Beiträge von Carlo

    Hallo, 'Otello50'!


    Ich habe diese Platte in der deutschen Pressung von 'Eurodisc' (75 751 KR) aus der Serie "Berühmte Stimmen des Bolshoi-Theaters"; später wurde sie in der preiswerten Serie "Die Auslese" (80 551 ZR) noch einmal veröffentlicht. (Die Katalognummer der 'Melodiia' war D 011473/74 - mono - bzw. S 0507/08 - stereo.) Vielleicht findest Du mit den folgenden Angaben einen Anbieter im Internet.


    Enthalten sind diese Arien: Recondita armonia - E lucevan le stelle (Tosca) / Tombe degl'avi miei... Fra poco a me ricovero (Lucia di Lammermoor) / Cielo e mar (La Gioconda) / Je crois entendre encore (Les pêcheurs de perles) / Quel trouble inconnu me pénêtre... Salut, demeure chaste et pure (Faust) / É la solita storia del pastore (L'Arlesiana) / M'appari, tutto amor (Martha) / Ion Piso wurde begleitet vom Orchester des Bolshoi-Theaters Moskau und der Dirigent war Boris Khaikin.


    Da ich nicht die Möglichkeit habe, Schallplatten auf CD zu überspielen, muss ich mir jemandem in meinem Bekanntenkreis suchen, der das machen kann. (Zur Zeit aus bekannten Gründen etwas schwierig.) Dann würde ich Dir gerne die entsprechende CD zuschicken.


    Carlo

    Liebe Taminos,

    hier nun die angekündigte Liste mit einigen Opern-Gesamtaufnahmen (Live-Mitschnitte) von und mit Kerstin Meyer:



    „Salome“ (Stockholm, 18. 11. 1954): (Page) mit Birgit Nilsson, Margareta Bergström, Arne Hendriksen, Sigurd Björling, Einar Andersson / Sixten Ehrling


    „Samson et Dalila“ (Stockholm, 12. 12. 1955): (Dalila) mit Set Svanholm, Erik Sundqvist, Erik Saedén, Folke Jonsson / Herbert Sandberg


    „Singoalla“ (Gunnar de Frumerie) (Stockholm, 22. 5. 1956): (Singoalla) mit Rut Moberg, Set Svanholm, Erik Sundqvist, Folke Jonsson, Georg Svedenbrandt, Carl-Axel Hallgren / Herbert Sandberg


    "Don Carlos" (Stockholm, 9. 6. 1956): (Princesse d'Eboli) mit Aase Nordmo-Lövberg, Busk Margit Jonsson, Set Svanholm, Hugo Hasslo, Joel Berglund, Sigurd Björling, Ingvar Wixell / Sixten Ehrling


    „Die Walküre“ (Stockholm, 18. 11. 1956): (Fricka und Rossweisse) mit Aase Nordmo-Lövberg, Birgit Nilsson, Set Svanholm, Sigurd Björling, Sven Nilsson / Sixten Ehrling


    „Siegfried“ (Stockholm, 20. 11. 1956): (Erda) mit Birgit Nilsson, Margareta Hallin, Set Svanholm, Paul Kuen, Sigurd Björling, Anders Näslund, Leon Björker / Sixten Ehrling


    „Rigoletto“ (Stockholm, 5. 1. 1957): (Maddalena) mit Eva Prytz, Barbro Ericson, Jussi Björling, Erik Sundqvist, Sven-Erik Jacobsson, Georg Svedenbrandt / Kurt Bendix (siehe Beitrag Nr. 13)


    „Elektra“ (Salzburg, 7. 8. 1957): (Erste Magd) mit Inge Borkh, Lisa Della Casa, Jean Madeira, Marilyn Horne, Lisa Otto, Kurt Böhme, Max Lorenz / Dimitri Mitropoulos


    „Arabella“ (Salzburg, 29. 7. 1958): (Kartenaufschlägerin) mit Lisa Della Casa, Anneliese Rothenberger, Ira Malaniuk, Eta Köhrer, Dietrich Fischer-Dieskau, Otto Edelmann / Joseph Keilberth


    „Le nozze di Figaro“ (Salzburg, 4. 8. 1958): (Marcellina) mit Elisabeth Schwarzkopf, Irmgard Seefried, Christa Ludwig, Erich Kunz, Dietrich Fischer-Dieskau, Murray Dickie, Georg Stern / Karl Böhm


    „Rigoletto“ (Stockholm 18. 1. 1959): (Maddalena) mit Margareta Hallin, Barbro Ericson, Nicolai Gedda, Hugo Hasslo, Arne Tyrén, Georg Svedenbrandt / Sixten Ehrling


    „Carmen“ (Stockholm, 11. 10. 1959): (Carmen) mit Eva Prytz, Ingeborg Kjellgren, Barbro Ericson, Arne Ohlson, Erik Sundqvist, Carl-Axel Hallgren, Anders Näslund / Sixten Ehrling


    „Il trovatore“ (Stockholm, 6. 3. 1960): (Azucena) mit Hjördis Schymberg, Ingeborg Kjellgren, Jussi Björling, Hugo Hasslo, Olle Sivall / Herbert Sandberg (siehe Beitrag Nr. 13)


    „Die Walküre" (Stockholm, 7. 3. 1960): (Fricka und Rossweisse) mit Anne Lund-Christiansen, Birgit Nilsson, Set Svanholm, Joel Berglund, Leon Björker / Sixten Ehrling


    „Les Troyens“ (London, 10. 5. 1960): (Didon) mit Amy Shuard, Joan Carlyle, Josephine Veasey, Jon Vickers, John Shaw, Joseph Rouleau / John Pritchard


    „Orfeo ed Euridice“ (New York 10. 3. 1962): (Orfeo) mit Lucine Amara, Anneliese Rothenberger / Jean Morel


    „Ariadne auf Naxos“ (New York, 2. 2. 1963): (Komponist) mit Leonie Rysanek, Roberta Peters, Jess Thomas, Walter Cassel, Theodor Uppman, Ezio Flagello / Karl Böhm


    "Die Walküre" (Stockholm, 6. 6. 1963): (Fricka) mit Aase Nordmo-Lövberg, Birgit Nilsson, Kolbjörn Höiseth, Sigurd Björling, Arne Tyrén / Michael Gielen


    „Tristan und Isolde“ (Bayreuth, 26. 7. 1963) (Brangäne) mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Gustav Neidlinger, Josef Greindl, Richard Martell, Hermann Winkler, Erwin Wohlfahrt, Hans Hanno Daum / Karl Böhm


    „Wozzeck“ (Tokio, 6. 11. 1963): (Marie) mit Alice Oelke, Walter Berry, Hans Beirer, Helmut Melchert, Walter Dicks, Loren Driscoll, Martin Vantin, Barry McDaniel / Heinrich Hollreiser


    „Tristan und Isolde“ (Bayreuth, 18. 7. 1964): (Brangäne) mit Birgit Nilsson, Wolfgang Windgassen, Gustav Neidlinger, Hans Hotter, Niels Möller, Hermann Winkler, Erwin Wohlfahrt, Hans Hanno Daum / Karl Böhm


    „Tristan und Isolde“ (Rom, 16. 1. 1965): (Brangäne) mit Anja Silja, Hans Beirer, Gustav Neidlinger, Martti Talvela, Günther Treptow, Renato Ercolani, Umberto Frisaldi / André Cluytens


    „Le nozze di Figaro“ (Salzburg, 26. 7. 1972): (Marcellina) mit Elizabeth Harwood, Edith Mathis, Teresa Berganza, Walter Berry, Tom Krause, Michel Sénéchal, Paolo Montarsolo / Herbert von Karajan


    „Elektra“ (London, 26. 10. 1973): (Klytämnestra) mit Danica Mastilovic, Heather Harper, Elizabeth Bainbridge, Heather Begg, Donald McIntyre, Richard Lewis, Richard Van Allan / Rudolf Kempe


    „Die Meistersinger von Nürnberg“ (Salzburg, 3. 3. 1975): (Magdalene) mit Gundula Janowitz, Karl Ridderbusch, René Kollo, Peter Schreier, Peter Lagger, Günther Leib, Jeff Vermeersch / Herbert von Karajan



    Insgesamt ist die Stimme von Kerstin Meyer also recht gut dokumentiert; zusammen mit ihren Fernseh-Dokumenten (Beitrag Nr. 22) ergibt sich so ein rundes Bild dieser eindrucksvollen und sehr vielseitigen Sängerin.


    Carlo

    Hallo!



    Heute stehen Werke von Paul Hindemith, Arthur Honegger und Eduard Künneke auf dem Programm.


    „Mainzer Umzug“ (Hindemith): Böppche – Anny Schlemm / Schöppche – Josef Traxel / Pronobis – Hubert Hofmann / Der Chor und das Orchester des Städtischen Theaters Mainz / Dirigent: Paul Hindemith (Mainz, Stadttheater, 23. 6. 1962, Uraufführung). Das Orchester trägt heute den stolzen Titel 'Philharmonisches Staatsorchester Mainz'.


    dto.: Böppche – Anny Schlemm / Schöppche – Josef Traxel / Pronobis – Hans Braun / Der Chor und das Große Sinfonie-Orchester des Österreichischen Rundfunks / Chorltg.: Gottfried Preinfalk / Dirigent: Paul Hindemith (Wien, Großer Sendesaal des ORF, 24. 10. 1962).


    dto.: Böppche – Anny Schlemm / Schöppche – Josef Traxel / Pronobis – Thomas Stewart / Der RIAS-Kammerchor / Chorltg.: Günther Arndt / Die Berliner Philharmoniker / Dirigent: Paul Hindemith (Berlin, Hochschule für Musik, 24. 1. 1963).


    Paul Hindemith komponierte diese als 'Volksvergnügen für Sopran, Tenor, Bariton, einen gemischten Chor und ein Orchester' bezeichnete Kantate zur 2000-Jahr-Feier der Stadt Mainz im Jahre 1962. In heiter-besinnlichen Versen von Carl Zuckmayer (geboren in Nackenheim bei Mainz) werden Ereignisse und Persönlichkeiten aus der Mainzer Stadtgeschichte geschildert, wobei das 'Böppche' und der 'Schöppche' im rheinhessischen Dialekt singen. Paul Hindemith (geboren in Hanau), Anny Schlemm aus Neu-Isenburg und der Mainzer Josef Traxel haben dieses 'Volksvergnügen', das ca. 40 Minuten dauert, nach der Uraufführung in Mainz auch noch in Wien und Berlin zu Gehör gebracht und diese Konzert-Aufführungen wurden alle im Rundfunk übertragen. Die Kantate beginnt übrigens mit den Worten: „Zweitausend Jahre sind wenig Zeit...“



    „Le roi David“ ('König David') (Honegger): mit Siw Ericsdotter, Martha Lipton und Josef Traxel / Trudik Daniel (Hexe von Endor) und Ernst Ginsberg (Sprecher) / Der Chor des Norddeutschen Rundfunks Hamburg / Chorltg.: Max Thurn / Der Kölner Rundfunkchor / Chorltg.: Bernhard Zimmermann / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Dirigent: Wolfgang Sawallisch (Wien, Musikverein, 15. 6. 1958, gesendet am 24. 6. 1958 im ORF).

    Aufgeführt wurde dieser „Symphonische Psalm in drei Teilen“ in der deutschen Übersetzung von Hans Reinhart, zusammen mit Arthur Honeggers Kantate „La danse des morts“ ('Der Totentanz'); hier wirkten Siw Ericsdotter, Martha Lipton, Walter Berry und Ernst Ginsberg mit. (Ein Konzert im Rahmen des 1. Europäischen Chorfestes der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien.)



    „Vier Lieder nach Gedichten von Hermann Löns“ (Künneke): Alle Birken grünen – Die roten Blätter rauschen – Kurz ist der Mai – Auf der Straße / Josef Traxel / Das Münchner Rundfunkorchester / Dirigent: Werner Schmidt-Boelcke (München, Funkhaus, ca. 1960) 'Hamburger Archiv für Gesangskunst' (gekoppelt mit einem Querschnitt aus Franz Lehárs „Der Zarewitsch“ - mit Sonja Schöner, Ursula Schirrmacher, Josef Traxel und Willy Hofmann – und Ausschnitten aus Leo Falls „Die Kaiserin“ mit Trude Eipperle und Josef Traxel). Eduard Künneke komponierte diese vier Lieder (ohne Opuszahl) 1937 für eine Gesangsstimme mit Klavierbegleitung; später wurden sie in einer Orchesterfassung als „Lönslieder-Suite“ bekannt.



    Viele Grüße!



    Carlo

    Liebe "Lanza-Fans",



    gleich zu Beginn muss ich einige Erwartungen dämpfen – ich bin kein 'Mario-Lanza-Experte'! Ich bin lediglich seit Jahrzehnten mit seiner Stimme vertraut, habe mehrere Schallplatten und CDs von ihm und sieben seiner Filme auf VHS-Kassetten (dank 'Tamino' ist kürzlich auch noch ein achter Film - „The Student Prince“ - hinzugekommen). Außerdem habe ich noch das schmale Buch „Mario Lanza – Tragödie einer Stimme“ von Hermann M. Hausner von 1962 und diverse Zeitschriftenartikel, ergänzt um Internet-Recherchen. Ich habe (bisher) keine der sieben CDs von der - mit Wiederveröffentlichungen von anglo-amerikanischer Unterhaltungsmusik bekannt gewordenen – Londoner Firma 'Sepia Records Ltd.' (vergleichbar mit der deutschen 'Bear Family Records GmbH' auf einem Bauernhof bei Bremen), denen sicher im Hinblick auf Mario Lanzas 100. Geburtstag im kommenden Jahr noch einige folgen werden; seine Aufnahmen von Geistlicher Musik und seine Weihnachtslieder fehlen bisher noch.


    Um sich in seiner umfangreichen Discographie zurechtzufinden, werde ich in mehreren Teilen seine Recitals (in chronologischer Abfolge) hier vorstellen, wobei ich mich auf die Erstveröffentlichungen - auf Langspielplatten und einige mir vorliegende Compact-Discs - beschränke; die nach seinem Tod 1959 einsetzende Flut von Kompilationen seiner Aufnahmen muss wegen der großen Anzahl und Unübersichtlichkeit ausgespart bleiben. Auch werde ich diese Schallplatten nicht bewerten; es soll jedem selbst überlassen sein, sich ein (akustisches) Bild dieses umstrittenen Sängers zu machen. Eines wird aber doch deutlich, nämlich dass – abseits der von manchen Melomanen angelegten strengen Kriterien - die Stimme Mario Lanzas zu den großen 'Immortal Voices' der Gesangsgeschichte zählt.


    Zu der immer wieder kolportierten Vermutung, Mario Lanza (wie auch angeblich Lauritz Melchior, Ezio Pinza oder Luciano Pavarotti) habe keine Noten lesen können, gibt es keine zeitgenössischen Aussagen von Sänger-Kollegen oder Dirigenten, die mit ihm gearbeitet haben. Es ist schwer vorstellbar, wie er die schiere Anzahl der von ihm im Radio – manchmal sogar 'prima-vista' - und auch in Konzerten live gesungenen Titel memoriert haben kann. Und auch die in der Presse oft geäußerte Behauptung, dass es seiner Stimme an dem entsprechenden Volumen für die Opernbühne fehlen würde, steht im Widerspruch zu vielfach überlieferten Aussagen von Konzertbesuchern, dass auch in riesigen Hallen seine Stimme auch auf weit entfernten Plätzen klar und deutlich zu hören war – und er sang stets ohne Lautsprecherverstärkung! (Bei seinem Abend am 16. 1. 1958 in der ausverkauften Royal Albert Hall - mit 7000 Sitzplätzen - wies er selbst das Publikum auf die auf dem Podium postierten Mikrophone hin, weil das Konzert für die Schallplatte mitgeschnitten wurde; drei Tage später wiederholte er das Konzert ohne Mikrophone. Allerdings verweigerte Mario Lanza später seine Einwilligung zur Veröffentlichung dieses Mitschnitts, der erst nach seinem Tod 1960 auf Schallplatten erschien.)


    Als das früheste Tondokument von Mario Lanzas Stimme gilt eine Privataufnahme (mit Klavierbegleitung) von Gaetano Enrico Penninos „Pecché?“, die der Neunzehnjährige 1940 zum Geburtstag seines Vaters auf eine Schelllackplatte pressen ließ. ('Freddie' – ein Einzelkind und ein ausgesprochener Familienmensch – war seinen Eltern stets ein ihnen in Dankbarkeit zugetaner Sohn. Da sein Vater Antonio Cocozza durch eine im Ersten Weltkrieg erlittene Verletzung invalid war, sorgten dessen Vater mit einem Kolonialwarengeschäft und Freddies Mutter, Maria Lanza, als Verkäuferin für das Familien-Einkommen, wobei sie noch eine zweite Arbeitsstelle antrat, um ihrem Sohn das Gesangsstudium zu finanzieren.) Nach seinem 'demob' aus der Armee ging Mario Lanza - wie er sich ab 1948 legal nennen konnte – im Juni 1945 nach New York, machte dort einige Testaufnahmen für 'RCA', sang im Rundfunk (u. a. als Einspringer für Jan Peerce in der Sendereihe „Great Moments in Music“) und unternahm für die Agentur 'Columbia Artists Management' Konzerttourneen (als Solist und mit dem „Bel Canto Trio“) durch die USA.



    Vor einigen Jahren tauchte ein klanglich akzeptabler Mitschnitt des Konzerts vom 28. 8. 1947 aus der 'Hollywood Bowl' auf, einer riesigen Freiluft-Arena bei Los Angeles und vergleichbar mit der Berliner 'Waldbühne'. Begleitet vom Hollywood Bowl Orchestra unter der Leitung von Eugene Ormandy sang Mario Lanza drei Arien und drei Duette mit seiner Partnerin im „Bel Canto Trio“, der Sopranistin Frances Yeend (der Dritte dieses Gesangs-Ensembles, George London, saß im Publikum). Die Aufnahme des gesamten Konzerts, bei dem Mario Lanza für 'MGM' entdeckt wurde, ist u. a. auf der folgenden CD von 'Myto' zu hören:


    "Mario Lanza, Frances Yeend, Eugene Ormandy - at the Hollywood Bowl 1947": „Passacaglia und Fuge in d-moll, BWV 582“ (Johann Sebastian Bach) – 'Una furtiva lagrima'+ („L'elisir d'amore“ / Gaetano Donizetti) – 'Un dì all'azzurro spazio guardai profondo'+ („Andrea Chenier“ / Umberto Giordano) – 'E lucevan le stelle'+ („Tosca“ / Giacomo Puccini) - „Vierte Symphonie in A-Dur, op. 90 – Erster Satz“ (Felix Mendelssohn-Bartholdy) – Motette „Exsultate, jubilate, KV 165 – Allelujah“* (Wolfgang Amadé Mozart) – 'Wie nahte mir der Schlummer'* („Der Freischütz“ / Carl Maria von Weber) – Lied „Kling!, op. 48/3“* (Richard Strauss) – 'O mia Violetta!... Parigi, o cara'*+ („La Traviata“ / Giuseppe Verdi) – 'Vogliatemi bene, un bene piccolino'*+ („Madama Butterfly“ / Giacomo Puccini) – 'O soave fanciulla'*+ („La Bohème“ / Giacomo Puccini) – Walzer „An der schönen blauen Donau, op, 314“ (Johann Strauß Sohn) / Frances Yeend* (Sopran) / Mario Lanza+ (Tenor) / The Hollywood Bowl Orchestra / Dirigent: Eugene Ormandy (Los Angeles, Hollywood Bowl, 28. 8. 1947) 'Myto' MCD 00303 (1 CD, Kroatien, 2012).


    Wer Mario Lanza in diesem Konzert – bei dem stets ein falsches Datum (27. 8. 1947) genannt wird – 'pur' hören möchte, ist mit der folgenden CD gut bedient, da sie auch noch einige Tonbeispiele aus der von Juni bis September 1951 von diversen amerikanischen Rundfunksendern ausgestrahlten „Mario Lanza Show“ enthält, die von der Getränke-Firma 'Coca-Cola' gesponsert wurde und daher als „Coke Show“ bekannt ist.


    "Mario Lanza Live at the Hollywood Bowl 1947": 'Una furtiva lagrima' („L'elisir d'amore“ / Gaetano Donizetti) – 'Un dì all'azzurro spazio guardai profondo' („Andrea Chenier“ / Umberto Giordano) – 'E lucevan le stelle' („Tosca“ / Giacomo Puccini) – 'O mia Violetta... Parigi, o cara'* („La Traviata“ / Giuseppe Verdi) – 'Vogliatemi bene, un bene piccolino'* („Madama Butterfly“ / Giacomo Puccini) – 'O soave fanciulla'* („La Bohème) / Frances Yeend* (Sopran) / The Hollywood Bowl Orchestra / Dirigent: Eugene Ormandy (Los Angeles, Hollywood Bowl, 28. 8. 1947) plus

    "The Mario Lanza Show 1951": „Funiculi – Funiculà“ (Luigi Denza) - „My song, my love“ (Malcolm Beelby) - „Diane“ (Ernö Rapée) – 'Thine alone' („Eileen“ / Victor Herbert) – „A vucchella“ (Paolo Francesco Tosti) – Serenata „Rimpianto“ (Enrico Toselli) - „Because you're mine“ (Nicholas Brodszky) - „The loveliest night of the year“ (Juventino Rosas – Irving Aaronson) – 'Mi batte il cor... O paradiso' („L' Africaine“ / Giacomo Meyerbeer) - „The rosary“ (Ethelbert Nevin) - „If... they made me a king“ (Tolchard Evans) - 'They didn't believe me' („The Girl from Utah“ / Jerome Kern) - „The Lord's prayer“ (Albert Hay Malotte) - „Be my love“ (Nicholas Brodszky) / An Orchestra / Dirigent: Ray Sinatra (Hollywood, Juni – September 1951) 'Gala' GL 311 (1 CD, Niederlande, 2000).



