Beiträge von Bachianer

    Du verstehst nichts von geisteswissenschaftlicher Methodik und behauptest subjektiv beliebig, dass Geisteswissenschaftler nur unverbindlich irgendwelche Meinungen äußern. Zu denken, dass nur eine technisch-naturwissenschaftliche Denkweise wissenschaftlich sei, ist aber einfach nur beschränkt.

    Nein. Nur Beweise sind und bleiben Beweise, unwiderlegbar, unwidersprochen, zeitunabhängig. Die technisch- naturwissenschaftliche und geisteswissenschaftliche Methodik unterscheiden sich nicht. Wenn wir etwas nicht beweisen können, äussern wir Hypothesen. In der Geisteswissenschaft geschieht das leider seltener. Gegenmeinungen, die es bei Hypothesen immer geben wird, werden dann flugs als "unwissenschaftlich", oder wie Du es unternimmst als "vorurteilsbehaftet" bezeichnet (was natürlich auch sein könnte, nur nicht beweisbar).

    Wenn ein Teil der Zuschauer achselzuckend aus der Oper gegangen wäre, hätte ein Musikkritiker wie Eduard Hanslick darüber auch geschrieben

    Womit wir beim Thema wäre: hätte.....hätte..... Fahradkette!

    Es gibt aber solche Quellen schlechterdings nicht, die ein solches Verhalten belegen

    Soso. Dann lies doch bitte einmal:

    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=367291

    Tja, wat denn nu? Machwerk (Hegel) oder Meisterwerk (Goethe)?


    Oder:

    „Die Musik und das Dekor sind hübsch, der Rest eine unglaubliche Farce.“

    „Die neue Maschinenkomödie, mit Musik von unserm Kapellmeister Mozart, die mit großen Kosten und vieler Pracht in den Dekorationen gegeben wird, findet den gehofften Beifall nicht, weil der Inhalt und die Sprache des Stücks gar zu schlecht sind.“

    Zwei Berichte über die Uraufführung der „Zauberflöte“

    Über den Begriff "hübsch" könnte man auch füglich streiten.

    Im übrigen wird Mozarts Musik von Nägeli (Vorlesungen über Musik, 1826) ab Seite 157 ganz schön generell auf die Hörner genommen.

    Oder:

    http://ninanoeske.de/data/docu…say_Zauberfloete_2013.pdf

    Wie ich mir gedacht habe kommt von Dir ein völlig unsachlicher Kommentar

    ...und offensichtlich fällt es Geisteswissenschaftlern wie Dich sehr schwer zu kapieren, dass die meisten Analysen, Kommentare, Rückschlüsse zu derartigen Themen nichts Weiteres sind als subjektive Meinungen. Wie immer, gibt es da sofort Gegenmeinungen, die genauso subjektiv sind. Typisches Beispiel:

    dass das Publikum die Oper genau wegen dieser ihrer überragenden Qualitäten schätzt.

    Wer ist denn nun das "Publikum"? Etwa die klatschenden Besucher/Hörer? Und was machen wir mit dem Teil des "Publikums", welches Achsel-zuckend aus der Oper rausgeht und sagt "nie wieder"? Und das nicht nur wegen der "Qualität" des Textes, sondern auch wegen der Musik.

    Naja, der gute Hanslick hat ja die Qualität dieses Schrotttextes schon recht gut erkannt. Hierzu noch eine köstliche Parodie meiner Großmutter (schon hier bekannt: die Dienstmädchenoperette des 18. Jhdts) über "In diesen heil´gen Hallen":

    In diesen heil´gen Hallen

    dort, wo kein Vogel singt,

    da lässt der Mensch was fallen,

    was erbärmlich stinkt! (stammt auch aus dem 19. Jhdt.)

    Passt!

    Es fehlt hier immer noch Deine Antwort auf die Frage: welche Gründe hatte Mozart einen derartigen Schrott zu vertonen? Meine Begründung (und vieler anderer) ist bekannt: Knetebeschaffung.

    Die "Empfindsamkeit" ist aber nun mal eine literatur- und musikgeschichtlich überreichlich erforschte Epoche. Da gibt es klare, objektiv verbindliche Kriterien, die man nur zu Kenntnis muss.

    Da wäre ich aber sehr viel vorsichtiger. Die Epoche zwischen ca 1730 bis ca 1800 ist zwar gut erforscht, nur über die Namensgebung hat man sich nicht einigen können, da stilistisch/kompositorisch doch sehr unterschiedliche Materien vorliegen. Was darf es denn sein? Empfindsamkeit? Sturm und Drang? Geniezeit? Galanterie? Die Musikwissenschaft hat dann fantasielose Worte geschaffen: "Nachbarock", "Vorklassik", mit denen niemand etwas präzisieren musste. Waren die "Mannheimer" empfindsam oder galant?

