Beiträge von greghauser2002

    Lieber Joseph und lieber Johannes,


    wenn man Österreich eher als k.u.k.-Reich denkt, geht natürlich kein Weg an der Operette vorbei. Das war vor einigen Tagen auch mein erster Gedanke.

    Ansonsten stimme ich Joseph II. zu (als großer österreichischer Monarch muss er es ja wissen ;)), dass ein nationaler Patriotismus vermutlich erst in der Zweiten Republik entstand. Nicht umsonst wird die Erste Republik heute aus historischer Sicht als "Republik, die keiner wollte" bezeichnet.

    Für das Österreich der Zweiten Republik passt der Evangelimann gut, auch wenn er natürlich wesentlich früher komponiert worden ist.

    Weitere interessante Gedanken von Alfred, Johannes und Joseph!


    Man könnte das Fehlen typischer Nationalopern (wenn es so etwas denn überhaupt gibt) damit kompensieren, dass man überlegt, welche Oper am ehesten der "Seele einer Nation" nachspürt. Der Komponist müsste also von der Gegend geprägt sein und versuchen, die Mentalität der Menschen, die Reize der Landschaft, typische regionale Auffälligkeiten etc. in die Oper und in die Musik einfließen zu lassen. Da wären wir eben z. B. in Österreich beim "Evangelimann".


    Das Argument, dass viele Menschen diese Opern nicht (mehr) kennen, wäre dann hinfällig. Für die Region Sizilien wäre das sicher "Cavalleria Rusticana". Mascagni hat da der Insel wohl ein musikalisches Denkmal gesetzt.

    Hallo Joseph II.,


    ich habe diesen Thread von Anfang an verfolgt. Ist wirklich interessant.

    Es wurde schon viel - auch über die Schwierigkeit des Begriffs "Nationaloper" - gesagt.


    Wenn ich an bestimmte Regionen denke und dazu passende Geschichten und Musik, dann muss ich unbedingt noch zwei Opern anführen: "Freund Fritz" für das Elsass und "La Wally" für Südtirol.

    Wer jemals die liebliche Landschaft und die schmucken Dörfer zwischen den Vogesen und dem Schwarzwald gesehen hat, wird die wundervolle, passende Musik von Mascagni lieben - allerdings war er Italiener.

    Und die berühmte, auch mehrfach verfilmte Tiroler Geschichte von der Geierwally findet auch eine schöne Entsprechung in der kraftvollen Musik von Catalani, der aber aus der Toskana stammte.


    Außerdem ist mir eigefallen.


    Kroatien:

    Gotovac: Ero, der Schelm


    Und nun zu meinem Heimatland Österreich.

    Österreich:

    - Mozart, Zauberflöte, Beethoven, Fidelio oder hätte Georg Kreisler eventuell Heldenplatz vertonen sollen :untertauch:

    Tja, also damit kann ich als Nationalopern wenig anfangen. Es ist wohl gar nicht so einfach, trotzdem habe ich einen Vorschlag:


    Österreich:

    Kienzl: Der Evangelimann


    Der Komponist stammte aus dem tiefsten Oberösterreich und hat im ersten Teil seines eigenen Librettos wohl teilweise seine Erfahrungen mit dem Landleben verarbeitet. Der zweite Teil der Handlung spielt in Wien, unserer Hauptstadt. Das recht katholische Thema ist auch typisch für Österreich. Außerdem kommt eine Art Nationalsport vor, das Kegelscheiben!


    Die Oper wurde - entgegen der Behauptung in Wikipedia - an der Staats- und vor allem an der Volksoper oftmals inszeniert und große österreichische Tenöre sangen die Hauptrolle des Mathias Freudhofer (wenn das nicht Mal ein österreichisch klingender Name ist): Julius Patzak und Rudolf Christ.


    Die Arie "Selig sind, die Verfolgung leiden" ist bis heute populär. Vor nicht einmal zwei Wochen habe ich sie in einer Kirche in Salzburg während eines Gottesdienstes gehört.

    "Die Vestalin" im Theater an der Wien wäre sicher interessant. Vielleicht auch gerade wegen der schlechten Kritiken. Ich würde mich freuen, deine Meinung hier zu lesen, lieber Bertarido.


    Ich möchte nun auf meinen eigenen Beitrag #181 eigehen. "Oberon" war ja nicht nur im Theater an der Wien zu hören, sondern wird derzeit auch in Salzburg gespielt. Gestern sah ich die Produktion zum zweiten Mal.


