Beiträge von Otello50

    Franco Zeffirelli R.I.P.


    Die Inszenierungen an der MET, die ich gesehen habe (La Bohème, Turandot, Tosca) werden mir unvergessen bleiben. Die Boheme an der MET brachte viele Besucher zur tiefen Rührung, ich habe es häufiger erlebt.


    Er hatte uneingeschränktes Vertrauen in die selbständige Wirkungsmacht und Ausdruckskraft von Sujet, Musik und Text der Oper auch in der modernen Zeit; das unterschied ihn von vielen der heutigen Protagonisten.

    Lieber Fiesco,


    gerade lese ich die Kritiken der beiden Aufnahmen aus Tokyo. Kannte sie vorher nicht, sie decken sich aber völlig mit meinen Eindrücken. Es ist wohl nicht schwierig, zu diesen Schlüssen zu kommen, wenn man die Aufnahme hört. Zur Frage eines Kaufes: ich weiß nicht, ob es technische Qualitätsunterschiede gibt, sie müssten auf derselben Quelle beruhen (NHK). Jedenfalls eine herrliche, bis heute nicht übertroffene Aufnahme.


    Die Aufnahme aus Dallas kenne ich, sie ist musikalisch wunderbar mit zwei der größten Otellos (wobei ich Vinay generell als großen Heldentenor- auch in seinen Wagnerpartien, der Bayreuther Siegmund von 1955 unter Keilberth- schätze), leider technisch nicht konkurrenzfähig. Das trübt meinen Hörgenuss deutlich.


    Ich kehre übrigens immer wieder auch gerne zu der alten Cetra- Aufnahme mit Carlos Guichandut und Giuseppe Taddei zurück. Die nicht kon kurrenzfähige Desdemona muss ich halt hinnehmen.;) Aber Guichandut, von dem es wenige Aufnahmen zu geben scheint, ist schon ein ausgezeichneter Otello und Taddei großartig wie so oft.


    VG

    Otello 50

    Lieber Fiesco,


    ich habe die beiden Rezensionen nicht verfasst. Die Rodolphe-Aufnahme besitze ich schon seit ihrer Veröffentlichung in den späten 80er Jahren und habe mich daher nicht weiter um andere Ausgaben dieser Aufführung gekümmert.

    Ich nehme an die Rodolphe- Ausgabe basiert auf den Bändern des Rundfunk-Mitschnitts der NHK; jedenfalls sind mir live- Stereo-Aufnahmen aus dieser frühen Stereo-Zeit nur in japanischen Produktionen (ich habe noch eine Aida mit del Monaco von 1960) begegnet. Es scheint, dass von der Aufführung - wie nicht selten der Fall - Überspielungen in unterschiedlicher technischer Qualität existieren.


    Mir hat die del Monaco- Aufnahme aus Tokyo auch deshalb so gefallen, weil sie den wegen seines angeblichen undifferenzierten Stentorsingens viel gescholtenen Sänger (ich erinnere mich noch an die völlig überzogenen Ausführungen des seinerzeit bekannten Kritikers Wolf Rosenberg aus den 60er Jahren) als durchaus bewussten und differenzierten Künstler bestätigt. Dass er keine Cassio-Stimme hatte ist ja hinlänglich bekannt. Als Otello hatte er jedenfalls für mich keinen adäquaten Nachfolger.


    VG

    Otello50

    Giuseppe Verdi: Otello, CD,CD


    Mir liegt eine CD-Ausgabe der Firma Rodolphe (Tochter der französischen harmonia mundi) in für eine live-Aufnahme aus dieser Zeit erstaunlich guter Stereo- Qualität vor. Atmosphärisch dicht, grandiose Solisten, leider sind Chor und Orchester nicht auf gleichem ausgezeichneten Niveau. Aufnahme vom 4. Februar 1959, vor allem wegen del Monaco und Gobbi für mich unverzichtbar.


