Beiträge von nemorino

    Kennst Du das Konzert für 2 Klaviere, Schlagzeug und Orchester oder entsprechend auch die Sonate für 2Klaviere und Schlagzeug ?

    Lieber Wolfgang,


    um es gleich vorweg zu sagen: Meine Bartók-Aufnahmen sind dünn gesät - die beiden befinden sich nicht darunter:untertauch:.

    Meine erste Bekanntschaft mit Bartók war das Konzert für Orchester, in der legendären Einspielung mit Fritz Reiner (RCA). Später kamen noch die drei Klavierkonzerte und die Rhapsodie hinzu (alle mit Anda/Fricsay, DGG) sowie Soltis erste Aufnahme des Konzerts für Orchester:

    Concerto for Orchestra by Bartok, Solti, Lso (1992-05-12)


    und, noch später, die Streichquartette und den "Blaubart":

    The Originals - Bartok (Streichquartette) 513HKC3AYRL.jpg


    Natürlich gab es später auch Doppelungen, wie die Klavierkonzerte mit Jando/Ligeti (Naxos) und Kocsis/Fischer (Philips), doch dabei blieb es im wesentlichen.

    Das Violinkonzert steht in dieser Ausgabe bei mir im Regal:

    Bartok: Violin Concerto No. 2 / Solo Violin Sonata ~ Menuhin / Furtwangler (2004-11-18)

    Die würde Dich sicher wegen der bescheidenen Klangqualität (Mono) nicht interessieren.


    Ehrlich gesagt, ich habe mich für Bartóks Musik nie sonderlich erwärmen können, mit drei Ausnahmen: das KK Nr. 3, das Konzert für Orchester und den "Blaubart", den ich aber nur in deutscher Übersetzung habe.

    Ich verstehe aber nicht ganz, daß Dir die alte, aber klanglich noch ziemlich frisch klingende DGG-Version der Klavierkonzerte in der Kombination Anda/Fricsay nicht sonderlich gefällt. Sie gilt doch bis heute weitgehend als der "Klassiker" im vorhandenen Angebot. Liegt es bei Dir am Klang, oder an der Interpretation?


    Interessant finde ich, daß immer wieder ungarische Künstler für Bartóks Musik besonders geeignet scheinen. Ich nenne unter den Dirigenten Reiner, Solti, Dorati, und unter den Pianisten Annie Fischer, Anda, Kocsis, Jandö, Sandór, die sämtlich herausragende Aufnahmen vorgelegt haben. Ob es an der gleichen Nationalität liegt?


    LG Nemorino

    Seit 1986 kenne ich nur noch eine Referenzaufnahme, Thomas Zehetmeier geigt mit jugendlicher Unbekümmertheit und zeigt uns allen, welche Leidenschaft in diesem Stück steckt. Leider hatte irgendjemand die Schnapsidee, er solle von einem historischen Flügel begleitet werden. So quält Malcolm Frager einen Broadwood aus der Beethovenzeit. Schade. Für immer schade.

    Ich kenne bei weitem nicht sämtliche Aufnahmen, die nach Thomas Zehetmairs glänzender Aufnahme hinzugekommen sind, aber als Sagitt diese Aussage machte, konnte man ihr vorbehaltlos zustimmen.

    Mit einem jugendlichen - Zehetmair war damals 25 - Feuer und einer Leidenschaft, wie ich sie ähnlich nur bei Heifetz festgestellt habe, ging der Geiger zu Werke. Man ist am Schluß versucht zu rufen: "Noch einmal, lieber Bursch", wie es Beethoven am 24. Mai 1803 nach der Uraufführung durch den Mulatten George Bridgetower im Wiener Augarten getan hat. Da spielt es wirklich eine untergordnete Rolle, daß der Pianist Malcolm Frager, aus welchen Gründen auch immer, sich auf einem Instrument aus dem späten 18. Jahrhundert abmüht. Wenn Zehetmair nur diese eine Aufnahme gemacht hätte, so wäre ihm ein Eintrag in der Musikgeschichte sicher. Sie ist übrigens, wenn auch nur gebraucht, immer noch erhältlich, und das zu einem mehr als moderaten Preis:

    Classical Diamonds - Beethoven (Violinsonaten)


    LG Nemorino

    Nach so vielen Brahms-Vergleichsinterpretationen und eingeschworenen Favoriten (von Solti, Klemperer über Karajan bis Levine) frage ich mich, ob ich diese GA mit Steinberg wirklich noch brauche ?

    Die Frage ist schwer zu beantworten, lieber teleton, mit Solti, Klemperer etc. bist Du bestens bestückt.

    Ich besitze aus dem Steinberg-Zyklus nur die Vierte, in dieser Ausgabe von "Everest Records":

    Sinfonie 4


    und die ist ganz fantastisch! Klanglich für ihr Alter super, und Steinberg erweist sich als ein großartiger Brahms-Interpret. Da ich aber außer den oben genannten noch die Zyklen von Szell (CBS), Barbirolli (EMI, Wiener Ph.), Wand (RCA), Karajan (1964 & 1978, DGG) und jede Menge Einzelaufnahmen habe, möchte ich mir nun nicht noch den kompletten Steinberg-Brahms zulegen. Von der Vierten ausgehend, ist er aber ganz sicher eine Empfehlung wert.


    LG Nemorino

    Das berühmteste Stück der Kammermusik braucht einen eigenen thread.

    Umso erstaunlicher, daß dieser Thread, im Jahr 2004 eröffnet, seit 2007 keinen einzigen Eintrag aufweist. Zum Glück hat sich "astewes" heute seiner "erbarmt"!


