Beiträge von nemorino

    Hallo Wolfgang,

    Die Graffman / Munch - Aufnahme (RCA, 1958) würde mich ja auch sehr interessieren, zumal ich mit Graffman nur allerbeste Erfahrungen gemacht habe.

    Die habe ich mir vor ein paar Jahren (nachdem ich die entsprechende LP auslagern mußte) in dieser Box, damals für knapp 15 €, angeschafft:

    Charles Munch conducts Romantic Masterworks

    Die ist allerdings inzwischen nur teuer zu erwerben, unter rd. 50 € geht da gar nichts.

    Die Aufnahme mit Gilels / Reiner, die nemorino noch vor dieser vorzieht, habe ich noch nicht. Diese steht aber auf meiner EK-Liste, wenn sie mal preiswert auftaucht.

    Wenn Du mit "gebraucht, gut" zufrieden bist, gibt es diese beim Urwaldfluß zur Zeit für schlappe € 3,50 + Versandspesen:

    Conciertos Piano N.2

    Im direkten Vergleich mit Gilels/Jochum ist hier viel mehr "Wumm" drin, während die DGG-Version (wie aus der FF-Rezension hervorgeht) vor allem auf klangliche Schönheit und Durchformung bedacht ist.


    Schönen Abend nach Bonn und

    LG, Nemorino

    Lieber Holger,


    bei der Fülle von zitierten Aufnahmen ist es kein Wunder, wenn man etwas übersieht!


    Auch das zweite Konzert, um das wenigstens anzumerken, ist in der Kombination Arrau/Giulini geradezu phänomenal gespielt, leidet aber, wie auch Nr. 1, wieder unter der doch recht unterbelichteten Klangtechnik. Schade.


    Die SWF-Rundfunkaufnahmen Arraus kenne ich nicht. Sicher sind sie hörenswert, aber wann soll man das alles bewerkstelligen?^^


    LG nach Münster,

    Nemorino

    Lieber Wolfgang,

    Wie schon eingangs gesagt, komme ich später auf Gilels/Jochum (DGG, 1972) zurück, da gibt es eine hochinteressante Rezension des damaligen deutschen Doyen der Klavier-Kritiker, Ingo Harden, die ich Dir gerne auszugsweise zur Kenntnis bringen möchte.

    vorausschicken möchte ich, daß ich Dich mit der alten Kritik von Ingo Harden keineswegs "bekehren" möchte, sondern lediglich eine andere Sichtweise auf diese umstrittenen Aufnahmen zur Kenntnis bringen will. Im übrigen habe ich die sehr ausführliche Rezension auf die wesentlichen Aussagen verkürzt.


    ".... durch ausgiebiges Vergleichshören glaube ich sagen zu können, daß die Aufnahmen in zweierlei Hinsicht alle ihre Vorgänger übertreffen. Einmal klangtechnisch, in der offenkundig größeren Breite des Klangbilds und der deutlichen Tiefenstaffelung (....) Zum zweiten halte ich sie orchestral und im Miteinander-Musizieren .... überlegen. Das ist ein großes Wort angesichts der Konkurrenz von Wien bis Cleveland und will begründet sein .... Überlegen wirkt dieses Musizieren auf mich durch das fabelhafte Aufeinanderhören, das Übernehmen von Phrasen durch die Instrumentengruppen, das die Musik jenseits von Präzision und Dirigentenwillen atmen macht, lebendig klingen läßt und Jochum, Gilels und dem Orchester zu gleichen Teilen gutzuschreiben ist. Es findet ein herzerwärmendes philharmonisches 'Concerto grosso' statt, das die einkomponierten Verbindungen der Musik offenlegt wie nur ganz selten, gerade weil das Musizieren locker und unforciert bleibt ....

    Damit ist schon Stilistisches angesprochen, das beiden Aufnahmen gemeinsam ist, aber zu deutlich unterschiedlichen Ergebnissen geführt hat. Das Op. 15 wird für gewöhnlich als Beethoven-nahes Sturm-und Drang-Stück gesehen und dargestellt - Fleisher/Szell ist vielleicht das eindrucksvollste Dokument dieser Auffassung. Gilels und Jochum stellen dem eine Konzeption entgegen, die Brahms als Jünger Schumanns sieht. Der große Anfang wird zwar dynamisch voll ausgespielt, aber das Tempo ist breit, die folgenden lyrischen Themen werden verinnerlicht, versunken dargestellt und bestimmen damit den Gesamtcharakter stärker als üblich, das Klavier fügt sich in den musikalischen Ablauf ein, ohne 'wettstreiten' zu wollen. Wichtiger als das konzertierende Gegeneinander ist das subtile Aushorchen der Stimmungen, die organische Entfaltung des Geschehens, das volle Ausspielen aller Farben und dynamischen Werte (....) Gilels spielt die Dynamik ungemein breit aus, nimmt das Piano beinahe kammermusikalisch intim und die Höhepunkte mit voller Wucht, so schlank, geschmeidig und 'singend' sein Spiel sonst auch immer ist. Und da dies aus rein musikalischen Wurzeln erwächst, gewinnt das Musizieren eine verinnerlichte Expressivität und ungewohnte Hintergründigkeit. Brahms als deutscher Romantiker! Ich muß gestehen, daß dieser erste Satz mir tiefen Eindruck gemacht hat: ein großer interpretatorischer Wurf. Die beiden folgenden Sätze führen das Konzept folgerichtig weiter. Im Adagio sind wiederum das flexible Aufeinandereingehen und die sensible, ganz unpathetische Nachzeichnung der Stimmungen zu bewundern, das Rondo bleibt als Pendant zum Kopfsatz allerdings in Tempo und Ausdruck recht verhalten. Ob dies dem unwirschen d-moll des Hauptthemas voll gerecht wird, wage ich anzuzweifeln, und so würde ich hier den deutlich grantigeren Serkin vorziehen. Doch die Anlage des Satzes ist konsequent aus der Gesamtkonzeption entwickelt, es wird wieder wundervoll musiziert.

