Beiträge von Misha

    Da wir in einer sehr schweren Rezession sind, sinken die Steuereinnahmen (man muss sich nur mal die Steuerzahlungen von zB Lufthansa in den vergangenen Jahren ansehen, die jetzt auf "0" sinken); also wird es wieder um "Nützlichkeit" und "Pflichtaufgaben" bei der Verteilung des noch Vorhandenen gehen. An den Unis werden weitere Geisteswissenschaften gestrichen werden (aus politischen Gründen aber vermutlich leider nicht Pseudowissenschaften wie "gender studies", da wird man eher der Königin der Wissenschaften, der Philosophie, was abknappsen), in der Kultur werden die noch etwas vom Kuchen bekommen, die die lautesten Fürsprecher haben. Allerdings sollte man nicht vergessen, dass zumindest in meinem "Umkreis" Gewandhaus, Oper Leipzig und Semperoper, MdbK und "alte Meister" auch touristische Anziehungspunkte mit erheblichen Folgewirkungen für die lokale Wirtschaft sind. Ich rechne also mit Einschränkungen, glaube aber nicht, dass man in L oder DD zB Sparten schließen wird. Interessant wird sein, wie sich das (finanzielle) Bürgerengagement etwa in den Fördervereinen (ich bin zB Mitgled in vier Kultursponsoring Organisationen) verändert. Bisher kenne ich nur Zahlen außerhalb der Kultur im engeren Sinne vom Zooförderverein Leipzig: Da sind die Mitgliederzahlen und Spenden in der "Corona Krise" extrem angestiegen.

    Abgesehen davon, dass ich die Maßnahmen gegen "Corona" immer noch für völlig überzogen halte (womit ich mich in guter Gesellschaft einiger Ärzte aus meinem Freundeskreis befinde, die wie ich zB die "Hongkong Grippe" Ende der 60er in weitaus schlimmerer Erinnerung haben), glaube ich nicht an drastische Langzeitfolgen. Museen,Oper und Gewandhaus in Leipzig hängen - wie zum Glück die meisten Einrichtungen der "Hochkultur" in Deutschland - nicht von privaten Sponsoren ab, so dass sie die Zwangspause überstehen werden.

    Wenn allerdings die ruinösen Einschränkungen wirtschaftlicher Betätigung andauern, wird sich der Schwund von Steuern als Knappheit in den öffentlichen Kassen natürlich bei den staatlichen Leistungen, die nicht "Pflichtaufgaben" sind, auswirken und zumindest zeitweise zu Mttelkürzungen führen.

    Damit dürfte auch der zweite Anlauf für eine Inszenierung in Leipzig (Lohengrin, nachdem der Tannhäuser bereits ins Wasser gefallen war) gefährdet sein (wobei dahinstehen mag, was aus den Premierenplänen des Hauses in Ansehung der Corona "Krise" überhaupt werden kann).

    Eine kurze Rezension aus meiner Sicht:


    Mit plüschigem Einband und natürlich rosa kommt dieser neue Opernführer auf sehr hochwertigem Papier und mit zahlreichen schönen Bildern daher. Trotz des dämlichen Titels, der der Qualität und potentiellen Zielgruppe des Buchs keinesfalls gerecht wird,, ragt der "Opernführer" unter gleichartigen Werken sehr positiv heraus. Neben dem Standard (Handlung-Geschichte-Komponist usw.) finden sich kundige und recht aktuelle Anmerkungen zur Diskografie. Besonders gut gefallen haben mir die ausführlichen Interpretationen der Werke: Da eröffnen sich auf Grund der wirklich kundigen Autoren zT erfrischend neue Sichtweisen auch auf "Repertoireschinken". Auch für erfahrenere Opernfreunde eine klare Empfehlung.

    Leipzig wird 20/21 neben Premieren der Repertoire Hits "Lohengrin" und "Il Trovatore" außerdem Saint-Saëns "Les Barbares" und mal wieder eine Uraufführung, "Paradiese", eine Auftragskomposition von Gerd Kühr (von dem ich nichts kenne), produzieren.

