Beiträge von tuonela

    Wen es interessiert - es gibt seit ein paar Tagen eine erste eigene CD-Edition der BPh: "Berliner Philharmoniker - im Takt der Zeit", 12 CDs quer durch die Geschichte des Orchesters, mit zum großen Teil bisher unpublizierten Aufnahmen. Darunter auch das Eröffnungskonzert der Philharmonie und das Konzert anläßlich der Maueröffnung (zumindest letzteres ist schon publiziert gewesen).
    Preis: € 129,-.


    HG
    tuonela

    Hallo Liebestraum,


    nun - Karl Böhm pflegte den Schönklang durchaus - Mozart als Dramatiker konnte er nur bis zu einem gewissen Grade umsetzen. Man sieht das sehr schön an den letzten großen Symphonien.


    Und die Academy? sie war bestimmt zu ihrer Zeit "revolutionär" - aber geglättet hat sie letztlich genauso. Neulich fragte hier mal jemand nach Bachs "Kunst der Fuge": die habe ich aus eben dem Grund verkauft. Zu glatt.


    Was Ulli betrifft, so war die prompte Reaktion klar.
    :)


    Herzlichst
    tuonela

    Absolut für mich die bedeutendste Musikerpersönlichkeit der letzten Jahrzehnte.
    Was immer er in die Hand nimmt, ist in jeder Note durchdacht, folgt dem Autograph und ist Musik und keine Tonreihung.
    Was immer ich von ihm höre (und da sind auch Komponisten dabei, die ich sonst eigentlich nicht mag, so ist Schumann nicht mein Ding), ist spannend, musikalisch verständlich (!) und bietet einen großen Bogen.


    Klar, er eckt bei einigen Schönklänglern und "Aberbachspieltmansoundnichtso"-Verfechtern noch immer an. Weil er eben nicht Brahms-Ausgaben heranzieht und diese abspult, sondern weil er an die Wurzeln geht. Das ist das, was ihn von vielen anderen Dirigenten so abhebt, die eben nachmachen, was ihnen seit Jahrzehnten - eigentlich seit der Liszt-Zeit - vorgemacht wird.


    Es ist sein Verdienst, daß er die Alte Musik wirklich ins Repertoire und aus der Rolle der bloßen Zutat ("Händel zum Einspielen") geholt hat. Daß Musik so besetzt wird (ich meine primär die Stärke und Anordnung), wie der Komponist sie besetzt hat - weg von Vierfachbesetzung und Grandiosklang. Daß Bachs Passionen nicht notgedrungen zur Karzeit in der Kirche gespielt werden und endlose und viel zu viele Arien haben, sondern daß sie packende Dramen sind, in denen aufgezeigt wird, daß Massenhysterie, Beeinflussung der Massen, Aufwiegelung, Gewalt, Brutalität, Lüge immer noch genau so existieren wie vor 2.000 Jahren (und davor).


    Es ist sein Verdienst, daß Mozart nicht mehr der süßelnde Rokoko-Komponist ist und Haydn sein Vasall, das ist der mit der Abschieds-Symphonie und den Jahreszeiten. Daß Telemann keine Musik "zum Essen", sondern "zwischen den Gängen" geschrieben hat und überhaupt nicht langweilig ist.


    Mozarts diesjährigen "Figaro" in Salzburg halte ich für eine Glanzleistung. Nicht weil H. es dirigiert hat. Sondern weil da von der ersten bis zur letzten Note Spannung herrschte. Ich bin kein deklarierter Opernfan, und schon gar nicht sehe ich mir Opern normalerweise im TV an (ich habe kein Breitwand-TV); eigentlich wollte ich mir die Aufführung gar nicht anschauen, ein Freund hat sie mitgeschnitten. Aber dann saß ich davor, und es war wie eine Tragikomödie mit Betonung auf "Tragi-" - einfach toll. Ich bin sonst auch schon gar nicht der Freund moderner Inszenierungen, mit Arbeitsanzügen und Leitern in Barockopern usw. Aber hier paßte es, weil es alles auf die Musik konzentrierte und die Dramatik in dem nur scheinbar lustigen Stück hervorhob.