    Das B-dur-Konzert hatte Gilels schon früher mit Reiner aufgenommen: eine imponierende, 'konzertante' Einspielung. Die neue Darstellung mit Jochum ist, wie sich an vielen Details belegen läßt, viel ausgereifter. Auch hier ist, vom romantischen Hornruf des Beginns an, der nie schöner kam, bis zum Schluß sehr subtil die Partitur ausgehorcht und ihr Inhalt in Sonderqualität verwirklicht worden. Dabei herrscht auch hier der Ton ruhiger Gelassenheit vor - am deutlichsten wohl erkennbar im Scherzo, das Gilels jetzt viel breiter spielt als früher (.....)

    Insgesamt eine hocherfreuliche und wichtige Kassette, die nur einen Wunsch offenläßt: Daß es noch mehr Einspielungen in dieser Besetzung geben möge!" (entnommen FonoForum 11/1972).


    LG Nemorino



    Lieber Holger,

    Was mich nur sehr wundert, ist, dass ein absoluter Klassiker, nämlich die Aufnahmen mit Claudio Arrau (mit Guilini als auch mit Haitink) hier nicht genannt werden.

    Diese Feststellung trifft nicht ganz zu, lieber Holger, ich habe Arrau/Giulini bereits in meinem Beitrag 28 lobend erwähnt:

    Deshalb kann ich beide nicht in meine Favoritenliste aufnehmen, die ohnehin mal wieder mit Bauchschmerzen zustande gekommen ist, weil viele großartige Interpretationen unberücksichtigt bleiben mußten, wie z.B. Curzon/Szell (Decca), Fleisher/Szell (CBS) und Arrau/Giulini (EMI).

    Doch die Beschränkung auf 3 Aufnahmen ließ eine wirkliche Nominierung nicht zu, was aber nicht zuletzt an der IMO recht bescheidenen Klangqualität der Aufnahmen von 1960/61 liegt. Ich habe sie in dieser Fassung in meinem Bestand:

    Brahms: Klavierkonzerte Nr“ (Brahms Johannes ) – Tonträger gebraucht kaufen  – A02iam3E21ZZI

    Ich bin wahrlich kein Klangfetischist, aber ich denke, daß man zu dieser Zeit technisch zu besseren Aufnahmen in der Lage war. Alles klingt ein bißchen dumpf und wenig transparent. Von Arraus späteren Brahms-Aufnahmen für PHILIPS aus 1969 kenne ich nur die Nr. 1, die klanglich hervorragend ist, aber hier ist es der Dirigent, der mir im Vergleich zu Giulini doch ziemlich routiniert erscheint.


    LG Nemorino :hello:

    Wenn ich es recht in Erinnerung habe, so war Fritz Ollendorff für EMI/Columbia und dessen Produzenten Walter Legge seinerzeit eine Verlegenheitslösung, weil der eigentlich als Dr. Bartolo vorgesehene italienische Baß-Buffo Melchiorre Luise wegen Krankheit bzw. anderweitiger Verpflichtungen nicht zur Verfügung stand.


    Es muß aber gesagt werden, daß Ollendorff seine Sache wirklich gut macht, wie auch in der späteren deutschen Aufnahme des BARBIER aus Berlin.


    LG Nemorino

    Lieber Wolfgang,


    mein Eindruck ist leider, daß die Beteiligung an diesem Thread bisher nur recht spärlich ist. Vor allem die Teilnehmer sind fast an einer Hand abzuzählen:(. Aber was nicht ist, kann ja noch werden ....


    Doch zunächst möchte ich Dir für Deine Ausführungen zum

    Klavierkonzert Nr. 1 d-moll, Op. 15

    danken. Auf Gilels/Jochum komme ich später, aber da Du Dich zu lebhaften Tempi, vor allem im Kopfsatz, bekennst:


    Wenn bereits der 1.Satz 21 Minuten weit übersteigt, so komme ich mit diesen Aufnahmen nicht mehr zurecht.

    möchte ich Dir eine IMO sehr gute, hierzulande aber wenig bekannt gewordene Interpretation empfehlen:

    Johannes Brahms - Concerto No. 1, In D Minor, Op. 15

    Gary Graffman (Klavier) und das Boston Symphony Orchestra, Dirigent: Charles Münch (Aufnahme: 4/1958, Boston).

    Ich habe bewußt das Original-Cover abgebildet, die zeigt, daß es sich um eine Stereo-Produktion handelt.

    Das Tempo im 1. Satz dürfte Dir gelegen sein: 19.40 min. Die übrigen Sätze: 2. 13.04 / 3. 11.14 min.

    Es ist eine jugendlich feurige Version, nicht zuletzt durch Charles Münch befeuert, wie mir scheint. Der war ja für seine flotten Tempi bekannt (z.B. Beethoven 9, Violinkonzert mit Jascha Heifetz).

    Rubinstein / Reiner - Aufnahme (RCA)

    Es ist kaum zu glauben, aber die entstand bereits im April 1954! Es war m.W. die erste Stereo-Produktion eines klassischen Werks von RCA. Aus mir nicht bekannten Gründen wurde sie, zumindest bei uns, nun in Monofassung angeboten; noch im Katalog von 1962 wird sie nur in Mono mit der Best.Nr. LM 1813 geführt. Für mich ist es die klassische Aufnahme dieses Konzertes.

