Beiträge von nemorino

    Lieber Joseph II.,


    meine Lieblingsaufnahme (trotz Karajan, Bernstein, Münchinger) ist bis heute diese hier:

    Haydn - Grümmer, Traxel, Frick, Chor Der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin,  Berliner Symphoniker, Forster – Die Schöpfung (1989, CD) - Discogs

    Elisabeth Grümmer (Sopran), Josef Traxel (Tenor), Gottlob Frick (Baß);

    Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin und Berliner Symphoniker, Dirigent: Karl Forster (Aufnahme: 27.-30.1. & 17.2.1960, Berlin, Grunewaldkirche).

    Allein schon wegen der herausragenden Solisten ein Erlebnis der besonderen Art. Doch auch die Aufnahmetechnik ist sehr gut (frühes STEREO).


    Die Richter-Aufnahme kenne ich natürlich nicht, aber ich schätze diesen Dirigenten sehr, der in meiner Jugend praktisch als der "Bach-Papst" gelobt und gepriesen wurde und später, nach Beginn der HIP-Ära, entsprechend geringgeschätzt wurde. Ich selber mag bis heute seine damals richtigweisenden Bach-Aufnahmen nicht missen.


    LG Nemorino

    Neu in meiner Sammlung:



    Eben gehört - 2012/13 - Seite 166 - Musik: Erfahren - Capriccio Kulturforum


    Sehr empfehlenswert! Nicht nur die Interpretation, auch der Klang ist einfach super. Das genaue Aufnahmedatum kann ich jetzt auch nennen: 5. Dezember 1973. Die Angaben in den #5, (1970) und # 17 bzw. 22 (1974) sind ungenau.


    LG Nemorino

    Vorgestern bei eBay bestellt, und heute schon im Briefkasten:

    Eben gehört - 2012/13 - Seite 166 - Musik: Erfahren - Capriccio Kulturforum

    Philadelphia Orchestra, Dirigent: Eugène Ormandy. An der Orgel: Virgil Fox (Aufnahme: 5.12.1973).


    Und das für unglaubliche 3,60 €, einschließlich Versandkosten! In der Tat, eine Super-Aufnahme, die meine bisherige Lieblingsversion mit Munch/Boston SO, auf den zweiten Platz verdrängt. Dafür nimmt man die dürftige Textbeilage (sogar Aufnahmedatum und -ort fehlen) gerne in Kauf.


    LG Nemorino

    Der Pianist Arthur Rubinstein war tief berührt vom 2. Satz Adagio des schubertschen Streichquintettes.

    Lieber moderato,


    ganz herzlich möchte ich mich für die Übermittlung dieses Links bedanken! Es bewegt mich zutiefst, daß dier große Artur Rubinstein so ergreifende Worte über diese Komposition gefunden hat. Ich bin zwar nicht unbedingt ein Kammermusik-Freak, aber dieses wunderbare Werk von Franz Schubert übertrifft für mich fast alles, was ich im Laufe meines langen Lebens an Musik kennengelernt habe. Das hat mich auch dazu bewogen, hier ein paar Zeilen einzufügen.

    An anderer Stelle, und zwar im Zusammenhang einer Plattenbesprechung, habe ich folgendes zu diesem Wunderwerk geschrieben:


    "Wenn es sie denn gäbe, die viel beschworene einsame Insel, auf die man nur ein einziges Werk mitnehmen dürfte, dann würden die meisten Klassikfreunde wohl doch Schuberts Quintett C-dur wählen" (Joachim Kaiser).

    Ein Mysterium ist dieses Quintett, eines der ganz großen, unbeschreiblich herrlichen Werke der abendländischen Musik. Wer es einmal gehört hat, der wird es nie wieder vergessen. Es ist eine Musik, die sich praktisch jeder Beschreibung entzieht, sie ist ganz einfach 'Klang gewordene Sehnsucht nach dem Himmel'. Kein anderes Werk aus Menschenhand vermittelt uns wohl mehr Trost als Schuberts Streichquintett D. 956 aus seinem Todesjahr 1828. Es ist eine der ergreifendsten Schöpfungen, die je ein Musiker hervorgebracht hat, ein visionärer Ausblick auf das Drüben, in die andere Welt. Wenn es heißt, Schuberts Musik beschwöre den Himmel, so ist das nirgends so spürbar wie in seinem singulären Streichquartett. Selber hat er es allerdings nie hören können, es wurde erst 1850 in Wien uraufgeführt.

    Alle vier Sätze sind von einer unglaublichen Vollkommenheit. Was Schubert aber im Adagio im Bewußtmachen und Umkreisen von Zeit gestaltet, ist ein visionärer Ausblick in die Ewigkeit. Wenn der dramatische Mittelteil des Satzes zusammenbricht, muß man fürchten, die Musik bleibe stehen (vier Takte erstrecken sich über eine ganze Minute!). Als Igor Strawinsky einmal gefragt wurde, ob ihn die Längen in Schuberts Musik nicht einschläferten, entgegnete er: 'Was tut's, da ich mich beim Erwachen im Paradies wähne?'"


    Den im vorigen Beitrag vorgestellten Aufnahmen möchte ich noch ein paar herausragende hinzufügen, die sich sämtlich in meinem Bestand befinden:

    Streichquintett d 956

    Mit dieser Aufnahme habe ich das Werk erstmals kennen- und liebengelernt. Sie entstand im Dezember 1990 aus Anlaß des 125jährigen Jubiläums der BASF Ludwigshafen in der Dreifaltigkeitskirche zu Speyer am Rhein und wurde im folgenden Jahr zu Weihnachten ausgewählten Geschäftsfreunden der BASF überbracht. Dazu zählte auch ich, und ich gestehe gerne, daß ich ganz selten so erfreut über ein Geschäftspräsent gewesen bin wie über dieses. Es hat bis heute eine Ehrenplatz in meiner Sammlung, obwohl es zweifellos musikalisch durch etliche andere Aufnahmen erreicht und in nicht wenigen Fällen überragt wird.


    Hier ein paar weitere großartige Einspielungen, die unbedingt genannt werden sollten:

    Schubert: Quintet in C major, D. 956; Symphony No. 5 in B-flat Major, D. 485 [Great Performances] by Pablo Casals, Isaac Stern, Alexander Schneider, Milton Katims, Paul Tortelier, P (2006) Audio CD

    Das ist wohl bis heute die Referenzaufnahme schlechthin; sie entstand 1952 beim Prades Festival und hält die Zusammenarbeit einiger Ausnahmemusiker fest, die sämtlich die etwas karge Mono-Klangqualität vergessen machen.