    Die Ursachen für diesen Stilwandel in der Musik sind vielfältig. "Ideologisch" spielt die Aufklärung eine sehr wichtige Rolle. Man sollte jedoch die "weltlichen" Gründe nicht außer Acht lassen (was die Musikwissenschaft manchmal übersieht).

    - Öffentliche Konzerte, gleich ob Kaffeehäuser oder Säle, der Notendruck öffneten gewaltig den Musikmarkt,

    - dadurch verlor das Geschmacksdiktat der Höfe, das theologische Diktat der Kirchen sehr schnell an Einfluss,

    - die Bedeutung des festbestallten Hof/Kirchenmusikers sank rapide. Der Musiker konnte nun versuchen als freischaffender Künstler zu überleben (Konzerte; Unterricht; Notendruck). Folge:

    - um einigermaßen zu überleben, musste der Musiker sich den geschmacklichen Präferenzen der Liebhabermengen beugen. (Die Zauberflöte ist aus meiner Sicht ein typisches Produkt hierfür).

    Wenn man eine Umfrage machen würde: Welche ist Deine Lieblingsoper? - landete die "Zauberflöte" ganz weit oben, ich würde mal tippen auf den Plätzen 1 bis 3. Und ich wüsste nicht, dass es gegenüber Mozarts Musik "herbe Kritik" gegeben hätte. Herumgemäkelt wurde immer wieder an Schikaneders Libretto, aber nicht an Mozart.

    Ach ja, die "Umfragen"! Kein Wunder: stellte man die "Zauberflöte" der "Fledermaus" gegenüber, würde letztere gewaltig siegen. Endsieger wäre schließlich der Radetzkimarsch!!

    Die Empfindsamkeit ist beherrscht von einem sentimentalischen Interesse, die verlorene Natur zurückzugewinnen. Sie ist deshalb immer ein kritischer Reflex - man sucht das Ungekünstelte, Einfache, was man in hochartifizieller barocker Rhetorik und "gelehrter" polyphoner Satztechnik vermisst. Sentimentalisch ist das Bemühen um "Natürlichkeit", man imitiert also nicht einfach Volkslieder, sondern sucht den Volksliedton zu treffen.

    Tja, nun stellt sich sofort die Frage, was man sich unter der "verlorenen Natur, das "Ungekünstelte, Einfache" vorstellen soll. Befürchtungsweise ist all das reines Wunschdenken mit unendlich vielen subjektiven Antworten. Selbiges gilt ebenso für die Suche nach dem "Volkston". Komisch, lese ich "sentimentalisch", fällt mir sofort des Wort "kitschig" ein, womit wir wieder bei einer möglichen Beschreibung der Zauberflöte angelangt wären. Kitsch wird von vielen Menschen als "schööön" und erstrebenswert empfunden, wen wundert´s.


    C.Ph.E. Bach steht für einen expressiven, "erhabenen" Stil (das war das Neuartige, was auch die Zeitgenossen an seinem Vortragsstil hervorhoben) und damit gerade nicht für Empfindsamkeit, welche das Natürlich-Einfache betont

    Kann ein expressiver Stil nicht empfindsam sein?

    Wenn man das wirklich ernsthaft zeigen will, dann muss man das an Mozarts großen und bedeutenden Werken tun. Man bewertet J.S. Bach ja auch nicht an seinem Klavierbüchlein für Anna Maghdalena oder Beethoven an "Für Elise".

    So ist das. Mozarts Größe und Bedeutung wird an seinen Clavierkonzerten, Quartetten/Quintetten, da Ponte-Opern, uvam. festgemacht. Im Gegensatz dazu steht die Zauberflöte seit ihrer Existenz auch unter herber Kritik. Das lassen etliche Mozartianer nicht zu, und versuchen, dort Dinge hineinzuinterpretieren, wie "Aufklärungs-Humanismus", "Unterlaufen der Hierarchisierung der Gattungstradition". Glauben Sie ernsthaft daran, dass diese Überlegungen einen durchschnittlichen Opernbesucher damals wie heute interessieren? Der hofft doch schöne Musik zu hören.

    Ich habe mich auch in meinem Zitat vertan - sorry. Es ging um die Zweite Berliner Liederschule, insbesondere J.A.P. Schulz Lieder im Volkston bey Clavier zu singen von 1782. Dort wird ein Kriterienkatalog für den Volksliedton aufgestellt. Volksliedhafte Melodien müssen den „Schein des Bekannten“ erwecken, „höchste Simplizität und Faßlichkeit“ aufweisen, metrisch sein, periodisch, immer sanglich und dürfen nur „allerleichteste Modulationen“ enthalten.