    Nachdem sie für den Tannhäuser kurzfristig absagte, soll Katharina Wagner nunmehr den Lohengrin inszenieren. Für Wagner 22, wo ja (das Programm ist bereits abrufbar) alle vollendeten Opern des Meisters nacheinader aufgeführt werden sollen, fehlt dann wohl nur noch die "Meistersinger", falls man den schon etwas in die Jahre gekommenen "Parsifal" behält.

    Der aktuelle Premierenplan ist durch die Corona Epidemie bereits völlig durcheinander geraten; aktuell hofft man wohl ab Ende April wieder spielen zu können. Der "Ring" Zyklus im Mai wird jedenfalls noch beworben.

    Musikalisch mE kein großer Wurf, aber auch nicht so schlecht, wie in den Kritiken zu lesen. Mein Verdacht ist, dass da aus politischen Gründen nochmal "nachgetreten" wurde. BILD - nun nicht gerade an Themen der Hochkultur interessiert - hat regelrecht gegen Gergiev gehetzt. In den Feuilletons geht es natürlich etwas feiner zu. Die Inszenierung ist mE mal wieder eine von der Sorte, die Wagners Werk als soundtrack für mehr oder weniger spaßige Ideen eines Regisseurs missbraucht. Ich finde sie banal und albern, gerade wenn man parallel zu dem was man sieht auf den Text achtet.

    Ich mache es mir einfach: Die Kritik in der LVZ deckt sich weitgehend mit meiner Ansicht.


    Paterson war enttäuschend. Sein Holländer klang matt und kraftlos, vielleicht war er indisponiert. Der Erik von Elgr war fast unerträglich. Libors Senta war gut, an die Spitzeninterpretationen reicht sie nicht heran. Ich empfand ihre Stimme immer als etwas "verschattet". Besonders gut gefallen hat mir Jakobsh als Daland. Das Orchester leistete sich einige unschöne Patzer.


    Zur Inszenierung: Dijkema ist ja bekannt dafür, dass er seinem Theateraffen gern Zucker gibt. Ein Clou war schon in der Rusalka das Haus der Baba Yaga, das auf Hühnerbeinen (so wie es sich gehört) auf die Bühne läuft. Hier setzt er noch einen drauf.

    Die Schlusspointe will ich nicht verraten, aber jedenfalls das aus dem Nebel auftauchende riesige Holländerschiff (wirklich "blutrot die Segel, schwarz der Mast"), das sich weit in das Parkett über die ersten Reihen schiebt, samt Kanonen usw. ist schon ein coup de théâtre der Extraklasse: Begeisterter Applaus auf offener Szene.

    Insgesamt eine völlig werktreue Inszenierung; Dijkema traut Wagner und seiner Geschichte, seiner Musik - und vor allem dem Intellekt seines Publikum.

    Eine grundsätzlich interessante Idee war es, die Verbindung zur Geschichte von Heine zu betonen. Allerdings scheint mir in diesem Punkt die Umsetzung in der Tat weniger gelungen: Da fiel Dijkema (abgesehen von der netten Umsetzung der Orangenschalen werfenden Blondine von der Geschichte auf die Bühne) nur ein, die Texte auf der Bühne zu zeigen. Das lenkt eher ab.


    Der Abend war ein großer Erfolg.Das Publikum war zu recht begeistert.


    Fazit: Wer einen musikalisch schon in der Premiere sehr ordentlichen Holländer in einer mit spektakulären Bühneneffekten versehenen werktreuen Inszenierung sehen will, sollte sich beeilen, Karten zu kaufen. Die Rusalka war zB nach der Premiere innerhalb kürzester Zeit für die komplette Spielzeit ausverkauft. Ähnliches prophezeie ich für den Holländer, den es ohne groteske Verfremdungen ja nur selten zu sehen gibt.

    Premierenkritik der LVZ

    Nach dem "Schlachthof Skandal" vor einigen Jahren ein neuer Versuch: Michiel Dijkema, der u.a. schon eine bezaubernde Rusalka inszeniert hat, setzt den Holländer in Szene. Da darf man durchaus einiges erwarten. Das Schiff (Kosten angebl. 100000€) ercheint wirklich "blutrot die Segel, schwarz der Mast" und wurde von unserem Förderverein gesponsort. Auch die Besetzung lässt mit Christiane Libor als Senta uns Iain Paterson als Holländer auf Erfreuliches hoffen. Die Premiere ist seit langem ausverkauft. Näheres nach der Premiere.


