Beiträge von Barere

    Lieber Nemorino,


    vielen Dank, dass du hier die Erinnerung an Richter-Haaser wachhältst.


    Vielleicht interessiert dich dieser Programmhinweis:


    - Sonntagabend, 18. Juli 2021

    - DLF Kultur

    - Mitschnitt aus Berlin vom 16.5.1970

    - Beethoven Klavierkonzert Nr. 5

    - Richter-Haaser/Leibowitz


    Lg Barere

    Was soll ich dann noch mit so einem Monokram ??? Das geht mir gegen jeden Strich !

    Lieber teleton,


    natürlich gar nichts! Das ist ja das Tolle am heutigen Angebot: Jeder kann das hören, was er am liebsten mag.


    Es gibt Leute, die geniessen auch historische Aufnahmen. Das Gehör passt sich nach einigen Augenblicken an und blendet Störgeräusche genau so aus, wie es das im Alltag auch ständig tut. Viele Menschen blenden z.B. Kinderlärm weitgehend aus, andere konzentrieren sich darauf und nerven sich gewaltig. Der Klangeindruck entsteht im Gehirn und wir hören stets das, was wir hören wollen. - Und warum sollte jemand, der auf einem Ohr taub ist, Musik nicht geniessen können?


    Allerdings muss ich zugeben, dass es eine Menge miserabel restaurierter CDs gab und z.T. noch gibt. Dieses Geheule und Gejaule oder zu Tode Gefilterte macht nicht einmal mir Spass. Gekonnte Transfers und Restaurierungen, wie sie z.B. Ward Marston oder Mark Obert-Thorn heutzutage liefern, klingen jedoch klar besser als auf den Originalplatten oder -bändern, schon allein deshalb, weil Gleichlaufschwankungen perfekt ausgeglichen werden können. Gerade gestern habe ich Furtwänglers Manfred-Ouvertüre aus Luzern gehört, hervorragend restauriert (nur CD, aber deutlich besser als auf Music & Arts):



    Mono? Klar. Historisch? Aber sicher! So etwas möchte ich auf keinen Fall missen. Ich mag ohnehin die Abwechslung, immer nur Bernstein/New Yorker PH Levine/Berliner PH würde mir rasch verleiden. Aber eben: Jedem das Seine!


    Wichtig ist für mich noch ein ganz anderer Aspekt: Viele moderne 40- oder x-Kanalaufnahmen schaffen ein Klangbild, das überhaupt nicht demjenigen im Konzertsaal entspricht. All diese winzigen Details und Einzelstimmen hört man im Konzert nie. Es ist bei diesen Audioaufnahmen ganz ähnlich wie bei der Bildregie, wo die Kamera taktgenau nach Drehbuch auf bestimmte Instrumente geschnitten wird. Das Ergebnis kann durchaus faszinierend sein, und ich schätze es besonders dann, wenn ich die Partitur mitlese. Aber für Bruckners Neunte mit Haitink und den Wiener Philharmonikern (Luzern 2012 - unvergesslich!) lasse ich die Partitur zu Hause. Da will ich nicht Einzelstimmen hören, sondern das grosse Ganze erleben.


    Meine Devise ist also: Das eine tun, und das andere nicht lassen. Aber jeder tickt anders, und das ist gut so!


    LG Barere

    Lieber Christian,


    vielen Dank für die Informationen.


    Ich denke diese Aufnahmen sind vor allem aus Platzgründen bei den „unreleased recordings“ gelandet.

    Wer weiss? Das erklärt allerdings nicht die klar falschen Angaben gleich an drei verschiedenen Stellen im Begleitbuch. Und in der 1999-Collection waren die Aufnahmen noch richtig zugeordnet? Ein Schelm, wer dabei Böses denkt.


    Inzwischen habe ich aber bei einer US-Amazon-Review gefunden, was ich gesucht habe: 'Rubinstein told a Gramophone interviewer in 1968: "Sometimes I don't succeed in achieving what I want. There are tapes of Schubert's late sonatas and of the Schumann Fantasie. They're in the can, as they say, but I find them artificial and laboured; the right spirit is not there".

