Beiträge von Orfeo

    Gerade eben stieß ich auf den Thread

    Das geächtete 19. Jahrhundert (?)

    Der Thread wurde gestartet am 28. Oktober 2004. Hat sich was geändert im Laufe der letzten Jahre? Ich denke schon, denn einige Opern aus der Zeit nach 1830 sind auch im deutschsprachigen Raum wieder häufiger in den Spielplänen zu finden.

    ...... generell werden Werke, die das Lebensgefühl bzw. den Geschmack des 19, Jahrhunderts in irgend einer Form widerspiegeln, heute links liegen gelassen. ..

    .. Auch nicht besser schaut im Bereich französische Oper aus:

    Adams Postillion von Lonjumeau, wer kennt ihn noch ?
    Auber? Der war doch schon zu Lebzeiten verschrien. Zu volkstümlich.
    Also Meyerbeer . Meyer--was ? Was hat der denn geschrieben ?
    Gounod- lieber nicht.

    Beispiele aus Frankreich

    Les Huguenots 1832-1836

    La Juive 1835

    Le Prophète 1838-1840

    Les Troyens 1857-1856

    Hamlet 1868

    Samson et Dalila 1872-1877

    Les Contes d'Hoffmann 1871

    Werther 1885


    Zitat

    aus Wikipedia

    '.... recent successful productions of the opera at relatively small centres such as Metz (2004) show that this conventional wisdom can be challenged. Since then, there have been highly successful new productions of Les Huguenots at major opera houses in France, Belgium, Germany and Switzerland. Performances of Les Huguenots are no longer rare in Europe.

    Es tut sich also was auf Europas Bühnen.





    Mythos Troja. Ein Pasticcio


    Prolog

    Man könnte sagen, dass Schuld an allem ein Zickenkrieg war unter drei Damen im Olymp: Hera, Pallas Athene und Aphrodite, die sich nicht einigen können, wer von ihnen die Schönste sei. Schließlich bestellen sie Paris, den attraktiven Sohn des trojanischen Königs Priamos, zum Schiedsrichter. Der allerdings erweist sich als bestechlich. Hera verspricht ihm Macht, Pallas Athene stellt ihm eine glänzende Karriere als Feldherr in Aussicht. Aber Paris überreicht den goldenen Apfel der Liebesgöttin Aphrodite, nicht weil er sie für die Schönste hält, sondern weil sie ihn mit dem Versprechen auf höchste Sinnenfreuden mit der schönsten Frau der Welt lockt.


    Paris segelt also gen Sparta, um dort die schöne Helena, Ehefrau des Spartaner-Königs Menelaos zu entführen.

    Hier nun setzt Glucks Oper über Paris und Helena ein. Um die Oper im sittenstrengen Wien der Kaiserin Maria Theresia auf die Bühne bringen zu können, mussten Gluck und sein Librettist alle allzu drastischen Momente der Geschichte abmildern. Insbesondere durfte Helena nicht als Ehefrau, sondern nur als Verlobte des Menelaos dargestellt werden, denn Ehebruch, ohne dass die Strafe auf dem Fuß folgt, wäre der Zensur zum Opfer gefallen.

    Am Ende dann, nach vier langen Akten der Brautwerbung, besteigen Paris und Helena das Schiff und segeln gen Troja.


    Handlung

    Die Verärgerung des Menelaos ist verständlich. Er berät sich mit seinem Bruder Agammemnon, und die beiden rufen die verbündeten Griechen zum Rachefeldzug gegen Troja auf. Die Griechen sammeln sich zur Abreise in der Hafenstadt Aulis und warten auf günstige Winde für die Überfahrt nach Kleinasien. Doch die Götter und einige Göttinen sind dem Unternehmen nicht wohl gesonnen, denn Agammemnon hat ausversehentlich die weiße Hirschkuh der Jagdgöttin Artemis erlegt, und nun verlangt diese Wiedergutmachung. Der Feldherr soll seine Tochter Iphigenie opfern, erst dann werden sich das Meer und die Winde wieder beruhigen.


