.com".


    LG Nemorino

    Lieber Carlo,


    Deine umfangreichen, mit viel Liebe und Akribie zusammengetragenen Sänger-Aufnahmen sind immer wieder bewundernswert. Manche der von Dir genannten Aufnahmen sind mir bekannt, die meisten aber nicht. Ich kenne mich wohl am besten in den kommerziellen Ausgaben aus, während mir Rundfunkproduktionen weitgehend unbekannt sind.

    Soeben habe ich in anderem Zusammenhang eine weitere Traxel-Aufnahme genannt, die ich aber gerne jetzt auch hier in seinem eigenen Thread vorstellen möchte, weil sie bisher, soweit ich sehe, noch nicht genannt wurde:

       MOZART: KRÖNUNGSMESSE C-dur, KV 317

    Pilar Lorengar (Sopran), Marga Höffgen (Alt), JOSEF TRAXEL (Tenor), Karl Christian Kohn (Baß);

    Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin & Berliner Symphoniker, Dirigent: Karl Forster (Aufnahme: 7/1959, Grunewaldkirche, Berlin).


    Eine sehr innige, dem Charakter des Werks entsprechende Interpretation, die auch klanglich (Stereo) in Ordnung ist.


    LG Nemorino

    Die Sinfonie Nr.8 mit Monteux / Wiener PH ist mir aber zu harmlos konservativ geraten. Da hilft auch der von Dir erwähnte "französische Charme" nichts mehr.

    Lieber Wolfgang,


    "harmlos-konservativ" würde ich die Aufnahme nicht nennen, aber im Vergleich zu Scherchen, Leibowitz oder Szell (die Bernstein-Aufnahmen -DGG bzw. CBS- kenne ich nicht) ist sie natürlich viel gemäßigter ausgefallen. Ich empfinde sie als schöne Alternative zu den vorgenannten, und gerade der "französische Charme", aber auch der feinsinnige Humor des Dirigenten machen mir Freude. Vielleicht bin ich auch, wenn der Name Monteux erscheint, ein wenig voreingenommen, dieser Dirigent liegt mir nun einmal besonders am Herzen.

    In dem Zusammenhang will ich aber noch kurz Klemperers Achte ins Feld führen (eines weiteren Lieblingsdirigenten), die mich wiederum durch ihren derben, etwas knorrigen Humor beeindruckt:

    Noch ein Wort zu Ansermet: Von ihm liegt mir nur Beethovens Fünfte auf LP vor, die ich doch recht nüchtern fand, und an Karajans "Wumm" in seiner 1962er Aufnahme darf man erst gar nicht denken. Ich war mehrfach versucht, mir trotzdem die GA auf CD anzuschaffen, aber ich habe bereits über ein Dutzend GA der Beethoven-Sinfonien, die vielen Einzelausgaben gar nicht gerechnet.

    Wie hast Du kürzlich hier an anderer Stelle so schön gesagt: Schluß mit lustig. Und ich habe in diesem Fall entschieden: Schluß mit Ludwig^^, allerdings nur was weitere Käufe betrifft!


    Schöne Grüße ins nachbarliche Bonn,

    Nemorino

    Lieber Holger,


    wir haben über das endlose Thema "Regietheater" unsere Meinungen zur Genüge ausgetauscht, allerdings ohne sie uns um die Ohren zu schlagen. Das halte ich für viel vernünftiger als gegenseitige Verunglimpfungen. Ich respektiere Deine Einstellung, kann sie sogar teilweise nachvollziehen, auch wenn ich sie mir nicht zu Eigen machen kann.


    Wie schon gesagt, ist es ein Thema, das für mich keinen vorrangigen Stellenwert hat, erstens weil ich kaum noch Opernaufführungen besuchen kann und zweitens, weil alle Argumente für und wider schon hier und an anderer Stelle x-mal wiederholt wurden, ohne daß die gegensätzlichen Standpunkte sich auch nur millimeterweise angenähert hätten. Gegenteilige Ansichten sollte man akzeptieren, und ich glaube, daß wir mit dieser Prämisse gut leben können.


    Ich freue mich, demnächst wieder über Werke und Interpreten mit Dir ausgiebig diskutieren zu können und hoffe, daß Deine neue Anlage inzwischen fertig installiert ist und zu Deiner Zufriedenheit funktioniert. Dann haben sich Zeit, Mühe und die Investition gelohnt. Ich wünsche Dir viel Spaß beim "neuen" Hören.


