Beiträge von Carlo

    Lieber 'Caruso41',


    nein, Kerstin Meyer habe ich leider nicht live gehört - ich kenne sie nur von einigen Schallplatten und Fernseh-Sendungen. Nach den Kritiken zu urteilen, muss sie eine hervorragende Darstellerin mit faszinierender Ausdruckskraft gewesen sein.


    Hier folgt der 2. Teil der Ur- und Erstaufführungen, an denen Kerstin Meyer beteiligt war:



    „Der große Makabre“ ('Den stora Makabern') (Ligeti): Nekrotzar, der große Makabre – Erik Saedén / Piet vom Fass, ein Trinker – Sven-Erik Vikström / Spermando und Hymenia, ein Liebespaar – Kerstin Meyer und Elisabeth Söderström / Fürst Go-Go – Gunilla Slättegard / Astradamors, Hofastrologe – Arne Tyrén / Mescalina, seine Frau – Barbro Ericson / Venus, Göttin der Liebe – Monika Laven / Das Echo der Venus - Ulla Blom / Der Chef der 'Gepopo', der geheimen politischen Partei – Britt-Marie Ahrun / Der weiße Minister – Dimitry Cheremeteff / Der schwarze Minister – Nils Johannsson / Die Soldaten: Ruffiack – Ragne Wahlroth, Schobiack – Hans-Olof Söderberg, Schabernack – Lennart Stregard / Operakören av Kungliga Hovkapellet (Der Chor und das Orchester der Kgl. Oper Stockholm) / Dirigent: Elgar Howarth / Ausstattung: Aliute Meczies / Regie: Michael Meschke (Stockholm, Kungliga Teatern, 12. 4. 1978, Uraufführung; es existiert ein Rundfunkmitschnitt in schwedischer Sprache).


    Noch kurz vor seinem tragischen Unfalltod 1972 hatte der Intendant der Königlichen Hofoper in Stockholm, Göran Gentele, der als Nachfolger von Rudolf Bing zum Leiter der Metropolitan Opera in New York ernannt worden war, bei György Ligeti (1923 – 2006) eine neue Oper in Auftrag gegeben. Die deutsche Malerin, Bühnen- und Kostümbildnerin Aliute Meczies schlug ihm als Vorlage den 1934 entstandenen - von Gemälden des flandrischen Malers Pieter Bruegel d. Ä. inspirierten - Roman „La Balade du grand Macabre“ des belgisch-flämischen Dichters Michel de Ghelderode vor. Fünf Jahre arbeiteten der Komponist und der aus Deutschland stammende damalige Leiter des Stockholmer Puppentheaters, Michael Meschke, gemeinsam am (in deutscher Sprache geschriebenen) Libretto und der Entstehung dieses prallen Stücks absurden Musiktheaters: eine wahre 'Tour de force' für Interpreten und Zuschauer, ein Werk zwischen Kunst und Klamauk, von Ligeti eine 'Anti-Anti-Oper' genannt. 1997 wurde eine Neubearbeitung der Oper - die seitdem unter dem französischen Titel „Le Grand Macabre“ meistens in englischer Sprache aufgeführt wird - bei den Salzburger Festspielen gezeigt; die anzüglichen Rollennamen des Liebespaares wurden in 'Amando' und 'Amanda' geändert und aus den beiden bisher als Sprechrollen angelegten 'Ministern' wurden Gesangspartien. Mittlerweile gehört das Werk zu den am meisten gespielten Opern des zeitgenössischen Musiktheaters.



    „The Rising of the Moon“ ('Der Mond geht auf über Irland') (Maw): Cornet John Stephen Beaumont – John Wakefield / Colonel the Lord Francis Jowler – Richard Van Allan / Lady Eugenie, seine Frau – Rae Woodland / Major Max von Zastrow – Peter Gottlieb / Elisabeth, seine Frau – Kerstin Meyer / Captain Lillywhite – John Fryatt / Atalanta, seine Tochter – Annon Lee Silver / Corporal Haywood- Brian Donlan / Witwe Sweeney, Kneipenwirtin – Johanna Peters / Cathleen, ihre Tochter – Anne Howells / Donal O'Dowd, ein irischer Patriot – John Gibbs / Bruder Timothy, ein Mönch – Alexander Oliver / Mr. Lynch, ein Kneipengast – Dennis Wicks / The Glyndebourne Festival Opera Chorus / Chorltg.: Myer Fredman / The London Philharmonic Orchestra / Dirigent: Raymond Leppard / Ausstattung: Osbert Lancaster / Regie: Colin Graham (Glyndebourne, Festival Theatre, 19. 7. 1970, Uraufführung; die Vorstellung vom 2. 8. 1970 wurde von der BBC live übertragen.) Für die Aufführung in Glyndebourne ein Jahr später hat Nicholas Maw (1935 - 2009), vor allem durch seine späte Oper „Sophie's Choice“ bekannt, die Orchestration überarbeitet.


    Den Sinn für 'schwarzen Humor' kann man den Engländern wirklich nicht absprechen, denn die Handlung der 'romantischen Komödie' von Beverley Cross spielt 1875 im irischen Örtchen Ballinvourney vor dem Hintergrund der damaligen Konflikte zwischen Iren und Briten als Folge des „Great Famine“, einer Hungerkatastrophe, die in Irland über eine Million Todesopfer forderte. Und 1970 waren die mit Attentaten durchsetzten Auseinandersetzungen zwischen Nordirland und Großbritannien auf einem Höhepunkt! Das ist die Handlung: Um in das britische Regiment der '31st Royal Lancers' aufgenommen zu werden, soll der junge Cornet Beaumont drei 'Mutproben' bestehen - bis zum nächsten Morgengrauen muss er 3 Zigarren rauchen, 3 Flaschen Champagner trinken und 3 Frauen verführen. Die Dorfbewohner wischen den verhassten Briten eins aus, indem sie dem Fähnrich hierfür die Frauen der Regiments-Offiziere zuführen. Lady Elizabeth und Frau von Zastrow können dem feschen Mann nicht widerstehen, aber für die jungfräuliche Atalanta 'opfert' sich die Wirtstochter Cathleen. Als Beaumont innerhalb der gesetzten Frist 'Vollzug' meldet, gibt es Ärger, weil die Prüfung nicht ernst gemeint war. Beaumont widerruft daraufhin seine Absicht, dem Militär beizutreten und verlässt Ballinvourney, das Regiment zieht zur Freude der Iren endlich ab und Cathleen bleibt 'entehrt' zurück. (Die erste deutschsprachige Aufführung – mit einer Übersetzung von Manfred Vogel - war am 1. 4. 1978 in Graz; schon einen Tag später folgte das Opernhaus in Bremen.)



    „The Visitation“ ('Die Heimsuchung') (Schuller): Carter Jones, ein farbiger Student – McHenry Boatwright / Die 'Heimsuchenden': Bill – Kim Borg, Frank – Carl Schultz und Joe – William Workman / Joes Vermieterin – Tatiana Troyanos / Ein Inspektor – Peter Roth-Ehrang / Miss Hampton, Carters Zimmerwirtin – Jeanette Scovotti / Mattie, Carters Arbeitskollege – Heinz Blankenburg / Der 'Gerichtsvorsitzende' – Kim Borg / Chuck, Anführer einer 'Gang' – Erwin Wohlfahrt / Mrs. Claiborne – Kerstin Meyer / Mr. Claiborne, Sekretär der 'Legal Aid Society', ihr Mann – Heinz Blankenburg / Uncle Albert, Carters Onkel – Simon Estes / Mr. Held, ein Advokat – Tom Krause / Teena, Mr. Helds Pflegerin – Felicia Weathers / Patterson, ein Bürovorsteher – Heinz Blankenburg / Angelo Pulisi, ein Nachtclubbesitzer – Helmut Melchert / Ein farbiger Diakon – William de Valentine / Der Spritual Chor Hamburg / Ltg.: Klaus Untiedt / Der Chor der Hamburgischen Staatsopoer / Chorltg.: Helmut Fellmer / Eine Jazzcombo: Bent Jädig (Altsaxophon), Rolf Kühn (Klarinette), Dusko Gojkovic (Trompete), Albert Mangelsdorff (Posaune), John C. Eaton (Klavier), Peter Trunk (Bass) und Ralph Hübner (Schlagzeug) / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Gunther Schuller / Ausstattung: Ita Maximowna / Regie: Günther Rennert (Hamburg, Staatsoper, 12. 10. 1966, Uraufführung in englischer Sprache). Mit zwei Aufführungen dieses Werks gastierte die Hamburgische Staatsoper auch 1967 an der New Yorker 'Met'.


    Angelehnt an Franz Kafkas „Der Prozess“ schildert diese 'Jazz-Oper' – zu der der Amerikaner Gunther Schuller (1925 - 2015) sein eigenes (englischsprachiges) Libretto schrieb - in losen Bildern die albtraumhaften Erlebnisse des Studenten Carter Jones, der als Farbiger ein 'nützliches Mitglied der - überwiegend weißen - amerikanischen Gesellschaft' der 60er Jahre sein möchte und tragisch scheitert. (1968 kam es in Wuppertal zur ersten Aufführung in deutscher Sprache.) Gerade heute in Zeiten von Ausländerhass und Ausgrenzung ist diese Oper von brennender Aktualität und müsste wieder einmal auf die Bühne gebracht und zur Diskussion gestellt werden.



    In der nächsten Woche folgt der 3. Teil.



    Carlo

    Heute Josef Traxel mit Kompositionen von Ludwig van Beethoven:

    „Neunte Symphonie“ (Beethoven): mit Maria Stader, Lore Fischer, Josef Traxel und Rudolf Watzke / Der Gürzenich-Chor und das Gürzenich-Orchester Köln / Dirigent: Günter Wand (Köln, Gürzenich, 3. 10. 1955). Ein Konzert zur Einweihung des kriegszerstörten und wiederaufgebauten 'Gürzenich', ein spätgotischer Festsaalbau, der seit 1857 der Stadt Köln als Konzertsaal diente. Das 'Gürzenich-Orchester' - das sich in den 1990er Jahren auch 'Kölner Philharmoniker' nannte - ist das Symphonie-Orchester der Stadt Köln und gleichzeitig auch das Orchester des Kölner Opernhauses.


    dto.: mit Gré Brouwenstijn, Elsa Cavelti, Josef Traxel und Heinz Rehfuss / La Société Chorale de Brassus / L'Orchestre de la Suisse Romande / Dirigent: Ernest Ansermet (Genf, Victoria Hall, 27. 10. 1957). Ein Konzert zum zwölften Jahrestag der Gründung der Vereinten Nationen. Eine Veröffentlichung der 'Société Vocale Internationale Josef Traxel'; der vierte Satz der Symphonie ist enthalten auf der Doppel-CD des 'St-Laurent Studios' mit Beethovens „Missa Solemnis“ (s. u.).


    dto.: mit Maria Stader, Annie Hermes, Josef Traxel und Hermann Schey / Toonkunstkoor Amsterdam / Het Concertgebouw-Orkest / Dirigent: Otto Klemperer (Amsterdam, Concertgebouw, 1958). Vom 12. 5. bis zum 1. 6. 1958 leitete Otto Klemperer im Amsterdamer Concertgebouw mehrere Konzerte – teilweise wiederholt - mit Musik von Ludwig van Beethoven, u. a. alle neun Symphonien, die Große Fuge op. 133, das fünfte Klavierkonzert (mit Rudolf Firkusny) und die Ouvertüre zum „König Stephan“. (Mitschnitte dieser Konzerte befinden sich im Tonarchiv des Concertgebouw-Orchesters.)


    dto.: mit Maria Stader, Nan Merriman, Josef Traxel und Gottlob Frick / Der Chor und das Symphonie-Orchester des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Kurt Prestel / Dirigent: Eugen Jochum (München, Herkulessaal, 10. 12. 1959). Dieser Konzertmitschnitt ist bisher nicht veröffentlicht worden.


    dto.: mit Pilar Lorengar, Marga Höffgen, Josef Traxel und Otto Wiener / Choeurs et Orchestre National de la RTF, Paris / Chorltg.: Jean Gitton / Dirigent: Jascha Horenstein (Paris, Salle Pleyel, 31. 10. 1963) Diese Aufnahme ist in der Box „Jascha Horenstein: Performances from Paris 1952–1966“ bei 'Music & Arts' (9 CDs, 2004) enthalten. Der Mitschnitt des französischen Fernsehens aus der Serie 'Prestige de la Musique', den ich vom Bezahlsender 'Premiere' in seinem 'Classica' Programm auf Video aufgezeichnet habe, ist auch bei 'YouTube' zu sehen.


    „Missa solemnis“ (Beethoven): mit Maria Stader, Marga Höffgen, Josef Traxel und Kim Borg / L' Union Chorale de Tour-de-Peilz et Choeur des Dames de Lausanne / Chorltg.: Robert Mermond / L' Orchestre de la Suisse Romande / Dirigent: Ernest Ansermet (Genf, Victoria Hall, 23. 5. 1962) Veröffentlicht durch die 'Société Vocale Internationale Josef Traxel' und erschienen – gekoppelt mit dem 4. Satz von Beethovens 'Neunter' - als 'Vol. 1' beim canadischen CD-Label 'St-Laurent Studio'.


    „Fünf Lieder“ (Beethoven): Mailied, op. 52/4 – Zärtliche Liebe, WoO 123 – Resignation, WoO 149 – Adelaide, op. 46 – Abendlied unterm gestirnten Himmel, WoO 150 / Klavier: Hubert Giesen (Berlin, Gemeindehaus Zehlendorf, 16. 9. 1958) 'Electrola' E 80 447 (30 cm, gekoppelt mit Liedern von Franz Schubert – siehe dort). Obwohl in Stereo aufgenommen, wurde die Platte nur monaural veröffentlicht und ist nie wieder neu im 'Electrola'-Katalog erschienen. (Eine CD-Überspielung gibt es beim 'Hamburger Archiv für Gesangskunst' in der „Josef-Traxel-Edition“.)


    Ein schönes Pfingstfest allerseits!


    Carlo

    Hier ist also mein Beitrag zu Mario Lanzas siebtem Film:


    „Arrivederci, Roma!“ ('Seven Hills of Rome') (Le Cloud Film - Titanus Films / MGM 1957) (Farbe, 107 Min. / Deutsche Version: 97 Min.)


    mit Marisa Allasio, Peggie Castle, Clelia Matania, Renato Rascel, Carlo Rizzo, Guido Celano, Carlo Giuffrè u. a. / Regie: Roy Rowland


    Die nachfolgende Inhaltsangabe gründet sich auf der um 10 Minuten gekürzten deutschen Fassung des Films, in der teilweise die Rollennamen gegenüber der italienischen bzw. amerikanischen Version anders lauten!

    Der italienisch-stämmige amerikanische Tenor Marc Robert hat bei einer Fernseh-Werbesendung für eine Lippenstift-Marke mit seiner wohlhabenden Verlobten Carin Carlson (Castle) eine Auseinandersetzung, weil sie sich zu vertraut mit einem angeblichen Verwandten zeigt. Ihre Wege trennen sich und Marc versucht mit wenig Glück, seinen Ärger durch den Besuch der Spielbank von Monte Carlo zu vergessen. Mit seinem letzten Geld fährt er per Bahn nach Rom, wo sein italienischer Vetter Beppo Bonelli (Rascel) lebt, der Pianist in Luigis (Celano) kleinem Varieté-Theater und auch in dem Nachtclub „Ulpia“ ist. Bei einem Halt in Savona springt die junge Raffaella Marini (Allasio) im strömenden Regen auf den anfahrenden Zug, wobei sie ihre Handtasche verliert und dem Schaffner keinen Fahrschein vorweisen kann. Marc zahlt für Raffaella, die in Rom bei ihrem Onkel wohnen und dort arbeiten möchte; doch es stellt sich heraus, dass dieser schon vor Jahren nach Argentinien ausgewandert ist und Marc nimmt sie zu Beppos kleiner Wohnung mit, wo sie beide wohnen können. Aber nicht nur Raffaella ist auf Arbeitssuche, auch Marc muss Geld verdienen und er bewirbt sich zunächst vergebens im Nachtclub „Ulpia“, wird aber von Luigi für sein Theater engagiert. Raffaella hat durch Beppos Vermittlung eine Anstellung im Modesalon von Beatrice (Matania) gefunden; dort erfährt Marc, dass sich Carin auch in Rom aufhält. Tatsächlich trifft er sie beim Schlendern durch die Stadt und sie lädt ihn auf eine Party mit amerikanischen Freunden auf einer Yacht im Hafen von Ostia ein. Weil der Motor des Bootes ausfällt, verpasst Marc seinen Auftritt im Nachtclub und wird gemeinsam mit Beppo 'gefeuert'. In der Bar des „Ulpia“ trifft Marc Carin mit einem Freund, Franco (Giuffrè), und es kommt zu einer wüsten Schlägerei; für die Demolierung des Nachtclubs wird Marc haftbar gemacht. Um Marc zu helfen, bietet ihm Raffaella ein Diamantarmband an, das sie im Modesalon gefunden hat. Doch Marc lehnt ab und vereinbart mit dem „Ulpia“-Direktor (Rizzo), den entstandenen Schaden durch Auftritte abzuarbeiten. Carin und Marc beenden ihre Verlobung und Raffaella will – von Marc enttäuscht – zurück nach Savona; als Marc von Beppo über Raffaellas wahre Gefühle aufgeklärt wird, fängt er sie auf ihrem Weg zum Bahnhof ab. .


