vor einigen J. habe ich mal auf die Suche nach dem (erhaltenen) Briefwechsel Beethoven <-> Ries gemacht, mit dem Ergebnis, das zumindest auf der HP des Bonner Beethoven-Hauses sehr viel mehr Mitteilungen des Ex-Lehrers an den Ex-Schüler zu finden sind, als umgekehrt... - gar einen 'Bittbrief' Beethovens betreff Ries gibt's:
undatiert, vermutl. 05/10.11.1805 Durchlauchtigste Fürstin ((Josephine v. Liechtenstein)), der arme Rieß, mein Schüler, muß in diesen unglückseeligen Krieg und schon in einigen Tagen fort. In diesen Umständen ist ihm die Gelegenheit zu einer Akademie gänzlich abgeschnitten; er hat nichts, gar nichts, muß seine Zuflucht zur Wohlthätigkeit nehmen. Ich empfehle ihnen denselben; ich weiß, Sie verzeihen mir diesen Schritt--mit tiefster Ehrfurcht--L. van Beethowen
und noch eine kleine Auswahl der Mitteilungen Beethovens an R.:
undatiert, vermutl. April 1802 Ich muß ihnen denn doch Vorwürfe machen, daß sie sich nicht schon länger an mich gewendet; warum verbargen Sie mir ihre Noth - keiner meiner Freunde darf darben, so lange ich etwas hab-- Beethowen
undatiert, vermutl. Sept. 1814 Der Himmel hat keine kleine Porzion Leiden auf mich herabgeschickt, doch ein Regenbogen der Hoffnung gleichend läßt sich blicken. Ich höre, ihnen geht es sehr gut; das freut mich von Herzen-- --schreiben sie wieder einmal ihrem wahren Freunde Beethowen
08.05.1816 Mein lieber Schüler sollte sich hinsezen u. mir was tüchtiges dediciren, worauf der Meister auch antworten wird. Alles schöne an ihre Frau; leider habe ich keine-- --ihr wahrer Freund Beethowen ((R. wird B. (vermutl.) 1818 seine zweite Symphonie op.80 widmen, eine 'Antwort des Meisters' kommt nicht mehr zustande.))
25.04.1819 Komponiren Sie fleißig; mein liebes Erzherzöglein Rudolph u. ich spielen ebenfalls von ihnen, u. er sagt, daß der gewesene Schüler dem Meister Ehre macht. Nicht allegro mäßig, sondern Prestissimo hoffe ich baldigst von ihnen zu hören... Diesen Brief überbringt ihnen ein geistvoller Engländer, welche meistens tüchtige Kerls sind, u. mit denen ich gerne eine Zeitlang in ihrem Lande zubringen möchte- -Beethoven.
R. lebt v. 1813-24 in London, ist ab 1815 einer der Direktoren der dortigen 'philharmonischen Gesellschafft'; aus dieser Zeit (09.06.1817) stammt der einzige 'relevante' in Bonn aufbewahrte Brief von Ries an Beethoven:
Im Namen der Direkzion habe ich den Auftrag, ihnen 300 Guinees unter folgenden Bedingnißen anzutragen: (i)sollen Sie nächstkommenden Winter hier in London sein (ii)sollen Sie für die Gesellschafft zwei große Sinfonien schreiben. Ich werde alles mögliche aufbiethen, Ihnen Ihren Aufenthalt nützlich und angenehm zu machen... Gestern Abend wurde ihre schöne Sinfonie in A ((Nr.7 op.92; die Partitur befand sich seit März 1815 in London)) mit außerordentlichem Beifall gegeben; wenn man ein solch Werk sieht und hört, macht es einen furchtsam, ans Sinfonieschreiben nur zu denken. Schreiben Sie recht bald ausführlich- -Ihr dankbar aufrichtiger Freund Ferd. Ries
Die einzige in Bonn aufbewahrte Antwort Beethovens auf obigen 'Antrag' (nur c. ein Drittel der knapp 1.800 nachgewiesenen Privat- und Geschäftsbriefe Beethovens sind im Besitz des Beethoven-Hauses, der Rest mag teilweise nicht mehr auffindbar sein) ist bereits datiert mit 05.02.1823; hier ist u. a. zu lesen:
Mein lieber guter Ries, noch habe ich keine Nachrichten der ((neunten)) Sinfonie wegen... Ich würde gar nichts von der P. Gesells. nehmen, wär ich nicht so arm, daß ich von meiner Feder leben müste; so muß ich freylich warten, bis das Honor. hier angewiesen ist. Um aber einen Beweis meiner Liebe und Vertrauens für diese Gesellschaft zu geben, habe ich die Overture ((''Die Weihe des Hauses'' op.124)) dem Herrn von der Kaiserl. Gesandtschaft gegeben, der in einigen Tagen abreist; sobald sie selbe erhalten, bitte ich sie, mir zu schreiben, ob die P. Gesell. solche nimmt- -Beßert sich meine Gesundheit durch eine zu nehmende Badekur im Sommer, dann küße ich 1824 ihre Frau in London- -ganz ihr B.
an eine Reise nach London ist krankheitshalber wohl schon bald nicht mehr zu denken; in einem undatierten Brief an R. aus Baden bei Wien (Beethovens häufigem Kurort) ist noch zu lesen: ''Meine Gesundheit steht noch immer auf schwachen Füßen; du lieber Himmel, statt daß andere sich beym Badegebrauch erlustigen, fordert meine Noth, daß ich alle Tage schreibe.'' Uraufführungsort der 'Neunten' ist bekanntermaßen dann doch Wien gewesen (07.05.1824, mit einmaliger Wiederholung am 23.d.M.), die EA in London folgte (unter Sir George Smart) am 21.05.1824 - wohl mit desaströsen Ergebnis, v. a. der völlig ungenügenden Probezeiten wegen...Ries wird im Juli 1824 London wieder verlassen und erst in Godesberg, später in Frankfurt a. M. leben. Eine weitere persönliche Begegnung mit Beethoven scheint eher unwahrscheinlich; letzterer schreibt noch an R. am 11.02.1825: ''Meine so gedrängte Lage ließ mich kaum dazu kommen, Ihnen auch nur das Mindeste zu schreiben; was muß man nicht alles ertragen, wenn man das Unglück hat, berühmt zu werden! Grüßen Sie Ihren alten Vater herzlich von mir; ich bin äusserst erfreut über sein Glück.'' sowie am 09.04.2025: ''leben Sie wohl in den mir ewig lieben Schönen Rheingegenden; schönen Antheil am Leben wünsche ich Ihnen ihrer Gattin ihrem Vater.''