Beiträge von nemorino

    Was ist denn das Ziel?

    Lieber greghauser,


    da Du mich so zielführend fragst, will ich Dir auch eine zielführende Antwort geben.


    Ich hätte natürlich statt "zielführend" auch "fragwürdig" oder ähnlich schreiben können, aber zielführend wäre in diesem Fall, wenn Du statt etlicher gemeinsamer Auftritte im "La Fenice" eine Aussage von Maria Callas angeführt hättest, daß sie tatsächlich Albanese als Tenorpartner besonders geschätzt bzw. anderen vorgezogen hat.


    Ich habe viel von und über Maria Callas gelesen, u.a. die sehr umfangreiche und detaillierte Biographie von Jürgen Kesting, aber nirgends gibt es einen Hinweis, daß die Callas irgendwann einmal Albanese als ihren Wunschpartner bezeichnet hätte. Vielmehr war es Giuseppe Di Stefano, den sie liebevoll "Pippo" nannte, der während ihrer besten Jahre sowohl auf Platte als auch auf der Bühne ihr bevorzugter Tenor war. Auch mit ihm gab es jede Menge Ärger, wenn er wieder einmal zu spät, unvorbereitet oder gar nicht zu einer Probe erschien. Di Stefano war ziemlich unberechenbar, aber Callas verzieh ihm manches, was sie bei anderen nicht hätte durchgehen lassen.


    Es ist bekannt, daß Maria Callas auch privat ein sehr gutes Einvernehmen mit dem einflußreichen EMI-Produzenten Walter Legge hatte. Wenn sie wirklich über die Maßen an Albanese interessiert gewesen wäre, so wäre es ihr sicher nicht sonderlich schwer gefallen, ihn via Legge bei EMI unterzubringen. Davon ist aber nirgends die Rede.

    Maria Callas hat im Laufe ihrer Karriere viele Tenorpartner gehabt, darunter auch ganz große Namen. Es ist bekannt, daß sie mit etlichen ihre Schwierigkeiten hatte, z.B. mit Kurt Baum, der vor allem in Mexiko häufig mit ihr gesungen hat. Das hatte aber vertragliche Gründe, denn von einem guten Verhältnis mit Callas konnte absolut keine Rede sein. Meist konnte sie sich ihre Bühnenpartner nicht aussuchen, dagegen standen Verträge, Emsemblesänger der einzelnen Häuser, die sich nicht gerne (oder nur bei entsprechender Entschädigung) von dem "Wunschtenor" der Primadonna verdrängen ließen, und auch selbstbewußte Intendanten, die selbst Weltstars beweisen wollten, wer im Haus das Sagen hatte.


    Kurz und gut: Francesco Albanese hat eine einzige Studioproduktion mit Callas gemacht, die weiter oben genannte LA TRAVIATA. Es gibt auf CD noch Mitschnitte von Iphigenie (Mailand) und Armida (Florenz), doch ansonsten ist zumindest die Ausbeute auf Tonträger dürftig. Albanese war sicher ein guter Tenor, aber er hat nie zur Weltklasse gezählt und ist über Italien hinaus kaum bekannt geworden. Wenn es nicht die wenigen Platten mit Callas gäbe, wäre er inzwischen so gut wie vergessen.


    Selbstverständlich kenne ich nicht sämtliche Äußerungen von Maria Callas über ihre diversen Gesangspartner. Vielleicht gibt es ja irgendwo ein Statement von ihr, das Deine Aussage untermauert.


    LG Nemorino

    Hallo,


    mir persönlich scheint schon der Titel dieses Threads "Lieblingspartner der Callas" nicht zielführend zu sein.

    Wenn es einen Tenor-Favoriten von Maria Callas gegeben hat, so war das ganz sicher nur einer: Giuseppe Di Stefano, ihr "geliebter" Pippo! Natürlich hat es auch Kräche mit ihm gegeben, weil er alles andere als ein disziplinierter Sänger war, aber wenn man den Biographen glauben darf, so hat die beiden nicht nur der Gesang verbunden, sie standen sich auch persönlich sehr nahe (wie nahe, darüber kann man trefflich spekulieren).

    Hinzu kam, daß sowohl Callas als auch Di Stefano vertraglich an EMI gebunden waren, so daß die meisten der berühmten Opern-GA der 1950er Jahre diese beiden als Traumpartner vorzeigen konnten. Albanese gehörte nicht zum "EMI-Stall", er hat aber, wie bereits gesehen, häufig auf der Bühne mit Callas gesungen. Das sagt aber nichts darüber aus, ob er einer ihrer "Lieblingspartner" war.

    Mario Filippeschi, der den Pollione in Callas´erster "Norma"-Einspielung sang, bietet kein ungetrübtes Hörvergnügen. Da wäre sicherlich Mario del Monaco, der ja auch in "Norma" häufiger mit ihr auf der Bühne stand, die bessere Wahl gewesen. Leider war der aber schon exclusiv an Decca gebunden.

    Liebe Mme Cortese,


    was Mario Flilippeschi angeht, so bin ich ganz Deiner Meinung. Ich habe mir deshalb (auf CD) auch nur die zweite Callas-Aufnahme von 1960 zugelegt, obwohl ich auch Franco Corelli alles andere als optimal empfinde, aber besser als Filippeschi ist er allemal. Da nehme ich auch gerne in Kauf, daß Maria Callas in ihrem Stereo-Remake von 1960 stimmlich nicht mehr ganz auf der Höhe war. Beide Studio-Aufnahmen der NORMA haben ihre Schwächen, aber insgesamt ziehe ich die jüngere vor. Um Mario del Monaco habe ich immer einen weiten Bogen gemacht. Er hatte zwar gutes Stimmaterial, aber sein Dauerforte ging mir mächtig auf die Nerven.


    Doch zurück zu ALBANESE und LA TRAVIATA: Wie schon weiter oben ausgeführt, sind natürlich in der Rolle des Alfredo sowohl Carlo Bergonzi als auch Alfredo Kraus um Klassen besser, aber ich finde, daß Albanese nicht die schlechteste Wahl war, im Jahr 1953, als diese beiden wahrscheinlich noch gar nicht in Frage kamen. Bergonzi hatte sich zu diesem Zeitpunkt gerade vom Bariton zum Tenor "gemausert".