    Der Film „Serenade“ kam im September 1956 in die amerikanischen Kinos und fand bei Presse und Publikum ein geradezu überwältigendes positives Echo. Weil aber Warner Bros. zu lange mit einem neuen Film-Projekt für Mario Lanza wartete, unterzeichnete er Anfang 1957 den Vertrag für „Arrivederci. Roma!“, der von Le Cloud Film (Rom) produziert wurde und von Juni bis September 1957 in den Studios der römischen Titanus Films entstand; den internationalen Verleih übernahm MGM unter dem Titel „Seven Hills of Rome“. Man verfrachtete den Sänger samt Familie - Lanza war inzwischen vierfacher Vater, seine Frau Betty und seine Eltern Maria und Antonio Cocozza begleiteten ihn – in die italienische Metropole und er mietete dort eine große Wohnung in dem von Mussolini erbauten pompösen Palazzo Badoglio. (Nach Beendigung der Dreharbeiten blieb Mario Lanza bis zu seinem Tod im Oktober 1959 in Rom wohnhaft.) Offensichtlich wollte man mit diesem Film gleich 'mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen', was aber dann doch daneben ging.


    Zunächst sollte die Popularität des Sängers in Europa gesteigert werden, was auch von Lanzas Schallplattenfirma 'RCA' unterstützt wurde, ferner hatte die Stadt Rom 1955 den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 1960 erhalten und so entstand dort ein von Italien-Klischees durchsetzter Film, der wie eine einzige Touristenwerbung für die 'ewige Stadt' (mitsamt Kutschfahrten und Hubschrauber-Rundflug) wirkt. Der italienische Nachkriegsfilm – vor allem dessen Komödien, weniger die sozialkritischen Stoffe - war durch die Arbeiten von De Sica, Fellini, Rossellini und Visconti auch in den USA bekannt geworden, aber „Arrivederci, Roma“, wie der Film im Original und im deutschsprachigen Raum heißt, hat zwar das Flair, aber nicht das Tempo und die Originalität vieler Filme aus 'Bella Italia'. (Der amerikanische 'Fließband-Regisseur' Roy Rowland hielt es wohl für typisch italienisch, einem Kontrahenten die Nase umzudrehen, wie es Mario Lanza hier zweimal vorführt.)


    Und man wollte ein junges Publikum, das sich für Oper und klassische Musik nicht interessiert, mit populären Schlagern und flotter Musik in die Kinos locken. Den Autoren fiel auch nichts Besseres ein, als die Handlung von „Serenade“ zu variieren (wobei während der Dreharbeiten das Drehbuch ständig geändert wurde): wieder ein Mann zwischen zwei Frauen, aber der Zuschauer wird diesmal lange im Unklaren gelassen, für wen sich der 'eiertanzende' Protagonist am Ende entscheidet. Die Lösung erscheint wenig glaubwürdig und das Publikum hätte es wohl lieber gesehen, wenn sich Raffaella für den liebenswerten Beppo entschieden hätte. (Mario Lanza hatte seit „Serenade“ auch wieder 'zugelegt' und ein amerikanischer Kritiker meinte boshaft, der Tenor sei der achte zu den sieben Hügeln Roms.) Übrigens wurden die Aussenaufnahmen zum titelgebenden Lied „Arrivederci, Roma“ mit Mario Lanza und der Kinderdarstellerin Luisa Di Meo nicht an der Fontana di Trevi – die im Text vorkommt – sondern an einem der Brunnen der Piazza Navona gedreht.


    Da Lanza hier nur zwei gekürzte Arien singt ('Questa o quella'* aus „Rigoletto“ und 'M'appari' aus „Martha“) und bis auf zwei von Renato Rascels bekannten 'Ohrwürmern' („Arrivederci, Roma!“* und „Venticello di Roma“), Arturo Buzzi-Peccias berühmter 'Serenata spagnola'* („Lolita“), Ernesto Lecuonas (gekürztem) Lied „Ay-Ay-Ay“ und dem Schluß von „All the things you are“ (am Beginn des Films, dann erst folgt der Vorspann) die übrigen Melodien wenig einprägsam sind - „The seven Hills of Rome“* von Victor Young, „Come, dance with me“* von Dick Leibert und ein 'Calypso Italiano'* („There's gonna be a party tonight“) von George Stoll - bleibt nur Mario Lanzas Parodie* auf einige Gesangskollegen von der 'leichten Muse' in Erinnerung: Perry Como mit „Temptation“ (von Nacio Herb Brown), Frankie Laine mit „Jezebel“ (von Wayne Shanklin), Dean Martin mit „Memories are made of this“ (von Terry Gilkyson, Richard Dehr und Frank Miller – in Deutschland mit Freddy Quinn als „Heimweh“ ein Millionen-Hit) und schließlich Louis Armstrong mit dem traditionellen „When the saints go marching in“. (Solche Gesangsparodien waren ein 'Hobby' von Mario Lanza, der einmal auch den Bassisten Ezio Pinza zu dessen Überraschung verblüffend echt nachahmte.)


    Anders als bei den MGM-Filmen hatte Lanzas Exclusiv-Schallplattenfirma 'RCA' – die unter den einzelnen Filmtiteln eigene Aufnahmen veröffentlichte - von dem Film „Romance“ der Warner Bros. eine 'Soundtrack'-LP heraus gebracht und tat dies auch bei „Seven Hills of Rome“: einige (*) Musiktitel des Films (die man im Juni 1957 in Rom mit dem Chor und dem Orchester der RAI unter Leitung von George Stoll aufnahm) erschienen auf einer LP-Seite; die zweite Seite enthält Lieder, die bereits 1955 (Soundtrack von „Serenade“) und 1956 mit Henri René und seinem Orchester in Los Angeles für RCA eingespielt wurden, darunter ein Song aus dem Musical „Li'l Abner“ von Gene De Paul.


    Ein schönes Pfingstfest allerseits!


    Carlo

    Lieber 'Orfeo',


    als ich in meinem Einführungsbeitrag zu diesem Thread schrieb: „Beim Wiederanschauen von seinen sieben Spielfilmen...“ , wollte ich damit - wohl etwas missverständlich - sagen, dass ich nur sieben Filme von Mario Lanza auf Video (Fernseh-Aufzeichnungen) habe. Von „The Student Prince“ ('Alt-Heidelberg') kannte ich bisher nur einige wenige Ausschnitte aus der amerikanischen Original-Version, weil der m. W. noch nie im Deutschen Fernsehen zu sehen war und es auch keine VHS-Veröffentlichung gab. (Als er Mitte der 50er Jahre in den deutschen Kinos lief, war ich noch zu jung.) Durch Deine Hinweise habe ich jetzt nicht nur endlich diesen Film, sondern auch „Serenade“ (wovon ich nur die 14 Minuten kürzere deutsche Fasssung auf Video habe) komplett sehen können. Vielen Dank dafür!


    Lieber Gregor,


    „Der Sänger von Capri“ bzw. „Serenade einer großen Liebe“ ist mir natürlich bekannt; das war Mario Lanzas achter und letzter Spielfilm. Im Nachhinein etwas makaber, dass er im Original „Zum ersten Mal“ ('For the First Time') heißt und produziert wurde er von einer deutschen Filmgesellschaft mit dem Namen 'Corona'. Aber vorher stelle ich Ende der Woche seinen siebten Film „Arrivederci, Roma!“ (im Original: „Seven Hills of Rome“) vor!


    Carlo

    Lieber Gregor,


    Danke für den Hinweis auf John Ericson, das wusste ich nicht. Da gab es also ausser der zweifachen Oscar-Gewinnerin Luise Rainer - nach der in Düsseldorf auch eine Straße benannt ist - noch einen 'Hollywood-Star' aus meiner Heimatstadt! (Dafür haben wir aber keine Helmut-Käutner-Straße; lediglich an Gustaf Gründgens wird mit einem Platz - der zur Zeit durch eine spektakuläre Bebauung aufgewertet wird - erinnert. Und die Namen der drei Wagner-Tenöre Max Alvary, Rudolf Laubenthal und Max Lorenz sucht man im Düsseldorfer Straßenverzeichnis vergebens. Aber Frank Zappa wurde diese Ehre zuteil, weil der mal ein paar Monate in Düsseldorf gewohnt hat!)



    Nachfolgend einige Details zu Mario Lanzas (nach meiner Zählweise) sechstem Spielfilm mit dem Titel "Serenade:


    Entbunden von der Gängelei durch eine Filmfirma, ohne Verträge für Konzerte – seine letzte triumphale Tournee durch die USA im Nachklang des „Caruso“-Films lag schon über ein Jahr zurück – und durch die Schadenersatz-Klage und dem damit verbundenen Gagen-Stopp auch finanziell angeschlagen, zog sich Mario Lanza Ende 1952 in seine Villa in Beverly Hills zurück; Hollywood war für ihn Vergangenheit. Ausserdem hatte er sich während der Auseinandersetzungen mit MGM von seinem Manager Sam Weiler getrennt und weil kaum Plattenaufnahmen anstanden, übte er auch nicht viel an seiner Gesangstechnik. Lediglich sein Familienleben – er war mittlerweile Vater von drei Kindern – schien in Ordnung zu sein.


    Als ihm 1954 der Fernsehsender CBS das Angebot machte, für eine Gage von $ 40.000 drei Stücke ('Vesti la giubba' aus „I pagliacci“, 'Some Days' aus Rudolf Frimls „The Vagabond King“ und die Canzone „A Marechiare“) im TV-Studio live zu singen, bekam er solche Panikattacken, dass man beschloss, das von den Amerikanern stets als Betrug angesehene 'Playback'-Verfahren einzusetzen. Als das nach der Sendung durch eine Indiskretion herauskam, wurde Mario Lanza in der Presse geradezu 'zerrissen' und obwohl er in eilig angesetzten Pressekonferenzen den Journalisten demonstrierte, dass er seine Stimme keinesfalls verloren hatte, blieb sein Ruf beschädigt. Als dann auch noch im Frühjahr 1955 ein mit viel Reklame angekündigtes vierzehntägiges Gastspiel (mit täglichen Auftritten) für $ 100.000 in Las Vegas am Abend seines ersten Auftretens dort wegen Erkrankung des Sängers – so die offizielle Begründung – abgesagt wurde, schien die Karriere Mario Lanzas beendet zu sein.


    Schließlich begab sich der Tenor in eine (erfolgreiche) nervenärztliche Behandlung und unterschrieb ohne Zögern und ohne große Bedingungen zu stellen Ende 1955 den Vertrag für einen weiteren Spielfilm, diesmal bei „Warner Brothers“:



    „Serenade“ ('Serenade') (Warner Bros. 1956) (Farbe, 120 Min. / Deutsche Version: 106 Min.)


    mit Joan Fontaine, Sara ('Sarita') Montiel, Vincent Price, Joseph Calleia, Harry Bellaver, Frank Puglia, Silvio Minciotti, Vince Edwards, Stephen Bekassy, Eduardo Noriega, Edward Platt sowie Licia Albanese und Jean Fenn / Regie: Anthony Mann.


    Bei den Filmkritikern gilt dieser Film als Mario Lanzas bester, weil er hier – unter der Anleitung des erfahrenen Regisseurs Anthony Mann - eine erstaunliche darstellerische Bandbreite zeigt. Leider fehlt in der deutschsprachigen Version, die ich mir vor Jahren beim ehemaligen Bezahl-Sender 'Premiere' aufzeichnete und die nur 106 Minuten lang ist, ausgerechnet eine Kernszene des Films: die Probe von Otellos Monolog ('Dio! Mi potevi scagliar') aus dem dritten Akt von Verdis „Otello“. (Aber bestimmt wird unser Gastmitglied 'orfeo', der sich ja ausgezeichnet in den Tiefen des Internets auskennt, die komplette Film-Version hier anzeigen können.)


    Wieder spielt Mario Lanza einen aus kleinen Kreisen stammenden, musikbegeisterten jungen Mann: Damon Vincenti, der nach dem Tod seiner Eltern auf dem Weingut seines Onkels in Kalifornien arbeitet und nach einem kurzen Gesangsunterricht davon träumt, einmal auf der Opernbühne stehen zu können. Gerade als ihm sein Cousin Tonio (Bellaver) berichtet, dass er ihm einen Termin für ein Probesingen bei dem Restaurant-Besitzer Lardelli ( Minciotti) verschafft hat – es ist noch heute eine amerikanische Tradition, jungen Sängern mit einem Auftritt in Restaurants Aufmerksamkeit zu geben – lernt Damon die schwerreiche, elegante Kendall Hale (Fontaine) kennen, die sich in Begleitung des jungen Boxers Marco Roselli (Edwards) mit ihrem 'Straßenkreuzer' verfahren hat. Damons Vorsingen ist erfolgreich und der mit Kendall befreundete Impresario Charles Winthrop (Price) lässt ihn von Maestro Marcatello (Calleia) weiter ausbilden.


    Bei einem seiner Auftritte im „Lardelli's“ sieht Damon Kendall wieder, die ihn sofort in ihren Bann zieht und er verfällt trotz Winthrops Warnung dieser Frau, die sich hobbymäßig der beruflichen Förderung junger Männer annimmt. Als er eine Auseinandersetzung zwischen Kendall und Marco mitbekommt, weil sie zu einem für ihn entscheidenden Boxkampf nicht erschien, ahnt Damon, dass sie nur mit den Gefühlen der Männer spielt, zumal sie bald ein neues Talent entdeckt hat: einen jungen Bildhauer namens Russell Hanson (Bekassy), der eine Büste von ihr anfertigen soll. Doch Damon kommt von Kendall nicht los, obwohl er inzwischen eine erfolgreiche Karriere als Tenor begonnen hat. Er probt an der Oper von San Francisco mit dem Regisseur Everett Carter (Platt) zum ersten Mal die Titelrolle in Verdis „Otello“ (mit Licia Albanese in ihrem ersten und einzigen Spielfilm) und sein Privatleben vermischt sich mit der Bühnenrolle: Damons Eifersucht steigert sich derart, dass er - weil er Kendall nicht im Publikum sieht - mitten in der Premiere die Vorstellung abbricht und in Kendalls Wohnung stürzt. Als er sie dort nicht antrifft, zerstört er wütend und verzweifelt Kendalls Portraitbüste.


    Damon hat nach einer desaströsen Probe zu Mozarts „Don Giovann“ an der Oper von Mexico City alle Auftritte abgesagt und versucht in dem kleinen Ort San Miguel de Allende zur Ruhe zu kommen. Nach einer Malaria-Erkrankung wird er im Haus von Manuel Montes (Puglia) und dessen Nichte Juana (Montiel) aufgenommen und gepflegt; nach seiner Genesung arbeitet er auf der Plantage von Manuel. Die Zuneigung Damons zu der schönen und stolzen Juana, deren verstorbener Vater Stierkämpfer war und die sich der besitzergreifenden Nachstellung eines Arbeiters ihres Onkels, Felipe (Noriega), erwehren muss, hilft ihm, wieder zum Gesang zu finden. Während eines Gewitters gestehen sich Damon und Juana ihre Liebe und der Sänger kehrt mit ihr nach Kalifornien zurück, wo sie heiraten. Sein Weg führt Damon auch zu Lardellis Restaurant, wo ein paar Jahre zuvor sein 'Sänger-Leben' begann. Charles Winthrop nimmt ihn erneut unter Vertrag und Damon singt wieder an der Oper – der Film zeigt übrigens Innenaufnahmen des „War Memorial Opera House' in San Francisco.


    In der Vorstellung von Cileas „L'Arlesiana“ sitzt auch Kendall unter den Opernbesuchern und sie lädt Damon und Juana zu einer Party ein, wo sie Damon Avancen macht und in einem Zwiegespräch Juana beleidigt. Diese versucht, mit einem improvisierten 'Stierkampf-Tanz' Kendall vor den Gästen bloßzustellen und verlässt danach ohne Damon verzweifelt die Party. Auf der Straße läuft Juana vor ein Auto, wird verletzt und ins Hospital gebracht. Damon muss ein Konzert geben und singt hier das Lied „Serenade“, das er einst für Juana einstudiert hat; nach dessen Vortrag bringt Tonio die gute Nachricht, dass Juana ausser Gefahr ist.



    Mario Lanza musste in diesem Film gegen einen großen 'Hollywood-Star' anspielen: Joan Fontaine (1917 – 2013). Die Schauspielerin, die in ihren frühen Filmen oft sanfte, schüchtern wirkende Frauen darstellte (die beiden Hitchcock-Filme „Rebecca“ und „Verdacht“), nutzte gerne die Gelegenheit, hier eine 'Femme fatale' zu spielen. (Im 'echten' Leben besaß sie einen Piloten- und einen Hochsee-Segelschein, fuhr Autorennen und war Bergsteigerin!). Ähnlich war auch ihre ein Jahr ältere Schwester Olivia de Havilland – die mit 103 Jahren nach dem Tod der Düsseldorferin Luise Rainer (2014) die älteste jetzt noch lebende Oscar-Gewinnerin ist – anfänglich auf das 'sanfte' Rollenfach („Vom Winde verweht“) festgelegt. In die Filmgeschichte eingegangen ist die Rivalität der beiden als Britinnen in Tokio geborenen Schwestern, die sich seit 1942 – als Joan den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, die ebenfalls nominierte Olivia aber leer ausging – aus dem Weg gingen, was laut Insidern aber wohl an Joan lag. (Joan Fontaine schrieb übrigens eine viel Staub aufwirbelnde Autobiographie, während Olivia de Havilland, die seit Anfang der sechziger Jahre in Paris lebt und von der englischen Königin geadelt wurde – was ihre Schwester, die in den Vereinigten Staaten blieb, nicht mehr erleben musste – bis heute vornehm schweigt...)


    Die Spanierin Sara Montiel, die hier noch als 'Sarita' angekündigt ist, war die Ehefrau des Regisseurs von „Serenade“, Anthony Mann; nach einer kurzen Hollywod-Karriere kehrte sie nach Spanien zurück und war dort jahrzehntelang eine der bekanntesten Schauspielerinnen und Sängerinnen des Landes. Der aus Malta stammende Schauspieler und Musiker Joseph Calleia, der tatsächlich Calleja hieß - ob es eine verwandtschaftliche Verbindung zu dem maltesischen Tenor gleichen Namens gibt, weiß ich nicht – hat in sehr vielen amerikanischen Filmen mitgewirkt. Und Vincent Price, dem in „Serenade“ herrlich süffisante Texte zufallen (über Jean Fenn von der New York City Opera nach ihrem Vorsingen mit Mario Lanza in Lardellis Restaurant: „Die Stimme klingt wie die Bremsen des Orient-Express“ und dann direkt zur Sängerin selbst: „Ich habe eine solche Stimme wie die Ihre noch nie gehört – etwas ganz Besonderes.“) braucht man wohl nicht vorzustellen...