    Agammemnon ist anfangs entsetzt, beugt sich aber der Forderung. Mutter Klytemnästra tobt, Achill will seine Braut retten, aber Iphigenie ist bereit, sich opfern zu lassen. Artemis verzichtet großmütig auf das Blutopfer. Wind kommt auf, und der Kriegszug gegen Troja kann beginnen. Iphigenie begegnet den Opernfreunden dann später wieder als Priesterin bei den Taurern.


    Der Krieg beginnt, und bei den Trojanern werden bsld Stimmen laut, man solle die schöne Helena wieder nach Sparta zurückschicken. Selbst Hektor, der Bruder des Paris, ist dieser Ansicht, woraufhin zusätzlich zum Krieg um die Stadt im Königspalast ein Streit innerhalb der Familie ausgetragen wird. Bei dem zeitgenössischen englischen Komponisten Michael Tippett hört sich das dann so an:


    Nach zehn Jahren Krieg belagern die Griechen Troja immer noch und viele der großen Helden sind mittlerweile tot: Patroklos, der Freund des Achilleus wurde von Hektor erschlagen, Hektor selbst fiel im Kampf mit Achill, Paris wiederum rächte den Tod seines Bruders und durchbohrte Achilleus mit einem Giftpfeil die Ferse. Ajax, der Kampfgefährte des Odysseus, verfiel dem Wahnsinn und stürzte sich in sein Schwert. Und Paris schließlich wurde während eines Ausfalls gegen die Griechen getötet. Ein Ende ist auch nach diesen zehn Jahren nicht abzusehen, bis eines Tages ein riesiges hölzernes Pferd am Meeresufer steht und weit und breit kein Grieche mehr zu sehen ist. Die Warnungen der Seherin Kassandra verhallen ungehört. Im Triumpfzug wird das Pferd in die Stadt gezogen.


    Das Pferd ist eine Falle. Die Griechen hatten sich nur hinter eine Landzunge zurückgezogen, und im Bauch des hölzernen Monstrums hatten sich Odysseus und seine Leute versteckt, die nun, im Dunkel der Nacht die Tore der Stadt öffneten. Niemand sollte dem Gemetzel entkommen. Nur einem glückte die Flucht: mit seinem Vater auf dem Rücken verließ Äneas die brennende Stadt. Nach langen Irrfahrten gelangte er an die Küste Karthagos, dem Reich der Königin Dido. Die beiden verlieben sich, doch am Ende obsiegt sein Pflichtbewußtsein: Äneas nimmt Abschied und besteigt sein Schiff, während Dido ihr Leben beendet.


    Epilog

    Der Trojanische Krieg ist zwar zu Ende, aber die Geschichte geht noch weiter. Die Griechen nämlich, die zehn Jahre lang die Gunst der Götter auf ihrer Seite hatten, haben den Olymp jetzt gegen sich. Agammemnon, Odysseus und andere Gefährten werden wegen Schändung der trojanischen Tempel bestraft. Am schlimmsten trifft es Agammemnon, der, als er nach Hause zurückkehrt, vom Liebhaber seiner Ehefrau erschlagen wird. Es ist der Beginn einer Familientragödie, die sich noch über mehrere Generationen hinzieht.


    Odysseus hat mehr Glück, auch wenn er zwanzig Jahre über das Mittelmeer irrt und nicht nach Hause findet. Die Irrfahrten führen ihn zum einäugigen Riesen Polyphem, seine Gefährten werden von der Zauberin Circe in Schweine verwandelt, er widersteht dem Gesang der Sirenen, und lebt dann sieben Jahre lang mit der Nymphe Kalypso zusammen. Schließlich kann er nach vielen Jahren in seiner Heimat Ithaka an Land gehen. Als Bettler verkleidet betritt er seinen Palast und kann gerade noch rechtzeitig unerkannt die Werber um seine Gattin Penelope ausschalten. Erst dann gibt er sich ihr zu erkennen.

