Herbert von Karajan (1961/62)

Ich freue mich, daß dieses Thema wieder aktuell geworden zu sein scheint - speziell weil die den Thread zierende Frage in der Überschrift nicht beantwortbar ist. Sie war von mir als Provokation gedacht. Und wenn ich mir die Beteiligung an diesem Thread über mehr als zwei Jahrzehnte betrachte, so war sie erfolgreich. Es hat funktioniert. Und wir wurden mit zahlreichen Aufnahmen konfrontiert, hatten Gesprächs- und Hörmaterial. 373.000 Zugriffe und fast 1000 Beiträge sprechen eine klare Sprache. Die vielen unerschiedlichen Nominierungen zeigen indes auch, daß Beethovens Musik schier unzerstörbar ist - und daß sie über allem steht.
Die Frage ist nun, inwieweit man sich HEUTE an diesem Thread beteiligen kann, weil es ist ja weitgehen unmöglich alle Beiträge der letztn 20 Jahre zu lesen und zu kommentieren. Das ist IMO auch nicht wirklich notwendig. Die Zeit ist vergangen, die Fluktation hat uns einen weitgehen anderen Mitgliederstand beschert.
Ich habe mich heute entschieden den "wichtigsten Zyklus der 60iger Jahre", das ist der erste Karajanzyklus in Stereo für DGG allmählich durchzuhören und dem Phänomen auf die Spur zu kommen warum gerade er "erkoren " wurde - zumindest im Deutschsprachigen Bereich. Hier ist sicher die Projektion des Publikums auf die charismatische Erscheinung Karajans von Bedeutung, von den geradezu unerbittlichen Werbekampagnen der Deutschen Grammpophon Gesellschaft, die den Eindruck zu erwecken versuchte, den größten Beethoven Dirigenten aller Zeiten unter Vertrag zu haben - bei gleichzeitig weltweit bester Aufnahmetechnik. Enne Suggestion ? - oder mehr ?
Die Wahrheit wird wohl wo dazwischenliegen. Der Zeitgeist spielt wohl auch eine nicht unbedeutende Rolle.
Wenn irgendwo im Forum von der "Perfektionsmaschine Karajan" schrieb, wenn die "glatte Eleganz" der Interpretationen gerügt (!) wurde, dann ist da wohl auch was Wahres dran. Für diese "Überschätzung" musste Karajan posthum büssen, als beliebte Zielscheibe. des Volkssports "Karajan-Bashing"
Wirklich zerstören liess sich die Legende aber - trotz vieler Bemühungen - dann letztlich doch nicht....
Wie klingts aber nun wirklich ? Ich habe hier den Zyklus von 1962 herangezogen, weil er als der "spontanste" gilt und auch als damalige "Referenz"
Die Aufnahmen klingen supersauber, analytisch und kristllklar, mit einem Hauch von steriler Studioqualität. Sie sind elegant poliert und irgendwie "makellos", etwas das seinerzeit bewundert wurde, heute werden allzu perfekte Dinge (oder Personen) aus verschiednesten Gründen scheel angesehen.
Karajan - selbst ein Technik-Freak - war in einem Aufsat generell für Schallplattenaufnahmen (wobei er seine eigenen meinte). Es sei eine bessere Art Musik zu hören. "Sie sitzen ganz vorne mit dabei und hören jedes Detail - wie ich an meinem Pult. Diese Klarheit kann durch einen Konzertbesuch niemals erreicht war, zwischen sich räuspernden und hustenden Menschen an teilweise suboptimalen Hörplätzen"
Und die Musikfreunde kauften. Ja es war zeitweise nur möglich via Subskription den Zyklus zu erwerben - Eine Legende war geboren.
Ich würde die Aufnahme als durchaus hervorragend beurteilen - speziell aus der Entstehungszeit heraus - aber durchaus nicht als konkurrenlos....
BTW: ich selbst habe heute keine "Lieblingsaufnahme, sonder freue mich an der Vilefalt des Angebots...
mfg aus Wien
Alfred