    Herzlichst
    tuonela

    Heute im Radio gehört: Liszts 2. Ungarische Rhapsodie mit dem berühmten (oder modernen?) Lang Lang. Fazit: Kein Vergleich - wirklich gar kein Vergleich! - mit György Cziffra in dessen erster Aufnahme ... Virtuos: ja, ist er. Aber das ungarische Feeling - dieses "Schmelzen", dieses Schwermütige, das "Zal" (die slawische Melancholie) - das kriegt er nicht hin. Kann er wohl auch nicht. Und das ist nicht mal sein Fehler.


    HG
    tuonela

    Masetto:


    Cello-Suiten von Bach: diese hier.

    Ich habe jetzt erst gesehen, daß es sie inzwischen auf CD gibt - ich habe die (seltene) LP.


    Andrew:
    die Einspielung der Kunst der Fuge mit der Academy hatte ich mal - habe ich aber hergegeben. Erstens ist die Academy für mich ein wenig "altbacken" (das ist natürlich meine Meinung), zweitens finde ich Orgelversionen für das Thema "Fuge" irgendwie geeigneter (die Königin der Instrumente begegnet der Königin der Polyphonie). Aber auch das ist nur meine Interpretation. :)


    Herzlichst
    tuonela

    tja, Alfred, das liegt einfach daran, daß die Frage falsch gestellt war. :)
    Das "weltbeste Orchester" gibt es nicht - und die Qualität eines Orchesters hängt immer vom Dirigenten ab.
    So kam man automatisch zum "weltbesten" Dirigenten. :)


    Und so eine Entwicklung muß in einem thread, auch wenn das Thema anders lautete, einfach drinnen sein. ;)


    Herzlichst
    tuonela

    Zitat

    Original von Edwin Baumgartner
    Aber zu einem wirklich bedeutenden Dirigenten einer bestimmten Epoche gehört für mich, daß er etwas für die Musikgeschichte tut, nicht nur für die Interpretationsgeschichte.
    Soll heißen: Er müsste Uraufführungen machen (das tat sogar der von mir eher nicht geschätzte Karajan) oder zumindest dem Repertoire vergessene Werke hinzugewinnen.


    Das sehe ich durchaus ziemlich anders. Er hat für die Musikgeschichte unendlich viel getan, und das hebt ihn für mich zu den größten derzeit lebenden Dirigenten:
    Er hat den Komponisten Monteverdi ins Repertoire geholt
    Er hat Bachs Gesamtwerk zu neuer Bedeutung geführt (nicht allein, natürlich. Übrigens: welchen Bach-Kanon hätte er erweitern sollen? er hat doch alles eingespielt, was ihm möglich war), indem er die Interpretation revolutioniert hat
    Er hat Telemann aus dem Mief der "Tafelmusik" herausgehoben
    Er hat Haydn interpretatorisch die ihm zustehende Bedeutung als Wegbereiter Beethovens gegeben (und nebenbei die gesamte Kirchenmusik und doch etliche Symphonien eingespielt: gut, nicht so viele wie Hogwood, aber der hat auch nicht alle geschafft.)
    Er hat Mozart als Dramatiker erkannt und ihn vom Süßelnden befreit
    .... usw.usf.


    Vergessene Werke waren übrigens eine Menge drunter - wie viel wurde denn von Bach vorher aufgeführt? wieviel von Haydn (Kirchenmusik)? wer kannte vorher Schuberts Opern, die vergessen waren bzw. als wertlos galten?


    Und Uraufführungen sind zwar wichtig - aber machen wohl nicht unbedingt die Bedeutung eines Dirigenten aus. Das wäre m.E. auch etwas dürftig .... ;)
    Harnoncourt ist sicher einer der Dirigenten, die am meisten in die Repertoire-Breite gegangen sind, bezieht man die ganze Musikgeschichte ein (die ja nicht nur aus Klassik, Romantik, Neuzeit und Uraufführungen besteht).


