Beiträge von nemorino

    Beethovens werke sind soi stark, daß sie (mich) in quasi jeder überdurchschnittlichen Interpretation überzeugen.

    Lieber Alfred,


    der gleichen Überzeugung bin auch ich, aber ich glaube doch, daß sich im Lauf der Jahre einige Lieblingsinterpretationen, nennen wir sie lieber "Favoriten", für die einzelnen Werke herausschälen.

    Da spielen natürlich auch persönliche Vorlieben für bestimmte Dirigenten, Hörgewohnheiten und nicht zuletzt auch die erste Begegnung auf LP oder CD eine Rolle. So werden bei mir Ferenc Fricsays DGG-Einspielungen mit den Berliner Philharmonikern (Nr. 1 & 8 mono, Nr. 3, 5, 7 & 9 Stereo) immer einen besonderen Platz behalten, weil ich mit ihnen diese Kompositionen erstmals in meinem Leben gehört habe. Das prägt den Geschmack m.E. nicht unwesentlich.

    Ich gab der 5. unter Böhm den Vorzug von jener unter Karajan, sie war weniger "sportlich"

    Die Fünfte mit Karajan von 1962 ist für mich, seit ich sie erstmals gehört habe, das absolute Non-plus-ultra. Ich würde seine Interpretation nicht "sportlich", sondern einfach "feurig" nennen! Die Tempi sind durchweg ziemlich rasant, besonders in den Ecksätzen, aber niemals gehetzt. Man spürt auf Schritt und Tritt Karajans innere Beteiligung und seine Begeisterung für dieses Werk, von dem der Schweizer Komponist Arthur Honegger einmal sagte, nachdem er sie über zweihundertmal gehört habe, sei sie für ihn nur noch Geräusch ...

    Für Karajan jedenfalls (natürlich auch für viele seiner Kollegen) ist sie jedenfalls viel mehr als "nur Geräusch", er macht daraus ein spannendes, schier atemberaubendes Drama, das bis zum letzten Ton anhält. Es gibt natürlich unzählige fesselnde Interpretationen dieser wohl meistgespielten Sinfonie, aber Karajans Lesart haut mich bei jedem erneuten Hören schier vom Hocker! Ich denke da zwangsläufig immer an den Franzosen Jean-Francois Lesueur, der seinem Schüler Berlioz erzählte, daß er, als er nach der Erstaufführung auf der Straße seinen Hut aufsetzen wollte, seinen Kopf nicht finden konnte!

    Selbst Karajan selbst hat diese Interpretation weder vorher noch nachher (auf Tonträger) jemals toppen können.


    Zu dem von mir sehr verehrten Karl Böhm möchte ich noch sagen, daß mir aus seinem Wiener Zyklus die Sinfonien Nr. 1, 4 und 6 besonders liegen, während mir seine frühere Berliner "Eroica" von 1961 (ebenfalls DGG) mehr zusagt. Die hat mehr "Biß". Die Fünfte klingt mir unter seinen Händen eine Spur zu "zahm". Doch das ist Geschmacksache.

    Hingegen ist seine Wiener "Pastorale" ein großer Wurf, während ich mich mit Karajans Auslegungen dieser herrlichen Sinfonie nie anfreunden konnte. Er braust da mit einem Turbo-Porsche durch eine wunderschöne Landschaft, die er zwar in der Totale wahrnimmt und wahrscheinlich auch genießt, aber die vielen versteckten Blumen am Wegesrand nimmt er leider nicht wahr, wie es Furtwängler in seiner unübertrefflichen Aufnahme aus Wien (1952) so unnachahmlich vorgeführt hat. Dieser zaubert die ganze Pracht einer herrlichen Sommerlandschaft hervor, und ähnliches, wenn auch vielleicht nicht in dieser Einmaligkeit, ist auch Böhm im Jahr 1971 mit dem gleichen Orchester gelungen, nur stand ihm natürlich eine wesentliche bessere Aufnahmetechnik zur Verfügung.


    LG Nemorino

    Der Vorwurf, zum 250. Geburtstag von Beethoven, nichts über seine Musik zu sagen, nagt

    Lieber astewes,


    ein Vorwurf sollte das wirklich nicht sein, nur eine Anmerkung.


    Ich freue mich aber sehr, daß der Kreis der wenigen Beteiligten nun ein wenig erweitert wurde.

    Die Gattung "Streichquartette" steht nun leider nicht im Zentrum meiner Musikinteressen, auch wenn ich sie hin und wieder gerne höre.

    In meiner CD-Sammlung sind Beethovens Quartette nur spärlich vertreten:

    Ludwig van Beethoven Alban Berg Quartet Gerhard Schulz Hatto Beyerle Thomas  Kakuska Valentin Erben Guumlnther Pichler - Beethoven The Complete String  Quartets Alban Berg Quartet (67 tracks) +Album Reviews und diese Einzel-CD: Beethoven: String Quartets Vol. 7 [SACD]: Amazon.de: Musik


    weil ich das Quartett B-dur op. 130 ganz besonders schätze, wegen der Cavatina!

    Deshalb kann ich zu dieser Werkgattung nur wenig beitragen, doch ich hoffe sehr, daß sich ein anderer Tamino findet, der dazu mehr zu sagen hat.


    LG Nemorino

    Tom Krause ist einer der Lichtblicke dieser Aufnahme; sein Pizarro kann sich mit den besten Rollenvertretern messen.

    Auf diese Arie grümdet sich meine mehrfach bekundete, Meinung, dass ich Tom Krause für den besten Pizarro halte, auch heute noch.

    Lieber Willi,


    eine schöne Übereinstimmung! Ich habe immer bedauert, daß die gut dirigierte Maazel-Aufnahme sängerisch so große Schwächen aufweist, daß die tolle Leistung von Tom Krause als Pizarro nicht recht zur Geltung kommen konnte. Wegen der vielen Schwachpunkte habe ich sie mir nicht auf CD wieder zugelegt.


    LG Nemorino

    Doch, ist im Handel

    Lieber Orfeo,


    besten Dank für den Hinweis. Beim großen Urwaldfluß fand ich nur einen entsprechenden Download. Doch wenn ich Willy richtig verstanden habe, hat er die Aufnahme dort als CD erworben. Sie ist auf alle Fälle empfehlenswert.


    LG Nemorino

    Wie ich feststellen mußte, habe ich noch nicht meine Lieblingsaufnahmen der Sinfonie Nr. 5 genannt, was ich hiermit nachholen möchte.


