Beiträge von nemorino

    Die Eingangsfrage Welcher Zyklus ist der beste ist natürlich niemals eindeutig zu beantworten. Deshalb muß sie von jedem für sich selbst beantwortet werden. In meiner Diskothek befinden sich, neben zahlreichen Einzelausgaben, auch insgesamt 14 Gesamtaufnahmen, darunter so hochkarätige wie die von Klemperer, Szell, Leibowitz, Solti und Karajan (2x).

    Wenn ich aus heutiger Sicht einem Einsteiger eine Gesamtausgabe empfehlen sollte, so würde ich wahrscheinlich auf diese tippen:

    oder so:

    Beide Editionen sind identisch; es handelt sich um Studioaufnahmen aus der Mitte der 1980er Jahre. Warum gerade diese? Erstens sind es Digitalaufnahmen, die klangtechnisch bestens geraten sind, zweitens bringt Wand sämtliche Wiederholungen (was längst nicht alle Dirigenten tun), drittens sind es nach meinem Empfinden Aufnahmen der "goldenen Mitte", was aber keineswegs mit Mittelmaß zu verwechseln ist. Es würde zu weit führen, auf nähere Einzelheiten einzugehen, deshalb beschränke ich mich auf eine Aussage des SPIEGEL kurz nach dem ersten Erscheinen der Box: "Drei Sterne im CD-Michelin".


    LG Nemorino

    Der große US-amerikanische, ursprünglich aus Odessa stammende Geiger Nathan Milstein (1904-1992) hat insgesamt dreimal das Violinkonzert von Johannes Brahms in Studioeinspielungen hinterlassen. Seine erste von 1953, noch in Mono, wurde in diesem Thread bereits vorgestellt. Es ist eine klassisch-schöne, sehr ausgewogene Darstellung, die trotz der überholten Klangtechnik nichts von ihrem Wert verloren hat:

    Auf dieser CD ist sie erhältlich, gekoppelt mit dem Beethoven-Konzert. Der Dirigent ist William Steinberg.


    Vor ein paar Tagen sah ich zufällig in einem großen Elektrogeschäft diese Ausgabe. Da der Preis günstig war, habe ich sie gleich mitgenommen:

    Es ist ebenfalls eine EMI-Aufnahme, aus dem Jahr 1960, diesmal in STEREO, mit dem Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Anatole Fistoulari.

    Das Cover ist etwas mißverständlich: der zuerst genannte William Steinberg dirigiert das Tschaikowsky-Konzert!

    Inzwischen habe ich die Aufnahme gehört: in den Spielzeiten unterscheidet sie sich nur minimal von der 1953er Mono-Produktion mit Steinberg. Ich würde nach dem ersten Eindruck sagen, beide Aufnahmen halten sich künstlerisch die Waage, natürlich ist die neuere Einspielung durch die Stereotechnik klar im Vorteil.


    Seine dritte und letzte Aufnahme machte Milstein mit den Wiener Philharmonikern und Eugen Jochum (DGG, 1974):


    Zu dieser Spätausgabe kann ich persönlich nichts sagen, sie liegt mir nicht vor. Die Kritiken waren recht verhalten; vor allem wurde Jochums "zähes" Dirigat bemängelt.


    Nathan Milstein zählte unangefochten zu den bedeutendsten Violinisten des 20. Jahrhunderts. In den beiden mir vorliegenden Einspielungen (mit Steinberg und Fistoulari) gibt er davon eindrucksvoll Zeugnis.


    LG Nemorino

    Ob dieser Zyklus nun "der beste" ist, wage ich nicht zu behaupten, aber er wurde, soweit ich gesehen habe, hier noch gar nicht genannt:

    Eliahu Inbal dirigiert das New Philharmonia Orchestra London (Aufnahme: 1970, London).


    Das war zu der Zeit, als Otto Klemperer seine Tätigkeit als Chefdirigent nur noch eingeschränkt ausüben konnte. Der junge Israeli Inbal, der später lange Jahre in Frankfurt a.M. wirkte, legt hier jedenfalls eine bemerkenswerte und diskussionswürdige Gesamtaufnahme vor (ursprünglich enthielt seine GA auch die sogenannte "Zwickauer Sinfonie"*, die hier aber ausgespart wurde, um mit 2 CDs auszukommen).

    Bei Amazon habe ich eine begeisterte, fast überschwengliche Rezension gefunden, die ich hier gerne zur Kenntnis bringe:


    "Als die Phillips im Jahre 1970 diesen jungen Nachwuchsdirigenten mit den gesamten Schumann Sinfonien beauftragte,war der ehemalige Chef schon sehr krank,---das Orchester beäugte Inbal kritisch,"was will der?",ja dann wurde für mich ein wirklich ernsthafter Zyklus eingespielt,auch bei Phillips Duo nachschauen,da fehlt nur die Jenaer Sinfonie,----gewiß,dies ist kein Schumann des aufgebauschten Überschwangs,ein möchte ich sagen, Schumann der streng ,metronomisch,bei einer wunderbaren Durchhörbarkeit aller Mittelstimmen einnimmt,und weil dieser Zyklus nicht künstlich,auftrumpfend aufspielt,klingt z.B.der 2.Satz der 1. so ergreifend,hier spielt niemand, husch,husch mal Schumann ein,hier vermittelt sich die Seele dieses Komponisten,----und das New Philharmonia,es folgt Inbal herrlich,spielt klangschön,durchhörbar und folgt der These dieses "damaligen Newcomers",Schumann mal ernst nehmen,-mal was anderes als die plakativen Einspielungen eines Bernstein,oder Karajan.Leider heute nur gebraucht zu erwerben!Ein Orchester ist wie ein Meer,das New Philharmonia London "wogt" bzw. "schwapt" zu Schumann,dies Orchester ist herrlich."