    Ich habe nur erklärt, warum sich das RT hält: Weil die Gegner zu alt sind und daher nicht mehr die Kraft haben, etwas zu ändern.

    ....

    Welche Personen sind eigentlichen verantwortlich für die aktuelle Situation an den Theatern? .....

    Ich kenne die einzelnen Protagonisten nicht.

    Intendanten, die wegen ihres aktuellen Alters von 50+ angeblich nichts mehr bewegen können, weder pro noch contra RT. Aber sie bestimmen weiterhin die Spielpläne:


    Bachler, München 72

    Gelb, New York 70

    Homoki, Zürich 62

    Mulders, Köln 61

    Roščić, Wien 59

    Kuntze, Altenburg-Gera 57


    Alter der Besucher von Opernhäusern laut Statistik

    https://www.kulturmanagement.n…egen%20mit%2013%25%20bzw.

    53 % über 50 Jahre. Dazu gehöre ich, natürlich ohne die nötige Kraft für Änderungen. Das macht aber nichts, denn ich bin sehr zufrieden mit dem Angebot an Inszenierungen, auch mit RT. Traditionelle Inszenierungen sind nicht so mein Ding.


    47 % unter 50 Jahre, also immerhin knapp die Hälfte der Besucher. Können oder wollen die nichts bewegen?


    Von der namenlosen Tochter zur "Femme Fatale"


    SALOME


    Erstmals erwähnt wurde die Tochter der Herodias ohne ihren Namen zu nennen in zwei Evangelien in den Abschnitten über "Das Ende Johannes des Täufers" , in Matthäus 14,6-11 und Markus 6,22 -28


    Aus der Verbindung der Herodias mit Herodes Boethos, nicht zu verwechseln mit ihrem zweiten Eheman Herodes Antipas, ging eine Tochter (* um 8 n. Chr.) hervor, die durch Eheschließung später (ab 54 n. Chr.) Königin in Kleinarmenien wurde.

    Der Mönch Isidor von Pelusium benennt die Tochter der Herodias gegen Anfang des 5. Jahrhunderts dann in einem Brief erstmals konkret mit dem Namen Salome.

    Ihre Spur verliert sich für die nächsten Jahrunderte im Dunkel von allgemeinem Desinteresse an ihrer Persönlichkeit und in Legenden. Dazu "The Legend of Salome: And the Principle of Art for Art's Sake" von Helen Grace Zagona, 1960.


    Erst ab Mitte des 15. Jahrhunderts wurde Salome zu einem für Künstler interessanten Thema, zuerst durch den Maler Benozzo Gozzoli (Tanz der Salome, um 1461), später u.a. auch Tizian, von Stuck und vor allem Aubrey Beardsley, desen Illustrationen zu Oscar Wildes "Salome" unsere Vorstellung der Person Salomes bis heute entscheidend prägten.

    Datei:Beardsley apotheose.jpg – Wikipedia


    In der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts wurde Salome zur Ikone eines neuen Frauenbildes, einer femme fatale der Décadenceliteratur und zur schillernden Verkörperung neuer Optionen der weiblichen Identität.


    Literarisch wurde der Salome-Stoff seitdem mehrmals verarbeitet, z.B. durch Gustave Flauberts "Hérodias", 1877; Jules Laforgues "Salomé" in "Moralités légendaires", 1877; Stéphane Mallarmés "Hérodiade" und seine "Scène de Hérodiade"; Oscar Wildes "Salomé", 1891; Eugenio de Castros "Salomé", 1896


    In die Musik fand Salome Eingang durch:

    Alessandro Stradella – San Giovanni Battista, Rom 1675

    Johann Joseph Fux – La fede sacrilega nella morte del Precursor S. Giovanni Battista, Wien 1714

    Jules Massenet – Oper Hérodiade, Brüssel 1881

    Richard Strauss – Oper Salome, Dresden 1905

    Antoine Mariotte – Oper Salomé, Lyon 1908.


    Bekannt sind heute vor allem die Opern von Massenet und Richard Strauss.


