Beiträge von nemorino

    Ich bin ein wenig verwundert, daß dieser Thread im Forum so wenig Resonanz findet. Trotzdem mache ich noch einmal einen Versuch.


    Ein Schattendasein führt seit ihrem ersten Erscheinen diese erstklassig besetzte Aufnahme:


    Mozart - Wilhelm Backhaus With The Vienna Philharmonic Orchestra Conducted  By Karl Böhm - Piano Concerto No. 27 In B Flat Major (K.595)/ Sonata No. 11  In A Major (K.331) | Releases | Discogs


    Wilhelm Backhaus (Klavier) und die Wiener Philharmoniker, Dirigent: Karl Böhm (Aufnahme: Musikverein Wien, Redoutensaal, 5/1955).


    Es ist bekannt, daß beide Künstler befreundet waren und immer wieder zusammen musizierten, sowohl im Konzertsaal als auch auf der Schallplatte. Backhaus und Böhm haben zwar die beiden Brahms-Konzerte für DECCA eingespielt, aber m.W. ist es die einzige Aufnahme eines Mozart-Konzerts in dieser Zusammensetzung. Die Aufnahme wurde bereits in STEREO produziert, und klanglich ist sie wohl gelungen. Vielleicht liegt es daran, daß man den Pianisten mehr mit Beethoven und Brahms in Verbindung bringt?

    Ich habe die Aufnahme bereits auf LP besessen und war froh, daß sie auch den Weg auf die CD gefunden hat, in dieser Ausgabe:

    Brahms, Mozart - Wiener Philharmoniker, Böhm, Wilhelm Backhaus – Piano  Concerto No. 2 / Piano Concerto No. 27, K595 (1999, CD) - Discogs

    gekoppelt mit dem Brahms-Konzert Nr. 2 (Aufnahme: 1967).


    LG Nemorino

    Das Konzert Nr. 12 KV 414 zählt sicher nicht zu den populärsten Werken dieser Gattung, und in meiner Sammlung ist es auch nur spärlich vorhanden, eigentlich nur in Verbindung mit GA (z.B. Anda, Uchida).


    Eine Aufnahme liegt mir allerdings noch auf LP vor, in dieser Original-Ausgabe der DGG:

    Wolfgang Amadeus Mozart, Margrit Weber - Konzert Für Klavier Und Orchester  Nr. 12, KV 414 | Releases | Discogs

    Margrit Weber (Klavier) mit den Festival Strings Lucernce, Leitung: Rudolf Baumgartner (Aufnahme: 5/1958, Kunsthaus Luzern, STEREO).


    Später habe ich sie auf CD wieder in diesem Doppelalbum erworben:

    Mozart: Piano Concertos - Haskil, Fisher, Haas, etc (CD, 2005, 2 Discs, DG)  28947758082 | eBay


    das die Deutsche Grammophon Gesellschaft aus Anlaß des 200. Geburtstages des Komponisten herausgebracht hat, mit einer interessanten Zusammenstellung:

    Konzert No. 19 KV 459 (Haskil/Berliner Philharmoniker/Fricsay), Nr. 12 KV 414 (siehe oben), Nr. 23 KV 488 (Monique Haas/Berliner Philh./Leitner), Nr. 13 KV 415 (Haskil/Festival Lucerne/Baumgartner), Nr. 14 KV 449 (Horszowski/Festival Lucerne/Baumgartner). Außerdem sind die Konzertrondos KV 382 & 386 enthalten, mit Annie Fischer am Klavier und dem Bayerischen Staatsorchester, Dir: Ferenc Fricsay. Bis auf das Konzert KV 488 alles Stereo-Produktionen.


    Margrit Weber (1924-2001) war eine Schweizer Pianistin. Aus einer musikalischen Familie stammend, studierte sie Musik am Konservatorium in Zürich. Ihre Karriere begann auf Einladung von Ferenc Fricsay zu einem Auftritt 1955 beim Stadtorchester Winterthur, wo sie die Burleske von Richard Strauss mit dem Dirigenten Victor Desarzens aufführte. Fricsay war anwesend und von ihrem Spiel so angetan, daß er sie auf der Stelle zu seinen geplanten Gastspielen in Berlin und Neapel einlud. In der Folge machte sie, vornehmlich mit Fricsay, diverse Aufnahme für die DGG, mit Werken verschiedener Komponisten. Fricsay machte sie auch mit Igor Strawinsky bekannt, der für sie die "Movements for Piano and Orchestra" komponierte, die sie unter der Leitung des Komponisten im Januar 1960 in der New York Town Hall uraufführte.

    Margrit Weber unternahm zahlreiche Konzertreisen, die sie in alle Welt führten. Sie trat mit berühmten Dirigenten auf, u.a. mit Rafael Kubelik, Josef Krips, Charles Münch und George Szell.


    Nach dem frühen Tod ihres Mannes 1972 zog sie sich weitgehend aus dem Konzertleben zurück. Sie starb am 2. November 2001 in Zollikon/Schweiz.

    Vielleicht gibt es den Schubert ja dann aus Kanada in einer Bechbüchse oder Zuckerdose - ich forsche nach...

    Solange mußt Du nicht warten, lieber Don_Gaiferos,


    zur Zeit gibt es die Aufnahme bei ebay zu einem Schnäppchenpreis, in dieser Luxus-Ausgabe:

    Josef Krips - Schubert: Symphonies No.8 & No.9 - Josef Krips CD AUVG

    Die Lieferung ist kostenfrei, der Preis ist z.Zt. € 6,65! Ich würde an Deiner Stelle ganz rasch zuschlagen, die Gelegenheit kommt wahrscheinlich so schnell nicht wieder. Es ist eine Superaufnahme des Wiener Dirigenten Josef Krips, der leider inzwischen den meisten Musikfreunden schon kein Begriff mehr ist.

    Die Nazis haben ihm übel mitgespielt, während dieser Zeit hatte er Auftrittsverbot - Krips war Halbjude - und mußte sich mit Gelegenheitsarbeiten, teils als Lagerist in einer Fabrik, mühsam durchschlagen. Immerhin hat er den Terror überlebt und konnte nach dem Krieg wieder an der Staatsoper seiner Heimatstadt arbeiten und etliche großartige Aufnahmen auf Schallplatte hinterlassen. Die obige ist einer seiner besten.