    LG Nemorino :hello:

    Hallo Morold,


    wie aus meinem Beitrag 175 ersichtlich, handelt es sich um eine Kritik des seinerzeitigen, 2018 verstorbenen SPIEGEL-Musikredakteurs Klaus Umbach. Ich selber habe die Aufnahme ewig nicht gehört, aber in allerbester Erinnerung ist sie mir nicht. Der Hall des riesigen Petersdoms tut nach meinem Empfinden diesem feierlichen, aber doch recht intimen Werk nicht gut. Du wirst sicher nicht falsch liegen mit der Ansicht, daß sie ganz anders klingt als Mozart sie sich vorgestellt hat. Das ist natürlich weitgehend Spekulation, aber eine solche Breitwandinszenierung hatte er kaum im Sinn. Der Mitschnitt ist wohl am besten als Dokumentation eines historischen Musikereignisses geeignet. Karajan hat 1975 eine Studioproduktion vorgelegt, die nach meinem Empfinden den Ton des Werks viel besser trifft (trotzdem bleibt Markevitch für mich erste Wahl).

    Und dann gibt es noch eine alte Aufnahme aus dem Jahr 1959, die ich besonders schätze:

    die den feierlichen und doch intimen Charakter des Werks sehr schön zum Ausdruck bringt.

    Sie ist mir allein schon wegen der Solisten (insbesondere Josef Traxel) wertvoll, und Prälat Karl Forster war ein kompetenter und einfühlsamer Dirigent für sakrale Musik.

    Die gekoppelte "Spatzenmesse" KV 220 ist eine willkommene Zugabe. Klanglich gibt es nichts zu meckern, es sind bereits Stereoaufnahmen.


    LG Nemorino

    von der sängerischen Leistung her finde ich die Aufnahme aber doch sehr durchwachsen; José van Dam finde ich sehr fahl, angestrengt und ohne die notwendige Durchschlagskraft

    Lieber Don Gaiferos,


    diesen Eindruck habe ich auch. José van Dam ist ein großartiger Bariton, aber alles andere als das Idealbild des "bleichen Seemanns". Ähnliches gilt für Fi-Di (bei Konwitschny), aber im Unterschied zu ersterem weiß dieser die Rolle sehr klug durchdacht und psychologisch zu durchdringen,so daß ein glaubwürdiges Rollenporträt entsteht. Ideale Holländer sind für mich vor allem George London (Dorati, Decca) und Josef Metternich (Fricsay, DGG). Leider hatte Fricsay noch ken Stereo zur Verfügung und in Annelies Kupper eine recht farblose Senta.

    Ich bin ein bekennender Karajan-Fan, aber mir ist sein "Holländer" insgesamt zu unausgewogen. Orchestral großartig, aber die Besetzung alles andere als optimal. Einzig der Daland von Kurt Moll, eine herausragende Besetzung. Hofmann war noch nie mein Fall, und hier singt er mehr als gewöhnungsbedürftig.

    Dunja Vejzovic empfinde ich als solide, aber glanzlos.

    So ist es.


    LG Nemorino

    Ich sehe gerade, da sind die Walzer gar nicht komplett drin! Da muss ich mal nachforschen, ob ich die Gesamt-Aufnahme auch habe...

    Lieber Holger,


    ….. suche bitte nicht weiter, da bin ich wohl einem Irrtum aufgesessen. Auf der von Dir gezeigten EMI-Box steht vorne drauf "Waltzes", da bin ich davon ausgegangen, daß die da komplett drin sind. Es sind aber bei genauem Hinsehen nur zwei von den üblichen 14 (es gibt weitere 5, die aber meist weggelassen werden).

    Rubinsteins EMI-Aufnahmen sind für mich ein Buch mit 7 Siegeln, die habe ich nie gekauft.


    Ich wünsche Dir noch einen gemütlichen Adventsabend!


    Liebe Grüße,

    Nemorino

    Ohne Mono hätte ich etliche "Jahrhundertaufnahmen" von Horowitz, Rubinstein, ABM... usw. nicht.

    Lieber Holger,


    zunächst einen schönen, friedlichen Sonntagmorgen nach Münster!