    LG Nemorino

    Charles Munch. (Warum schreiben einige auch Münch ?)

    Lieber Wolfgang,


    darüber haben wir hier vor kurzem schon debattiert. Wir waren übereinstimmend der Ansicht, daß Münch nach 1919 (Rückgliederung von Elsaß-Lothringen an Frankreich) die Schreibweise seines Namen in "Munch" geändert hat.

    Nun fand ich heute durch Zufall bei mir eine französische (!) CD, herausgegeben von "disques Ades", Paris, veröffentlicht 1988, die sieht so aus:

    CHARLES MUNCH - BIZET symphony in C, jeux d'enfants, patrie ADES ...

    Auch auf der Rückseite und ebenso der CD selber steht "Münch". Hat jetzt zwar nichts mit Beethovens Neunter zu tun, aber das wollte ich doch kurz mitteilen. Scheinbar war die richtige Schreibweise seines Namens nicht eindeutig festgelegt. Bekanntlich gibt es ein "ü" im französischen Alphabet nicht.


    LG Nemorino

    Lieber chrissy,


    in meiner alten Plattensammlung befindet sich noch eine 45er EP, in einer Besetzung, die mit Sicherheit auch in der DDR erhältlich war:

    Ludwig van Beethoven, Igor Oistrach, Gewandhausorchester Leipzig ...

    Igor Oistrach (Violine) und das Gewandhausorchester Leipzig, Dirigent: Franz Konwitschny (Aufnahme: ca. 1955, Mono).

    Es handelte sich um eine Co-Produktion von DGG und VEB Deutsche Schallplatten. Vielleicht kennst Du die alte Aufnahme.

    die musikalische Aufnahme op.50, die ich von beiden Romanzen besonders mag

    Auch ich schätze die Romanze Nr. 2 am meisten, und da hätte ich noch eine klare Empfehlung für Dich:

    Beethoven:Concerto in d Major - Henryk Szeryng: Amazon.de: Musik

    Eine besonders schöne Version meines Lieblingsgeigers Henryk Szernyg aus dem Jahr 1965. Der Dirigent heißt natürlich Schmidt-Isserstedt, nicht "Schumidt", wie irrtümlich auf dem Cover vermerkt. Es handelt sich um eine japanische Ausgabe der ursprünglichen PHILIPS-Aufnahme.


    LG Nemorino

    die beiden Romanzen G-Dur, op.40 und F-Dur, op.50

    Da möchte ich mich gleich mit meinen Favoriten anschließen:

    Violinkonzert Op. 61 / Violinromanzen1 und 2 - Schneiderhan ...

    David Oistrach (Violine) und das Royal Philharmonic Orchestra, Dirigent: Sir Eugene Goossens (Aufnahme: 1961, London).

    Beethoven: Violinkonzert - Romanzen Nr. 1 & 2 von Yehudi Menuhin ...

    Yehudi Menuhin (Violine) und das Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Sir John Pritchard (Aufnahme: 11&12/1960, London).


    Beethoven: Violin Concerto- Violin Romances Nos. 1 & 2 by Beethoven, Grumiaux, Davis, Cgb (1990-10-25)

    Arthur Grumiaux (Violine) und das Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Edo de Waart (Aufnahme: 10/1970, London).


    Kennengelernt habe ich die kleinen, aber feinen Stücke erstmals mit dieser 45er EP:

    Ludwig Van Beethoven - Yehudi Menuhin - Philharmonia Orchestra ...

    Yehudi Menuhin (Violine) mit dem Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Wilhelm Furtwängler (eine Monoaufnahme vom April 1953, die ich aber nicht in die Nominierung einbeziehen will, wegen der überholten Klangtechnik).


    LG Nemorino

    Anda versteht es hier bei guter Aufnahmequalität, ähnlich wie bei den Mozartkonzerten zu begeistern.

    Hallo Siamak,


    das ist jetzt keine neue Nominierung, aber ich möchte im Zusammenhang mit Anda und Beethovens Op. 15 auf folgende Studio-Aufnahme hinweisen, die ich besonders schätze, obwohl sie noch in Mono aufgezeichnet wurde:

    Klavierkonzerte

    Géza Anda (Klavier) mit dem Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Alceo Galliera (Aufnahme: 2/1956, London, Abbey Road Studios).

    Auch hier erweist sich der früh verstorbene Künstler als großartiger Beethoven-Interpret. Schade, daß sie (kurz vor Beginn des Stereo-Zeitalters) noch in Monotechnik produziert wurde (die beiden anderen Werke auf dieser CD sind bereits stereophon). Sie würde noch heute in vorderer Reihe bestehen können. Die von Dir genannte Rundfunkaufnahme aus Köln kenne ich leider nicht.


    LG Nemorino

    In meiner Sammlung befindet sich ein EMI-Recital mit Alfredo Kraus, das hier noch gar nicht genannt wurde:



    Alfredo Kraus - Seite 2 - Sänger - das-klassikforum.de

    Es enthält fast ausschließlich Auszüge aus Opern-GA aus den Jahren 1979 bis 1985. Der Tenor ist in glänzender Form. Später wurde die Zusammenstellung in güsntigerer Form neu veröffentlicht:

    Alfredo Kraus: Opera Arias by Capitol/Emi/Sbk/Chrysalis - Amazon ...

    Für mich bleibt vor allem sein Herzog von Mantua legendär, den er mehrmals aufgenommen hat, am besten wohl unter Sir Georg Solti (1962):

    Rigoletto | Discogs

    Es war eine seiner Paraderollen, und hier singt er u.a. mit Anna Moffo (Gilda) und Robert Merrill (Rigoletto) in einem unschlagbaren Team.


    LG Nemorino

    Obwohl das Interesse an Hans Richter-Haaser sich hier in engen Grenzen hält, möchte ich der Ordnung halber noch sagen, daß die von mir in Beitrag 14 genannte Aufnahme mit den Klavierkonzerten von Grieg & Schumann auch auf CD existiert, und zwar in STEREO:

    Grieg* / Schumann*, Hans Richter-Haaser, Wiener Symphoniker ...

