Beiträge von Otello50

    Mitten durch die Unterwelt der griechischen Mythologie fließt der Fluss Lethe, der etwas mit Vergessen und Vergessen werden zu tun hat. Was dieser Fluss konkret tut und bedeutet, ist - wie in der Mythologie nun mal üblich - alles andere als eindeutig. Die Griechen konnten noch mit Ambivalenzen umgehen. Da regierte nicht der Zwang zur Eindeutigkeit, der das Leben in der Moderne so nervig macht!


    Das Vergessen und das Vergessen werden konnte da noch leicht als Befreiung, ja als Heilung und Segen empfunden werden.

    Lieber Caruso41,


    bei der Lektüre Deines Beitrages denke ich an Bertolt Brechts Gedicht "Fragen eines lesenden Arbeiters". Das Thema weist weit über die Kunst hinaus...


    VG
    Otello50

    Lieber Carlo,

    die Präsentation von Janis Zabers ergänzt durch Deine immer tadellosen, umfangreichen Informationen ist ein Geschenk für jeden Stimmenfan.


    Vielen Dank, lieber Carlo!


    Du bringst uns diesen großen Künstler auf deine unnachahmliche, kompetente Art näher!

    Dem kann man sich nur aus vollem Herzen anschließen. Aufnahmen von Janis Zabers sind hierzulande anscheinend nicht ganz einfach zu bekommen. Ich kenne bisher nur die CD des Hamburger Archivs (Nr.10333), die Janis Zabers und Bogdan Paprocki gewidmet ist. Zabers ist mit Aufnahmen aus La Boheme, Tosca, Cavalleria rusticana, LaTraviata und Trovatore vertreten. Er singt eindrucksvoll.

    VG

    Otello50

    Lieber Caruso41,


    hab herzlichen Dank für diese Information. Du machst mir eine große Freude. Schön, dass es solche Unterstützung in diesem Forum gibt.

    Ein Gedanke noch dazu: ich sehe an diesem Beispiel, wie sehr die Erinnerung an nicht mehr aktive Interpreten durch Aufzeichnungen/ Mitschnitte am Leben gehalten oder gar erst ermöglicht werden können. Solche Dokumente, so technisch unzulänglich sie manchmal sein mögen, lassen immerhin eine einigermaßen belastbare Wahrnehmung und Beurteilung etwa einer Gesangsstimme und ihres Vortrages zu. Deshalb bin ich (auch als ausgebildeter Historiker) so sehr an Tonaufzeichnungen interessiert. Es gibt da gerade in den Archiven der Rundfunkanstalten noch viel zu entdecken.


    Nochmals ganz herzlichen Dank, lieber Caruso41. Werde mir das natürlich anhören.


    Viele Grüße

    Otello50

    Elena Stikhina (Sopran, Russland) #1808, 1809, 1835 ...1919


    soll am Teatro alla Scala in einer Neuproduktion der Oper "Salome" die Titelrolle übernehmen. Dirigent Zubin Mehta, daneben Wolfgang Koch (Jochanaan), Gerhard Siegel (Herodes), Linda Watson (Herodias), Attilio Glaser (Narraboth). Ein live-stream ist für den 20. Februar 2021 angekündigt. Die Salome hat Elena Stikhina bereits am Marijinsky-Theater mit Erfolg verkörpert.

    Man darf gespannt sein.

    VG

    Otello50

    Lieber greghauser2002,


    die frühen Aufnahmen habe ich nicht gehört- ist nicht so meine Musik...

    Nuir noch dies: das Interview mit August Everding (3SAt-Da Capo) ist empfehlenswert. Everding behandelt seinen Gast mit großer Liebenswürdigkeit wie einen großen Jungen. Beide haben augenscheinlich viel Spaß...:pfeif:

    Franco Bonisolli, den ich ungeachtet seiner wohl nicht einfachen künstlerischen Persönlichkeit als Sänger sehr schätze, habe ich ein paar Mal live gehört, u.a. in Wien. Zwei Aufführungen sind mir in besonderer Erinnerung: Rossinis Wilhelm Tell unter Eve Queler konzertant in New York und Puccinis Turandot konzertant in Dresden. Beide Male fiel er durch störende Mätzchen auf und schien sich für den Gesang seiner Kolleginnen und Kollegen wenig zu interessieren. Sharon Sweet, die die Turandot in Dresden sang, ließ ihn das in der Arie und anschließenden Rätselszene spüren, in der sie mächtig aufdrehte. In seinen Soloszenen (3. Akt Turandot und Schluss WilhelmTell) war er aber elektrisierend und das Publikum verzieh ihm seine Eskapaden.


    Privat war er wohl ein ganz anderer Mensch- es kursierte die Information, dass er sich zeitweise ganz von der Bühne zurückzog, um seine kranke Frau zu pflegen. Franco Bonisolli wird immer zu meinen Lieblingssängern gehören, ein sicher nicht einfacher, doch stets interessanter Sänger, darin großen italienischen Tenören wie Lauri Volpi, del Monaco, Corelli ähnlich.

    Hat er nicht als ganz lyrischer Tenor in Spoleto debütiert?


    Gruß

    Otello50

    "Ferme tes yeux...Du pauvre seul ami fidèle" (Die Stumme von Portici-Auber)


    Dies ist der britische Tenor und spätere Bariton Richard Conrad in der wunderbaren Sammlung "The Age of Bel Canto" aus dem Jahre 1960 (Sutherland-Horne-Conrad-Bonynge). Natürlich eine andere Art der Interpretation, aber von großer Schönheit und wohl nahe am belkantistischen Ideal der Entstehungszeit..



    VG

    Otello50

    José Cura habe ich erstmals 1995 in einem Konzert in einem Großen Saal eines Kölner Hotels gehört. Da brachte der noch weithin unbekannte junge Sänger den Saal mit samten grundierter Stimme, verschwenderischen Spitzentönen und einem souveränen Vortrag zum kochen. Später einige Male, auch den Zürcher Dick Johnson. Aber seine Manierismen haben mich mehr und mehr enttäuscht. Bei aller Qualität seines Materials. In Zürich fand ich ihn aber noch sehr rollengerecht. In lebendiger Erinnerung ist er mir als sehr guter Otello.

    Hallo, lieber greghauser 2002,

    Ich habe längere Zeit nach einem passenderen Thread gesucht, aber keinen gefunden. (Dafür beim Stöbern in den Weiten des Forums viele andere interessante Sachen).

    Ich finde die Frage, wer das beste "Ch'ella mi creda" singt, nämlich sehr spannend - aber eigentlich etwas unpassend für diesen Thread. Mangels Alternativen, äußere ich mich aber nun auch hier.

    trotz der vielen vorhandenen Arien-Threads (oft vor 10 und mehr Jahren begonnen) wüsste ich auch nicht, wo man einen derartigen vergleichenden Beitrag zu einer einzelnen Arie wie "Ch'ella mi creda" oder zum Beispiel auch "Amor ti vieta" einstellen könnte. Ich bin aber ein Neuling hier...


    Lieber Caruso41,

    wie siehst Du das?

    VG
    Otello50

    Lieber Caruso 41, lieber Orfeo,


    ich habe mir das Arioso bei einem bekannten Internet-Anbieter runtergeladen, der die Aufnahme als Ankündigung ohne Datum eingestellt hat (Februar 21?). Ist aber natürlich nur ein kleiner Ausschnitt.

    Der Vortrag von Marius Vlad ist für mich okay, er hat den Atem, bemüht sich um Differenzierung und kann die elegische Grundstimmung dieser Szene zum Ausdruck bringen. Die Höhe ist souverän. Das Timbre ist natürlich Geschmackssache und die Nasalität insbesondere bei Druckentfaltung ist aber auch nicht zu überhören. Insgesamt sehr achtbar, aber nicht herausragend.

    Ich kenne nicht viele Aufnahmen dieser schwierigen Szene, die mich restlos überzeugen. Meine Favoriten sind Jussi Bjoerling, Mario del Monaco (ein Vulkan), Franco Corelli (stimmlich überwältigend im Scala- Mitschnitt unter Antonino Votto) und Jonas Kaufmann, der die Rolle des Dick Johnson an der MET eindringlich und mir unvergesslich verkörpert hat.


    VG
    Otello50

    Lieber Caruso41,


    bin gespannt auf Deine Beurteilung der vorliegenden Aufnahmen von Melody Moore. In den drei Gesamtaufnahmen (Otello, Cavalleria und Tabarro) hat sie mir einen eher unterschiedlichen Eindruck hinterlassen. Am besten gefiel sie mir im Tabarro, am wenigsten in der Cavalleria, dort sang auch der ansonsten geschätzte Brian Jagde m. E. nicht wirklich differenziert und verließ sich auf seine Stimmkraft. Die von Dir erwähnte Pentatone- Reihe ist angesichts der bekannten Lage auf dem Klassik-CD-Markt als Projekt einigermaßen erstaunlich.


    VG

    Otello50

    Lieber Caruso41,


    vielen Dank für diesen Hinweis. Die Veröffentlichung durch Pentatone steht anscheinend noch bevor. Bin gespannt, wie sich Marius Vlad behaupten wird. Die Konkurrenz an guten Tenören in den Gesamtaufnahmen ist ja wie auch sonst bei Puccini üblich nicht klein.


    VG

    Otello50

    Lieber greghauser2002,

    ja ein nasaler Beiklang ist bisweilen nicht zu überhören (etwa im Otello). Bei baritonal gefärbten, dunkler grundierten Tenorstimmen hört man manchmal solch einen Beiklang, auch eine gewisse Reibungsschärfe bei Kraftentfaltung und Druck. Ich denke da an Jon Vickers oder noch deutlicher an Ramon Vinay, aber bei beiden stört mich das angesichts ihrer immensen dramatischen Gestaltungskraft nicht. Bei Vickers, den ich einige Male auch live gehört habe, hat der besondere Stimmcharakter ein Plus an dramatischem Ausdruck beschert. Live ist mir diese Nasalität viel weniger aufgefallen als auf Schallplatten/CDs. Bei Marius Vlad ist das aber relativ erträglich und stört nicht den schönen runden Gesamtklang. Seine Stimme ist, soweit ich das erkennen kann, auch eine Kategorie leichter als die seiner monumentalen Kollegen.

    VG

    Otello50

    Über den rumänischen Tenor Marius Vlad Budoiu (Jahrgang 1970) ist seit 2013 anscheinend nichts mehr geschrieben worden. Er gehört zu meinen Lieblingstenören. Wenn ich eine gesunde, technisch hervorragend durchgebildete und mit hoher musikalischer Intelligenz geführte heldische Tenorstimme in Partien wie Samson, Otello, Kalaf oder Canio hören will, genieße ich den souveränen Gesang dieses großartigen Künstlers. Seine künstlerische Heimat sind die beiden großen rumänischen Bühnen (Bukarest, Cluj Napoca), aber er hat auch an vielen bedeutenden Bühnen in Europa und darüber hinaus, auch in Deutschland (Staatsoper Berlin, zuletzt auch in Kassel und Lübeck) im italienischen Fach gastiert und unter großen Dirigenten wie Daniel Barenboim, Rafael Frühbeck, Antonio Pappano oder Marek Janowski gesungen. Sein Otello in Lübeck wurde von der Presse der hohen Strahlkraft seiner Stimme wegen gerühmt. In der sehr beachtenswerten Oper von Cluj (Klausenburg) Napoca war er zeitweise künstlerischer Direktor. In den letzten Jahren hat er sich zunehmend auch dem Wagner-Fach zugewandt (Tannhäuser, Lohengrin, Tristan und Isolde). Marius Vlad ist neben seiner Bühnentätigkeit Professor an der Musikakademie von Cluj.


    Ich wollte einmal wieder auf ihn hinweisen. Anbei zwei Ausschnitte, die seine Gestaltung zeigen:



    VG
    Otello50

    Lieber "Stimmenliebhaber",


    Dank für diese eingehende Würdigung. Dass Klaus König als eher metallischer, weniger "baritonaler" Tenor im Siegmund nicht die ideale Rolle fand, war natürlich nicht zu leugnen. Aber er singt sehr beachtlich und als Dokument auch wegen der anderen Sängerinnen und Sänger (Alessandra Marc, Jeannine Altmeyer und James Morris) ist die Aufnahme mir wertvoll.


    Lieber Hans Heukenkamp,


    viel Vergnügen und alles Gute für 2021

    VG Otello50

    Lieber "Stimmenliebhaber",


    wäre Dir dankbar, wenn Du gelegentlich Deine Einschätzung des Siegmund von Klaus König an diesem Abend mitteilen könntest. Seine "Wälse"- Rufe waren auch hier "endenwollend" und die tiefen Töne erforderten hörbar Druck und Kraft, aber seine Verve und versammelte Dynamik sowie seine lyrische Emphase fand ich eindrucksvoll.

    VG
    Otello

    Für Verehrer des großen Tenors Klaus König- und nicht nur für sie: NPO Radio 4 (Niederlande) hat eine Aufführung der "Walküre" vom 23.02.1991 aus Amsterdam in seiner Website eingestellt. Die Besetzung spricht für sich: Edo de Waart dirigiert, Klaus König (Siegmund,) Alessandra Marc (Sieglinde), Jan Hendrik Rootering (Hunding), James Morris (Wotan), Jeannine Altmeyer (Brünnhilde), Jaard van Nes (Fricka); auch die kleineren Rollen mit bekannten Namen besetzt! Glänzende Aufführung.

    Hier der link:

    https://www.nporadio4.nl/conce…ert-wagners-die-walkuere#

    VG

    Otello50

    Lieber Caruso41

    hier meine unmaßgeblichen "zwei Cents":

    Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker habe ich nur in Ausschnitten gesehen. Ich war recht skeptisch zur Wahl von Riccardo Muti als Dirigent, muss mich aber sehr korrigieren: er hat mich tief beeindruckt - es war wohl doch richtig, eine wirkliche Persönlichkeit "alter Schule" zu diesem unter so widrigen Umständen stattfindenden Konzert zu laden. Die persönliche Verbundenheit mit den Wiener Philharmonikern war unübersehbar, die Werkauswahl interessant, Muti konzentriert wie stets, dabei locker und jovial wie selten, seine kurzen Worte zur Lage über den Tag hinaus beeindruckend.


    Das Silvesterkonzert der Berliner Philharmonikerhat mich tief beeindruckt. Zwar kann ich der Musik von Villa- Lobos persönlich wenig abgewinnen, aber das tat meinem Genuß wenig Abbruch. Startend mit einer fulminanten Leonore 3 war für mich der Höhepunkt das vielgespielte Gitarrenkonzert von Joaquin Rodrigo. Den grandiosen Solisten Pablo Sainz Villegas kannte ich bis dahin nicht und war von seiner gleichermaßen überlegen-entspannten wie ernst-konzentrierten Herangehensweise und überragenden Technik begeistert. ich hatte das Konzert zuvor u.a. schon mit Julian Bream und John Williams live gehört und schätze auch die Aufnahmen mit Pepe Romero und Paco de Lucia sehr. Hier aber wurde der ansonsten wenig spürbare tragische Grundton des langsamen Satzes in besonderer Weise spürbar. Das vielgespielte Konzert erhielt dadurch eine neue Würde und Bedeutung. So wie ich es noch nicht gehört hatte. Dazu sein kristallklarer Ton! Für mich eine denkwürdige Darbietung.

    Vor Kirill Petrenko und den Berliner Philharmonikern ziehe ich einfach nur den Hut. Ich hoffe, sie bald einmal wieder in der Kölner Philharmonie wiederzusehen. Auf ihren (anscheinend ursprünglich für das Konzert vorgesehenen, hoffentlich nur verschobenen) konzertanten Fidelio" bin ich schon jetzt gespannt.


    VG

    Otello50

    Habe das Konzert auch gesehen, war aber von den Sängern und dem Dirigat weniger begeistert und wollte daher nicht weiter schreiben. Mir hat es doch erheblich an der sonst von diesem Neujahrs-Konzert in einem der schönsten Opernhäuser der Welt ausgehenden Atmosphäre gefehlt. Weder Frau Feola noch Herr Anduaga noch der eher grobschlächtig agierende Dirigent (man höre sich mal vergangene Konzerte unter Maestro Myung Wun Xhung an) konnten über die Trostlosigkeit des Ambiente hinweg agieren. Den Sängern wurde kein Gefallen getan und ich fand, dass sie eher bedrückt wirkten. Für mich ein Konzert zum Vergessen.


    Ganz anders das grandiose Silvester-Konzert der Berliner Philharmoniker mit charismatischem Solisten und Dirigenten.

    VG
    Otello50

    Stephen Gould und Stuart Skelton sind zwei herausragende Vertreter des heldischen Wagnertenor-Fachs, beide im übrigen auch sehr gute Vertreter des Otello (das waren auch Max Lorenz, Franz Völker, Günter Treptow, Bernd Aldenhoff und Hans Hopf). Sie brauchen historische Vergleiche nicht zu scheuen. Andreas Schager habe ich live noch nicht gehört, seine Darbietung des Schlussteils Walküre 1. Akt in der Scala-Eröffnungsgala am 7.12. fand ich aber - vorsichtig gesagt- enttäuschend (hoffentlich nur der Tagesform geschuldet).


    Hinweisen möchte ich auf Tillmann Unger, den ich leider noch nicht live gehört habe (ich kam und komme stets selten nur in die Oper). Der BR-Rundfunk-Mitschnitt seines Siegmund aus Nürnberg vom 25.Mai 2017 ist allerdings ganz beeindruckend, eine klangvolle, ebenmäßig in allen Registern geführte, in der (beim Siegmund ja nur begrenzt erforderlichen) Höhe strahlende Stimme. U.a. hat er in Mannheim den Stolzing, in Leipzig den Max gesungen. Im kommenden Jahr sollen die beiden Siegfriede in Wiesbaden folgen. Vielleicht haben ihn ja Taminos bei seinen Gastspielen in Hannover, Gießen, Lübeck und Aachen schon einmal gehört.


    Seine website im Internet ist besuchenswert.


    Ein gesundes und friedvolles Jahr 2021 wünscht

    Otello50

    Lieber udohasso,


    den Tenor Karl-Heinz Thiemann kannte ich bisher nicht. Bei Wikipedia gibt es aber einen sehr detaillierten Beitrag über ihn, den ich leider nicht verlinken kann.

    Du hast ihn wohl häufiger gehört. Kannst Du etwas Näheres zu ihm sagen? Er war offenbar ein eindrucksvoller Sänger und Darsteller. Warum ist ihm die ganz große Karriere versagt geblieben?

    VG

    Othello 50

    Die Standpunkte im Forum zu Rudolf Schock sind in den vergangenen Monaten deutlich zu Tage getreten. Daher soll hier keine weitere Diskussionsrunde eröffnet werden. Dennoch möchte ich nicht versäumen, auf die nachstehende berührende Dokumentation hinzuweisen, die in den Niederlanden anlässlich des 100. Geburts- und 40. Todestags des großen Sängers erstellt worden ist.



    VG
    Otello50

    Lieber Caruso41,

    Dank für diese Deine Erinnerung an Bruno Prevedi. Das Arien-Recital von 1964 unter dem ausgezeichneten Sänger-Begleiter Sir Edward Downes hat mir immer recht gut gefallen, es wurde bei seinem Erscheinen insbesondere von der angelsächsischen Kritik sehr gelobt. Sein "Amor ti vieta" mit den nicht einfachen Legato-Bögen gehört für mich auch zu den besseren Aufnahmen dieses Ariosos, gleiches gilt für weitere Arien dieses Portraits. Die Fähigkeit zu großen Bögen und guter Atemkontrolle sind die "assets" dieses Recitals, dazu seine kraftvolle und sichere Höhe. Auch sein Ismaele in der genannten Nabucco-GA ist durchaus hörenswert. Allerdings wirkte sein Vortrag auf Dauer auf mich dann doch eher "berechenbar" und solide, sein Timbre nicht wirklich bemerkenswert. Ich habe mir die Aufnahmen seit Jahren nicht mehr angehört...

    Im übrigen hatte er auch vor dem Erscheinen Domingos und Pavarottis Ende der 60er Jahre doch schon gewichtige Konkurrenz auf dem in den 60er Jahren noch überschaubaren Plattenmarkt. Hat er sich mit den heldischeren Partien Puccinis, Verdis und der Veristen vielleicht doch früh verausgabt?

    Hier noch zwei schöne Ausschnitte aus Aida und Cavalleria (wohl aus den geschätzten Amsterdamer Opernkonzerten Mitte der 70er Jahre mit Cristina Deutekom, stets mit solider Technik aufgezeichnet vom Niederländischen Rundfunk)



    VG
    Otello50

    Auch eine schöne Aufnahme mit André Turp in der selten zu hörenden Oper. "I Gioielli della Madonna". Bekannt ist die Szene "Madonna, dei sospiri" durch die deutschsprachige Aufnahme von Richard Tauber 1924 ("Madonna, unter Tränen"), sehr melodisch auch die Zwischenspiele. Ermanno Wolf-Ferrari, ein noch nicht wirklich gehobener Schatz.


    Lieber Caruso41.


    Dank erneut für eine großartige Würdigung. Diesen unvergleichlichen Tristan, Siegmund, Siegfried und Tannhäuser live gehört zu haben- welch ein Geschenk! Sein Moskauer Lieder-Recital von 1955 ist für mich ein Juwel (Erlkönig!), der Furtwängler-Siegmund von 1954 in der Fassung von Pristine Classical bringt seine Kunst sehr plastisch hervor. Schade, dass er seine Karriere so früh beenden musste und sein akustisches Erbe so begrenzt ist. Es existiert offenbar keine einzige Stereo-Aufnahme mit ihm, obwohl die Technik schon 1955 weithin eingeführt worden war. Mit Treptow, Aldenhoff- und Hopf- Zeugen einer vergangenen goldenen Zeit...

    Herzlichst

    Otello50

    Lieber operus, lieber Caruso41,


    vielen Dank für eure Rückmeldung.

    Mein Vergleich bezog sich eher auf den Charakter und die Kategorie der Stimme (klarer, wohl geführter, durchaus expansiver und gut fokussierter Tenorklang mit schöner Strahlkraft). Das sehe ich in der Tat so. Eine vergleichende Bewertung des Ranges von Sängern wollte ich aber nicht vornehmen. Da schwingt dann doch sehr viel Subjektivität mit.


    Ich habe nochmals nachgesehen: an der Wiener Staatsoper sang Visconti zwischen 1980 und 1982 27 Vorstellungen, davon 14 als Foresto im "Attila", daneben Vorstellungen als Don Carlo, Herzog, Alfredo, Pinkerton, Edgardo und Cavaradossi. An der Bayerischen Staatsoper sang er u.a. 1979 den Radames unter Riccardo Muti.


    Schön, dass dieses Forum auch für solche Themen und Beiträge einen Platz bietet.


    VG
    Otello50

    In den 70er und 80er Jahren dominierte in der öffentlichen Wahrnehmung unter den italienischen Tenören der Zeit eindeutig Luciano Pavarotti- großartige Zeitgenossen wie Martinucci, Giacomini, Bonisolli wurden auf die Plätze verwiesen. Die großen Schallplatten-Firmen boten ihnen weit weniger Raum als dem "Platzhirschen". Sehr schlecht bestellt ist es auch um das akustische Erbe des 1943 in Valenza (Provinz Alessandria) geborenen Piero Visconti, eines beachtlichen Spinto-Tenors mit einer weiten Karriere. Von ihm scheint es kaum eine kommerzielle Aufnahme zu geben, es kursieren immerhin ein paar Rundfunk-Livemitschnitte (Ausnahme: ein Live-Mitschnitt von Catalanis "Loreley" beim verdienstvollen Label Bongiovanni, dort auch ein Portrait aus Live-Aufnahmen).

    Visconti studierte an der Academia di Santa Cecilia bei Fausta Corti Coppetti und danach privat auch bei Gianna Pederzini und Giuseppe di Stefano; er debütierte 1975 am Teatro San Carlo in Neapel in La Bohème und sang zunächst überwiegend Rollen aus dem Belcanto-Bereich. 1978 erschien er als Ernani in Rom, fortan entwickelte sich eine internationale Karriere, die ihn an fast alle großen Opernhäuser führte, nicht jedoch an die MET. In Deutschland sang er u.a. in Frankfurt, Dresden, München und Bonn, meist in den großen Rollen des italienischen Spinto-Fachs von Verdi bis Puccini und den Veristen. In München neben der Staatsoper auch in einem Sonntagskonzert am 2.2.1986 mit Margaret Price unter Thomas Fulton. Anfang der 90er Jahre scheint seine Karriere ausgeklungen zu sein.


    Viscontis Stimme ist ein angenehm klingender, klarer, strahlender, gelegentlich in der hohen Lage zum Forcieren neigender, im Grunde lyrischer Tenor mit erstaunlicher expansiver Kraft. Stilsicher geführt, auf Linie und mit Fähigkeit zu Legato und langer Linie, nie outrierend, souverän (so in einer Aida-Aufnahme mit Maria Slatinaru, Fiorenza Cossotto und Ruggero Raimondi aus der Bayerischen Staatsoper vom 21.Mai 1979). Eindrucksvoll der u.a. Ausschnitt aus "Turandot". Ich würde seine Stimme in gewisser Weise mit denen von Giorgio Lamberti oder Veriano Lucchetti vergleichen. In diese Kategorie gehört Visconti meiner Meinung nach auch. Der große Tenor Piero Visconti verdient, nicht in Vergessenheit zu geraten.


    Hier einige Beispiele, der Sänger selbst hat die eine oder andere Aufnahme ins Netz gestellt. Dass man sie nicht mit ausgefeilten Studio-Aufnahmen anderer Sänger vergleichen kann, versteht sich. Solche live- Aufnahmen sind m.E. hochachtbare Zeugnisse, ich ziehe sie als Stimmzeugnisse artifiziellen Studioproduktionen weit vor.




    VG
    Otello50