Beiträge von nemorino

    Lieber chrissy,


    vielen Dank für Deinen Zuspruch. Doch ich denke, wir sind damit ziemlich allein auf weiter Flur. Ich würde mich ja gerne überzeugen lassen von den zahlreichen Corona-Maßnahmen, aber die sind derart widersprüchlich und manchmal geradezu grotesk, daß ich nur mit dem Kopf schütteln kann.

    Nachstehendes Video ist zwar nicht mehr neu, doch was der junge Mann sagt, ist nach wie vor so was von aktuell:


    Schönen Abend nach Görlitz,

    Nemorino :hello:

    Elisabeth Kulman beendet ihre Karriere


    ... und sorgt gleichzeitig für einen Eklat

    Vorweg gesagt, ich bewundere Elisabeth Kulman für ihre mutige Entscheidung, die ich keineswegs als Eklat bewerten möchte!


    Ich habe mir ihre Erklärung sehr genau angehört und kann ihren Schritt sehr gut verstehen. Wir sind nicht mehr auf dem Weg, sondern wir haben inzwischen eine 2-Klassen-Gesellschaft, und diese Entwicklung halte ich für sehr bedenklich.

    Ist es nicht ein Widersinn, daß man inzwischen in den popeligsten Eifeldörfern mit 300 Einwohnern den Dorfkirmesplatz (!) für Nichtgeimpfte sperrt? Einesteils wird großmäulig verkündet, niemand müsse sich impfen lassen, aber wer nicht geimpft ist, kommt hierzulande in kein Theater, in kein Restaurant, in kein Kino und auf keinen Flohmarkt mehr. Aber hallo? Das ist doch Zwang durch die Hintertür!

    Ich bin fast 80, habe einen Herzinfarkt hinter mir und aus dem Grund ein Attest meines Kardiologen, daß ich keine Maske tragen muß, wegen akuter Atembeschwerden. Schön und gut, das zeige ich beim Betreten eines Ladens oder beim Friseur vor und werde in der Regel auch ohne Maske eingelassen. Doch inzwischen gehe ich nirgends mehr hin, weil sich jeder Popel bemüßigt fühlt, mich auf die Maskenpflicht hinzuweisen! Bin ich wirklich jedem X-Beliebigen Rechenschaft schuldig über meine Gesundheit? Ich denke nein, und lasse inzwischen von meinen Kindern meine Einkäufe erledigen. Wie lange dauert es noch, bis Ungeimpfte mit einem äußeren Kennzeichen versehen werden? Böse Erinnerungen an die Vergangenheit werden wach, leider! "Ungeimpfte unerwünscht"!

    Mein gleichaltriger Freund, gleichfalls ein Impfskeptiker, möchte aber auf Urlaubsreisen nicht verzichten und hat sich impfen lassen. Unmittelbar danach lag er mit größten Beschwerden fast vier Wochen darnieder. Es gibt glaubhaft ähnliche Fälle, und das nicht wenige, aber die kommen natürlich in dem Medien nicht vor.

    Wer von uns hätte noch vor zwei Jahren, wenn ihm jemand erzählt hätte, er dürfte in Kürze ohne alle möglichen Auflagen praktisch nirgends mehr hin, noch nicht einmal in die Kirche, die doch früher gerade in Notzeiten für die geplagten Menschen offenstanden? Da muß man heutzutage einen Antrag stellen und bekommt dann zwei Wochen später einen Termin zugeteilt, wann man einem Gottesdienst beiwohnen darf! Zukunftsromane wie "1984" sind längst von der Wirklichkeit überholt, und ich befürchte, wir stehen erst am Beginn.

    Mir ist klar, daß ich mit diesem Beitrag auf wenig Gegenliebe stoßen werde, doch das mußte ich mal loswerden. Bei uns wird täglich viel von Demokratie geredet, doch die das Wort am häufigsten im Munde führen, sind die ersten, die mit immer neuen Vorschriften und Verordnungen die Leute bevormunden und Andersdenkende diskriminieren. Nur die meisten merken das wohl gar nicht .... oder erst dann, wenn in den Supermärkten die Regale aussehen wie einstmals in der DDR.


    Zum Schluß noch eine Bitte an die Moderation: den Zusatz " .... am Kehlkopf verletzt" sollte man zum besseren Verständnis aus der Überschrift dieses Thread entfernen, denn diese Meldung ist inzwischen 10 Jahre alt!


    LG Nemorino

    Lieber Holger,


    ich vermisse GULDA in Deiner Aufstellung.


    Bei mir sind Beethovens Klaviersonaten reichhaltig vertreten, aber ich besitze bis heute nur drei GA, die von Schnabel (EMI), die bis heute, obwohl sie fast ein Jahrhundert auf dem Buckel hat, noch immer als Maßstab für alle späteren gehandelt wird, und das, nach meinem persönlichen Empfinden, zu Recht. Später habe ich die erste Barenboim-Aufnahme (EMI) gekauft. Sie kam in den 70er Jahren auf den Markt. Ein beachtliches Zeugnis für das Können des damals noch jungen Pianisten.