    Du sprichst mir aus dem Herzen, ich wäre unendlich traurig, wenn ich meine umfangreiche Sammlung von Mono-Einspielungen nicht hätte. Abgesehen von den unzähligen unwiederbringlichen Gesangskünsten vergangener Tage, was wäre die Klavierwelt ohne Schnabel, Lipatti, Rubinstein, Haskil, Gieseking, Solomon, Backhaus und Kempff, um nur einige zu nennen. Sicher, Rubinstein, Kempff u. Backhaus haben auch Stereoaufnahmen gemacht, aber eine Vielzahl ihrer besten Leistungen sind noch in Mono.

    Gestern noch habe ich von Rubinstein seine Aufnahme der Chopin-Walzer (RCA 1953) gehört.

    Ich habe sowohl diese von 1953 als auch die spätere von 1963 (Stereo).

     

    Klanglich sind die Unterschiede minimal, bei Stereo ist der Klavierton etwas voller, runder, aber es ist erstaunlich, wie klar und sauber die ältere Monofassung klingt. Interpretatorisch unterscheiden sich beide Version wenig, insgesamt ist Rubinstein in der jüngeren Aufnahme etwas rascher unterwegs, was naturgemäß bei einzelnen Stücken umgekehrt sein kann. Es gibt m.W. noch eine weitere Walzer-Aufnahme Rubinsteins, aus den 1930er Jahren (EMI), die ist mir aber unbekannt.


    In der links gezeigten Box ist u.a. auch das KK Nr. 1 enthalten, eine Mono-Aufnahme von 1953, mit Alfred Wallenstein und dem Los Angeles PO. Da ziehe ich aus klanglichen Gründen die spätere mit Skrowaczewski vor.


    LG Nemorino

    Ich habe heute seit zig Jahren mal wieder in Karajans Hochglanz-Studio-Aufnahme von September 1978 (EMI) gehört - und war völlig gebannt. Wieder einmal entfaltet er einen solchen Klangteppich, dass man nur staunen kann. Orchestral dürfte diese Oper nie besser eingespielt worden sein, was Karajans Rang als Ausnahme-Operndirigent einmal mehr unterstreicht.

    Lieber Joseph II.,


    gerne würde ich mich Deinen Ausführungen anschließen, aber mit Karajans DON CARLO habe ich so meine Probleme.


    Zunächst einmal mißfällt mir die 4aktige Fassung, weil ohne die Vorgeschichte die weitere Handlung nicht recht schlüssig erscheint. Aber das ist nicht der entscheidende Punkt, sondern es ist vielmehr die orchestrale Seite, die Dir so gut gefällt.


    Selbstverständlich besticht Karajan beim ersten Hören mit einem herrlichen Klangteppich, wie man das ja von ihm eigentlich gar nicht anders kennt, und ich unterstreiche gerne Deine Worte, daß "orchestral diese Oper nie besser eingespielt worden" ist.

    Aber trotzdem: Mir kommt es an vielen Stellen so vor, daß die Sänger auf diesem Klangteppich ganz schön ins Rutschen gekommen sind. Das gilt noch am wenigsten für Agnes Baltsa (Eboli) und Piero Cappuccilli (Posa), aber auch ihre Stimmen werden häufig vom Orchester in IMO ungebührlicher Weise ertränkt. Zweifellos spielt das Orchester großartig, und die Klangtechnik tut ein Übriges, um die schier unerhörte Brillanz der Berliner Philharmoniker noch zu erhöhen, soweit das überhaupt möglich ist. Doch mir scheint die Balance zwischen Sängern und Orchester bedenklich gestört zu sein. Ich nenne zwei Beispiele: zum einen das wunderbare "Lied vom Schleier", in dem das Orchester, das ja doch eigentlich nur begleitende Funktion hat, wie eine riesige Vergrößerung der Solistin auftrumpft und damit diesem Stück den intimen Charakter nimmt. Zum anderen, wenn die Bläser nach dem großen Dialog zwischen Posa und Philipp das Freundschaftsmotiv aus dem Duett Carlos/Posa mit einer schmetternden Brillanz dem Hörer regelrecht um die Ohren schlagen, statt es, wie z.B. Giulini, als seelischen Vorgang nur zart an- und ausklingen zu lassen. Bei Karajan gerät es zum lärmenden Effekt und zerstört damit empfindlich den Sinn dieser Passage. Kurz und gut, es ist die klangliche Opulenz dieser Aufnahme, die bei mir keine reine Freude aufkommen läßt, so imposant das alles sich auch anhört.