    Es handelt sich um frühe Stereo-Produktionen aus dem Jahr 1956. Da meine LP eine Monoplatte war, hatte ich angenommen, sie sei noch nicht in der neuen Technik aufgenommen worden. Klanglich ist es gegenüber der alten LP eine spürbare Verbesserung.


    LG Nemorino

    Ich habe Dinorah Varsi mit dieser LP kennengelernt:

    Frédéric Chopin, Dinorah Varsi, Orchestre National De L'Opéra De ...

    Eine originale PHILIPS-Produktion, die ich vor vielen Jahren bei SATURN Köln in obiger Fassung gekauft habe. Eine schöne, ansprechbare Aufnahme, aber gegen meine Favoriten Rubinstein und Arrau hatte sie wenig Chancen. Später ist sie mir irgendwie aus dem Fokus geraten. Soweit ich feststellen kann, besitze ich keine CD mit ihr.


    LG Nemorino

    Lieber Wolfgang Kaercher,


    ich berichtige wirklich nicht gerne, aber in Deine jüngsten Liste (#201) haben sich ein paar Fehler eingeschlichen, die der Korrektur bedürfen:


    1) Klavierkonzert Nr. 1 C-dur op. 15


    Pos. 4: Arrau wird nicht begleitet von Inbal/New Philharmonia Orchestra, sondern von Bernard Haitink/Concertgebouw-Orchester Amsterdam (das Cover der "eloquence"-Ausgabe verleitet zu diesem Irrtum!)


    2) Klavierkonzert Nr. 3 c-moll op. 37


    Pos. 7: Richter-Haaser mit Kertesz/Philharmonia gibt es nicht (nur bei den Konzerten 4 & 5). Richtig ist: Richter-Haaser/Giulini (siehe Pos. 1)


    3) Klavierkonzert Nr. 4 G-dur op. 58


    Pos. 2: Der Dirigent heißt Haitink, nicht Hasitink.

    Letzte (10.) Pos. wird als Überschrift behandelt, statt VIOLINKONZERT


    4) Klavierkonzert Nr. 5 Es-Dur op. 73


    Pos. 6: Der Pianist ist Wilhelm Kempff (mit Doppel-f). Es gibt auch einen englischen Pianisten Freddy Kempf (obwohl um Generationen jünger, sollte man eine Verwechslung ausschließen).


    LG Nemorino

    Bei der Durchsicht des Namens "Francesco Albanese" im Tamino-Forum stieß ich auf einige extrem konträre Aussagen von Mitgliedern.

    Lieber greghauser2002,


    wenn Du an dem Tenor Francesco Albanese (1912-2005) interessiert bist, so habe ich einen heißen Tip für Dich. Mit ihm hat im Jahr 1953 Maria Callas ihre einzige Studioaufnahme von LA TRAVIATA realisiert, unter dem Dirigenten Gabriele Santini (Cetra, heute Warner).

    Warner Classics hat die Oper vor nicht zu langer Zeit neu herausgebracht, in dieser Ausgabe:

    zu einem durchaus moderaten Preis.


    Ich selber besitze die Aufnahme in einer älteren Edition:

    Diese gibt es z.Zt. beim großen Urwaldfluß für € 0,45 + Porto (gebraucht, sehr gut). Es ist ein 2 CD-Album ohne Textheft, der Klang ist, gemessen am Alter, mehr als ordentlich.


    Francesco Albanese meistert IMO seine Rolle als Alfredo sehr gut, wenn man auch nicht die Eleganz eines Carlo Bergonzi oder die Weltmännische Attitüde eines Alfredo Kraus erwarten darf. In einem alten Opernführer wird seine Gestaltung so beschrieben: "... von allen Vertretern Alfredos (…) ist Albanese bei weitem der männlichste, ein charmanter Bursche, der einen begreifen läßt, daß ein überlegenes Mädchen wie Violetta ihr Herz bei ihm nicht nur entdecken, sondern auch verlieren konnte." Sein Gesang ist männlich, kernig, aber keineswegs grob. Für mich ein adäquater Partner von Maria Callas, die hier eines ihrer ergreifendsten Rollenporträts abliefert, wobei sie hier auch noch im Vollbesitz ihrer stimmlichen und schauspielerischen Mittel ist. Auch Ugo Savarese, der ebenfalls bei den meisten Kritikern schlecht wegkommt, erfüllt alle Ansprüche, die ihm die etwas zwielichtige Rolle des Giorgio Germont aufzwingt.


    LG Nemorino

    Immer wieder bedauere ich es, dem TAMINO-Forum um mindestens 10 Jahre zu spät beigetreten zu sein, denn das Interesse für die Künstler, die mein Leben entscheidend geprägt haben, ist, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nur noch mäßig. Doch das ist dem Lauf der Zeit geschuldet ….


    Trotzdem möchte ich noch einmal auf Hans Richter-Haaser zurückkommen, der nach einer glanzvoll gestarteten Karriere später nie so richtig in den Fokus der Musikwelt gelangt ist, aus Gründen, die bereits früher hier und an anderer Stelle genannt wurden.


    Im Beethoven-Thread "Welches ist eure Lieblingsinterpretation" wurden Richter-Haasers Interpretationen der Klavierkonzerte Nr. 4 & 5 mit dem früh verstorbenen (beim Baden im Mittelmeer verunglückten) Dirigenten István Kertész hervorgehoben, sehr zu Recht. Diese Aufnahmen sind noch erhältlich, in der von Alfred Schmidt in Beitrag 9 gezeigten Ausgabe, aber auch in dieser 6 CD-Box:

    die m.W. sämtliche Aufnahmen enthält, die der Künstler für EMI eingespielt hat, bevor man ihm wegen mangelnden Absatzes seiner Aufnahmen gekündigt hat.