    Die folgende Auflistung der im Film verwendeten Musikteile bezieht sich auf die um 15 Minuten gekürzte deutsche Filmfassung! (Angeblich erklingen in der US-Version die beiden Duette aus „La Bohème“ mit Jean Fenn und „Otello“ mit Licia Albanese - wie auf dem „Original Sound Track Album“ von 'RCA' - komplett und neben dem Monolog des Otello 'Dio! Mi potevi scagliar' singt Lanza vermutlich auch noch die Arie 'Nessun dorma!' aus Puccinis „Turandot“!) Der Tenor ist hier endlich wieder mit zahlreichen – und teilweise von ihm vorher nicht gehörten - Operntiteln vertreten: 'Di rigori armato' aus dem „Rosenkavalier“, 'Amor ti vieta' aus Giordanos „Fedora“, die Stretta des Manrico aus „Il trovatore“, das (gekürzte) Duett Otello – Desdemona 'Dio ti giocondi' aus dem dritten Akt des „Otello“, ein drehbuchgemäß verpatztes 'Il mio tesoro' aus „Don Giovanni“, Meyerbeers 'O paradiso' („L' Africaine“) und das Lamento des Federico aus Cileas „L'Arlesiana“. Dazu kommen mehrere Lieder: „La danza“ von Rossini (mit Akkordionbegleitung), De Curtis' „Torna a Surriento“, zwei Kompositionen Nicholas Brodszkys für diesen Film („My Destiny“ und „Serenade“) und das „Ave Maria“ Schuberts. (Einige der Titel werden am Klavier von dem berühmten Pianisten Jakob Gimpel begleitet, der Mario Lanzas Plattenfirma 'RCA' verklagte, als diese bei der Veröffentlichung des „Original Sound Track Album“ - das merkwürdigerweise Otellos Monolog 'Dio! Mi potevi scagliar' ebenfalls nicht enthält - mit seinem Namen Werbung machte, obwohl Gimpel darüber Stillschweigen vereinbart hatte. Die Orchesteraufnahmen leitete Ray Heindorf am Pult eines ungenannten Orchesters.)


    Viele Grüße!


    Carlo

    Liebe Melomanen,


    im Interview mit dem Berliner „Orpheus“ (Juli 1978) sagte Kerstin Meyer - die wie viele schwedische Sänger ausgezeichnet Deutsch sprach - zu ihren vielen Ur- und Erstaufführungen von Werken des 'modernen' Musiktheaters: „Es kam wie der Blitz – ich wurde sofort abgestempelt. Man sagte mir bald nach, ich hätte für andere Partien keine Stimme mehr und es hat Mühe gekostet, die Welt vom Gegenteil zu überzeugen. Dabei ist es verkehrt, wenn Amateure oder Sänger ohne Stimme sich mit moderner Musik befassen; erst die Professionellen oder die Könner vermögen sie im richtigen Licht zu zeigen. Und ich finde, jeder Sänger sollte sich, zumindest einmal im Jahr, solchen Aufgaben stellen.“


    Nachfolgend werde ich (in drei Teilen) die folgenden Werke detailliert nennen: „Der Besuch der alten Dame“ (von Einem) - „Arden muss sterben“ (Goehr) - „Elegy for Young Lovers“ (Henze) - „Novae de infinito laudes“ (Henze) - „The Bassarids“ (Henze) - „Der große Makabre“ (Ligeti) - „The Rising of the Moon“ (Maw) - „The Visitation“ (Schuller) - „Hamlet“ (Searle) - „Der rote Stiefel“ (Sutermeister) und „Resan“ (Werle).


    1. Teil:


    „Der Besuch der alten Dame“ ('The Visit of the Old Lady') (von Einem): Claire Zachanassian – Kerstin Meyer / Der Butler – Edgar Evans / Koby und Loby – Duncan Robertson und Ian Caley / Alfred Ill – Donald Bell / Seine Frau – Rae Woodland / Seine Tochter – Sara de Javelin / Sein Sohn – Roderick Keating / Der Bürgermeister – Alan Crofoot / Der Pfarrer – Don Garrard / Der Lehrer – Derek Hammond-Stroud / Der Arzt – Brian Donlan / Zwei Frauen – Isla Brodie und Lorna Brindley / Hofbauer – Anthony Bremner / Hellmesberger – Edward Sadler / Der Bahnhofsvorstand – Keith Brookes / Der Zugführer – Thomas Lawlor / Der Reporter – Samuel Weller / Der Kameramann – John Tomlinson / The Glyndebourne Festival Opera Chorus / Chorltg.: Myer Fredman / The London Philharmonic Orchestra / Dirigent: John Pritchard / Ausstattung: Michael Annals / Regie: John Cox (Glyndebourne, Festival Theatre, 31. 5. 1973, englische Erstaufführung).


    Am 2. 6. 1973 wurde die zweite Vorstellung von der BBC live übertragen. Die dankbare Rolle der Claire Zachanassian – Friedrich Dürrenmatts für die unvergessene Therese Giehse geschriebene große Charakterstudie – wurde als Opernpartie von Christa Ludwig am 23. 5. 1971 an der Wiener Staatsoper kreiert. Kerstin Meyer hat sie auch in Stockholm (schwedische Erstaufführung, ebenfalls als Mitschnitt erhalten), in München und Wien erfolgreich dargestellt.



    „Arden muss sterben“ (Goehr): Arden, ein reicher Kaufmann – Toni Blankenheim / Alice, seine Frau – Kerstin Meyer / Susanne, ihre Zofe – Ria Urban / Michel, Ardens Diener – Horst Wilhelm / Franklin, Ardens Freund – Herbert Fliether / Mosbie, ein Schneider, Susannes Bruder – Ronald Dowd / Greene und Reede, zwei von Arden ruinierte Grundbesitzer – William Workman und Hans Sotin / Mrs. Bradshaw, Ardens Nachbarin – Ursula Boese / Beutelschneid und Schwarzer Bill, zwei Mörder – Kurt Marschner und Manfred Schenk / Der Bürgermeister von Faversham – Hans-Otto Kloose / Ein Fährmann – Carl Schultz / Ein Hirtenjunge – Ingeborg Krüger / Ardens Lehrbube – Christian Romanowski / Der Chor der Hamburgischen Staatsoper / Chorltg.: Helmut Fellmer / Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg / Dirigent: Charles Mackerras / Ausstattung: Ekkehard Grübler / Regie: Egon Monk (Hamburg, Staatsoper, 5. 3. 1967, Uraufführung),


    Der englische Komponist Alexander Goehr (Jahrgang 1932) – Sohn des Dirigenten Walter Goehr – und der Dichter Erich Fried schufen diese komisch-tragische Oper nach dem Schauspiel „Arden of Faversham“ aus dem Jahre 1590, wobei man lange annahm, dass 'William Shakespeare' – oder wer er auch immer gewesen ist – der Autor des Stückes sei. Am 15. 2. 1550 wurde der reiche Kaufmann Arden aus der englischen Küstenstadt Faversham von zwei Auftragsmördern getötet und die Obrigkeit machte schnell Ardens Frau Alice und ihren Geliebten Mosbie sowie zwei von Arden in den Ruin getriebene Grundbesitzer und eine Nachbarin Ardens als Verschwörer aus. Alexander Goehr und Erich Fried machten im Auftrag Rolf Liebermanns daraus einen hintergründig-makabren Opernspaß mit von den Sängern der Uraufführung lustvoll dargestelltem Personal, der von der Kritik und dem größten Teil des Publikums positiv aufgenommn wurde. Allerdings störten etliche (organisierte?) Opernbesucher die Uraufführung, wobei nicht klar war, wogegen sie eigentlich protestierten: war ihnen die Komposition zu traditionell, zu modern oder nicht modern genug? (In jenen Jahren wurde oft nur um des Protestes willen protestiert.) Jedenfalls wäre es interessant, dem Werk heute nach über 50 Jahren wieder zu begegnen.



    „Elegy for Young Lovers“ ('Elegie für junge Liebende') (Henze): Gregor Mittenhofer, ein Dichter – Carlos Alexander / Dr. Wilhelm Reischmann, ein Arzt – Thomas Hemsley / Toni Reischmann, sein Sohn – André Turp / Elisabeth Zimmer – Elisabeth Söderström / Carolina, Gräfin von Kirchstetten, Mittenhofers Sekretärin – Kerstin Meyer / Hilda Mack, eine Witwe – Dorothy Dorow / Josef Maurer, ein Bergführer – John Kentish / The Royal Philharmonic Orchestra / Dirigent: John Pritchard / Ausstattung: Lila De Nobili / Regie: Günther Rennert (Glyndebourne, Festival Theatre, 13. 7. 1961)


    Der Süddeutsche Rundfunk Stuttgart erteilte Hans Werner Henze 1959 den Auftrag zur Komposition dieser Oper für die Schwetzinger Festspiele, wo sie als „Elegie für junge Liebende“ in der deutschen Fassung von Ludwig Landgraf unter Mitarbeit von Henze und Werner Schachteli am 20. 5. 1961 in einer Produktion der Bayerischen Staatsoper (Dirigent: Heinrich Bender / Regie: Hans Werner Henze) mit Dietrich Fischer-Dieskau, Karl Christian Kohn, Friedrich Lenz, Ingeborg Bremert, Lilian Benningsen, Eva Maria Rogner und Hubert Hilten uraufgeführt wurde. Doch schon sieben Wochen später folgte in Glyndebourne die englische Erstaufführung mit dem Original-Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman. (Obwohl Kerstin Meyer Mitglied des Ensembles der Deutschen Oper Berlin war, sang sie die Carolina bei der Berliner Erstaufführung am 23. 9. 1962 nicht, sondern Martha Mödl. Erst später wurde sie dort in der Rolle der dem eitlen Dichter bedingslos verfallenen Sekretärin besetzt und sie wirkte damit auch beim Gastspiel der Deutschen Oper Berlin in Tokio 1966 mit – siehe das demnächst gepostete Verzeichnis der Fernseh-Aufnahmen mit Kerstin Meyer.)



    „Novae de infinito laudes“ (Henze): Elisabeth Söderström (Sopran), Kerstin Meyer (Alt), Peter Pears (Tenor) und Dietrich Fischer-Dieskau (Bariton) / Der Kölner Rundfunkchor / Chorltg.: Herbert Schernus / Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester / Dirigent: Hans Werner Henze (Venedig, Teatro La Fenice, 24. 4. 1963, Uraufführung. Zwei Tage später wurde das Werk auch in der gleichen Besetzung im Großen Sendesaal des Westdeutschen Rundfunks aufgeführt und live im Rundfunk übertragen.) Die 'Kantate für vier Solostimmen, einen gemischten Chor und Instrumente' entstand im Auftrag der London Philharmonic Society und enthält folgende Teile: Die Himmelskörper – Die vier Elemente – Der fortlaufende Umbruch – Die Freude liegt in der Bewegung – Der Sonnenaufgang – Das höchste Gut. Den Texten liegen Schriften des Priesters, Dichters und Philosophen Giordano Bruno zu Grunde, der auch zwei Jahre an der Universität von Wittenberg lehrte; er wurde am 17. 2. 1600 als 'Ketzer' öffentlich hingerichtet. An der Stelle des Scheiterhaufens auf dem Campo de' Fiori in Rom befindet sich heute ein berühmtes Denkmal



    „The Bassarids“ ('Die Bassariden') (Henze): Dionysos, Halbgott, Sohn des Zeus und der Semele – Loren Driscoll / Pentheus, neuer König von Theben – Kostas Paskalis / Agaue, Tochter des Kadmos und Pentheus' Mutter – Kerstin Meyer / Autonoe, ihre Schwester – Ingeborg Hallstein / Kadmos, der alte König von Theben, Vater der Semele und Großvater des Pentheus – Peter Lagger / Beroe, eine alte Sklavin, Amme des Pentheus – Vera Little / Teiresias, ein alter blinder Seher – Helmut Melchert / Ein Hauptmann der königlichen Wache – William Dooley / Personen des Intermezzos „Das Urteil der Kalliope“: Venus (Agaue) – Kerstin Meyer, Proserpina (Autonoe) – Ingeborg Hallstein, Kalliope (Teiresias) – Helmut Melchert, Adonis (Hauptmann) – William Dooley / Der Chor der Wiener Staatsoper / Chorltg.: Walter Hagen-Groll / Die Wiener Philharmoniker / Dirigent: Christoph von Dohnanyi / Das Ballett der Salzburger Festspiele / Choreographie: Deryk Mendel / Ausstattung: Filippo Sanjust / Regie: Gustav Rudolf Sellner (Salzburg, Großes Festspielhaus, 6. 8. 1966, Uraufführung – der Mitschnitt des ORF wurde von 'Orfeo' auf CD veröffentlicht.)


    Das Auftragswerk der Salzburger Festspiele – eine Oper in Form einer viersätzigen Symphonie mit einem Intermezzo – schrieb Hans Werner Henze (1926 - 2012) auf ein englisches Libretto von Wystan Hugh Auden und Chester Kallman, das in Salzburg in einer deutschen Übersetzung von Maria Bosse-Sporleder zur Uraufführung kam; Vorlage war das antike Schauspiel „Bakchai“ ('Die Bakchen') des Euripides aus dem Jahre 405 v. Chr. Oberflächlich zeigt es die Rache des Dionysos – auch Bakchos oder Bacchus genannt – an seinem Vetter Pentheus, dem jungen König von Theben, für die Abschaffung des Kultes um seine Mutter Semele; es ist aber auch als Sinnbild für den Konflikt der Unterdrückung des Eros, von Rausch und Ekstase, zu verstehen. Die neue Oper Henzes - die in Salzburg nur drei Mal aufgeführt wurde - sorgte damals für viel Aufmerksamkeit, wurde aber nur zögerlich nachgespielt; die Salzburger Inszenierung konnte bei den Berliner Festwochen (Premiere am 28. 9. 1966) trotz derselben Besetzung wegen der kleineren Dimension der Deutschen Oper Berlin gegenüber der 'Breitwand-Bühne' des Salzburger Festspielhauses nicht reüssieren.


    Erik Werba - der nicht nur Pianist, sondern auch Rezensent war - schrieb nach der Uraufführung in der „Österreichischen Musikzeitschrift“: „Singschauspielerischen Triumph feierte auf der Henze-Bühne die schwedische Altistin Kerstin Meyer als Pentheus' Mutter. Hier hatten die Autoren und der Komponist den Idealfall einer völlig auf das Werk eingestimmten Persönlichkeit zur Verfügung, die sich rückhaltlos und mit der nötigen 'Tuchfühlung' für das neue Werk eingesetzt hat.“ In einer Inszenierung mit fünf Vorstellungen (ab 26. 3. 1968) an der Mailänder Scala sang ebenfalls Kerstin Meyer (Agave/Venere) mit Jolanda Meneguzzer (Autonoe/Proserpina), Fedora Barbieri (Beroe), Loren Driscoll (Dionisio), Kostas Paskalis (Penteo), Paolo Washington (Cadmo), Mirto Picchi (Tiresia/Calliope) und Domenico Trimarchi (Il capitano della guardia/Adone); der Dirigent war Nino Sanzogno und der Regisseur Konrad Swinarski; die italienische Übersetzung stammte von Fedele D'Amico. (1992 unterzog Henze „The Bassarids“ - er bevorzugte den Originaltext von Auden und Kallman - einer grundlegenden Revision, wobei er das Intermezzo strich und den Orchestersatz deutlich reduzierte.)


    Viele Grüße!


    Carlo

    Lieber Rüdiger,


    die Aufnahmen im Archiv des Düsseldorfer Musikvereins sind nicht käuflich zu erwerben, können aber vor Ort im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf angehört werden.


    Lieber Maestro_Peter,


    vielen Dank für die Hinweise.


    Zu der Fernsehsendung der „Matthäus-Passion“ vom Karfreitag (?) 1962 habe ich keine Unterlagen. Am Karfreitag 1963 (12. 4.) dirigierte Kurt Thomas in der Stadtkirche Friedberg (Taunus) eine gekürzte TV-Version der „Johannes.Passion“ mit Ingeborg Reichelt, Marga Höffgen, Helmut Krebs (Evangelist), Rolf Bössow (Tenor-Arien), Heinz Rehfuss (Jesus), Jakob Stämpfli (Bass-Arien) und Friedhelm Hessenbruch (Pilatus); es sang die Frankfurter Kantorei und es spielte das Frankfurter Bachorchester. Die Regie hatte der Filmregisseur Rudolf Jugert.


    Auch von dem „Magnificat“ aus der Kathedrale Notre-Dame in Paris 1961 ist mir nichts bekannt. Nähere Angaben hierzu wie auch zu der „Matthäus-Passion“ von 1962 wären hilfreich.


    NACHTRAG:


    „Matthäus-Passion, BWV 244“ (J. S. Bach): mit Ingeborg Reichelt, Marga Höffgen, Josef Traxel (Evangelist), Louis Devos (Tenor-Arien), Heinz Rehfuss (Jesus) und Horst Günter / Christelijk Haags Knaapenkoor / Groot Omroepkoor / Chorltg.: Meindert Boekel / Radio Filharmonisch Orkest, Hilversum / Dirigent: Kurt Thomas (Utrecht, Geertekerk, 3. 4. 1958). Eine Live-Aufnahme der 'NCRV' (Nederlandse Christelijke Radio Vereniging) im Archiv des 'Nederlands Instituut voor Beeld en Geluid' in Hilversum. Dem überlieferten Tonband der von Kurt Thomas vollständig aufgeführten „Matthäus-Passion“ fehlen jedoch die Einleitung und die Partiturnummern 2 bis 18.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Liebe Josef-Traxel-Verehrer,


    nun geht es weiter mit dem Tenor als 'Bach-Sänger' - zusätzlich zu den bisher genannten Aufnahmen mit Werken des Thomas-Kantors:

    „Schweigt stille, plaudert nicht!, BWV 211“ ('Kaffeekantate') (J. S. Bach): Lieschen - Lisa Otto / Schlendrian - Dietrich Fischer-Dieskau / Erzähler – Josef Traxel / Karheinz Zöller (Flöte), Irmgard Poppen (Cello) und Heinz Friedrich Hartig (Cembalo) / Die Berliner Philharmoniker / Dirigent: Karl Forster (Berlin, Grunewaldkirche, 8. - 9. 10. 1960) 'Electrola' E 80 618 (mono) und STE 80 618 (stereo), gekoppelt mit der „Bauern-Kantate, BWV 212“ (ohne die Mitwirkung Josef Traxels). Ich habe die Originalplatte (mit einem schönen Foto von Lisa Otto als 'Lieschen' beim Genuss einer Tasse Kaffee) wie auch die Wiederveröffentlichung von 1974 unter 'Electrola' 1 C 063-29014.


    „Magnificat, BWV 243“ (J. S. Bach): mit Agnes Giebel, Trude Rösler, Rut Siewert, Josef Traxel und August Messthaler / Der Südfunk-Chor Stuttgart / Chorltg.: Hermann Josef Dahmen / Das Sinfonieorchester des Süddeutschen Rundfunks / Dirigent: Hans Müller-Kray (Stuttgart, Villa Berg, 31. 12. 1953).

    dto.: mit Maria Stader, Marga Höffgen, Josef Traxel und Gerd Nienstedt / Les Choeurs et l' Orchestre Philharmonique de l' ORTF / Dirigent: Karl Münchinger (Paris, Théâtre des Champs-Élysées, 18. 6. 1964).


    „Matthäus-Passion, BWV 244“ (J. S. Bach): mit Agnes Giebel, Lore Fischer, Josef Traxel, Gerd Nienstedt (Jesus) und Ernst Wiemann / Ingrid Stieber (Orgel) / Günter Radeberg (Cembalo) / Maîtrise d' enfants de la RTF / Die Frankfurter Singakademie / Günter Radeberg (Cembalo) und Ingrid Stieber (Orgel) /L' Orchestre Symphonique de la RTF / Chorltg. und Dirigent: Ljubomir Romansky (Paris, Salle Pleyel, 8. 4. 1957). Veröffentlicht auf 2 CDs der Firma 'St.-Laurent Studios' aus Canada (YSL T-265). (Ein stark gekürzter Mitschnitt).

    dto.: mit Agnes Giebel, Lore Fischer, Josef Traxel, Erich Wenk (Jesus) und Helmut Fehn / Maîtrise d' enfants de la RTF / Der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf / Chorltg.: Hartmut Schmidt / L' Orchestre Symphonique de la RTF / Dirigent: Ljubomir Romansky (Paris, Salle Pleyel, 9. 4. 1959, Dauer: 105 Minuten). 'Schallarchiv des Düsseldorfer Musikvereins, Vol. 85' (2 CDs).

    dto.: mit Maria Stader, Margrit Caspari, Josef Traxel, Donald Bell (Jesus) und Lawrence Winters / Les Petits Chanteurs de Saint-Michel de Paris / Der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf / Chorltg.: Hartmut Schmidt / L' Orchestre Lyrique de l' ORTF / Dirigent: Ljubomir Romansky (Paris, Salle Pleyel, 23. 4. 1965) 'Schallarchiv des Düsseldorfer Musikvereins, Vol. 87' (2 CDs). Es ist das letzte Tondokument des großartigen Bass-Baritons Lawrence Winters, der am 24. 9. 1965 mit nur 46 Jahren starb.


    Anmerkung: Josef Traxel sang in meiner Heimatstadt Düsseldorf auch den Evangelisten und den Tenorpart in Aufführungen der „Johannes-Passion“ (am 11. und 12. 4. 1963 mit Leonore Kirschstein, Eva Bornemann, Theo Adam als 'Jesus' und Hans-Olaf Hudemann unter der Leitung des Chorleiters des Kölner Rundfunk-Chors, Bernhard Zimmermann) und der „Matthäus-Passion“ (am 8. und 9. 4. 1965 mit Stefania Woytowicz, Hertha Töpper, Theo Adam als 'Jesus' und Lawrence Winters unter Ljubomir Romansky). Es spielten jeweils die Düsseldorfer Symphoniker und es sang der Chor des Düsseldorfer Musikvereins; leider befinden sich in dessen Tonarchiv keine Mitschnitte dieser Konzerte.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo, 'udohasso'!


    Willkommen im „Tamino-Klassikforum“! Schön, dass Du an Liane Synek erinnerst.


    Ich habe von 'Melodram' aus der zweiten Serie von „25 Voci celebri della lirica“ ein dieser Sängerin gewidmetes LP-Doppelalbum (MEL 664 / 1984) mit folgendem Inhalt:


    „Turandot“ (Puccini): In diesem Schlosse vor vielen tausend Jahren... / mit Eugene Tobin (Kalaf), Wilhelm Otto (Altoum) und dem Chor der Bühnen der Stadt Köln / Dirigent: Peter Lacovich / Köln 1963 (1)

    „Tosca“ (Puccini): Ha! Geleit für Floria Tosca!... Nur deinetwegen wollt' ich noch nicht sterben / mit Eugene Tobin (Cavaradossi) / Dirigent: Michael Hutterstrasser / Köln 1962 (1)

    „La forza del destino“ ('Die Macht des Schicksals') (Verdi): Die Wunden brennen fühl' ich nicht / mit dem Chor des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden / Dirigent: Wolfgang Sawallisch / Wiesbaden 1958 (2)

    „Der Rosenkavalier“ (Strauss): Da geht er hin, der aufgeblas'ne, schlechte Kerl – So schnell hat Sie ihn gar so lieb?... Marie Theres', wie gut Sie ist / mit Lia Montoya (Sophie) und Hanna Ludwig (Octavian) / Dirigent: Eugen Szenkar / Köln 1962 (1)

    „Elektra“ (Strauss): Elektra! Ah, das Gesicht!... Ich kann nicht sitzen und ins Dunkel starren so wie du! / mit Astrid Varnay (Elektra) / Dirigent: Ludwig Kaufmann / Wiesbaden 1964 (2)

    „Die Frau ohne Schatten“ (Strauss): Es gibt derer, die bleiben immer gelassen – Barak, ich hab' es nicht getan! / mit Ingeborg Exner (Kaiserin), Elisabeth Schärtel (Amme) und Caspar Bröcheler (Barak) / Dirigent: Siegfried Köhler / Köln 1963 (1)

    „Tiefland“ (d' Albert): Sein bin ich, sein! Sein Eigentum! / Dirigent: Rolf Ott / Berlin 1964 (3)

    „Don Giovanni“ (Mozart): Schon warf der Abend seinen Schleier hernieder... Du kennst nun den Frevler / mit Reinhold Bartel (Don Ottavio) / Dirigent: Heribert Esser / Wiesbaden 1958 (2)

    „Nabucco“ (Verdi): Ben io t'invenni, o fatal scritto... Anch'io dischiuso un giorno / mit Karl Acher (Hohepriester) / Dirigent: Heribert Esser / Wiesbaden 1959 (2)

    „Un ballo in maschera“ ('Ein Maskenball') (Verdi): Ich bin dir nah!... Ach, wie die süßen Worte mit Wonne mich durchbeben / mit Helge Rosvaenge (Riccardo) / Dirigent: Leopold Hager / Köln 1964 (1)

    „Lohengrin“ (Wagner): Elsa! Wer ruft? Bist du es, unglücklich' Weib?... Entweihte Götter! Helft jetzt meiner Rache! / mit Ingeborg Exner (Elsa von Brabant) / Dirigent: Peter Lacovich / Köln 1962 (1)

    „Die Walküre“ (Wagner): Hojotoho! Hojotoho! Dir rat' ich, Vater, rüste dich selbst – Siegmund! Sieh' auf mich! Ich bin's, der bald du folgen wirst / mit Bernd Aldenhoff (Siegmund) / Dirigent: Wolfgang Sawallisch / Wiesbaden 1959 (2)

    „Parsifal“ (Wagner): Gelobter Held! Entflieh' dem Wahn!... Grausamer! Ha! Fühlst du im Herzen nur anderer Schmerzen / mit Hans Hopf (Parsifal) / Dirigent: Heinz Wallberg / Wiesbaden 1962 (2)

    „Tristan und Isolde“ (Wagner): Herrn Tristan bringe meinen Gruß!... Schone du mich, untreue Magd! / mit Natalie Hinsch-Gröndahl (Brangäne) und Gerhard Misske (Kurwenal) / Dirigent: Ludwig Kaufmann / Wiesbaden 1962 (2)

    1 = Das Gürzenich-Orchester Köln / 2 = Das Orchester des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden / 3 = Das Orchester der Berliner Staatsoper

    Im Innern des Albums sind mehrere Rollenfotos zu sehen, u. a. Liane Synek zweimal als Brünnhilde mit Sieglinde-Partnerinnen in „Die Walküre“: einmal mit Régine Crespin und einmal mit Montserrat Caballé.


    Auf die „Jessonda“-Aufnahme von Radio Beromünster habe ich bereits im 'Josef-Traxel-Thread' hingewiesen:


    „Jessonda“ (Spohr): Jessonda – Liane Synek / Amazili – Sibylle Krumpholz / Nadori – Josef Traxel / Dandau – Heinz Rehfuss / Tristan d'Acunha – Fridolin Mosbacher / Pedro Lopez; Ein indischer Offizier – Fritz Peter / Der Radiochor Bern / Das Berner Stadtorchester / Dirigent: Christoph Lertz (Bern, Rundfunk-Studio, 28- - 29. 3. 1957)


    Ausserdem gibt es bei Radio Beromünster die einzige deutsche Gesamtaufnahme von Jakov Gotovacs „Ero der Schelm“:


    „Ero s onoga svijeta„ ('Ero der Schelm') (Gotovac): Marko – Gottfried Fehr / Doma – Waltraut Demmer / Djula – Liane Synek / Micha (Ero) – Zbyslaw Wozniak / Sima – Fridolin Mosbacher / Ein Hirtenknabe – Christian Gluhr / Der Radiochor Bern / Das Berner Stadtorchester / Dirigent: Nikolaus Aeschbacher (Bern, Rundfunk-Studio, Oktober 1956). Die Oper wurde im vorigen Jahr (in kroatischer Sprache) mit großem Erfolg vom Bayerischen Rundfunk konzertant im Münchner Prinzregententheater aufgeführt und liegt mittlerweile bei 'cpo' (Classic Production Osnabrück) auf CD vor!


    Und von Heinrich Marschner gibt es mit Liane Synek nicht nur „Hans Heiling“ und „Der Vampyr“, sondern auch die folgende Oper:


    „Der Templer und die Jüdin“ (Marschner): Rebecca – Liane Synek / Wilfried von Ivanhoe – Fritz Sperlbauer / Lucas de Beaumanoir -Walter Heinrich / Brian de Bois Guilbert – Georg Oeggl / Maurice de Bracy – Kurt Equiluz / Der schwarze Ritter (König Richard Löwenherz) – Kurt Dickl / Der Narr Wamba – Leopold Vobruba / Bruder Tuck – Hubert Trattnig / Der Wiener Tonkünstlerchor / Das Große Orchester der RAVAG (Radio-Verkehrs AG) / Dirigent: Kurt Tenner (Wien, Funkhaus, 18. - 20. 9. 1951). Diese stark gekürzte Rundfunkaufnahme – damals mit einem verbindenden Text gesendet, gesprochen von Elisabeth Kloiber - erschien zusammen mit italienisch gesungenen Ausschnitten aus Marschners „Der Vampyr“ (u. a. mit Ester Orel, Dora Gatta, Philip Maero, Renato Gavarini und Enrico Campi / Coro e Orchestra Sinfonico di Milano della RAI / Dirigent: Robert Heger / Mailand, Radiotelevisione Italiana, 4. 10. 1953) auf 2 CDs bei 'Myto'.


    Ich kenne einen Melomanen aus dem Raum Frankfurt, der sehr viele Mitschnitte von Liane Syneks Opernaufführungen hat; einige davon werde ich demnächst hier nennen.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Beim Lesen eurer Beiträge habe ich mich mit Freude an seine "Jugendjahre" erinnert, z.B. als "Billy" in Ro+Ha. "Carousel" und seinen Rossini-Figaro, der schon etwas "Wagnerisch" daherkam.


    Erich

    Lieber Erich,


    weißt Du, ob es von der Deutschen Erstaufführung von Richard Rodgers' „Carousel“ am 15. 10. 1972 in der Wiener Volksoper mit Bernd Weikl (Billy Bigelow), Hildegard Heichele (Julie Jordan), Dagmar Koller (Carrie Piggeridge) und Hugo Thimig (Sternwart) irgendwelche Ton- oder Filmdokumente gibt? Dies war ja, abgesehen von einem frühen Liederabend, das Wien-Debüt Bernd Weikls in seiner Geburtsstadt (aufgewachsen ist er im bayerischen Bodenmais, woher sein Vater stammte, und in Mainz), kurze Zeit nach dem Bayreuther „Tannhäuser“; der erste Auftritt an der Wiener Staatsoper - als 'Figaro' im „Barbier von Sevilla“ - folgte am 27. 12. 1972 an der Seite seines Düsseldorfer Rheinopern-Kollegen Karl Ridderbusch.


    Marcel Prawy hatte das Musical mit einem excellenten Produktionsteam (u. a. die legendäre Agnes de Mille, die schon die Uraufführung 1945 choreographierte, der früh verstorbene Dirigent Christopher Keene von der New York City Opera und der Theater- und Fernseh-Regisseur Dietrich Haugk) nach Wien geholt; doch schon nach 15 Vorstellungen war unbegreiflicherweise Schluss. An der Musik von Richard Rodgers – berühmt sind der „Carousel“-Waltz, Billys 'Selbstgespräch' „Soliloquy“, das Duett „If I loved you“ und das Lied „You'll never walk alone“ (ob die Fußball-Fans wissen, was sie da grölen?) - und auch an den Solisten kann es nicht gelegen haben. Vielleicht kam das damalige Wiener Publikum mit der für ein Musical ungewöhnlichen Handlung vom Karussell-Ausrufer, der bei einem Raubüberfall ums Leben kommt und nach 15 Jahren aus dem Himmel für einen Tag zurück auf die Erde darf, um seine - bei seinem Tod noch ungeborene - Tochter kennen zu lernen, nicht klar, obwohl sie ihnen durch die Vorlage (Franz Molnars „Liliom“) vertraut gewesen sein müsste. (Der Neu-Inszenierung an der Wiener Volksoper im März 2018 mit Daniel Schmutzhard war wohl mehr Glück beschieden?)


    In einem Interview mit der Münchner Zeitschrift „Oper und Konzert“ hat Bernd Weikl zu 'seiner' Rolle gesagt: „Ein Sänger von heute sollte in der Lage sein, so Verschiedenes zu gestalten. Er sollte über ein entsprechend weites Spektrum von Ausdrucksmöglichkeiten verfügen. Billy Bigelow ist sowohl eine große Sprechpartie wie auch eine viel fordernde Gesangspartie, dazu muss er tanzen, äusserst beweglich sein. Ich habe diese Partie als eine sehr schwere empfunden, schwerer als alle bisherigen Opernrollen, die ich gesungen habe. Allein schon der Monolog Billys enthält alle Möglichkeiten des Ausdrucks: singen, sprechen, schreien, jede Nuance eines Tones ist verlangt.“


    Ich habe ein LP-Doppelalbum von 'Preiser' (1975) „10 Jahre Musical im Theater an der Wien“ (u. a. mit der leider früh verstorbenen, wunderbaren Blanche Aubry, mit Josef Meinrad und Fritz Muliar im „Mann von La Mancha“, Marika Rökk in „Hello Dolly“, Yossi Yadin in „Anatevka“, Gabriele Jacoby und Josef Meinrad in „My Fair Lady“, Blanche Aubry und die ebenfalls großartige Violetta Ferrari in „Cabaret“, Julia Migenes und Michael Heltau in Udo Jürgens' „Helden, Helden“, Johannes Heesters in der Maurice-Chevalier-Rolle in "Gigi" und die unvergessene Susanne von Almassy in „Das Lächeln einer Sommernacht“ von Stephen Sondheim). Könnte man so etwas nicht auch mit den nicht weniger großartigen Musical-Produktionen vergangener Jahre an der Wiener Volksoper herausgeben? Oder gibt es das schon und ich bin ahnungslos?


    Viele Grüße nach Wien!


    Carlo

    Lieber Rüdiger,


    ich habe mir gerade die obengenannte Platte - die ich schon lange nicht mehr auf dem Teller hatte - angehört: bei mir ist die 'Florestan'-Arie komplett, einschließlich des Orchestervorspiels zum zweiten Akt des "Fidelio"! Da muss wohl ein Fehler bei der Überspielung passiert sein. (Ausserdem stimmt die Reihenfolge Deiner Arien nicht mit der Platte überein: Seite A: "Fidelio" und "Der Freischütz" - Seite B: "Zar und Zimmermann", "Martha", "Carmen" und "Der fliegende Holländer". Und es spielt das Rundfunk-Sinfonie-Orchester in Leipzig!) Die Arien aus "Martha", "Carmen" und "Zar und Zimmermann" habe ich auch auf einer 'Eterna'-EP mit der Nr. 5 20 045.