    Schließlich habe ich noch Friedrich Guldas GA aus den späten 1960ern, erstmals auf Amadeo herausgebracht:

    Friedrich Gulda spielt Beethoven sämtliche Klaviersonaten - Disc 5 - Sonate 15-17


    Inzwischen gibt es sie in diversen Neuauflagen, sehr preiswert hier:

    Gulda spielt Beethoven: Klaviersonaten 1-32 + Klavierkonzerte 1 - 5

    zusammen mit den Konzerten unter Horst Stein, die ich allerdings für entbehrlich halte.

    Es ist ein Beethoven für "Beethoven-Verächter" (Klaus Umbach), wenn es denn solche überhaupt unter den Klassikliebhabern gibt, während Ulrich Schreiber in seinem Schallplattenführer von 1979 meint, Gulda versuche "sozusagen, Beethoven zu ent-induvidualisieren" und sei, "in dieser Beziehung der modernste Beethoven-Interpret unserer Zeit."

    Sicher, das ist jetzt auch schon wieder 40 Jahre her, aber ich denke, daß Guldas Interpretationen bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren haben und nach wie vor in die erste Reihe gehören.

    Im übrigen gibt es bei mir zahlreiche Einzelaufnahmen der Sonaten, z.B. von Rubinstein, Serkin, Richter, Gilels, Kempff, Backhaus, Casadesus, Gieseking, Clara Haskil, Horowitz u.v.m. Das genügt mir vollkommen.


    LG Nemorino

    Im Gründigsjahr von NAXOS 1987, das ist nun 34 Jahre her - kostete eine CD 7.99 Euro.

    Lieber Alfred,


    ich denke, daß Dir hier ein Denkfehler unterlaufen ist. Den Euro gibt es offiziell erst seit 2002, und ich erinnere mich gut, daß im Jahr 1988, als ich von LP auf CD umgestiegen bin, jede Naxos-CD bei Saturn in Köln (dem damaligen Mekka der Plattensammler) exakt DM 6,90 kostete (umgerechnet ca. 50 öS.). Und das zu einer Zeit, als man für die großen Label (EMI, DGG, Philips, Decca, RCA) im Hochpreissegment selbst bei SATURN noch DM 31,90 hinblättern mußte.


    Wer nicht auf die weltberühmten Interpreten Wert legte, hatte bei NAXOS noch den Vorteil, daß ausschließlich Digital-Aufnahmen angeboten wurden.


    LG Nemorino

    Lieber Joseph II.,


    meine Lieblingsaufnahme (trotz Karajan, Bernstein, Münchinger) ist bis heute diese hier:

    Haydn - Grümmer, Traxel, Frick, Chor Der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin,  Berliner Symphoniker, Forster – Die Schöpfung (1989, CD) - Discogs

    Elisabeth Grümmer (Sopran), Josef Traxel (Tenor), Gottlob Frick (Baß);

    Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin und Berliner Symphoniker, Dirigent: Karl Forster (Aufnahme: 27.-30.1. & 17.2.1960, Berlin, Grunewaldkirche).

    Allein schon wegen der herausragenden Solisten ein Erlebnis der besonderen Art. Doch auch die Aufnahmetechnik ist sehr gut (frühes STEREO).


    Die Richter-Aufnahme kenne ich natürlich nicht, aber ich schätze diesen Dirigenten sehr, der in meiner Jugend praktisch als der "Bach-Papst" gelobt und gepriesen wurde und später, nach Beginn der HIP-Ära, entsprechend geringgeschätzt wurde. Ich selber mag bis heute seine damals richtigweisenden Bach-Aufnahmen nicht missen.


    LG Nemorino

    Neu in meiner Sammlung:



    Eben gehört - 2012/13 - Seite 166 - Musik: Erfahren - Capriccio Kulturforum


    Sehr empfehlenswert! Nicht nur die Interpretation, auch der Klang ist einfach super. Das genaue Aufnahmedatum kann ich jetzt auch nennen: 5. Dezember 1973. Die Angaben in den #5, (1970) und # 17 bzw. 22 (1974) sind ungenau.


    LG Nemorino

    Vorgestern bei eBay bestellt, und heute schon im Briefkasten:

    Eben gehört - 2012/13 - Seite 166 - Musik: Erfahren - Capriccio Kulturforum

    Philadelphia Orchestra, Dirigent: Eugène Ormandy. An der Orgel: Virgil Fox (Aufnahme: 5.12.1973).


    Und das für unglaubliche 3,60 €, einschließlich Versandkosten! In der Tat, eine Super-Aufnahme, die meine bisherige Lieblingsversion mit Munch/Boston SO, auf den zweiten Platz verdrängt. Dafür nimmt man die dürftige Textbeilage (sogar Aufnahmedatum und -ort fehlen) gerne in Kauf.


    LG Nemorino

    Der Pianist Arthur Rubinstein war tief berührt vom 2. Satz Adagio des schubertschen Streichquintettes.

    Lieber moderato,


    ganz herzlich möchte ich mich für die Übermittlung dieses Links bedanken! Es bewegt mich zutiefst, daß der große Artur Rubinstein so ergreifende Worte über diese Komposition gefunden hat. Ich bin zwar nicht unbedingt ein Kammermusik-Freak, aber dieses wunderbare Werk von Franz Schubert übertrifft für mich fast alles, was ich im Laufe meines Lebens an Musik kennengelernt habe.