    Die mit Curzon / Szell soll auch ganz grossartig sein, obwohl der 1. Satz 23 Min dauert

    Das stimmt nicht ganz, lieber Wolfgang, die CD liegt hier vor mir und weist folgende Zeiten aus: 1. Satz: 22.12 / 2. 16.01 / 3. 12.00 min.

    Für mich eine ganz wunderbare Interpretation, nicht zuletzt durch Szells überlegenes Dirigat.

    Fleisher / Szell

    Das sind natürlich Super-Aufnahmen der beiden Brahms-Konzerte, und ich hätte sie ebenfalls gerne genannt, doch die Begrenzung auf drei hat mich andere Versionen nennen lassen, weil ich mir von vorneherein sicher war, daß sie hier ins Spiel gebracht würden. Was Serkin/Szell angeht, so habe ich die beim Konzert Nr. 1 zu meinen Favoriten gezählt.


    Zum Schluß noch ein Wort zu Mauricio Pollini:

    das KK 2 mit Abbado / WPH

    finde auch ich außerordentlich gut, ich denke, wir reden über diese Aufnahme:

    Klavierkonzert 2 - Pollini, Abbado, Wp, Brahms, Johannes: Amazon.de: Musik

    Die späteren mit den Berliner Philharmonikern kenne ich gar nicht, deshalb kann ich dazu nichts sagen.


    Wie schon eingangs gesagt, komme ich später auf Gilels/Jochum (DGG, 1972) zurück, da gibt es eine hochinteressante Rezension des damaligen deutschen Doyen der Klavier-Kritiker, Ingo Harden, die ich Dir gerne auszugsweise zur Kenntnis bringen möchte. Das würde aber jetzt zu weit führen. Nur soviel:

    Glaube aber, dass Jochum mir einfach zu klangschön ist

    Daran gibt es keinen Zweifel, aber genau das macht für mich den Wert dieser Aufnahmen aus, vor allem als echte Alternative zu den weiter oben von mir genannten Favoriten.


    LG Nemorino

    Klavierkonzert Nr. 2 B-Dur, Op. 83


    Auch hier ist es eine Sisyphos-Aufgabe, aus der Überfülle von Aufnahmen kärgliche drei Favoriten auszusuchen. Das muß zwangsläufig zu Ungerechtigkeiten führen.


    Vielen Dank, lieber Novalis, für Deine Nominierungen. Ich kenne allerdings davon nur eine: Richter/Leinsdorf (RCA, Aufnahme: Chicago, 17.10.1960). Die ist natürlich grandios und hat weltweit Furore gemacht. Doch ich persönlich ziehe diese seines Landsmannes einen kleinen Tick vor und räume ihr Platz 1 ein:

    Brahms / Chicago Symphony Orchestra, Reiner, Gilels – Brahms Concerto No. 2  In B-Flat, Op. 83 (1958, Vinyl) - Discogs

    Emil Gilels (Klavier) mit dem Chicago Symphony Orchestra, Dirigent: Fritz Reiner (Aufnahme: Chicago, 1958).

    Das hat nicht zuletzt etwas mit dem Dirigenten zu tun, der mir nicht nur der "idealere Begleiter", sondern auch der sensiblere Kenner der Partitur zu sein scheint.


    Auf den Plätzen 2 und 3 sind diese beiden Aufnahmen gelandet:

    Johannes Brahms, Geza Anda · Ferenc Fricsay, Berliner Philharmoniker –  Klavierkonzert Nr.2 B-dur (1963, Vinyl) - Discogs

    Géza Anda (Klavier) und die Berliner Philharmoniker, Dirigent: Ferenc Fricsay (Aufnahme: 5/1960, Jesus-Christus-Kirche, Berlin).

    Die beiden Ungarn harmonieren prächtig, was sie bereits hinreichend bei den Bartok-Konzerten bewiesen haben. Für mich hat sie nicht nur hohen musikalischen, sondern auch nostalgischen Wert: Mit dieser Aufnahme habe ich das zweite Brahms-Konzert erstmals kennengelernt.

    Anda hat später (1967) eine weitere Aufnahme mit Karajan (DGG) vorgelegt, die nicht so einheitlich gelungen ist.


    Johannes Brahms, Hans Richter-Haaser, Berliner Philharmoniker, Herbert von  Karajan - Brahms: 2. Klavierkonzert B-Dur Op. 83 - Columbia - C 91 052,  Columbia - 33 WCX 1680: Johannes Brahms , Hans Richter-Haaser ,Karajan-Edition (Brahms) - Richter-Haaser, Karajan, Bp, Brahms, Johannes:  Amazon.de: Musik

    Hans Richter-Haaser (Klavier) und die Berliner Philharmoniker, Dirigent: Herbert von Karajan (Aufnahme: 11/1958, Grunewaldkirche, Berlin).

    Hier harmonieren Pianist und Dirigent großartig, für mich ist das eine der schönsten Aufnahmen des Konzerts überhaupt und eine Erinnerung an einen leider viel zu wenig beachteten großen deutschen Klavierspieler in der Nachfolge von Gieseking, Backhaus und Kempff. Richter-Haaser hat nur recht wenige Aufnahmen hinterlassen, er wirkte in späteren Jahren vor allem als Klavierpädagoge an der Musikhochschule in Detmold. Er starb, 69jährig, während einer Probe zu obigem Konzert 1980 in Braunschweig.