    *) Der Rezensent nennt sie irrtümlich die "Jenaer" Sinfonie.


    P.S.: Ich habe den Inbal-Zyklus von PHILIPS, wie ich soeben gesehen habe, bereits im Mai 2019 in dem Thread "Robert Schumann - Die Sinfonien" vorgestellt (#140). Aber "doppelt genäht hält bekanntlich besser".


    LG Nemorino

    Und noch eine IMO unübertroffene Kubelik-CD:

    mit Ouvertüren von Carl Maria von Weber (mit dem SO des Bayerischen Rundfunks, Aufnahme: 1963).

    Besonders die "Freischütz"-Ouvertüre finde ich mit Kubelik unübertroffen, selbst Carlos Kleiber und Karajan (beide DGG) können mich da nicht so überzeugen. Kubelik trifft den romantischen Ton und die Stimmung des Stücks mit nachtwandlerischer Sicherheit. Auch klangtechnisch ist die Aufnahme große Klasse. Quasi als "Zugabe" gibt es noch das Klarinettenkonzert Nr. 1 (mit Karl Leister als Solist), das zu LP-Zeiten mit dem Mozart-Konzert gekoppelt war.


    LG Nemorino

    Rafael Kubelik hat im Jahr 1962 auch eine IMO sehr eindrucksvolle Aufnahme von Joseph Haydns "Paukenmesse" (Missa in tempore belli) vorgelegt, die in diesem 2 CD-Album enthalten ist:

    mit den Solisten: Elsie Morrison (Sopran), Marjorie Thomas (Alt), Peter Witsch (Tenor) und Karl Christian Kohn (Bass);

    Chor und Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks, Dirigent: Rafael Kubelik (Aufnahme: München, 1961).

    Gekoppelt ist sie mit der "Cäcilienmesse" C-dur unter Eugen Jochum (Aufnahme: 1958, Stereo) sowie der Missa brevis B-dur "Kleine Orgelmesse" unter Theobald Schrems (Aufnahme: 1963).


    LG Nemorino


    sei angemerkt, dass ich diesen Konzertmitschnitt für Karajans mit Abstand gelungenste Stereo-Aufnahme der 9. Sinfonie halte.

    Hallo Norbert,


    ich kenne diesen Mitschnitt leider nicht. Ich möchte aber bei der Gelegenheit auf ein Kuriosum aufmerksam machen, nämlich Karajans Studio-Aufnahme der Neunten von 1955, aus dem Columbia/EMI-Zyklus mit dem Philharmonia Orchestra London. Die war von Anbeginn bis zum Jahr 2015 nur als Mono-Ausgabe erhältlich, sowohl auf LP als später auch auf diversen CD-Auflagen. Nach dem Ende von EMI entdeckte man ein Tonband, das damals heimlich (Walter Legge, der Produzent, hielt zunächst nichts von Stereo) in einem besonderen Raum aufgenommen wurde, und zwar in STEREO. Der Tonmeister Christopher Parker war (wie auch in einigen anderen Fällen) einmal wieder "ungehorsam" und hat diese Tat vollbracht. 2015 erschien deshalb die 9. Sinfonie erstmals original in Stereo. Hier ist die CD:

    Aufnahme: Juli 1955, Großer Musikvereinssaal, Wien. Das Philharmonia Orchestra befand sich auf einer Konzerttournee in Wien, und so entstand dieses Tondokument mit dem, wie er sich hier nennt, "Chor der Gesellschaft für Musikfreunde Wien".

    Ich habe nur die Mono-Version, die ich für Karajans überzeugendste Aufnahme der Neunten halte (das bezieht sich nur auf seine Studioproduktionen, die diversen Mitschnitte sind mir unbekannt). Weil diese späte Entdeckung nicht allgemein bekannt ist, möchte ich hier darauf aufmerksam machen.

    Zur näheren Information hier noch die Rückseite der CD:


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    Leider bekomme ich sie kleiner nicht hin!:(


    LG Nemorino


    Wo kann man eigentlich feststellen, wieviele Treffer eine Suche ergab?

    Lieber wok,


    das ist im Grunde ganz einfach: Rufe z.B. "jpc" auf, dann erscheint oben eine Leiste mit diversen Sparten, die dritte von links ist "Klassik". Anklicken, dann bei Suche eingeben: Karl Richter. Danach anklicken: Alles von Karl Richter, und dann heißt es "Ihre Suche ergab …. Treffer", und darunter kannst Du dann unter diesen Treffern auswählen.

    Bei "amazon" ist es ähnlich: Aufrufen, dann bei den Kategorien, wo "alle" steht, den kleinen Pfeil rechts anklicken, dann auswählen: "Klassik cds & vinyl". Oben eingeben z.B. "Karl Richter", dann heißt es wieder "Ihre Suche ergab …. Treffer", und Du hast darunter die freie Auswahl.


    Schönen Abend nach Málaga,

    Nemorino

    Der Singverein ist für mich genau das, was im Namen steckt. Ich vermute, dass das meiste, was ich von denen gehört habe, einfach nie so richtig gut war. Singverein... Synonym für einen überschätzten Chor.

    Hallo Accuphan,


    ….. dieser Pauschalverurteilung möchte ich mich nicht anschließen.