    Nach sechs Aufnahmen Anfang Mai 1949 in Zusammenhang mit Mario Lanzas erstem Spielfilm "That Midnight Kiss" (siehe den folgenden Beitrag) wurden Ende Oktober 1949 in Hollywood weitere vier Schallplatten-Einspielungen gemacht, die von 'RCA' sowohl auf Schelllackplatten (SP, 30 cm) wie auch auf den damals neuen Vinylplatten (EP, 17 cm) veröffentlicht wurden: „Lolita“ (Arturo Buzzi-Peccia“), „O sole mio“ (Eduardo Di Capua), „Granada“ (Agustin Lara“) und „Mattinata“ (Ruggero Leoncavallo), alle dirigiert von Ray Sinatra.


    In einer Woche beginne ich dann mit den ersten Schallplatten-Recitals von und mit Mario Lanza.



    Carlo

    Hallo, Gregor und 'Otello 50'!


    Von einigen 'Lanza-Experten' wurde mehrfach darüber spekuliert, wie die Karriere des Sängers verlaufen wäre, wenn er statt mit Constantine Callinicos – der 1986 im Alter von 73 Jahren starb - mit einem anderen Korrepetitor (das war Callinicos' Hauptaufgabe an der New York City Opera) und Dirigenten zusammen gearbeitet hätte - jemand, der ihn mehr gefordert und der vielleicht auch mehr Erfahrung besessen hätte. (Wobei es vermutlich mit anderen musikalischen Leitern zu Spannungen gekommen wäre, aber auch Kontroversen können befruchtend sein.) Mario Lanza schätzte vor allem wesentlich ältere Musiker und hoffte, von ihrem Wissen zu profitieren; Gleichaltrigen stand er manchmal kritisch gegenüber.


    Wie in meinem obigen Beitrag schon berichtet, hat Mario Lanza durchaus mit renommierten Dirigenten zusammen gearbeitet, aber das beschränkte sich auf einige wenige Proben und Konzerte. Mit Constantine Callinicos - von Lanza 'Costa' genannt - studierte er seine 'klassischen' Arien und Lieder ein und setzte ihn bei der 'RCA' als ständigen Dirigenten dafür durch. Für die weit über zweihundert Lieder und Canzonen in Lanzas Repertoire waren überwiegend Ray Sinatra und Henri René die musikalischen 'Impulsgeber'. Ob es seitens Lanzas nur Bequemlichkeit oder aber Unsicherheit war, sich auf neue und andere Persönlichkeiten einzulassen, ist spekulativ. Er war wohl ein Sänger, der einen musikalischen Weggefährten brauchte, zu dem er Vertrauen hatte und der mit ihm 'umgehen' konnte, und das war Callinicos zweifellos. (Über seine – über die Begleitung Mario Lanzas hinausgehenden - Qualitäten als Dirigent und Pianist ist nichts bekannt; nach Mario Lanzas Tod hat er nur noch eine Schallplatte mit griechischer halb-folkloristischer Orchestermusik eingespielt.)


    Bezeichnend ist, dass „Lanza on Broadway“ - von Irving Aaronson geleitet – als das schlechteste seiner Recitals gilt, weil dieser Dirigient dem Sänger dabei zuviel Freiheiten ließ. Ich kenne nur Teile dieser LP, die ich in der Zusammenstellung „Mario Lanza in his Greatest Hits from Operettas and Musicals“ ('RCA' VCS-6192 / 3 LPs) habe, aber hier singt der Tenor so, als ob er nur daran interessiert war, seine Prachtstimme zu zeigen. Mit 'gestandenen' Musical-Experten wie Franz Allers, Lehman Engel oder Johnny Green wäre wohl ein anderes Ergebnis erzielt worden.


    Zuletzt muss auch berücksichtigt werden, dass die 'RCA' für ihre 'Lanza-Recordings' – die von 1949 bis 1956 überwiegend in Hollywood entstanden – wenig Zeit und Geld investierte; meistens reichte eine Probe und nur ein 'Take' für die Aufnahme eines Titels. Der Produzent Richard Mohr (bekannt für seine vielen großartigen Operngesamtaufnahmen bei der 'RCA'), der für die frühen Aufnahmen Mario Lanzas Ende der 40er Jahre zuständig war, hat berichtet, dass der Sänger in den Phasen seiner Diätkuren nicht nur psychisch, sondern auch stimmlich wenig belastbar war und nur möglichst schnell die 'Recording Sessions' hinter sich bringen wollte.


    Das Angebot, in Puccinis „Madama Butterfly“ aufzutreten, kam vom damaligen Leiter der New Orleans Opera Association, dem aus Deutschland stammenden Dirigenten Walter Herbert. Dass es nur ganze zwei Aufführungen (am 8. und 10. 4. 1948) waren, lag daran, dass im von Franzosen gegründeten und erst seit 1803 zu Amerika gehörenden New Orleans – wo man bereits im 18. Jahrhundert Opern spielte – damals nur zweimal im Jahr (im Frühjahr und im Herbst) lediglich zwei Opern und diese auch nur je zweimal gespielt wurden. (Seit 1859 gab es in New Orleans ein Opernhaus, das aber 1919 ein Opfer der Flammen wurde, und danach spielte man in verschiedenen großen Mehrzweckhallen, im Falle dieser „Madama Butterfly“ im 'Municipal Auditorium'. Erst 1973 wurde ein neues Opernhaus erbaut, das 'New Orleans Theatre of the Performing Arts', das - eröffnet mit „Madama Butterfly“ - 2005 durch den Hurrican 'Katrina' zerstört wurde.)


    Die Partner von Mario Lanza als Ltnt. Pinkerton in Puccinis „Madama Butterfly“ waren die japanisch-stämmige Amerikanerin Tomiko Kanazawa in der Titelrolle, Rosalind Nadell von der New York City Opera war die Suzuki und den Konsul Sharpless sang der Bariton Jess Walters, der später lange am Royal Opera House, Covent Garden, in London im Ensemble war; es dirigierte Walter Herbert. Wenn man Lanzas Biographen glauben darf, waren die Kritiken für sein professionelles Operndebüt in dieser relativ kurzen (und von den Tenören wegen der Rollencharakteristik wenig geliebten) Partie sehr gut, worauf ihm Walter Herbert anbot, in der nächsten Saison den Alfredo in „La Traviata“ (neben Eleanor Steber) zu singen.


    Dass es nicht zu weiteren Opernauftritten von Mario Lanza kam, liegt einmal daran, dass es in den Vereinigten Staaten damals kaum Opernhäuser gab und diese (außer der Metropolitan Opera und der New York City Opera) verfügten über kein ständiges Ensemble, sondern die Sänger wurden für die einzelnen - zeitlich sehr begrenzten - Spielzeiten von den meist privat finanzierten Operngesellschaften von Aufführung zu Aufführung engagiert. (Kein Wunder, dass in den 50er Jahren der 'Run' amerikanischer Sänger auf die europäischen Opernbühnen begann – hauptsächlich nach Deutschland, das bis heute in seiner Dichte an Theatern noch immer weltweit führend ist.) Der zweite - und wohl naheliegendste - Grund für Lanzas 'Opernabstinenz' ist in der Tatsache zu sehen, dass er schon seit dem legendären Konzert in der 'Hollywood Bowl' am 28. 8. 1947 seinen Sieben-Jahres-Vertrag mit MGM in der Tasche hatte und mit einer Gage von 15.000 $ für seinen ersten Spielfilm „That Midnight Kiss“ - nach dem Erfolg des Films nachträglich um 10.000 $ erhöht – ein Opernengagement für ein paar hundert Dollar pro Aufführung nicht mehr in Betracht zog.


    Carlo

    Liebe Melomanen,



    nachstehend nenne ich einige TV-Produktionen mit Kerstin Meyer, die mit ihrer aparten Optik und einem beachtlichen schauspielerischen Talent zu den interessantesten Sänger-Darstellerinnen der damaligen Opernszene zählte:



    „Lulu“ (Berg): Lulu – Birgit Nordin / Gräfin Geschwitz – Kerstin Meyer / Ein Gymnasiast - Helle Halding / Dr. Schön – Ib Hansen / Alwa – John Eric Jacobssen / Der Maler – Ole Jensen / Schigolch – Gert Bastian / Der Medizinalrat – Henry Skaer / Rodrigo - Ove Verner Hansen / Der Theaterdirektor - Holger Boland u. a. / Danmarks Radio Symfoni Orkestret / Dirigent: Gerd Albrecht / Szenenbild: Jörn Mathiasson und Sören Breum / Kostüme: Lone Ernst / Regie: Götz Friedrich. Dies war eine der seltenen Inszenierungen Friedrichs speziell für das Fernsehen (der denn auch die erste Szene der Oper in ein TV-Studio statt in einen Zirkus verlegte); sie wurde erstmals am 3. 2. 1970 in Dänemark ausgestrahlt. Statt des damals noch nicht vollendeten dritten Aktes wurden zur Musik der „Lulu“-Suite zwei Filme gezeigt, die 'Lulus' letzte Lebensstationen in Paris und in London zum Inhalt haben; die Person des 'Jack the Ripper', der 'Lulu' und die 'Gräfin Geschwitz' schließlich ermordet, wurde vom Sänger des 'Rodrigo' verkörpert. (Und dieser Sänger war der auch in Deutschland bekannte Ove Verner Hansen, allerdings mehr als Schauspieler in den „Olsenbande“-Filmen.)



    „Carmen“ (Bizet): SRT (Sveriges Radio Television, 1954) – siehe Beitrag Nr. 13.


    dto.: (1. Akt): Carmen – Kerstin Meyer / Micaela – Aase Nordmo-Lövberg / Don José – Set Svanholm / Morales – Arne Wirén / Zuniga – Anders Näslund / Kungliga Operankör och Kungliga Hovkapellet / Dirigent: Kurt Bendix / Ausstattung: Sven Ericson / Regie: Göran Gentele (Stockholm, Kungliga Operan, 10. 4. 1956). Eine Live-Übertragung des Schwedischen Fernsehens SRT (Sveriges Radio Television).


    dto.: Carmen – Kerstin Meyer / Micaela – Melitta Muszely / Don José – Rudolf Schock / Escamillo – Richard Collett / Frasquita – Erna-Maria Duske / Mercedes – Cvetka Ahlin / Dancairo – Gerhard Stolze / Remendado – Kurt Marschner / Morales – Georg Mund / Zuniga – Toni Blankenheim / Lillas Pastia – Karl Otto / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Günter Hertel / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Wolfgang Sawallisch / Ausstattung und Regie: Wieland Wagner. Der Film von den Proben zu Wieland Wagners Inszenierung an der Hamburgischen Staatsoper (Premiere am 21. 12. 1958) wurde in einer Folge der „Nordschau“ des NDR gesendet. (Da ich nicht weiß, welche Sänger in diesem kurzen Film zu sehen waren, nenne ich die komplette Premieren-Besetzung.)



    „Orfeo ed Euridice“ (Gluck) (1. Akt): Orfeo – Kerstin Meyer / Amor - Busk Margit Jonsson / Radiokören och orkester / Chorltg.: Eric Ericsson / Dirigent: Albert Wolff / Choreographie: Mary Skeaping / Inszenierung: Lars Runsten (Stockholm, Drottningholmsteatern, 1. 6. 1958). Die 'Euridice' war Elisabeth Söderström. Diese Live-Übertragung - in schwedischer Sprache - aus dem Schlosstheater Drottningholm war die erste Eurovisionssendung des Schwedischen Fernsehens (SRT); sie wurde auch in Österreich (ORF), der Schweiz (SRG), in Großbritannien (BBC) und Frankreich (ORTF) gesendet. (Busk Margit Jonsson war übrigens damals die Ehefrau von Ingvar Wixell.)



    „Elegie für junge Liebende“ (Henze): Gregor Mittenhofer, ein Dichter – Dietrich Fischer-Dieskau / Dr. Wilhelm Reischmann, ein Arzt – Walter Dicks / Toni Reischmann, sein Sohn – Loren Driscoll / Elisabeth Zimmer – Lisa Otto / Carolina Gräfin von Kirchstetten, Mittenhofers Sekretärin – Kerstin Meyer / Hilda Mack, eine Witwe – Catherine Gayer / Josef Maurer, Bergführer – Hubert Hilten / Das Orchester der Deutschen Oper Berlin / Dirigent, Bühnenbild und Regie: Hans Werner Henze (Tokio, Nissei Theater, 2. 11. 1966) Eine Aufzeichnung von Nissei Hyoko Kokai (NHK) vom Gastspiel der Deutschen Oper Berlin in Tokio, gesendet (in Farbe) am 13. 11. 1966. (Bereits 1961 war Kerstin Meyer die 'Carolina' in der englischen Erstaufführung dieser Oper in Glyndebourne.)



    „Capriccio“ (Strauss): Die Gräfin – Elisabeth Söderström / Der Graf – Hakan Hagegard / Flamand – Ryland Davies / Olivier – Dale Duesing / Clairon – Kerstin Meyer / La Roche – Marius Rintzler / M. Taupe – Hugues Cuénod / Eine italienische Sängerin – Eugenia Ratti / Ein italienischer Tenor – Ricardo Cassinelli / Der Haushofmeister – Thomas Lawlor / Acht Diener – Robin Leggate, Richard Robson, Neil McKinnan, Anthony Smith, Paul Nemeer, Bonaventura Bottone, Philip Griffiths und John Michael Flanagan / Zwei Tänzer – Carol Grant und Alexander Milaw / The London Philharmonic Orchestra / Dirigent: Andrew Davis / Choreographie: Pauline Grant / Bühnenbild: Dennis Lennon / Kostüme: Martin Battersby / Regie: John Cox (Glyndebourne, Festival Theatre, 20. 8. 1976). Diese Aufzeichnung der BBC wurde am 7. 1. 1979 auch vom ZDF gezeigt.



    „Tristan und Isolde“ (Wagner): Isolde – Gladys Kuchta / Tristan – Hans Beirer / Brangäne – Kerstin Meyer / Kurwenal – Gustav Neidlinger / König Marke – Josef Greindl / Melot – Barry McDaniel / Ein junger Seemann – Donald Grobe / Ein Hirt – Martin Vantin / Ein Steuermann – Walter Dicks / Der Chor und das Orchester der Deutschen Oper Berlin / Chorltg.: Walter Hagen-Groll / Dirigent: Lorin Maazel / Ausstattung und Regie: Wieland Wagner (Tokio, Nissei Theater, 1. 11. 1963). Eine Aufzeichnung des kommerziellen japanischen Fernsehsenders KTC vom Gastspiel der Deutschen Oper Berlin in Tokio, gesendet in zwei Teilen am 11. und 12. 11. 1963. (Die Stereo-Tonaufnahme von dieser Vorstellung erschien in Japan bei der CD-Firma 'King International'.)



    Unter dem Titel „Primadonnen“ wurde am 5. 1. 1969 in der ARD ein Fernseh-Konzert mit Opern-Arien gesendet, das im Studio des WDR mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Christoph von Dohnányi und mit Alexander Kerst als Conférencier aufgezeichnet wurde. Die 'Primadonnen' waren (in alphabetischer Reihenfolge): Gianna D'Angelo („Don Pasquale“ und „Falstaff“), Sena Jurinac („Otello“), Roberta Peters („Lucia di Lammermoor“), Anneliese Rothenberger („Die Entführung aus dem Serail“), Graziella Sciutti („Le nozze di Figaro“ und „Il barbiere di Siviglia“), Anja Silja („Tannhäuser“ und „Die Macht des Schicksals“) und Teresa Stratas („La Bohème“ und „Madama Butterfly“). Den Abschluss des Konzerts bildete das Schluss-Duett aus dem „Rosenkavalier“ mit Anneliese Rothenberger und Kerstin Meyer.


    Da in dieser frühen Zeit des Farbfernsehens die Kameras noch extrem lichtempfindlich waren, wurden die Damen gebeten, auf funkelnden Schmuck zu verzichten, da die Lichtreflexe auf den Bildschirmen mit einem schwarzen Kranz ('Heiligenschein' genannt) zu sehen waren. Kerstin Meyer trug einen langen goldfarbenen, hochgeschlossenen Abendmantel; als aber die rote Lampe der Kamera den Beginn der Aufnahme signalisierte, öffnete sie den Mantel und zeigte ein großes Dekolletée mit einem prachtvollen Collier. Da bekam Anneliese Rothenberger einen Wutanfall und brach schimpfend die Aufzeichnung ab. Der Regisseur Günther Hassert konnte die Sopranistin beruhigen und erklärte der Schwedin, die entschuldigend meinte, von diesem 'Verbot' nichts gewusst zu haben, den Grund dafür. Das Duett wurde noch einmal begonnen und der Mantel blieb zugeknöpft. Primadonnen...


    (Übrigens gab es auch ein ähnliches TV-Konzert in der ARD am 24. 8. 1969 mit den Herren John Alexander, Carlo Bergonzi, Piero Cappuccilli, Alfredo Kraus, Barry McDaniel und Cesare Siepi, dirigiert von Alberto Erede mit dem Chor der Mailänder Scala und dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester; die verbindenden Worte sprach Walter Rilla.)



    In einer Woche werde ich summarisch einige Opern-Gesamtaufnahmen auflisten, die in diesem Thread bisher nicht genannt wurden.



    Carlo

    Weiter geht es mit Oratorien von Carl Heinrich Graun und Joseph Haydn.


    „Der Tod Jesu“ (Graun): mit Lotte Schädle, Josef Traxel und Herbert Brauer / Der Südfunk-Chor Stuttgart/ Das Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks / Chorleiter und Dirigent: Hermann Josef Dahmen (Stuttgart, Liederhalle, 9. 4. 1965). Dieses Passionsoratorium komponierte Carl Heinrich Graun 1754 auf einen Text von Karl Wilhelm Ramler im Auftrag der Prinzessin Anna Amalie von Preussen, einer Schwester Friedrichs des Großen. Das Werk wurde am 26. 3. 1755 im Berliner Dom uraufgeführt - eine Woche, nachdem Georg Philipp Telemanns Komposition auf den gleichen Text in Hamburg erstmals erklang. Weitere Vertonungen stammen von Johann Christoph Friedrich Bach (1760) und Joseph Martin Kraus (1776).



    „Die Schöpfung“ (Haydn): Chor mit Solo-Terzett Nr. 13 „Die Himmel erzählen die Ehre Gottes“ mit Agnes Giebel, Josef Traxel und Gottlob Frick / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Philharmoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Hotel „Wintergarten“, 24. 6. - 1. 7. 1956). Veröffentlicht bei 'Electrola' auf der EP E 40 052 (17 cm) und der LP E 60 024 (25 cm) mit weiteren Chören von Beethoven, Händel und Haydn.


    dto.: mit Annelies Kupper, Käthe Graus, Josef Traxel, Walter Berry und Josef Greindl / Der Kölner Rundfunkchor und das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Chorltg.: Bernhard Zimmermann / Dirigent: Joseph Keilberth (Köln, Funkhaus, 21. 12. 1957, Live-Aufnahme). Ich habe die CD-Ausgabe von 'Andromeda' (2008), der ein Mitschnitt der neunten Symphonie „Aus der neuen Welt“ von Antonín Dvorák angehängt ist: mit dem Orchestra dell' Accademia di Santa Cecilia unter Joseph Keilberth (aufgenommen am 27. 4. 1952 im Teatro Argentina in Rom).


    dto.: mit Agnes Giebel, Josef Traxel und Helmut Fehn / Der Chor des Städtischen Musikvereins Düsseldorf / Chorltg.: Michel Rühl / L' Orchestre Symphonique de la RTF / Dirigent: Tony Aubin (Paris, Église Saint-Eustache, 8. 4. 1959, gesendet von RTF am 19. 4. 1959.). 'Schallarchiv des Düsseldorfer Musikvereins, Vol. 180' (2 CD). Ein Konzert zum 150. Todestag von Joseph Haydn, wobei Tony Aubin kurzfristig das Dirigat übernahm.



    „Die Jahreszeiten“ (Haydn): Chor mit Solo-Terzett aus dem 1. Teil „Ewiger, mächtiger, gütiger Gott“ mit Agnes Giebel, Josef Traxel und Gottlob Frick / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Philharmoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Hotel „Wintergarten“, 24. 6. - 1. 7. 1956). Veröffentlicht bei 'Electrola' auf der EP E 40 052 (17 cm) und der LP E 60 024 (25 cm) mit weiteren Chören von Beethoven, Händel und Haydn.



    Carlo

    Liebe 'Taminos',


    da ich mich in den letzten Wochen viel mit Mario Lanza beschäftigte und seine acht Musikfilme in dem Thread Mario Lanza und seine Filme detailliert vorgestellt habe, möchte ich nun auf seine sehr zahlreichen akustischen Dokumente eingehen.


    Wie man in diesem Thread mit dem provokanten Titel Mario Lanza – Verkanntes Genie? nachlesen kann, wird er von den 'Taminos' durchgehend kontrovers beurteilt. Dabei ist seine Popularität – vor allem in den USA, in Großbritannien und Italien – auch sechzig Jahre nach seinem Tod ungeschmälert und wird im nächsten Jahr zu seinem hundertsten Geburtstag vermutlich zunehmen. Mario Lanza war weder verkannt, noch ein Genie. Aber er ist innerhalb der Musikgeschichte ein Phänomen: ein klassisch ausgebildeter Sänger mit einem beachtlichen Stimmpotential, einem sofort erkennbaren Tenor-Timbre mit Höhenglanz und von überrumpelnder Virilität, einer guten Optik und darstellerischem Talent - der nur ein paar Mal auf der Opernbühne stand, der hauptsächlich durch Filme, Rundfunk- und Schallplattenaufnahmen und nur mit einem (allerdings weitgefächerten) Repertoire von Opernarien, Songs aus Musicals und Filmen sowie unzähligen Liedern des 'leichten' Genres unsterblich geworden ist!


    Dadurch ist er vielen Freunden der klassischen Musik verdächtig, denn 'Kunst' muss ernst sein und ernst genommen werden, zumal Mario Lanza durch eine penetrante Hollywood-Vermarktung („The American Caruso“) und eine skandalsüchtige Presse kaum dem Bild eines 'seriösen' Künstlers entspricht. (Überhaupt habe ich mit dem Begriff 'Kunst' – auf den Gesang bezogen – Schwierigkeiten; ist es denn weniger 'Kunst', wie z. B. Ella Fitzgerald, Judy Garland, Doris Day, Lena Horne, Barbara Cook oder Barbra Streisand sangen, nur weil es andere Formen von Musik sind?)