    LG Nemorino

    Die Empfehlung ist alt, aus dem Jahr 2012:

    doch sie ist mir erst vor wenigen Tagen ins Auge gefallen, und so habe ich mir diese CD angeschafft:

    Modest Mussorgsky: Bilder einer Ausstellung (Orchesterfassung) (CD) – jpc


    Eine Hammeraufnahme! Vor allem, was die "Nacht auf dem Kahlen Berge" betrifft. Die Klangtechnik läßt kaum glauben, daß es sich um Aufnahmen aus dem Jahr 1962 handelt! Ich denke, die CD dürfte etwas für Wolfgang (teleton) sein, aber vielleicht kennt er sie ja. Schon die ersten Paukenschläge lassen aufhorchen.


    LG Nemorino

    Eins meiner absoluten Lieblingskonzerte ist das 1. Klavierkonzert von Brahms. Ich kenne so etwa +- 150 Interpretationen.

    Hallo, Harry Baumann,


    .... da kann man ja schon fast von Besessenheit sprechen:)! Doch zunächst ein herzliches Willkommen hier bei TAMINO! Ich hoffe, daß Du zu Brahms noch einiges mehr zu sagen hast.


    Wenn Du ca. 150 Aufnahmen des 1. Klavierkonzerts kennst, so dürfte Dir wohl auch diese bekannt sein:


    Brahms, Schubert, William Steinberg, Pittsburgh Symphony Orchestra, Rudolf  Firkusny - Brahms: Piano Concerto No. 1 / Schubert: Symphony No. 8 -  Amazon.com Music

    Rudolf Firkusny (Klavier) und das Pittsburgh Symphony Orchestra, Dirigent: William Steinberg (Aufnahme: 1954, Mono).

    In einer alten Rezension heißt es dazu: ".... bei Firkusny und Steinberg herrschen Wucht und Dramatik vor; beim Schluß des ersten Satzes mit den unbarmherzigen Oktavgängen des Klaviers stockt einem der Atem ...."

    Leider fehlt sie in meiner CD-Sammlung, aber auf LP war sie vorhanden. Da ich sie eine Ewigkeit nicht gehört habe, ist die Erinnerung inzwischen verblaßt. Doch nach Deinen Ausführungen dürften wohl

    Bruno Leonardo Gelber und die Münchener Philharmoniker unter Franz Paul Decker.

    mit dieser etliche Ähnlichkeiten aufweisen. Aber auch diese Aufnahme glänzt bei mir durch Abwesenheit. Deshalb kann ich beide nicht in meine Favoritenliste aufnehmen, die ohnehin mal wieder mit Bauchschmerzen zustande gekommen ist, weil viele großartige Interpretationen unberücksichtigt bleiben mußten, wie z.B. Curzon/Szell (Decca), Fleisher/Szell (CBS) und Arrau/Giulini (EMI).

    So nominiere ich für Platz 1 diese, von mir seit Jugendtagen hochgeschätzte Aufnahme:

    Brahms*, Artur Rubinstein*, Fritz Reiner, Chicago Symphony Orchestra* -  Concerto No. 1 (1994, Vinyl) | Discogs

    Artur Rubinstein (Klavier) und das Chicago Symphony Orchestra, Dirigent: Fritz Reiner (Aufnahme: 4/1954).

    Es handelt sich, wenn man RCA glauben will, um die allererste kommerzielle klassische STEREO-Aufnahme überhaupt! Und sie ist überraschend gut gelungen. Künstlerisch überragend, kann sie sich auch klangtechnisch, trotz ihres "Methusalem"-Alters, noch gut hören lassen. Für mich ist das eine "Desert Island"-Aufnahme!


    Nun noch meine beiden anderen Kandidaten:

    Brahms - Piano Concerto 1 etc by Serkin - Serkin, Szell, Ormandy:  Amazon.de: Musik  EMIL/JOCHUM/BP GILELS - Klavierkonzert 1 (Vinyl) Vinyl Lp Neu Brahms,Johannes  - EUR 27,49 | PicClick AT


    Während ich Serkin/Szell in die Nähe von Rubinstein/Reiner rücken würde, schätze ich an der DGG-Aufnahme mit Emil Gilels und Eugen Jochum von 1971 einmal das großartige Zusammenspiel sowie die phänomenale "Begleitung" durch die Berliner Philharmoniker, zum anderen die außergewöhnliche Klangschönheit und kantable Ausformung der Partitur. Eigentlich überflüssig zu sagen, daß Gilels natürlich in Bestform ist.


    Wenn es demnächst um das zweite Klavierkonzert geht, komme ich auf

    Fritz Reiner und Emil Gilels

    zurück (eine meiner Lieblingsaufnahmen!).


    LG Nemorino

    Wieso gerade in einer biedermeierlichen deutschen Spieloper das italienische Element unabdingbar sein soll für ein überzeugendes Rollenportrait, bleibt die Frage.

    Lieber Joseph II.,


    die Frage habe ich mir auch gestellt, und sie ist ohne Antwort geblieben?(!


    Meine Einwände zu Ollendorff, die rein stimmlicher Natur sind, habe ich weiter oben erläutert, doch so schlecht wie er von lustein beschrieben wird, ist er nun wirklich nicht. Wie schon gesagt, darstellerisch bleibt er dem Baculus nichts schuldig, aber gesanglich sind nun mal IMO einige Defizite vorhanden.