    Zumindest bis in die späten 1950er Jahre war der "Wiener Singverein", der sich damals noch "Singverein der Gesellschaft für Musikfreunde Wien" nannte, ein groß besetzter, in allen Lagen klangvoller Laienchor. Hier einige exemplarische Beispiele:

    J.S.Bach: Messe h-moll

    Das 2 CD-Album enthält die Studioproduktion von 1950 und zusätzlich Ausschnitte aus öffentlichen Aufführungen, aus dem gleichen Jahr.


    die berühmte Aufnahme des Brahms-Requiems aus dem Jahr 1947


    Karajans ebenso berühmte erste Studio-AIDA von 1959, Stereo, aufgenommen in den Sofiensälen, Wien.


    In allen drei Fällen (es gibt bestimmt noch viel mehr) bewährt sich der Chor großartig.


    LG Nemorino

    Die wichtigsten Aufnahmen von Rolando Panerai sind bereits genannt worden.

    Übrigens hatte die Schwarzkopf eine Wiederveröffentlichung des Duetts immer zu verhindern gewusst.

    Dieses Duett Violetta/Germont gibt es auch recht preiswert auf dieser CD, als "Bonus-Track":

    Elisabeth Schwarzkopf hatte die Rolle der Violetta einige Jahre in ihrem Repertoire. Nachdem sie aber Maria Callas erstmals mit dieser Partie gehört hatte, wurde ihr nach ihren eigenen Worten klar, wie unvollkommen ihre eigene Darstellung war, und deshalb ist sie in der Folge nicht mehr als Violetta aufgetreten. Nun muß das nicht unbedingt etwas mit der Duett-Aufnahme zu tun haben, doch ich denke, daß sie - Callas hin oder her - hier keine sonderlich prägnante Figur abgibt. Sie bleibt recht blaß, und Panerai sticht sie klar aus. Das wird wohl der Grund sein, weshalb sie die Aufnahme nicht freigeben wollte. Da die von mir gezeigte CD erstmals 2001 erschien, ist sie aber doch zu ihren Lebzeiten veröffentlicht worden. Elisabeth Schwarzkopf starb 2006.


    Ihr Ehemann, der legendäre EMI-Produzent Walter Legge, war ein ausgezeichneter Stimmenkenner. Er entdeckte u.a. Nicolai Gedda, Renata Scotto und eben Rolando Panerai, über den es in seinen Memoiren wie folgt heißt: "..... in Mailand konnte ich im Januar dieses Jahres (1953) zunächst einmal die notwendigen Schritte ergreifen, die zum Kontrakt mit der Mailänder Scala führten. Zudem konnte ich den besten Bariton Europas - Rolando Panerai - an Land ziehen, der seit fünf Jahren vor der Nase unserer italienischen Gesellschaft gesessen hatte, ohne daß es irgend jemanden geschert hätte, daß er eine der schönsten Stimmen Europas besaß".

    Das schrieb Legge in einem Brief an die Direktion von EMI, den er in seiner Biographie "On and off the record" (deutsch: Gehörtes - Ungehörtes) in Auszügen veröffentlichte.


    Trotzdem wurde - vor allem in den zahlreichen Opern-GA mit Maria Callas - fast immer Tito Gobbi der Vorzug gegeben, wenn es darum ging, die führenden Bariton-Rollen zu besetzen, während bei DECCA in dieser Zeit Ettore Bastianini, und bei der amerikanischen RCA Leonard Warren, und später, nach dessen plötzlichen Tod, Robert Merrill dominierten.

    Auf Youtube sind sich Viele sicher: Robert Merrill, der beste Luna aller Zeiten.

    Da möchte ich, bei aller Verehrung für Merrill, denn doch leichten Widerspruch anmelden: Nach meinem Empfinden gebührt in dieser Rolle Leonard Warren die Palme! Man höre ihn in dieser traumhaften Aufnahme vom März 1952:


    LG Nemorino

    Ihre Suche nach "Karl Richter" ergab 231 Treffer


    Bei Amazon gibt es in der Rubrik "Klassik CDs & Vinyl" für Karl Richter aktuell 683 Einträge!

    Er ist also alles andere als vergessen. Als ich begann, mich für klassische Musik zu interessieren, war dieser Künstler in Sachen Bach eine, nein, besser gesagt, die Autorität. Wenige Jahre später, als die HIP-Welle langsam ins Rollen kam, wurde bereits die Nase gerümpft, wenn man seinen Namen auch nur ins Gespräch bringen wollte.

    Für mich gilt bis heute Karl Richter als eine der prägenden Persönlichkeiten für Barockmusik, speziell Bach & Händel. Über Geschmack sollte man nicht streiten, und ich würde mir niemals anmaßen, Freunden der historischen Aufführungspraxis ihre Geschmacksrichtung madig zu machen, möchte das umgekehrt aber ebenfalls für mich in Anspruch nehmen. Ich kann den Originalinstrumenten wenig abgewinnen; viel lieber höre ich den satten Klang eines Bach-Orchesters München oder des Stuttgarter Kammerorchesters, um nur zwei Beispiele anzuführen.


    Ich könnte mir sehr gut vorstellen, daß eines nicht allzu fernen Tages auch Karl Richters Bach-Auffassung eine Renaissance erlebt. Geschmäcker ändern sich, man hat das auf vielen Gebieten schon erlebt. Warum sollte es bei der Musik anders sein? Ich halte es da mit Eichendorffs Worten:

    Was heut' gehet müde unter,

    Hebt sich morgen neu geboren ….

