Beiträge von severina

    Liebe Fairy,
    bin leider keine Kunsthistorikerin, aber ich dachte immer, die beiden Säulen ymbolisieren das Alte (Moses als Gesetzgeber) und Neue Testament. Mit Hellespontica kann ich aber leider auch nix anfangen..... ?(
    SChön, dass du wieder da bist! :]
    lg Severina :hello:

    Die dritte PR der laufenden Spielzeit gilt Tschaikowskis "Eugen Onegin", und um mir einen Vorgeschmack zu verschaffen, besuchte ich wie immer heute die GP. Ich werde mich in meinen Ausführungen auf den szenischen Teil konzentrieren, weil die Sänger sich drei Tage vor einer Premiere naturgemäß etwas schonen und ich ihnen daher Steigerungspotential zubillige. Zumindest bei Ramon Vargas hoffe ich dies :( , ich werde mich bei der Liveübertragung auf Radio Ö1 am Samstag davon überzeugen.
    Hatte ich in den letzten Wochen dank der hartnäckigen Präsenz von Monsieur Winter eine Art Weißallergie entwickelt, so legte heute Regisseur Falk Richter ein Schäuferl dazu, denn in 5 der 7 Bilder dieser Oper schneit es dicht auf der Hinterbühne. Damit wäre der wesentliche optische Aspekt dieser Inszenierung auch schon beschrieben, denn außer dem erwähnten Wetterphänomen, das sich auch in Form eines schneeweißen Bodenbelags manifestiert, gibt es an beweglichen Elementen nur einige verschieden große Eisblöcke, die als Sitzgelegenheiten dienen und im Ballbild auch die festliche Tafel bilden.
    Im ersten Bild sieht man im Hintergrund sechs Liebespaare, in ihrer Umarmung erstarrt.(Sie tauchen auch später immer wieder auf) Alles klar - wir befinden uns in einer Welt, in der ein dicker Eispanzer über den Menschen und ihren Gefühlen liegt, ohne konkrete Hinweise auf Ort und Zeit. Nun, das braucht's auch nicht, die Frage ist nur, ob der erste Teil tatsächlich das widerspiegelt, was Musik und Libretto uns erzählen. Ich höre und lese anderes heraus, "erstarrt" in seiner Gefühlswelt ist vielleicht Onegin, ganz bestimmt aber nicht die sensible Tatjana, die lebenslustige Olga und der schwärmerisch verliebte Dichter Lenski. Trotzdem wirken die Mädchen bis zur Ankunft der Freunde beinahe ebenso leblos wie die menschliche Staffage im Hintergrund.
    Nun bin ich durchaus bereit, einem Regisseur auf neuen Wegen zu folgen, sofern er mich von seinem Konzept zu überzeugen vermag, aber das ist Falk Richter nur in einigen wenigen starken Augenblicken gelungen. Das minimalistische Bühnenbild wäre ja ganz nach meinem Geschmack, wenn sich darin spannende Interaktionen ereignen würden, was aber über weite Strecken nicht der Fall ist.
    Besonders langweilig empfand ich das erste Bild, wo mehr neben- als miteinander agiert wurde, das gute alte Rampentheater fröhliche Auferstehung feierte. Mein Liebling Simon Keenlyside schien sich zumindest in der Anfangsphase nicht nur als, sondern auch mit seinem Onegin zu langweilen, so indifferent habe ich ihn als Schauspieler wahrlich noch nie erlebt. So blieb - ich spreche natürlich nur von mir! - ziemlich schleierhaft, was Tatjana an diesem blassen (nicht blasierten) Lebemann so faszinierend findet. Ramon Vargas hingegeben übertrieb in die andere Richtung, sein Lenski ist ein ziemlich vitaler, zupackender Liebhaber,
    der zwar von Liebe seufzt und schwärmerische Verse klopft, aber dann recht handfest zur Sache kommt, sodass schließlich Mama Larina dazwischen fahren muss.