    Im "Penguin Guide", der englischen Bibel für Klassikfreunde, fand ich dieser Tage eine alte Besprechung dieser Konzerte. Der Autor rühmt die Aufnahme und spricht von Richter-Haaser mit größter Ehrerbietung. Der Authentizität wegen gebe ich die kurze Rezension im englischen Original wieder: "This noble performance, like Richter-Haaser's superb Brahms B-flat Concerto with Karajan, have not enjoyed much expusure since their appearance on LP in the early 1960s. We recall that the late Robert Simpson (ein in England bekannter und renommierter Komponist und Musikschriftsteller), who wrote with special insight on Beethoven, spoke of them with awe and in much the same breath as Schnabel and Solomon. They stand the test of time well and deserve the strongest recommandation. This is Beethoven playing of the first order ...."


    Auch hier trifft wohl der Satz zu, daß der Prophet im eigenen Lande nicht sonderlich viel gilt.


    LG Nemorino

    Jetzt möchte ich an dieser Stelle meine drei Lieblingsaufnahmen von Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-moll, Op. 37 vorstellen.


    Auch das ist eine schwierige, schier unlösbare Aufgabe, aber für mich gibt es hier einen eindeutigen Spitzenreiter:

    Annie Fischer (Klavier) und das Bayerische Staatsorchester, Dirigent: Ferenc Fricsay (Aufnahme: 1959, Herkulessaal, München).

    Diese Aufnahme hat eigentlich alles, was ich mir für Beethovens Nr. 3 wünsche: packenden Zugriff, farbiges Spiel sowohl der Pianistin als auch des Orchesters, und einen Dirigenten, der mit wachem Verständnis vom Pult aus das Geschehen steuert. Es war meine erste Stereo-Einspielung des Werks, und es ist bis heute meine liebste.

    An zweiter Stelle möchte ich nennen:

    Solomon (Klavier) mit dem Philharmonia Orchestra London, Dirigent: Herbert Menges (Aufnahme: 1955, London, Stereo).

    Dieser große Künstler, der leider kurz nach dieser Aufnahme infolge einer schweren Krankheit für immer verstummte, stellt sich ganz und gar in den Dienst des Werks. Man kann nicht genug staunen über die Innigkeit dieses Klavierspiels, die ganz unspektakuläre Herangehensweise, und die Wahl der Kadenz von Clara Schumann für den Kopfsatz erhöht den Stellenwert der Aufnahme noch. Sie wurde bereits stereophon aufgenommen.

    Für Platz 3 habe ich lange geschwankt zwischen der wunderbaren Aufnahme von Clara Haskil mit Igor Markevitch (Philips) und Arraus Amsterdamer Version, mich aber letztendlich für diese entschieden, wegen des unerhört glanzvollen Spiels und der kongenialen Begleitung durch das großartig aufspielende Orchester:

    Claudio Arrau Collection 5 - Beethoven, Bernard Haitink, Amsterdam ...

    Claudio Arrau (Klavier) und das Concertgebouw-Orchester Amsterdam, Dirigent: Bernard Haitink (Aufnahme: 1964, Concertgebouw, Amsterdam).


    LG Nemorino

    die musikalische Reife von Claudio Arrau ist dieser Aufnahme deutlich anzuhören.

    Lieber Norbert,


    das ist unbestreitbar, und trotzdem ziehe ich die ältere Version Arraus mit dem Concertgebouw-Orchester und Bernard Haitink, die auch von chrissy präferiert wird, eindeutig vor. Sie hat m.E. "mehr Biß"! Die spätere Dresdner Aufnahme mit Colin Davis glänzt mehr durch "Altersweisheit", was natürlich auch seine Vorzüge hat.

    Da ich ein erklärter Arrau-Verehrer bin, habe ich beide.


    LG Nemorino

    Im Thread "Beethoven - Lieblingsinterpretationen" wurde kürzlich auch die Chorfantasie op. 80 genannt.


    Bei dieser Gelegenheit fiel mir eine Aufnahme in die Hände, die 1970 anläßlich des Beethoven-Jahres von der DGG herausgegeben wurde:

    Jörg Demus (Klavier), der Wiener Singverein und die Wiener Symphoniker, Dirigent: Ferdinand Leitner (Aufnahme: 1969, Wien).


    Der 2019 verstorbene österreichische Pianist Jörg Demus war zeitlebens vor allem als Klavierbegleiter prominenter Sänger bekannt, so u.a. auch von Dietrich Fischer-Dieskau, mit dem er eine Schubert'sche WINTERREISE verwirklicht hat, die von manchen Musikfreunden noch heute als die beste von Fi-Di's insgesamt 8 Aufnahmen betrachtet wird.


    Doch zurück zu Jörg Demus: Er war weit mehr als nur ein "Liederbegleiter", und auf der oben gezeigten CD stellt er das eindrucksvoll unter Beweis. Weil er jedoch international nicht einen so berühmten Namen hatte wie z.B. Alfred Brendel oder Daniel Barenboim, wurde seine Aufnahme der Chorfantasie stets unter "ferner liefen" gehandelt. Das hat sie nicht verdient, und deshalb möchte ich sie heute hier in seinem eigenem Thread vorstellen. Eine sehr schöne, klaviertechnisch fein durchgearbeitete Version, die man jedem Freund des Künstlers und auch allen Interessenten an Beethovens Unikat empfehlen kann.


    LG Nemorino

    Obwohl Herbert von Karajan jahrelang, von 1947 bis 1960, regelmäßig eines der damals besten englischen Orchester, das 1946 von Walter Legge gegründete PHILHARMONIA ORCHESTRA, geleitet und zahlreiche Aufnahmen damit gemacht hat, standen britische Komponisten nicht im Zentrum seines Wirkens. Doch Anfang der 1950er Jahre nahm er zumindest zwei Werke in sein Repertoire auf, setzte sie auf diverse Konzertprogramme und spielte sie auch mit der Philharmonia ein, zum einen die "Bridge Variations" von Britten (die bereits in #23 gewürdigt wurden), zum anderen die Fantasia on a theme by Thomas Tallis von RALPH VAUGHAN WILLIAMS. Auf dieser CD ist sie enthalten (kombiniert mit Brittens "Bridge-Variationen"):

    Aufnahme: 16. & 17.7.1952, Abbey Road Studios, London, MONO).