    Herzlichst
    tuonela :hello:

    Zitat

    Original von Glockenton
    Kenner wissen auch den speziellen Geigenton Marie Leonhardts, der Frau Gustav Leonhardts zu schätzen.
    Sie war die Konzertmeisterin des Leonhardt-Consorts.
    Leider sind nicht allzuviele Solo-Beiträge von ihr bei den hier besprochenen Bachkantaten zu hören.
    Aber ihre Art, die Stainergeige zu spielen, ist wegen der klaren Tongebung, der Agogik und ihrem Vibratostil schon recht charakteristisch.
    Auf Tonträgern habe ich sie zunächst durch die Gesamtaufnahme G.Leonhardts der Bachschen Cembalokonzerte kennengelernt, später dann u.a. auch durch das "Kantatenwerk".


    ja, da gehe ich (auch wieder mal) mit dir konform. Sie ist die "Unauffälligere" von den beiden Stainer-Geigerinnen, aber deshalb nicht schlechter. So wie Leonhardt ja auch der Geradere, quasi der "Grandseigneur" der beiden Dirigenten ist.


    Was Brüggen betrifft, so hätte ich jetzt nicht die Kantaten, in denen er solistisch spielt, parat - habe sie ja einige Jahre nicht regelmäßig gehört ... aber was mir bei ihm besonders zusagt, ist dieses unglaubliche Legatospiel (natürlich mit Zirkular-Atmen und kaum hörbaren Atempausen): manchmal denkt man, es spielen zwei Flöten ...


    Herzlichen Gruß :hello:
    tuonela

    Mich würde - als Photofreundin - eine Rubrik interessieren, "Musiker auf frühen Photographien". Von Liszt gibt's ja viele, von Chopin auch eines (eigentlich zwei - aber das zweite ist quasi unbekannt), aber es haben sich ja in der Frühzeit der Photogeschichte viele Künstler auf Daguerro- oder Kalotypie ablichten lassen.


    (Desgleichen fehlt mir die Rubrik "Photographie" im Kulturforum ...)


    Herzlichst
    tuonela

    Hallo Kunstfreunde,


    meine jüngsten Empfehlungen:


    Schon gelesen (das liest man nicht nur einmal) - und jedem ans Herz zu legen, der vor dem Tod nicht haltmacht ...
    Beate Lakotta und der Photograph Walter Schels besuchten Todkranke im Hospiz, unterhielten sich mit ihnen - und Schels photographierte sie zu Lebzeiten und kurz nach ihrem Tod. Sehr berührend!



    ******************
    Gerade gelesen:


    Wunderschöne Portraits eines der größten Photographen




    ******************


    50 Photographen des 20. Jahrhunderts im Portrait:



    Zum Inhalt des Buches


    Herzlichst!
    tuonela

    Wagner hat er sogar schon dirigiert - styriarte, ich glaube: 2003 oder 04, Isoldes Liebestod. Sogar Berio stand mal auf dem Programm, soweit ich weiß ... Klar, es ist nicht die ganze Bandbreite des spätromantischen bis avangardistischen Repertoires - aber dafür gehen wiederum die meisten anderen "klassischen" Dirigenten nicht so weit in der Zeit zurück wie er. ;)


    (Und Mahler würde ich auch nicht dirigieren ... :beatnik: )


    Übrigens war das Repertoire von Carlos Kleiber doch bei weitem eingeschränkter - aber er wurde, wohl weil geheimnisumweht, immer als einer der ganz Großen angesehen...


    Herzlichst
    tuonela :)


    *************************


    edit: es ließ mir keine Ruhe ...
    styriarte 1999, mit folgendem Programm:


    Mendelssohn - Ouverture "Die schöne Melusine"
    Wagner - Ouverture und Venusbergmusik aus "Tannhäuser"
    Vorspiel und Isoldes Liebestod aus "Tristan"


    ***************************


    edit 2:
    5.5.07, Wien, Konzerthaus: Berg, Violinkonzert mit den Wiener Phil und Gidon Kremer


    Was man so alles findet ... ;) :beatnik:

    Hallo Andrew,


    wir haben dazu einen Audio-CD-Brenner und einen DAT-Recorder, die in die Musikanlage integriert sind. Mein Mann hatte die LP auf DAT überspielt, dort Nadelaufsetzknackser entfernt und Codes gesetzt und von dort aus dann die CD gebrannt. Mein Mann ist gestorben, und leider kenne ich mich damit nicht aus - aber ich hoffe trotzdem, dieses System bald wieder nutzen zu können: denn es ist natürlich auch für Radiomitschnitte gut verwendbar. :)


    Herzlichst
    tuonela

    ... ich lese natürlich nicht alles mit bzw. nach, bin ja noch neu ... daher sorry, wenn ich was wiederhole, was eh schon dauernd geschrieben worden ist. ;)
    Konservativ finde ich das ABQ gar nicht, eher geht es für mich in Richtung Expressivität in einer Art, wie es weder seine früheren Aufnahmen noch andere Quartette zustande bekommen. Die jüngsten Aufnahmen des Hagen Quartetts kenne ich nicht - die früheren haben mich diesbezüglich aber nicht sonderlich überzeugt. Alles etwas geglättet, nach meinem Empfinden.


    (Aber das war schon wieder offtopic - hier geht's ja um D 887....)


    Herzlichst,
    tuonela

    Hallo Glockenton :)


    mit Alice gebe ich dir vollinhaltlich recht - man hört sie tatsächlich heraus, und in der von dir genannten Arie (Jelosits, spontan, ohne nachzuschauen?) aus BWV 36 wird das wirklich deutlich ...
    Übrigens auch Frans Brüggen, allerdings erst nach längerem Hören.


    (die PN sind aktiviert bei mir - muß man da extra was freischalten lassen?)


    lieben Gruß,
    tuonela :hello:

    Zitat

    Original von klingsordas 'kantatenwerk' halte ich für ungültig. es ist lt. threadtitel nur ein einzelnes zulässig... :beatnik:
    beim wtk sehe ich das anders ...


    nun, die Kantaten sind immerhin dem Kirchenjahr zugeordnet, bilden also eine abgerundete Einheit. :beatnik:
    Aber wenn nicht - nun, schön, dann eben
    Bach, Actus Tragicus BWV 106


    HG
    tuonela

    Zitat

    Original von Johannes Roehl
    Kann von Euch, die ihr hier ja sehr detailliert Bescheid zu wissen scheint, bestätigen oder widerlegen, dass Harnoncourt in der Einspielung von Händels Cäcilienode in der wunderbaren ersten Sopran-Arie selber Cello spielt :jubel: :jubel: :jubel:


    Tachezi ist in den Händelschen Orgelkonzertn ebenfalls phantastisch, unglaubliche Spielfreude und Kommunikation mit dem Orchester!


    Gehört eigentlich nicht zu Bachs Kantaten, aber was solls...;)


    Hallo Johannes,
    ja, das ist mit Sicherheit Harnoncourt - er ist ja auch in der Aufnahme an erster Stelle angegeben. Die anderen beiden treten hinzu, wenn mehr Celli benötigt werden.
    Man hört es auch einfach am Sound ... :)
    (Sicher kennst du die Bach'schen Cellosonaten mit ihm?)


    Richtig, die Händel-Orgelkonzerte mit Tachezi sind auch toll!! :jubel:


    Herzlichst!
    tuonela


    PS: also doch noch ein "Dritter im Bunde"? ;)

    a - für die Menschheit: Bach, Johannes-Passion.
    Weil in diesem Werk zeitlos eindringlich beschrieben und musikalisch umgesetzt wird, wohin Neid, Gruppendynamik, Gewalt führen können. :(


    b - für mich: Bach - Das Kantatenwerk.
    Ein Run durch alle Sonntage, für alle Stimmungen - und immer: Das Geistige steht über dem Fleischlichen, und der Tod ist nur ein Übergang. :)


    Herzlichst
    tuonela

    Hallo Alex,


    Zitat

    wollte mal Eure Meinung zu Liedtranskriptonen hören. Macht es generell überhaupt Sinn, ein Lied für Klavier solo zu transkripieren, weil man ja den Text nicht hört, der ja das Wesentliche, Zentrale in einem Lied ist?


    Da muß man zunächst einmal definieren, was "Transkription" bedeutet. Wir meinen damit reine Kopien für ein anderes Instrument unter Berücksichtigung instrumentenspezifischer Umsetzung; Liszt meinte damit "Bearbeitung", d. h. versehen mit eigenen Ausschmückungen und Zusätzen, sozusagen frei phantasierend.
    Transkriptionen benötigen wir heute nicht mehr. Sie gehören in eine frühere Zeit, in der das gang und gäbe und auch wichtig war. Damals ging es darum, einerseits Literatur für das Modeinstrument Klavier zu schaffen (und nicht nur Klavier: auch Gitarre, Zither, Harfe, welche auch eine Zeitlang Modeinstrumente waren), andererseits darum, den Menschen die Musik, die sie aus finanziellen Gründen nicht hören konnten (es gab ja nur Konzerte), ins Haus zu holen. Aus diesem Grund entstanden auch Opern- und Symphonietranskriptionen resp. Klavierauszüge (die ja auch nichts anderes sind).


    Bearbeitungen hielte ich in der heutigen Zeit nur dann für sinnvoll, wenn sie eine bestimmte musikalische Aussage beinhalten würden (mir fällt grad keine ein, gibt's aber bestimmt zuhauf) - aber nicht dann, wenn sie etwa, wie in der Gitarrenliteratur üblich, angefertigt werden, bloß um das Repertoire zu erweitern. Ich denke da etwa an endlose Scarlatti-Sonaten für Gitarre oder an Auswüchse wie die "Schilder einer Baustelle" für Gitarre solo, außer Virtuositätsdemonstration einfach schrecklich.


    Zitat

    Zu den bekanntesten Transkriptionen gehören ohne Zweifel "Die Forelle" von Schubert und "Widmung" von Schumann, beides von Liszt bearbeitet.
    Welche Transkriptionen kennt ihr so, welche findet ihr gut oder schlecht? Würdet ihr auf einen Klavierabend gehen, indem viele Liedtranskriptionen gespielt werden?


    Charles Alkan fällt mir auch noch spontan ein. - Übrigens hat auch Alban Berg viel bearbeitet (nicht transkribiert), und, ich glaube, auch Schönberg: da ging es um bloßes Geldverdienen. Manche Sachen, Strauß-Walzer, klingen aber gar nicht schlecht.
    Caspar Joseph Mertz, Gitarrenkomponist aus dem Wiener Biedermeier, hat Schubert-Lieder für Gitarre bearbeitet, wobei er sich an der Art Liszts orientiert hat: setzt einen guten Gitarristen voraus, dann sind sie recht schön.
    Liszt mag ich sowieso. :)
    Ein Konzert - egal ob Klavier oder Gitarre - würde ich eher nicht besuchen, wenn viele Bearbeitungen vorkämen.


    Herzlichst
    tuonela

    seltsam, wirklich seltsam, daß hier noch niemand das ABQ erwähnt hat ..... :rolleyes:


    ... so sehr ich Kremer und seine Mitstreiter schätze (siehe Einspielungen Lockenhaus) - aber das Alban Berg Quartett ist, für mich, nach wie vor das Quartett.


    Im D 887 einfach großartig! wobei die neue (Live-) Einspielung noch deutlich aufregender ist als die 20 Jahre ältere.


    Herzlichst
    tuonela

    Hallo Glockenton ;) :)


    Zitat

    wenn ich Deine Aussagen zu Kirkby, Livpovsek oder den beiden Tachezis durchlese, bekomme ich es bei diesem Grad der Übereinstimmung :yes:schon fast mit der Angst zu tun... :D aber nur fast.
    Spezialisierte Stimmen wie die von Emma Kirkby mag Harnoncourt ja nicht wirklich - in diesem Punkt habe ich etwas andere ästhetische Ideale als er.


    na, ich denke, wenn man einem bestimmten klanglichen Ideal folgt, kommt man fast automatisch in ähnliche Gefilde. ;)
    Harnoncourt mag vermutlich die Glätte in der Stimme von Kirkby nicht - aber: er hat auch noch nicht mit ihr gearbeitet. Vermutlich würde er dann anderes erfahren, sie natürlich auch ... (ich hab mal in einer FonoForum vor Jahren ein Interview mit ihr gelesen, wo sie Harnoncourt sogar sehr positiv hervorgehoben hat!)
    Bernarda Fink mag ich übrigens auch sehr. (Die oft so positiv erwähnte Natalie Stutzman, die ich in einer Live-Matthäus-Passion im MV erleben mußte, ist hingegen ein Greuel im Barock-Gesang!!).


    Zitat

    Herbert Tachezi ist für mich der Continuo-Tastenspieler überhaupt ( sorry an alle Koopman-Fans) weil er u.a. die Kunst des Weglassens, des luftigen Orgelspiels und des effektvollen Arpeggios beim Cembalo so gut beherrscht.
    Statt alles "vollzududeln" lässt er dem Cellisten oder/und dem Orchester die nötige Freiheit zur Expressivität.
    Da, wo es der ausdrucksmässigen Konzeption dient, unterstützt er durch volleres Spiel.
    Seine Mimik ist im wahrsten Sinne des Wortes "cool".
    Ein wirkliches Original am Originalinstrument :)


    Nix gegen Koopman (Pinnock ist mir aber noch bei weitem lieber): aber er ist kein Continuo-Spieler. Tachezi wiederum ist für mich nicht DER Solist par excellence. Oder besser formuliert: da gibt es gleichwertig gute Solisten. Aber am Continuo ist er unschlagbar. (Wenn du das mal live siehst, dieses bewegungslose Gesicht dabei ... aber wenn eine hübsche Solistin mitwirkt und dann Applaus bekommt, dann hat er plötzlich Mimik! :D)


    Zitat

    Sein Sohn hat sich in der Tat super entwickelt.
    Wenn es um Cellospieler auf diesen Aufnahmen der Bachkantaten geht, mag ich insbesondere den immer unberechenbaren N.H., den lyrischen Rudolf Leopold und, bei den holländischen Beiträgen, Wouter Möller, der für meinen Geschmack weniger trocken und etwas beweglicher als Bylsma spielt ( Möller musiziert für mich zwar auch mit holzig- holländischen Klang, aber mit hörbaren Wiener Einflüssen hinsichtlich Artikulation und Vibrato - eine tolle Kombination)


    Mein Favorit ist aber, neben N.H. natürlich, Christophe Coin. Er hat sich, wie ich es sehe, deutlich in Richtung von H. entwickelt, dabei aber einen eigenen Stil entwickelt. Er ist ja auch immer noch oft - wie auch die anderen "Mosaïque"-Mitglieder -, im Concentus dabei.


    Zitat

    BWV 146 und BWV 30 kannst Du Dir übrigens vom ORF als Live-Mitschnitt von einem diesjährigen Konzert im Rahmen der styriarte auf CD schicken lassen.
    Da hast Du dann die Kombination Harnoncourt/CMW/ASC.
    Bei BWV 30 sind die Unterschiede zur Teldec-Fassung sehr gross...
    Dieser Service des ORF kostet natürlich etwas mehr, als bei normal im Laden erhältlichen CDs, aber für Leute wie uns lohnt es sich durchaus.


    Na, da werde ich wohl mal die Frau Altgrübl anschreiben ... ;) ;) - du siehst, der ORF ist mir nicht fremd. Wir - mein Mann und ich - haben früher x CDs bzw. DATs (die hat mein Mann dann umkopiert und ohne Klatschen und Ansprache auf CD gebrannt: natürlich nur für uns selbst) gekauft. Seit seinem Tod ist das eingeschlafen - anderes hatte und hat Vorrang, und allein ist man anders unterwegs als zu zweit.


    Zitat

    Hier gibt es auch noch was zu sehen und zu hören: Klick
    Zu hören ist hier allerdings der Tölzer Knabenchor.


    das werde ich mir mal anschauen und -hören, in Ruhe. Heute nicht mehr ...


    edit: doch noch angehört *Neugiermodus* - aber das ist die bekannte Einspielung der Kantate (Kantatenwerk Vol 35). Rein rechtlich dürfen sie wohl nicht so einfach eine ORF-Aufnahme ins Netz stellen ........


    Viele Grüße und einen schönen Abend,
    tuonela
    =) :hello:

    Hallo Glockenton :)


    Zitat

    Du hast natürlich damit recht, dass es schlank klingende Frauenstimmen wie z.B die von Barbara Bonney ( BWV 199, auch so eine Lieblingskantate von mir, vor allem die Streicher in "Tief gebückt und voller Reue") zunächst nicht so häufig häufig gab.
    Und die "Unschuldigkeit" mancher Knabenstimmen war sicherlich auch ein Wert für sich.
    Ich finde auch den Unterschied etwa des Tölzer Knabenchores zum ASC schmerzlicher. Der ASC ist m.E. dem unbedingten Ausdruckswillen Harnoncourts technisch und klanglich besser gewachsen.


    Noch lieber ist mir Emma Kirkby ... aber du hast schon recht, Bonney singt diese Kantate schon sehr schön, mag ich auch gerne.
    Und klar - der ASC ist ein reifer und kraftvoller Erwachsenenchor, der kann einfach mehr leisten als ein noch so guter Knabenchor. Ich finde - z. B. auch was die Passionen angeht - ältere und neue Aufnahmen, jede für sich, gut, wobei mir allerdings das Packende der späten Aufnahmen, mit Sängern wie Lipovsek oder Lippert und dem ASC, noch mehr entgegenkommt. Vergleichen mag ich die Aufnahmen eigentlich nicht ...


    Zitat

    Vielleicht meinst Du etwa Detlef Bratschke, dessen Name mir in neuerer Zeit schon als Contra-Alt bei Weser-Renaissance und früher als Blockflötenspieler bei der Aufnahme des "Schwanengesangs" von Schütz durch Heinz Henning aufgefallen ist?


    richtig: Bratschke war es. Genau, und als Blockflötenspieler bin ich ihm auch begegnet. - Und gab's da nicht noch einen Knaben, der dann auch bei anderen Ensembles gesungen hat?? *grübel*


    Zitat

    Jürg Schaeftlein ist eine Sonderklasse für sich, volle Zustimmung!
    Was für eine Persönlichkeit!
    Den Oboisten von BWV 73 finde ich allerdings auch sehr gut ( Ku Ebbinge oder Bruce Haynes? ), obwohl sie ziemlich anders als die von Schaeftlein geprägten Wiener Musiker spielen.
    Die Eigenart des zum Tonende einsetzenden Oboen-Vibratos verriet mir als radiohörendem Autofahrer schon oft, dass WDR 3 wieder einmal eine Bachkantate unter der Leitung Leonhardts aufs Programm gesetzt hat.


    Ja - *seufz* - eine unglaubliche Persönlichkeit. Und so traurig gestorben ... :(
    BWV 73 dürfte Ebbinge gewesen sein (steht an erster Stelle im Heft, zumal Haynes auch Amore gespielt hat). Stimmt schon, beide waren auch gut, so wie ich auch Hailperin sehr mochte. Aber keiner kam an Schaeftlein ran ... ihn hörte ich sofort raus. :)


    (offtopic): auch ein Liebling von mir: der ewig stoische Herbert Tachezi. :) Er spielt ja noch immer, und sein Sohn hat sich ganz schön rausgemacht in den letzten 10 Jahren ...


    Zitat

    Dass die Partituren auf CD nicht mitgeliefert werden konnten, fand ich übrigens sehr schade.
    Ich habe durch das Mitlesen viel gelernt.
    Heute würde man es wohl durch Rechte für Downloads oder Multimedia-Features auf dem Datenträger wieder machen können.


    Ja, finde ich auch - aber das war wohl rein preislich (extra Hülle) nicht machbar. Seien wir also froh, wenn wir noch die LPs haben. :yes:


    LG nach Fredrikstad :)
    tuonela

    Als mein Mann noch lebte, haben wir an jedem Sonntag die dazu passende Kantate gehört (Gesamteinspielung Harnoncourt-Leonhardt). So hat man fast jede mal gehört; hinzu kommen dann noch ein paar ohne Zuordnung. Allein habe ich diese schöne Tradition bisher nicht weitergeführt ... irgendwie fehlt mir was dabei.
    Aber natürlich höre ich nach wie vor gerne die Kantaten!


    Lieblingskantaten sind:
    BWV 8, 12, 13, 20, 21, 25, 26, 27, 56, 60, 81, 82, 106, 146 - so jetzt mal aus dem Bauch heraus (mit dem BWV-Verzeichnis in der Hand ;))


    Herzlichst
    tuonela