    Dass Text und Handlung immer wieder auseinanderklaffen - dass Tatjana z.B. eine schief sitzende Haube beklagt, obwohl sie gar keine trägt, dass Lenski mitten im Schneegestöber den schönen, schattigen Garten bewundert - würde ich an sich nicht so eng sehen, hätte Falk Richter dafür plausible Gründe geliefert und vorhandenes Material genial umgedeutet, die Handlung ironisch gebrochen o.ä. Aber er deutet nichts um, er deutet gar nicht, und das ermüdete mich recht bald.
    Das zweite Bild zeigt einen Rahmen aus Eisblöcken, der Tatjanas Zimmer darstellt, Felle bedecken weitere Eisblöcke, die als Bett dienen. Natürlich schneit es noch immer. Trotzdem, optisch finde ich diese Szene sehr gelungen, sofern man sich nicht daran stört, dass Tatjana ihre Njanja bittet, das Fenster zu öffnen, weil es so schwül ist. Mich störte es nicht, zumal Tamar Iveri die Briefszene mit viel Ausdruck sang und gestaltete. Sicher nicht die beste Tatjana, aber eine sehr gute, würde ich sagen.
    Das 3. Bild wird von einer langen, aus Eisblöcken gebildeten und etwas schräg im Raum stehenden Tafel dominiert, gelbe und blaue Leuchtstäbe in verschiedener Länge hängen vom Schnürboden, was einen sehr hübschen optischen Effekt ergibt. Gottlob schneit es nicht mehr, denn allmählich begann sich mein Kopf zu drehen bei dem ewigen Flimmern vor meinen Augen. Ich denke, dass das Bühnenbild von weiter oben wesentlich effektvoller ist als von der 6. Reihe Parkett, wo ich saß. (Ich höre schon Alfreds Aufschrei: Ein Regisseur, der für die Unterprivilegierten inszeniert - ein Skandal! :motz: :motz: :motz: :motz: ) Die üppigen Speisen, von denen alle schwärmen, muss man sich aber denken. Kein Problem. Umso präsenter sind die Wodkaflaschen, aus denen sich besonders Lenski so fleißig bedient, dass ich bald über Ursache und Wirkung nachzudenken begann: Betrinkt er sich aus Eifersucht und Wut über die mit Onegin flirtende Olga, oder rastet er nur aus, weil er bereits stockbetrunken ist und die Dinge nicht mehr richtig einordnen kann. Auf jeden Fall kam nun endlich etwas Schwung in die Aufführung, wenn auch hier eine von Richters Schwächen klar zu Tage trat: Er kann mit dem Chor nichts anfangen. (Damit befindet er sich in guter Gesellschaft.....) So verfiel er auf die "geniale" :wacky: Idee, den Chor mehr oder weniger teilnahmslos herumstehen und singen zu lassen, während ständig irgendwelche Akrobaten über die Bühne fegen, Überschläge und Handstände machen usw. Schwach inszeniert fand ich auch den Auftritt von Monsieur Triquet. (Wenn ich denke, was Andrea Breth in Salzburg alleine aus diesem Ballbild herausgeholt hat......) Immerhin erwachte Simon Keenlyside nun aus seiner Lethargie und spielte den Onegin beinahe so überzeugend, wie ich mir das von ihm erhofft hatte. Ramon Vargas benahm sich eher wie Rumpelstilzchen, aber dazu neigt er leider generell.
    Im 5. Bild schneit es wieder, aber laut Libretto befinden wir uns auch im Winter. Trotzdem zieht Lenski seinen Mantel aus und betrachtet ihn so liebevoll, dass ich schon befürchtete, er würde nun "Vecchia zimarra" anstimmen. Aber es blieb beim "Kuda, kuda....", das Ramon Vargas besser sang, als mich seine vorherige Leistung befürchten ließ. Da klang sein Tenor nämlich seltsam spröde und eindimensional, erst jetzt gelang es ihm, sein Singen mit etwas Farben anzureichern. Für mich ist er trotzdem weit von einem idealen Lenski entfernt.
