Beiträge von nemorino

    Eine Aufnahme möchte ich hier noch nennen, die ein öffentliches Konzert enthält, das 1976 zugunsten von "amnesty international" in München stattfand:

    2xLP Beethoven (Arrau / Bernstein) Symphonie Nr. 5 · Klavierkonzert Nr. 4 · Ouv - Bild 1 von 1

    Leonard Bernstein dirigierte das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks. Der Solist war der chilenische Pianist Claudio Arrau.

    Im Jahr 1978 brachte die DGG das Konzert als 2 LP-Album heraus. Bis heute ist es unter Plattensammlern begehrt und wurde später sogar auf CD überspielt:

    BEETHOVEN SYMPHONIE Nr. 5 & KLAVIERKONZERT Nr. 4 DOPPELT 4-SPUR OFFENE ROLLE @ 7-1/2ips - Bild 1 von 3

    Während das LP-Album gebraucht noch zu einem vernünftigen Preis zu haben ist, wird die CD-Ausgabe z.Zt. zu einem Preis angeboten, der die Tränen in die Augen treibt: US-Dollar 416,50 + US-Dollar 36,72 Versandkosten! Das sind umgerechnet ca. 385 Euro + 34 € für den Versand. Wer soll bzw. wer will das bezahlen? Ich jedenfalls nicht.


    Mehr interessiert mich aber, ob diese Aufnahme im Herkulessaal gemacht wurde. Das konnte ich nämlich leider nicht feststellen. Die Besetzung läßt aber diese Annahme zu. Vielleicht besitzt jemand das LP-Album (ich kann es bei mir nicht auffinden) und kann Auskunft geben. Das wäre schön.


    LG Nemorino

    Lieber Orfeo,


    es freut mich sehr, daß wenigstens ein Fan von Jussi Björling sich hier gemeldet hat! Ich habe Deine Einträge mit großem Interesse gelesen und daraus entnommen, daß Du Dich mit dem schwedischen Sänger sehr eingehend beschäftigt hast. Leider gibt es m.W. keine Biographie Björlings in deutscher Sprache, sonst stünde sie längst in meinem Bücherschrank.


    Ich habe von vorneherein nur wenig Resonanz hier erwartet; nach über einem halben Jahrhundert verblassen selbst die größten Leistungen von Künstlern. Nicht umsonst heißt es, daß die Nachwelt ihnen keine Kränze flicht. Das ist bedauerlich, aber leider nicht zu ändern. Auch große Sängerlexika wie z.B. die von Jürgen Kesting oder Jens Malte Fischer ändern daran nichts. Ein kleiner Kreis von Verehrern wird ihr Andenken hochhalten, doch für die große Masse haben sie nur noch historische Bedeutung.


    Deshalb werde ich auch mein Vorhaben, hier die weiteren Opern-Gesamtaufnahmen mit dem großen Sänger in Text und Bild vorzustellen, nicht weiter verfolgen. Die Opernfraktion im Tamino-Forum schrumpft ähnlich wie die der Linken im Deutschen Bundestag: die einen sterben aus, die anderen wandern ab und gehen eigene Wege.


    Eine Aufnahme möchte ich aber hier noch herausstellen, weil sie in ihrer Art einzigartig ist und bisher, zumindest nach meinem Gefühl, von keiner anderen je erreicht oder gar übertroffen wurde. Ursprünglich wurde sie im Jahr 1960 auf RCA als 2 LP-Kassette in Luxusausstattung herausgebracht. Ihr lag ein umfangreiches, reich bebildertes Textheft in mehreren Sprachen bei.

    So sah die deutsche Erstausgabe aus, die sich noch heute in meiner LP-Sammlung befindet:

    giuseppe verdi. requiem. (fritz reiner). rca, l - Buy LP vinyl records of  Classical Music, Opera, Zarzuela and Marches on todocoleccion


    Inzwischen ist sie natürlich längst in diversen Ausgaben auf CD überspielt worden, wie z.B.:

    Messa Da Requiem / QuattroRequiem / Quattro Pezzi Sacri


    Was die Sänger Leontyne Price, Rosalind Elias, Jussi Björling und Giorgio Tozzi in Gemeinschaft mit dem Wiener Singverein und den Wiener Philharmonikern unter Fritz Reiner hier geleistet haben, ist wie kaum eine andere Aufnahme für den Platten-Olymp geeignet. Man weiß gar nicht, wo man mit seinem Lob ansetzen soll. Man höre nur, mit welcher Hingabe Jussi Björling das "Kyrie" anstimmt, von seinem überirdischen "Ingemisco" ganz zu schweigen. Auch das "Hostias" singt er mirakulös, es klingt schier wie aus einer anderen Welt. Ohne die Leistungen der übrigen Sänger im geringsten schmälern zu wollen, steht Björling eindeutig im Mittelpunkt des exquisiten Sängerquartetts.