    Otello - Mario del Monaco - 5 ( auf der Höhe seiner stimmlichen Gestaltungskraft, machtvoll und bewegend zugleich gesungen)

    Desdemona - Gabriella Tucci - 4 - reicht nicht ganz an Renata Tebaldi heran, dennoch stimmschön und souverän

    Jago - Tito Gobbi - 5 + - unerreicht in dieser Rolle, an diesem Tag in blendender Verfassung


    Cassio - Mariano Caruso - 4

    Emilia - Anna di Stasio 4


    Chor und Orchester des Japanischen Rundfunks Tokyo, Leitung Alberto Erede - 4


    Wert 26/ 6 = 4,33


    VG


    Otello50

    Kang Wang (australischer Tenor, geboren 1988)


    Heute möchte ich nur kurz auf diesen jungen australischen Tenor mit chinesischen Wurzeln hinweisen. Im Internet findet sich seine übersichtliche und reichhaltige Website mit zahlreichen Tonbeispielen. Auch auf der Website des Wettbewerbs "Neue Stimmen" ist er verzeichnet (vgl das u.a. Zitat). Ich konnte allerdings mangels technischer Fähigkeiten nicht erkennen, ob und wann er an diesem Wettbewerb teilgenommen hat.


    "Kang Wang lebt in New York, er ist seit 2015 einer der ausgewählten Sänger im Lindemann Young Artist Development Program der Metropolitan Opera. Im Frühjahr 2018 singt er an der MET den Mitrane in Semiramide. Der australische Tenor mit chinesischen Wurzeln studierte Musik am Queensland Conservatorium in Australien. Danach absolvierte er ein International Artist Diploma am Royal Northern College of Music in Manchester. Dort war er als Nemorino in L’elisir d’amore zu erleben. 2014 wurde Kang Wang Mitglied des Opernstudios OperAvenir am Theater Basel, wo er als Nathanael in Les contes d’Hoffman und als Notar in Don Pasquale auf der Bühne stand. An der MET debütierte er als Narraboth in Salome. Weitere Bühnenerfahrung sammelte er mit Partien wie Rinuccio in Gianni Schicchi, Tom Rakewell in The Rake’s Progress und Don José in La Tragedie de Carmen. 2017 wurde Kang Wang bei der International Hans Gabor Belvedere Singing Competition mit dem zweiten Preis ausgezeichnet, und er war Finalist bei der BBC Cardiff Singer of the World Competition."


    Ich habe den Sänger vor wenigen Tagen erstmals bei der Übertragung eines fabelhaften Opernkonzerts vom 1. Juni 2019 aus Brisbane durch den australischen Sender ABC Classic gehört und war begeistert. Kang war u.a. in Arien und Duette aus Traviata, Perlenfischer, La Bohème und Turandot zu hören. Er verfügt über eine bis zum sicheren C'' ebenmäßig geführte lyrische Stimme mit einem durchaus identifizierbaren Timbre. Zu hoffen bleibt, dass den jungen Sänger seine begonnene weltweite Karriere nicht vorschnell zu den schwereren Partien des Repertoires führt.


    Schöne Pfingsttage wünscht

    Otello50

    Ich habe die Wiesbadener "Meistersinger" Anfang November 2018 in einer anderen Besetzung gehört und war insbesondere von Oliver Zwarg als Hans Sachs und Marco Jentzsch als Walther von Stolzing sehr beeindruckt. Zwarg mit einer tief anrührenden, stimmlich überaus souveränen Interpretation des alternden, zum Verzicht gezwungenen Schuhmachers und Poeten, Jentzsch als lyrischer, den heldischen Anforderungen im 2. und 3. Akt vollauf gewachsener Junker. Ein sich frei entfaltendes, klangschönes Preislied krönte seine Leistung. Hervorheben möchte ich den ausgezeichneten Chor. Der vorstehenden Beschreibung der Inszenierung ist nichts hinzuzufügen.

    Am 1. Juni 1946 verstarb Leo Slezak. Auf dem Friedhof von Rottach-Egern liegt er neben seiner geliebten Frau Elsa begraben. Ein großer, unvergessener Sänger. Nicht nur seine Tondokumente, auch seine Schriften zeugen von seiner unvergleichlichen Persönlichkeit.


    Am 14. Oktober 1926 sang er, wenige Monate nach der Mailänder Uraufführung, neben der Turandot von Lotte Lehmann den Calaf in der Wiener Premiere von Puccinis nachgelassener Oper Turandot. Wie vom Calaf der Uraufführung Miguel Fleta gibt es auch von Slezak anscheinend keine Tonaufnahme dieser Rolle.