    1. Trailer der Leipziger Oper

    Artikel mit Foto des Holländerschiffes

    Einige kurze Anmerkungen (eines Wagnerianers, der sich in die Operette verirrt hat und es nicht bereut ;) )
    Ich habe mit meiner Frau und meiner hochbetagten Mutter, die sich noch gut an die Zeit erinnern kann, als Operette noch im TV allgegenwärtig war, die dritte Vorstellung im Wuppertaler Opernhaus besucht.
    Karten sind durchaus nicht einfach zu bekommen, da die Inszenierung sehr erfolgreich ist.


    Zurecht: Abgesehen davon, dass die Hauptrollen sehr gut besetzt sind (Sangmin Jeon singt den Prinzen mit strahlkräftigem und und höhensicherem Tenor, Ralitsa Ralinova ist eine jugendliche stimmschöne Lisa ) ist offensichtlich gut gearbeitet worden, was Textverständlichkeit angeht. Die größtenteils nicht-deutschen Sänger sind so wortdeutlich, dass man die Übertitel eigentlich gar nicht braucht.
    Das Orchester der Oper ist in Bestform . Lehar scheint dem Orchester zu liegen. Musikalisch stimmt alles.


    Die Inszenierung ist im besten Sinne altmodisch. Hier ist nichts modernisiert und neben einem klassischen Wiener Salon im ersten Akt sieht meinen zweiten und den dritten Akt ein regelrechtes Bilderbuch China.
    Selbstverständlich ist das manchem Rezensenten übel aufgestoßen. Die Oper musste sich unter anderem auch den Vorwurf des Rassismus gefallen lassen, was meiner Meinung nach absoluter Quatsch ist. Im Übrigen kann ich die Authentizität des Bildes im zweiten und dritten Akt nicht beurteilen, dafür spricht aber, dass es sich immerhin um eine Koproduktion mit der Oper Hongkong handelt. Den Chinesen Rassismus in eigener Sache vorzuwerfen, entbehrt nicht einer gewissen Komik.


    Wenn man überhaupt Schwächen feststellen will, liegen die im Genre begründet: natürlich gibt es wieder musikalisch noch in der Handlung eine differenzierte "Entwicklung". Aber das erwarte ich von einer Operette auch nicht, von der ich mich in erster Linie unterhalten lassen will. Will man überhaupt eine "Aussage" finden, so mag diese darin liegen, dass Multikulti eben nicht funktioniert. Hier wird relativ scharf herausgearbeitet, dass die Beziehung zwischen Lisa und ihrem Traumprinzen daran zerbricht, dass die Europäerin sich eben nicht mit der in der kulturellen Tradition verwurzelten Vielweiberei, sowie der Behandlung einer Frau als „Ding“, "Sache“ (so der Prinz über das Frauenbild in seiner Heimat) abfinden will, über die/das der Mann bis hin zur Tötung einschränkungslos verfügen kann. Ist der Reiz des Exotischen erst verflogen, auch der erotische Reiz, sind die kulturellen Unterschiede so unüberbrückbar, dass eine dauerhafte Beziehung nicht möglich ist. Im Grunde genommen ein durchaus sehr aktuelles Thema - wenn auch diese "Botschaft" nicht jedem gefallen mag.
    Die Vorstellung - die dritte - war restlos ausverkauft und wurde vom Publikum begeistert gefeiert.
    Operettenfreuden, die eine sehr gut besetzte Inszenierung im klassischen Stil ohne Modernismen und Verfremdungen sehen wollen, sei ein Besuch in Wuppertal empfohlen. Meine alte Mutter war jedenfalls ganauso begeistert wie meine Frau und ich und der Rest des Publikums.

