Beiträge von tuonela


    Ich auch. :hello:


    Herzliche Grüße


    Christian


    Heute, auf der Suche nach einer Chopin-Mazurka, die sich auf der Konzertkantele spielen lässt, fiel ich über diese Aufnahme, die - obwohl länger nicht gehört - auch zu meinen Lieblingen gehört:



    Eigentlich bin ich ja - wie andere hier auch ;) - ein Langzeit-Fan der Chopin-Einspielungen von Pollini. (Früher mal: Adam Harasiewicz - aber das ist lange her, und Aufnahmen habe ich keine mehr.)
    Aber gerade die Mazurken kommen Afanassiev besonders entgegen, finde ich.


    Herzliche Grüße zurück :)


    Das Instrument, die Konzertkantele, werden die Wenigsten kennen. Ich kannte sie auch nicht, bis vor knapp einem Jahr. Inzwischen begeistert mich das Instrument so sehr, dass ich (auf Klavier und Gitarre "vorgebildet") mir eine Konzert-Kantele gekauft habe. Und mein eigener Lehrer sein muss, da es - leider - bei uns keine Lehrer gibt ...
    http://de.wikipedia.org/wiki/Kantele
    Wiki hat allerdings in einem unrecht: das Instrument hat nichts mit der Zither zu tun - es ist eher eine Art Tischharfe. Die Hebel links dienen - so wie die Pedale der Harfe - zum Umschalten (der Saiten aller Oktaven) auf # oder b.
    Der Klang der Kantele ist was Eigenes ... mit Zither hat er auch rein gar nichts zu tun. Eher wie eine klare Harfe (dank Korpus).


    Die Musik auf dieser CD ist teilweise finnische Folklore, teilweise klassisch. Es gibt auch etliche Transkriptionen älterer Werke (Sibelius, Bach ...), die - im Gegensatz zur 6-saitigen Gitarre - dann eben auch voll erklingen können. Wichtig ist nur, dass das Stück nicht zu viele Modulationen enthält, da man immer eine Lücke in der Musik zum Umschalten der Mechanik (die bei der Harfe halt die Füße übernehmen) braucht. Das Dämpfen der Saiten ist übrigens auch eine Wissenschaft für sich. ;)
    Ritva Koistinen ist eine der großen finnischen Kantelespielerinnen.

    ich denke, es hat einfach mit Möglichkeiten zu tun.
    Wer die Möglichkeit hat, ein Werk in einem Konzert zu tun, wird das vermutlich tun. Wer nicht - der greift zum Medium Radio (Live-Mitschnitt) oder zur Konserve.


    Meine Reihenfolge wäre:
    1. Konzert
    2. Live-Konzert via Radio
    3. LP
    4. CD
    5. iPod (ja, auch der - warum nicht?)


    Was Konserve betrifft, so kommt es natürlich auch auf die Wiedergabe an.
    Für "Klassik" im weitesten Sinn kenne ich nichts Besseres als Elektrostaten - und diese kombiniert mit LP. Aber das ist reine Privatansicht.
    Der iPod ist keine Alternative, aber eine Möglichkeit, Musik zu hören, wenn man nicht am Musikplatz sitzt. ;) Immerhin nicht mit "mp3", sondern AAC, höher gesamplet - manchmal auch mit AIFF (=WAV).


    Herzlich
    tuonela


    PS
    Natürlich ist immer noch die schönste Möglichkeit, geistliche Musik zu hören, die Kirche: denn dafür ist die Musik auch komponiert worden. Egal wieviel Hall oder nicht: es geht um die Atmosphäre.

    ich habe jahrelang in einem Laienchor gesungen (Berliner Cappella - Peter Schwarz). Ja, wir waren technisch nicht perfekt. Ja, wir haben Stücke gesungen, denen wir technisch schlichtweg nicht gewachsen waren.
    Aber: das Engagement des Chorleiters hat uns in einem Maße die Musik nahegebracht, daß die Interpretation selbst vieles wettmachte.


    Heute, in einer Zeit der Technikdominanz, ist das schwer vorstellbar ...


    Ciao
    tuonela

    Vielleicht interessiert es einen Klavierfreund noch ... ein Jahr nach dem letzten Eintrag hier:


    Ich habe mir eine Auswahl der Mazurken mit Valery Afanassiev zugelegt. Der Klavier-Grübler liegt mir persönlich sehr und ist prädestiniert für die Mazurken, deren "Zal" er sehr gut erfaßt. Auch wenn das speziell "polnische" Element nicht ganz herauskommt, ist es für mich eine sehr stimmige Aufnahme.


