Beiträge von astewes

    1900 – 121. Geburtstag von Kurt Weill (Komponist)


    Kurt Weill (*2. März 1900 -†3. April 1950) war ein US-amerikanischer Komponist deutscher Herkunft. Er war Schüler von Ferruccio Busoni. Bekannt wurde er international durch die Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht, insbesondere mit seiner Bettleroper Die Dreigroschenoper.



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    Ich bin noch als Schüler mit Weills Dreigroschenoper konfrontiert worden und war schnell begeistert. Ich habe etwas später seine frühe Kammermusik und sein Violinkonzert gehört. Es fällt schon bei den frühen Werken, bei aller Konzentration auf die klassischen Formen, eine Freude am Melodiösen auf, allerdings am schräg Melodiösen :) und am schräg Harmonischen. So ist es auch hier kein Wunder, dass der Jazz verstärkt Einfluss nimmt, was um diese Zeit herum nicht so ungewöhnlich ist. ;-)


    Aus der Dreigroschenoper zwei Gassenhauer ;) gesungen von seiner Frau Lotte Lenya:





    In der Ansage des Liedes der Seeräuber Jenny hört man noch Wolfgang Neuss.


    So genial das Werk auch ist, merkt man dem Text von Brecht doch irgendwann Anleihen bei François Villon und der englischen Beggar‘s Opera an. Die Musik von Weill habe ich dann gerne in seiner Fassung als Dreigroschenmusik für Blasorchester gehört, hier gespielt von Schülern des Royal Conservatory of Toronto und der Royal Academy of London unter Leitung von Werner Herbers. Auch wenn ich die Töne schon schräger und schärfer gehört habe ;), finde ich die Einspielung recht schön. Man kann die Eigenwilligkeit und Eindringlichkeit dieser Musik hier klarer hören, als bei einer Opernaufführung (Die Opernfans mögen mir verzeihen :untertauch:)




    Seine letzte Oper, noch in Deutschland uraufgeführt, vor ihrer schnellen Absetzung und Weills Flucht ins Ausland, gehört immer noch zu meinen Lieblingen. Es ist die "Oper" Der Silbersee nach Georg Kaiser, einem damals bekannten expressionistischen Dichter. Für mich kulminiert in diesem Stück Weills melodische Erfindung mit der Findung einer neuen Form für Musik und Text.


    Hier nun die Ouverture mit der London Sinfonietta unter Leitung von Markus Stenz




    Am Ende noch das Lied vom Zins und Zinseszins ;), gesungen von Ute Lemper begleitet vom RIAS Kammerensemble.




    Kurt Weill würde heute seinen 121. Geburtstag feiern. :jubel:

    Für mich sehr überraschend auch Gesang. Auf Empfehlung von Fiesco nun Daniel Behle und Oliver Schnyder mit Liedern von Richard Strauss. Auch Strauss höre ich normalerweise so gut wie gar nicht und bin wirklich angetan von der CD.


    Die spritzigen Gedichte von Alfred Kerr hätte ich Strauss gar nicht zugetraut zu vertonen. Man muss halt häufiger umdenken ;)



    Einzig beim Booklet etwas irritiert. Auf den Seiten 23 und 25 finden sich Bilder von Strauss, die nach den Legenden aus demselben Jahr 1904 kommen sollen. Das ist allerdings kaum zu glauben.

    Als kleine Ergänzung zum Dirigenten Dimitri Mitropoulos. Mitropoulos war auch Pianist und Komponist.


    Eine Aufnahme seiner griechischen Sonate aus dem Jahre 1920 findet sich im Repertoire des australischen Pianisten Geoffrey Douglas Madge, herausgekommen beim Label Dante im Jahre 1991.


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    Die Sonate ist ein gewaltigen Opus. Der erste Satz findet sich in der Einspielung des Pianisten Charis Dimaras im Internet. Allegro non Troppo.



    Mitropoulos war aber ebenfalls ein eminenter Pianist, der sich für die zeitgenössische Musik einsetzte. Ich besitze eine Aufnahme von ihm am Klavier, wo er auch das NBC Symphonieorchester dirigiert mit Prokofieffs drittem Klavierkonzert aus dem Jahr 1945 und das New York Symphony Orchestra mit Ernst Kreneks 3. Klavierkonzert aus dem Jahre 1949. Leider finde ich so gut wie überhaupt keinen Hinweis darauf im Internet, bis auf diesen Link


    Aufnahmen von Dimitri Mitropoulos


    und das folgende Coverbild:


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    Bei Interesse für den Dirigenten sollte man sich diese Leckerbissen, wenn man sie denn findet, nicht entgehen lassen :hello:

    Auch der Tscheche Antonín Dvořák hat Träume vertont, in diesem Falle nun Landschaftsträume. Hier nach einem Gedichtzyklus des tschechischen Dichters Gustav Pfleger-Moravsky.