    Die schönen Aufnahmen des Alban-Berg-Quartetts mit Heinrich Schiff (EMI) und des Stuttgarter Melos-Quartetts hat Alfred bereits vorgestellt. Letztere besitze ich in dieser Schubert-Jubiläums-Ausgabe.


    Meisterwerke Vol. 8


    und, last but not least, diese hier:

    Quintett - Bernard Greenhouse, Juilliard String Quartet, Franz Schubert:  Amazon.de: Musik

    Bernard Greenhouse (Cello) und das Juilliard String Quartet, die ich in einer CD-Besprechung mit diesen Worten beschrieben habe:


    "Viele haben es unternommen, das rätselhafte Werk auf Platten zu bannen, aber nur wenige Interpreten haben auch den Atem, den ergriffenen Hörer zu den Sternen zu tragen. Neben der alten Einspielung aus dem Jahr 1952 vom Prades Festival mit Pablo Casals (Sony) und der berühmten Produktion mit dem Wiener Alban Berg Quartett und dem Cellisten Heinrich Schiff (EMI), die 1982 entstand, würde ich noch die Aufnahme mit dem Melos-Quartett und Mstislav Rostropovitsch nennen, die 1978 veröffentlicht wurde.

    Durch Zufall lernte ich vor kurzem auch die hier zur Diskussion stehende mit dem berühmten Juilliard-Quartett und dem US-Cellisten Bernard Greenhouse kennen, und ich zögere keinen Moment, diese Version in den Kreis der herausragenden Produktionen einzubeziehen. Was die Amerikaner hier technisch und musikalisch leisten, ist großartig. Nicht so nüchtern wie das ABQ, aber auch nicht so gefühlvoll wie die Stuttgarter Melos-Musiker, ist hier eine Version entstanden, die sämtlichen Aspekten des rätselhaften Werkes erfolgreich nachspürt und im Ergebnis nicht nur überrascht, sondern schier überwältigt. Höchst lobenswert ist auch die Tatsache, daß die Wiederholung des Kopfsatzes nicht ausgelassen wird und damit das Werkgefüge die richtigen Maße und Proportionen erhält. Eine wunderbare, in allen Teilen überzeugende Einspielung, die in keiner gut sortierten Kammermusik-Sammlung fehlen sollte."


    Das Aufnahmedatum habe ich leider nicht feststellen können; die Textbeilage schweigt sich darüber aus, und auch ansonsten konnte ich keine näheren Angaben finden. In einem CBS-Katalog aus dem Jahr 1978 ist sie aber bereits aufgeführt. Wahrscheinlich entstand sie ca. Anfang der 1970er Jahre. Klanglich gibt es nichts zu bemängeln.


    LG Nemorino

    Tatsächlich hat die billigste DG-Edition, "Resonance" häufig in meinen Augen zwar unspektakuläre, aber oft passende und manchmal ziemlich schöne Cover

    Das trifft für die ersten Ausgaben der Reihe vollkommen zu, während das Design der späteren Veröffentlichungen, die nicht mehr den Schriftzug "Deutsche Grammophon" trugen, sondern nur noch durch den Tulpenkranz als DGG-Erzeugnis kenntlich waren, mit der einheitlichen Balkenschrift alles andere als ein Labsal fürs Auge war. Hier jeweils ein Beispiel aus der ersten und der späteren Serie:


    Mendelssohn, Berlin Philharmonic Orchestra, Schumann, Herbert Von Karajan -  Mendelssohn Symphony No. 4 "Italian"; Schumann Symphony No. 1 "Spring" -  Amazon.com Music  Sinfonie 4/Tragische Ouvert./+


    Die späteren Ausgaben (rechts) waren auf den ersten Blick als Billig-Produkte zu erkennen, während die früheren ästhetisch wesentlich ansprechender aussahen.

    Schließlich wurde die "Resonance"-Reihe ganz eingestellt und durch die Serie "eloquence" abgelöst,

    mit den Covern, die man auch für eine Toiletteseife aus dem Supermarkt hätte verwenden können.

    :thumbup:


    LG Nemorino

    Auch "Galleria" war nicht mein Geschmack.

    .... der meine auch nicht. Cover und Inhalt paßten ganz einfach nicht zusammen. Obwohl hier die meisten der vorgestellten Bilder zumindest noch erträglich waren, wie zum Beispiel dieses:


    Grieg: Klavierkonzerte


    Es gehört eigentlich nicht hierhin, und doch möchte ich bei dieser Gelegenheit auf zwei Serien aufmerksam machen, die zwar möglicherweise wenig gehaltvolle, aber immerhin recht geschmackvolle Malerei gezeigt haben. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen.

    Einmal die Serie "The Royal Edition" von Sony/CBS, die in 100 Ausgaben Aufnahmen von Leonard Bernstein mit Gemälden von "HRH The Prince of Wales" (Prinz Charles) verband. Die Malerei des Prinzen hat international wenig Aufmerksamkeit und noch weniger Begeisterung erregt, selbst in England war die Aufnahme verhalten. Doch insgesamt handelt es sich um eine repräsentative, geschmacklich ansprechende Reihe. Hier ein paar Beispiele:


    The Royal Edition Vol. 65 Sinfonien 3 + 5 The Royal Edition 60 Beethoven: Missa Solemnis; Choral Fantasy / Haydn: Theresia Mass (Bernstein Royal Edition #11) by Kim Borg / Eileen Farrell (1992-08-02) The Royal Edition Vol. 84

    Dasselbe möchte ich von der "Karajan-Edition" der DGG sagen, die "100 Meisterwerke" des Dirigenten mit Gemälden seiner Frau Eliette kombinierte, was von zahlreichen Karajan-Gegnern seinerzeit als "diskographische Zugewinngemeinschaft" (Klaus Umbach im SPIEGEL) verteufelt wurde. Und der Schweizer Verleger Robert C. Bachmann lästerte in seiner Biographie "Karajan - Anmerkungen zu einer Karriere" (Econ-Verlag, Wien): "Er dirigiert - sie dekoriert". Sei's drum! Auch hier habe ich einige Beispiele herausgegriffen:

    Symphonie Nr. 9 (Karajan-Edition: 100 Meisterwerke) Karajan-Edition: 100 Meisterwerke (Brahms) Karajan-Edition: 100 Meisterwerke (Grieg / Sibelius) Karajan-Edition: 100 Meisterwerke (Borodin / Brahms / Tschaikowsky / Smetana)


    Ich bin kein Kunstkenner, aber ich finde, beide Serien erfreuten Ohr und Auge gleichermaßen. Welten liegen zwischen diesen Ausgaben und dem, was heutzutage - zumindest überwiegend - dem Käufer aufgetischt wird.


