Beiträge von lustein

    Die Todesnachricht von Elisabeth Freitag hat mich sehr betroffen. Schrecklich, so jung zu sterben. Sie war so alt wie ich jetzt. Ich habe sie bei etlichen Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn als sehr nette, umgängliche Frau und gute Gesprächspartnerin kennengelernt. Sie war auch eine tolle Photographin, deren Bilder ich oftmals im Zuge meiner Berichterstattungen über die Künstlertreffen veröffentlich habe. Sie wird bei künftigen Künstlertreffen fehlen. Hier ist ein wertvoller Mensch von uns gegangen. Man wird sich noch lange an sie erinnern.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Von Adriana Hölszky habe ich in den 1980er Jahren an der Stuttgarter Staatsoper ihre sehr beachtliche Oper "Bremer Freiheit" erlebt. Auch das Gastspiel der Stuttgarter Produktion in München habe ich miterlebt. Das war ein in hohem Maße beeindruckendes Werk, das in Stuttgart auch mehrere Wiederaufnahmen erlebte. Ich habe mir das Stück immer wieder mit Begeisterung angesehen. Auch auf CD ist das bei der zweiten WA aufgezeichnete Stück verewigt. Weiß aber nicht, ob die CD heute noch erhältlich ist. Eines steht fest: Adriana Hölszky ist eine der beachtenswertesten Komponistinnen unserer Zeit.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Meine Lieblingseinspielung der 9. Symphonie Bruckners ist die bei der Deutschen Grammophon erschienene Aufnahme von Wilhelm Furtwängler. Diese Aufnahme halte ich für unübertroffen. Furtwängler dirigiert mit einem ungemeinem Pathos, sehr intensiv und mit einer vorbildlichen Transparenz. Da hört man wirklich jede Kleinigkeit, die bei anderen Dirigenten oft untergehen. Die Tempi sind relativ breit, aber ungemein erfüllt. Das Ganze ist geprägt von ungeheurer Spannung, großer Emotionalität und enormer Ausdrucksintensität. Diese Einspielung ist zusammen mit der 7. Bruckner - auch unter Furtwängler - bei der DG herausgekommen, die ebenfalls ein Meilenstein in der Aufnahmegeschichte des Werkes darstellt. Fazit: Sehr empfehlenswert!!!


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Das war in jeder Beziehung eine sehr sehenswerte Aufführung. Das begann schon bei Bieitos flüssiger, spannungsgeladener Regie, die einige interessante neue Aspekte enthielt. Nicht mehr neu war indes, dass Telramund überlebt. Das war in Nürnberg auch schon so. Da ist er sogar der neue Herrscher von Brabant geworden. Das war jedenfalls ein beachtlicher Einfall. Das kompakte, bodenständige Dirigat war ein Hochgenuss und auch die Sänger/innen der Hauptpartien konnten mich durch die Bank überzeugen. Da wurde durchweg mit phantastischer italienischer Technik gesungen. Der Lohengrin wird wahrscheinlich eine neue Glanzrolle von Roberto Alagna werden, und auch Vida Micniviciute erbrachte als Elsa wahrlich eine bayreuthwürdige Leistung. Und der hervorragende junge Sänger des Heerrufers wird noch einmal die ganz große Karriere machen. Diese Aufführung sollte auf DVD herausgebracht werden.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Die Aufnahme des Weihnachtsoratoriums von Karl Richter ist auch meiner Ansicht nach die Reverenzaufnahme des Werkes schlechthin. Wenn Klassikfan 1 meint, Richter dirigiere flott und straff, bin ich indes anderer Ansicht. Er dirigiert eher langsam und weich und ausgesprochen romantisch unter Auskostung der Fermaten - ganz anders als z. B. Hellmuth Rilling, der eher straff, markant und ziemlich rasch dirigiert und die Fermaten nur andeutet. Zutreffend ist indes, dass bei Richter das Solistenensemble größtenteils unübertroffen ist. Wunderlich, Crass und die Ludwig singen allesamt ganz hervorragend mit wunderbarer italienischer Technik. Nur Gundula Janowitz mit etwas härterem Sopran fällt ab.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zitat von Melot 1967:


    Und dann fehlten wieder die Spitzentöne, oder sie klang in der Mittellage oder tieferen Lage als würde sie sprechen oder rufen.