    Texte zu den Zypressen


    Dvorák vertonte das hier als 17. Gedicht in dem von Chandos zur Verfügung gestellten Text als 11. Stück seines Zypressenzyklus für Streichquartett. Leider finde ich online nur eine englische Übersetzung (Deutsch über den chandos Link), die leider auch unter Copyright steht. Der Titel lautet


    Over the landscape ruled by care-free dreams


    und auch hier funktioniert die Verlinkung nicht, weil die Seite wohl dynamisch generiert wird. Auf youtube findet man aber nun doch eine Einspielung dieses Satzes durch das österreichische Hagen Quartett


    aus den Zypressen für Streichquartett B.152 Nr.11 Allegro scherzando




    für Freunde des Tschechischen gibt es noch einen Liederzyklus von Dvorák zu den Gedichten. Hier entspricht die Nr. 11 für Streichquartett der Nr. 17 der Zypressen B.11 für Tenor und Klavier, wie vom Dichter gedacht. Eingespielt von dem Tenor Markus Ullmann und Andreas Frese am Klavier



    Es tut mir leid, dass die Verlinkung mit den Texten so schwierig zu sein scheint und ich hier so 'rumeiern muss. Wenn einer hier schlauer ist und den Text im Internet besser verlinken kann, oder mir einen Tipp dazu geben kann, wäre ich dankbar.

    1951 – 70. Geburtstag von Scott Ross (Cembalist)


    Scott Ross (*1. März 1951 - †14. Juni 1989) war ein US-amerikanische Cembalist. Er war und bleibt ein Ausnahmecembalist. Sein späterer Lehrer Kenneth Gilbert war vom ersten Vorspielen des damals knapp 20-Jährigen beim internationalen Cembalo-Wettbewerb in Brügge 1971 extrem beeindruckt. Er gewann damals den „Concours de Bruges“, wobei neben Gilbert auch Gustav Leonhard in der Jury saßen. Aus Respekt vor der Außergewöhnlichkeit seiner Leistung wurde bei diesem Wettbewerb bis 1983 kein weiterer erster Preis mehr vergeben.



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    Ross war unkonventionell, ein Glenn Gould des Cembalo, wenn auch völlig anders ;). Er kam in Jeans und Pullover, was damals noch unüblich war. Er gab dem Cembalisten ein Ambiente des Rockers, auch wenn sein Spiel davon nichts spüren ließ. Sein Bach unterscheidet sich immens von dem Goulds. Er hört Bach anders. Es gibt vom ihm sogar kritische Äußerungen zu Goulds Bachspiel. Mit dreißig Jahren Abstand kann man eigentlich beide gut hören, ohne in irgendwelche Konflikte zu geraten :).



    Ich lernte Scott Ross durch seine Aufnahme des Gesamtwerkes von Jean-Philippe Rameau kennen, eines Komponisten, den ich vorher durch seine Opernsuiten zu Dardanus und Les Indes galantes schätzen und lieben gelernt hatte. Nie wieder habe diese wunderbare Musik für Cembalo so schön eingespielt gehört. Natürlich habe ich das Doppelalbum damals noch von Telefunken auf Vinyl; auf CD ist diese Einspielung, soweit ich weiß, unglaublicherweise leider nie erschienen.



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    Ross spielt mit einem sinnlichen Klang und feinsten rhythmischen Nuancierungen diese filigrane Musik so, dass ich nach dem Start nicht mehr aufhören kann zuzuhören. (Gott sei Dank gibt es youtube. Leider ist da die akustische Technik ziemlich runtergedimmt :(). Ob es nun der allgemeine Klang seines Cembalos ist, seine benutzten Register oder eine besondere Art der Reißtechnik :), ich kann es nicht beurteilen, was das Besondere ausmacht. Hört man aber dagegen die Rameau Einspielung seines Lehrers Kenneth Gilbert, kann man die Unterschiede sofort wahrnehmen und nur verblüfft sein, ob der gewaltigen Differenzen in Empfindung und Intonation. Rameau ist der legitime Vorläufer von Debussy, was Klangschönheit und -mannigfaltigkeit angeht. Ein einziges Mal hatte ich bei einer Aufnahme aus dem WDR mit dem Cembalisten Daniel Chorzempa ein vergleichbares Erlebnis. Leider scheint diese Aufnahme in den Archiven des WDR versickert zu sein. :(



    Hier Rameaus berühmte Gavotte avec six Doubles aus den Nouvelles Suites de pièces de clavecin (1726-1727), eines der schönsten Klavierstücke, die ich kenne. Ungewöhnlich ist schon das eher an eine Aria erinnernde Thema, das keinen eigentlichen Tanzsatz darstellt. Leopold Stokowski orchestrierte die Partitur, aber auch die Cembaloversion mit Scott Ross kann beeindrucken. Das Stück entwickelt in seinen Variationen eine gegen Ende geradezu atemberaubende durchgeistigte Feierlichkeit.





