Lieber Bachianer, ich versuche gar nicht, meinen Neid auf Deine Fähigkeit, die Stücke selbst spielen zu können, zu verbergen. Alles, wozu ich es je als Ausführender von Musik gebracht habe, ist Tenor in einem 12 Leute umfassenden Meisterchor. Und ich kann mich mit der Gitarre begleiten, wenn ich z.B. Reinhard Mey singe. Oder Weihnachtslieder.
Aber WIE spielst Du sie, bzw. WOMIT? Hast Du so ein Cembalo, wie Du es oben beschreibst? Und wie spielst Du dann modernere Literatur? Doch nicht auch mit diesem Cembalo?
Mein Petitum war nur, daß sich die Forderung nach "Originalinstrumenten" selbst ad absurdum führt, weil "Original" nicht genau bekannt ist und wenn doch, es das dann auch nicht mehr in genau dem Zustand, den die alten Komponisten kannten, gibt, und sei es, daß die Saiten ersetzt worden sind. Und keine Tonhalle und kein Studio kann es sich leisten, all diese Originalinstrumente vorzuhalten - man kann sich allenfalls grob annähern, indem man verkündet, dieses oder jenes sei ein Barockbogen und dortiges sei eine Barocklaute. Der englische Begriff "period instruments" scheint es besser zu treffen.
All diese Unterscheidungen erscheinen mir als einigermaßen kleinlich, aber natürlich kann man damit, modernes Marketing sei es gedankt, höhere Ticket- oder CD-Preise erzielen.
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Lieber m-mueller, bitte keinen "Neid" auf meine Fähigkeit solche Stücke zu spielen. Das Ergebnis ist mit Sicherheit nicht optimal.
Womit ich spiele: ich habe 3 Tasteninstrumente in meiner Wohnung:
1 Nachbau des Hass-Cembalos 1739, also 2 manaualig mit 16`
1 Nachbau des Silbermann Fortepianos (das Original steht in Potsdam)
1 original erhaltenes Tafelclavier Broadwood aus dem Jahr 1810
Das "wie ich spiele" ist stark von der momentanen Situation abhängig, vor allem von der Übezeit. Vom Blatt läuft es meist nicht perfekt. Das Üben hat den enormen Vorteil, dass man sich intensiv mit dem Stück auseinander setzt, und das nicht nur technisch. Es beeinflusst auch die persönliche Interpretation. Vorteil: da ich keine zahlenden Zuhörer habe, muss ich auf deren möglichen Geschmacksvorstellungen keine Rücksicht nehmen. Ich spiele also wie es mir gefällt.
Anhand der Instrumente kann man erkennen, dass mein Schwerpunkt die Tasteninstrumentmusik des Barocks bis zur Wiener Klassik liegt. Alles danach überschreitet mein technisches Können, also Mendelssohn, Schumann, Brahms, auch der späte Beethoven (Musik, die ich sehr schätze). Mein Interesse an Schubert, Chopin, Liszt, "Modernen" ist sehr begrenzt.
Natürlich kann man all diese Musik auch hervorragend auf modernen Instrumenten spielen. Nur, der Begriff "richtiges" Instrument ist da fehl am Platze.