    Das ist ein hartes Verdikt. Natürlich fehlt der Aufnahme der Schwung und die Natürlichkeit eines "richtigen" Rubinsteins, aber so schlecht ist sie ja auch wieder nicht. Ganz im Gegensatz zur verunglückten Aufnahme des B-Dur-Konzertes von Brahms mit Coates (HMV 1928), deren Veröffentlichung Rubinstein unbedingt verhindern wollte. Doch er wurde betrogen (seine Worte, siehe "Mein glückliches Leben", S. 376f.). Muss eine solche Aufnahme neu aufgelegt werden? Und falls ja: Sollte man sie nicht wenigstens klar als vom Interpreten "verworfen" kennzeichnen? Ich für meinen Teil wünschte mir manchmal etwas mehr Respekt vor den Interpreten.


    Aber lassen wir das. Auch ich habe begonnen, in meinen Rubinstein-Aufnahmen herumzuwühlen, und da gibt es wirklich grosse Schätze!


    LG Barere

    die Aufnahme der Fantasie op. 17 kam wohl erstmals 1980 auf Vinyl heraus ... Rubinstein starb 1982, also muss er dem Release doch noch zugestimmt haben?

    Lieber Christian,


    vielen Dank fürs Nachhaken. Du hast Recht: Ein Blick in die - zwar nicht gerade für Zuverlässigkeit bekannte - Discogs-Datenbank lässt vermuten, dass die Schumann Fantasie aus dem Jahr 1965 erstmals 1980 auf LP erschienen ist, also gerade noch zu Rubinsteins Lebzeiten. Auch die gedruckte Diskografie von John Hunt aus dem Jahr 1998 weist eine LP-Nummer aus (allerdings mit New York statt Rom als Aufnahmeort).


    Warum die Aufnahme dann in der 2011-Collection bei den "unreleased Recordings" auftaucht und in der Diskografie mit dem Hinweis, auf LP "not issued", leuchtet mir nicht ganz ein. Sogar in den "Anmerkungen zur Edition" wird ausdrücklich behauptet, diese Aufnahmen seien auf LP nie erschienen. Vielleicht weiss im Forum jemand mehr?


    LG Barere

    Das ist mir neu - woher hast Du denn diese Information?


    Lieber Christian,


    es gab damals - wie meistens in solchen Fällen - Diskussionen über Sinn und Berechtigung solcher Veröffentlichungen, als die Aufnahme vom 2. September 1965 erstmals in der Rubinstein Collection von 1999 erschien.


    In der aktuellen Complete Album Collection aus dem Jahr 2011 erscheint sie unter "Unreleased Recordings" (CD 135; in der Diskografie auf S. 145 als "not issued" vermerkt).


    Das gleiche Schicksal teilt übrigens die Aufname der Schubert-Sonate D 960 vom 22. April 1965. Hier kam es jedoch am 11. Juni 1969 zu einer Neuaufnahme, die veröffentlicht wurde.


    LG Barere

    So wird es leider oft geschrieben, lieber Moderato. Es ist aber falsch, wie dem 1. Teil von Rubinsteins Autobiographie zu entnehmen ist. Rubinstein ist wegen des Verhaltens der Deutschen im 1. (!!) Weltkrieg in Deutschland nicht mehr aufgetreten, nicht erst nach dem 2. Weltkrieg. Also schon lange vor der Nazi-Zeit hat er in Deutschland keine Konzerte mehr gegeben.

    So ist es:


    "Die französische Presse berichtete von den Greueltaten, welche deutsche Soldaten in Belgien, Polen und Nordfrankreich begingen.Kaltblütig erschossen sie Hunderte von schuldlosen Zivilisten, wenn einer der ihren von einem Heckenschützen getötet wurde. Die anschaulichen Berichte über Morde, Vergewaltigungen und Folterungen nannten die deutschen Behörden Greuelpropaganda, doch Dokumente und Briefe, die mir in die Hände kamen [Rubinstein arbeitete zu dieser Zeit, um sich finanziell über Wasser zu halten, in Paris als Übersetzer für die Franzosen; Anm. Barere], bestätigten die französischen Meldungen. So war der bekannte Komponist Alberic Magnard einfach ermordet worden, als er die Invasoren nicht höflich genug behandelt hatte. Ich schämte mich, daß unsere große Zivilisation sich so weit beschmutzen konnte, einem üblen Menschen wie dem Kaiser zu gehorchen, und in hilfloser Wut schwor ich mir: 'Nie wieder wirst du in Deutschland spielen!'

    Bis zu dieser Stunde habe ich den Schwur gehalten - unseligerweise sind inzwischen noch zwingendere Gründe dazugekommen."