    Hier fällt die Auswahl besonders schwer, es gibt Dutzende großartiger Versionen der Fünften. Doch der absolute Spitzenplatz gebührt (für mich) unweigerlich dieser Wahnsinnsaufnahme:

    Ludwig van Beethoven : Karajan*, Berliner Philharmoniker - Symphonie Nr. 5  - Symphonie Nr. 6 »Pastorale« (CD) | Discogs

    Herbert von Karajan mit dem Berliner Philharmonikern (Aufnahme: 3/1962, Jesus-Christus-Kirche, Berlin).


    Keine andere mir bekannte Version reißt mich so vom Hocker wie diese! Vorwärtsdrängend, in atemloser Spannung, die bis zum letzten Ton anhält, jagt Karajan durch die Partitur. Die Berliner Philharmoniker spielen, als ginge es um ihr Leben! Die Klangqualität ist überragend und das Spiel des Orchesters von makelloser Schönheit.


    Die zweite und dritte Stelle nehmen in meiner Rangordnung diese beiden ein:

    Ludwig Van Beethoven - Symphony Nr. 5 c-moll op. 67Beethoven: Symphonie No. 5 mit Erläuterungen von Leonard Bernstein - Ludwig  van Beethoven, Leonard Bernstein, New York Philharmonic: Amazon.de: Musik

    Ferenc Fricsay: Seine Darstellung ist machtvoll und zeichnet sich durch getragene Tempi aus; ein Beethoven von Furtwänglerischem Format! Die Aufnahme entstand im September 1961 in Berlin. Fricsay war bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, deshalb konnte der das Projekt einer GA der Beethoven-Sinfonien nicht zu Ende führen. Nach der Aufnahme dieser Fünften mußte es abgebrochen werden.

    Leonard Bernstein: Seine Aufnahme mit den New Yorker Philharmonikern entstand zeitgleich mit der von Fricsay, im September 1961 im Manhattan Center, New York City. Sie zeichnet sich durch enorme jugendliche Vitalität und vorwärtsdrängenden Impetus aus. Deshalb ziehe ich sie seiner späteren mit den Wiener Philharmonikern vor, die etwas abgeklärter geraten ist.


    Geprägt hat mich Erich Kleibers Monoaufnahme von 1953, die ich nach wie vor für eine der besten halte:

    Erich KLEIBER: BEETHOVEN Symphony No.5 & 6 Pastorale DECCA CD Concertgebouw  1952 | eBay

    Technisch ist sie zwar, gemessen an der Entstehungszeit, sehr ordentlich geraten, kann aber klanglich aus begreiflichen Gründen nicht mehr mithalten. Zumindest wollte ich sie aber nicht unerwähnt lassen. Sie übertrifft m.E. sogar die berühmte, ein Vierteljahrhundert jüngere Version seines Sohnes Carlos Kleiber (DGG).


    LG Nemorino

    Es ist ohnehin lohnend, sich an Tom Krause zu erinnern.

    Kennengelernt habe ich ihn bewußt zuerst als Pizarro in Lorin Maazels "Fidelio"-Aufnahme von 1963 (Decca), die (für mich) leider unter einem ständig schnaufenden, ziemlich überdrehten Florestan leidet, den John McCracken darstellt. Auch halte ich Birgit Nilsson als Leonore für grenzwertig; sie wäre besser bei ihren Brünnhilden geblieben. Doch Tom Krause ist einer der Lichtblicke dieser Aufnahme; sein Pizarro kann sich mit den besten Rollenvertretern messen.


    Wenig später hörte ich den Sänger als Silvano in Georg Soltis "Maskenball" und als Montano in "Otello" unter Karajan. Kleine Rollen, aber auch sie geben Zeugnis von Krauses Gesangskunst.


    Schließlich ist der Sänger ein hervorragender Conte in Karajans GA von "Le nozze di figaro" aus dem Jahr 1979, inmitten eines erlesenen Ensembles. Diese Aufnahme schätze ich sehr hoch ein, nicht zuletzt wegen Krause. An seiner Seite singt José van Dam einen glanzvollen Figaro:

    Le Nozze di Figaro KV 492 | 3-CD (1988, Pappschuber, Re-Release,  Remastered) von Wolfgang Amadeus Mozart


    Sehr gut gefallen hat mir auch Krauses Rafael in Münchingers Aufnahme von Haydns "Schöpfung" (Decca), mit Elly Ameling und Werner Krenn. Kann es sein, daß diese nicht auf CD überspielt wurde?


    LG Nemorino

    Danielle kann auch ein männlicher Vorname sein

    Lieber rodolfo39,


    das ist richtig, aber es gibt eine Opernsängerin mit Namen Danielle Krause, geboren in Hamburg. Dort hat Tom Krause lange an der Oper gesungen und ist auch in Hamburg gestorben. Das muß nicht unbedingt etwas heißen, denn der Name Krause ist in Deutschland weit verbreitet (ich weiß, Tom Krause war ein Finne). Ich denke, wir werden bald Aufklärung bekommen.


    Schönen Abend und

    LG, Nemorino

    Ich glaube, lieber nemorino, dass das nicht an mangelhafter Beethoven-Begeisterung liegt, sondern an diesem doch unspezifischen Sammelthread, wo es leider mittlerweile einigermaßen "drunter und drüber" zugeht

    Lieber Joseph II.,


    es ist ja nicht nur dieser "Sammelthread", sondern insgesamt kommt mir die Beschäftigung mit Beethoven und seinen Werken hier im Jahr seines 250. Geburtstags ein wenig dürftig vor. Das mag aber auch ein ganz persönlicher, nicht repräsentativer Eindruck sein.


    Im übrigen bemüht sich der Thread-Eröffner, Wolfgang Kaercher, immer wieder redlich, die Übersicht zu aktualisieren, was bisher doch recht gut gelungen ist. Er hatte sich seinerzeit ja vorgenommen, einen Thread nach dem Vorbild von "Spiel: Meine drei Lieblingsinterpreten" zu starten.

    Wie ich sehe, ist dieser überaus erfolgreich mit bisher über 3.800 Einträgen und mehr als 84.000 Aufrufen, obwohl da ja wesentlich mehr Auswahl herrscht. Ich wollte mich eigentlich beteiligen, aber nach wenigen Tagen schon hatte ich die Übersicht verloren. Außerdem kenne ich, im Gegensatz zu vielen anderen Taminos, die meisten Sänger nur von der LP bzw. CD, so daß ich da nur sehr eingeschränkt mitschreiben könnte.


    Hier, bei Beethovens Werken, geht es doch - zumindest ganz überwiegend - um seine Sinfonien, Konzerte und Sonaten. Man ist da ganz schnell auf dem laufenden, wenn man jeweils die neueste Zusammenstellung zu Rate zieht.