    LG Nemorino

    Pittsburgh Symphony Orchestra unter William Steinberg [1954]
    - Philharmonia Orchestra / Anatole Fistoulari [1960]

    Lieber Novalis,


    .... diese beiden Aufnahmen mit Nathan Milstein stehen auch in meinem Regal. Ich hatte sie ebenfalls in die engere Wahl gezogen, konnte mich aber zwischen den Einspielungen mit Steinberg (Capitol, 1954, Mono) und Fistoulari (EMI, 1960, Stereo) nicht entscheiden. Künstlerisch schätze ich die ältere Aufnahme höher ein, klangtechnisch natürlich die von 1960. Letztlich fiel dann - nach der Qual der Wahl - das Los auf Isaac Stern (um diesen Meistergeiger ist es leider inzwischen recht still geworden).


    LG Nemorino

    Ein Dirigent mit einer außergewöhnlichen musikalischen Begabung, der sehr hohe Ansprüche an sich und die Musiker legte.

    Daran gibt es keinen Zweifel, lieber Novalis. Ich selber besitze fast alle kommerziellen Aufnahmen des Dirigenten, und es gibt IMO keine darunter, die nicht hervorragend ist. Mich stört nur hin und wieder die Exklusivität, die Carlos Kleiber zugebilligt wird, als ob es davor und danach nichts Gleichwertiges gegeben hätte. Das fordert dann meinen Widerspruch heraus.


    Natürlich habe ich auch die legendären DGG-Aufnahmen von Beethoven 5 & 7, die ganz sicher in die erste Reihe gehören, aber trotzdem ziehe ich für die Fünfte Karajans Aufnahme von 1962 vor, und was die Nr. 7 betrifft, so halte ich Konwitschny und die Wiener Karajan-Version von 1959 durchaus für ebenbürtig.


    LG Nemorino

    Lieber Rüdiger,

    dass Ollendorff ein ein vorzügliches Porträt eines biedermeierlichen Schulmeisters abgeliefert hat, so geschah dies nicht, weil jemand anderes dies infrage gestellt hatte, es geschah aus meiner ganz eigenen bescheidenen Hörerfahrung.

    .... in dieser Beurteilung stimmen wir völlig überein. Ich selber habe auch die Electrola-GA unter Robert Heger, es ist insgesamt eine schöne, vor allem unverzichtbare Aufnahme, weil so etwas heutzutage in solch vorzüglicher Besetzung wohl kaum noch auf die Beine zu stellen wäre. Und Ollendorff war sicher eine adäquate Besetzung für den Baculus, auch wenn ich persönlich andere Sänger in dieser Rolle bevorzugt hätte. Letztendlich ist das ja auch Geschmacksache, und da ist es gut, daß die Meinungen verschieden sind, damit keine Langeweile aufkommt.


    LG Nemorino

    In meiner CD-Sammlung ist Aafje Heynis nicht vertreten, aber folgende LP befindet sich in meiner (leider aus Platzgründen ausgelagerten) LP-Diskothek:

    Schubert / Aafje Heynis, Bernard Haitink, Das Concertgebouw Orchester  Amsterdam, Niederländischer Rundfunk-Chor – Rosamunde (Vinyl) - Discogs

    Als ich den Namen soeben las, fiel mir das spontan wieder ein. Sie singt da die Romanze "Der Vollmond strahlt auf Bergeshöhen". Eine schöne Altstimme.


    LG Nemorino

    Lieber Joseph II.,


    auch wenn ich im einen oder anderen Fall anderer Meinung bin, würde es mir niemals einfallen, irgendeinen Deiner Beiträge als

    sinnfrei

    zu bezeichnen. Das bin ich eigentlich von anderen Leuten hier gewöhnt. Meinen (rein stimmlichen) Vergleich einer Gleichsetzung von Peter Schreier mit

    Max Lorenz, Ludwig Suthaus und Jon Vickers

    entgegenzuhalten, will ich nicht sinnfrei nennen, aber unsachlich ist sicher nicht daneben gegriffen.


    LG Nemorino

    dass Ollendorff ein ganz vorzügliches Porträt dieses biedermeierlichen Schulmeisters abliefert

    Kein Mensch hat das in Frage gestellt. Aber es darf doch wohl erlaubt sein zu sagen, daß seine stimmlichen Mittel (im Vergleich mit den anderen genannten Künstlern) eher bescheiden sind.

    Wenn aber diese Arie Teil eines Ganzen ist, dann wünsche ich sie mir nicht ganz so ausgestellt wie von diesen beiden, nicht wie ein Paradestück.

    Da bin ich ganz anderer Auffassung, lieber Rüdiger. Diese Arie ist, wenn ich mal von der Billardszene absehe, das Paradestück im "Wildschütz"! Und da ist es durchaus legitim, wenn man sich neben den unbestreitbaren komödiantischen Fähigkeiten Fritz Ollendorffs einen Baß herbeiwünscht, der auch stimmlich dieser Partie in allen Lagen gewachsen ist, wie z.B. Gottlob Frick oder Kurt Böhme, die zur Zeit der Aufnahme (1964) beide noch im Zenit ihrer Möglichkeiten standen.


    LG Nemorino

    Die 4. Symphonie von Johannes Brahms unter seinem Dirigat am Pult der Wiener Philharmoniker ist Perfektionismus in Reinform.