    Massenets Oper basiert auf der Geschichte von Gustave Flaubert und das Libretto wurde von Paul Milliet und Henri Grémont verfasst. Hérodiade (Herodias) fordert ihren Mann Hérode (Herodes) auf, Jean (Johannes der Täufer) hinrichten zulassen, da er schlecht über sie geredet habe. Herodias hatte in früheren Jahren ihr Kind Salomé verlassen um Herodes Antipas zu folgen. Sie sieht in der ihr inzwischen erwachsenen Salome, welche in Herodiade nicht die Mutter wiedererkennt, eine Rivalin um die Zuneigung ihres Gatten, der die junge Frau begehrt Salome liebt aber den Propheten Jean. Im Gegensatz zur Strauss-Oper wird diese Liebe auch von Jean schlußendlich erwidert. Salomé bittet bei Hérodiade um Gnade für den Propheten, was diese jedoch ablehnt. In ihrer Wut will Salome Hérodiade umbringen. Als sie dann in ihr die Mutter erkennt, von der sie als Kind verlassen wurde, tötet sie sich selbst.


    Die Novelle von Flaubert war auch die Vorlage für das Drama von Oscar Wilde.

    Wilde verfasste seinen Text 1891 ursprünglich in französischer Sprache (Zitat aus einem Brief an Goncourt: „Français de sympathie, je suis Irlandais de race, et les Anglais m’ont condamné á parler le langage de Shakespeare“) Erst drei Jahre später erfolgte ein Übersetzung ins Englische. 1896 fand in Paris die Uraufführung mit Sarah Bernhardt in der Titelrolle statt. Das Stück sorgte in England für einen Skandal und wurde zeitweise verboten, erst 1931 gab es die englische Erstaufführung.


    Der Wiener Dichter Anton Lindner Anton Lindner machte Richard Strauss 1901 den Vorschlag, aus Wildes Drama ein Libretto zu erstellen. Strauss entschloss sich, das Libretto selbst zu gestalten. Dabei griff er auf die Übersetzung der Salomé aus dem Französischen von Hedwig Lachmann von 1903 zurück. Er ließ den Wortlaut weitgehend unverändert, nahm jedoch zahlreiche musikalisch-dramaturgisch bedingte Kürzungen und Umstellungen vor.

    Das Libretto der Oper ist hauptsächlich eine Textvorlage, es gibt nur eine kurze Anweisung zum Bühnenbild, zu den Personen und zum Handlungsablauf gibt es nur ganz selten Angaben. Daher ist es möglich, die Figuren der Oper ziemlich frei zu gestalten: Salome ist übrigens nicht als junges Mädchen charakterisiert (oft wird verlangt, sie müsse eine 14-16jährige darstellen, obwohl das von Strauss an keiner Stelle verlangt wird und die historische Salome zum Zeitpunkt der Enthauptung Johannes des Täufers zwischen 22 und 28 Jahren alt gewesen sein muss, nur 16 Jahre jünger als ihre Mutter. Im Gesangstext hingegen gibt es Hinweise zur Gestaltung, wie die mehrfache Erwähnung des Mondes, die Beschreibung der Haare und des Körpers des Jochanaan.


    Am 5. Juli 1905, kurz nach Vollendung der Salome Partitur und noch vor der Uraufführung teilte Strauss seinem Verleger Adolf Fürstner brieflich mit, dass er persönlich eine französische Fassung seiner neuen Komposition erstellen wolle. Seine Bearbeitung werde die vorhandene Orchestrierung beibehalten, iedoch die Gesangslinie so verändern, dass sie zum französischem Originaltext Wildes passe. Am selben Tag schickte Strauss einen Brief an seinen Freund Romain Rolland, in dem er ihn um Hilfe bei dem Projekt bat und seine Vorstellungen erläuterte. Ich kann diese Arbeit keinem Übersetzer anvertrauen, sondern möchte gern Wildes Origineltext erhalten und die Phrasierung der Musik dem französischen Text anpassen...“