    LG Nemorino

    Schon im "Erstlingswerk" ist Beethoven ein "Titan". Otto Klemperer dirigierte 1957 das Philharmonia Orchestra mit "klassizistischer Strenge" mit "Größe und Wucht".

    Lieber Norbert,


    ... ich hatte bei meiner Auswahl lange geschwankt zwischen Günter Wand und Klemperer und mich schließlich sehr zögerlich für Wand entschieden.


    Trotzdem liegt mir Klemperers "titanische" Auslegung der Ersten sehr am Herzen, gerade wegen der "klassizistischen Strenge" und der von Dir hervorgehobenen "Größe und Wucht". Klemperer legt wenig Gewicht auf die jugendliche Frische von Beethovens Erstling, rückt das Stück viel mehr in die Nähe seines Spätwerks. Das hat seine Reize, aber viele Beethoven-Experten halten es für einen falschen Ansatz. Egal, es ist jedenfalls eine diskussionswürdige Alternative zu den anderen genannten Versionen.


    Im übrigen finde ich es bemerkenswert, daß Beethoven in seinem Jubiläumsjahr in diesem Forum doch recht wenig Anklang findet. Selbst die "gefiederten Freunde" und der Amateur-Tenor Mario Lanza erfreuen sich lebhafteren Zuspruchs. Wenn ich es richtig sehe, sind wir hier nur eine Handvoll Teilnehmer.


    Zur Zeit beschäftige ich mich mit der "Kreutzer-Sonate", auch ein schwieriges Unterfangen.


    Bis bald und

    LG Nemorino

    Als nächste nehme ich mir die 4. Sinfonie vor

    Lieber Norbert,


    seit Tagen beschäftige ich mich intensiv mit diesem Werk, und inzwischen habe ich auch meine Auswahl getroffen:

    Symphony Number 4 In B Flat Major Op. 60 / Overture, Consecration Of The  House | DiscogsSinfonien 4 und 7 - Leibowitz, Rene, Beethoven, Ludwig Van: Amazon.de: MusikLudwig Van Beethoven - Symphonie Nr.4, Wiener Philh, Karl Böhm


    Das sind schlußendlich meine 3 Favoriten.

    Beethovens Vierte stand lange Zeit im Schatten ihrer großen Nachbarn, erst die Langspielplatte hat sie so richtig bekannt und populär gemacht. Robert Schumann nannte das Werk einmal treffend "eine schlanke griechische Maid zwischen zwei nordischen Riesen". Ich gestehe, daß ich diese schlanke Maid seit meiner Jugend überaus schätze. Und jetzt zu meinen Empfehlungen:


    Otto Klemperer: Abgesehen davon, daß ich ein bekennender Klemperer-Fan bin, bewundere ich hier die Vitalität des damals 72jährigen Dirigenten (die Aufnahme entstand im Oktober 1957), die besonders den ersten Satz auszeichnet, und wie er das Largo so wundervoll fließend und hinreißend gestaltet. Das ist für mich einer der schönsten und ergreifendsten Beethoven-Sätze überhaupt, und Klemperer dirigiert ihn mit Inbrunst und unübertroffener rhythmischer Präzision, wie mir scheint.

    René Leibowitz: Eine rhythmisch ganz großartige Auslegung, Leibowitz betont weniger die melodischen als die strukturellen Elemente des Werks. Vor allem sind die beiden Schlußsätze in ihrer tempomäßig rasanten Gestaltung kaum zu übertreffen. Die Aufnahme entstand 1961 und klingt ausgezeichnet.

    Karl Böhm mit den Wiener Philharmonikern hat zum Beethoven-Jahr 1970 einen zeitlosen Zyklus eingespielt. Neben der Sechsten ist ihm die Vierte besonders gut gelungen. Er trifft den Werkscharakter hervorragend, und seine liebevolle Herausarbeitung vieler Details, die oft verlorengehen, beeindruckt mich sehr.


    Nun bin ich sehr gespannt auf Deine Auswahl!


    LG Nemorino

    Kennst Du übrigens auch Bernsteins Aufnahme der Ersten mit den Wiener PH (DG)

    Lieber Wolfgang,


    sicher, die kenne ich. Der Zyklus wurde ja seinerzeit (Ende der 1970er?) komplett im Fernsehen übertragen. Allerdings habe ich die Aufnahmen nicht auf LP oder CD, mir liegt die frühere GA aus New York mehr, obwohl die Wiener Aufnahmen natürlich besser klingen. Aber in New York hatte Bernstein noch sein jugendliches Draufgängertum, während er in Wien schon ein bißchen abgeklärter dirigierte, wie mir scheint.

    Von DVDs halte ich nicht sonderlich viel, ich höre lieber und möchte mich nicht durch Bilder ablenken lassen. Das ist aber reine Einstellungssache.


    LG Nemorino

    Hallo,


    auch wenn man es mir nicht glaubt: Es ging mir viel weniger darum, hier meine bekannten Vorbehalte zu Rudolf Schock aufzuwärmen, sondern vielmehr darum, endlich mal wieder eine lebhafte Diskussion in Gang zu bringen. Und wenigstens das ist mir doch glänzend gelungen!


    LG Nemorino

























    O hättest du es doch getan! Deine Abneigung gegen diesen begnadeten Sänger hast du uns schon im Überfluss kund getan. Irgendwann darf damit Schluss sein.

    Deine Einlassung beweist außer Deiner Einfallslosigkeit wieder nur eines: Das hier nennt sich zwar ein Diskussionsforum, doch sobald man eine anzufangen versucht, findet sich gleich einer, der sie abzuwürgen versucht. Aber wannn hier Schluß sein darf oder muß, bestimmst Du zum Glück noch nicht!

    Eine Frage noch: Wenn doch jeder nur Lobeshymnen auf Rudolf Schock anstimmen darf, kannst Du dann irgendwie begründen, wozu es eines Forums wie TAMINO überhaupt noch bedarf?


    Nemorino

    Lieber Wolfgang Kaercher,


    vorab herzlichen Dank für die gestrige Aktualisierung der Übersicht.


    Nun möchte ich hier die Sinfonie Nr. 1 C-dur, Op. 21 ins Spiel bringen, die bisher noch gar nicht genannt wurde. Ihr gehört - obwohl oder vielleicht weil es ein Frühwerk des großen Komponisten ist - seit meiner Jugend meine besondere Vorliebe. Kennengelernt habe ich sie mit Ferenc Fricsays 1953er Mono-Aufnahme, die ich bis heute zu den Spitzenversionen zähle, obwohl sie klanglich natürlich nicht mehr konkurrenzfähig ist.

