Mozart war gut darin, irgendwo Aufgeschnapptes für seine Zwecke zu verbraten; das könnte auch hier der Fall gewesen sein. Die erhaltenen Skizzenblätter bezeugen, daß Mozart komplexe - insbesondere kontrapunktische oder kanonische - Textstrukturen sich hart erarbeiten musste und nicht so einfach aus dem Ärmel geschüttelt hat. Insofern ist klar, daß Mozart bei einem Orgelimprovisationswettbewerb schnell der Unterlegene war.
Mozart ist nicht gleich Mozart; es gibt kein Schema F: er hat in den 1770ern anders komponiert als 1780 oder 1790. Das erkennt man an KV 175, besonders am neu komponierten Schlusssatz, der stilistisch komplett aus dem Rahmen fällt (1773 vs. 1782)
Hier wird ein wichtiges Thema angeschrieben: warum komponierte Mozart ab 1782 anders als vorher?
Zuvor etwas Grundsätzliches: ab ca 1730 entwickelten sich in Zentraleuropa 2 völlig differenzierte Musikstyle:
- Mannheim, Wien, Italien, Musterbeispiel JC Bach
- Mitte/Norddeutschland, Skandinavien, England, Musterbeispiel CPE Bach
Beide Stylrichtungen verdrängten (mehr oder weniger) die alte, kontrapunktische Schreibweise und ersetzten sie durch "schöne" Melodien und einfache Harmonik (der Süden) oder freie Fantasien (mit komplizierter Harmonik), genannt "Sturm und Drang" (der Norden). Vor allem im Norden wurde der südliche Styl vehement angegriffen - nichts als "Harfenbässe" = Albertibass, ödes Geklimper, man kann die vorhandenen Quellen garnicht alle aufzählen. Musterbeispiel ist die Bewertung von CPE Bach der Werke seines Bruders JC Bach: "hinter seinen Werken steht NICHTS"!!
1781 zieht Mozart nach Wien und lernt dort sehr bald den Baron van Swieten kennen. Dieser, langjähriger habsburger Botschafter in Berlin, sehr musikalisch, war völlig von der nördlichen Musik beeinflusst und hat "tonnenweise" Noten dieses Styls nach Wien transportiert (Händel, JS Bach, CPE Bach).
Sicherlich kannte Mozart schon Werke dieses Styls, wurde jedoch durch seinen Vater, in Italien und JC Bach sehr "südlich" beeinflusst. Er fängt an Fugen zu komponieren, schreibt Fantasien und verwirft langsam aber sicher seine vorherige Schreibweise. Ab 1784 führt er sein eigenes WV und verwirft die Aufnahme seiner früheren Werke in dieses Verzeichnis (MVZ 1 ist KV 449!!!!).