    Und die sängerische Besetzung scheint mir, wie bereits weiter oben angedeutet, auch einige Schwächen zu haben, die den Gesamteindruck beeinträchtigen: Agnes Baltsa als Eboli und Cappuccilli in der Rolle des Rodrigo möchte ich davon weitgehend ausnehmen, aber Nicolai Ghiaurov ist im Vergleich zu der 13 Jahre älteren Solti-Aufnahme stimmlich längst nicht mehr so überzeugend, erste Abnutzungserscheinungen sind nicht zu überhören. Ruggero Raimondi, ein großartiger Baß, singt zwar tadelsfrei, aber er stellt eher einen jungen, kraftvollen Mann dar als den greisen, bresthaften Großinquisitor, wie es die Rolle verlangt. Mirella Freni scheint mir als Elisabetta ähnlich wie in Karajans zweiter Aida überfordert zu sein, an Montserrat Caballé (Giulini) und Renata Tebaldi (Solti) reicht sie mit ihrer nicht sehr großen, feinen Stimme nicht heran. Das macht sich vor allem in den leidenschaftlichen Ausbrüchen nachteilig bemerkbar. An die Callas, die unverzeihlicher Weise nie zu einer GA herangezogen wurde, darf man erst gar nicht denken. Wenn man sie einmal (in ihrem Recital unter Serafin von 1958, EMI) in dieser Rolle gehört hat, ist es schwer, eine andere Sängerin überhaupt noch zu akzeptieren.

    Und José Carreras versucht, mit seiner relativ kleinen Stimme mit einem auf die Dauer ermüdenden Dauerforte gegen die gewaltigen Wogen des Orchesters anzukämpfen, mit recht bescheidenem Erfolg. Für mich kein Ersatz für Domingo (Giulini) und erst recht nicht für den überragenden Carlo Bergonzi (Solti).

    Alles in allem möchte ich sagen, daß Karajans großartige "Orchester-Show" der Sängerschar an vielen Stellen Gewalt antut, sie sind ganz einfach überfordert, sich gegen soviel Glanz und Gloria des Orchesters auch nur einigermaßen zu behaupten. Erfreulich ist, daß Karajan den Chor der Deutschen Oper Berlin zur Verfügung hat, der unter der Leitung von Walter Hagen-Groll ein enormer Pluspunkt der Aufnahme ist. Mir scheint, daß ohne Karajans schier überrumpelnde Breitwandeffekte dem Werk und auch den Solisten mehr gedient gewesen wäre. So bleibt es (für mich) eine gute Aufnahme unter vielen. Sollte ich einer die Palme geben, so würde sie wahrscheinlich Solti bekommen, weil mir seine Version, trotz einiger Schwächen, insgesamt die ausgewogenste zu sein scheint.

    Eine Aufnahme möchte ich aber in diesem Zusammenhang zumindest kurz erwähnen: Es ist Gabriele Santinis Stereo-Aufnahme aus der Mailänder Scala von 1961 (DGG). Sie hat nicht nur in Boris Christoff den besten, nie übertroffenen Philipp und in Fiorenca Cossotto eine überwältigende Eboli zur Verfügung, sie ist aber leider durch die nachfolgenden Produktionen mit Solti und Giulini nie so recht gewürdigt worden. Ihr einziger wirklicher Minuspunkt ist Flaviano Labò, der einen grobschlächtigen, lauten und ganz unidiomatischen Carlos präsentiert.


    Mein Exemplar sieht übrigens so aus:

    Verdi: Don Carlo - Karajan, Herbert von; Berlin Deutsche Oper Chorus; Berlin Philharmonic Orchestra; Carreras, José; Freni, Mirella; Baltsa, Agnes and Cappuccilli,- 3CD SET / EMI 1988 EDITION

    Ich erwähne es deshalb, weil diese ältere Ausgabe im Vergleich zu der von Dir gezeigten beim Urwaldfluß z.Zt. für ganz wenig Geld zu haben ist.


    LG Nemorino

    Igor Markevitch mit dem Orchestre Lamoureux - auch schon in Stereo (Philips, 12/1959).

    Lieber Joseph II.,


    die Aufnahme war mir gar nicht bekannt:untertauch:!