    Hallo, Novalis,


    zweifellos hat Carlos Kleiber eine glänzende Aufnahme von Brahms' Vierter vorgelegt, aber halten zu Gnaden, ich persönlich kann mit der Überhöhung dieses Dirigenten ins quasi Mythische wenig anfangen. So nenne ich jetzt drei Aufnahmen dieser Sinfonie, die zumindest, jede auf ihre Weise, der von Carlos Kleiber zumindest ebenbürtig sind und nominiere sie gleichzeitig als meine Favoriten:

    Sinfonie 4 - Pittsburgh Symphony Orchestra, Steinberg, William, Brahms,  Johannes: Amazon.de: MusikRudolf Kempe, The Royal Philharmonic Orchestra, Johannes Brahms – Symphony  No. 4 In E Minor (1962, Vinyl) - DiscogsJohannes Brahms, George Szell, The Cleveland Orchestra – Sinfonien Nr.3+4,  Haydn Variationen/Akademische Fest-Ouvertüre (1973, Vinyl) - Discogs

    Sie mögen zwar klangtechnisch hinter Kleibers Digital-Aufnahme zurückbleiben, aber als dirigentische Leistung stehen sie dieser in keiner Weise nach.


    Ich nenne an dieser Stelle noch Klemperer (EMI) und Solti (Decca), die gleichfalls herausragende Versionen vorgelegt haben. Doch die Beschränkung auf drei Aufnahmen sollte damit nicht unterlaufen werden.


    LG Nemorino

    Dieser Tage war im Thread "Fritz Ollendorff" die Rede von der Baculus-Arie "Fünftausend Taler", die Ollendorff in der Electrola-GA von 1965 unter Robert Heger gesungen hat. Sicher ist seine Interpretation komödiantisch in keiner Weise zu beanstanden, und trotzdem bleibt (für mich) ein unüberhörbares Defizit, weil Ollendorff rein gesanglich weit hinter anderen Interpreten dieser Rolle zurückbleibt.

    Deshalb erlaube ich mir, hier auf den Eintrag #126 von Joseph II. hinzuweisen, der die Arie mit Kurt Moll als beispielhaft eingestellt hat:

    Für mich die beste kommerziell erhältliche Aufnahme dieser Arie.

    Dem kann ich mich nur anschließen, mit der kleinen Einschränkung, daß zumindest die alte Version von Alexander Kipnis (1931) derjenigen Molls ebenbürtig ist, wie man hier nachprüfen kann:

    Alexander Kipnis (1891-1978): Opera and Lieder | Alexander Street, a  ProQuest Company

    Beide zeigen bespielhaft, daß komödiantisches Talent sängerische Vollkommenheit nicht ausschließen muß. Hingegen war Fritz Ollendorff IMO ein glänzender Komödiant, aber nur ein mittelmäßiger Sänger. Das wollte ich mit meinem "Vergleich" zu Frick, Hann, Greindl und Moll aufzeigen, nicht mehr und nicht weniger. Daß diese Sänger ihre Schwerpunkte in einem ganz anderen Repertoire hatten, steht außer Frage.


    LG Nemorino

    Nun wird es Zeit, meine Ankündigung vom Sonntag wahrzumachen und meine beiden weiteren Favoriten für das

    Violinkonzert D-dur, Op. 77

    zu benennen. Platz 1 habe ich ja bereits vergeben:

    Szerying / LSO / Monteux (RCA, 1958) an. Bereits auf LP hatte ich diese glänzende Int schon auf der RCA-VICS-LP ( ;) alte LP-Hasen kennen die VICS-Serie noch).

    Diese Aufnahme befand sich in meiner Sammlung in der Originalfassung:

    Front Cover

    Leider ist sie mit diesem schönen Original-Cover auf CD nur in einer sehr teuren japanischen Ausgabe von JVC erschienen. Deshalb habe ich sie mir aus der Papillon-Serie zugelegt. Die VIC/VICS-Serie ist mir natürlich noch in guter Erinnerung, lieber Wolfgang.


    Aber nun zurück zum Brahms-Konzert. Wie bereits angedeutet, gibt es auch davon eine stattliche Anzahl von hervorragenden Aufnahmen, so daß es schwerfällt sich festzulegen. Ich nenne nun für Platz 2 und 3 folgende Versionen:

    OISTRAKH & KLEMPERER Emi 037 00534 BRAHMS LP NM - khrisrecordsCon Vn [d]/Sinf Concertante [E - Brahms, Mozart: Amazon.de: Musik

    David Oistrach (Violine) und das Orchestre National de R.D.F., Dirigent: Otto Klemperer (Aufnahme: 6/1960, Salle Wagram, Paris).

    Links meine LP, rechts die spätere CD-Ausgabe.


    Im Gegensatz zu Dir, lieber Wolfgang, ziehe ich diese Version der später erschienenen mit Oistrach/Szell (EMI) vor. Bei aller Wertschätzung für George Szell: Mir scheinen Oistrach und "Kl'empereur" deutlich besser zu harmonieren. Für mich ist diese Aufnahme von 1961 eine wohlgelungene Alternative zu Szeryng/Monteux, die mehr in die klassizistische Richtung weist, während die EMI-Einspielung bei spürbar gemäßigterem Tempo mehr die melodischen Schönheiten des Werks herausstellt.


    Und jetzt meine Nr. 3:


    Isaac STERN: BEETHOVEN BRAHMS Double Triple Concerto 2CD Leonard Rose  Barenboim | eBay

    Isaac Stern (Violine), Philadelphia Orchestra, Dirigent: Eugene Ormandy (Aufnahme: 1959, Philadelphia).

    Lange habe ich zwischen Jascha Heifetz und Isaac Stern geschwankt, mich dann letztendlich doch für Stern entschieden, der geigerisch ähnlich souverän ist wie sein berühmterer Kollege, aber dann doch nicht ganz so atemberaubende Tempi einschlägt. Mein persönlicher Eindruck ist, daß Heifetz in Falle Brahms (ganz im Gegensatz zu seiner faszinierenden Aufnahme des Beethoven-Konzerts mit Münch) doch der Virtuosität zu sehr gegenüber dem musikalischen Gehalt den Vorzug gibt. Sein perfektes, lupenreines Spiel ist allerdings schlicht nicht zu überbieten.