    Wir werden uns nicht einigen. Aber immerhin gut, dass Sie sich mit der Singakademie vertan haben. Das wäre nämlich absoluter Blödsinn gewesen...Ihr Vertun wird akzeptiert.

    Kennen Sie die Clavierwerke von JAP Schulz? "Six diverses Pieces pour le Clavecin ou le Piano Forte"; "Sonata pour le Clavicembalo solo" in Es-Dur (mehr Werke sind nicht überliefert)? Falls nicht, empfehle ich Ihnen sich damit zu befassen (die gibt es nicht im Neudruck, ich könnte Ihnen jedoch eine Kopie überlassen). Da werden Sie die Ohren lange und müßig aufhalten müssen, um dort irgendetwas im Volksliedton, den "Schein des Bekannten", höchste Simplizität und Faßlichkeit, allerleichteste Modulationen zu hören. Er hat sich nicht eine Sekunde an jenen ominösen Kriterienkatalog gehalten. Der galt nur für die Lieder im Volkston. Die Clavierwerke sind höchst empfindsam, teilweise auch konzertant geschrieben, harmonisch mit schwierigen Modulationen (siehe das Adagio der Sonate oder die Piece VI). Für etwas Clavieristisches "im Volkston" wäre er in Norddeutschland laut ausgelacht worden. Er war immerhin Schüler Kirnbergers und damit Enkelschüler JS Bachs. Und genau aus diesem Sektor kommt die herbe Kritik am "südlichen" Geklimper.

    Musik soll in der Sprache der Empfindsamkeit gesprochen "das Herz rühren"

    Das hat CPEB auch geschrieben und im gleichen Schriftzug die Musik seines Bruders Johan Christian als ein "Nichts" bezeichnet. Haben Sie dafür eine Erklärung?

    Erst einmal ist die Behauptung sehr, sehr fragwürdig, dass Musikliebhaber zur Zeit Mozarts anspruchslos gewesen seien

    Das habe ich nicht behauptet. Ich schrieb "Musik für relativ anspruchslose Liebhaber" und nicht, dass der Musikliebhaber zu Mozarts Zeit anspruchslos gewesen sei. Anspruchslose Musikliebhaber wird es zu allen Zeiten (Mozartzeit/heute) gegeben haben/geben. Aber auch die waren/sind ein Marktpotential.

    Nochmals: dieser Thread lautet "Ist Mozart überschätzt"? Ich schrieb dazu:

    "Auch Mozart hat schwache Werke abgeliefert (aus meiner Sicht), wie die Zauberflöte, die Flötenkonzerte/quartette, etliche Claviersoli, von seinen Frühwerken schweigt des Sängers Höflichkeit. Das ist völlig normal, ändert jedoch nichts an seiner Größe und Bedeutung." Was mich stört ist, dass diese schwächeren Werke von etlichen Mozartfans als "göttlich, einmalig, uvam" bezeichnet werden und damit überschätzt werden. Ob nun die Zauberflöte dazu oder nicht gerechnet wird ist letztlich eineGeschmacks/Auffassungsfrage. De gustibus non disputandum.


    Das ist mir zu banal. Freilich kann man einen Alberti-Bass aus ästhetischen Gründen wählen: Keine Ablenkung von der Melodie z.B., oder Wechsel von komplexer und einfacher Faktur -> komplexerer Gesamtaufbau, als wenn es immer gleich komplex ist.
    Ist das technisch genug ausgedrückt?

    8)

    Will man keine Ablenkung von der Melodie, geht das auch einfacher. Man setze unter die Melodie die jeweils zutreffende Bassnote als harmonische Stütze. Da braucht man keine "Beschäftigungstherapie" für die linke Hand, die ja nichts anderes bezweckt, harmonische Stütze. Musterbeispiel: die Choräle. Die werden auch nicht mit Albertibässen harmonisiert. Will man das komplexer, kommen die Choralvorspiele zur Geltung.

    nein. Albertibässe KÖNNEN banal und minderwertig sein. Sie können aber auch - vom meisterlichen Komponisten - im Verein mit der Melodik Bestandteil subtilster intervallischer, harmonischer und klanglicher Feinstarbeit sein. Und zugleich "schlicht" anmuten.


    edit

    übrigens ist "Hänschen klein" ein echt gutes Lied, über das man lange nachdenken kann.

    Wie immer: Ausnahmen bestätigen die Regel. Nur, besieht man sich z.B. Mozarts Gesamt-Soloclavierwerk, so stellt man (betrübt) fest, dass Albertibässe sehr häufig eingesetzt werden. In den meisten Fällen dudelt er die zur Melodie gehörenden jeweiligen Grundharmonien runter, also Tonika, Dominante, Subdominante. Die Ausnahmen kann man abzählen.

