Beiträge von nemorino

    bin ich nicht noch älter als du?

    Nein, lieber Willi, gegen mich bist Du fast noch ein "junger Spund":), ich bin 78, und drei Jahre machen in dieser Altersklasse schon etwas aus. Hauptsache, wir bleiben gesund! Wegen Corona mache ich mir eigentlich bisher keine Sorgen, habe nach wie vor fast täglich Verbindung mit meinen Kindern und Enkeln, und auch die Beziehungen zu meinem Freundeskreis sind unverändert.


    Im übrigen ist es natürlich richtig, daß die neuen Techniken immer mehr aus älteren Aufnahmen "herauskitzeln" können. Die Lautstärke ist da nicht entscheidend, sondern die Feinheiten, die zutage gefördert werden, welche man früher gar nicht hören konnte.


    Liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    es ist nur schade, dass in der schwarzen Chopin-Box nur die Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 drin sind und nicht die anderen Werke für Klavier und Orchester wie der schöne Krakowiak.

    Lieber Holger,


    das Marktverhalten der Plattenfirmen war schon immer undurchschaubar. Zum Glück sind auf meinen beiden CDs mit den Konzerten auch die anderen Werke für Klavier und Orchester dabei, mit Ausnahme der "Fantasie über polnische Lieder A-dur, op. 13", aber die gibt's auf dieser CD, die auch in meiner Sammlung ist, weil ich sie irgendwo mal für ein paar Cent erwerben konnte:

    CLAUDIO ARRAU: Chopin - Fritz Busch / Liszt - Hans Rosbaud (IT CD URN  22145/OVP) | eBay


    LG Nemorino

    Ich hätte gerne das Konzert Nr. 2 mit dem jungen Ashkenazy, meine erste Aufnahme auf LP, sie ist auf CD einzeln aber einfach nicht zu kriegen.

    Lieber Holger,


    wie heißt es doch so schön: Dem Manne kann geholfen werden. Bei ebay gibt es die Aufnahme in dieser Ausgabe z.Zt. für schlappe 3,50 € (+ Versandkosten):

    CD - Tchaikovsky / Chopin - Vladimir Ashkenazy - London Symphony  Maazel /Zinman

    Da kann ich nur noch empfehlen: Zugreifen!


    Liebe Grüße und viel Glück!

    Nemorino:hello:

    die Arrau-Aufnahme solltest Du Dir unbedingt anhören! Das Betörende bei Arrau ist seine Phrasierung, er phrasiert Chopin wirklich aus bis ins Detail und gibt der Musik so ihren sprechenden Charakter zurück.

    Lieber Holger,


    .... habe soeben dieses Zitat von Dir aus dem Jahr 2017 gelesen. Volle Zustimmung! Neben den "klassischen" Rubinstein-Aufnahmen der Konzerte sind mir die von Arrau die liebsten, wobei er noch den Vorteil der besseren Klangtechnik hat, sowie sehr interessante "Zugaben".

    Ich habe Arraus Aufnahmen in diesen schönen Ausgaben der "Silver Line Classics"-Serie von PHILIPS (Tempi passati!):

    Arrau Collectibles ArrauHouse   Frederic Chopin, Eliahu Inbal, London Philharmonic Orchestra, Claudio Arrau  - Claudio Arrau. Chopin Piano Concerto No 2, Concerto Rondo in F op 14;  Andante spianto et Grand Polonaise brillante in E flat


    LG nach Münster,

    Nemorino :hello:

    schönen Dank für den wertvollen Hinweis.

    Gerne geschehen, lieber Willi!


    Es freut mich, daß ich mit der Vorliebe für diese Aufnahme nicht allein bin. Das Solistenquartett ist in der Tat zum Niederknien.:hail::hail::hail:

    freue mich schon., wenn ich sie in den nächstn Tagen auf meinem Blu Ray-Player über meinen AV-Receiver-Boliden von Pioneer mit meinem KH Sennheiser HD 650 hören kann. Ich werde dann meine Eindrücke hier schildern.

    Darauf bin ich sehr gespannt. Leider kann ich mit einer solch tollen Anlage nicht mithalten und muß mich mit meinem CD-Spieler zufrieden geben. Aber in meinem Alter läßt das Gehör doch merklich nach, so daß sich eine Neuanschaffung für mich wohl kaum lohnen würde. Ich habe aber doch den Eindruck, daß die Neuüberspielung gegenüber der ursprünglichen, die in meinem Besitz ist, klanglich nennenswerte Vorteile bietet. So sah meine alte Ausgabe aus:


    Beethoven Missa Solemnis Mozart Coronation Mass Berliner Philharmoniker  Herbert von Karajan | Beethoven, Herbert von karajan, Mozart

    Die wartete noch mit Mozarts "Krönungsmesse" auf, die Karajan 1975 aufzeichnen ließ.


    LG Nemorino

    Selbst das Beethoven-Jubiläumsjahr 2020 hat nicht dazu geführt, den Thread über des Komponisten (für viele Musikfreunde) größtes und wichtigstes Werk wieder zu beleben. Und der letzte Beitrag hier liegt fast ein Jahr zurück, und stammt, wie ich gerade sehe, auch noch von mir!


    Zwecks meines heutigen Beitrags ist der Hinweis, daß die inzwischen legendäre Karajan-Aufnahme von 1966 (DGG) inzwischen neu überspielt auf jeweils einer CD (86 Min. Spielzeit) bzw. einer Blu-ray Audio (in einem Album!) veröffentlicht wurde:

    und zwar in diesem Album mit dem Original-Cover der ersten LP-Ausgabe.

    Mit Gundula Janowitz, Christa Ludwig, Fritz Wunderlich und Walter Berry verfügte Karajan über das imo definitiv beste Solistenquartett und auch "der Maestro" selbst lieferte eine sehr gute Leistung ab

    Bis heute ist sie nicht getoppt worden. Ich habe mir die Aufnahme in dieser neuen Ausgabe zugelegt - und bin begeistert. Eine Blu-ray kann ich nicht abspielen, aber auch die neu remasterte CD klingt ganz fantastisch! Die Neu-Überspielung hat sich gelohnt. Der Preis scheint mir recht moderat zu sein.