    Und der großartige ungarische Dirigent Fritz Reiner führt den Chor der Gesellschaft der Musikfreunde und die glänzend aufgelegten Wiener Philharmoniker mit größter Präzision und Leidenschaft. Für mich ist und bleibt diese Einspielung ein einsamer Glücksfall. Nach Aufkündigung der Zusammenarbeit mit dem US-Musikkonzern RCA übernahm die englische DECCA die Rechte an der Aufnahme. Deshalb sind alle CD-Veröffentlichungen auf diesem Label erschienen.


    Abschließend möchte ich zum Lob des Namensgebers dieses Thread noch diesen Satz von Sixtus aus dem Jahr 2018 zitieren, der mir aus der Seele gesprochen ist:

    Von allen Tenören, die mir je begegnet sind, hat kaum ein anderer bei mir immer wieder so ungetrübte Freude ausgelöst wie Jussi Björling. Besonders zwei Gesamtaufnahmen haben mich lebenslang begleitet: die Beecham-Bohème und der Cellini-Trovatore.

    LG Nemorino



    Wie ich inzwischen feststellen konnte, hat Ferenc Fricsay während seiner kurzen Zeit als Chefdirigent des Bayerischen Staatsorchesters einige bemerkenswerte Aufnahmen im Herkulessaal der Münchner Residenz gemacht. Wie bekannt, wurde Fricsay, der bis dahin das Radio-(RIAS)Symphonie-Orchester Berlin geleitet hatte, 1955 zum GMD an die Staatsoper München berufen. Leider mußte er bereits knapp drei Jahre später, 1958, sein Amt wegen seiner rasch fortschreitenden schweren Krankheit niederlegen.


    Es gelang ihm aber, in der kurzen Zeit seines Wirkens in München eine bis heute von Musikfreunden sehr geschätzte GA von Beethovens FIDELIO im Herkulessaal fertigzustellen, der erstmals als LP-Kassette so vorgelegt wurde:

    Beethoven: FIDELIO (Gesamtaufnahme: München 1957) [Vinyl Schallplatte] [2 LP Box-Set]


    Heute ist sie als Doppel-CD, wenn auch nur gebraucht, immer noch zu haben:


    Fidelio (Gesamtaufnahme) / Ouvertüren


    Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Aufnahme, vom Dirigenten abgesehen, durch die ungewöhnliche Besetzung: Die Wienerin Leonie Rysanek als Leonore, der lyrische Tenor Ernst Haefliger, mehr als Mozart- und Liedersänger bekannt, als Florestan und der junge Dietrich Fischer-Dieskau als Pizarro. Besonders diese Besetzung erregte Aufsehen und auch Widerspruch, manche sprachen gar von einer Fehlbesetzung. Sicher ist Fi-Di kein geborener Bösewicht, aber was ihm an Kraft der Stimme vielleicht fehlt, ersetzt er mühelos durch eine einzigartige, psychologisch sorgsam durchdachte Rollengestaltung. Die Aufnahme entstand zwischen Mai und Juli 1957 und kam zunächst nur in Monofassung, später dann auch in STEREO auf den Markt. Es war eine der allerersten Stereo-Produktionen der DGG.


    Dann schließlich noch eine Aufnahme, die bis heute von vielen Musikfreunden als eine großartige, wenn nicht herausragendste Interpretation von Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 betrachtet wird:

    Beethoven Konzert f?r Klavier und Orchester Nr. 3 c-moll. Mozart Rondos D-dur und A-dur. Bayerisches Staatsorchester. Vinyl LP.

    Annie Fischer (Klavier) und das Bayerische Staatsorchester, Dirigent: Ferenc Fricsay

    Aufnahmen: 12/1957 (Beethoven) und 9/1959 (Mozart) im Herkulessaal, München.


    Es handelt sich bei der obigen Abbildung um eine spätere Ausgabe der originalen DGG-Aufnahmen auf dem Billig-Label HELIODOR. Der Klang ist ausgezeichnetes Stereo; eine Einzelveröffentlichung auf CD hat es m.W. nicht gegeben. Man kann die Aufnahmen aber in der großen Fricsay-Box (45 CD) mit sämtlichen DGG-Orchesteraufnahmen Fricsays erwerben:

    Fricsay: Sämtliche DG Aufnahmen, Vol.1 - Orchestral Works


    LG Nemorino

    Natürlich gibt es über die "Jahrhundertstimme" Jussi Björling (1911-1960) nichts Neues mehr zu berichten, denn immerhin ist dieser großartige, unübertroffene Tenor seit mehr als einem halben Jahrhundert tot.