    Ciao,
    Tuonela

    ich habe die Interpretationen sowohl von Jarrett als auch von Ashkenazy - leider nicht von Richter!! Ashkenazy ist schon deutlich besser als der (in der Klassik doch überbewertete) Jarrett; Richter wird wahrscheinlich noch mehr den Nerv treffen.
    Scherbakow kenne ich gar nicht, leider.


    Ciao,
    tuonela

    Hallo ihr Beiden,


    vielen Dank! :)
    Hamelins Spiel kenne ich nicht, weiß aber, daß er technisch outstanding ist.
    Da es offenbar von Cziffra nicht alle Paganinis gibt, werde ich dann wohl auf Hamelin ausweichen ...


    Nochmal schönen Dank!


    Ciao,
    Tuonela

    Hallo Klavierfreunde,


    ich bin auf der Suche nach einer guten Einspielung von Liszts Etudes de Paganini. György Cziffra, den ich als Liszt-Interpreten besonders schätze, hat sie wohl nicht eingespielt, oder eine Aufnahme ist nicht mehr erhältlich (schwer vorstellbar).


    Wer kommt im "style hongroise" am ehesten an Cziffra heran?


    Danke im voraus für die Hilfe!


    ciao
    tuonela

    nein - ich würde keine CDs kaufen, deren Werke ich nicht hören will. Es kommt natürlich vor, daß ich, mangels Zeit, manches auf einer CD noch nicht gehört habe - ja, einen Teil aller CDs (die von meinem Mann/meinem Vater stammen) habe ich noch gar nicht durchgehört.
    Aber hier ging's ja ums Kaufen.


    Ich mag i.d.R. von einem Komponisten nicht nur ein Stück einer Gattung - daher habe ich kein Problem damit, gleich ein Konvolut anzuschaffen.


    Insgesamt kaufe ich seit einiger Zeit ohnehin nicht mehr so viele Neueinspielungen, schlicht aus Platzmangel.


    Herzlichst-
    tuonela

    Hi,


    sind es abgeschlossene Walzer?
    oder handelt es sich um eine Stück mit Zitaten (auch Beethoven taucht da mal auf), und es singt der Pianist zwischendurch auch?


    Wenn ja: dann hast du womöglich die "Geschichten aus dem Golowinerwald" erwischt. Eine Bearbeitung von und mit Friedrich Gulda.
    Ort des Geschehens: "The Complete Musician" - früher nur auf LP, aber seit ein paar Jahren auch als CD publiziert.


    Herzlichst
    tuonela


    das ist etwas, was man nur durch Hören erfahren kann.
    Wenn du ein Bild siehst, kannst du einen Inhalt erkennen (interpretieren), oder du siehst nur eine Folge von Farben, ein Abbild, aber nicht dessen Bedeutung.
    Wenn du einen Text liest, kannst du textlich einem Inhalt folgen, oder du liest Sätze, mit oder ohne Zusammenhang.
    So meine ich es:
    Ich zumindest höre einen Inhalt bzw. höre, ob Noten gespielt werden. "Laut-leise, hier decrescendo, dort crescendo": das ist für mich abgespielt.


    hG
    tuonela


    Nunja, es handelt sich da um Programmmusik, um die Schilderung von Situationen, Gemälden, Geräuschen usw. in Form absoluter Musik. ;)
    Aber du mußt ja auch keinen NH kaufen, wenn andere Ensembles dir besser gefallen.
    Ich persönlich weiß, warum ich zu NH greife, wenn er etwas eingespielt hat - und wenn es 100 andere Ensembles gäbe, die dasselbe Stück eingespielt haben.


    Herzlichst
    tuonela
    :)

    Zitat

    Original von Glockenton


    Manches habe ich einfach von meiner Vorschreiberin kopiert.
    Das ist selten, aber so ist das....und ich nehme an, dass sie nichts dagegen hat :)


    hat sie natürlich nicht - wie sollte sie. ;)


    Ja, Bach ... wenn ich da in die Kantatenkiste greife ... ich mußte mich echt am Riemen reißen. :D - Man kann ja nicht alles aufzählen ... :rolleyes:


    Schubert: du meinst "Die Stadt". Ja, das ist richtig gruselig ... wie auch "Der Doppelgänger". Überhaupt die Heine-Lieder. Das sind auskomponierte Seelenabgründe ...
    Ich spekuliere normalerweise nicht nach dem Prinzip "Hätte - wäre" - weil eben ist, was ist. Aber bei Schubert denke ich mir: er war am Ende seines kurzen Lebens seiner Zeit schon weit voraus. Wohin wäre er gegangen, wenn er nur noch 20 Jahre länger gelebt hätte?