    Walter Geisler muss wohl das gewesen sein, was man früher einen 'deutschen Gebrauchstenor' nannte: keine besonders individuelle Stimmfarbe, saubere Töne mit leichter Verengung in der Höhe, Gesang ohne 'Stauen' (was mich z. B. an Rudolf Schock so stört), sehr gute Textverständlichkeit. Er muss ein guter, glaubhafter Darsteller gewesen sein; kein Wunder bei der harten "Felsenstein"-Schule.


    Carlo

    Hallo!


    Danke, Joseph II., dass Du wieder an Bernd Weikl erinnert hast. Die in diesem Thread bisher genannten Solo-Platten mit Bernd Weikl habe ich alle auch, allerdings fehlen zwei sehr schöne Schallplatten und beide sind m. W. bis heute nicht auf CD erschienen:


    „Lieder von Hugo Wolf, Hermann Reutter und Franz Liszt“ / Drei Mörike-Lieder: Der Tambour – Abschied – Fußreise (Wolf) / Drei Gesänge nach Gedichten von Friedrich Hölderlin: An die Parzen – Hälfte des Lebens – Abendphantasie (Reutter) / Drei Petrarca-Sonette: Benedetto sia 'l giorno, e 'l mese e l'anno – Pace non trovo e non ho da far guerra – In vidi in terra angelici costumi (Liszt) / Cord Garben (Klavier) / (Berlin, Studio Lankwitz, November 1974) 'Da Camera Magna' SM 90020 (LP, 1975)


    „Lieder von Richard Strauss“: Zueignung – Wie sollten wir geheim sie halten – Ach, Lieb, ich muss nun scheiden – Winternacht – Frühlingsgedränge – Breit' über mein Haupt – Nichts – Heimliche Aufforderung – Ruhe, meine Seele – Morgen – Cäcilie – Ach, weh mir unglückhaftem Mann – Für finfzehn Pfennige – Ich trage meine Minne – Nachtgang – Die Nacht – Geduld – Traum durch die Dämmerung – O süßer Mai / Cord Garben (Klavier) / 'Deutsche Grammophon Gesellschaft' 2531 076 (LP, 1978) Aufnahmedatum und -ort kann ich leider nicht nennen. Weiß einer der 'Taminos' das?


    Da fällt mir noch eine kleines Erlebnis mit Bernd Weikl ein. Als er noch ganz neu im Ensemble der Deutschen Oper am Rhein war – das erstemal hörte ich ihn dort am 31. 3. 1970 in der Titelrolle von „Zar und Zimmermann“ - habe ich mir am 15. 6. 1971 nach einer Aufführung von Händels „Deidamia“ ein Autogramm geben lassen. Ich hatte ein neues Autogramm-Buch, das ich alphabetisch anlegen wollte, gerade erst angefangen und ließ Bernd Weikl, dem Alphabet entsprechend, weit hinten unterschreiben. Er blätterte es durch, sah die vielen leeren Seiten und fragte etwas 'grantig': „Warum am Ende?“. Ich bin sonst nicht sehr schlagfertig, aber ich antwortete ihm mit dem Zitat „Die Letzten werden die Ersten sein!“, worauf er nur meinte: „Ihr Wort in Gottes Gehörgang!“ und sein Autogramm schrieb: 'Sehr herzlich als Phönix. "Achill unter den Mädchen"' (Unter diesem Titel wurde die "Deidamia" aufgeführt. Ich weiß auch noch, wie elegant er mal über eine Barriere gegenüber dem Düsseldorfer Opernhaus sprang, um die Straße zu überqueren.) Als ich ihm zehn Jahre später - am 1. 5. 1981 nach einer Vorstellung von Donizettis „Liebestrank“ (mit Sona Ghazarian, Peter Dvorský und Giuseppe Taddei unter Francesco Molinari-Pradelli) an der Wiener Staatsoper - davon erzählte, musste er laut lachen und meinte augenzwinkernd: „Da haben Sie ja Recht gehabt!".


    Carlo

    Hallo!

    In einem anderen Zusammenhang kam heute auch Walter Geisler zur Sprache. In meiner Schallplattensammlung habe ich folgende Aufnahmen:


    Seine Recital-Platte bei der 'Eterna' (Katalognr. 7 20 046 / 25 cm) wurde hier zwar schon mehrfach erwähnt, aber nicht genau benannt. Hier die Einzelheiten: „Fidelio“ - Gott! Welch Dunkel hier... In des Lebens Frühlinmgstagen / „Der Freischütz“ - Nein, länger trag' ich nicht die Qualen... Durch die Wälder, durch die Auen / „Zar und Zimmermann“ - Lebe wohl, mein flandrisch' Mädchen / „Martha“ - Ach, so fromm, ach, so traut / „Carmen“ - Hier an dem Herzen treu geborgen / „Der fliegende Holländer“ - Willst jenes Tag's du nicht dich mehr entsinnen / Das Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig / Dirigent: Horst Stein. (Aufgenommen ca. 1956).


    Der ebenfalls erwähnte „Lohengrin“-Querschnitt entstand 1958 für den 'Europäischen Phonoklub Stuttgart' mit Maud Cunitz (Elsa von Brabant), Alice Oelke (Ortrud), Walter Geisler (Lohengrin), Hellmut Gritzka (Friedrich von Telramund) und Peter Roth-Ehrang (Heinrich der Vogler) / Chor und Orchester der Städtischen Oper Berlin / Chorltg.: Hermann Lüddecke / Dirigent: Richard Kraus. Die Platte enthält folgende Ausschnitte: Vorspiel 1. Akt – Einsam in trüben Tagen... Du trugest zu ihm meine Klagen - Nun sei bedankt, mein lieber Schwan – Mein Herr und Gott, nun ruf' ich dich! – Euch Lüften, die mein Klagen – Gesegnet soll sie schreiten – Vorspiel 3. Akt – Treulich geführt ziehet dahin – Das süße Lied verhallt... Atmest du nicht mit mir die süßen Düfte... Höchstes Vertrau'n hast du mir schon zu danken – In fernem Land, unnahbar euren Schritten – Entsetzlich! Ha, der Schwan...Mein lieber Schwan! Ach, diese letzte traur'ge Fahrt / Veröffentlicht wurde die LP (30 cm) – eine der legendären Produktionen von Georg von Wysocki – unter dem Label 'Opera' (Katalognr. 1176) in mono und nach Übernahme von 'Bertelsmann' in stereo unter 'Baccarola' 77 039 ZR.


    Bisher nicht genannt wurde hier die Einspielung der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven mit Edith Lang, Maria von Ilosvay, Walter Geisler und Franz Crass. Artur Rother leitete die Hamburger Singakademie und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg. Die Aufnahme erschien 1959 beim 'Europäischen Phonoklub Stuttgart' unter 'Opera' mit den Nrn. 1181 (mono) und 1960 (stereo) .


    Es existiert auch ein Mitschnitt des „Freischütz“ mit Walter Geisler:


    „Der Freischütz“ (Weber). Ottokar – Gerhard Niese / Kuno – Erich Blasberg / Agathe – Anny Schlemm / Ännchen – Sonja Schöner / Max – Walter Geisler / Kaspar . Gerhard Frei / Ein Eremit . Herbert Rössler u. a. / Der Chor und das Orchester der Komischen Oper Berlin / Dirigent: Meinhard von Zallinger (Berlin, Komische Oper, 8. 11. 1955). Diese Inszenierung von Walter Felsenstein hatte am 9. 4. 1951 Premiere; es sangen Elfride Trötschel, Sonja Schöner, Walter Geisler und Gerhard Frei – der Dirigent war Heinz Gahlenbeck.


    Carlo

    Lieber Rüdiger,


    da ich die Sopranistin Sonja Schöner sehr verehre, habe ich diese EP ('Supraphon' SUK 30302) auch, allerdings mit einem anderen Cover (eine Felsformation). Bei 'Supraphon' gab es auch eine 25cm-LP (LPM 286) mit den von Dir genannten Titeln, wobei merkwürdigerweise die Ballade des Ännchen von dieser EP fehlt. (Diese Aufnahmen sind m. W. in der DDR nicht in den 'Eterna'-Katalog übernommen worden.) Die 'Telefunken'-Schelllackplatte mit Sebastian Hauser dürfte ca. 1952 erschienen sein.


    Die Aufnahmen entstanden vermutlich 1956 während des Gastspiels der Komischen Oper Berlin im Prager Smetana-Theater mit vier Aufführungen der „Freischütz“-Inszenierung Walter Felsensteins aus dem Jahre 1951; soviel ich weiß, sang da Walter Geisler den Max. Weshalb nichts von dieser Rolle von 'Supraphon' aufgenommen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. (Die Arie des Max mit Walter Geisler habe ich auf seinem Recital bei 'Eterna' (7 20 046) mit dem Rundfunk-Sinfonie-Orchester Leipzig unter Horst Stein.)


    Übrigens existiert ein Live-Mitschnitt des „Freischütz“ vom 8. 11. 1955 aus der Komischen Oper Berlin mit Anny Schlemm (Agathe), Sonja Schöner (Ännchen), Walter Geisler (Max), Gerhard Frei (Kaspar), Gerhard Niese (Ottokar), Herbert Rössler (Eremit) und Erich Blasberg (Kuno) / Dirigent: Meinhard von Zallinger. (Leider habe ich diese Aufnahme nicht.)


    Es geht hier aber um Sebastian Hauser. Vielleicht weiß 'Stimmenliebhaber', ob dieser Tenor mal an der Komischen Oper Berlin aufgetreten ist?


    Carlo

    Liebe Fans von Mario Lanza!


    „The Student Prince“ ('Alt Heidelberg') (MGM 1954) (Farbe, 107 Min.)


    mit Ann Blyth, Betta St. John, Evelyn Varden, Edmund Purdom, Edmund Gwenn, Louis Calhern, Szöke Szakáll, John Williams, John Ericson, John Hoyt, Richard Anderson u. a. / Regie: Richard Thorpe


    „The Student Prince“ aus dem Jahre 1954 wird von zahlreichen Mario-Lanza-Fans nicht zum Kanon seiner anderen sieben Spielfilme gerechnet, weil er hier nicht 'in persona' mitwirkt, sondern – wie es im Vorspann heißt - nur 'The singing voice of Mario Lanza' zu hören ist. Die am 2. 12. 1924 im Jolson Theatre in New York 'offiziell' uraufgeführte Operette dieses Titels schuf der österreichisch-ungarische Komponist Sigmund Romberg (1887 – 1951), der 1909 nach New York kam, in einer Bleistift-Fabrik arbeitete und nebenher in einem Café als Pianist tätig war. Schon ein Jahr später hatte er sein eigenes kleines Orchester und er begann, für Varieté-Revuen und New Yorker Theater (darunter mehrere des aus Litauen stammenden 'Theaterkönigs' Jacob J. Shubert) die Musik zu operettenartigen Bühnenstücken zu schreiben. 1917 hatte seine 17. Operette „Maytime“ ('Maienzeit'/492) erfolgreich Premiere, dem 1921 „Blossom Time“ ('Blütenzeit'/576 – derselbe Stoff wie Bertés „Das Dreimäderlhaus“ und basierend auf Franz Schuberts Melodien) und als 38. Operette „The Student Prince“ (608) folgten. Zwei Jahre später schloss sich „The Desert Song“ ('Das Lied der Wüste'/471) an, gefolgt 1928 von seiner 47. Operette „The New Moon“ (das ist der Name eines Schiffes/509); es folgten noch neun weitere Werke. (Die Zahlen geben die Aufführungen allein nur während des ersten 'Runs' in New York an; wie fast alle Broadway-Bühnenstücke wurde auch „The Student Prince“ zuerst in der amerikanischen 'Provinz' – hier z. B. Atlantic City und Philadelphia - 'ausprobiert'.) Achtzehn Monate und 608 Vorstellungen nach der New Yorker Premiere schickte Jacob. J. Shubert zehn Operetten-Kompanien mit diesem Werk durch die U. S. A.; Romberg gehört damit zu den meistaufgeführten Musiktheater-Komponisten des 20. Jahrhunderts. (Seit 1974 wurde das Werk in englischer Sprache mehrere Jahre lang im Hof der Schlossruine von Heidelberg zur Freude der amerikanischen Touristen aufgeführt - 1997 sogar mit Jonas Kaufmann in der Titelrolle, was einen Auftritt in Günter Wewels TV-Sendung „Kein schöner Land: Heidelberg“ zur Folge hatte.)


    „The Student Prince“ basiert auf dem bekannten Theaterstück „Alt Heidelberg“, das Wilhelm Meyer-Förster 1901 nach seiner eigenen Novelle schrieb und das schon zwei Jahre später in New York gespielt wurde. 1932 kam Rombergs Operette unter diesem Titel am Deutschen Schauspielhaus in Berlin zur deutschen Erstaufführung – Rudolf Schanzer und Ernst Welisch besorgten die deutsche Textfassung – aber schon kurze Zeit später wurden die Aufführungen verboten, weil Romberg nicht 'arisch' war. (Die Rollennamen der nachfolgend genannten Inhaltsangabe des Hollywood-Films sind teilweise nicht identisch mit jenen der vieraktigen Operette; das Drehbuch erzählt die Handlung wesentlich stringenter, verändert sie aber auch; z. B. fehlt hier die Beziehung der Prinzessin Johanna zu dem Hauptmann Tarnitz.) Angeblich wurden in der deutschen Filmversion von 1955 ("Alt Heidelberg") auch die englischsprachigen Original-Lieder des Films deutsch synchronisiert; da ich nur die amerikanische Fassung des Films kenne, kann ich auch nicht bestätigen, dass Josef Traxel – wie es auf einer Schallplattenhülle dieses Tenors heißt - für Mario Lanza die Titelpartie singt.


    Die Operette „The Student Prince“ ('Der Studentenprinz') spielt um 1900 in dem fiktiven deutschen Duodezstaat 'Karlsburg'. (Am Beginn des Films wird prompt Schloss Neuschwanstein als Residenz des Königs gezeigt!) Der Zwergstaat steckt in finanziellen Schwierigkeiten und es droht die Annektion durch das Deutsche Reich mit seinem (ungenannten) Kaiser. Daher soll der Erbprinz Karl (Purdom) die Prinzessin Johanna (St. John) aus dem benachbarten Königreich Nordhausen wegen ihrer millionenschweren Mitgift heiraten und man arrangiert ein erstes Kennenlernen. Die junge Dame, die mit ihrer Mutter (Varden) angereist ist, hat aber ihre eigenen Vorstellungen von ihrem zukünftigen Ehemann und sie findet Karl zu steif und wenig romantisch. Auf Rat seines Erziehers Dr. Juttner (Gwenn), der in jungen Jahren in Heidelberg studierte, reist der Prinz mit ihm und seinem Kammerdiener Lutz (Williams) nach Heidelberg, um dort als angeblicher Student das 'wahre' Leben kennenzulernen. Sie nehmen Unterkunft im Gasthof „Zu den drei goldenen Äpfeln“, das von Herrn Ruder (der auch vor dem Krieg in Deutschland bekannte Szöke Szakáll in seiner letzten Rolle) und seiner hübschen Nichte Kathie (Blyth) geführt wird. Das lockere Studentenleben – das Incognito Karls ,wird schnell gelüftet und es gibt sogar ein Duell mit einem adligen Studenten, dem Grafen von Asterburg (Ericson)– und die bald erwachende Liebe zu Kathie lassen in Karl den Plan reifen, dem Thron in Karlsburg zu entsagen.und mit Kathie nach Paris 'durchzubrennen'. Doch da wird er plötzlich nach Hause zurück befohlen, sein Großvater, König Ferdinand (Calhern), ist schwer erkrankt und Karl muss die Regierung übernehmen. Doch während in der Operette nach dem kurz danach erfolgten Tod des Monarchen Karl nur davon träumt, noch einmal nach Heidelberg zu reisen und Kathie wiederzusehen, tritt er im Film diese Reise tatsächlich an. Kathie und Karl lieben sich unverändert, doch die junge Frau gibt ihrem Geliebten, der nun ein König ist, zu verstehen, dass ihre Liebe wegen des Standesunterschiedes keine Zukunft hat und sie nehmen endgültig voneinander Abschied. („The Student Prince“ ist übrigens – einige Jahre vor Lehár – eine der wenigen Operetten ohne Happy-End.)


    Es ist merkwürdig, dass MGM Mario Lanza nicht schon früher in der Verfilmung einer der in America so beliebten Operetten und frühen Musicals (in der Nachfolge des 'Traumpaares' Jeanette McDonald/Nelson Eddy) einsetzte. Vielleicht lag es daran, dass die Kombination Kathryn Grayson/Mario Lanza wegen privater Disharmonie nicht funktionierte. Noch einmal versuchte man, Deanna Durbin für die weibliche Hauptrolle in „The Student Prince“ vor die Kamera zu locken – vergebens. Die dann vorgesehene Jane Powell („Seven Brides for Seven Brothers“) wurde vor Drehbeginn schwanger und man verpflichtete schließlich Mario Lanzas Partnerin aus „The Great Caruso“, Ann Blyth, die aber erst noch von der 'Universal Film' frei gekauft werden musste. (Während der fast einjährigen Drehpause von „The Student Prince“ heiratete Ann Blyth und war am Ende der Dreharbeiten auch schwanger.) Die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Verfilmung von Rombergs erfolgreichster Operette waren nach kleinen Startschwierigkeiten gegeben – doch dann machte Mario Lanza dem neuen MGM-Boss Dore Schary und dem Produzenten Joe Pasternak einen Strich durch die Rechnung.