    Und trotzdem: Über 6 Jahre sind ins Land gegangen seit dem letzten Eintrag, was nicht nur traurig, sondern auch ein Indiz dafür ist, daß die Sparte "Oper" seit einigen Jahren im Tamino-Forum nur noch ein Schattendasein führt. Viele alte Opernfreunde, die sich regelmäßig zu Wort meldeten, sind aus diversen Gründen ausgeschieden oder weilen nicht mehr unter den Lebenden. Und neue sind nur spärlich hinzugekommen.


    Auch wenn ich mir nur wenig - oder vielleicht gar keine - Resonanz verspreche, möchte ich diesen Thread nach so langer Pause wieder einmal aufgreifen und der Reihe nach zunächst sämtliche Operngesamtaufnahmen, die mit dem schwedischen Ausnahmetenor gemacht wurden, kurz hier vorstellen. Die meisten sind sicher schon früher einmal genannt worden, aber vielleicht sollte man sie doch nicht ganz in Vergessenheit geraten lassen. Ich beschränke mich ausschließlich auf Studio-Produktionen.


    Wenn ich richtig gezählt habe, sind es insgesamt 11, eigentlich eine magere Ausbeute, selbst wenn man den frühen Tod des Sängers - er starb 49jährig in Stockholm an einem Herzinfarkt - berücksichtigt. Doch man weiß, daß Björling in seinen letzten Lebensjahren gesundheitlich angeschlagen war, und, was auch nicht verschwiegen werden soll, erhebliche Alkoholprobleme hatte. So war er von DECCA für die GA von Verdis "Un ballo in maschera" (Ein Maskenball) unter Sir Georg Solti verpflichtet worden, doch nachdem er zu einigen Probeterminen nicht erschienen war, wurde er in seinem Hotel in Rom am frühen Vormittag völlig betrunken aufgefunden, worauf ihn der Dirigent auf der Stelle entließ und durch Carlo Bergonzi ersetzte (was eigentlich mehr als ein "Ersatz" war, denn Bergonzi wurde zum eigentlichen Star der Aufnahme, die 1961 auf den Markt kam):

    Verdi: Un Ballo In Maschera


    Doch zurück zu Björlings Opern-Gesamtaufnahmen, die ich hier kurz in alphabetischer Reihenfolge aufzähle, nach Komponisten geordnet:

    1) Leoncavallo: I Pagliacci (Der Bajazzo), 1953 (Cellini, EMI)

    2) Mascagni: Cavalleria rusticana, 1952 (Cellini, RCA)

    3) Mascagni: Cavalleria rusticana, 1959 (Erede, Decca)*

    4) Puccini: La Bohème, 1956 (Beecham, EMI)

    5) Puccini: Madame Butterfly, 1960 (Santini, EMI)*

    6) Puccini: Manon Lescaut, 1954 (Perlea, RCA)

    7) Puccini: Tosca, 1957 (Leinsdorf, RCA)*

    8) Puccini: Turandot, 1959 (Leinsdorf, RCA)*

    9) Verdi: Aida, 1955 (Perlea, RCA)

    10) Verdi: Rigoletto, 1956 (Perlea, RCA)

    11) Verdi: Il Trovatore (Troubadour), 1952 (Cellini, RCA)


    Die mit einem Stern (*) versehenen Aufnahmen sind in STEREO erschienen.


    Schon die erstgenannte Oper, I PAGLIACCI, war ein Volltreffer, der gesanglich bis heute m.E. nicht überboten werden konnte:

    Leoncavallo: Pagliacci (Gesamtaufnahme) (Aufnahme New York 1953)  Pagliacci


    mit Victoria de los Angeles (Nedda), Leonard Warren (Tonio) und Robert Merrill (Silvio).


    Sie ist in diversen Ausgaben auf dem Markt erhältlich. Die NAXOS-Überspielung soll besonders gut gelungen sein.


    Die übrigen GA werde ich demnächst in loser Reihenfolge vorstellen.


    LG Nemorino

    Auch die große Clara Haskil hat zumindest eine Aufnahme im Herkulessaal gemacht:

    Wolfgang Amadeus Mozart - Clara Haskil / Ferenc Fricsay / Berliner  Philharmoniker / Bayerisches Staatsorchester – Konzerte Für Klavier Und  Orchester Nr. 19 F-Dur KV 459 Und Nr. 27 B-Dur KV 595 (1962, Vinyl) -  Discogs

    mit dem Bayerischen Staatsorchester München, Dirigent: Ferenc Fricsay (Aufnahme: 9/1957).