    Die Eisblocktafel vom vorigen Bild steht immer noch da, auch einige Alkoholleichen vom Ball kugeln noch herum. aus denen sich Onegin seinen Sekundanten rekrutiert. Wie toll hat doch Andrea Breth die Duellszene inszeniert, mit wie vielen kleinen psychologischen Details angereichert, und wie belanglos geht es im Vergleich dazu bei Falk Richter ab. Leider wurde ich beim Schusswechsel von einer lebhaft geführten Unterhaltung neben mir abgelenkt, aber mir schien, dass Onegin seinen Schuss abgab, bevor Lenski überhaupt noch seine Waffe in Anschlag gebracht hatte. Glatter Mord also. (Aber das muss ich noch verifizieren!) Gleichgültig wendet er sich ab, umso unmotivierter dann sein Zusammenbruch über der Leiche des Exfreundes, als der Arzt den Tod feststellt.
    Das 6. Bild ist für mich das stärkste: Das Bühnenquadrat wird von perforierten Platten umgeben, die von hinten beleuchtet sind, während die Gassen dazwischen schwarz bleiben, eine sanft ansteigende, grau-metallische Stiege bildet die Spielfläche. Wenn sich der Vorhang hebt, sitzt Onegin einsam und an sich und der Welt leidend auf einer Stufe. Allmählich sickert der Chor durch die schwarzen Gassen ein, und zwar als völlig gleich kostümierte und geschminkte Paare. Für Onegin sind alle Menschen gleich, gleich ausdruckslos, gleich bedeutungslos. Nur Tatjana trägt eine elegante Robe, als sie am Arm Gremins hereintritt, und hebt sich von der Masse ab. Wie elektrisiert springt Onegin auf - zum ersten Mal nimmt er Tatjana als Individuum wahr, ist sie für ihn mehr als eine unter vielen. Diese Szene ging mir als einzige wirklich unter die Haut. Nicht, dass ich das jetzt für eine absolut geniale Regieidee halte, aber es ist wenigstens eine Idee in dieser ansonsten so ideenarmen Produktion.
    Dass allerdings Tatjana samt der Bühne jedesmal in grelles Licht getaucht wird, wenn Gremin sie als seine "Sonne" besingt, ist in meinen Augen peinlich plakativ. (Überflüssige Verdoppelung pflegt Edwin dergleichen zu nennen ;) )
    Überhaupt der Fürst Gremin: Ain Anger singt ihn tadellos, ist allerdings jeder Zoll kein Gremin imTschaikowkischen Sinne: Dieser Gremin ist ein Mann in den besten Jahren, vital und äußerst viril, neben dem der um einen Kopf kleinere Keenlyside beinahe wie ein "Zniachterl" wirkt, wie wir das auf Wienerisch nennen. (So in der Art von "ein mickriges Männchen") Man kann sich beim besten Willen nicht vorstellen, dass Tatjanas Eheleben an der Seite dieses Prachtexemplares so freudlos verläuft, dass sie nur aus Pflichtgefühl bei ihm bleibt.
    Nach dem 6. Bild senkt sich an Stelle des Vorhanges eine aus verschiedenen Facetten gebildete Spiegelwand herunter, an der sich Onegin entlangtastet und dann, am Boden kauernd, seinen Brief an Tatjana schreibt. Sehr effektvoll zweifellos, aber ob dieser finanzielle Mehraufwand für eine im Libretto gar nicht vorgesehene Szene von einer Minute in prekären Budgetzeiten wie diesen gerechtfertigt ist, frage ich mich schon.
    Im 7. Bild schneit es dann wieder einmal, obwohl es eigentlich in Tatjanas Empfangszimmer spielt. Nun allerdings wirkt der Schnee aufgrund der Beleuchtung wie ein golden schimmernder Vorhang. Sehr schön, wie sich die Bühne über dem wieder einsam am Boden kauernden Onegin verdunkelt, weniger schön, dass das Publikum diese bewegende Stimmung zerklatschen musste.
    Mein Fazit: Eigentlich bin ich von dieser Neuproduktion enttäuscht. Szenisch ziemlich belanglos, musikalisch auch nicht auf dem Niveau, das ich mir von der Papierform her versprochen hatte, sieht man von dem stimlich sehr guten Simon Keenlyside ab. Seiji Ozawas Dirigat reißt mich auch nicht zu Begeisterungsstürmen hin, obwohl ich ihm nichts Konkretes vorwerfen kann, da spricht einfach mein Bauchgefühl.
    Jetzt bin ich auf eure Eindrücke gespannt, sowohl live wie auch vom Radio!
    lg Severina :hello:


    OK, meinetwegen. Im Unterschied zu dir habe ich kein Problem damit, nicht Recht zu haben. Wäre ich du, würde ich dir jetzt in 99 Posts zu beweisen versuchen, wie ich den Begriff "Vorstudien" gemeint habe und dass ich daher ... blabla blabla .......
    lg Severina :hello:


    PS: Vielleicht können die Mods dieses OT-Problem irgendwann löschen, damit es mit den französischen Opern weitergehen kann!


    Wenn du schon unbedingt eine Literaturabhandlung willst:
    Beide Fassungen, die in Prosa und die in Blankversen, wurden 1787 vollendet, allerdings wurde bei der Uraufführung die Prosafassung gespielt und erst ein Jahr später die Versfassung, die allerdings sofort veröffentlicht wurde, während die erste Version erst 1808 in Buchform erschien.
    Schiller selbst mischt in seinen Briefen über den Don Karlos immer wieder Dom und Don, weshalb viele Literaturwissenschaftler (z.B. Newald/de Boor) auf dieses Problem gar nicht eingehen, sondern einheitlich von "Don Karlos" sprechen. (In meinem Uralt-Reclamtext ist das K noch erhalten, die späteren Ausgaben verwenden alle schon C)
    lg Severina :hello:

    Zitat

    Original von Liebestraum
    Nein, ein paar Erklärungen waren nur notwendig, weil der Einstiegs-Beitrag sich nicht eindeutig positionierte.


    Die Erklärungen hast aber nur du benötigt, für alle anderen hatte sich Edwin in seinem Eröffnungsbeitrag glasklar "positioniert". Aber klar: Unser Fehler besteht natürlich darin, dass wir mitdenken, und damit hast du's ja nicht so.....
    lg Severina :hello:


    Wenn du dir die Mühe machen würdest, Dinge, die du nicht verstehst bzw. die dir nicht passen, zu durchdenken und nicht gleich pauschal abzulehnen, wüsstest du, dass Edwin genau das, was ich in deinen Ausführungen markiert habe, zu tun beabsichtigt. Nämlich den "Bildern einer Ausstellung" seinen ganz persönlichen Stempel aufzudrücken, mit großem Respekt vor Mussorgskij.
    Wenn sogar ich das kapiere, die nicht alle 30 Bearbeitungen kennt und auch keinen Klavierauszug lesen kann, warum ist es dann dir nicht möglich????
    Ich vergesse halt leider immer wieder, dass du nicht gerne denkst, sondern den einfacheren Weg der Behauptung und Unterstellung gehst :wacky:


    Ich jedenfalls finde Edwins Projekt sehr interessant und hoffe, dass es nicht wieder irgendwo in fernen Landen uraufgeführt wird, sondern in "Tamino-Reichweite" :D (Misstrauisch wäre ich allenfalls, hätte sich Edwin seine Inspirationen durch Tischerlrücken geholt, wie das ja auch schon vorgekommen sein soll ;) )
    lg Severina :hello:

    Ich liebe französische Opern sehr, auch wenn ich durch Tamino gelernt habe, dass sie heutzutage wohl völlig falsch gesungen werden ;) Macht nix, ich kenne sie nicht anders und habe sie so ins Herz geschlossen :] Meine Favoriten ändern sich ständig, je nachdem, was ich gerade intensiv höre.
    Momentan ist es Rameau, daher also:
    Rameau, Platée
    Dardanus
    Les Indes Galantes
    Bizet, Carmen
    Massenet, Werther
    Gounod, Romeo et Juliette
    Faust
    Thomas Ambroise, Hamlet
    Offenbach, Les Contes d'Hofmann
    Poulence, Dialoges des Carmélites


    lg Severina :hello:


    Aber bitte dann im authentischen Büßerhemdchen und barfuß im Schnee :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:
    lg Severina :hello:


    Hallo Fairy,
    aber wenn du den Koch um ein Rezept bittest, erwartest du dir schon eine andere Antwort als: "Mein Gericht spricht für sich, essen sie's, dann wissen sie's!" :pfeif: :D
    lg Sevi :hello:


    Was "offensichtlich" ist, liegt im Auge des Betrachters: Für dich ist A offensichtlich, für Edwin eben B, für einen anderen C - und dem anderen mit Hilfe von Argumenten die Augen zu öffnen für die eigene Position ist Sinn und Zweck einer Diskussion.
    Natürlich kann ich nicht nachvollziehen, warum du einen Künstler magst, wenn du mir keinen Grund dafür lieferst. Was heißt "Man höre nur die Aufnahmen!" ??? Bekanntlich hört jeder etwas anderes, sonst gäbe es ja nicht so viele verschiedene Lieblingssänger. Ich habe Theo Adam früher oft live gehört, er bot für mich immer eine solide Leistung, aber mehr auch nicht. Also wäre es für mich interessant zu erfahren, was dich an ihm fasziniert. Und welche Antwort kriegt man: "Höre ihn dir an, dann weißt du's!" Und wieder drehen wir uns im Kreis.......
    Oder wie würdest du reagieren, wenn ich behaupte: "Die Aida an der deutschen Oper ist grandios, man sehe nur die Fotos!!!"
    lg SEverina :hello:

    Zitat

    Original von Liebestraum
    @ Edwiin Baumgartner


    Was ich mir ansehen möchte und was nicht, dass musst du mir schon selbst überlassen. Auch was ich für ablehnenswert halte, brauch dich doch nicht zu interessieren... Lies doch einfach weiter...


    Wenn ich also kurz zusammenfassen darf:
    - Du lehnst es ab, dich mit anderen Meinungen sachlich auseinanderzusetzen
    - Du lehnst es ab, dich für andere Meinungen auch nur zu interessieren
    - Du lehnst es ab, deine eigene Meinung argumentativ zu untermauern
    - Du lehnst es ab, dass sich andere für deine Meinung interessieren
    - Du lehnst es ab, konkrete Fragen zu beantworten
    - Du lehnst jede Diskussion ab


    Wenn die bescheidene Frage erlaubt ist: Warum bist du eigentlich in einem Forum????
    Obwohl: Der (wahrscheinlich unfreiwillige) Unterhaltungswert gerade deiner letzten Posts ist so groß, dass das deine Anwesenheit schon wieder rechtfertigt :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: )
    lg Se :hello:verina


    Lieber Alfred,
    klar ging es Verdi um Publikumswirksamkeit, wie sonst sollte er seine politischen Ideen unters Volk bringen?? Und glaubst du im Ernst, "Va pensiero" wurde nur deshalb zur heimlichen Hymne des Risogimento, weil man's so gut nachpfeifen konnte?? Dass er sich in seineren späteren Jahren scheinbar unpolitischen Stoffen zuwandte, hatte einen einfachen Grund: Die Einigung Italiens war vollzogen, es bestand also keine Notwendigkeit mehr, gegen ausländische Unterdrücker geistig mobil zu machen. Und wahrscheinlich sah der alte Verdi vieles auch illusionsloser als in seinen idealistischen jungen Jahren.....
    Dass du "Sehnsucht nach Gedankenfreiheit" als "publikumswirksamen Kitsch" bezeichnest (oder missverstehe ich dich da? Das würde mich freuen!) , erschreckt mich wirklich und zeigt mir einmal mehr, wie unterschiedlich unser Weltbild ist. Auch dein immer wieder geäußertes Ansinnen, Oper zu einem Privileg der Reichen zu machen, erzeugt bei mir Gänsehaut. Kunst soll für jeden zugänglich und leistbar sein, deshalb ist für mich jener Dirigent ein menschliches Vorbild, der diese Forderung immer wieder erhoben hat, nämlich Claudio Abbado. Der hätte keine Seidenhemdchen für die erste Reihe gekauft, sondern für dieses Geld eine Volksvorstellung finanziert....
    lg Severina :hello:


    Ja, das passt natürlich perfekt zu diesem Herrn: Oberflächliche Ästhetik in Ermangelung einer tiefschürfenden Analyse :wacky: Anstatt das Äußere der Figuren mit Reinseide zu verhängen, hätte er sich besser gefragt, was in ihrem Inneren vorgeht, dann wäre ich vielleicht bei seinen lebenden Bildern nicht spätestens nach einer halben Stunde sanft entschlummert :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:
    Dein letzter Satz ist eigentlich eine Beleidigung aller Komponisten, die sich leider nicht mehr dagegen wehren können, von dir immer wieder in die gleiche unsinnige Schublade der Nur- Unterhaltung gesteckt zu werden. Dass Verdi sein Publikum nur deshalb auf eine "Reise in längst vergangene Zeiten" geschickt hat, weil er die politische Gegenwart wegen der strengen Zensur nicht thematisieren durfte, ist wohl jedem klar, der seine Nase auch nur ein einziges Mal in seine Biografie gesteckt hat. Aber solche Nebensächlichkeiten interessieren dich natürlich nicht. Hauptsache, die Seide ist echt, dann darf das Anliegen des Komponisten ruhig verfälscht werden. Was an einer solchen Aufführung allerdings "fesselnd" sein soll, will sich mir nicht ganz erschließen.
    lg Severina :hello:

    Zitat

    Original von Liebestraum
    @ severina


    ich gehe grundsätzich nicht mehr zu Premieren. Habe mich zu oft geärgert.


    Ich gehe nur in Inszenierungen, die mich auch rein optisch ansprechen. - das ist mein gutes Recht.
    In meiner über 30 Jahre währenden Operngängerschaft habe ich schon so viele Opern gesehen - da kann ich auf vieles gern verzichten. Ehe ich mir hier und da solch einen Müll ansehe, dann spare ich lieber das Eintrittsgeld und kaufe mir eine von mir gewünschte CD-Aufnahme.


    Dieses Recht habe ich dir auch nie abgesprochen, wohl aber das Recht, Inszenierungen, die du überhaupt nicht kennst, als Müll zu bezeichnen.
    Ich gehe übrigens seit 33 Jahren in die Oper (ins Sprechtheater noch 10 Jahre länger) und bin froh und glücklich, nach der viel zu langen einseitigen Kitsch-und Plüschdiktatur heute eine so bunte, vielfältige Theaterszene erleben zu dürfen, wo jeder nach seinem Geschmack angeregt und unterhalten werden kann.

    Zitat

    Original von Liebestraum
    Natürlich habe ich meine eigene Meinung: habe diese "Aida"-Inszenierung nie gesehen. Schon die Bilder empfand ich als abstoßend.


    Freuen tut mich daher sehr, dass so viele meine Meinung teilen.


    Ein wirklich höchst interessanter und aufschlussreicher Meinungsfindungsprozess! Jetzt wundert mich wirklich nichts mehr :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha: :hahahaha:

    Zitat

    Original von Liebestraum
    was gibts da noch zu diskutieren? - die Masse des Publikums bleibt der "Aida"-Inszenierung an der Deutschen Oper fern. Das spricht mehr als 1000 Diskussionen.


    Entschuldige, aber ich konnte ja nicht wissen, dass du immer mit der Masse schwimmst! Ich dachte doch tatsächlich, du hättest eine eigene Meinung - aber diese Unterstellung nehme ich selbstverständlich mit Bedauern zurück! :pfeif:

    Zitat

    Original von Liebestraum
    Ach. weißt du, du kannst so viel verreißen, wie du willst. Fakt ist: die "Aida"-Inszenierung der Saatsoper wollen die Menschen sehen und die an der Deutschen Oper eben nicht.