    Dieses Kompositionsverfahren wurde (unter Anderem) schon in der Zeit scharf angegriffen, vornehmlich von Musikern, Komponisten, Kritikern Nord- und Mitteldeutschlands, die allesamt noch die "verzopfte" Musik eines JS Bach im Ohr und in den Fingern hatten, jedoch auch empfindsam komponierten. "Klassische" Kritik: das "Harfenbassgeklimper"! Sie hat gewirkt, denn die Albertibässe verschwanden spätestens mit der Romantik von den Notenblättern. Zu Recht!

    Die Ende des 18. Jhd. gegründete Berliner Singakadamie z.B. hat sehr klare und eindeutige Regeln aufgestellt, was der empfindsam-einfache Liedstil ist und zu sein hat.

    Aha, der Ahnungslose wird endlich aufgeklärt. Danke dafür. Nun weiß er, dass das sog. Volkslied eine "Naturschönheit" ist, eine schlichte Meinung von Ahnungshabenden, und das der empfindsame Liedstil, eine regionale Stilrichtung der 2. Hälfte des 18. Jhdts. dank Berliner Singakademie dazu gehört. Was sind denn die heutigen Volkslieder? Rap?

    Die Singakademie, gegründet von Fasch, später von Zelter geleitet (ein tiefer Verehrer der "unnatürlich-manirierten , zopfigen, verstaubten" Musik vornehmlich eines JS Bach) hatte die Hauptaufgabe, diese verstaubten Machwerke wieder auszugraben und öffentlich zu machen. Deswegen die Sing- und Ripienschule. Fasch schrieb für die Einweihung der Singakademie ein Motette mit 48 obligaten Stimmen, sicherlich sehr Volkslied-nah (Ironie off).

    Besehe ich mir den den Katalog der Singakademie (769 Seiten, er liegt mir vor, da ich da kräftig mitgeholfen habe), so finde ich dort kein Volkslied, sondern neben einigen Liedern durch Komponisten gekennzeichnet, haufenweise verzopfte Musik (geistlich, weltlich) bekannter/unbekannter Komponisten.

    Im 18. Jhd. dachte man sehr gattungsorientiert und anwendungsorientiert, was die Wahl der musikalischen Mittel angeht. Ein W.A. Mozart wusste demnach sehr genau, wann er bestimmte satztechnische Mittel anwendet und wann nicht. Wenn er Alberti-Bässe verwendet, heißt das deshalb eben nicht, dass er ein Stümper war, der satztechnisch nicht über "Hänschen klein" hinausgekommen wäre.

    Wo habe ich denn behauptet, dass Mozart ein Stümper war? Für den Geisteswissenschaftler: das Threadthema lautet "Ist Mozart überschätzt?" Das wird generell verneint, jedoch angemerkt, dass auch er, wie alle Komponisten, auch schwächeres Zeug geschrieben hat, darunter wurde auch die Zauberflöte genannt.

    Richtig! Das 18. Jhdt. dachte sehr gattungs/anwendungsorientiert, wie vermutlich in allen Jahrhunderten. Klartext: der Einsatz von Albertbässen ist anwendungsorientiert. Hier: Musik für relativ anspruchslose Liebhaber, die Noten/Musik brauchten und kauften. War diese Musik technisch/inhaltlich zu schwierig, blieb sie beim Notenhändler liegen. Anwendungsorientierung: die Kasse. Selbiges gilt aus meiner Sicht für die Zauberflöte, die sicherlich vielschichtiger ist. Das ändert jedoch nichts an der Tatsache, dass Albertibässe satztechnisch gesehen banal und minderwertig sind. Wenn Mozart diese vermehrt eingesetzt hat, so hatte das "anwendungsorientierte" Gründe: die Kasse!

    Da wäre hinzuweisen auf einen gewissen Jean-Jacques Rousseau, die Empfindsamkeit und das Ideal der einfachen, singbaren Melodie und die damit verbundene Kritik des satztechnisch hochartifiziellen Barockstils als unnatürlich-manieriert, zopfig und verstaubt - das Ausspielen des Naturschönen gegen das Kunstschöne etc.

    Ironie on: wenn das Ideal des "Naturschönen" die einfache, singbare Melodie sein soll, alles weitere unnatürlich-maniriert, zopfig und verstaubt ist, so ist wohl "Hänschen klein mit Albertibass" ein Höhepunkt des Naturschönen! Darauf kann ich lebhaft verzichten.