    Dieskau ist nicht so mein Sängerfall: zu knödelig. (Ausnahme: Mahler - "Ich bin der Welt abhanden gekommen": Berliner Phil, Böhm)


    Das Brahms-Requiem mag ich auch sehr! hier am liebsten: "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" (der unter Musikstudenten als "Mensa-Marsch" bekannt ist :D) Die von mir geschätzte Aufnahme: Herreweghe (Oelze, Finley).


    Brahms - noch un-be-dingt zu erwähnen:
    Motette op. 74 "Warum ist das Licht gegeben dem Mühseligen" - Chapelle Royale/Herreweghe, aber noch mehr: Concentus Vocalis/Herbert Böck. Auch gut, aber etwas kühle: Dresdner Kammerchor/Christoph Rademann


    In dem Zusammenhang fällt mir noch ein ...
    absolute Gänsehautmusik:
    Hugo Distler, Totentanz - mit dem Concentus Vocalis. Oder mit dem Hugo-Distler-Chor unter Alois Glassner.


    HG tuonela
    :)

    Bach, Weihnachtsoratorium 4. Teil: Arie (Sopran, Echo): "Flößt mein Heiland, flößt dein Namen" - geblasen von Jürg Schaeftlein *seufz* (Concentus musicus 1982, Stiftskirche Waldhausen, OÖ -live)
    Bach, Actus Tragicus BWV 106: Coro, Sopran "Es ist der alte Bund - Ja, komm, Herr Jesu" (Leonhardt, Sängerknabe)
    Bach, Johannes-Passion, "Es ist vollbracht" (Lipovsek, Coin an der Gambe, Concentus, COE, Harnoncourt (=2. Aufnahme)
    Bach, Messe h-moll, Credo: Et incarnatus est - Crucifixus
    Bach, Toccata d-moll, BWV 565


    Dowland, Farewell (Paul O'Dette, Laute)


    Händel, Ombra mai fù - (Andreas Scholl)


    Gesualdo, Ave Dulcissima Maria (Monteverdi Choir, Gardiner)
    Gesualdo, Tenebrae factae sunt (Responsorien: Karfreitag) (Hilliard Ensemble)


    Mozart, Klavierkonzert KV 488, 2. Satz Adagio (Gulda, Concertgebouw, Harnoncourt)


    Schubert, Quintett D 956, 2. Satz Adagio (ABQ)
    Schubert, Messe D 950, Agnus Dei (Arnold Schoenberg Chor, COE, Harnoncourt)
    Schubert - Winterreise (Prégardien, Staier)
    Schubert - Heine-Lieder (Prégardien, Staier und Schopper/Immerseel - auch Schreier/Richter)


    Bruckner, Messe e-moll, Agnus Dei (Wr. Concertverein, ASC, Ortner - live)


    Rheinberger, Abendlied (Wiener Kammerchor, Joh. Prinz)


    Reger Motette "O Tod, wie bitter bist du" (RIAS Kammerchor, live)


    Barrios, Un Sueno e la Floresta (Wulfin Lieske, Gitarre)


    ... open end ...


    Herzlichst
    tuonela

    Zitat

    Original von Ulli


    Nicht ein jeder hat jeden Tag Dienst. Und auch ich habe nichts gegen kleine Fehler - nur das weltbeste Orchester, wenn es diesen Anspruch erhebt, dürfte sich das m. E. nicht erlauben.


    wie viel Ahnung hast du von Orchesterdiensten ? nicht viel, scheint mir ... :no: - also besser nicht reden in so einem Fall. ;)


    HG
    tuonela
    :)

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Damit wir mal wieder weg von EINER Mozart-Aufführung kommen:
    Wie kommen denn die Musiker, nehmen wir mal als Beispiel die Wener Philharmoniker, (wie infam von mir) mit Harnoncourts Deutungen zurecht ? Sind die beschriebenen Unzulänglichkeiten Zufall oder vielleicht gar Absicht - um einen mißliebigen Dirigenten zu diskreditieren ? Weiß hier jemand näheres?