    LG Nemorino

    Tatsächlich hat die billigste DG-Edition, "Resonance" häufig in meinen Augen zwar unspektakuläre, aber oft passende und manchmal ziemlich schöne Cover

    Das trifft für die ersten Ausgaben der Reihe vollkommen zu, während das Design der späteren Veröffentlichungen, die nicht mehr den Schriftzug "Deutsche Grammophon" trugen, sondern nur noch durch den Tulpenkranz als DGG-Erzeugnis kenntlich waren, mit der einheitlichen Balkenschrift alles andere als ein Labsal fürs Auge war. Hier jeweils ein Beispiel aus der ersten und der späteren Serie:


    Mendelssohn, Berlin Philharmonic Orchestra, Schumann, Herbert Von Karajan -  Mendelssohn Symphony No. 4 "Italian"; Schumann Symphony No. 1 "Spring" -  Amazon.com Music  Sinfonie 4/Tragische Ouvert./+


    Die späteren Ausgaben (rechts) waren auf den ersten Blick als Billig-Produkte zu erkennen, während die früheren ästhetisch wesentlich ansprechender aussahen.

    Schließlich wurde die "Resonance"-Reihe ganz eingestellt und durch die Serie "eloquence" abgelöst,

    mit den Covern, die man auch für eine Toiletteseife aus dem Supermarkt hätte verwenden können.

    :thumbup:


    LG Nemorino

    Auch "Galleria" war nicht mein Geschmack.

    .... der meine auch nicht. Cover und Inhalt paßten ganz einfach nicht zusammen. Obwohl hier die meisten der vorgestellten Bilder zumindest noch erträglich waren, wie zum Beispiel dieses:


    Grieg: Klavierkonzerte


    Es gehört eigentlich nicht hierhin, und doch möchte ich bei dieser Gelegenheit auf zwei Serien aufmerksam machen, die zwar möglicherweise wenig gehaltvolle, aber immerhin recht geschmackvolle Malerei gezeigt haben. Mehr kann und will ich dazu nicht sagen.

    Einmal die Serie "The Royal Edition" von Sony/CBS, die in 100 Ausgaben Aufnahmen von Leonard Bernstein mit Gemälden von "HRH The Prince of Wales" (Prinz Charles) verband. Die Malerei des Prinzen hat international wenig Aufmerksamkeit und noch weniger Begeisterung erregt, selbst in England war die Aufnahme verhalten. Doch insgesamt handelt es sich um eine repräsentative, geschmacklich ansprechende Reihe. Hier ein paar Beispiele:


    The Royal Edition Vol. 65 Sinfonien 3 + 5 The Royal Edition 60 Beethoven: Missa Solemnis; Choral Fantasy / Haydn: Theresia Mass (Bernstein Royal Edition #11) by Kim Borg / Eileen Farrell (1992-08-02) The Royal Edition Vol. 84

    Dasselbe möchte ich von der "Karajan-Edition" der DGG sagen, die "100 Meisterwerke" des Dirigenten mit Gemälden seiner Frau Eliette kombinierte, was von zahlreichen Karajan-Gegnern seinerzeit als "diskographische Zugewinngemeinschaft" (Klaus Umbach im SPIEGEL) verteufelt wurde. Und der Schweizer Verleger Robert C. Bachmann lästerte in seiner Biographie "Karajan - Anmerkungen zu einer Karriere" (Econ-Verlag, Wien): "Er dirigiert - sie dekoriert". Sei's drum! Auch hier habe ich einige Beispiele herausgegriffen:

    Symphonie Nr. 9 (Karajan-Edition: 100 Meisterwerke) Karajan-Edition: 100 Meisterwerke (Brahms) Karajan-Edition: 100 Meisterwerke (Grieg / Sibelius) Karajan-Edition: 100 Meisterwerke (Borodin / Brahms / Tschaikowsky / Smetana)


    Ich bin kein Kunstkenner, aber ich finde, beide Serien erfreuten Ohr und Auge gleichermaßen. Welten liegen zwischen diesen Ausgaben und dem, was heutzutage - zumindest überwiegend - dem Käufer aufgetischt wird.


    LG Nemorino

    Tatsächlich, lieber nemorino, muss ich wohl unbewusst auch an Fontane gedacht haben dabei.

    Lieber Joseph II.,


    die beiden, ein wenig aus der Mode gekommenen Begriffe "inzedent und degoutant" haben mich gleich an Fontane denken lassen, und da ich "Effi Briest" est kürzlich (zum wiederholten Male) gelesen hatte, war ich rasch auf der richtigen Spur. Es ist im 17. Kapitel zu finden. Der Satz lautet wörtlich: "Nein, Crampas, so dürfen Sie nicht weitersprechen. Das ist indezent und degoûtant zugleich. Und das alles so ziemlich in demselben Augenblick, wo wir frühstücken wollen."


    Liebe Grüße und ein schönes Wochenende*,

    Nemorino:hello:


    *Hoffentlich nicht so verregnet wie hier, im Rheinland hat der Herbst über Nacht Einzug gehalten:huh:!


    Schlimmer waren die ersten EUROPÄISCHEN "Eloquence"-Veröffentlichungen, ihr wisst schon, die mit den Covern, die man auch für eine Toiletteseife aus dem Supermarkt hätte verwenden können. Auch hier wurde der Käufer indirekt gedemütigt. (.....)

    Sowas habe ich nur dann genommen, wenn es in keiner anderen Version am Markt war.