    Abgesehen davon, was ist denn "Naturschönheit"? Wie wird die denn definiert? Könnten da viele sehr subjektive Ansichten auftreten, die sich alle widersprechen?

    Das Kunzetitat ist zwar aus dem Kontext gerissen. Da müsste man sich ca 100 Seiten Zauberflöte antun. Danach werde ich den Hermeneutiker fragen, was er denn so darunter versteht.

    Jeder Tonschritt schon in der Ouvertüre, jedes Tonlängenverhältnis, jede Tonhöhe, erzählt etwas, wenn man es zu entschlüsseln versteht. Keine Tonart, keine Tohöhe, keine Tonfolge ist zufällig gewählt.

    Das erinnert mich stark an die Zahlenmystik um Bach. Um diese sind auch schon dicke Wälzer geschrieben worden. All das gilt nur für diejenigen, die das so interpretieren, glauben und verbreiten. Für andere sind das Hirngespinste (um es freundlich auszudrücken).

    https://www.welt.de/kultur/bue…ischist-der-Vierzehn.html

    Die Feierlichkeit der Zauberflöte ist zweifellos eine Erscheinungsform, gleichsam die Außenseite jenes Bewusstseins, das aus dem Innersten der Töne hervorgeht und alles mit seinem Licht überstrahlt

    ..und nun verrate bitte den staunenden Lesern, wie man so etwas "aus der Partitur herauslesen kann".

    Wie bequem! Jeder hört oder sieht es sich einmal an und das sich daraus bildende subjektive Geschmacksurteil ist dann gleichberechtigt mit dem Urteil derer, die sich jahrelang mit der Materie beschäftigt haben. Man könnte ja solch ein Buch - oder zumindeste das eine Kapitel im Kunze-Buch - auch einfach erst mal lesen, um sein eigenes (Vor-) Urteil kritisch zu überprüfen, aber das wäre natürlich viel unbequemer...


    Und natürlich sind "dicke Wälzer" und vor allem ihr dargelegter Inhalt unwiderlegbare Beweise dafür, dass da ganz offenbar weit mehr Substanz in diesem Werk steckt, als einige darin erkennen können oder wollen oder beides.

    Stell Dir mal vor, das Kunzebuch steht seit 1985 in meinem Bücherschrank und ich habe es sogar gelesen. Man kann viele Erkenntnisse daraus gewinnen, bis auf das Kapitel "Zauberflöte". Dort findet man leider eine Anhäufung von nicht beweisbaren Hypothesen bis hin zu Floskulaturen wie "Manifest einer erneuerten Menschlichkeit" oder "Die Feierlichkeit der Zauberflöte ist zweifellos eine Erscheinungsform, gleichsam die Außenseite jenes Bewusstseins, das aus dem Innersten der Töne hervorgeht und alles mit seinem Licht überstrahlt". Uvam! Ich bin nun kein Geisteswissenschaftler, der sich an derartige Formulierungen aufgeilt (und betet, dass Gegenmeinungen nicht so schnell publik werden), sondern Dr.Ing. und damit andere Beweisführungen gewohnt. Ende der Durchsage.

    (Und nur in Klammern: Alberti-Bässe gibt es beim späten Beethoven auch, z.B. in der Klaviersonate op. 110. Ist Beethoven deshalb banal? Auch das ist einfach nur gedankenlos und eine maßlos oberflächliche Betrachtung.)

    Nein! Weder Beethoven, noch op.110 sind banal. Mein Einwand bezog sich auf die "bewunderungswerte" Satztechnik bei Mozart. So leid es mir tut, Albertibässe sind und bleiben eine banale Satztechnik selbst wenn große Meister sie eingesetzt haben.

    Wie zu erwarten, jeder interpretiert ein Werk so wie er es hört, sieht, empfindet, auch ich. Schlüssige, unwiderlegbare Beweise gibt es nicht, auch wenn dicke Wälzer darüber geschrieben werden.

    Die "Genialität" der Zauberföte ist dem "Schmierentheatermann" Schikaneder zu verdanken

    Der wusst was zieht und was das Volk sehen will

    Claro, und Mozart wusste was zieht und was das Volk hören will. Also nette, harmlose Melodiechen, die schon auf dem Nachhauseweg von der Oper nachgesungen/gepfiffen werden konnten und ein volles Opernhaus garantierten. Das "volle Haus" war das Ziel dieser Veranstaltung, die Kasse sollte klingeln.


    Mozarts "Satztechnik" ist den meisten Komponisten sowohl seiner Zeit wie auch des 19. Jhds. überlegen und wurde von nahezu allen späteren Komponisten studiert und bewundert.