    Es hängt bei den darüber geführten Diskussionen doch davon ab, von welchem Standpunkt aus man an das Thema herangeht. Da ich u. a. auch ein bekennender Anhänger der 'klassischen' amerikanischen Unterhaltungsmusik bin, habe ich bei Mario Lanza keine Probleme mit seiner Anerkennung wie einige andere 'Taminos', die nur in der E-Musik („E“ wie ernst!) verwurzelt sind und diesen Sänger ausschließlich mit Interpreten der Klassik vergleichen. (Dasselbe gilt auch für Mario Lanzas Filme, die man als solche sehen muss, was sie genau genommen sind: der Unterhaltung des Publikums und dem Herausstellen eines 'Stars' dienende Streifen ohne den Anspruch, filmische Meisterwerke zu sein.)


    Maria Callas und Mario Lanza sind wohl die am meisten diskutierten und auch am kontroversesten beurteilten Sänger des zwanzigsten Jahrhunderts und bei beiden ging es in den häufig polemisch geführten Auseinandersetzungen nicht nur um ihren Gesang, sondern auch um ihre Persönlichkeit. Tatsächlich gibt es Parallelen, denn beide waren starken Anfeindungen ausgesetzt, allerdings zu unterschiedlichen Zeitpunkten ihrer (in beiden Fällen) kurzen Laufbahn. 'Die' Callas polarisierte die Opernfreunde anfangs vor allem mit der 'Fremdartigkeit' ihres Stimmtimbres und ihrem fanatischen gesanglichen Ausdruckswillen, allerdings auch mit einem unattraktiven Äußeren; es dauerte gut zehn Jahre, bis sie sich durchgesetzt hatte - nicht zuletzt durch eine radikale Änderung ihres Aussehens herbeigeführt, was aber nach Meinung vieler Gesangsexperten auf Kosten ihrer stimmlichen Möglichkeiten geschah. Durch eine unglückliche Jugend hatte sie einen gewaltigen Minderwertigkeitskomplex und – wie es oft vorkommt - als Korrektiv dazu ein übersteigertes Selbstwertgefühl entwickelt: eine Kombination, die häufig zu negativen Überreaktionen und provokativen öffentlichen Statements führte, womit Maria Callas der – auch nicht-musikalischen - Öffentlichkeit ausreichend Angriffsflächen bot.


    Mario Lanza wurde – vor allem nach dem riesigen internationalen Erfolg des Films „The Great Caruso“ - durch ein geschicktes Marketing der Film- und Schallplattenindustrie in die Rolle des 'Caruso-Nachfolgers' gedrängt; ein 'Kostüm', das für ihn viel zu groß war und das er nicht ausfüllen konnte, was keiner so gut wusste wie er selbst. Akzeptiert wurde er in der Filmwelt – für die er nur ein 'Exot', ein schauspielender Sänger und Stimmbesitzer war – ebenso wenig wie von den Opernkennern, weil er ihnen durch seine mediokren Filme und seine auf Popularität abzielenden Schallplattenaufnahmen verdächtig war, zumal er keine Bühnenpraxis vorweisen konnte. Mehrere diesbezügliche Angebote – z. B. für die Titelrolle in „Andrea Chenier“ in Los Angeles im Oktober 1950 (mit Licia Albanese und Robert Weede unter Fausto Cleva) oder für die gleiche Rolle zur Saisoneröffnung an der Mailänder Scala im Dezember 1950 (Victor De Sabata lud ihn persönlich dazu ein) - lehnte er nach längerer Überlegung ab; auch ein Vorsingen bei Arturo Toscanini kam nicht zustande. (Die in späteren Jahren immer mehr erhobene Forderung nach einem öffentlichen Auftritt in einer kompletten Opernaufführung – quasi als Legitimitätsbeweis - wies er mit der Begründung zurück, dass er dies wohl nicht unbeobachtet tun könnte, weil es sofort von der allgegenwärtigen Presse ausgeschlachtet würde.) Nach Aussagen vieler Musiker, die mit ihm zusammen arbeiteten, fehlte es nicht an der nötigen körperlichen Stamina und der geistigen Aufnahmefähigkeit, auch war das Stimmvolumen groß genug, um ein Opernhaus zu füllen. Vermutlich war die Achtung vor seinen 'echten' Opernkollegen, denen Lanza geradezu demütig gegenüber trat, und die Angst, in ihrer Gegenwart zu versagen, doch zu groß.


    Diese negativen Gefühle überspielte er für die Öffentlichkeit mit einem aufgesetzten, künstlichen Selbstbewusstsein (was ihm dann als 'Star-Allüren' ausgelegt wurde), privat aber beruhigte er sein Gewissen mit zunehmendem Alkohol-Konsum und einem unkontrollierten Ess-Verhalten, was zusammen mit den ihm von den Film-Verantwortlichen immer wieder verordneten Diät-Gewaltkuren zu einer früh zerrütteten Gesundheit führte. Als sein Management darauf drängte, den nur von der Kinoleinwand, dem Fernsehbildschirm und der Schallplatte her bekannten Sänger seinem internationalen Publikum in Form von Konzerten auch 'leibhaftig' zu präsentieren, kam noch das Problem von panikhafter Versagensangst hinzu. Trotz eines intakten Familienlebens, relativem Wohlstand (der Sänger hielt sich, wie auch Beniamino Gigli, eine Art 'Hofstaat ' und geriet wie dieser deshalb einige Male in finanzielle Schieflage), allem äußeren Glamour und der Verehrung durch eine in die Millionen gehende Anhängerschaft war Mario Lanza letzten Endes wohl ein zutiefst unglücklicher Mensch.


    Doch zuerst möchte ich auch noch einige Dinge in Mario Lanzas Biographie klarstellen, die sich durch ständiges Kolportieren – auch hier im Forum – falsch festgeschrieben haben.


    Alfred Arnold Cocozza (mit Eltern von italienischer Herkunft) wuchs als Einzelkind im „Little Italy“-Viertel in Philadelphia auf und half nach der Schulzeit (mittelmäßiger Schüler, guter Sportler) im Lebensmittelgeschäft seines Großvaters aus. Sein aus Neapel stammender Vater war ein großer Verehrer des Tenors Enrico Caruso und sammelte dessen Schallplatten; der junge 'Freddy' wuchs quasi mit dieser Stimme auf, sang zu diesen Schallplatten, nahm auf Betreiben des Vaters Geigenstunden und später als Neunzehnjähriger auch Gesangsunterricht bei der ehemaligen Opernsängerin Irene Williams; seinen Lebensunterhalt verdiente der mittelgroße (1,70 m) und kräftige junge Mann als LKW-Fahrer für ein Transportunternehmen in Philadelphia. (Aus dieser Zeit existiert eine Schallplatte, die „Freddy“ 1940 zum Geburtstag seines Vaters aufnahm.)


    Seine Lehrerin machte den Konzertmanager William K. Huff auf ihren talentierten Schüler aufmerksam, der über Serge Koussevitzky, den befreundeten Dirigenten und Lehrer an der Musikakademie in Philadelphia, für „Freddy“ ein Stipendium erreichte. (Die Geschichte, dass Mario Lanza 'entdeckt' wurde, als er beim Transport eines Klaviers in die Musikakademie half, sich an das Klavier setzte und dabei sang, ist eine typische Hollywood-Story, wie sie auch in Lanzas erstem Spielfilm „That Midnight Kiss“ erzählt wird.) Koussevitzky – auf dessen Rat der junge Sänger nach dem Mädchennamen seiner Mutter, Maria Lanza, seinen Künstlernamen wählte – lud den jungen Mann zum „Berkshire Music Festival“ in Tanglewood (Massachusetts) ein, wo junge aufstrebende Musiker wie Leonard Bernstein, Lukas Foss und Boris Goldowsky als Korrepetitoren mit den Gesangs-Studenten deren Partien einstudierten. Am 7. 8. 1942 kam es zum Debüt von Mario Lanza als 'Fenton' in zwei Aufführungen von Otto Nicolais „Die lustigen Weiber von Windsor“ (natürlich als „The Merry Wives of Windsor“); den Falstaff sang übrigens James Pease. Auch wirkte Mario in zwei Aufführungen des dritten Aktes aus „La Bohème“ mit, dirigiert von Leonard Bernstein..


    Das „Berkshire Music Festival“ galt als viel beachtetes Sprungbrett für eine Musiker-Karriere und so fanden sich dort 1942 nicht nur zahlreiche Agenten und Kritiker ein, sondern auch 'Talent Scouts' der wenigen amerikanischen Opernbühnen wie auch von Schallplattenfirmen; die 'RCA Victor Company' bot Mario einen Vertrag an und zahlte als Vorschuss 3000 $! Doch durch die Einberufung des hoffnungsvollen jungen Mannes zum Militär kam es nicht zu den vorgesehenen Probeaufnahmen. Bei der Air Force gab es zur Unterhaltung der Rekruten eine dem „Army Entertainment Unit“ angehörende reisende Truppe, die das Musical „On the Beam“ ('Im Lichtstrahl') aufführte; 'Private Cocozza', eigentlich stationiert in Marfa (Texas) und von einem musikbegeisterten Sergeanten durch die auch im Militärdienst beibehaltenen Stimmübungen 'entlarvt' – auch das wurde in einem Lanza-Film („Because You're Mine“) thematisiert - war mit von der Partie und bereiste Armee-Stützpunkte in den Vereinigten Staaten. Später folgte noch die 1944 von Hollywood (Regie: George Cukor) verfilmte Revue „Winged Victory“ mit Lanza in einer kleinen Rolle.


    Nach dem Krieg aus der Armee entlassen, machte Mario Lanza im Juni 1945 seine ersten Test-Aufnahmen für 'RCA' (u. a. Leoncavallos „Mattinata“, mit Klavierbegleitung, als Tondokument erhalten); weil man aber der Stimme noch Zeit zum Reifen geben wollte, kam es erst im Mai 1949 zu seinen ersten kommerziellen Aufnahmen, die auf Schelllackplatten und den neu eingeführten EPs veröffentlicht wurden. In der Zwischenzeit war der Tenor monatelang für Jan Peerce in der Rundfunk-Sendereihe „Great Moments in Music“ eingesprungen (u. a. mit dem Dirigat von Georges Sébastian), hatte sich einen Manager (Sam Weiler) genommen und bei Enrico Rosati, einem der Lehrer Beniamino Giglis, seinen Gesangsunterricht für über ein Jahr fortgesetzt. Bei einem seiner vielen Solo-Konzerte lernte er im April 1947 den Pianisten und Dirigenten Constantine Callinicos kennen, der in den 50er Jahren hauptberuflich Korrepetitor an der New York City Opera war. (Die Persönlichkeit Callinicos' – er schrieb auch eine umstrittene Biographie über Mario Lanza - und sein Einfluss auf den Sänger geben bis heute Anlass zu Spekulationen.)


    Ab Juli 1947 tourte er zusammen mit der Sopranistin Frances Yeend, die später an der New York City Opera zu den Stützen des Ensembles gehörte, und dem später weltberühmten Bass-Bariton George London als das von der Agentur 'Columbia Artist Management' gegründete „Bel Canto Trio“ für zehn Monate durch Nord-Amerika; die Tournee nahm am 19. 7. 1947 mit einem Freiluft-Konzert im 'Grand Park' in Chicago (Dirigent: Paul Breisach) ihren Anfang. Am 28. 8. 1947 fand dann jenes legendäre Konzert - mit Mario Lanza und Frances Yeend unter dem Dirigat von Eugene Ormandy - in der 'Hollywood Bowl' in Los Angeles statt (wovon es inzwischen einen mehrfach auf CD veröffentlichten Mitschnitt gibt), bei dem der mächtige 'Film-Mogul' Louis B. Mayer von 'Metro-Goldwyn-Mayer' (MGM) im Publikum saß. (So wurde es zumindest der Presse mitgeteilt; in Wahrheit war es wohl eine anwesende Sekretärin Mr. Mayers, die Mario Lanza hier für den Film entdeckte.)


    Weitere Details zu seiner Biographie habe ich der jeweiligen Besprechung seiner einzelnen Filme im Thread Mario Lanza und seine Filme hinzugefügt. Nächste Woche beginne ich dann mit der Auflistung seiner Tondokumente.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo,

    dies ist der 3. Teil meiner Auflistung von Opern-Uraufführungen mit Kerstin Meyer .



    „Hamlet“ (Searle): Hamlet, Prinz von Dänemark – Tom Krause / Claudius, König von Dänemark – Ronald Dowd / Die Königin Gertrude, Hamlets Mutter – Kerstin Meyer / Polonius, Staatsrat – Toni Blankenheim / Laertes, sein Sohn – Willy Hartmann / Ophelia, dessen Schwester – Sylvia Anderson / Horatio, Hamlets Freund – Heinz Blankenburg / Der Geist von Hamlets Vater – Arnold van Mill / Marcellus, Offizier – Hans-Otto Kloose / Rosencrantz und Güldenstern, Hamlets Jugendfreunde – Kurt Marschner und William Workman / Hofleute: Voltimand – Franz Grundheber, Cornelius – Jürgen Förster und Osric – Wilfried Plate / Fortinbras, Prinz von Norwegen – Raymond Wolansky / Der erste Schauspieler – Erwin Wohlfahrt / Die Schauspieler: Der Prolog – Jürgen Förster, Die Königin – Edith Lang, Der König – Arnold van Mill, Lucianus – Erwin Wohlfahrt / Ein norwegischer Hauptmann – Herbert Fliether / Ein Edelmann – Karl Otto / Ein Priester – Caspar Bröcheler / Ein Totengräber – Hans Sotin / Ein Matrose – Carl Schultz / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Helmut Fellmer / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Matthias Kuntzsch / Ausstattung: Toni Businger / Regie: August Everding (Hamburg, Staatsoper, 5. 3. 1968, Uraufführung).


    Der englische Komponist Humphrey Searle (1915 – 1982) – ein Schüler Anton Weberns und Pionier der seriellen Musik in Großbritannien sowie in der Musikwissenschaft anerkannt für die Katalogisierung der Werke Franz Liszts - richtete das Libretto nach der berühmten Tragödie 'Shakespeares' selbst ein; die deutsche Textfassung besorgten Hans Keller und Paul Hamburger nach Schlegels Übersetzung. Die erste Aufführung in der Originalsprache war am 18. 4. 1969 am Royal Opera House, Covent Garden in London mit u. a. Victor Braun (Hamlet), Ronald Dowd (König), Patricia Johnson (Königin), David Kelly (Polonius), David Hughes (Laertes), Anne Howells (Ophelia), George Macpherson (Horatio) und Inia Te Wiata (Geist) / Dirigent: Edward Downes / Ausstattung: Leslie Hurry / Regie: Donald McWhinnie.



    „Der rote Stiefel“ ('Den röda stöveln') (Sutermeister): Peter Munk, Kohlenbrenner – Arne Hendriksen / Lisbeth, Wirtstochter, seine Braut – Elisabeth Söderström / Der reiche Ezechiel – Sven Nilsson / Der Holländermichel – Anders Näslund / Der Tanzbodenkönig – Giulio Mengarelli / En Vokalkvartett / Kungliga Hovkapellet / Dirigent: Herbert Sandberg / Regie: Bengt Peterson (Stockholm, Kungliga Operan, 23. 11. 1951, Uraufführung). (Die Sprechrolle des 'Holländermichel' soll nach Anweisung des Komponisten von einem Sänger verkörpert werden, während die stumme Rolle des 'Tanzbodenkönigs' von einem Tänzer dargestellt wird.)


    Heinrich Sutermeister (1910 – 1995) vergab die Uraufführungsrechte seiner fünften Oper nach Stockholm, weil drei Jahre vorher seine Oper „Raskolnikoff“ dort mit großem Erfolg zum ersten Mal gezeigt wurde. „Der rote Stiefel“, zu dem der Komponist sich selbst das Libretto schrieb (nach Wilhelm Hauffs Erzählung „Das kalte Herz“) und das in Stockholm in der schwedischen Übersetzung des Dirigenten Herbert Sandberg gebracht wurde, zeigt als Kommentator der Handlung keinen Chor, sondern ein (unsichtbares) Vokalquartett – und hier sang Kerstin Meyer den Altpart neben dem Tenor Nicolai Gedda, für die beiden damaligen Gesangsstudenten war es ihr erster Opernauftritt...



    „Resan“ ('Die Reise') (Werle): Christopher – Ragnar Ulfung / Lili – Regina Marheineke / Peter, ihr Ehemann – Heinz Blankenburg / Lilis Mutter – Ursula Boese / Lilis Vater – Noel Mangin / Der Autoverkäufer – William Workman / Zwei Grenzwächter – Hans-Otto Kloose und Carl Schultz / Stefan, Christophers Freund – Franz Grundheber / Der Inspektor – Helmut Melchert / Carl, der Professor – Hans Sotin / Anna, seine Frau – Kerstin Meyer / Der Büroleiter – Herbert Fliether / Die Freundinnen Vera und Gitte – Cvetka Ahlin und Helga Thieme / Der Verlobte – Jerry J. Jennings / Der Führer – William Workman / Die Stimme der Blues-Sängerin – Tatiana Troyanos / Ein gemischter Chor der Eppendorfer Gymnasien / Ltg.: Heinz Zabel / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Helmut Fellmer / Die Pop-Jazzband „German Bonds“ / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Leopold Ludwig / Bühnenbild: Josef Svoboda / Kostüme: Jan Skalický / Regie: Lars Runsten (Hamburg, Staatsoper, 2. 3. 1969, Uraufführung). Tatiana Troyanos nahm ihre „Blues-Nummer“ ('The Blues ain't nothin' he's done lef' me'), die nur als TV-Sendung aus Lilis Fernsehgerät erklingt, bereits am 21. 1. 1969 im Radiohuset von Sveriges Radio mit dem Komponisten am Klavier auf.)


    Der Schwede Lars Johan Werle (1926 - 2001) schrieb diese 'Oper' - de facto eine Collage, die sich aus konventioneller Melodik mit musikalischen Zitaten und Andeutungen, zeitgenössischer Pop-Musik und elektronischen Toneffekten zusammensetzt – im Auftrag Rolf Liebermanns für die Hamburgische Staatsoper. Vorlage für das Textbuch von Lars Runsten, der auch die Regie führte, war der Roman „Till varmare länder“ ('In wärmere Länder') des Nervenarztes Per Christian Jersild. In einzelnen Episoden werden zwei Personen (Christopher und Lili), die sich einst als Schüler kurz begegneten, als Erwachsene auf einer Reise durch Gegenwart und Vergangenheit gezeigt. Beide – verbunden durch imaginäre Briefe Christophers an Lili – sind frustriert und leben in zwei verschiedenen 'Höllen': Lilis 'Hölle' ist ihr tristes, unausgefülltes Eheleben und Christopher, der vermutlich schizophren ist und nach gescheiterten Berufsplänen (als Opernsänger, Zahnarzt und Psychologe) auf der Suche nach dem 'brennenden See' der Johannes-Offenbarung ist, hat seine 'Hölle' in seinem Kopf.


    Während das Werk in Hamburg sehr zwiespältig aufgenommen wurde, war die schwedische Erstaufführung am 14. 2. 1970 in Stockholm – mit Kerstin Meyer und Ingegerd Käll (Lili), Ragnar Ulfung (Christopher), und Björn Asker (Peter) unter Leif Segerstam – ein Erfolg, der auch in einem Rundfunkmitschnitt der Premiere von Sveriges Radio dokumentiert wurde. (Zwei Ausschnitte der Uraufführung sind auch in der Schallplatten-Kassette „Musiktheater heute“ bei der 'Electrola' – 1C 195-29 107/09 – enthalten, die Eckhard Maronn zusammengestellt hat, der bei „Die Reise“ auch für die Ton-Montage zuständig war: aus der dritten Szene des ersten Akts „Liebling, komm!... Was gibt’s heut' zum Abendbrot?“ und „Opernschule? Aus der wurde nichts. Größenwahn!... Caries dentium“ mit Regina Marheineke, Heinz Blankenburg und Ragnar Ulfung.



    Und noch eine weitere Oper hatte (mit Kerstin Meyer) in Hamburg ihre Uraufführung:


    „Il sorriso ai piedi d'una scala“ ('Das Lächeln am Fuße der Leiter') (Bibalo): Augusto, ein Zirkusclown – Heinz Blankenburg / Guido, ein Artist, sein Freund – Erwin Wohlfahrt / Anni, Augustos Bühnenpartnerin – Ruth-Margret Pütz / Der Zirkusdirektor – Toni Blankenheim / Eine 'Dame' – Kerstin Meyer / Ein Polizist – Georg Mund / Das Zirkusensemble (Tänzer): Heidemarie Hillmann, Heidi Korf, Fred Eckhard, Daniel Lommel, Peter van Dyk und Rolf Warter / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Günther Schmidt-Bohländer / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Theodore Bloomfield / Choreographie: Peter van Dyk / Ausstattung: Alfred Siercke / Regie: Egon Monk (Hamburg, Staatsoper, 6. 4. 1965, Uraufführung).


    Der italienisch-norwegische Komponist Antonio Bibalo (1922 – 2008) begann 1958 seine erste Oper (nach der Novelle „The Smile at the Foot of the Ladder“ von Henry Miller) für einen Kompositionswettbewerb des Verlagshauses Ricordi; er versäumte aber den Abgabetermin, weil er sich keinen Librettisten leisten konnte und er das Libretto mit Millers Einwilligung (in italienischer Sprache) selbst verfassen musste. Die aktionsarme Handlung handelt von einem einsamen, sensiblen Clown, der sein Publikum nicht länger zum lauten Lachen bringen möchte, sondern zum glücklichen Lächeln. Die teilweise in Zwölftontechnik komponierte – und von vielen langen gesprochenen Dialogen durchzogene – Oper ist für den Bariton in der Rolle des philosophischen 'Spaßmachers' eine Herausforderung, da er zwei Akte lang für über zwei Stunden ständig auf der Bühne ist. Die Rolle einer Prostituierten, die quasi eine 'Seelenverwandte' Augustos ist, wurde in der vom Publikum gefeierten Uraufführung schamhaft als 'Eine Dame' bezeichnet. (Im Internet kann man einen Mitschnitt davon hören.)


