Ein dickes Lob übrigens an "nemorino" für seine ausführlichen Berichte aus der Vergangenheit...
Vielen Dank an Alfred und Holger für die anerkennenden Worte.
Wenn man keine Zukunft mehr hat und mit der Gegenwart hadert, dann nimmt man Zuflucht in die Vergangenheit
.
Ich will hier nur so kurz wie möglich auf einige Aspekte zurückkommen und versuchen, Klarheit bezüglich der "Trauermarsch"-Sonate (As-dur, Nr. 12) zu schaffen. Leider finde ich, trotz eifrigen Suchens, nicht die Quelle, auf die ich meine Aussage in Beitrag #113 stützen kann. Aber ich bin mir sicher, daß ich sie entweder in einem Sachbuch oder einer Musikzeitschrift gelesen habe. Daß die komplette Sonate von EMI veröffentlicht wurde, muß dem nicht entgegenstehen. Ich denke mir, daß Gieseking im Vorfeld seiner Aufnahmen einige Sätze schon mal durchgespielt hatte und diese mitgeschnitten wurden. Nach seinem Tod hat man dann wohl diese "Probeaufnahmen" einfach angehängt, um nicht neben dem Torso der GA auch noch eine Sonate unfertig präsentieren zu müssen. Damit wäre der berechtigte Einwand von Christian B. geklärt:
Die Sonate No. 12 op. 26 wurde laut Booklet vom 20.-23.10.56 in London komplett aufgenommen und ist in der oben abgebildeten Warner-Box enthalten.
Ein bisschen rätselhaft sind die Aufnahme-Informationen, so scheint die Sonate op. 28 teilweise in Mono und in Stereo (4. Satz) aufgenommen worden zu sein. Und das hört man auch, wie ich gerade feststelle!
EMI-Columbia schwankte zwischen 1955 und 1957 ständig zwischen Mono und STEREO. Der Grund dafür war das negative Verhalten von Walter Legge, dem führenden Produzenten der Klassik-Abteilung. Er betrachtete die neue Technik als Störung seiner in langen Jahren entwickelten Aufnahme-Philosophie, die sein unablässiges Bemühen um ein gut ausbalanciertes, aber homogenes Klangbild spiegelte. In Stereo sah er lediglich eine technische Spielerei mit spektakulären Rechts-Links-Effekten, sonst nichts, wohl sein schwerwiegendstes künstlerisches Vorurteil, von dem er nur schwer abzubringen war.
Jedenfalls begann EMI im Mai 1955 mit ersten Stereo-Experimenten in den Londoner Abbey Studios. Aufgrund von Legges ablehnendem Zaudern gegen Stereo war es ihm ziemlich gleich, "ob ein Werk in Stereo oder Mono aufgenommen wurde, das überließ er dem Zufall. Wenn das (damals einzige) Stereo-Aufnahmegerät nicht verfügbar oder funktionstüchtig war, war das nicht weiter schlimm - dann wurde eben ganz einfach in Mono aufgenommen. Deshalb entstanden zwischen 1955 und 1957 in den Londoner EMI-Studios nur einige wenige Stereo-Produktionen. Erst Anfang 1958 wurde dann endgültig auf STEREO umgestellt, nachdem das dafür nötige Equipment einwandfrei funktionierte."
Es wird also so gewesen sein, daß die Sonate op. 28 mit der neuen Stereotechnik begonnen und später in Mono komplettiert wurde. Legge war trotz seiner Genialität in Sachen Klassikaufnahmen einfach konservativ und ließ sich nicht leicht umstimmen, ganz im Gegensatz zu den DECCA-Technikern, die bereits ab Ende 1954 alle Neuaufnahmen in Stereo herstellten, sie aber erst ab 1959, nachdem die Abnehmer sich ausreichend mit den neuen Abspielgeräten versorgt hatten, in Stereo auf den Markt brachten. Auch dies ist ein Stück Schallplattengeschichte.
Da steht aber als Aufnahmeort bei jeder Sonate "Saarbrücken"
Es handelt sich dabei nicht um die Londoner EMI-Aufnahmen, sondern um Einspielungen von Radio Saarbrücken. Gieseking war seit 1947, wie schon weiter oben gesagt, an der Musikhochschule des Saarlandes tätig.
LG Nemorino





![Vienna Philharmonic Orchestra | Herbert von Karajan ‧ Beethoven – Symphony No. 7 In A – Vinyl (LP, Stereo), 1959 [r10894489] | Discogs](https://i.discogs.com/dN3WjbCLhIDk5x8L4CepZVyXRktHKap8Yq7GX-WavDc/rs:fit/g:sm/q:40/h:300/w:300/czM6Ly9kaXNjb2dz/LWRhdGFiYXNlLWlt/YWdlcy9SLTEwODk0/NDg5LTE2ODU4MDk5/MzUtMjI4MS5qcGVn.jpeg)