    Durch seinen mit MGM geschlossenen (und damals in Hollywood üblichen) 'Knebelvertrag' – man regelte sogar das Privatleben der Stars, schrieb ihnen vor, mit wem sie Umgang haben, was sie in Interviews sagen dürfen, ja sogar wie sie sich kleiden - war Lanza zu diesem Film gezwungen, obwohl er sich in mentalen Schwierigkeiten befand (heute würde man von einer Depression sprechen), die er mit Tabletten zu beheben versuchte. Wie Ann Blyth – die im Juli 1952 mit Mario Lanza die Tonaufnahmen für „The Student Prince“ machte - in einem Interview der „Opera News“ erklärte, hatte der Sänger nach „Because You're Mine“ nur minimal zugenommen; seine großen Alkohol- und Gewichtsprobleme kamen erst nach dem Eklat mit MGM. Zu den Tonaufnahmen erschien der Tenor gut vorbereitet und man konnte bei manchen Stücken gleich den ersten 'Take' verwenden. Es hatte sich aber schon herumgesprochen, dass Mario Lanza mit der Wahl des aus Deutschland stammenden Regisseurs Curtis (Kurt) Bernhardt, dem der Ruf eines 'Zuchtmeisters' vorausging, nicht einverstanden war und er MGM vergebens gebeten hatte, Richard Thorpe („The Great Caruso“) einzusetzen.


    Curtis Bernhardt hatte darauf bestanden, bei den Tonaufnahmen anwesend zu sein, vermutlich weil er auf die musikalische Gestaltung Einfluss nehmen wollte. Er kritisierte Lanzas emphatischen Gesangsstil und verlangte von ihm mehr zurückhaltendes – nach seiner Meinung wohl 'aristokratisches' – Singen. (Tatsächlich hört man bei einigen Liedern, dass sich Lanza dieser Anweisung fügte und wie 'mit angezogener Handbremse' sang.) Doch schon nach zwei Drehtagen und mehreren Wortgefechten mit Bernhardt verließ der Tenor im August 1952 das Studio in Culver City und erschien nicht mehr am Filmset, worauf man zunächst einige Szenen, bei denen Mario Lanza nicht mitspielen musste, vorzog. Erst als MGM ihm drohte, eine Klage wegen Vertragsbruchs gegen ihn zu erheben, kam er zu einer Kostümprobe – nur hatte er in den wenigen Wochen derart 'zugelegt', dass man ihm sofort eine strikte Abmagerungskur verordnete, der er sich in Palm Springs unterzog.


    Als Lanza wieder, um etliche Kilos leichter, am Drehort erschien, geriet er wieder in Streit mit Curtis Bernhardt und er verärgerte den Produzenten Joe Pasternak derart, dass der MGM-Chef Dore Schary ihn fristlos 'feuerte' und wegen Vertragsbruchs 5 Millionen Dollar Schadenersatz einklagte. (Zudem benachrichtigte MGM nach amerikanischem Gesetz alle Konzertagenturen und Rundfunk- und Fernsehsender, dass dem Sänger bis zum Ausgang des Prozesses alle Honorare zu sperren seien.) Die Dreharbeiten wurden abgebrochen. Schließlich einigte man sich im Mai 1953 aussergerichtlich: die Klage wurde zurückgenommen und Lanza aus seinem Vertrag entlassen; im Gegenzug stimmte er zu, dass seine Tonaufnahmen für „The Student Prince“ in dem fertigen Film unentgeltlich verwendet werden durften. (Er war so clever gewesen, sich die Tonaufnahmen zu seinen früheren Filmen von MGM gesondert bezahlen zu lassen.) Die Ironie der Geschichte: Curtis Bernhardt wurde die Regie an dem Film entzogen und Richard Thorpe, um dessen Einsatz Mario Lanza ja gebeten hatte, nahm im August 1953 auf dem Regiestuhl Platz.


    Schwierig gestaltete sich die Suche nach einem neuen Hauptdarsteller; man wollte ganz bewusst kein bekanntes Gesicht, um die Illusion einer Einheit von Darsteller und Sänger zu vermitteln. Der Brite Edmund Purdom, der als Mitglied der „Vivien Leigh-Laurence Olivier-Company“ die USA mit Aufführungen von Shakespeare-Stücken bereiste, erschien den MGM-Verantwortlichen europäisch und 'aristokratisch' genug für die Rolle des jungen Thronfolgers zwischen Pflicht und Liebe. Der Schauspieler, der sich privat für klassische Musik und technische Tonreproduktion begeisterte – er arbeitete später freiberuflich als Ton-Ingenieur für die 'RCA' in Italien (u. a. Mozarts „Il re pastore“ mit Reri Grist und Lucia Popp) und entwickelte ein System zur Stereophonisierung monauraler Tonaufnahmen – studierte wochenlang den Gesang Mario Lanzas, um seinen Part lippensynchron darzustellen. Dem Vernehmen nach empfanden die meisten Zuschauer und Kritiker die Besetzung der Titelrolle mit Edmund Purdom als zwiespältig, obwohl es an seiner schauspielerischen 'Performance' nichts zu beanstanden gab. Aber ihm fehlt Lanzas Ausstrahlung und man fragt sich beim Ansehen des Films und beim Hören der berühmten Stimme unwillkürlich, wie Mario Lanza als „Student Prince“ gewirkt hätte.(Später wurde Purdom mehr durch seine Affären bekannt als mit seinen Filmen – z. B. „Sinuhe, der Ägypter“ mit Jean Simmons, Victor Mature und Peter Ustinov, „Der Tempel der Versuchung“ mit Lana Turner oder „Des Königs Dieb“ mit Ann Blyth, David Niven und Roger Moore.)


    Natürlich ist dieser Film von Rombergs „The Student Prince“ nicht mit der Aufzeichnung einer Bühneninszenierung dieser Operette zu vergleichen, zumal er von den 24 Nummern der Partitur nur 8 Titel - neu orchestriert von Maurice de Packh - enthält. Zusätzlich 'modernisierte' man das Libretto der ehemaligen Schauspielerin Dorothy Donnelly – die schon für Romberg den Text zu „Blossom Time“ geschrieben hatte – und beauftragte Nicholas Brodszky drei neue Nummern zu komponieren: „Summertime in Heidelberg“ (ein Duett für Kathie und Karl) und die Solos für den Tenor „Beloved“ ('Night was just a masquerade') und „I'll walk with God from this day on“. Mario Lanza ist ausserdem noch mit folgenden Titeln zu hören: das populäre Trinklied (mit Chor) „Drink! Drink! Drink“, die berühmten Serenade „Overhead the moon is beaming“, das Ensemble „Ergo bibamus“, das Duett Kathie – Karl „Deep in my heart, dear“, das Lied „Golden Days in the sunshine of a happy youth“ (in Wahrheit ein Duett Dr. Engel – Karl Franz) und das Duett Kathie – Karl „Just we two, if they knew“ (das im Original aber ein Duett von Princess Margaret und Captain Tarnitz ist; im Film heißt die spätere Verlobte des Prinzen 'Johanna' – ihre Rolle ist in der Operette wesentlich größer - und der Hauptmann Tarnitz, ein Verehrer der Prinzessin, kommt im Film überhaupt nicht vor). Ann Blyth singt gemeinsam mit Mario Lanza die schon erwähnten drei Duette und ihr großes Solo „Come, boys, let's all be gay, boys“; ein Chor von 'Studenten' (Jeff Alexander Choir) singt fröhlich „To the inn we're marching!“ und hebt zum traditionellen „Gaudeamus igitur, juvenes dum sumus“ (mit Mario Lanzas tenoraler Unterstützung) die Bierkrüge. Das MGM-Filmorchester dirigieren Constantine Callinicos (Vokalaufnahmen) und George Stoll (Filmmusik).


    Da ich auch ein großer 'Fan' der amerikanischen Operette und der 'klassischen' Musicals bin, habe ich auch mehrere Querschnitt-Aufnahmen von „The Student Prince“ im Regal stehen:


    Lauritz Melchior und Jane Wilson / Male Chorus and Orchestra / Dirigent: Victor Young (gekoppelt mit „The Vagabond King“ von Rudolf Friml mit Alfred Drake, Mimi Benzell und Frances Bible / Chorus and Orchestra / Dirigent: Jay Blackton ('Decca' 1949)


    Robert Rounseville, Dorothy Kirsten, Genevieve Warner, Clifford Harvuot, Wesley Dalton, Frank Rogier u. a. / Chorus and Orchestra / Dirigent: Lehman Engel ('Columbia' 1952)


    Mario Lanza und Elizabeth Doubleday / Chorus and Orchestra / Dirigent: Constantine Callinicos (gekoppelt mit Operetten- und Musical-Liedern) ('RCA' 1952)


    Mario Lanza und Norma Giusti / Chorus and Orchestra / Dirigent: Paul Baron (gekoppelt mit Operetten- und Musical-Liedern) ('RCA' 1959)


    William Lewis, Jeanette Scovotti, William Chapman, Saramae Endich, Mallory Walker, Peter Palmer, Robert Nagy und Lee Cass / Chorus and Orchestra / Dirigent: Lehman Engel (gekoppelt mit "No, No, Nanette" von Vincent Youmans mit Jeanette Scovotti, John Hauxwell, William Lewis und Bryan Johnson unter Lehman Engel) ('RCA' / 'Readers Digest' 1962)


    Jan Peerce, Roberta Peters, Giorgio Tozzi, Anita Darian, Lawrence Avery, James Wainner, Robert Regan, Robert Sands u. a. / The Merrill Staton Choir / An Orchestra / Dirigent: Franz Allers ('Columbia' 1963)


    Gordon MacRae, Dorothy Kirsten, Gerald Shirkey and Members of the Roger Wagner Chorale / The Roger Wagner Chorale / An Orchestra / Dirigent: Van Alexander ('Angel Records' 1978)


    Es gibt auch einen englischsprachigen Querschnitt mit Erik Geisen, Celia Jeffreys und Dieter Hönig sowie dem Chor und dem Orchester der Hamburgischen Staatsoper unter Stefan Gyártó bei 'Bayer Records' auf LP und CD. Diese Aufnahme habe ich nicht und auch nicht den Querschnitt von 1953 mit Gordon MacRae, Dorothy Warenskjold und Harry Stanton unter George Greeley bei 'Capitol'.


    Ausserdem habe ich die Produktion des WDR Köln von 2012 aufgenommen, die unter der Leitung des mit diesem Genre vertrauten Dirigenten John Mauceri das Werk im englischen Original, aber mit deutschsprachigen Künstlern (und gekürzten Dialogen) bringt. (Eine CD-Veröffentlichung davon erschien bei 'cpo'). Die Titelrolle singt der Tenor Dominik Wortig, der einige Jahre lang der 'Star' des Opernhauses Hagen war – ich habe ihn dort oft in großen anspruchsvollen Rollen erlebt – und der beim WDR mehrere Operetten-Gesamtaufnahmen eingespielt hat (teilweise bei 'Capriccio' veröffentlicht). Merkwürdigerweise hat seine Karriere nie den von seinen vielen Bewunderern erhofften Verlauf genommen, obwohl er mit bedeutenden Dirigenten Konzerte (hauptsächlich geistliche Musik) in ganz Europa gegeben hat. Mittlerweile hat er eine Gesangsprofessur am 'Leopold-Mozart-Zentrum' der Universität Augsburg und tritt noch gelegentlich im Konzertsaal auf, wie noch vor wenigen Wochen in Düsseldorf. Hier abschließend die genaue Besetzung:


    „The Student Prince“ (Romberg): Erbprinz Karl Franz von Karlsburg – Dominik Wortig / Dr. Engel, sein Erzieher – Frank Blees / Graf Hugo, Adjutant – Vincent Schirrmacher / Kathie, Zimmerwirtin im Gasthof „Drei goldene Äpfel“ – Anja Petersen / Gretchen, Bedienung im Gasthof „Drei goldene Äpfel“ - Arantza Ezenarro / Die Studenten: Graf Asterberg – Joan Ribalta, Detlef – Vincent Schirrmacher, Lucas – Wieland Satter / Prinzessin Margaret – Theresa Nelles / Hauptmann Tarnitz – Christian Sturm / Der WDR Rundfunkchor Köln / Chorltg.: David Marlow / Das WDR Funkhausorchester Köln / Dirigent: John Mauceri / Sprachregie: Sabine Müller (Köln, WDR-Funkhaus, 18. - 22. 6. 2012) 'cpo' (Classic Production Osnabrück) (2 CDs, 2016) Gesamtaufnahme in englischer Sprache mit dem Original-Libretto von Dorothy Donnelly.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Hallo, Rüdiger!

    Ich wusste nicht, dass von der „Tannhäuser“-Aufnahme Bänder (?) existieren. Die Angabe des DRA (Dauer: 117,24 Minuten) hatte ich auf die Gesamtlänge der damaligen Rundfunksendung bezogen, aber das scheint tatsächlich die Dauer der erhaltenen Teile zu sein. Eigenartig, dass noch niemand auf den Gedanken gekommen ist, die Fragmente zu veröffentlichen. Ist die Tonqualität vielleicht zu schlecht?


    Hallo, Stimmenliebhaber!


    Schon 1935 sang Kurt Böhme in einer Aufnahme des Reichsrundfunks Berlin den König René in Chaikovskiis „Legende von der blinden Yolanta“:


    „Iolanta“ (Chaikovskii): René, König von Neapel, Graf der Provence – Kurt Böhme / Yolanta, seine Tochter – Maria Cebotari / Robert, Herzog von Burgund – Hanns-Heinz Nissen / Graf Vaudemont, ein burgundischer Ritter – Peter Anders / Ebn-Jahia, ein maurischer Arzt – Rudolf Watzke / Almerik, Waffenträger des Königs – Heinz Matthéi / Bertram, Pförtner des Schlosses – H. Gauß / Marta, die Frau Bertrams, Yolantas Amme – Margarete Arndt-Ober / Brigitte und Laura, Yolantas Freundinnen – Tresi Rudolph und Irmi Overhof / Der Berliner Funk-Chor / Das Große Orchester des Reichssenders Berlin / Dirigent: Heinrich Steiner (Berlin, Haus des Rundfunks, 7. 4. 1935) Die Aufnahme gilt als verschollen und ist beim DRA nicht registriert. Meine Angaben beziehen sich auf eine Wiederholung im Reichssender Berlin am 17. 3. 1936 lt. der Funkzeitung „Berlin hört und sieht“ (Nr. 11 / 1936); Dauer der Sendung: 95 Minuten.


    Viele Grüße!


    Carlo

    Lieber Hans Preusse,


    willkommen bei "Tamino" und Danke für den Beitrag!


    Bezüglich der Schallplatten-Aufnahme Ernst Kozubs von jüdischen Gesängen (Beitrag Nr. 106) möchte ich nachtragen, dass ich zwar inzwischen Kontakt zum Kantor der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf aufgenommen habe, aber es aus Termingründen und der 'Corona'-Pandemie noch nicht zu einem grundlegenden Informations-Austausch gekommen ist. Ich werde die Angelegenheit aber weiter verfolgen.


    Carlo

    Hallo, 'greghauser2002' und 'Stimmenliebhaber'!


    Die Opern Giacomo Puccinis wurden an der Städtischen Oper Berlin während des 'Exils' im Theater des Westens tatsächlich kaum berücksichtigt. In den Jahren 1945 bis 1961 gab es nur drei Bühnenwerke Puccinis („La Bohème“, „Tosca“ und „Madame Butterfly“) zu sehen; die Premieren-Besetzungen waren wie folgt:


    „La Bohème“ mit Irma Beilke, Eva Carolan, Rudolf Schock, Herbert Brauer, Robert Koffmane und Wilhelm Lang / Dirigent: Hans Lenzer / Regie: Hans Stüwe (bekannt als Hauptdarsteller im Chaikovskii-Film „Es war eine rauschende Ballnacht“ mit Zarah Leander und Marika Rökk) (5. 2. 1949) (50 Aufführungen)


    „Tosca“ mit Carla Martinis, Sebastian Hauser, Josef Herrmann, Herber Brauer, Leopold Clam und Erich Zimmermann / Dirigent: Artur Rother / Regie: Adolf Rott (20. 11. 1952) (99 Aufführungen)


    „La Bohème“ mit Elisabeth Grümmer, Elfride Trötschel, Sebastian Hauser, Ernst Krukowski, Robert Koffmane und Wilhelm Lang / Dirigent: Wolfgang Martin / Regie: Günter Roth (6. 3. 1955) (80 Aufführungen)


    „Madame Butterfly“ mit Pilar Lorengar, Irene Dalis, Edda Moser (als Kate Pinkerton), Sándor Kónya, Ernst Krukowski,Karl-Ernst Mercker und Peter Roth-Ehrang / Dirigent: Christian Vöchting / Regie: Werner Kelch (27. 6. 1960) (28 Aufführungen – die Produktion wurde 1961 in das Repertoire der 'Deutschen Oper Berlin' übernommen.)


    Auch im neuen Haus an der Bismarckstraße gab es in den zehn Jahren seit der Eröffnung 1961 nur vier neue Produktionen von Puccini-Opern, diese – vor allem die „Tosca“ - wurden aber häufig gespielt:


    „La Bohème“ (in Doppelbesetzung) mit Pilar Lorengar-Evelyn Lear, Lisa Otto-Catherine Gayer, James King, William Dooley-Ingvar Wixell, Manfred Röhrl-Robert Koffmane und Peter Lagger-Ivan Sardi / Dirigent: Heinrich Hollreiser / Regie: Boleslav Barlog (Premiere am 17. und 22. 12. 1963) (James King sang in beiden Premieren.)


    „Turandot“ mit Gladys Kuchta, Annabelle Bernard, James King, Peter Lagger, Barry McDaniel, Martin Vantin, Loren Driscoll und Helmut Krebs / Dirigent: Heinrich Hollreiser / Regie: Margherita Wallmann (Premiere am 6. 2. 1965)


    „Tosca“ mit Pilar Lorengar, Franco Tagliavini, Ingvar Wixell, José van Dam, Ernst Krukowski und Fernando Barrera / Dirigent: Lorin Maazel / Regie: Boleslav Barlog (Premiere am 13. 4. 1969) (Davon habe ich einen CD-Mitschnitt von 'Bella Voce' aus den Niederlanden.)


    „Manon Lescaut“ mit Pilar Lorengar, James King, William Murray, Bengt Rundgren und Loren Driscoll / Dirigent: Lorin Maazel / Regie: Boleslav Barlog (Premiere am 25. 2. 1971)


    Carlo

    Hallo!