    LG


    Carlo

    Lieber Gregor,


    vielen Dank für so viel Lob! Als Grundlage für meine Beiträge zu diesen Thread habe ich mir nicht nur Mario Lanzas Filme nach längerer Zeit wieder angesehen, sondern mir auch mehrere seiner Schallplatten und CDs angehört.


    Ich beginne nächste Woche damit, seine Original-Schallplatten (ohne die zahlreichen Kompilationen auf LPs und CDs) auf dem ihm gewidmeten Thread "Mario Lanza - Verkanntes Genie" aufzulisten und werde vermutlich damit die doch recht kontrovers geführte Diskussion um diesen Sänger wieder 'anheizen'.


    Carlo

    Und hier Josef Traxel mit Kompositionen von Johannes Brahms und Anton Bruckner:



    „Fünf Lieder“ (Brahms): Die Mainacht, op. 43/2 – Ständchen, op. 106/1 – Wie bist du, meine Königin, op. 32/9 – Von ewiger Liebe, op. 43/1 – Nachtwandler, op. 86/3 / Klavier: Hubert Giesen (Stuttgart, ca. 1960, Privatmitschnitt). Diese Aufnahmen entstanden während einer Probe für einen Liederabend; zu hören sind sie auf 'YouTube'.



    „Te Deum“ (Bruckner): mit Agnes Giebel, Marga Höffgen, Josef Traxel und Gottlob Frick / Der Chor der St. Hedwigs-Kathedrale Berlin / Die Berliner Philharmoniker / Chorltg. und Dirigent: Karl Forster (Berlin, Hotel „Wintergarten“, 24. 6. - 1. 7. 1956) Veröffentlicht bei 'Electrola' auf der LP E 80 010 (30 cm), gekoppelt mit Bruckners Messe Nr. 2 e-moll; ich habe die Wiederauflage dieser Platte unter 'Dacapo' 1 C 047-01 142 M.


    dto.: mit Emmy Loose, Sonja Draksler, Josef Traxel und Otto Edelmann / Der Singverein der Gesellschaft der Musikfreunde, Wien / Chorltg.: Reinhold Schmid / Die Wiener Philharmoniker / Dirigent: Carl Schuricht (Wien, Stephansdom, 23. 6. 1960). Ein Mitschnitt befindet sich angeblich im Archiv des Wiener Singvereins.



    Chorlied „Mitternacht“ ('Die Blumen glüh'n im Mondenlicht') (Bruckner): Josef Traxel mit dem Stuttgarter Liederkranz e. V. 1824 / Chorltg.: Walther Schneider / Klavier: Hubert Giesen (Stuttgart, Straßenbahner-Waldheim, 9. 10. 1961) 'Odeon' O 41 453 (mono) und STO 41 453 (stereo). Diese EP der 'Electrola'-Tochter 'Odeon' ist gekoppelt mit Schuberts „Nachthelle“ in der gleichen Besetzung.



    Carlo

    Liebe 'Taminos',


    hier stelle ich den achten (und letzten) Spielfilm Mario Lanzas vor.



    Der Sänger hatte nach Beendigung der Dreharbeiten zum vorigen Film („Arrivederci, Roma!" bzw. "Seven Hills of Rome“) den Vertrag für eine große Europa-Tournee unterschrieben, die im November 1957 in Großbritannien begann und in deren Verlauf er auch in Deutschland auftreten sollte: am 24. 1. 1958 im Kongress-Saal des Deutschen Museums in München, danach in Stuttgart, Wiesbaden, Hannover, Kiel, Hamburg und am 9. 2. 1958 in Nürnberg. Doch schon das erste Konzert – es enthielt altitalienische Arien, Kunstlieder zeitgenössischer amerikanischer Komponisten, italienische Canzonen und Film-Songs sowie Arien aus „Tosca“ und „L'Arlesiana“ - stand unter einem Unstern, denn zwei Tage davor hatte sich Mario Lanza (vom Münchner Konzertveranstalter Karl Gensberger als „Der Welt populärster Tenor“ angekündigt) in seinem Londoner Hotel-Appartement eine Rippe gebrochen, was ihm das Atmen erschwerte und ihm nach dem (am Klavier von Constantine Callinicos begleiteten) Konzert in München nur zwei Zugaben ermöglichte. Der Stuttgarter Abend verlief ohne Zugaben, weil er an einer schmerzhaften Zahninfektion litt, worauf die folgenden Konzerte in die zweite Februarhälfte verschoben wurden. Doch Mario Lanza, der nach Rom – wo er seit 1957 seinen ständigen Wohnsitz hatte – zurückgekehrt war, machte zunächst keinen Versuch, die Tournee wieder aufzunehmen und ließ die Veranstalter und 'sein' Publikum warten.


    Erst im März betrat er wieder das Konzertpodium: nach Edinburgh, Manchester, Paris, Ostende und Rotterdam folgte am 11. 4. 1958 die Niedersachsenhalle in Hannover. Keiner konnte ahnen, dass das Konzert am nächsten Tag in der monströs riesigen Kieler Ostseehalle – Lanza sang, wie damals üblich, ohne Mikrophonverstärkung - sein letzter öffentlicher Auftritt sein würde. Die Hamburger Musikhalle war am 15. April ausverkauft, als der Veranstalter Kurt Collien das Podium betrat und dem Publikum verkündete, dass das Konzert wegen plötzlicher Erkrankung Mario Lanzas ausfallen müsse. Die angeblich so kühlen Hanseaten reagierten mit Pfiffen, Rufen und wüsten Beschimpfungen, man versuchte das Podium zu stürmen, wo Constantine Callinicos kleine Klavierstücke spielte, und es kam sogar zu Handgreiflichkeiten. Colliens Versicherung, die Eintrittsgelder würden zurückgezahlt, ging im allgemeinen Lärm unter. Besonders erboste Konzertbesucher zogen zum Hotel „Vier Jahreszeiten“ und verlangten, dass der Sänger sich zeigen sollte. Als dann noch herauskam, dass Lanza tags zuvor in Hamburgs Kneipenviertel St. Pauli gewesen war und mehrere Bars und Lokale aufgesucht hatte, kannte die Empörung keine Grenzen mehr. Trotz Versicherung eines herbei geholten Arztes, der Sänger habe eine schwere Bronchitis und Herzprobleme, forderte man, Mario Lanza den Pass abzunehmen, um seine Abreise zu verhindern, worauf das amerikanische Generalkonsulat eingeschaltet wurde; Kurt Collien drohte mit einer Schadenersatzklage in Millionenhöhe. Mario Lanza entkam schließlich unter Polizeischutz dem 'Hexenkessel' Hamburg und floh nach Rom.


    Dort besuchte ihn der deutsche Filmproduzent Alexander Grüter im Mai 1958 und schlug ihm ein neues Projekt vor, das der Sänger erfreut annahm und auch nicht widersprach, als die produzierende Münchner 'Corona'-Filmgesellschaft aus Versicherungsgründen eine ärztliche Untersuchung in Deutschland anordnete. Der konsultierte Arzt erkannte, dass der Sänger schwer an Herz und Leber erkrankt war: ihm könne nur geholfen werden, wenn man ihn von seinem ihn ständig umgebenden und von ihm auch finanzierten parasitären Personenumfeld trennen würde. Deshalb wurde Mario Lanza für zehn Wochen in das Parksanatorium am bayerischen Walchensee eingewiesen; nur seine Frau, die vier Kinder und zwei Kindermädchen durften ihn begleiten. Die strenge Diät und ein kompletter Alkohol-Entzug zeigte Wirkung und Mario Lanza konnte Anfang August 1958 zu den für das Playback notwendigen Musikaufnahmen für den neuen Spielfilm nach Rom reisen. Anschließend entstanden auf Capri, in Neapel, Rom, Salzburg und Berlin (Artur Brauners CCC-Studio) die Dreharbeiten. Die Filmpartner Annie Rosar und Hans Söhnker – selbst ein ausgebildeter Tenor, war bei den Gesangsaufnahmen in der römischen Oper anwesend und zeigte sich von Lanzas Interpretation der „Bajazzo“-Arie besonders beeindruckt – gaben der Presse sehr positive Berichte über den Sänger.



    „Der Sänger von Capri“ bzw. „Serenade einer großen Liebe“ ('For the First Time') (Corona Film GmbH / MGM 1959) (Farbe, 97 Min.)


    mit Johanna von Koczian, Zsa Zsa Gabor, Annie Rosar, Kurt Kasznar, Hans Söhnker, Walter Rilla, Peter Capell, Sandro Giglio, Renzo Cesana, das Johannes-Rediske-Quintett u. a. / Regie: Rudolph Maté. (Die folgende Inhaltsangabe bezieht sich auf eine 5 Minuten kürzere Version, die ich vom ZDF aufgenommen habe.)


    Der skandal-umwitterte Tenor Tony Costa verpasst wieder einmal einen Opernauftritt, diesmal an der Wiener Staatsoper, (aber egal, ob Wien, London oder Rom, es wird stets der Zuschauerraum der römischen Oper gezeigt!), weil er - schon verspätet angereist - vor seinen Fans am Bühneneingang im strömenden Regen ein 'Gratiskonzert' gibt. Der Intendant Leopold Hübner (Capell) schickt das Publikum nach Hause und droht Tony eine Konventionalstrafe an. Tonys Manager Ladislav Tabory (Kasznar) verordnet ihm einen 'Zwangsurlaub' auf Capri, um ihn für eine Weile der Öffentlichkeit und der Verfolgung durch die Presse zu entziehen. Auf der Insel trifft er nicht nur seine Langzeit-Freundin, die 'Society-Lady' Gloria di Vaduz (Gabor) wieder, er lernt zufällig auch die junge Christa Bruckner (Koczian) kennen, die bei ihrem Onke lebt, dem Schriftsteller Albert Bruckner (Söhnker), zusammen mit zwei Hausangestellten: Mathilde (Rosar) und Angelo (Cesana). Die Waise Christa hat im Krieg durch die Detonation einer Bombe ihr Gehör verloren und ihr sehnlichster Wunsch ist es, nachdem sie sich in Tony verliebt hat und er ihr einen Heiratsantrag machte, seine Stimme hören zu können. Sie begleitet Tony auf seinen Reisen zu Opernauftritten in Wien („I pagliacci“), London („Otello“) und Salzburg („Cosi fan tutte“) und konsultiert dabei mehrere internationale Ärzte, doch alle raten ihr von einer Operation zur Wiederherstellung des Hörvermögens ab. Erst der Salzburger 'Ohrenspezialist' Professor Bessart (Rilla) will den Eingriff wagen: die Operation gelingt. Nach einem Stadtbummel im regnerischen Berlin erkrankt Christa an einer schweren Grippe und verliert dadurch wieder ihr Gehör. Mit ihr nach nach Capri zurückgekehrt, kommt Tony damit nicht zurecht und beginnt betrunken eine wüste Schlägerei in Alessandros (Giglio) Taverne. Beim Verhör durch die Polizei nehmen aber alle anderen Beteiligten die Schuld auf sich und Gloria kommt für den Schaden auf. Und als das Fieber abklingt, kann Christa auch wieder normal hören; bei Tonys Auftritt in der römischen Oper als 'Radames' in „Aida“ sitzt sie glücklich im Publikum.



    Die Handlung ist im Kern schon oft auf der Leinwand variiert worden: ein berühmter Mann verliebt sich in eine junge kranke Frau, die durch die Liebe geheilt wird. Leider ist das Drehbuch nicht mehr als eine Folie für diverse Gesangseinlagen Mario Lanzas (vom Schlager bis zur Arie) und die filmische Umsetzung durch den aus Polen stammenden amerikanischen Regisseur Rudolph Maté gelang ziemlich konventionell. (Zumindest in der deutschen Fassung mildern prägnante Dialoge wie „Sie kennen ja die Amerikaner! Sie müssen sich überall einmischen!“ und kleine Scherze – unter den beim Polizeiverhör aufgerufenen Zeugen befindet sich auch ein 'Alfredo Cocozza', d. i. Lanzas Geburtsname! - die kolportagehafte Handlung.) „Der Spiegel“ schrieb in seiner Filmkritik 1959: „Die farbigen Breitwand-Panoramen von Capri, Rom und Salzburg und der innige Blick des deutschen Nachwuchsstars Johanna von Koczian wurden aufgeboten, um die Dienstleistungen des Hollywood-Tenors Mario Lanza für eine Münchner Filmfirma würdig einzurahmen. Das Drehbuch dieses ersten deutschen Lanza-Films spielt zwar schalkhaft auf Lanzas skandalgesegnete Karriere an, schüttet aber sehr bald eimerweise Rührung nach. Lanzas Stimmkraft – demonstriert an Opern-Arien, Ave Maria, Schmalzschlagern und Hofbräu-Schunkelchor – vermag den Schwachsinn der Ereignisse nicht zu übertönen.“


    Der sichtlich älter gewordene Mario Lanza wird in diesem Film von der bezaubernden 'kulleräugigen' Johanna von Koczian – damals 24 Jahre jung und durch das Renate-Müller-Remake „Viktor und Viktoria“ mit Georg Thomalla und Johannes Heesters, das Drama „Petersburger Nächte“ mit Ewald Balser und Ivan Desny und vor allem durch Kurt Hoffmanns zeitkritische und zeitlose Komödie „Wir Wunderkinder“ mit Hansjörg Felmy und Robert Graf bekannt geworden, während sie im Deutschen Fernsehen in großen Schauspielen wie Shakespeares „Was ihr wollt“, als Lessings „Minna von Barnhelm“ und als Gräfin Orsina in der „Emilia Galotti“ des gleichen Autors beeindruckte – in den Schatten gestellt. (Die in Berlin geborene, aus altem ungarischen Adel stammende und im Film oft 'unter ihrem Wert' eingesetzte, Schauspielerin lebt heute – mittlerweile 86jährig und leider an Demenz erkrankt – in einem Berliner Pflegeheim.)


    Die in Budapest geborene Zsa Zsa Gabor (bekannt durch Hollywood-Filme wie John Hustons „Moulin Rouge“ mit José Ferrer, „Lili“ mit Leslie Caron, Mel Ferrer und Kurt Kasznar oder „Im Zeichen des Bösen“ von Orson Welles mit Marlene Dietrich und Charlton Heston) hatte schon 1956 in einer deutschen Produktion mitgewirkt („Ball der Nationen“ nach der Operette von Fred Raymond), sie ist in „Der Sänger von Capri“ allerdings nur schmückendes 'Beiwerk'. Die flamboyante Film-Diva machte vor allem durch zahlreiche Ehen und Skandale Schlagzeilen und ist 2016 kurz vor ihrem 100. Geburtstag in Los Angeles gestorben. Kurt Kasznar, Hans Söhnker und Annie Rosar können sich in ihren stereotypen Rollen schauspielerisch kaum profilieren. (Auf 'YouTube' kann man zwei kurze Fernsehberichte von den Dreharbeiten sehen.)


    Die Begleitmusik zu diesem achten und letzten Lanza-Film schrieb George Stoll, der auch vier Titel beisteuerte: eine 'Tarantella' („Oh Capri, Capri“*), einen 'Jamaica-Rock' („Pineapple Pickers“*) und zwei orchestrale Tänze ('Danza napoletana'* und 'Mazurka“*) Von Vincenzo Di Paola und Sandro Taccani stammt das Lied „Come prima“* ('For the first time I'm in love'), das für Tony Dallara und das Schlagerfestival in San Remo 1957 komponiert wurde. Marguerite Monnot, bekannt durch Edith Piafs „Milord“, ist mit dem Chanson „O mon amour“* ('Je n'en connais pas la fin') vertreten, Eduardo Di Capuas „O sole mio“* fehlt nicht und schließlich gibt es auch noch das 'Hofbräuhaus-Lied' „Wer einmal nur in München war“* von Karl Bette, begleitet - wie auch bei „Pineapple Pickers“ - von dem Jazz-Quintett des Berliners Johannes Rediske.


    Klassisch wird es bei Schuberts „Ave Maria“* (mit dem 'Coro di voci bianche' des Vatikans, lateinisch gesungen) und Edward Griegs „Jeg elsker Dig“* ('I love thee'). Natürlich singt Mario Lanza auch einige Opern-Titel: aus „Rigoletto“ ('La donna è mobile' und 'Bella figlia dell'amore'), aus „Aida“ das Finale des zweiten Aktes*, aus „Otello“ (Otellos Tod 'Niun mi tema'*) sowie aus „I pagliacci“ die Arie des Canio ('Recitar!... Vesti la giubba'*). Interessant ist ein kurzer Ausschnitt aus Mozarts „Cosi fan tutte“ (das Terzett 'E voi ridete?'), weil hier auch Paolo Silveri und Plinio Clabassi singen, die aber im Film von Schauspielern gedoubelt wurden. Als weitere Sänger (im 'Gran Concertato' aus „Aida“) konnten bisher nur der Bariton Giangiacomo Guelfi und der Bass Plinio Clabassi identifiziert werden. Für die Opernszenen wurden der Chor und das Orchester des Opernhauses Rom aufgeboten, dirigiert von Constantine Callinicos; das „Ave Maria“ leitete George Stoll und die Unterhaltungsmusik-Titel wurden vom Orchester der RAI Rom unter Carlo Savina begleitet. (Die mit * gekennzeichneten Titel sind auch auf der „Soundtrack“-LP der 'RCA' enthalten, u. z. in voller Länge, während sie mit Ausnahme von „Come prima“, „O sole mio“, der Arie des Canio und 'Otellos Tod' im Film nur angespielt werden.)


    Im Februar 1959 hatte der Film mit dem Arbeitstitel „Der Sänger von Capri“ Deutschland-Premiere. Um ihn wohl besser zu bewerben, hing man sich an den großen Erfolg von „Serenade“ und gab manchen Kopien auch den Titel „Serenade einer großen Liebe“, was aber oft zu Verwechslungen führte. Mit dem Titel „For the First Time“ wurde der Streifen am 13. 8. 1959 in New York erstmals gezeigt (MGM hatte den Filmverleih für die USA übernommen) und Mario Lanza erhielt gute Kritiken für Gesang und Darstellung; nur das melodramatische Drehbuch und die uninspirierte Regie wurden beanstandet. Seine Schallplattenfirma 'RCA' schloss bereits 1958 mit ihm einen neuen Fünf-Jahres-Vertrag und produzierte - erstmals in Stereo – drei neue LPs („Mario!“, „Christmas Carols“ und „Caruso Favorites“), die Opernhäuser in Rom und Neapel stellten ihm eine 'carte blanche' für einen Opernauftritt seiner Wahl aus und eine neue Tournee wurde für Europa und Amerika vereinbart.


    Am 10. 9. 1959 stand er in Rom zum letzten Mal vor einem Mikrophon und sang Szenen aus der Operette „The Desert Song“ von Sigmund Romberg für die Schallplatte. Ende des Monats brach er zusammen und wurde in die römische Klinik „Valla Giulia“ eingeliefert: er hatte starke Herzschmerzen und diese mit Alkohol zu betäuben versucht, sein Blutdruck war besorgniserregend hoch, zudem litt er an einer leichten Lungenentzündung. Nach einer Visite am Morgen des 7. 10. 1959 verkündete ihm der zuständige Arzt, dass er halbwegs genesen sei und bald das Krankenhaus würde verlassen können – am Mittag dieses Tages erlitt Mario Lanza im Beisein einer Krankenschwester einen tödlichen Herzinfarkt. Er war erst 38 Jahre alt. Sein Leichnam wurde in die USA überführt und - nach einer Trauerprozession in seiner Geburtsstadt Philadelphia - auf dem katholischen Friedhof der Gemeinde Whittier bei Los Angeles beigesetzt.


    Im nächsten Jahr – am 31. 1. 2021 – jährt sich Mario Lanzas Geburt zum 100. Mal. Wäre das nicht ein Anlass, seiner würdig zu gedenken und ihn auch als großen Tenor anzuerkennen?



    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo!


    Alessandro Ziliani war damals in Deutschland sehr bekannt und sprach auch so gut deutsch, dass er 1935 von der 'Ufa' für die Hauptrolle in einem Spielfilm mit dem Titel "Liebeslied" eingesetzt wurde. Seine Partner waren u. a. Carola Höhn, Fita Benkhoff, Hilde Sessak, Paul Hörbiger, Rudolf Platte und Otto Sauter-Sarto; Fritz Peter Buch war der Regisseur und die Filmmusik stammt von Hans-Otto Borgmann.


    Carlo

    Zum Tode von Mady Mesplé am 30. 5. 2020 in ihrer Geburtsstadt Toulouse; sie war seit Jahren an Parkinson erkrankt.


    Gehört habe ich die Stimme der am 7. 3 1931 geborenen Sängerin zum ersten Mal 1963 auf dem „Mignon“-Querschnitt der 'Deutschen Grammophon Gesellschaft' (mit Jane Berbiè, Gérard Dunan und Xavier Depraz unter Jean Fournet – bis heute eine meiner liebsten Platten und wie viele andere französische Opernquerschnitte dieser Firma nie in den deutschen Handel gekommen). Dann sah ich 1966 die Übertragung der „Ariadne auf Naxos“ aus Aix-en-Provence (mit einer meiner Lieblingssängerinnen: Régine Crespin, mit Tatiana Troyanos und Jean Cox unter George Sébastian) im Deutschen Fernsehen, wo Mady Mesplé eine sehr charmante, überhaupt nicht 'puppige' Zerbinetta sang und für ihre große Arie stürmischen Applaus erhielt. Erst mit ihrem Exclusiv-Vertrag 1968 bei der französischen 'EMI'-Tochter 'La Voix de son Maitre“ wurde sie peu-à-peu auch hierzulande bekannter; allerdings wurden ihre Schallplatten von deutschen Kritikern nicht immer freundlich rezensiert.