    Der englische Musikwissenschaftler und Schriftsteller Richard Osborne nennt sie "eine ausdrucksvolle und innige Aufnahme" und rühmt "die geschliffene Virtuosität und tragische Intensität des Spiels". Es kommen nur Streicher zum Einsatz, es ist quasi eine "Klangwelt, die aus einer Kombination von Streichquartett und doppeltem Streichorchester" entsteht. Trotz Mono eine klangtechnisch überraschend gute, rauscharme und transparente Einspielung.

    LG Nemorino

    Es gibt für mich keine "ideale" Einspielung der 9. Sinfonie, aber etliche sehr, sehr gute.

    So ist es, lieber Norbert, trotz Furtwänglers diversen Versionen (eine Studio-Aufnahme gibt es wohl von ihm gar nicht), und auch Toscanini, Erich Kleiber, um bei den großen Alten zu bleiben, sind zwar großartige Auslegungen gelungen, aber ein "Erdenrest" bleibt wohl immer.

    Den "Böhm 1970" werde ich mir noch zulegen, obwohl ich mit "Neunten" schon mehr als reich gesegnet bin. Monteux (Westminster) habe ich bereits, auch Wands NDR-Aufnahme, die ich ebenfalls hervorheben möchte, nur die Gesangssolisten bleiben (für meine Begriffe) ein wenig blaß. Die Neunte ist für mich ein Werk, das ich nur zu besonderen Gelegenheiten höre. Deshalb fällt es mir schwer, jetzt alle meine Versionen (ca. 20) nacheinander zu vergleichen. Stattdessen habe ich weiter oben die genannt, die mir im Laufe des Lebens als besonders geschlossene Leistungen, wobei auch gerade bei dieser Sinfonie die Klangqualität nicht zu unterschätzen ist, im Gedächtnis geblieben sind.


    LG Nemorino

    Das Klavierkonzert Nr.1 ist mir mit Gould/Golschman wegen der ausgezeichneten enregiegeladenen Orchestermitspieles (ich schreibe extra nicht "Begleitung") sehr ans Herz gewachsen. Auserdem gefällt mir auch die von der Norm abweichende Kadenz von Glenn Gould.

    Lieber Wolfgang,


    die von Dir gezeigte Gould-Beethoven-Box steht auch bei mir. Natürlich sind das hochkarätige Aufnahmen, aber durch meine ganz andere Prägung stehen sie bei mir nicht auf dem Treppchen. Die Kadenz allerdings ist höchst willkommen, wobei ja Beethoven selber für sein C-dur-Konzert nicht weniger als drei davon komponiert hat.

    Glenn Gould hat mich am meisten überzeugt mit seinem Konzertmitschnitt aus Berlin unter Karajan, den Holger in Beitrag 160 vorgestellt hat. Das ist eine ganz tolle Version, leider nur mono, aber erstaunlich klar strukturiert. Das Konzert fand am 26. Mai 1957 in der Hochschule für Musik in Berlin statt und wurde vom SFB aufgezeichnet. Leider stand den Rundfunkanstalten damals noch kein Stereo-Equipment zur Verfügung.

    Aufnahme mit Ashklenazy/Solti

    Die fehlt in meiner Sammlung, ich habe aus dieser Reihe nur die Konzerte Nr. 2 & 5 (aus der Ovation-Serie).

    Das kraftvolle Klavierspiel von Claudio Arrau begeistert ebenso wie die prachtvolle Begleitung von Bernard Haitink und dem Concertgebouworchester Amsterdam. Beethoven ist hier nicht mehr der "jugendliche Newcomer"

    Lieber Norbert,


    … tatsächlich habe ich lange geschwankt zwischen Richter/Münch und Arrau/Haitink, denn beide Aufnahmen sind großartig. Aber, wie schon an anderer Stelle gesagt, es gibt so viele hochkarätige Aufnahmen im Angebot, und wenn man "nur" drei aussuchen kann, so hat man zwangsläufig die Qual der Wahl.

    Arrau/Haitink hatte ich bereits in der 1966 erschienenen 5 LP-Kassette von PHILIPS, später aber gleich wieder auf CD angeschafft, aus dieser Edition, die mit einer guten Textbeilage ausgestattet ist:

    Beethoven-Concertos Pr Piano N 1&2-Arrau-Haitink-Conc.Geb.Am


    aber bereits früher habe ich Svjatoslav Richters RCA-LP kennengelernt, die hat mich auf Anhieb begeistert. So habe ich diese Aufnahme letztendlich in meine Liste genommen. Großartige finde ich auch Gilels/Szell (EMI) und Fleisher/Szell (CBS). Ich könnte noch einige nennen, aber das würde nun wirklich den Rahmen sprengen.


    LG Nemorino

    um ehrlich zu sein weiß ich gar nicht genau, auf welchen Platz ich die Aufnahme mit Munch "ranken" würde

    Lieber Norbert,


    so ein "Ranking" ist immer eine schwierige, recht zweifelhafte Angelegenheit, vor allem, wenn es ein solches Überangebot an guten Aufnahmen eines Werkes gibt. Ich tue mich da immer sehr schwer, denn ohne Ungerechtigkeiten geht es zwangsläufig nicht ab. Bei der Neunten habe ich lange zwischen Fricsay und Münch gezögert, mich letztlich aber für Fricsay entschieden, weil seine Aufnahme von 1958 meine allererste Neunte überhaupt war. Das prägt natürlich, und außerdem war (und ist) es eine ganz fantastische Einspielung, angefangen beim Solistenquartett, bis zum Dirigenten. Fricsays Solisten haben letztlich den Ausschlag gegeben, sie gefallen mir nicht nur besser, sondern sie harmonieren auch mehr als das "Münch-Quartett". Vor allem scheint mir der junge Fischer-Dieskau herauszuragen, sein "O Freunde, nicht diese Töne …" ist wahrlich makellos und ergreifend.


    LG Nemorino

    Richter-Haaser ist in meiner Sammlung ansonsten nicht vertreten

    .... hast Du bei "Beethovens Werke …" geschrieben, lieber Joseph. Das ist eigentlich schade, denn er war ein ganz großartiger Pianist. Zumindest solltest Du über die Anschaffung des 2. Brahms-Konzertes mit Karajan am Pult nachdenken, die Aufnahme gilt praktisch als Geheimtip und wird von manchen Sammlern sogar der legendären Richter/Leinsdorf-Aufnahme (RCA) von 1960 vorgezogen. Ich bin froh, daß ich sie zu einem moderaten Preis auf CD erwerben konnte.