    LG Nemorino

    Ein früher Anwalt für Charles Gounod war der Dirigent Igor Markevitch, der seine 2. Sinfonie im Jahr 1956 für die DGG eingespielt hat. Meines Wissens war das die erste Aufnahme des Werkes für die Schallplatte überhaupt. Es gibt sie inzwischen sogar auf dieser CD:

    Gounod: Symphony No.2 / Debussy: La Mer / 2 Danses

    Es spielt das Lamoureux-Orchester Paris. Leider wurde die Aufnahme noch in Monotechnik produziert. Sie klingt aber für ihr Alter gut.


    Igor Markevitch stammt aus Kiew, nahm aber später die französische Staatsbürgerschaft an. Für die Deutsche Grammophon nahm er in den 1950er Jahren zahlreiche Platten auf, die es inzwischen gesammelt in dieser Ausgabe gibt:


    Igor Markevitch - The Deutsche Grammophon Legacy - Amazon.com Music


    LG Nemorino

    Hallo, Don_Gaiferos,


    Die "Keksdose" mit den 9 Sinfonien auf CD sieht so aus:

    Forever Beethoven: The Nine Symphonies


    und ist z.Zt. zu einem Spottpreis (gebraucht) erhältlich, bei einem Anbieter, der hier aus nachvollziehbaren Gründen nicht genannt werden soll.


    Klangtechnisch waren die LPs ausgezeichnet, und der Künstler Josef Krips ist über jeden Zweifel erhaben, der Name spricht für sich. Seine DECCA-Aufnahme der Neunten von Schubert aus dem Jahr 1958 ist für mich bis heute unübertroffen.


    LG Nemorino

    Wenn man diese Einstellung bei Böhm toleriert, wieso wird sie bei russischen Künstlern heute nicht toleriert? Irgendwas stimmt doch da nicht.

    Hallo Orfeo,


    selbstverständlich toleriere ich diese Einstellung auch bei russischen Künstlern. Etliche haben sich Stalin-Preise verleihen oder zum "Helden der Sowjetunion" küren lassen. Das hat mich nie interessiert, und es interessiert mich auch heute nicht.


    Svjatoslav Richter (1915-1997) ist z.B. bereits 1941 mit dem Stalin-Preis ausgezeichnet worden, 1961 erhielt er den Lenin-Preis, 1980 den Orden der Oktober-Revolution und 1996 den Staatspreis der Russischen Föderation. Steht alles im Internet, aber was hat das mit dem Musiker Svjatoslav Richter zu tun? Weshalb sollte ich auf seine maßstabsetzenden Aufnahmen, wie das Brahms-Konzert Nr. 2 (mit Leinsdorf), Beethoven Nr. 1 (mit Charles Münch) oder Tschaikowsky Nr. 1 (mit Karajan) verzichten? Oder seine großartigen, z.T. unübertroffenen Solo-Versionen der Werke von Beethoven, Schubert, Liszt etc. aus meiner Sammlung verbannen? Richter war ein herausragender Klavierspieler, seine politische Einstellung (hatte er überhaupt eine?) hat mich nie interessiert und ist mir auch völlig egal. Er war ein großer Künstler, Punkt.


    Ich finde die gegenwärtige Diskussion und die teilweise Verbannung russischer Künstler und russischer Musik aus unseren Konzertsälen ganz einfach unmöglich. Und wenn ich z.B. lese, daß ein Künstler von Range Grigori Sokolovs in diesem Jahr "in Anbetracht der außergewöhnlichen Umstände" sich gezwungen sah, die spanischer Staatsbürgerschaft anzunehmen, so weiß ich nicht, ob man darüber lachen oder weinen soll.


    LG Nemorino

    Mir ist aufgefallen, daß in diesem Thread bisher noch nicht der Name Annie Fischer gefallen ist. Diese ungarische Pianistin hat zu Beginn der Stereo-Ära nicht weniger als sechs Mozart-Konzerte für die Londoner EMI aufgenommen, die in dieser Box sämtlich enthalten sind:

    Icon:Annie Fischer


    und zwar die Konzerte 20 & 23 mit Sir Adrian Boult, Nr. 21 & 22 mit Wolfgang Sawallisch und Nr. 24 & 27 mit Efrem Kurtz. Es spielt jeweils das Philharmonia Orchestra London.

    Wer statt eines mehr zurückhaltenden Spiels, wie es Murray Perahia praktiziert, einen eher "maskulinen" Anschlag und eine zupackendere Auslegung bevorzugt, der dürfte mit diesen Aufnahmen richtig liegen. Es sind natürlich konventionelle Interpretationen, wie sie damals noch gang und gäbe waren, aber sie werden pianistisch glänzend geboten und zählen noch immer zu den liebsten Stücken in meiner Sammlung.

    Annie Fischer wählt übrigens für die Konzerte KV 482 und KV 491 die selten zu hörenden Kadenzen von Johann Nepomuk Hummel, in KV 482 spielt sie die Kadenzen von Busoni und in KV 466 die Beethoven-Kadenz im Kopfsatz.


    LG Nemorino

    Was ist an dem Begriff fatal Irrender denn so falsch.

    Zunächst gar nichts, aber jeder Mensch irrt in seinem Leben, und dieses Recht sollte man auch einem Karl Böhm zugestehen!

    Mir persönlich sind "fatal Irrende" jedenfalls weitaus lieber als die "totalen Irren", die heute jede Biographie auf Spurenelemente untersuchen, um Leute, die in ihrem Leben Großes geleistet haben, vom Sockel zu stürzen. Deren Leistungen bestehen in der Hauptsache darin, andere verächtlich zu machen und sich zum Richter aufzuspielen.


    Und im übrigen: Was hat das alles mit Böhms Leistung als Musiker zu tun? Musikalisch hat er sicher weder fatal noch überhaupt geirrt, sondern Aufnahmen hinterlassen, die noch heute viele Musikfreunde erfreuen und beglücken. Das allein zählt, nicht was der Dr. Böhm in gewissen, besser gesagt, ungewissen Zeiten einmal gesagt hat.