    Die Stimme von Mady Mesplé muss man mögen, um der eminenten Künstlerschaft dieser Sängerin gerecht zu werden: ein sehr persönlich gefärbter leichter Sopran mit schnellem, lockeren Vibrato bis hin zum Tremolo und auch gelegentlichen scharfen oder steifen Höhen. Dies ist aber der Stimmtypus, den unsere Nachbarn jenseits des Rheins von jeher als besonders 'attraktiv' empfinden; ältere, ähnlich timbrierte Vorbilder dafür gibt es viele, auch die viel zu früh verstorbene Mado Robin gehört dazu und in den letzten Jahren vor allem Natalie Dessay, die zwar den Vorteil einer wesentlich einschmeichelnderen Stimme hat, aber auch das anonymere Timbre. (Das Faible der Franzosen für solche 'Reibeisenstimmen' wie die von der Mistinguett, der Patachou, von Edith Piaf oder Mireille Mathieu ist mir auch rätselhaft.)


    Die Karriere von Mady Mesplé, die schon als Kind zur Sängerin und Pianistin ausgebildet wurde, nahm 1953 im belgischen Lüttich/Liège ihren Anfang gleich mit einer Hauptrolle: „Lakmé“ von Leo Delibes. Drei Jahre blieb sie dort im Ensemble und wechselte nach Gastspielen in Toulouse, Lyon, Strasbourg und Nantes 1956 an die Pariser Opéra-Comique (Antrittsrolle: Lakmé). Im selben Jahr sang sie bereits in Aix-en-Provence ('Zemire' in Gretrys „Zémire et Azor“ und 'Lucy' in Menottis „Le Téléphone“, en francais naturellement) und hatte 1958 ihr Debüt an der Pariser Opéra als.'Constance' in Poulencs „Les Dialogues des Carmélites“ (mit Denise Duval, Denise Scharley und Rita Gorr), gefolgt von der 'Sophie' in „Le Chevalier à la Rose“ (mit Régine Crespin und Rita Gorr unter André Cluytens) und dem 'Oscar' in Verdis „Un bal masqué“ (mit Régine Crespin, Albert Lance und René Bianco unter Pierre Dervaux in der Regie von Margherita Wallmann). Am 29. 12. 1960 war sie an der Opéra-Comique in Paris in der 1500sten Aufführung der „Lakmé“ besetzt, die eigentlich von der kurz zuvor gestorbenen Mado Robin verkörpert werden sollte, die an diesem Tag 42 Jahre alt geworden wäre.


    Besonderes Aufsehen erregte Mady Mesplé, als sie im Juli 1960 direkt nach Joan Sutherlands Pariser Debüt die Titelrolle in „Lucie de Lammermoor“ (mit Alain Vanzo und Robert Massard) erstmals sang, in der französischen Original-Stimmlage Es-Dur, und in der 'Wahnsinnsszene' noch einen Ton höher ging (1961 trat sie in dieser Rolle auch beim Festival von Edinburgh unter John Pritchard auf, diesmal in italienischer Sprache). Neben der 'Lucia', der 'Gilda' im „Rigoletto“ und der 'Olympia' in „Les Contes d'Hoffmann“ wurde die 'Königin der Nacht' in der „Zauberflöte“ zu einer ihrer im Ausland meistgesungenen Partien, z. B. im Mai 1963 beim Festival in Lausanne (neben Montserrat Caballé, Fritz Wunderlich und Gottlob Frick, dirigiert von Bernhard Conz) oder im gleichen Jahr bei ihrem Wien-Debüt an der Volksoper, wo sie auch in den Folgejahren immer wieder gastierte - an der Wiener Staatsoper ist Mady Mesplé nie aufgetreten - und 1965 bei ihrem ersten Gastspiel in Deutschland (Bayerische Staatsoper in München).


    Die internationale Laufbahn setzte sich fort mit Auftritten u. a. in Miami 1964 („Lakmé“ mit Alain Vanzo und dem kürzlich verstorbenen Gabriel Bacquier unter Emerson Buckley), in Chicago (1966 „Die Zauberflöte“ mit Claire Watson, Ernst Haefliger, Erich Kunz, Hans Hotter und Karl Ridderbusch unter Eugen Jochum), als 'Philine' in der „Mignon“ (1967 wieder in Miami unter Emerson Buckley mit Teresa Berganza, Juan Oncina und Nicola Moscona) und als 'Königin der Nacht' auch 1968 in Buenos Aires (mit Joan Carlyle, Peter Schreier, Hermann Prey und Franz Crass unter Otmar Suitner). Im Mai 1973 unternahm sie eine Tournee durch die Sowjetunion (mit Auftritten am Moskauer Bolshoi-Theater) und schließlich trat sie auch im September 1973 an der New Yorker 'Met' auf - als 'Gilda' im „Rigoletto“ neben Matteo Manuguerra und Enrico Di Giuseppe unter Serge Baudo, der hier ebenfalls erstmals in New York dirigierte.


    Die aussergewöhnlichen stimmlichen Fähigkeiten Mady Mesplés wurden auch von zeitgenössischen Komponisten gerne für neue Werke genutzt: z. B. die Opern „Dolorès“ von André Jolivet (Titelrolle 1961 an der Pariser Opéra-Comique mit Jean-Christophe Benoit, Raymond Amade und Xavier Depraz unter Jésus Etcheverry); „Princesse Pauline“ von Henri Tomasi über die Schwester Napoleons I. (Titelrolle 1962, ebenfalls in Paris mit Jean Giraudeau und Jacques Doucet unter Richard Blareau); “Syllabaire pour Phèdre“ von Maurice Ohana 1968 – eine 'Kammeroper' für Stimmen, Chor, Kammerorchester und elektronische Instrumente (es gibt davon eine Aufnahme mit Mady Mesplé und Jean Marais unter Marius Constant); „L' Interview“ von Janós Komives, ebenfalls eine 'Kammeroper' für eine Sängerin ('Elle'), einen Schauspieler und fünf Musiker (1979 mit Mady Mesplé und Jacques Duby im Fernsehen uraufgeführt) und „L' Escarpolette“ ('Das Schaukelbrett') von Jean-Michel Damase mit Gabriel Bacquier und dem Dirigenten Jacques Pernoo, ebenfalls ein Werk für das Französische Fernsehen (1981).


    Extra für 'Mady' – eine Kurzform von 'Madeleine' - komponiert wurden folgende Stücke für den Konzertsaal: das „Quatuor II“ von Betsy Jolas (1966) für Sopran und drei Instrumente; „Quatre Poèmes de Sappho“ von Charles Chaynes für Sopran und Streichtrio (ebenfalls 1968 – Chaynes war 'nebenberuflich' Direktor des Rundfunkkanals 'France Musique'); „Unité“ für Sopran und zehn Instrumente von Patrice Mestral 1970; „La Messe des Voleurs“ ('Die Messe der Diebe', die aber ursprgl. „La Messe des Pauvres“ - 'Die Messe der Armen' - hieß) von Paul Méfano 1972 für ein Vokalquartett, ein Kammer-Ensemble, elektronische Instrumente und Tonbandgeräusche komponiert; „Croce e Delizia“- eine Kantate für Sopran und Kammerorchster - von Philippe Capdenat (1973) und 1978 ein „Madrigal“, wieder von Paul Méfano.


    Eindrucksvoll ist auch die Liste von Partien in 'modernen' Bühnenwerken: die 'Priscilla' in „Geneviève de Paris“ (1955 in Lyon neben Régine Crespin, Raoul Jobin und Libero De Luca) von Marcel Mirouze (der zwei Jahre später bei einem Autounfall starb); die 'Kitty' in der französischen Erstaufführung in Paris 1963 von Menottis „The Last Savage“ (mit Gabriel Bacquier, Xavier Depraz und Raymond Amade unter Serge Baudo); ebenfalls in Erstaufführung für Frankreich Henzes „Elegie für junge Liebende“ in Nizza (als 'Hilda Mack' 1965 mit Jacques Doucet, Michel Cadiou und Louis Noguera unter Jean Perisson); in Marseille die 'Thérèse' in Poulencs „Les Mamelles de Tirésias“ (1969); 'Die Seele' in Schönbergs „Die Jakobsleiter“ unter Pierre Boulez konzertant 1972 bei der BBC (mit Schallplattenaufnahme 1977 in London, ebenfalls mit Boulez); die Königin Isabella in der konzertanten Aufführung des Belgischen Rundfunks für die EBU (European Broadcasting Union) von Milhauds „Christophe Colomb“ 1973.


    Und Mady Mesplé ist auch in Kino- und Fernseh-Filmen zu sehen wie z. B. als 'Maria Malibran' in der Verfilmung von Stendhals Novelle „Lucien Leuwen“ durch Claude Autant-Lara (1972), in Jean-Christophe Avertys "Le Château des Carpathes" ('Das Karpatenschloss' nach Jules Verne) von 1976 oder Didier Decoins „L' Amour s'invente“ ('Die Liebe erfindet sich', 1981). 1961 gab es bereits eine französische TV-Inszenierung der „Lakmé“ mit Michel Cadiou und André Jonquères und 1975 spielte sie in Schwetzingen für den Süddeutschen Rundfunk die 'Madame Herz' in Mozarts „Der Schauspieldirektor“ neben Edda Moser und Peter Ustinov auf der Grundlage ihrer 'Electrola'-Schallplatte.


    Äusserst zahlreich sind ihre auf Tonträgern veröffentlichten Aufnahmen – sie reichen von barocken Kantaten über Kirchenmusik und 'Chansons' des 18. Jahrhunderts über mehrere Ersteinspielungen französischer Opern und Operetten bis zu Liedern von Schönberg und Satie sowie bekannten Chansons von Paul Misraki, Gilbert Bécaud, Marcel Mouloudji oder Michel Legrand. (Übrigens trat Mme. Mesplé nach ihrer Sängerkarriere – und neben ihrer Lehrtätigkeit an den Conservatoires von Paris und Toulouse - mehrmals als Jazz-Pianistin auf!) Ich habe mehrere Recitals mit ihr; darunter eine Kassette mit drei LPs – veröffentlicht 1986 von 'La Voix de son Maitre' in Zusammenarbeit mit 'INA', dem Archiv des Französischen Rundfunks - ausschließlich mit Live-Aufnahmen aus Oper, Operette und Konzert (u. a. eine unglaubliche Darbietung von Mozarts Konzertarie „Popoli di Tessaglia“ von 1965, wo die Stimme bis zum hohen 'G' geführt wird). Von ihren Opernaufnahmen bevorzuge ich Aubers „Manon Lescaut“, die Harald Kral schon im Beitrag Nr. 8 genannt hat; ihre für mich schönste Solo-Platte heißt „Bergerettes et Pastourelles“ (1975), wo sie, begleitet am Cembaolo von Janine Reiss, ganz schlicht kleine graziöse 'Schäferweisen' aus der Sammlung des ehemaligen Bibliothekars des Pariser Conservatoire, Jean-Baptiste Weckerlin, singt, die eine längst vergangene Zeit lebendig werden lassen.


    Für die ehemalige Düsseldorfer Musikzeitschrift „Collegium Musicum“ (Ausgabe vom April 1972) gab die Sängerin dem belgischen Journalisten Tony Dekegel ein langes Interview. Befragt zur zeitgenössischen Musik antwortete sie u. a.: „Oh, das ist ein Problem. Über welche Werke lohnt es sich da zu sprechen? Es gibt Kompositionen, die die Stimme wie ein Instrument behandeln, die eine Höhe vorsehen, die alle Stimmmöglichkeiten sprengt. Ich selbst habe solche Erfahrungen machen müssen. Ein bestimmter Komponist schreibt etwas für Sie und das Ergebnis besteht aus sehr hoch liegenden Skalen. Auch wenn ich über eine sehr leicht ansprechende Höhe verfüge, so ist das noch nicht mein Hauptcharakteristikum! Wenn ein Stück nur auf der Koloratur aufgebaut ist, muss es doch für die Zuhörer äusserst langweilig sein. Manchen 'modernen' Komponisten werfe ich auch vor, dass sie das Schlagwerk im Überfluss einsetzen. Ob man will oder nicht, eine Stimme bleibt ein menschliches Instrument und auch, wenn man sie mit einer solchen Kraft einsetzen kann wie Birgit Nilsson, kann man nicht gegen fünfzehn Schlagwerke ansingen, die obendrein noch im Fortissimo spielen.“


    Repose en paix, chère Mady!


    Carlo

    Liebe Taminos,


    Mady Mesplé hat einen eigenen Thread unter "Berühmte Stimmen"!


    Aber statt die Sängerin zu würdigen, rätselt man 7 Beiträge lang, welche der zwei weiblichen Rollen in Aubers "Fra Diavolo" wichtiger ist...


    Carlo

    Lieber Hans Heukenkamp,


    gib doch bitte demnächst mit der entsprechenden Nummer an, auf welchen alten Beitrag Du Dich beziehst, damit man nicht ellenlang suchen muss. (Es ist "Rheingolds" Beitrag Nr. 220 vom 1. 5. 2019 und er betrifft den Spielfilm "Der ewige Klang" von 1942/1943, in dem Elisabeth Schwarzkopf der Schauspielerin Olga Tschechowa für ein Lied von Franz Grothe die Stimme 'lieh'.)


    Carlo

    Und da ich es immer etwas genauer mag, hier die kompletten Besetzungen des Deutschen Opernhauses Berlin 1940:


    „Das Rheingold“: Wotan – Wilhelm Rode / Donner – Hanns Heinz Nissen / Froh – Rudolf Schramm / Loge – Willi Wörle / Alberich – Ludwig Windisch / Mime – Reinhard Dörr / Fasolt – Wilhelm Schirp / Fafner – Wilhelm Lang / Fricka – Margarete Klose* / Freia – Constanze Nettesheim / Erda – Elsa Lita / Woglinde – Elisabeth Friedrich / Wellgunde – Elisabeth Schwarzkopf / Floßhilde – Marie-Luise Schilp / Dirigent: Artur Rother / Ausstattung: Edward Suhr / Regie: Wilhelm Rode (7. 10. 1940) (* = als Gast)


    „Die Walküre“: Siegmund – Günther Treptow / Hunding – Wilhelm Schirp / Wotan – Wilhelm Rode / Sieglinde – Polyna Stoska / Brünnhilde – Elsa Larcén / Fricka – Gertrud Walker* / Gerhilde – Toni Hedderich / Ortlinde – Elisabeth Schwarzkopf / Waltraute – Gertrud Walker* / Schwertleite – Moja Petrikowski* / Helmwige – Margarete Slezak / Sigrune – Herta Karina Kutz / Grimgerde – Marie-Luise Schilp / Roßweiße – Elsa Lita / Dirigent: Artur Rother / Ausstattung: Edward Suhr / Regie: Wilhelm Rode (9. 10. 1940) (* = als Gast)

    Lieber 'Joseph II.', lieber 'Nemorino',


    zu den Beiträgen Nrn. 257 und 258: Elisabeth Schwarzkopf hat die Rollen der 'Elisabeth' im "Tannhäuser" und der 'Elsa' im "Lohengrin" auch auf der Bühne gesungen!


    „Tannhäuser“ (Wagner): Landgraf Hermann – Gottlob Frick / Tannhäuser – Hans Beirer / Wolfram von Eschenbach – Hans Braun / Walther von der Vogelweide – Richard Holm / Biterolf – Alois Pernerstorfer / Heinrich der Schreiber – Jozsi Trojan-Regar / Reinmar von Zweter – Otto Wiener / Elisabeth - Elisabeth Schwarzkopf / Venus – Elsa Cavelti / Ein junger Hirt – Grete Rapisardi / Dirigent und Regisseur: Herbert von Karajan / Ausstattung: Emil Preetorius (Mailand, Teatro alla Scala, 27. 12. 1950, 5 Vorstellungen). An der Wiener Staatsoper sang Elisabeth Schwarzkopf ihre Rolle nur ein einziges Mal, u. z. am 29. 5. 1963 unter Herbert von Karajan. (Übrigens hatte Karajan für die Rolle der 'Venus' in Mailand Lisa Della Casa (!) vorgesehen.)


    „Lohengrin“ (Wagner); Heinrich der Vogler – Otto Edelmann / Lohengrin – Wolfgang Windgassen / Elsa von Brabant - Elisabeth Schwarzkopf / Friedrich von Telramund – Gustav Neidlinger / Ortrud – Martha Mödl / Der Heerrufer – Josef Metternich (und einmal Enrico Campi) / Dirigent und Regisseur: Herbert von Karajan / Ausstattung: Emil Preetorius (Mailand, Teatro alla Scala, 10. 1. 1953, 6 Vorstellungen)


    Meines Wissens sind von den Mailänder Aufführungen bisher keine Mitschnitte aufgetaucht.


    In ihrer 'ersten' Karriere (d. h. vor Walter Legge) sang sie neben dem 'Jungen Hirten' im "Tannhäuser" - wovon es auch eine Rundfunkaufnahme gibt; siehe meinen Beitrag im Thread über Fritz Krauß - und einem 'Blumenmädchen' im "Parsifal" auch die 'Wellgunde' im "Rheingold" und die 'Ortlinde' in "Die Walküre". Zu den beiden letztgenannten Opern habe ich Programmhefte des Deutschen Opernhauses Berlin vom 7. 10. bzw. 9. 10. 1940, die das belegen.


    Carlo


    P. S. Bei den Bayreuther Festspielen 1951 wurde die 'Freia' in beiden "Rheingold"-Aufführungen (Knappertsbusch und Karajan) von Paula Brivkalne gesungen!

    Lieber 'Caruso41',


    nein, Kerstin Meyer habe ich leider nicht live gehört - ich kenne sie nur von einigen Schallplatten und Fernseh-Sendungen. Nach den Kritiken zu urteilen, muss sie eine hervorragende Darstellerin mit faszinierender Ausdruckskraft gewesen sein.


    Hier folgt der 2. Teil der Ur- und Erstaufführungen, an denen Kerstin Meyer beteiligt war:



    „Der große Makabre“ ('Den stora Makabern') (Ligeti): Nekrotzar, der große Makabre – Erik Saedén / Piet vom Fass, ein Trinker – Sven-Erik Vikström / Spermando und Hymenia, ein Liebespaar – Kerstin Meyer und Elisabeth Söderström / Fürst Go-Go – Gunilla Slättegard / Astradamors, Hofastrologe – Arne Tyrén / Mescalina, seine Frau – Barbro Ericson / Venus, Göttin der Liebe – Monika Laven / Das Echo der Venus - Ulla Blom / Der Chef der 'Gepopo', der geheimen politischen Partei – Britt-Marie Ahrun / Der weiße Minister – Dimitry Cheremeteff / Der schwarze Minister – Nils Johannsson / Die Soldaten: Ruffiack – Ragne Wahlroth, Schobiack – Hans-Olof Söderberg, Schabernack – Lennart Stregard / Operakören av Kungliga Hovkapellet (Der Chor und das Orchester der Kgl. Oper Stockholm) / Dirigent: Elgar Howarth / Ausstattung: Aliute Meczies / Regie: Michael Meschke (Stockholm, Kungliga Teatern, 12. 4. 1978, Uraufführung; es existiert ein Rundfunkmitschnitt in schwedischer Sprache).


    Noch kurz vor seinem tragischen Unfalltod 1972 hatte der Intendant der Königlichen Hofoper in Stockholm, Göran Gentele, der als Nachfolger von Rudolf Bing zum Leiter der Metropolitan Opera in New York ernannt worden war, bei György Ligeti (1923 – 2006) eine neue Oper in Auftrag gegeben. Die deutsche Malerin, Bühnen- und Kostümbildnerin Aliute Meczies schlug ihm als Vorlage den 1934 entstandenen - von Gemälden des flandrischen Malers Pieter Bruegel d. Ä. inspirierten - Roman „La Balade du grand Macabre“ des belgisch-flämischen Dichters Michel de Ghelderode vor. Fünf Jahre arbeiteten der Komponist und der aus Deutschland stammende damalige Leiter des Stockholmer Puppentheaters, Michael Meschke, gemeinsam am (in deutscher Sprache geschriebenen) Libretto und der Entstehung dieses prallen Stücks absurden Musiktheaters: eine wahre 'Tour de force' für Interpreten und Zuschauer, ein Werk zwischen Kunst und Klamauk, von Ligeti eine 'Anti-Anti-Oper' genannt. 1997 wurde eine Neubearbeitung der Oper - die seitdem unter dem französischen Titel „Le Grand Macabre“ meistens in englischer Sprache aufgeführt wird - bei den Salzburger Festspielen gezeigt; die anzüglichen Rollennamen des Liebespaares wurden in 'Amando' und 'Amanda' geändert und aus den beiden bisher als Sprechrollen angelegten 'Ministern' wurden Gesangspartien. Mittlerweile gehört das Werk zu den am meisten gespielten Opern des zeitgenössischen Musiktheaters.



    „The Rising of the Moon“ ('Der Mond geht auf über Irland') (Maw): Cornet John Stephen Beaumont – John Wakefield / Colonel the Lord Francis Jowler – Richard Van Allan / Lady Eugenie, seine Frau – Rae Woodland / Major Max von Zastrow – Peter Gottlieb / Elisabeth, seine Frau – Kerstin Meyer / Captain Lillywhite – John Fryatt / Atalanta, seine Tochter – Annon Lee Silver / Corporal Haywood- Brian Donlan / Witwe Sweeney, Kneipenwirtin – Johanna Peters / Cathleen, ihre Tochter – Anne Howells / Donal O'Dowd, ein irischer Patriot – John Gibbs / Bruder Timothy, ein Mönch – Alexander Oliver / Mr. Lynch, ein Kneipengast – Dennis Wicks / The Glyndebourne Festival Opera Chorus / Chorltg.: Myer Fredman / The London Philharmonic Orchestra / Dirigent: Raymond Leppard / Ausstattung: Osbert Lancaster / Regie: Colin Graham (Glyndebourne, Festival Theatre, 19. 7. 1970, Uraufführung; die Vorstellung vom 2. 8. 1970 wurde von der BBC live übertragen.) Für die Aufführung in Glyndebourne ein Jahr später hat Nicholas Maw (1935 - 2009), vor allem durch seine späte Oper „Sophie's Choice“ bekannt, die Orchestration überarbeitet.