    Noch ein Wort zu Kremer/Bernstein: Diese Aufnahme habe ich ebenfalls, aber ich gestehe, daß ich mich mit Kremers Geigenton nie so recht anfreunden konnte. Das ist aber klar ein rein geschmacklicher Vorbehalt.


    LG Nemorino

    Sinfonie Nr. 1 c-moll, Op. 68


    Da ist die Beschränkung auf drei Aufnahmen eine schier unlösbare Aufgabe. Ich versuche es trotzdem:

    Brahms: Sinfonie 1 - Johannes Brahms, Günter Wand, Chicago Symphony  Orchestra: Amazon.de: MusikBrahms, von Karajan, Vienna Philharmonic Orchestra – Symphony No. 1 in C  Minor, Op. 68 (1981, Vinyl) - DiscogsBrahms, The Chicago Symphony Orchestra, Georg Solti – Symphony No. 1 /  Academic Festival Overture (Vinyl) - Discogs


    Zu Günter Wand: Es gibt von ihm mehrere Versionen von Brahms 1 auf CD, doch die Live-Aufnahme aus Chicago ist wirklich eine Wucht! Dagegen wirkt die durchaus gute Studio-Einspielung mit dem NDR-Sinfonieorchester (RCA) regelrecht zahm. In Chicago entwickelt Wand eine Dramatik, die ihresgleichen sucht.

    Zu Karajan: Er war IMO ein Brahms-Dirigent par excellence. Ich kenne seine Aufnahmen mit den Berliner Philharmonikern von 1964 und 1977 (DGG), die beide ihre Meriten haben, aber keine reicht an die mit den Wiener Philharmonikern von 1960 heran, die auch für ihr Alter erstaunlich gut klingt.

    Und Solti: Auch er ist ein hervorragender Brahms-Interpret, seine Aufnahme hat noch den Vorteil, daß er sämtliche Wiederholungen bringt, was im Fall der Ersten eher Seltenheitswert hat. Die meisten Dirigenten verzichten auf die Wiederholung der Exposition im Kopfsatz.


    Kennengelernt habe ich Brahms' Erste übrigens mit dieser Aufnahme:

    Brahms:Symphony No.1

    aus dem Jahr 1960, die ich immer noch sehr gerne höre. Die spätere von 1975 mit den Wiener Philharmonikern (DGG) ist viel routinierter und längst nicht so spannungsvoll. Sie sollte aber hier zumindest genannt werden, wie auch die großartigen Versionen von Klemperer (EMI) und Szell (CBS/Sony), die mich ebenfalls sehr beeindruckt haben.


    LG Nemorino

    Sollte man Fritz Ollendorff wirklich mit Frick, Greindl und Hann vergleichen?

    Der "Vergleich", wenn es denn einer ist, hinkt natürlich. Natürlich hat Ollendorff in ganz anderen Rollen reüssiert als die von mir genannten Sänger. Es ging mir eigentlich nur darum aufzuzeigen, daß Fritz Ollendorffs stimmliche Qualitäten im Gegensatz zu den von mir genannten Sängern recht bescheiden waren, hingegen war er natürlich ein Erzkomödiant (was vor allem Gottlob Frick auch war, aber sein Repertoire war sehr breit gefächert). Und wenn man noch den glänzenden (gleichfalls nicht nur) Baß-Buffo Kurt Böhme heranzieht, so rangiert Ollendorff, was die rein stimmlichen Mittel angeht, doch ein gutes Stück dahinter. Zumindest nach meiner unmaßgeblichen Meinung.


    LG Nemorino

    Lieber Wolfgang,


    ein glänzender Vorschlag, an dem ich mich - soweit es meine Zeit erlaubt - gerne beteiligen werde.


    Als Auftakt habe ich das Violinkonzert ins Auge gefaßt. Da nenne ich gleich meinen absoluten Anwärter auf Platz 1:



    Brahms: Violin Concerto, Alto Rhapsody, Haydn Variations -PAPILLON  COLLECTION: Amazon.de: Musik

    Henryk Szeryng (Violine) und das London Symphony Orchestra, Dirigent: Pierre Monteux (Aufnahme: 6/1958, STEREO).


    Allerdings wird es schwer halten, weitere zwei der "besten" auszuwählen, denn es gibt wirklich eine Fülle von ganz hervorragenden Aufnahmen (wie praktisch von allen Brahms-Werken). Jedenfalls keine leichte Aufgabe.


    Schönen Sonntag nach Bonn, und

    LG Nemorino

    Mich erstaunt es im Falle Fritz Ollendorff nicht, daß ihm die Phonoindustrie nur wenig Aufmerksamkeit zuteil werden ließ. Bei ihm scheint einer der Fälle vorzuliegen, wo ein Künstler auf der Bühne mächtigen Eindruck macht, aber auf Tonträger werden vor allem die gesanglichen Schwächen schonungslos aufgedeckt, so daß die komödiantischen Fähigkeiten dadurch in den Hintergrund gedrängt werden. Sie spielen auf der Platte auch nicht eine so große Rolle.


    LG Nemorino

    Bonaldo Giaotti (teilweise leider in schlechter Qualität).