    LG Nemorino

    Vielleicht mache ich mal wieder einen Versuch mit Perahia

    Hallo, Johannes Roehl,


    wenn Dir der Interpretatonsansatz von Perahia bei den Konzerten 15+16 schon nicht gefallen hat, solltest Du nicht unnötig Geld investieren. Perahia spielt die Konzerte durchweg so, wie Du sie beschrieben hast, "klein und fein", und das ECO hat sich dem voll angepaßt bzw. wurde von Perahia, der ja auch der Dirigent ist, so geleitet. Mir persönlich gefällt diese Vortragsweise sehr gut, aber das ist sicher kein Maßstab.

    Zoltan Kocsis. .... diese mit dem Franz Liszt Kammerorchester unter Rolla sind klanglich und vom Orchester/Dirigat nicht ganz so gut gelungen (die mit KV 414/488 habe ich nicht), aber immer noch sehr lohnend, besonders bei den "frühen" Konzerten). Zumindest teilweise spielt Kocsis auch (wie Gulda mit Harnonourt in KV 488+537) diskret in den Tutti mit.

    Zwei, die Dich interessieren könnten, habe ich noch im Internet gefunden:

    Piano Concertos 6,18 & 27 Klavierkonzerte KV 414,488

    zwar nicht ganz billig, aber immer noch bezahlbar. Allerdings bei einem Anbieter, den ich aus begreiflichen Gründen hier nicht nennen möchte.


    LG Nemorino

    Wie ich im Beitrag Nr 2 bereits erklärte heisst dieses Konzert "Jenamy"

    Und zwar nach der österreichischen Pianistin Louise Victoire Jenamy (geborene Noverre; 1749–1812) für die Mozart das Konzert schrieb.

    Lieber Alfred,


    nichts gegen die Pianistin Louise Victoire Jenamy, aber ich glaube, daß der eingebürgerte Beiname "Jeunehomme" nicht verschwinden wird, dafür hat er sich den Musikfreunden in aller Welt über lange Jahre zu sehr eingeprägt. Es ist aber durchaus richtig, daß der geschichtliche Irrtum korrigiert wurde.


    Ähnlich geht es mir bei Schubert: Für mich (und wie ich immer wieder bei Neuausgaben sehe) bleibt die "Unvollendete" die Nr. 8, und die "Große C-dur" (die ich noch als Nr. 7 kennengelernt habe) die Nr. 9.


    LG nach Wien,

    Nemorino

    Eine ganz besonders gut gelungene Gesamtaufnahme der Mozart-Konzerte wurde hier schon einige Male kurz erwähnt, doch noch nie so richtig vorgestellt:

    Murray Perahia (Klavier & Dirigent) mit dem English Chamber Orchestra (Aufnahmen: 1976-1983).

    Perahia ist ein außergewöhnlich einfühlsamer Künstler, der die Mozart-Konzerte mit Feinsinn und Gefühl, ohne aber jemals in Sentimentalität abzugleiten, spielt. Ich schätze seine damalige Aufnahmeserie sehr hoch ein. Sie ist neben den künstlerischen Leistungen auch aufnahmetechnisch glänzend gelungen.


    Mozart: Piano Concertos👍





    Es gibt die Aufnahmen auch in anderer Aufmachung, da sind noch die Konzerte 7 & 10 (für 3 bzw. 2 Klaviere) mit dabei. Diese Box enthält 12 statt wie die oben abgebildete 10 CDs. Ein Juwel besonderer Güte stellt (für mich) das Konzert Nr. 11 KV 413 dar, das es auch einzeln auf dieser CD zu kaufen gibt:

    Klavierkonzerte 11, 12, 14

    So einfühlsam und poetisch habe ich dieses Konzert sonst nirgends gehört.


    LG Nemorino

    Lieber Fiesco,


    danke für Deine guten Wünsche, die ich gerne erwidere!


    Es freut mich, daß Du wieder besser sehen kannst. Mit dem Hören ist das ein bißchen problematischer: Ein Hörgerät stört weit mehr als eine Brille, außerdem muß man alle paar Wochen zum Hörakustiker, zwecks Reinigung, Neujustierung etc.pp. Und da ich aus Altersgründen nicht mehr Auto fahre, bin ich da immer auf jemand angewiesen, entweder die Kinder (beide berufstätig) oder eben eine Taxe. Bisher ging's noch ohne - hoffentlich wird es nicht schlimmer.


    Alles gute und liebe Grüße,

    Nemorino :hello:

    Aufnahmen mit Brendel (Janigro, Marriner, Mackerras)

    Lieber Johannes Roehl,


    diese drei Aufnahmen sind auch in meinem Besitz. Ich schätze sie alle drei, die späte mit Charles Mackerras strömt in milder Altersweisheit dahin, und der Mozart-Experte Mackerras und sein Orchester sind ideale, gleichwertige Partner, die mittlere mit Neville Marriner scheint mir insgesamt die ausgewogenste zu sein, doch am meisten schätze ich immer noch Brendels erste Version aus dem Jahr 1968, für das Label Vanguard aufgenommen:

    Brendel Plays Mozart in Vienna

    heute auf "Alto", bzw. es gibt noch eine Einzelausgabe für ganz wenig Geld, die aus der (nur noch schwer erhältlichen) Brillant-Box "The Alfred Brendel Collection" ausgekoppelt wurde. Einziges Manko ist das Fehlen einer Textbeilage:

    Alfred Brendel Collection Vol.1 - Wolfgang Amadeus Mozart

    Die Begleitung durch Antonio Janigro und die Zagreber Solisten ist sehr feinsinnig, Brendel geht mit jugendlichem Elan zur Sache, und tontechnisch klingt die CD für ihr Alter einwandfrei.


    LG Nemorino

    Welchen Sinn es machen soll, diesen seit über 4 Jahren ruhenden Thread wieder auszugraben, um auf Dinge aufmerksam zu machen, die jedem Musikfreund hinreichend bekannt sind, erschließt sich mir nicht.


