Beiträge von Bachianer

    Vielen Dank Bachianer für die Information. Durch das Forum wurde ich angeregt, bei den Werken, die ich mir so anhöre nach Datierungen für die Komposition zu suchen, was ich früher nie gemacht hatte. Ich finde es nun interessant zu sehen, was so gleichzeitg entstanden ist und nicht nur die Chronologie der Werke eines einzelnen Komponisten zu sehen. Leider ist es mir von der Ratkowska CD nur gelungen, die Polonaisen zu datieren. Da ich bloß einen Download habe, war ärgerlicherweise das Booklet nicht dabei ... Gibt es das irgendwo als pdf im Netz?

    Datierungen von Kompositionen sind ein großes Problem, es sei denn, der Komponist hat ein Datum auf das Manuskript gesetzt. Schon eine Drucklegung aus der Zeit (mit Jahreszahl) kann Zweifel aufwerfen, da man nicht weiß, ob der Komponist nicht ältere Werke dort eingebracht hat (CPEB´s in Druck gegebene "Kenner, Liebhaberwerke" sind ein gutes Beispiel hierfür). Eine Ausnahme sind Werkverzeichnisse von den Komponisten erstellt, Beispiele: CPEB oder Mozart nach KV449).

    Die Werke Goldbergs sind schwer zu datieren, da sie fast alle nur in Kopien überliefert sind. Dort ist zwar der Komponist angegeben, aber ohne Datum. Seine frühesten Werke sind die beiden Kantaten. Dort hat man in JS Bachs Originalschrift eine Violinstimme gefunden. Also müssen diese Kantaten zu JSB`s Lebzeiten entstanden sein. Für alle weiteren Kompositionen bleibt eine Datierung der Fantasie der Muwis überlassen ;).

    Eine Booklet-pdf habe ich leider auch nicht gefunden. Es gibt aber auch keinerlei Datierung an.

    Hallo astewes,

    die bislang überlieferten Werke Goldbergs sind alle in Noten und CD´s veröffentlicht. Es hält sich in Grenzen, da er sehr jung gestorben ist. Die letzte "Entdeckung" (Sonate F-Dur für Cembalo, von Ratkowska eingespielt) stammt übrigens von mir. Das Bach Archiv bat mich, die umgangreiche, handgeschriebenen Clavierwerke aus dem Kulukundisdossier zu durchsuchen und ggfls. einzuordnen. Da tauchte dann, nach längerem Forschen diese Goldbergsonate auf. Mein Name taucht dann ja auf dem booklet der Ratkowska-CD auf.

    Die übrigen Goldbergwerke:

    https://www.jpc.de/jpcng/class…rio-sonaten/hnum/10682531

    https://www.jpc.de/jpcng/class…s-dur-d-moll/hnum/8097293

    : Geistliche deutsche Barockmusik, CD

    "Die auf der gezeigten CD (leider bereits gestrichen) enthalten die Werkeverzeichnis Nummern Wq 71 - Wq75 und ein frühes Werk aus 1732, welches einst Johann Sebastian Bach zugeschrieben wurde (BWV 1020)"


    Über die Autorschaft dieses Werks, ob JSB oder CPEB, gibt es seit Jahrzehnten eine Auseinandersetzung. Diese Sonate liegt in 3 Abschriften vor:

    a) aus dem Nachlass von Brahms: Komponistenangabe: JSB. Kopist: JH Michel (Hamburg), viele Jahre als Kopist von CPEB tätig.

    b) Kopie aus der Sammlung des JG Schicht, Thomaskantor und Enkelschüler von JSB. Komponistenangabe: "Del Sign. Bach". Dieses Exemplar dürfte wohl eine Kopie einer im Breitkopfkatalog 1763 angegebenen Handschrift sein. Komponistenangabe: "Sonata del Sigr. C:P:E: Bach".

    c) Kopie des Wieners Anton Werner aus Mitte des 19. Jhdts. Komponistenangabe: "comp. da G. Seb. Bach".