    Es ist Mozarts Klavierkonzert Nr. 27 KV 595, sein letztes. Gekoppelt ist es hier mit dem Konzert Nr. 19, das aber in Berlin aufgenommen wurde.

    Später hat die DGG auch eine CD in der Reihe "The Originals" daraus gemacht:


    MOZART Klavierkonzerte Nr. 19 & 27  Klaviersonate Clara Haskil Ferenc Fricsay OV - Bild 1 von 1


    LG Nemorino

    Vielen Dank, lieber Joseph II., für Deine prompte Reaktion. Ja, die Bruckner-Aufnahmen von Eugen Jochum waren in den 1950/60er Jahren "Kult", wie man es heutzutage ausdrücken würde. Leider für mich damals noch unerschwinglich (25 DM pro LP).


    Die "Parsifal"-Auszüge (Vorspiel und Karfreitagszauber) hatte ich auf einer 25 cm-LP, leider nicht mehr existent:

    Richard Wagner, Eugen Jochum, Sinfonie-Orchester Des Bayerischen Rundfunks  – Parsifal - Vorspiel Und Karfreitagszauber (1958, Gatefold, Vinyl) -  Discogs

    Sie zählte zu meinen ersten Stereoplatten.


    LG Nemorino

    Während das Bayerische Staatsorchester, das wahlweise auch unter dem Namen "Orchester der Bayerischen Staatsoper" firmiert, seine Aufnahmen bis zum Ende der 1970er Jahre vorzugsweise im Bürgerbräukeller an der Rosenheimer Straße produzierte, wählte das im Jahr 1949 gegründete SINFONIE-ORCHESTER DES BAYERISCHEN RUNDFUNKS den seit 1953 wieder hergestellten Herkulessaal der Münchner Residenz regelmäßig zu klassischen Schallplattenaufnahmen. Diese wurden überwiegend von der DGG mit den Chefdirigenten Eugen Jochum, der einer der Gründungsinitiatoren war und das Ensemble von 1949 bis 1960 leitete, und seinem Nachfolger Rafael Kubelik (1961-1979) geleitet.


    Eine der spektakulärsten Aufnahmen aus dieser Zeit ist der Mahler-Zyklus, mit dem Kubelik eine bahnbrechende Tat gelang. Er umfaßt sämtliche neun Sinfonien des im 3. Reich verfemten Komponisten und wurde 1970 vollendet:


    Sinfonien 1-10 (Ga)


    Hier noch eine kleine Auswahl von Kubelik-Aufnahmen aus der Residenz:



    Mendelssohn: Ein Sommernachtstraum / Weber: Ouvertüren  Janacek: Sinfonietta Taras Bulba


    Kubelik hat auch die "Missa Glagolitica" von Janácek dort aufgenommen:


    Janáček / Evelyn Lear · Hilde Rössel-Majdan · Ernst Haefliger · Franz Crass  · Chor & Symphonieorchester Des Bayerischen Rundfunks, Rafael Kubelik –  Missa Glagolitica / Tagebuch Eines Verschollenen (CD) - Discogs



    Auch Eugen Jochum nutzte gerne den Herkulessaal für seine Aufnahmen. So entstanden etliche Sinfonien seines Bruckner-Zyklus dort, während einige Sinfonien (die mit den Berliner Philharmonikern) in der Berliner Jesus-Christus-Kirche aufgezeichnet wurden:


    Bruckner: Symphonien 1-9


    Auf dieser Doppel-CD gibt es gleich zwei Haydn-Messen aus dem Herkulessaal:


    Messen

    a) die "Cäcilien-Messe" mit Eugen Jochum (1958)

    b) die "Paukenmesse" mit Rafael Kubelik (1963)

    (Die "Kleine Orgelmesse" unter Theobald Schrems wurde in Regensburg aufgenommen).


    Zum Schluß noch ein Bild des Herkulessaales (während einer Konzertaufführung):

    München: Meisterkonzert im Herkulessaal der Residenz | GetYourGuide


    Der Name "Herkulessaal" entstand durch die Anschaffung einer Reihe von Wandteppichen, die von Herzog Albrecht V. im Jahr 1565 in Auftrag gegeben wurden und den Saal bis 1993 schmückten. Danach wurden sie, um sie vor Beschädigungen zu bewahren, gegen gedruckte Kopien ausgetauscht. Übrigens, der Saal wird auch häufig zu offiziellen Staatsempfängen der Bayerischen Staatsregierung genutzt.