    Gehört das Albertibassgedudel, von Mozart häufig in seinen Clavierwerken verwendet, auch zu einer "bewundernswerten" Satztechnik? Hat sich Brahms auch dazu geäussert? Was hätte denn JS Bach darüber gesagt? Was seine Schüler/Enkelschüler davon hielten wird in einem weiteren Thread behandelt.

    .....und genau beim Libretto der Zauberflöte fängt die Sache an: es ist nicht nur mies, sondern ein Unding. Was verführt also einen Komponisten solchen Mist zu vertonen? Die Antwort ist hinlänglich bekannt: es war der dringend erforderliche Kassenfüller, nachdem seine Akademien und Opern in Wien nicht mehr so liefen. Danach, die tolle Ouvertüre in Es (mit das beste Stück daraus). Nur, man nehme JSBachs Fuge in Es aus dem WTC II, mache aus Bachs Pfundnoten Achtel, und schon hat man die fugierende Ouvertüre. Hat sicherlich viel Arbeit und Zeit erspart. Ach ja, "der Vogelfänger bin ich ja"; "Bei Männer welche Liebe fühlen"; "das klinget so herrlich"; "O Isis und Osiris"; "Ein Mädchen oder Weibchen"; "PaPaPa..." pardon, das ist doch alles Kitsch in Hochpotenz.

    Kommentar meiner sehr musikalischen Großmutter: jaja, das war die Dienstmädchenoperette des 18. Jhdts. Sie hat damit den Nagel auf den Kopf getroffen.

    Bas Beruhigende an dieser Diskussion ist, dass alle Komponisten, gleich wie Maler, Dichter, Politiker, Fussballer, uvam. von ihren jeweiligen Fangemeinden überschätzt werden. Weiterhin beruhigend ist, dass es keinerlei objektive Kriterien einer Bewertung von Kompositionen gibt, weder Satztechnik, Stil, Instrumentierung, Kontrapunkt etcetc. Alles ist subjektive Beurteilung, auf Niederdeutsch " wat dem eenen sin Uhl, is dem anneren sin Nahtigall".

    Ich habe einmal einen Bachfanatiker gefragt, ob er auch schwache Werke JSB´s kennt. Antwort: "interessante Frage, hab ich mir noch nie gestellt". Diese oder eine ähnliche Antwort wird man wohl von allen Fans bekommen. Ich habe ihm dann aus meiner Sicht ein paar schwächere genannt, Antwort: "so kann man das nicht sehen, ist ein Jugendwerk, fehlerhafte Kopie uswusw."

    Auch Mozart hat schwache Werke abgeliefert (aus meiner Sicht), wie die Zauberflöte, die Flötenkonzerte/quartette, etliche Claviersoli, von seinen Frühwerken schweigt des Sängers Höflichkeit. Das ist völlig normal, ändert jedoch nichts an seiner Größe und Bedeutung.

    Es wird einfach viel mehr eingespielt, vieles, was noch nie eingespielt wurde, aus Neugier, zwecks Dokumentation, zwecks Befüllung einer Marktnische. Das gilt für die komplette Musikgeschichte.


    CPEB wird doch neben Gluck und Pergolesi als wichtigster Meister seiner Generation gehandelt und ist somit in einer ganz anderen Liga als Müthel, Rust oder Hässler. Die kommen sicher nicht "auf den Weg" hinter CPEB sondern werden im Schatten verbleiben, auch, wenn Noten gedruckt und CDs gepresst werden.

    In einer marktwirtschaftlich orientierten Gesellschaft müssen auch "Marktnischenbefüller" die Kassen füllen. Aus Neugier, Dokumentationsgründen wird das kaum ein Unternehmen tätigen.

    Nun zur Sache: es geht hier um Musik, an der das Clavier (welches auch immer) maßgeblich beteiligt ist, also Konzerte, Kammermusik, vor allem jedoch Soli. Da hat die "erweiterte Bachschülerschaft" einiges zu bieten, Musik, die vielen Liebhabern völlig unbekannt ist (aus o.a. Gründen). Zu Beginn ein Tipp: man trenne sich von seit Kindesbeinen eingeübten Spiel/Hörgewohnheiten. Da ist kaum etwas wie gehabt. Schöne, einfache Melodien? Kommen höchstens sporadisch vor. Einfache harmonische Folgen? Völlige Fehlanzeige, sehr schnell kommen die Überraschungen. Das gilt auch für abrupte Generalpausen. Das Spielen/Hören längerer Perioden ohne jeglichen Taktstrich sollte man vorsichtig und langsam einüben, ist nicht so einfach. Überwiegend Stücke in einer Durtonart? Fehlanzeige! Dur und Moll halten sich die Waage. Fast in jeder Dur-Sonate steht der langsame Mittelsatz in Moll und ist meist bitterernst, also das wohlige Ausruhen kann vergessen werden. 2 ohren/augenscheinliche Vorteile: a) die fürchterlichen Czernyetüden sind völlig nutzlos zur technisch/interpretatorischen Bewältigung dieser Musik; b) das anödende Albertigedudel entfällt völlig.