    .... und sofort gegen eine qualitativ und optisch bessere ausgetauscht, sobald eine solche auf dem Markt erschien, wie beispielsweise hier:

    Rafael Kubelik - Dvorak: Symphonie No.9 (BP), Smetana: Die Moldau, Böhmen (BSO)  Sinfonie Nr. 9 "Aus der neuen Welt" (Virtuoso)


    Als die "Virtuoso"-Ausgabe erschien, habe ich das primitive "eloquence"-Produkt umgehend entsorgt! Es gab die Aufnahme auch als "Originals":

    The Originals - Dvorak: Sinfonie Nr. 8 und 9 - Aus der Neuen Welt


    doch dieses Cover fand ich so grauenhaft, daß ich vom Kauf abgesehen habe. Hier hat man den Eindruck, daß der Dirigent im nächsten Augenblick von den umgebenden Wolkenkratzern erschlagen wirdX(!


    LG Nemorino

    Das Schöne an den Originals finde ich, dass im Booklettext über die konkrete Aufnahme geschrieben wird und nicht über das "Werk".

    Das finde ich tatsächlch eher einen Nachteil.

    So gehen die Meinungen auseinander. In diesem Fall stimme ich Johannes Schlüter zu, weil man bei den "Originals" viele interessante Details über die Aufnahme und die beteiligten Künstler findet, statt zum x-ten Mal zu lesen, wann, wo und wie z.B. Beethoven seine Fünfte komponiert hat.

    Für mich würde zu "Originals" eine 1:1 Kopie des ursprgl. Beitextes gehören.

    Das ist prinzipiell richtig; RCA hat das in seiner (inzwischen eingestellten) Serie "Living Stereo" so gemacht. In den Booklets finden sich da stets die ursprünglichen Texte der originalen LPs. Nachteil hier: sie sind nur englisch abgefaßt.


    LG Nemorino

    Unsereins ist offenkundig nicht der Adressat für solche Boxen. Dennoch finde ich es gut, wenn sie herausgegeben werden.

    So ist es, lieber Rüdiger. Manches wird dadurch vor dem endgültigen Vergessen bewahrt, und natürlich sind die Riesenkisten enorm platzsparend, im Vergleich zu den Jewelbox CDs. Die sehen zwar schön aus, aber so richtig praktisch sind sie auch nicht.

    Selbst hebe ich ja kaum mehr neue CDs auf. Was ins Haus kommt, wird sofort digitalisiert.

    Das mache ich nun gar nicht. Ich muß eine CD in der Hand haben, mit Booklet (auch wenn es noch so mickrig ist). Während des Hörens liegt stets die Textbeilage vor mir, das gehört für mich einfach dazu. Aber meine Regale und Schränke platzen dadurch natürlich aus allen Nähten:(.


    Schönes Wochenende und liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    Ich glaube allerdings auch, dass man nicht zwingend erwarten darf, eine CD-Überspielung in einer bestimmten Reihe/Serie zu erhalten. Immerhin sind fast alle der genannten Aufnahmen auf CD zu kriegen.

    Hallo patebino,


    von "zwingend erwarten" kann natürlich nicht die Rede sein, hier geht es ja um Wünsche. Ich weiß, daß alle von mir genannten Aufnahmen auf CD überspielt wurden und, zumindest zum Teil, noch erhältlich sind. Doch als Sammler freut man sich immer, wenn man eine ganz bestimmte Aufnahme in einer repräsentativen Aufmachung, am liebsten mit dem Cover der Original-LP, bekommen kann.

    Ich bin mir auch bewußt, daß meine weiter oben geäußerten Wünsche nicht in Erfüllung gehen, denn die Zeit bleibt nicht stehen, und die (noch verbliebenen) Plattenfirmen werden sich lange überlegen, eine Wiederveröffentlichung als Einzel-CD vorzunehmen. Da wird man ganz sicher zunächst einmal sorgfältig die Verkaufschancen prüfen. Und dabei fällt dann das meiste durch den Raster, bzw. wird höchstens noch in umfangreichen Kisten wieder aufgelegt. Damit muß man sich abfinden, so sehr man das auch bedauern mag.


    LG Nemorino

    Gerade diese Rotunterlegung des Stereo-Schriftzuges hat für mich etwas geradezu Mustergültiges.

    Lieber Joseph II.,


    auch ich habe es seinerzeit bedauert, als die DGG so ab ca. 1964 auf die Rotunterlegung verzichtete. In dieser Hinsicht ist unser Geschmack völlig identisch. Ich habe beim Kauf noch lange darauf geachtet, ob es die gewünschte Platte noch in der älteren Ausgabe mit dem rot unterlegten Schriftzug "STEREO" gab und, wenn ja, diese genommen.

    Betrachte ich die neueste Entgleisung des Netrebko-Albums, komme ich nicht umhin, Dir beizupflichten. Damit sei gar nichts über die Platte selbst gesagt (die wir ja alle zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht kennen können). Ich finde diese Gestaltung auch indezent, um nicht zu sagen degoutant.

    ".... und das so ziemlich in demselben Augenblicke, wo wir frühstücken wollen"^^, sprach Effi Briest zu Crampas. Daran mußte ich spontan denken, als ich Deinen Satz las. Vermutlich hattest auch Du dabei Fontanes Meisterwerk im Sinn.