    LG Nemorino

    Ich habe mal meine ganze, nicht gerade kleine CD-Sammlung durchforstet und keine einzige Aufnahme entdeckt, die im Funkhaus des BR entstanden ist. Das muß zwar nicht unbedingt heißen, daß es keine gibt, denn auf den meisten älteren CDs (oder den preisgünstigen) ist der Aufnahmeort gar nicht vermerkt.


    LG Nemorino

    Die Goodman Aufnahme ist wirklich empfehlenswert, aber gebraucht sehr teuer.

    Lieber kalli,


    man muß nur etwas lange suchen, dann wird man meist fündig. Ich habe die Goodman-Aufnahme der Sinfonien Nr. 76-78 gestern für schlappe 5 € erstanden, "gebraucht, sehr gut".

    Nachdem ich festgestellt hatte, daß ich diese Stücke lediglich in der Nimbus-GA mit Adam Fischer und dem Österreich-Ungarischen Orchester hatte, will ich mir nun eine echte Alternative anhören. Sobald sie da ist, werde ich mich dazu äußern.


    LG Nemorino

    Eine schöne, bisher noch nicht genannte Aufnahme der Nr. 90 ist hier dabei:


    Haydn: Symphony No. 89 in F Major, Hob.I:89 - 4. Finale: Vivace assai


    Karl Böhm und die Wiener Philharmoniker (Aufnahmen: 1973/75, Wien).


    Warum die DGG ihren langjährigen Hausdirigenten nur die Sinfonien Nr. 88 bis 92 (also die fünf Werke zwischen den "Pariser" und den "Londoner" Sinfonien) aufnehmen ließ, ist mir nicht bekannt. Es sind jedenfalls wertvolle, gut klingende Produktionen.


    LG Nemorino

    Dass Leopold Ludwig diese Haydn-Werke eingespielt hat, war mir völlig unbekannt.

    Mir auch, bis ich gestern beim Suchen nach etwas ganz anderem auf diese Aufnahme stieß.


    Leopold Ludwig hingegen ist mir als Dirigent kein Unbekannter, er wirkte nach dem Krieg vor allem als langjähriger GMD an der Hamburger Staatsoper (1951-1971). Der gebürtige Österreicher starb 1979 im Alter von 71 Jahren in Lüneburg. Er machte auch viele Plattenaufnahmen, eine davon ist besonders berühmt geworden:


    Klavierkonzerte 4 & 5


    Es hat mich gefreut, lieber Joseph II., daß ich Dir einen brauchbaren Tip geben konnte. Hoffentlich war er nicht zu teuer.


    LG Nemorino

    Nicht direkt der Kulturszene zugehörig, aber ihr doch sehr verbunden, war Klaus Otto Nagorsnik, geboren 1955 in Billerbeck (Westf.), gestorben im April 2024. Er zählte zum Rateteam der Fernsehsendung "Gefragt -Gejagt" und war durch sein umfangreiches Wissen, vor allem in Bereich der Allgemeinbildung, insonderheit was griechische Mythologie, römische Geschichte und überhaupt Geschichte, Malerei, Musik und Geographie betrifft, ein besonders herausragender "Jäger". Bis zu seiner Pensionierung war er als Bibliothekar in der Stadtbücherei Münster tätig und lebte seit fast 30 Jahren ohne Fernseher.

    Bildergebnis für Klaus Otto Nagorsnik Cordula


    Ich schaue mir gerne diese Ratesendung, die weit über die üblichen, meist flachen "Quiz-Shows" hinausragt, an und trauere um einen hochgebildeten, sympathischen Menschen, der nun plötzlich im Alter von 68 Jahren von uns gegangen ist. Ich werde ihn sehr vermissen. R.I.P.


    Nemorino

    Josef Krips war überhaupt ein überragender Mozart-Dirigent, wie seine legendären DECCA-Aufnahmen der Opern "Die Entführung aus dem Serail" und "Don Giovanni" aus den 1950er Jahren zeigen. Seine Karriere wurde durch die Nazis gewaltsam unterbrochen, die ihm seine jüdische Herkunft nicht verzeihen konnten. Deshalb mußte Krips während des Krieges untertauchen und war zeitweilig als Lagerverwalter tätig. Erst nach der Befreiung konnte er wieder als Musiker an die Öffentlichkeit treten.

    Krips hat schon, lange vor seiner PHILIPS-Reihe der späten Sinfonien, für DECCA einige sinfonische Aufnahmen gemacht:

    Mozart - Symphony No. 41 Jupiter / Symphony No. 35 Haffner

    hier mit dem Israel Philharmonic Orchestra, dem er sich in besonderer Weise verbunden fühlte. Eine Stereo-Produktion von Anfang der 1960er Jahre. Es gibt aber auch aus der Mono-Ära diverse Aufnahmen, die nur zum Teil auf die CD überspielt wurden.