    Deshalb will ich jetzt meine Favoriten nennen, die allesamt mit guter bis hervorragender Stereo-Technik aufwarten können:

    Sinfonie 1+ 3 EroicaBeethoven:Syms. 1 & 7Beethoven:Symphonies 1/3/6/8

    Nach den bekannten und oft wiederholten Worten des Grafen Waldstein empfing der junge Beethoven "Mozart Geist aus Haydns Händen".

    Das ist besonders in diesem sinfonischen Erstwerk noch zu spüren. Daß Eleganz und Leichtigkeit aber nicht der dynamischen Wucht entbehren müssen, hat vor allem Leonard Bernstein in seiner Aufnahme von 1964 mit den New Yorker Philharmonikern bewiesen, die ich für eine der besten halte, die ich jemals kennengelernt habe.

    An zweiter Stelle möchte ich eine Lanze für Pierre Monteux brechen, der im Jahr 1960 mit den Wiener Philharmonikern eine Aufnahme vorgelegt hat, die auf schier unnachahmliche Weise französische Grazie, Humor, Klarheit und Farbe miteinander vereint. Diese Aufnahme aus den legendären Wiener Sofiensälen ist mir sehr ans Herz gewachsen.

    Günter Wand schließlich hat 1986 mit dem Sinfonie-Orchester des NDR eine klanglich glänzende Aufnahme zustande gebracht, die die Vorzüge der beiden erstgenannten Interpretationen auf wunderbare Weise miteinander verbindet. Er beachtet vor allem auch, was seine beiden Kollegen nicht tun, sämtliche vom Komponisten vorgeschriebenen Wiederholungen, was den einzelnen Sätzen erst die richtigen Proportionen zuweist.


    Wieder einmal bedauere ich, daß ich so großartigen Versionen wie denen von Bruno Walter mit dem Columbia Symphony Orchestra (CBS), Karl Böhm mit den Wiener Philharmonikern (DGG) und André Cluytens mit den Berliner Philharmonikern (EMI) keinen Raum einräumen kann. Aber leider muß ich mich auf drei Ausgaben beschränken.


    LG Nemorino

    Eigentlich wollte ich mich zu Rudolf Schock nicht mehr zu Wort melden, doch dann kam mir die kürzlich von "Operus" aufgestellte These in einem anderen Thread wieder ins Gedächtnis:

    Erst aus These und Antithese ergibt sich die Diskussion.

    Nun haben die letzten Neueinträge den Sänger wieder einmal auf eine Stufe gehoben, die ihm nach meinem persönlichen Empfinden nicht zukommt, wie zum Beispiel:

    Eine Stimme mit wunderschönem goldenen Klang, betörendes Timbre und ungemein persönlicher Färbung. Dies ergab einen enorm hohen Wiedererkennungswert. Einmal Schock gehört, nie wieder vergessen und immer sofort erkannt.

    Besonders als Bacchus bewundere ich ihn.

    Operus kann ich nur insoweit zustimmen, daß seine Stimme einen "enorm hohen Wiedererkennungswert" hatte. Doch den "wunderschönen goldenen Klang" suche ich bis heute leider vergeblich. Selbst seine frühen Aufnahmen, die durchaus konkurrenzfähig sind, halten (für mich) in den meisten Fällen den Vergleich mit anderen Tenören seiner Generation nicht aus. Man höre z.B. nur das "Postillonlied" mit Schock und anschließend mit Josef Traxel, um zwischen angestrengtem Bemühen und lockerem, ganz mühelosem Gesang unterscheiden zu können.


    Hans Heukenkamp bewundert seinen "Bacchus". Dem kann ich durchaus zustimmen, wenn es um die Karajan-Aufnahme der ARIADNE von 1954 geht. Das kann ich aber für den Stereo-Querschnitt unter Alberto Erede von 1959 nicht bestätigen. Ich zucke jedesmal zusammen, wenn er auf den verklärten Gesang Lisa Della Casas "Es gibt ein Reich" plötzlich grob und viel zu laut mit den Worten "Circe, ich konnte fliehen" hereinbricht. "Mein Gott, wer hat ihn nur entfliehen lassen", kommt mir dann immer spontan in den Sinn.

    Den Walter von Stolzing unter Kempe (EMI) nennt Jürgen Kesting "einen Walter ohne Glanz, aber mit einem wundervollen Evchen: Elisabeth Grümmer", wobei ich diesen Satz zugleich erstaunlich und treffend finde.

    Sein Canio unter Horst Stein (von 1959) ist wirklich gut, da gibt es keinen Zweifel; den Pedro in "Tiefland" habe ich von ihm nicht gehört.

    Aber "seine 'Winterreise' mit Ivan Eröd", lieber Otello50, ist für mich quasi ein Begräbnis dieses herrlichen Zyklus. Sie entstand m.W. relativ spät, und Schock hat weder die stimmlichen noch gestalterischen Mittel und auch keinen Partner am Klavier, der da irgend etwas zu retten vermöchte. Ich bin nur ein musikbegeisterter Laie, habe weder Musik studiert noch je aktiv ausgeübt, sondern urteile nur nach Gehör und Geschmack, der sich allerdings durch vergleichendes Hören über mehr als 50 Jahre schon ein Urteil erlauben kann. Ich möchte aber lieber hier einen anerkannten Musikwissenschaftler und Kritiker, Ulrich Schreiber, zitieren, der in diesem Zusammenhang von einem "Fall von Vernichtung am Kunstwerk" spricht und weiterhin meint, "daß Schocks stimmliche Physis nicht mehr von der Art (ist), daß sie erfolgversprechend auf der Suche nach Gesangskunst überhaupt eingesetzt werden kann" und nur noch "ruinöse Überreste" einer einst "durchaus ernstzunehmenden Stimme" ausmachen kann, die "durch die moderne Klangtechnik eher noch peinlicher wirkt". Wer die "Winterreise" wirklich von einem Tenor hören möchte, der greife zu Peter Pears (mit Britten am Klavier, Decca) oder Anton Dermota, der diesen Zyklus überaus sympathisch und prätentionslos im Jahr 1962 gesungen hat (Telefunken).

    Zu Schocks "Lohengrin" nun noch einmal der "Stimmenpapst" Jürgen Kesting: "Unter Wilhelm Schüchter hat er einen angestrengten und dadurch kehligen Lohengrin gesungen", er kann sich mit seiner Phrasierung, "die häufig flach ausklang und stößig abriß", nicht anfreunden und bemängelt des weiteren seine "in der Höhe eingestreuten Fisteltöne, aber ohne Richard Taubers Raffinement".