    In den folgenden Monaten kam es zu einem lebhalten Briefwechsel zwischen Strauss und Rolland, in dessen Verlauf Strauss eine Vielzahl von Gründen dafür angibt, warum er dieses schwierige und zeitraubende Projekt auf sich nehme. Er hatte das eher unrealistische Beürfnis, zu beweisen, dass eine Oper zur Aufführung in einer anderen Sprache immer nur vom Komponisten selbst bearbeitet werden sollte. Es muß eine richtige französische Oper werden, keine Übersetzung“. Strauss vollendete im September 1905 seine französische Version, die 1907 in Paris und Brüssel aufgeführt wurde. Danach wurde es stiil um die französische Salomé. 1909 stimmte er einer „nouvelle édition“ zu. Diese bearbeitete eine freie Rückübersetzung des Textes von Hedwig Lachmann ins Französische, damit sie wieder zur Gesangspartitur der deutschen Urfassung passte.


    Zwischen 1902 und 1906 arbeitete Antoine Mariotte in Frankreich an einer Salome-Komposition, ebenfalls basierend auf Oscar Wildes Drama. Erst nachdem die Komposition beinahe abgeschlossen war, erfuhr Mariotte von Strauss’ zeitgleich entstandener Oper. Im Januar 1906 bat Mariotte Wildes Nachlassverwalter Charles Russell um die Aufführungsrechte, die allerdings unerschwinglich teuer waren. Im Frühling 1906 erfuhr Mariotte, dass Strauss’ Verleger Adolph Fürstner inzwischen die Exklusivrechte an dem Libretto erworben hatte. Nach der Uraufführung von Strauss’ Salome beschloss Mariotte, sich direkt an Strauss zu wenden. Er erklärte ihm die Lage und bat ihn um eine Genehmigung für seine eigene Oper. Strauss gestattete Ende Mai eine beliebige Anzahl von Aufführungen, woraufhin Mariotte sein Werk an der Opéra de Lyon unterbringen konnte. Im September untersagte Fürstner jedoch die Lyoner Aufführungen. Erst am 26. November lenkte Fürstner ein und gestattete die nun für den Herbst 1908 angesetzte Produktion in Lyon – allerdings unter der Bedingung, dass Strauss 40 Prozent der Einkünfte und Fürstner selbst weitere 10 Prozent erhalten sollte. Außerdem sollte Mariotte nach Abschluss der Aufführungsreihe das gesamte Aufführungsmaterial zur Vernichtung abliefern. Mariotte willigte ein. Unter den Namen „Le Cas Strauss-Mariotte“ oder „L’Affaire Salomé“ ging der Konflikt, der dem Ansehen Strauss‘ in Frankreich sehr geschadet hatte, in die Musikgeschichte ein. 1910 und als Wiederaufnahme 1911 wurde Mariottes Salomé auch in Paris gespielt. 1919 gab es eine Neuinszenierung mit Wiederaufnahme 1920. 2005 war die deutsche Erstaufführung in Neustrelitz.


    Heinrich Heine: „Salome liebte Johannes den Täufer. Es ist nicht anders zu erklären. Welche Frau will den Kopf eines Mannes, den sie nicht liebt.“

    Bedeutet relevant unbedingt, dass man die Opern auch in 50 oder 100 Jahren noch spielen wird?

    Dass die Opern von Reimann, Benjamin, Eötvös und anderen Zeitgenossen dann noch auf den Spielplänen stehen werden bezweifel ich sehr. Relevant für die Gegenwart dürften auf jeden Fall folgende Opern sein


    Nico Muhlys Oper Two Boys von 2011 ist eine warnende Geschichte über die dunkle Seite des Internets.


    Andrea Molinos Oper Three Miles Island von 2012 handelt vom Ausfall und dem radioaktiven Leck in einem Kernkraftwerk in Pennsylvania.


    Daniel Bjarnasons Oper Brothers aus dem Jahr 2017 bietet einen Einblick in den posttraumatischen Stress eines heimkehrenden Soldaten aus Afghanistan.