    Trotz der eingängigeren, auch bekannteren Frühlingssonate steht für mich die "Kreutzer" unter Beethovens 10 Stücken diese unangefochten auf Platz 1. Dementsprechend sieht auch meine Diskothek aus.

    Meine allererste Bekanntschaft mit dem Werk machte ich nach der Lektüre von Leo Tolstois Novelle gleichen Namens mit folgender LP:

    Beethoven:Violin Sonatas 5 & 9

    die einer GA aus dem Jahr 1959 entnommen ist. Bis heute zählt sie zu den berühmtesten Einspielungen des Stückes, und das zu Recht. Sauberes, großartiges Zusammenspiel zweier berühmter Franzosen.

    Außerdem gibt es bei mir noch folgende Versionen, die alle ihre Meriten haben:

    Szeryng/Rubinstein (RCA), Grumiaux/Haskil, Szeryng/Haebler (beide Philips), Oistrach/Oborin (EMI), Menuhin/Kempff, Schneiderhan/Seemann (beide DGG), und vielleicht noch ein paar andere, die mir im Moment nicht einfallen. Besonders nachhaltig beeindruckt hat mich die Aufnahme mit Zehetmair/Frager (Teldec), in der der Pianist (leider) ein historisches Instrument benutzt. Sie zeichnet sich auch durch die gewissenhafte Beachtung der Wiederholungsvorschriften aus.

    An der Spitze steht für mich aber seit vielen Jahren diese:


    Heifetz Beethoven Complete Violin Sonatas Vol 3 Sonatas # 8,9,10


    die ich in einer 3 CD-Box habe. Heifetz wird von dem Pianisten Brooks Smith begleitet, die "Kreutzer"-Sonate ist übrigens die einzige Stereo-Produktion dieses Zyklus, der zwischen 1947 und 1960 entstand. Das virtuose, schlackenlose Spiel des Meistergeigers ist einfach atemberaubend!


    LG Nemorino

    offenbar ist das Interesse an diesem tollen VC von Khatchaturian derzeit nicht so gross !

    Lieber teleton,


    damit magst Du recht haben! Es zählt sicher nicht zu den ausgesprochenen Rennern unter den VK, aber es ist ein fetziges Stück und fordert vom Solisten höchste Virtuosität. Die von Dir favorisierte Version mit David Oistrach und dem Komponisten am Pult kenne ich leider nicht. Der Dirigent Pierre Monteux gehört zu meinen absoluten Lieblingskünstlern. Ich habe nicht die von Dir vorgestellte Box, aber praktisch den gesamten Inhalt auf Einzel-CDs. Wie Du weißt, bin ich kein großer Freund von den Sammelalben, sie sparen zwar jede Menge Platz, sind mir aber ziemlich unpraktisch.

    Schade, dass wir so lange weiter keinen Kontakt bei Tamino hatten ...

    Das, lieber teleton, liegt hauptsächlich an zwei Fakten: Erstens habe ich meine Mitarbeit hier leider wegen meines Alters und der damit verbundenen nachlassenden Konzentration einschränken müssen, und zum zweiten stelle ich mehr und mehr fest, daß die von mir bevorzugten Künstler, die ja inzwischen fast alle der Vergangenheit angehören und meist schon nicht mehr unter den Lebenden weilen, inzwischen bei den meisten Mitschreibern kaum noch eine Rolle spielen. Das ist aber eine ganz natürliche Entwickung, die man beklagen, aber nicht aufhalten kann. Selbst solche Koryphäen wie Karajan, Rubinstein oder Callas sind für die jüngeren Klassikfreunde meist nur noch von historischem Interesse. Für mich waren und sind sie Lebensinhalt, und nicht nur aus Platzgründen möchte ich mir heute nicht das ganze Repertoire noch einmal neu anschaffen, um da mitreden zu können. Und "streamen" ist nun mal nicht meine Sache, ich muß eine LP bzw. CD in Händen halten können, sonst hat die Aufnahme für mich nur einen geringen Wert.


    LG nach Bonn,

    Nemorino :hello:

    Ohne diesen Thread, den ich dieser Tage entdeckt habe, wäre mir der Name CHRENNIKOW noch immer ein "Buch mit sieben Siegeln". Ich habe mal kurz reingeschaut und bin neugierig geworden, besonders wegen der vernichtenden Urteile des Thread-Eröffners sowie von Edwin Baumgartner und "BigBerlinBear".

    Um es kurz zu machen: Wie gesagt, ich kannte den Komponisten bisher noch nicht einmal namentlich, aber wenn ich Musik höre, so tue ich das frei von jeglichen politischen oder weltanschaulichen Vorbehalten. Ob z.B. Elly Ney eine fanatische Nazicke oder Chrennikow ein überzeugter KP-Funktionär war, spielt nach meinem Empfinden bei der Beurteilung von deren künstlerischen Arbeiten keinerlei Rolle.


    So habe ich mir heute vormittag ganz vorurteilsfrei Chrennikows Klavierkonzert Nr. 2, das unser Administrator im #30 in einer Live-Aufführung mit dem Komponisten am Klavier eingestellt hat, angehört.

