Beiträge von patebino

    Ich habe befürchtet, dass die Diskussion diese Wendung nehmen könnte: Was bei Bruckner "hochseriöse" Rekonstruktion sein soll, wird bei Beethoven (und wohl auch bei Mahlers 10. und bei Schubert) in Bausch und Bogen verdammt. Zunächst mal war bei Beethovens 10. (wo ja auch schon seit über 20 Jahren ein erster Versuch vorliegt) die KI nicht allein am Werk, sondern es heißt immer "mit Hilfe von..." Da waren natürlich auch Musikwissenschaftler, Komponisten und Musiker beteiligt.

    Und methodisch und hermeuneutisch gilt (übrigens auch bei Bruckner) immer noch, dass man aus bestehenden Versionen vielleicht Vorstufen rekonstruieren kann (wie das in Literaturwissenschaft, Exegese usw. gang und gäbe ist), aber niemals aus bestehenden Versionen Nachfolgefassungen "rekonstruieren" kann - was schon terminologisch ein Widerspruch in sich ist.

    Bei Schubert's 8. liegt immerhin die Exposition des Scherzos auskomponiert vor, bei seiner 7. für die gesamte Sinfonie über 4 Sätze mindestens die Melodielinie. Immerhin hat der bei Bruckner hochgelobte Benjamin-Gunnar Cohrs auch das Scherzo von Schuberts 8. vervollständigt.

    Über die Bemühungen von Willi Hess um das Oeuvre Beethovens liest man gar nichts (mehr); vielleicht liegt das daran, dass es nicht um eine Sinfonie (oh, welch Sakrileg :untertauch:) geht, sondern um vernachlässigbares "Kleinzeugs"?

    Nur ist die Brilliant-Box, so wünschenswert ein solches Projekt war, leider doch nicht vollständig; es fehlen z.B. von den Sonaten (publ. 1763) die Nr. 2-4 (KWV 829-831), eingespielt wurde nur Nr. 1 KWV 828. Ebenfalls nicht enthalten sind die 6 Sonaten (von 1713) KWV 832-837 und die (ausdrücklich nicht als Orgelfugen verzeichneten) 6 Fugen KWV 843-848. Gleichwohl für viele Cembalowerke von Krebs eine Ersteinspielung bzw. die derzeit verfügbare einzige Einspielung.

    Bei der Einzel-CD würde mich interessieren (erfährt man aber wohl erst nach dem Kauf ||), welches Cembalo verwendet wurde.

    Joana Mallwitz beerbt 2023 Christoph Eschenbach als Leiterin des Konzerthaus-Orchesters Berlin - mit diesem Orchester hat sie ja schon einige Aufführungen bestritten, die z.T. auf youtube verfügbar sind, und was man da zu hören bekommt, ist von ausgesuchter Qualität.

    Ich glaube allerdings auch, dass man nicht zwingend erwarten darf, eine CD-Überspielung in einer bestimmten Reihe/Serie zu erhalten. Immerhin sind fast alle der genannten Aufnahmen auf CD zu kriegen.

    Mozart/Weber in der besagten Resonance-CD

    Grieg in der Reihe Eloquence

    Schumann hab ich auf einer Double-CD gefunden

    Schuberts 8. hab ich auf einer CD-Sonderausgabe Karajan-Kollektion, zusammen mit Dvoraks 9.

    Und die Beethoven-Ouvertüren gibt es unübertroffen auf einer Galleria-Doppel-CD.

    (Liszt weiß ich nicht, müsste aber spätestens in der Box Karajan 1960s enthalten sein)

    Und auch die Originals Reihe biete ja durchaus Zusammenstellungen und gerade nicht die Original-LPs.

    Beethovens 3. KK mit Richter/Sanderling wurde z.B. kombiniert/ergänzt mit Mozarts c-Moll KK mit Richter/Wislocki, also aus zwei separaten LPs. (wohl um die Spielzeit der CD auszureizen)

    erscheint 16.08.