    Das kommt daher, weil Frau Behrens ihre ganze Sängerkarriere über nie im Körper, sondern immer nur in die Maske gesungen hat. Eine vorbildliche italienische Technik ging ihr immer ab. Daher war auch mein Eindruck von ihr stets ein zwiespältiger. Ich habe sie oft auf der Bühne gesehen, konnte mich aber nie mit der Stimme anfreunden. Schlimm war eine Götterdämmerung in Mannheim vor ca 20 Jahren , wo sie eindeutig im vorgeschrittenen Herbst ihrer Karriere stand. Auch ihre CDs und DVDs - Beispiel Ring unter Levine - sind nicht mein Fall.


    Herzlichst


    Lustein

    Also, ich kann Operus' Argumentation durchaus nachvollziehen und ich finde es traurig, dass einige Taminos ihm eine derartige Schlagseite verpassen müssen. Das war nicht sehr nett und widerspricht einer ausgewogenen Argumentation mit These und Antithese völlig. Man kann ja einer bestimmten Meinung sein, sollte aber dann auch die Gegenmeinung gelten lassen. Operus hat mit vielem, was er sagt, durchaus recht. So bin auch ich der Ansicht, dass eine Wiederkehr zu einem pathetischen Stil bei Sängern und Dirigenten nicht der schlechteste Weg ist. Früher haben mich Dirigenten, die diesen Stil gepflegt haben, wie Furtwängler und Knappertsbusch, aber auch Franz Konwitschny und Robert Heger sehr begeistert. Zutreffend ist auch, dass es früher sehr viele gute Heldentenöre gab, die ausgezeichnet im Körper gesungen haben, bevor der Geschmack durch Sänger wie den stark angreifbaren Wolfgang Windgassen negativ geprägt wurde. Heute gibt es indes schon wieder einige Stimmen, die vorbildlich im Körper sitzen. Operus hat recht, wenn er als Beispiel dafür Andreas Schager nennt, der einer der ersten Heldentenöre unserer Zeit ist, und mit Leichtigkeit diesen überaus maskigen und ständig falsch singenden Lance Ryan abgelöst hat. Von Ryan hört man seit einiger Zeit - noch vor Corona - überhaupt nichts mehr. Er hat sich wohl durch seine ständigen Tours de Force die Stimme kaputt gemacht. Ihn habe ich nie gemocht. Wie Operus bevorzuge ich Heldentenöre à la Melchior, Suthaus, Hopf, Vinay, Treptow und Wenkoff.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Nichts gegen alle die Weltstar-Bassisten, die mit dieser Rolle reüssierten. Unter ihnen will ich an dieser Stelle nur Gottlob Frick nennen. Aber auch unbekannte Namen können Großes leisten. Und dafür stellt der junge Michael Nagl von der Stuttgarter Staatsoper wohl das beste Beispiel dar. Er hat vor einigen Jahren beim Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn die "Fünftausend Taler" mit seinem bestens italienisch fokussierten, balsamisch dahinfließenden, sonoren und ausdrucksstarken Bass derart phänomenal gesungen, dass der unter den Gästen anwesende Matti Salminen ihn spontan herzlichst umarmt hat - ein ganz großes Lob für den jungen Sänger, dass sich dieser auch mehr als verdient hatte. Ohne Zweifel wird Nagl einmal zu den ganz Großen im Bass-Fach gehören. Da bin ich angesichts seiner phantastischen stimmlichen Mittel sicher.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Ein Thread über Franz Völker wäre auch in meinem Interesse. Er war wahrlich ein Jahrhunderttenor mit einem herrlichen baritonalen Timbre und schönem Körperklang. Seine von Operus so gepriesene Bildnis-Arie kenne ich auch und kann Operus' lobende Worte nur bestätigen - auch dass er mit dieser Aufnahme sogar Fritz Wunderlich Konkurrenz macht. Ganz ohne Kritik geht es aber auch bei ihm nicht. Herrlich sind z. B. seine Lohengrin-Ausschnitte von den Bayreuther Festspielen 1936. Hier singt er ganz ausgezeichnet. In der Berliner Gesamtaufnahme des Lohengrin unter Robert Heger von 1943 geht er aber angestrengt in den dritten Aufzug. Hier klingt er nicht optimal. Vor einiger Zeit war bei Tamino auch mal von seinem Tannhäuser die Rede. Den hat er nicht allzu oft gesungen. Nachdem er in dieser Partie einmal nicht sonderlich erfolgreich war, hat er von dem Tannhäuser Abstand genommen. Er war eben kein hochdramatischer Heldentenor, sondern einer, der sich immer seine lyrischen Qualitäten bewahrt hat, was kein Fehler ist. Legato und Linienführung sind bei ihm optimal und kommen z. B. auch seinem Siegmund, einer seiner besten Rollen, zugute. Auch wird er gewusst haben, dass er nie den Tristan und die beiden Siegfriede gesungen hat, die vom Kaliber her etwas zu groß für ihn waren.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zitat von Dr. Pingel:


    Marie wird gesungen von dieser tollen Sopranistin aus Estland/Litauen/Lettland (Nichtzutreffendes bitte streichen), deren Namen ich nicht schreiben kann, die aber in Salzburg diese großartige Elektra gesungen hat.


    Ausrine Stundyte war in Salzburg dieses Jahr durchaus keine ideale Elektra. Die Stimme klang etwas belegt und stieß schon manchmal an ihre Grenzen. Ich fand, die Rolle ist eine Nummer zu groß für sie. Mit dieser extrem gefährlichen Partie sollte sie aufpassen und sie lieber nicht mehr singen.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Diana Damrau ist für für mich ein Grenzfall. Früher gab es von ihr Aufführungen, in denen sie vorbildlich im Körper gesungen hat hat und mich durchaus überzeugen konnte. Vor ca 20 Jahren war ihre Mannheimer Königin der Nachteinfach sensationell. Und auch ihre Baden-Badener- Rosenkavalier-Sophie konnte sich sehen lassen. Leider singt sie inzwischen nicht mehr auf diesem Niveau. Ihre Tudor-CD und auch Strauss' Vier letzte Lieder lassen doch arg zu wünschen übrig. Da geht sie immer wieder vom Körper weg und lässt ihre einstige Klangpracht doch stark vermissen.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    David Prowse, der famose Darsteller des Darth Vader aus der ersten Star-Wars-Trilogie ist gestern, am Samstag, im Alter von 85 Jahren verstorben. Für Star-Wars-Fans ist das ein großer Verlust. Als Darth Vader wurde er berühmt, und in dieser Rolle wird er auch in Erinnerung bleiben.


    Noch einen schönen ersten Advent


    Lustein

    Zitat von Caruso41:


    Mir ist eigentlich nur eine Aufführung von Hugh Beresford in Erinnerung geblieben: Seine Tannhäuser in Bayreuth 1972 und Leinsdorf an der Seite von Gwyneth Jones (Venus/Elisabeth).