    In den späten 1950er Jahren wurde Hans Richter-Haaser als legitimer Nachfolger für Gieseking, Backhaus und Kempff gehandelt, seine damals noch nicht zahlreichen Plattenaufnahmen gaben zu dieser Hoffnung allen Anlaß. Leider ist es anders gekommen. Schuld daran war sicher nicht allein der "Rausschmiss" bei EMI (siehe mein Beitrag 14), sondern wohl auch ein falsches oder nicht sonderlich rühriges Management.


    Deshalb möchte ich hier noch einmal auf die 6 CD-Box aufmerksam machen, die Bernward Gerlach in seinem #12 gezeigt hat:

    B0040UEI6I.03._SS300_SCLZZZZZZZ_.jpg

    In ihr sind m.W. sämtliche EMI-Aufnahmen des Künstlers enthalten. Für jeden Klavierfan eine lohnenswerte Sache.


    Bei der Gelegenheit noch ein Hinweis auf ein 2 CD-Album von PHILIPS hinweisen, das immerhin 6 Beethoven-Sonaten enthält, die in den Jahren 1955 bis 1958 aufgezeichnet wurden:

    Klavierson.8,14,21,23,24,28

    das man bei Amazon erwerben kann, z.Zt. allerdings zu einem Preis, der - zu Recht - die meisten abschrecken wird.


    In wikipedia steht übrigens zu lesen, daß Richter-Haaser im Jahr 1956 für PHILIPS eine Aufnahme von Beethovens Chorfantasie op. 80 mit dem Singverein der Wiener Musikfreunde und den Wiener Symphonikern unter Leitung von Karl Böhm aufgenommen hat. Die scheint es allerdings momentan weder auf LP noch auf CD zu geben.


    LG Nemorino

    Und wenn wir von Schwächen reden: Die kann man auch bei anderen Zyklen jener Tage ausmachen.

    Lieber Joseph II.,


    es gibt ohne jeden Zweifel - trotz der Überfülle an Angebot - keinen einzigen Zyklus, der in allen Teilen gleichmäßig gelungen ist, und den wird es auch in Zukunft niemals geben! Nicht jedem Dirigenten, und sei es der "Allergrößte", liegt jede Beethoven-Sinfonie gleichermaßen, und außerdem hängt auch viel von der augenblicklichen Stimmung, oder, besser gesagt, der Tagesform des Dirigenten ab, ob eine Einspielung einzigartig oder eben nur durchschnittlich gelingt. Und dazwischen gibt es noch jede Menge Grauzonen. Ich halte auch grundsätzlich nichts von dem fragwürdigen Begriff "Beethoven-Dirigent", der immer mal wieder aufgegriffen wird. Natürlich gab und gibt es Künstler, die sich Beethovens Werk in besonderer Weise verpflichtet fühlen und es in den Mittelpunkt ihres Wirkens stellen, aber es gibt auch Beispiele, daß gerade Dirigenten, die sich nicht intensiv und lebenslang mit Beethoven beschäftigen, in der einen oder anderen Sinfonie Sonderleistungen erbringen, wie sie den bedeutenderen Kollegen nicht alle Tage gelingen. Um mit Theodor Fontane zu sprechen: Das ist ein weites Feld ….


    Bei meiner Suche nach Beethoven-Aufnahmen von Charles Münch ist mir dieser Tage eine Box ins Auge gefallen, die ich hier noch kurz vorstellen möchte:


    Beethoven X 9

    Leider geht aus den Angaben nicht eindeutig hervor, welcher Dirigent welche Sinfonie spielt, doch ich vermute, daß es in der angegebenen Reihenfolge geschieht, d.h. daß Münch die Erste und Bruno Walter die Neunte dirigiert. Aber sicher ist es eben nicht. Solche Zusammenstellungen sind oft recht abenteuerlich, und man ist nicht vor Überraschungen sicher.

    Aus einer angefügten Kritik geht vor allem hervor, daß nicht die neuesten Einspielungen der genannten Künstler berücksichtigt wurden. So dirigiert z.B. Monteux das San Francisco SO (das müßte demnach eine Mono-Produktion sein), Fritz Reiner nicht "sein" Chicago SO, sondern das aus Pittsburgh, und Paray steht dem Orchester aus Detroit vor. Es wird aber - wie gesagt - nicht erwähnt, um welches Werk es sich handelt.

    Aus dem Schlußsatz der Besprechung "die Aufnahmen sind um die 50 Jahre alt, aber sie haben Ewigkeitswert" kann man schließen, daß es sich sogar durchweg um Mono-Versionen handelt. Wie auch immer, die Kombination ist höchst interessant und vielleicht für manchen Sammler eine Option.


    LG Nemorino

    Lieber Joseph II., lieber Norbert,


    nachdem der von euch präferierte Sinfonien-Zyklus unter Bruno Walter hier nicht ganz so gut weggekommen ist, möchte ich doch eine alte Kritik aus dem Jahr 1971 zu eurem Trost :) hier wiedergeben. Da schreibt der damals bekannte Musikkritiker Carl-Heinz Mann in einer vergleichenden Diskographie in FonoForum:

    ".... von allen Aufnahmen sind mir heute die von Bruno Walter (CBS) am liebsten. Walter hat in allen neun Sinfonien jene seltene Selbstverständlichkeit im Tempo und Ausdruck erreicht, jene ästhetische Natürlichkeit, wie man sie bei Karl Böhm in seinen besten Opernleistungen findet. Die Frische, mit der der damals 81jährige das nicht überall erstklassig besetzte, eigens für ihn zusammengestellte Columbia-Sinfonieorchester dirigiert, ist bewundernswert. Beethoven klingt unter seinen Händen gelassen, souverän, entspannt und immer kantabel, stets voller Wärme, nirgends eckig (…) Die Auffassung Walters findet nur dort gewisse Grenzen, wo - in den Schlußsätzen der Fünften, im Finale der Achten - stärkere Dynamik verlangt wird. Höhepunkte sind die leichte, fast tänzerische Zweite, die naturselige Sechste, eine überraschend knapp und präzis akzentuierte Siebente und - wenigstens in den letzten drei Sätzen - eine glänzend gemeisterte Neunte. Beim Freudenfinale ist er der am breitesten und bewegendsten musizierende Dirigent, der auf die - leider recht unterschiedlichen Sänger - und ihre Botschaft Rücksicht nimmt."

