Beiträge von Suelzenfuss

    Ich war am Samstag 6.11 in der Aufführung in Duisburg. Beim Einführungsvortrag fiel das Wort " Anti -Bayreuth " bezogen darauf, daß das Orchester nicht im Graben versteckt wird. Ich befürchtete Schlimmes und........


    Es war für mich und meine Frau ein traumhaft schöner Abend, an dem, endlich mal wieder, alles stimmte. Das kleine Ensemble auf der Bühne hatte einen tollen Effekt insbes. bei leisen Abschnitten und Isoldes traumhaft schön gesungener Liebestod, so habe ich das von Schnaut, Polaski, Watson ( die ich alle sehr verehre !) noch nie gehört!, war unvergeßlich mit den nach und nach auf die Bühne kommenden und spielenden Musikern. Kammermusikalisch war das nur, wo es auch gut paßte.


    Die beiden Einführungen am Anfang des 1. und 2. Aufzug störten nicht wirklich, was schon mal gut ist, und paßten inhaltlich hinein.


    A. Petersamer hat eine super Isolde gesungen, mit einer tollen Technik, allein die Portamenti !, ohne Ermüdungserscheinung und alle hohen Töne , sie ist Mezzo !, getroffen.

    Daniel Frank hat den kompletten 3. Aufzug gesungen!!!!! Keine schauspielerischen Ausdrücke wie Rufen usw., die oft zu hören sind um stimmliche Schwächen zu überbrücken. Das Timbre ist schön , wie schon im Tannhäuser, so daß auch der 2. Aufzug ein Genuss war. Er ist nicht so laut wie ein Siukola oder ein Schmidt, aber wer ist das heute schon. Er war in der 6. Reihe immer gut gegen diese hervorragende Isolde zu hören.

    Über König braucht man nichts zu sagen, stimmlich unangreifbar, im Ausdruck gefallen mir andere besser, und Kurwenal und Brangäne haben ihre Partie gut gemeistert.


    Im Orchester nur einige Patzer bei den Bläsern, ansonsten großer Klang , die Duisburger halt , und Kober hat es geschaft die verteilten Musiker gut zusammenzuhalten.


    Am Sonntag 14.11 gibt es noch eine Aufführung ! Hingehen !!!!!!!


    Gruß aus Düsseldorf

    Zitat Rheingold :

    Ich werde nie vergessen, wie er in Bayreuth bei seinen ersten "Meistersingern" eine unglaubliche Spannung aufbaute indem er immer wieder Pausen einlegte und diese derart dehnte, dass es einem den Atem verschlug. Das konnte nach meinem Urteil nur Furtwängler so.



    Genau das meine ich, so habe ich es auch erlebt. In den letzten Jahren habe ich ihn nicht mehr live gehört, sein Tristan aus Wien z.b. haut mich nicht so um.

    Zum Ursprungsthema !


    Ich habe Thielemann in Italien und Bayreuth im Wagnerfach erlebt. Es war jedesmal für mich eine Sensation, so hatte ich Tristan oder Meistersinger , außer auf Aufnahmen mit Furtwängler, noch nie gehört. Er ist für mich ein " Gott " im Wagnerfach. Daß Götter nicht immer nur sympatisch und nett rüberkommen, kann man im Ring gut studieren. Er ist für mich der einzig legitime Nachfolger Furtwänglers und ich hoffe er bleibt Bayreuth noch lange erhalten.

    In den 90er Jahren im Frühjahr war ich mit meiner Frau auf einer Opernreise durch Italien von der Scala bis zum Teatro Politeama in Palermo.

    Die für uns immer noch beeindruckenste Vorstellung war eine eher unbedeutende Tosca am Nachmittag in dem kleinen Theater in Reggio. Es sang die damals unbekannte Francesca Patane in der Hauptrolle und ein italienischer Tenor , der Name ist mir z.Z. entfallen, mit schöner, aber kleiner Stimme. Als junge Ärzte hatten wir wenig Geld und waren deshalb im Loggione ( Oberrang Stehplatz ). Für uns beeindruckend war, wie die "Loggioni" sich von den mitgebrachten Stühlen nur erhoben um bestimmte Spitzentöne des Cavaradossi zu beurteilen. Mit lautem höhnischen Lachen kommentierten diese dann " dammi colori " und " la vita mi costasse ... ", so laut daß es sicherlich auf der Bühne zu hören war. Wir waren geschockt wegen dieser Respektlosigkeit. Im weiteren Verlauf des Nachmittages wurde der Tenor immer besser und lieferte am Ende eine tolle Arie ( e lucevan... ) ab mit der er dann auch die Loggioni , sowie den Rest des Publikums, überzeugen konnte. Sein mutiger Kampf mit dem Publikum wird mir immer in Erinnerung bleiben. Es müssen nicht immer die großen Häuser sein, die unvergessene Momente erzeugen. Die Patane habe ich Jahre später in Essen als tolle Fanciulla gesehen.