    Die Premiere des Bayreuther Tannhäuser von 1972 kann man auf you tube anhören. Zuerst hört man da ganz angetan auf: Zu Beginn ist Beresford durchaus akzeptabel. Er hält die Aufführung aber nicht durch und scheitert im zweiten Aufzug total. Das liegt an der hohen Tessitura des Tannhäuser. Das ist eine Rolle, die nur von echten Tenören gut gesungen werden kann. Und Beresford kommt eben vom Bariton her. Und für einen Bariton ist die im Passaggio-Bereich angesiedelte Tessitura der Tannhäuser-Partie extrem schwierig und kräftezehrend. Da ist Beresford aber nicht der einzige. Auch Ludwig Suthaus und Ramon Vinay, die auch vom Bariton kamen, haben sich mit dem Tannhäuser schwer getan, was man auf CDs nachprüfen kann.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Betroffen hat mich der Tod von Roland Herrmann gemacht. Von seinen Aufnahmen möchte ich an dieser Stelle die Jochum-Aufnahme von Wagners Meistersingern von 1976 nennen, in der er einen fulminanten, schönstimmigen und sehr geradlinigen Beckmesser singt. Auch sein Morald in Sawallischs Aufnahme von Wagners Feen ist sehr beachtlich. Er war ein Sänger, der über eine vorbildliche italienische Technik verfügte und zudem stetes hohes Ausdruckspotential an den Tag legte. An dieser Stelle darf ich noch hinzufügen, dass er der Lehrer von Sofia Kallio, einer meiner absoluten Lieblingssängerinnen, war. Sie hat die hohen Qualitäten ihres verdienten Lehrers Herrmann bestens fortgeführt. Man wird Roland Herrmann vermissen.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zitat von Musikwanderer:


    Ich möchte Dir, lieber lustein, nicht zu nahe treten, aber hier sollten nach Möglichkeit Aufnahme gepostet werden. Gibt es die aus Nürnberg? Gibt es Aufnahmen aus Karlsruhe? Und: Welche Aufnahmen hast Du, kannst Du Empfehlungen posten?


    Lieber Musikwanderer,


    leider gibt es weder von der Karlsruher noch von der Nürnberger Produktion - beide waren stark gekürzt - von Krieg und Frieden Aufnahmen. CDs des Werkes habe ich von Rostropovitch und Gergiev. Beide Einspielungen sind jeder auf ihre Art toll dirigiert, indes haben die beiden Dirigenten unterschiedliche Auffassungen von der Oper. Gergiev - sont nicht mein Fall - gefällt mir hier gut, aber Rostropovitsch ist noch besser. Auch gesanglich kann man zum großen Teil nicht meckern, indes gefällt mir auf der Rostropovitch-Aufnahme die in der Höhe ziemlich schrill klingende Galina Vichnievskaia in der Rolle der Natascha überhaupt nicht. Eine Empfehlung beider Einspielungen kann ich insgesamt durchaus aussprechen.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Hier sollte man noch die Produktion des Nürnberger Opernhauses erwähnen. Das war letztes oder vorletztes Jahr eine in jeder Beziehung hoch gelungene Aufführung, wenn leider auch ziemlich gekürzt. Insgesamt ist das schon eine Oper, der man sehr gerne öfters auf den Spielplänen der Opernhäuser begegnen würde. Leider wird das Werk nicht allzu oft gespielt. Ich bin seit der Karlsruher Inszenierung von Tony Palmer von 1990 ein großer Fan dieser Oper und habe auch zwei CD-Einspielungen davon.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zitat von Operus:


    Verfolgt man die Diskussion hier im Forum, dann werden die beiden Referenzaufnahmen des "Holländer" und des "Tannhäuser" so oft erwähnt, dass auch dadurch der Rang, den Konwitschny sich durch maßstabsetzende Realisierungen als Wagner-Dirigent erworben hat, nachdrücklich bestätigt wird, zumal es ihm gelang in beiden Gesamtaufnahmen die Elite des Wagner-Gesangs zur damaligen Zeit zum Teil auf dem Höhepunkt ihres Schaffens zu gewinnen.