    LG Nemorino

    Das gab es aber doch auch andere Beispiele, lieber nemorino, die zunächstz Auftrittsverbot hatten.

    Richtig, lieber Rüdiger,


    aber das betraf nur die erste Nachkriegszeit, als die Alliierten mit viel Elan ihre "Entnazifizierung" durchführten. Von den Dirigenten betroffen waren u.a. Furtwängler, Karajan, Böhm, Clemens Krauss u.v.m. Auch Abendroth hatte in der Ostzone seine Schwierigkeiten.

    Das änderte sich aber zusehends, nachdem die westlichen Besatzungsmächte ihre Befugnisse mehr und mehr an deutsche Behörden übertrugen. Ich empfehle Dir dazu die Lektüre des Buches von Prof. Norbert Frei "Vergangenheitspolitik - Die Anfänge der Bundesrepublik und die NS-Vergangenheit" (dtv, 1999), in der die Verharmlosung und Rehabilitierung der Nazi-Verbrechen seit Gründung der Bundesrepublik anhand zahlreiche Belege dediziert dargelegt wird. Bereits im Januar 1950 hielt der neue Bundesjustizminister Dr. Thomas Dehler (FDP) im Bundestag eine derart scharfe Rede mit weitreichenden Forderungen an die Siegermächte, selbst überführte Nazi-Verbrecher zu amnestieren, daß der französische Hochkommissar André Francois-Poncet tags darauf den Bundeskanzler auf den Petersberg einbestellte und Dehlers Ausführungen als Brunnenvergiftung brandmarkte. Adenauer mußte sich für seinen Innenminister rechtfertigen und entschuldigen.

    Dehlers Forderungen stießen damals in weiten Kreisen der Bevölkerung auf lebhafte Zustimmung. Mitläufer, wozu ja die Künstler fast alle zählten, waren ab spätestens 1950 alle wieder in Amt und Würden. Man wollte ganz allgemein mit der Vergangenheit abschließen und den Mantel des Vergessens darüber breiten.


    LG Nemorino

    In den frühen Jahren der DDR war er ja durchaus so etwas wie ein Aushängeschild des neuen Staates (was ihm üble Polemik in der BRD einbrachte).

    Das führte dazu, daß man Hermann Abendroth, der von 1915 bis 1934 dem Chor und Orchester des Kölner Gürzenich als GMD vorstand, ursprünglich zwar zur Einweihung des wiedererrichteten Gürzenich am 2. Oktober 1955 eingeladen hatte, diese Einladung aber auf persönliche Intervention des damaligen Bundeskanzlers Dr. Konrad Adenauer widerrufen werden mußte. Abendroth wirkte seit 1945 an führender Stelle, erst im Weimar, später am Gewandhausorchester Leipzig, in der DDR. 1955 befand sich der Kalte Krieg auf seinem Höhepunkt, und Adenauer befürchtete, daß man Abendroth möglicherweise als Agenten der östlichen Staatssicherheit benutzen würde. Eine absurde Vorstellung, aber in dieser manchmal bis zur Hysterie aufgeladenen Zeit nichts sonderlich Bemerkenswertes. Es mag auch sein, daß es zwischen Adenauer, der von 1917 bis 1933 Oberbürgermeister von Köln war, und Abendroth Differenzen gegeben hat, die Adenauer ihm nicht vergessen und nun, spät aber nicht zu spät, heimzahlen wollte. Es gibt dafür zwar keinerlei Beweise, doch war der Kölner OB sowohl Hausherr im Kölner Opernhaus wie auch im Gürzenich, der als städtische Konzerthalle diente. Mit Otto Klemperer, der ab 1917 bis 1924 ebenfalls in Köln stationiert war, hatte Adenauer kein herzliches, aber ein gutes Verhältnis, wie schriftliche Dokumente aus dieser Zeit bezeugen.

    Angeblich hat (ich bin mal vorsichtig, weil ich es mal von einem Kölner Zeitzeugen hörte, aber nicht dabei war) Günter Wand die Bestrebungen Abendroths, an seine Kökner Jahre durch ein neues Engagement anzuschließen, hintertrieben.

    Daß Günter Wand, der bereits 1945 zum GMD der Kölner Oper ernannt wurde und ab 1946 auch die Gürzenich-Konzerte leitete, eine Intrige gegen Abendroth wegen dessen eventueller Neuberufung nach Köln angezettelt haben sollte, halte ich persönlich für ein Gerücht. Gibt es dafür irgendwelche Belege? Mir ist nichts darüber bekannt, daß Abendroth in den Wirren der ersten Nachkriegsjahre überhaupt an einen Wechsel an seine alte Wirkungsstätte geplant haben sollte, zumal er in der Sowjetzone bzw. der späteren DDR nach kurzer Pause wieder an leitender Stelle tätig sein konnte. Seine Verwicklung in die Nazizeit hätte ihm im Westen in diesen Jahren wahrscheinlich nicht geschadet, jedenfalls ungleich weniger als sein Verbleiben im russisch besetzten Teil Deutschlands. Das war der eigentliche Grund, weshalb Abendroth im Westen nicht willkommen war. Künstler, die mit dem Nazi-Regime kooperiert hatten, gab es in Westdeutschland zur Genüge, und kein Mensch hat damals daran Anstoß genommen. Das wurde erst sehr viel später zum Thema.