    Die Wiener Philharmoniker waren anfangs gespalten: es gab die totalen Befürworter und die totalen Ablehner. Es gab Musiker, auch einen Konzertmeister, der nicht unter Harnoncourt spielen wollte.


    Mittlerweile hat sich das grundlegend geändert - der Konzertmeister ist gerne dabei (ich nenne bewußt keine Namen) -, und die Ablehner sind nicht mehr zu hören.
    Warum? weil Harnoncourt Proben macht, in denen das Werk wirklich erarbeitet wird und nicht in "hier lauter - da höher" versanden.
    Die Proben von Dirigenten, denen mein Mann beiwohnte, sind unzählige, über viele Jahre hinweg. NH. ist einer der ganz ganz wenigen, die wirklich etwas zu sagen haben über die Musik, die geprobt wird. Die allermeisten haben nicht viel Substantielles zu sagen, außer natürlich ihre Vorstellungen.


    Zitat

    Und WARUM bitte sind die Erkenntnisse von Herrn Harnoncourt von nahezu allen Dirigenten der Vergangenheit nicht gesehen oder ignoriert worden?


    Woher hast du diese Weisheit? das ist grundlegend falsch. Ich war in H-Aufführungen, wo Dirigenten wie Muti (ja, tatsächlich!), Ozawa, Herreweghe im Goldenen Saal saßen. (Es waren noch andere, die fallen mir jetzt nicht mehr ein.) Und nicht, um hinterher abzulästern, sondern weil sie wirklich angetan waren.
    Und Karajan? der hatte gar nichts gegen H. - er konnte es allerdings nicht verwinden, daß H. den Aufstieg vom Tutti- zum Solocellisten der Wiener Philharmoniker ablehnte und stattdessen ausstieg ... und er konnte es nicht verwinden, daß neben ihm, auf anderen Pfaden, jemand geschätzt wird. Das war eines seiner Grundprobleme, generell. (Legendär etwa auch die Einspielung des Tripelkonzertes mit Richter, Oistrach und Rostropowitsch - da war er fast "Nebendarsteller", das drückte stark auf seine Laune ....)


    Herzlichst
    tuonela
    :)

    Zitat

    Original von Ulli


    :no: NH macht es entgegen dem, was in der Patitur steht, nicht die anderen.


    nun, du hast es nicht ganz richtig formuliert, es muß heißen:


    "NH macht es entgegen dem, was in den im 19. Jh. bearbeiteten Partituren steht, wie sie die anderen unkritisch verwenden".
    Und genauso ist es: Harnoncourt arbeitet an der Kritischen Ausgabe, am Autograph, wenn dies zugänglich ist - und eben nicht an den aufgebauschten und verfälschten Partituren früherer Zeit.


    HG
    tuonela

    nochwas ... Jürg Schaeftlein war und ist einer der bedeutendsten Oboisten für das Repertoire, und ihm wurde nachgesagt, daß er noch auf der ältesten "Krücke" gut spielen konnte ...


    Hör dir mal die "Echoarie" in Bachs Weihnachtsoratorium mit H. (3. Teil) an - und du weißt, was ich meine. :)


    HG
    tuonela
    :hello:

    Bibers Battalia ist ein Musterbeispiel absichtlich schlecht gestimmter Instrumente ... ich mag dieses Werk, wie auch Schmelzers Fechtschule, wo zeitweise absichtlich alles drunter und drüber geht. :)


    NB kenne ich die Schmelzer-Sonatas und empfinde die Instrumente nicht als "schlecht gestimmt". Was du hörst, hat mit dem Überblasen zu tun, das sich manchmal "falsch" anhören kann, das liegt am Instrument selbst (Länge der Luftsäule beim Schließen der Klappen).


    Herzlichst
    tuonela

    Zitat

    Original von Kurzstueckmeister
    … hat H bei schmelzer offenbar vergessen, die instrumente vorher stimmen zu lassen. wenn ich mich recht erinnere ist eine oboe permanent ziemlich weit daneben.


    UND DAS NERVT.


    meinst du Schmelzers "Fechtschul'"? ;)
    Dann hast du Bibers "Battalia" aber nicht gehört. :D8)
    Dazu empfehle ich dir aber dringend, die Beipackinfos zu lesen.