    Alle Kopien weisen signifikante Unterschiede auf und enthalten etliche Fehler.

    Viele Jahrzehnte galt diese Sonate als ein Werk von JSB. Deswegen wurde es in das BWV als Nr. 1020 aufgenommen.

    Danach kamen die Beurteilungen der "berühmt-berüchtigten" Stilanalysten. Diese stellten dann lapidar fest, dass der Kompositionsstil dieser Sonate nichts mit dem "ach-so bekannten" Stil JS Bachs zu tun hat, und deswegen nicht von ihm sein konnte, und....schwupps! wurde CPEB als Komponist eingeführt. Diese Stilanalysten hatten jedoch übersehen, dass JS Bachs gesicherte Flötensonate Es-Dur, BWV 1031 auch nichts mit dem "ach so bekannten" Stil Bachs zu tun hat, sondern große Stilähnlichkeiten mit BWV 1020 hat.

    Neuerdings neigt sich die Komponistenzuordnung dieser Sonate wieder stark zu JSB hin.

    Hallo @ patebino,

    nicht dafür, die Bachschüler sind so mein kleines Steckenpferd.

    Die MDG-Döling-Aufnahme der Goldbergkonzerte habe ich schon lange. Sie waren damals die einzige Möglichkeit. Interpretatorisch hatte ich so meine Zweifel und war sehr froh, dass die Ratkowska sie jetzt auch eingespielt hat. Aus meiner Sicht: hervorragend.

    Die Solowerke mit Ratkowska werden dir große Freude bereiten. Ohne meine Hilfe wäre diese Gesamtaufnahme nicht erfolgt. Im booklet bedankt sich Alina auch dafür.

    Falls du selbst spielst, ist Üben angesagt. Spätestens beim Schlusssatz der D-Dur-Sonate wird es "ungemütlich". Er ist für Liebhaber kaum beherrschbar.

    Johann Gottlieb GOLDBERG (1727 - 1756)

    Der Name Goldberg dürfte Musikliebhabern hinlänglich bekannt sein. Bachs berühmte "Goldberg-Variationen" haben das ermöglicht. Nur, was verbirgt sich hinter "Goldberg"? Nach einigen Recherchen im Internet habe ich eine informative Seite gefunden:



    Dort wird kurz das Leben und Werk Goldbergs beschrieben. Danach wird seine Triosonate in C-Dur sehr gut interpretiert vorgeführt. Sie segelte viele Jahrzehnte unter dem Namen JS Bachs....und war berühmt. Dem Hörer verlangt sie Einiges ab, kein Vergleich mit den niedlichen Triosonaten aus der Zeit. Darauf muss sich der Hörer bei den erhaltenen Werken Goldbergs einstellen.

    Der früh verstorbene Goldberg hat, trotz seines Vernichtungstriebes einige hinterlassen.


    Dort sind seine beiden Kantaten, die Bach in St. Thomas aufgeführt hat, zu hören. Keine leichte Kost, aber genial!



    Seine überlieferten Cembalowerke gibt es auch auf CD´s, darunter die von mir in einem handschriftlichen Notenberg entdeckte Sonate in F-Dur. Leider wird die hervorragende Ratkowska-Aufnahme nicht bei jpc geführt.

    Da gibt das "Krebs, Werkeverzeichnis" von Felix Friedrich (Kamprad Verlag) Auskunft:

    KWV 828 - 831: Drucklegung nicht nachweisbar, weitere Quellen verschollen

    KWV-832 - 837: tja, die gibt es tatsächlich, auch in einem Notenneudruck ( Dr. J. Butz, Musikverlag/Bonn), erschienen 2011. Das hat sich wohl bei den Berufsinterpreten noch nicht herumgesprochen.