    Auch ich habe ja hier meine Vorbehalte geäußert, weil ich im allgemeinen einen Beethoven mit mehr "Schmackes", wie man hier im Rheinland sagt, bevorzuge. Aber was die Zweite und vor allem die Pastorale angeht, stimme ich Carl-Heinz Mann vollinhaltlich zu. Ich möchte da auch ausdrücklich noch die Erste und Vierte mit einschließen, die mir ebenfalls ausgezeichnet gelungen zu sein scheinen.

    Auf jeden Fall ist die Walter-Beethoven-Box ein bleibendes, wertvolles Dokument eines großartigen Musikers, fast könnte man sagen ein künstlerisches Glaubensbekenntnis eines bewundernswerten Humanisten, der sein persönliches Beethoven-Bild und seine Gedanken über die Probleme der Interpretation auch schriftlich fixiert hat:


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    LG Nemorino

    Lieber Fiesco,


    danke für den Tip, mir war nur die 6 CD-Box bekannt, die m.W. sämtliche EMI-Einspielungen Richter-Haasers enthält. Die TESTAMENT-CD ist eine Lizenzedition und wird, wie alle dieser Reihe, mit einer hochwertigen mehrsprachigen Textbeilage ausgestattet sein. Die von mir gezeigte Disky-Pressung war ebenfalls eine Lizenzausgabe, allerdings ganz ohne Textheft, dafür aber superbillig. Leider ist sie gestrichen.

    Das Label Weitblick veröffentlichte das 4. und 5. Klavierkonzert von Beethoven mit Hans Richter-Haaser, begleitet vom RSO Leipzig unter Herbert Kegel

    Lieber Joseph,


    auch Dir vielen Dank für den Hinweis. Von dieser Aufnahme (und auch vom Label "Weitblick") habe ich noch nie gehört. Ist es eine Studioproduktion oder ein Mitschnitt? Und wie unterscheidet sie sich von der Studioaufnahme unter Kertész? Richter-Haaser hat ja leider nur wenige kommerzielle Aufnahmen hinterlassen; bei mir gibt's noch eine alte PHILIPS-Produktion der Konzerte von Schumann und Grieg mit dem Dirigenten Rudolf Moralt (1958).


    LG Nemorino

    Ich bezeichne sie gerne als "nicht die schnellste, aber die feurigste" Aufnahme der 9. Sinfonie

    Lieber Norbert,


    damit hast Du den Nagel auf den Kopf getroffen! Wie gesagt, ich würde sie nicht unter meine drei Spitzenlieblinge des Werks rechnen, aber sie ist großartig dirigiert und in ihrem mitreißenden Impetus einzigartig.

    Also genau genommen wurde er als Karl Münch geboren.

    Lieber Joseph II.,


    eine außergewöhnliche Biographie, wie sie vielen Elsässern dieser Zeit widerfuhr. Karl Münch - später Charles Munch oder Münch - wurde 1891 in Straßburg geboren, als diese Stadt und das Umland als "Reichsland Elsaß-Lothringen" Bestandteil des Deutschen Kaiserreichs war. Im 1. Weltkrieg diente er im deutschen Heer als Unteroffizier (ähnliches geschah dem späteren französischen Premier- und Außenminister Robert Schuman). Nach dem für Deutschland verlorenen Krieg wurde das sogenannte "Reichsland" wieder von Frankreich in Besitz genommen, und die ansässige Bevölkerung wurde wieder französisch. Elsässer, die vor 1870 geboren wurden und den 2. Weltkrieg überlebten, wechselten im Laufe ihres Lebens nicht weniger als fünfmal (!) ihre Staatsbürgerschaft.

    Charles Münch bekannte sich nach 1919 als Franzose, ging aber bald darauf nach Leipzig, wo er zunächst als Musiklehrer am dortigen Konservatorium tätig war und ab 1925/26 als Konzertmeister zum Gewandhausorchester wechselte, um dieses Amt bis 1932 zu auszuüben. 1933 heiratete er eine Enkelin des Nestlé-Konzerngründers und zog nach Paris, wo er in verschiedenen Positionen wirkte. Münch hat seine deutschen Wurzeln nie verleugnet, aber während der deutschen Besatzung Frankreichs 1940-44 schloß er sich der Résistance an. Dafür erhielt er nach dem Krieg einen hohen Orden der französischen Ehrenlegion. Wie viele Elsässer fühlte er sich vor allem seiner elsässischen Heimat verbunden, die bis heute lieber als Elsässer denn als Franzosen oder gar Deutsche betrachtet werden wollen.

    Seine Glanzzeit als Musiker und Dirigent erlebte Charles Münch in den Jahren 1949 bis 1962, als er Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra war. Danach wirkte er vornehmlich als Gastdirigent, war aber entscheidend an der Gründung des Orchestre de Paris beteiligt, dessen Leitung er im Begriff zu übernehmen war, als ihn der Tod auf einer Konzertreise mit diesem Orchester durch die USA in Richmond, Virginia, ereilte. Er wurde 77 Jahre alt.

    Wie gesagt, ein erfülltes, abwechslungreiches, teils abenteuerliches Leben eines wunderbaren, von mir hochverehrten Musikers. Seine Aufnahmen sind noch heute unter Sammlern und Liebhabern heißbegehrt.