    Lediglich von der Existenz der Nr. 5 wußte ich, die wurde mal lange Zeit von Philips, zusammen mit einer - weiß im Moment nicht welcher - Aufnahme des 5. Klavierkonzerts unter dem ominösen Titel "BEETHOVEN - DIE FÜNFTEN" angeboten. Ob das schon auf CD oder noch auf einer LP war, ist mir auch entfallen. Jedenfalls habe ich in meiner Sammlung weder die eine noch die andere. Aber Markevitch mit Beethoven klingt interessant. Bei mir finden sich von ihm zwei Beethoven-Sinfonien:

    die Eroica (mit dem Symphony of the Air, ex NBC) und die Pastorale (mit dem Lamoureux-Orchestra), beide DGG. Leider sind es Mono-Aufnahmen. Markevitchs "Pastorale" war sogar meine erste LP mit dieser Sinfonie, so sah sie aus:

    Es gibt sie, wie gezeigt, sogar als CD mit dem Original-Cover. Ich habe sie aber in der Markevitch-Box als CD:

    da ist auch die EROICA aus New York dabei, die Markevitch übrigens in einem Interview, das der Box beigefügt ist, als eine seiner besten Aufnahmen bezeichnet.


    LG Nemorino

    Ich habe mir vor Jahren Scherchens späten Live-Zyklus von 1965 aus Lugano, komplett in erstaunlich gutem Rundfunk-Stereo, zugelegt und war ähnlich angetan.

    Lieber Joseph II.,


    die Aufnahmen kenne ich leider nicht. Ich wollte mir nicht einen weiteren Beethoven-Zyklus kaufen, nachdem ich schon mindestens ein Dutzend habe und dazu noch zahlreiche Einzelaufnahmen. Zumal ich ja bei Live-Mitschnitten immer sehr zurückhaltend bin.


    LG Nemorino

    Gerade die Sinfonie Nr.8 hört sich bei vielen Dirigenten als weich gespülter Vorläufer zu Neunten an, ohne Saft und Kraft.

    Auch der bei Beethoven ansonsten hochgeschätzte Karajan ist mir zu "lau". Seine 3 DG-Aufnahmen sind abfallend mit dem Alter ein sauberes Mittelding, nicht mehr und nicht weniger.


    Ich brauche mehr

    Lieber Wolfgang,


    bei Scherchen findest Du alles, was Dein Herz (und vor allem Dein Ohr:)) begehrt: Rasanz, einen fast unheimlichen Drive, man möchte sagen Wildheit. Kurz gesagt, nichts von Gemütlichkeit oder Harmlosigkeit, sondern eine Interpretation voller Leben, die nicht nur den "aufgeknöpften" Beethoven, sondern auch den Revolutionär herauskehrt. Schon allein die Tempi sind bezeichnend: 1. Satz 8.25 / 2. 3.54 / 3. 4.35 / 4. 6.23 Min.

    In den beiden Ecksätzen ist Scherchen sogar schneller als Leibowitz! Beide dirigieren übrigens dasselbe Orchester, RPO. Doch die Tempi allein sind nicht das Entscheidende: Hier wird ein Werk ernstgenommen, das oft, und nicht zuletzt von den sogenannten "Stardirigenten", ein wenig nebenbei behandelt wird. Karajans drei Einspielungen mit den Berlinern kommen mir zu harmlos daher. Am besten von ihm finde ich die Londoner Aufnahme von 1955 (EMI), die als einzige original in Stereo produziert wurde. Aber auch sie kann gegen Scherchen nichts ausrichten, und seine ganz frühe aus Wien, die ich in #152 schon einmal vorgestellt habe, ist klanglich keine ernste Konkurrenz.

    Meine Lieblinge der Nr. 8 sind, neben Scherchen, Leibowitz, Szell, eventuell noch Solti, und natürlich Toscanini (aber das ist eine Monoaufnahme von 1952 und der von Scherchen klanglich nicht gewachsen). Die viel gelobte von Bernstein (CBS) kenne ich nicht, ebenso nicht die weiter oben genannte von Steinberg. Daß dieser Dirigent kein "Allerweltsprodukt" abliefern würde, glaube ich unbesehen. Leider gibt es von ihm nicht allzu viel in guter Technik.


    Monteux, das sei noch gesagt, liefert ebenfalls eine wunderschöne Achte (Decca), aber ihr fest es ein bißchen an der Aggressivität, mit der Scherchen hier zur Sache geht. Dafür legt er mehr Gewicht auf die humorvolle Seite des Werks, und sein französischer Charme ist eine schöne "Zugabe".


    Was mich außerdem sehr verwundert hat, ist die technische Seite der Scherchen-Aufnahme. Trotz Mono klingt alles erstaunlich transparent, man zweifelt fast, ob es nicht doch eine Stereoproduktion ist. Mir kommt es sogar so vor, als ob diese Mono-Achte der Stereo-Pastorale auf der gleichen CD klanglich überlegen ist. Letztere kommt mir etwas "dünn" aus den Lautsprechern.