    Diese Sonaten liegen im Archiv der Berliner Singakademie, welches erst seit 15 Jahren wieder in D einsehbar ist. Sie wurden übrigens von mir dort "ausgegraben", da ich nach Rückkehr des Archivs dort 2 Jahre kommissionarischer Betreuer war. Ich habe dann sofort Herrn Felix Friedrich aks Krebs-Spezialisten informiert und den Neudruck freigegeben.

    KWV 843 - 848: die Fugen sind 2002 im Neudruck erschienen (Carus Verlag)


    Noch ein "Krebs-Ohrenschmaus":

    KWV 840: Concerto a due Cembali

    Leider bietet jpc keine CD´s mehr dazu, obwohl es 3 Aufnahmen gibt:

    -Label Globe 5179, Egarr/Ayrton

    -Label harmonia mundi, Cremonesi/de Marchi

    -Rene Gailly International, Heyerik/Penson

    Als alter Cembalospieler und Liebhaber der Tasteninstrumentmusik der Bachschüler gebe ich noch 2 Empfehlungen:


    KWV 820, Ouvertüre g-moll. Sie ist recht "bachisch" konzipiert, also scharfe Ouvertüre mit aufregender Fuge, danach sehr ansprechende Tanzsätze. Bei der Paysanne hört man so richtig die Bauern über den Boden stampfen.

    KWV 838, Sonate a-moll. Die ist nun nicht "bachisch" konzipiert, sondern eher Sturm und Drang in Verbindung mit einem elegischen langsamen Satz.


    Viel Spaß dabei!

    Hallo @ astewes


    "pipoforze"? Ach du meine Güte, da habe ich wohl vertippt, gleich wie m-mueller mit "hapsichord". Claro: pianoforte!

    Deine o.a. Aufnahme zeigt mit aller Deutlichkeit, dass man Graupner auch sehr gut auf neuen Pianofortes spielen/interpretieren kann (übrigens spielt Clark Bryan recht "hip").

    Was mich gewaltig an m-muellers Posting gestört hat: seine Bezeichnung für das Cembalo als ein "nicht-ordentliches" Instrument. Man kann den Cembaloklang nicht mögen, das ist subjektive Geschmackssache. Dann schreibt man "gibt es auch Graupnerstücke gespielt auf modernen Flügeln" und diskreditiert nicht andere Instrumente und deren Spieler.

    Und das ist genau mit ein Grund warum hier im Forum Kenner/Liebhaber älterer Musik nicht mehr dabei sind. Sie wollen diese Dämlichkeiten nicht mehr mitmachen.

    Soweit meine Kenntnisse reichen, hat Haydn seine Sinfonien nicht beziffert....aber, bis Sinfonie 52 beinhaltet die jeweilige von ihm angegebene Instrumentenliste stets das Cembalo. Danach nicht mehr. Es ist jedoch bekannt (siehe London), dass ein Generalbassinstrument mit dabei war und bespielt wurde.

    Von Mozart ist hinlänglich bekannt, dass er

    - bei allen seinen Clavierkonzerten vom Anfang bis zum Ende mitspielte, Klartext, er war der Solist UND führte das obligate Accompagnement bei den Orchesterpartien aus.

    - die Opern vom Cembalo aus leitete.

    Für Beethoven gilt das bei seinen Clavierkonzerten auch!

    Wenn ich mir nun heute das Verhalten der sog. "großen" Klaviervirtuosen bei der Ausführung o.a. Klavierkonzerte so betrachte, bekomme ich Lachanfälle. Orchesterpartie? Da sitzt man vor dem Flügel, Hände auf dem Schoß, ab und zu ein beseelter Blick gen Himmel. Fängt das Solo an, werden telegen die Hände an den Flügel geführt, noch ein beseelter Blick gen Himmel...und dann gehts los.

    Für dieses Affentheater sollte man den Virtuosen ab und zu kräftig in den Hintern treten :D.