    Da ich in meinen Beiträgen 252, 261, 262, 264 und 276 eigentlich zu Schock alles gesagt habe, möchte ich nach Ulrich Schreiber und Jürgen Kesting hier noch einmal eine Kritik des Wiener Musikprofessors Dr. Clemens Höslinger zitieren, die er in FonoForum 5/1970 zu der LP "Rudolf Schock: Erinnerungen an Benjamino Gigli" veröffentlicht hat:

    "Zwei Dinge hat Schock mit Gigli gemeinsam: das Stimmfach und die Popularität. Von anderen Parallelen sollte man lieber nicht reden. Sogar in seinen letzten Lebensjahren hatte Gigli an Reinheit und Geschmeidigkeit seines Organs nichts eingebüßt, er besaß eben jene hohe Kultur des Singens, die keiner seiner Epigonen annähernd erreichen konnte. Somit erweckt Schock mit seinen Erinnerungen wehmütige Gedanken an einen der wirklich Großen der Gesangskunst. Und er sorgt dafür, daß uns der italienische Tenor nun sogar in geradezu überirdischer Gloriole erscheint: Wenn man die Schock-Aufnahmen (sie sind dies in jeder Bedeutung des Wortes) abgehört hat, wenn man all den Krampf, all die Mühsal glücklich hinter sich gebracht hat und sich dann eine Gigli-Platte auflegt, dann empfindet man dies als Erlösung. Per aspera ad astra - durch Nacht zum Licht! Gesang wie er sein soll - und Gesang wie er sein kann ....
    Schock singt also Gigli-Evergreens, zum Teil deutsch, zum Teil in Originalsprache. Deutsch gelingt ihm noch am besten. Die Liebe zu diesem krisenfesten Dauersänger muß sehr innig sein, ja sie muß sogar schon an Mystizismus grenzen, wenn man seine Darbietungen auch nur halbwegs erträglich finden will. Für normale Ohren sind sie, schlicht gesagt, indiskutabel. Daß solche Aufnahmen ernstliche Verkaufschancen haben, erscheint mir als eine der musikalischen Unfaßlichkeiten dieser Zeit. Zum Glück sind sie konkurrenzlos."

    Das war im Jahr 1970, und danach hat Rudolf Schock noch weitere 16 Jahre frisch und munter drauflos gesungen!


    Ganz bewußt habe ich mich heute mit meiner Meinung zurückgehalten und stattdessen drei renommierte, seinerzeit allseits anerkannte Gesangs- und Musikexperten zu Wort kommen lassen, die meine ganz unmaßgebliche Meinung über Rudolf Schock weitgehend bestätigen. Sicher spielt bei mir eine nicht zu unterdrückende Antipathie gegen einen Künstler mit, der nach 1960 stimmlich unüberhörbar nachließ, aber nicht verstanden hat, seine Karriere zu einem Zeitpunkt zu beenden, als er noch ein angesehener Sänger war. Seine zahlreichen, nicht enden wollenden Auftritte im TV haben ihn mir regelrecht verleidet.

    "Ob Glücksrad oder Blauer Bock,

    kein Fernsehabend ohne Schock"

    und der stellte sich automatisch ein, wenn der Sänger gleichen Namens mit Kniebundhose, kariertem Hemd, Hut und Wanderstab auf der Bildfläche erschien und mit den Resten seiner Stimme den "Fröhlichen Wanderer" oder den "Jäger aus Kurpfalz" beschwor. Richtig, auch Tauber, Gedda, Wunderlich und Anders haben Stücke dieser Art gesungen, aber da waren sie noch im Vollbesitz ihrer stimmlichen Mittel und nicht auf Playback und ähnliche Mätzchen angewiesen.

    Wenn ich Schock lobend erwähne, dann in seinen Aufnahmen bis 1955.

    Ich würde sogar soweit gehen und sagen: bis 1960! Was danach kam, war (von Ausnahmen abgesehen) nur noch peinlich, nicht nur was er sang, sondern auch wie er sang. Schock ist für mich der Prototyp eines Künstlers, der nicht aufhören konnte und sich damit seinen Ruf selber ruiniert hat. Eigentlich schade, aber zu ändern ist es nicht mehr.


    LG Nemorino

    Lieber Norbert,


    erst jetzt habe ich Deine Nominierung für Beethovens Sinfonie Nr. 7 gesehen. Vielen Dank!

    Für die 7. Sinfonie A-Dur, op.92 nominiere ich

    Sinfonien 7/104 - Karajan, Herbert Von, Wp, Beethoven, Ludwig Van, Haydn,  Joseph: Amazon.de: MusikPierre monteux, beethoven symphony no 7 french lp decca 592021 | eBaySymphonies Nos. 5 & 7 - Konwitschny, Franz, Gol, Beethoven, Ludwig Van:  Amazon.de: Musik



    Bei aller Hochachtung für Carlos Kleibers Aufnahme, sind mir diese drei insgesamt als die einprägendsten in Erinnerung geblieben. Bei der Überfülle des Angebots wird aber jede Auswahl von drei Aufnahmen Leibschmerzen verursachen, weil man mindestens 10 weitere nennen könnte, die man toll und hervorhebenswert fand.

    Kurz zu meiner Auswahl: Mit Franz Konwitschny habe ich die Siebente kennengelernt, mich hat seine Aufnahme gleich gefesselt, nicht nur, weil er alle Wiederholungen bringt, was damals große Ausnahme war, sondern er verstand eine ungeheure Spannung aufzubauen und bis zum letzten Takt durchzuhalten, und das Spiel des Leipziger Orchesters ist eine reine Freude.

    Herbert von Karajan: Von allen Karajan-Aufnahmen des Werks (London 1951, Berlin 1961, Berlin 1977, Berlin 1983) gefällt mir diese mit den Wiener Philharmonikern aus dem Jahr 1959 am besten. Vor allem der zweite Satz ist reine Imagination. Man spürt auf Schritt und Tritt die innere Beteiligung des Dirigenten. Karajan musiziert hier wirklich mit Herzblut und feinster Differenzierung, und die Wiener folgen ihm blindlings.

    Pierre Monteux: Hier treffen sich unsere Geschmäcker total! Monteux zählt seit meiner Jugend zu meinen absoluten Lieblingsdirigenten. Auch hier wieder ist die Mischung von Temperament und französischem Esprit fesselnd und zeigt das bacchantische Werk in ganz neuem Licht. Der ganze Beethoven-Zyklus von Monteux ist hervorragend, Höhepunkte sind für mich neben der Siebenten die Nr. 1, 6 und 8.

    Gerne hätte ich noch Otto Klemperers Aufnahme von 1961 (nicht die aus der GA von 1955)

    Beethoven Symphony no. 1 & 7 - 1985 first edition / EMI


    in meinen "Kanon" aufgenommen, weil sie durch ihre Wucht und Strenge dem Beethovenschen Geist besonders nahekommt, doch schlußendlich sollte es bei den drei erstgenannten Aufnahmen bleiben. Unerwähnt wollte ich sie aber nicht lassen.