    Das Booklet enthält unverändert die Ausführungen von William Drabkin (englisch) und Klaus Wagner (deutsch). Außerdem den Inhalt eines Telefongesprächs mit Gundula Janowitz vom 6.8.2019, in dem die Sängerin einige Reminiszenzen von den Aufnahmesitzungen im Februar 1966 in der Berliner Jesus-Christus-Kirche mitteilt. Euphorisch erzählt sie von den "Aufnahmezeiten von 10 bis 14 Tagen, von denen man heute nur noch träumen kann" und erinnert sich weiter "Karajan war ein begnadeter Sängerbegleiter .... und hatte Vertrauen in uns. Er dirigierte diese großen Werke ja ohne Stab und er hat nur mit seinem Schlag, mit ganz kleinen Bewegungen und seiner Aura somnambulisch aus uns herausgelockt, was er hören wollte."

    Schließlich berichtet die Sängern von einer kürzlich stattgefundenen Geburtstagsfeier (es war wohl ihre eigene zum 80. Geburtstag am 1.8.2019) auf Schloß Ebenthal in N.Ö. "Das Barockschloß hat eine eigene Schloßkapelle, und ich habe zu den anderen gesagt: 'Wäre es nicht schön, genau hier die MISSA SOLEMNIS zu hören?' Erst habe sie mich verdutzt angeschaut, aber dann haben wir eine Anlage in die Kapelle gebracht und gemeinsam .... die ganze MISSA in der Karajan-Aufnahme gehört. (...) Am Ende haben alle geweint. Es ist wirklich eine Jahrhundertaufnahme, da öffnet sich der Himmel."

    Was nun die von Dir genannte Karajan-Aufnahme angeht, so ist sie natürlich von der Sänger-Schar her exquisit. Ich werde nie den Moment vergessen, als ich Wunderlich das "Homo factum est" singen hörte - Gänsehaut pur!

    Das kann ich voll nachvollziehen, doch die nachfolgenden Sätze befremden mich sehr:

    andererseits die Stabführung HvK. Seine Auffassung wirkt mir etwas zu "katholisch", als hätte er den Sinn dieses Werkes nicht voll erfasst. Es klingt mir alles etwas zu glatt, zu sehr nach einer Zelebrierung und Erhöhung göttlicher Macht. Beethoven war halt ein katholischer Rheinländer und dazu sehr politisch, und wer im Rheinland aufgewachsen ist, wie ich, der weiß, was das für eine explosive Mischung sein kann

    Was kann bei der Aufführung einer Messe "etwas zu katholisch" sein? Eine Messe ist ja nun, ob man gläubig ist oder nicht, die höchste Form des katholischen Gottesdienstes, der ja, zumindest bis zu den verstörenden Reformen des 2. Vaticanums, durchaus eine "Zelebrierung und Erhöhung der göttlichen Macht" darstellen sollte. Da war zu Beethovens Zeit noch völlig unanfechtbar! Und was der Autor mit der "explosiven Mischung" meint, ist für mich nun wirklich nicht nachvollziehbar. Die rheinischen Katholiken haben vielmehr in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts die explosive Mischung preußisch-protestantischer Provenienz hautnah kennengelernt. Das ist längst vergeben, aber nicht vergessen! Zum Glück gehört das alles heute der Vergangenheit an.


    Ein namentlich mir nicht bekannter Autor hat einmal in ein paar Sätzen den Unterschied zwischen Bachs Kirchenmusik, die ja der evangelischen Tradition angehört, und Beethovens gewaltiger MISSA in Worte zu fassen versucht: "Wenn man sich, von Bachs Passionen kommend, ihr zuwendet, so ist es, als verließe man die Intimität persönlicher Anbetung, um eine Sphäre des Göttlichen zu betreten, in der der einzelne Mensch mit seiner Individualität in ein Nichts versinkt. Der lateinische Text, die objektiv-emotionslosen Soli lassen das irdisch-menschliche Element verschwinden hinter der stupenden Gewalt von Chören, die mit ihrer Unergründlichkeit unmittelbar in eine jenseitige Welt hineinzutragen scheinen und das Höchste bezeichnen, was ein menschliches Genie überhaupt ersann."


    Ich hatte das Glück, in meiner Jugend noch die ganze Prachtentfaltung katholischer Gottesdienste zu erleben, von denen die heutige katholische Christenheit, von nicht nennenswerten Ausnahmen abgesehen, kaum noch eine Vorstellung hat. Ganz gleich, wie man dazu steht, es waren Momente, die eine Ahnung vom "himmlischen Jerusalem" aufscheinen ließen.


    LG Nemorino


    Soeben konnte ich feststellen, daß es (bei einem Anbieter, der allerdings hier zu Recht in Ungnade gefallen ist) eine CD mit Rossini-Ouvertüren gibt, auf der auch Alco Galliera mit nicht weniger als drei Stücken vertreten ist:

    Ouvertüren - Maksymiuk, Galliera, Beecham, Rossini, Gioacchino: Amazon.de:  Musik

    und zwar mit den Ouvertüren zu "Die Italienerin in Algier", "Die seidene Leiter" und "Wilhelm Tell", alle in ausgezeichneter Stereo-Qualität.

    Die CD ist (gebraucht, sehr gut) für lächerliche 0,22 € (+ Portokosten) zu haben. Hier die Rückseite:


    51xuaMcYlzL._SX450_.jpg

    Eine großartige Zusammenstellung; allerdings liegen der CD keine Textinformationen bei. Noch nicht einmal die Aufnahmedaten sind vermerkt. Trotzdem, so finde ich, ein attraktives Angebot. Bei Galliera steht jeweils: P 1991, das kann aber nur die CD-Veröffentlichung betreffen. Die Aufnahmen dürften ca. um 1960 entstanden sein.


    LG Nemorino

    Sonate für Klavier und Violine A-Dur, op. 47 "Kreutzer-Sonate"

    Ein ganz wichtiges, ja herausragendes Werk Beethovens aus der Gattung "Kammermusik" gehört unbedingt in diesen Thread, den Wolfgang Kaercher aus Anlaß des Beethoven-Jubiläumsjahrs 2020 ins Leben gerufen hat. Es ist die sogenannte "Kreutzer-Sonate", die Nr. 9 von insgesamt zehn Werken, die Beethoven für Klavier und Violine komponiert hat.


    Sie wurde nicht vom Widmungsträger, dem Geiger Rodolphe Kreutzer, erstmals zur Aufführung gebracht, sondern von dem Mulatten George Bridgetower, und zwar am 24.5.1803 im Wiener Augarten. Nach der Uraufführung kam es zwischen Beethoven und Bridgetower zu einem Zerwürfnis, und kurzerhand widmete der Komponist sie Rodolphe Kreutzer, dessen Namen sie bis heute wachhält, obwohl dieser sie nicht nur nie gespielt, sondern sogar für unspielbar erklärt hatte.