    Es beginnt eher enttäuschend mit einem simplen Thema, vorgetragen vom Klavier solo über knappe drei Minuten

    Ehrlich gesagt, ich hätte fast glauben können, daß ein musikalisch nicht ganz unbegabtes Kind am Kavier säße und ein wenig vor sich hinklimpere. Der Eindruck verflüchtigte sich natürlich bald, vor allem, nachdem das Orchester eingesetzt hatte. Der ganze erste Satz hatte für mich keine irgendwie interessanten Momente, und mit dem zweiten ging es mir ganz ähnlich. Erst der Schlußsatz, einsetzend bei ca. 16.10 Min., ließ mich aufhorchen, mit einer doch recht ansprechenden, wenn auch nicht sonderlich originellen Melodik. Auch der schmissige Schluß hat mir gefallen, doch durch die beiden vorderen Sätze habe ich mich ziemlich durchgequält. Ich dachte mehrmals: Gott sei Dank, es dauert ja nur knapp 20 Minuten bis zum Ende.

    Fazit: Gut, es kennengelernt zu haben, aber Geld würde ich für die im Beitrag 25 vorgestellte Doppel-CD, obwohl sie bei jpc zu einem moderaten Preis zu haben ist, nicht ausgeben. Sie stände bestimmt jahrelang unbenutzt im Schrank und würde mir Platz wegnehmen, den ich für anderes besser gebrauchen kann. Wenn es schon etwas wenig oder ganz Unbekanntes sein soll, dann doch lieber die Klavierkonzerte von John Field! Bei Chrennikow ist mir doch zuviel Leerlauf vorhanden. So jedenfalls würde ich das als Laie beurteilen.


    Zum Schluß noch eine persönliche Bemerkung: die von "gaspard" (vielleicht nachträglich?) zweifach eingestellte Ukraine-Flagge mit dem Schriftzug "No War" finde ich in einem musikalischen Eintrag deplaziert. Auch ich bin für "Kein Krieg", aber eine solche einseitige plakative Parteinahme, auch und gerade in einem Thread über einen sowjetischen Komponisten, ist völlig unangebracht. Und das fordernde, ja oftmals herausfordernde Auftreten ukrainischer Politiker, angefangen bei Selenskij bis zu seinem undiplomatischen Botschafter in Berlin, hält meine ursprünglichen Sympathien in engen Grenzen. Ich fände es richtig, wenn die Moderation diese Flagge aus dem Beitrag 1 eliminieren würde. Sie hat mit dem Wirken von Chrennikow während der Sowjetzeit nicht das geringste zu tun.


    LG Nemorino

    Zwar einmal kurz erwähnt (#21), aber nicht hinreichend gewürdigt wurde hier die folgende Aufnahme:
    Living Stereo - Prokofiev: Alexander Nevsky/Khachaturian: Violin Concerto

    Leonid Kogan (Violine) und das Boston Symphony Orchestra, Dirigent: Pierre Monteux (Aufnahme: 12./13.1.1958, Symphony Hall, Boston).


    Eine großartige, fetzig gespielte Version eines Künstlers, der inzwischen, zumindest in unseren Breiten, fast in Vergessenheit geraten ist. Leonid Kogan starb am 17. Dezember 1982 auf einer Bahnreise von Moskau nach Jaroslav. Nebenstehendes Foto zeigt den Geiger zusammen mit der Sängerin Maria Callas:

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    Schon zu Lebzeiten stand er hier im Westen immer im Schatten seiner berühmten Kollegen David Oistrach und Jascha Heifetz, was aber an seiner künstlerischen Qualität nichts ändert. Nach meinem Wissen durfte er nicht so oft wie Oistrach außerhalb der Sowjetunion auftreten, und Heifetz war schon seit den 1930er Jahren in den USA heimisch geworden, was ihm dort einen erheblichen Vorsprung im Bekanntheitsgrad verschaffte. In bester Erinnerung ist mir auch seine Aufnahme des Beethoven-Konzerts mit dem rumänischen Dirigenten Constantin Silvestri (EMI), die seinerzeit hochgepriesen und schon bald danach vergessen wurde.


    Nach meinem Empfinden gehört die obige Aufnahme auch heute noch in die erste Reihe der vorhandenen, zumal sie auch klangtechnisch, trotz ihres Alters, immer noch mithalten kann. Nicht zuletzt ist die Aufnahme auch durch die souveräne Begleitung von Pierre Monteux wertvoll. Eine CD, die jeder Geigenliebhaber haben sollte, zumal sie auch noch die legendäre Einspielung von Prokofievs "Alexander Nevsky" unter Fritz Reiner (mit dem Chicago SO) enthält.


    LG Nemorino

    Lieber Holger,


    auch bei mir finden sich nicht viele Aufnahmen mit Carl Seemann. Außer den gezeigten Brahms-Sonaten (mit Schneiderhan) gibt es in meinem Bestand nur folgende Doppel-CD, die ich vor Jahren einmal irgendwo preiswert ergattert habe, vor allem, weil der Name "Walter Gieseking" auf dem Cover stand:

    Die Berühmten Klavierwerke (2 CDs) von Gieseking Walter / Seemann Carl &  Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) - CeDe.ch


    Ich besitze auf LP sämtliche Mozart-Sonaten mit Gieseking (Mono-Aufnahmen aus den frühen 1950ern, EMI), die ich aber seinerzeit wegen des damals hohen Preises nicht komplett wieder auf CD kaufen wollte.

    Nun ist die obige Doppel-CD ein Billig-Produkt von Cantus Classics, und dementsprechend sind die beigegebenen Informationen mehr als dürftig. Nur den beiden CDs ist zu entnehmen, daß Gieseking die enthaltenen Sonaten spielt, während Carl Seemann auf CD 1 die "8 Variationen über 'Ein Weib ist das herrlichste Ding':) KV 613 spielt und auf CD 2 mit der Fantasie c-moll KV 396 vertreten ist. Das Cover erweckt ja den Eindruck, als ob die beiden hier als Duo auftreten würden. Das ist aber nicht der Fall.