    LG Nemorino

    Über die anderen möchte ich hier nicht weiter schreiben, weil sich vielleicht wieder jemand aufregt, daß das mit Musik nichts zu tun hat !

    Da Sie aber so nett geschrieben haben, und ich Sie ja nicht anders erreichen kann, wollte ich doch etwas dazu schreiben.

    Lieber Herr Schaefer,


    da ich in letzter Zeit recht wenig ins Forum schaue, habe ich erst soeben Ihre Antwort gelesen, nachträglich vielen Dank.


    Machen Sie sich keine Sorgen, hier etwas falsch zu machen, das tun alle gelegentlich, aber es gibt eben so ca. ein halbes Dutzend Leute, die zu den Sachthemen wenig bis nichts beizutragen haben, aber ganz rasch bei der Hand sind, anderen ans Bein zu pinkeln. Ich lasse mir jedenfalls ein paar private Worte nicht verbieten, es sei denn, die Moderation erhebt Einwände. Gerne würde ich Ihnen meine Email-Adresse geben, aber die möchte ich keinesfalls öffentlich machen, aus naheliegenden Gründen.


    Jedenfalls hat mich Ihr Foto mit den süßen Tierchen sehr berührt, und das wollte ich Ihnen sagen, nicht mehr und nicht weniger.


    Schönen Sonntag und liebe Grüße,

    Nemorino

    Lieber Herbert Schaefer,


    auch wenn es nichts mit Musik zu tun hat, möchte ich Ihnen noch sagen, daß Ihr Foto mit den Meerschweinchen mich sehr berührt hat. Auch ohne Worte sieht man, daß Sie ein großer Tierfreund sind. Bei mir tummeln sich nicht weniger als vier Katzen (in Spitzenzeiten waren es sogar 6!). Inzwischen sind sie allerdings alle in die Jahre gekommen, der älteste ist 15, das jüngste Exemplar 11. Die Tiere erfreuen mich Tag für Tag!


    LG Nemorino

    Lieber Caruso,


    ich hatte hier noch einen Beitrag zu József Réti in Aussicht gestellt. Das hat sich aber erledigt, nachdem ich die umfangreichen Einträge anderen Forenteilnehmer gesehen habe. Trotzdem möchte ich kurz sagen, daß dieser leider früh von uns gegangene ungarische Tenor ein wunderbarer, unvergeßlicher Künstler war. In meiner CD-Sammlung ist er mit diesem Exemplar vertreten:

    Reti, Jozsef: Mozart Arias von Jozsef Reti bei Amazon Music - Amazon.de


    LG Nemorino

    nur ist A****n seit einiger Zeit nach Willen des Forenbetreibers kein offizieller Werbepartner mehr

    Lieber Joseph II.,


    sorry, war ein falscher Fehler von mir! Natürlich ist mit dem einzigen Werbepartner jpc gemeint. Da hatte ich was durcheinander geworfen!


    Den Ärger des Forenbetreibers auf Amazon kann ich gut nachvollziehen, aber leider führt jpc, im Vergleich mit dem Urwaldfluß, viel weniger ältere, vor allem offiziell vergriffene CDs. Die Folge ist nun, daß man die meisten "betagten" CDs hier nicht mehr abbilden kann, und bei früheren Einträgen erscheint nun "Platzhalter", statt des CD-Cover! Außerdem sind die Preise für gebrauchte CDs bei Amazon einfach unschlagbar.


    LG Nemorino

    Diese beim nun mehr einzigen Werbepartner leider nicht mehr erhältliche CD

    Wolfgang Windgassen Singt Wagner - Windgassen, W., Kraus, Leitner, Ludwig,  Bams, Mp, Dsob, Wagner, Richard: Amazon.de: Musik


    Irrtum, lieber Joseph II., es gibt sie bei Amazon noch, "gebraucht, gut" ab € 2,42 bzw. "neu" ab € 18,69, + Versandspesen. Meine Abbildung habe ich von Amazon übernommen. Es ist aber ziemlich umständlich, sie zu finden. Du mußt bei GOOGLE eingeben "Wolfgang Windgassen Wagner" und dann oben auf "Bilder" klicken, dann erscheint links obige CD in klein. Wenn Du auf das kleine Bild klickst, wirst Du zu Amazon weitergeleitet. Die Amazon-Leute machen es den Kunden nicht leicht, bei ihnen etwas zu kaufen.

    an Gestaltungskunst, innerer Erfüllung und Gesangskultur auch in den schwersten Wagner-Partien war und ist Windgassen unübertroffen.

    Lieber Operus,


    den Satz kann ich gerne bestätigen, wenn es um die Jahre nach 1950 geht. Wir sollten aber Max Lorenz, Lauritz Melchior und noch einige Sänger aus früheren Jahren nicht vergessen.

    Nun bin ich zugegebenermaßen nicht unbedingt ein Anhänger der sogenannten "typischen Wagner-Helden", wozu Windgassen selbstverständlich gehörte. Ich höre z.B. Rienzis Gebet noch eine Spur lieber von dem (damals) jungen Siegfried Jerusalem:

    Siegfried Jerusalem ~ Great Tenor Arias * Collection of great German  Operatic Tenor * CD made in USA, Music & Media, CD's, DVD's, & Other Media  on Carousell

    und am allerliebsten von meinem Lieblings-Tenor Josef Traxel, der dieses Stück 1960 für die Kölner ELECTROLA, begleitet von Berislav Klobucar und den Berliner Symphonikern, unnachahmlich beseelt und inbrunstvoll gesungen hat. Die Aufnahme wurde bereits in STEREO produziert und ist inzwischen von dem verdienstvollen Hamburger Archiv für Gesangskunst in dieser 3 CD-Box wieder zugänglich gemacht worden:

    Josef Traxel Edition - NEU 01 (3 CD)

    Leider kriege ich die Abbildung nicht größer:(. Interessenten sollten "www.vocal-classics.com" eingeben; im "normalen" Handel ist das Album nicht erhältlich.


    Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich bin durchaus von Wolfgang Windgassens Kunst beeindruckt; nicht ohne Grund hat ihn Wieland Wagner als "mein Held" tituliert. Mein persönlicher Geschmack tendiert allerdings generell zu leichteren Stimmen. Traxel ist m.W. in Bayreuth nur als Steuermann im "Holländer" in Erscheinung getreten.


    LG Nemorino

    Hab Dank, dass Du mich ausnimmst! Ich hätte mich - ehrlich gesagt - auch nicht angesprochen gefühlt.