    Die andere unvergessene Aufführung war wieder in einem kleinen Theater , in Hagen, einige Jahre später Otello Galavorstellung mit dem Gast Sherill Milnes. Sein an der Rampe gesungenes Credo habe ich immer noch im Ohr. Übrigens war Johan Botha der Cassio.

    Durch die , wenn auch nicht zur Zeit, gestiegene Mobiltät mit z.B. Freitags Tristan in Berlin, Sonntags Siegfried an der Met und Dienstag Siegmund in der Scala, werden viele gute Stimmen überfordert und vorzeitig ruiniert. Im Flugzeug wird eine Videoproduktion als Anleitung angesehen und nach kurzer Probe geht es auf die Bühne. In den 30 Jahren konnte Lorenz auf der Überfahrt nach New York mit der Bremen in aller Ruhe, mit Hilfe von Tauber, den Tannhäuser einstudieren, heutzutage unvorstellbar !


    Junge Sänger am Anfang der Karriere können nicht so einfach " nein " sagen, wenn sie diese nicht gefährden wollen. Intendanten, die nach meiner Einschätzung , i.d. R. keine Ahnung vom Gesang haben, bestehen auf immer neue " frische " Gesichter in z.T. falschen Rollen. Wolfgang Schmidt sagte mir einmal, daß es nicht so einfach sei neue Engagements zu bekommen, wenn man die große Runde ( Bayreuth, Scala, Met usw) hinter sich habe , da immer nach neuen Gesichtern gesucht werde. Regisseure besetzen idiotischerweise nach optischen Kriterien und haben oftmals überhaupt keine Vorstellung davon was es bedeutet z.b. im Liegen zu singen. usw, usw.


    Somit ist es für, insbes. junge, Sänger heutzutage nicht leicht das zu Überstehen und sie brauchen gute Agenten und Berater die eine Karriere auch mal langfristig angehen. Und, da sind wir gefragt, ein Publikum, daß eine Absage auch akzeptiert ohne zu Murren !

    Hoffen wir, daß diese bedrohte Spezies Heldentenor überlebt.


    Gruß Dirk

    Zu Andreas Schager :

    Ich habe ihn vor einigen Jahren in Meiningen nach einem Tristan kennengelernt. Gemeinsam mit einer Freundin und seiner damaligen Gesangslehrerin haben wir einen feucht-fröhlichen Abend bis spät in die Nacht verbracht. Er heißt gebürtig Schagerl. Sein Bruder war ( oder ist ? ) wohl ein bekannter Schlagersänger in Österreich. Davon wollte er sich namentlich abgrenzen und sein Agent sagte ihm wohl, daß das L am Ende einer internationalen Vermarktung im Wege stehe. Deshalb die Reduktion auf Schager.


    Ich habe ihn vor einigen Jahren 2 mal als Tristan gehört und war jedes Mal begeistert von seiner Stimmkraft, aber auch seiner Darstellung. Sicherlich einer der besten Heldentenöre die ich in dieser Rolle in den letzten Jahren gehört habe. Als Parsifal fande ich ihn in Bayreuth nicht so überzeugend.


    Zu Heldentenören allgemein:

    Aktuell zählt für mich sicherlich Steven Gould dazu, den ich oft in Bayreuth hören durfte , aber auch Michael Weinius der in Düsseldorf einen großartigen Siegfried gesungen hat.

    Aktuell nicht mehr aktiv , war Heikki Siukkula für mich die größte und schönste Heldentenorstimme , die ich je hören durfte. Davon kann man sich bei seinen Mitschnitt aus New York unter Eve Queler , eine eigene Meinung bilden.


    Für mich waren die Aufführungen mit Wolfgang Schmidt auch , fast immer, große Abende. Er ist für mich der am meisten unterschätzte Heldentenor der zurückliegenden Jahre. Sicherlich, das Anschleifen der Töne von unten und das metallische Timbre dominiert von Öbertönen, ist nicht jedermans Sache, aber eine gute offizielle Aufnahme, außer der Götterdämmerung in Bayreuth, oder ein Rezital, hätte er schon verdient gehabt.


    Man sollte heutigen Heldentenören nicht unrecht tun, wenn man sie mit den Recken wie Melchior, Lorenz, Suthaus, Treptow, Hopf usw. ( die ich verehre !) auf historischen Aufnahmen vergleicht. Das waren häufig Aufnahmen unter Studiobedingungen z.B. Tristan 43 mit Lorenz, Melchior mit Leider usw. , und ich habe den Verdacht, daß die Orchester heutzutage besser besetzt und damit lauter sind als früher.


    Gruß aus Düsseldorf