    VG


    Otello 50

    --Hier nochmals am richtigen Ort mit kleinen Korrekturen/ Ergänzungen--


    zu Hendrik Krumm, Tenor Estland


    Lieber Caruso,,

    ich komme zurück auf Deine Anregung, etwas zu Sängern aus Osteuropa beizusteuern. Ich will versuchen, ein wenig beizutragen; viel wird es nicht sein, da ich selbst nur recht spärliche Informationen habe.


    Beginnen möchte ich mit dem estnischen Tenor Hendrik Krumm.


    Krumm wurde am 21.12.1934 in Leiisi im Süden Estlands geboren und starb am 12. April 1989 in der estnischen Hauptstadt Tallinn an den Folgen einer Embolie während einer Operation, noch nicht 54-jährig. In seiner Jugend Mitglied des estnischen Rundfunkchores war er seit 1961 als Solist an der Estnischen Nationaloper Tallinn engagiert, deren Mitglied er bis zu seinem Tode blieb. Dort erschien er vor allem in lirico spinto- Rollen des italienischen und französischen Fachs. 1965-1967 studierte er am Opernstudio der Mailänder Scala bei dem Tenor Gennaro Barra. Gastspiele führten ihn an das Bolshoi Theater Moskau, nach Finnland, Italien, Österreich, in die Schweiz. 1976 wurde er als Gesangslehrer an das Estnische Konservatorium in Tallinn berufen.


    Krumm hat anscheinend nur wenige Schallplatten hinterlassen. Es gab wohl eine Arienplatte der sowjetischen Melodyia von etwa 1980. Auch auf eine estnische Arien-CD von 1994 unter dem Titel "Hendrik Krumm-Opera Arias and Duets" (mit Ausschnitten aus Opern von Donizetti, Verdi, Puccini, Kapp, Ponchielli, Cilea sowie aus dem Stabat Mater von Rossini und mit dem "Panis angelicus" von César Franck) bin ich gestoßen, sie ist mir aber leider nicht zugänglich.


    Seine Stimme ist mir erstmals vor einigen Jahren auf einer russischen CD unter dem Titel "Italian Opera Arias performed by Marinsky Theatre Soloists" begegnet. Dort singt ermit Galina Kovaleva das Duett Otello-Desdemona aus dem 1. Akt des Otello, begleitet vom Akademischen Symphonieorchester der St. Petersburger Philharmonie unter Eduard Grikurov. Eine herrliche Stimme , schön gerundet und von kraftvoller Souveränität. Sein früher Tod ließ seine Laufbahn unvollendet. Im Internet gibt es einige Ausschnitte mit ihm von mäßiger technischer Qualität, die seine Stimme nicht adäquat abbilden.


    Fazit: ein hochinteressanter, in seiner Heimat verehrter Sänger, der es verdiente, auch bei uns bekannter zu werden.


    Herzlichen Gruß

    Otello50

    zu Rachel Willis -Sorensen (geb. 1984)


    Die junge amerikanische Sängerin, die mir im vergangenen Jahr erstmals als Leonora mit anscheinend vielversprechender, schön gerundeter Verdi-Stimme in einer Rundfunkübertragung des Trovatore aus dem Teatro Regio Turin, danach als Rosalinde in der "Fledermaus"- Übertragung zum Jahreswechsel aus Dresden begegnete, steht bereits inmitten einer weltweiten Karriere. Ich habe sie noch nie live gehört. Mich würde die Einschätzung der Tamino-Experten zu dieser bemerkenswerten Sängerin interessieren.


    VG


    Otello50

    Lieber Caruso41,


    vielen Dank für Deine Reaktion. Ich hatte Deinen fundierten Beitrag zu Kristian Benedikt gelesen und daher bei meinem Hinweis auf seine erste CD auf einen eigenen Kommentar verzichtet. Deiner Bewertung seiner Stimme und Stimmführung schließe ich mich an. Sie bildet sich auch auf dieser CD sehr schön ab. Als lyrischen Tenor mit Perspektiven hatte ich ihn vor etwa 10 Jahren in Vilnius (damals noch als Vaidas Vyšniauskas) auch häufiger gehört. Damals hätte man an eine solche Entwicklung seiner Stimme noch nicht zu denken gewagt.