    Folgende LP habe ich noch in meiner Sammlung (allerdings nur schwer greifbar, weil ausgelagert):

    Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Seemann ∙ Berliner Philharmoniker ∙ Bamberger  Symphoniker / Fritz Lehmann – Konzert Für Klavier Und Orchester Nr. 537  D-dur KV 537 (Krönungskonzert) / Konzert-Rondo Für Klavier Und Orchester Mozart: Klavierkonzert Nr. 26 KV 537 & Konzertrondo KB 382

    mit den Berliner Philharmonikern (KV 537) und den Bamberger Symphonikern (KV 382) unter Fritz Lehmann.


    Doch zurück zum eigentlichen Thread-Thema: Mein absoluter Favorit für die Violinsonaten ist immer noch die alte Heifetz-Aufnahme (RCA):



    Beethoven: Violinsonaten

    Es sind Aufnahmen aus den Jahren 1947, 1950, 1952 und 1960. Am Klavier sind Emanuel Bay (Nr. 1-8, 10) und Brooks Smith (Nr. 9) zu hören, beide sind nicht überragend, doch das spielt bei dem glänzenden Spiel des Geigers kaum eine Rolle. Die Nr. 9 ("Kreutzer") ist übrigens die einzige, die in dieser Zusammenstellung in Stereo produziert wurde! Für mich ist sie - nicht nur klangtechnisch - absolut unschlagbar!


    LG Nemorino

    Unbedingt hierher gehört diese preisgünstige NAXOS-Aufnahme:

    Bartok Klavierkonzert 1-3 Jando

    Jenö Jandó (Klavier) und das Budapester Symphonie-Orchester, Dirigent: András Ligeti (AD: 14.-18.2.1994, Italian Institute, Budapest).


    Die berühmte Aufnahme Anda/Fricsay (DGG) hatte ich bereits auf LP, inzwischen auf CD wiederbeschafft. Sie klingt für ihr Alter noch mehr als passabel, doch die obige Version ist klangtechnisch klar im Vorteil und kann sich m.E. mit der seines Landsmannes Zoltán Kocsis durchaus messen.


    LG Nemorino

    Wolfgang Schneiderhahn und Carl Seemann spielen absolut überzeugend zusammen. Ihr Beethoven kennt keine Extravaganzen. Man muss sehr genau hinhören, um Beethoven zu hören. Er ist aber da und das Spiel der beiden macht von Anfang bis Ende Freude. Die Aufnahme der Grammophon aus dem Jahre 1959 ist von der Raumakustik etwas eng, aber was den Instrumentenklang angeht, auf höchsten Niveau(!!!)

    Hallo astewes,


    was die beiden Künstler betrifft, kann ich Deinen Eindrücken nur voll zustimmen.


    Aus der Beethoven-GA von 1959 besitze ich allerdings nur diese alte LP aus der Reihe "resonance".

    Ludwig Van Beethoven, Wolfgang Schneiderhan, Carl Seemann: Violinsonaten Nr. 9 A-dur »Kreutzer« • Nr


    aber in gleicher Besetzung stehen mir die Violinsonaten von Brahms auf dieser CD zur Verfügung:

    Johannes Brahms / Wolfgang Schneiderhan · Carl Seemann – Die Violinsonaten  ·


    und auch da überzeugt ihr harmonisches Zusammenspiel. Leider ist dieses Duo außerhalb des deutschen Kulturraums nur wenig beachtet worden. Wolfgang Schneiderhan hat international wohl hauptsächlich bis heute lediglich durch die Aufnahme des Beethoven-Konzerts op. 61 unter Eugen Jochum "überlebt".


    LG Nemorino

    Lieber Orfeo,


    besten Dank für die Übermittlung der Cover-Rückseite im vorherigen Beitrag. Somit ist zumindest geklärt, wer was auf dieser LP singt. Den Namen des Dirigenten (vielleicht hat er gar nicht alle Stücke dirigiert?) suche ich allerdings vergeblich.


    LG Nemorino :hello:

    Wenn ich den Titel dieses Thread recht verstehe, reist also Claudia Roth im Namen der Bundesregierung zum Schutz europäischen Kulturgutes nach Odessa.

    Das möchte ich nun wirklich lieber nicht kommentieren.


    LG Nemorino

    hart und Rheingold1876:


    Vielen Dank für die Hinweise auf Kutsch Riemens! Es hat mich gefreut, daß Luise Helletsgruber dort eine angemessene Würdigung erfahren hat. Leider liegt mir dieses umfangreiche Werk nicht vor. Ich war nur erstaunt und irritiert, daß sie in den von mir im Eingangsbeitrag #1 genannten, immerhin recht ausführlichen Werken mit keiner Silbe genannt wird, und Jürgen Kesting, dessen dreibändige Ausgabe "Die großen Sänger" bei mir im Schrank steht, die Sängerin nur beiläufig, im Zusammenhang mit zeitgenössischen Kollegen, erwähnt.


    LG Nemorino

    Lieber Orfeo,


    dann vermute ich wohl richtig, daß aus dieser Berliner Aufnahme von 1933 einige Auszüge für diese etwas ominöse LP entnommen wurden:

    Wolfgang Amadeus Mozart, Helge Roswaenge, Maria Ivogün, Margherita Perras,  Julius Patzak, Adele Kern, Alexander Kipnis - Die Entführung Aus Dem Serail  | ArtistInfo


    denn außer Adele Kern wirken die anderen genannten (wie z.B. Erna Berger) gar nicht mit. Eine merkwürdige Ausgabe, die eigentlich für jeden ernsthaften Sammler ziemlich wertlos ist. Der nicht genannte Dirigent Leo Blech durfte, trotz seiner jüdischen Herkunft, unter der Protektion von Hermann Göring noch bis 1936 an der Berliner Staatsoper Unter den Linden mitwirken. Leo Blech emigrierte im April 1937 nach Riga, wo er, nach mehreren Zwischenstationen, 1941 vom Einmarsch deutscher Truppen überrascht wurde. Durch aktive Mitwirkung Görings konnte er über Saßnitz (Insel Rügen) nach Schweden entweichen.