    "Holländer" und "Tannhäuser" sind sicher vom Dirigenten her hervorragende Aufnahmen. Bemerkenswert ist, dass Konwitschny insbesondere im Tannhäuser einem gewissen Pathos frönt, was auch die Sänger Hopf und Frick tun. Pathos ist ja heutzutage verpönt, ich dagegen mag das, denn die Dramatik des orchestralen Klangteppichs wird dadurch gesteigert. Gesanglich habe ich mit manchen der hier von Konwitschny aufgebotenen Sängern/innen so meine Schwierigkeiten. Fischer-Dieskau und Schech sind gar nicht mein Fall, denn beide singen überhaupt nicht im Körper. Frick, Hopf, Wunderlich und Schock sind dagegen einmalig toll. An dieser Stelle will ich noch erwähnen, dass diese beiden Aufnahmen durchaus nicht die einzelnen Wagner Einspielungen Konwitschnys sind. Bereits im Jahre 1950 hatte er in Leipzig einen sehr beeindruckenden Tristan (mit Tag- und Nacht-Strich) aufgenommen. Das war damals anscheinend die erste Studioeinspielung des Werkes in Deutschland. Hier gelingt Konwitschnys eine derart packende, fulminante und in sich geschlossene musikalische Interpretation, dass man damals sogar darauf verzichtete, einen Fehler der Sängerin der Brangäne im ersten Aufzug zu korrigieren. Man dachte damals wohl, dass der Dirigent dieses hohe Niveau bei einer Wiederholung nicht noch einmal erreichen würde. Auch eine Gesamtaufnahme des Ring gibt es unter Konwitschnys musikalischer Leitung, und zwar eine Liveeinspielung aus Covent Garden, die musikalisch ebenfalls enorm beeindruckend ist. Das sind Zeugnisse von Konwitschnys Schaffen, die einfach nicht außen vor bleiben dürfen, da sie ungemein beeindruckend sind. Die Anschaffung ist sehr zu empfehlen!


    Herzlichst


    Lustein

    Der Daphne-Film mit Wunderlich, King, Frick, Töpper und Woytowicz ist vom sängerischen her sicherlich vom Feinsten. Die beiden Tenöre und Peneios konnte man damals wohl nicht besser besetzen. Und auch das Dirigat von Keilberth ist toll. Die alles andere als gelungene Inszenierung finde ich aber ausgesprochen altacken und extrem langweilig!!!


    Noch einen schönen Sonntag


    Lustein

    Zitat von Otello 50:


    seit einiger Zeit verfolge ich aus der Ferne die Karriere des jungen finnischen Bassisten Mika Kares


    Mika Kares ist einer der vielversprechendsten jungen Bassisten überhaupt: Vor Jahren habe ich ihn bereits als Masetto am Badischen Staatstheater Karlsruhe erlebt. Da erwies er sich mit seinem hervorragend italienisch fokussierten, sonoren und ausdrucksstarken Bass als ein kommender Don Giovanni. Ganz hervorragend war er auch in der vergangenen Saison an der Stuttgarter Staatsoper als Mefistofele in Boitos gleichnamiger Oper. Das war wirklich eine atemberaubende Leistung. Ich denke, Kares wird noch eine ganz große Karriere machen!!!


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zitat von Rheingold 1876:


    Mir ist auf Anhieb keine Aufnahme von Schock bekannt, die es nicht auch alternativ mit anderen Sängern gibt.