    Ich könnte dir aber auch Goebels "Scherzi musicali" ans Herz legen: da klingt das nicht viel anders. Warum wohl? ;)


    Herzlichst
    tuonela



    PS: der Keucken heißt übrigens Sigiswald Kujken. ;)

    Zitat

    Original von Alfred_Schmidt
    Eigentlich bin ich sehr überrascht wie militant sich dieser Thread von allen Seiten entwickelt hat - ich hatte eher auf eine schleppende langweilige Diskussion gewartet.
    DESHALB habe ich ihn mit dem anfeuernden "Ring frei" begonnen - und zudem sehr scharf - aber wie ich meine niemals beleidigend - formuliert. Ich schätze nämlich den Intellektuellen Harnoncourt, weniger jedoch den Musiker .
    Oder anders forumuliert: Der Musikwissenschafter Harnoncourt mag überzeugend sein, seine Aufführungen sind es indes IMO nicht.


    Militant ist der thread nur durch eine Person geworden, der durch seine Art eigentlich nur gezeigt hat, daß er sehr wohl berührt worden ist von NH, auch wenn er sich das nicht eingesteht. Ansonsten ließe ihn dies ja kalt, und er brauchte keine Verbalinjurien.
    Aber das muß er selbst erkennen - und vor allem auch die Ursache davon. Vielleicht hat er einen Schritt noch nicht getan, den andere schon getan haben: nämlich weiterzugehen.


    Du selbst warst nicht ausfallend - und wenn du NHs Aufführungen nicht schätzt, so ist das einfach deine Annahme (und hat sicher auch etwas mit deiner eigenen Vergangenheit zu tun). Ich könnte dir aber seine Bücher ans Herz legen: ich denke, du gewännest dann etwas mehr Verständnis.



    Zitat

    Ich bin prinzipiell dagegen jemand als Stümper zu bezeichnen, der - wenn auch nicht von mir - in großen Teilen der ernstzunehmenden Klassikwelt - Anerkennung und darüber hinaus Wertschätzung erfahren hat. Es dürfte sich also um eine Geschmacksfrage handeln.Und entgegen dem römischen Sprichwort bin ich der Meinuing, daß sich über Geschmack sehr wohl streiten lässt - allerdings sollte man dabei die Contenance nicht aus den Augen verlieren.


    Genau - aber daraus ergibt sich schon, daß es eben nicht nur um Geschmack geht, sondern um grundlegende persönlich empfundene Angriffe - sonst würde man nicht Aggression verwenden, um sich zu wehren.



    Zitat

    Aber natürlich kann ich nicht darauf bauen, daß alle meinen Standpunkt teilen. Dennoch bin ich der ehrlichen Überzeugung, daß Harnoncourt (und einige andere) ein Mozartbild erzeugt haben, das viele Abstand von Mozart halten lässt.
    Rokoko war niemals ruppig sondern immer bemüht das Schöne (oft über Gebühr ) zu betonen.
    Man beachte den Baustil , die Malerei, die Sprache in Briefen und Büchern, die Mode - alles voller Verzierungen und Beschöniguingen, selbst die Herren waren geschminkt und parfümiert und man tanzte Menuett und nicht Vulgäres. Es war dies eine Zeit des überfeinerten überspannten Geschmackes - und deshalb liebe ich sie so.


    Ja, so sieht der heutige Mensch das Rokoko. Gehst du aber einmal ins Detail und schaust genauer - schaue dabei auch Briefe, Reiseberichte an - , so wirst du hellwache kritikfähige und -ausdrückende Geister dahinter finden, die alles andere tun als behübschend alles zuzudecken, was sie empfanden. Mozarts Musik - nimm die späten Symphonien - drücken dies sehr gut aus. Da ist kein Rokoko-Mozart in unserem Sinne zu spüren, da ist Spannung, Faszination, Dramatik zu spüren. Oder nimm das Dissonanzen-Quartett, da kannst du nicht einen Harnoncourt vorschieben ... Mozart und das Rokoko schlechthin wurden zu dem gemacht im Bürgertum des 19. Jh., weil man gerne die "gute alte Zeit", die Bedeutung der Monarchie, den Prunk und Pomp, wieder aufleben lassen wollte.


    Zitat


    Harnoncourt würde sich freuen, könnt er diesen Thread lesen - er polarisiert - und ich glaube das wollte er eigenlich schon.


    Nein. Das will er nicht. Er will, daß man nachdenkt, sich bewegen läßt in seinem Inneren. Aber er will nicht, um des äußeren Effekts wegen, polarisieren.