    Liebe Grüße nach Bonn,

    Nemorino

    Mozart war auch Österreicher. Aber keine seiner Opern taugt als "Nationalope!

    Ich glaub "Nationalopern" sind lediglich dort entstanden wo ein Volk nach seiner identität suchte

    Ich glaube in Österreich war das nie wirklich der Fall.

    Lieber Alfred,


    da war Mozart aber ganz anderer Ansicht! Am 5. Februar 1783 schrieb er im Zusammenhang mit der kurz vorher erfolgten Uraufführung seiner Oper "Die Entführung aus dem Serail": "Jede Nation hat ihre Oper - warum sollten wir Teutsche sie nicht haben? Ist die teutsche Sprache nicht so gut singbar wie die französische und die englische? Und nicht singbarer, als die russische?"

    Demnach dürfte man mit Fug und Recht seine "Entführung" als eine deutsche Nationaloper bezeichnen, die aber gleichermaßen Österreichern und Deutschen als gemeinsames Erbe gehört.

    Das Thema "Nation" spielte zu Mozarts Zeit ohnehin eine noch recht untergeordnete Rolle, die Nationalstaaten hatten ihre Blüte im 19. und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Eine "österreichische Nation" war jedenfalls zu Mozarts Zeit kein Begriff. Bis 1806 war der Habsburger Franz II. Kaiser des "Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" und nannte sich erst danach "Kaiser Franz I. von Österreich". Das damalige Österreich unter der Herrschaft der Habsburger war ein Vielvölkerstaat, in dem Deutsche, Ungarn, Kroaten, Slowenen, Tschechen, Slowaken etc. lebten, Österreicher war sie alle. Und in diesem Sinn hat sich Mozart als Deutscher in Österreich gefühlt. Er selber bezeichnete sich wiederholt als "Deutschen", doch für ihn bedeutete das vor allem die deutsche Sprache, die Musiktradition im deutschen Kulturraum und die Nationalbühne, also die, auf der deutsch gesprochen und gesungen wurde.

    Erst nach dem verhängnisvollen 2. Weltkrieg bildete sich allmählich eine österreichische Nation heraus, die bewußt einen Schlußstrich unter die Vergangenheit zog, um einer weiteren Vereinnahmung durch preußische Bevormunder und Unterdrücker zu entgehen. Die hatte man zwischen 1938 und 1945 zur Genüge kennen und hassen gelernt.

    In Sachen Nationaloper ist Österreich aber generell ein schwieriger Fall, da ich einen eindeutigen Österreich-Patriotismus, der sich bewusst vom Deutschen abzugrenzen sucht (mit deutsch ist nicht nur das heutige Deutschland gemeint), erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ausmachen würde. Und welche österreichische Nationaloper hätte nach 1945 noch entstehen sollen?

    Lieber Joseph II.,


    als "Habsburger" hast Du es damit auf den Punkt gebracht und einleuchtend erklärt, weshalb es keine österreichische Nationaloper gibt.


    LG Nemorino

    Oper besteht zu 90% aus Sex and Crime, eher zu 95-99%. Das kann man nun beim besten Willen nicht pauschal den Inszenierungen anlasten.

    Lieber Johannes Roehl,


    …. das ist überhaupt nicht zu bestreiten, es kommt nur darauf an, ob man die Erotik nur behutsam andeutet, oder aber, wie das im "modernen" Theater häufig der Fall ist, dem Zuschauer brachial als groben Sex präsentiert.


    LG Nemorino

    Im fortgeschrittenen alter - wenn die hohen töne nicht mehr hörbar sind, verschwindet auch die räumliche ortung.... (ein Trauerspiel)

    Lieber Alfred,


    auch mein Hörvermögen hat merklich nachgelassen, aber eine Stereo- von einer Monoaufnahme kann ich immer noch nach den ersten Tönen unterscheiden. Hoffentlich bleibt das noch lange so.


    Nenne mir im sinfonischen Bereich ein Beispiel in Mono und ich nenne Dir ein Gegenstück in Stereo, dass nicht minder überzeugend ist.