    Mir schon: Nämlich die Aufnahme von Künneckes Operette "Die große Sünderin", in der er einen geradezu atemberaubenden Schrenk gibt. Das ist eine seiner besten Operettenaufnahmen, in der er stets voll aussingt und nicht, wie später, bei Höhen-Piani in eine fragwürdige Fistelstimme übergeht, wie er es bei so vielen seiner anderen (Operetten-) Aufnahmen tat, und was absolut nicht sein darf. Das zeugt von einer nicht sonderlich guten Gesangstechnik. Die macht sich auch bei seiner Lohengrin-Einspielung unter Wilhelm Schüchter bemerkbar, in der er oft angestrengt klingt und in der Höhe oft vom Körper weg geht. Aber das habe ich ja oben schon einmal gesagt. Da merkt man: Schon 1953, als die Aufnahme entstand, hatte Schock bereits stimmliche Schwierigkeiten. Mit dem Lohengrin hat er sich übernommen. Sein Stolzing in der Meistersinger-Aufnahme unter Kempe vom 1956 war besser. Und in den 1960er Jahren hat er überhaupt keine guten Aufnahmen mehr abgeliefert.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zu Rudolf Schock hätte ich auch noch einige Sachen zu sagen: Er war sicher ein guter Sänger. Sein Tenor war zu seinen Bestzeiten insgesamt gut fokussiert und hatte ein unverwechselbares Timbre. Er hat einige tolle Opernaufnahmen und viele Operetten-Einspielungen hinterlassen. Toll ist beispielsweise sein Stolzing in der Meistersinger-Aufnahme unter Rudolf Kempe. Das gilt indes nicht in gleichem Maße für seinen Lohengrin auf der CD unter Wilhelm Schüchter. Hier ist er hörbar nicht in Bestform, klingt manchmal etwas angestrengt und geht in der Höhe zeitweilig vom Körper weg. Und auf einigen anderen Aufnahmen wird ein weiteres Manko des Sängers offenkundig, nämlich dass er - das in erster Linie in seinem späten Operetten-, aber auch in manchen seiner Liedaufnahmen - im oberen Stimmbereich oft in die Fistelstimme geht, was absolut nicht sein darf. Das war insbesondere im Herbst seiner Karriere der Fall, an dem ihm voll ausgesungene Spitzentöne nicht mehr möglich waren. Das stellte doch ein erhebliches Manko dar. Wenn man gute CDs von Schock hören möchte, greift man am besten zu Aufnahmen aus den 1950er Jahren. Hier ist er - abgesehen von dem erwähnten Lohengrin unter Schüchter - gut in Form. Viele seiner Opernquerschnitte kann ich durchaus empfehlen.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zitat von Joseph II:


    Wie man auf der einen Seite Wolfgang Windgassen abwerten und auf der anderen Seite ausgerechnet Jess Thomas als Musterbeispiel benennen kann, werde ich auch nicht verstehen. Letzterer ist bekanntlich bereits der Schwachpunkt in der Kempe-Einspielung des "Lohengrin",


    Lieber Joseph,


    wenn Du dieser Meinung über Jess Thomas bist, sei Dir das unbenommen. Aber er hat wenigstens vorbildlich im Körper gesungen, was man von dem arg dünn singenden Windgassen nun wirklich nicht behaupten kann. Ich finde auch nicht, dass Jess Thomas in der Lohengrin-Aufnahme unter Kempe der Schwachpunkt ist. Der absolute Schwachpunkt dieser Einspielung ist vielmehr Dietrich Fischer-Dieskau als Telramund. Mit Fischer-Dieskau habe ich auch erhebliche Probleme. Seine gleich Windgassen überhaupt nicht im Körper sitzende, kopfige, gekünstelte, hochgestellte und vielleicht auch etwas manirierte Stimme gefällt mir überhaupt nicht. Neben Fischer-Dieskau ist der ebenfalls nicht im Körper singende Otto Wiener ein weiterer Schwachpunkt dieser Einspielung. Jess Thomas halte ich jedenfalls mit seinem schönen körperverankerten Gesang nicht für den Schwachpunkt dieser Aufnahme. Die Leistungen von Wolfgang Windgassen in den Bayreuther Lohengrin-Aufnahmen von 1953 und 1960 waren da schon um einiges mäßiger.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zitat von Peter:


    Um Dich besser verstehen zu können, möchte ich gerne wissen, auf welcher Grundlage Du zu Deinem Urteil kommst - durch das Hören von Tondokumenten oder durch Bühnenaufführungen?