    Schönen Tag und liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    Für den 24. September 2021 kündigte Warner eine große Box mit den Einspielungen von Furtwängler an,

    Lieber Rüdiger,


    vielen Dank für Deinen Hinweis.


    Die Box mit 55 CDs mag für jeden Furtwängler-Verehrer eine Verlockung sein, bei einem Preis von umgerechnet 2,36 € pro CD.

    Und trotzdem: Mich beschleicht immer ein Unbehagen bei diesen Riesenkisten. Erstens: wann soll man das alles hören, zweitens: das Meiste werden die Furtwängler-Liebhaber schon besitzen, und drittens: aus diesen Boxen eine bestimmte CD herauszufischen, ist für mich jedes Mal ein K(r)ampf. Deshalb meide ich diese Ausgaben wenn irgend möglich. Nur zwei stehen bei mir, und das schon seit Jahren: Einmal die Fricsay-Box der DGG mit den Instrumentalaufnahmen (45 CDs), zum anderen die GA der Haydn-Sinfonien unter Adam Fischer (Denon, 33 CDs). Das meiste davon - ungehört! :(

    Was mich einzig und allein zum Kauf der Furtwängler-Box verleiten könnte, sind die Original-Cover der früheren LP-Ausgaben. Aber dafür 130 € hinzublättern, das muß ich mir noch lange und reiflich überlegen.


    LG Nemorino :hello:

    Eine weitere schöne, zu Herzen gehende Romanze hat Frédéric Chopin in sein Klavierkonzert Nr. 1 e-moll, op. 11, eingebaut. Und wenn sie so unsentimental und schnörkellos gespielt wird wie auf dieser CD, so wird das Stück zu einem wahren Meisterwerk:

    Chopin Coll./Klavierkonz.1+2

    Artur Rubinstein (Klavier) und das New Symphony Orchestra of London, Dirigent: Stanislav Skrowaczewski (Aufnahme: 6/1961, London).


    LG Nemorino

    Lieber Joseph II.,


    .... wie gewollt und nicht gekonnt, damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen. Der einstmals gute Geschmack, den die DGG in der Covergestaltung zeigte, ist inzwischen total abhanden gekommen. Nun ja, da sitzen heute Leute, die mit dem Traditionsunternehmen Deutsche Grammophon Gesellschaft nichts mehr zu tun haben. DGG ist heute nicht mehr und nicht weniger als ein Label von Universal Classics. Das sagt eigentlich alles

    Ein ästhetischer Makel ist auch das leere Feld unten, wo früher "STEREO" stand (siehe auch die LP-Abbildungen weiter oben im Thread). Da fehlt doch ohne schlichtweg etwas!

    In dieser Hinsicht muß ich Dich korrigieren, lieber Joseph. Das von Dir beanstandete "leere Feld" war ursprünglich leer. Es wurde erst mit dem Wort "STEREO" gefüllt nach Einführung dieser neuen Technik, erst schwarz auf gelb, später dann rot unterlegt, damit es noch deutlicher ins Auge fiel. Ab ca. 1964 wurde die rote Farbe dann wieder weggelassen, und es blieb danach bei der schwarzen Schrift auf gelbem Untergrund. Später hieß es dann in diesem Feld "Numerique", nach Beginn der Digital-Ära.

    Hier ein paar Beispiele aus den 1950er Jahren:

    Smetana – Berliner Philharmoniker, Ferenc Fricsay – Die Moldau (Vltava)  (Vinyl) - Discogs Mozart - Berliner Philharmoniker, Karl Böhm – Eine Kleine Nachtmusik /  Serenata Notturna (Vinyl) - Discogs LP Mozart / Weber Konzerte für Klarinette und Orchester,, Geuser,  Radio-Symph-O | eBay Wolfgang Amadeus Mozart - Joseph Fuchs ∙ Lillian Fuchs ∙ Zimbler-Sinfonietta  – Konzertante Sinfonie Es-dur KV 364 (Für Violine, Viola Und Orchester)  (1958, Vinyl) - Discogs RIAS Symphonie-Orchester Berlin*, Berliner Symphoniker, Ferenc Fricsay – Sinfonie Nr. 1 B-dur (Frühlingssinfonie) / Aus Böhmens Hain Und FlurKonzert für Violine und Orchester D-dur op. 61 by Berliner Philharmoniker /  Paul van Kempen / Wolfgang Schneiderhan (Album; Deutsche Grammophon; LPM 18  099): Reviews, Ratings, Credits, Song list - Rate Your Music


    Doch hier stimmte die Ästhetik, Kartusche und Schriftzüge harmonierten.


    Welche "geschmacklichen Wunderwerke" die DGG heutzutage ihren Kunden zumutet, kann man hier eindrucksvoll erleben:

    10681443

    Kommentar überflüssig!


    LG Nemorino

    Lieber Don Gaiferos,


    danke für die Aufklärung. Siegfried Borries ist in meiner LP-Sammlung mit dieser Aufnahme vertreten:

    SPOHR Violinkonzert BEETHOVEN Romanzen 1 & 2 - BORRIES - JOCHUM - NM-

    Daß er das Amt des 1. Konzertmeisters bei den Berliner Philharmonikern bekleidet hat, war mir nicht bekannt.