    Lieber Wolfgang,


    ich glaube, das ist nicht die entscheidende Frage. Natürlich gibt es inzwischen zu jeder Monoplatte ein mindestens gleichwertiges Gegenstück. Das sehe ich ganz genau so. Nehmen wir als Beispiel Beethovens Pastorale: Wer wollte bestreiten, daß es in Stereo mindestens zwei Dutzend Spitzenaufnahmen dieser Sinfonie gibt, aber leider kann ich Furtwängler oder Toscanini nicht mit diesem Werk in Stereo hören! Und das ist für mich der eigentliche Grund, diese alten Aufnahmen, die technisch nicht heutigem Standard entsprechen, zu sammeln und zu hören. Hinzu kommt noch der nostalgische Effekt, eben weil ich viele Stücke erstmals mit einer Monoaufnahme kennen- und liebengelernt habe. Wie Du richtig feststellst, ich bin mit Monoaufnahmen groß geworden und davon geprägt. Aber ich gebe Dir völlig recht: Einen richtigen Hörgenuß bietet nur eine gute Stereoaufnahme, daran gibt es keinen Zweifel. Doch es gibt eben einmalige künstlerische Sonderleistungen, die man leider eben nur in Mono "genießen" kann. Ich denke da spontan an die 14 Walzer von Chopin mit Dinu Lipatti, im Sommer 1950 aufgenommen (er starb am 2.12.1950). Die Anschlagkunst dieses genialen Pianisten ist schon etwas Einmaliges, und sie hören zu können erfüllt mich immer wieder mit Freude und Dankbarkeit.

    Natürlich gibt es jede Menge Sänger, die nur wegen des Alters in Mono verfügbar sind. Aber das ist ohnehin total nicht meine Musik !

    Ich weiß, lieber Wolfgang, aber bei mir spielen Opern und Oratorien ebenfalls eine große Rolle. Wenn ich nur an die zahlreichen Opern mit Maria Callas denke, sie sind fast alle noch in Mono aufgenommen (bis auf zwei oder drei, aber da war sie stimmlich schon längst über ihren Zenit), aber sie sind für mich einfach unersetzlich und unendlich kostbar, weil sie eine Kunst beherrschte wie praktisch keine ihrer Kolleginnen, nämlich herrlichen Gesang mit einer stimmschauspielerischen Darstellung zu verbinden, die einmalig ist. Sie stellt die Personen, die sie verkörpert, nicht dar, sie ist Tosca, Norma oder Leonora. Nicht ohne Grund hat der von Dir so sehr verehrte Leonard Bernstein sie "die größte Künstlerin der Welt" genannt. Wie könnte ich auf ihre Aufnahmen verzichten, nur weil sie technisch nicht dem heutigen Stand entsprechen?

    Es gibt eigentlich nur wenige MONO-Aufnahmen die ich für mich als hörenswert beurteile; das ist u.a. mein Lieblings-VC = Schostakowitsch VC Nr.1 mit Oistrach/Mrawinksy (Melodiya, 1959), weil es von der Int einfach die Beste ist.

    Es freut mich, daß Du als notorischer "Mono-Verächter" immerhin auch Ausnahmen zuläßt.

    So nenne ich Dir zum Schluß eine Mono-Aufnahme, bei der Du - ich bin mir ziemlich sicher - alle klanglichen Mängel schlicht und einfach vergißt:

    Die "Pastorale" ist in Stereo aufgezeichnet, während die Sinfonie Nr. 8 "nur" in Mono erklingt. Doch das ist m.E. eine Aufnahme, die einen schier vom Stuhl haut. Sie wurde 1954 aufgezeichnet und klingt für ihr Alter und trotz fehlender Stereotechnik gut. Aber Scherchens Interpretation ist so überragend, daß alles andere völlig belanglos wird.


    Ein schönes Wochenende und

    LG, Nemorino

    damit kann man das grundsätzliche Recht von Regietheater nicht bestreiten, eben den ursprünglichen Sinn einer solchen Aufführung - die Herstellung eines aktuellen Zeitbezugs - wiederherzustellen.

    Lieber Holger,


    ich habe gestern mal eine Pause einlegen müssen, erstens weil ich den Vortag fast nur am Laptop verbracht habe, zweitens, weil einige private Dinge erledigt werden mußten, die keinen weiteren Aufschub duldeten.

    Zunächst danke ich Dir für Deine Zeilen, die für mich sehr aufschlußreich waren, auch wenn sie mich nicht in allen Teilen überzeugen konnten.