    Lieber Peter,


    mein Urteil über Windgassen basiert ausschließlich auf dem Hören von Tondokukumenten. Das reicht aber gänzlich aus, um sich über seine Stimme ein abschließendes Urteil zu bilden. Die CDs, die ich mit Windgassen habe, sind alle von guter Tonqualität. Und da hört man sehr gut, dass er überhaupt nicht im Körper singt und eine vorbildliche italienische Technik gänzlich vermissen lässt. Um das zu hören, muss ich ihn nicht live erlebt haben, was bei mir nicht der Fall ist. Dafür bin ich noch zu jung.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Zitat von Operus:


    Lieber Hansl Hopf verzeih. Ich höre mir dafür oft Deinen Radames, Pedro und Escamillo an


    Lieber Operus,


    kann es sein, dass Dir bei Hans Hopf als Escamillo ein kleiner Irrtum unterlaufen ist? Hopf war ja Tenor und Escamillo in "Carmen" ist eine Baritonpartie. Ich denke, dass Du Hopf in "Carmen" als Don José, der eine Tenorpartie ist, gehört hast. Kann das sein?


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Heute will ich mich noch am Commendatore (Komtur) aus Mozarts Don Giovanni beteiligen. Hier habe ich folgende drei Favoriten:


    1) Martti Talvela (CD unter Böhm), der den stimmkräftigsten, gewaltigsten und imposantesten Commendatore singt, den ich kenne.


    2) Gottlob Frick (CD unter Mitropoulos), der der Partie mit seinem schwarzen, sonoren Bass ebenfalls mächtigen Ausdruck verleiht und - das ist bei Frick selten - die Rolle sogar in der italienischen Originalsprache singt.


    3) Franz Crass (CD unter Klemperer), der die Rolle mit seinem balsamisch schönen, ebenmäßig dahinfliessenden und eine wunderbare italienische Technik aufweisenden Bass ebenfalls prachtvoll bewältigt.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Ich habe lange überlegt, ob ich mich am Thema Windgassen beteiligen soll. Wenn ich es nun doch tue, dann deshalb, weil ich die durchweg positive Euphorie, die diesem Sänger hier zuteil wird, absolut nicht teile und es geboten finde, auch einmal die negativen Aspekte seiner Stimme nachhaltig zu beleuchten. Ich bin überhaupt kein Windgassen-Fan, obwohl meine Tante mit ihm vor etlichen Jahrzehnten eine Otello-Aufnahme gemacht hat. Die Gründe dafür sind mannigfaltig. Windgassen war absolut kein Heldentenor. An solche phantastischen Größen wie beispielsweise Lauritz Melchior, Hans Hopf, Ludwig Suthaus, Ramòn Vinay, Günter Treptow, Jess Thomas, James King oder Spas Wenkoff, die alle über trefflich fokussiertes, fulminantes, baritonal timbriertes Stimmmaterial verfügten und wirklich echte Heldentenöre waren, reichte er nicht im Entferntesten heran. Windgassens Stimme war dünn und eher klein. Er sang überhaupt nicht im Körper. Die Töne gähnte er nicht an, wodurch sich kein vorbildlicher italienischer Stimmfluss einstellen konnte. Das disqualifizierte ihn gerade für den Otello, aber auch in den von ihm so oft gesungenen Wagner-Partien konnte er mich nie überzeugen. Dazu war sein Stimmorgan, wie gesagt, zu flach. Außerdem gefiel er sich darin, sich permanent auf den Konsonanten und Klingern auszuruhen, womit zwar eine hervorragende Textverständlichkeit einherging, was aber vom gesanglichen Standpunkt aus äußerst fraglich und eine Unsitte ohnegleichen war. Indes gibt es zwei Aufnahmen, in denen er von dieser seiner Sparmethode Abstand nahm: "Siegfried" und "Götterdämmerung" unter Georg Solti. Der geniale Maestro ließ sich diese fragwürdige Gesangsart nicht bieten und Gottlob Frick und Birgit Nilsson hatten einiges zu tun, um Windgassen diese Unart - zumindest für diese beiden Solti-Einspielungen - auszutreiben. Insgesamt blieb aber alles beim Alten. Nach den Solti-Aufnahmen kehrte Windgassen ganz schnell zu dieser seiner Unsitte zurück. Auf den erwähnten Aufnahmen ist zu konstatieren, dass Windgassen, der diese freie, offene Art des Singens, die viel mehr Kraft erfordert, nicht gewöhnt war, etwas angestrengt klingt. Wenn er auf diese Art und Weise alle seine zahlreichen Wagner-Abende bestritten hätte, wäre seine Stimme ganz schnell überfordert worden und kaputt gegangen. Daran habe ich keinen Zweifel. Windgassen war schon einer der am meisten überschätzten Sänger seiner Generation und heutige Sänger sollten sich an ihm kein Beispiel nehmen. Das könnte für sie gefährlich werden. So viel also zu den Gründen, warum ich Windgassen ablehne.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Und noch eine Rolle aus Strauss' Zigeunerbaron will ich heute noch ins Spiel einbringen, und zwar die der Saffi. Hier bevorzuge ich drei Sängerinnen:


    1) Katja Bördner (live erlebt in Pforzheim).


    2) Tonje Haugland (live erlebt in Pforzheim).


    3) Gertraud Hopf (CD unter Robert Stolz).


    Am liebsten ist mir hier Katja Bördner, die die Saffi in Pforzheim mit wunderbar italienisch fokussiertem, kraftvollem und farbenreichem Sopran hervorragend sang. Am selben Ort überzeugte Tonje Haugland in der Partie mit ebenfalls gut im Körper sitzendem, ausdrucksstarkem Sopran. Von den historischen Rollenvertreterinnen ist mit die profund und emotional singende Gertraud Hopf auf der CD die liebste.


    Herzlichst


    Lustein

    Noch eine neue Rolle möchte ich heute ins Spiel einbringen, und zwar die des Barinkay aus Strauß' Zigeunerbaron. Hier habe ich zwei Favoriten:


    1) Hans Hopf (CD unter Robert Stolz).


    2) Nicolai Gedda (CD unter Franz Allers).


    Meisterhaft singt Hans Hopf den Barinkay, dem er mit seinem prächtig fokussierten, baritonal timbrierten und sehr fulminanten Tenor einen ausgesprochen heldischen Anspruch gibt. Nicolai Gedda nähert sich der Partie von der lyrischen Seite her, singt aber ebenfalls mit gut im Körper sitzendem, ausdrucksstarkem Tenor.


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Und noch eine neue Rolle aus Millöckers Bettelstudent will ich heute noch ins Spiel einbringen: Die der Laura. Hier kann ich zwei Sängerinnen nennen, die die Partie mit wunderbar italienisch fokussierten, warmen und farbenreichen Stimmen hervorragend sangen:


    1) Sandra Moon (live erlebt in Karlsruhe).


    2) Marianne Kienbaum (live erlebt in Karlsruhe).


    Herzliche Grüße


    Lustein

    Sehe gerade, dass es heute erlaubt ist, mehrere neue Rollen einzubringen. Deshalb bringe ich als weitere neue Partie die des Ollendorf aus Millöckers "Der Bettelstudent" in Spiel ein. Hier habe ich drei Favoriten, die der Rolle mit gut fokussierten, sonoren und die Komik der Partie perfekt auslotenden Stimmen mehr als gerecht werden:


    1) Hermann Prey (CD unter Franz Allers).


    2) Tero Hannula (live erlebt in Karlsruhe).


    3) Edward Gauntt (live erlebt in Karlsruhe).


    Herzlichst


    Lustein