    Ich freue mich vor allem deshalb auch über diese CD-Veröffentlichung, weil Sänger aus Mittel- und Osteuropa es über Jahrzehnte unter der kommunistischen Sowjetherrschaft ungemein schwer hatten, eine eigenständige Karriere jenseits des "Eisernen Vorhangs" zu entwickeln. Dies galt insbesondere für Sängern aus der früheren Sowjetunion (gerade auch aus den besetzten Baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland). Tenöre wie Kipras Petrauskas, Virgilius Noreika, Janis Zabers, Karlis Zarins oder Hendrik Krumm fallen mir spontan ein, es gibt noch weit mehr Beispiele. Heute hat sich da natürlich viel geändert.


    Die "Pique Dame" in Berlin wird sicher ein besonderes Ereignis, bei dieser grandiosen Besetzung. Kristian Benedikt ist jedenfalls viel Erfolg zu wünschen. Möge er seine weitere Karriere sorgsam planen...


    Herzlichst


    Otello50

    Für mich macht es einen Unterschied, ob ein Sänger die Aufnahme unter Studiobedingungen, in einem Konzert oder im Rahmen einer Opernaufführung zu Gehör bringt.


    Unter den live mitgeschnittenen Opernaufnahmen scheint mir die Darbietung von Franco Corelli an der MET von 1961 unter Stokowski an schier überwältigender Strahlkraft unerreicht; einen besseren Kalaf auf der Opernbühne kann ich mir kaum vorstellen. An beeindruckende Wiedergaben dieser Arie im Rahmen einer Aufführung der Turandot erinnere ich mich auch von Nicola Martinucci (u.a. 1985 in San Francisco) und Dario Volonté zu Beginn des Jahrtausends in Amsterdam und an der Staatsoper Berlin.

    Im Studio Pavarotti (s.o.) und - für mich unerreicht - Corelli unter Ferraris; im Rundfunk habe ich neulich eine eindrucksvolle Darbietung des mexikanischen Tenors Diego Torre in einem Konzert in Sydney vom 19. Januar 2019 gehört.


    Und immer wieder tief bewegend die Aufnahme des fast 80jährigen Giacomo Lauri Volpi aus Barcelona vom Januar 1972. Er hätte die Uraufführung 46 Jahre zuvor an der Scala singen sollen, doch Fleta wurde ihm vorgezogen; er sang aber die Erstaufführung an der MET.


    VG

    Otello 50

    Guten Tag,


    heute ist bei Delos die erste Solo-CD von Kristian Benedikt (Vaidas Vyšniauskas) erschienen. Hörenswert, vor allem sein Otello und die Ausschnitte mit Bezug zu seinem Heimatland Litauen.


    Zu Jahresbeginn strahlte Deutschlandfunk Kultur eine Aufnahme des "Ring an einem Abend" aus der Deutschen Oper Berlin vom 15.02.1997 von und mit dem unvergleichlichen Vicco von Bülow/Loriot aus. Darin sang der Wiener Tenor Wolfgang Fassler die Ausschnitte des Loge und des Siegmund (neben Robert Hale als Wotan, Carole Yahr als Brünhilde, Karan Armstrong als Sieglinde u.a., Dirigent Jiri Kout).

    Fassler, der nur wenige Monate nach dieser Aufführung, am 24. Juni 1997, bei einem Autounfall ums Leben kam, war mir bis dahin lediglich dem Namen nach bekannt. Er hat offenbar nur wenige Aufnahmen hinterlassen. Dabei konnte er bis zu seinem frühen Tod eine große internationale Karriere (Stuttgart, Hamburg, Berlin, Zürich, München, Bologna, Neapel, London, Florenz), vornehmlich in Partien des Wagnerfachs aber auch Max, Florestan, Bacchus, Samson, Florestan, verzeichnen. Sein Stammhaus war für lange Jahre bis zu seinem Tod das Nationaltheater Mannheim.

    Im Klassikforum fand ich einige wenige Hinweise, die seine Stimme und Leistungen auf der Bühne eher zwiespältig beurteilen, doch wird er auch anders, nämlich als kraftvoller, in seiner Leistung noch nicht vollendeter Wagnersänger betrachtet.


    Ich wäre den geschätzten Experten dieses Forums für Informationen zu diesem Sänger sehr verbunden.