    Trotz dieser schlimmen Erfahrungen kehrte der Dirigent 1949 nach Berlin zurück und übernahm die Leitung der Städtischen Oper in Berlin (West). Er starb 1958 in Berlin.


    LG Nemorino

    Lieber Rüdiger,


    ich danke Dir ganz herzlich für die Vorstellung der Preiser-LP mit Aufnahmen von Luise Helletsgruber (und Adele Kern). Diese Platte ist mir bis heute nicht bekannt gewesen, sonst hätte ich sie ganz sicher in meinem Eingangsthread berücksichtigt.

    Ich konnte mir in der Zwischenzeit einen Überblick über die enthaltenen Arien machen; außer der Mimì-Arie aus der "Bohème" sind sie allerdings nicht sonderlich interessant. Es bleibt wohl dabei, daß ihr Andenken hauptsächlich durch die legendären Mozart-Aufnahmen aus Glyndebourne wach gehalten wird.


    Im übrigen hast Du natürlich recht, daß die Nachwelt den Künstlern der Vergangenheit wenig Kränze flicht, zumal wenn diese bereits seit über einem halben Jahrhundert aus dem Blickfeld verschwunden sind. Und Luise Helletsgruber hat ja in der Tat nur recht wenige Tondokumente hinterlassen. Wenn es die Mozart-Opern vom Glyndebourne Festival nicht gäbe, würde sich wahrscheinlich kaum noch jemand ihrer erinnern. Ich möchte Dir aus dieser Reihe ganz besonders noch den "Don Giovanni" empfehlen, aus dem Jahr 1936, den es, hervorragend restauriert, in diversen Ausgaben zu kaufen gibt. In meinem ersten Beitrag habe ich ihn gezeigt. Für mich ist das bis heute die überzeugendste Version von Mozarts "Dramma giocoso", und das nicht nur wegen Helletsgrubers Donna Elvira!


    LG Nemorino :hello:

    Es ist immer wieder traurig zu erleben, daß einstmals gefeierte, ja sogar berühmte Künstler früher oder später praktisch der Vergessenheit anheimfallen. Man könnte das zwar mit dem lapidaren Satz "Sic transit gloria mundi - So vergeht die Herrlichkeit der Welt", den man früher dem neuen Papst bei dessen Krönung dreimal sinnbildlich vor Augen führte, abtun, aber ich kann mich schwer damit abfinden, daß großartige künstlerische Leistungen ganz einfach sang- und klanglos im Orkus verschwinden.


    Deshalb möchte ich heute der Sängerin Luise Helletsgruber (1901-1967) einen eigenen Thread widmen, obwohl mir sehr bewußt ist, daß er hier nur von einer verschwindend kleinen Minderheit überhaupt zur Kenntnis genommen wird. Selbst in einschlägigen Werken, wie "Klassische Musik im 20. Jahrhundert" (dtv) oder "Große Stimmen" (suhrkamp, Autor: Jens Malte Fischer) findet sich über sie kein Wort, und selbst der sorgfältige Jürgen Kesting erwähnt sie in seinem mehrbändigen Lexikon "Die großen Sänger" nur am Rande.

    Autograph / signed postcard-photograph of the German soprano, Luise  Helletsgruber, dated 5th June 1931. by HELLETSGRUBER, LUISE 1901 1967: Very  Good No Binding Signed by Author(s) | David Strauss


    Luise Helletsgruber kam am 30. Mai 1901 in Wienerherberg in der Nähe von Wien zur Welt. Ihre stimmliche und musikalische Begabung stellte sich früh heraus, und so gelangte sie in Wien an die dortige Musikhochschule, wo sie ihre Studien absolvierte. Schon bald, im Jahr 1922, erhielt sie eine kleine Rolle an der Wiener Staatsoper. Sie sang den "jungen Hirten" in Wagners "Tannhäuser". Bereits wenig später konnte sie dem Ensemble dieses berühmten Hauses beitreten und blieb dort Mitglied bis 1942. Sie erarbeitete sich recht bald ein ziemlich umfangreiches Repertoire. Als lyrischer Sopran legte sie ihren Schwerpunkt (wie könnte es in Wien auch anders sein?) auf die großen Partien der Mozart-Opern. Auf der Bühne machte die schöne junge Frau gleich großen Eindruck, nicht nur durch ihre liebenswerte Erscheinung, sondern auch - und vor allem - mit ihrer schlanken, biegsamen und doch kräftigen Stimme. Nachdem sie das anspruchsvolle Wiener Publikum gebührend beeindruckt hatte, trat sie regelmäßig bei den Salzburger Festspielen auf und feierte dort u.a. als Donna Anna, Donna Elvira (in "Don Giovanni") und Dorabella ("Così") durchschlagende Erfolge. Zu ihren Paraderollen zählten aber auch die Micaela in Bizets "Carmen", die Marguerite in Gounods "Faust" und die Liù in Puccinis Märchenoper "Turandot", die sie an der Seite von Jan Kiepura sang. Zu ihren Lieblingspartien zählte auch die Eva in Wagners "Meistersingern", während sie die mehr dramatische Rolle der Elsa im "Lohengrin" nur fallweise übernahm. Sie fürchtete, obwohl sie gesanglich keine Wünsche offenließ, sich an der Partie zu überfordern.