    Wie ich gesehen habe, gibt es noch weitere Aufnahmen mit ihm, sogar das Beethoven-Konzert hat er, mit dem Dirigenten Fritz Rieger, der lange Jahre GMD der Münchner Philharmoniker war, eingespielt:

    LP/BEETHOVEN/BORRIES/RIEGER/VIOLINKONZERT/DONAULAND 4028 *


    Ein brauchbares Cover kann ich leider nicht einfügen, nur das Plattenetikett. Dieses dürfte vielleicht für unseren Administrator Alfred interessant sein, weil es eine Sonderauflage von "Donauland" ist, die - was ich gar nicht wußte - LPs unter eigenem Etikett vertrieben hat. Es handelt sich wohl um eine Mono-Produktion aus den 1950er Jahren.


    LG Nemorino

    Das Brahms-Konzert scheint zu den Favoriten von Zino Francescatti gehört zu haben, immerhin hat er es mehrfach aufgenommen, und es existieren auch Mitschnitte, so dieser hier von den Salzburger Festspielen 1958:

    Mitropoulos dirigiert Beethoven und Brahms (Aufnahme Live Salzburger Festspiele 26.08.1958)

    Hier spielt er zusammen mit den Wiener Philharmonikern dieses Konzert, die musikalische Leitung hatte kein Geringerer als Dimitri Mitropoulos. Wie dieser Mitschnitt technisch ausgefallen ist, kann ich leider nicht sagen, da mir die CD nicht vorliegt.


    LG Nemorino

    Robert Schumann (1810-1856), der wohl bedeutendste deutsche Komponist der Romantik, nennt in der revidierten Fassung (1851) seiner Sinfonie Nr. 4 d-moll, Op. 120, den zweiten Satz: "Romanze" (Ziemlich lebhaft).

    Schöner als Wilhelm Furtwängler in seiner Kultaufnahme vom 14.5.1953 kann man diese Romanze nicht erleben:


    Wilhelm Furtwängler – Haydn: Symphonie No.88 G-dur Hob.I: 88 / Schumann:  No.4 D-moll Op. 120 (2013, SHM-CD, CD) - Discogs

    Es gibt die Aufnahme auf CD noch in weiteren Versionen, die obige ist wohl die neueste und zeigt das Original-Cover der ersten LP-Ausgabe.

    Während der Aufnahmesitzungen sagte Furtwängler zu seinem Orchester, den Berliner Philharmonikern: "Wir haben jede Menge Zeit, es ist an dem Stück gar nichts dran, wenn man es so herunterrasselt." In der Romanze forderte Furtwängler von den Musikern "Immer singen, das ist alles Gesang!"

    Ich kenne mindestens ein Dutzend Aufnahmen von Schumanns Vierter, aber keiner gestaltet das Werk, und insonderheit die Romanze, so liebevoll und läßt die Musik so weich fließen. Besonders schön die Solovioline, die wirklich verzaubernd klingt und singt. Leider wird der Solist nicht namentlich genannt. Michel Schwalbé kann es nicht sein, der wurde erst von Karajan, also nach Furtwänglers Tod, engagiert. Vielleicht weiß jemand, wer in Furtwänglers Spätzeit Konzertmeister der Berliner Philharmoniker war.


    LG Nemorino

    Auf die Stärken und Schwächen von Anna Netrebko möchte ich hier und heute nicht näher eingehen.


    Doch ich habe mich heute an anderer Stelle dazu bekannt, daß bei mir das Auge mitkauft, was nicht heißt, daß ich eine CD nur des Covers wegen anschaffe, aber für mich müssen Inhalt und Verpackung anziehend sein.


    Nun habe ich hier heute dieses Cover der neuesten (?) CD von Anna Netrebko gefunden, und ich muß sagen, daß ich es schlicht und ergreifend scheußlich finde. Die Abbildung ist dazu angetan, kleine Kinder zu erschrecken bzw. frühzeitig ins Bett zu befördern. Es mag ja durchaus sein, daß mein Geschmack nicht der modernste ist, aber es gibt durchaus auch moderne Bilder, Grafiken und Fotos, die sich sehen lassen können. Dieses hier:

    Amata Dalle Tenebre (Deluxe Set)

    erfüllt in jeder Beziehung die Anwartschaft auf das häßlichste, abstoßendste CD-Cover des Jahres 2021. Zumindest nach meiner unmaßgeblichen Meinung. Mit "amata dalle tenebre" kann ich das jedenfalls nicht in Beziehung bringen. Ein Bild zum Davonlaufen!


    LG Nemorino

    Ein großes Konzert mit Zino Francescatti fehlte noch in meiner Sammlung, das von Johannes Brahms.


    In einer alten Plattenbesprechung hieß es seinerzeit: ".... die Darstellung von Francescatti, auf die man sich so sehr gespitzt hatte, ist hervorragend gespielt; leider aber ist sie klanglich nicht sonderlich gut gelungen."

    Dieser Satz wurde im Jahr 1959 geschrieben, bezog sich demnach auf die Aufnahme mit dem Philadelphia Orchestra unter Eugene Ormandy aus dem Jahr 1956, die noch in Mono produziert wurde. Die amerikanische Columbia (CBS) hinkte leider mit der Einführung der Stereophonie hinterher, während ihr US-Konkurrent RCA bereits 1954 mit der Stereo-Produktion begann. Es handelte sich also um diese Version:

    Concerto Pour Violon et Orchestre (Francescatti, Ormandy)

    die in Westeuropa unter dem PHILIPS-Label vertrieben wurde. Erst ab 1963, nachdem der Kooperationsvertrag mit PHILIPS ausgelaufen war, wurden die Aufnahmen der Columbia unter dem Label CBS in Deutschland und dem westeuropäischen Raum angeboten.