    LG Nemorino

    Tatsächlich, lieber nemorino, muss ich wohl unbewusst auch an Fontane gedacht haben dabei.

    Lieber Joseph II.,


    die beiden, ein wenig aus der Mode gekommenen Begriffe "inzedent und degoutant" haben mich gleich an Fontane denken lassen, und da ich "Effi Briest" est kürzlich (zum wiederholten Male) gelesen hatte, war ich rasch auf der richtigen Spur. Es ist im 17. Kapitel zu finden. Der Satz lautet wörtlich: "Nein, Crampas, so dürfen Sie nicht weitersprechen. Das ist indezent und degoûtant zugleich. Und das alles so ziemlich in demselben Augenblick, wo wir frühstücken wollen."


    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende*,

    Nemorino:hello:


    *Hoffentlich nicht so verregnet wie hier, im Rheinland hat der Herbst über Nacht Einzug gehalten:huh:!


    Schlimmer waren die ersten EUROPÄISCHEN "Eloquence"-Veröffentlichungen, ihr wisst schon, die mit den Covern, die man auch für eine Toiletteseife aus dem Supermarkt hätte verwenden können. Auch hier wurde der Käufer indirekt gedemütigt. (.....)

    Sowas habe ich nur dann genommen, wenn es in keiner anderen Version am Markt war.

    .... und sofort gegen eine qualitativ und optisch bessere ausgetauscht, sobald eine solche auf dem Markt erschien, wie beispielsweise hier:

    Rafael Kubelik - Dvorak: Symphonie No.9 (BP), Smetana: Die Moldau, Böhmen (BSO)  Sinfonie Nr. 9 "Aus der neuen Welt" (Virtuoso)


    Als die "Virtuoso"-Ausgabe erschien, habe ich das primitive "eloquence"-Produkt umgehend entsorgt! Es gab die Aufnahme auch als "Originals":

    The Originals - Dvorak: Sinfonie Nr. 8 und 9 - Aus der Neuen Welt


    doch dieses Cover fand ich so grauenhaft, daß ich vom Kauf abgesehen habe. Hier hat man den Eindruck, daß der Dirigent im nächsten Augenblick von den umgebenden Wolkenkratzern erschlagen wirdX(!


    LG Nemorino

    Das Schöne an den Originals finde ich, dass im Booklettext über die konkrete Aufnahme geschrieben wird und nicht über das "Werk".

    Das finde ich tatsächlch eher einen Nachteil.

    So gehen die Meinungen auseinander. In diesem Fall stimme ich Johannes Schlüter zu, weil man bei den "Originals" viele interessante Details über die Aufnahme und die beteiligten Künstler findet, statt zum x-ten Mal zu lesen, wann, wo und wie z.B. Beethoven seine Fünfte komponiert hat.

    Für mich würde zu "Originals" eine 1:1 Kopie des ursprgl. Beitextes gehören.

    Das ist prinzipiell richtig; RCA hat das in seiner (inzwischen eingestellten) Serie "Living Stereo" so gemacht. In den Booklets finden sich da stets die ursprünglichen Texte der originalen LPs. Nachteil hier: sie sind nur englisch abgefaßt.


    LG Nemorino

    Unsereins ist offenkundig nicht der Adressat für solche Boxen. Dennoch finde ich es gut, wenn sie herausgegeben werden.

    So ist es, lieber Rüdiger. Manches wird dadurch vor dem endgültigen Vergessen bewahrt, und natürlich sind die Riesenkisten enorm platzsparend, im Vergleich zu den Jewelbox CDs. Die sehen zwar schön aus, aber so richtig praktisch sind sie auch nicht.

    Selbst hebe ich ja kaum mehr neue CDs auf. Was ins Haus kommt, wird sofort digitalisiert.

    Das mache ich nun gar nicht. Ich muß eine CD in der Hand haben, mit Booklet (auch wenn es noch so mickrig ist). Während des Hörens liegt stets die Textbeilage vor mir, das gehört für mich einfach dazu. Aber meine Regale und Schränke platzen dadurch natürlich aus allen Nähten:(.


    Schönes Wochenende und liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    Ich glaube allerdings auch, dass man nicht zwingend erwarten darf, eine CD-Überspielung in einer bestimmten Reihe/Serie zu erhalten. Immerhin sind fast alle der genannten Aufnahmen auf CD zu kriegen.

    Hallo patebino,


    von "zwingend erwarten" kann natürlich nicht die Rede sein, hier geht es ja um Wünsche. Ich weiß, daß alle von mir genannten Aufnahmen auf CD überspielt wurden und, zumindest zum Teil, noch erhältlich sind. Doch als Sammler freut man sich immer, wenn man eine ganz bestimmte Aufnahme in einer repräsentativen Aufmachung, am liebsten mit dem Cover der Original-LP, bekommen kann.

    Ich bin mir auch bewußt, daß meine weiter oben geäußerten Wünsche nicht in Erfüllung gehen, denn die Zeit bleibt nicht stehen, und die (noch verbliebenen) Plattenfirmen werden sich lange überlegen, eine Wiederveröffentlichung als Einzel-CD vorzunehmen. Da wird man ganz sicher zunächst einmal sorgfältig die Verkaufschancen prüfen. Und dabei fällt dann das meiste durch den Raster, bzw. wird höchstens noch in umfangreichen Kisten wieder aufgelegt. Damit muß man sich abfinden, so sehr man das auch bedauern mag.


    LG Nemorino

    Gerade diese Rotunterlegung des Stereo-Schriftzuges hat für mich etwas geradezu Mustergültiges.