    Karl Böhm war Musiker, und nicht nur das, er war ein überragender Dirigent, nicht nur, aber vor allem der Werke von Wolfgang Amadeus Mozart. Als ich anfing, mich für klassische Musik zu interessieren, nannte man ihn ziemlich unangefochten den "Mozart-Papst". In Wien, Salzburg, aber auch in Berlin, München und Dresden war er bis zu seinem Tod sozusagen eine Institution. Er war es, der die erste Gesamtaufnahme von Mozarts Sinfonien auf DGG vorlegte, und die Opern seines Landsmannes standen, wie auch seine Instrumentalwerke, zeitlebens im Mittelpunkt seines Wirkens und Schaffens.


    Karl Böhm war ein Kind seiner Zeit, er wuchs in einem konservativen Elternhaus in Graz auf und war, nach dem Ende der k.u.k.-Monarchie 1918, wie die meisten österreichischen Bildungsbürger von deutschnationaler Gesinnung. Die resultierte nicht nur, aber auch daraus, daß die "deutschen Kronländer" der Donaumonarchie plötzlich ohne ihr gewohntes "Umland" dastanden. Bis dahin beheimatete der Habsburgerstaat Deutsche, Ungarn, Tschechen, Slowaken, Kroaten, Slowenen, Polen etc. in seinen Grenzen. Österreicher waren sie alle. Das nun allein stehende "Deutsch-Österreich" mit seiner zu 98 % deutschen Bevölkerung wollte sich mit Deutschland vereinen, wurde aber von den Siegermächten des 1. Weltkriegs daran gehindert. Im Jahr 1922, als noch keine Rede von Hitler oder den Nazis war, stimmten z.B. weit mehr als 90 % der Salzburger Bürger für eine Vereinigung mit Deutschland.


    Böhm hat, wie viele seiner Landsleute, 1938 den sogenannten "Anschluß" begrüßt. Hitler war lediglich der Vollbringer eines Wunsches der überwiegenden Mehrheit der Österreicher. Fakt ist, daß Böhm den neuen Machthabern einige fragwürdige Ergebenheitsadressen übersandt hat, aber er war nachweislich nie Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen. Die Sätze, die man ihm heute, immer wieder aus der gleichen Ecke heraus, zur Last legt, haben ihm zweifelsfrei geholfen, die Nazijahre 1938-1945 unbeschadet zu überstehen. Es ist auch unbestreitbar, daß er - wie viele seiner Kollegen - von der Ausweisung oder Flucht jüdischer Kollegen profitiert hat, aber konnte er Hitlers wahre Absichten und Ziele kennen? Er wird, wie die meisten Deutschen, "Mein Kampf" nicht gelesen oder zumindest nicht ernstgenommen haben. "Wer sich frei fühlt von Schuld, der werfe den ersten Stein", das steht schon in der Bibel, aber wen interessiert das heute noch? Jedenfalls hat sich Böhm, außer ein paar verbaler Entgleisungen, die aber eher dem ungehinderten Fortgang seiner Karriere dienen sollten, meines Wissens nichts zuschulden kommen lassen. Reicht das aus, um ihn heute, 80 Jahre später, mit Dreck zu bewerfen?

    Details zu seiner Haltung während des Dritten Reichs

    sind seit Jahrzehnten im Umlauf, dafür haben seine Gegner hinreichend gesorgt. Inzwischen ist längst Ruhe eingekehrt, aber im Zuge der Verächtlichmachung fast alles Vergangenen, vor allem geschichtlicher Persönlichkeiten, die im 19. und 20. Jahrhundert eine Rolle gespielt haben, spült nun der sogenannte "Zeitgeist", jeden Fehltritt, ob belegt oder nicht, wieder an die Oberfläche. Dafür sorgt trefflich die "woke" Gesellschaft, die nur das "Hier und Heute" gelten läßt und sich aufspielt, als ob sie die Weisheit sämtlicher Jahrhunderte gefressen hätte. Die gesamte abendländische Geschichte soll, nein muß umgeschrieben, am besten ganz der Vergessenheit anheim gegeben werden. Mit ihrem Halb- oder Viertelwissen fallen sie unterschiedslos über Persönlichkeiten wie Bismarck, oder neuerdings Karl May, her, meist ohne sich jemals ernsthaft mit den Biographien dieser Menschen beschäftigt zu haben.


    Karl Böhm war ein begnadeter Künstler, der sein ganzes Leben der Musik gewidmet hat. Das war seine Welt, mit Politik hat er sich nie befaßt. Sie war ihm schlicht egal. Es ist auch nicht bekannt, daß er jemals Kollegen oder ihm unterstellte Personen, wie Sänger, Orchestermitglieder etc. denunziert hätte.


    Wenn die Salzburger Festspiele sich heute mehr oder weniger von ihm distanzieren und damit dem Zeitgeist huldigen, so sollten sie sich einmal daran erinnern, was sie Karl Böhm alles zu verdanken haben. Doch Undank ist der Welt Lohn, und die "Wokerei" ist bekanntlich gnadenlos und macht vor nichts halt, außer vor sich selber.


    LG Nemorino

    Auf Schlesinger soll beim RBB "alternativlos" Katrin Vernau folgen, Favoritin und "Statthalterin" des mächtigen WDR-Intendanten Tom Buhrow.

    Es geht also genauso weiter wie bisher. Wen wundert's ernsthaft.

    Lieber Joseph II.,


    ich bin zwar kein Prophet, aber das war mir von Anfang an klar:

    dann heißt es wie seinerzeit bei Helmut Kohl: Die Karawane zieht weiter ....

    wie ich schon am 27. August befürchtet habe. Die Herrschaften schmoren im eigenen Saft, und solange die Gelder üppig fließen, halten die zusammen wie Pech und Schwefel und lassen keine fremden Götter neben sich haben.


    LG Nemorino

    denn da entgeht dir sehr viel schöne Musik.

    Hallo Fiesco,


    das glaube ich Dir gerne, aber ich habe wohl den richtigen Zeitpunkt zu einer Anschaffung verpaßt, und inzwischen bin ich so weit, daß ich selbst meine Aufnahmen kaum noch hören kann, einmal wegen nachlassenden Gehörs, zum anderen wegen mangelnder Konzentrationsfähigkeit. Eine ganze Oper am Stück zu hören, und dazu noch eine so lange wie den DON CARLOS, war früher für mich eine Kleinigkeit, heute komme ich meist über die erste halbe Stunde nicht hinaus:(.