    Nach der vollständig geglaubten und mit Vol. 6 angeblich abgeschlossenen Reihe der Violinkonzerte und -suiten Telemanns gibt es doch noch ein Vol. 7, und gleichzeitig wird angekündigt, das sei noch nicht alles :jubel:. Zu Recht, denn das Ausstehende (vgl. jpc-Rezensionen zu Vol. 6) würde noch zwei CDs füllen. Warum von der Aufnahme (2013) bis zur Publikation 8 Jahre vergehen mussten, bleibt allemal ein Rätsel :/

    Meine Favoriten für eine Gesamtaufnahme der Orgelwerke Bachs sind


    1. Christopher Herrick an diversen Metzler-Orgeln in Bremgarten, Luzern (Jesuitenkirche), Zofingen, Rheinfelden usw.



    Leider nicht mehr erhältlich, nur noch vereinzelt Einzel-CDs. Von der Interpretation großartig, das wird nie langweilig (im Gegensatz zu W. Rübsam, Philips 1977)


    2. Olivier Vernet, Verschiedene Orgeln in Frankreich, Goslar-Grauhof usw.



    Leider nicht mehr erhältlich, auch in der Sonderausgabe 25 Jahre mit 15 CDs nicht mehr


    Die Teldec-Koopman-Gesamtausgabe ist für mich nur wegen der Orgeln interessant, nicht wegen der Interpretation X(

    Das war am Anfang der Poststraße die Gilde-Buchhandlung, die eine wirklich hochwertige CD-Abteilung hatte - und manchmal sogar gute Sonderangebote ...

    Nach der Schließung/Geschäftsaufgabe sind m.W. einige Angestellte mit einem CD-Shop neben/in das Beethovenhaus bzw. Kammermusiksaal umgezogen. Ob es den noch gibt oder ob der jetzt in dem Beethoven-Souvenir-Shop gegenüber aufgegangen ist, weiß ich nicht. Immerhin gibt es / gab es vor Corona bei jeder Aufführung in der Oper Bonn einen großen CD-Angebots-Tisch. Zuletzt gesehen bei der genialen Fidelio-Inszenierung am 04.01.2020. Lang ist's her - schön war's ...

    Die Orgelfugen von Bach sind großartig (z.B. BWV 538, 540, 542, 546, 548, 552; und auch die von Helmut Walcha kongenial vervollständigte Schlussfuge BWV 1080):

    rec. Silbermann Strasbourg. Die Alkmaar-Aufnahme (1956) enthält sie m.W. nicht.

    Mindestens ebenbürtig sind die Orgelfugen von Johann Ludwig Krebs, in ihrem Umfang fast sogar großartiger:

    und weitere CDs dieser Reihe.

    Und schließlich: Der zweite Teil von Beethovens Ouvertüre "Die Weihe des Hauses", sowohl orchestral

    als auch in Bearbeitung für Orgel (live gehört im Vorfeld des Beethoven-Jubiläums vor dem großen Lockdown) - grandios.

    Mein Sonntag begann mit BR Fernsehen:

    Schubert, Sinfonie Nr. 9 C-Dur

    BR Symphonie-Orchester, Herbert Blomstedt

    Von Dez. 2020, in geradezu kammerorchestraler Besetzung (z.B. nur 3 Celli und 3 Bässe).

    https://www.br.de/mediathek/vi…:609e1c61ca97fb0007358602


    Anschließend

    Toccaten und Fugen BWV 564, 566, 538, 540, und BWV 542

    großartige Orgeln: Treutmann Goslar-Grauhof, sowie B. Aubertin in Vertus und Vichy


    Und jetzt

    Präludien und Fugen BWV 544, 545, 546, 547, 548, 552

    großartige Orgel: Treutmann Goslar-Grauhof.


    Insgesamt großartige Interpretation