    Lieber Joseph II.,


    auch ich habe es seinerzeit bedauert, als die DGG so ab ca. 1964 auf die Rotunterlegung verzichtete. In dieser Hinsicht ist unser Geschmack völlig identisch. Ich habe beim Kauf noch lange darauf geachtet, ob es die gewünschte Platte noch in der älteren Ausgabe mit dem rot unterlegten Schriftzug "STEREO" gab und, wenn ja, diese genommen.

    Betrachte ich die neueste Entgleisung des Netrebko-Albums, komme ich nicht umhin, Dir beizupflichten. Damit sei gar nichts über die Platte selbst gesagt (die wir ja alle zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht kennen können). Ich finde diese Gestaltung auch indezent, um nicht zu sagen degoutant.

    ".... und das so ziemlich in demselben Augenblicke, wo wir frühstücken wollen"^^, sprach Effi Briest zu Crampas. Daran mußte ich spontan denken, als ich Deinen Satz las. Vermutlich hattest auch Du dabei Fontanes Meisterwerk im Sinn.


    Schönen Tag und liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    Für den 24. September 2021 kündigte Warner eine große Box mit den Einspielungen von Furtwängler an,

    Lieber Rüdiger,


    vielen Dank für Deinen Hinweis.


    Die Box mit 55 CDs mag für jeden Furtwängler-Verehrer eine Verlockung sein, bei einem Preis von umgerechnet 2,36 € pro CD.

    Und trotzdem: Mich beschleicht immer ein Unbehagen bei diesen Riesenkisten. Erstens: wann soll man das alles hören, zweitens: das Meiste werden die Furtwängler-Liebhaber schon besitzen, und drittens: aus diesen Boxen eine bestimmte CD herauszufischen, ist für mich jedes Mal ein K(r)ampf. Deshalb meide ich diese Ausgaben wenn irgend möglich. Nur zwei stehen bei mir, und das schon seit Jahren: Einmal die Fricsay-Box der DGG mit den Instrumentalaufnahmen (45 CDs), zum anderen die GA der Haydn-Sinfonien unter Adam Fischer (Denon, 33 CDs). Das meiste davon - ungehört! :(

    Was mich einzig und allein zum Kauf der Furtwängler-Box verleiten könnte, sind die Original-Cover der früheren LP-Ausgaben. Aber dafür 130 € hinzublättern, das muß ich mir noch lange und reiflich überlegen.


    LG Nemorino :hello:

    Eine weitere schöne, zu Herzen gehende Romanze hat Frédéric Chopin in sein Klavierkonzert Nr. 1 e-moll, op. 11, eingebaut. Und wenn sie so unsentimental und schnörkellos gespielt wird wie auf dieser CD, so wird das Stück zu einem wahren Meisterwerk:

    Chopin Coll./Klavierkonz.1+2

    Artur Rubinstein (Klavier) und das New Symphony Orchestra of London, Dirigent: Stanislav Skrowaczewski (Aufnahme: 6/1961, London).


    LG Nemorino

    Lieber Joseph II.,


    .... wie gewollt und nicht gekonnt, damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen. Der einstmals gute Geschmack, den die DGG in der Covergestaltung zeigte, ist inzwischen total abhanden gekommen. Nun ja, da sitzen heute Leute, die mit dem Traditionsunternehmen Deutsche Grammophon Gesellschaft nichts mehr zu tun haben. DGG ist heute nicht mehr und nicht weniger als ein Label von Universal Classics. Das sagt eigentlich alles

    Ein ästhetischer Makel ist auch das leere Feld unten, wo früher "STEREO" stand (siehe auch die LP-Abbildungen weiter oben im Thread). Da fehlt doch ohne schlichtweg etwas!

    In dieser Hinsicht muß ich Dich korrigieren, lieber Joseph. Das von Dir beanstandete "leere Feld" war ursprünglich leer. Es wurde erst mit dem Wort "STEREO" gefüllt nach Einführung dieser neuen Technik, erst schwarz auf gelb, später dann rot unterlegt, damit es noch deutlicher ins Auge fiel. Ab ca. 1964 wurde die rote Farbe dann wieder weggelassen, und es blieb danach bei der schwarzen Schrift auf gelbem Untergrund. Später hieß es dann in diesem Feld "Numerique", nach Beginn der Digital-Ära.

    Hier ein paar Beispiele aus den 1950er Jahren:

    Smetana – Berliner Philharmoniker, Ferenc Fricsay – Die Moldau (Vltava)  (Vinyl) - Discogs Mozart - Berliner Philharmoniker, Karl Böhm – Eine Kleine Nachtmusik /  Serenata Notturna (Vinyl) - Discogs LP Mozart / Weber Konzerte für Klarinette und Orchester,, Geuser,  Radio-Symph-O | eBay Wolfgang Amadeus Mozart - Joseph Fuchs ∙ Lillian Fuchs ∙ Zimbler-Sinfonietta  – Konzertante Sinfonie Es-dur KV 364 (Für Violine, Viola Und Orchester)  (1958, Vinyl) - Discogs RIAS Symphonie-Orchester Berlin*, Berliner Symphoniker, Ferenc Fricsay – Sinfonie Nr. 1 B-dur (Frühlingssinfonie) / Aus Böhmens Hain Und FlurKonzert für Violine und Orchester D-dur op. 61 by Berliner Philharmoniker /  Paul van Kempen / Wolfgang Schneiderhan (Album; Deutsche Grammophon; LPM 18  099): Reviews, Ratings, Credits, Song list - Rate Your Music


    Doch hier stimmte die Ästhetik, Kartusche und Schriftzüge harmonierten.


    Welche "geschmacklichen Wunderwerke" die DGG heutzutage ihren Kunden zumutet, kann man hier eindrucksvoll erleben:

    10681443

    Kommentar überflüssig!


    LG Nemorino

    Lieber Don Gaiferos,


    danke für die Aufklärung. Siegfried Borries ist in meiner LP-Sammlung mit dieser Aufnahme vertreten:

    SPOHR Violinkonzert BEETHOVEN Romanzen 1 & 2 - BORRIES - JOCHUM - NM-

    Daß er das Amt des 1. Konzertmeisters bei den Berliner Philharmonikern bekleidet hat, war mir nicht bekannt.