    Ab Mitte der 1920er Jahre unternahm sie zahlreiche Konzertreisen, doch sie hielt Wien und Salzburg weitgehend die Treue. 1936 sang sie bei den Salzburger Festspielen die Marzellina in Beethovens "Fidelio", unter keinem Geringeren als Arturo Toscanini, dem damals wohl weltweit berühmtesten Dirigenten. In dieser Aufführung sang die legendäre Lotte Lehmann die Titelpartie, als Florestan war Koloman von Pataky dabei.


    Quasi Musikgeschichte schrieb Luise Helletsgruber, als sie ab 1934 bei dem neu gegründeten Glyndebourne Festival regelmäßig Hauptrollen übernahm. Sie wirkte in insgesamt fünf Spielzeiten an herausragender Stelle mit. Ihr Debüt feierte sie dort bereits im ersten Jahr der Festspiele, 1934, als Dorabella in "Così fan tutte", unter der musikalischen Leitung von Fritz Busch und der Bühnenregie von Carl Ebert. Zudem übernahm sie die Rolle des Cherubino in "Figaros Hochzeit". Im folgenden Jahr 1935 trat sie sowohl als Cherubino wie auch als Erste Dame in der "Zauberflöte" in Erscheinung. 1936 sang sie wiederum in Glyndebourne den Cherubino, die Dorabella und die Elvira. Das Jahr 1937 war durch ihren Auftritt als Konstanze in der "Entführung aus dem Serail" gekennzeichnet, außerdem sang sie wieder Elvira und Dorabella. Mit letzterer Partie verabschiedete sich die Künstlerin 1938 in Glyndebourne. Obwohl Österreich seit März 1938 zum Deutschen Reich gehörte, hatte man ihr, trotz nicht geringer Widerstände, die Mitwirkung bei den renommierten Festspielen noch einmal ermöglicht. Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs 1939 machte dem Glyndebourne Festival ein jähes, aber zum Glück nur vorläufiges Ende. Ab 1946 wurden die Festspiele wieder aufgenommen, doch Luise Helletsgruber war nicht mehr dabei. Fritz Busch leitete übrigens sämtliche Aufführungen, an denen Frau Helletsgruber beteiligt war.


    Ein weiteres Tondokument möchte ich nicht unerwähnt lassen: Im Jahr 1935 sang Luise Helletsgruber unter dem Dirigenten Felix Weingartner die Sopranpartie in einer Aufführung von Beethovens Neunter Sinfonie, es spielten die Wiener Philharmoniker. Unter der Leitung von Hans Knappertsbusch sang sie in Wien auch die Woglinde in Wagners "Götterdämmerung". Der Mitschnitt dieser Aufführung ist erhalten geblieben. Nach dem Krieg trat die Sängerin nur noch sehr wenig in Erscheinung.


    Am 5. Januar 1967 starb sie zusammen mit ihrem Ehemann, Karl Friedrich Lehr, bei einem Autounfall in der Nähe von Sattledt O.Ö.


    Hier der übrigens recht gut restaurierte Mitschnitt von 1934 aus Glyndebourne:


    Mozart — Luise Helletsgruber • Ina Souez • Willi Domgraf-Fassbaender •  Heddle Nash • John Brownlee • Irene Eisinger – Chor Und Orchester Des  Glyndebourne Festivals • Fritz Busch – Cosi Fan Tutte - Gesamtaufnahme  (2002, CDr) - Discogs


    und noch ein paar weitere Kostbarkeiten:


    MOZART (1756-1791) Don Giovanni Busch [RBr]: Classical Reviews- August 2001  MusicWeb(UK)    Symphonie Nr. 9




    LG Nemorino

    Die Nachricht von Frau Schneider-Esleben hat mich veranlaßt, noch einmal nach evtl. bisher (mir) unbekannten Aufnahmen der verehrten Ursula van Diemen zu forschen. Bei "discogs" bin ich fündig geworden:

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    Es ist eine Schellackplatte der Marke "ORCHESTROLA", nach dem Vermerk "Elektra" zu urteilen eine elektrische Aufnahme, die demnach nach 1925 entstanden ist. Als Eigentümerin des mir bisher unbekannten Labels wird die Firma


    Schallplattenfabrik Pallas GmbH

    Auf dem Esch 8


    49356 Diepholz

    Germany


    genannt. Sie existiert offensichtlich sogar noch; Telefon- und Faxnummer sind angegeben. Eine Veröffentlichung der beiden Titel auf CD scheint es allerdings nicht zu geben. Schade.


    LG Nemorino

    Hallo Orfeo,


    vielen Dank für die prompte Erwiderung. Damit hast Du einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung über diese LP geleistet. Es ist also eine Zusammenstellung von Aufnahmen, die zu ganz unterschiedlichen Zeiten stattfanden. Wie ich recht vermutet habe, singt Adele Kern die Blonde (wohl auch im Finale "Nie werd´ich deine Huld verkennen"?) Aber wer singt im Finale die Konstanze, das würde mich noch interessieren. Das Sammelsurium erklärt auch, warum kein Dirigent genannt ist.