    Den Sinn für 'schwarzen Humor' kann man den Engländern wirklich nicht absprechen, denn die Handlung der 'romantischen Komödie' von Beverley Cross spielt 1875 im irischen Örtchen Ballinvourney vor dem Hintergrund der damaligen Konflikte zwischen Iren und Briten als Folge des „Great Famine“, einer Hungerkatastrophe, die in Irland über eine Million Todesopfer forderte. Und 1970 waren die mit Attentaten durchsetzten Auseinandersetzungen zwischen Nordirland und Großbritannien auf einem Höhepunkt! Das ist die Handlung: Um in das britische Regiment der '31st Royal Lancers' aufgenommen zu werden, soll der junge Cornet Beaumont drei 'Mutproben' bestehen - bis zum nächsten Morgengrauen muss er 3 Zigarren rauchen, 3 Flaschen Champagner trinken und 3 Frauen verführen. Die Dorfbewohner wischen den verhassten Briten eins aus, indem sie dem Fähnrich hierfür die Frauen der Regiments-Offiziere zuführen. Lady Elizabeth und Frau von Zastrow können dem feschen Mann nicht widerstehen, aber für die jungfräuliche Atalanta 'opfert' sich die Wirtstochter Cathleen. Als Beaumont innerhalb der gesetzten Frist 'Vollzug' meldet, gibt es Ärger, weil die Prüfung nicht ernst gemeint war. Beaumont widerruft daraufhin seine Absicht, dem Militär beizutreten und verlässt Ballinvourney, das Regiment zieht zur Freude der Iren endlich ab und Cathleen bleibt 'entehrt' zurück. (Die erste deutschsprachige Aufführung – mit einer Übersetzung von Manfred Vogel - war am 1. 4. 1978 in Graz; schon einen Tag später folgte das Opernhaus in Bremen.)



    „The Visitation“ ('Die Heimsuchung') (Schuller): Carter Jones, ein farbiger Student – McHenry Boatwright / Die 'Heimsuchenden': Bill – Kim Borg, Frank – Carl Schultz und Joe – William Workman / Joes Vermieterin – Tatiana Troyanos / Ein Inspektor – Peter Roth-Ehrang / Miss Hampton, Carters Zimmerwirtin – Jeanette Scovotti / Mattie, Carters Arbeitskollege – Heinz Blankenburg / Der 'Gerichtsvorsitzende' – Kim Borg / Chuck, Anführer einer 'Gang' – Erwin Wohlfahrt / Mrs. Claiborne – Kerstin Meyer / Mr. Claiborne, Sekretär der 'Legal Aid Society', ihr Mann – Heinz Blankenburg / Uncle Albert, Carters Onkel – Simon Estes / Mr. Held, ein Advokat – Tom Krause / Teena, Mr. Helds Pflegerin – Felicia Weathers / Patterson, ein Bürovorsteher – Heinz Blankenburg / Angelo Pulisi, ein Nachtclubbesitzer – Helmut Melchert / Ein farbiger Diakon – William de Valentine / Der Spritual Chor Hamburg / Ltg.: Klaus Untiedt / Der Chor der Hamburgischen Staatsopoer / Chorltg.: Helmut Fellmer / Eine Jazzcombo: Bent Jädig (Altsaxophon), Rolf Kühn (Klarinette), Dusko Gojkovic (Trompete), Albert Mangelsdorff (Posaune), John C. Eaton (Klavier), Peter Trunk (Bass) und Ralph Hübner (Schlagzeug) / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Gunther Schuller / Ausstattung: Ita Maximowna / Regie: Günther Rennert (Hamburg, Staatsoper, 12. 10. 1966, Uraufführung in englischer Sprache). Mit zwei Aufführungen dieses Werks gastierte die Hamburgische Staatsoper auch 1967 an der New Yorker 'Met'.


    Angelehnt an Franz Kafkas „Der Prozess“ schildert diese 'Jazz-Oper' – zu der der Amerikaner Gunther Schuller (1925 - 2015) sein eigenes (englischsprachiges) Libretto schrieb - in losen Bildern die albtraumhaften Erlebnisse des Studenten Carter Jones, der als Farbiger ein 'nützliches Mitglied der - überwiegend weißen - amerikanischen Gesellschaft' der 60er Jahre sein möchte und tragisch scheitert. (1968 kam es in Wuppertal zur ersten Aufführung in deutscher Sprache.) Gerade heute in Zeiten von Ausländerhass und Ausgrenzung ist diese Oper von brennender Aktualität und müsste wieder einmal auf die Bühne gebracht und zur Diskussion gestellt werden.



    In der nächsten Woche folgt der 3. Teil.



    Carlo

    Heute Josef Traxel mit Kompositionen von Ludwig van Beethoven:

    „Neunte Symphonie“ (Beethoven): mit Maria Stader, Lore Fischer, Josef Traxel und Rudolf Watzke / Der Gürzenich-Chor und das Gürzenich-Orchester Köln / Dirigent: Günter Wand (Köln, Gürzenich, 3. 10. 1955). Ein Konzert zur Einweihung des kriegszerstörten und wiederaufgebauten 'Gürzenich', ein spätgotischer Festsaalbau, der seit 1857 der Stadt Köln als Konzertsaal diente. Das 'Gürzenich-Orchester' - das sich in den 1990er Jahren auch 'Kölner Philharmoniker' nannte - ist das Symphonie-Orchester der Stadt Köln und gleichzeitig auch das Orchester des Kölner Opernhauses.


    dto.: mit Gré Brouwenstijn, Elsa Cavelti, Josef Traxel und Heinz Rehfuss / La Société Chorale de Brassus / L'Orchestre de la Suisse Romande / Dirigent: Ernest Ansermet (Genf, Victoria Hall, 27. 10. 1957). Ein Konzert zum zwölften Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen. Eine Veröffentlichung der 'Société Vocale Internationale Josef Traxel'; der vierte Satz der Symphonie ist enthalten auf der Doppel-CD des 'St-Laurent Studios' mit Beethovens „Missa Solemnis“ (s. u.).


    dto.: mit Maria Stader, Annie Hermes, Josef Traxel und Hermann Schey / Toonkunstkoor Amsterdam / Het Concertgebouw-Orkest / Dirigent: Otto Klemperer (Amsterdam, Concertgebouw, 1958). Vom 12. 5. bis zum 1. 6. 1958 leitete Otto Klemperer im Amsterdamer Concertgebouw mehrere Konzerte – teilweise wiederholt - mit Musik von Ludwig van Beethoven, u. a. alle neun Symphonien, die Große Fuge op. 133, das fünfte Klavierkonzert (mit Rudolf Firkusny) und die Ouvertüre zum „König Stephan“. (Mitschnitte dieser Konzerte befinden sich im Tonarchiv des Concertgebouw-Orchesters.)


    dto.: mit Maria Stader, Nan Merriman, Josef Traxel und Gottlob Frick / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Kurt Prestel / Dirigent: Eugen Jochum (München, Herkulessaal, 10. 12. 1959). Dieser Konzertmitschnitt ist bisher nicht veröffentlicht worden.


    dto.: mit Pilar Lorengar, Marga Höffgen, Josef Traxel und Otto Wiener / Choeurs et Orchestre National de la RTF, Paris / Chorltg.: Jean Gitton / Dirigent: Jascha Horenstein (Paris, Salle Pleyel, 31. 10. 1963) Diese Aufnahme ist in der Box „Jascha Horenstein: Performances from Paris 1952–1966“ bei 'Music & Arts' (9 CDs, 2004) enthalten. Der Mitschnitt des französischen Fernsehens aus der Serie 'Prestige de la Musique', den ich vom Bezahlsender 'Premiere' in seinem 'Classica' Programm auf Video aufgezeichnet habe, ist auch bei 'YouTube' zu sehen.


    „Missa solemnis“ (Beethoven): mit Maria Stader, Marga Höffgen, Josef Traxel und Kim Borg / L' Union Chorale de Tour-de-Peilz et Choeur des Dames de Lausanne / Chorltg.: Robert Mermond / L' Orchestre de la Suisse Romande / Dirigent: Ernest Ansermet (Genf, Victoria Hall, 23. 5. 1962) Veröffentlicht durch die 'Société Vocale Internationale Josef Traxel' und erschienen – gekoppelt mit dem 4. Satz von Beethovens 'Neunter' - als 'Vol. 1' beim canadischen CD-Label 'St-Laurent Studio'.


    „Fünf Lieder“ (Beethoven): Mailied, op. 52/4 – Zärtliche Liebe, WoO 123 – Resignation, WoO 149 – Adelaide, op. 46 – Abendlied unterm gestirnten Himmel, WoO 150 / Klavier: Hubert Giesen (Berlin, Gemeindehaus Zehlendorf, 16. 9. 1958) 'Electrola' E 80 447 (30 cm, gekoppelt mit Liedern von Franz Schubert – siehe dort). Obwohl in Stereo aufgenommen, wurde die Platte nur monaural veröffentlicht und ist nie wieder neu im 'Electrola'-Katalog erschienen. (Eine CD-Überspielung gibt es beim 'Hamburger Archiv für Gesangskunst' in der „Josef-Traxel-Edition“.)


    Ein schönes Pfingstfest allerseits!


    Carlo

    Hier ist also mein Beitrag zu Mario Lanzas siebtem Film:


    „Arrivederci, Roma!“ ('Seven Hills of Rome') (Le Cloud Film - Titanus Films / MGM 1957) (Farbe, 107 Min. / Deutsche Version: 97 Min.)


    mit Marisa Allasio, Peggie Castle, Clelia Matania, Renato Rascel, Carlo Rizzo, Guido Celano, Carlo Giuffrè u. a. / Regie: Roy Rowland


    Die nachfolgende Inhaltsangabe gründet sich auf der um 10 Minuten gekürzten deutschen Fassung des Films, in der teilweise die Rollennamen gegenüber der italienischen bzw. amerikanischen Version anders lauten!

    Der italienisch-stämmige amerikanische Tenor Marc Robert hat bei einer Fernseh-Werbesendung für eine Lippenstift-Marke mit seiner wohlhabenden Verlobten Carin Carlson (Castle) eine Auseinandersetzung, weil sie sich zu vertraut mit einem angeblichen Verwandten zeigt. Ihre Wege trennen sich und Marc versucht mit wenig Glück, seinen Ärger durch den Besuch der Spielbank von Monte Carlo zu vergessen. Mit seinem letzten Geld fährt er per Bahn nach Rom, wo sein italienischer Vetter Beppo Bonelli (Rascel) lebt, der Pianist in Luigis (Celano) kleinem Varieté-Theater und auch in dem Nachtclub „Ulpia“ ist. Bei einem Halt in Savona springt die junge Raffaella Marini (Allasio) im strömenden Regen auf den anfahrenden Zug, wobei sie ihre Handtasche verliert und dem Schaffner keinen Fahrschein vorweisen kann. Marc zahlt für Raffaella, die in Rom bei ihrem Onkel wohnen und dort arbeiten möchte; doch es stellt sich heraus, dass dieser schon vor Jahren nach Argentinien ausgewandert ist und Marc nimmt sie zu Beppos kleiner Wohnung mit, wo sie beide wohnen können. Aber nicht nur Raffaella ist auf Arbeitssuche, auch Marc muss Geld verdienen und er bewirbt sich zunächst vergebens im Nachtclub „Ulpia“, wird aber von Luigi für sein Theater engagiert. Raffaella hat durch Beppos Vermittlung eine Anstellung im Modesalon von Beatrice (Matania) gefunden; dort erfährt Marc, dass sich Carin auch in Rom aufhält. Tatsächlich trifft er sie beim Schlendern durch die Stadt und sie lädt ihn auf eine Party mit amerikanischen Freunden auf einer Yacht im Hafen von Ostia ein. Weil der Motor des Bootes ausfällt, verpasst Marc seinen Auftritt im Nachtclub und wird gemeinsam mit Beppo 'gefeuert'. In der Bar des „Ulpia“ trifft Marc Carin mit einem Freund, Franco (Giuffrè), und es kommt zu einer wüsten Schlägerei; für die Demolierung des Nachtclubs wird Marc haftbar gemacht. Um Marc zu helfen, bietet ihm Raffaella ein Diamantarmband an, das sie im Modesalon gefunden hat. Doch Marc lehnt ab und vereinbart mit dem „Ulpia“-Direktor (Rizzo), den entstandenen Schaden durch Auftritte abzuarbeiten. Carin und Marc beenden ihre Verlobung und Raffaella will – von Marc enttäuscht – zurück nach Savona; als Marc von Beppo über Raffaellas wahre Gefühle aufgeklärt wird, fängt er sie auf ihrem Weg zum Bahnhof ab. .


    Der Film „Serenade“ kam im September 1956 in die amerikanischen Kinos und fand bei Presse und Publikum ein geradezu überwältigendes positives Echo. Weil aber Warner Bros. zu lange mit einem neuen Film-Projekt für Mario Lanza wartete, unterzeichnete er Anfang 1957 den Vertrag für „Arrivederci. Roma!“, der von Le Cloud Film (Rom) produziert wurde und von Juni bis September 1957 in den Studios der römischen Titanus Films entstand; den internationalen Verleih übernahm MGM unter dem Titel „Seven Hills of Rome“. Man verfrachtete den Sänger samt Familie - Lanza war inzwischen vierfacher Vater, seine Frau Betty und seine Eltern Maria und Antonio Cocozza begleiteten ihn – in die italienische Metropole und er mietete dort eine große Wohnung in dem von Mussolini erbauten pompösen Palazzo Badoglio. (Nach Beendigung der Dreharbeiten blieb Mario Lanza bis zu seinem Tod im Oktober 1959 in Rom wohnhaft.) Offensichtlich wollte man mit diesem Film gleich 'mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen', was aber dann doch daneben ging.


    Zunächst sollte die Popularität des Sängers in Europa gesteigert werden, was auch von Lanzas Schallplattenfirma 'RCA' unterstützt wurde, ferner hatte die Stadt Rom 1955 den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 1960 erhalten und so entstand dort ein von Italien-Klischees durchsetzter Film, der wie eine einzige Touristenwerbung für die 'ewige Stadt' (mitsamt Kutschfahrten und Hubschrauber-Rundflug) wirkt. Der italienische Nachkriegsfilm – vor allem dessen Komödien, weniger die sozialkritischen Stoffe - war durch die Arbeiten von De Sica, Fellini, Rossellini und Visconti auch in den USA bekannt geworden, aber „Arrivederci, Roma“, wie der Film im Original und im deutschsprachigen Raum heißt, hat zwar das Flair, aber nicht das Tempo und die Originalität vieler Filme aus 'Bella Italia'. (Der amerikanische 'Fließband-Regisseur' Roy Rowland hielt es wohl für typisch italienisch, einem Kontrahenten die Nase umzudrehen, wie es Mario Lanza hier zweimal vorführt.)


    Und man wollte ein junges Publikum, das sich für Oper und klassische Musik nicht interessiert, mit populären Schlagern und flotter Musik in die Kinos locken. Den Autoren fiel auch nichts Besseres ein, als die Handlung von „Serenade“ zu variieren (wobei während der Dreharbeiten das Drehbuch ständig geändert wurde): wieder ein Mann zwischen zwei Frauen, aber der Zuschauer wird diesmal lange im Unklaren gelassen, für wen sich der 'eiertanzende' Protagonist am Ende entscheidet. Die Lösung erscheint wenig glaubwürdig und das Publikum hätte es wohl lieber gesehen, wenn sich Raffaella für den liebenswerten Beppo entschieden hätte. (Mario Lanza hatte seit „Serenade“ auch wieder 'zugelegt' und ein amerikanischer Kritiker meinte boshaft, der Tenor sei der achte zu den sieben Hügeln Roms.) Übrigens wurden die Aussenaufnahmen zum titelgebenden Lied „Arrivederci, Roma“ mit Mario Lanza und der Kinderdarstellerin Luisa Di Meo nicht an der Fontana di Trevi – die im Text vorkommt – sondern an einem der Brunnen der Piazza Navona gedreht.


    Da Lanza hier nur zwei gekürzte Arien singt ('Questa o quella'* aus „Rigoletto“ und 'M'appari' aus „Martha“) und bis auf zwei von Renato Rascels bekannten 'Ohrwürmern' („Arrivederci, Roma!“* und „Venticello di Roma“), Arturo Buzzi-Peccias berühmter 'Serenata spagnola'* („Lolita“), Ernesto Lecuonas (gekürztem) Lied „Ay-Ay-Ay“ und dem Schluß von „All the things you are“ (am Beginn des Films, dann erst folgt der Vorspann) die übrigen Melodien wenig einprägsam sind - „The seven Hills of Rome“* von Victor Young, „Come, dance with me“* von Dick Leibert und ein 'Calypso Italiano'* („There's gonna be a party tonight“) von George Stoll - bleibt nur Mario Lanzas Parodie* auf einige Gesangskollegen von der 'leichten Muse' in Erinnerung: Perry Como mit „Temptation“ (von Nacio Herb Brown), Frankie Laine mit „Jezebel“ (von Wayne Shanklin), Dean Martin mit „Memories are made of this“ (von Terry Gilkyson, Richard Dehr und Frank Miller – in Deutschland mit Freddy Quinn als „Heimweh“ ein Millionen-Hit) und schließlich Louis Armstrong mit dem traditionellen „When the saints go marching in“. (Solche Gesangsparodien waren ein 'Hobby' von Mario Lanza, der einmal auch den Bassisten Ezio Pinza zu dessen Überraschung verblüffend echt nachahmte.)


    Anders als bei den MGM-Filmen hatte Lanzas Exclusiv-Schallplattenfirma 'RCA' – die unter den einzelnen Filmtiteln eigene Aufnahmen veröffentlichte - von dem Film „Romance“ der Warner Bros. eine 'Soundtrack'-LP heraus gebracht und tat dies auch bei „Seven Hills of Rome“: einige (*) Musiktitel des Films (die man im Juni 1957 in Rom mit dem Chor und dem Orchester der RAI unter Leitung von George Stoll aufnahm) erschienen auf einer LP-Seite; die zweite Seite enthält Lieder, die bereits 1955 (Soundtrack von „Serenade“) und 1956 mit Henri René und seinem Orchester in Los Angeles für RCA eingespielt wurden, darunter ein Song aus dem Musical „Li'l Abner“ von Gene De Paul.


    Ein schönes Pfingstfest allerseits!


    Carlo

    Lieber 'Orfeo',


    als ich in meinem Einführungsbeitrag zu diesem Thread schrieb: „Beim Wiederanschauen von seinen sieben Spielfilmen...“ , wollte ich damit - wohl etwas missverständlich - sagen, dass ich nur sieben Filme von Mario Lanza auf Video (Fernseh-Aufzeichnungen) habe. Von „The Student Prince“ ('Alt-Heidelberg') kannte ich bisher nur einige wenige Ausschnitte aus der amerikanischen Original-Version, weil der m. W. noch nie im Deutschen Fernsehen zu sehen war und es auch keine VHS-Veröffentlichung gab. (Als er Mitte der 50er Jahre in den deutschen Kinos lief, war ich noch zu jung.) Durch Deine Hinweise habe ich jetzt nicht nur endlich diesen Film, sondern auch „Serenade“ (wovon ich nur die 14 Minuten kürzere deutsche Fasssung auf Video habe) komplett sehen können. Vielen Dank dafür!


    Lieber Gregor,


    „Der Sänger von Capri“ bzw. „Serenade einer großen Liebe“ ist mir natürlich bekannt; das war Mario Lanzas achter und letzter Spielfilm. Im Nachhinein etwas makaber, dass er im Original „Zum ersten Mal“ ('For the First Time') heißt und produziert wurde er von einer deutschen Filmgesellschaft mit dem Namen 'Corona'. Aber vorher stelle ich Ende der Woche seinen siebten Film „Arrivederci, Roma!“ (im Original: „Seven Hills of Rome“) vor!


    Carlo

    Lieber Gregor,


    Danke für den Hinweis auf John Ericson, das wusste ich nicht. Da gab es also ausser der zweifachen Oscar-Gewinnerin Luise Rainer - nach der in Düsseldorf auch eine Straße benannt ist - noch einen 'Hollywood-Star' aus meiner Heimatstadt! (Dafür haben wir aber keine Helmut-Käutner-Straße; lediglich an Gustaf Gründgens wird mit einem Platz - der zur Zeit durch eine spektakuläre Bebauung aufgewertet wird - erinnert. Und die Namen der drei Wagner-Tenöre Max Alvary, Rudolf Laubenthal und Max Lorenz sucht man im Düsseldorfer Straßenverzeichnis vergebens. Aber Frank Zappa wurde diese Ehre zuteil, weil der mal ein paar Monate in Düsseldorf gewohnt hat!)



    Nachfolgend einige Details zu Mario Lanzas (nach meiner Zählweise) sechstem Spielfilm mit dem Titel "Serenade:


    Entbunden von der Gängelei durch eine Filmfirma, ohne Verträge für Konzerte – seine letzte triumphale Tournee durch die USA im Nachklang des „Caruso“-Films lag schon über ein Jahr zurück – und durch die Schadenersatz-Klage und dem damit verbundenen Gagen-Stopp auch finanziell angeschlagen, zog sich Mario Lanza Ende 1952 in seine Villa in Beverly Hills zurück; Hollywood war für ihn Vergangenheit. Ausserdem hatte er sich während der Auseinandersetzungen mit MGM von seinem Manager Sam Weiler getrennt und weil kaum Plattenaufnahmen anstanden, übte er auch nicht viel an seiner Gesangstechnik. Lediglich sein Familienleben – er war mittlerweile Vater von drei Kindern – schien in Ordnung zu sein.


    Als ihm 1954 der Fernsehsender CBS das Angebot machte, für eine Gage von $ 40.000 drei Stücke ('Vesti la giubba' aus „I pagliacci“, 'Some Days' aus Rudolf Frimls „The Vagabond King“ und die Canzone „A Marechiare“) im TV-Studio live zu singen, bekam er solche Panikattacken, dass man beschloss, das von den Amerikanern stets als Betrug angesehene 'Playback'-Verfahren einzusetzen. Als das nach der Sendung durch eine Indiskretion herauskam, wurde Mario Lanza in der Presse geradezu 'zerrissen' und obwohl er in eilig angesetzten Pressekonferenzen den Journalisten demonstrierte, dass er seine Stimme keinesfalls verloren hatte, blieb sein Ruf beschädigt. Als dann auch noch im Frühjahr 1955 ein mit viel Reklame angekündigtes vierzehntägiges Gastspiel (mit täglichen Auftritten) für $ 100.000 in Las Vegas am Abend seines ersten Auftretens dort wegen Erkrankung des Sängers – so die offizielle Begründung – abgesagt wurde, schien die Karriere Mario Lanzas beendet zu sein.