    Wie ich gesehen habe, gibt es noch weitere Aufnahmen mit ihm, sogar das Beethoven-Konzert hat er, mit dem Dirigenten Fritz Rieger, der lange Jahre GMD der Münchner Philharmoniker war, eingespielt:

    LP/BEETHOVEN/BORRIES/RIEGER/VIOLINKONZERT/DONAULAND 4028 *


    Ein brauchbares Cover kann ich leider nicht einfügen, nur das Plattenetikett. Dieses dürfte vielleicht für unseren Administrator Alfred interessant sein, weil es eine Sonderauflage von "Donauland" ist, die - was ich gar nicht wußte - LPs unter eigenem Etikett vertrieben hat. Es handelt sich wohl um eine Mono-Produktion aus den 1950er Jahren.


    LG Nemorino

    Das Brahms-Konzert scheint zu den Favoriten von Zino Francescatti gehört zu haben, immerhin hat er es mehrfach aufgenommen, und es existieren auch Mitschnitte, so dieser hier von den Salzburger Festspielen 1958:

    Mitropoulos dirigiert Beethoven und Brahms (Aufnahme Live Salzburger Festspiele 26.08.1958)

    Hier spielt er zusammen mit den Wiener Philharmonikern dieses Konzert, die musikalische Leitung hatte kein Geringerer als Dimitri Mitropoulos. Wie dieser Mitschnitt technisch ausgefallen ist, kann ich leider nicht sagen, da mir die CD nicht vorliegt.


    LG Nemorino

    Robert Schumann (1810-1856), der wohl bedeutendste deutsche Komponist der Romantik, nennt in der revidierten Fassung (1851) seiner Sinfonie Nr. 4 d-moll, Op. 120, den zweiten Satz: "Romanze" (Ziemlich lebhaft).

    Schöner als Wilhelm Furtwängler in seiner Kultaufnahme vom 14.5.1953 kann man diese Romanze nicht erleben:


    Wilhelm Furtwängler – Haydn: Symphonie No.88 G-dur Hob.I: 88 / Schumann:  No.4 D-moll Op. 120 (2013, SHM-CD, CD) - Discogs

    Es gibt die Aufnahme auf CD noch in weiteren Versionen, die obige ist wohl die neueste und zeigt das Original-Cover der ersten LP-Ausgabe.

    Während der Aufnahmesitzungen sagte Furtwängler zu seinem Orchester, den Berliner Philharmonikern: "Wir haben jede Menge Zeit, es ist an dem Stück gar nichts dran, wenn man es so herunterrasselt." In der Romanze forderte Furtwängler von den Musikern "Immer singen, das ist alles Gesang!"

    Ich kenne mindestens ein Dutzend Aufnahmen von Schumanns Vierter, aber keiner gestaltet das Werk, und insonderheit die Romanze, so liebevoll und läßt die Musik so weich fließen. Besonders schön die Solovioline, die wirklich verzaubernd klingt und singt. Leider wird der Solist nicht namentlich genannt. Michel Schwalbé kann es nicht sein, der wurde erst von Karajan, also nach Furtwänglers Tod, engagiert. Vielleicht weiß jemand, wer in Furtwänglers Spätzeit Konzertmeister der Berliner Philharmoniker war.


    LG Nemorino

    Auf die Stärken und Schwächen von Anna Netrebko möchte ich hier und heute nicht näher eingehen.


    Doch ich habe mich heute an anderer Stelle dazu bekannt, daß bei mir das Auge mitkauft, was nicht heißt, daß ich eine CD nur des Covers wegen anschaffe, aber für mich müssen Inhalt und Verpackung anziehend sein.


    Nun habe ich hier heute dieses Cover der neuesten (?) CD von Anna Netrebko gefunden, und ich muß sagen, daß ich es schlicht und ergreifend scheußlich finde. Die Abbildung ist dazu angetan, kleine Kinder zu erschrecken bzw. frühzeitig ins Bett zu befördern. Es mag ja durchaus sein, daß mein Geschmack nicht der modernste ist, aber es gibt durchaus auch moderne Bilder, Grafiken und Fotos, die sich sehen lassen können. Dieses hier:

    Amata Dalle Tenebre (Deluxe Set)

    erfüllt in jeder Beziehung die Anwartschaft auf das häßlichste, abstoßendste CD-Cover des Jahres 2021. Zumindest nach meiner unmaßgeblichen Meinung. Mit "amata dalle tenebre" kann ich das jedenfalls nicht in Beziehung bringen. Ein Bild zum Davonlaufen!


    LG Nemorino

    Ein großes Konzert mit Zino Francescatti fehlte noch in meiner Sammlung, das von Johannes Brahms.


    In einer alten Plattenbesprechung hieß es seinerzeit: ".... die Darstellung von Francescatti, auf die man sich so sehr gespitzt hatte, ist hervorragend gespielt; leider aber ist sie klanglich nicht sonderlich gut gelungen."

    Dieser Satz wurde im Jahr 1959 geschrieben, bezog sich demnach auf die Aufnahme mit dem Philadelphia Orchestra unter Eugene Ormandy aus dem Jahr 1956, die noch in Mono produziert wurde. Die amerikanische Columbia (CBS) hinkte leider mit der Einführung der Stereophonie hinterher, während ihr US-Konkurrent RCA bereits 1954 mit der Stereo-Produktion begann. Es handelte sich also um diese Version:

    Concerto Pour Violon et Orchestre (Francescatti, Ormandy)

    die in Westeuropa unter dem PHILIPS-Label vertrieben wurde. Erst ab 1963, nachdem der Kooperationsvertrag mit PHILIPS ausgelaufen war, wurden die Aufnahmen der Columbia unter dem Label CBS in Deutschland und dem westeuropäischen Raum angeboten.