    In früheren Zeiten war man nicht so empfindlich mit der Definition "Barock". Recht einfach: dort, wo Ziffern unter der Bassstimme stehen biste im Barock gelandet. Der Generalbass spielte eine wichtige Rolle: die "neue" Hervorhebung melodiöser Oberstimmen verlangten nach einer harmonischen Ausfüllung der Bassstimme. Eine Solosonate, gespielt vom Soloinstrument und einem Bassinstrument galt auch schon damals als langweilig und damit unbrauchbar. Je nach den Fähigkeiten des Generalbassisten konnte der aus den Ziffern einiges "herausspielen".

    Der Generalbass hat sich jedoch länger gehalten als stilistisch erforderlich. 1792, Haydn in London: Aufführung seiner Londoner Sinfonien: Dirigent war Salomon, am Generalbasscembalo: Joseph Haydn. War also Haydn auch "barock"?8o

    Bei mir ist jetzt nach dem "anstrengenden" Goldberg nun Christoph Schaffrath dran, seine Sonate Nr. 6 in g-moll für Tasteninstrument:

    -Poco Allegro

    -Fuga

    -Adagio

    -Allegro

    Schaffrath (1709 - 1763), hier wohl völlig unbekannt, war zuerst Hofcembalist bei Friedrich . G. (zusammen mit CPEB), danach Hofkomponist bei der Prinzessin Amalie von Preußen. Diese hatte einen recht "konservativen" Geschmack, liebte die Musik von JSB (die Amalienbibliothek ist eine der Hauptquellen für JSB-Werke).

    Tja, ist Schaffrath nun ein "Barockkomponist", oder gehört er schon einer "späteren" Richtung an? Diese Sonate antwortet: "beides".

    Die Noten der 6 Sonaten: Cornetto Verlag

    Neben vieler Cembalokonzerte und Kammermusik hat er auch 2 Duette für 2 Cembali hinterlassen. Die sind wirklich spielens/hörendswert!!


    https://www.youtube.com/result…uery=christoph+schaffrath

    Mir ist zwar nicht so ganz klar, woraus Du das schließen willst, aber tatsächlich habe ich in den letzten Jahren fast nicht mehr meine Instrumente berührt. Auf denen habe ich aber eher nicht Barockmusik gespielt, außer Bachs Soloviolionmusik, da ich kein Cembalo habe und Barock auf dem Pianoforte nicht mag. Und da der Stutzflügel genug Platz braucht, kommt auch kein Cembalo in die Wohnung.

    Du scheinst ja zu glauben, dass man keine Oper mehr mag, wenn man Instrumente spielt - dem ist nicht so. Ganz abgesehen davon habe ich hier aber eigentlich nie über meine "Vorlieben" gesprochen, außer der, mich an der Musikwissenschaft zu orientieren, mit der Du nicht so zurechtzukommen scheinst.

    Da sind wohl Missverständnisse eingetreten.

    Wie wäre es mit einem Clavichord für Barockmusik auf Tasteninstrumenten? Klein, leicht zu transportieren, das Stimmen bereitet auch wenig Probleme.

    Dass man keine Opern mag, wenn man ein Instrument spielt, habe ich nie behauptet. Es gibt hervorragende Opernmusik. Nur, die höre ich mir konzertant, ggfls auf CD an und erspare mir somit das Bühnenaffentheater.

    Auch mein Bücherschrank ist voller Werke von Muwis. Nur, unter denen gibt es auch Phantasten und Spinner.

    Einwand. Mir geht es nicht um Berufsmusiker/Muwis, sondern um spielende Liebhaber/Laien. Die unterscheiden sich wohl seltener von den von dir zitierten "sammelnden Hörern". Auch sie haben/hatten musikfremde Berufe, mit dem kleinen Unterschied, dass sie spielend hören und versuchen zu interpretieren, was sicherlich subjektiv ist und bleiben wird. Dabei kommt man dann möglicherweise zu unterschiedlichen Beurteilungen/Bewertungen als die sammelnden Hörer. Spinner gibt es leider überall.