    Lieber Caruso41,


    davon bin ich überzeugt! Ich hatte diesen Zusatz auch nur aus dem Grund angefügt, weil Du hier vorher mit Stimmenliebhaber einen Disput hattest. Damit keinesfalls der Eindruck entstehen sollte, daß sich das darauf beziehen könnte.


    Schon mal vorab danke für den Thread "József Réti", auf den ich später noch zurückkomme. Bin momentan etwas in Zeitdruck und schon auf dem Absprung.


    LG und schönen Sonntag,

    Nemorino

    es gibt so etwas Ähnliches tatsächlich hier schon und die Zugriffszahlen sind durchaus beachtlich

    Lieber MDM,


    danke für den Hinweis, ich kenne den Tamino Klassik-Kanon. Den finde ich gut, und da macht es auch Sinn, daß keine Diskussionen stattfinden. Sollte aber die Ausnahme bleiben.


    LG Nemorino

    Lieber Operus,


    zunächst vielen Dank für Deine Antwort auf meinen spätabendlichen Beitrag 137.

    Mein Entschluß, mich hier nicht mehr wie bisher täglich einzubringen, wurde viel früher gefaßt. Die gestrige Diskussion hat mich nur darin noch bestärkt, nicht weniger, aber auch nicht mehr.

    Immer wieder setzt sich bei mir der Eindruck fest, daß hier einige Teilnehmer "gleicher" sind als die anderen. Vor allem gibt es einige Mitglieder, die an sachlichen Themen so gut wie nichts einbringen, aber wie die Schlange hinter der Hecke nur darauf lauern, um aus nichtigem Grund jemand, den sie auf dem Kicker haben, ans Bein zu pinkeln, um es einmal ganz salopp auszudrücken. Ich brauche keine Namen zu nennen, jeder, der hier regelmäßig mitschreibt, weiß wer gemeint ist (zur Klarstellung: Caruso41 zählt nicht dazu!) Doch diese Leute genießen - wie mir scheint - Narrenfreiheit, denn sie werden so gut wie nie zur Ordnung gerufen, und erst recht werden ihre Boshaftigkeiten nicht gelöscht. Ich könnte Beispiele nennen, aber das würde zu weit führen. Daß dies nicht gerade zur Mitarbeit motiviert, sollte eigentlich jedem einleuchten.

    Des weiteren habe ich festgestellt, daß die Künstler und die Aufnahmen, mit denen ich mein Leben bereichert habe, inzwischen für die meisten hier keine Rolle mehr spielen, weil sie "in die Jahre" gekommen sind, wie ich und viele andere hier auch. Das ist eine ganz natürliche Entwicklung, die ich nicht beklagen will. Es ist lediglich eine Feststellung. Aber auch sonst bleibt man, selbst wenn man einen anderen Teilnehmer persönlich anspricht oder auf eine seiner Eintragungen eingeht, häufig ohne Antwort. Auch das führt dann zwangsläufig zu der Frage, ob man seine Zeit nicht besser mit anderen Dingen verbringt, z.B. Musik zu hören oder ein Buch zu lesen, statt hier Monologe zu schreiben, die unbeachtet bleiben. Natürlich ist niemand gezwungen zu antworten, aber auf die Dauer frustriert es doch, wenn keinerlei Diskussion aufkommt, wie das in den meisten Fällen passiert. Ich bin kein Selbstdarsteller, der sich hier mit seinen Beiträgen verewigen möchte. Einen Austausch über Interpreten und Kompositionen wünsche ich mir, denn die wenigen Freunde, die meine Interessen geteilt haben, weilen leider nicht mehr unter den Lebenden, oder sie sind in eine andere Stadt gezogen. Umso schöner wäre es, wenn man sich wenigstens in diesem Forum darüber austauschen könnte. Aber das wird ein schöner Traum bleiben ...

    Herbert Schäfer sollt einen eigenen Thread bekommen, in dem er ganz offen seine Meinung vertreten und Anekdoten erzählen kann über die dann auch nicht kontrovers diskutiert werden sollte.

    Lieber Operus,


    das ist schon wieder ein gutgemeinter Vorschlag, der aber TAMINO noch weiter von einem Diskussionsforum wegführt. Dann könnte man ja eigentlich jedem Mitglied einen eigenen Thread einräumen, in dem jeder schreiben kann, wie er lustig ist. Aber wer soll das lesen, wenn man darauf keine Antwort geben darf? Damit würde aus dem angestrebten Diskussionsforum ein "Monologforum". Ich zitiere Dich selbst: "Nur aus These und Antithese ergibt sich die Diskussion". Wie hätte ich Herbert Schaefer z.B. auf "Mario Filippeschi" antworten können, wenn er in einem geschlossenen Thread schreibt? Das macht doch nun wirklich keinen Sinn!


    Und nun noch etwas zu den Greisen: Diesen Begriff hat übrigens nicht Stimmenliebhaber, sondern Herbert Schaefer in die Diskussion eingebracht, und zwar in seinem Beitrag #99:

    Ich weiß garnicht was der " Stimmenliebhaber " hier eigentlich noch macht bei so vielen Greisen über 60 Jahren.

    Stimmenliebhaber hat darauf lediglich geschrieben (#100):

    Ganz ehrlich: Ich auch nicht.

    Was ist daran diskriminierend? Herr Schaefer steht zu seinem Alter, ich übrigens auch, und ich finde es nicht ehrenrührig, wenn ich als Greis bezeichnet werde, denn ich bin einer, ob ich will oder nicht. Die Dinge lägen anders, wenn man mich "senil" oder "dement" nennen würde. Das wäre eine Beleidigung, aber daß sich dieses Forum aus überwiegend älteren oder alten Männern zusammensetzt, ist kein Geheimnis und eigentlich ganz normal. Denn welche jungen Leute beschäftigen sich heutzutage intensiv mit Klassik, und wenn schon, haben sie meist nicht die Zeit, sich darüber in einem Forum weitschweifig auszutauschen. Was wir zum Glück können.

    Ich sehe also in dieser Sache absolut keine Diskriminierung, Herabsetzung oder gar eine Beleidigung. Hier sind schon ganz andere Dinge vom Stapel gelassen, aber nie beanstandet worden. Für mich eine Bagatelle, nicht der Rede wert!

    Und wer befindet darüber, was eine Unsachlichkeit, was eine Abwertung, was ein persönlicher Angriff ist?

    Und: wo werden denn im Forum wirklich ergebnisorientierte Sachdiskussionen geführt? Kann es darum überhaupt gehen?

    Auch das sollte man sehr sorgfältig bedenken, denn das liegt im allgemeinen immer im Auge oder Ermessen des Betrachters!