    LG Nemorino

    In meiner LP-Sammlung befand eine alte Mono-Aufnahme der Haydn Nr. 17, die wahrscheinlich zumindest unserem Administrator bekannt sein dürfte:

    R-5625247-1430209085-5902.jpeg.jpg

    Ich habe die Platte in guter Erinnerung. Ob das "Kammerorchester der Wiener Festspiele" eine feste Einrichtung war (ist?), vermag ich nicht zu sagen. Der Dirigent Wilfried Boetcher ist mir u.a. bekannt von frühen Aufnahmen mit Alfred Brendel, (Klavierkonzerte) die ebenfalls auf dem Label "Turnabout" erschienen.


    LG Nemorino

    Die bei Colosseum erschienenen LOEWE-Balladen mit TRAXEL und ERICH APPEL am Klavier sind mir natürlich bestens bekannt und galten lange als mein Geheimtip

    Lieber wok,


    ich besitze noch die Erstausgabe dieser COLOSSEUM-LP, und sie zählt zu den wenigen, die ich nicht ausgelagert habe. Über 90 % meiner LP-Sammlung mußte ich "einbunkern", schlicht und ergreifend aus Platzmangel.


    Das Weihnachtsoratorium mit Josef Traxel hatte ich bereits auf LP und später auf CD neu angeschafft. Das kommt bei mir jedes Jahr in der Weihnachtszeit zu Ehren. Es ist übrigens bis heute meine einzige GA des Werks. Mit HIP habe ich mich nie anfreunden können (was kein Werturteil sein soll). Ich bin eben durch die Aufnahmen meiner Jugend, zu denen dieses Weihnachtsoratorium gehört, geprägt worden.


    LG Nemorino

    Danke, 'wok', für das Kompliment!

    Lieber Carlo,


    diesem Kompliment möchte ich mich anschließen! Dein Wissen ist schlicht phänomenal, und um Deine Zitatensammlung und die alten Zeitschriften und Kataloge bist Du zu beneiden. Ich habe auch etliche dieser Dinge über die Zeiten gerettet, aber das meiste davon ist einigen Renovierungen zum Opfer gefallen, und auch dem fehlenden Platz.


    Da fällt mir gerade ein, dass Konrad Adenauer - den ich in Düsseldorf zusammen mit Charles de Gaulle aus nächster Nähe gesehen habe - ein großer Musikfreund war. Sein Lieblingswerk war wohl Haydns "Die Schöpfung"!

    Ich habe den de Gaulle-Besuch akribisch am Fernsehen verfolgt, das war im September 1962. Daß Konrad Adenauer ein Freund klassischer Musik war, kann ich bestätigen. Ob Haydns "Schöpfung" sein Lieblingswerk war, weiß ich nicht, aber ich habe sein Wohnhaus (das heute als Museum dient) zweimal besucht. Neben seinem Sterbebett lagen einige klassische Schallplatten, die Adenauer in den letzten Lebenstagen noch gehört hat, wie man uns sagte. Zuoberst lag Schuberts "Die schöne Müllerin" mit Peter Pears (Tenor) und Benjamin Britten am Klavier, das weiß ich noch genau.

    Zu Ablenkung von der Politik las der alte Kanzler gerne Kriminalromane, aber jeden Abend, bevor er sich schlafen legte, beschloß er mit einem Gedicht! Eichendorff zählte zu seinen Lieblingsdichtern. Soviel "Politik" mußte jetzt sein:).


    LG Nemorino

    Ja, eine solche Ausstellung, zumal wenn sie das letzte Mal gezeigt wird, sollte man auch nicht verpassen.

    Lieber wok,


    …. bin eben erst zurückgekommen. Es war hochinteressant; die Ausstellung war mit einer Führung verbunden. Adenauer hat im Kloster Maria Laach 1933/34 sich vor den Nazis verstecken müssen, nachdem er als OB von Köln nach der "Machtergreifung" verjagt wurde. So ging es hauptsächlich um seinen 13monatigen Aufenthalt im Kloster (der damalige Abt war Ildefons Herwegen, ein Schulfreund Adenauers aus Köln) und seine späteren Beziehungen zum Kloster. Anschließend haben wir noch einen Gang um den Laacher See gemacht, das Wetter war so einladend, aber leider natürlich dementsprechend der Andrang (nicht beim Vortrag, sondern am See).


    Da ich gleich noch einmal außer Haus muß, komme ich erst morgen auf Josef Traxel zurück.


    Ich wünsche Dir noch einen schönen Sonntag!


    LG Nemorino

    das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks wurde von der 'DGG' nur für Großprojekte herangezogen.

    Lieber Carlo,


    ich habe von Anfang an bezweifelt, daß es das SOdBR war; aber ich bekam die Auskunft schriftlich von der Pressestelle der DGG. Allerdings per Email, und da es einige Jahr her ist, kann ich es natürlich nicht mehr belegen. Aber "Münchner Philharmoniker" halte ich für authentisch. Vielleicht wollte man einen lästigen Fragensteller kurz und bündig abfertigen:).


    Im übrigen danke auch ich Dir für Deinen erhellenden Beitrag. Wenn mir der GONG-Artikel vor Augen gekommen wäre, so hätte auch ich ihn sicher aufbewahrt. So war doch manches für mich neu!


    LG Nemorino

    Lieber wok,


    vielen Dank für Deinen interessanten Beitrag über Josef Traxel! Ja, auch da stimmen wir wieder überein, unser Musikgeschmack ist wirklich auffallend ähnlich!