    „Deutsche Sprache – schwere Sprache!“ Soweit ich das in der Schule gelernt habe, ist das „ß“ - 'Eszett' oder 'scharfes S' genannt und in Groß- wie in Kleinschreibung gleich aussehend – eine Ligatur aus „s“ und „z“ und dient hauptsächlich lautmalerischen Zwecken; dieser Buchstabe „ß“ wird nur in der deutschen Sprache verwendet. (Dass wir heute noch das „ß“ benutzen, geht übrigens auf Adolf Hitler zurück, der bei einer Rechtschreibreform 1941 – als z. B. für Druckerzeugnisse die 'Fraktur'-Schrifttype abgeschafft und die heutzutage gebräuchliche 'Antiqua' eingeführt wurde – auf der Beibehaltung des kleinen „ß“ bestand.)


    Auf den im „Stimmen....“-Heft abgedruckten Programmzetteln – u. a. von den Opern „Li-Tai-Pe“ von Clemens von Frankenstein (München 1925), „Das Himmelskleid“ von Ermanno Wolf-Ferrari (Uraufführung, München 1927), „Sly“ desselben Komponisten (München 1929) und „Aida“ (Wien 1930) – wird der Name des Tenors in der damals gebräuchlichen Frakturschrift stets mit 'Krauß' gedruckt.


    Auch in zwei im „Stimmen...“-Heft abgebildeten Unterschriften des Sängers (eine davon mit einer herrlichen Karikatur) sehe ich eindeutig ein „ß“, das mit dem im Beitrag Nr. 17 gezeigten "Schluss-s" keine Ähnlichkeit hat. Interessanterweise sind die Namen von Richard Strauss und Clemens Krauss auf einem Münchner Programmzettel von „Der Rosenkavalier“ (6. 3. 1937 mit Fritz Krauß als 'Sänger') in Fraktur ebenfalls mit „ß“ zu sehen, obwohl sich beide in Schreibschrift ('Kurrent') mit „ss“ schrieben. Wahrscheinlich haben sich der Komponist und der Dirigent für diese Schreibweise entschieden, weil das “ß“ auf internationalen Schreibmaschinentastaturen nicht vorkam und man statt dessen zweimal das „s“ tippen musste. (Es gab noch Anfang der 70er Jahre Schreibmaschinen mit verschiedenen Tastaturen für einzelne europäische Sprachen, ehe man sich auf die sogenannte Euro-Tastatur einigte. Ich weiß noch, wie schwierig es war, auf einer englischen Schreibmaschine 'blind' zu tippen, wenn man das auf einer deutschen Tastatur gelernt hatte.) Einigen wir uns also darauf, dass beide Schreibweisen gültig sind.


    Nun zurück zu Fritz Krauß (egal, ob mit „ß“ oder „ss“) - es gab zwei verschiedene „Tannhäuser“-Aufnahmen mit seiner Mitwirkung.


    „Tannhäuser“ (Wagner): Landgraf Hermann – Sven Nilsson / Tannhäuser – Fritz Krauß / Wolfram von Eschenbach – Karl Schmitt-Walter / Walther von der Vogelweide – Rudolf Dittrich / Biterolf – Richard Bitterauf / Heinrich der Schreiber – Max Oßwald / Reinmar von Zweter – Alexander Welitsch / Elisabeth – Trude Eipperle / Venus – Inger Karén / Ein junger Hirt – Ein 'Regensburger Domspatz' / Der Chor und das Orchester des Reichssenders Stuttgart / Dirigent: Carl Leonhardt (Stuttgart, 24. 10. 1937)

    dto.: Landgraf Hermann – Kurt Böhme / Tannhäuser – Fritz Krauß / Wolfram von Eschenbach – Karl Schmitt-Walter / Walther von der Vogelweide – Helmut Melchert / Biterolf – Burchard Kaiser / Heinrich der Schreiber – Georg Gut / Reinmar von Zweter – Otto von Rohr / Elisabeth – Maria Reining / Venus – Marta Fuchs / Ein junger Hirt – Elisabeth Schwarzkopf / Die Berliner Solistenvereinigung Waldo Favre / Der Berliner Funk-Chor / Das Große Orchester des Reichssenders Berlin / Dirigent: Heinrich Steiner / Spielleitung: Leopold Hainisch (Berlin, 23. 4. 1938)


    Carlo

    Liebe Melomanen,


    von diesem äusserst vielseitigen Sänger habe ich ein LP-Album der 'Acanta' (DE 23.323/24 / 2 LPs / 1980) mit folgenden Opern-Ausschnitten bzw. Arien:


    „Die Walküre“ (Wagner): Ein Schwert verhieß mir der Vater - Siegmund heiß' ich und Siegmund bin ich (mit Maria Reining / Dirigent: Carl Leonhardt / 3. 4. 1938)


    „Tannhäuser“ (Wagner): Dir töne Lob ! Die Wunder sei'n gepriesen... Dank deiner Huld - Stets soll nur dir, nur dir mein Lied ertönen - Den Gott der Liebe sollst du preisen (mit Inger Karén, Trude Eipperle und Karl Schmitt-Walter / Dirigent: Carl Leonhardt / 24. 10. 1937)


    „Die Meistersinger von Nürnberg“ (Wagner): Morgenlich leuchtend (Orch. und Dirigent: NN) *


    „Martha“ (von Flotow): Wie das schnattert, wie das plappert... Ja, seit früher Kindheit Tagen - Drum pflück' ich, o Rose... Ach, so fromm, ach, so traut - Hier im Grün der schatt'gen Bäume... Mag der Himmel euch vergeben - Der Lenz ist gekommen... Diese Hand, die sich gewendet (mit Erna Berger, Emma Mayer, Bruno Müller und Georg Wieter / Dirigent: Gustav Görlich / 30. 11. 1935)


    „Alessandro Stradella“ (von Flotow): Jungfrau Maria, himmlisch Verklärte (Orch. und Dirigent: NN) *


    „Zar und Zimmermann“ (Lortzing): Lebe wohl, mein flandrisch' Mädchen (Orch. und Dirigent: NN) *


    „Die Perlenfischer“ (Bizet): Nadir, sprich, wie erging es dir... Der Tempel Brahmas strahlt - Hör' ich die Stimme im Traum... Mir träumt von jener Zeit - Gott, sie ist's, Leila! Leila! - Der Freund hat befreit... Seht doch, seht! (mit Felicie Hüni-Mihacsek, Mathieu Ahlersmeyer und Georg Hann / Dirigent: Gustav Görlich / 21. 12. 1936)


    „Carmen“ (Bizet): Ich seh' die Mutter dort (mit Maria Reining / Dirigent: Gustav Görlich / 10. 5. 1936)


    „Faust“ (Gounod): Gegrüßt sei mir, o heil'ge Stätte (Orch. und Dirigent: NN) *


    „Lucia di Lammermoor“ (Donizetti): An des Todes heil'ger Stätte - Ihr Gräber meiner Ahnen... Auf zu dir, verklärter Engel (mit Gertrud Callam und Hans Ducrue / Dirigent: Gustav Görlich / 1. 3. 1936)


    „La Traviata“ (Verdi): Entfernt von ihr... Ach, ihres Auges Zauberblick (Orch. und Dirigent: NN) *


    „Rigoletto“ (Verdi): Ich seh' die heißen Zähren (Orch. und Dirigent: NN) *


    „Tosca“ (Puccini): Wie sich die Bilder gleichen (Orch. und Dirigent: NN) *


    * = Aufnahmen aus den Jahren 1922/1923 von der 'Vox Schallplatten- und Sprechmaschinen-AG, Berlin'. / Die Aufnahmen unter Carl Leonhardt und Gustav Görlich entstanden beim Reichssender Stuttgart.


    Dem Tenor, der sich auch in Autogrammen stets 'Krauß' schrieb ('Krauss' wurde nur für Versalien benutzt!), ist auch ein 'Heft' (Nr 22 / 1988 - gekoppelt mit Viorica Ursuleac) der Reihe „Stimmen, die um die Welt gingen...“ gewidmet, mit Beiträgen der inzwischen verstorbenen Jürgen Grundheber (München) und Siegfried Augustin (Bad Reichenhall) sowie von Ulrich Dahmen (damals Hamburg, heute Düsseldorf).


    Ausführlich genannt werden dort folgende Opern in Rundfunk-Produktionen (Gesamtaufnahmen und Szenenfolgen) in chronologischer Reihenfolge: „La Gioconda“, „A basso porto“ (Spinelli), „Der Vampyr“, „Мartha“ , „Lucia di Lammermoor“, „Carmen“, „Die Perlenfischer“, „Titus“, zweimal „Tannhäuser“, „Вoris Godunow“, „Rodelinda“, „Die Walküre“ und „Die Jahreszeiten“ (Haydn); es ist aber zweifelhaft, ob alle diese Aufnahmen noch vorhanden sind. Ein Rollenverzeichnis im „Stimmen...“-Heft nennt 104 verschiedene Hauptrollen in 25 Jahren!


    Viele Grüße!


    Carlo

    NACHTRAG zu den oben genannten Operetten-Titeln:


    Da ich gerade für den Thread „Mario Lanza und seine Filme“ an einem Beitrag über den Film „The Student Prince“ schreibe, möchte ich an meinen Beitrag Nr. 110 erinnern, wo ich drei Operettenfilme mit Josef Traxel (als Playback-Sänger) genannt habe:


    „Der letzte Walzer“ (von Oscar Straus) mit Eva Bartok, Christl Mardayn, Curd Jürgens, O. E. Hasse, Siegfried Breuer und Rudolf Schündler / Regie: Arthur Maria Rabenalt (1953). Ich habe diesen Film vor einigen Jahren im TV gesehen, ihn aber leider nicht aufgezeichnet; ich weiß noch, dass man zu Beginn Oscar Straus als Dirigent gezeigt hat. Als Sängerin für Eva Bartok hatte ich damals Sári Barabás vermutet, den Sänger für Curd Jürgens hatte ich nicht erkannt und ich habe nun meine Zweifel, ob es tatsächlich Josef Traxel ist, wie Wolf-Eberhard von Lewinski in einem Schallplattentext geschrieben hat. (Ich werde versuchen, an diesen Film zu kommen und werde dann berichten.)


    „Der Vogelhändler“ (Carl Zeller) mit Ilse Werner, Eva Probst und Gerhard Riedmann / Regie (auch hier): Arthur Maria Rabenalt (1953). Dem Film liegt die Gesamtaufnahme der Operette durch den Bayerischen Rundfunk vom 29. 9. 1952 mit Trude Eipperle, Lucia Wehr und Josef Traxel (Dirigent: Werner Schmidt-Boelcke) zu Grunde, die auch für eine Fernseh-Inszenierung (Sendung am 14. 2. 1956) mit Ruth Kappelsberger, Chrisitiane Maybach und Ferry Gruber verwendet wurde (die komplette Besetzung der Rundfunkaufnahme habe ich im Beitrag Nr. 117 genannt).


    „The Student Prince“ ('Alt Heidelberg') von Sigmund Romberg. Hierzu kann ich mich auch nur auf die Angaben von Wolf-Eberhard von Lewinski stützen, da ich die deutsche Version des Films mit Mario Lanza noch nie gesehen habe. (Ich habe lediglich das deutsche Film-Programm dazu, aber dort hat man früher die Namen der Synchronsprecher und die der Playback-Sänger höchst selten genannt, um den Kinobesuchern die Illusion zu geben, als habe – wie z. B. im „Letzten Walzer“ - Curd Jürgens nicht nur eine sonore Sprechstimme, sondern auch eine wunderbare Singstimme gehabt.)


    Inzwischen habe ich in einer alten Rundfunkzeitung noch eine weitere Operetten-Aufnahme mit Josef Traxel gefunden:


    „Der Pechpoet“ (Perak): mit Gabriele Reismüller, Wilma Hummel, Liesl Karlstadt, Josef Traxel, Willy Rösner und Rudolf Vogel / Der Chor des Bayerischen Rundfunks / Chorltg.: Josef Kugler / Das Münchner Rundfunkorchester / Dirigent: Werner Schmidt-Boelcke (Sendung im Bayerischen Rundfunk am 15. 7. 1949). Es handelt sich hierbei um ein 'Singspiel' des österreichischen Operetten- und Filmkomponisten Rudolf Perak (1891 – 1972); das Libretto stammt von Kurt Longa.


    Weiter geht es demnächst mit Josef Traxel in Konzert- und Lieder-Aufnahmen.


    Carlo

    Hallo!


    Wirklich interessant, die blutjunge Anna Netrebko hier in der 'Schäferszene' aus Chaikovskiis „Pique Dame“ zusammen mit zwei Kollegen 1989 in Dresden zu sehen. Danke, Orfeo, für diesen Video-Clip!


    Noch vor ihrem Gastspiel in San Francisco mit „Ruslan und Liudmila“ - die TV-Aufzeichnung wurde ursprünglich auf „arte“ gesendet und lief schon mehrere Male auf „Classica“ - trat Anna Netrebko 1994 beim Schleswig-Holstein-Musikfestival auf: als Gräfin in „Figaros Hochzeit“! Ich habe es mir erspart, diesen Thread 'durchzuackern' und weiß deshalb nicht, ob die nachstehend genannte Aufnahme darin schon enthalten ist:


    „Le nozze di Figaro“ (Mozart): Il conte d'Almaviva – Vassili Gerello / La Contessa – Anna Netrebko / Susanna – Margarita Alaverdian / Figaro – Nikolai Putilin / Cherubino – Lia Shevtsova / Don Basilio – Konstantin Pluzhnikov / Dottor Bartolo – Gennadi Bezzubenkov / Marcellina – Svetlana Volkova / Antonio – Iuri Shkliar / Barbarina – Olga Trifonova / Don Curzio – Konstantin Pluzhnikov / Khor i Orkestr Mariinski Teatr Sankt-Peterburg* / Dirigent: Justus Frantz (Stadeum, Stade, 5. - 7. 8. 1994) 'OSA' 21940.4.2.-1(Original Sound Approach Musikproduktion, Ammersbek) (1 CD, BRD 1994) *Kein Tippfehler, die Metropole schreibt sich im Russischen ohne 's' und mit Bindestrich.


    Diese Arien- und Szenenauswahl (71,43 Min.) ist also auch ein frühes akustisches Dokument der Stimme Anna Netrebkos, noch dazu in einer Rolle, die sie später m. W. nicht mehr gesungen hat. (Bereits hier – Netrebko stand da kurz vor ihrem 23. Geburtstag – ist ihre große Musikalität und ihre Fähigkeit zum musikalischen Ausdruck zu konstatieren, aber die uns so vertraute Stimmfarbe ist nur im Piano erkennbar. Und gelegentlich gibt sie – wie in der zweiten Arie - etwas zuviel Druck. Aber auch die anderen Mitwirkenden sind hervorragend und beherrschen den Mozart-Stil ausgezeichnet.)


    Live gehört habe ich Anna Netrebko nur einmal, u. z. als sie am 27. 11. 2012 in der Essener Philharmonie (Parkett, 13. Reihe, Euro 239,00! - das war ein Geschenk, sonst wäre ich nicht hingegangen; so lieb und teuer ist mir die Netrebko denn nun doch nicht) die Titelrolle in Chaikovskiis „Iolanta“ sehr bewegend sang; ein Konzert, das von der 'DGG' mitgeschnitten wurde und das ich als klangliches Souvenir auf CD habe.


    Carlo

    Hallo,


    anscheinend hat sich niemand den Film „The Opera House“ bei 'metopera' angesehen, der nicht zuletzt auch eine Hommage an Leontyne Price ist.


    Die hochbetagte Sängerin wirkte in den vielen Statements zu ihrer Karriere und ihrem Wirken an der Metropolitan Opera erstaunlich frisch und kommunikativ. (Wie bei vielen 'älteren' Damen hat ihre helle, mädchenhafte Sprechstimme eine gutturale, sehr dunkle Färbung bekommen und auch die Art ihres früher schnellen, manchmal sich verhaspelnd anhörenden, Sprechens hat sich verändert.) Auch gab es keine Spur von 'over-sophistication', das manche ihrer Interviews in den 70er und 80er Jahren auszeichnete. (In Werner Baeckers „New York, New York“-Reportagen aus den 60er Jahren wirkt sie wie ein bescheidenes, nettes 'Girl-next-door' und keinesfalls wie eine Primadonna.)


    Wohl im Zuge der „Black is beautiful“-Bewegung und dem erwachenden Selbstbewusstsein der farbigen US-Bürger, wandelte sich 'Leontyne the humble' zu 'Leontyne the proud' und vor diesem Hintergrund sind manche ihrer Äußerungen zu verstehen. Deutlich ist in dem genannten Film ihr Stolz zu spüren, der Oper in America zu Ansehen und Achtung verholfen, ihrem Land gedient und es 'geschafft' zu haben. Als sie dem Hamburger „Opernglas“ (Oktober 1996) ein langes Interview gab, wurde die Sängerin in einigen darauf folgenden Leserbriefen als arrogant und chauvinistisch beurteilt.