    Eine kurze Anmerkung:
    Puccini gibt es ja als Garant für ein einigermaßen ausgelastetes Haus allerorten. Allerdings fristet die "Fanciulla" eher ein Schattendasein, haftet ihr doch das Odium des "Westernkitsches" und einer gewissen musikalischen "Sperrigkeit" an. Dass man dem Stück damit Unrecht tut, war gestern in Leipzig zu erleben.
    Die Premiere wusste musikalisch und szenisch in allen Belangen zu überzeugen. Die Rollen hervorragend bis in die kleinsten Nebenrollen besetzt, am Pult eines hervorragend aufgelegten Gewandhausorchesters der GMD persönlich (eigentlich eher Spezialist für Wagner und Strauss)und der einmal mehr hervorragende Leipziger Chor.
    Die Inszenierung (Cusch Jung) so plausibel, dass man weder Italienischkenntnisse noch die Übertitel brauchte; eine hervorragende Personenregie gerade in den schwierigen Massenszenen zu Anfang und am Ende, und das Ganze behutsam aber völlig werktreu in ein Minerszenario des 20 Jahrhunderts gestellt, mit dem peinliche Westernfolklore vermieden wurde.
    Die Premiere wurde zu Recht stürmisch gefeiert. Ich kann jedem Opernfreund nur empfehlen, diese wirklich in jeder Hinsicht überzeugende Realisierung dieses leider seltenen Gastes auf den Bühnen in Leipzig zu besuchen.
    Mehr: http://www.lvz.de/Nachrichten/…der-Oper-Leipzig-gefeiert
    PS
    Noch ein Tip für Operntouristen: Neben den 2 Ringzyklen 2019, und dem neuen "Holländer" im März plant Leipzig das Projekt "Wagner22"; alle Wagneropern in 3 Wochen. Ist wohl bald buchbar.


    weder hingehen noch im TV hinschauen, ist das denn so schwer?


    Aha, also Urteilsbildung auf Grund eigener Wahrnehmung tunlichst vermeiden? In der Tat vermeide ich aber - wenn ich es auf Grund des Regisseurs und der Besetzung abschätzen kann -, für Murks viel Geld zu bezahlen. Das ist der Grund, warum ich zB die Karten für Bayreuth (was ja inzwischen möglich ist) bei Wahrung der Wartezeit im letzten und vorletzten Jahr nicht genommen habe.

    Ich habe den Anfang gesehen und das Te deum. Dann war meine Schmerzgrenze erreicht. Man sollte bei solchem Murks wenigstens keine Untertitel senden, da das Geschehen auf der Bühne dann völlig absurd wird. Will das jemand als fundamentale Erkenntnis des Regisseurs bewerten, dass das Böse - politisch oder sadistisch motiviert - zeitlos ist?
    Hält man das Publikum für so doof, dass man ihm diese revolutionäre Erkenntnis mittels einer im nahezu albernen Widerspruch zum Text stehnden "Inszenierung" per Holzhammer eröffnet?
    Lahm und hölzern war es musiziert.
    Und die Sänger..... Die Harteros hat ihre Sache ja ganz ordentlich gemacht, obschon sie von Regie und Partnern ersichtlich uninspiriert war. Ich habe mich gefragt: Ist es Konzept oder Unvermögen, dass Cavaradossi Tosca nicht zärtlich umwirbt sondern permanent anbrüllt?

    Lieber Holger,


    ich will in diesem Thread niemanden an die Wand nageln, empfinde indes großes Befremden über die Selbstgewissheit mancher Zeitgenossen, sich zu Dingen zu äußern, von den sie ganz offenscihtlich nichts verstehen, und dann auch noch zu allem Überfluß eine Bewertung abgeben. .......


    Wieviel muss man denn von einer Sache verstehen, um sich dazu zu äußern? Und wer gibt den Maßstab vor? Ist es illegitim, wenn ein Mensch mit Hauptschulabschluss, der versehentlich an eine Meistersinger CD geraten ist, bei Amazon schreibt, dass das langweilig ist, und er vom Kauf abrät? Übrigens kann man mit dieser Argumentation auch die Demokratie in Frage stellen:
    "Man soll die Stimmen wägen und nicht zählen;
    Der Staat muß untergehn, früh oder spät,
    Wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet."