    Berühmt wurde Ross schließlich durch seine vollständige Einspielung der 555 Sonaten von Domenico Scarlatti, die zu den (noch ;)) wenigen CD-Boxen gehört, die ich besitze und nie bereut habe, gekauft zu haben (Also fast alles gehört!). Der geniale Scarlatti ist einer der wenigen Komponisten, die wohl nie ein schwaches Werk geschrieben haben und diese Einspielung ist zu Recht die Referenz.



    um nun doch einen Eindruck von der Empfindsamkeit seines Spieles zu bekommen, hier nun Scott Ross mit Scarlatti Kirkpatrick 96.




    Nach der Gesamtausgabe von Scarlatti strebte Ross noch einmal in einem Gewaltanlauf dasselbe für Bach an. Leider beendete sein früher, tragischer Tod dieses Vorhaben. Trotzdem gibt es einiges zu hören. Leider ist seine Aufnahme in der Bach-Hype durch Gould (das muss ich leider sagen ;)) untergegangen, der Bach nur auf dem modernen Flügel (wie auch immer manipuliert) einspielte. Trotzdem ist auch sein Bach eine eigene Welt und ich höre ihn sehr gerne.





    Nicht nur für Sammler, sondern auch für Freunde der Klaviermusik Bachs ist das in meinen Augen eine unbedingte Empfehlung.



    Scott Ross starb schließlich im Alter von 38 Jahren an einer wegen fehlender Krankenversicherung nicht behandelten Lungenentzündung. Die englische Wikipedia sieht den Ursprung in einer AIDS-Erkrankung, die deutsche Wikipedia ist da vorsichtiger.


    Ich möchte zum Abschluss aus der Bach Partita Nr. 4 eines von Ross‘ Lieblingsstücken (nach dem Booklet), die Allemande hier präsentieren, zusammen mit der Ouverture.





    Scott Ross wäre heute siebzig Jahre geworden. Ich freue mich über alle Stücke, die er noch einspielen konnte. :hail:



    Post Scriptum: Für alle, die nicht genug kriegen können:jubel: , hier die etwas virtuoseren Cyclopes aus Rameaus (zweitem Buch) Pièces de Clavecin (1724). Hier taucht schon das Übergreifen der Hände im Klaviersatz auf, das parallel dazu auch bei Scarlatti zu finden ist.



    Den Abend beende ich mit einem fantastischen Ravel (Gaspard, besonders Scarbo ist hier sehr originell), einem explosiven Schostakowitsch (1. Klaviersonate) und unruhigen Nocturnes op. 15 von Mossolov (ob das alles eine ruhige Nacht garantiert ;)) und einigen Etuden von Ligeti und völiig unbekannten Werken von Helena Tulve.


    Alles eingespielt von Mihkel Poll, einem mir bis jetzt unbekannten Pianisten. Das wird aber nicht so bleiben :)


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    Die erwähnten Sonaten sind sicher alle einer Besprechung wert :). Auch der von Dir erwähnte Carl Philipp Emanuel Bach mit seinen Sonaten ist ein eigener Kosmos, den ich noch überhaupt nicht verstanden habe.


    Ich finde aber Deine Idee, erstmal die Medtner Sonate anzugehen sinnig. Das wird trotz allem sicher nicht einfach. Ich habe mal gesucht und hier einen Link gefunden, wo man sich die Noten der Sonata romantica online besorgen kann für günstig :)


    Medtner Noten für Sonaten


    Ich werde heute mal die Sonate mit den Noten durchgehen und sehen, ob ich da was verstehe. Bis bald. und Beste Grüße.

    Einojuhani Rautavaara war ein Schüler von Wladimir Vogel #320, der heute seinen virtuellen 125. Quasigeburtstag feiert. Aber auch der Lehrer hat geträumt, wenn auch nicht in Form eines Klavierkonzertes sondern als Sprechgesang nach einem Text von Hans Arp Mondsand.