    Nun fand ich kürzlich diese Aufnahme mit dem großen, von mir hochverehrten französischen Geiger:


    Leonard Bernstein, Brahms, Sibelius, Zino Francescatti, New York  Philharmonic – Violin Concerto / Violin Concerto (1992, CD) - Discogs

    gekoppelt mit dem Sibelius-Konzert. Ich habe die CD prompt gekauft und die Anschaffung nicht bereut. Das Brahms-Konzert wurde am 15.4.1961 im Manhattan Center, New York City, aufgenommen. Es klingt nicht nur ausgezeichnet, sondern ist auch künstlerisch ganz hervorragend. Francescattis schlanker Geigenton erinnert sehr an Henryk Szeryng, dessen legendäre Aufnahme mit Pierre Monteux (RCA, 1958) wohl bis heute niemals übertroffen wurde. Leonard Bernstein ist ein aufmerksamer Begleiter, doch im direkten Vergleich mit Monteux kommt das Orchester doch etwas pauschal aus den Lautsprechern. Manche Feinheit, die Monteux zutage fördert, entgeht Bernstein. Doch insgesamt ist es eine sehr schöne Aufnahme, die in meiner Francescatti-Sammlung noch gefehlt hat. Das Sibelius-Konzert besaß ich schon in einer anderen Zusammenstellung. Auch diese Aufnahme ist es wert, in jede gute Geigen-Diskothek Eingang zu finden.


    LG Nemorino

    Vorab eine grundsätzliche Frage: Wird die Serie "The Originals" von der DGG überhaupt noch weitergeführt, oder gibt es nur noch den Abverkauf längst gestrichener Ausgaben? Kann dazu jemand näheres sagen? Dieser Thread wurde bereits 2007 eröffnet, und inzwischen ist viel Zeit ins Land gegangen.


    Ich persönlich habe diese Reihe sehr geliebt und mindestens 60 "Originals" in meinem Regal stehen. Doch auf die Wiederauflage folgender ehemals begehrter LP's (sie stammen restlos aus den 1960er Jahren) habe ich vergeblich gehofft:

    Mozart/Weber: Klarinettenkonzerte/Clarinet Concertos [Vinyl LP] [Schallplatte] Robert Schumann / Edvard Grieg - Géza Anda , Rafael Kubelik , Berliner Philharmoniker - Klavierkonzerte In a-moll · Piano Concertos In A minor - Deutsche Grammophon - 138 888 SLPM, Deutsche Grammophon - SLPM 138 888 Liszt: Mazeppa / Ungarische Rhapsodien Nr. 4 & 5 / Ungarische Fantasie [Vinyl LP] [Schallplatte] Schubert: Symphonie Nr. 8 "Unvollendete/Unfinished" / Beethoven: Fidelio - Leonore III - Coriolan (Ouvertüren) [Vinyl LP] [Schallplatte]


    Die Klarinettenkonzerte von Mozart und Weber (Aufnahme: 1968) gab es mal in der Billig-Serie "Resonance", da war noch das Fagottkonzert mit Maurica Allard/Igor Markevitch (1960) dabei. Eine recht spartanische Ausgabe, ohne jede Textbeilage, und mit einem wenig ansprechenden Cover.

    Aus der LP mit den Konzerten von Schumann und Grieg wurde das Grieg-Konzert seinerzeit auf "Originals" mit dem 2. Klavierkonzert von Brahms (unter Karajan) veröffentlicht, eine wenig überzeugende Zusammenstellung.

    Die opulenten Liszt-Aufnahmen Karajans mit den Berliner Philharmonikern haben m.W. nie Eingang in die "Originals"-Reihe gefunden (besonders erfreulich war die Aufnahme der Fantasie für Klavier u. Orchester mit Shura Cherkassky, 1960 aufgenommen). Auch fehlt Schuberts "Unvollendete" aus dem Jahr 1964, die mir im Vergleich zu den beiden EMI-Aufnahmen von 1958 und 1977 als Karajans beste Aussage erscheint.

    Ich gebe gerne zu, bei mir kauft das Auge mit, und ich fand die obigen Cover besonders ansprechend und zu den jeweiligen Werken passend.


    Das wären meine Wunschkandidaten an die Deutsche Grammophon, wenn die beliebte und großartige Serie noch einmal aufleben sollte.


    LG Nemorino

    Kann das gelingen ?

    Ich sage NEIN, besonders wenn ich das mit dm VC-Original mit Francescatti / Schippers (SONY) oder Oistrach / Ormandy (SONY) vergleiche.

    Lieber Wolfgang,


    nein, das ist ein mißglücktes Experiment, besser gesagt, ein Greuel. Für mich hört es sich ganz schrecklich an, wenn ich auch zugebe, daß eingefahrene Hörgewohnheiten da mit hineinspielen.