    Hier noch die Kritik des lokalen Kritikerpapstes, dem die Inszenierung nicht "pychoanalytisch genug ist: ".....die Entfremdung des männlichen Eros in einer von patriarchalischen Machtprinzipien beherrschten, verlogenen Welt. Solchen Tiefsinn vermisst man...."
    So ein pseudointellektuell aufgeblasenes Geschwätz (gut, wenn man auf seiner Seite seine biografischen Anmerkungen liest, kann man sich seinen Teil denken) zeigt, dass der Regisseur alles richtig gemacht hat ;)


    http://dieterdavidscholz.de/Mu…lka%20leipzig%202017.html

    Da ich wie immer zum Jahresende unter Zeitmangel leide, kurz angemerkt:
    Einer umjubelten Premiere konnte ich beiwohnen. Dass Olena Tokar eine fantastische Rusalka ist, hat sie auch in den Medien schon bewiesen. Musikalisch gab es an diesem Abend bis auf einige Unsauberkeiten bei den Bläsern des im romantischen Wohlklang schwelgenden Gewandhausorchesters nichts auszusetzen. Alle Rollen von bewährten größtenteils hauseigenen Kräften besetzt.


    Die Inszenierung: Ein phantastisches märchenhaftes Spektakel.
    Wenn die Hexe auf ihrem Häuschen auf überdimensionalen Hühnerbeinen hereinreitet, die grotesk märchenhaften Elfen aus aufschiessenden Maulwurfshüglen klettern, Wassermann und Co in wirklichem Wasser baden, und das Ganze durch zauberhafte Lichteffekte verklärt wird, ist man als Zuschauer hin und weg. Ganz großes Theater.


    https://www.mz-web.de/kultur/m…der-oper-leipzig-29001144

    Nächste Premiere dieser Spielzeit ist Rusalka von Dvorak. Die Titelpartie singt Olena Tokar.
    Hier einige vorab veröfffentlichte Bilder, die einiges versprechen. Regisseur Dijkema hat in Leipzig auch eine gelungene Tosca und einen ansehnlichen Faust präsentiert.









    Anmerkungern u.a. von Dijkema zur Inszenierung


    Der erste Trailer


    Nach der Premiere mehr.

    Lieber La Roche,


    ich bin da durchaus Deiner Meinung.
    Die Grenzen zwischen den "Guten" und den "Bösen" verschwimmen mE allerdings im DC schon. Der Grund mag allerdings wirklich die deprimierende Atmosphäre der Inszenierung gewesen sein, wenn ich sie auch durchaus für adäquat halte. Außerdem ist der DC eher etwas für den Operngourmet ;) - Ohrwürmer und Effektstücke wie in den meisten Opern Verdis fehlen fast völlig. Das von Dir erwähnte Autodafé war übrigens eine der schwächsten Szenen.

    Der aktuelle Trailer mit einigen Ausschnitten:


    https://drive.google.com/open?…tvhzf5eNc6U2ZLTEFtdlFFdlk


    Die Leitung des Abends hatte Anthony Bramall, der scheidende stellvertretende GMD, der Leipzig Richtung München verlässt, um den Posten als GMD des Theaters am Gärtnerplatz zu übernehmen.
    Bramall ist inzwischen so etwas wie der Spezialist für die Italiener in Leipzig, und diesem Anspruch wurde er auch bei dieser Premiere in jeder Hinsicht gerecht.
    Auf mich machte die musikalische Umsetzung er einen verhaltenen, düsteren Eindruck, was aber sicher auch daran liegt, dass abgesehen von der zweiten Arie der Eboli das Stück eigentlich keine musikalischen „Reisser“ hat.
    Leider waren, bereits am Beginn der Aufführung, etliche unsaubere Intonationen bei den Bläsern zu hören. Ansonsten aber eine sehr gute , klangschöne orchestrale Leistung.


    Gal James als Elisabeta fand ich ziemlich farblos. Ihre Stimme ist relativ „klein“ und ging teilweise, obwohl ich einen guten Platz hatte, völlig unter. Im Spiel neigt sie sehr zu einer etwas überzogenen Theatralik.


    Katrin Göring als Eboli konnte, nach sehr verhaltenen Beginn, durch aus mit der Beweglichkeit ihrer Stimme im Schleierlied und mit ihrer Ausdruckskraft imponieren. Um einen Vergleich mit den ganz großen Rollenvertreterinnen standhalten zu können, fällt es ihrdann aber doch an stimmliche Material.