    LG Nemorino

    Während der letzten Tage habe ich mir noch einmal meine vorhandenen Aufnahmen der Bizet-Sinfonie vorgenommen. Es sind die mit Sir Thomas Beecham (EMI), Leopold Stokowski (CBS/Sony), Charles Münch (Adès), John Eliot Gardiner (Erato), Hugh Wolff (Teldec) und Leonard Bernstein (CBS/Sony).


    Es gibt darunter keine schlechte, und die Auswahl ist nicht leicht. Ohne die Leistungen der anderen Dirigenten im geringsten schmälern zu wollen, gefällt mir diese Version von allen schlußendlich am besten:

    The Royal Edition Vol. 17

    Die Aufnahme entstand im Mai 1963 im Manhattan Center, New York City, und ist auch noch in diversen anderen Versionen erhältlich.


    Es ist in besonderer Weise der 2. Satz "Adagio", der mich bei Bernstein so sehr gefesselt hat. Er führt seine New Yorker Philharmoniker am lockeren Zügel , ohne auch nur eine Sekunde die Kontrolle aus der Hand zu geben. Das Spiel ist delikat, keine Nuance bleibt unbeachtet. Man gerät in einen Zauberbann, der bis zur letzten Note anhält. Bernstein macht aus dem kleinen Werk große Musik! Vor allem, er läßt sich Zeit, nichts geht verloren, er nimmt den genialen Jugendstreich ernst, ohne ihn seiner Frische zu berauben. Ein Spagat, der nicht einfach ist, sich aber ganz einfach anhört. Das gilt auch uneingeschränkt für die übrigen Sätze. Eine klare Empfehlung!


    LG Nemorino

    Auch diverse Orchesterwerke sind im Bürgerbräukeller aufgezeichnet worden:

    Romantische Ouvertüren: Der Freischütz, Oberon, Euryanthe, Die lustigen Weiber von Windsor, Der Wildschütz, Martha - 1C 03...  Haydn: Sinfonien Nr. 31 'Auf dem Anstand' und Nr. 73 'Die Jagd'


    und eine ganz wichtige Opernaufnahme habe ich gestern auch vergessen:

    Martha (Ga) Flotow: Martha (Gesamtaufnahme) (Aufnahme München 1968)

    mit Anneliese Rothenberger (Lady), Brigitte Fassbaender (Nancy), Nicolai Gedda (Lyonel), Hermann Prey (Plumkett) u.v.a.

    Robert Heger dirigiert den Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper München

    (Aufnahme: 3/1968).

    Für mich die schönste Aufnahme dieser einstmals berühmten deutschen Spieloper, wenn ich einmal von der historischen Aufnahme aus 1944 mit Erna Berger (Lady Durham) und Peter Anders (Lyonel) absehe.

    Selbst den Wiederbelebungsversuchen von Loriot, der das Werk in den 1970er Jahren u.a. an der Stuttgarter Staatsoper inszenierte, war kein bleibender Erfolg beschieden. Schade.


    LG Nemorino

    Am vergangenen Mittwoch hat unser neues Mitglied "Leisetreter" einen Thread über den Münchner Bürgerbräukeller eröffnet.

    Auch diese Aufnahme der Sinfonien Nr. 31 und 73 ist dort entstanden:

    Haydn: Sinfonien Nr. 31 'Auf dem Anstand' und Nr. 73 'Die Jagd'

    Leopold Ludwig und das Sinfonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks (Aufnahme: 4/1966).


    Mir ist nicht bekannt, ob es eine CD-Ausgabe gibt bzw. gegeben hat.


    LG Nemorino

    Beim Stöbern in meiner Sammlung habe ich noch folgende CD entdeckt, die seit Jahren im Dornröschenschlaf schlummerte (bis heute):

    Tschaikowsky, Romeo und Julia,Serenade für Streichorchester,Ouverture solennelle - Bild 1 von 1

    Das Orpheus Chamber Orchestra spielt Tschaikowskys Streicherserenade C-dur op. 48. Wie immer ohne Dirigent, das ist seit der Gründung 1972 satzungsmäßig verankert. Die Aufnahme wurde 12/1986 produziert. Das Zusammenspiel klappt ausgezeichnet, der digitale Klang ist bestens, und an der Interpretation gibt es nichts zu deuteln. Auch die "Beigaben" können sich hören lassen.


    LG Nemorino

    ... besorge dir doch mal die Einspielung von Sviatoslav Richter. Es dürfte eine seiner besten Einspielungen überhaupt sein

    Lieber Christian B.,


    ich denke, Du sprichst von dieser Aufnahme:

    Schumann: Bunte Blätter Op. 99, Brahms: 6 Klavierstücke Op. 118

    die ich allerdings nicht auf CD, sondern als LP besitze. Leider seit Jahren ungehört, aber in bester Erinnerung. Aufnahmedaten sind nicht vermerkt (vermutlich frühe 70er Jahre?).