    Noch ein Wort zur DGG-Aufnahme mit Gabriele Santini: Auch ich höre Antonietta Stella gerne, und als Elisabetta war sie eine ausgezeichnete Besetzung. Ettore Bastianini war einer der tollsten italienischen Baritone der Nachkriegszeit, leider starb er viel zu früh, Boris Christoff war und ist (für mich) der Filippo schlechthin, und was Ivo Vinco als Großinquisitor betrifft, so hat er zwar eine schöne Stimme, aber dieser Rolle war er nicht gewachsen, weil er so gar nicht furchterregend daherkam.

    Flavianò Labo kenne ich nur von ganz wenigen Aufnahmen, aber mir ist er zu laut und etwas ungeschliffen. Ein wenig überrascht war ich aber, daß Du Fiorenca Cossotto nur als passabel einstufst. Ich fand sie als Eboli ohne Tadel, aber Stimmen wirken nun einmal auf jeden anders. Kennst Du ihre Santuzza aus Karajans "Cavalleria rusticana"? Auch da hat sich mich sehr beeindruckt.


    Deinen Eintrag vom 3.9. habe ich erst heute vorgefunden, habe tagelang das Forum nicht genutzt. Daher die späte Reaktion.


    LG Nemorino

    Vermutlich war das die Einstiegsplatte von Lars Vogt bei der EMI:

    Lars Vogt – Schumann* Grieg* Piano Concertos (1992, CD) - Discogs

    Zwei jugendliche Heißsporne versuchten sich mit Erfolg an zwei der populärsten Werke der Konzertliteratur.


    LG Nemorino

    Zeitgeist hin oder her, in meiner persönlichen Sammlung ist Pjotr Iljitsch weiterhin ganz weit vorne, im symphonischen Bereich sogar neben Beethoven, Schumann, Sibelius und Schostakowitsch an der Spitze. Gerade kürzlich habe ich etwa die vierte Symphonie nach jahrelangem Meiden (wieso eigentlich?) wiederum neu für mich entdeckt. Welch ein Juwel, fürwahr. Und die zu Unrecht im Schatten stehenden Klemperer-Einspielungen (auch von Nr. 5 und vor allem Nr. 6) sind vorzüglich und mit das Beste, was es an "westlichen" Tschaikowski-Aufnahmen überhaupt gibt, neben Monteux' "Schwanensee"-Auszügen. Nein, Tschaikowski kommt nie aus der Mode.

    Lieber Joseph II.,


    .... auch bei mir rangiert er nach wie vor mit an vorderster Stelle, und auf den sogenannten "Zeitgeist" pfeife ich!


    Schön, daß Du die Klemperer-Aufnahmen von 1961 ins Feld führst. Insonderheit die Vierte ist mir in seiner Interpretation sehr ans Herz gewachsen:

    CDJapan : Tchaikovsky: Symphony No.4 Otto Klemperer (conductor),  Philharmonia Orchestra CD Album

    In dieser Import-CD aus Japan habe ich sie in meiner Sammlung (übrigens die Nr. 5 & 6 ebenso).


    Wenn es um Tschaikowskys Vierte geht, habe ich noch einen weiteren, ebenfalls recht betagten, aber glänzend klingenden Favoriten:

    Tchaikovsky: Symphony No 4

    aufgenommen 1960 in der Jesus-Christus-Kirche, Berlin. Eine Aufnahme aus Maazels Frühzeit, voller jugendlichem Elan und Spielfreude.


    Zu den "Schwanensee"-Auszügen mit Pierre Monteux (PHILIPS, heute Decca) kann ich Dir nur beipflichten. Es gibt aber eine, zumindest gleichwertige, Aufnahme von Monteux mit umfangreichen Auszügen aus "Dornröschen", die ich zu seinen allerschönsten zähle. Ursprünglich für RCA eingespielt, gibt es sie heute auf dieser CD der australischen DECCA:


    Tchaikovsky: Sleeping Beauty Stravinsky: Firebird by Paris Conservatoire Orchestra / LSO Cond Pierre Monteux (2014) Audio CD

    mit dem London Symphony Orchestra, aufgenommen 1956 in der Londoner Kingsway Hall, in guter Stereo-Technik. Gekoppelt ist sie mit der "Feuervogel"-Suite von Strawinsky, ebenfalls 1956 produziert.


    LG Nemorino

    Lieber Joseph II.,


    zuerst einmal möchte ich Dir danken für die Auskunft zur Modena-Fassung des DON CARLOS.


    Schade, daß die Diskussion um die besten Aufnahmen dieser (für mich) größten aller Verdi-Opern hier erst gar nicht in Gang kommt. Ich stelle immer wieder und immer öfter fest, daß das Interesse für die "alten" Aufnahmen aus der Glanzzeit der Schallplatte sehr nachgelassen hat, was natürlich zur Folge hat, daß die meisten hier aktuellen Themen auf mich wenig anziehend wirken. Doch das ist nun mal der Lauf der Dinge.


    Die DGG-Aufnahme des "Don Carlos" mit Gabriele Santini kann ich Dir empfehlen. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, als sie erstmals in die Plattenläden kam. Das war 1962, in dieser Luxusausgabe (mit Leinen überzogen und Golddruck!):

    GIUSEPPE VERDI - 200 Jahre-Years-Ans-Anni Teatro Alla Scala GER 21LP 1986 '  EUR 40,00 - PicClick DE

    mit 4 LPs zu je 25 DM, also insgesamt 100 DM (preisgebunden)! Das war für mich damals unerschwinglich. Ein paar Jahre später brachte DECCA die Solti-Aufnahme, aber zur "Einführung" zu einem Sonderpreis von ca. 65 DM, genau weiß ich es nicht mehr. Da sang der (für mich) noch unbekannte Nicolai Ghiaurov den Filippo.

    Solti hat, nicht nur durch den günstigen Preis, die Santini-Aufnahme ganz rasch in den Hintergrund gedrängt. Erstens war er schon damals ein internationaler Star, zweitens war seine Besetzung (in Teilen) insgesamt prominenter (Tebaldi, Bumbry, Bergonzi, Fischer-Dieskau), und drittens hatte Decca die spektakulärere Tontechnik zur Verfügung.