    Es gibt viele Sänger, die ich verehre, aber Josef Traxel habe ich in mein Herz geschlossen. Du hast auch die 45er EP genannt mit u.a. dem Postillonlied. Auch die ist noch in meinem Besitz, und beim hohen D in dieser Arie bekomme ich noch heute jedes Mal Gänsehaut! Kein anderer Sänger, nicht einmal Gedda, kann mich damit so überwältigen wie dieser großartige Mainzer Tenor. Diese völlig unangestrengte Höhe, und die Reinheit des Tons sind einmalig! Die 45er Platte mit "Mir träumt von jener Zeit" und "Gegrüßt sei mir o heil'ge Stätte" war übrigens meine erste Bekanntschaft mit Josef Traxel. Die beiden Arien sind übrigens die einzigen Todokumente des Sängers bei der Deutschen Grammophon. Da weder Dirigent noch Orchester auf der Platte vermerkt waren, habe ich an die DGG (damals noch in Hamburg) geschrieben und um Auskunft gebeten. Die kam wenig später, es ist das SO des Bayerischen Rundfunks unter Leitung von Ferdinand Leitner.


    Inzwischen habe ich fast alles, was dieser Tenor in die Rillen gebannt hat, auf CD. Das wird bei Dir kaum anders sein.


    Von Schock will ich erst weiter gar nicht reden; er war in den 1950er Jahren ein achtbarer Sänger, nicht weniger, aber auch nicht mehr. Und alles, was nach ca. 1960 kam, habe ich immer so kommentiert: Wo Schock draufsteht, ist auch Schock drin! Ich war regelmäßig "geschockt" ....


    Aber hier geht es ja um Traxel: Auch ich habe vor einigen Jahren mit Prof. Gerard Mohr korrespondiert, es ging damals um die neugegründete Josef-Traxel-Gesellschaft, an der er maßgeblich beteiligt war.


    Du hast Deinen Beitrag übrigens diesmal so eingestellt, daß ich keine Zitate daraus übernehmen kann. Ich will aber gerne später noch einmal auf Deine Ausführungen zurückkommen. Ich fahre nachher mit einem alten Freund zu einer Adenauer-Ausstellung in Maria Laach, deshalb bin ich jetzt etwas in Zeitdruck. Sie wird heute letztmals gezeigt, und das möchte ich nicht verpassen.


    Ich wünsche einen schönen Sonntag nach Málaga!


    Mit lieben Grüßen

    Nemorino :hello:

    1963 starb Prof Karl Forster (dem ich auch eine geliebte Aufnahme der "Schöpfung" verdanke).

    Diese Aufnahme habe ich auch, sie zählt auch zu meinen Lieblings"objekten". Nicht zu vergessen die Johannes-Passion, in der sowohl Traxel (Tenorarien) als auch Wunderlich mitwirkt, neben einem erlesenen Ensemble:

    Prof. Forster war nicht nur ein Liebhaber, sondern auch ein profunder Kenner sakraler Musik. Seine Aufnahmen entbehren vielleicht der Brillanz eines Karajan, aber es sind tiefempfundene Zeugnisse seines Schaffens.

    Zum Schluß will ich noch eine andere Bach-Ausgabe mit Josef Traxel nennen, die mir ebenfalls seit früher Jugend vertraut ist (ich hatte sie bereits auf LP):

    mit dem Leipziger Thomaskantor Kurt Thomas (Aufnahme: 1958, Stereo), eine 3 CD-Box, die z.Zt. für lächerliche 97 Cent bei Amazon verschleudert wird (gebraucht).


    Natürlich sind das alles Aufnahmen, vor denen man HIP-Freunde warnen muß. Aber für uns, die wir quasi mit ihnen groß geworden sind, sind es unverzichtbare Kostbarkeiten. Auch diese Ausgabe hatte ich bereits auf LP, mit dem ELECTROLA-Label. Es war eine Gemeinschaftsproduktion mit VEB Deutsche Schallplatten Berlin, deren gesamtdeutsche Vermarktungsrechte nach der Wiedervereinigung auf Berlin Classics übergingen.


    Josef Taxel war ein so vielseitig einsetzbarer Tenor, mit einem breitgefächerten Repertoire, wie es heute kaum vorstellbar ist. Opernsänger, Oratorien & Messen, sowie Lieder, er war in allen diesen Sparten zu Hause. Sehr geschätzt habe ich auch seine Loewe-Balladen (auf Colosseum), die das HfG inzwischen auch auf CD veröffentlicht hat. Es freut mich sehr, daß es immer noch zahlreiche Traxel-Fans gibt und der Sänger nicht vergessen ist!


    LG Nemorino

    nur ich für meinen Teil finde es nicht nur nicht schön

    Lieber Fiesco,


    das ist doch durchaus in Ordnung, und ich gebe freimütig zu, daß der Händel, der Dir vorschwebt, authentischer ist als der von Traxel und der, wie er mir am besten gefällt. Für jüngere Hörer, für die bei Alter Musik HIP schon eine Selbstverständlichkeit ist, klingen die älteren Aufnahmen natürlich gewöhnungsbedürftig, um nicht zu sagen unmöglich.

    Meine ersten Erfahrungen mit Händelarien habe ich mit Aufnahmen von Heinrich Schlusnus und Karl Erb gemacht - da liegen heute Welten dazwischen.


    LG und schönen Abend,

    Nemorino

    50Interpreten (49 Männer + 1 Frau) stellten hier bisher "E lucevan le stelle vor"

    Update Inhaltsverzeichnis E lucevan le stelle #1 - #155

    Hallo operaVera,


    Du hast übersehen, daß es auch von Richard Tauber zwei unterschiedliche Aufnahmen gibt: in Beitrag 18 von 1932, in #89 von 1923). Vielleicht ist das nachträglich noch zu ergänzen. Danke.