    LG Nemorino

    Die einzige andere, die ich noch besitze, ist diese:

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    und die ist ebenfalls hervorragend

    Lieber Norbert,


    auch wenn das eigentlich nicht hierhin gehört: Das ist eine Spitzenaufnahme! Es gibt sogar ernstzunehmende Musikkritiker, die diese Version noch über die legendäre Aufnahme mit Svjatoslav Richter und dem Chicago SO unter Leinsdorf (RCA) stellen. Leider wurde Hans Richter-Haaser von EMI aus Anlaß einer "Sparaktion" des Vorstandes ausgebootet (mit dem Verdikt: seine Platten "drehten sich nicht", eine nette Umschreibung für "sie brachten nicht genügend Gewinn ein"), sehr zum Ärger seines Produzenten und Freundes Suvi Raj Grubb, der noch vieles mit ihm vorhatte.

    Doch jetzt wieder zu Beethoven: In diesem, leider z.Zt. nicht erhältlichen, CD-Doppelalbum sind die Konzerte Nr. 4 & 5 mit diesem großartigen Pianisten vereint, István Kertész dirigiert das Philharmonia Orchestra London:

    Die Konzerte Nr. 2 und 3 sind der ersten GA mit Claudio Arrau entnommen; Dirigent ist Alceo Galliera, ein hervorragender Dirigent, der sich vor allem als "Begleiter" hochkarätiger Solisten einen Namen gemacht hat.


    LG Nemorino

    Heute stelle ich meine drei Lieblings-CDs von Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur, Op. 15 vor:

    Christoph Eschenbach (Klavier) und die Berliner Philharmoniker, Dir.: Herbert von Karajan (Aufnahme: 12/1966, Berlin).

    Eine majestätische, klangvolle Version, die das Konzert in die Nähe der späteren Werke rückt. Faszinierend durch das Aufeinanderhören von Solist und Dirigent und das glanzvolle Spiel des damals jungen, verheißungsvollen Pianisten, im Verein mit den hochmotivierten Berliner Philharmonikern. Immer wieder bedauere ich zutiefst, daß es zu keiner GA in dieser Kombination gekommen ist.

    Svjatoslav Richter (Klavier) und das Boston Symphony Orchestra, Dir.: Charles Münch (Aufnahme: 11/1960, Boston).

    Eine energiegeladene, leuchtkräftige Aufnahme Richters, die während seines ersten USA-Besuches entstand und noch heute tief beeindruckt. Charles Münch erweist sich hier als schier idealer "Begleiter" und läßt das Boston SO zur Höchstform auflaufen.

    Arturo Benedetti Michelangeli (Klavier) und die Wiener Symphoniker, Dir.: Carlo Maria Giulini (Aufnahme: 9/1979, live, Wien).

    Kongeniales Zusammenspiel, glanzvolle Aufführung im Großen Musikvereinssaal zu Wien. Obwohl ich Live-Mitschnitten sonst eher skeptisch gegenüberstehe, zählt dieser hier zu meinen unverzichtbaren Aufnahmen. Der legendäre Pianist auf dem Gipfel seiner Kunst!


    LG Nemorino

    :(Ich kenne eigentlich wenige Dirigenten, die eine solche unbändige Spontaneität entwickeln konnten wie Charles Munch.

    Lieber Joseph II.,


    was lehrt mich das? Man sollte nie etwas auf die Schnelle "in die Tasten hauen":(!


    Das war natürlich völlig mißverständlich ausgedrückt, ich hatte spontan an die Brahms-Sinfonien Nr. 1, 2 & 4 sowie den Schubert (Ausnahme: Nr. 9, da ist er mir sogar etwas zu temperamentvoll) aus dieser Box gedacht:

    die ich sehr schätze! Das "solide" sollte keinesfalls mit "langweilig" oder "routiniert" übersetzt werden. In Beethovens Violinkonzert mit Jascha Heifetz entwickelt Münch ebenfalls ein schier überschäumendes Temperament, doch das habe ich stets in erster Linie dem Solisten zugeschrieben, der ja für seine z.T. atemberaubenden Tempi bekannt und berühmt war.

    Eine ganz herrliche, beinahe unübertreffliche Munch-Aufnahme scheint mir auch diese zu sein:

    die ich zu den herausragendsten dieses Werks rechne. Aber wir sind ja hier bei Beethoven, und vielleicht hatte ich Münchs Beethoven 5 im Ohr, die scheint mir weder klanglich noch darstellerisch zu seinen besten Aufnahmen zu gehören. Dafür ist ihm Schumanns "Frühlingssinfonie" wiederum glänzend gelungen.


    LG Nemorino

    Meine allererste Neunte auf LP war diese:

    Ferenc Fricsay und die Berliner Philharmoniker (Aufnahme: 12/1957 & 1/1958). Es war m.W. die erste Stereo-Veröffentlichung der DGG. Inzwischen ist sie natürlich längst auf CD überspielt, sie klingt hervorragend, und der Hedwigs-Chor und die Solisten sind ebenfalls erste Sahne. Auf den Plätzen 2 und 3 würde ich Karajan (DGG, 1962) und Klemperer (EMI, 1959) ansiedeln.

    Doch eine wahre Hammeraufnahme, die mir fast die Socken von den Füßen gezogen hat, ist diese:

    Charles Münch mit dem Boston Symphony Orchestra (Aufnahme: 21/22.12.1958, Boston, Symphony Hall).

    Da geht echt die Post ab! Ich habe Münch sonst nie als besonders temperamentvoll empfunden, eher als soliden, detailversessenen Musiker (Brahms-Sinfonien, Mendelssohn, Schubert), doch hier wächst er über sich selbst hinaus. Und klanglich ist die CD eine wahre Wucht, sie stellt in dieser Hinsicht meine sämtlichen Neunten (mindestens 20) in den Schatten!

    Ich habe jetzt auf die Schnelle nicht alle 21 Seiten dieses Thread durchgesehen, aber wahrscheinlich ist sie schon einmal hier erwähnt worden.


    LG Nemorino

    ich bin gespannt, ob Dir die Aufnahme so gut gefällt wie mir. Wann sie genau aufgenommen wurde, kann ich gar nicht sagen. Bei mit steht das Produktionsdatum 1961

    Lieber Norbert,


    die Aufnahme des Beethoven-Konzerts mit Francescatti/Walter entstand am 23. & 26.1.1961 in der Legion Hall, Hollywood, CA. Es ist eine der letzten Aufnahmen Bruno Walters, und eine seiner schönsten! Er starb 1962.


    LG Nemorino