    Das Gedicht scheint online nicht zur Verfügung zu stehen. Leider! Die erste Quelle, die ich gefunden hatte, gibt leider ein anderes Gedicht zum Thema Mond von Hans Arp wieder. Wenn man aber bereit ist, ein wenig Geld auszugeben, kann man antiquarisch fündig werden:


    Mondsand Sieben Gedichte und Radierungen von Hans Arp


    Hier nun Wladimir Vogel mit dem Sprechgesang Mondträume aus dem Jahre 1965 eingespielt vom Kammersprechchor Zürich.



    1896 – 125. Quasi-Geburtstag von Wladimir Rudolfowitsch Vogel (Komponist)



    Wladimir Rudolfowitsch Vogel (*29. Februar 1896 - †19. Juni 1984) war ein schweizerischer Komponist deutsch-russischer Herkunft. Allerdings war die Einbürgerung eines ihrer bedeutendsten Komponisten in die Schweiz damals auch nicht ganz einfach, wie überhaupt große Teile seines Lebens.




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    Vogel durfte im ersten Weltkrieg Russland verlassen, was wegen seiner deutschen Abstammung nicht selbstverständlich war. Seine Eltern wurden interniert. Er ging nach Berlin und wurde ab 1921 Kompositionsschüler von Busoni, einem musikalischen Freigeist, der damals einen bunten Kreis Musiker um sich scharte. Er bekam Kontakt zu Hans Heinz Stuckenschmidt und über diesen Weg auch Einsichten in die Schoenbergsche Zwölftonmusik, die ab 1931, mit seinem Violinkonzert beginnend, für ihn bestimmend wurde. Allerdings fehlte ihm als Schüler von Busoni jeder Hang zur Dogmatik.



    Vogels diskografische Präsenz war ein echtes Desaster und das ist sie bis heute geblieben.



    Ich bin damals auf ihn gestoßen, weil er mit der Etude-Toccata für Klavier solo im Jahre 1926 ein rhythmisches Klavierstück komponiert hat, was ich unbedingt mit Prokofieffs Toccata vergleichen musste. Es sollte mir dreißig Jahre lang nicht gelingen. Die Einspielung der schweizerischen Pianistin Evelyn Tubourg beim Label TUDOR war auf Teufel komm raus nicht zu bekommen. Saturn in Köln (damals für mich die beste Quelle für Bestellungen), aber auch das EK oder Radio UNI in Bonn (gibt es beide schon lange nicht mehr) waren nicht in der Lage die Platte zu besorgen. Ich habe sie heute noch nicht, höre aber leider auch keine Platten mehr ;-). Sie wird auch bei keinem mir bekannten Streamingdienst angeboten.



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    Vogel ist, wenn überhaupt, über seine Chorwerke bekannt geworden. Leider ein musikalisches Genre, das bei mir noch nicht viel Resonanz gefunden hat. Er hatte aber auch eine Beziehung zur Lyrik. In diesem Falle zu der des Expressionisten August Stramm und des DaDa-isten Hans Arp.



    Hier eine Aufnahme der Drei Sprechlieder nach August Stramm aus dem Jahre 1922 mit dem schweizerischen Pianisten und Komponisten Werner Bärtschi und seinem Landsmann, dem Bariton Kurt Widmer





    Die Gedichte in der Reihenfolge der Komposition:



    Untreu


    Dein Lächeln weint in meiner Brust

    Die glutverbissnen Lippen eisen

    Im Atem wittert Laubwelk!

    Dein Blick versargt

    Und

    Hastet polternd Worte drauf.

    Vergessen

    Bröckeln nach die Hände!

    Frei

    Buhlt dein Kleidsaum

    Schlenkrig

    Drüber rüber!




    Verzweifelt



    Droben schmettert ein greller Stein

    Nacht grant Glas

    Die Zeiten stehn

    Ich

    Steine.

    Weit

    Glast

    Du!






    Schwermut



    Schreiten Streben

    Leben sehnt

    Schauern Stehen

    Blicke suchen

    Sterben wächst

    Das Kommen

    Schreit!

    Tief

    Stummen

    Wir.




    Alle aus August Stramm: Du, die Liebesgedichte Erstdruck: Berlin (Verlag Der Sturm) 1915


    Die Lyrik Stramms selbst ist ein einzelnes Juwel, das, wenn überhaupt, nur noch im Dadaismus Nachfolger gefunden hat. Ernst Jandl und Gerhard Rühm wären noch zu nennen.