    Fortsetzung folgt.


    Der Theologe Carl Friedrich Cramer schrieb 1783 über ein "Concert pour le clavessin" eines gewissen Birnbach: "... scheint aus dem südlichen Deutschland zu kommen, und das ist leider genug gesagt. All das dortherige Geklimper kennt man im Augenblick an den einförmigen Figuren, den alltäglichen Modulationen, abgedroschenen Harfenbässen, beständigem Auf- und Herunterrennen der diatonischen Scala.....uns für wahre Musik verkauft wird; und die ächten Arbeiten besserer Meister aus den dasigen Gegenden verdrängt". Womit wir beim Thema wären. Diese kritischen, ja abfälligen Äusserungen über die Musik des "Südens" findet man zuhauf bis hin zu Beginn des 19. Jhdts in Nord/Mitteldeutschland, mit starken Ablegern in Großbritannien und Skandinavien, gleich ob von Lessing, Claudius, Eschenburg, Forkel, bis hin zu Nägeli (1827). Gipfelpunkt ist die Kritik von CPEB an den Werken seines Bruders Johann Christian: "hinter seinen Werken ist NICHTS". Bemängelt wird vor allem: harmonische Eintönigkeit, süßliche Melodien, Floskeln ohne Ende (vor allem das Albertigedudel), nur Schönheit zählt, Verstand und Herz werden davon nicht berührt. Ausgangspunkt dieser Kritiken war die Musik JS Bachs und seiner Schüler, die daraus völlig andere Vorstellungen über musikalische Qualitäten hatten als die "Südländischen". Mit der Musik jener Schule soll hier fortgesetzt werden. Es gibt Neues und teilweise sehr Beachtliches zu entdecken.

    Fortsetzung folgt.

    Ursachen und Gründe für Vergessen oder Übersehen der Musik der Bachschüler sind vielfältig und liegen in ihren Ursprüngen teilweise schon lange zurück.

    1) In der 2. Hälfte des 18. Jhdts. sank das Ansehen der fest bestallten Berufsmusiker bei Hof und/oder Kirche rapide. Sie mussten liefern, ob sie Lust, Einfälle hatten oder nicht. Dafür wurden sie bekanntlich bezahlt (Ob diese Bezahlung ausreichend war oder nicht, sei dahingestellt. In vielen Fällen war sie das nicht). Die "moderne" damalige Bildungswelt rief nach dem freischaffenden Künstler, an der Spitze das "Originalgenie", der nur mehr nach seiner Intuition schrieb und davon leben konnte. Welch frommer Wunschtraum. Also mussten Idole heran, welche die Musikwissenschaft auch prompt lieferte. So schuf Forkel den "praeceptor Germaniae" mit JS Bach an der Spitze, aus dem sich dann in der Folgezeit der "5. Evangelist, Leiter der himmlischen Musik, der Superlutheraner" entwickelte. Beethoven wurde schnell zum "Titanen", zu dem alle Musik führt und von dem alle Musik kommt. Mozart war hingegen schon als Kleinkind ein "göttliches Wunder", der schon von Kindesbeinen an geniale Werke schrieb (die heute kaum jemand noch spielen geschweige denn hören will). Wovon diese Komponisten lebten/leben mussten wurde diskret übersehen. Damit ist man bei Punkt

    2) angelangt. Die realen Lebensbedingungen waren nämlich nicht so rosig. JS Bach hatte, trotz fester Besoldung, sein Leben lang Schüler, führte nebenbei zu bezahlende Konzerte in Kaffeehäusern auf und ließ sich Orgelprüfungen gut entlohnen. Mozart, wohl häufiger vor der Pleite stehend, hatte auch Schüler, konnte offensichtlich von den Einnahmen seiner "Academien" nicht so gut leben und schrieb deswegen Opern (z.B. den Kassenfüller "Zauberflöte", das Requiem und weitere Auftragswerke. Selbiges gilt für Beethoven. Übrigens: die Schüler, gleich welcher Qualität, mussten auch bedient werden.