    Schließlich begab sich der Tenor in eine (erfolgreiche) nervenärztliche Behandlung und unterschrieb ohne Zögern und ohne große Bedingungen zu stellen Ende 1955 den Vertrag für einen weiteren Spielfilm, diesmal bei „Warner Brothers“:



    „Serenade“ ('Serenade') (Warner Bros. 1956) (Farbe, 120 Min. / Deutsche Version: 106 Min.)


    mit Joan Fontaine, Sara ('Sarita') Montiel, Vincent Price, Joseph Calleia, Harry Bellaver, Frank Puglia, Silvio Minciotti, Vince Edwards, Stephen Bekassy, Eduardo Noriega, Edward Platt sowie Licia Albanese und Jean Fenn / Regie: Anthony Mann.


    Bei den Filmkritikern gilt dieser Film als Mario Lanzas bester, weil er hier – unter der Anleitung des erfahrenen Regisseurs Anthony Mann - eine erstaunliche darstellerische Bandbreite zeigt. Leider fehlt in der deutschsprachigen Version, die ich mir vor Jahren beim ehemaligen Bezahl-Sender 'Premiere' aufzeichnete und die nur 106 Minuten lang ist, ausgerechnet eine Kernszene des Films: die Probe von Otellos Monolog ('Dio! Mi potevi scagliar') aus dem dritten Akt von Verdis „Otello“. (Aber bestimmt wird unser Gastmitglied 'orfeo', der sich ja ausgezeichnet in den Tiefen des Internets auskennt, die komplette Film-Version hier anzeigen können.)


    Wieder spielt Mario Lanza einen aus kleinen Kreisen stammenden, musikbegeisterten jungen Mann: Damon Vincenti, der nach dem Tod seiner Eltern auf dem Weingut seines Onkels in Kalifornien arbeitet und nach einem kurzen Gesangsunterricht davon träumt, einmal auf der Opernbühne stehen zu können. Gerade als ihm sein Cousin Tonio (Bellaver) berichtet, dass er ihm einen Termin für ein Probesingen bei dem Restaurant-Besitzer Lardelli ( Minciotti) verschafft hat – es ist noch heute eine amerikanische Tradition, jungen Sängern mit einem Auftritt in Restaurants Aufmerksamkeit zu geben – lernt Damon die schwerreiche, elegante Kendall Hale (Fontaine) kennen, die sich in Begleitung des jungen Boxers Marco Roselli (Edwards) mit ihrem 'Straßenkreuzer' verfahren hat. Damons Vorsingen ist erfolgreich und der mit Kendall befreundete Impresario Charles Winthrop (Price) lässt ihn von Maestro Marcatello (Calleia) weiter ausbilden.


    Bei einem seiner Auftritte im „Lardelli's“ sieht Damon Kendall wieder, die ihn sofort in ihren Bann zieht und er verfällt trotz Winthrops Warnung dieser Frau, die sich hobbymäßig der beruflichen Förderung junger Männer annimmt. Als er eine Auseinandersetzung zwischen Kendall und Marco mitbekommt, weil sie zu einem für ihn entscheidenden Boxkampf nicht erschien, ahnt Damon, dass sie nur mit den Gefühlen der Männer spielt, zumal sie bald ein neues Talent entdeckt hat: einen jungen Bildhauer namens Russell Hanson (Bekassy), der eine Büste von ihr anfertigen soll. Doch Damon kommt von Kendall nicht los, obwohl er inzwischen eine erfolgreiche Karriere als Tenor begonnen hat. Er probt an der Oper von San Francisco mit dem Regisseur Everett Carter (Platt) zum ersten Mal die Titelrolle in Verdis „Otello“ (mit Licia Albanese in ihrem ersten und einzigen Spielfilm) und sein Privatleben vermischt sich mit der Bühnenrolle: Damons Eifersucht steigert sich derart, dass er - weil er Kendall nicht im Publikum sieht - mitten in der Premiere die Vorstellung abbricht und in Kendalls Wohnung stürzt. Als er sie dort nicht antrifft, zerstört er wütend und verzweifelt Kendalls Portraitbüste.


    Damon hat nach einer desaströsen Probe zu Mozarts „Don Giovann“ an der Oper von Mexico City alle Auftritte abgesagt und versucht in dem kleinen Ort San Miguel de Allende zur Ruhe zu kommen. Nach einer Malaria-Erkrankung wird er im Haus von Manuel Montes (Puglia) und dessen Nichte Juana (Montiel) aufgenommen und gepflegt; nach seiner Genesung arbeitet er auf der Plantage von Manuel. Die Zuneigung Damons zu der schönen und stolzen Juana, deren verstorbener Vater Stierkämpfer war und die sich der besitzergreifenden Nachstellung eines Arbeiters ihres Onkels, Felipe (Noriega), erwehren muss, hilft ihm, wieder zum Gesang zu finden. Während eines Gewitters gestehen sich Damon und Juana ihre Liebe und der Sänger kehrt mit ihr nach Kalifornien zurück, wo sie heiraten. Sein Weg führt Damon auch zu Lardellis Restaurant, wo ein paar Jahre zuvor sein 'Sänger-Leben' begann. Charles Winthrop nimmt ihn erneut unter Vertrag und Damon singt wieder an der Oper – der Film zeigt übrigens Innenaufnahmen des „War Memorial Opera House' in San Francisco.


    In der Vorstellung von Cileas „L'Arlesiana“ sitzt auch Kendall unter den Opernbesuchern und sie lädt Damon und Juana zu einer Party ein, wo sie Damon Avancen macht und in einem Zwiegespräch Juana beleidigt. Diese versucht, mit einem improvisierten 'Stierkampf-Tanz' Kendall vor den Gästen bloßzustellen und verlässt danach ohne Damon verzweifelt die Party. Auf der Straße läuft Juana vor ein Auto, wird verletzt und ins Hospital gebracht. Damon muss ein Konzert geben und singt hier das Lied „Serenade“, das er einst für Juana einstudiert hat; nach dessen Vortrag bringt Tonio die gute Nachricht, dass Juana ausser Gefahr ist.



    Mario Lanza musste in diesem Film gegen einen großen 'Hollywood-Star' anspielen: Joan Fontaine (1917 – 2013). Die Schauspielerin, die in ihren frühen Filmen oft sanfte, schüchtern wirkende Frauen darstellte (die beiden Hitchcock-Filme „Rebecca“ und „Verdacht“), nutzte gerne die Gelegenheit, hier eine 'Femme fatale' zu spielen. (Im 'echten' Leben besaß sie einen Piloten- und einen Hochsee-Segelschein, fuhr Autorennen und war Bergsteigerin!). Ähnlich war auch ihre ein Jahr ältere Schwester Olivia de Havilland – die mit 103 Jahren nach dem Tod der Düsseldorferin Luise Rainer (2014) die älteste jetzt noch lebende Oscar-Gewinnerin ist – anfänglich auf das 'sanfte' Rollenfach („Vom Winde verweht“) festgelegt. In die Filmgeschichte eingegangen ist die Rivalität der beiden als Britinnen in Tokio geborenen Schwestern, die sich seit 1942 – als Joan den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, die ebenfalls nominierte Olivia aber leer ausging – aus dem Weg gingen, was laut Insidern aber wohl an Joan lag. (Joan Fontaine schrieb übrigens eine viel Staub aufwirbelnde Autobiographie, während Olivia de Havilland, die seit Anfang der sechziger Jahre in Paris lebt und von der englischen Königin geadelt wurde – was ihre Schwester, die in den Vereinigten Staaten blieb, nicht mehr erleben musste – bis heute vornehm schweigt...)


    Die Spanierin Sara Montiel, die hier noch als 'Sarita' angekündigt ist, war die Ehefrau des Regisseurs von „Serenade“, Anthony Mann; nach einer kurzen Hollywod-Karriere kehrte sie nach Spanien zurück und war dort jahrzehntelang eine der bekanntesten Schauspielerinnen und Sängerinnen des Landes. Der aus Malta stammende Schauspieler und Musiker Joseph Calleia, der tatsächlich Calleja hieß - ob es eine verwandtschaftliche Verbindung zu dem maltesischen Tenor gleichen Namens gibt, weiß ich nicht – hat in sehr vielen amerikanischen Filmen mitgewirkt. Und Vincent Price, dem in „Serenade“ herrlich süffisante Texte zufallen (über Jean Fenn von der New York City Opera nach ihrem Vorsingen mit Mario Lanza in Lardellis Restaurant: „Die Stimme klingt wie die Bremsen des Orient-Express“ und dann direkt zur Sängerin selbst: „Ich habe eine solche Stimme wie die Ihre noch nie gehört – etwas ganz Besonderes.“) braucht man wohl nicht vorzustellen...


    Die folgende Auflistung der im Film verwendeten Musikteile bezieht sich auf die um 15 Minuten gekürzte deutsche Filmfassung! (Angeblich erklingen in der US-Version die beiden Duette aus „La Bohème“ mit Jean Fenn und „Otello“ mit Licia Albanese - wie auf dem „Original Sound Track Album“ von 'RCA' - komplett und neben dem Monolog des Otello 'Dio! Mi potevi scagliar' singt Lanza vermutlich auch noch die Arie 'Nessun dorma!' aus Puccinis „Turandot“!) Der Tenor ist hier endlich wieder mit zahlreichen – und teilweise von ihm vorher nicht gehörten - Operntiteln vertreten: 'Di rigori armato' aus dem „Rosenkavalier“, 'Amor ti vieta' aus Giordanos „Fedora“, die Stretta des Manrico aus „Il trovatore“, das (gekürzte) Duett Otello – Desdemona 'Dio ti giocondi' aus dem dritten Akt des „Otello“, ein drehbuchgemäß verpatztes 'Il mio tesoro' aus „Don Giovanni“, Meyerbeers 'O paradiso' („L' Africaine“) und das Lamento des Federico aus Cileas „L'Arlesiana“. Dazu kommen mehrere Lieder: „La danza“ von Rossini (mit Akkordionbegleitung), De Curtis' „Torna a Surriento“, zwei Kompositionen Nicholas Brodszkys für diesen Film („My Destiny“ und „Serenade“) und das „Ave Maria“ Schuberts. (Einige der Titel werden am Klavier von dem berühmten Pianisten Jakob Gimpel begleitet, der Mario Lanzas Plattenfirma 'RCA' verklagte, als diese bei der Veröffentlichung des „Original Sound Track Album“ - das merkwürdigerweise Otellos Monolog 'Dio! Mi potevi scagliar' ebenfalls nicht enthält - mit seinem Namen Werbung machte, obwohl Gimpel darüber Stillschweigen vereinbart hatte. Die Orchesteraufnahmen leitete Ray Heindorf am Pult eines ungenannten Orchesters.)


    Viele Grüße!


    Carlo

    Liebe Melomanen,


    im Interview mit dem Berliner „Orpheus“ (Juli 1978) sagte Kerstin Meyer - die wie viele schwedische Sänger ausgezeichnet Deutsch sprach - zu ihren vielen Ur- und Erstaufführungen von Werken des 'modernen' Musiktheaters: „Es kam wie der Blitz – ich wurde sofort abgestempelt. Man sagte mir bald nach, ich hätte für andere Partien keine Stimme mehr und es hat Mühe gekostet, die Welt vom Gegenteil zu überzeugen. Dabei ist es verkehrt, wenn Amateure oder Sänger ohne Stimme sich mit moderner Musik befassen; erst die Professionellen oder die Könner vermögen sie im richtigen Licht zu zeigen. Und ich finde, jeder Sänger sollte sich, zumindest einmal im Jahr, solchen Aufgaben stellen.“


    Nachfolgend werde ich (in drei Teilen) die folgenden Werke detailliert nennen: „Der Besuch der alten Dame“ (von Einem) - „Arden muss sterben“ (Goehr) - „Elegy for Young Lovers“ (Henze) - „Novae de infinito laudes“ (Henze) - „The Bassarids“ (Henze) - „Der große Makabre“ (Ligeti) - „The Rising of the Moon“ (Maw) - „The Visitation“ (Schuller) - „Hamlet“ (Searle) - „Der rote Stiefel“ (Sutermeister) und „Resan“ (Werle).


    1. Teil:


    „Der Besuch der alten Dame“ ('The Visit of the Old Lady') (von Einem): Claire Zachanassian – Kerstin Meyer / Der Butler – Edgar Evans / Koby und Loby – Duncan Robertson und Ian Caley / Alfred Ill – Donald Bell / Seine Frau – Rae Woodland / Seine Tochter – Sara de Javelin / Sein Sohn – Roderick Keating / Der Bürgermeister – Alan Crofoot / Der Pfarrer – Don Garrard / Der Lehrer – Derek Hammond-Stroud / Der Arzt – Brian Donlan / Zwei Frauen – Isla Brodie und Lorna Brindley / Hofbauer – Anthony Bremner / Hellmesberger – Edward Sadler / Der Bahnhofsvorstand – Keith Brookes / Der Zugführer – Thomas Lawlor / Der Reporter – Samuel Weller / Der Kameramann – John Tomlinson / The Glyndebourne Festival Opera Chorus / Chorltg.: Myer Fredman / The London Philharmonic Orchestra / Dirigent: John Pritchard / Ausstattung: Michael Annals / Regie: John Cox (Glyndebourne, Festival Theatre, 31. 5. 1973, englische Erstaufführung).


    Am 2. 6. 1973 wurde die zweite Vorstellung von der BBC live übertragen. Die dankbare Rolle der Claire Zachanassian – Friedrich Dürrenmatts für die unvergessene Therese Giehse geschriebene große Charakterstudie – wurde als Opernpartie von Christa Ludwig am 23. 5. 1971 an der Wiener Staatsoper kreiert. Kerstin Meyer hat sie auch in Stockholm (schwedische Erstaufführung, ebenfalls als Mitschnitt erhalten), in München und Wien erfolgreich dargestellt.



    „Arden muss sterben“ (Goehr): Arden, ein reicher Kaufmann – Toni Blankenheim / Alice, seine Frau – Kerstin Meyer / Susanne, ihre Zofe – Ria Urban / Michel, Ardens Diener – Horst Wilhelm / Franklin, Ardens Freund – Herbert Fliether / Mosbie, ein Schneider, Susannes Bruder – Ronald Dowd / Greene und Reede, zwei von Arden ruinierte Grundbesitzer – William Workman und Hans Sotin / Mrs. Bradshaw, Ardens Nachbarin – Ursula Boese / Beutelschneid und Schwarzer Bill, zwei Mörder – Kurt Marschner und Manfred Schenk / Der Bürgermeister von Faversham – Hans-Otto Kloose / Ein Fährmann – Carl Schultz / Ein Hirtenjunge – Ingeborg Krüger / Ardens Lehrbube – Christian Romanowski / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Helmut Fellmer / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Charles Mackerras / Ausstattung: Ekkehard Grübler / Regie: Egon Monk (Hamburg, Staatsoper, 5. 3. 1967, Uraufführung),


    Der englische Komponist Alexander Goehr (Jahrgang 1932) – Sohn des Dirigenten Walter Goehr – und der Dichter Erich Fried schufen diese komisch-tragische Oper nach dem Schauspiel „Arden of Faversham“ aus dem Jahre 1590, wobei man lange annahm, dass 'William Shakespeare' – oder wer er auch immer gewesen ist – der Autor des Stückes sei. Am 15. 2. 1550 wurde der reiche Kaufmann Arden aus der englischen Küstenstadt Faversham von zwei Auftragsmördern getötet und die Obrigkeit machte schnell Ardens Frau Alice und ihren Geliebten Mosbie sowie zwei von Arden in den Ruin getriebene Grundbesitzer und eine Nachbarin Ardens als Verschwörer aus. Alexander Goehr und Erich Fried machten im Auftrag Rolf Liebermanns daraus einen hintergründig-makabren Opernspaß mit von den Sängern der Uraufführung lustvoll dargestelltem Personal, der von der Kritik und dem größten Teil des Publikums positiv aufgenommn wurde. Allerdings störten etliche (organisierte?) Opernbesucher die Uraufführung, wobei nicht klar war, wogegen sie eigentlich protestierten: war ihnen die Komposition zu traditionell, zu modern oder nicht modern genug? (In jenen Jahren wurde oft nur um des Protestes willen protestiert.) Jedenfalls wäre es interessant, dem Werk heute nach über 50 Jahren wieder zu begegnen.



    „Elegy for Young Lovers“ ('Elegie für junge Liebende') (Henze): Gregor Mittenhofer, ein Dichter – Carlos Alexander / Dr. Wilhelm Reischmann, ein Arzt – Thomas Hemsley / Toni Reischmann, sein Sohn – André Turp / Elisabeth Zimmer – Elisabeth Söderström / Carolina, Gräfin von Kirchstetten, Mittenhofers Sekretärin – Kerstin Meyer / Hilda Mack, eine Witwe – Dorothy Dorow / Josef Maurer, ein Bergführer – John Kentish / The Royal Philharmonic Orchestra / Dirigent: John Pritchard / Ausstattung: Lila De Nobili / Regie: Günther Rennert (Glyndebourne, Festival Theatre, 13. 7. 1961)


    Der Süddeutsche Rundfunk Stuttgart erteilte Hans Werner Henze 1959 den Auftrag zur Komposition dieser Oper für die Schwetzinger Festspiele, wo sie als „Elegie für junge Liebende“ in der deutschen Fassung von Ludwig Landgraf unter Mitarbeit von Henze und Werner Schachteli am 20. 5. 1961 in einer Produktion der Bayerischen Staatsoper (Dirigent: Heinrich Bender / Regie: Hans Werner Henze) mit Dietrich Fischer-Dieskau, Karl Christian Kohn, Friedrich Lenz, Ingeborg Bremert, Lilian Benningsen, Eva Maria Rogner und Hubert Hilten uraufgeführt wurde. Doch schon sieben Wochen später folgte in Glyndebourne die englische Erstaufführung mit dem Original-Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman. (Obwohl Kerstin Meyer Mitglied des Ensembles der Deutschen Oper Berlin war, sang sie die Carolina bei der Berliner Erstaufführung am 23. 9. 1962 nicht, sondern Martha Mödl. Erst später wurde sie dort in der Rolle der dem eitlen Dichter bedingslos verfallenen Sekretärin besetzt und sie wirkte damit auch beim Gastspiel der Deutschen Oper Berlin in Tokio 1966 mit – siehe das demnächst gepostete Verzeichnis der Fernseh-Aufnahmen mit Kerstin Meyer.)



    „Novae de infinito laudes“ (Henze): Elisabeth Söderström (Sopran), Kerstin Meyer (Alt), Peter Pears (Tenor) und Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton) / Der Kölner Rundfunkchor / Chorltg.: Herbert Schernus / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Dirigent: Hans Werner Henze (Venedig, Teatro La Fenice, 24. 4. 1963, Uraufführung. Zwei Tage später wurde das Werk auch in der gleichen Besetzung im Großen Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks aufgeführt und live im Rundfunk übertragen.) Die 'Kantate für vier Solostimmen, einen gemischten Chor und Instrumente' entstand im Auftrag der London Philharmonic Society und enthält folgende Teile: Die Himmelskörper – Die vier Elemente – Der fortlaufende Umbruch – Die Freude liegt in der Bewegung – Der Sonnenaufgang – Das höchste Gut. Den Texten liegen Schriften des Priesters, Dichters und Philosophen Giordano Bruno zu Grunde, der auch zwei Jahre an der Universität von Wittenberg lehrte; er wurde am 17. 2. 1600 als 'Ketzer' öffentlich hingerichtet. An der Stelle des Scheiterhaufens auf dem Campo de' Fiori in Rom befindet sich heute ein berühmtes Denkmal



    „The Bassarids“ ('Die Bassariden') (Henze): Dionysos, Halbgott, Sohn des Zeus und der Semele – Loren Driscoll / Pentheus, neuer König von Theben – Kostas Paskalis / Agaue, Tochter des Kadmos und Pentheus' Mutter – Kerstin Meyer / Autonoe, ihre Schwester – Ingeborg Hallstein / Kadmos, der alte König von Theben, Vater der Semele und Großvater des Pentheus – Peter Lagger / Beroe, eine alte Sklavin, Amme des Pentheus – Vera Little / Teiresias, ein alter blinder Seher – Helmut Melchert / Ein Hauptmann der königlichen Wache – William Dooley / Personen des Intermezzos „Das Urteil der Kalliope“: Venus (Agaue) – Kerstin Meyer, Proserpina (Autonoe) – Ingeborg Hallstein, Kalliope (Teiresias) – Helmut Melchert, Adonis (Hauptmann) – William Dooley / Der Chor der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Walter Hagen-Groll / Die Wiener Philharmoniker / Dirigent: Christoph von Dohnanyi / Das Ballett der Salzburger Festspiele / Choreographie: Deryk Mendel / Ausstattung: Filippo Sanjust / Regie: Gustav Rudolf Sellner (Salzburg, Großes Festspielhaus, 6. 8. 1966, Uraufführung – der Mitschnitt des ORF wurde von 'Orfeo' auf CD veröffentlicht.)