    Gaston Rivero als Don Carlo ist stimmlich weitaus besser als darstellerisch, da wirkt er etwas hölzern. Der Tenor ist hell, strahlend und sicher in der Höhe. Eine sehr schöne Leistung.


    Eine besonders bemerkenswerte Leistung ist der Rodrigo von Mathias Hausmann. Ein wirklich „balsamisch“ dahin strömender Bariton mit großer Ausdruckskraft und auch darstellerisch eine ausgezeichnete Leistung.


    Ricardo Zanellato als Filippo ist sowohl stimmlich als auch darstellerisch nicht der Greis, als der oftgegeben wird, sondern ein gestandener Mann in den besten Jahren mit durchaus majestätischer Ausstrahlung. Er betont in seiner Darstellung das zerrissene, tragische der Figur und verfügt über wunderbare stimmliche Mittel. Die große Arie des Filippohabe ich lange nicht so ausdrucksvoll und stimmlich souverän bewältigt gehört.


    Runi Brattaberg gibt den Inquisitor als personifizierte Bedrohung mit rabenschwarzen Bass. Erfreulich fand ich, dass in dieser Aufführung die Stimmen des Filippo und des Inquisitor ist deutlich voneinander abgesetzt waren, was ich auch schon anders erlebt habe.


    Zur Inszenierung:
    Außer Schwarz und Weiss gibt es keine Farben auf der Bühne mit der Ausnahme der blauen Kleidung der brabantischen Gesandten.
    Das Bühnenbild besteht im wesentlichen aus hohen Wänden und einigen sehr einfach gestalteten Möbeln und der bedrohlicher, trister Eindruck des ganzen wird durch entsprechende Lichteffekte noch verstärkt.


    Etwas seltsam fand ich eine überdimensionale Puppe an der Wand, die von Besuchern als Kokon einer Gottesanbeterin interpretiert wurde. Kann ich nicht beurteilen, da ich mich mit Insekten nicht gut auskenne, der Sinn hat sich mir nicht ganz erschlossen. In jedem Fall wurde von der Regie das Hauptaugenmerk auf die Interaktion zwischen den Personen gelegt, die sich während der ganzen Aufführungen in einem sehr stilisierten Raum bewegen, der aber das Beklemmende, Ausweglose und Bedrohliche der Situation der Akteure sehr betont.
    Einziger „Ausrutscher“ aus meiner Sicht ist die unpassende (weil dem Stil der Inszenierung nicht entsprechende) moderne Soldatenkleidung der „Wachleute“ und die Tatsache, dass sie mit relativ modernen Schießgewehren agieren. Auch Carlos spielt bereits am Anfang vor dem Grab seines Großvaters mit einer automatischen Pistole, mit der er sich am Schluss der Vorstellung (ein ziemlicher Schockeffekt für viele Zuschauer) in den Kopf schießt, eine recht blutige Angelegenheit. Eine sehr weitgehende Interpretation, aber durchaus stimmig.


    Die Personenregie fand ich durchaus überzeugend, wobei die sich ständig drehenden Bühne zwischen den einzelnen Szenen manchmal etwas irritierend wirkt. Jedenfalls sind Inszenierung und Bühnenbild nicht gegen das Stück gerichtet, sondern schaffen einen sehr beklemmenden, beängstigenden Spielraum, in dem die zahlreichen Duette stattfinden. Ein bedrückendes Kammerspiel der Dialoge. Meiner Meinung nach durchaus gelungen.
    Das Publikum die quittierte die Aufführung mit freundlichem, langanhaltendem Applaus für alle Akteure und auch das Regieteam, allerdings ohne sehr große Begeisterung.


    Das mag letztendlich auch dem Stück geschuldet sein, dass eigentlich keinen richtigen „Sympathieträger“ hat. Eine neurotische Königin, eine intrigante Hofdame, einen labilen in Selbstmitleid verfangenen Kronprinzen, einen dämonischen furchterregenden Kirchenvertreter, einen intriganten opportunistischen Ideologen und Strippenzieher, und einen Despoten, wobei der König noch derjenige ist, der (zumindest bei mir) am ehesten Empathie wecken kann.