    Jeder Musikinteressierte weiß, dass Interpreten in den meisten Fällen nicht anderes als die gedruckten Noten vor sich haben mit der Folge, dass unterschiedlich interpretiert wird. Ein Hörer findet die Interpretation toll, der andere zum Kotzen, nur, was kann ein Dritter damit anfangen?

    Im Eröffnungsbeitrag stand unter anderem:

    Ich denke, es ist inzwischen klar, dass es wesentlich mehr als 100 sind, und man dementsprechend die Zahl heraufsetzen oder einen zweiten Thread in Aussicht stellen kann.


    Ansonsten ist die Aussagekraft der ersten 100 ja endenwollend ... tendenziell weniger Früh- als Spätbarock und weniger geistliche als weltliche Musik in der Auswahl. Die Bekanntheitsgrade der Genannten ist breit gestreut. Moderato hat versucht, den Anspruch "aus der ganzen Welt" ernst zu nehmen, bei ein paar Mitgliedern erkennt man, was sie gerne sammeln/hören (Fiesco: Oper, Alfred: orchestrales Spätbarock, bachianer/astewes: Cembalomusik). Mehr kann ich nicht daraus destillieren.

    Doch, daraus kann man mehr destillieren, nämlich dass auch du, wie die Mehrzahl der schreibenden User zu den "sammelnden Hörern" gehörst. Die Instrument-spielenden User (und ich meine damit nicht unbedingt Profis) schreiben hier nicht (mehr). Das halte ich für einen gravierenden Nachteil des Forums, welches seit einiger Zeit zu einem "Coverwedelforum" degeneriert ist.

    Deswegen bitte ich die spielenden User, die sicherlich unter den Lesern zu finden sind, sich hier aktiv schreibend zu beteiligen. Deren Erfahrungen, Analysen, Eindrücke können sich gewaltig von den "Nur-Hörern" unterscheiden.

    Es wird zu wenig geistliche Musik gehört, ja. Z.B. als ich Peri nannte, kamen Monteverdi, Caccini und da Gagliano nach, aber nicht Cavalieri, d'India und Grandi. Zwischen Schütz und Buxtehude geht auch nichts weiter ...

    ...und die spielte im Barock noch eine große Rolle, gleich ob römischer oder lutherischer Konfession.

    Wo bleiben die Concerti grossi, Ouvertüren, Triosonaten, Solosonaten, das enorme Tasteninstrumentschaffen? Still ruht der See.....

    Hallo Alfred,

    vorab: es war eine sehr gute Idee diesen "100 Barockkomponistentread" einzubringen.

    Aus meiner Sicht bringen User die Kandidaten ein, die sie kennen und deren Musik sie irgendwie präferieren. Ein Opernfan bringt Opernkomponisten, ein Tasteninstrumentfan (so wie ich, der mit Opern nur sehr wenig im Sinn hat) bringt Komponisten, die viel und gute Musik für Tasteninstrumente geschrieben haben.

    Samuel Scheidt (1587 - 1654)

    nicht nur Frescobaldi, sonder auch seinen Zeitgenossen Samuel Scheidt kann man unter die große Komponisten für Tasteninstrumente einreihen. Seine Chormusik ist auch nicht zu verachten.


    "Tabulatora nova I - III"


    Für Spieler: Tabulatora I - III, Edition Breitkopf 8565

    Johan Helmich ROMAN (1694 - 1758)

    mal wieder weg von den altbekannten "Musikländern", seien sie deutsch-, italienisch-, französisch sprechend (und den "Operisten").

    Roman, in Stockholm geboren und in Kalmar gestorben war von 1727 Hofkapellmeister und wird als der "schwedische Händel" bezeichnet. Von seiner Ausbildung her nicht zu Unrecht, da er von 1715 bis 1721 bei Pepusch in London war, und Händel, Ariosti kannte.

