Beiträge von Maestro_Peter

    Ich finde die Johannes-Passion und Schöpfung-Aufnahmen von Forster einfach grandios, selbstverständlich auch die Besetzungen. Er hatte oft ein unheimlich perfektes Gefühl für Tempi und für Abschlüsse. Ich habe etliche Schöpfung-Aufnahmen gehört, und am Ende bin ich immer enttäuscht, daß sie nicht die Vollendung (vor allem bezüglich Tempi) haben, die die Forster-Aufnahme hat.


    Zurück zu Traxel: diese unverwechselbare Stimme ist einfach rührend zu hören, egal was er singt. Händel passt ihm genauso wie Wagner.

    Ernst Gruber ist hier öfters diskutiert worden. Obwohl er nicht zu meinen Lieblingstenören gehört, heisst nicht, daß ich ihn nicht schätze. Die Tannhäuser-Aufnahme hat mich nicht so überzeugt, dagegen finde ich die Holländer-Aufnahme wunderbar. Tristan (mit Kuhse) muss ich mir noch besorgen, aber ich kann mir gut vorstellen, daß die Aufnahme ebenfalls sehr wertvoll ist. Hier kann man ihn als Konzertsänger hören, nämlich als Waldemar in den Gurreliedern von Schoenberg:


    https://audius.co/geschichte/gruber-16500

    Rheingold hat ausführlich über diese Sängerin geschrieben, so hervorragend, daß ergänzende Worte überflüssig sind. Deshalb möchte ich hier nur ein Beispiel hinzufügen, das genau das zeigt, was Ludmila Dvorakova so besonders macht. Als Brünnhilde war sie jedenfalls genauso bekannt wie Ortrud. Hier singt sie, zusammen mit Claude Heater, aus dem 1. Akt Götterdämmerung, aufgenommen 1969 in Genf:


    https://audius.co/geschichte/dvorakova-15962

    Es wäre vielleicht hier nicht unpassend, da zur Zeit über Dermota und Schwarzkopf (und Verdis Requiem) diskutiert wird, zu überlegen ob sie auch als Verdi-Sänger sich durchsetzen können. Dermota ist stimmlich ja weit davon entfernt, und trotzdem finde ich, daß es nicht so unsinnig ist, wie man es vermuten würde. Bei Schwarzkopf könnte man es eher vorstellen, vor allem weil sie stilistisch so raffiniert war. Glücklicherweise, kann man selbst die Entscheidung treffen. Hier hört man nämlich Schwarzkopf und Dermota in Verdi, zusammen mit Fedora Barbieri und Josef Greindl. Ein perfekt passendes Quartett, egal ob man es für Verdi geeignet hält oder nicht:


    https://audius.co/geschichte/libera-15443

    Aber musikalisch finde ich gerade diese Aufnahme unter den Besten. Es ist nur zu bedauern, daß das Ganze viel zu hoch abspielt und daher eine musikalische Fälschung darstellt. Es hätte vorher überprüft werden sollen. Ich habe eine korrigierte Fassung und finde es großartig, vor allem Dank der Leistung von Fritz Lehmann.

    Stimmenliebhaber, Leiermann, Rheingold: sehr gerne! Es freut mich, daß es so gut angekommen ist. Ich denke sie hat es ja verdient, auch nach ihrem Tod noch einmal die Chance, ein Publikum für sich zu gewinnen (wie viele andere, die aber nie gefilmt wurden). Und für diejenigen, die mit der Nilsson nichts anfangen können (ich zähle mich leider dazu), müssen wir doch Zugriff auf Ausweichmöglichkeiten haben (von der Flagstad abgesehen, die für mich einfach nicht zu übertreffen ist). Die Menschlichkeit (in der Stimme) einer Kuhse spricht mir eben mehr an, wenn auch nicht ganz perfekt (die Mikros sind natürlich ganz nah, man hört viel mehr als das Publikum im Saal).

    Rheingold: ganz richtig mit der Besetzung. Nein, es gab keinen Marke.