    Es ist und bleibt ein Jammer, wie manche hervorragende Künstler durch die Plattenindustrie vernachlässigt bzw. ignoriert wurden. Das hatte zum Teil vertragliche Gründe, aber auch das Management des/der Sänger(in) spielte eine nicht unerhebliche Rolle.


    Technisch mangelhafte Mitschnitte sind da kein Ersatz für Studioaufnahmen. Aber immerhin wollen wir froh sein, daß damit manche großartige Stimme der Nachwelt erhalten bleibt.


    LG Nemorino

    Daß Fritz Ollendorff ein Vollblutkomödiant war, steht völlig außer Frage. Ich besitze die meisten hier weiter oben angeführten Aufnahmen, u.a. auch die beiden "Barbiere" (in italienisch und deutsch) von EMI bzw. EMI/VEB Deutsche Schallplatten. Darstellerisch gibt es nicht das geringste zu beanstanden, aber ich muß gestehen, daß er (für mich) rein sängerisch nicht an Gottlob Frick, Josef Greindl oder Georg Hann heranreicht, von den großen italienischen Bässen der Nachkriegszeit ganz zu schweigen. Und, um bei den deutschen Baßstimmen zu bleiben, so ist ihm als Komödiant Kurt Moll zumindest ebenbürtig.


    LG Nemorino

    Nachdem ich mir kürzlich die neun Beethoven-Sinfonien mit René Leibowitz und dem RPO aus dem Jahr 1961 in der neuesten Überspielung von CHESKY komplett zu Gemüte geführt habe, kann ich dem Zyklus auch weiterhin einen prägenden Charakter zuschreiben. Immerhin haben sie Pionierstatus, denn sie leiteten zu Beginn der 1960er Jahre eine regelrechte Beethoven-Revolution ein. Bis dahin waren, zumindest im deutschen Sprachraum, die Aufnahmen mit Furtwängler, Jochum, Böhm und Keilberth prägend, während die Ausgaben mit Toscanini, Erich Kleiber und Fritz Reiner weit weniger ins allgemeine Bewußtsein gerückt sind. Mit dem Ende der Mono-Ära verschwanden sie dann bald fast gänzlich aus dem Fokus.


    Mit Leibowitz kam zwar nicht gleich ein Durchbruch, aber immerhin wurden seine Aufnahmen immer wieder ins Gespräch gebracht, wenn von einer "modernen" Beethoven-Auffassung die Rede war. Insoweit kann man seine Beethoven-Sicht zu Recht als eine "Revolution" bezeichnen. Ähnliches läßt sich von Karajans frühem Londoner Zyklus (EMI/Columbia) aus den 1950er Jahren sagen, der aber bei uns ebenfalls ein Schattendasein führte. Hier gab sich Karajan ganz fortschrittlich, von dem "Schönklang" späterer Aufnahmen ist noch nichts zu verspüren.


    Doch zurück zu Leibowitz: So richtig "en vogue" wurde sein Beethoven-Zyklus erst nach der Neuauflage durch Hens, München, Mitte der 1980er Jahre, damals zunächst noch auf LP. Endlich konnten viele Interessenten Leibowitz auch hören, denn die Erstausgabe von "Reader's Digest" war seit vielen Jahren vergriffen.


    Natürlich gibt es inzwischen unzählige neuere Aufnahmen, die an Leibowitz anknüpften bzw. ihn sogar in manchen Teilen sogar noch übertrafen, was Tempi und Artikulation betrafen, doch für mich bleibt der Leibowitz-Zyklus eine feste Konstante, wenn es um Beethovens Sinfonien und die weitgehende Beachtung seiner Metronom-Vorschriften geht. Nicht zuletzt hat auch das brillante Re-Mastering von Chesky die Aufnahmen erheblich aufgewertet, so daß sie sich auch technisch nicht hinter neueren digitalen Produkten zu verstecken brauchen. Nicht nur historisch wird er seine Bedeutung auch weiterhin behalten. Er ist übrigens auch als GA in einer 5 CD-Kassette nach wie vor erhältlich:

    Sinfonien 1-9 (Ga) - Ludwig Van Beethoven, Rene Leibowitz: Amazon.de: Musik


    LG Nemorino

    Hallo, Buralicchio,


    ich muß gestehen, daß mir dieser großartige Sänger lange gar nicht bekannt war, bis ich mir vor einigen Jahren Levines GA von Verdis LA FORZA DEL DESTINO ("Die Macht des Schicksals") anschaffte:

    Verdi: La Forza Del Destino - Placido Domingo, Leontyne Price, Sherrill  Milnes, Florenza Cossotto, Giuseppe Verdi, James Levine, London Symphony  Orchestra: Amazon.de: Musik

    In dieser, auch klanglich großartigen Einspielung singt Bonaldo Giaiotti den Pater Guardian, nicht nur sängerisch, sondern auch darstellerisch sehr überzeugend. Nicht zuletzt durch seinen Einsatz wird (für mich) die Klosterszene des 2. Aktes zum Höhepunkt der Einspielung. Giaiottiist in dieser Rolle durchaus mit so berühmten Vorgängern wie Cesare Siepi, Giorgio Tozzi, Ruggero Raimondi oder, auf deutsch, Gottlob Frick auf eine Stufe zu stellen. Aber auch Levines übrige Besetzung kann sich hören und sehen lassen.


    Es sei - wenn es auch nichts mit Bonaldo Giaiotti zu tun hat - noch angemerkt, daß der an anderer Stelle in diesen Tagen gerühmte Kurt Moll in Levines Aufnahme einen großartigen Marquis di Calatrava singt und diese Nebenrolle des 1. Aktes fast zu einer Hauptrolle zu machen versteht.


    LG Nemorino