    Ein grundsätzliches Recht auf Regietheater habe ich nie verneint, es wäre ja auch mit der propagierten "Freiheit der Kunst" nicht vereinbar. Mich stört aber sehr der dogmatische Anspruch, wie er ja auch hier von lustein apostrophiert wurde, wie ja der von ihm initiierte Thread-Titel schon aussagt. Ich glaube, die RT-Gegner würden längst nicht so vehement gegen das RT protestieren, wenn es ein vorzeigbares Angebot konventioneller Aufführungen gäbe. Das ist aber eindeutig nicht der Fall.

    Es ist ja nicht nur eine grundsätzliche Frage, wie man eine Oper sehen will, sondern nicht zuletzt auch eine Geschmacksfrage. Deshalb wird es auch nie einen Ausgleich zwischen RT-Gegnern und RT-Befürwortern geben. Vielfach wurde, auch hier, der Wunsch geäußert, man möchte doch eine Ausgewogenheit herstellen, damit jeder Opernfreund auf seine Kosten kommt. Und ich schließe mich auch dem Wunsch bzw. der Forderung an, daß ein Bühnenstück, das szenenmäßig in eine ganz andere Zeit verpflanzt wird als vom Komponisten bzw. Librettisten vorgesehen, als solches in den Programmen angekündigt wird. Dann hätte jeder die Freiheit zu entscheiden, was er sehen bzw. nicht sehen möchte.

    Aus dem Dauerstreit darüber habe ich mich bisher weitestgehend herausgehalten und möchte das auch in Zukunft tun, weil es eigentlich nicht meine Baustelle ist. Ich komme kaum noch dazu, ein Theater zu besuchen, und missionarischer Eifer war noch nie meine Sache, zumal sich in dieser Frage weder die eine noch die andere Seite jemals bewegen wird. Doch rein geschmacksmäßig bekenne ich mich zu den Freunden herkömmlicher Aufführungen.

    Natürlich stimmt es auch, daß Oper eine museale Kunstform ist. Nach Richard Strauss gibt es kaum noch musikalische Bühnenwerke, die sich fest in den Spielplänen etabliert haben. Ob das Kunstwerk "Oper" überhaupt eine Zukunft hat, scheint mir fraglich. Aber diesem Kunstwerk neues Leben einzuhauchen, indem man zwar Musik und Text weitgehend unangetastet läßt, dafür aber - und das ist m.E. die große Mehrzahl der Fälle - ihr ein Bühnengeschehen überstülpt, das die überwiegende Mehrheit der Besucher verstört oder ratlos zurückläßt, scheint mir der falsche Weg zu sein. Auch darüber ließe sich trefflich streiten, aber einen für alle Seiten tragfähigen Kompromiß sehe ich da nicht.

    Wo ist denn die Statistik, die zeigt dass RT zu 80 oder 90 % aus Sex and Crime besteht?

    Ich habe keine Statistik zu Rate gezogen, die gibt es sicher auch gar nicht, aber wenn ich die Kritiken in der Presse und nicht zuletzt auch hier verfolge, so muß man diesen Eindruck bekommen. "Sex sells" bezieht sich ja nicht nur auf Handel und Industrie, sondern nicht zuletzt auch auf das breite Unterhaltungsangebot.


    Ich finde auch, Brecht ist ein Klassiker!

    Daran zweifle ich nicht, lieber Holger! Hätte es nicht den unseligen Ost-West-Konflikt gegeben, so hätte Brecht auch im Westen die ihm gebührende Anerkennung erhalten. Man hat es ihm aber verübelt, daß er seine Zukunft in der DDR gesehen hat, obwohl darin ja eine gewisse Konsequenz lag, denn er war ja bekennender Marxist. Doch das ist ja kein Grund, ihm die künstlerische Kompetenz abzustreiten. Seine Proteste gegen die Regierenden in Ost-Berlin im Zusammenhang mit dem 17. Juni 1953, die in der Aussage "Die Regierung sollte sich ein neues Volk wählen" gipfelten, wurden im Westen leider nicht wahrgenommen bzw. einfach totgeschwiegen.

    Der Kalte Krieg hat jede sachliche Auseinandersetzung unmöglich gemacht. Und die Diffamierungen auf beiden Seiten trugen wesentlich dazu bei.


    Jetzt muss endlich wieder die Musik die Zeit bekommen!

    Darin stimme ich mit Dir 100 %ig überein, und ich hoffe, daß mir das heute auch gelingt.


    Ein schönes Wochenende nach Münster,

    LG Nemorino