    Der Witz ist der, dass neue Musik und neue Opern alte Musik und alte Opern sind.

    Das verstehe wer kann. ich halte dagegen mit


    Peter Eötvös


    Tri sestri, nach Anton Tschechows Drama Drei Schwestern.

    1998 Lyon UA, danach Düsseldorf, diverse Spielstätten der "Nationale Reisopera", Budapest, Hamburg, Freiburg. Zagreb, Edinburgh, Paris, Brüssel und 12 weitere Inszenierungen


    Angels in America

    2004 Paris UA, danach Hamburg, Amsterdam, Boston, London, Wroclaw, New York


    Lady Sarashina nach dem Tagebuch einer japanischen Hofdame aus dem 11. Jahrhundert.

    2008 Lyon UA, danach Paris, Budapest, Wien Lissabon


    Einen Führer zu den Bühnenwerken von Peter Eötvös gibt es hier

    Wirklich bemerkenswert ist, dass Dr. Holger Kaletha sich in seinen ca. 140 Beiträgen im noch jungen Jahr 2023 allein weit über einhundertmal in diesem Thread zu Wort meldet ohne zu merken, dass nur noch wenige Leser sich für seine durchschnittlich fünfmal täglich veröffentlichte Meinung und Argumente interessieren. Wären wir im Theater, müsste das Haus weitere Vorstellungen mangels Nachfrage des Publikums absagen. Da zeigt sich jedoch eine Gemeinsamkeit mit dem Regisseuren des "Regietheaters", denen angeblich die Meinung des Publikums auch schnurzpiepegal ist.

    Die Staatsministerin für Kultur und Medien veröffentlicht Folgendes:

    Die Kunst- und Kulturförderung ist nach dem Grundgesetz in Deutschland in erster Linie Sache der Länder und Gemeinden. Der Bund übernimmt mit rund 2,3 Milliarden Euro 17 Prozent der Gesamtausgaben für Kunst und Kultur. Er ist dabei für kulturelle Einrichtungen und Projekte von nationaler Bedeutung zuständig. Dadurch trägt er dazu bei, unser kulturelles Erbes zu erhalten und sorgt mit dafür, dass sich Kunst und Kultur entfalten können.


    Ein Taschenrechner hilft bei der Rechnung:

    17 % übernimmt der Bund = 2,3 Mrd. €.

    Dann sind 100% (Bund, Länder, Gemeinden) = 13,53 Mrd. €.

    für Theater und Musik werden 31,4% dieser Summe ausgegeben,

    also ca. 4,25 Mrd. € Subventionen jährlich für Theater und Oper in Deutschland

    Bei etwas nmehr als 20 Mio. Besuchern p.a. ist der Subventionsbetrag von 210,- € also realistisch.

    Wisst ihr eigentlich, was euer Hauptproblem ist: Ihr könnt euch nicht damit abfinden, dass ihr alt seid und bald sterben werdet

    ....... Danach kann man das Niveau noch halten, aber zu grundlegenden Umschwüngen ist man nicht mehr fähig.

    Manche sind ha LPlt schon mit 58 Jahren alte Knacker.

    Ich bin jetzt Mitte 70 und entdecke immer noch Neues: Calixto Bieito, Olivier Py habe ich erst vor wenigen Jahren kennen und schätzen gelernt und Christof Loys Inszenierungen gefallen mir (meistens) seit 30 Jahren.

    Ich befinde mich da in guter Gesellschaft. Sogar die Chefredakteurin von "Der neue Merker", Sieglinde Pfabigan - sicher eher dem traditionellen Flügel zugehörig und auch nicht die Jüngstel, lobte in der Ausgabe vom Juni 2022 Koskys "Falstaff" in Berlin: "Bitte lesen Sie als Beispiele für werkgerechte Inszenierungen mit exzellenten Sängern: Innsbruck: „Die Passagierin“, Berlin: „Falstsaff“, Dresden: „Elektra“, „Rusalka“, Meiningen: „Santa Chiara“, „Lohengrin“, Wiesbaden: „Don Carlo“.