    Ich kenne mehrere ihrer Interviews aus der „Opera News“ und weiß, dass man manche ihrer leicht provokativ klingenden Statements ihrem ausgeprägten Hang zur Selbstironie zurechnen muss. (Beispielsweise erzählte sie einmal, dass sie gelegentlich eine Platte von sich auflegt, ein Glas Champagner erhebt und ihrer Stimme zuprostet. Und immer hat sie ihrer Dankbarkeit Ausdruck gegeben, eine solche Stimme zu haben.) In Wahrheit ist sie herzlich, offen und sehr humorvoll. Zwei von vielen Anekdoten, die es über sie gibt, möchte ich hier wiedergeben:


    Leontyne Price wurde in einem Kaufhaus von einer Kundin verfolgt: „Ich kenne Sie! Ich kenne Sie aus dem Fernsehen! Sie sind Joan Sutherland!“ Leontyne zeigte ihr strahlendstes Lächeln: „No, my dear. Ich bin nicht Joan Sutherland, ich bin Beverly Sills!“


    Die Sängerin wurde von einem Reporter gefragt, ob es sie nicht störe, dass man sie mit Margaret Price verwechseln könnte. Leontyne antwortete: „Was kann man da verwechseln? Sie ist die 'Vanilla-Price' und ich bin die 'Chocolate-Price'!“


    Carlo

    Hallo,

    meine unmaßgebliche Meinung zu dieser Diskussion ist, dass auch ich zu der Auffassung neige, dass hier wohl irgendwelche politischen Interessen im Hintergrund eine Rolle spielten, die Aufnahmen unbedingt in Berlin machen zu wollen. Die Begründung für die Präferenz der Berliner Philharmoniker halte ich für fadenscheinig, zumal sie kein Opernorchester waren und mit dem Werk wohl nicht sonderlich vertraut gewesen sein dürften.


    Wenn schon nicht in Wien, hätte man diese "Zauberflöte" - die bekanntlich keine gesprochenen Dialoge hat - auch in London einspielen können, da viele der beteiligten Sänger auch in London am Kgl. Opernhaus Covent Garden und in Konzerten gastierten. (Martin Elste hat in meiner Schallplattenausgabe dieser Aufnahme bei 'Calig' ebenfalls detailliert die Aufnahmesitzungen und -termine incl. der nicht verwendeten Matrizen aufgeführt. Dazu ist ein Foto vom April 1938 abgebildet, das Walter Legge zusammen mit Irma Beilke, Margarethe Kubatzki, Gerhard Hüsch und Wilhelm Strienz anlässlich einer Fernsehsendung im Alexandra Palace in London zeigt.) Auch das Argument, dass man aus Kostengründen in Berlin die beteiligten Sänger gleichzeitig an Ort und Stelle hatte und das Orchester nicht durch den abendlichen 'Frondienst' in der Oper behindert wurde, ist wenig überzeugend; auch in Wien oder London wäre das möglich gewesen.


    Übrigens sollte nach dem Wunsch Walter Legges der 'Sprecher' ursprünglich von Herbert Janssen gesungen werden. Er war zwar 'Arier', hatte sich aber durch defätistische Äußerungen der Gefahr ausgesetzt, im 'Reich' bei einer Einreise sofort verhaftet zu werden und war nach Amerika emigriert. Eine berühmte Anekdote - über die man damals wie heute nur mit Kloß im Hals lachen kann - betrifft Herbert Janssen und Josef von Manowarda. Die Frau des Bassisten war eine glühende 'Nazisse' und zeigte einmal Kollegen ihres Mannes ihre rechte Hand vor, die von einem an Kettchen gehaltenen Uhrenglas bedeckt wurde: "Da hat mir der Führer die Hand geküsst!". Herbert Janssen rutschte es heraus: "Wie schade, dass er sie nicht auf den Mund geküsst hat!"


    Carlo


    P. S. In einem Fernsehinterview des Ehepaares Schwarzkopf/Legge hat die Sängerin erzählt, dass sie ihr späterer Mann, als sie bei dieser "Zauberflöten"-Aufnahme in Waldo Favres Berliner Solisten-Vereinigung im Chor sang, überhaupt nicht wahrnahm und sie ihn bei ihrem ersten Kennenlernen im "Café Mozart" in Salzburg im Sommer 1946 daran erinnert hat.

    Liebe Opernfans,


    heute läuft noch den ganzen Tag im 'Nightly Opera Stream' der Metropolitan Opera der Film "The Opera House" von Susan Froemke aus dem Jahre 2017 (110 Min.).


    In erster Linie geht es um die interessante und verwickelte Baugeschichte der 'neuen' Met im Lincoln Center und es werden leider relativ wenige Opern-Ausschnitte gezeigt; was den Film für Opern-Enthusiasten aber wertvoll macht, sind sehr viele persönliche und emotionale Erinnerungen der 90jährigen (!) Leontyne Price. (Im Anschliuss an diesen Film ist sie noch einmal mit ihrer glorios gesungenen 'Nil-Arie' bei ihrem Bühnenabschied am 3. 1. 1985 - da stand sie kurz vor ihrem 58. Geburtstag - als "Aida" zu sehen, wo sie beim Applaus mit den Tränen kämpft.)


    In der Eröffnungsvorstellung in der 'neuen' Met am 16. 9. 1966 sang sie in der Uraufführung von Samuel Barbers bis heute glückloser Oper "Antony and Cleopatra" die legendäre Königin vom Nil. (Von den Widrigkeiten bei dieser Produktion berichtet die Dokumentation sehr ausführlich. Auch die gerade verstorbene Rosalind Elias, die damals die 'Charmian' sang, und Justino Diaz - der 'Antony' der Uraufführung - kommen in diesem Film zu Wort.)


    Der durch seine Reportagen-Serie "New York, New York" bekannt gewordene Werner Baecker hat im September 1966 anlässlich der Eröffnung der neuen 'Met' einen für Opernfans wesentlich interessanteren Film gedreht und darin u. a. Lotte Lehmann, Anna Moffo, Leontyne Price, Anneliese Rothenberger, Jerome Hines, Lauritz Melchior und James McCracken präsentiert, wobei der Schwerpunkt auf der Geschichte des 'alten' Metropolitan Opera House lag. (Der Film wurde vom NDR zum 100-Jahre-Jubiläum der 'Met' 1983 noch einmal wiederholt und ich habe ihn mir auf Video aufgenommen.) Auch brachte er einige Film-Schnipsel von dem hochemotionalen 'Gala Farewell Concert' am 16. 4. 1966, das damals nicht im Rundfunk übertragen wurde. (Mr. Fuggette gab auf seinem Label 'MRF' auf drei LPs einen Privat-Mitschnitt heraus, der in meiner Sammlung ist.)


    Carlo

    In Werner Baeckers Film sagt Leontyne Price ihren Musik-Beitrag in deutsch an: "Sie hören jetzt die 'Habanera' aus "Carmen" mit Herbert von Karajan und ich. Ist das so richtig?" (Auch in dem Film von Susan Froemke sind - sogar in Farbe - ein paar Schnipsel dieser 'Last Performance' zu sehen. Licia Albanese und Zinka Milanov gaben an diesem Abend ihren Bühnenabschied.) Werner Baecker sagte später einmal in einem Interview der "Hör Zu", dass von den vielen Prominenten, die er in seinen Filmen porträtierte, nur drei zu seinen Freunden wurden: Lotte Lehmann, Fritzi Massary und Leontyne Price. Ich kann mich an eine Sendung der Serie "New York, New York" erinnern, in der 'Leontyne' in einem Gefängnis für die (männlichen) Insassen Weihnachtslieder sang; manchen Männern standen die Tränen in den Augen...


    Viele Grüße!


    Carlo

    Okay, da war ich wohl etwas voreilig und habe mich durch den Trailer täuschen lassen.


    Ich habe mir den Film "The Opera House" von Susan Froemke gerade angesehen und war etwas enttäuscht, weil es in erster Linie um die dennoch interessante, von vielen Widrigkeiten begleitete Baugeschichte der neuen 'Met' im Lincoln Center ging. Rosalind Elias und Justino Diaz, die beide in der Eröffnungsvorstellung am 16. 9. 1966 in der Uraufführung von Samuel Barbers bis heute glückloser Oper "Antony and Cleopatra" in Hauptrollen sangen, kamen nur kurz zu Wort. 'In fact' ist diese Dokumentation aber eine Hommage an die "Cleopatra" Leontyne Price, die mit vielen ausführlichen und persönlichen Erinnerungen den Film prägt. (Im Anschluss an diesen Film von 110 Minuten ist sie noch einmal mit ihrer glorios gesungenen 'Nil-Arie' aus ihrem Bühnenabschied als "Aida" am 3. 1. 1985 zu sehen, wo sie beim Applaus mit den Tränen kämpft.)


    Der durch seine Reportagen-Serie "New York, New York" bekannt gewordene Werner Baecker hat im September 1966 anlässlich der Eröffnung der neuen 'Met' einen für Opernfans wesentlich interessanteren Film gedreht und darin u. a. Lotte Lehmann, Anna Moffo, Leontyne Price, Anneliese Rothenberger, Jerome Hines, Lauritz Melchior und James McCracken präsentiert, wobei der Schwerpunkt auf der Geschichte des 'alten' Metropolitan Opera House lag. (Der Film wurde vom NDR zum 100-Jahre-Jubiläum der 'Met' 1983 noch einmal wiederholt und ich habe ihn mir auf Video aufgenommen.) Auch brachte er einige Film-Schnipsel von dem hochemotionalen 'Gala Farewell Concert' am 16. 4. 1966, das damals nicht im Rundfunk übertragen wurde. (Mr. Fuggette gab auf seinem Label 'MRF' auf drei LPs einen Privat-Mitschnitt heraus, der in meiner Sammlung ist.)


    Carlo

    Liebe Opernfans!


    Heute läuft im 'Nightly Opera Stream' der Metropolitan Opera in New York auf 'metopera' (frei und kostenlos empfangbar) den ganzen Tag eine wunderbare Dokumentation "The Opera House" (2017 / 128 Min.) über die Geschichte dieses Opernhauses am Lincoln Center.


    Gezeigt werden Opernausschnitte mit legendären Sängern, aber auch Blicke hinter die Kulissen, wie man sie in unseren Breitengraden noch nie zu sehen bekam. Und das Beste: kommentiert werden sie u. a. von der 90jährigen (!) Leontyne Price und auch von der kürzlich verstorbenen Rosalind Elias! Unbedingt ansehen - oder besser noch - abspeichern!


    Carlo

    Hallo,


    hier ist der nächste Film mit Mario Lanza!

    „Because You're Mine“ ('Mein Herz singt nur für Dich') (MGM 1952) (Farbe, 100 Min.)


    mit Doretta Morrow, Paula Corday, Jeff Donnell, Spring Byington, Celia Lovsky, James Whitmore, Don Porter, Eduard Franz, Bobby Van, Curtis Cooksey, John Maxwell, George Renavent u. a. / Regie: Alexander Hall


    Mario Lanzas vierter Spielfilm beginnt mit einer Musterungsszene beim Militär. Eine Stimme aus dem 'Off' versichert uns, dass der Tenor Renaldo Rossano nur eingezogen wurde, weil er vier Wochen zu spät auf die Welt kam – vier Wochen früher und er hätte mit 26 Jahren über dem Limit zur Einberufung gelegen. (Mario Lanza war bei den Dreharbeiten 30 Jahre alt.) Dass der Rekrut als Wochenverdienst 5000 Dollar angibt, macht ihn bei seinen Kameraden (u. a. Bobby Van) und Vorgesetzten verdächtig. Sergeant 'Bat' Batterson (Whitmore) nimmt sich vor, dem Mann 'besondere Aufmerksamkeit' zukommen zu lassen; doch als er erfährt, dass Renaldo ein gefeierter Tenor ist, kehren sich seine Absichten ins Gegenteil um, denn er ist ein großer Opernfan. Sgt. Batterson macht Renaldo den Wehrdienst so angenehm wie möglich, nimmt ihn gegenüber seinem Vorgesetzten, Captain Loring (Porter), in Schutz und ermöglicht ihm auch einen Auftritt in der Kirche – Lanza singt hier das berühmte „Lord's Prayer“ - wo ihn auch der General Montville (Cooksey) hört. 'Bat' beschließt, seine Schwester Bridget (Morrow) - die zwar in 'klassischem' Gesang ausgebildet ist, aber als Schlagersängerin beim Rundfunk jobbt - mit Renaldo bekannt zu machen, damit dieser durch seine Beziehungen ihre Gesangskarriere fördern kann. Bereits das erste Vorsingen Bridgets wird zum Tête-à-tête, was Renaldos Gesangspartnerin Francesca Landers (Corday) nicht verborgen bleibt.


    Renaldo überredet Batterson, ihm Urlaub für eine Reise nach New York zu gewähren, um Bridget während einer gemeinsamen Schallplattenaufnahme mit Francesca seinem Manager Albert Foster (Franz) vorzustellen. Doch ehe sich Albert Bridgets Stimme anhören kann, klärt die eifersüchtige Francesca Bridget über Renaldos angebliches 'Liebesleben' auf. Als Batterson davon erfährt, beginnt er Renaldo nach seiner Rückkehr in die Kaserne zu schikanieren. Es kommt sogar zu einer Prügelei zwischen Renaldo und Batterson, so dass Capt. Loring beide zu 30 Tagen Arrest verdonnert. Die Vermittlungsversuche von Renaldos Mutter (Lovsky) und Battersons Freundin Patty (Donnell) scheitern ebenso an Renaldos Sturheit wie auch Bridgets Liebesgeständnis und die Intervention der Generalsgattin Mrs. Montville (Spring Byington in einer 'Cameo'-Rolle). Inzwischen hat sich eine Militär-Delegation der Vereinten Nationen angekündigt und General Montville befiehlt Renaldo, auf einer Feier zu singen. Doch erst als Renaldo in der Gruppe der ausländischen Militärs den mit ihm befreundeten französischen General Montal (Renavent) entdeckt, macht er den Mund zum Singen auf. Mit Renaldos – und Mario Lanzas - Darbietung des Liedes „Granada“ kommt der Film schließlich zum 'Happy End'.


    Mario Lanza wollte diesen Film eigentlich gar nicht drehen, da ihm die etwas abgedroschene - wenn auch durch das Militär-Ambiente Abwechslung bringende - Handlung wie ein Rückschritt in alte Klischees erschien: wieder sollte er einen Operntenor spielen, der sich in eine junge Frau verliebt und sie erst nach einigen Verwicklungen in die Arme schließen kann. So begann er, den Drehbeginn hinauszuzögern und eine ihm von MGM verordnete Abmagerungskur zu boikottieren. Auch hatte er Differenzen mit Doretta Morrow, die vom Musical kam – sie hatte in der Uraufführung von „The King and I“ die Rolle der Prinzessin 'Tuptim' verkörpert und gab hier ihr Filmdebüt. Schließlich dauerten die Dreharbeiten acht Monate und waren für Miss Morrow eine derart negative Erfahrung, dass sie nie wieder einen Film drehte und zur Musical-Bühne zurückkehrte; in „Kismet“ kreierte sie kurz darauf am Broadway die 'Marsinah'. Zudem fühlte sich Lanza von James Whitmore, der in Aussehen und Darstellung Ähnlichkeit mit Spencer Tracy hat, 'an die Wand' gespielt. Wenn man genau hinschaut, kann man erkennen, dass der Film nicht chronologisch entstand, denn Mario Lanza hungerte sich im Laufe dieser acht Monate fast 40 Kilo herunter, was natürlich auf seine Gemütsverfassung großen Einfluss hatte. Er zeigte am Set Star-Allüren – wie immer, wenn er sich unsicher fühlte - und alle Beteiligten waren froh, als endlich die letzte Klappe fiel.


    Der musikalische Anteil des Films ist sehr abwechslungsreich; leider fehlt dem Titelsong „Because you're mine“* von Nicholas Brodszky die große einprägsame Melodie wie seinem ebenfalls Oscar-nominierten „Be my love“ (aus „The Toast of New Orleans“), das Doretta Morrow hier noch einmal singt. So setzte man in diesem Film die älteren, weltbekannten Lieder „Granada“* von Agustin Lara und „The Lord's Prayer“* (eine Vertonung des 'Vaterunser'-Gebets von Albert Hay Melotte) ein - und beide werden von Mario Lanza denn auch mit Inbrunst vorgetragen. Er ist noch mit folgenden Titeln zu hören: „Lee-Ah-Loo“* von Jonny Lehman, „Fluffy Foam“ ('Schaumflocke') von Jeff Alexander und „The song angels sing“*, Irving Aaronsons Bearbeitung einer Melodie aus dem dritten Satz der dritten Symphonie von Johannes Brahms. Lanzas Filmmutter legt seine Schallplatte mit der Canzone „Mamma mia, che vo' sapé“* auf und er selbst singt nur in kurzen Opern-Titeln: 'Questa o quella' aus „Rigoletto“ (mit seinen echten Eltern Mary und Anthony Cocozza in Statistenrollen), 'O Paradiso' aus „L'Africaine“ und das als Bühnenaufführung gegebene Finale* aus „Cavalleria rusticana“. (Wie der Vorspann verrät, wurde diese Szene von Wolfgang Martin einstudiert, der auch Kapellmeister an der Städtischen Oper Berlin war.)


    Doretta Morrow ist mit vier Titeln vertreten: dem Titelsong „Because you're mine“ (im Duett mit Mario Lanza) und dem schon erwähnten „Be my love“, mit Cole Porters „You do something to me“ und „Gummy for your tummy“ von Jeff Alexander. Die von Paula Corday dargestellte Opernsängerin Francesca Landers singt – mit der Stimme von Peggy Bonini – im Finale aus „Cavalleria rusticana“ und in den Schlussnoten des Duetts 'È il sol dell'anima' aus „Rigoletto“. Witzig ist die Szene, als Renaldo (Lanza) ihr per Telefon Ratschläge gibt, wie sie die Arie 'Casta Diva' aus Bellinis „Norma“ interpretieren soll. James Whitmore als Amateur-Opernsänger versucht sich an Graf Lunas 'Per me, ora fatale' aus Verdis „Il trovatore“ und der später sehr populäre Musical-Sänger und Showmaster Bobby Van bringt mit seinen Kameraden den „Garbage Can-Can“ von Jeff Alexander. Der Jeff Alexander Choir und das MGM-Studioorchester werden von Johnny Green geleitet. (Die mit * gekennzeichneten Titel – und zusätzlich „You do something to me“ - hat Mario Lanza mit dem Jeff Alexander Choir und den Dirigenten Constantine Callinicos und Ray Sinatra auch für 'RCA Victor' separat aufgenommen und sie erschienen auf einer 25cm-LP und auch in einer Box mit vier Schelllackplatten.)


    Carlo