    Seine Werke sind vornehmlich für den Hof komponiert, also Kirchen- , Festmusiken für viele Anlässe, aber auch Konzerte und Kammermusiken. Letztere sind sehr italienisch beeinflusst, Vivaldi abgelauscht und "langweilen" auf die Dauer. Das gilt jedoch nicht für seine Clavier/Kirchen/Hofmusik.


    Johan Helmich Roman: Drottningholmsmusiken, CD     Johan Helmich Roman: Klaviersuiten Nr.1-12, CD   Johan Helmich Roman: Geistliche Werke, CD


    Christoph GRAUPNER (1683 - 1760)

    Dieser Komponist, seit einger Zeit wieder "entdeckt", erfreut sich zunehmender Beliebtheit (nur nicht hier im Forum). Thomasschüler (seine Lehrer: Schelle und Kuhnau), wurde 1705 Cembalist an der Hamburger Oper (er schrieb dort auch etliche Opern), 1709 stellte ihn der Landgraf von Hessen Darmstadt ein und ernannte ihn 1711 zum Hofkapellmeister. Dort verblieb er bis zu seinem Tod. 1723 bewarb er sich für das Thomaskantorat, was der Landgraf durch eine schöne Gehaltserhöhung verhinderte.

    Das Erstaunliche: fast alle seine Werke sind erhalten! : Er schuf etwa 2000 Werke: 1418 kirchliche Kantaten (von denen die meisten noch der Wiederaufführung harren), 24 weltliche Kantaten, 113 Sinfonien, 44 Solokonzerte für ein bis vier Instrumente, 80 Orchestersuiten, 36 Kammersonaten, etwa 30 Claviersuiten, sowie mindestens acht Opern. Auch der CD/Notenmarkt ist durch Neuaufnahmen/editionen erfreulich in Bewegung geraten:

    Christoph Graupner: Sämtliche Werke für Cembalo, CD,CD,CD,CD,CD,CD,CD,CD,CD,CD,CD,CD,CD,CD     Christoph Graupner: Weihnachtskantaten, CD  Christoph Graupner: Concerti, CD  Christoph Graupner: Orchesterwerke Vol.3, CD


    Für Clavierspieler: eine sehr gute Neuedition seiner Clavierwerke:

    http://www.primalamusica.com/c…/en-uk/d152_Page_152.html

    Carlos SEIXAS (1704 - 1742)

    Nachdem @ patebino mir den norddeutschen Georg Böhm "geklaut":) hat, hausiere ich jetzt in den südlichen Gefilden.

    Nicht nur D. Scarlatti ist das Vergnügen der Tasteninstrumentspieler/hörer, da gab es in Portugal/Spanien noch 2 weitere Komponisten, die sich in diesem Sektor betätigt haben: Seixas und Soler. Der jung verstorbene Seixas hat ca 700 Claviersonaten geschrieben, von denen 80 erhalten sind. Die große Restmenge hat der Brand in Lissabon 1755 "gefressen.

    Die Sonaten halten sich wacker im Vergleich mit denen von Scarlatti.


    Jose Antonio Carlos de Seixas (1704-1742): Cembalosonaten Vol.2, CD

    Johann KUHNAU
    (1660 - 1722)

    Nachdem hier ausgiebig Barockkomponisten aus südlichen Gefilden aufgezählt werden, sollte man den Blick auch einmal nordwärts richten. Denn auch da gab es Komponisten die hervorragend schrieben, eben nur etwas anders als im Süden.

    Kuhnau, der Vorgänger Bachs im Thomaskantorat, war ein sehr gebildeter Mensch, Musiker und Jurist (der in Leipzig auch eine Anwaltspraxis führte). Dass er auch ein guter Lehrer war, bezeugen seine Schüler : Fasch, Heinichen, Graupner.