    Rubinstein, Arthur. Erinnerungen. Die frühen Jahre. Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main, 1973, S. 526


    LG Barere

    Lieber Willi,


    vielen Dank für diese Übersicht. Spontan fallen mir noch ein:


    Brendel hat die Konzerte bereits in den Sechzigern (Böttcher/Nr. 1, Wallberg/Nrn. 2-4 und Metha/Nr. 5) aufgenommen (Vox, auf CD bei Brilliant).


    Von Kempff gibt es neben den bekannten Aufnahmen mit van Kempen und Leitner noch einen Live-Zyklus mit Tadashi Mori (Nrn. 1-3 am 7.4. und 4-5 am 9.4.1970) aus Tokyo. Er ist in Japan vor einigen Jahren beim Label King erschienen, das auch den Live-Zyklus der Sonaten aus dem Jahr 1961 herausbrachte.


    LB Barere

    Alexandre Kantorow (Frankreich, *20.5.1997)


    - Sohn des Geigers und Dirigenten Jean-Jacques Kantorow (Jg. 1945)

    - Schüler von Rena Shereshevskaya (École Normale de Musique de Paris)


    2015 CD Liszt Klavierkonzerte 1 & 2


    2017 CD "A la russe" (Solo)


    2019 CD Saint-Saëns Klavierkonzerte 3-5


    2019 Sieger des Tschaikowski-Wettbewerbs (Goldmedaille & Grand Prix)

    Jury: Denis Matsuev, Michel Béroff, Barry Douglas, Nelson Freire, Pavel Gililov, Freddy Kempf, Ming Qiang Li, Vladimir Ovchinnikov, Piotr Paleczny, Boris Petrushansky und Menahem Pressler


    Aus meiner Sicht hat hier der Richtige gewonnen. Kantorow ist ein Vollblutmusiker, der auch noch im Stress eines Wettbewerb-Finales mitreissen kann. Im Studio verwandelt er die Islamey in ein rauschendes Klavierfest.


    Dass er überhaupt am Wettbewerb teilnahm, überraschte viele, denn seine Karriere hatte längst Fahrt aufgenommen und seine CDs wurden weitherum in den höchsten Tönen gelobt.


    Als Einstieg empfehle ich den dritten Satz des 2. Klavierkonzertes von Tschaikowski auf


    https://tch16.medici.tv/en/piano/


    oder natürlich gleich das ganze Finale.


    LG Barere

    Liebe Taminos,


    an seinem 81. Geburtstag möchte ich auf jene LPs und ihre Vorgeschichte hinweisen, mit denen Jerome Rose bekannt wurde. Das sind seine Liszt-Aufnahmen, insbesondere die Gesamtausgabe* der Années de pèlerinage (1973; Holger hat im Beitrag #1 schon darauf hingewiesen):



    https://www.youtube.com/watch?v=kH6bFu7la5g

    (Habe lange nach einer Anleitung fürs richtige Verlinken gesucht. Befürchte, es wäre ganz einfach...)


    Die Aufnahme wurde mit dem Grand Prix du Disque der Liszt Gesellschaft Budapest ausgezeichnet. Sofort galt Rose als Liszt-Spezialist, obwohl er das gar nicht sein wollte und rein zufällig bei Liszt landete, der während seines Studiums bei Leonard Shure und Rudolf Serkin kein Thema war.


    Das kam so: Rose hatte Schumann aufgenommen (Humoreske und Sonate Nr. 3), doch ging das Label schon vor dem Erscheinen der Platte ein. Also bot er die Aufnahmen dem Leiter von VOX an, George Mendelssohn, der sie sofort herausbrachte. Er sah in Rose einen Künstler mit Zukunft und bot ihm einen 12-LP-Vertrag an, und zwar entweder für eine Gesamtaufnahme der Clementi-Sonaten oder die Années de pèlerinage sowie weitere Werke von Liszt.


    Rose fand das Clementi-Projekt weniger prestigeträchtig und entschied sich deshalb nach nur einer Woche für Liszt. Da Mendelssohn - wie immer** - die Aufnahmen so schnell wie möglich haben wollte, hiess es nun üben, auswendig lernen und aufnehmen. Erst später spielte Rose die Werke auch im Konzert. Von diesem Zeitdruck ist den Aufnahmen aber nichts anzumerken.


    Kurz danach erschienen die Gesamteinspielungen von Cziffra (EMI 1975/76) und Berman (DG 1977). Insbesondere Letztere dominierte dann den Markt, doch der glänzende Karrierestart war Rose nicht mehr zu nehmen.