    Abschließend möchte ich noch bemerken, daß ich mich sehr darüber gefreut habe, daß ich diesen Thread, der nach dem ersten Eintrag von 2015 keine Beachtung mehr gefunden hat, wieder belebt und damit immerhin doch eine recht erfreuliche Resonanz erzielt habe. Vielleicht geht's ja noch ein bißchen weiter ....:)


    LG Nemorino

    Lieber Alfred,


    ganz herzlichen Dank für die Übermittlung der Nachricht von Katharina Schneider-Esleben, der Enkelin von Ursula van Diemen.

    Damit ist auch die Frage geklärt, warum die Sängerin während der Nazi-Jahre nicht in Erscheinung getreten ist, zumindest nicht im deutschen Sprachraum. Jedenfalls hat sie kein leichtes Leben gehabt, wie man den wenigen Zeilen entnehmen kann. Daß sie aber

    eine ganz wunderbare, liebe warmherzige Frau

    war, darüber gibt es wohl keinen Zweifel. Man muß nur ihre einfühlsame, beseelte Stimme hören und ihr Foto (#1) betrachten, so glaubt man das aufs Wort.


    Nochmals danke für die Mitteilung und liebe Grüße sowie schöne Pfingsten nach Wien,


    Nemorino

    Ich möchte an dieser Stelle in Erinnerung rufen, daß Margherita Perras im Jahr 1937 beim Glyndebourne Festival unter Fritz Busch die Rolle der Konstanze in Mozarts Oper "Die Entführung aus dem Serail" gesungen hat. Leider gibt es m.W. davon kein Tondokument, jedenfalls konnte ich keines ausfindig machen.


    Bei meinen Recherchen ist mir allerdings folgende Aufnahme ins Auge gefallen, von deren Existenz ich bis dato keine Kenntnis hatte:

    Wolfgang Amadeus Mozart, Helge Roswaenge, Maria Ivogün, Margherita Perras,  Julius Patzak, Adele Kern, Alexander Kipnis - Die Entführung Aus Dem Serail  | ArtistInfo


    Es handelt sich um eine (oder 2?) LP, veröffentlicht unter dem Label "TOP CLASSIC HISTORIA", Aufnahmedatum unbekannt, mit einem beachtlichen Sängerteam, wie aus dem oben abgebildeten Cover ersichtlich ist. Ein Dirigent ist leider nicht genannt, und auch nach intensiver Suche habe ich keinen Hinweis auf ihn gefunden.


    Der Vermerk "Große Stimmen, Große Oper 10" läßt mich allerdings vermuten, daß es sich bei dieser Ausgabe, die wohl nie auf CD überspielt wurde, um einen Querschnitt handelt. Außerdem irritieren die Namen Maria Ivogün und Adele Kern. Ich kann mir letztere gut als Blondchen vorstellen, nicht aber die Ivogün. Möglicherweise kamen sowohl die Perras als auch die Ivogün zum Einsatz, die sich eventuell in der Partie der Konstanze abgewechselt haben, oder die Aufnahmen sind zu unterschiedlichen Zeiten gemacht worden (?).


    Vielleicht kennt jemand hier diese Ausgabe und kann nähere Auskunft geben.


    Zur Komplettierung dieses Thread hier noch ein schönes Jugendfoto von Margherita Perras:


    Margherita Perras (Soprano) - Short Biography


    LG Nemorino

    Mir fallen in diesen schlimmen Zeiten immer wieder Gedichte von Jewtuschenko ein. Man sollte eigentlich erkennen können, dass diese Kriege immer mit Machtinteressen zu tun haben, die sich ( zmindest mir) nicht immer im vollen Umfang erschließen.

    Mir fällt in diesen schlimmen Zeiten immer wieder ein Gedicht von


    Alexander Solchenizyn

    ein, der seine Erlebnisse (als sowjetischer Soldat) während der Einnahme Ostpreußens in Gedichtform im Band "Ostpreußische Nächte" niedergeschrieben hat.

    Er schildert Greueltaten der Soldaten wie Raub, Massenvergewaltigung und Mord, darunter ein Erlebnis in der Stadt Neidenburg in Masuren:



    „Zweiundzwanzig, Höringstraße.

    Noch kein Brand, doch wüst, geplündert.

    Durch die Wand gedämpft – ein Stöhnen:

    Lebend finde ich noch die Mutter.

    Waren’s viel auf der Matratze?

    Kompanie? Ein Zug? Was macht es!

    Tochter – Kind noch, gleich getötet.

    Alles schlicht nach der Parole:

    NICHTS VERGESSEN! NICHTS VERZEIH’N!

    BLUT FÜR BLUT! – und Zahn für Zahn.

    Wer noch Jungfrau, wird zum Weibe,

    und die Weiber – Leichen bald.

    Schon vernebelt, Augen blutig,

    bittet: »Töte mich, Soldat!

    Sieht nicht der getrübte Blick?

    Ich gehör doch auch zu jenen!«



    Die Menschheit hat nichts gelernt!

    Theodor Fontane (1819-1898)

    1. Heimat


    Ich bin hinauf-, hinabgezogen

    Und suchte Glück, und sucht' es weit,

    Es hat mein Suchen mich betrogen,

    Und was ich fand, war Einsamkeit.


    Ich hörte, wie das Leben lärmte,

    Ich sah sein tausendfarbig Licht,

    Es war kein Licht, das mich erwärmte,

    Und echtes Leben war es nicht.


    Und endlich bin ich heimgegangen

    Zu alter Stell´ und alter Lieb´,

    Und von mir ab fiel das Verlangen,

    Das einst mich in die Ferne trieb.


    Die Welt, die fremde, lohnt mit Kränkung,

    Was sich, umwerbend, ihr gesellt;

    Das Haus, die Heimat, die Beschränkung,

    Die sind das Glück und sind die Welt.