    Herzlichst,

    M_P

    Es ist für mich eine Freude einen Thread über Hannelore Kuhse zu entdecken, wenn auch ziemlich verjährt (letzter Beitrag 2015). Trotzdem möchte ich dazu beitragen: ich habe sie nie live erlebt und auf Youtube findet man auch keine Filmdokumente, sodaß ich gerne ein Dokument zeigen möchte, wie souverän diese Dame Ihre Gesangpartie gestaltet. Es überrascht mich nicht, daß sie Weltkarriere gemacht hat, da eine gewisse Ausstrahlung vorhanden ist, die ganz natürlich wirkt (über die Stimme, die mühelos strahlt, brauche ich erst gar nicht kommentieren). Vielleicht findet dieses Dokument bei dem einen oder anderen Anklang:


    https://vimeo.com/364362416

    Es freut mich, daß die Filmdokumente von Interesse waren. Vielleicht finde ich noch welche.

    Jawohl, die Besetzung in der Thomaskirche war genau diese, wie Rüdiger sagt. Wie damals üblich, wurden nur die Kantaten 1-3 aufgeführt. Ansonsten ist von Konwitschny hier wenig zu sehen.


    Maestro_Peter

    Der Mitschnitt wird im Institut national de l’audiovisuel (ina), dem französisches Rundfunk- und Fernseharchiv, aufbewahrt. Teile daraus waren bereits vor Jahren auf Classica gesendet worden. Darin ist die Kundry, Isabel Strauss, nur sitzend zu sehen. Daraus war zu schließen, dass es mehr geben muss als nur die seinerzeit verbreitete Szene aus dem dritten Aufzug, in der Wolfgang Windgassen den Parsifal und Gottlob Frick den Gurnemanz sang. Nun bietet das ina für eine geringe Gebühr auch die Szene der Kundry "Ich sah das Kind an seiner Mutter Brust", in die auch Parsifal einfällt, an. Es spielt das Orchestere Philharmonique de la RTF unter der Leitung von Georges Sebastian. Das Konzert fand 17. März 1964 im Salle Pleyal statt. Als Klingsor wird Heinz Imdahl genannt. Er tritt in den Ausschnitten aber nicht in Erscheinung.


    Vielleicht kann ich hier ein bißchen helfen: tatsächlich wurden aus allen 3 Akten gespielt: aus dem 1. Akt, wo Imdahl den Amfortas gab, Frick den Gurnemanz und Windgassen den Parsifal. Aus dem 2. und 3. Akt wurden ebenfalls Ausschnitte gegeben, da hat Isabel Strauss die Kundry gesungen. Gefilmt wurde nur aus dem 2. und 3. Akt, aber alle Ausschnitte wurden über Rundfunk gesendet. Für mich ist Gottlob Frick hier unübertroffen - noch nie habe ich den Gurnemanz so genossen wie hier: wie menschlich er diese Rolle rein gesanglich wiedergibt!


    Herzliche Grüße,

    Maestro_Peter

    Ich bin hier ganz neu, freue mich aber sofort zum Thema Konwitschny etwas beizutragen. Es gibt glücklicherweise zahlreiche Filmdokumente, von Meistersinger bis zum Weihnachtsoratorium. Eines der besten Dokumente, weil für die Kameras besonders theatralisch gemacht, kann man hier sehen:


    https://vimeo.com/364016549


    Man könnte meinen, er würde sich (bei diesem Film) als Nachfolger Bachs betrachten!


    Für das 175-jährige Jubiläum des Gewandhausorchesters im Jahre 1956, wurden zwei Werke ausgesucht, dessen Uraufführungen vom Orchester ausgeführt wurden: das Klavierkonzert von Schumann (gespielt von Gerhard Puchelt als Ersatz für Cortot) und die große C-Dur Symphonie von Schubert. Diese wichtige Veranstaltung wurde von der ganzen Welt weitgehend ignoriert, die Live-Übertragung hatten nur die Stationen in Warschau, Bucharest, Moskau, Prag und Paris.

    Meiner Meinung nach ist diese Aufführung noch besser als die Studioeinspielung in Prag (Konwitschny war fast immer lebendiger im Konzertsaal).


    Maestro_Peter