    LG Nemorino

    Der Bürgerbräukeller in München erlebte in den 1960/70er Jahren seine Glanzzeit als Aufnahmestudio der Kölner Firma ELECTROLA, dem deutschen EMI-Ableger, nachdem er Jahre zuvor traurige Berühmtheit, als Adolf Hitler dort am 9. November 1923 seinen gescheiterten Putschversuch gegen die Reichsregierung in Berlin unternahm.


    Das Gebäude wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt, konnte aber in der Folgezeit wieder aufgebaut und zu vielseitigen Veranstaltungen genutzt werden. ELECTROLA nahm dort in rascher Folge zahlreiche Opern und Operetten, dazu auch eine Reihe von Querschnitten mit berühmten deutschen Künstlern auf. Eine davon ist diese schöne ZAUBERFLÖTE aus dem Jahr 1972:

    Wolfgang Sawallisch dirigiert den Chor und das Orchester der Bayerischen Staatsoper München

    (Aufnahme: 1972).


    Beliebt und berühmt waren (und sind) u.a. diese Aufnahmen:

    Die Lustigen Weiber Von Windsor (Ga) Der Freischütz


    Der Postillon von LonjumeauLortzing: Der Wildschütz (Gesamtaufnahme) (Aufnahme München 1963)



    Wie aus den Abbildungen hervorgeht, wirkten herausragende Künstler mit, u.a. Fritz Wunderlich, Nicolai Gedda, Gottlob Frick, Franz Crass, Birgit Nilsson, Walter Berry u.v.a.


    Es würde viel zu weit führen, hier sämtliche Aufnahmen aus diesem historischen Haus aufzuführen, sie gehen in die Dutzende. Schließlich wurde der Bürgerbräukeller samt der anschließenden Anbauten im Jahr 1979 abgerissen, um Platz für ein modernes HILTON-Hotel und andere Neubauten zu schaffen. Warum es nicht unter Denkmalschutz stand, ist mir nicht bekannt.


    LG Nemorino


    Ich war von den Schallplatten her auf Perlman fixiert was die Violine betraf.

    Lieber Alfred,


    auch ich war mehrmals drauf und dran, mir die Perlman/Levine-Aufnahme zu kaufen, doch da ich bereits Grumiaux/Davis und Schneiderhan hatte, dazu noch etliche Einzelaufnahmen, habe ich mich schließlich für Kremer/Harnoncourt entschieden, weil mir ziemlich klar war, daß dies eine echte Alternative wäre zu den vorhandenen. Das ist sie auch, aber gefallen tun sie mir nicht.

    Nun habe ich mich heute kurz entschlossen, mir noch die Perlman/Levine-Version anzuschaffen:


    und gleich bestellt. Nun bin ich gespannt.

    Harnoncourt ist ein blitzgescheiter Mann, der wunderbar theoretisch über Musik und wie man sie aufführt zu dozieren vermag. Er kann mich überzeugen - so lange bis er den Taktstock in die Hand nimmt....

    Hier kann ich jedes Wort unterstreichen! Harnoncourts Auslassungen und Erklärung über klassische Musik allgemein und die "Klangrede" speziell fand ich sehr spannend und lehrreich. So habe ich u.a. eine CD mit einer Einführung in die Beethoven-Sinfonien, die anläßlich seiner GA in den 1980er Jahren erschien. Aber als Dirigent hat er mich so gut wie nie fesseln können. Das spielt sich alles auf hohem Niveau ab, aber, schlicht gesagt, es läßt mich kalt. Beispiele: Seine Mozart-Sinfonien mit dem CO Amsterdam (Teldec), die Posthorn-Serenade (Teldec) und auch seine zweite, digitale GA der Brandenburgischen Konzerte. Viel mehr von ihm steht nicht bei mir im Regal, wenn ich von den Mozart-Konzerten mit Gidon Kremer absehe. Und auch da stimme ich mit Dir überein: Außer diesen habe ich noch das Brahms-Konzert mit Bernstein (DGG), das ich mir vor allem des Dirigenten wegen gekauft habe, und auch die steht seit Jahren ungespielt in einer hinteren Reihe. Da greife ich doch lieber zu Szeryng/Monteux (RCA), oder zu Oistrach mit Klemperer (EMI).


    LG nach Wien,

    Nemorino

    wie sich der Geschmack und der Zeitgeist geändert hat - zumindest versucht man es, dies uns einzureden. Vielleicht sollten wir mal alte Einspielungen den neuen gegenüberstellen.