    Leider kapierst du wieder einmal überhaupt nichts - oder willst es auch nicht kapieren: Im Unterschied zu dir würde ich mir nie anmaßen, aufgrund einiger Bilder eine Inszenierung zu be- bzw. verurteilen. Ich wollte dir hier lediglich demonstrieren, dass das kein Kunststück ist und mit jedem Bildmaterial funktioniert, sofern man (wie du) voreingenomen ist und gar nicht die Absicht hat, sich ernsthaft mit einer Inszenierung zu beschäftigen.
    Aber lassen wir's, zu einer wirklichen Diskussion bist du, wie immer, ohnehin nicht bereit, und alles andere wäre Zeitverschwendung.
    lg Severina :hello:


    Wusste gar nicht, dass Aida in einem Museum spielt - interessant! Und Radames arbeitet dort als Fremdenführer?? Hoffentlich kann dann wenigstens er erklären, warum das Alte Ägypten von Außerirdischen bevölkert war. Oder wurde überhaupt die ganze Pharaonische High Society auf eine fremde Galaxie gebeamt? Da war wohl Erich von Däniken der wissenschaftliche Berater.........
    Du siehst, eine Inszenierung anhand einiger Bilder zu verreißen ist keine Kunst - bloß hat das nichts, aber schon gar nichts mit einer ernsthaften Auseinandersetzung zu tun, sondern ist reine Polemik.
    lg Severina :hello:


    Ich weiß ja nicht, welche Vorstellungen du vom Alten Ägypten hast, ich jedenfalls habe noch keine einzige dieser pseudo-historisierenden Kitschinszenierungen (Beispiel Joel in Wien) erlebt, die wirklich etwas damit zu tun gehabt hätte. (Gleiches gilt übrigens auch für das Libretto.....)
    lg Severina :hello:

    Zitat

    Original von timmiju
    Hallo,


    das Thema "drei Opernhäuser in Berlin sind zu viel" ist ja schon reichlich abgedroschen. Als Berliner bin ich stolz auf diese Vielfalt des Angebotes und auch Doppelinszenierungen sind reizvoll des Vergleiches wegen.


    Darum geht es doch überhaupt nicht! Wien hat auch drei große Opernhäuser, dazu noch die kleine Kammeroper und einige alternative Spielstätten, an denen fallweise Oper gebracht wird (Odeon z.B.) - ein Zuviel an kulturellem Angebot kann es doch gar nicht geben!
    Mein Argument ging in die Richtung, dass in einer Ferienwoche eben der daraus resultierende natürliche Publikumsschwund dazu führen kann, dass die Auslastung zurückgeht.
    lg Severina :hello:


    Lieber Gurnemanz,
    zufällig steht in der gestrigen Presse eine euphorische Besprechung der Salzburg-DVD des "Lumpazivagabundus", leider bin ich zu PC-blond, um sie hierher zu kopieren. Aber wenn du in den ONline-Merker gehst (der Link liegt unten auf der Taminoseite) und dann dort Aktuelles anklickst, findest du es. (Bitte etwas Geduld, die Merkerianer haben momentan Serverprobleme!)
    Zu den von dir geposteten DVDs: Eine Empfehlung ist schwer, weil ich jetzt nicht genau weiß, welchen Regiestil du goutierst. Ich finde z.B. "Höllenangst" in der Kusej-Regie genial (Habe es aber live gesehen, die DVD kenne ich nicht, weiß aber nicht, ob sie gut geschnitten ist), aber Nestroy-Puristen werden sich wohl mit Grausen abwenden und meinen "Das geht doch nicht!" (Das ist jetzt bitte keine Wertung, Verurteilung etc., sonern nur eine nüchterne Tatsachenfeststellung, dass die Inszenierung wie alles von Kusej eben polarisiert) Was mich betrifft, so liebe ich sowohl "Nestroy traditionell" wie auch "Nestroy modern", bei der zweiten Variante kommt meines Erachtens die Gesellschaftskritik und auch die sprachliche Brillianz besser zum Tragen, aber das ist wie gesagt meine subjektive Sicht Als Nestroy-Einsteiger würde ich dir eher die konservativen Inszenierungen empfehlen, also den schon erwähnten Lumpazi und "Höllenangst" mit Hans Moser & Co, das könntest du dann sehr spannend mit der modernen Kusej-Produktion kontrastieren.
    lg Severina :hello: