Beiträge von Felix_Lambsdorff

    Gerade drüber gestolpert: https://archives.yale.edu/repo…1/archival_objects/248716


    Wie bekannt, fertigte Maurice Ravel 1913 zusammen mit Igor Strawinsky eine eigene Fassung von Mussorgskys "Chowanschtschina" an. Strawinsky übernahm dabei die Aufgabe, das Finale des 5. Aktes zu vervollständigen (zu welchem Mussorgsky nur sich auf die Melodie festgelegt hatte, ohne die Szene je auszuführen), während Ravel sich um die Reorchestrierung des restlichen Werkes kümmerte. Gedacht war die Fassung für eine Aufführung des Dhiagilew-Balletts. Da sich Schaljapin jedoch weigerte, eine andere Fassung als die Rimsky-Korsakows zu singen, wurde schlussendlich doch zumindest teilweise auf diese zurückgegriffen. Ravels Orchestrierung kam also nie vollständig zur Aufführung. Soweit ich es im Kopf habe, gilt die Orchestrierung Ravels seitdem als verschollen - sie sei in den Wirren der russischen Revolution untergegangen.


    Mit obigem Link findet man jedoch ein digitalisiertes Manuskript Ravels mit zumindest einem Teil der Ravel'schen Orchestrierung. Das Manuskript besteht aus 2 Teilen. Nach grobem Durchsehen des Manuskripts bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es sich dabei um die zwei Stücke aus der Oper handelt, die von Rimsky-Korsakow gestrichen und daher von Ravel völlig neu nach Mussorgskys Klavierskizze orchestriert wurden:

    - Szene im 1. Akt, in dem die Menschenmenge den Schreiber zwingt, die Inschrift vorzulesen

    - Kuzkas Lied im 3. Akt

    Interessant ist, dass nur diese beiden Teile, die bei Rimsky-Korsakow fehlen, jetzt aufgetaucht sind. Vielleicht liegt darin ja das Prinzip hinter der Mischfassung von 1913: Alles von Rimsky-Korsakow (bis auf das Finale) wurde verwendet. Alles, was in seiner Fassung fehlt, wurde in Ravels Orchestrierung gespielt.


    Der Youtube-Kanal Ravel Manuscript Project bemüht sich anscheinend gerade um eine Transkription und computergenerierte dieses Manuskripts. Wir können gespannt sein. Auch wenn die vollständige Ravel-Orchestrierung nach wie vor verschollen ist, wird so zumindest ein Eindruck entstehen, wie Ravel dieses Projekt angepackt und klanglich realisiert hat. Man darf gespannt sein!


    LG aus Passau

    Felix Graf Lambsdorff

    Auch wenn man mit diesem Komponisten ein Minenfeld betritt und es mir bisweilen schwer fällt, mich auf seine Musik einzulassen und mich ihr unvoreingenommen zu nähern, dieses Werk sticht doch heraus:

    Hans Pfitzner: Drei Vorspiele aus der Oper ,,Palestrina" WoO 17 (1909-15)


    Orchester der Deutschen Oper Berlin

    Dirigent: Christian Thielemann


    Hans Pfitzner (1869-1949): Ouvertüren (SHM-CD), CD


    Ernsthafte, vor allem in den Vorspielen 1 und 3 traumhaft-schlichte Klangsprache, nicht ohne gewisse Einflüsse Wagners, aber auch mit gewisser Bezugnahme auf den titelgebenden Renaissance-Komponisten...

    Danke, lieber Orfeo, für die Hinweise! So kann man besser nachprüfen, ob ich mit meinen Einschätzungen richtig liege. Allerdings fehlen beim Merlin die Untertitel - was dem Verständnis des etwas kryptischen Librettos sicherlich nicht gut tut. Aber das beste dieser Merlin-Einspielung sind meines Erachtens - auch dank der wunderschönen Musik von Albeniz - ohnehin die Tanzeinlagen im 3. Akt. Und die kann man sicherlich auch ohne Untertitel genießen.


    LG aus Passau

    Hallo zusammen,


    Nach längerer Inaktivität möchte ich mal wieder zu einem Opernmitschnitt meinen Eindruck mitteilen, nämlich über einen, den ich vor einiger Zeit über die Arte-Mediathek anschauen durfte (man findet ihn noch kostenpflichtig über medici.tv, siehe Dukas's Ariane et Barbe-Bleue (medici.tv), im Folgenden sollte aber klar werden, dass es sich bei einer solchen Darbietung nicht lohnt, Geld zu bezahlen). Es handelt sich dabei um die Oper ,,Ariane et Barbe-Bleue" von Paul Dukas. Ich als jemand, der ein großer Liebhaber der symphonischen Werke Dukas' bin (und diese reduzieren sich nicht auf den ,,Zauberlehrling"), ging mit hohen Erwartungen hinein. Die Handlung der Oper ist relativ schnell erzählt: Ariane soll Herzog Blaubarts sechste Ehefrau werden. Sie bekommt von ihm sieben Schlüssel für die Schatzkammern, den siebten, goldenen darf sie jedoch nicht benutzen. Sie erliegt ihrer Neugierde und benutzt den goldenen Schlüssel. Sie öffnet die Tür und findet dort Blaubarts fünf andere Ehefrauen, die er dort im Verlies festgesetzt hat. Ariane kann einen Ausgang aus dem Verlies finden und die fünf Frauen befreien und schließlich den festgesetzten Blaubart einem wütenden Mob von Bauern übergeben, doch die Frauen sind bereits zu sehr an Blaubart gebunden durch ihre Gefangenschaft und lehnen daher die Freiheit, die Ariane ihnen anbietet, ab. Also eine Emanzipationsgeschichte mit durchaus resignativem Ende.


    Zuerst einmal die positiven Dinge: Die Musik hat meinen Erwartungen durchaus entsprochen, äußerst klangvolle farbenreiche Musik, teilweise in wagnerischer Opulenz, jedoch stets die impressionistisch-virtuose Klangsprache Dukas' verratend, wie man sie aus dem Zauberlehrling kennt. An dem Dirigat von Lothar Koenigs ist nichts auszusetzen, er beherrscht Dukas' Orchesterklänge sehr souverän. Es hätte ein so schönes Hörerlebnis sein können, doch verschiedene Dinge haben das verhindert, die ich im Folgenden ein wenig aufarbeiten möchte. Von meinem leicht satirischen Unterton her sollte man schnell merken, dass ich mich ordentlich geärgert habe.


    Über die gesanglichen Leistungen möchte ich gar nicht allzu viele Worte verlieren. Tomislav Lavoie als Blaubart singt ganz ordentlich, aber nicht allzu viel in dieser Oper. Über die meiste Zeit hat man es mit den Sängerinen von Ariane und ihren Leidensgenossinen zutun, und ,,Leiden" ist hier ein gutes Stichwort. Katarina Karnéus in der Rolle der Ariane singt zwar zumindest auf mittelmäßigem Niveau, die Töne werden halbwegs getroffen, doch halte ich sie für eine Fehlbesetzung. Sie strahlt nicht die Stärke und Entschlossenheit aus, die eine Rebellin für Emanzipation gegen die gesellschaftlichen Normen der Zeit benötigt, sondern verrät in jedem Ton, den sie singt, eine recht divenhafte Selbstgenügsamkeit. Der Gesang der fünf anderen ähnelt mit wenigen Ausnahmen Geschrei mehr als eigentlicher Musik.


    Nun zum eigentlichen Kritikpunkt an der ganzen Sache. Wenn ich anfangs schon gewusst hätte, dass hinter der Produktion das Künstlerkollektiv ,,La Fura dels Baus" steckt, wäre mir diese Aufführung von vornherein spanisch vorgekommen - bzw. in diesem Fall katalanisch. Diese Ansammlung von Kulturphilistern, die aus jeder noch so oberflächlichen und geistlosen Modernisierung dramatischer Stoffe ihre künstlerische Selbstbefriedigung ziehen, hat sich nach der Ring-Inszenierung in Valencia, bei der ich den unbeweglich herumstehenden Darstellern nicht nur Ausdauer, sondern auch gute Thrombosestrümpfe gewünscht hätte, nun zur - gar nicht mal so unlösbaren - Aufgabe gemacht, Dukas' Oper einen frischeren Anstrich zu geben. Vor dem Hintergrund aktueller Themen und Debatten um den Feminismus hätte es da sicherlich genug Ansatzpunkte gegeben. Doch anstatt die Handlung der Oper etwa in eine Waschküche zu verlegen - das hätte ja wenigstens Sinn gemacht -, kam dem ,,Regisseur" Alex Ollé einer dieser für ,,La Fura dels Baus" so typischen Einfälle, die ihresgleichen suchen, hoffentlich aber nie finden. Aus der ganzen Burg Blaubarts wird mehr eine Feiergesellschaft, die Schatzkammer im 1. Akt ist mehr imaginär, die Edelsteine werden durch etwas oberflächliche Lichteffekte ersetzt, die ,,Flucht" aus dem Verlies wird dadurch dargestellt, dass die sechs Frauen einen Berg aus Tischen und Stühlen errichten, um diesen dann zu besteigen und uninspiriert auf ihm stehen zu bleiben, um am Ende wieder runterzugehen. Alles in allem habe ich schon einige moderne Inszenierungen gesehen, die am Ende nicht überzeugt haben und bei denen ich dennoch den Eindruck hatte, dass sie für manche Leute Sinn ergeben könnte. Bei vorliegender fehlte mir die Fantasie dafür.


    So gilt wie so oft: Bleibt abzuwarten auf eine bessere Fassung, oder man greift auf eine der CD-Einspielungen zurück.


    Mit besten Grüßen aus Passau,

    Felix Graf Lambsdorff

    Hallo zusammen,


    Ich möchte auf eine kleine Rarität aufmerksam machen, die ich kürzlich auf DVD anhören durfte. Es handelt sich um die Oper ,,Merlin" von Isaac Albeniz. Ich als jemand, der mit den Klavierwerken von Albeniz quasi aufgewachsen ist und nicht wusste, dass es tatsächlich Opern von ihm gibt, war vom dem Gedanken begeistert und kaufte im Überschwang der Begeisterung die einzige DVD, die es von dem Werk gibt:


    Isaac Albeniz (1860-1909): Merlin, DVD


    Vorab für die, die die Oper nicht kennen: Albeniz schrieb das Werk nach dem Libretto seines Gönners und Freundes Francis Burdett Money-Coutts, eines reichen englischen Adeligen, der Albeniz finanziell unterstützte und sich im Gegenzug seine Textbücher von ihm vertonen ließ. ,,Merlin" war der erste Teil einer geplanten, aber nicht vollendeten ,,König-Artur"-Trilogie. Musikalisch zweifellos tragisch, dass es bei einem Teil blieb. ,,Merlin" hat viele musikalische Höhepunkte und hat mich in der Hinsicht kein bisschen enttäuscht, eher sogar positiv überrascht. Eine Tanzeinlage im 3. Akt hat sogar verstecktes spanisches Kolorit und klingt wirklich nach dem, was man sich unter Albeniz vorstellt. Teilweise mitreißende Chorszenen, unter anderem eine am Ende des 1. Aktes, welches ein gregorianisches (oder gregorianisch-artiges) Thema zugrunde legt. Die Musik also ist ein Schmaus für alle Liebhaber der Spätromantik.


    Dagegen strotzt jedoch das Libretto nur so von herumarchaisierender Sprache, wie ein schlechter englischer Wagner-Abklatsch. Es gibt Brüche in der Dramaturgie (1. Akt: Artus zieht Schwert aus dem Stein und wird dafür zum König gekrönt, unter dem argwöhnischen Blick der Hexe Morgan le Fay und ihrem Sohn Mordred; 2. Akt: Mittlerweile wurde schon ein ganzer Krieg zwischen Artus und Morgan/Mordred geführt, den Artus gewonnen hat, wo man sich fragt: Hätte man da nicht eine Zwischenszene machen können, die zu diesem Krieg irgendeinen Bezug aufbaut? Vom 3. Akt will ich gar nicht erst anfangen), die Figuren bleiben schablonenhaft und im allgemeinen fragt man sich: Braucht es dafür wirklich eine Oper?


    Die andere Seite der Kritik ist die Einspielung. Wir sehen hier eine der ersten vollständigen Aufführungen der Oper, gefilmt im Teatro Real Madrid. Am Dirigierpult steht Jose de Eusebio (der die Originalpartitur teilweise rekonstruiert hat, nachdem sie für einige Zeit verschollen war), Regie führt John Dew. Die Inszenierung war annehmbar, kein großer Wurf. Die Massenszenen wurden ordentlich ausgekostet, aber letztlich hat es Dew nicht geschafft, den Schwächen des Librettos entgegenzuwirken. Jose de Eusebio als Dirigent ist die Mühe um das Werk sicherlich nicht abzusprechen, und im allgemeinen bewältigt das Orchester die Aufgabe recht souverän. Jetzt komme ich jedoch erst zur eigentlichen Schwachstelle. Wie ein Rezensent auf Amazon bereits festgestellt hat, schrieb der Kritiker Edward Greenfield über die Einspielung: ,,Großartig gesungen von einer Starbesetzung". Es tut mir in der Seele weh, sagen zu müssen, dass man davon leider nicht viel merkt. Stuart Skelton in der Rolle des König Artus ist noch relativ angenehm zu hören, eine Meisterleistung ist jedoch was anderes. David Wilson-Johnson in der Titelrolle des Merlin möchte ich auch nicht absprechen, dass er grundsätzlich singen kann. Er leidet ein wenig unter der (nicht ganz optimalen) Klangqualität. Trotzdem war er immer noch besser als Carol Vaness, die die Rolle der sarazenischen Sklavin Nivian übernimmt und dabei wirklich nur die tieferen Töne treffen kann. Doch den Vogel abgeschossen hat wirklich Eva Marton (!) als die böse Hexe Morgan le Fay. Eva Marton, bekanntlich in den 1980er Jahren eine Sängerin mit beeindruckendem Klangvolumen, scheint in der Zwischenzeit eine Nebenausbildung als lebende Fabriksirene gemacht zu haben, denn durch ihr Vibrato wird quasi jeder Ton (bis auf ein paar tiefere im 2. Akt) zu einem oszillierenden Geräusch entstellt. Ein Vergnügen ist wahrlich etwas anderes!


    Leider ist die DVD derzeit alternativlos, wenn man die Oper auf Video sehen möchte. Vielleicht kommt in den nächsten Jahren ja wieder jemand auf die Idee, die Oper aufzuführen mit Sängern, die der grandiosen Musik von Albeniz gerecht werden.


    LG aus Passau,

    Felix Graf Lambsdorff

    Ich bleibe bei Meeresdarstellung, nun vom litauischen Komponisten Mikalojus Ciurlionis. Für die, die ihn nicht kennen: Er war gleichzeitig Komponist und Maler, und seine Werke verbinden beide Kunstgattungen dahingehend, dass seine Kompositionen fast immer klangmalerisch sind (so wie in diesem Werk, der symphonischen Dichtung ,,Das Meer") und seine Gemälde teilweise Titel wie ,,Sonate" oder ,,Fuge" tragen. Für Leute, die effektvolle Musik mögen, auf jeden Fall hörenswert!


    Mikalojus Konstantinas Ciurlionis (1875-1911): Orchesterwerke, CD


    Mikalojus Konstantinas Ciurlionis (1875 - 1911):

    Das Meer - Symphonische Dichtung (1903 - 07)


    Lithuanian National Symphony Orchestra, Modestas Pitrenas

    Einer meiner besonderen Lieblinge, empfehlenswert für Liebhaber der Spätromantik, von nordischer (schwedischer) Musik und von symphonischen Meeresdarstellungen, in diesem Fall metaphorisch für die tragische Geschichte zweier Liebenden (Kritiker bezeichneten das Werk damals als ,,musikalische Pornographie").


    Hugo Alfven (1872-1960): Symphonie Nr.4, CD


    Hugo Emil Alfven (1872 - 1960):

    Symphonie Nr. 4 c-moll op. 39 ,,Fran Havsbandet" (dt.: ,,Von den äußersten Schären", 1918 - 19)

    Hallo zusammen,


    Ich bin gerade wieder bei einem meiner besonderen Lieblinge gelandet, nämlich Arnold Bax. Höre gerade eines seiner Frühwerke:


    Arnold Bax (1883-1953): Spring Fire Symphony, CD


    Arnold Edward Trevor Bax (1883 - 1953)

    ,,Spring Fire" Symphonie in 5 Sätzen (1912)


    Vernon Handley, Royal Philharmonic Orchestra,


    Ein sehr stimmungsvolles, leicht impressionistisches Werk, programmatisch vergleichbar mit Strauss' Alpensinfonie, aber ein paar Jahre vor ihr entstanden. Es wurde lange Zeit für verschollen gehalten, da die Originalpartitur bei einem Brand 1964 vernichtet wurde, erst später wurde noch eine Kopie gefunden. Von meiner Seite (als großer Liebhaber der Spätromantik) eine klare Empfehlung. Wer es sich auf die schnelle anhören möchte, kann dies auch auf Youtube tun:


    Arnold Bax - Spring Fire Symphony (1913) - YouTube

    Hallo zusammen,


    Bereits im zugehörigen Thread gepostet, aber da ich derzeit quasi nichts anderes höre, hier noch einmal: Mussorgskys Oper ,,Chowanschtschina" (in Orchesterierung von Schostakowitsch) hier in einer exzellenten, bisher noch nicht auf DVD veröffentlichten Version vom Mariinsky-Theater mit Waleri Gergijew als Dirigenten. Die deutschen Untertitel habe ich selbst nach Klavierauszug und Libretto hinzugefügt.


    Diese Inszenierung ist schon recht betagt, aber Gergiev, dem man heute nicht nachsagen kann, nur museale Produktionen im Repertoire zu haben, hält unbeirrbar an ihr fest. Es gibt viele Beispiele für Inszenierungen an diesem Opernhaus, die, wenn sie Gergiev nicht gefallen, schleunigst entsorgt werden. Aber diese Khovanshchina wird wohl ewig bleiben.

    Ein Grund mehr, sich zu fragen, warum das Mariinsky-Theater sich bisher keine Mühe gegeben hat, diese Inszenierung ordentlich auf DVD zu veröffentlichen. Es gibt zwar einen Mitschnitt von 1991 (wiederum mit Olga Borodina als Marfa), die vom Label ,,Immortal" auf DVD veröffentlicht wurde, allerdings hat man sich bei der Veröffentlichung so wenig Mühe gegeben, dass nicht mal Untertitel enthalten sind (so zumindest laut den Internet-Rezensionen). Wirklich schade, weil das noch eine echte Lücke auf dem Markt ist...


    LG FL

    Lieber Peter Schünemann,


    Vielen Dank für deine Antwort. Dass der Abspann Jewgeni Nikitin als Schaklowity nennt, habe ich auch bemerkt. Der Fehler hat sich wohl hier eingeschlichen: Telmondis_Khovanshchina_web.pdf Dort werden sowohl Nikitin als auch Putilin genannt, von dort wurde Nikitin dann einfach unachtsam in den Abspann übernommen. Allerdings gibt es für mich keinen Zweifel, dass dies Nikolai Putilin ist. Die Szene mit dem Pastor und die Auseinandersetzung zwischen Marfa und Susanna sind beide enthalten (wobei letztere ja auch noch nicht zu 100% erforscht ist, denn in dem Klavierauszug von Pawel Lamm findet sich im Anhang eine deutlich längere Fassung, die Mussorgsky später gekürzt hat und die in langer Form natürlich noch orchestriert werden müsste).


    Chowanschtschina ist nun mal leider ein ähnlicher Fall wie Borodins ,,Fürst Igor". Zu viele Aspekte der Handlung mussten verworfen werden, da die Oper viel zu lang geworden wäre. Mussorgskys Librettoentwürfe beinhalten ja noch Szenen, in denen Zar Peter und Zarewna Sofia selbst aufgetreten wären, oder eine Szene, die den Pastor zusammen mit seiner Nichte Emma (!) in der deutschen Moskauer Vorstadt gezeigt hätte. Für letztere hat Mussorgsky laut Pawel Lamm sogar Musik komponiert, die nicht erhalten ist. Zudem war eine Szene geplant, in der Marfa, wie von Susanna angedroht, vor dem Altgäubigengericht steht, um sich für ihre Liebschaft mit Andrei zu verantworten. Vieles, was Mussorgsky komponiert hat, brachte dieser nie zu Papier, Rimsky-Korsakow erinnert sich auch daran, vieles lediglich von Mussorgsky am Klavier vorgespielt bekommen zu haben. Nur stand ihm damals noch nicht das musikalische Gedächtnis von Glasunow zur Verfügung. Man kann sich nur ausmahlen, wie viel Musik durch Mussorgskys Tod verloren gegangen ist...


    Ich wünsche dir viel Spaß beim gucken/hören. Beachte auch die Videobeschreibung, dort habe ich die (aus meiner Sicht) Highlights der Oper mit Zeitangaben verlinkt.


    LG FL

    Hallo zusammen,


    auch wenn in diesem Thread in den letzten Jahren nichts los war, habe ich doch eine Kleinigkeit hier zu posten: Anbei habe ich einen Mitschnitt in Bild und Ton aus dem Mariinsky-Theater (dirigiert von Gergijew) verlinkt. Ich habe ihn im Internet gefunden (es wurde über den Sender Mezzo TV im Fernsehen übertragen, aber noch nicht anständig veröffentlicht) und dann selbst auf Youtube hochgeladen. Die deutschen Untertitel habe ich selbst nach Klavierauszug und Libretto erstellt.



    Ich halte diese Version für die bisher beste filmisch aufgenommene, da sie Schostakowitschs Version weitgehend (!) vollständig wiedergibt. Unter den Sängern sind für mich Olga Borodina als Marfa und Nikolai Putilin als Schaklowity absolut herausragend. Ich wünsche daher viel Vergnügen beim Anschauen.


    LG FL

    Ich kehre zurück zur russischen Spätromantik:


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    Georgi Lwowitsch Catoire (1861 - 1926)


    Streichquintett G-Dur op. 4a

    Andante für Streichquartett o.op.

    Klaviertrio f-moll op. 14

    Deux Poemes für Klavier op. 34


    Catoire Ensemble (Anna Zassimowa - Klavier; Maria Milstein, Boris Zukerman - Violine; Julia Dinerstein - Viola; Sebastiaan van Halsema, Stephan Heber, Ketevan Roinischwilli - Violoncello)


    Challenge, DDD, 2019


    Für diejenigen, die ihn nicht kennen: Georgi Catoire ist ein (aus meiner Sicht völlig zu unrecht) vergessener russischer Spätromantiker in der Nachfolge Tschaikowskys, der v.a. in der Kammermusik recht produktiv war. In dieser CD sind zwei seiner Frühwerke ersteingespielt. Das Streichquintett op. 4a (überarbeitete Fassung eines verschollenen Streichquartetts op. 4) ist selbst für Kenner von Catoires Euvre so unbekannt, dass selbst auf IMSLP der Werkliste nicht bekannt ist, welches Werk Catoires diese Opuszahl trägt. Das Andante für Streichquartett ist ein übrig gebliebener langsamer Satz eines noch früheren Streichquartetts, das Catoire trotz wohlwollenden Urteils von Seiten seines Idols Tschaikowsky vernichtete. Das Andante blieb übrig, weil Tschaikowsky auf das Manuskript schriftliche Anmerkungen gemacht hatte und Catoire es nicht über's Herz brachte, dieses ,,Autogramm" vom Meister einfach dem Feuer zu überlassen. Beides recht schöne Werke.


    Wer jedoch Catoire kennenlernen möchte, sollte auf dieser CD erst das Klaviertrio f-moll anhören. Für mich ein absolutes Meisterwerk der russischen Kammermusik-Literatur, das den zeitgenössischen Werekn Arenskys, Rachmaninows, Tanejews, etc. in nichts nachsteht und hier zum ersten Mal in zufriedenstellender Tonqualität eingespielt vorliegt (eine alte Aufnahme mit Kogan, Rostropowitsch und Goldenweiser ist zwar herausragend interpretiert, aber eben klangtechnisch etwas in die Jahre gekommen). Daher von meiner Seite eine klare Empfehlung.


    LG FL

    Von meiner Seite geht es mit deutscher Romantik weiter:


    Hans Rott: Sinfonie E-Dur / Pastorales Vorspiel


    Hans Rott (1858 - 1884):

    Symphonie E-Dur - komponiert 1878 - 80

    Pastorales Vorspiel - komponiert 1877 - 80


    Radio-Symphonieorchester Wien, Dirigent: Dennis Russel-Davies; cpo 2002


    Hans Rott dürfte bei den meisten mittlerweile bekannt sein als das Bindeglied zwischen Anton Bruckner und Gustav Mahler und v.a. als tragische Gestalt, der an Brahms vernichtendem Urteil an seiner Symphonie E-Dur (eben in obiger CD zu hören) zugrunde gegangen ist und mit 25 im Irrenhaus endete. Ist auf jeden Fall ein Werk von hoher musikgeschichtlicher Bedeutung, einige Melodien werden von Mahler in dessen Symphonien Nr. 1 und 2 relativ unverblümt zitiert (man vergleiche das Thema von Rotts 3. Satz mit dem Seitenthema des 3. Satzes von Mahlers 2. Symphonie). Ob mir das Werk am Ende wirklich zusagt, weiß ich noch nicht, daher nehme ich sie mir noch einmal vor. Das Pastorale Vorspiel erscheint mir recht gefällig, nach großer Musik klingt es für mich nicht...


    LG Felix Lambsdorff

    Sergei Bortkiewicz: Violin Concerto/Othello tone poem [SACD HYBRID] stereo  only by Sergey Levitin: Amazon.de: Musik


    Hallo zusammen,


    meine Empfehlung ist dieses mal diese CD mit zwei Ersteinspielungen, nämlich dem Violinkonzert d-moll und der symphonischen Dichtung ,,Otello" von Sergei Bortkiewicz (wer ihn nicht kennt: ein russischer, polnisch-stämmiger Zu-spät-Romantiker, der v.a. Klaviermusik komponiert hat und stilistisch am ehesten mit Rachmaninow und Tschaikowsky verglichen werden kann). Beide Werke sind zwar auch in jeweils anderen Einspielungen auf Youtube zu finden, allerdings jeweils in eher laienhaften Interpretationen mit schlechter, in einem Fall sogar piratenmäßig mitgeschnitten anmutender Klangqualität. Daher eine wichtige CD-Veröffentlichung vom Royal Scottish National Orchestra von zwei wunderschönen im übrigen stark nach Tschaikowsky klingenden Werken. Daher von meiner Seite wärmstens empfohlen.


    LG Felix Lambsdorff

    Alexander Porfirjewitsch Borodin (1833 - 1887)

    Fürst Igor (Oper, unvollendet, 1869 - 87)


    Mariinsky-Theater, St. Petersburg; Dirigent: Waleri Gergijew

    Philipps #442537, 1995


    Borodin: Prince Igor


    Gerade mal wieder gehört, die wohl beste und zugleich vollständigste Einspielung von Borodins unvollendeter Oper ,,Fürst Igor". Sie berücksichtigt sowohl die Ouvertüre und weitgehend den 3. Akt, beide von Glasunow nach Skizzen Borodins nachkomponiert und v.a. letzterer in vielen neueren Einspielungen weggelassen, als auch von Borodin nachgelassene Szenen wie Fürst Igors Monolog und die Revolte von Fürst Galitzky, die es beide nicht in die Edition von Rimsky-Korsakow und Glasunow geschafft haben. Ein fabelhaftes Dirigat von Waleri Gergijew, und bei den Sängern gibt es einige herausragende wie Olga Borodina. Daher eine klare Empfehlung für alle Liebhaber der russischen Musik!

    Gerade (am 28. August) neu erschienen, ein bisher überhaupt nicht beachteter russischer Komponist mit griechischen Wurzeln: Wassili Kalafati (1869 - 1942). Ein Schüler von Nikolai Rimsky-Korsakow, Lehrer von Alexander Skrjabin und Igor Strawinsky. Nach meinem bisherigen Eindruck sehr empfehlenswert!


    Von meiner Seite auch vielen Dank an Maestro Peter für die Auskunft. Natürlich schade, aber es ist schön, nun Gewissheit darüber zu haben. In der Dokumentation von 1968, die ich bereits gepostet hatte, heißt es ja auch, dass das Werk schon seit Jahrzehnten nicht mehr in Moskau aufgeführt worden war. Eine Aufführung im Jahre 1952 erscheint daher nicht gerade logisch. Aufgrund der Angabe, die Aufnahme sei eine gekürzten Fassung, hatte ich ohnehin hier keine Referenzeinspielung erwartet...


    Bleibt also nur noch die Frage nach der Swetlanow-Einspielung. Vielleicht passiert hier ja noch ein Wunder...

    LG aus Passau

    Ich habe heute erfahren, dass bei Classic Editions auf LP (Nr. 3002) eine Einspielung vom ,,Ilja Muromez" von 1952 (Veröffentlichung im selben Jahr), dirigiert vom Komponisten selbst, herausgegeben wurde (vgl. https://www.discogs.com/de/R-G…Composer/release/11305363). Nach dem, was ich herausfinden wurde, hat Gliere wohl eine gekürzte Fassung des Werkes verwendet (er hatte ja auch zu Stokowskys Kürzungen sein Einverständnis gegeben). Hat jemand von euch mal diese Einspielung gehört? Trotz Kürzungen hätte sie ja einen gewissen Stellenwert...

    Hab mich bereits vor einigen Jahren in Moskau über diese Geschichte erkundigt - ohne Erfolg. War auch bei Melodiya im Büro, um Karteien durchzublättern und nichts zum Thema Swetlanov/"Murormetz" gefunden. Der zuständige Direktor, der zwar sehr freundlich war, hatte keine Ahnung; mir war, er würde den Namen Glière zum ersten Mal hören... Die Archiv-Dokumentation bestand noch aus uralten, meist handgeschriebenen Kärtchen; noch vor ca. 10 Jahren hatten die es noch nicht fertig gebracht, alles auf Computer zu übertragen - hoffe, dass dies inzwischen geschehen ist. Wiedermal eine Gelegenheit, mich bei meinen russischen Kontakten "auf Distanz" zu erkundigen, nachdem es nicht so aussieht, als würde ich nochmals nach Moskau reisen...

    Vielen Dank für die Auskunft! Vielleicht findet sich ja noch was...


    Zu Golowtschins Einspielung kann ich bestätigen, dass sie gekürzt ist. Aufgefallen ist es mir v.a. im 4. Satz. Ich halte aber seine Interpretation des 1. Satzes für sehr gelungen.

    Warum Farbermans Einspielung hier so sehr kritisiert wird, kann ich nicht unbedingt nachvollziehen, sie ist m.E. professionell gespielt und passt stimmungsmäßig sehr gut zum Werk. Beides fehlt mir persönlich bei Falletta. Gerade wenn man die Interpretation des 2. Satzes anschaut, ist Farberman für mich fast schon Referenz. Die Aufnahmen von Falletta und auch von Johanos leiden aus meiner Sicht sehr unter den eher laienhaft heruntergespielten Streichertremoli.


    Ich persönlich warte noch auf die Referenzeinspielung. Eine von Swetlanow wäre mit Sicherheit eine...

    Hier ein alter russischer Dokumentarfilm von 1968 über Gliere:



    Ab 23:00 im Video wird erwähnt, dass Jewgeni Swetlanow zu diesem Zeitpunkt (1968) eine Aufführung von Glieres ,,Ilja Muromez" mit dem Staatlichen Symphonieorchester der UdSSR vorbereite (vgl. englische Untertitel). Dazu werden Aufnahmen von ihm bei der Einstudierung des Werks mit dem Orchester gezeigt. Bekanntlich ist das Werk ja nicht in der großen Anthologie von Swetlanow enthalten, von Gliere überhaupt ist dort nur eine unwichtigere späte Ouvertüre op. 72 enthalten. Weiß jemand, was es mit den Aufnahmen in der Dokumentation auf sich hat? Ist irgendwo in den tiefsten Tiefen der russischen Archive eine Gesamtaufnahme von Swetlanow noch zu finden?

    Hallo zusammen,


    Da ich in den letzten Tagen Gelegenheit hatte, verschiedene Aufnahmen zu hören und manche von diesen noch nicht so detailliert besprochen worden sind, erlaube ich mir, hier noch einmal das Wort zu ergreifen. Zu Falletta wurde glaub ich mittlerweile genugt gesagt, ich habe mir die Einspielung erneut angehört und finde sie immer noch flach, farblos und ohne Tiefsinn. Die guten Kritiken kann ich nicht verstehen, ich rate jedem vom Kauf dieser CD ab. Mit Johanos ist man aus musikalischer Sicht besser bedient, aber dem Orchester mangelt es hier meiner Meinung nach z.T. an Professionalität, gerade im 2. Satz kommen arge Schlampigkeiten in den Streichern hervor.


    Ich habe mir vor einigen Tagen die Version vom London Symphony Orchestra unter Leon Botstein als CD zugelegt.


    Ich kann sie durchaus empfehlen, gerade denjenigen, die sich mit der ungekürzten Fassung dieses Werks noch schwer tun und Stokowsky/Ormandy gewohnt sind, denn Botstein bringt einen sehr mitreissenden, schwungvollen und, was ganz entscheidend ist, durchaus russischen Pathos ins Werk und damit vor allem Tempo (was z.B. Farberman fehlt). Dies geht vor allem in den Sätzen 1 und 4 hervorragend auf. Im 2. Satz fehlt mir ein wenig der runde Klang, die Athmosphäre, die Farbe. Aber insgesamt eine gelungene Einspielung in absolut zufriedenstellender Klangqualität.


    Gabriel Feltz hat erst 2018 eine ungekürzte Einspielung mit der Belgrader Philharmonie abgeliefert, die ich ebenfalls empfehlen kann. Zwar scheint das Orchester mit dem schnellen Tempo des Dirigenten (besonders in den Sätzen 1 und 4) nicht immer mitzukommen, was zu gewissen Unsauberkeiten führt, aber mein Gesamteindruck ist positiv. Der 2. Satz kann hier überzeugen und punktet genau damit, was man bei Botstein vielleicht vermisst. Vielleicht würde ich Botstein noch vorziehen, denn er ist über weite Strecken einfach mitreissender und russischer im Klang, aber unabhängig davon konnte auch Feltz bei mir punkten.


    Schließlich habe ich mir auch Golovchin angehört. Klanglich überzeugend und mit Sinn für den epischen Gehalt des Werks, aber leider mit einigen Kürzungen. Daher ist sie nichts für mich.

    Glière: Symphony No. 3 Ilya Muromets


    Dem CD-Sammler würde ich daher empfehlen, entweder Downes oder Botstein zu kaufen. Der Kenner des Werks wird auch mit Farberman seine Freude haben, auch wenn seine Philosophie höchstens im 2. Satz wirklich gut aufgeht. Letztlich ist jede ungekürzte Einspielung imstande, Glieres Klangwelten zu vermitteln. Ich persönlich höre mir weiterhin die Järvi-Einspielung am liebsten an, weil mich die Klangqualität eigentlich nicht sonderlich interessiert, solange es nicht allzu gravierende Mängel sind, und Järvi einfach die beste Werksinterpretation abgeliefert hat.

    Unglaublich traurig, ich habe seine Einspielung von Mahlers Symphonie Nr. 2 mit dem Concertgebouw Orkest schon immer vom ersten Ton an geliebt und sehe sie bis heute als die mit großem Abstand beste Interpretation dieses Werkes an. Ruhe in Frieden, Maestro!

    Ormandy ist auf jeden Fall besser als Stokowsky, aber ich bleibe dabei, dass es völlig unnötig und sogar schädlich ist, dieses Werk zu kürzen. Bei Mahler-Symphonien macht man keine Kürzungen, und das sollte man bei Gliere auch nicht machen.

    Ich habe noch eine Einspielung gefunden: Yoav Talmi und das San Diego Symphony Orchestra haben das Werk 1988 eingespielt, scheinbar in gekürzter Version, doch mit 66 Minuten Laufzeit (Quelle:

    http://www.gliere.org.uk/discography.htm) noch halbwegs im Rahmen. Weiß jemand vielleicht mehr über sie und welchen musikalischen Wert sie hat?

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    https://www.amazon.de/Sinfonie…3853&s=music&sr=1-1-fkmr0

    Ich habe mir Fallettas Einspielung nur einmal angehört, sie ist auch aus meiner Sicht nicht zufriedenstellend. Der 2. Satz ist eher schlampig gespielt, und grundsätzlich fehlt über die gesamten 70 Minuten einfach der runde Klang, es ist wahnsinnig lieblos, fast etüdenhaft heruntergespielt. Klangtechnisch gibt es natürlich nichts zu meckern, aber das ist schon alles positive, was ich von der Einspielung sagen kann. Die neue von Gabriel Feltz ist hier bedeutend besser. Ich bleibe lieber bei der klangtechnisch schlechten Järvi-Einspielung, wobei ich im Falle des 2. Satzes auch gerne auf Farberman zurückgreife, dessen Philosophie zumindest in diesem relativ gut aufgegangen ist.

    Diese aktuelle Aufnahme mit Feltz hat aber nun auch schon wieder eine wenig kurzweilige Länge von 83:13 ... da ich das Werk ohnehin schon als viel zu lang empfinde, wird das wohl nichts für mich sein.

    Das kann ich in mehrfacher Hinsicht nicht nachvollziehen. Zum einen kommen ungekürzte Einspielungen dieses Werks eben auf solche Längen. 83 Minuten mag überdurchschnittlich lang sein, aber noch absolut im Rahmen. Sogar Farbermans 90-minütige Einspielung ist für mich noch vertretbar, denn ich finde hin und wieder die Information, dass er als einziger die originalen Tempo-Angaben von Gliere genau eingehalten hat (ich kann das natürlich nicht bestätigen), und Sergiu Celibidache hat uns spätestens mit seinen Bruckner-Einspielungen bewiesen, dass die Zeit relativ ist. Wenn eine Einspielung von Glieres dritter bedeutend kürzer als 80 Minuten dauert, liegt der Verdacht schon nahe, dass Kürzungen vorgenommen wurden, was aus meiner Sicht im Falle dieses Werks nicht in Ordnung ist. Ob das Werk jetzt generell zu lang geraten ist, ist Ansichtssache, aber ich bin nicht dieser Meinung.


    Grüße, F.L.

    Hallo zusammen,


    Was scheinbar kaum Beachtung findet, ist, dass auch Neeme Järvi Glieres Symphonie Nr. 3 mehrmals eingespielt hat, u.a. 1999 mit dem WDR Symphonieorchester Köln. Und wie es von einem Meister wie ihm nicht anders zu erwarten war, ist die genannte Interpretation (aus meiner Sicht) die klanglich mit Abstand beste und schlägt mit Leichtigkeit die bisher hier genannten Einspielungen. Sie ist jedoch nicht auf CD erhältlich, lediglich als Radio-Mitschnitt (mit nicht ganz optimaler Klangqualität) auf youtube zu finden:

    Sie scheint mir ungekürzt zu sein, ist schneller und vorwärtstreibender als Farbermans und klanglich überzeugender als Downes Interpretation.

    Von den anderen z.T. genannten Einspielungen halte ich nur Hermann Scherchen und Nathan Rachlin für diskutabel. Alle anderen sind meist schlampig gespielt (Johanos oder Falletta sind da nur 2 Beispiele, ich beziehe mich hier vor allem auf die in beiden Einspielungen sehr unsauberen Streichertremoli im 2. Satz) oder gekürzt (Botstein kann ich nicht beurteilen, da ich seine Version nicht kenne, Golovchin ist schon an entscheidenden Punkten gekürzt, Stokowsky ist aus meiner Sicht völlig indiskutabel). Kein Dirigent würde auf die Idee kommen, Werke wie z.B. Mahler-Symphonien zu kürzen. Warum man es bei Gliere für sinnvoll hält, ist mir unbegreiflich.

    Hallo zusammen,

    Gesamtaufnahmen von Tschaikowskys Symphonien konnten mich persönlich noch nie so recht überzeugen. Ich persönlich habe je nach Symphonie unterschiedliche Lieblingsinterpreten:


    Symphonie Nr.1: Gennady Rozhdestvensky

    Symphonie Nr.2: Bernard Haitink

    Symphonie Nr.3: Bernard Haitink

    Symphonie Nr.4: Gennady Rozhdestvensky

    Symphonie Nr.5: Jewgeni Mrawinsky/ Kirill Petrenko

    Symphonie Nr.6: Walery Gergijew/ Kirill Petrenko

    Manfred-Symphonie: Yuri Simonow


    In Bezug auf das (eigentlich hinlänglich bekannte) 1. Klavierkonzert sei hinzugefügt, dass die 1., ursprüngliche Version von 1874/75 vor einigen Jahren von Kirill Gerstein und dem Deutschen Symphonieorchester Berlin unter James Gaffigan eingespielt wurde. Ich persönlich höre mir diese Version auch lieber an...

    Tchaikovsky & Prokofiev: Piano Concertos by Kirill Gerstein


    Ein gewisser Geheimtipp in Sachen Tschaikowsky ist für mich seine Bühnenmusik, z.B. seine Schauspielmusik zu Hamlet ist (verglichen mit seiner gleichnamigen Fantasie-Ouvertüre) unbekannt, aber definitiv hörenswert.

    Hallo zusammen,


    Da die aus meiner Sicht beste Einspielung von Tschaikowskys Manfred-Symphonie noch nicht in dieser Diskussion genannt wurde, erlaube ich mir, mich mit einzuschalten.

    Die Einspielung vom London Symphony Orchestra unter Yuri Simonow habe ich in der Tschaikowsky-Edition von Brilliant Classics entdeckt und kann von der Dramaturgie her aus meiner Sicht sogar die (ausgezeichnete) Version von Jewgeni Swetlanow schlagen. Man beachte vor allem das Finale des 1. Satzes. Der 4. Satz ist in ungekürzter Fassung (mit Orgel) enthalten.

    Grundsätzlich höre ich auch nur diese Version, da mir bei anderen einfach die Dramatik fehlt...


    Ich erwarte jedoch/hoffe, dass Kiril Petrenko (der von der Manfred-Symphonie schon einige vielversprechende Versionen abgeliefert hat) als neuer Chefdirigent der Berliner Philharmoniker vielleicht noch mal frischen Wind in diese großartige Symphonie bringt (für mich scheint nach seinen äußerst gelungenen Einspielungen der Symphonien 5 und 6 der logische Schritt, dass er bald eine Version der Manfred-Symphonie abliefert). Aus meiner Sicht stellt diese Symphonie eines von Tschaikowskys progressivsten Werken dar, es hat vieles, was z.B. Gustav Mahler später aufgegriffen hat. Von der reinen Programmatik sehe ich mache Parallelen zu Mahlers ,,Das Lied von der Erde". Vielleicht bin ich aber auch als einziger dieser Ansicht...


    LG Felix

    Bildergebnis für tchaikovsky manfred simonov