    Nun fand ich kürzlich diese Aufnahme mit dem großen, von mir hochverehrten französischen Geiger:


    Leonard Bernstein, Brahms, Sibelius, Zino Francescatti, New York  Philharmonic – Violin Concerto / Violin Concerto (1992, CD) - Discogs

    gekoppelt mit dem Sibelius-Konzert. Ich habe die CD prompt gekauft und die Anschaffung nicht bereut. Das Brahms-Konzert wurde am 15.4.1961 im Manhattan Center, New York City, aufgenommen. Es klingt nicht nur ausgezeichnet, sondern ist auch künstlerisch ganz hervorragend. Francescattis schlanker Geigenton erinnert sehr an Henryk Szeryng, dessen legendäre Aufnahme mit Pierre Monteux (RCA, 1958) wohl bis heute niemals übertroffen wurde. Leonard Bernstein ist ein aufmerksamer Begleiter, doch im direkten Vergleich mit Monteux kommt das Orchester doch etwas pauschal aus den Lautsprechern. Manche Feinheit, die Monteux zutage fördert, entgeht Bernstein. Doch insgesamt ist es eine sehr schöne Aufnahme, die in meiner Francescatti-Sammlung noch gefehlt hat. Das Sibelius-Konzert besaß ich schon in einer anderen Zusammenstellung. Auch diese Aufnahme ist es wert, in jede gute Geigen-Diskothek Eingang zu finden.


    LG Nemorino

    Vorab eine grundsätzliche Frage: Wird die Serie "The Originals" von der DGG überhaupt noch weitergeführt, oder gibt es nur noch den Abverkauf längst gestrichener Ausgaben? Kann dazu jemand näheres sagen? Dieser Thread wurde bereits 2007 eröffnet, und inzwischen ist viel Zeit ins Land gegangen.


    Ich persönlich habe diese Reihe sehr geliebt und mindestens 60 "Originals" in meinem Regal stehen. Doch auf die Wiederauflage folgender ehemals begehrter LP's (sie stammen restlos aus den 1960er Jahren) habe ich vergeblich gehofft:

    Mozart/Weber: Klarinettenkonzerte/Clarinet Concertos [Vinyl LP] [Schallplatte] Robert Schumann / Edvard Grieg - Géza Anda , Rafael Kubelik , Berliner Philharmoniker - Klavierkonzerte In a-moll · Piano Concertos In A minor - Deutsche Grammophon - 138 888 SLPM, Deutsche Grammophon - SLPM 138 888 Liszt: Mazeppa / Ungarische Rhapsodien Nr. 4 & 5 / Ungarische Fantasie [Vinyl LP] [Schallplatte] Schubert: Symphonie Nr. 8 "Unvollendete/Unfinished" / Beethoven: Fidelio - Leonore III - Coriolan (Ouvertüren) [Vinyl LP] [Schallplatte]


    Die Klarinettenkonzerte von Mozart und Weber (Aufnahme: 1968) gab es mal in der Billig-Serie "Resonance", da war noch das Fagottkonzert mit Maurica Allard/Igor Markevitch (1960) dabei. Eine recht spartanische Ausgabe, ohne jede Textbeilage, und mit einem wenig ansprechenden Cover.

    Aus der LP mit den Konzerten von Schumann und Grieg wurde das Grieg-Konzert seinerzeit auf "Originals" mit dem 2. Klavierkonzert von Brahms (unter Karajan) veröffentlicht, eine wenig überzeugende Zusammenstellung.

    Die opulenten Liszt-Aufnahmen Karajans mit den Berliner Philharmonikern haben m.W. nie Eingang in die "Originals"-Reihe gefunden (besonders erfreulich war die Aufnahme der Fantasie für Klavier u. Orchester mit Shura Cherkassky, 1960 aufgenommen). Auch fehlt Schuberts "Unvollendete" aus dem Jahr 1964, die mir im Vergleich zu den beiden EMI-Aufnahmen von 1958 und 1977 als Karajans beste Aussage erscheint.

    Ich gebe gerne zu, bei mir kauft das Auge mit, und ich fand die obigen Cover besonders ansprechend und zu den jeweiligen Werken passend.


    Das wären meine Wunschkandidaten an die Deutsche Grammophon, wenn die beliebte und großartige Serie noch einmal aufleben sollte.


    LG Nemorino

    Kann das gelingen ?

    Ich sage NEIN, besonders wenn ich das mit dm VC-Original mit Francescatti / Schippers (SONY) oder Oistrach / Ormandy (SONY) vergleiche.

    Lieber Wolfgang,


    nein, das ist ein mißglücktes Experiment, besser gesagt, ein Greuel. Für mich hört es sich ganz schrecklich an, wenn ich auch zugebe, daß eingefahrene Hörgewohnheiten da mit hineinspielen.


    Ich habe schon meine Probleme mit Beethovens eigener Umarbeitung seines Violinkonzertes in ein Klavierkonzert, umso mehr aber mit der Bearbeitung eines erstklassigen Werkes durch einen "Fremdling". Man sollte immer davon ausgehen, daß die Tonschöpfer sich etwas dabei gedacht haben, wenn sie ein Konzert für ein ganz bestimmtes Instrument geschrieben haben.

    Im übrigen treffen sich unsere Geschmäcker hier mal wieder total, ich möchte nur Francescatti/Schippers und Oistrach/Ormandy noch die herrlich gegeigte und unübertroffene virtuose Darstellung durch Heifetz / Reiner mit dem CSO (RCA) hinzufügen, die auch klanglich (trotz frühem Stereo/April 1957!) glänzend gelungen ist. Wer diese drei Aufnahmen besitzt, braucht eigentlich keine anderen (obwohl ich noch mindestens 10 weitere im Regal habe^^).


    Liebe Grüße nach Bonn,

    Nemorino :hello:

    Klemperer (1956 & 1964)

    Lieber Joseph II.,


    zunächst bitte ich um Nachsicht, daß ich erst jetzt Deinen Beitrag 142, für den ich mich ganz herzlich bedanke, vom Montag beantworten kann.


    Daß ich ein eingefleischter Klemperer-Verehrer bin, habe ich schon mehrfach, u.a. auch in diesem Thread, betont. Seine Auslegungen der Beethoven-, Brahms- und Bruckner-Sinfonien sind Dokumente, deren Wert gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Auch seine späten Mozart-Sinfonien (incl. der Nr. 25!) stehen bei mir ganz hoch im Kurs. Doch bei Klemperers Interpretationen der "Kleinen Nachtmusik" melde ich Bedenken an, ohne den Wert seiner Lesart im Prinzip anzuzweifeln. Ganz richtig stellst Du fest:

    Tatsächlich wertet Klemperer "Eine kleine Nachtmusik" beinahe zur Symphonik auf.

    Und genau da liegt für mich der Ansatzpunkt zur Kritik. "Die kleine Nachtmusik" ist eine Serenade, d.h. auf gut Deutsch ein Ständchen, das auch noch ausdrücklich als "Nachtmusik" bezeichnet wird. Doch in Klemperers Sicht (Furtwängler wählt den gleichen Ansatz) wird aus dieser an sich harmlosen, wenn auch wertvollen Musik quasi eine kleine Sinfonie geformt, was nach meinem Empfinden nicht in der Absicht des Schöpfers gelegen hat. Daß damit "eine gute Portion Anmut", wie Christopher Howell schreibt, einhergeht, unterliegt keinem Zweifel, und trotzdem bleibt der Gesamteindruck einer gewissen Schwergewichtigkeit, der diesem anmutigen Stück nicht recht ansteht, bestehen. Wohl bemerkt: Auch ich möchte auf beide Klemperer-Versionen in meiner Sammlung nicht verzichten, doch der Eindruck einer "Fehlinterpretation" auf hohem Niveau bleibt (bei mir) hängen, und das gilt gleichermaßen für 1956 und 1964, wobei letztere zwar deutlich besser klingt, aber durch die noch moderateren Tempi (in allen Sätzen) noch weniger an eine Serenade denken läßt. Von Verschleppen kann allerdings keine Rede sein, das ist ohnehin nicht Klemperers Sache, und mit der Feststellung:

    Der Kopfsatz hat eine Majestät, so dass man fast ehrfürchtig lauscht.

    triffst Du den Nagel auf den Kopf! Ich denke, wir treffen uns mit dem Fazit, daß es sich in beiden Fällen um echte, unverwechselbare Klemperer-Dokumente handelt, die für jeden Verehrer dieses außergewöhnlichen Dirigenten, dessen ganzes Leben von Schicksalsschlägen geprägt war, ganz unverzichtbar und unentbehrlich sind. Was explizit die "Kleine Nachtmusik" betrifft, so ziehe ich leichtere, beschwingtere Lesarten vor, die dem Titel des Werks m.E. mehr entsprechen. Das ist aber ein ganz persönliches Geschmacks- und keinesfalls ein Werturteil, wie aus meinen Ausführungen wohl klar hervorgeht.


    Zum guten Schluß noch ein Wort

    Zum Orchester: Ja, 1964 klingt es noch besser, was den Mythos Lügen straft, das Philharmonia Orchestra habe an Qualität verloren, seit das "New" vorangestellt war.

    Da bin ich völlig mit Dir einverstanden. Das Orchester hat zwar durch den plötzlichen, mehr aus persönlichem Frust erfolgten Rückzug seines Gründers und Mentors Walter Legge eine schwierige Zeit erleben müssen, doch nach einigen Querelen und der Entscheidung Otto Klemperers, weiterhin als Chefdirigent tätig sein zu wollen, erlebte das "New Philharmonia Orchestra" praktisch eine zweite Blütezeit, die erst nach dem altersbedingten Ausscheiden Klemperers zu Ende ging. Immerhin hat das Orchester bis heute überlebt, wenn es auch längst nicht mehr die Bedeutung hat, die es in seinen Glanzzeiten unter Herbert von Karajan und Otto Klemperer genoß. Die Aufnahmen aus dieser Ära gelten nach wie vor als Meilensteine in der Geschichte der Tonaufzeichnung.


    LG Nemorino

    Gibt es die Mono-Aufnahme von Friscay auch auf CD oder nur auf LP?

    Lieber Holger,


    die von mir in Beitrag 126 gezeigte Mono-Fassung von Fricsay ist identisch mit der Stereo-Ausgabe. Sie wurde am 29./30.4.1958 in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem aufgenommen.

    In den ersten Jahren nach Einführung von Stereo war es üblich, alle Neuaufnahmen sowohl in Mono als auch in Stereo zu veröffentlichen, weil die alten Mono-Abspielgeräte angeblich die Stereoplatten beschädigen würden. Erst ab ca. 1963/64 gab es nur noch eine Ausgabe, auf der es üblicherweise hieß: "Stereo, auch Mono abspielbar".


    Nochmals schönen Sonntag nach Münster!


    Nemorino:hello:

    Während seines Paris-Aufenthalts 1778 schrieb Mozart für den berühmten Choreographen Jean Georges Noverre (1727-1810) die Musik zu der Ballettpantomime "Les Petits Riens", KV Anh.10/299b, in der Hoffnung auf einen größeren Auftrag zur Komposition einer Oper. Doch er wurde von Noverre nur hingehalten, obwohl er Noverre die Ballettmusik unentgeltlich überlassen hatte.

    Trotzdem wurde die Uraufführung von "Les Petits Riens" am 11. Juni 1778 in der Grand Opéra Paris ein schöner Erfolg. Es kam zu insgesamt sechs Aufführungen, die große Beachtung fanden. 1781 wurde das Stück in London aufgeführt, ebenfalls sehr erfolgreich. Doch danach geriet es unbegreiflicherweise in Vergessenheit und wurde erst nach fast 100jähriger Pause im Jahr 1872 wiederentdeckt. Das Autograph befindet sich noch heute in der Bibliothèque de l'Opéra Paris. Allerdings waren einige Lücken zu füllen, da einige Teile nicht auffindbar war. Der Dirigent und Mozartforscher Bernhard Paumgartner hat geschickt die fehlenden Teile ersetzt und dafür gesorgt, daß ein spritziges Finale das Ballett beschließt, das durch Eleganz, Charme und Leichtigkeit den Hörer gefangen nimmt. Das Stück besteht aus einem Akt mit drei Tableaus.


    Personen der Handlung: Gott Amor, Schäfer und Schäferinnen.

    Handlung: Die Schäfer und Schäferinnen erlauben sich mit Gott Amor einen kleinen, harmlosen Schabernack. Er wird in eine Falle gelockt und in einen Käfig gesperrt. Danach wird "blinde Kuh" gespielt. Es ist natürlich unerhört, den Liebesgott für längere Zeit gefangen zu halten. Selbstverständlich ist das alles ja auch nur als Scherz gedacht, wir leben ja im Zeitalter des Rokoko.