    3) Bekanntlich schaffen "göttliche Komponisten" ausschließlich "göttliche Werke". Somit muss aus jeder drittklassigen Auftragskomposition oder für Schüler ein "geniales" Werk herbeigezaubert werden, was seit Urzeiten von den entsprechenden Freaks getätigt wird. Von klein auf wird der Clavierschüler mit fast identischem Material gefüttert, gleich wie der Abo-Konzertbesucher. Neben Tonleitern, gebrochenen Akkorden, dem fürchterlichen Czerny kommen dann die Inventionen, danach als "genialer" Mozart die Sonata facile KV 545 ran. Wer als Clavierschüler 4 Seiten, bei Einhaltung der Wiederholungszeichen 8 Seiten Albertigedudel in der linken Hand durchhält, kann man nur bewundern. Ich habe es nicht getan. Selbiges gilt für Beethoven op. 49,1,2. Alle diese Werke sind für Schüler, sollen pädagogische Zwecke erfüllen, sind jedoch weitab jeglicher Genialität. Für durchschnittliche Liebhaber mussten ähnliche Werke geschrieben werden, weder technisch noch inhaltlicht zu anspruchsvoll, sonst konnten die nicht verkauft werden. Darunter fallen etliche Werke Mozarts, Haydns und Beethovens, man denke nur an die endlosen Variationsreihen. Und das soll alles "genial" sein?


    Fortsetzung folgt.

    Diese Aussage möchte und kann ich nur unterstützen – (Hervorhebung von mir) – das sind TOP-Aufnahmen! :jubel::jubel::jubel:

    Spanyi spielt nicht nur die Clavierkonzerte ein, sondern auch die Claviersoli. Da sind mittlerweile 37!! CD zusammen gekommen. Insgesamt werden es wohl 40 werden. Das ist kein Wunder, besieht man die Werkverzeichnisse CPEB´s, gleich ob Wotquenne oder Helm.

    - Natürlich ist da auch schwaches "Zeug" dabei, schnell Dahingeschriebenes für Schüler, durchschnittliche "Liebhaber", die Spielmaterial brauchten, also schlichte Kassenfüller. Die "starken" Werke überwiegen jedoch. Selbiges gilt aber auch für die Clavierwerke eines Haydn, Mozart, Beethoven, selbst JS Bach.

    - Auch natürlich: man kann mit Spanyi streiten (ich tue es manchmal), ob seine Bevorzugung des Clavichords immer angebracht ist. Letztlich ist das jedoch eine Geschmacks/Auffassungssache.

    Naja, an Einspielungen der Werke von CPEB mangelt es mittlerweile nicht mehr. Ich habe ca 150 CD davon, Clavier Soli und Konzerte, Kammermusik, Lieder, geistl. und weltl. Kantaten, Passionen. Hinsichtlich Konzerte, es gibt sie alle auf CD. Als herausragend seien die Aufnahmen von Miklos Spanyi, einem CPEB-Spezialisten genannt. Sämtliche Clavierkonzerte, auch die beiden Doppelkonzerte (in F und Es für Cembalo und Fortepiano, wohl sein letztes Werk, 1788 komponiert) stehen nun hörbar zur Verfügung, auf 20 CD. Die Konzertinstrumente sind Cembalo und Fortepiano.

    Natürlich sind nicht alle Werke Superklasse, wie bei allen Komponisten, aber mehrheitlich schon. Der Hörer sollte sich nur von alten, eingeübten Gewohnheiten trennen, hier die Konzerte JS Bachs und Mozarts. Bei CPEB wird viel Neues und Ungewohntes geboten. Das macht die Sache zu Beginn etwas mühsamer, aber es lohnt sich.

    Jedem Spieler/Hörer fällt schon nach kürzester Zeit auf, dass die Claviermusik (aber auch alle weitere) der Schüler Bachs, wie WF Bach, CPEB, Goldberg, Müthel, der Enkelschüler wie WF Rust oder JW Hässler kaum oder wenige Gemeinsamkeiten mit der Claviermusik Haydns, Mozarts, des frühen Beethovens, also generalisiert der Süddeutschen haben, obwohl zeitgleich entstanden. Die Musikwissenschaft quält sich damit auch seit Urzeiten rum. Wie darf/soll denn diese Musik eingeordnet werden, Vorklassik? (Tja, was ist denn dann "Klassik"?) Sturm und Drang? Empfindsamkeit? Also, der Einfachheit halber wurden diese Werke unter den Teppich gekehrt, Kleinmeister mit lokaler/regionaler Bedeutung. Ihre Werke ruhten still in den Bibliotheken und waren Anlass für Dissertationen die kaum jemand las.

    Offensichtlich wendet sich jedoch das Blatt. CPEB hat es schon zu einiger Bekanntheit geschafft, Müthel, Rust, Hässler sind auf dem Wege besieht man sich die Notenneudrucke, Einspielungen.

    Woran lag das, was waren die Gründe hierfür? Das soll, falls Interesse besteht, hier behandelt werden.