    Mir gefällt die Musik außerordentlich. Sie bietet für insgesamt fünf Partien musikalische Highlights, darunter leichte Melodien wie von Mozart, zwei bestimmt unfassbar schwer zu singende Arien für die Hauptfiguren Hüon (Kampflied) und Rezia (Ozeanlied), mehrere schöne Duette, eine berühmte Ouvertüre und schließlich weitere einschmeichelnde musikalische Einfälle, wie den Auftritt der Meermädchen, zwei Soprane, die sonst gar nicht vorkommen.

    Dazu wird in Salzburg Ballett, Parodie und gutes Schauspiel in den Sprechpassagen geboten.


    Das Publikum ist wirklich angetan von der lustig dargebotenen Elfen- und Ritterwelt, die auch ziemlich bissig in die heutige Zeit versetzt wurde. Und eine Prophezeiung möchte ich an dieser Stelle noch machen: Von Anne-Fleur Werner, die meines Wissens in diesem Forum noch nicht genannt wurde, werden wir in Zukunft an größeren Häusern mehr hören. Sie ist nun das dritte Jahr die Erste Sopranistin am Salzburger Landestheater - und eigentlich immer gut.

    Als Rezia schwingt ihre Stimme allerdings derart betörend und in perfektem Einklang mit Orchester durch den Saal, wie ich es in dieser Stadt höchstens einmal auf der anderen Salzach-Seite im Großen Festspielhaus von einer gewissen Anna Netrebko in "Il trovatore" gehört habe.

    Hier kommt noch ein wenig seltenster Franz von Suppé, und bezeichnenderweise heißt die Operette "Die Unbekannte" (lieber Uwe Aisenpreis, kennst Du die?) Die Arie ist wunderschön, und wird von Anton de Ridder gesungen; die Aufnahmetechnik ist leider nicht toll, aber Du lieber Himmel, wie singt der Mann hier! Was für ein voller, goldener Ton, mit strahlender Höhe, was für ein Schmelz, diese wunderbare Phrasierung, mit Verve und Temperament gesungen, das ist grandios, fulminant!


    Diesen Anton de Ridder kannte ich gar nicht. Eine interessante Stimme. Als ich ihn hier hörte, dachte ich unweigerlich ein wenig an Karel Gott. Aber dann sah ich, dass er in Salzburg und Glyndebourne (dort sogar den Florestan) gesungen hat. Die von dir eingestellte Operettenmelodie liegt ihm aber in der Tat besser.

    Wahre Feuerwerke lässt in der Operette der Höhenritter Nicolai Gedda ab.

    Ich empfehle folgende Hörbeispiele, deren Aufnahmedaten etliche Jahre auseinanderliegen:


    Ich muss mit Lehár anfangen, das geht gar nicht anders. "Dein WAR mein ganzes Herz", die kleine, strahlende Schwester der berühmteren Arie aus LAND DES LÄCHELNS, 1953:


    https://www.youtube.com/watch?v=IA8KHSrabPg


    Die Musikalität Geddas kommt zur vollen Wirkung in diesem operettenhaften Stück (mit Anneliese Rothenberger, 1966):


    https://www.youtube.com/watch?v=ESocsGuMSXY

    Gut durch die Jahre gekommen ist die von Carlos Kleiber dirigierte "Fledermaus" mit der hinreißenden Einlage im Finale des zweiten Aktes. Dazu bis 1:37 vorspulen!

    Die Einlage ist im Sinne des Threads wahrlich ein "schmissiger Galopp".

    Schön ist in dieser Operetten-Aufnahme für mich vor allem auch die Begegnung mit dem unterrepräsentierten Pepi Hopferwieser, hier in seiner Paraderolle als Alfred.

    Lieber Carlo,


    ich bin sehr wohl auch Film-Liebhaber. Daher weiß ich deine kenntnisreiche Analyse der Gigli-Filme im Allgemeinen und seines Debüt-Films im Speziellen sehr zu schätzen. Bitte mach weiter! Das ist ja alles druckreif!


    Interessant wäre auch eine Analyse der sieben Mario-Lanza-Filme.


    Liebe Grüße,

    Greg

    Ansonsten scheint der Tenor, hochbetagt, noch zu leben, was mich sehr freut, zumindest habe ich keine gegenteilige Information gefunden.

    Der österreichische Tenor dürfte leider doch schon vor sehr langer Zeit gestorben sein, lieber Don! Aus dem online-Merker (2018):


    3.5. Kurt WEHOFSCHITZ: 95. Geburtstag


    Kurt-Wehofschitz.jpg


    Seine Ausbildung fand an der Musikakademie in Wien statt. 1948 debütierte er am Theater von Linz (Donau) als Wilhelm Meister in »Mignon« von A. Thomas. Er blieb dort während fünf Jahren tätig, sang 1953-54 am Stadttheater von Kiel, 1954-56 am Stadttheater von Nürnberg, wo er 1955 in der Uraufführung der Operette »Das Bad auf der Tenne« von Friedrich Schröder mitwirkte. Er war dann 1956-59 Mitglied der Staatsoper von München. 1959-64 gehörte er dem Ensemble der Düsseldorfer Oper an; er schloss Gastspielverträge mit der Oper von Frankfurt a.M. (1964-66) und mit der Wiener Volksoper (1966-68) ab, an der er noch bis in die siebziger Jahre auftrat, u.a. als Pasqua in E. Wolf-Ferraris »Il Campiello« und als Gluthammer in G. von Einems »Der Zerrissene«; hier wirkte er auch am 13.4.1970 in der Uraufführung von Franz Salmhofers »Dreikönig« in der Partie des Jasper mit. Er sang in München in der Uraufführung von Hindemiths »Harmonie der Welt« (11.8.1957 den Ulrich Greiner-Mars), in Frankfurt 1964 in den Uraufführungen der Opern »Dame Kobold« von G. Wimberger und »Das Foto des Colonels« von H. Searle. Am Düsseldorfer Opernhaus hörte man ihn 1960 in der deutschen Erstaufführung der Oper »Edipo Re« von Leoncavallo in der Rolle des Creon. Er trat als Gast u.a. in Rio de Janeiro, am Teatro San Carlos Lissabon, am Opernhaus von Zürich und an der Wiener Staatsoper (1961 als Flamand in »Capriccio«) auf. Von den vielen Partien, die er auf der Bühne sang, sind der Belmonte in der »Entführung aus dem Serail«, der Basilio in »Figaros Hochzeit«, der Leandro in »Il mondo della luna« von J. Haydn, der Leukippos in »Daphne« von R. Strauss, der Alfredo in »La Traviata«, der Titelheld in Verdis »Don Carlos«, der Riccardo in »Un Ballo in maschera«, der Ero in »Ero der Schelm« von J. Gotovac, der Tom Rakewell in »The Rake’s Progress« von Strawinsky, der Ercole in »Leonore 40/45« von Liebermann und der Gluthammer in »Der Zerrissene« von G. von Einem zu nennen. Auch auf dem Gebiet der Operette beherrschte er ein umfangreiches Repertoire. Er starb am 29.12.1979.

    Schallplatten: Remington (Max in vollständigem »Freischütz«), DGG (»Carmen«, Duette mit Rita Streich, kleine Partie im »Fidelio«), HMV-Electrola, Columbia, Ariola (Operettentitel).

    Das macht mich doch recht neugierig. Meldest du dich bei mir? Du bräuchtest an meinen nickname, mit dem du mich hier anredest, nur ein @yahoo.de hinzufügen. Würde mich freuen, von dir zu hören. LG Greg

    greghauser2002 : Falls noch Bedarf am Heft 'Stimmen, die um die Welt gingen' mit Rudolf Christ besteht, könnte ich mein Exemplar unter Bedingungen leihweise zur Verfügung stellen.


    :hello:Klaus

    Vielen Dank. Das ist wirklich nett. Aber ein anderes Mitglied hat mir schon vor einiger Zeit eine Kopie geschickt. Wunderbar, wie sich die Opernfans hier gegenseitig helfen.


    Auch wenn du Terkal nur einmal live erlebt hast, lieber Klaus, beneide ich dich darum. Immerhin. Und an dem Abend waren offenbar noch mehrere andere Legenden in der Besetzungsliste. Ich finde solche Berichte von Zeitzeugen äußerst spannend, da ich selbst zu jung bin, um vor den 90er-Jahren in die Oper gegangen zu sein.


    Die angesprochene Aufnahme von Rossinis "Stabat Mater" habe ich ebenfalls. Sie ist in der Tat beeindruckend.

    Der Bariton Howard Keel, der auch einmal gemeinsam mit George London in Händels „Saul“ sang, machte nicht nur in vielen Musikfilmen der MGM, sondern auch in Western und vor allem in der Hauptrolle des Historienfilms über den Apostel Petrus („Der Fischer von Galiläa“) eine gute Figur. In den 80er Jahren erzielte er noch einmal große Popularität als zweiter Ehemann von 'Miss Ellie' in der TV-Serie „Dallas“. Ich habe von ihm eine 1984 bei der 'CBS' neu aufgenommene Schallplatte („And I Love You So“) mit – in leicht jazzigem Arrangement dargebotenen - 'Evergreens', u. a.von Charles Aznavour. Irving Berlin, Gene De Paul, Jerome Kern, Andrew Lloyd Webber, Cole Porter und Stephen Sondheim. Es ist erstaunlich, wie viel an Stimme und Ausdruck der damals 65jährige Sänger (gestorben 2004) noch zu bieten hatte.

    Lieber Carlo,


    herzlichen Dank für diese überaus interessanten und exakten Informationen. Ich bin nämlich tatsächlich auch großer Filmfreund und als solcher kenne ich natürlich Howard Keel, der ja auch als reiner Schauspieler ohne Gesangsparts aufgetreten ist (ich erinnere mich z.B. gut an ihn in dem Western "Verwegene Gegner" neben Kapazundern wie Robert Taylor, Ava Gardner und Anthony Quinn).


    Es ist eigentlich unglaublich, dass damals von der deutschen Synchronisation sogar die Gesangsstimmen neu eingespielt wurden. Das machte doch gerade den Reiz dieser Filme aus, dass beliebte Sänger die Menschen unterhalten haben. Und diese wurden auf Deutsch einfach ausgetauscht, aber immerhin - wie wir von dir gelernt haben - ebenfalls von Könnern ihrer Zunft. Trotzdem: Man stelle sich einen Mario-Lanza-Film vor, indem er in allen Gesangsstücken etwa von Rudolf Schock ersetzt worden wäre …:wacko:

    Lieber Greghauser,


    eine ganz tolle Sache, die Du da angestoßen hast, klasse! Ich habe direkt Deinen youtube-Kanal abonniert und möchte andere Taminos ermuntern, desgleichen zu tun. Und gerade Hans Krotthammer, der mir bisher überhaupt noch kein Begriff war, ist eine echte Entdeckung, eine wunderschöne Stimme, kristallklare Diktion, sensible Phrasierung und äußerst kultiviert gesungen. Ich bin gespannt, was da noch alles kommt. Danke für all Deine Arbeit.


    Da Hans Krotthammer, der definitiv viel zu unbekannte Tenor, einige positive Reaktionen ausgelöst hat (siehe YouTube), habe ich ein bisschen nachgelegt. Wie ich auch in einem anderen Thread, den aber vielleicht nicht alle lesen werden, ebenfalls schon erwähnt habe. Wäre gespannt auf Reaktionen:


    https://www.youtube.com/watch?v=tgvQ9Eniz5w

    Der in Wien geborene Bloch (1906-1984) musste während des Zweiten Weltkriegs fünf Jahre lang Wehrdienst leisten. Nach kurzer Kriegsgefangenschaft ging er 1945 für 30 Jahre nach Graz, um dort hauptsächlich Komposition zu lehren. Seine eigenen Werke, für die er auch meistens den Text selber schrieb, wurden in Graz aufgeführt. Trotz seiner sicher schlimmen Erlebnisse in den Kriegsjahren, widmete er sich gern Themen mit positiver Lebenseinstellung, etwa dem Ritterroman "Das Käthchen von Heilbronn" oder eben dem "Diener zweier Herren" nach einem beliebten alten italienischen Stück gleichen Namens von Carlo Goldoni.


    Ich habe zwei Solo-Szenen für den Tenor des Stücks - Florindo, hier interpretiert vom Oberösterreicher Hans Krotthammer - aus der Grazer Uraufführung von 1961 auf YouTube eingestellt.

    Ich bin eigentlich kein besonderer Freund von moderneren Opern, jedoch kann man diese Musik durchaus als gut konsumierbar bezeichnen. Das zweite Stück (ca. ab Minute 4:30) ist regelrecht melodiös-arios. Ich wäre durchaus gespannt, ob andere Taminos diese Oper kennen, oder sich auf die hier präsentierten Musikbeispiele einlassen können. Bitte verzeiht den Fehler in der Maske des Videos: "Herrn statt Herren"8o.


    https://www.youtube.com/watch?v=tgvQ9Eniz5w

    Der in diesem Thread verewigte und verehrte Rafael Kubelik dürfte nicht nur ein hervorragender Musiker gewesen sein, sondern auch ein außergewöhnlicher Mensch. Waldemar Kmentt bezeichnete ihn in der Sendung Da Capo als seinen Lieblingsdirigenten und begründete dies damit, dass Kubelik sehr "menschlich" mit Sängern umging, was Kmentt, der nun wirklich mit allen Größen zusammengearbeitet hatte, nicht allen Kollegen Kubeliks attestieren wollte - freilich ohne spezielle Namen zu nennen.

    Ja, die Gedenksendung kann man durchaus als gelungen bezeichnen.


    Es gibt einige Mitschnitte mit Karl Terkal, die nie offiziell veröffentlicht wurden. Der leider verstorbene Ö1-Moderator Gottfried Cervenka, der, nebenbei gesagt, selber ein spezielles Plattengeschäft führte und unendlich viele Aufnahmen besaß, hat immer wieder etwas ausgegraben und auch im Radio gespielt.


    Robert Fontane möchte nun, so hat er es bei der Terkal-Veranstaltung in Favoriten selbst gesagt, nun in seine Fußstapfen treten. Das wäre wünschenswert.


    Von den vielen angesprochenen Anekdoten, die von Terkal überliefert sind, hätte er aber zumindest ein oder zwei erzählen können. Das hätte Cervenka bestimmt gemacht ...

    Kleiner Nachtrag zur Veranstaltung (auf Anregungen eines anderen Taminos, den ich dort netterweise traf).

    Der Saal war zum Bersten voll (ca. 150 Leute), was mich sehr gewundert und gefreut hat.


    Die Stimmung war gut, feine Anekdoten wurden erzählt, die Stimme Terkals erklang in raren Aufnahmen. Auch ich selbst wurde (zu meiner großen Überraschung) auf das Podium gebeten und zum bald erscheinenden Buch über die "Österreichischen Tenöre" befragt.


    Schön, dass solche Veranstaltungen immer noch stattfinden können. Sie müssen halt mit Herzblut geplant und moderiert werden, dann gefallen sie auch den Menschen von heute. Es waren nämlich nicht ausschließlich Senioren im Publikum.


    Abschließend noch ein Hör-Tipp: Dienstag, 8.10. um 10.05 Uhr: "Anklang - Karl Terkal, vom Tischler zum Tenor". Der Gestalter der Sendung, Robert Fontane, war ebenfalls bei der Veranstaltung anwesend.

    Nie wieder Oper - Ein Tatort

    Ja, diese Folge empfehle auch ich jedem Opernfan!

    Kennt jemand noch andere youtube-Einstellungen von Opern- oder Operettenfilmen (so soll Gobbi in mehr als 40 Filmen mitgespielt haben) oder Filme wie die 3 Lanza-Filme, die man youtube sehen kann??

    Mit Mario Lanza gibt es sieben Filme als Schauspieler in der Hauptrolle. Hier ist einer davon (allerdings in der amerik. OF):

    https://www.youtube.com/watch?v=jxCy1xIbNGc


    Und nun eines der witzigsten und kuriosesten Beispiele eines Opernsängers als Filmstar. Woody Allen hatte in seinem Episodenfilm "To Rome With Love" eine für ihn typisch absurde Idee, nämlich einen italienischen Familienvater unter der Dusche als wahren Caruso darzustellen. Allen selbst spielt einen Opernproduzenten, der diesen Mann aus dem Badezimmer trällern hört und ihn natürlich gleich engagiert. Das Problem ist: Der Tenor kann nur singen, wenn er unter der Brause steht. Daher müssen sich alle Inszenierungen (im Film beispielsweise "Pagliacci") so abspielen, dass der Tenor-Held beim Singen duschen kann. Das führt natürlich - sofern man Allens Humor mag - zu wahren Lachsalven. Den Tenor spielt Fabio Armiliato (der Bruder des Dirigenten) und er singt wirklich betörend schön. Einige Jahre später habe ich ihn in Wien an der Staatsoper erlebt und musste feststellen, dass er lieber dem Kino treu bleiben sollte ...

    Vielen Dank lieber Greghauser für diesen Hinweis.

    Ich hatte schon immer ein Faible für diese kraftvolle Stimme. So leidenschaftlich gesungen habe ich noch keinen André Chénier vernommen. Das wäre die Rolle seines Lebens gewesen :hail:

    Jetzt, wo ich meine neue CD höre, denke ich mir das ehrlich gesagt öfter. Chenier, aber auch Radames, Alfredo, Alvaro … das klingt alles nach Rollen des Lebens! Aber das "Improviso" mit Klavier und Stimmen im Hintergrund (weil es vermutlich nur der Mitschnitt einer Gesangsstunde ist) schlägt wirklich alles.



    Lieber Greghauser,


    danke für dieses kleine Geschenk. Genau wie Siegfried mag ich diese Stimme und bedaure, daß er sein Leben und seine Karriere selbst zerstört hat.

    Mir gefällt aus Deiner Einstellung besonders das Lamento des Federico. Seine klare, in der Höhe metallische (aber manchmal auch gepreßt klingende ) Stimme läßt besonders bedauern, daß er die Nachwelt nicht mit noch mehr Beispielen seiner Gesangskunst beglücken konnte.

    Danke für das Lob. Aber die Einstellungen sind nicht von mir, sondern von echten Lanza-Experten.

    Die drei großen Tenorhelden der 80er-Jahre wurden natürlich alle auch für den Film vermarktet. Carreras und Pavarotti sind jeweils in einem Spielfilm als Hauptdarsteller aufgetreten.

    Während die seichte Komödie "Geliebter Giorgio" (1982) auch hierzulande lief (hab ich mal im TV gesehen), ist der Carreras-Film eine Rarität. Der Tenor stellt die historische Figur Julian Gayarre dar, der Streifen mit dem Titel "Romanza final" (1986) ist ein biographischer Film, der aber fast nur in Spanien lief. Weibliche Hauptdarstellerin ist immerhin die bekannte Schönheit Sydne Rome.

    Domingo spielt natürlich in vielen echten Opernverfilmungen mit, die auch im Kino liefen. Außerhalb seines angestammten Genres habe ich einmal einen charmanten Auftritt in "Die Cosby Show" mit ihm gesehen, wo er in der Wohnung der TV-Familie Huxtable auftaucht und dort im Wohnzimmer auch a capella Lieder zum Besten gibt.

    Ein paar besondere Filmauftritte von Opernsängern, die mir spontan einfallen:


    Mit Hans Moser spielten zwei der berühmtesten Tenöre: Leo Slezak (Der Herr im Haus, 1940) und Beniamino Gigli (Mutterlied, 1937).

    Köstlich finde ich den Auftritt von Jan Peerce als Gefängniswärter in dem amerikanischen Film "Something in the wind". Er singt mit seiner Gefangenen (Deanna Durbin) ein Duett aus "Il trovatore" und lässt sich dabei die Schlüssel stehlen.

    Beim Mario-Lanza-Film "Der große Caruso" taucht Dorothy Kirsten öfter als Partnerin auf der Bühne auf.

    In deinen Ausführungen, lieber Rüdiger, beschreibst du auch, dass der Hauptdarsteller bisweilen eine Opernvorstellung besucht.

    Im Film "Fitzcarraldo" von Werner Herzog ist das der Ausgangspunkt für die gesamte Story. Die Hauptperson (Klaus Kinski) ist von der Opernaufführung und vor allem vom Protagonisten Enrico Caruso derart beeindruckt, dass sie eine eigene Oper mitten im Amazonas bauen will, um auch dorthin Caruso einzuladen.

    Nun brauchte man für diesen Film von 1982 jemanden der so schön singt, dass man ihm abnimmt der maßlos beeindruckende Caruso zu sein.

    Veriano Luchetti sang den Caruso in der Titelrolle des Banditen "Ernani".


    In einem neueren Film wird wieder Caruso gezeigt, als er vor armen italienischen Einwanderern singt, die auf Ellis Island darauf warten, entweder in die Staaten hineingelassen, oder aber abgeschoben zu werden. Diese armen Kreaturen sollen durch den Wohlklang der Stimme des bekanntesten Opernsängers der Welt zumindest für kurze Zeit von ihren Sorgen abgelenkt werden. Wer übernimmt in "The Immigrant" (2013) in Bild und Ton die Aufgabe, der große Caruso zu sein? Joseph Calleja