    Das Auftragswerk der Salzburger Festspiele – eine Oper in Form einer viersätzigen Symphonie mit einem Intermezzo – schrieb Hans Werner Henze (1926 - 2012) auf ein englisches Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman, das in Salzburg in einer deutschen Übersetzung von Maria Bosse-Sporleder zur Uraufführung kam; Vorlage war das antike Schauspiel „Bakchai“ ('Die Bakchen') des Euripides aus dem Jahre 405 v. Chr. Oberflächlich zeigt es die Rache des Dionysos – auch Bakchos oder Bacchus genannt – an seinem Vetter Pentheus, dem jungen König von Theben, für die Abschaffung des Kultes um seine Mutter Semele; es ist aber auch als Sinnbild für den Konflikt der Unterdrückung des Eros, von Rausch und Ekstase, zu verstehen. Die neue Oper Henzes - die in Salzburg nur drei Mal aufgeführt wurde - sorgte damals für viel Aufmerksamkeit, wurde aber nur zögerlich nachgespielt; die Salzburger Inszenierung konnte bei den Berliner Festwochen (Premiere am 28. 9. 1966) trotz derselben Besetzung wegen der kleineren Dimension der Deutschen Oper Berlin gegenüber der 'Breitwand-Bühne' des Salzburger Festspielhauses nicht reüssieren.


    Erik Werba - der nicht nur Pianist, sondern auch Rezensent war - schrieb nach der Uraufführung in der „Österreichischen Musikzeitschrift“: „Singschauspielerischen Triumph feierte auf der Henze-Bühne die schwedische Altistin Kerstin Meyer als Pentheus' Mutter. Hier hatten die Autoren und der Komponist den Idealfall einer völlig auf das Werk eingestimmten Persönlichkeit zur Verfügung, die sich rückhaltlos und mit der nötigen 'Tuchfühlung' für das neue Werk eingesetzt hat.“ In einer Inszenierung mit fünf Vorstellungen (ab 26. 3. 1968) an der Mailänder Scala sang ebenfalls Kerstin Meyer (Agave/Venere) mit Jolanda Meneguzzer (Autonoe/Proserpina), Fedora Barbieri (Beroe), Loren Driscoll (Dionisio), Kostas Paskalis (Penteo), Paolo Washington (Cadmo), Mirto Picchi (Tiresia/Calliope) und Domenico Trimarchi (Il capitano della guardia/Adone); der Dirigent war Nino Sanzogno und der Regisseur Konrad Swinarski; die italienische Übersetzung stammte von Fedele D'Amico. (1992 unterzog Henze „The Bassarids“ - er bevorzugte den Originaltext von Auden und Kallman - einer grundlegenden Revision, wobei er das Intermezzo strich und den Orchestersatz deutlich reduzierte.)


    Viele Grüße!


    Carlo

    Lieber Rüdiger,


    die Aufnahmen im Archiv des Düsseldorfer Musikvereins sind nicht käuflich zu erwerben, können aber vor Ort im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf angehört werden.


    Lieber Maestro_Peter,


    vielen Dank für die Hinweise.


    Zu der Fernsehsendung der „Matthäus-Passion“ vom Karfreitag (?) 1962 habe ich keine Unterlagen. Am Karfreitag 1963 (12. 4.) dirigierte Kurt Thomas in der Stadtkirche Friedberg (Taunus) eine gekürzte TV-Version der „Johannes.Passion“ mit Ingeborg Reichelt, Marga Höffgen, Helmut Krebs (Evangelist), Rolf Bössow (Tenor-Arien), Heinz Rehfuss (Jesus), Jakob Stämpfli (Bass-Arien) und Friedhelm Hessenbruch (Pilatus); es sang die Frankfurter Kantorei und es spielte das Frankfurter Bachorchester. Die Regie hatte der Filmregisseur Rudolf Jugert.


    Auch von dem „Magnificat“ aus der Kathedrale Notre-Dame in Paris 1961 ist mir nichts bekannt. Nähere Angaben hierzu wie auch zu der „Matthäus-Passion“ von 1962 wären hilfreich.


    NACHTRAG:


    „Matthäus-Passion, BWV 244“ (J. S. Bach): mit Ingeborg Reichelt, Marga Höffgen, Josef Traxel (Evangelist), Louis Devos (Tenor-Arien), Heinz Rehfuss (Jesus) und Horst Günter / Christelijk Haags Knaapenkoor / Groot Omroepkoor / Chorltg.: Meindert Boekel / Radio Filharmonisch Orkest, Hilversum / Dirigent: Kurt Thomas (Utrecht, Geertekerk, 3. 4. 1958). Eine Live-Aufnahme der 'NCRV' (Nederlandse Christelijke Radio Vereniging) im Archiv des 'Nederlands Instituut voor Beeld en Geluid' in Hilversum. Dem überlieferten Tonband der von Kurt Thomas vollständig aufgeführten „Matthäus-Passion“ fehlen jedoch die Einleitung und die Partiturnummern 2 bis 18.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Liebe Josef-Traxel-Verehrer,


    nun geht es weiter mit dem Tenor als 'Bach-Sänger' - zusätzlich zu den bisher genannten Aufnahmen mit Werken des Thomas-Kantors:

    „Schweigt stille, plaudert nicht!, BWV 211“ ('Kaffeekantate') (J. S. Bach): Lieschen - Lisa Otto / Schlendrian - Dietrich Fischer-Dieskau / Erzähler – Josef Traxel / Karheinz Zöller (Flöte), Irmgard Poppen (Cello) und Heinz Friedrich Hartig (Cembalo) / Die Berliner Philharmoniker / Dirigent: Karl Forster (Berlin, Grunewaldkirche, 8. - 9. 10. 1960) 'Electrola' E 80 618 (mono) und STE 80 618 (stereo), gekoppelt mit der „Bauern-Kantate, BWV 212“ (ohne die Mitwirkung Josef Traxels). Ich habe die Originalplatte (mit einem schönen Foto von Lisa Otto als 'Lieschen' beim Genuss einer Tasse Kaffee) wie auch die Wiederveröffentlichung von 1974 unter 'Electrola' 1 C 063-29014.


    „Magnificat, BWV 243“ (J. S. Bach): mit Agnes Giebel, Trude Rösler, Rut Siewert, Josef Traxel und August Messthaler / Der Südfunk-Chor Stuttgart / Chorltg.: Hermann Josef Dahmen / Das Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks / Dirigent: Hans Müller-Kray (Stuttgart, Villa Berg, 31. 12. 1953).

    dto.: mit Maria Stader, Marga Höffgen, Josef Traxel und Gerd Nienstedt / Les Choeurs et l' Orchestre Philharmonique de l' ORTF / Dirigent: Karl Münchinger (Paris, Théâtre des Champs-Élysées, 18. 6. 1964).


    „Matthäus-Passion, BWV 244“ (J. S. Bach): mit Agnes Giebel, Lore Fischer, Josef Traxel, Gerd Nienstedt (Jesus) und Ernst Wiemann / Ingrid Stieber (Orgel) / Günter Radeberg (Cembalo) / Maîtrise d' enfants de la RTF / Die Frankfurter Singakademie / Günter Radeberg (Cembalo) und Ingrid Stieber (Orgel) /L' Orchestre Symphonique de la RTF / Chorltg. und Dirigent: Ljubomir Romansky (Paris, Salle Pleyel, 8. 4. 1957). Veröffentlicht auf 2 CDs der Firma 'St.-Laurent Studios' aus Canada (YSL T-265). (Ein stark gekürzter Mitschnitt).

    dto.: mit Agnes Giebel, Lore Fischer, Josef Traxel, Erich Wenk (Jesus) und Helmut Fehn / Maîtrise d' enfants de la RTF / Der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf / Chorltg.: Hartmut Schmidt / L' Orchestre Symphonique de la RTF / Dirigent: Ljubomir Romansky (Paris, Salle Pleyel, 9. 4. 1959, Dauer: 105 Minuten). 'Schallarchiv des Düsseldorfer Musikvereins, Vol. 85' (2 CDs).

    dto.: mit Maria Stader, Margrit Caspari, Josef Traxel, Donald Bell (Jesus) und Lawrence Winters / Les Petits Chanteurs de Saint-Michel de Paris / Der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf / Chorltg.: Hartmut Schmidt / L' Orchestre Lyrique de l' ORTF / Dirigent: Ljubomir Romansky (Paris, Salle Pleyel, 23. 4. 1965) 'Schallarchiv des Düsseldorfer Musikvereins, Vol. 87' (2 CDs). Es ist das letzte Tondokument des großartigen Bass-Baritons Lawrence Winters, der am 24. 9. 1965 mit nur 46 Jahren starb.


    Anmerkung: Josef Traxel sang in meiner Heimatstadt Düsseldorf auch den Evangelisten und den Tenorpart in Aufführungen der „Johannes-Passion“ (am 11. und 12. 4. 1963 mit Leonore Kirschstein, Eva Bornemann, Theo Adam als 'Jesus' und Hans-Olaf Hudemann unter der Leitung des Chorleiters des Kölner Rundfunk-Chors, Bernhard Zimmermann) und der „Matthäus-Passion“ (am 8. und 9. 4. 1965 mit Stefania Woytowicz, Hertha Töpper, Theo Adam als 'Jesus' und Lawrence Winters unter Ljubomir Romansky). Es spielten jeweils die Düsseldorfer Symphoniker und es sang der Chor des Düsseldorfer Musikvereins; leider befinden sich in dessen Tonarchiv keine Mitschnitte dieser Konzerte.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo, 'udohasso'!


    Willkommen im „Tamino-Klassikforum“! Schön, dass Du an Liane Synek erinnerst.


    Ich habe von 'Melodram' aus der zweiten Serie von „25 Voci celebri della lirica“ ein dieser Sängerin gewidmetes LP-Doppelalbum (MEL 664 / 1984) mit folgendem Inhalt:


    „Turandot“ (Puccini): In diesem Schlosse vor vielen tausend Jahren... / mit Eugene Tobin (Kalaf), Wilhelm Otto (Altoum) und dem Chor der Bühnen der Stadt Köln / Dirigent: Peter Lacovich / Köln 1963 (1)

    „Tosca“ (Puccini): Ha! Geleit für Floria Tosca!... Nur deinetwegen wollt' ich noch nicht sterben / mit Eugene Tobin (Cavaradossi) / Dirigent: Michael Hutterstrasser / Köln 1962 (1)

    „La forza del destino“ ('Die Macht des Schicksals') (Verdi): Die Wunden brennen fühl' ich nicht / mit dem Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden / Dirigent: Wolfgang Sawallisch / Wiesbaden 1958 (2)

    „Der Rosenkavalier“ (Strauss): Da geht er hin, der aufgeblas'ne, schlechte Kerl – So schnell hat Sie ihn gar so lieb?... Marie Theres', wie gut Sie ist / mit Lia Montoya (Sophie) und Hanna Ludwig (Octavian) / Dirigent: Eugen Szenkar / Köln 1962 (1)

    „Elektra“ (Strauss): Elektra! Ah, das Gesicht!... Ich kann nicht sitzen und ins Dunkel starren so wie du! / mit Astrid Varnay (Elektra) / Dirigent: Ludwig Kaufmann / Wiesbaden 1964 (2)

    „Die Frau ohne Schatten“ (Strauss): Es gibt derer, die bleiben immer gelassen – Barak, ich hab' es nicht getan! / mit Ingeborg Exner (Kaiserin), Elisabeth Schärtel (Amme) und Caspar Bröcheler (Barak) / Dirigent: Siegfried Köhler / Köln 1963 (1)

    „Tiefland“ (d' Albert): Sein bin ich, sein! Sein Eigentum! / Dirigent: Rolf Ott / Berlin 1964 (3)

    „Don Giovanni“ (Mozart): Schon warf der Abend seinen Schleier hernieder... Du kennst nun den Frevler / mit Reinhold Bartel (Don Ottavio) / Dirigent: Heribert Esser / Wiesbaden 1958 (2)

    „Nabucco“ (Verdi): Ben io t'invenni, o fatal scritto... Anch'io dischiuso un giorno / mit Karl Acher (Hohepriester) / Dirigent: Heribert Esser / Wiesbaden 1959 (2)

    „Un ballo in maschera“ ('Ein Maskenball') (Verdi): Ich bin dir nah!... Ach, wie die süßen Worte mit Wonne mich durchbeben / mit Helge Rosvaenge (Riccardo) / Dirigent: Leopold Hager / Köln 1964 (1)

    „Lohengrin“ (Wagner): Elsa! Wer ruft? Bist du es, unglücklich' Weib?... Entweihte Götter! Helft jetzt meiner Rache! / mit Ingeborg Exner (Elsa von Brabant) / Dirigent: Peter Lacovich / Köln 1962 (1)

    „Die Walküre“ (Wagner): Hojotoho! Hojotoho! Dir rat' ich, Vater, rüste dich selbst – Siegmund! Sieh' auf mich! Ich bin's, der bald du folgen wirst / mit Bernd Aldenhoff (Siegmund) / Dirigent: Wolfgang Sawallisch / Wiesbaden 1959 (2)

    „Parsifal“ (Wagner): Gelobter Held! Entflieh' dem Wahn!... Grausamer! Ha! Fühlst du im Herzen nur anderer Schmerzen / mit Hans Hopf (Parsifal) / Dirigent: Heinz Wallberg / Wiesbaden 1962 (2)

    „Tristan und Isolde“ (Wagner): Herrn Tristan bringe meinen Gruß!... Schone du mich, untreue Magd! / mit Natalie Hinsch-Gröndahl (Brangäne) und Gerhard Misske (Kurwenal) / Dirigent: Ludwig Kaufmann / Wiesbaden 1962 (2)

    1 = Das Gürzenich-Orchester Köln / 2 = Das Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden / 3 = Das Orchester der Berliner Staatsoper

    Im Innern des Albums sind mehrere Rollenfotos zu sehen, u. a. Liane Synek zweimal als Brünnhilde mit Sieglinde-Partnerinnen in „Die Walküre“: einmal mit Régine Crespin und einmal mit Montserrat Caballé.


    Auf die „Jessonda“-Aufnahme von Radio Beromünster habe ich bereits im 'Josef-Traxel-Thread' hingewiesen:


    „Jessonda“ (Spohr): Jessonda – Liane Synek / Amazili – Sibylle Krumpholz / Nadori – Josef Traxel / Dandau – Heinz Rehfuss / Tristan d'Acunha – Fridolin Mosbacher / Pedro Lopez; Ein indischer Offizier – Fritz Peter / Der Radiochor Bern / Das Berner Stadtorchester / Dirigent: Christoph Lertz (Bern, Rundfunk-Studio, 28- - 29. 3. 1957)


    Ausserdem gibt es bei Radio Beromünster die einzige deutsche Gesamtaufnahme von Jakov Gotovacs „Ero der Schelm“:


    „Ero s onoga svijeta„ ('Ero der Schelm') (Gotovac): Marko – Gottfried Fehr / Doma – Waltraut Demmer / Djula – Liane Synek / Micha (Ero) – Zbyslaw Wozniak / Sima – Fridolin Mosbacher / Ein Hirtenknabe – Christian Gluhr / Der Radiochor Bern / Das Berner Stadtorchester / Dirigent: Nikolaus Aeschbacher (Bern, Rundfunk-Studio, Oktober 1956). Die Oper wurde im vorigen Jahr (in kroatischer Sprache) mit großem Erfolg vom Bayerischen Rundfunk konzertant im Münchner Prinzregententheater aufgeführt und liegt mittlerweile bei 'cpo' (Classic Production Osnabrück) auf CD vor!


    Und von Heinrich Marschner gibt es mit Liane Synek nicht nur „Hans Heiling“ und „Der Vampyr“, sondern auch die folgende Oper:


    „Der Templer und die Jüdin“ (Marschner): Rebecca – Liane Synek / Wilfried von Ivanhoe – Fritz Sperlbauer / Lucas de Beaumanoir -Walter Heinrich / Brian de Bois Guilbert – Georg Oeggl / Maurice de Bracy – Kurt Equiluz / Der schwarze Ritter (König Richard Löwenherz) – Kurt Dickl / Der Narr Wamba – Leopold Vobruba / Bruder Tuck – Hubert Trattnig / Der Wiener Tonkünstlerchor / Das Große Orchester der RAVAG (Radio-Verkehrs AG) / Dirigent: Kurt Tenner (Wien, Funkhaus, 18. - 20. 9. 1951). Diese stark gekürzte Rundfunkaufnahme – damals mit einem verbindenden Text gesendet, gesprochen von Elisabeth Kloiber - erschien zusammen mit italienisch gesungenen Ausschnitten aus Marschners „Der Vampyr“ (u. a. mit Ester Orel, Dora Gatta, Philip Maero, Renato Gavarini und Enrico Campi / Coro e Orchestra Sinfonico di Milano della RAI / Dirigent: Robert Heger / Mailand, Radiotelevisione Italiana, 4. 10. 1953) auf 2 CDs bei 'Myto'.


    Ich kenne einen Melomanen aus dem Raum Frankfurt, der sehr viele Mitschnitte von Liane Syneks Opernaufführungen hat; einige davon werde ich demnächst hier nennen.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Beim Lesen eurer Beiträge habe ich mich mit Freude an seine "Jugendjahre" erinnert, z.B. als "Billy" in Ro+Ha. "Carousel" und seinen Rossini-Figaro, der schon etwas "Wagnerisch" daherkam.


    Erich

    Lieber Erich,


    weißt Du, ob es von der Deutschen Erstaufführung von Richard Rodgers' „Carousel“ am 15. 10. 1972 in der Wiener Volksoper mit Bernd Weikl (Billy Bigelow), Hildegard Heichele (Julie Jordan), Dagmar Koller (Carrie Piggeridge) und Hugo Thimig (Sternwart) irgendwelche Ton- oder Filmdokumente gibt? Dies war ja, abgesehen von einem frühen Liederabend, das Wien-Debüt Bernd Weikls in seiner Geburtsstadt (aufgewachsen ist er im bayerischen Bodenmais, woher sein Vater stammte, und in Mainz), kurze Zeit nach dem Bayreuther „Tannhäuser“; der erste Auftritt an der Wiener Staatsoper - als 'Figaro' im „Barbier von Sevilla“ - folgte am 27. 12. 1972 an der Seite seines Düsseldorfer Rheinopern-Kollegen Karl Ridderbusch.


    Marcel Prawy hatte das Musical mit einem excellenten Produktionsteam (u. a. die legendäre Agnes de Mille, die schon die Uraufführung 1945 choreographierte, der früh verstorbene Dirigent Christopher Keene von der New York City Opera und der Theater- und Fernseh-Regisseur Dietrich Haugk) nach Wien geholt; doch schon nach 15 Vorstellungen war unbegreiflicherweise Schluss. An der Musik von Richard Rodgers – berühmt sind der „Carousel“-Waltz, Billys 'Selbstgespräch' „Soliloquy“, das Duett „If I loved you“ und das Lied „You'll never walk alone“ (ob die Fußball-Fans wissen, was sie da grölen?) - und auch an den Solisten kann es nicht gelegen haben. Vielleicht kam das damalige Wiener Publikum mit der für ein Musical ungewöhnlichen Handlung vom Karussell-Ausrufer, der bei einem Raubüberfall ums Leben kommt und nach 15 Jahren aus dem Himmel für einen Tag zurück auf die Erde darf, um seine - bei seinem Tod noch ungeborene - Tochter kennen zu lernen, nicht klar, obwohl sie ihnen durch die Vorlage (Franz Molnars „Liliom“) vertraut gewesen sein müsste. (Der Neu-Inszenierung an der Wiener Volksoper im März 2018 mit Daniel Schmutzhard war wohl mehr Glück beschieden?)


    In einem Interview mit der Münchner Zeitschrift „Oper und Konzert“ hat Bernd Weikl zu 'seiner' Rolle gesagt: „Ein Sänger von heute sollte in der Lage sein, so Verschiedenes zu gestalten. Er sollte über ein entsprechend weites Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten verfügen. Billy Bigelow ist sowohl eine große Sprechpartie wie auch eine viel fordernde Gesangspartie, dazu muss er tanzen, äusserst beweglich sein. Ich habe diese Partie als eine sehr schwere empfunden, schwerer als alle bisherigen Opernrollen, die ich gesungen habe. Allein schon der Monolog Billys enthält alle Möglichkeiten des Ausdrucks: singen, sprechen, schreien, jede Nuance eines Tones ist verlangt.“


    Ich habe ein LP-Doppelalbum von 'Preiser' (1975) „10 Jahre Musical im Theater an der Wien“ (u. a. mit der leider früh verstorbenen, wunderbaren Blanche Aubry, mit Josef Meinrad und Fritz Muliar im „Mann von La Mancha“, Marika Rökk in „Hello Dolly“, Yossi Yadin in „Anatevka“, Gabriele Jacoby und Josef Meinrad in „My Fair Lady“, Blanche Aubry und die ebenfalls großartige Violetta Ferrari in „Cabaret“, Julia Migenes und Michael Heltau in Udo Jürgens' „Helden, Helden“, Johannes Heesters in der Maurice-Chevalier-Rolle in "Gigi" und die unvergessene Susanne von Almassy in „Das Lächeln einer Sommernacht“ von Stephen Sondheim). Könnte man so etwas nicht auch mit den nicht weniger großartigen Musical-Produktionen vergangener Jahre an der Wiener Volksoper herausgeben? Oder gibt es das schon und ich bin ahnungslos?


    Viele Grüße nach Wien!


    Carlo

    Lieber Rüdiger,


    ich habe mir gerade die obengenannte Platte - die ich schon lange nicht mehr auf dem Teller hatte - angehört: bei mir ist die 'Florestan'-Arie komplett, einschließlich des Orchestervorspiels zum zweiten Akt des "Fidelio"! Da muss wohl ein Fehler bei der Überspielung passiert sein. (Ausserdem stimmt die Reihenfolge Deiner Arien nicht mit der Platte überein: Seite A: "Fidelio" und "Der Freischütz" - Seite B: "Zar und Zimmermann", "Martha", "Carmen" und "Der fliegende Holländer". Und es spielt das Rundfunk-Sinfonie-Orchester in Leipzig!) Die Arien aus "Martha", "Carmen" und "Zar und Zimmermann" habe ich auch auf einer 'Eterna'-EP mit der Nr. 5 20 045.


    Walter Geisler muss wohl das gewesen sein, was man früher einen 'deutschen Gebrauchstenor' nannte: keine besonders individuelle Stimmfarbe, saubere Töne mit leichter Verengung in der Höhe, Gesang ohne 'Stauen' (was mich z. B. an Rudolf Schock so stört), sehr gute Textverständlichkeit. Er muss ein guter, glaubhafter Darsteller gewesen sein; kein Wunder bei der harten "Felsenstein"-Schule.


    Carlo