    Also weiterhin viel Spaß bei deinem persönlichen körperlichen und mentalen Abbau.

    Die Streaming- und On-Demand-Plattform des Teatro alla Scala heißt LaScala.tv

    Erste Inhalte werden ab 9. Februar veröffentlich, erster Live-Stream am 14. Februar

    https://www.milanotoday.it/att…aming-opera-balletto.html


    Vom 4. bis 26. März 2023, anlässlich des 100. Geburtstags von Franco Zeffirelli präsentiert die Mailänder Scala erneut ihre klassische Inszenierung von La Bohème mit Freddie de Tommaso, Marina Rebeka, Irina Lungo. Wahrscheinlich wird das übertragen.

    https://www.teatroallascala.or…2023/opera/la-boheme.html

    Weiß jemand Rat, wie ich den Link zu dieser "Verkauften Braut" in Gang setzen kann? Er springt nicht an. :(

    Für diese Notfälle gibt es zum Glück die Chinesen. Also einfach mal alle Hemmungen und Vorurteile vergessen und hier klicken


    https://b23.tv/hVngrPT


    2022.11.26 斯美塔那歌剧《被出卖的新娘》奥地利格拉茨歌剧院|Die verkaufte Braut|Bedřich Smetana

    .... nicht nur das, sondern die Inszenierung spielt zeitlich in den 1970er Jahren, also fast in der Gegenwart.

    Um Mißverständnisse auszuschließen, ich kenne weder die Steiermark noch Böhmen und ich kann mir vorstellen, dass ich kein Problem damit hätte, die Handlung der Oper zu verstehen, egal ob sie 100 Jahre früher oder später spielt.

    Der oben zitierte Satz ist kein Zeichen von Empörung meinerseits.

    Zitat

    ...inszeniert von Adriana Altaras, die den Schauplatz in die Steiermark versetzt hat.

    .... nicht nur das, sondern die Inszenierung spielt zeitlich in den 1970er Jahren, also fast in der Gegenwart.

    ... Beide Inszenierungen folgten dem Grundsatz des Meisters "Kinder, schafft Neues!"

    "Kinder, macht Neues! Neues! und abermals Neues! - hängt Ihr Euch ans Alte, so hat euch der Teufel der Inproduktivität, und Ihr seid die traurigsten Künstler!"

    Diese Forderung Richard Wagners in einem Brief vom 8. September 1852 an Franz Liszt bezieht sich nicht auf Aufführungen und Regie von Opern, sondern sie richtet sich gegen Berlioz' und Raffs Praxis der Neubearbeitungen eigener Werke und wurde immer wieder missbraucht, um neue Wege der Opernregie zu legitimieren.


    https://katalog.slub-dresden.de/id/0-747741794

    Ich habe von der Existenz dieses Forums bis zu diesem Thread überhaupt nichts gewusst... :untertauch:

    Du hast auch nichts verpasst. Der Stammgast des Opernhauses in Liberec z.B. recycelt dort einfach seine alten Tamino-Beiträge, G. W. postet seinen Einheitstext über Verunstaltungstheater und Willi erinnert unverändert mittels copy&paste an jeden Jahrestag.

    Die Zahl der spielenden Mitglieder scheint dort aber sehr begrenzt zu sein.

    Ein schöner Euphemismus.

    Ich finde es nicht fair, über ehemalige Taminos in dieser Weise herzuziehen, wenn sie hier nicht antworten können.

    Die Herren haben dieses Forum freiwillig verlassen und teilen jetzt im gleichen Stil wie früher hier ihre unveränderte Meinung allen "Freunden der Oper und des Gesangs" in einem anderen "diskussionsfreudigen und meinungsbildenden" Forum mit. Die Resonanz dort hält sich aber wegen der niedrigen Mitgliederzahl in Grenzen.

    Wieso ist es unfair, dass sie hier nicht mehr antworten können? Die Abwanderung war doch ihre eigene Entscheidung.