    Ich hatte die Santini-Aufnahme aber nie ganz vergessen, und als sie endlich in den 1990er Jahren auf CD erschien, dazu noch zu einem lächerlich günstigen Preis, habe ich sie gleich gekauft und war begeistert:


    Giuseppe Verdi: Don Carlos (Opern-Gesamtaufnahme) (3 CD) - Boris Christoff,  Fiorenza Cossotto, Flaviano Labò, Antonietta Stella, Ettore Bastianini, Ivo  Vinco, Piero di Palma, Gabriele Santini, Orchestra del Teatro alla Scala,  Giuseppe Verdi:


    Einziger Minuspunkt war der grobkörnige Flaviano Labò als Titelheld, doch der war leicht zu verschmerzen, angesichts der übrigen Mitwirkenden, und auch durch Santinis durchaus konkurrenzfähige Leitung des berühmten Scala-Orchesters. Die Textbeilage war nur dürftig, doch bei dem Preis durfte man da nicht meckern.


    Ich habe übrigens festgestellt, daß bis zum Beginn der Stereo-Ära bei Opernaufnahmen nur selten die großen Star-Dirigenten herangezogen wurden. Viel wichtiger war die sängerische Ausstattung. Das änderte sich erst, als DECCA/RCA die Wiener Aufnahmeserie mit Herbert von Karajan (Aida, Otello, Tosca, Carmen etc.) begann. Da waren plötzlich so hervorragende Dirigenten wie Serafin, Erede, Previtali, Santini, Perlea, Molinari-Pradelli, Capuana, Cellini, Basile und Questa nicht mehr gefragt. Lediglich Leinsdorf (bei RCA) fand noch Gnade. Aber auch das ist inzwischen längst "Schnee von vorgestern".


    LG Nemorino :hello:

    Da hat sich der Geschmack der Rundfunkhörer inzwischen wohl sehr gewandelt. Ich erinnere mich lebhaft an die regelmäßig gesendeten "Wunschkonzerte" des Südwestfunks (SWF) Baden-Baden, mit dem Moderator Horst Uhse, der in den 1950/60er Jahren ein breites Publikum erreichte. Da wurden mindestens 80 % der Sendezeit mit Opern- und Operettenarien sowie Chören aus Opern bestritten. Als wir noch keinen Plattenspieler besaßen (der aus der Vorkriegszeit spielte nur 78er Schellackplatten), haben meine Eltern diese Sendung immer gerne eingeschaltet.


    LG Nemorino

    Lieber Joseph II.,


    vielen Dank für die Vorstellung der Haitink-Aufnahme von Verdis DON CARLOS. Deine Beurteilung reizt nun wahrlich nicht zum Kauf, zumal ich mindestens fünf GA der Oper im Schrank habe. Eine Frage habe ich: Ist mit "Modena-Fassung" die 5aktige Version gemeint, oder gibt es da weitere Abweichungen?


    Meine erste GA der Oper war die unter Solti (Decca, 1965), und die ist sowohl künstlerisch als auch gesanglich hervorragend. Einziger Wermutstropfern (für mich): DiFiDi als Rodrigo di Posa. Schön gesungen, aber keine optimale Besetzung. Seinen Posa kannte ich bereits aus dem EMI-Querschnitt unter Patané, da sang er deutsch, und das "stand" ihm deutlich besser.

    Zwei weitere GA der fünfaktigen Fassung sind in meiner Sammlung: Giulini (EMI, 1970), sowie die erste Stereo-Aufnahme überhaupt: Gabriele Santini (DGG, 1961) mit einem überragenden Posa (Ettore Bastianini) und dem "Jahrhundert"-Philipp: Boris Christoff (der unter Santini die Rolle bereits in der 1954er EMI-Aufnahme gesungen hatte). Diese DGG-Produktion hat leider unverdienterweise immer im Schatten der späteren Aufnahmen unter Solti und Giulini gestanden, die zwar über prominentere Dirigenten verfügten, aber in der Besetzung mindestens gleichwertig war. Mit einer Ausnahme, und das ist sehr schade: Flaviano Labò als Titelheld. Seine unstetes Singen verdirbt wirklich ein wenig den Genuß, aber ansonsten kann diese alte DGG-Aufnahme noch heute in jeder Hinsicht überzeugen:

    Don Carlo - Verdi, Stella, Santini, La Scala: Amazon.de: Musik Don Carlo by Santini [Music CD]


    Ich habe eine andere Ausgabe auf CD, sie war recht günstig zu haben. In Antonietta Stella (Elisabetta) und Fiorenza Cossotto (Eboli) verfügt sie über zwei großartige weibliche Hauptdarsteller. Besonders letztere beeindruckt mich mit einer überragenden Rollengestaltung, die ihren Höhepunkt in der Arie "O don fatale" des 4. Aktes findet. Atemberaubend gesungen!

    Man mag ja von Karajan halten, was man will

    Ich halte nach wie vor viel von ihm, lieber Joseph, und ganz besonders war er ein herausragender Operndirigent, der m.E. in dieser Universalität keinen Nachfolger gefunden hat. Natürlich habe ich auch seinen Salzburger DON CARLOS. Leider wählte er hier die vieraktige Fassung von 1882/83 und unterschlägt damit wichtige Teile der Komposition. Böse Zungen haben behauptet, das sei Karajans Entgegenkommen an sein Publikum gewesen, dem er vor dem Abendessen im "Goldenen Hirschen" keine exzessiv lange Oper hätte zumuten wollen. Ich halte das für ein übles Gerücht, aber es kursierte seinerzeit sowohl in Salzburg als auch in den Rezensionen seiner Aufnahme, die übrigens 1978 in der Berliner Philharmonie produziert wurde (mit der Salzburger Festspiel-Besetzung):

    Verdi: Don Carlos (Gesamtaufnahme) (ital.) - Carreras, Freni, Giuseppe  Verdi, Karajan, Berliner Philharmoniker: Amazon.de: Musik


    Orchestral ist Karajans Aufnahme von umwerfender Brillanz, die Besetzung leider nicht in allen Teilen optimal. So steht einem adäquaten Filippo (Nicolai Ghiaurov) ein Großinquisitor gegenüber, der alles andere wie ein 90jähriger Greis, sondern viel eher einen Jüngling in der Kraft der Jugend darstellt. Gesanglich untadelig, aber darstellerisch ein Mißgriff.