    Leider ist die Etude-Toccata im Netz nicht zu finden, daher aus seiner frühen Periode der Klavierzyklus Nature vivante für Piano solo (1917-1921), eingespielt von dem deutschen Pianisten und Komponisten Steffen Schleiermacher. Man kann hier noch deutlich die Verschiedenartigkeit der musikalischen Einflüsse wahrnehmen, aber auch das eigene Idiom des Komponisten. I




    Bevor ich nun meinen Leser hier ganz erschöpfe (Ich muss um Entschuldigung für die Begeisterung bitten) noch ein Streichquartett aus dem Jahre 1983 als Beispiel für seine Zwölftontechnik


    Klangexpressionen. Es spielt das schweizerische Amati Quartett





    Wladimir Vogel würde zwischen heute und morgen seinen 125. Geburtstag feiern. :hello::hello:

    Ich überlege immer noch, ob ich Levits Beethoven-GA bestelle. Abgesehen von der Doppelung der letzten Sonaten bin ich echt unsicher.

    An Einspielungen dieser Sonaten ist nun wirklich kein Mangel. Wenn ich ein völlig unverbindliches Geschmacksurteil abgeben darf, würde ich Dir den Levit sehr empfehlen und ihn auf jeden Fall dem Lewis vorziehen. Ich halte die Levit Einspielung für eine der besten in den letzten Jahren. Ich habe keine Ahnung, ob Du streamst. In diesem Falle könntest Du Dir beide Aufnahmen einfach mal anhören.


    Hieraus CD 11

    Lieber Garaguly , ich erahne langsam wie Du auf diese ungeheuerliche Menge an Einspielungen kommst. Allerdings muss ich zugeben, dass die RCA Boxen bei mir auch Besitzwünsche ausgelöst haben :) .


    Kennst Du "zufällig" diese? (leider bei jpc für mich nicht zu finden)

    Und wenn ja, kannst Du sie empfehlen?

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    Das Programm Klassik auf die Straße stößt auf manche Schwierigkeit. Anders als Haydn oder Bach haben einige Komponisten den Einsatz ihrer Musik im Autoverkehr nicht richtig bedacht, daher folgende Empfehlungsliste


    Geeignet



    wobei die Nummern 1-3 die beste Außenwirkung erzielen. Ganz besonders Nr. 3 Satz 2 führt zu interessanten Reaktionen :)


    Gänzlich ungeeignet:



    Die beachtliche Dynamik lenkt zu sehr vom Verkehr ab und lässt einen so ungeschickt im Wagen hantieren, dass das eigentliche Ziel konterkariert wird. In den nächsten Tagen wird ein Versuch mit Melnikovs Prokofieff gestartet.


    Für das Heim habe ich eben beides sehr erfolgreich ausprobiert :hello:

    Obwohl ich eigentlich Sampler hasse und ganz besonders welche, die eigentlich nur zur Werbung dienen, mache ich hier mal eine Ausnahme. Die drei CDs sind mit wenigen Ausnahmen voll mit Komponisten, die ich entweder nur dem Namen nach oder überhaupt nicht kenne. Drei Stunden Überblick (;)) über völlig unbekannte Komponisten, mit der Idee, bei Gefallen bestellen zu können, das ist doch schon ganz gut. Das wird jetzt trotz mäßiger Bewertung bei jpc gehört!:/


    Vielen Dank für diesen großartigen Tipp. Diese Box habe ich gerade bestellt.


    BTW ich werde langsam boxophil 8-)

    Was kann man am Abend Schöneres hören als die Kunst der Fuge. Ich habe eine Einspielung für Klavier solo von der taiwanesischen Pianistin Pi-Hsien Chen gefunden. Wir nähern uns einem zweistelligen Einspielergebnis ;)




    Die Interpretin ist eher für die Interpretation sehr moderner Klaviermusik.bekannt geworden. Ihr wurden von diversen Komponisten auch Stücke gewidmet. Ihr klares Spiel gefällt mir hier bei Bach sehr gut.


    über die Vorzüge dieser Komposition kann man hier auch in „traditionellem Chinesisch“ lesen, aber ob da vielleicht Interessanteres steht, als in meinem deutschen Text, da muss ich passen 8)

    1996 – 25. Todestag von Mieczyslaw Weinberg (Komponist)

    Ich möchte nur eine kleine Ergänzung zu dem Beitrag von Stimmenliebhaber machen. Weinberg ist momentan in aller Munde, woran auch immer das gelegen haben mag. Ich habe gelesen, dass Gidon Kremer nicht der Initiator gewesen sei.


    Es ist eine sehr erfreuliche Überraschung, dass man einen fast vergessenen Komponisten erfolgreich wiederentdecken kann.


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    Er war in den letzten Jahrzehnten eng mit Schostakowitsch befreundet, wie das Bild zurecht suggeriert Es gab wohl einen internen freundschaftlichen Wettstreit zwischen den beiden über die Menge an Streichquartetten, die jeder von ihnen komponiere, den am Ende dann Weinberg gewonnen hat, weil er den älteren Freund um gute zwanzig Jahre überlebte. Es sind dann insgesamt siebzehn Quartette geworden.


    Die natürliche Einschätzung, dass bei den Quartetten der Jüngere vom Älteren gelernt habe, ist sicherlich richtig, doch erschöpft sich der Wert seiner Leistung nicht darin. Es gibt eine vollständige Einspielung seines Quartettwerkes durch das belgische Streichquartettensemble Quatuor Danel bei cpo,



    aber auch einen frisch angefangenen Einspielzyklus durch das nicht weniger gute polnische Silesian String Quartet. Hier führe ich das Quartett Nr. 11 Op. 89 aus dem Jahre 1965 vor, das einmal die Nähe zu Schostakowitschs späten Quartetten aber auch die Eigenständigkeit Weinbergs in hervorragender Weise zeigt.








    Mieczyslaw Weinberg ist heute vor 25 Jahren gestorben. RIP

    Ob das genau die gleiche Kreutzersonaten-Einspielung ist, weiß ich jetzt nicht

    Ich habe nachgeschaut. Die Aufnahme auf der CD ist von 2007. Sie ist vier Minuten kürzer.


    Der Verdacht erhärtet sich, dass es jeweils andere Aufnahmen sind. Um so schöner. :)


    Allerdings erinnert das Spiel schon an die wahrscheinlich ältere Studioaufnahme. Auch das Zusammenspiel der beiden ist absolut überzeugend.

    wenn auch nur ein akklamativer Beitrag. Ich finde diese Einspielungen auch wunderbar. Vieles ist auch eine Charaktersache. Und ihrer scheint mir impulsiv zu sein. Das macht ungeheuren Spaß beim Zuhören.


    BTW zu finden auf einer CD, die es gerade bei jpc nicht zu kaufen gibt :(.


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    Es gibt die sonata romantica eingespielt vom australischen Pianisten Geoffrey Tozer auf youtube mit Noten!


    aus dem youtube Text, der hier durchaus lesbar ist:


    Nikolai Medtner (1880 - 1951) - Sonata Romantica, Op. 53 No. 1 (1929 - 1930)

    I. Romanza. Andantino con moto, ma sempre espressivo [0:07]
    II. Scherzo. Allegro [7:23]
    III. Meditation. Andante con moto [12:44]
    IV. Finale. Allegro non troppo [16:07]

    Medtner's Sonata Romantica is one of those works which the beauty just cannot be explained with words, only repeated listenings. It's so complex, intricate, even reserved that it can be hard to understand the first times. Though, at the point where you understand this work, you will just not be able to get rid of it. Composed of 4 movements, Romanza (00:07), a Scherzo (7:23), Meditazione (12:44) and a breathtaking finale (16:07), it is in the key of B-Flat minor. Tozer plays this masterpiece with an incredible reffinement, with an, as always, extremely contrasted playing, going between beautiful and tender pianos, and intense, passioned, even violent forte, full of bravura.



    Tozer hat das Gesamtwerk bei Chandos eingespielt. Bei jpc leider nur einzeln erhältlich. Die Sonata romantica befindet sich auf der folgenden CD


    b) Gilels, Early Recordings II, u.a. mit Prokoview, Piano Sonata No. 2, op. 14, sowie noch Klaviersonaten von Medtner und Glasunow. --> Cover folgt die

    Der Gilels ist sicher eine großartige Empfehlung, ich bin von diesem Pianisten noch nie enttäuscht worden. Schade, dass die Tontechnik so schlecht sein soll. Ab einer bestimmten Grenze finde ich dann Aufnahmen nicht mehr gut zu studieren, weil man einfach nicht mehr hören kann, was nun wirklich gemacht wird. Das ist mir mal bei Gieseking und Debussy aufgefallen, Aufnahmen, die in den Himmel gelobt werden, wo ich einfach nicht mehr nachvollziehen konnte, was nun wriklich pedaltechnisch gemacht wird und wo wir reinen Flügelklang der eigentlichen Töne haben..... (Hier sollte man vielleicht auch mal rangehen und remastern, was geht...:))


    Damiro was hältst Du von der Sonata romantica? Noten kann ich sicher besorgen, nur bin ich ein rechter Analphabet. Wenn man mich auf die Stellen hinweist, kann ich sie lesen, aber von alleine .....:(

    Von Busoni kenne ich natürlich einige seiner Bachbearbeitungen. Von Busoni habe ich mal 7 LPs erstanden, die der interessante Pianist Gunnar Johansen im Eigenverlag produziert hat.

    Busoni ist wahrscheinlich nicht leicht zu rezipieren. Er hat dauernd über die gültige Musik nachgedacht und damit auch stetig seine eigenen Kompositionen infrage gestellt. Anders als bei vielen anderen Komponisten gibt es eigentlich keine junge und reife Phase. Es gibt immer andere Phasen. Am Ende seines Lebens glaubte Busoni die Lösung in der jungen Klassizität zu finden. Es ist schwierig, in all den genialen Stücken eine Entwicklung zu sehen, daher wahrscheinlich auch der Widerstand bei vielen Interpreten.


    Die Medtner-Sonaten habe ich von Marc-Andre Hamelin. Richtig warm geworden bin ich mit der Musik beim gelegentlichen Hören aber noch nicht. Kannst Du eine empfehlen?

    Da habe ich ein bisschen nachgedacht. Mir gefällt Medtner mittlerweile fast immer. Medtner war mit Rachmaninoff befreundet und von dort findet man tatsächlich einen leichten Einstieg, wenn Medtner auch die bei Rachmaninoff zum Handwerk gehörenden Verzierungen fremd waren. Harmonisch und melodisch gehören aber beide ähnlichen Welten an.



    Und bei Scriabin und Prokofieff mag ich mehr oder weniger alle.


    das habe ich mal als Herausforderung angesehen. Es gibt da die Sonata romantica Op.51 Nr. 1, auch von Hamelin eingespielt. Ein Werk, das Medtner 1930 veröffentlichte. Hier findet man vieles medtnertypische, aber auch die deutlichen Unterschiede zu Rachmaninoff und vor allem auch Prokofieff, den man im Scherzo der Sonate immer wieder hören kann. Medtner kann irgendwie alles :), wunderschöne Melodien, harte Rhythmik und extreme Komplexität in der polyphonen Melodieführung. Er bleibt aber durchgehend tonal. Es ist fast wie ein Mantra ;).


    Wenn man nur einzelne Stellen hört, weiß man nicht ob man einen Mozart Zeitgenossen vor sich hat oder einen von Prokofieff. Medtner schafft es, diese viele Musik unter eine Form zu bringen, die Sonatenform. Das finde ich das absolut Außergewöhnliche. Tatsächlich würden sich wahrscheinlich mal Vergleiche mit Prokofieff ernsthaft anbieten, obwohl sich beide im Leben wohl nicht viel zu sagen hatten.


    Was die Einspielungen von Hamelin angeht, muss ich an ein paar Bemerkungen von WolfgangZ denken, dem das Spiel manchmal zu virtuos vorkam. Ich habe die Hamelin Einspielungen auch (Der Sammlertrieb :P), finde aber häufig andere weniger glatte Einspielungen interessanter. Bei der Sonata romantica würde ich mal den jungen Pianisten Alessando Taverna empfehlen:



    Er spielt absolut klar und durchsichtig, was man beim Erstkontakt mit diesen komplizierten Kompositionen nur empfehlen kann. Trotzdem spielt er natürlich mit viel Gefühl für diese Musik!

    Früher hätte ich erst abgewogen, was auf mich zukommt und nach den Methoden gefragt, um allfällige Probleme tz bearbeiten. Jetzt denke ich eher an Spass am tiefer irgendwo reinhören, am Querlesen, kurzum auch an Bücher, Artikel, Internet"wissen" und Verlinkungen sowie CDs, YT und ähnliche Quellen.


    Ich freue mich sehr, dass das Thema Dir gefällt. Die Einstellung, mit Spaß ranzugehen, finde ich gut und passt zu dem, was auch mir vorschwebt. Für die akademische Analyse fehlen mir einfach das Können und Wissen. Trotzdem beschäftigt mich die Sonatenform von klein auf und ich komme in Abständen immer wieder zu ihr zurück. Mich interessiert das Besondere daran. Über die Zeit hat sie immer wieder mal geschwächelt (Romantik) und ist dann doch wieder in Glanz erschienen (Anfang und Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts)


    Alle die Komponisten, die Du aufführst haben sich mit ihr beschäftigt. Gerade Nikolai Medtner ist mir in den zwei letzten Jahrzehnten besonders nahegekommen. Er ist ein ganz erstaunliches Phänomen, da er in einer Zeit, wo die Musik sich ganz andere Bahnen schlug (Prokofieff, Hindemith etc.) ein solch großartiges umfangreiches (es sind 14 Sonaten !) Werk tonal komponieren konnte. Er wird ja gerne als russischer Brahms gesehen oder als ein später Romantiker. Das scheint mir aber alles nur ein Etikett zu sein.


    Ich fände es schön, wenn wir hier ganz locker über unsere Hörerfahrungen darüber sprechen könnten und damit den Komponisten und der Musik näherkämen und eventuell ein Verständnis für diese Form über die Zeit gewännen.


    Keinen Stress! Lieber langsam und ruhig.


    BTW Zu Medtner scheint eine "neue" Ausgabe seiner Sonaten auf uns zuzukommen. Auch der Pianist Paul Stewart lässt es ruhig angehen :)


    Warum fehlt hier das komplette WOHLTEMPERIERTE KLAVIER? Das kam zwar bei Philiips raus, aber die Aufnahmen der Schumann-Fantasiestücke und von Beethovens op. 111 (eine wahnsinnig gute Einspielung auf einem Bösendorfer-Flügel!) sind ja auch dabei?

    Ich weiß es nicht wirklich. Aber Guldas Ausnahme des Wohltemperierten Klavieres gibt es mit einem wirklich ausgezeichneten Remastering hier:


    und für einen spektakulären Preis auf Platte, wobei ich nicht weiß, ob die nicht einfach nur den digitalen Master gepresst haben. Die Phillips CDs klangen immer etwas schlechter als die Platten (meine alten Aufnahme von 1972), so dass sich vielleicht das Fehlen dadurch erklärt.

    Auch Alexanders Vater Nikolai Tscherepnin (*1873-†1945) schien das Träumen im Blut zu liegen :). Aus den Drei Stücken Op. 24 das erste Stück Rêverie. Der Vater träumte doch noch bedeutend romantischer als der impressionistisch beeinflusste Sohnemann. Es spielt der Pianist David Witten.



    Der russische Komponist Alexander Tscherepnin (*1899-†1977) hat ein sehr umfangreiches Werk für Klavier hinterlassen. Aus seinen zwischen 1954 und 1955 enstandenen Acht Stücken für Klavier Op.88 hier das dritte Stück Rêverie. Es spielt die Pianistin Monique Haas.


    Ich konnte schon wieder nicht widerstehen. Dafür wird es einfach zu selten aufgenommen und jetzt noch mit Ersteinspielungen ....


    Ich habe zwar bei Alex Ross gelesen, dass Boulez nicht gerade eine sympatische Erscheinung war, er hat unter anderem Dutilleux brüskiert und Messiaen beschimpft, was soll's?

    Wo steht geschrieben, dass gute Musik von guten Menschen komponiert wird ;). Und auch das ist selbstverständlich mit einem Augenzwinkern zu lesen!


    Also, frisch aus dem Katalog von jpc:


    1942 – 79. Todestag von Stefan Zweig (Schriftsteller)

    Stefan Zweig (*28. November 1881 - †23. Februar 1942) starb vor 79 Jahren. Er nahm sich das Leben. Auch, wenn ich nicht wie Stimmenliebhaber in der Lage bin, seine Literatur mit Musik zusammenzubringen, und auch nicht befähigt, seine Literatur als solche zu bewerten, so spielen vereinzelte Werke von ihm eine wichtige Rolle in meinem Leben.


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    Die Welt von Gestern war das Lieblingsbuch meines Vaters, ein Buch, in dem Zweig gegen Ende seines Lebens noch einmal die K. und K.- Monarchie in vielen Facetten beschreibt. Vor allem die verlorene Kultur scheint den größten Schmerz hinterlassen zu haben.


    Ich habe als Kind viel mit meinem Vater darüber gesprochen, ohne eigentlich den Hintergrund zu verstehen. Gelesen habe ich mit Freude und Spannung seine biographischen Romane wie Joseph Fouché oder Maria Stuart, die wundervoll geschrieben und zu lesen waren, ohne auch hier einen größeren Zusammenhang zu erkennen.


    Erst in den letzten Jahrzehnten erkenne ich deutlich, dass diese Welt von gestern uns auch heute noch beschäftigt. Man sieht das in vielen Diskussionen, selbst hier im Forum. Der Bruch, der durch das zwanzigste Jahrhundert entstanden ist, ist noch lange nicht verarbeitet und verstanden.


    Der hypersensible Stefan Zweig war hier wie ein Seismograph der Weltgeschichte.


    Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, dem möchte ich es empfehlen.





    Stefan Zweig nahm sich vor 79 Jahren im Exil das Leben. Das ist ein trauriger Anlass, seiner zu gedenken.