    Da stellt sich zunächst die Frage, was alte und was neue Einspielungen sind. Da meine Sammelleidenschaft sich im wesentlichen auf die Jahre der LP (ab 1950) bis ca. 1990 beschränkt, so kann ich über die Aufnahmen, die nach 1990 auf den Markt kamen, wenig bis gar nichts sagen.

    Doch Geschmack und Zeitgeist sind einer ständigen Wandlung unterworfen; das war früher so und wird auch in Zukunft nicht anders sein.

    Ich habe Alfreds Anregung zum Anlaß genommen, mir einmal meine GA der Mozart-Violinkonzerte anzuschauen und Vergleiche anzustellen.

    Neben etlichen Einzelaufnahmen habe ich mir in den 1960er Jahren die GA mit dem Solisten Arthur Grumiaux und dem London Symphony Orchestra unter Sir Colin Davis angeschafft (Aufnahmen: 1961-1964). Für mich sind diese Aufnahmen zeitlos, ähnlich der Sinfonien-GA unter Karl Böhm, weil sie einen Stil verkörpern, der weder einer Mode noch einem Trend unterliegt und damit nicht dem Zeitgeist huldigt, sondern ohne Wenn und Aber den Intentionen des Komponisten zu folgen versucht:

    Die Violinkonzerte

    Mozart schrieb seine 5 Violinkonzerte innerhalb weniger Monate, im Jahr 1775, als er knapp 20 Jahre jung war. Grumiaux spielt seinen Mozart schlackenlos, ohne Erdenschwere, und doch schwungvoll und inspiriert. Und in Colin Davis hat er einen idealen Partner, der mit ihm ganz auf einer Wellenlänge liegt. Es sind Aufnahmen, die nicht veralten, es sei denn, man will nur Interpretationen gelten lassen, die HIP-orientiert sind und allen traditionellen Einspielungen konsequent aus dem Weg geht.

    Zwei Jahrzehnte später legte dann die DGG eine Aufnahme der Violinkonzerte vor, die ganz bewußt einen ganz anderen Weg einschlägt:

    Mozart: 5 Violin Concertos - Sinfonia Concertante

    Gidon Kremer mit den Wiener Philharmonikern, Dirigent: Nikolaus Harnoncourt

    (Aufnahmen: Wien, 1984-1986).


    Gidon Kremer ist ein großartiger Virtuose, und sein Kompagnon Harnoncourt leitet die Wiener Philharmoniker souverän. Und trotzdem: So richtig vertraut bin ich mit diesen Aufnahmen nicht geworden. Alles klingt, vor allem im direkten Vergleich mit Grumiaux, nüchtern, ohne Wärme, mehr auf äußeren Glanz und Virtuosität als auf Ausgeglichenheit bedacht. Das ist zumindest mein Eindruck. Wie gesagt, es sind Aufnahmen von hoher Professionalität, aber ich vermisse den seidigen Klang und die einmalige Wärme, die Grumiaux und Davis so unnachahmlich vermitteln.


    Sehr ans Herz gewachsen sind mir dagegen die Aufnahmen mit Henryk Szeryng , der mit Alexander Gibson (Philips) und wiederum dem LSO eine wunderbare, geigerisch souveräne und künstlerisch hochwertige Lesart vorgeführt hat. Ähnliches ist von David Oistrach (EMI) zu sagen, der in den 1970er Jahren mit den Berliner Philharmonikern eine glänzende Leistung vollbracht hat. Die Aufnahmen entstanden in der Grunewaldkirche, seinerzeit dem ständigen Aufnahmestudio der ELECTROLA in Berlin. Hier vermisse ich allerdings nicht oft, aber an manchen Stellen die Abwesenheit eines Dirigenten, doch David Oistrach wollte die Konzerte unbedingt ganz nach seinen eigenen Vorstellungen gestalten. Auch Wolfgang Schneiderhan (DGG) ist so verfahren, als er in den späten 60er Jahren seine Auffassung von Mozarts Violinkonzerten auf LP verewigt hat, nachdem er vorher bereits die Konzerte Nr. 4 & 5 unter Mitwirkung von Dirigenten wie Hans Rosbaud, Ferdinand Leitner (Mono) und Hans Schmidt-Isserstedt (Stereo) vorgelegt hatte. Für seine GA hat er, wie sein Kollege Oistrach, die Berliner Philharmoniker herangezogen. Es sind ausgewogene, geigerisch feinsinnige Interpretationen, die dem ganz persönlichen Stil dieses großen Künstlers entsprechen. Leider sind sie inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten.


    LG Nemorino