    Dank und Gruß

    Otello50

    : August Seider singt Arien, CD


    Höre gerade diese frisch erstandene CD des Tenors August Seider, den ich bis dato nur als ausgezeichneten Wagner-Sänger kannte (u.a. seinen souveränen, kraftvollen Walther in der Wiener Aufnahme der "Meistersinger" unter Karl Böhm von 1944). Welch eine runde, klangvolle, klangmächtige, in allen Registern freie und ausgeglichene Stimme. Seider hatte eine lange und respektable nationale und internationale Karriere und sang mit Partnerinnen wie Kirsten Flagstad und Maria Callas. Mir unbegreiflich, wie er derart in Vergessenheit geraten konnte. Beeindruckt hat mich, wie klangschön und souverän er neben seinen Leistungen im Wagner-Fach anscheinend auch das italienische Fach meisterte, darin Franz Völker nicht unähnlich. Ein Heldentenor ersten Ranges, wie man ihn heute kaum mehr hört. Möge er nicht der Vergessenheit anheimfallen... Und nicht zuletzt: den Produzenten der beiden Recitals mit August Seider gebührt großer Dank.


    Gruß

    Otello50

    Guten Morgen,


    hier nur ein kurzer Hinweis auf den jungen russischen Tenor Alexey Tatarintsev. Er gehört der Novaya Opera Moskau an, hat aber im Laufe seiner nunmehr etwa zehnjährigen Karriere auch in Nord- und Westeuropa gastiert. Tatarintsev verfügt über eine strahlende lyrische Stimme. Auf Youtube ist er mit einigen schönen Ausschnitten vertreten. Einer weitere Beurteilung seiner Stimme möchte ich mich aber an dieser Stelle enthalten, zumal ich ihn live noch nicht gehört habe. Vielleicht kann ein sachkundiges Mitglied dieses Forums mehr dazu beitragen.


    Mit besten Wünschen zum Osterfest


    Otello50

    Die Firma Pentatone hat angekündigt, am 17. Mai 2019 eine Recital-CD des Tenors unter dem Titel Michael Fabiano Verdi Donizetii herauszubringen. Dies wäre dann soweit ich sehe die erste Solo-Cd des großartigen amerikanischen Sängers. Sie wird Ausschnitte aus Luisa Miller, Rigoletto , Poliuto, Ballo in Maschera, Lucia di Lammermoor, Maria di Rohan, Ernani (nicht die bekanntere Szene Come rugiada), I due Foscari, Oberto und Il Corsaro enthalten. Fabiano wird begleitet vom London Philharmonic Orchestra und den London Voices unter Enrique Mazzola.


    Die CD kommt spät, nachdem sich die Stimme Fabianos immer mehr dem Spinto- Fach nähert und für meine Ohren der wunderbare lyrische Schmelz seiner früheren Jahre größerer Kraftentfaltung Platz macht, aber besser später als nie. An schönen ive- Aufnahmen Fabianos von Beginn seiner Karriere an besteht ohnehin kein Mangel. Ein Konzert vom Jahresbeginn aus Moskau, das vom online-Kanal der Moskauer Philharmonie übertragen wurde, zeigte ihn zur hörbaren Freude der Konzertbesucher in ganz hervorragender stimmlicher Disposition.


    VG

    In der Tat hat Carl Martin Oehman einige sehr schöne Aufnahmen hinterlassen, die eine warm timbrierte lyrisch-heldische Stimme von unverwechselbarem Klang zeigen. Mitte der 60er Jahre erschien eine LP auf Telefunken unter dem Titel "Oper in Berlin in den 30er Jahren. Unvergessene Tenöre" mit Aufnahmen von Oehman, Paul Kötter und Louis Graveure. Der Titel bezog sich auf das Wirken dieser drei Sänger an der Städtischen Oper Berlin. Während die Aufnahmen von Oehman (Ausschnitte aus Othello-Aida-Andrea Chénier-Bajazzo) und Kötter (Ausschnitte aus Walküre-Meistersinger-Othello) auf CD überspielt wurden, habe ich bisher keine CD mit den Aufnahmen von Graveure gefunden. Er singt auf der LP Ausschnitte/Arien aus Bajazzo, La Boheme, Carmen, Margarethe und Lohengrin. Die LP habe ich leider verloren, den bemerkenswerten Aufnahmen von Graveure trauere ich noch nach.


    VG

    Lieber Carlo, lieber Rheingold 1876,


    herzlichen Dank für diese freundliche Begrüßung und die ausführliche Information. Ich habe in meiner freudigen Hoffnung auf einen kompletten Othelllo mit Peter Anders natürlich völlig übersehen, dass bei Otellos Tod die für eine Gesamtaufnahme obligatorischen Einwürfe fehlen. Schade drum, aber zugleich können wir froh sein, wenigstens diese beiden Ausschnitte aus Othello zu kennen. Was wäre das für eine Aufnahme geworden: Anders-Trötschel-Metternich-Fricsay...