    LG Barere



    * Frühere Gesamteinspielungen: Aldo Ciccolini (EMI 1954 mono & 1961 Stereo, Venezia und Napoli 1969) und France Clidat (Decca 1968). Arrau und Kempff haben jedoch - entgegen den Angaben in der Wikipedia - nur einzelne Stücke aufgenommen.


    ** Z.B. spielte auch Alfred Brendel seinen ersten Beethoven-Zyklus für Mendelssohn im Eiltempo ein. Der ursprünglich vorgesehene Leonard Shure wollte sich fünf Jahre bis zum Beginn der Aufnahmen ausbedingen und wurde prompt ausgeladen. Brendel hingegen packte die einmalige Chance und startete danach durch.

    Lieber Willi,


    vielen Dank, das sind tatsächlich interessante Überlegungen. Du bringst mich glatt dazu, wieder einmal mein Metronom hervorzukramen!

    dass Beethovens Werke, vor allem die Sonaten, eine faszinierende innere mathematische Struktur haben, die man zum Beispiel bei Schubert gerade nicht findet.

    Ob mit oder ohne, bei jeder guten Interpretation einer Beethoven- oder Schubertsonate höre ich wieder etwas Neues. Das macht es ja so spannend, verschiedene Interpretationen zu vergleichen. Mit der Zeit wird einem dann klar, dass und warum es die einzig wahre Interpretation - zum Glück! - nicht gibt. Und genau das dokumentierst du ja in deinen Rezensions-Threads auf eindrückliche Weise.


    LG Barere

    Lieber Willi,


    herzlichen Dank, das ging blitzschnell! Aber es ist ja nicht das erste Mal, dass bei mir der Verdacht aufkommt, dein Tag hätte mehr als 24 Stunden... Ich freue mich auf deine gelegentliche Besprechung.


    Die Beschäftigung mit Goodyear hat mich in meiner Ansicht, heute werde vieles zu langsam gespielt, bestätigt. Auch ist mir wieder einmal bewusst geworden, welche Schroffheiten in einigen dieser Sonaten stecken. Goodyear mag zum Teil übertreiben, aber man spürt auf jeden Fall immer, dass er mit Leidenschaft dabei ist und etwas zu sagen hat. Spieltechnisch ist er ohnehin spitze.


    Besonders positiv erinnere ich mich übrigens an die Mondscheinsonate mit einem zügigen, sehr schlichten Adagio sostenuto. Goodyear hat die Fähigkeit, hier nicht "zu viel zu machen".


    LG Barere

    Lieber Willi,


    vor deiner Herkules-Arbeit für dieses Forum ziehe ich den Hut! Vielen Dank für die Zeit und das Herzblut, das du hier investierst. Es sind Threads wie dieser hier, die mich vor Jahren zum Mitlesen verführt und seither bei der Stange gehalten haben.


    Eine Frage: Kennst du die Aufnahmen von Stewart Goodyear? Der kanadische Pianist und Komponist ist ein von den Beethoven-Sonaten "Besessener" (nur mein Eindruck und keineswegs negativ gemeint). Er führt sie oft auf, am 7. September z.B. in Cincinnati wieder einmal an einem einzigen Tag!


    Seine Mission: Er ist überzeugt, dass Beethovens Metronom-Angaben stimmen. Entsprechend spielt er und kommt in der CD-Version auf Spielzeiten von 9:17 - 2:42 - 14:56 - 10:35 --- 37:30 min.


    Falls du Lust und Zeit hast, da mal reinzuhören, würde mich deine Meinung sehr interessieren!


    LG Barere

    In meine Erinnerungsliste kann ich ihn leider nicht aufnehmen. Er ist zwar letztes Jahr 80 geworden, aber ich weiß nicht genau, wann.


    Jerome Rose wurde am 12. August 1938 in Los Angeles geboren (Nicolas Slonimsky, "Baker's Biographical Dictionary of Musicians", 8. Ausgabe 1992; in der Regel recht zuverlässig).


    LG Barere

    Daniil Trifonov hat das Werk am 20. Juli in Verbier aufgeführt - als einzige Zugabe nach seinem Klavierabend mit Berg, Prokofiev, Bartók, Copland, Messiaen, Ligeti, Stockhausen, Adams und Corigliano.


    Er sass einfach ganz ruhig da, die Armbanduhr auf dem Flügel und die Hände im Schoss. Dem Video nach zu urteilen blieb das Publikum die ganze Zeit mucksmäuschenstill.


    Die Aufnahme ist bis am 4. November gratis zu sehen auf medici.tv (Gast-Konto).


    LG Barere