    Doch Gott Amor ist nachtragend. Wieder in Freiheit, beschließt der Beleidigte, dem ausgelassenen Völkchen einen Denkzettel zu verpassen. Er stellt ihnen einen schönen, jungen Knaben vor. Die Mädchen verlieben sich auf der Stelle in ihn und hegen große Erwartungen. Doch aus den frivolen Spielchen wird nichts. Der hübsche Jüngling ist nämlich ein verkleidetes Weibchen. Damit es das Publikum auch glaubt, stellt der Gegenstand der Erwartungen schließlich körperliche Attribute zur Schau, die unverkennbar weiblich sind. Die Moral von der Geschichte: Gott Amor läßt sich nicht ungestraft verspotten. Er rächt sich immer!


    Abgesehen von dieser harmlosen, fast nichtigen Handlung fesselt uns Mozarts Musik vom ersten bis zum letzten Takt. Sie enthält insgesamt vierzehn Stücke, wie folgt:

    1. Ouvertüre (Allegro), 2. Largo, 3. Gavotte, 4. Andantino, 5. Larghetto, 6. Allegro, 7. Gavotte joyeuse (Allegro), 8. Adagio, 9. Cornemuse, 10. Gavotte gracieuse, 11. Pantomime, 12. Passepied, 13. Gavotte, 14. Finale: Andante. Ich habe die Musik mit dieser LP kennengelernt:

    Mozart: Ballettmusik zu LES PETITS RIENS und Ouvertüren zu: Il Re pastore, Lucio Silla, La finta semplice & Der Schauspieldirektor [Vinyl LP] [Schallplatte]

    Sir Neville Marriner und die Academy of St. Martin-in-the-Fields (Aufnahme: 1972, London).


    Die englische Original-Ausgabe auf LP zeigte ein schönes Foto der Academy mit ihrem Gründer und Chef:


    Vier Ouvertures • Balletmuziek "Les Petits Riens"



    Sie ist auch auf CD erhältich, u.a. in dieser Ausgabe:

    Mozart - Les petits riens, Eine kleine Nachtmusik, L. Mozart Toy Symphony - Marriner - Academy of St. Martin-in-the-Fields (2008-01-13)


    Marriner dirigiert mit Hingabe und großem Feingefühl diese wunderschöne Musik. Es gibt aber noch andere Aufnahmen, die ich hier zumindest erwähnen möchte, obwohl mir diese nicht vorliegen:

    Mozart: Eine kleine Nachtmusik / Six German Dances / Les Petits riens (2003-02-18)  Petits Riens/Deutsche Tänze/+


    sowie einen Live-Mitschnitt von der Salzburger Festspielen 1979:

    Symph. Kv 297 Konzertarien Les Petits Riens Floten by Mozart, W.A. (1994-07-04)


    und auch Willi Boskovsky mit seinem Wiener Mozart-Ensemble hat sich mit dem Werk beschäftigt:


    Mozart: Ballettmusik LES PETITS RIENS & Ballettmusik aus IDOMENEO [Vinyl LP] [Schallplatte]

    Diese Aufnahme hat es m.W. bis heute nicht auf die CD geschafft, ist aber gebraucht auf Langspielplatte immer noch erhältlich.


    LG Nemorino

    Was mich wirklich wundert, lieber nemorino, dass Otto Klemperer mit keinem einzigen Wort in diesem Thread bisher erwähnt wurde. Unter seinem Dirigat gibt es offenbar sogar zwei Einspielungen für EMI

    So ganz stimmt das nicht, lieber Joseph II.:):

    Zur Auswahl standen: Furtwängler, Klemperer (2x), Karajan (3x), Böhm (2x), Bruno Walter, Szell, Marriner (2x), Keilberth, Colin Davis und Ferenc Fricsay.

    .... schrieb ich im Beitrag Nr. 126. Er wurde erwähnt, aber nicht näher gewürdigt. Das will ich jetzt gerne nachholen.


    Ich besitze beide Klemperer-Versionen, die von 1956 und die von 1964. Vorausschicken möchte ich, daß Otto Klemperer einer meiner Lieblingsdirigenten ist, dessen Aufnahmen (zumindest die Nachkriegsproduktionen von Columbia/EMI) fast ausnahmslos bei mir vorhanden sind. Ich schätze Klemperer auch als Mozart-Dirigent sehr, vor allem die Sinfonien und einige Opern (Don Giovanni, Zauberflöte, Così). Auch die schöne Version der "Gran Partita" KV 361 (aufgenommen 1963) zähle ich zu den besten mir bekannten.

    Doch bei der "Kleinen Nachtmusik" habe ich ein paar Vorbehalte. Mir ist seine Lesart zu dramatisch, zu sinfonisch, es fehlt die Leichtigkeit, wie sie z.B. Fricsay (trotz relativ großer Besetzung) an den Tag legt. Ich will seine Auffassung (die für beide Versionen gilt) mal verkürzt so auf den Punkt bringen: Mehr Klemperer als Mozart. Das soll keineswegs eine Abqualifizierung sein, aber diesem Werk bekommt m.E. ein "leichtes Händchen" besser.

    Ähnliches würde ich von Furtwängler sagen, dessen Wiener Aufnahme von 1949 (EMI) auch gelegentlich mehr an Beethoven als an Mozart denken läßt. Im Unterschied zu ihm bringt Klemperer aber im Kopfsatz sowohl 1956 als auch 1963 die Wiederholung der Exposition, was ich für sehr wichtig halte. Klemperers Tempi sind moderat, 1964 ist er noch langsamer als 1956. Zum Vergleich: 1956 17.40 Min., 1964 19.10 Min.), und das gilt für alle Sätze.

    Hier die Zeiten im einzelnen, zuerst 1956, dann 1964: 1. Satz: 5.48/6.20, 2. 6.08/6.36, 3. 2.02/2.16, 4. 3.40/3.56 Min.

    Und nun noch zum Vergleich Fricsay: 1. Satz: 5.45 / 2. 6.38 / 3. 2.10 / 4. 3.25 Minuten.

    Es liegt demnach offensichtlich nicht am Tempo, daß Fricsay so leichtfüßig, so kammermusikalisch und charmant daherkommt. Vor allem die Romanze (2. Satz) wird von Fricsay liebevoll auszelebriert, mit einer unvergleichlichen Delikatesse. Da ist sein langsames Tempo genau richtig!


    Zum Schluß noch ein Wort zu Böhm: Er musiziert nicht so bedeutungsschwer wie sein Kollege Klemperer, und doch scheint mir sowohl Fricsay als auch Marriner den Ton des Stücks besser zu treffen.


    LG Nemorino:hello: