Beiträge von udohasso

    Wer sich mit dieser hinreißenden Musikgruppe beschäftigen möchte, dem sei die Dokumentation von Eberhard Fechner aus dem Jahr 1977 empfohlen:



    - leider scheint der zweite Teil im Moment nicht greifbar.


    Fechner gelang so etwas wie ein "imaginäres Gespräch" zwischen den damals noch lebenden Mitgliedern der 'Comedian Harmonists' und Nachfahren der schon Gestorbenen. Er führte lange Interviews, die er genial zusammen schnitt. Es entstand daraus, auch dank klug gewähltem Film- und Fotomaterial, ein liebevolles Portrait des Ensemble und seiner Mitglieder einerseits. Auf der anderen Seite gleichzeitig ein bewegendes, oft beklemmendes Zeitdokument.


    Ein Film, voll von atemberaubenden Momenten. Für meinen Geschmack dem außerordentlich erfolgreichen Vilsmaier-Spielfilm weit überlegen. Wobei ich damit, zugegeben, Äpfel mit Birnen vergleiche.

    Ein bemerkenswerter Konzertmitschnitt, anlässlich dreier Geburtstage: Beethoven (200 Jahre), dem des Orchesters (400), und dem von Lenin (100).


    Mit einer Uraufführung, der Orchestermusik Nr. 3 'Lenin' von Paul Dessau, und den Variationen für Orchester von Arnold Schönberg erstaunlich viel zeitgenössische Musik auf dem Programm.


    René Leibowitz am Pult der Staatskapelle, vermutlich eines seiner letzten Konzert in Berlin.


    Noch ist der Mitschnitt auf Deutschlandfunk Kulur verfügbar:


    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=500472

    Der erste Tenor meines Lebens ist tot, und ich sehr betroffen. In seinem ersten Engagement, am damaligen "Städtebundtheater Hof", sang Mario Brell in seiner zweiten Spielzeit den Linkerton (so hieß das damals) in Puccinis "Butterfly". Mein erster Opernbesuch, im blühenden Alter von knapp 17 Jahren.


    Auf der Freilichtbühne des Augsburger Theaters begegnete er mir wieder, als Einspringer sang Mario Brell den Herzog in "Eine Nacht in Venedig". Zusammen mit einem weiteren Gast, dem Tenor Hermann Nocker, der ebenfalls seine Bühnenkarriere in Hof begann. Einige Jahre war die Operette Domäne von Mario Brell, er außerdem ein gefragter Einspringer, landauf, landab.


    In Düsseldorf erlebte ich ihn, Jahre später, in der Titelrolle von "Fra Diavolo", in alter stimmlicher Frische. In seinen Fünfzigern las ich in der Operwelt von einem 1. Geharnischten in der "Zauberlföte" und dachte, Mario Brell zieht sich auf das Altenteil zurück. Weit gefehlt, Brell startete eine Spätkarriere im schweren Fach. Von den großen Wagner-Rollen blieb ihm nur der "Tristan" verwehrt - tragisch, dass den Sänger in den Endproben für dieses Werk ein Herzschlag ereilte. Von dem sich Mario Brell erholte und weiter sang, ein echtes "Theaterpferd" eben, jetzt im Charakterfach.


    Mario Brell und ich kamen, in dessen späten Jahren, über einen Bühnenkollegen persönlich in Kontakt. Deshalb kenne ich seinen Zwerg in der Zemliinky-Oper zumindest von einem privaten Mitschnitt aus Kiel, den er mir zukommen ließ. Leider bekam ich nie ein Tondokument seines viel gerühmten "Lohengrin" zu hören


    Ich werde diesem Ausnahmekünstler mein ehrendes Andenken bewahren.

    Zur Beantwortung der eingangs gestellten Frage "Was wird bleiben?" hilft ein Blick auf diese Seite:


    https://www.hans-werner-henze-stiftung.de/home/


    Eine Produktion der Wiener Staatsoper des Musikdrama "Das verratene Meer" ist angekündigt, Graz bringt das Undine-Ballett auf die Bühne, ein kleines Haus wie Pforzheim zeigt "Das Wundertheater" - alles Aufführungen in der Saison 2021/22. Dutzende Werke sind für den Konzertsaal angekündigt, und das Verzeichnis der Stiftung ist sicher nicht lückenlos.


    Die Veröffentlichung eines Mitschnitts der Aufführung des Oratorium "Das Floß der Medusa" unter Peter Eötvös auf dem Label SWR Classic scheint mir erwähnenswert




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    Das Theater Hof präsentiert die Oper 'Der Prozess' des US-amerikanischen Komponisten Philip Glass aus dem Jahre 2014 als deutschprachige Erstaufführung. Die Hofer Fassung erstellten gemeinsam der musikalische Leiter der Produktion, Clemens Mohr, und der Regisseur Lothar Krause. Clemens Mohr zeichnet auch für die orchestrale 'Pandemieversion' verantwortlich: einfach besetzte Streicher, Holz- und Blechbläser, Flügel und reichlich Schlagwerk. Der englische Text von Christopher Hampton wurde soweit wie möglich auf den Roman zurück geführt. Eine rundum überzeugende Werkfassung.


    Das gilt auch für die musikalische und szenische Umsetzung. Clemens Mohr gelingt es, flächigen Klang und Motorik im Gleichgewicht zu halten, begleitet und stützt sorgfältig die Sänger. Das Ensemble aus Stefanie Rhaue, Yvonne Prentki, Inga Lisa Lehr, Markus Gruber, Marian Müller, Igor Storozhenko und Minseok Kim bewältigt die Anforderungen der bis zu vier verschiedenen Rollen mit Bravour. Grandios Karsten Jesgarz in der Rolle des 'Josef K' - für seine Leistung vom Publikum zurecht bejubelt. Zwei Stunden steht er ununterbrochen auf der Bühne, gestaltet die Figur eindringlich und singt vorbildlich textverständlich. Keine Stimme für den Connaisseur, in Rollen wie dem Herodes in der 'Salome' oder des 'Loge' im Rheingold bestens aufgehoben. Partien, die der Sänger in seinen stolzen 25 Jahren am Theater Hof eindrucksvoll auf die Bühne brachte. Mit dem 'Joseph K' fügt der Charaktertenor Karsten Jesgarz eine weitere Glanzleistung hinzu.


    Die Regiearbeit von Lothar Krause und die Ausstattung von Annette Mahlendorf überzeugen rumdum. Weiß-grau-schwarz streng durchgehalten, durchsetzt mit roten Signalelementen, so stringent wie die Führung der gespenstischen Figuren auf der Drehbühne, die nicht zur Ruhe kommt. Josef K im braunen Allerweltsanzug, in der Schlußszene legt auch er Schwarz an. Konzentrierte, sorgfältige szenische Umsetzung, ohne Mätzchen.


    Am 17. und 18. Juli ist die Produktion kostenlos zu sehen auf


    http://www.youtube.com/TheaterHofTrailer






    Auf br-klassik.de ist zu lesen:


    Themen am 18.04.:


    • "Die schöne Galathée" - live am 25.04. aus dem Prinzregententheater - dazu ein Gespräch mit dem Tenor Gerhard Siegel und Stefan Frey zur Dialogfassung
    • Neuer Operettenführer anl. des 202. Geburtstages von Franz von Suppé (am 18.04.)
    • 100 Jahre "Der Vetter aus Dingsda" - Eduard Künneke im Ausland
    • Jacques Offenbachs "Schöne Helena" als Vorbild für Suppé und Künneke

    Das ist also nicht mehr aktuell, deswegen wurde ja schon auf den 11.4. verschoben

    Irrtum, die Mitteilung ist leider aktuell. Klassik.com berichtet, Stand heute:


    "Für die geplante Aufzeichnung Anfang April muss nun ein neuer Termin gefunden werden. Auch das ursprüngliche Übertragungsdatum, ein Sendertermin im Rahmen des Parsifal-Schwerpunkts und der Ausstrahlungstermin der Gesamtaufnahme auf drei verschiedenen Sendern sind nun nicht mehr einzuhalten. Neue Termine sollen zeitnah bekannt gegeben werden, so das Haus"


    Alle Jahre wieder kommt bei mir die Aufnahme unter Karl Münchinger auf den nicht mehr vorhandenen Plattenteller. In den frühen Siebzigern teuer erworben, später von der schwarzen auf silberne Scheibe gewechselt. Für die Remastering-Version verlangt Decca unverändert ordentlich Geld. Seit Jahrzehnten ist diese Matthäuspassion ein Dauerbrenner in deren Katalog.


    Gänsehaut wieder und wieder bei "Ich will bei meinem Jesu wachen" - ein Glanzstück der umfangreichen Diskografie von Fritz Wunderlich.


    Ich finde, dass man sich ihn erhören kann

    Dazu ein anekdotischer Beitrag. Mitte der Siebziger präsentierten in Erlangen zwei Organisten das umfangreiche Orgelwerk von Max Reger. Anders als beim Bach-Projekt zwei Jahre vorher, waren anfangs die Kirchenbänke nur schütter besetzt. Allerdings nahm der Besuch von Konzert zu Konzert kontinuierlich zu und erreichte letztlich annähernd das Niveau der Bach-Reihe.

    An den expressiven, hochindividuellen und teils auch exzentrischen Klaus Tennstedt hätte ich bei dem Gehörten nicht im Traum gedacht

    So sehr mir Etikettierungen und Superlative im Bezug auf Musiker meist Unbehagen bereiten: ich stimme Joseph II. zu, dass Klaus Tennstedt und Manfred Honeck eher Antipoden sind.


    Gestern hörte ich die Neunte von Dvorak aus der Elbphilarmonie. Ich dachte an

    Ich hatte nie etwas auszusetzen. Mich regte nichts auf. Und es wühlte mich auch nichts auf. Und ich war nie so richtig hingerissen. Honeck polarisiert nicht.

    Bei mir lösen die Arbeiten von Manfred Honeck Befriedigung aus, ein tiefes Einverständnis. So war es auch gestern bei der "Neuen Welt".

    die Brasilianische

    Mit der kann ich gar nichts anfangen, mit der brasilianischen Hymne, mir sagen weder Musik noch Text zu. In der Komposition von Francisco Manuel da Silva wollen einige ein Lied der "Bandeirantes" erkennen. Diese "Bannerträger" waren Expeditionstrupps, die das Landesinnere erschlossen. Andere hören fantasievoll ein Paganini-Motiv heraus.


    Hierher gehört wohl auch Joseph Elsner, den Wikipedia so treffend "deutschen Komponisten polnischer Musik" nennt. Zumindest schrieb er Kantaten, Oratorien, Opern und andere Bühnenwerke - mit polnischsprachigen Texten. Außerdem nahm er im Musikleben seiner Zeit eine herausragende Stellung ein, erst in Lemberg, später in Warschau. In Chopin-Biografien taucht er als dessen Lehrer auf.

    Manfred Honeck macht auf eine stille, unspektakuläre Art eine beachtliche Karriere als Dirigent

    Vermutlich ist es stille, unspektakuläre Art im Auftreten wie im Interpretieren das, was Manfred Honeck's angemessene Würdigung verhindert. Immer wieder erlebe ich, dass bei Diskussionen über die Neubesetzung von Chefpositionen großer Orchester sein Name fehlt. Spreche ich das an, kommen fast ausnahmslos Lobeshymnen. Man hat Manfred Honeck "nicht auf dem Schirm".


    Die Wiener Philharmoniker und Manfred Honeck - irgendwo las ich, dass der Dirigent solange kaum mit dem Orchester arbeitet, wie sein Bruder Rainer Honeck dort Konzertmeister ist. Den er übrigens gerne als Solist nach Pittsburgh holt.


    Mir geht es wie Novalis, seit seiner Stuttgarter Zeit verfolge ich den Karriereverlauf von Manfred Honeck. Besonders beeindruckte mich vor Jahren eine Achte von Dvorak mit dem hr-Sinfonieorchester, die sich zu einem YouTube-Renner entwickelt hat:


    Für mich war es ein verlorenen Nachmittag.


    Wie schade, dass Du zu diesem bitteren Urteil kommst La Roche, einem vernichtenden Rundumschlag.


    Ich kann Deinen Wunsch nach Überwältigung verstehen. Mir scheint's dennoch eine gefährlich hochgezogene Erwartung. Allemal dann, wenn für Dich das 'Heil' eh irgendwo in der Zeit zwischen 1950 und 1990 liegt.


    Übrigens, die Frau Petersen wird Dir's danken, dass Du sie als Dreißigjährige durchgehen lässt...


    :)

    Die Kritik an der Kloke-Fassung kann ich auch nicht ganz nachvollziehen.


    Und warum kann man dann nicht den Dirigenten beurteilen?

    Ich musste mich an die Fassung gewöhnen, und ihr fehlt, wen wundert's, die klangliche Üppigkeit des Originals. Eberhard Kloke leistete ausgezeichnete Arbeit, die ich nicht im Ansatz kritisiere. Müsste ich mich dazu doch wahrlich intensiver einlassen, nach einem einmaligen Hören wäre es pure Anmaßung.


    Noch einmal wiederhole ich mich (plus einer Unterstreichung): ich wage keine Beurteilung der Arbeit von Vladimir Jurowsky. Auch hier müsste ich vorher sorgfältig sortieren, was der Fassung und was dem Dirigat geschuldet ist.

    ...wie als ist dann erst der Feldmarschall

    Drollig, mit der Frage beschäftigte ich mich beim Frühstück... :)


    Die Gattin des Herrn erlebt mit der geplanten Ehe Ochs-Sophie ein Dejavue: frisch aus dem Kloster in den heiligen Ehstand. Allerdings ist das keine Altersangabe des Herrn Feldmarschall, eher ein Hinweis auf die Jugend der Marie-Theres zum Zeitpunkt ihrer Hochzeit. Ich wage mal eine Schätzung: sie 16/17, der männliche Part zwischen 30/40.


    Kann die 'brave Ordonanz' zum Zeitpunkt der Handlung die 50 überschritten haben...

    Vielen Dank für Deinen Hinweis Uwe Alsenpreis.


    Mit Entsetzen lese ich in der Ankündigung: "Die Musikstücke werden als Orchesterarrangements produziert und über Band eingespielt".


    Schade, dass niemand klagen kann gegen die Bezeichnung eines solchen Machwerks als 'Operette'. Karaoke trifft vielleicht zu?


    Gestern war es mir möglich, diesen prächtigen Opernabend zu erleben, störungsfrei, vom ersten Glockenschlag bis zum `Ende der Zeit`. Nach kurzweiligen dreieinhalb Stunden war ich restlos begeistert.


    Barrie Kosky gelang das Wunder, die betagte Münchner Schenk/Rose-Produktion abzulösen. Spielerisch, ungemein musikalisch geht er das Stück an, mit viel circensischem Budenzauber und der nötigen Portion Melancholie. Klug meidet Kosky Aktualisierungen, schläg eher Brücken zurück. Zum Stummfilm beispielweise, als solchen gab es den Rosenkavalier bekanntlich. Oder zu Selbstzitaten, etwa in der prunkvoll barockisierten Sängerarie.


    Dank Galeano Salas klang dieses Schmuckstück auch prächtig. Wie überhaupt die Comprimari ausgezeichnet besetzt waren. Wie, ein zweites Beispiel, der prächtig auftrumpfende Polizeikommissar von Martin Snell im dritten Akt. Diesen Finalakt überdreht Barrie Kosky zu bester Slapstick-Komödie, was diesem sonst oft drögen Qui pro quo prächtig bekommt und dem Auftritt der "Deusa ex machina" zusätzlich Gewicht verleiht.


    Die Feldmarschallin von Marlis Petersen stößt hier an Grenzen einerseits, aber gerade in dieser Schlußszene gefällt mir, dass bei ihr noch viel Sophie mitschwingt. Wobei die großartige Katharina Konradi im Terzett fast schon zu sehr 'aufdreht'. Wenn nicht die Ursache eher am Mischpult zu suchen ist. Die beiden Sängerinnen bilden durch den ganzen Abend, zusammen mit Samantha Hankey, ein wunderbares Dreigestirn.


    Christof Fischesser ist ein ausgezeichneter Ochs. Etwas weniger Parlando, dafür ein bisschen mehr Arioso würde ich mir an einigen Stellen wünschen. Allerdings war das Tempo bei den 'Weibergeschichten' im ersten Akt hart an der Grenze des noch singbaren. Johannes-Martin Kränzle stellte den Faninal auf die Bühne, da blieb kein Wunsch offen.


    Gewöhnungsbedürftig ist die Fassung von Eberhard Kloke. Diesmal ein Zeitsprung nach vorne, greift Kloke doch das Ariadne-Instrumentarium auf. Soweit ich hören konnte, sind Dopplungen Streicher/Bläser eliminiert. Merkwürdig wird's, wenn das Ausdünnen bis zur reinen Klavierbegleitung führt. Weicher, schwelgerischer Klangrausch - Fehlanzeige. Dafür durch die ganze Aufführung gute Durchhörbarkeit, ein Textbuch ist nicht nötig. Die Arbeit von Vladimir Jurowsky zu beurteilen wage ich nicht, denn letztlich hat er nicht den Rosenkavalier von Richard Strauss dirigiert.


    Wer's noch nicht getan hat: unbedingt ansehen, es lohnt sich!

    Zudem gehören politische Diskussionen, die kulturpolitische Bereiche berühren, sehr wohl in ein Forum wie dieses hier.


    Dass im Rahmen solcher Diskussionen dann politische Richtungen "Links/Rechts" oder auch Parteinamen "SPD/Grüne" ins Spiel kommen, liegt in der Natur der Sache und auch das finde ich noch angemessen. Ich meine, wir streiten ja über kulturpolitische Positionen.

    Poltische Diskussionen, die auch kulturpolitische Bereiche berühren - nein, die gehören nach meiner Beurteilung der Forenregeln nicht hierher. Allenfalls der Umkehrung könnte ich zustimmen. Die Kultur muss im Mittelpunkt unserer Überlegungen stehen, hier im Forum, nicht nur "auch" ein Faktor des Austauschs sein.


    Wenn sich parteipolitische Zuordnungen nicht vermeiden lassen, wünsche ich mir klare Belege. Etwa durch Parteiprogramme, Beschlüsse sonstiger Gremien oder Gesetzes- und Verordnungvorlagen. Soviel Sorgfalt sollte vor der Publizierung einer persönlichen Bewertung selbstverständlich sein. Sich nur auf sein Bauchgefühl zu verlassen, führt zu emotionalen Auseinandersetzungen, die mich zunehmend abstoßen (nicht nur hier).