    Ich bin mit meinen Aufnahmen dieser großartigen Oper so zufrieden, daß mir nie die Anschaffung einer französischen Fassung (z.B. Abbado) in den Sinn gekommen ist, und nach Deinem Urteil über Haitinks PHILIPS-Produktion werde ich auch davon die Finger lassen. Lediglich Dmitri Hvorostovsky als Rodrigo wäre für mich ein Reinhören wert.


    LG Nemorino

    Hallo, Thomas,


    soeben erst habe ich Deine Frage gelesen, ich brauchte mal wieder ein paar Tage "Tamino-Pause"!


    Leider muß ich die Antwort schuldig bleiben, weil ich die Ausgaben des Aufbau-Verlags nicht kenne. Das von mir in Beitrag #2.874 gezeigte rororo-Taschenbuch von 1964 (klein gedruckt, 731 Seiten) ist, soweit ich das feststellen kann, identisch mit der 2-bändigen Original-Ausgabe des Rowohlt-Verlags von 1937:

    Quellbild anzeigen

    Das Original, noch in Fraktur-Schrift, habe ich von meinem Vater geerbt, der ein eifriger Fallada-Leser war (wie ich).


    Außerdem kenne ich noch u.a. diese gebundene Ausgabe von Loewig:

    fallada - wolf unter wölfen - ZVAB

    die ich mir gekauft hatte, nachdem das rororo-Buch nach mindestens 5maligem Lesen dementsprechend ausschaute. Leider mußte ich aber feststellen, daß diese Ausgabe, wenn auch nur geringfügige, Kürzungen aufweist. In einer Bibliothek fand ich einmal eine Nachkriegsausgabe (2 Bände), die habe ich aber nur flüchtig durchgesehen, weiß auch nicht mehr den Herausgeber.


    Sehr empfehlen kann ich Dir aber das folgende Buch:

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    von Hannes Lamp "Fallada unter Wölfen" (Verlag Druckerei Steffen, Friedland, 2002).

    Es berichtet höchst interessante Details über die Entstehung und Hintergründe des Romans, beschreibt die einzelnen Personen und (soweit möglich) ihre "Vorlagen", und ist vor allem reich bebildert mit Fotos vom Original-Schauplatz. Es handelt sich um Radach (im Buch: Neulohe), in der Neumark gelegen, wenige Kilometer östlich der Oder. Auf dem Buchdeckel (siehe oben) ist das Schloß des "Alten Herrn" (Mitte) und die Villa des Rittmeisters von Prackwitz (links hinten) gut zu erkennen. Beide Gebäude befinden (bzw. befanden) sich im Jahr 2000, als die Aufnahmen entstanden, im Zustand des Verfalls. Im Buch gibt es noch zahlreiche Abbildungen (u.a. vom Inspektorenhaus, in dem "Negermeier" lebte und liebte). Leider ist es z.Zt. nur zu einem Mondpreis erhältlich.


    LG Nemorino

    Nochmals ein Wort zu dem Roman von Hans Fallada "Wolf unter Wölfen". Ich empfehle besonders dieses rororo-Taschenbuch, weil es eine wirklich vollständige Replik der Original-Ausgabe ist:

    gebrauchtes Buch – Hans Fallada – Wolf unter Wölfen

    Andere, von mir durchgesehene, enthalten meist leichte Kürzungen.


    Hans Fallada betätigt sich in seinem Buch als Chronist der bewegten Jahre nach dem Ersten Weltkrieg, mit den Schrecken der Inflation, dem Rausch des Geldes und der Liebe, in denen jeder das Glück auf Kosten des Anderen zu erjagen suchte. "Ein gigantisches Epos, das literarische Dokument einer aus den Fugen geratenen Zeit."


    LG Nemorino

    Nein, "Wolf unter Wölfen" habe ich noch nie gelesen. Aber das ist jetzt der Anlass, es mir zu Gemüte zu führen.

    Lieber Garaguly,


    ich kann Dir schon jetzt dazu gratulieren, es ist (für mich) der großartigste Roman, den ich jemals gelesen habe (und das mindestens sechsmal!). Wenn auch die Spannung des Kennenlernens nachgelassen hat, so bin ich immer wieder begeistert von diesem wirklich tollen Buch, dessen Handlung atemberaubender und spannender ist als jeder Kriminalroman. Inzwischen bin ich 80, aber ich habe die feste Absicht, mir noch einmal dieses Drama in vier Akten zu Gemüte zu führen.


    Schon vor Jahren habe ich mal gesagt: Wenn ich nur einen einzigen Roman mit auf eine einsame Insel nehmen dürfte, so stünde ich vor der Wahl "Wolf unter Wölfen" oder Erich Maria Remarques "Die Nacht von Lissabon". Letztlich würde ich mich aber wohl für den Wolf entscheiden.


    LG und einen schönen Sonntag wünscht

    Nemorino :hello:

    Ich habe "Wolf unter Wölfen" drei Mal gelesen und mir jetzt die Verfilmung besorgt.

    Lieber Dr. Pingel,


    ein großartiger, hervorragend besetzter DEFA-Film, der 1964/65 gedreht und im DDR-Fernsehen gezeigt wurde. Wenige Jahre später lief der Vierteiler auch im Westdeutschen TV, ich habe alle vier Folgen mit atemloser Spannung angesehen:

    Quellbild anzeigen


    Das ist die DVD-Ausgabe.

    Besetzt ist der Film mit der damals ersten Schauspielergarde der DDR: Armin Müller-Stahl (Pagel), Wolfgang Langhoff (v.Prackwitz), Annekathrin Bürger (Petra Ledig), Herbert Köfer (v. Studmann), Ekkehard Schall (Diener Hubert Räder) u.a. Regie führte Hans-Joachim Kasprzik.


    Natürlich ist der Film längst nicht so ausführlich wie Falladas Buch, das ca. 1000 Seiten umfaßt, aber die Handlung lehnt sich sehr eng an den Roman an. Als es die DVD endlich zu kaufen gab, habe ich ein Wiedersehen mit dem Film gefeiert. Buch und Film sind gleichermaßen ganz große Klasse.