    2. Aber wir lassen es andere machen


    Ein Chinese - s' sind schon an zweihundert Jahr'

    in Frankreich auf einem Hofball war.

    Und die einen frugen ihn: Ob er das kenne?

    Und die anderen frugen ihn: Wie man es nenne?

    "Wir nennen es tanzen", sprach er mit Lachen,

    "aber wir lassen es andere machen."


    Und dieses Wort, seit langer Frist,

    mir immer in Erinnerung ist.

    Ich seh' das Rennen, ich seh' das Jagen,

    und wenn mich die Menschen umdrängen und fragen:

    "Was tust du nicht mit? Warum stehst du beiseit'?"

    so sag' ich: "Alles hat seine Zeit.

    Auch die Jagd nach dem Glück. All derlei Sachen,

    ich lasse sie längst durch andere machen."



    3. Ausgang


    Immer enger, leise, leise

    ziehen sich die Lebenskreise,

    schwindet hin, was prahlt und prunkt,

    schwindet Hoffen, Hassen, Lieben,

    und ist nichts in Sicht geblieben

    als der letzte dunkle Punkt.



    Nemorino

    In meiner Sammlung war André d'Arkor mit folgender CD vorhanden:


    Quellbild anzeigen


    Außer den Titeln 18 & 19 (lateinisch) sang der belgische Tenor sämtliche Arien in französischer Sprache. Die Vorderseite der CD sah so aus:


    Diabolus In Musica: André D'Arkor - Opera Arias


    Es ist eine der ganz wenigen CDs, die ich mal ausgeliehen habe, und genau die habe ich nie zurückbekommen:(.


    Die CD gibt nicht darüber Auskunft, ob es sich um Mono- oder Stereo-Produktionen handelt. Sie klingen alle gleich schlecht. Aufnahmedaten sind nicht genannt.

    André d'Arkor verfügte über einen lyrischen Tenor, der (mich) immer wieder an Nicolai Gedda denken läßt, aber er erreicht nach meinem Empfinden nicht denn einmaligen Glanz und die schier unglaubliche stimmliche Farbpalette des Schweden, und wenn er forciert, so klingt seine Stimme häufig etwas hart und unbiegsam. Außerdem stört mich ein wenig die französische Übersetzung in den Stücken aus italienischen bzw. deutschen Opern.


    LG Nemorino

    Drei Themen der Salome mit Ljuba Welitsch unter Karajan (1948)

    Hallo Orfeo,


    genau diese Ausschnitte sind in der von mir gezeigten CD (#48) enthalten! Sie sind demnach mit Deinem Link identisch.

    Bekanntlich ist dieses Finale – beginnend mit dem 'Abstieg des Henkers in die Zisterne' - nicht vollständig erhalten

    Davon ist in der mehrsprachigen Textbeilage keine Rede. Vielen Dank für diese Information, die mir nicht bekannt war.


    LG Nemorino

    Mit dieser 25 cm-Langspielplatte habe ich meine erste Bekanntschaft mit Otmar Suitner gemacht:

    Peer Gynt Suite 1,2


    Inzwischen kann man sie auch als CD erwerben.


    Ansonsten finde ich nicht viel von diesem Dirigenten in meiner Sammlung. Die längste Zeit seiner Karriere hat dieser österreichische Künstler in der DDR verbracht. Zahlreiche Aufnahmen von VEB Deutsche Schallplatten (heute: BERLIN Classics bzw. ETERNA) geben davon Zeugnis, so auch diese schöne CD, die bei mir im Schrank steht:

    Sinfonia Concertante B / Es-Dur


    LG Nemorino

    ... dann ist man erstaunt, was für Weltstars in Stuttgart fest engagiert oder als Gäste verpflichtet waren. Das waren alles äußerst klangvolle Namen.

    Lieber La Roche,


    dafür gibt es mehrere Gründe. Zum einem hatte Stuttgart das große Glück, daß sein Großes Opernhaus (das kleine fiel den Bomben des 2. Weltkriegs zum Opfer) den Krieg im wesentlichen unzerstört erhalten blieb.


    Zweitens, und das war wohl ein noch größeres Glück, hatte es in Walter Erich Schäfer (Intendant von 1948-1972) und Ferdinand Leitner (Chefdirigent von 1947-1969) zwei bedeutende Persönlichkeiten an der Spitze, die einerseits für Kontinuität standen und andererseits dem renommierten Haus zahlreiche namhafte Gäste aus dem In- und Ausland zuführen konnten. Außerdem war insonderheit Walter Erich Schäfer stets auf der Suche nach neuen Talenten und nutzte dafür seine weitreichenden Verbindungen. Ihm ist u.a. die frühzeitige Berufung von Carlos Kleiber als Gastdirigent nach Stuttgart zu verdanken, und Wieland Wagner nutzte die Stuttgarter Bühne für zahlreiche Inszenierungen und Aufführungen außerhalb der Bayreuther Festspiele, so daß Stuttgart nicht selten als "Klein- oder Ersatz-Bayreuth" bezeichnet wurde.


    LG Nemorino

    .....mit noch viel mehr!

    Hallo Fiesco,


    weniger ist manchmal mehr, oder besser gesagt, ein Verlust ist oftmals ein Gewinn! Meine CD (#14) enthält zwar nicht die Mozart-Stücke, dafür aber fünf Arien aus Rossini-Opern und - vor allem - das "Fac ut portem" aus Rossinis "Stabat Mater". Superb!

    Es handelt sich übrigens in allen Fällen um Aufnahmen aus der Frühzeit von Teresa Berganza, entstanden 1958 bzw. 1959.


    LG Nemorino