    Zitat

    Nicht sehr glaubwürdig klingt die (sinngemässe) Aussage, Harnoncourt versuche Mozarts Musik (und die anderer Komponisten) den Menschen unserer Zeit nahezubringen - während er gleichzeitig um Historische Aufführungspraxis bemüht ist.
    Dann wieder meint er auf das historische Originalinstrument (oder dessen Nachbau ) könne man verzichten - die TECHNIK wäre entscheidend - Das ist genau jener Bereich der eher spekulativen Charakter hat.......


    Lies Harnoncourts Aussagen darüber - das ist einfacher und besser, als irgendwas zu spekulieren, was leider daneben liegt.
    Immer hat er gesagt, daß die Musik - ihr Ausdruck - wichtig ist, nicht primär die Instrumentation oder Technik. Immerhin hat er 1975, das ist mehr als 30 Jahre her, erstmals auf ein "klassisches" Orchester, das Concertgebouw, zurückgegriffen. Natürlich ist es reizvoll und, wenn leicht umsetzbar, auch dankbar, das authentische (nicht: historische) Instrumentarium samt Sitzordnung zu übernehmen. Aber in heutiger Zeit ist das durchaus nicht immer leicht machbar. Und andere Dirigenten, siehe Hogwood oder Norrington z. B., sind da viel rigider vorgegangen als H. Aber ihm wirft man es - ewige Leier seit x Jahren - immer wieder vor. (Ich könnte noch andere Leiern anführen.)


    Zitat

    DAß Harnoncourt des öfteren Angriffen ausgesetzt ist ist, ist ganz einfach auf seine Omnipräsenz zurückzuführen.


    Nein - omnipräsent war HaVauKa auch. Es liegt daran, daß er unbequem ist, daß er den Hörer nicht zurücklehnen und sagen läßt: "wie schön, Mozart zum Tagesausklang". Das ist es. Der Hörer wird auf sich selbst zurückgeführt, und das macht manche - siehe oben - sehr aggressiv.


    Zitat

    Die "Klangrede" wie sie hier (sehr gut übrigens) beschrieben wurde, ist etwas, das eigentlich erst im 20. Jahrhundert geschätzt wurde. Vorher wollte man die Musik einfach "geniessen"


    Das stimmt überhaupt nicht! das ist Denkweise der Nachkriegszeit, des arbeitenden Menschen, der Musik am Feierabend genießen will. Das war in keiner Weise so, auch früher nicht (sieht man von klavierspielenden Damen und ihren Zuhörern im Biedermeier mal ab - oder vom beginnenden Virtuosenzeitalter - aber davon reden wir hier nicht.) Lies einmal Literatur über das 19. Jh. - ich schlage z. B. Hanslick vor -, und du bekommst einen kleinen Einblick. Musik sollte für die Menschen immer An- und Aufregung sein.
    Könntest du dir vorstellen, die Zuhörer der Beethoven-Quartette hätten gähnend genießend in der Ecke gesessen? ;) Ja, klar, sie haben ihn am Schluß nicht verstanden. Aber sie wollten von ihm keine Einschlummermusik, sondern sie wollten mitkommen mit dem, was er bot.


    Zitat

    EIN Statement sei mir an dieser Stelle noch erlaubt:
    Karl Böhms Mozazart war NIE süsslich, auch nicht in Ansätzen (obwohl ich persönlich gegen einen süsslichen - oder besser gesagt parfümierten Mozart nichts einzwenden hätte) Böhm dirigierte einen elegant federnden Mozart, der mitunter triumphierend strahlend werden Konnte - Aber das ist nicht Thema dieses Threads


    Kleine Anekdote - eine wahre:
    Berliner Phil. Böhm nimmt die "große" g-moll-Symphonie auf. Mitten im langsamen Satz kommt es aus der Regie: "Herr Doktor" ("I bin a Dokter", darauf legte er wert) - "Ihre Interpretation hat irgendwie keine Atmosphäre!" "Wooos", regt sich Böhm auf, greift in die Hosentasche, nimmt eine Pille raus und konsumiert sie: "wooos, ka Atmosfer?" - und die ganze restliche Aufnahme murmelt er immer zwischendurch: "ka Atmosfer ... naaa, des gibts net ... kaa Atmosfer ....."
    Tja. Der Mozart eines Böhm war vielleicht "elegant federnd", immerhin eine Leistung bei der doppelten Besetzung des Orchesters - aber er war nicht dramatisch. Das Rokoko-Hafte stand dem im Weg. Und das ist genau das, was ich süßelnd nenne. Man mag es anders nennen, zweifelsohne.


    Herzlichst
    tuonela