    Und was die "ergebnisorientierten Sachdiskussionen" betrifft, dazu habe ich weiter oben schon meine Meinung gesagt. Sie finden hier nämlich so gut wie nie statt, und wenn mal eine in Gang kommt, wird sie meist nach wenigen Sätzen im Keim erstickt.

    Ich bin seinerzeit mit Freude und hohen Erwartungen, aber auch mit gewissen Zweifeln, in dieses Forum gekommen, aber leider hat sich, zumindest auf weite Strecken, die Freude in Frust gewandelt, und meine Zweifel wurden bestätigt. Das ist schade, aber so ist das nun mal im Leben. Ich beabsichtige nicht, dem Forum den Rücken zu kehren, aber meine Motivation, mich hier wie früher regelmäßig zu Wort zu melden, tendiert gegen Null. Man wendet viel Zeit und Arbeit an, setzt sich stundenlang hin und sucht Zitate, Geschichten und Aufnahmen, um dann wenig später festzustellen, daß sie aus irgendeinem, meist nicht nachvollziehbaren Grund, im Nirwana gelandet sind. Da kann keine Freude aufkommen!


    LG Nemorino

    Hallo,


    bevor ich auf meinen gestrigen Eintrag 137 zurückkomme, möchte ich hier zunächst die einfachen Dinge abhandeln.

    Könnte es sein, daß das an Ihrer Anlage liegt ?

    Lieber Herr Schaefer,


    das halte ich für sehr wahrscheinlich. Denn ich konnte die Clips nur über meinen Laptop abhören, und das ist ja alles andere als optimal. Allerdings kam Ihre Stimme bei den anderen Arien wesentlich besser zur Geltung.

    Lieber Nemorino, gerade hast Du mir eine Freude gemacht, und zwar mit Deinem Beitrag bei den gefiederten Freunden. Bitte genau so. Freude statt Fehde!

    Lieber Operus,


    auch wenn es sich um gefiederte Freunde handelt, will ich mich nicht mit fremden Federn schmücken. Der von Dir angesprochene Beitrag wurde nicht von mir, sondern von moderato eingestellt. Da hast Du wohl etwas verwechselt. Kann jedem passieren:).


    LG Nemorino

    Wir sind hier in einem Diskussionsforum und da darf und soll jeder auch seine Meinung äußern, auch wenn diese völlig Kontrovers ist. Erst aus These und Antithese ergibt sich die Diskussion.

    Halten zu Gnaden, lieber Operus, aber wie verträgt sich dieser Satz mit dem Ruf nach dem Zensor?

    Ich bitte jetzt auch diese Beiträge wieder geräuschlos zu eliminieren.

    Ich stehe nun wahrlich nicht in dem Ruf, hier als Adlatus von Stimmenliebhaber aufzutreten, aber ich finde die Reaktion auf seine Auslassungen nun reichlich überzogen! Es ist doch kein Geheimnis, daß die meisten Forumsteilnehmer nicht zur jungen Generation zählen, auch ich nicht, der inzwischen die 78 vollgemacht hat. Deshalb muß man doch nicht beleidigt sein, wenn hier das Alter zum Thema gemacht wird! Ich jedenfalls habe mich dadurch nicht angesprochen gefühlt, aber als ich gestern Deinen oben zitierten Eingangssatz las, wollte ich spontan schreiben, ob wir beide uns im gleichen Forum befinden.

    TAMINO erhebt den Anspruch, ein Diskussionsforum zu sein, aber ich habe schon seit geraumer Zeit den Eindruck, daß explizit Diskussionen hier unerwünscht sind. Sobald eine aufkommt, wie seit gestern hier, dauert es in der Regel keine 24 Stunden, bis jemand nach Löschung einiger oder aller Beiträge schreit, und in aller Regel wird das dann auch prompt befolgt. Ich verstehe die Welt nicht mehr!

    Nur ein Beispiel: Vor einigen Wochen habe ich aus gegebenem Anlaß einen neuen Thread eröffnet mit dem Titel "TAMINO - DISKUSSIONSFORUM ODER HAIFISCHBECKEN?" oder so ähnlich. Es ging damals schlicht um Beethovens Waldsteinsonate, über die sich zwei Akademiker hier so in die Haare geraten waren, daß griffige Verbalinjurien hin und her flogen. Und was passierte? Keine drei Stunden später war mein neuer Thread im Orkus verschwunden bzw. geschlossen worden, damit nur ja keine Diskussion aufkommt!

    Noch ein Beispiel: Vor ein paar Monaten hatte jemand eine flapsige Bemerkung losgelassen, weil jemand - ich weiß nicht mehr genau wer - noch im März ein Weihnachtslied oder so ähnlich zitiert hatte. Kurz darauf war der gesamte Thread "Advent 2019" sang- und klanglos verschwunden. Dabei hatte ich weder Zeit noch Mühe gescheut, vergessene Gedichte und Geschichten dort einzubringen, sogar alte Bücher vom Speicher geholt und Bekannte mobilisiert, um diese hier der Vergessenheit zu entreißen. Weg war alles, aus und vorbei! Wundert es da, wenn erst einmal sich Enttäuschung einstellt, dann Ärger und schließlich Resignation?

    Gestern erst habe ich mich - nach mehr als 7wöchiger Pause - erstmals hier wieder zu Wort gemeldet, und ich kann nirgends feststellen, daß ich mich hier irgendwie oder irgendwo im Ton vergriffen habe, und schon wird wieder die Zensur bemüht!

    Jeder, der hier mitschreibt, weiß, daß ich mich regelmäßig hier eingebracht habe, aber mir ist die Lust zur Mitarbeit inzwischen gründlich vergangen. Forenregeln sind dazu da, eingehalten zu werden, aber ich kann zumindest hier keinerlei Diskriminierung feststellen, die einen Eingriff nötig macht. Wie in etlichen anderen Fällen auch. Ich werde in Zukunft meine Mitarbeit hier sehr einschränken, neue Threads sind nicht mehr von mir zu erwarten. Ich werde mich aber, solange man mich denn läßt, hin und wieder, wenn mir ein Thema wichtig oder interessant genug erscheint, zu Wort melden. Mehr ist nicht mehr von mir zu erwarten.


    Ich hatte geglaubt, daß man sich hier auf anständiger Ebene über Klassik und ihre Interpreten austauschen könnte. Daß dabei auch mal Meinungsdifferenzen auftreten, ist ganz normal, sonst wäre es ja todlangweilig. Wenn aber dann jedesmal gleich die Zensur bemüht werden soll, wenn ein Wort oder Satz fällt, der nicht jedem gefällt, so erinnert mich das an einen Kindergarten, aber nicht an ein Forum für erwachsene Menschen.


    Gute Nacht!

    Nemorino