    LG Nemorino

    So sind die Auffassungen unterschiedlich. Ich habe noch nie einen Hehl daraus gemacht, dass ältere Einspielungen bei mir nicht nur nostalgische Erinnerungen hervorrufen, sondern dass ich sie für ebenso wertvoll erachte, wie die neueren, der historischen Aufführungspraxis verschriebenen.

    Lieber musikwanderer,


    das ist eben reine Geschmacksache, und darüber sollte man nicht streiten. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Ich halte die konventionellen Aufnahmen "Alter Musik" für wertvoller als die HIP-Versionen. Das ist kein professionelles Urteil, sondern eben - Geschmacksache. Ich bin mit den Aufnahmen Bachs und Händels im Stil des 19. Jahrhunderts groß geworden, und sie sprechen mich deutlich mehr an als die mit historischen Instrumenten und historischer Praxis.


    Was nun Traxels Interpretation - siehe Clip oben - aus dem Oratorium Belshazzar betrifft, so empfinde ich seine Stimme heute noch, nein: immer noch, als eine der schönsten deutschen Tenorstimmen des letzten Jahrhunderts.

    Ich kannte die Aufnahme bisher nicht. Natürlich würde man heute so nicht mehr Händel singen, aber damit ist ja noch nichts über die Qualität von Traxels Stimme und Gesangspraxis gesagt. Da ich das Stück nicht in anderer Interpretation kenne, will und kann ich keine Aussage dazu machen. Aber wahr bleibt: Eine schönere, reinere Tenorstimme hat es in Deutschland nach dem 2. Weltkrieg nicht gegeben; lediglich Wunderlich kann man ihm gleichsetzen. Der hat übrigens auch im selben Stil wie Traxel zahlreiche Aufnahmen von Arien der Barockzeit hinterlassen.

    Was bei Traxel ganz besonders ins Ohr fällt, ist, daß man seine Stimme sofort, nach den allerersten Tönen, einwandfrei identifizieren kann. Sein Timbre ist so unverwechselbar, da kann kein Zweifel aufkommen, egal, ob er Wagner, Lortzing oder Händel singt.


    LG Nemorino

    es tut mir sehr leid,daß anscheinend niemand mehr Josef Traxel
    kennt.Er war einer der größtenTenöre der Nachkriegszeit.

    ….. schrieb Herbert Henn im Juli 2006 in einem der ersten Beiträge zu diesem Thread, der einem der bescheidensten, aber IMO sympathischsten Tenor der Nachkriegszeit gewidmet ist: JOSEF TRAXEL (1916-1975). Zum Glück ist dieser außergewöhnliche Sänger auch fast 14 Jahre nach diesem Eintrag nicht vergessen, und ich war erstaunt, auf wie viele Beiträge sein Thread es inzwischen gebracht hat.

    Eine meiner allerersten Platten war von ihm besungen: Komm o holde Dame aus "Die weiße Dame" (Boieldieu), O schweige still aus "Das Glöckchen des Eremiten" (Maillart) und Ach so fromm aus Flotows "Martha", eine 45er EPL der Kölner Electrola. Und so sah sie aus:



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    Von dem Tag an (ausländische Sänger kannte ich zu der Zeit nur wenige) war ich ihm verfallen. Ich habe lange nicht verstanden, wie viel populärer sein Kollege Rudolf Schock war, dem Traxel nach meinem Empfinden an Leichtigkeit, an unangestrengter Tonhöhe (Postillon von Lonjumeau!) und Tonschönheit weit überlegen war. Doch Traxel war ein zurückhaltender, bescheidener Mensch, dem wenig an Glanz und Glemmer und öffentlicher Wahrnehmung gelegen war. Der verstorbene Ehemann meiner Schwester kannte ihn persönlich recht gut; er war Mainzer, und es gab lockere Familienkontakte. Deshalb konnte er mir einiges von ihm und seinem Sängerleben erzählen. Natürlich hat er ihn auch bei seinen raren Auftritten in Mainz erlebt.


    Doch langer Rede kurzer Sinn: Zu Weihnachten ca. Mitte der 1960er bekam ich eine kostbare Kassette mit 3 LP geschenkt, Händels MESSIAS, gesungen in deutscher Sprache, und Josef Traxel sang die Tenorpartie! Ich besitze sie noch heute, leider kann ich aber zur Zeit nicht darauf zugreifen. Es gibt seit etlichen Jahren die Aufnahme auch auf CD, und heute habe ich mehr zufällig festgestellt, daß sie momentan recht günstig zu haben ist:

    Die übrigen Solisten sind: Ingrid Bjoner (Sopran), Hertha Töpper (Alt) und Kieth Engen (Baß).

    Karl Forster dirigiert die Berliner Symphoniker und den damals erstklassigen Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin. Das exakte Aufnahmedatum weiß ich nicht, es ist eine Ausgabe der damals noch jungen Ariola/Eurodisc. Mir scheint, daß sie hier noch gar nicht erwähnt wurde.


    Obwohl ich später diverse englische Originalfassungen kennenlernte und auch die berühmte deutsche mit Karl Richter aus München (DGG), mit Gundula Janowitz (!), hat diese Aufnahme bei mir einen besonderen Stellenwert, vor allem wegen Traxel. Doch auch ansonsten kann diese Aufnahme gegen manche berühmtere bestehen, und die Klangqualität ist außerordentlich gut. Josef Traxel war u.a. auch ein angesehener Oratoriensänger, viele Aufnahmen geben davon Zeugnis.