    Insgesamt aber ist - dank vor allem der Archive der deutschen Rundfunkanstalten - der Weg von Peter Anders in das schwerere deutsche und italienische Fach in den letzten Jahren seines Lebens doch recht gut dokumentiert (sehr schätze ich auch seine Aufnahmen aus Pagliacci und Meistersingern unter Heinrich Hollreiser und Ferdinand Leitner).


    Viele Grüße

    Otello 50

    Neulich bin ich bei Youtube auf den französich-tunesischen Tenor Amadi Lagha gestoßen. Ich weiß nicht, ob er im Tamino-Kreis schon erwähnt wurde und möchte daher einfach nur auf ihn hinweisen.

    Die Ausschnitte einer Turandot- Aufführung aus Torre del Lago Puccini aus dem Jahr 2017 haben mich sehr beeindruckt, nicht zuletzt auch wegen der grandiosen Turandot von Martina Serafin.

    Lagha hat die Rolle des Calaf inzwischen auf einigen Bühnen in Europa gesungen, u.a. auch in Savonlinna. Dies offenbar sehr erfolgreich.

    Die Ausschnitte zeigen eine kraftvoll-strahlende Tenorstimme, die mühelos bis zum C'' reicht. Ich habe den Sänger nicht ive gehört und kann daher nicht beurteilen, ob die Ausschnitte die Größe und Klangfarbe seiner Stimme wirklich adäquat wiedergeben oder ob technische Verstärkung im Spiel ist.

    Sängern mit eher lyrischen Stimmen, die sich am Calaf versucht haben, droht wie die Geschichte lehrt nicht selten eine Verkürzung ihrer Karriere. Mir fällt da der eine oder andere Tenor ein, auch sehr berühmte darunter...

    Lise Davidsen berechtigt zu großen Hoffnungen im lyrisch-dramatischen Fach. Der Dänische Rundfunk (DR P 2), der immer wieder hörenswerte Opernkonzerte in ausgezeichneter technischer Qualität aufzeichnet, hat im April 2018 ein schönes Konzert mit ihr und dem Symphonieorchester des Dänischen Rundfunks übertragen. Dort singt sie u.a. Arien aus Otello, Cavalleria, Maskenball, Csardasfürstin und, besonders schön, das Lied "Der letzte Frühling" von Edvard Grieg. Es ist eine Freude, dieser jungen Sängerin zuzuhören. An eindrucksvollen Rundfunkaufnahmen mit ihr mangelt es bereits nicht mehr (Verdi-Requiem aus Kopenhagen, Ariadne aus Aix-en-Provence, Freischütz aus Frankfurt). Eine umsichtige Fortentwicklung ihrer sicher großen Karriere ist ihr zu wünschen.

    Unter den zahlreichen eindrucksvollen Aufnahmen, die der so früh verstorbene Peter Anders hinterlassen hat, schätze ich nicht zuletzt die Ausschnitte aus Othello unter Ference Fricsay aus dem Jahr 1951. Ich vermute, sie stammen von einer deutsch gesungenen (Live-) Aufnahme des ganzen Werks durch den RIAS Berlin. Die Klangqualität dieser vorliegenden Ausschnitte ist sehr gut.

    Hier hört man ihn in vollem Besitz einer kraftvollen, frei strömenden Stimme voller Glanz und Rundung in der tiefen und mittleren Lage. Seine Auftrittsszene "Freut euch alle" ist schlichtweg souverän, den Tod des Othello singt er ergreifend, dabei immer mit musikalischen Mitteln gestaltend. Der Othello scheint ihm in diesem späten Stadium seiner Karriere besonders gelegen zu haben.

    Sofern dieser Othello unter dem wunderbaren Ferenc Fricsay als Gesamtwerk (im Archiv des RBB) noch verfügbar ist, wäre eine Wiederveröffentlichung sehr wünschenswert (auch wegen Josef Metternichs Jago).


    Viele Grüße

    Otello50 (sehr neu als Gast, dankbar für die gestrige sehr freundliche Aufnahme in das Tamino - Forum)