    Von seinen Kompositionen ist einiges überliefert:

    ca 50 Kirchenkantaten, die CPO auf 6 CD´s gebrannt hat:


    4 Folgen von Suiten/Sonaten für ein Tastenistrument (übrigens mit die ersten Klaviersonaten!!)

    Vielleicht gibt es ja hier unter den Teilnehmern welche, die nicht nur Musik konsumieren (und mit Cover wedeln), sondern auch spielerisch tätig sind und damit versuchen, ihre eigene Interpretation zu realisieren. Es lohnt sich manchmal!

    Ich bin gerade dabei, JG Goldbergs Präludium und Fuge in f-moll für ein Tasteninstrument zu üben. Goldberg, ein Schüler Bachs, muss, der Überlieferung folgend, ein hervorragender Klavierspieler gewesen sein. Dass er auch gut komponieren konnte zeigen seine wenigen überlieferten Werke (er ist als 29-jähriger leider sehr früh verstorben). Dieses Präludium und Fuge sind hierfür ein sehr gutes Beispiel. Leider wird der Spieler hier sehr schnell an seine technische Leistungsfähigkeit gebracht, es muss folglich richtig geübt werden.


    Die hervorragende Markinova-Aufnahme hat aber auch Konkurrenz (Aufnahme mit Miklos Spanyi):

    Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788): Cembalowerke, CD


    Diese Sammlung ist mittlerweile auf 40 CD angewachsen, es fehlt nur mehr 1 CD. Das Label ist "BIS" und bislang nur einzeln zu erwerben. Der wesentlich größere CD_Umfang ist dadurch bedingt, dass Spanyi alle Wiederholungszeichen respektiert.

    Spanyi setzt ausschließlich die Kopien historischer Instrumente ein, die CPEB gekannt und bespielt hat, also Silbermann Clavichord und Hammerflügel, Mietke Cembalo, Spaeth Tangentenflügel. Die Aufnahmen sind hervorragend, aber für "Ungeübte" gewöhnungsbedürftig. Man lernt aber sehr schnell.....und genießt. Die CD 11 ist in meinem Haus auf einer Silbermann-Flügelkopie eingespielt worden.

    Auch Beethoven hat die Clavierwerke CPEB´s hoch geschätzt und sich die Notendrucke aus Leipzig kommen lassen. Über seinen Lehrer Neefe hat er diese Musik schon in früher Jugend kennengelernt.

    Hallo Alfred,


    Schusters Oper "Demofonte" liegt mir auf 2 CD´s vor. Sie wurde von Ludger Remy (mit dem ich gut befreundet war. Leider ist er gestorben) und dem Orchester "La Chacona" für den Bayerischen Rundfunk eingespielt. Ludger hat davon einen Mitschnitt fabriziert der mir vorliegt.

    Falls du interessiert sein solltest, könnte ich ein Kopie erstellen und dir zuschicken.

    Sänger*innen: Amdreas Post, Tenor; Dorothee Mields, Sopran; Jörg Waschinsky, Sopranist; Werner Buchin, Altus; Jan Kobow, Tenor; Marie Melnitzky, Sopran; Bernhard Schafferer, Altus.

    Grüße

    bachianer

    Nun können beide Interpretationen der Chaconne von den Interessenten verglichen werden. Letztlich ist das eine subjektive Geschmacksfrage. Mehr als die niedergeschriebenen Noten kennt kein Interpret.

    Für das in diesem Fall eingesetzte Instrument gilt das jedoch nicht. Graupner hat im Auftrag des Landgrafen mehrere Cembali für den Hof/Oper/privat anschaffen müssen. Er vergab diesen Auftrag nicht nach Frankreich, trotz größerer Nähe, sondern nach Hannover an Christian Vater, einem Schüler Schnitgers und Freund des Hamburger Cembalomeisters Hass. Daraus geht klar hervor, dass der Hof, sowie Graupner den Klang der norddeutschen Cembali bevorzugten. Deswegen setzt Soly bei ihren Aufnahmen auch einen Hass-Nachbau ein! De Luca setzt für GWV149 auch eine Vaternachbau ein.