    LG Nemorino

    Man hat Angst vor dem, was noch kommt.

    Lieber La Roche,


    ich kann Dir jetzt schon sagen, was kommt: Business as usual! Da werden ein paar Leute entlassen, einige in der vorzeitigen Ruhestand versetzt (mit vollen Bezügen natürlich) und dann heißt es wie seinerzeit bei Helmut Kohl: Die Karawane zieht weiter ....


    Ich glaube nicht an eine echte Reform des ÖRR. Lasse mich aber gerne eines besseren belehren.


    LG Nemorino

    die Sportschau auf dem ÖRR ARD kommt gleich. Wenigstens da dürften die Ergebnisse zwar nicht immer wunschgemäß sein, aber stimmen werden sie ja noch.

    Sei Dir da nicht zu sicher, lieber La Roche.


    Es ist zwar lange her, aber da gab es Anfang der 1970er Jahre mal einen Riesenskandal, der wochenlang die Schlagzeilen beherrschte. Es ging um gefälschte Tore und gekaufte Spieler und Funktionäre. Man versichert zwar immer wieder, daß so etwas heutzutage nicht mehr möglich sei, doch in diesem unserem Lande sind auch da berechtigte Zweifel angebracht:


    Insgesamt waren zehn der 18 Bundesliga-Vereine in den Skandal verwickelt. Dutzende Spieler und zudem Funktionäre und Trainer wurden vom Deutschen Fußball-Bund und dessen Chefermittler Hans Kindermann angeklagt. Elf Spieler erhielten lebenslange Sperren, die jedoch später abgemildert wurden.


    LG Nemorino


    diesem maßlos teuren (und hässlichen!) neuen ZDF-Nachrichtenstudio

    Auch dazu ein Wort: Teuer und häßlich gilt durch die Bank für sämtliche Nachrichtenstudios der ÖRR. Von den privaten gar nicht zu reden.

    Wie gesagt, ich schaue mir seit Jahren keine Nachrichtensendungen im TV an, aber hin und wieder gerät man beim Um- oder Einschalten in eine solche Sendung. Von dem abstoßenden Design einmal abgesehen, sind diese Sendungen schon allein durch das Auftreten der Sprecher und Redakteure ein Graus. Dieses ständige Herumlaufen im Studio erinnert mich an Unterhaltungssendungen und nimmt (für mich) dem Gesprochenen noch den letzten Rest von Seriosität. Mich interessieren nicht die neuen Stöckelschuhe von Frau Slomka oder die Beine von Frau Miosga, sondern ich möchte ganz einfach informiert werden. Aber der Inhalt der Nachrichtensendungen entspricht in aller Regel der Verpackung: oberflächlich, und statt Information Desinformation. Das brauche ich nicht, klicke stattdessen im Internet Schlagzeilen an, die mein Interesse wecken und lese dann, soweit es für mich relevant ist.

    Mein Verhältnis zum ÖRR war bereits durch die Art und Weise der Flüchtlingsberichterstattung während des Gesamtjahres 2015 angeschlagen und der Umgang mit dem Kölner Silvester-Massenübergriff hat den Knacks erheblich vertieft.

    Mir hat es endgültig den Rest gegeben, denn

    Die Vorgänge beim NDR lassen die Rufe "Lügenpresse" der rechten Demonstranten plötzlich gar nicht so skandalös erscheinen.

    .... was gleichermaßen für die gesamte ARD und das ZDF gilt.

    Dasselbe gilt für das Gender-Gaga, das auch der ÖRR heftig propagandiert

    Wenn "gegendert" wird, denke ich stets an den Ausspruch von Max Liebermann, als 1933 nach Hitlers Ernennung die Nazis durch das Brandenburger Tor zogen: Ich kann gar nicht so viel fressen, wie ich kotzen möchte.


    LG Nemorino

    absurde Vergleiche der Ereignisse der Kölner Silvesternacht mit angeblicher massenhafter sexueller Belästigung von Frauen auf dem Oktoberfest in München

    Man muß sich in Erinnerung rufen, daß die "Ereignisse der Kölner Silvesternacht" (2015/16) volle drei Tage von ARD und ZDF totgeschwiegen wurden, bis der öffentliche Druck zu groß wurde! Man stelle sich einmal vor, es wären statt "refugies" damals rechtsradikale Krawallmacher gewesen, die sich auf der Domplatte in dieser Form ausgetobt hätten! Die Sondermeldungen im TV hätten sich überschlagen, der ARD-Brennpunkt wäre zum Brenn-Ausrufungszeichen mutiert, Forderungen nach Ausrufung des nationalen Notstands und der Einsatz von parlamentarischen Untersuchungsausschüssen wären lauthals erhoben worden. Nicht auszuschließen, daß einige Übereifrige sogar an den NATO-Bündnisfall gedacht hätten, weil ja nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa von rechtem, neonazistischen Mob bedroht und sämtliche "westlichen Werte" sich in akuter Gefahr befunden hätten.

    zum islamistischen Terror wie Bataclan oder Breitscheidplatz, zur Fridays for Future-Welle und ihrer Heiligen Greta, zur Corona-Politik und natürlich immer weiter zur Energiewende ... andere Sichtweisen als die des linken und grünen Milieus kommen zu selten zur Sprache

    man kann sagen, so gut wie gar nicht, oder sie werden ganz schnell unter den Teppich gekehrt, wie auch die unerhörten Vorgänge auf der Kölner Domplatte, von denen schon lange kein Ton mehr zu hören ist. Was nicht sein darf, das ist auch nicht.

    abstoßend bis zum Bedürfnis, den Fernseher aus dem Fenster zu werfen!!!!

    Aus dem Fenster geschmissen habe ich ihn noch nicht, aber ich schaue mir seit Jahren nur noch Natursendungen u.ä. an. Wenigstens die sind noch frei von links-grün gestrickter Propaganda.

    Die Privaten kann ich mir gar nicht antun, die sind tatsächlich noch schrecklicher als der ÖR.

    ..... was nicht viel besagen will!


    LG Nemorino