    Ich wollte die Gelegenheit zum Anlaß nehmen, den Thread, der nun schon seit drei Jahren im Winterschlaf ist, wieder zu beleben. Das Hamburger Archiv für Gesangskunst (AfG) hat übrigens, dank der Unterstützung zahlreicher Traxel-Freunde, eine ganze Serie von Aufnahmen des Künstlers wieder aufgelegt, sowohl Studio-, Rundfunk- als auch Live-Produktionen. Eine wahre Fundgrube!


    LG Nemorino

    der Stimmenliebhaber braucht wirklich eine Tosca-Pause.

    Soll er haben!

    Lieber Caruso,


    dem schließe ich mich gerne an ….. mit der leisen Hoffnung, daß er nach einer Entspannungspause auch die restlichen Einstellungen noch kommentiert. Habe selten solch interessante und fundierte Einsichten zu einer Arie gelesen!


    Jetzt möchte ich aber noch zwei Versionen vorstellen, die nicht unerwähnt bleiben sollten:

    Alfredo Kraus (Aufnahme: ca. 1961)


    und noch eine deutsche Fassung mit dem berühmten Peter Anders, die mich - als Fan des Sängers - ein wenig enttäuscht hat:

    Es ist wohl eine Vorkriegsaufnahme, leider fehlt mir das Aufnahmedatum.


    LG Nemorino

    Elisabeth als Verdi-Sängerin ist ein Kapitel für sich. Einige interessante Aufnahme hat sie hinterlassen, mehrfach das Requiem, auch die Quattro pezzi sacri.

    Lieber Rüdiger,


    den ersten Satz würde ich sofort unterstreichen!

    Aber die "Quattro pezzi sacri" mit Elisabeth Schwarzkopf wären mir neu. Im Verdi-Requiem unter Carlo Maria Giulini von 1963 singt Elisabeth Schwarzkopf die Sopran-Partie, aber die damit auf CD gekoppelten "Quattro pezzi" wurden 1962 eingespielt, mit Janet Baker als Solistin:

    Oder existiert vielleicht ein Live-Mitschnitt der "Quattro pezzi" mit der Schwarzkopf?


    Ansonsten finde ich die Schwarzkopf nur noch als Alice im "Falstaff" unter Karajan interessant, und natürlich ihre erste Aufnahme des REQUIEM unter Victor de Sabata. Da ist sie großartig, während sie mich 10 Jahre später bei Giulini nicht so ganz überzeugt.


    Auf der Bühne in London sang sie in frühen Jahren ziemlich oft die Traviata. Ihre Szenen aus dem Studio hat sie selbst kritisch gesehen und vor allem das Duett mit dem alten Germont (Rolando Panerai) nicht mehr akzeptiert.

    Sie gab die Rolle auf, als sie Maria Callas erstmals als Violetta erlebt hatte: "Welchen Sinn hat es, eine Partie weiter zu singen, wenn sie von einer Kollegin so vollendet dargeboten wird!" waren ihre Worte. Eine weise Einsicht.

    Das Duett Germont/Violetta kann man übrigens auf dieser CD hören:

    als "Bonus-Track". Aufnahme: 1.10.1953 (mono), mit dem Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Alceo Galliera.

    Sie trägt diese Szenen allerdings wie Konzertstücke vor

    Damit hast Du die Sache auf den Punkt gebracht! Thomas Voigt billigt der Aufnahme im Booklet "historische Bedeutung" zu. Ich würde hinzufügen: "Nicht weniger, aber auch nicht mehr"!


    LG Nemorino

    Und jetzt endlich der "Tenor aller Tenöre", Enrico Caruso, der bisher unbegreiflicherweise noch gar nicht vorkam. Dabei gibt es eine Aufnahme vom 9.11.1909 (gem. Angabe von Youtube), die auch technisch durchaus anhörbar ist:


    LG Nemorino

    mir liegen Aufnahmen der deutsch gesungenen Arie mit zweierlei Daten vor: 23. Juli 1930 (RRG) und 18.8.29 (Telefunken). Ebene habe ich sie mal angespielt und komme zu dem vorläufigen Schluss, dass es sich um verschiedene Dokumente handelt. Du dürftest die von 1929 eingestellt haben.

    Lieber Rüdiger,


    danke für Deine Rückmeldung. Das Aufnahmedatum ist tatsächlich ungesichert, deshalb habe ich es offen gelassen. Ich selber habe die deutsche Fassung nie besessen, sondern nur die italienische. Und die müßte dieser CD entnommen sein:

    Arien

    Laut Textbeilage wurde sie am 6.1.1933 aufgenommen, mit dem Orchester der Städtischen Oper Berlin (?), Dirigent: Frieder Weißmann.

    So viel ich weiß, nannte sich die "Städtische Oper Berlin" damals jedoch "Deutsches Opernhaus Charlottenburg".


    LG Nemorino

    Zum Abschluß des Tages noch einer meiner Tenorlieblinge, der unvergänglich-unvergeßliche Joseph Schmidt, zuerst die italienische Fassung (Aufnahme: 6.1.1933):


    und hier noch einmal die gleiche Arie, diesmal in deutscher Sprache:

    Hierzu fehlt mir leider das Aufnahmedatum, da diese Version mir nicht vorliegt.


    Gute Nacht und

    LG, Nemorino