    Portada_Sonata_Kreutzer.jpg


    Die "Kreutzer-Sonate" ist weit über die Musikwelt hinaus bekannt und berühmt geworden. Mehrere Schriftsteller haben sich mit diesem Werk befaßt. Der berühmteste ist zweifellos Leo Tolstoi, dessen im Jahr 1889 erschienene Novelle gleichen Namens es zu Weltruhm gebracht hat, ähnlich wie Beethovens musikalische Vorlage. In dieser Erzählung führt die Aufführung des Werks zum Höhepunkt eines Eifersuchtsdramas, das mit einem Mord endet.


    Wie auch immer, das Werk ist wohl, neben der lieblichen "Frühlingssonate" (Nr. 5), das bekannteste und berühmteste aus dieser Reihe. Ich möchte nun hier meine drei Lieblingsaufnahmen vorstellen:

    Heifetz* With Brooks Smith, Erick Friedman, New Symphony Orchestra Of  London*, Sir Malcolm Sargent, Beethoven*, Bach* -

    Jascha Heifetz (Violine) und Brooks Smith (Klavier), Aufnahme: 23.9.1960.

    Heifetz, der wohl berühmteste Geiger des 20. Jahrhunderts, hat in dem langen Zeitraum zwischen 1947 und 1960 sämtliche Violinsonaten Beethovens aufgenommen, doch diese ist die einzige, die in STEREO aufgezeichnet wurde. Heifetz vollführt auf seiner Geige ein wahres Feuerwerk, das seinesgleichen sucht. Nie habe ich die Variationen (Satz 2) in solcher Rasanz und Klarheit gehört; man weiß nicht, ob man nur staunen oder das Kreuz schlagen soll, um einen Ausspruch des Wiener Kritikers Eduard Hanslick hier "auszuleihen".



    Beethoven -

    Henryk Szeryng (Violine) und Artur Rubinstein (Klavier), Aufnahme: März 1960.

    Hier sind Geiger und Pianist auf Augenhöhe, während der Partner von Heifetz hinter den Erwartungen zurückbleibt. Ein wunderbares Zeugnis der Zusammenarbeit zweier großer Künstler, die sich nach dem 2. Weltkrieg zufällig in Mexiko erstmals begegneten.

    Roots Vinyl Guide

    Arthur Grumiaux (Violine) und Clara Haskil (Klavier); Aufnahme: 1957, Wien.

    Natürlich gibt es auch diese "klassische" Aufnahme inzwischen auf CD. Diese beiden Künstler haben nicht nur auf der Schallplatte, sondern auch oftmals im Konzertsaal eine enge Partnerschaft gebildet. Auch von ihnen gibt es eine GA der Violinsonaten, diese hier ist einer der Höhepunkte. Weniger leidenschaftlich, sondern mit einer einzigartigen Noblesse gespielt, sie "sind in einer Weise verwachsen, daß jene menschliche Einheit entsteht, wo Leidenschaft und Ruhe ein und derselben Quelle zu entstammen scheinen", wie es in einer alten Rezension heißt.


    Zu guter Letzt will ich noch sagen, daß es noch eine große Zahl hervorragender Aufnahmen dieser Sonate gibt, aber hier möchte ich mich möglichst an die Begrenzung auf drei halten. Nicht unerwähnt möchte ich aber noch eine Aufnahme lassen, die mich ebenfalls tief beeindruckt hat: Thomas Zehetmair (Violine) und Malcolm Frager (Hammerklavier), aus dem Jahr 1985. Sie entstand beim WDR Köln und wurde von TELDEC herausgebracht. Eine wundervoll ausgeglichene, mitreißende Produktion, voller Inbrunst und Leidenschaft interpretiert.


    LG Nemorino

    Lieber Holger,


    zunächst danke für den Hinweis auf Olga Kern. Die junge Frau hat ja schon eine beeindruckende Karriere hingelegt, und blendend aussehen tut sie auch.


    Nun noch kurz zu Benno Moiseiwitsch: Exakt die von Dir gezeigte Doppel-CD habe ich auch in meinem Bestand. Eigentlich ist es erstaunlich, daß dieser Pianist so wenig auf Tonträger vertreten ist. Doch was man so hört, läßt schon einen großartigen Klavierspieler erkennen. Ich habe soeben noch einmal in das Rachmaninoff-Konzert Nr. 2 reingehört, das auf CD 2 enthalten ist. Moiseiwitsch scheint weniger Tastenlöwe als ein sensibler, hellhöriger Musiker gewesen zu sein.


    LG Nemorino

    Ich komme noch einmal auf diesen Dirigenten, der heute den meisten Musikfreunden kaum noch geläufig ist, zurück, um zu demonstrieren, daß Galliera in den Anfangsjahren der LP nicht nur als "Begleiter", sondern auch als Konzertdirigent durchaus kein Unbekannter war.

    Alceo Galliera gab in den 1950er und 60er Jahren auch Konzerte ohne Solisten, so daß EMI-Columbia etliche Aufnahmen mit ihm herausbrachte, die sich anscheinend auch ganz gut verkauft haben. Diese hier ist sogar auf CD überspielt worden:

    Symphony No.9 In E Minor, Op.95, 'From The New World' (Dvorak)

    und so sah die Original-LP aus:

    ALCEO GALLIERA / PHILHARMONIA ORCHESTRA Respighi - La Boutique Fantasque  10


    Und hier noch eine kleine Auswahl weiterer Aufnahmen:

    45cat - The Philharmonia Orchestra Conducted By Alceo Galliera - Overture -Alceo Galliera, Philharmonia Orchestra - Tchaikovsky: Romeo and Juliet -  KKBOXBorodin: Symphony No. 1 in E-Flat - Rimsky-Korsakov: Capriccio Espagnol  (Remastered) - Album by Alceo Galliera and the Philharmonia Orchestra, Alceo  Galliera | Spotify


    Gripsweat - Rossini-Respighi: La Boutique Fantasque - Galliera **Columbia  SAX 2419 ED1 LP**

    Wie man sieht, umfaßte sein Repertoire eine breite Palette. Es war mir ein Vergnügen, hier mit ein paar markanten Aufnahmen an diesen Künstler zu erinnern.


    LG Nemorino

    besonders Moisewitsch hätte ich auch gerne...

    Lieber Holger,


    ebay bietet diese CD z.Zt. für € 8,37 (portofrei) an:

    Benno-Moiseiwitsch-Moiseiwitsch-plays-Schumann-Brahms-Mussorgsky

    Offensichtlich handelt es sich da aber um eine ältere Einspielung, denn die auf TESTAMENT angebotene stammt aus 1954. Und ich denke, daß diese in der von mir zitierten Kritik gemeint war.


    Olga Kern ist mir gar kein Begriff :untertauch:!


    LG Nemorino

    Abbey Simon (kenne aber auch nur den Namen, keine Aufnahmen)

    Hallo, Johannes Roehl,


    ich bin da tatsächlich einem Druckfehler aufgesessen. Im Text des Büchleins steht "Abe Simon", doch im Inhaltsverzeichnis, wie ich eben festgestellt habe, heißt es korrekt "Abbey Simon".


    Wenn's auch eigentlich nicht hierhin gehört, ich habe mal ein bißchen recherchiert:

    Abbey Simon war ein US-amerikanischer Pianist, geboren am 8.1.1920 in New York City, gestorben am 18.12.2019 in Genf, wenige Tage vor seinem 100. Geburtstag. Seine musikalische Ausbildung erhielt er u.a. am Curtis Institute for Music, bei dem berühmten Pianisten Josef Hofmann.

    Konzerte gab er praktisch weltweit. Der bekannte US-Kritiker Harold C. Schonberg nannte ihn einen "Supervirtuoso". Simon war auch als Musiklehrer tätig, seine berühmteste Schülerin war wohl Martha Argerich.

    Es gibt - ich war ganz erstaunt - sogar eine ganze Reihe von Aufnahmen mit ihm, die auf CD erhältlich sind:

    TV37083S. Chopin - Piano Concerto No 1, Hamburg S O / Abbey Simon (piano). VINYL LP - VG+/VG+ Ravel: Complete Music for Solo Piano by Abbey Simon  Robert Schumann : Abbey Simon - Carnaval, Op. 9 / Fantasia, Op. 17 - Turnabout - TV-S 34432, Vox - TV-S 34432  CHOPIN: Sonatas - Scherzi - Ballades by Abbey Simon


    und noch etliche mehr. Das Chopin-Konzert hat er sogar mit einem Hamburger Orchester eingespielt, mit dem Dirigenten Heribert Beissel, der jahrelang mit einem eigenen kleinen Orchester aufgetreten ist, das m.W. in Bonn beheimatet war. Die genannten "Händel-Variationen" von Brahms sind auch erhältlich, aber nur als MP3-Download.


    Ich denke, es wird nicht lohnen, einen eigenen Thread über den Künstler zu eröffnen - er ist zumindest hierzulande praktisch ein Unbekannter.


    LG Nemorino

    Lieber Holger,


    eine ganz wichtige Aufnahme habe ich vergessen, das sei deshalb hier nachgeholt:

    Laserlight Classics : Arrau - Tchaikovsky Concerto No. 1 oder hier: Conc.Piano 1/Conc.Violon - Arrau, Ferras, Galliera, Silvestri, Tschaikowsky,  Peter Iljitsch: Amazon.de: Musik

    Claudia Arrau/Alceo Galliera mit dem Tschaikowsky-Konzert Nr. 1 (Aufnahme: 4/1960, London).

    Leider finde ich sie momentan nicht, aber ich entsinne mich einer Kritik, in der Arraus Aufnahme als eine der besten gerühmt wird. Der Rezensent lobte die unnachahmliche Noblesse, mit der dieser große Pianist Tschaikowskys "Schlachtroß" aufführte, und er pries gleichzeitig Gallieras einfühlsame Begleitung.

    Auch diese Aufnahme dürfte in der von Dir gezeigten ICON-Box enthalten sein.


    Mozart-Konzerte mit ABM und Galliera habe ich nicht gefunden, es mag aber durchaus sein, daß es Mitschnitte in dieser Kombination gab oder gibt.

    Das Grieg-Konzert aus dem Jahr 1942 gibt es auch auf dieser CD:

    Early Recordings Vol.3

    Das Cover könnte vermuten lassen, daß Galliera das Schumann-Konzert dirigiert, aber gemeint ist Griegs Konzert. Es handelt sich um einen Mitschnitt von 2.9.1942. Wie er tontechnisch ausgefallen ist, kann ich aber nicht sagen.


    LG Nemorino

    In einem alten Schallplattenführer (von ca. 1958) schreibt der ungenannte Autor im Brahms-Kapitel: ".... unter den Händel-Variationen op. 24 ragen hervor die Aufnahmen von Abe Simon (Philips) .... und von Benno Moiseiwitsch (Electrola). Dieser technisch überlegene und unaufdringlich poetische Pianist bietet die beste Darstellung, die heute auf dem Markt zu finden ist."

    Gemeint ist wohl diese Aufnahme aus dem Jahr 1954:

    Fantasie Op. 17 / Variationen Op. 24 und Fuge - Moiseivitch, Benno,  Schumann, Brahms, Johannes: Amazon.de: Musik

    Die CD mit originalen EMI-Aufnahmen enthält außerdem noch die Fantasiestücke op. 12 und die Fantasie op. 17 von Robert Schumann.


    Aufnahmen eines Pianisten mit den Namen Abe Simon habe ich vergeblich gesucht. Bei GOOGLE gibt es Bilder von einem Abe Simon, u.a. dieses:

    BoxRec: Abe Simon

    aber sieht so ein Pianist aus:D?


    LG Nemorino

    Dir wollte ich auch längst geschrieben haben, dass ich zum Hören von den Aufnahmen, die Du mir zuletzt vermacht hast, oh Schande!!!, immer noch nicht gekommen bin. Es ist schrecklich, ich komme im Moment kaum noch zum Musik hören!

    Lieber Holger,


    .... Du wirst es kaum glauben, mir geht es ganz ähnlich!


    Ich habe von den CDs, die Du mir im Frühsommer geschickt hast, nur die Schostakowitsch Nr. 15 sowie einige Stücke aus den Aufnahmen mit Cziffra und Mrawinskij hören können. :untertauch: Schuld daran war zum Teil auch der Beethoven-Thread, der mich dann wieder auf Konwitschny und seine GA der Neune gebracht hat. Als Rentner sollte man ja jede Menge Zeit haben, aber an dem Witz von den umtriebigen Rentnern ist schon was dran^^! Im Ernst: bei mir ist es die Familie, die mich dauernd unter Strom sein läßt. Jedenfalls komme ich in letzter Zeit eher dazu, hier über Musik zu schreiben als mir eine CD in Ruhe anzuhören. Vielleicht ändert sich das in der nun bald kommenden Weihnachtszeit. Wir werden sehen .....


    LG nach Münster,

    Nemorino:hello:

    Legge nannte ihn denn auch einen hervorragenden Orchestererzieher.

    Lieber Rüdiger,


    ja, Walter Legge hatte ein fast unfehlbares Gespür für Künstler, die das von ihm gegründete Philharmonia Orchestra in Schwung bringen konnten. Dazu zählten vor allem die Dirigenten Herbert von Karajan, Walter Susskind und Alceo Galliera; auch Josef Krips wurde des öfteren herangezogen. Nach Legges Intentionen sollte "sein" Orchester Stil haben, aber nicht einen Stil.


    Alceo Galliera entpuppte sich im Lauf der Jahre als ein schier idealer "Begleiter" der führenden EMI-Künstler dieser Zeit. Er hatte die seltene Gabe, auf jeden Künstler individuell zu reagieren, ihren Wünschen entgegenzukommen und trotzdem seinen ihm eigenen Stil nicht zu verleugnen. Das nennt man eine "Kunst, die Kunst verbirgt".


    Entgegen meiner ursprünglichen Absicht will ich nun doch noch ein paar Aufnahmen nennen, an denen Alceo Galliera wesentlichen Anteil hatte und die noch heute unter Sammlern gefragt und begehrt sind. Fast alle sind auch auf CD überspielt worden:

    Claudio Arrau, The Philharmonia Orchestra | Die Fünf Klavierkonzerte - (CD)  Claudio Arrau, The Philharmonia Orchestra auf CD online kaufen | SATURN

    Hier handelt es sich um die erste von insgesamt drei GA der Beethoven-Konzerte mit Claudio Arrau, die in den Jahren 1955 bis 1958 von EMI produziert wurde, bereits in der damals neuen Stereo-Technik. URANIA Records hat sie inzwischen in einem 3 CD-Album neu aufgelegt.


    Und hier noch eine weitere Auswahl:

    Grieg Piano Concerto by Dinu Lipatti : NapsterKlavierkonzerte - Haskil, Anda, Galliera, Pol, Bach, Mozart, Beethoven:  Amazon.de: MusikBEETHOVEN - THE Five Piano Concertos / Badura-Skoda 3 CD-Box - EUR 15,00 |  PicClick DEArtur Schnabel, Beethoven*, Philharmonia Orchestra Conducted by Alceo  Galliera - Concerto No. 5 For Pianoforte In E Flat Major, Op. 73 (1965,  Vinyl) | DiscogsMozart* / Prokofiev* - David Oistrakh*, Alceo Galliera, Philharmonia  Orchestra - Mozart Concerto No.3 / Prokofiev Concerto No.2 (1959, Vinyl) |  DiscogsBeethoven* / Arthur Grumiaux / New Philharmonia Orchestra - Alceo Galliera  - Violinkonzert D-dur (Vinyl) | DiscogsTripelkonzert/Doppelkonzert - Oistrach, Fournier, Pol, Beethoven, Brahms,  Johannes: Amazon.de: MusikAnna Moffo singt Mozart-Arien (CD) – jpcMichael Rabin - A Genius on the Violin (4 CDs) – jpc


    Das ist nur eine kleine Auswahl aus Gallieras Riesenrepertoire, vielleicht hat der eine oder andere Tamino davon etwas in seiner Diskothek.


    LG Nemorino

    Ich habe genau zwei Aufnahmen vom op.24

    Hallo kalli,


    bei mir sind es drei:), und zwar diese:

    CD Brahms - Händel- / Paganini-Variationen - Claudio Arrau

    Die habe ich Holger zu verdanken! Es ist die auch von ihm in seinem Beitrag 27 genannte. Künstlerisch super, und klanglich die beste, die ich habe. Es ist eine Stereo-Aufnahme aus dem Jahr 1978. In jeder Hinsicht höchst empfehlenswert, bei ebay ist sie noch zu haben.


    Dann noch diese hier, mit dem US-amerikanischen Pianisten Leon Fleisher:

    Masterworks Heritage - Fleisher - J. Brahms: Amazon.de: Musik


    in einem 2 CD-Album, zusammen mit den beiden Klavierkonzerten (George Szell dirigiert das Cleveland Orchestra, STEREO, 1958 bzw. 1962), während die Händel-Variationen von 1956 sind, deshalb nur Mono (aber klanglich durchaus gut).


    Schließlich noch eine historische Aufnahme, in diesem Album:


    Solomon* - Beethoven*, Brahms*, Chopin*, Liszt*, Mozart* - Solomon (1999,  Digibook, CD) | Discogs

    mit Solomon (Cutner), der als Künstler immer nur unter seinem Vornamen auftrat. Diese Aufnahme wurde 1942 produziert.

    Im Begleitheft heißt es zu den Variationen: ".... sind untrennbar mit dem Namen Solomon verknüpft und eine Inkarnation von Klassizismus und Klarheit. Mit Ausnahme der seltsamen Oktav-Verstärkungen der Bässe hält sich Solomon getreu an den Notentext, wird bei der 22. Variation nicht langsamer und hält die Siciliano-Parodie der 19. Variation wirklich 'leggiero e vivace'. Angesichts des weitgehenden Fehlens von Tempobezeichnungen verleiht er dem Werk eine natürliche, ungezwungene Bewegung, spielt die Aria und die lutherische Schlußfuge so ebenmäßig wie die Tutti-Etüde der vierten Variation (....) Diese Musik zeigt Solomon in einer seiner charakteristischsten Rollen, als Eusebius, den Träumer. Dank seines subtilen Rubatos und großzügigen, aber makellosen Pedaleinsatzes konnte er das Instrument besser zum Träumen bringen als irgend ein anderer."

    Ich gebe das hier nur auszugsweise wieder, habe diese Aufnahme auch sehr lange nicht mehr gehört, so daß ich selber wenig dazu beitragen kann. Berücksichtigen sollte man aber das Aufnahmedatum 1942.


    LG Nemorino

    Es gibt Künstler, die mehr oder weniger nur durch eine Aufnahme im Gedächtnis der Musikfreunde fortleben. Dazu zählt, ähnlich wie der kürzlich vorgestellte russische Dirigent Issay Dobrowen, der sich mit dem BORIS GODUNOW von 1952 ein Denkmal gesetzt hat, der italienische Dirigent Alceo Galliera, der heute vor allem durch die berühmte Aufnahme der Oper IL BARBIERE DI SIVIGLIA (deutsch: Der Barbier von Sevilla) unzähligen Opern-, vor allem Verehrern der Sängerin Maria Callas bekannt ist. Sie dürfte in kaum einer guten Opern-Diskothek fehlen:

    Barbier Von Sevilla (Ga-It) - Maria Callas, Luigi Alva, Tito Gobbi,  Gioacchino Rossini, Alceo Galliera, Philharmonia Orchestra: Amazon.de: Musik

    Die Aufnahme wurde im Februar 1957 in der Kingsway Hall, London, unter der Regie von Walter Legge für EMI-Columbia produziert. Es war eine der ersten STEREO-Aufzeichnungen von EMI. Es gibt, das sei zumindest angemerkt, auch einen deutsch gesungenen RIGOLETTO von der Bayerischen Staatsoper München, der aber gesanglich ziemlich desaströs geraten ist. Diese Aufnahme wurde als Soundtrack für einen Fernsehfilm verwendet. Gallieras Dirigat ist untadelig, den Rest kann man getrost vergessen.


    Alceo Galliera wurde am 3. Mai 1910 in Mailand geboren. Sein Vater war Professor am Konservatorium in Parma. Als er die musikalische Begabung seines Sohnes bemerkt, erteilt er ihm ersten Unterricht. Danach geht der junge Alceo an das Mailänder Konservatorium, wo er schon bald nach dem Abschluß seiner Studien zum Professor für Komposition ernannt wird. Das war im Jahr 1932. Viel später erst, 1941, beginnt er zu dirigieren. Den Zweiten Weltkrieg überlebt er in der Schweiz. 1950/51 weilt er in Australien und leitet dort das Melbourne Symphony Orchestra. Mitte der 50er Jahre geht er zurück nach Europa und übernimmt 1957 die Leitung des Teatro Carlo Fenice in Genua, dem er bis 1960 verbunden bleibt. 1964 bis 1972 ist er Leiter des Städtischen Orchesters in Straßburg. Daneben übernimmt er immer wieder Gastdirigate bei diversen Orchestern. Galliera starb am 20. April 1996, wenige Tage vor seinem 86. Geburtstag, in Brescia.


    Биография Альчео Гальера

    Den Schallplattenfreunden, die ab dem Beginn der LP-Ära im Jahr 1950 ihre Sammlungen aufbauen, ist er in diesen Jahren ein ständiger vertrauter Dirigent, der den bedeutendsten Künstlern dieser Zeit als kompetenter und feinsinniger Orchesterbegleiter zur Seite steht. So berühmte Pianisten wie Claudio Arrau, Géza Anda, Walter Gieseking, Dinu Lipatti, Artur Schnabel, Ingrid Haebler und Clara Haskil nehmen mit ihm zahlreiche Konzerte auf, andere, wie Arturo Benedetti Michelangeli, ziehen ihn gerne als Begleiter bei öffentlichen Konzerten heran. Aber auch Geiger vom Range eines David Oistrach, Henryk Szeryng, Arthur Grumiaux und Michael Rabin arbeiten gerne mit ihm zusammen, ebenso der bekannte Cellist Pierre Fournier. Für den EMI-Produzenten Walter Legge ist er ein ständig gefragter Künstler. Er zieht ihn auch für Aufnahmen von Sinfonien heran, so gibt es eine Aufnahme von Dvoraks "Neue Welt"-Sinfonie, die sich durchaus mit berühmteren Einspielungen messen kann. Leider wurde sie noch in Mono produziert. Alle diese Aufnahmen hier abzubilden würde den Rahmen des Thread sprengen.


    Nicht vergessen werden sollte Galliera auch als Begleiter von Gesangssolisten. So begleitet er z.B. Anna Moffo auf einem Mozart-Recital (1959) und den jungen Nicolai Gedda 1953 mit dem Philharmonia Orchestra bei seinem ersten Recital von Opernarien, das auf einer 30 cm-LP veröffentlicht wird. So sah die Originalausgabe aus:



    Nicolai Gedda With The Philharmonia Orchestra Conducted By Alceo Galliera -  A Recital Of Operatic Arias (Vinyl) | Discogs

    Galliera war ein universeller Künstler, der sich aber nie in den Vordergrund gestellt hat, sondern seine Arbeit vor allem als Dienst am Werk und den von ihm begleiteten Solisten gesehen hat.


    LG Nemorino

    Es gab damals bei uns auch nur diese Aufnahme, aber ich meine - die ist rundum richtig gut.

    Lieber chrissy,


    da liegen wir mal wieder auf einer Wellenlänge!


    Ich erinnere mich noch gut, daß die internationale Musikkritik diese Aufnahme damals sehr unterschiedlich beurteilt hat. Viele stießen sich an der angeblich schlechten Tonaufzeichnung, die man darauf zurückführte, daß Walter Legge, der Produzent, "sein" Philharmonia Orchestra nach Wien beordert hatte, weil er den dortigen Singverein als Chor haben wollte, und die Tontechniker mit dem Großen Musikvereinssaal Probleme gehabt hätten. Das wird durch die Tatsache erhärtet, daß die Aufnahme zunächst nur in Mono auf den Markt kam, während die Stereofassung erst zwei Jahre später "nachgeliefert" wurde. Vielleicht bezogen sich die negativen Kritiken auf diese Monofassung. Ich persönlich jedenfalls kann an der Klangqualität der Stereoausgabe keine gravierenden Mängel entdecken, vor allem ist die in #322 gezeigte TESTAMENT-Ausgabe erstklassig gelungen (sie enthält auf CD 2 sogar noch Probenmitschnitte von der MISSA sowie eine schöne "Prager Sinfonie" von Mozart, die zur gleichen Zeit in Wien aufgezeichnet wurde).

    Es gab aber auch Kritiker, die auf Anhieb von dieser MISSA begeistert waren. So hieß es z.B. in einem Artikel der Hamburger ZEIT: ".... mit seinen Soloquartett, dem Chor der Gesellschaft der Musikfreunde aus Wien und dem Philharmonia Orchestra London bringt der Dirigent schon rein klanglich außergewöhnliche Wirkungen zustande. Aber auch die musikalische und geistige Durchdringung des Stoffes mit seiner manchmal verwickelten Kontrapunktik wird von ihm in glänzender Weise gemeistert. (...) haben wir hier alle charakteristischen Merkmale des Karajanschen Stils: klangliche Phantasie, glühendes Temperament, lebendige Kontraste sowohl in den Tempi wie in der dynamischen Gestaltung, alles veredelt durch eine in ihrer Virtuosität einzig dastehenden Dirigierkunst."

    Natürlich muß man berücksichtigen, daß diese Kritik aus dem Jahr 1961 stammt, als viele Aufnahmen, die wir heute kennen und schätzen, noch gar nicht existierten. Trotzdem möchte ich aus der Kenntnis von heute diesem Artikel immer noch in weiten Teilen zustimmen.


    LG Nemorino

    die Luzerner Live Aufführung von 1954, die nur zwei Monate vor dem Tod aufgenommen wurde.

    Hallo Klassikfan1,


    selbstverständlich hat diese Aufführung, die übrigens mehr als drei Monate vor Furtwänglers Tod (er starb am 30.11.1954) aufgezeichnet wurde, hohen dokumentarischen Wert. Doch bei Werken mit solch riesigen Dimensionen (großes Orchester, riesiger Chor, vier Solisten) schreckt mich die schlechte Klangqualität ab, außerdem noch die Live-Bedingungen, die ja immer störende Nebengeräusche (Husten, Niesen, Stühlerücken) sowie unberechenbare Tonschwankungen mit sich bringen.


    LG Nemorino

    Fast genau so lange benötigte Carlo Maria Giulini

    Lieber Norbert,


    die Giulini-Aufnahme steht ebenfalls bei mir im Regal, in dieser Ausgabe, die zusätzlich noch die viel zu wenig beachtete C-dur-Messe op. 86 enthält:

    Missa Solemnis von Carlo Maria Giulini | CD | Zustand sehr gut

    Das ist auch eine sehr schöne Interpretation! Hier paßt noch nicht einmal der Spruch "Das Bessere ist des Guten Feind", sondern die Begrenzung auf drei Aufnahmen ließ eine weitere Nennung nicht zu. Was mich bei dieser Aufnahme immer wundert, ist der Einsatz des LONDON PHILHARMONIC ORCHESTRA, statt wie sonst üblich, des PHILHARMONIA ORCHESTRA, zumal ja der zugehörige "Philharmonia Chorus" für die Aufnahme herangezogen wurde. Eine Erklärung dafür habe ich bis heute nirgends gefunden.


    Rein künstlerisch wäre auch die alte Aufnahme mit Arturo Toscanini (RCA) zu nennen, doch sie ist leider klanglich nicht konkurrenzfähig. Grundsätzlich habe ich nichts gegen ordentliche Mono-Einspielungen, doch wenn sowohl ein großer Chor und ein entsprechendes Orchester mitwirken, so gibt es doch mehr oder weniger einen Klangbrei, zumal es sich bei Toscaninis Aufnahmen in der Mehrzahl um Live-Mitschnitte handelt.


    LG Nemorino

    Natürlich ist es die EMI-Aufnahme von 1960 mit dem Philharmonia Orchestra gemeint (nicht wie Du schreibst mit dem LPO).

    Lieber Wolfgang,


    selbstverständlich habe ich die EMI-Aufnahme mit dem Philharmonia Orchestra gemeint:), sonst hätte ich London Philharmonic Orchestra geschrieben. Meines Wissens hat Karajan in London ausschließlich mit der Philharmonia gearbeitet, jedenfalls sind mir weder Aufnahmen noch Konzerte mit den anderen großen Londoner Orchestern bekannt.


    Davon abgesehen, finde ich Karajans Londoner frühe Aufnahme von Sibelius 2 der Berliner haushoch überlegen. Die erscheint mir recht äußerlich, ohne den rechten Tiefgang. Doch das mag Auffassungssache sein.


    LG Nemorino

    Lieber Joseph II.,


    herzlichen Dank für Deine Informationen. Suitners Schumann-Zyklus ist in Einzelausgaben noch erhältlich, wie ich inzwischen festgestellt habe. Zum Kauf habe ich mich aber noch nicht entschlossen. Immerhin stehen ca. ein Dutzend Schumann-Zyklen, die Einzelaufnahmen nicht mitgerechnet, bei mir im Regal. Es ist nicht nur ein Platz-, sondern auch ein Zeitproblem. Der Tag hat leider nun einmal 24 Stunden, und nicht mehr ....


    LG Nemorino

    Selbst was Karajan (Decca, 1960) und (EMI, 1980) meisterhaft zelebriert

    Lieber Wolfgang,


    sollte mir da etwas durchgegangen sein? Von Karajan kenne ich aus 1960 nur seine legendäre EMI-Produktion mit dem Londoner Philharmonia Orchestra. Aber zu dieser Zeit hat er ja in großem Stil auch Aufnahmen für DECCA gemacht. Doch eine Sibelius-Aufnahme davon ist mir nicht bekannt.


    LG nach Bonn,

    Nemorino

    Das Beethoven-Jubiliäumsjahr neigt sich dem Ende zu, aber ein paar wesentliche Werke des großen Komponisten sind hier noch gar nicht gewürdigt worden.


    Ich stelle heute eine seiner wohl bedeutendsten Schöpfungen hier vor, die

    Missa Solemnis D-Dur, Op. 123

    die in den Jahren 1819 bis 1823 entstanden ist.


    Äußerer Anlaß zu dieser Komposition war die Erhebung von Erzherzog Rudolph von Habsburg, mit dem Beethoven eine lange Freundschaft verband, zum Erzbischof von Olmütz. Diese fand am 9. März 1820 statt, doch das Werk wurde nicht rechtzeitig fertig.


    Beethoven arbeitete daran fast vier Jahre. Schließlich wurde das gewaltige Werk erstmals, fernab von Wien und Olmütz, im Februar 1824 in St. Petersburg aufgeführt. Für liturgische Zwecke ist es wegen seiner Länge ohnehin kaum geeignet. Allein das Sanctus (mit Benedictus) benötigt ca. 15 Minuten! Eine Aufführung während des Gottesdienstes würde - zumindest heutzutage - die anwesende Gemeinde völlig überfordern. So finden öffentliche Aufführungen fast ausschließlich im Konzertsaal statt.


    Und nun stelle ich meine drei Lieblingsaufnahmen dieses "Opus Summum" vor. Kennengelernt habe ich das Werk erstmals auf LP, mit dieser Aufnahme:


    BEETHOVEN Missa Solemnis KARAJAN“ (BEETHOVEN SCHWARZKOPF GEDDA KARAJAN  PHILHARMONIA ORCHESTRA LONDON) – Tonträger gebraucht kaufen – A00CiGqm21ZZf

    mit den Solisten Elisabeth Schwarzkopf (Sopran), Christa Ludwig (Mezzosopran), Nicolai Gedda (Tenor), Nicola Zaccaria (Bass), so dem

    Singverein der Gesellschaft für Musikfreunde Wien, und dem Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Herbert von Karajan

    (Aufnahme: September 1958, Großer Musikvereinssaal, Wien, STEREO). Es ist eine originale EMI/Columbia-Produktion, der Produzent war Walter Legge.


    Natürlich ist die Aufnahme inzwischen auch auf CD greifbar, in dieser Edition des Labels TESTAMENT:

    Missa Solemnis/Sinf.38 (CD), Schwarzkopf/Gedda/Karajan

    Trotz geringfügiger klanglicher Mängel ist diese Interpretation bis heute mein liebste geblieben.

    Karajan hat Beethovens MISSA später noch mehrmals aufgenommen. Seine bekannteste ist wohl diese:


    Beethoven: Missa Solemnis (Bra)

    aufgenommen im Februar 1966 in der Jesus-Christus-Kirche Berlin. Klanglich ist sie der vorgenannten EMI-Ausgabe überlegen, und auch künstlerisch ist sie von hohem Rang. Es gibt sie in diversen Ausgaben auf CD.


    Und hier, ohne Rangfolge, mein dritter Favorit:

    Beethoven:Missa Solemnis - Otto Klemperer: Amazon.de: Musik

    Otto Klemperer und New Philharmonia Orchestra and Chorus London (Aufnahme: 10/1965, Kingsway Hall, London).

    Die Solisten sind Elisabeth Söderström (Sopran), Marga Höffgen (Mezzosopran), Waldemar Kmentt (Tenor) und Martti Talvela (Baß).


    Leider ist die Auswahl in diesem Thread auf drei begrenzt, sonst würde ich gerne noch die späte Aufnahme unter Karl Böhm genannt haben, die er 1974 mit dem Chor der Wiener Staatsoper und den Wiener Philharmonikern aufgenommen hat (DGG). Es ist eine altersweise Interpretation, mit sehr berührenden Momenten. Wenn ich es richtig sehe, ist es auch insgesamt die langsamste Auslegung des Werkes.


    LG Nemorino

    Habe sie mir auch mal in dieser Überspielung zugelegt, macht schon was aus im Klang!

    Lieber Fiesco,


    ich habe weder die eine noch die andere CD-Ausgabe, sondern nur die alte LP-Kassette.


    Es ist bekannt, daß NAXOS besonders gute Überspielungen historischer Aufnahmen herausgebracht hat. Mit Mark Obert-Thorn stand ein kompetenter Toningenieur zur Verfügung, der manches kleine Wunder vollbracht hat. Auch ich habe ein paar wenige davon im Schrank. Hast Du Vergleichsmöglichkeiten zu der von mir gezeigten EMI-Ausgabe?


    LG Nemorino

    Ähnlich unbekannt wie sein um fast 20 Jahre jüngerer italienischer Kollege Alceo Galliera, ist der gebürtige Russe Issay Dobrowen heute nur noch wenigen Musikfreunden ein Begriff.

    File:Conductor Issay Dobrowen (cropped).jpg - Wikimedia Commons


    Dobrowen kommt 1891 in Nischny-Nowgorod zur Welt. Seine musikalische Begabung wird früh erkannt und führt zu einem Studium am Moskauer Konservatorium bei Sergej Tanejew. Später geht er nach Wien und vervollkommnet sein Wissen bei Leopold Godowsky. Bereits 1919 feiert er sein Debüt am Bolschoi-Theater in Moskau, geht aber 1923 nach Dresden, wo es zu einer Zusammenarbeit mit Fritz Busch, dem damaligen Leiter der Semperoper, kommt. Dort leitet Dobrowen die deutsche Erstaufführung von Mussogskys Oper "Boris Godunow". 1924 wechselt er zur Berliner Staatsoper. Ab 1927 wirkt er als Kapellmeister an der Oper in Sofia (1927/28). 1929 folgt Dobrowen einem Ruf an das San Francisco Symphony Orchestra, das er bis 1934 leitet. Trotz der unsicheren politischen Verhältnisse zieht es ihn nach Europa zurück. 1936 wird er Musikdirektor an der Oper in Budapest und bleibt dort bis 1939. Kurz vor Kriegsbeginn siedelt er ins neutrale Schweden über und übernimmt dort die Führung des Sinfonieorchesters von Göteborg, die er bis zu seinem Tod behält. Gastspiele führen ihn immer wieder an die Oper in Stockholm, an der er auch hin und wieder Regie führt. 1948 bis 1953 ist er für das russische Repertoire an der Mailänder Scala zuständig.


    Der englische EMI/Columbia-Produzent Walter Legge wird nach dem Krieg auf ihn aufmerksam und verpflichtet ihn zu einer spektakulären Gesamtaufnahme von BORIS GODUNOW in der russischen Originalsprache, die weite Verbreitung findet und den Dirigenten vielen Opernfreunden zu Beginn der 1950er Jahre bekannt macht:


    Mussorgsky: Boris Godunov (Gesamtaufnahme) (russ.) - Dobrowen, Christoff,  Mussorgsky, Modest Peter: Amazon.de: Musik

    Mit Boris Christoff, der in der Aufnahme die Partien des Boris, Pimen und Warlaam singt, Nicolai Gedda (Dimitrij), Eugenia Zareska (Marina) und Kim Borg (Schtschelkalov) ist sie sängerisch prominent besetzt. Sie wird 1952 in Paris, mit dem "Choeur Russe de Paris" und dem Orchestre National produziert.

    Weiters wird Dobrowen mit einer Aufnahme von Rimsky-Korsakows "Scheherazade" sowie als Begleiter berühmter Solisten, wie Artur Schnabel (Beethoven-Konzerte 1-4), Solomon (Brahms-Konzert Nr. 2, Tschaikowsky-Konzert Nr. 1), Ginette Neveu (Brahms: Violinkonzert) und anderen bekannt. Alles natürlich inzwischen historische Dokumente, die klanglich mit modernen Aufnahmen nicht mithalten können. Dobrowen begleitet auch berühmte Sänger, wie Boris Christoff und Kirsten Flagstad, bei Opern-Recitals.


    Zum Schluß noch ein Kuriosum: 1921 tritt Dobrowen vor Lenin als Pianist auf und spielt ihm Beethovens "Apassionata" vor. Dieses "Ereignis" wird auf einem Foto verewigt, dessen Reproduktion über viele Jahre in fast allen Übungssälen sowjetischer Konservatorien zu sehen ist.


    Dobrowen nimmt schließlich die norwegische Staatsbürgerschaft an und stirbt 63-jährig am 9. Dezember 1953 in Oslo.


    LG Nemorino