    Ich habe schon meine Probleme mit Beethovens eigener Umarbeitung seines Violinkonzertes in ein Klavierkonzert, umso mehr aber mit der Bearbeitung eines erstklassigen Werkes durch einen "Fremdling". Man sollte immer davon ausgehen, daß die Tonschöpfer sich etwas dabei gedacht haben, wenn sie ein Konzert für ein ganz bestimmtes Instrument geschrieben haben.

    Im übrigen treffen sich unsere Geschmäcker hier mal wieder total, ich möchte nur Francescatti/Schippers und Oistrach/Ormandy noch die herrlich gegeigte und unübertroffene virtuose Darstellung durch Heifetz / Reiner mit dem CSO (RCA) hinzufügen, die auch klanglich (trotz frühem Stereo/April 1957!) glänzend gelungen ist. Wer diese drei Aufnahmen besitzt, braucht eigentlich keine anderen (obwohl ich noch mindestens 10 weitere im Regal habe^^).


    Liebe Grüße nach Bonn,

    Nemorino :hello:

    Klemperer (1956 & 1964)

    Lieber Joseph II.,


    zunächst bitte ich um Nachsicht, daß ich erst jetzt Deinen Beitrag 142, für den ich mich ganz herzlich bedanke, vom Montag beantworten kann.


    Daß ich ein eingefleischter Klemperer-Verehrer bin, habe ich schon mehrfach, u.a. auch in diesem Thread, betont. Seine Auslegungen der Beethoven-, Brahms- und Bruckner-Sinfonien sind Dokumente, deren Wert gar nicht hoch genug einzuschätzen ist. Auch seine späten Mozart-Sinfonien (incl. der Nr. 25!) stehen bei mir ganz hoch im Kurs. Doch bei Klemperers Interpretationen der "Kleinen Nachtmusik" melde ich Bedenken an, ohne den Wert seiner Lesart im Prinzip anzuzweifeln. Ganz richtig stellst Du fest:

    Tatsächlich wertet Klemperer "Eine kleine Nachtmusik" beinahe zur Symphonik auf.

    Und genau da liegt für mich der Ansatzpunkt zur Kritik. "Die kleine Nachtmusik" ist eine Serenade, d.h. auf gut Deutsch ein Ständchen, das auch noch ausdrücklich als "Nachtmusik" bezeichnet wird. Doch in Klemperers Sicht (Furtwängler wählt den gleichen Ansatz) wird aus dieser an sich harmlosen, wenn auch wertvollen Musik quasi eine kleine Sinfonie geformt, was nach meinem Empfinden nicht in der Absicht des Schöpfers gelegen hat. Daß damit "eine gute Portion Anmut", wie Christopher Howell schreibt, einhergeht, unterliegt keinem Zweifel, und trotzdem bleibt der Gesamteindruck einer gewissen Schwergewichtigkeit, der diesem anmutigen Stück nicht recht ansteht, bestehen. Wohl bemerkt: Auch ich möchte auf beide Klemperer-Versionen in meiner Sammlung nicht verzichten, doch der Eindruck einer "Fehlinterpretation" auf hohem Niveau bleibt (bei mir) hängen, und das gilt gleichermaßen für 1956 und 1964, wobei letztere zwar deutlich besser klingt, aber durch die noch moderateren Tempi (in allen Sätzen) noch weniger an eine Serenade denken läßt. Von Verschleppen kann allerdings keine Rede sein, das ist ohnehin nicht Klemperers Sache, und mit der Feststellung:

    Der Kopfsatz hat eine Majestät, so dass man fast ehrfürchtig lauscht.

    triffst Du den Nagel auf den Kopf! Ich denke, wir treffen uns mit dem Fazit, daß es sich in beiden Fällen um echte, unverwechselbare Klemperer-Dokumente handelt, die für jeden Verehrer dieses außergewöhnlichen Dirigenten, dessen ganzes Leben von Schicksalsschlägen geprägt war, ganz unverzichtbar und unentbehrlich sind. Was explizit die "Kleine Nachtmusik" betrifft, so ziehe ich leichtere, beschwingtere Lesarten vor, die dem Titel des Werks m.E. mehr entsprechen. Das ist aber ein ganz persönliches Geschmacks- und keinesfalls ein Werturteil, wie aus meinen Ausführungen wohl klar hervorgeht.


    Zum guten Schluß noch ein Wort

    Zum Orchester: Ja, 1964 klingt es noch besser, was den Mythos Lügen straft, das Philharmonia Orchestra habe an Qualität verloren, seit das "New" vorangestellt war.

    Da bin ich völlig mit Dir einverstanden. Das Orchester hat zwar durch den plötzlichen, mehr aus persönlichem Frust erfolgten Rückzug seines Gründers und Mentors Walter Legge eine schwierige Zeit erleben müssen, doch nach einigen Querelen und der Entscheidung Otto Klemperers, weiterhin als Chefdirigent tätig sein zu wollen, erlebte das "New Philharmonia Orchestra" praktisch eine zweite Blütezeit, die erst nach dem altersbedingten Ausscheiden Klemperers zu Ende ging. Immerhin hat das Orchester bis heute überlebt, wenn es auch längst nicht mehr die Bedeutung hat, die es in seinen Glanzzeiten unter Herbert von Karajan und Otto Klemperer genoß. Die Aufnahmen aus dieser Ära gelten nach wie vor als Meilensteine in der Geschichte der Tonaufzeichnung.


    LG Nemorino